Makroökonomik - Universität Passau

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Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff
Universität Passau
WS 2012/13
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11. Die offene Volkswirtschaft
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Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff
k
Folie 278
Pflichtlektüre:
Lambsdorff, J. Graf und C. Engelen (2008), Das
Keynesianische Konsensmodell einer offenen
Volkswirtschaft, WiST, Wirtschaftswissenschaftliches
Studium, S. 540-548.
http://www.wiwi.uni-passau.de/fileadmin/dokumente/lehrstuehle/lambsdorff/downloads/DKK_S._540-547.pdf
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Folie 279
• Finanzierung von Investitionen in offenen
Volkswirtschaften
Wie wird ein Anstieg der Investitionen in einer offenen Volkswirtschaft
finanziert? Um diese Frage zu beantworten, benötigen wir erneut ein Modell.
Wir erweitern das bekannte Gütermarktmodell um Exporte und Importe. Wir
werden zeigen, dass erneut Investitionen sich automatisch die zu ihrer
Finanzierung notwendigen Mittel verschaffen.
• Modellannahmen
Die Exporte sind exogen, da Wechselkurs und Auslandskonjunktur als
konstant angenommen werden. Die Importe sind positiv vom verfügbaren
Einkommen abhängig, da Konsumgüter nicht nur aus dem Inland gekauft
werden.
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Folie 280
Das Gütermarktmodell einer offenen Volkswirtschaft
(1) Y=YD
(2) YD=C+I+G+X-J
(3)
C=a+cYv
;(a>0, 0<c<1)
Fünf Gleichungen und
fünf endogene Variablen:
(4) Yv=Y–T
Y, YD, C, J, X, Yv, T
(5) T=𝑇+tY ;(𝑇>0, 0t<1)
Exogene Variablen: G, 𝑇,
I, t, 𝑋, 𝐽
(6) X=𝑋
(7) J=𝐽+mYv (0<m<c)
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Folie 281
Wie sich zeigen lässt, resultiert der folgende Multiplikator für einen
autonomen Anstieg der Investitionen:
1
𝑑𝑌 =
𝑑𝐼
1− 𝑐−𝑚 1−𝑡
• Stabilisierung in kleinen Volkswirtschaften
Eine wichtige Implikation betrifft kleine Länder, die zumeist einen hohen
Importanteil (z.B. Luxemburg) haben. Diese haben einen kleinen
Multiplikator und können mit Hilfe von Staatskonsum kaum die Wirtschaft
stabilisieren.
Der Anpassungsprozess lässt sich graphisch illustrieren:
I   Y  Yv  Ci
T
S
J
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Sickerverluste
Folie 282
• Finanzierung:
Spr – NKE – BD = Inpr





Das verfügbare Einkommen steigt um (1-t)dY.
Damit steigt die private Ersparnis um (1-c)(1-t)dY.
Die Steuereinnahmen steigen um tdY; in diesem Ausmaß steigt also
die öffentliche Ersparnis und das Budgetdefizit sinkt.
Die Importe steigen um m(1-t)dY. In diesem Ausmaß steigt der
ausländische Beitrag zur Ersparnis.
Insgesamt steigt die Ersparnis um:
dS  1  c 1  t   t  m 1  t  dY
 1   c  m 1  t  dY ,
also genauso stark, wie die Investitionen.
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Folie 283
• Der Wechselkurs im Keynesianischen Konsensmodell
Der Wechselkurs, e, wird gemessen als Preis des Euro in Dollar, z.B. 1€=1,25
Dollar.
 Ein Sinken des Wechselkurses, e, verbilligt inländische Produkte.
Exporte werden daher zunehmen und die teurer werdenden Importe
nehmen ab. Dies lässt den Außenbeitrag steigen.
 Der gleiche Effekt ergibt sich bei einem Preisanstieg im Ausland oder
einer Preissenkung im Inland. Entscheidend für Außenbeitrag und die
Güternachfrage ist daher der reale Wechselkurs, er=ep/pa.
 Der Anstieg des Außenbeitrags geht mit einer erhöhten
gesamtwirtschaftlichen Nachfrage einher. Insgesamt gilt daher für die ISKurve:
𝑌 = 𝑏0 − 𝑏1 𝑟 − 𝑏2 𝑒 𝑟 , mit 𝑏0 , 𝑏1 , 𝑏2 > 0
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Folie 284
• Die Zahlungsbilanz im Konsensmodell
Für die Kapitalbilanz hatten wir gesehen, dass Differenzen im (realen)
Zinsniveau entscheidend sind. Ist der inländische Realzins höher als der
ausländische, so resultieren Kapitalimporte. Es werden verstärkt Euro
nachgefragt. Ist der ausländische Realzins höher als der inländische, so wollen
Anleger verstärkt Kapital exportieren. Sie werden daher in höherem Ausmaß
Euro anbieten. Auf Angebot und Nachfrage nach Euro kann auch der
Außenbeitrag einwirken. Die Kapitalbewegungen sind in den letzten Jahrzehnten
aber immer stärker geworden. Daher wollen wir den Außenbeitrag
vernachlässigen.
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Folie 285
• Die
Devisenmarktkurve
Wir können vereinfachend argumentieren, dass so viele Devisen angeboten wie
nachgefragt werden, wenn der Realzins des Inlands dem des Auslands
entspricht, 𝑟 = 𝑟𝑎 . Ist der Zinssatz im Inland höher (geringer), besteht eine
Überschussnachfrage (Überschussangebot) nach der eigenen Währung.
Hierdurch wird die eigene Währung teurer (billiger) und der reale Wechselkurs,
er, steigt (sinkt)
r
MP
IS0
ra
P0
Y
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Y
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Expansivere Regel der Zentralbank
r
IS0
MP
er
MP1
P0
r0
Z
P1
PA
r'
Y
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Y
Folie 287
• Erläuterung der Anpassung
Im Falle einer expansiveren Regel senkt die Zentralbank den Realzins und
erhöht damit das Inlandsprodukt. Dies bewirkt nun Kapitalexporte. Aufgrund der
hohen Nachfrage nach Dollar wird der Euro günstig und er sinkt. Hierdurch
erhöht sich der Außenbeitrag und die IS-Kurve verschiebt sich nach rechts. Die
Auswirkung der expansiven Regel wird durch die Verbilligung des Euro weiter
verstärkt. Der Außenbeitrag steigt und erhöht die gesamtwirtschaftliche
Nachfrage. Diese zusätzliche Wirkung der Zentralbankpolitik wird auch als
„Wechselkurskanal“ bezeichnet.
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Folie 288
Erhöhung des Staatskonsums
r
IS0
r0
b0
IS1
er
P0=P1
Y
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MP
PA
+
Z
–
Y
Folie 289
• Erläuterung der Anpassung
Ein Anstieg des Staatskonsums ist beispielhaft hier für den Schock einer
erhöhten Güternachfrage gewählt. Die Zentralbank wird auf die gestiegene
Nachfrage mit einer Erhöhung der Realzinsen reagieren (Punkt PA). Dies löst
nun Kapitalimporte aus. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Euro wird dieser
teurer und er steigt. Hierdurch sinkt der Außenbeitrag und die IS-Kurve
verschiebt sich zurück in die Ausgangslage. Die erhöhte Güternachfrage durch
den Staatskonsum wird vollständig durch den sinkenden Außenbeitrag
kompensiert.
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Folie 290
• Wie ein Budgetdefizit des Staates (Steuersenkungen bei steigenden Ausgaben)
zu einem Defizit im Außenhandel führt, zeigte sich während der USPräsidentschaft von Ronald Reagan. Das gleichzeitige Auftreten dieser Defizite
wird als twin-deficit bezeichnet.
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Steigender Auslandszinssatz
r
IS0
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Y
Folie 292
• Erläuterung der Anpassung
Eine Störung kann auch darin bestehen, dass Auslandsinvestitionen attraktiv
werden aufgrund eines erhöhten Zinssatzes im Ausland. Dies verschiebt die
Devisenmarktkurve nach oben. Kapitalexporte führen zu einer erhöhten
Nachfrage nach Dollar. Der Euro wird billiger, er sinkt. Dies erhöht den
Außenbeitrag. Den erhöhten Nettokapitalexporten steht damit ein erhöhter
Außenbeitrag entgegen. Das Inlandsprodukt steigt daraufhin. Die Importe
steigen und senken den Außenbeitrag. Der Realzins steigt und senkt die
Kapitalexporte.
• Ein Beispiel: Das britische Pfund im Jahre 1992/93
Deutschland setzte die Zinsen ab 1991 hoch, um der hohen Güternachfrage im
wiedervereinigten Deutschland entgegen zu wirken. Für Großbritannien und
Frankreich resultierte die Verschiebung der Devisenmarktkurve nach oben.
Frankreich fixierte den Wechselkurs. Daher resultierte ein Sinken des
Inlandsprodukts im Punkt PA. In Großbritannien wertete das britische Pfund nach
einer krisenhaften Entwicklung ab und das BIP stieg an.
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• Währungsunion
In einer Währungsunion sind die Wechselkurse zwischen den teilnehmenden
Ländern unwiderruflich fixiert. Die Zentralbank bestimmt den für die gesamte
Währungsunion passenden Nominalzins. Die Währung eines Landes, das Kapital
anzieht (verliert), wird dann nicht mehr aufwerten (abwerten). Damit entfallen
die oben beschriebenen Anpassungsmechanismen. Wie wird stattdessen eine
Anpassung an ein Gleichgewicht in einer Währungsunion erzielt?
• Divergente Entwicklung in einer Währungsunion
In einem Land mit hohen (niedrigen) Inflationsraten sind die Realzinsen niedrig
(hoch), da die Zentralbank einen Nominalzins für alle Länder bestimmt.
Investitionen werden daher gefördert (reduziert) und das Inlandsprodukt erhöht
(gesenkt). Dies bewirkt ein weiteres Ansteigen (Absinken) der Inflationsrate.
Die Unterschiede in den Inflationsraten divergieren daher. Die Währungsunion
ist von einem Auseinanderdriften bedroht.
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• Konvergente Entwicklung in einer Währungsunion
Importe- und Exporte zwischen teilnehmenden Ländern können eine
Konvergenz bewirken. In einem Land mit hohen (niedrigen) Inflationsraten
werden die Produkte teurer und es wird weniger (mehr) exportiert. Der
Außenbeitrag sinkt (steigt) daher. Dies senkt (erhöht) das Inlandsprodukt und die
Inflationsrate. Die Währungsunion kann damit eine konvergierende Entwicklung
der teilnehmenden Länder mit sich bringen. Langfristig ist zu vermuten, dass
sich die konvergente gegen die divergente Entwicklung durchsetzen wird. Aber
wie lange wird es dauern?
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Fallstudie
VII. Fallstudie Krise in der Eurozone
Cartoon von (Martin Sutovec, www.caglecartoons.com, 16. August 2011)
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Fallstudie
• 1993: Währungen wie die spanische Peseta werten bis 1995 ab. Danach
konstante Wechselkurse mit allen späteren Euro-Partnern.
• 1999: Wechselkurse für Euroländer werden unwiderruflich festgelegt und
nominale Zinssätze von Vorgänger der EZB europaweit festgelegt.
• Niedrige Inflation in Deutschland lässt den Euro real günstig werden.
Realzinsen hierdurch hoch. Investitionen niedrig und Kapitalexporte.
Leistungsbilanz wird positiv.
• Hohe Inflation in Spanien lässt den Euro real teurer werden. Realzinsen
hierdurch niedrig und Kapitalimporte. Investitionen sind hoch und
Leistungsbilanz wird negativ.
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Fallstudie
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Fallstudie
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Fallstudie
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Folie 300
Fallstudie
• Bei der Konstruktion des Euro bestand die Erwartung, die Finanzmärkte
würden Schuldnerländer automatisch disziplinieren.
• Länder mit solidem Staatshaushalt würden nur geringe Ausfallprämien
bezahlen, solche mit hoher Verschuldung würden durch hohe Prämien bestraft
werden.
• Dies zeigte sich jedoch nicht. Stattdessen wurde das Ausfallrisiko bis 2007
vernachlässigt, entweder weil Anleger zu optimistisch waren, einen bailout im
Falle der Krise erwarteten oder an eine spätere, günstige Refinanzierung
glaubten.
• Die hohen Risikoprämien auf Staatsanleihen Spaniens haben seitdem
selbsterfüllende Wirkungen: Sie sind nicht dauerhaft finanzierbar und machen
damit einen Ausfall wahrscheinlicher.
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Sep-05
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Sep-04
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Jan-04
Sep-03
May-03
Jan-03
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Fallstudie
7
6
5
4
3
2
Deutschland, langfristiger Nominalzins
Spanien, langfristiger Nominalzins
1
0
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Fallstudie
• 2010: Zusammenhalt der Eurozone erfordert temporäre Stützungsmaßnahmen.
Sparmaßnahmen in Spanien und erhöhte Nachfrage in Deutschland sind
notwendig.
• 2012: Spanien muss zunehmend Souveränität an internationale
Aufsichtsorgane abtreten. Aber wird Spanien dazu bereit sein und kann die
Regierung dafür ein demokratisches Mandat erhalten?
• Deutschland muss seinen Leistungsbilanzüberschuss abbauen und anfangen,
Investitionen und Konsum zu stärken. Insbesondere aus einer keynesianischen
Perspektive wird ein solcher Beitrag von Überschussländern zur
Krisenbewältigung gefordert. Aber Deutschland zeigt wenig Bereitschaft hierzu
und versucht eher, Vorbild bei einer „Tugend des Sparens“ zu sein. Dies trägt
derzeit zu einem europaweiten Sparparadoxon bei.
• Sind die Kulturen zu unterschiedlich, um eine dauerhafte Lösung zu
ermöglichen?
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