Social Media – alles wahr?
Wie Menschen sich in sozialen Netzwerken
darstellen
Gabriele Hooffacker
1
Kennen Sie Robin Sage?
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Robin Sage war nur wenige
Tage auf Facebook aktiv.
Zahlreiche Militärs erzählten
ihr Geheimes und leiteten
ihr interne Dokumente
weiter.
Tatsächlich heißt sie
Thomas Ryan.
Quelle: www.tagesschau.de
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Medien: Was das Internet
alles verändert hat
Quelle: Christoph
Neuberger, zitiert nach:
Klaus Meier, Journalistik,
Konstanz 2007
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Journalisten nehmen einem
die Arbeit nicht mehr ab.
Was die Nutzer jetzt selbst machen:
 Informationen suchen (Suchmaschinen),
 Informationen auswählen,
 Informationen prüfen,
 Informationen bewerten,
 Sich öffentlich darüber austauschen.
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Social Media? Web 2.0?


Der Begriff
„Social media“
löst den Begriff
„Web 2.0“
allmählich ab.
Aber was
bedeutet „Social
Media“?
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Es handelt sich eher um eine
Schlagwort-Wolke (tag cloud).
Quelle:
http://trevoryoung.posterous.
com/social-media-in-a-tagcloud-nutshell
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Erweiterte Realität
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
Was die Sozialen Netzwerke leisten, wird
unter dem Begriff „erweiterte Realität“
(augmented reality, enhanced reality)
zusammengefasst: eine erweiterte
Sinneswahrnehmung für den Menschen.
Das heißt: Die Menschen rezipieren
Online-Welten als wahr.
Aber sind sie das auch?
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte_Realit%C3%A4t
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Beispiele
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Twitter
Facebook
Xing
Geo-Dienste (Geo-Tagging, Navigationshilfen...)
Wikipedia
Youtube
auch: Neon.de
...
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Wer nutzt sie?
Wachstum stagniert
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62 Prozent der
Internet-Nutzer
besuchen Social
Networks.
35 Prozent nutzen
Social Networks
regelmäßig (=
mindestens einmal
pro Woche). Dieser
Anteil stagniert.
Quelle: W3B-Studie, April/Mai
2010.
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Wer ist aktiv?
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Zum Kreis der aktiven
Social Networker zählen
40 Prozent der
regelmäßigen NetworkBesucher. Der größere
Teil (55%) verhält sich
nach eigenen Angaben
vorwiegend passiv bzw.
beobachtend.
Von allen InternetNutzern sind nur 14
Prozent aktiv
kommunizierende,
gestaltende Social
Networker.
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Medium für junge Leute...
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Shell Jugendstudie 2010: „Prägend für die
aktuelle Jugendgeneration in Deutschland sind
Leistungsorientierung und ein ausgeprägter Sinn
für soziale Beziehungen.“
Welche Rolle spielen Internet und Soziale
Netzwerke? Hier unterscheiden sich die
Jugendlichen stark nach ihrer sozialen Herkunft.
Bei der Art der Nutzung des Internets zeigt sich
eine soziale Spaltung.
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...aber nicht für alle!
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Die „Gamer“ (24 Prozent der
Jugendlichen mit Netzzugang) – vor
allem jüngere männliche Jugendliche
aus sozial benachteiligten Familien –
verbringen ihre Zeit im Netz
hauptsächlich mit Computerspielen.
„Digitale Netzwerker“ (25
Prozent) – vor allem jüngere
weibliche Jugendliche – nutzen
vor allem die sozialen Netzwerke
(Facebook, StudiVZ).
Für Funktions-User (17 Prozent) –
eher ältere weibliche Jugendliche – ist
das Internet Mittel zum Zweck: Sie
gebrauchen es für Informationen, EMails und Einkäufe von zu Hause aus.
Die „Multi-User“ (34 Prozent) –
eher ältere männliche
Jugendliche aus den oberen
Schichten – nutzen schließlich die
gesamte Bandbreite des Netzes
mit all seinen Funktionalitäten.
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Studie: „Sozialer Raum im
Digitalen“
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Die virtuelle Welt stellt eine Erweiterung und
Fortsetzung des sozialen Raums im Digitalen
dar. Das Mitmachen auf Netzwerkplattformen
ermöglicht Heranwachsenden
sich sozial zu integrieren,
über persönlich wichtige Themen zu diskutieren
und damit nicht zuletzt an der (Medien-)
Gesellschaft teilzuhaben.
Quelle: Studie von Bernd Schorb, Univ. Leipzig, www.medienkonvergenz-monitoring.de
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Bildungshintergrund und
Online-Realität
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
Quelle: Bernd Schorb a.a.O.
Nur zur Sicherheit: BH = Bildungshintergrund
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Alter und Online-Realität
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Quelle: Bernd Schorb a.a.O.
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Schlechte Erfahrungen mit
den Online-Netzwerken
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Quelle: Bernd Schorb a.a.O.
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Fake-Profile

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8 Prozent berichteten, dass sie „auf Fakes
hereingefallen“ sind.
Meist beziehen sich die Nennungen darauf, dass
Personen unter falschem Namen oder mit falschen
persönlichen Angaben (Alter, Geschlecht, Aussehen) im
Schutz der Internet-Anonymität mit den Jugendlichen in
Kontakt getreten sind.
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Identitäts-Diebstahl
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5 Prozent haben erlebt, dass eine andere Person die eigene
Identität (im Wortsinn) im Sozialen Online-Netzwerk gefährdet hat:
Zum einen durch „Account-Hacking“ und „Passwortklau“: „...dass
man meine Seite gehackt hat und ein paar dämliche Bilder rein
gestellt hat“, „jemand hat mein Passwort geknackt und mich
gelöscht sowie meinen Freunden fiese Nachrichten geschrieben!“.
Zum anderen haben andere sich als ‚sie‘ ausgegeben: „von mir gibt
es vier Seiten im schülerVZ, davon sind drei nicht von mir“
berichtet z. B. einer der Jugendlichen. Ein anderer schreibt: „Ich
wurde gefaked!“
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Fazit von Bernd Schorb
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Die soziale Realität spiegelt sich in den Sozialen OnlineNetzwerken.
Die Nähe von digitaler und physischer Realität zeigt sich bei der
Betrachtung sozialer Zusammenhänge:
Das Repertoire an Artikulationsmöglichkeiten ist auch im Netz bei
Jugendlichen mit höherer formaler Bildung breiter und reichhaltiger.
Auch die Geschlechterunterschiede reproduzieren sich in den
Sozialen Online-Netzwerken. Die Mädchen bewerten die sozialkommunikativen Funktionen der Netzwerkplattformen höher als die
Jungen.
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Studie: Männer und Frauen
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Frauen und Männer unterscheiden sich in ihrer
Selbstrepräsentation signifikant voneinander.
Frauen nutzen die Plattform vorrangig zur
Kommunikation innerhalb ihres realen schon
existierenden Bekannten- und Freundeskreises.
Männer sind häufig auf der Suche nach neuen
Online-Bekanntschaften und schauen sich gern
"fremde" Profile an.
Quelle: Elizabeth Prommer, HFF Potdam, über StudiVZ, 2009
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Gender: Unterschiedliche
Selbstdarstellung
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Dies wirkt sich vor allem auf die Selbstdarstellung der
Nutzer aus: Beide Geschlechter möchten sich möglichst
positiv darstellen, jedoch unterscheiden sie sich dabei
in ihren Strategien.
Frauen nutzen zur Selbstrepräsentation die Profilbilder,
die personenbezogenen Angaben und vor allem die
Mitgliedschaft in Interessensgruppen. Frauen möchten
sich möglichst authentisch darstellen.
Männer verbergen ihre Identität oft, weil sie auf sich
neugierig machen möchten.
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Pinocchio auf Facebook
Quelle:
http://www.glasbergen.com/cart
oons-about-social-networking/
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Kleine Welt
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Nach der Kleine-Welt-Hypothese ist jeder Mensch (sozialer
Akteur) auf der Welt mit jedem anderen über eine kurze
Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbunden.
Soziale Netzwerke setzen in der Regel eigene Anmeldung
oder Einladung voraus.
Wählt man per Zufall eine Person, wird immer der direkte
Weg zu dieser Person angezeigt, der selten mehr als fünf
Glieder umfasst.
Einschränkungen: Einerseits sind nicht alle möglichen
Verbindungen zwischen allen Menschen gespeichert.
Andererseits können Verbindungen gespeichert sein, die in
der Realität nicht existieren.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kleine-Welt-Ph%C3%A4nomen
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Warum Menschen in Sozialen
Netzwerken kaum schwindeln,
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beantwortet Mitja Back von der JohannesGutenberg-Universität in Mainz:
„Zum einen, weil sie wahrscheinlich kein
starkes Bedürfnis dazu haben, sich zu
verstellen oder zumindest ein stärkeres
Bedürfnis, sich so zu zeigen, wie sie sind
und ihrem wahrem Selbst Ausdruck
verleihen zu können.“
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Es ist schwer, sich zu
verstellen:
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„Zum anderen ist es sehr schwierig, sich auf OnlineProfilen zu verstellen: Viele Informationen auf dem
eigenen Profil kommen von anderen Personen des sozialen
Netzwerks (z.B. Pinnwandbeiträge) und diese
Sozialpartner geben Feedback zur eigenen
Selbstdarstellung.
Man kann nicht einfach hunderte neue Bekannte oder
zahlreiche Fotoalben von Partys erfinden, um sich
möglichst extrovertiert darzustellen – diese sind entweder
vorhanden (weil man extrovertiert ist) oder nicht (weil
man es nicht ist).“
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Dieselbe Studie reloaded,
Mai 2010
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
Bei der Neuauflage der Fragestellung kommt das
Team zum gleichen Schluss:
Our results were consistent with the extended
real-life hypothesis and contrary to the idealized
virtual-identity hypothesis. Observer accuracy
was found, but there was no evidence of selfidealization (see Table 1), and ideal-self ratings
did not predict observer impressions above and
beyond actual personality.
Quelle: http://www.simine.com/docs/Back_et_al_PSYCHSCIENCE_2010.pdf
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Soziale Netzwerke üben
soziale Kontrolle aus
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Im Hinblick auf die soziale Kontrolle, die das eigene
Netzwerk ausübt, fragte ein Panel des Social Media
Club Hamburg 2009: “Werden wir online alle zu
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens?”
Die Antwort lautet: Ja, und wir haben gelernt, uns auch
so zu verhalten, denn Lügen schaden dem Image
immer mehr als unschöne Wahrheiten.
Quelle: http://www.smchh.de/2009/11/30/smchh-bei-xing-werden-wir-online-alle-zu-personendes-offentlichen-lebens/
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Studie: Soziale Netzwerke
lügen nicht
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
Internetprofile in sozialen Netzwerken wie
Facebook und StudiVZ lügen nicht, sondern
offenbaren die Wahrheit über ihre Besitzer.
"In unserer Studie kam heraus, dass sich
genaue Persönlichkeitsurteile anhand von
Profilen in sozialen Netzwerken erstellen
lassen.“
Quelle: Studie der Persönlichkeitspsychologin Juliane Stopfer und des Psychologen Mitja Back von der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
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„Nicht verzerrt“



"Die Urteile sind nicht durch die
Selbstidealisierungstendenzen der
Profilbesitzer verzerrt."
Damit widerspricht Stopfer den gängigen
Vorstellungen, soziale Netzwerke seien
geprägt von der Inszenierung ihrer
Nutzer.
Wie kommt die Studie zu diesem
Ergebnis?
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Methode:



Stopfer hatte 103 Profilseiten auf StudiVZ
beurteilen lassen.
Die 103 Versuchspersonen machten zusätzlich
in einem Fragebogen Angaben zu ihrer
Persönlichkeit.
Diese Aussagen verglich Stopfer mit den
Einschätzungen von zehn Beurteilern der
StudiVZ-Profilseiten, welche die
Versuchspersonen nicht persönlich kannten.
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Big Five
"Entscheidend sind fünf Persönlichkeitsdimensionen, Big Five
genannt", sagt Juliane Stopfer. Das sind
 Extraversion (Geselligkeit),
 Verträglichkeit (Gutmütigkeit),
 Neurotizismus (emotionale Instabilität),
 Gewissenhaftigkeit und
 Offenheit für Erfahrungen.
Fazit:
 "Bis auf Neurotizismus lassen sich alle
Persönlichkeitsmerkmale anhand der Profilseiten
beurteilen."
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Wie wir andere beurteilen


Juliane Stopfer: „Es gibt Studien, die zeigen,
dass wir andere Menschen selbst dann zu
einem gewissen Grad genau einschätzen
können, wenn diese gar nicht anwesend sind.“
„Zum Beispiel haben amerikanische Forscher
um Sam Gosling herausgefunden, dass ein
Blick in das Büro oder Schlafzimmer oder auch
die Kenntnis der Musikpräferenzen für genaue
Persönlichkeitsurteile ausreicht.“
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Warum wir (kaum)
schummeln


Der Trend, sich im Netz eine völlig andere
Identität zuzulegen, ist schon lange vorbei,
meint Back. „Längst erfüllen Onlineprofile den
Zweck, sich zu vernetzen“.
In den sozialen Netzwerken sollen echte
Kontakte hergestellt werden, um bei der
Jobsuche zu helfen oder alte Freunde
wiederzufinden. „Die Zeit der Decknamen und
gefälschten Accounts ist da lange vergangen“,
sagt Back.
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Sozial-Netzwerke sind keine
Spielerei mehr



„Es sind tatsächliche Beziehungen, die dort
ausgehandelt werden.“, so Mitja Back.
Falsche Angaben zu machen, liegt nicht im
Interesse der Nutzer.
„Es gibt ein Grundbedürfnis, wahrgenommen zu
werden und sich so darzustellen, wie man ist“
sagt Back.
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Das gilt auch für
James Bond.



Dieser Herr ist zum Zeitpunkt der
Aufnahme der britische UnoBotschafter John Sawers.
Das Foto hatte seine Frau auf
Facebook veröffentlicht.
Inzwischen ist er Chef des
britischen
Auslandsgeheimdienstes MI6.
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Social Media Guidelines
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

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
Viele Unternehmen geben inzwischen eigene
Social-Media-Guidelines für ihre Mitarbeiter
heraus. Sie raten:
Privat- und öffentliche Sphäre trennen.
Netiquette einhalten
Vertrauliches vertraulich behandeln (also:
schweigen).
Privatsphäre-Tools der Social Media nutzen.
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Wenn‘ nicht wahr ist



Ein klassischer Hoax
(Falschmeldung): Es
gibt keinen realen
Hintergrund.
Menschen verbreiten
ihn aus
Hilfsbereitschaft.
Siehe auch Moderne
Legenden.
Zum
Weiterrecherchieren:
www.hoax-info.de
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Informationen aus Social
Media checken





Social Media nutzen, aber richtig:
Kontakte finden
Bei Verwendung: 1. innerhalb, 2. außerhalb des
Internets gegenprüfen (Telefon, Mail,
persönliches Gespräch)
Kontakte halten: aber nur die unverfänglichen.
Vorsicht vor „modernenen Legenden“ bzw.
Hoaxes, vgl. www.hoax-info.de
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Wenn bewusst Pseudonyme
eingesetzt werden



Wikipedia erlaubt
grundsätzlich Pseudonyme
und schützt die
Anonymität.
Das steht in Widerspruch
zur angestrebten
Seriosität.
Immer mehr WikipediaMitarbeiter schreiben
deshalb unter Klarnamen
– oder legen sich
Pseudonyme zu, die wie
ein Klarname aussehen.
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Tipp: Pseudonyme



Man kann Pseudonyme (Nicknames)
nutzen.
Verhalten Sie sich jedoch immer so, dass
es kein Problem wäre, wenn Ihr
Pseudonym auffliegen würde.
Tun Sie auch unter Pseudonym nur Dinge,
die Sie auch unter Ihrem richtigen Namen
tun würden.
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Öffentlichkeitsarbeit in
eigener Sache, aber richtig



Nicht so wie WeTab-Chef Helmut Hoffer
von Ankershoffen.
Er hat unter falschen Namen euphorische
Besprechungen seines Tablet-PCs auf
Amazon geschrieben.
Jetzt ist er den Job als Geschäftsführer
los.
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Tipps für Social media




Glaubwürdig sein.
Auf Information setzen, nicht auf
Lobhudelei.
Gut vernetzen.
...und das Thema Datenschutz im Blick
behalten (aber das ist Thema heute
nachmittag!).
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Zum Schluss:
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