bipolare störungen: neues aus der forschung 2015/2016

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BIPOLARE STÖRUNGEN: NEUES AUS DER
FORSCHUNG 2015/2016
Michael Bauer, Rita Bauer, Markus Donix, Ute Lewitzka, Esther
Mühlbauer, Andrea Pfennig, Maximilian Pilhatsch, Dirk Ritter, Philipp
Ritter, Emanuel Severus.
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden
1
1.1
1.2
1.3
2
2.1
2.2
2.3
2.4
2.5
Prodromalforschung: Früherkennung bei bipolaren Störungen
Vor der ersten Manie: Vergleich des Symptomprofils der ersten
depressiven Episoden zwischen bipolaren und unipolaren Patienten
Gestörter Schlaf als potentieller Risikofaktor für die spätere
Entwicklung einer bipolaren Störung?
Temperament und prodromale Symptome im Vorfeld einer ersten
manischen bzw. hypomanen Episode: eine Pilotstudie
Klassifikation, Diagnostik und Verlauf
Progressive Abfolge klinischer Stadien in der Entwicklung bipolarer
Störungen
DSM-5: Bipolare Störungen
DSM-5: Warum ist die Manie keine eigenständige Kategorie?
Der Einfluss von Life-Events auf die erstmalige vs. wiederholte
Krankenhausaufnahme aufgrund einer bipolaren Störung
Herzinfarktrisiko bei bipolarer Störung: Ergebnisse einer
epidemiologischen Studie
3
3.1
Suizidforschung
Die suizidprophylaktischen Eigenschaften von Lithium bei Patienten
mit affektiven Störungen: Übersicht
4
4.1
Epidemiologie und Komorbidität
Reduziertes Schlaganfallrisiko nach Behandlung mit Lithium bei
Patienten mit bipolarer Störung
Typ 2 Diabetes und Prä-Diabetes bei bipolarer Störung
4.2
5
5.1
5.2
5.3
5.4
5.5
5.6
5.7
6
6.1
Pharmakotherapie: Wirkungen und Nebenwirkungen
Renale Nebenwirkungen von Lithium: Ergebnisse einer longitudinalen
Untersuchung
Entwicklung chronischer Nierenerkrankung unter Lithium und
Antikonvulsiva: Ergebnisse einer dänischen Registerstudie
Langzeitbehandlung mit Lithium: Risiko für Nierentumore?
Schilddrüsenfunktion bei Langzeit Lithium-behandelten bipolaren
Patienten: eine Querschnittsstudie
Symptomatik und Therapie der Lithium Intoxikation
Placebo-kontrollierte Studie einer Zusatztherapie mit Armodafinil bei
Depression im Rahmen einer Bipolar-I-Störung
Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen bei Patienten mit
bipolarer Störung
Psychologische Faktoren und IT-basierte Interventionen
Die Bedeutung von Lebensereignissen und psychologischen Faktoren
hinsichtlich des Beginns von ersten und wiederkehrenden affektiven
Episoden bei Kindern von bipolar Erkrankten: Ergebnisse der
Seite 2
6.2
6.3
2.7
Niederländischen Studie
Stimmungsschwankungen bei Bipolar-I versus Bipolar-II Störungen:
kontinuierliche tägliche Selbstbeobachtung mittels Smartphone
Tägliche Smartphone-basierte Selbstbeobachtung bei bipolaren
Störungen –MONARCA I: placebo-kontrollierte Studie
Literatur
1
Prodromalforschung: Früherkennung bei
bipolaren Störungen
Bipolare affektive Störungen sind schwere, episodisch verlaufende und gewöhnlich lebenslang bestehende Erkrankungen, die für die Betroffenen häufig
mit erheblichen Einschränkungen und Behinderungen in der Lebensgestaltung
einhergehen. Da der Beginn für die Mehrzahl der Betroffenen bereits im jungen
Erwachsenenalter (15-25. Lebensjahr) liegt, handelt es sich um eine
Erkrankungsgruppe mit großer epidemiologischer und gesundheitspolitischer
Bedeutung. In der Regel entwickeln sich bipolare Störungen bei Personen mit
einem erhöhten Krankheitsrisiko über ein unspezifisches Prodromalstadium in
der Adoleszenz oder im jungen Erwachsenenalter zu einer ersten affektiven
Episode. Im weiteren Verlauf kommt es dann gewöhnlich lebenslang zu
unvorhersehbaren Rezidiven und bei einem Teil der Patienten zur Entwicklung
von Therapieresistenz depressiver Episoden. Eine positive Familiengeschichte
mit bipolaren Störungen ist einer der stärksten und beständigsten
Risikofaktoren. Angehörige eines Betroffenen mit Bipolar-I- oder Bipolar-IIStörung haben ein 10fach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken (1).
Abb. 1: modifiziert aus: Leopold et al. (2013) Nervenarzt 84(11):1310-5. (1)
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei der bipolaren Störung um eine
heterogene Erkrankung mit einer erheblichen Latenz von den ersten
Symptomen bis zur Diagnose handelt. Die Früherkennung und Frühintervention haben theoretisch das Potential, die Krankheitsprogression zu mindern
und die negativen Folgen der Erkrankung zu reduzieren (2). Es gibt zunehmend Hinweise aus der Forschung der vergangenen 5 Jahre, dass der
Manifestation der bipolaren Störung eine Phase dynamischer Symptomentwicklung vorausgeht (Prodromalstadium). Diese Phase ist hinsichtlich der
Dauer sowie der Frühidentifikation und -Intervention dem Prodromalstadium
der Schizophrenie ähnlich, wenngleich Stimmungsschwankungen häufiger im
bipolaren Prodrom und attenuierte, positive psychotische Symptome häufiger
im schizophrenen Prodrom auftreten. Unklar ist derzeit ebenfalls, welche
Symptome oder Symptomkomplexe sich am besten eignen, um reliabel
Patienten vor Beginn einer Manie zu identifizieren, ob Früherkennung einer
Bipolar-II-Störung möglich ist und ob und inwieweit sich Prodromi in
Seite 4
Patientenuntergruppen unterscheiden, abhängig vom Vorliegen von z.B.
genetischer Belastung, psychotischen Vollsymptomen, Erkrankungsalter,
spezifischen Komorbiditäten.
1.1
Vor der ersten Manie: Vergleich des Symptomprofils der ersten
depressiven Episoden zwischen bipolaren und unipolaren
Patienten
Obgleich die Manie oder Hypomanie für die Diagnose einer bipolaren Störung
obligat ist, manifestiert sich die Erkrankung in den meisten Fällen zunächst in
Form einer depressiven Episode. Da sich die psychopharmakologische
Behandlung der unipolaren und bipolaren Störung deutlich unterscheiden und
einige Medikamente, die bei der Behandlung depressiver Episoden zum
Einsatz kommen, den Verlauf der bipolaren Störung ungünstig beeinflussen
können (z.B. trizyklische Antidepressiva), wären Marker, die frühzeitig auf
einen bipolaren Verlauf hinweisen, von hohem klinischen Nutzen.
Die EDSP-Studie ist eine große, longitudinalen Kohorten-Studie einer
repräsentativen Bevölkerungs-Stichprobe (N=3.021) Jugendlicher und junger
Erwachsener (Alter 14-24 Jahre bei Einschluss) und einem Follow-up von bis
zu zehn Jahren. Die Teilnehmer wurden in regelmäßigen Intervallen mittels
des M-CIDI untersucht. In der hier beschriebenen Analyse dieser EDSP-Daten
wurden die Symptomprofile der ersten depressiven Episoden von Patienten,
die im weiteren Verlauf der Studie mindestens eine weitere depressive Episode
(unipolar; N=659) oder eine (Hypo-) Manie (bipolar; N=35) entwickelt hatten,
verglichen (3).
Die ersten depressiven Episoden jener Probanden, die im weiteren Verlauf
eine Manie oder Hypomanie entwickelt hatten, waren signifikant häufiger mit
Suizidalität, übermäßigen Schuldgefühlen, vollständiger Anhedonie und ein
Morgentief assoziiert. Hyperphagie und Hypersomnie hatten keine prädiktive
Aussagekraft.
Kommentar: Bei jungen Patienten, deren erste depressive Episoden mit
Suizidalität, übermäßigen Schuldgefühlen, vollständiger Anhedonie und einem
Morgentief assoziiert sind, sollte die Möglichkeit, dass es sich um die
Erstmanifestation einer bipolaren Störung handeln könnte, in Erwägung
gezogen werden.
1.2
Gestörter Schlaf als potentieller Risikofaktor für die spätere
Entwicklung einer bipolaren Störung?
Eine Vielzahl von Studien konnte belegen, dass Schlafstörungen bei Personen
mit einer bipolaren Störung häufig auftreten und mit einem schlechten
funktionellen Outcome assoziiert sind. Unklar bleibt jedoch, ob diese
Symptome als Folge der Erkrankung bzw. der Medikation auftreten oder, ob
sie schon vor der Erstmanifestation zu beobachten sind und somit einen
Risikofaktor für die spätere Entwicklung der Störung darstellen.
Ausgewertet wurden Daten der EDSP-Studie (s.o.) (4). Eingeschlossen
wurden all jene Probanden, die zur Baseline-Erhebung keine Diagnose einer
psychiatrischen Störung hatten. Zur Charakterisierung des Schlafes, wurde der
Fragebogen SCL-90 genutzt, mittels dessen Ein- und Durchschlafstörungen
bzw. unerholsamer Schlaf quantifiziert werden können. Die Assoziation mit
dem späteren Auftreten einer bipolaren Störung mittels logistischer Regression
wurde errechnet.
1.943 Probanden hatten zum Zeitpunkt der Baseline-Erhebung keine
psychiatrische Erkrankung. 41 von diesen Probanden entwickelten im Verlauf
eine bipolare Störung. Nach Adjustierung für mögliche konfundierende
Variablen (Geschlecht, Alter, Substanzkonsum, positive Familienanamnese)
erhöhten Schlafstörungen signifikant das Risiko, im weiteren Verlauf eine
bipolare Störung zu entwickeln (OR 1,75; p=0,001).
Abb. 2: Ritter et al. (2015) J Psychiat Res 68:76-82. (4)
Kommentar: Schlafstörungen erhöhen bei gesunden Personen das Risiko
einer späteren bipolaren Störung. Schlafstörungen treten schon vor
Erstmanifestation der Erkrankung auf und sind daher vermutlich keine Folge
der Erkrankung oder der Behandlung.
1.3
Temperament und prodromale Symptome im Vorfeld einer ersten
manischen bzw. hypomanen Episode: eine Pilotstudie
Es wurde bereits eine Reihe von vermeintlichen prodromalen Symptomen im
Vorfeld des Beginns einer bipolaren Erkrankung beschrieben, dazu gehören
z.B. Stimmungslabilität, Stimmungsschwankungen, zyklothyme Merkmale,
depressive Stimmung, rasende Gedanken, Reizbarkeit und körperliche
Unruhe. Allerdings wurde die Beziehung zwischen Temperament und
prodromalen Symptomen einer bipolaren Störung, speziell manischen bzw.
hypomanen prodromalen Symptomen, noch nicht näher untersucht.
Die Hypothese dieser retrospektiven Studie lautete, dass Patienten mit
höheren Scores in zyklothymen und reizbaren Stimmungsskalen eine größere
Zahl an manischen/hypomanen prodromalen Symptomen aufweisen (5). Dazu
wurden in dieser Pilotstudie 39 euthyme Patienten mit Bipolar-I oder –IIStörung mit der ersten manischen/hypomanen Episode innerhalb der letzten 8
Jahre retrospektiv mittels TEMPS-A (Temperament Evaluation of Memphis,
Pisa, Paris and San Diego-autoquestionnaire) sowie BPSS-R (Bipolar
Prodrome Symptom Scale-Retrospective) untersucht. Die BPSS-R-Skala
erfasst 39 subklinische Symptome im Vorfeld einer manischen, depressiven
oder hypomanen Episode. In dieser Studie wurden nur die Daten vor einer
manischen bzw. hypomanen Episode analysiert. Von den 39 eingeschlossenen
Seite 6
Patienten (Alter 36.1 ± 9.9 Jahre, weiblich=59 %, bipolar-I=62 %) wiesen
100 % subklinische Manie-Symptome (MW=7.4±2.9) und 92.3 % subklinische
Depressionssymptome (MW=2.4±1.5) auf. 87.5 % bzw. 43.6 % wiesen
allgemeine psychopathologische Symptome (MW=3.2±2.0) oder subklinische
psychotische Symptome (MW=0.7±1.0) auf. Multivariate Regressionsanalysen
zeigten einen signifikanten Zusammenhang zwischen zyklothymem
Temperament und dem BPSS-R Gesamtscore (R2=0.161, p=0.045) sowie dem
Psychose-Teilscore (R2=0.125, p=0.029) (5).
Kommentar: Die Daten weisen auf einen möglichen Zusammenhang
zwischen zyklothymem bzw. reizbarem Temperament und prodromalen
Symptomen im Vorfeld einer ersten manischen bzw. hypomanen Episode hin.
Zur Identifizierung von Risikopatienten, die eine Bipolar-I oder –II-Störung
entwickeln, kann die Erfassung des zyklothymen Temperaments somit hilfreich
sein.
2
Klassifikation, Diagnostik und Verlauf
2.1
Progressive Abfolge klinischer Stadien in der Entwicklung
bipolarer Störungen
Anhand prospektiver Daten von 229 Hochrisikopersonen für die Entwicklung
bipolarer Störungen (Kinder bipolar erkrankter Eltern) haben kanadische
Kollegen der Forschergruppe um Anne Duffy die Hypothese aufgestellt, dass
es eine progressive Abfolge klinischer Stadien in der Entwicklung bipolarer
Störungen gibt, welche nach eher unspezifischen Veränderungen auch eine
unipolare Depression beinhalten (s. Abb. 3).
Abb. 3: Keown-Stoneman et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3:5. (6)
Im vorliegenden Artikel dieser Gruppe werden an diesen Daten zwei
statistische Analysestrategien angewandt, welche sich potenziell eignen, die
Hypothese dieser Progression zu testen (6). Beide statistischen
Vorgehensweisen eigneten sich und wiesen ein erhöhtes Risiko für die
Entwicklung einer bipolaren Störung bei vorher einsetzender unipolarer
Depression nach. Im ersten Verfahren, einer Cox-Regression, wurde gezeigt,
dass das Risiko, eine bipolare Störung zu entwickeln, um das 5-fache ansteigt,
wenn bereits eine unipolare Depression erlebt wurde (Hazard Ratio 5.070,
p=0,0231). Das zweite Verfahren, ein Multi-State-Modell, liefert keine
Regressionskoeffizienten, kann jedoch die Wahrscheinlichkeit, in einem
bestimmten Alter bestimmte klinische Stadien durchlebt zu haben,
untersuchen. In der Grafik (Abb. 4) kann man sehen, dass es eine gewisse
Progression von eher unspezifischen Veränderungen über unterschwellige
depressive Episoden hin zu einer majoren Depression und später zur bipolaren
Störung, zumindest bei den Kindern von bipolar Erkrankten, zu beobachten ist.
Im Fazit resümieren die Autoren, dass beide statistische Verfahren Vor- und
Nachteile haben, aber beide geeignet sind, die Progression zu untersuchen.
Abb. 4: Keown-Stoneman et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3:5. (6)
Kommentar: Hochrisikopersonen für die Entwicklung bipolarer Störungen
(Kinder bipolar erkrankter Eltern) durchlaufen verschiedene Stadien bis zum
Vollbild einer bipolaren Störung.
2.2
DSM-5: Bipolare Störungen
Nachdem 2013 die 5. Auflage des Klassifikationssystems „Diagnostic and
Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-5) der American Psychiatric
Association erschienen ist, wurde 2015 nun die deutsche Auflage als Buch
publiziert (7). Darin finden sich in getrennten Kapiteln die beiden großen und
bedeutsamen „mood disorders“ (bipolare Störungen und depressive
Störungen), die neben der traditionellen Unterteilung (primary mood disorders)
in sog. sekundäre mood disorders untergliedert werden: Dies ist in der
folgenden Abb. 5 dargestellt (8).
Seite 8
Abb. 5: Malhi et al. Aust N Z J Psychiatry 2015;49:1087-1206. (8)
DSM-5 hat weitere wichtige Neuerungen auf dem Gebiet der bipolaren
Störungen mit sich gebracht. In DSM-5 finden sich „Bipolar and related
Disorders“ nun erstmalig in einem eigenen Kapitel wieder, lokalisiert zwischen
den Kapiteln „schizophrenia spectrum and other psychotic disorders“ sowie
„depressive disorders“. Krankheitsbilder, die die Kriterien für bipolare
Störungen erfüllen, jedoch im Rahmen von Substanzkonsum oder körperlichen
Erkrankungen auftreten finden sich nunmehr auch in dem neu geschaffenen
Kapitel „Bipolar and related disorders“ (9).
Die Zunahme zielgerichteter Aktivität/Energie ist, neben einer gehobenen,
expansiven bzw. gereizten Stimmung, nunmehr ein essentielles Hauptsymptom für (hypo)manische Episoden. Unter Antidepressiva sich entwickelnde (hypo)manische Episoden können jetzt, sofern die Symptomatik in
unveränderter Form auch nach Absetzen des Antidepressivums über den
physiologischen Effekt des Antidepressivums hinaus in gleicher Ausprägung
bestehen bleibt, für die Diagnosestellung einer Bipolar-I- bzw. II-Störung
herangezogen werden. In der folgenden Tabelle sind die wesentlichen
Neuerungen dargestellt.
Abb. 6: Möller et al. (2015) Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 265(2):87-106. (9)
Kommentar: DSM-5 hat einige wichtige Veränderungen hinsichtlich der
Diagnostik bipolarer Störungen mit sich gebracht. Während einige dieser
Neuerungen, insbesondere was den Zusatz von zielgerichteter Aktivität/
Energie als obligatorisches Symptom für (hypo)manische Episoden angeht, als
sinnvoll angesehen werden müssen bleibt dies für andere, z.B. unterschwellige
bipolare Störungen, erst noch abzuwarten.
2.3
DSM-5: Warum ist die Manie keine eigenständige Kategorie?
Der Autor Jules Angst aus Zürich, ein weltweit hochangesehener Wissenschaftler, der seit mehr als 50 Jahren die Verläufe von affektiven Erkrankungen
systematisch untersucht, setzt sich in diesem Beitrag kritisch mit der Tatsache
auseinander, dass im neuen DSM-5 die unipolare Manie erneut keine eigene
diagnostische Kategorie darstellt (10). Anders als im ICD-10, aber wie bereits
in DSM-IV und DSM-III, also den Vorläuferversionen des Klassifikationssystems, werden unipolare Manien zu den bipolaren Störungen integriert –
hingegen unipolare Depressionen als eigene Gruppe verzeichnet wird.
Die unipolare Manie ist zwar viel seltener ist als die unipolare Depression, aber
zweifelslos existiert sie, wie J. Angst aus den prospektiven Daten der ZüricherLangzeitstudie ablesen kann. Es ist essentiell dies zu wissen, denn es gibt
einige Unterscheidungsmerkmale zur unipolaren Depression: die Manie
beginnt viel früher im Leben, zeigt öfters psychotische Merkmale, geringe
Suizidraten und Rapid Cycling, weniger Angstsymptome, höhere Raten an
zyklothymem Temperament, und insgesamt eine etwas bessere Prognose.
Interessanterweise gibt es auch Hinweise, dass Patienten mit unipolarer Manie
schlechter auf Lithium, und etwa gleich auf Valproat ansprechen, als bipolare
Seite 10
Patienten. Auch genetische Studien belegen, dass die Manie und die
Depression unterschiedlichen familiären Transmissionspfaden folgen.
Kommentar: Es erschließt sich nicht auf den ersten Blick, warum die unipolare
Manie im DSM-5 keine eigene diagnostische Kategorie darstellt sondern unter
den bipolaren (manisch-depressiven) Störungen eingeordnet wird. Für den
Kliniker ist es wichtig, dass er dennoch realisiert, dass es diese – wenn auch
relativ seltene – affektive Störung gibt, die sich in vielen Aspekten des
Verlaufs, der Therapie und Prognose von den anderen affektiven Störungen
unterscheidet.
2.4
Der Einfluss von Life-Events auf die erstmalige vs. wiederholte
Krankenhausaufnahme aufgrund einer bipolaren Störung
Ziel dieser holländischen Arbeit war es, die Kindling-Hypothese zu überprüfen,
die davon ausgeht, dass sog. Life-Events beim Auftreten einer ersten Episode
einer bipolaren Erkrankung einen größeren Einfluss hat als dies bei
nachfolgenden Episoden der Fall ist (11). Zu diesem Zweck wurden zwischen
2001 und 2006 51 Zwillingspaare mit remittierter bipolarer Erkrankung (37 bp-I,
14 bp-II) und 35 Zwillingspaare als Kontrollen mit dem Life Events and
Difficulties Schedule (LEDS), einem halbstandardisierten Interview zur
Erfassung von Lebensereignissen und hieraus resultierenden Problemen
untersucht, um somit den Einfluss von Life-Events auf erstmalige vs.
wiederholte Hospitalisierung, den Einfluss vorhergehender auf nachfolgende
Hospitalisierung und den Zusammenhang von Life-Events und Anzahl der
Hospitalisierungen zu überprüfen.
Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass unter Beachtung der
Schwere und Anzahl der Lebensereignisse diese einen Einfluss sowohl auf die
Erst- als auch die wiederkehrenden Krankenhausaufnahmen wegen einer
bipolaren Erkrankung zu haben scheinen, dieser Effekt aber nicht vom direkten
Einfluss der Life-Events auf die Erkrankung abhängig ist. Die Anzahl der
bisherigen Krankenhausaufenthalte scheint – so ein weiteres Ergebnis – ein
guter Indikator für das Risiko einer erneuten Aufnahme zu sein. Da der Einfluss
von Life-Events auf die Erstaufnahme in eine Klinik wegen einer bipolaren
Erkrankung stärker war als dies vor weiteren Aufenthalten der Fall war, könnte
dies als Hinweis auf einen möglichen Kindling-Effekt verstanden werden.
Abb. 7.: Kemner et al.(2015) Int J Bipolar Disord 3:6. (11)
Kommentar: Die beiden Einflussfaktoren auf das Risiko einer erneuten
Krankenhausaufnahme – Lebensereignisse und bisherige Hospitalisierung –
scheinen unabhängig voneinander zu sein. Vor dem Hintergrund dieser
Ergebnisse ergibt sich Anhalt für die Hypothese, dass die mögliche Verminderung von schwerwiegenden Lebensereignissen im Leben von Menschen
bzw. deren psychischer Auswirkungen (z. B. mittels psychotherapeutischer
Bearbeitung) zur Verhinderung von Hospitalisierungen aufgrund einer
bipolaren Erkrankung führen könnte.
2.5
Herzinfarktrisiko bei bipolarer Störung: Ergebnisse einer
epidemiologischen Studie
Vor dem Hintergrund der bekanntermaßen deutlich erhöhten Mortalität bei
schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankungen untersuchten die Autoren das
relative Risiko akuter Myokardinfarkte bei Patienten mit Schizophrenie und
Bipolaren Störungen. Die Populationsbasierte Kohortenstudie wurde durch
eine Abfrage administrativer Daten aus der Taiwan National Health Insurance
Research Database (NHIRD) über einen Zeitraum von 11 Jahren realisiert. Es
wurden die Daten von insgesamt 70.225 bipolaren oder schizophrenen
Patienten und 207.592 Patienten ohne psychiatrische Erkrankung über 18
Jahre ausgewertet. Dabei konnte gezeigt werden, dass insbesondere Frauen
und Patienten in jüngeren Altersgruppen mit bipolarer Störungen oder
Schizophrenie ein deutlich erhöhtes Risiko für akute Myokardinfarkte
aufwiesen, wobei dieses erhöhte Risiko nur teilweise durch demografische
Charakteristika oder Komorbiditäten erklärbar war (12).
Abb. 8: Alters-stratifizierte Hazard ratios und 95 % Konfidenceintervalle of AMI bei
Patienten mit Schizophreniie oder bipolarer Störung. Wu et al. (2015) PLoS One
10(8):e0134763. (12)
Kommentar: Zur Aufklärung der kausalen Mechanismen des erhöhten
Myokardinfarktrisikos bei Frauen und jungen Patienten mit schwerwiegenden
psychiatrischen Erkrankungen (Schizophrenie, bipolare Störung) bedarf es
weiterer Untersuchungen.
3
Suizidforschung
Seite 12
Die Behandlung suizidalen Verhaltens und die Verhinderung von Suiziden ist in
den letzten Jahren in den Mittelpunkt psychiatrischer Forschung gerückt und
nimmt damit auch einen größeren Stellenwert in der Erarbeitung von
Behandlungs- und Präventionsstrategien ein. Innerhalb verschiedener
psychiatrischer Erkrankungen weisen Patienten mit einer bipolaren Störung
den stärksten Zusammenhang zwischen Erkrankung und Suizid auf – Suizide
von Patienten mit bipolarer Störung machen etwa ein Viertel aller Suizide aus.
3.1
Die suizidprophylaktischen Eigenschaften von Lithium bei Patienten mit affektiven Störungen: Übersicht
Die aktuellste Übersicht zum Thema suizidprotektive Wirkung von Lithium
stammt von Lewitzka et al. (13). Die Forscher führten ein umfassendes Review
der zu diesem Thema erschienenen Arbeiten durch, das im Folgenden kurz
zusammengefasst wird:
Lithium verhindert Suizide im Rahmen der Behandlung affektiver Erkrankungen
unabhängig von seinen stimmungsstabilisieren Eigenschaften. Unter der
Behandlung ist das Suizidrisiko etwa 5fach reduziert im Vergleich zu anderen
medikamentösen Behandlungsstrategien. Lithium stellt zudem eine wirkungsvolle Augmentationsstrategie in der Behandlung depressiver Episoden bei
Non-respondern einer vorangehenden antidepressiven Medikation dar. Erste
Hinweise auf suizidpräventive Eigenschaften von Lithium wurden eher zufällig
im Rahmen von Studien entdeckt, die eigentlich der Untersuchung stimmungsstabilisierender Wirkeigenschaften dienten wurden auf potentielle anti-suizidale
Effekte von Lithium durch Barraclough erstmals hingewiesen 1992 konnte in
einer großen, internationalen Studie gezeigt werden, dass 827 Lithiumbehandelte Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen keine signifikant verschiedenen Mortalitätsraten aufwiesen, wobei epidemiologische
Daten 2- 3fach erhöhte Mortalitätsraten bei unbehandelten bipolaren Patienten
im Vergleich zu gesunden Probanden beschreiben. Die erste Placebokontrollierte, randomisierte Studie, die die Untersuchung anti-suizidaler Effekte
von Lithium zum Gegenstand hatte, wurde 2008 publiziert. Dabei war die
Inzidenz vollendeter Suizide in der Lithium-Gruppe signifikant geringer
(p = 0,049). Anti-suizidale Effekte unter Lithium-Behandlung sind sowohl bei
bipolaren wie auch unipolaren und schizoaffektiven Störungen und unter normalen, therapeutischen Lithium-Blutspiegeln (0,5-1,0 mmol/l) nachweisbar. Der
genaue Wirkmechanismus anti-suizidaler Effekte ist derzeit unvollständig
verstanden.
Eine besondere therapeutische Herausforderung stellt die Frage dar, ob
Lithium im Falle eines unzureichenden stimmungsstabilisierenden Effektes
abgesetzt werden sollte, insbesondere auch im Hinblick auf das zwar kleine
aber doch existierende Risiko einer Nierenschädigung bei jahrzehntelanger
Prophylaxe. Denn es erscheint durchaus möglich, dass im individuellen
Patienten Lithium trotz suboptimaler Stimmungsstabilisierung einen suizidpräventiven Effekt hatte. Die Inzidenz von Suiziden ist im ersten Jahr nach
Absetzen von Lithium 20fach erhöht. In dieser klinischen Konstellation ist somit
im Rahmen der möglichen Unabhängigkeit anti-suizidaler und stimmungsstabilisierender Effekte besondere Umsicht und Kompetenz seitens der
Behandler erforderlich. Für Lithium als eine der ältesten in der Psychiatrie
verwendeten pharmakologischen Substanzen wurde seit Anfang der 90iger
Jahre ein eigenständiger, im Vergleich zu anderen Psychopharmaka wahrscheinlich spezifischer sogenannter anti-suizidaler Effekt nachgewiesen. Trotz
dieses Wissens und des heute ebenfalls in nationalen und internationalen
Leitlinien dokumentierten Stellenwertes von Lithium in der Akut-und
Erhaltungstherapie affektiver Störungen ist Lithium hinsichtlich seiner Verschreibungshäufigkeit im Vergleich zu anderen psychotropen Substanzen
unterrepräsentiert.
Suizidale Gedanken bzw. suizidales Verhalten können im Rahmen einer
bipolaren Störung auftreten. Rechtzeitiges Erkennen einer Gefährdung sowie
das Einleiten therapeutischer Maßnahmen sind in einer solchen Situation
besonders wichtig. Neben psychotherapeutischen Strategien zur Krisenbewältigung sind auch pharmakologische Behandlungsansätze sinnvoll und
richtig. Neben den oben beschrieben Suizid-verhindernden Effekten von
Lithiumsalzen gibt es klinische Einzelfallhinweise, dass Lithium auch akute
„anti-suizidale“ Wirkungen besitzt. Dieser Frage wurde allerdings nicht in einer
Studie nachgegangen. Deshalb wird aktuell in einer vom BMBF geförderten
multizentrischen Studie in Deutschland untersucht, wie schnell dieser Effekt
einsetzt – hierzu wird interessierten Probanden, die an einer depressiven
Störung (allein) oder einer depressiven Störung im Rahmen einer bipolaren
Erkrankung sowie einem gewissen Maß an Lebensüberdruss bzw. Suizidalität
leiden, angeboten, neben allen üblichen und angezeigten therapeutischen
Maßnahmen zusätzlich Lithium oder Placebo einzunehmen.
Kommentar: Das Suizidrisiko ist bei erwachsenen Patienten mit bipolarer
Störung insgesamt ca. 20mal höher verglichen mit dem Risiko für die allgemeine Bevölkerung. Innerhalb verschiedener psychiatrischer Erkrankungen
weisen Patienten mit einer bipolaren Störung den stärksten Zusammenhang
zwischen Erkrankung und Suizid auf – Suizide von bipolaren Patienten
machen etwa ein Viertel aller Suizide aus. Für Lithium als eine der ältesten in
der Psychiatrie verwendeten pharmakologischen Substanzen wurde seit
Anfang der 90iger Jahre ein eigenständiger, im Vergleich zu anderen
Psychopharmaka wahrscheinlich spezifischer sogenannter anti-suizidaler
Effekt nachgewiesen. Trotz dieses Wissens und des heute ebenfalls in
nationalen und internationalen Leitlinien dokumentierten Stellenwertes von
Lithium in der Akut-und Erhaltungstherapie affektiver Störungen ist Lithium
hinsichtlich seiner Verschreibungshäufigkeit im Vergleich zu anderen
psychotropen Substanzen unterrepräsentiert.
4
Epidemiologie und Komorbidität
4.1
Reduziertes Schlaganfallrisiko nach Behandlung mit Lithium bei
Patienten mit bipolarer Störung
Seit einigen Jahren existiert die Hypothese, dass mit fortschreitender bipolarer
Störung auftretende Verminderungen des Hippocampusvolumens durch
mögliche neuroprotektive Effekte einer Lithiumbehandlung, aber nicht durch
andere pharmakologische Behandlungen, günstig beeinflusst werden können.
Da sich dieser Effekt auch bei weniger guten Lithium-Respondern zeigte, wird
angenommen, dass dieser neuroprotektive Effekt (und seine neurobiologische
Basis) von Lithium unabhängig von seinen rezidivprophylaktischen Wirkungen
eintritt.
Zahlreiche Studien weisen auf mögliche neuroprotektive Eigenschaften von
Lithium hin, im Tierversuch konnte beispielsweise das Auftreten atherosklerotischer Plaques durch Lithium vermindert werden. Es ist bislang nur unzureichend untersucht worden, ob eine Behandlung mit Lithium beim Menschen
Seite 14
das Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen verändert. Lan und Kollegen
(14) untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie den möglichen Zusammenhang einer Lithiumbehandlung mit dem Auftreten von Schlaganfällen
bei bipolaren Patienten. Sie konnten hierzu die Daten von 1 Million Patienten
der taiwanesischen National Health Insurance Research Database (NHIRD)
nutzen.
Abb. 9: Lan et al. (2015) Bipolar Disord 17(7):705-14. (14)
Die Autoren konnten zeigen, dass eine Lithiumbehandlung mit einem signifikant reduzierten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Diese Assoziation war am
deutlichsten bei Patienten, die mit höherer kumulativer Lithiumdosis behandelt
worden waren und bei längerer Behandlungszeit. Das Design der Untersuchung lässt jedoch keinen Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang
von Lithiumtherapie und dem Auftreten von Schlaganfällen zu, und wichtige
Schlaganfallrisikofaktoren, wie Adipositas oder Rauchen, waren nicht bekannt.
Kommentar: Eine Behandlung mit Lithium könnte bei bipolaren Patienten das
Schlaganfallrisiko senken. Die Risikoreduktion ist wahrscheinlich von der Behandlungsdauer und den eingesetzten Dosierungen abhängig. Ein möglicher
kausaler Mechanismus kann aus der Studie allerdings nicht abgeleitet werden.
4.2
Typ 2 Diabetes und Prä-Diabetes bei bipolarer Störung
Störungen des Glucose-Stoffwechsels führen zu Schädigungen des CNS und
sind kardiovaskuläre Risikofaktoren. Es wird angenommen, dass diese
Störungen für die erhöhte Morbidität und Mortalität bipolarer Patienten
verantwortlich sind. Patienten mit bipolarer Störung leiden häufiger (ca. 33 %)
an einem metabolischen Syndrom. Ferner belegten epidemiologische Studien,
dass bei der bipolaren Störung die Lebenserwartung etwa 10 Jahre verkürzt
ist: Bei Männern um 10,1 Jahre und bei Frauen um 11,2 Jahre. Die
Todesursachen wurden nicht untersucht, aber es wird vermutet, dass die
Differenz der Lebenserwartungen nicht allein durch Suizide zu erklären ist.
Bezugnehmend auf die Datenlage wurde diskutiert, dass Herzinfarkte oder
Schlaganfälle todesursächlich gewesen sein könnten. Auf andere Befunde
über unausgewogene Ernährung, physische Inaktivität sowie metabolische und
kardiovaskuläre Nebenwirkungen bei langjähriger Neuroleptikabehandlung von
psychiatrischen Patienten wurde in diesem Zusammenhang verwiesen. Die
Notwendigkeit von zu entwickelnden Strategien gegen die Früh-Mortalität wird
deutlich: kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs oder Diabetes mellitus müssen
rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Epidemiologische Daten zur
Prävalenz von Diabetes und seiner Vorstufen (Prä-Diabetes) bei bipolaren
Störungen liegen nicht vor.
Die vorliegende neue Studie von Leopold et al. (15) unterzog prospektiv 85
euthyme Patienten mit bipolarer Störung (die fast alle psychopharmakologisch
behandelt wurden) einer ausführlichen Diagnostik bezgl. des Diabetes Risikos
(oraler Glucosetoleranz-Test [OGTT] und weitere Laboruntersuchungen für
metabolische Parameter), die zufällig aus einer Stichprobe zweier Uni-Kliniken
in Deutschland gezogen wurden.
Die Ergebnisse sind in Abb. 10 zusammengefasst. Danach fand sich bei 7 %
ein (manifester) Diabetes Mellitus, bei 27 % Diabetes-Vorstufen (anhand der
Werte des OGTT).
Abb. 10: Häufigkeit von prä-diabetischen Auffälligkeiten und metabolischem Syndrom bei
bipolaren Störungen. Leopold et al. (2016) J Affect Disord 189:240-5. (15)
Die Lebensqualität und das Funktionsniveau waren deutlich schlechter bei
Patienten mit abnormalem Glucosestoffwechsel im Vergleich mit Patienten, die
Normalwerte aufwiesen (s. Abb. 11).
Seite 16
Abb. 11: Lebensqualität und Funktionsniveau bei prä-diabetischen Patienten mit bipolarer
Störung. Leopold et al. (2016) J Affect Disord 189:240-5. (15)
Kommentar: Ein Drittel der bipolaren Patienten wiesen in einer Querschnittsstudie Störungen im Glucosestoffwechsel auf. Bei bipolaren Patienten sind auf
(prä)-diabetische Stoffwechsellagen und Zeichen des metabolischen Syndroms
zu achten und bei positivem Befund entsprechend therapeutisch und
psychoedukativ entgegenzuwirken.
5
Pharmakotherapie: Wirkungen und Nebenwirkungen
5.1
Renale Nebenwirkungen von Lithium: Ergebnisse einer
longitudinalen Untersuchung
Lithium ist der Goldstandard in der Behandlung von bei Patienten mit bipolaren
Störungen. Als effektiver Stimmungsstabilisator kann es Phasenhäufigkeit und
-Intensität deutlich abschwächen, idealerweise sogar vollständig verhindern
(sogenannte Lithium-Response). Lithium wird schon seit mehr als 60 Jahren in
der Behandlung von affektiven Störungen eingesetzt – aus diesem Grunde
liegen sehr gute Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit auch bei langjähriger
Anwendung vor.
Da Lithium über die Niere ausgeschieden wird, gehört die regelmäßige Überprüfung der Nierenfunktion zum Standardmonitoring in der Lithiumtherapie.
Ganz im Fokus des wissenschaftlichen Interesses stand in den vergangenen
Jahren vor allen Dingen der Einfluss von einer langjährigen Lithiumtherapie auf
die Nierenfunktion aber auch auf mögliche andere, strukturelle Schädigungen
(s auch 5.2). Zum besseren Verständnis der (komplexen) Nierenfunktion und
ihre Beeinflussung von Lithium sei kurz an die Physiologie der Niere erinnert:
Im Glomerulum der Niere werden durch Filtration aus dem Blut täglich ca. 180 l
Primärharn erzeugt, die in den Tubuli durch Rückresorption derart konzentriert
werden, dass nur ungefähr ein Prozent der Primärharnmenge tatsächlich als
Sekundärharn ausgeschieden wird. Beide Fähigkeiten der Niere, Primärharnund Sekundärharnproduktion, können durch Lithium beeinträchtigt werden. Die
glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt das pro Minute filtrierte Blutvolumen an
(Normwert im jüngeren Alter um 120 ml/min) und wird häufig über die
Kreatinin-Clearance abgeschätzt.
In einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu Lithium-assoziierten Nebenwirkungen zeigten sich zum einen eher geringe Einschränkungen
der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), andererseits eine erhöhte Rate an
terminaler Niereninsuffizienz bei mit Lithium behandelten Patienten im Vergleich zu Kontrollen. Letztere tritt jedoch vor allem bei mangelhaft kontrollierter
oder mit zu hohen Serumlithiumspiegeln durchgeführter Behandlung auf (16).
In einer aktuellen Untersuchung aus Italien wurden alle zwischen 1980 und
2012 mit Lithiumsalzen behandelte Patienten der Lithium-Spezialambulanz
gescreent und 953 Patienten in eine Studie eingeschlossen, um die Nierenfunktion im Langzeitverlauf darzustellen. In der Querschnittsbetrachtung war
die eGFR niedriger bei Frauen, bei älteren Patienten und bei Patienten mit
längerer Lithium-Behandlung. Die Longitudinal-Ergebnisse zeigten, dass die
Hälfte der länger als 20 Jahre mit Lithium behandelten Patienten eine eGFR
unter 60 ml/min/1,73m2 hatte (16).
Kommentar: Neben der Dauer der Lithium-Behandlung sollte das zunehmende Patientenalter als Risikofaktor für eine reduzierte glomeruläre
Filtrationsrate in Betracht gezogen werden.
5.2
Entwicklung chronischer Nierenerkrankung unter Lithium und
Antikonvulsiva: Ergebnisse einer dänischen Registerstudie
In einer groß angelegten dänischen Registerstudie von Kessing et al. (17)
wurde der Frage nachgegangen, ob eine Langzeitbehandlung mit Lithium bzw.
anderen stimmungsstabilisierenden Medikamenten (auch Antipsychotika und
Antidepressiva) zu einer chronischen Nierenerkrankung (=Niereninsuffizienz)
führen kann. Verschiedene Informationen aller dänischen Bürger (5.4 Mio.)
sind in offiziellen Registern erfasst, dazu zählen beispielsweise gesundheitsrelevante Parameter wie Diagnosen, Verschreibungen etc. Diese Daten kann
man nun für die Untersuchung verschiedener Fragestellung nutzen. In der hier
vorgestellten Arbeit wurden zwei große Gruppen analysiert:
Die Gruppe 1 bestand aus 1.800.591 zufällig ausgewählten Individuen, davon
waren 1.500.000 Personen, die am 1.1.1995 in Dänemark registriert waren.
Des Weiteren befanden sich in dieser Gruppe 10.591 Personen, die im Zeitraum von 1.1.1994 bis 21.12.2012 mit einer einzelnen manischen Episode
bzw. mit einer bipolaren Störung registriert worden waren sowie eine weitere
Gruppe von im Zeitraum vom 1.1.1995 bis 31.12.2012 registrierten Lithium(n=26 731) bzw. mit anderen stimmungsstabilisierenden Medikamenten
behandelten (n=420 959) Patienten. Die zweite große Gruppe (n=10 591)
stellte die Untergruppe dar, die mit einer bipolaren Störung diagnostiziert
worden waren. Damit wurde sichergestellt, dass in der Gruppe 1 alle Patienten
unabhängig von der Art der Erkrankung eingeschlossen wurden. Analysiert
wurde das Auftreten von einer möglichen chronischen Niereninsuffizienz bzw.
von einer gesicherten Niereninsuffizienz, außerdem wurde untersucht, wie
häufig eine terminale Niereninsuffizienz (d.h. ein Stadium der Schädigung,
Seite 18
welches eine Hämodialyse bzw. eine Transplantation erforderlich machen
würde) auftritt.
Die Autoren fanden, dass die Therapie mit Lithium (unabhängig von der
Diagnose) mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer
möglichen bzw. manifesten Niereninsuffizienz assoziiert ist. Es wurde kein
solcher Zusammenhang für die Behandlung mit anderen stimmungsstabilisierenden Medikamenten bzw. Antipsychotika oder Antidepressiva gefunden.
Weder Lithium noch die anderen Medikamente waren mit einem erhöhten
Risiko für das Auftreten einer terminalen Niereninsuffizienz assoziiert.
In der Analyse der bipolaren Patienten zeigte sich, dass hier die Lithiumtherapie als auch die Therapie mit anderen stimmungsstabilisierenden Medikamenten mit einem erhöhten Risiko für Niereninsuffizienz vergesellschaftet war,
dies wiederum war nicht bei der Betrachtung der anderen Medikamente (Antipsychotika, Antidepressiva) zu beobachten. Auch in der Gruppe der Patienten
mit bipolarer Störung und Lithiumtherapie zeigte sich kein erhöhtes Risiko für
das Auftreten einer terminalen Niereninsuffizienz. Interessanterweise wies die
Behandlung mit anderen stimmungsstabilisierenden Medikamente ein solch
erhöhtes Risiko auf.
Kommentar: Auch unter den heutigen modernen Bedingungen in der Behandlung mit Lithium oder anderen Stimmungsstabilisatoren kann es zu einem
erhöhten Auftreten einer Niereninsuffizienz kommen, ein erhöhtes Risiko für
die terminale Niereninsuffizienz zeigte sich bei den mit Lithium behandelten
Patienten jedoch nicht. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die etablierten
Kontrolluntersuchungen (alle 3-6 Monate Laborkontrolle, angestrebte LithiumSerumspiegel von 0.6-0.8mmol/l) die es möglich machen, rechtzeitig
Funktionseinschränkungen der Niere zu erkennen und dann durch entsprechende Maßnahmen eine irreversible Schädigung zu verhindern.
5.3
Langzeitbehandlung mit Lithium: Risiko für Nierentumore?
Eine neuere Studie aus Paris (Frankreich) hat Hinweise erbracht, dass
Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz, die Lithium über mehr als 10 Jahre
erhalten hatten, ein erhöhtes Risiko für Nierentumore einschließlich
Karzinomen haben könnten. Dieser Befund und weitere Hinweise haben dazu
geführt, dass die Fachinformationen der Lithiumpräparate europaweit
angepasst werden sollen. Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion über ein
fraglich erhöhtes Risiko ist eine Publikation aus der Nephrologischen Abteilung
am Neckar Hospital der Universität Paris Descartes mit dem Titel „Increased
risk of solid renal tumors in lithium-treated patients“, veröffentlicht 2014 in
„Kidney International“. Dabei untersuchten die Autoren Zaidan et al. in einer
retrospektiven Studie, ob langzeitig mit Lithium behandelte Patienten mit
chronischer Niereninsuffizienz ein höheres Risiko für Nierentumore im
Vergleich zu Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ohne Lithiumbehandlung haben. Über einen 16-Jahres-Zeitraum (1996-2011) wurden bei 14
der 170 mit Lithium behandelten Patienten Nierentumore festgestellt (8,2 %),
darunter 7 bösartige und 7 gutartige (d.h. je 4,1 % gut- bzw. bösartige
Nierentumore). Die mittlere Dauer der Lithium-Exposition bei Tumordiagnosestellung betrug 21,4 Jahre. Die französischen Autoren schlussfolgern, dass es
ein erhöhtes Risiko von Nierentumoren bei langzeitig mit Lithium behandelten
Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz gibt.
Diese Warnung hat seit Jahresbeginn 2015 in Deutschland Besorgnis und
Verunsicherung sowohl bei ärztlichen Kollegen, als auch Patienten ausgelöst.
Eine Übersicht von Conell et al. (18) in der Zeitschrift Der Nervenarzt hat die
aktuelle Datenlage erläutert und angemessen wie folgt eingeordnet:
Möglicherweise lag bei dieser Studie aus Paris ein Selektions-Bias vor: Es
wurden bezüglich des Auftretens von Nierentumore nur Patienten mit
chronischer Niereninsuffizienz betrachtet, welche Lithium erhielten im Vergleich zu Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ohne Lithiumeinnahme.
Patienten ohne Nierenfunktionsstörungen wurden nicht untersucht. Ebenso
fanden die Dauer der Lithiumexposition sowie weitere kumulative Risikofaktoren keine Berücksichtigung. Ein Detection-Bias könnte resultieren, weil
Lithiumpatienten ohnehin bezüglich der Nierenfunktion unter besonderer
medizinischer Beobachtung stehen (z.B. durch regelmäßige Bestimmung des
Creatinin) (18). Dieser Bias könnte durch Vergleich mit anderen Medikamenten
umgangen werden (s. nachstehende Studie von Kessing et al., (20)).
Durch zwei aktuelle Registerstudien aus Dänemark, die nachstehend
beschrieben werden, kann jedoch erst einmal „Entwarnung“ gegeben werden
(19, 20): das Risiko, wenn es überhaupt eines gibt, ist sehr gering; die
beschriebenen wenigen Fälle aus Paris traten auch nur bei sehr langer
Lithiumtherapie (Jahrzehnte) und bestehender Niereninsuffizienz auf (18). Die
beiden aktuellen, separat durchgeführten dänischen Fall-Kontroll-Studien aus
2015 zeigten, dass die Verordnung von Lithium nicht mit einem erhöhten
Risiko von Krebserkrankungen des oberen Harntraktes (einschließlich der
Niere) assoziiert war (19, 20).
Die Autoren Pottegård et al. (19) führten eine groß angelegte pharmakoepidemiologische Studie über den möglichen Zusammenhang zwischen dem
langfristigen Einsatz von Lithium und dem Risiko von Krebserkrankungen der
oberen Harnwege, einschließlich Nierenzellkarzinom, Nierenbeckenkarzinom
oder Harnleiterkrebs, durch. Die Autoren identifizierten anhand des dänischen
Krebsregisters alle histologisch nachgewiesenen Krebsfälle der oberen
Harnwege in Dänemark zwischen 2000 und 2012. Insgesamt wurden 6.477
Fälle gefunden und mit 259.080 nach Alter und Geschlecht gematchten
Kontrollen ohne Krebsdiagnose verglichen. Die Daten zur Lithium-Einnahme
von 1995 bis 2012 wurden anhand des dänischen Rezeptregisters ermittelt.
Die Autoren errechneten die Assoziation zwischen dem langfristigen Einsatz
von Lithium (≥ 5 Jahre) und dem Risiko von Krebserkrankungen der oberen
Harnwege mittels konditionaler logistischer Regression. Für potentiell
konfundierende Variablen (Medikation, Komorbiditäten, sozioökonomischer
Status) wurde adjustiert. Dabei zeigte sich, dass 0,22 % der Krebsfälle und
0,17 % der Kontrollgruppe Lithium langfristig eingenommen hatten. Das ergab
insgesamt eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 1,3 (95 % Konfidenzintervall
[95 % CI], 0,8 bis 2,2) und somit keine signifikante Assoziation von
Krebserkrankungen der oberen Harnwege mit dem langfristigen Einsatz von
Lithium (19).
Das Ziel der zweiten dänischen Studie von Kessing et al (20) war es, das
Auftreten von (gut- und bösartigen) Tumore der Nieren und oberen Harnwege,
zwischen Individuen, die wegen einer bipolaren Störung Lithium, aber auch
Antikonvulsiva oder andere Psychopharmaka erhielten, im Vergleich zu denen,
die keiner solchen Exposition ausgesetzt waren, abzuschätzen.
Seite 20
Abb. 12: Kumulative Inzidenz von Tumore (gut-und bösartig) der Niere und oberen Harnwege bei bipolaren Patienten, die mit Lithium lange behandelt wurden (Patientenalter: 30,
45, 60 und 75 Jahre) Kessing et al. (2015) Bipolar Disord 3. doi: 10.1111/bdi.12344. [Epub
ahead of print]. (20)
Es handelt sich bei der vorliegenden Untersuchung um eine ganz Dänemark
umfassende, populationsbasierte Longitudinalstudie. Es wurden 2 Kohorten
gebildet: Kohorte I mit allen Personen, die Lithium (n = 24.272) oder
Antikonvulsiva (n = 386.255) erhielten, allen Menschen mit der Diagnose einer
bipolaren Störung (n = 9.651) und einer zufälligen Stichprobe von 1.500.000
Menschen aus der dänischen Bevölkerung. In Kohorte II befanden sich (als
Subkohorte von I) nur die bipolaren Patienten. Die Studie bezog Daten von
1995 bis einschließlich 2012 ein. Ausgeschlossen waren Patienten, bei denen
vor Studieneinschluss bereits Tumore der Niere und oberen Harnwege
bekannt waren. Outcomekriterien war das nachfolgende Auftreten dieser
Tumore; untergliedert in drei Gruppen: 1. kombiniert bösartige und gutartige
Tumore, 2. bösartige und 3. gutartige Tumore. Die Analysen wurden adjustiert
für die Anzahl der Verordnungen für Lithium bzw. Antikonvulsiva, Antipsychotika, Antidepressiva und allen anderen verordneten (psychiatrischen
und somatischen) Medikamenten; Alter; Geschlecht; Arbeitsverhältnis;
Kalenderjahr und die Diagnose einer bipolaren Störung.
Dabei zeigte sich, dass die Langzeitbehandlung mit Lithium nicht mit erhöhten
Raten von Tumore der Nieren und oberen Harnwege verbunden ist (bereinigte
HazardRatio [HR] „bösartig oder gutartig“: 0,67-1,18, p = 0,70; bereinigte HR
„bösartig“: 0,61-1,34, p = 0,90; bereinigte HR „gutartig“: 0,74-1,18, p = 0,70)
(s. Abb. 12). In gleicher Weise trifft das für die Langzeitbehandlung mit Antikonvulsiva zu (bereinigte HR „bösartig oder gutartig“: 0,97-1,18, p = 0,10;
bereinigte HR „bösartig“: 0,82-1,15, p = 0,80; bereinigte HR „gutartig“: 0,941,36, p = 0,20). Die Befunde wurden bei den 9651 Patienten mit der Diagnose
einer bipolaren Störung bestätigt. Limitierend für die Untersuchung war u.a.,
dass weder die Lithiumdosierungen, noch Nierenfunktionsparameter berücksichtigt werden konnten, weil diese Daten nicht im Register erfasst sind. Die
Autoren schlussfolgern, dass die Behandlung mit Lithium nicht mit erhöhten
Raten von Tumoren der Nieren und oberen Harnwege verbunden ist (20).
Kommentar: Um valide Aussagen zu der Fragestellung zu erhalten, ob eine
Lithium-Langzeittherapie Nierentumore verursachen kann, sind große
Patientenzahlen bzw. Vergleichspopulationen erforderlich. Dänemark ist hierfür
aufgrund der großen staatlichen Register hervorragend geeignet. Zwei aktuelle
dänische Fall-Kontroll-Studien belegen, dass die Verordnung von Lithium nicht
mit einem erhöhten Risiko von Krebserkrankungen des oberen Harntraktes
(einschließlich der Niere) assoziiert war.
5.4
Schilddrüsenfunktion bei Langzeit Lithium-behandelten
bipolaren Patienten: eine Querschnittsstudie
Diese Querschnittstudie untersucht den klinisch bedeutsamen jedoch mechanistisch weitgehend unverstandenen Zusammenhang zwischen Lithiumeinnahme und Veränderung der Schilddrüsenfunktion (21). Hierzu wurden
Serumspiegel von Schilddrüsenhormonen und Schilddrüsenautoantikörper bei
Patienten mit bipolarer Störung und einer mindestens 10 Jahre andauernden
Lithiumbehandlung bestimmt. Die Stichprobe umfasste 45 weibliche und 21
männliche Patienten, welche Lithium über 10-44 Jahre (MW 21 Jahre) zur
Rezidivprophylaxe manischer und depressiver Episoden eingenommen hatten.
Als neuroendokrine Marker wurden TSH, fT3, fT4, anti-TPO-, antiTG und TSHRezeptor-Antikörper bestimmt. Die Ergebnisse der Messungen der
Schilddrüsenhormone, TSH (Abb. 11) und Antikörper (Abb. 12) sind in den
beiden nachstehenden Abbildungen dargestellt.
Differences in hormone values were calculated using the Mann–Whitney test. Differences in
percentages were calculated using the chi- square test.
fT3 = free thyroxine; fT4 = free triiodothyronine; SD = standard deviation; TSH = thyroidstimulating hormone.
aDifference: men/women.
Abb. 13: Kraszewska et al. (2015) Bipolar Disord 17(4):375-80. (21)
Seite 22
Differences in antibody values were calculated using the Mann–Whitney test. Differences in
percentages were calculated using the chi- square test.
Anti-TG = thyroglobulin antibodies; anti-TPO = thyroid peroxidase antibodies; anti-TSH-R =
thyroid stimulating receptor antibodies; SD = standard deviation.
aDifference: men/women.
Abb. 14: Kraszewska et al. (2015) Bipolar Disord 17(4):375-80. (21)
22 % der weiblichen Patienten jedoch kein männlicher Patient wies unter der
Lithiumbehandlung eine manifeste Hypothyreose auf. Bei mehr als der Hälfte
untersuchter Patienten zeigten sich erhöhte Autoantikörper (Tab. 3). Hierbei
ergaben sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Serumspiegel der
TSH-Werte korrelierten hochsignifikant mit anti-TPO- und antiTG Antikörperspiegeln. Die Dauer der Lithiumeinnahme hatte keinen Einfluss auf die
untersuchten neuroendokrinen Marker.
Die Ergebnisse bestätigen die höhere Anfälligkeit weiblicher Patienten für eine
Veränderung der Schilddrüsenfunktion unter Lithiumeinnahme. Im Gegensatz
zur renalen Funktionseinschränkung scheint kein zeitlicher Zusammenhang
zwischen Lithiumeinnahme und Schilddrüsenfunktionsstörungen zu bestehen.
Die erstaunlich hohe Rate erhöhter Autoantikörper ist Spekulationen der
Autoren zufolge eher durch die bipolare Störung als durch die Lithiumtherapie
begründet. Sie unterstreicht die bisher unterforschte mögliche Beteiligung
autoimmunologischer Prozesse bei der Pathogenese bipolarer Störungen (21).
5.5
Symptomatik und Therapie der Lithium Intoxikation
Die Lithiumintoxikation ist aufgrund der geringen therapeutischen Breite
Lithiums weiterhin ein häufiges und daher klinisch hoch relevantes Problem bei
Lithium-behandelten Patienten. Die Evidenz zum therapeutischen
Management der Lithiumintoxikation resultiert aktuell lediglich aus Tierstudien,
pharmakokinetischen Studien und kleineren Beobachtungsstudien, weshalb
verfügbare Behandlungsleitlinien einer erheblichen Variabilität unterliegen.
Abb. 15 macht deutlich, dass zwischen akuter und chronischer Intoxikation
unterschieden werden muss.
Abb. 15: Haussmann et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3:23. (22)
Die Autoren geben eine Übersicht zur aktuellen Evidenz zur Behandlung der
Lithiumintoxikation, um einen Beitrag zur Standardisierung dieser potentiell
lebensbedrohlichen Komplikation zu leisten (22). Im Rahmen der Literatursuche wurden eine beträchtliche Anzahl an Einzelfallberichten und kleineren
Fallserien detektiert. Es wurden jedoch keine randomisierten, placebokontrollierten Studien oder Metaanalysen gefunden, weshalb der Fokus in
puncto klinischer Evidenz auf Fallserien und relevanten Übersichtsartikeln lag.
Abb. 16 fasst die Indikationsstellung und den Zeitpunkt der Beendigung der
Hämodialyse zusammen; Abb. 17 die therapeutischen Optionen bei Lithiumintoxikation.
Abb. 16: Indikationen zur Hämodialyse. Haussmann et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3:23.
(22)
Seite 24
Abb. 17: Haussmann et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3:23. (22)
Kommentar: Die Autoren verdeutlichen, dass die Datenlage insbesondere in
Bezug auf die Indikationsstellung und den Zeitpunkt der Beendigung der
Hämodialyse insuffizient und inkonsistent sind. Neben den Behandlungsaspekten heben die Autoren die Bedeutung präventiver Maßnahmen hervor
und betonen dabei neben einer kritischen Indikationsstellung und Patientenselektion die hohe Relevanz von Behandler- und Patientenwissen, um
Lithiumintoxikationen wirkungsvoll verhindern zu können. Die Literaturübersicht
zeigt auch die Notwendigkeit der Erarbeitung differenzierter Therapiestandards
(22).
5.6
Placebo-kontrollierte Studie einer Zusatztherapie mit Armodafinil
bei Depression im Rahmen einer Bipolar-I-Störung
Für die Behandlung der bipolaren Depression sind derzeit nur 3 Substanzen
zugelassen von der FDA: Quetiapin (Monotherapie), Olanzapin + Fluoxetin (in
Kombination) sowie Lurasidon (als Monotherapie oder zusätzlich zu Lithium
oder Valproat; nicht auf dem deutschen Markt). Armodafinil (R-Modafinil) ist in
den USA zur Behandlung starker Schläfrigkeit bei Schichtarbeitern,
Narkolepsie und als Zusatztherapie bei obstruktiver Schlafapnoe zugelassen.
Mehrere, wenn auch nicht alle Studien weisen auf den Nutzen einer aus
Armodafinil bestehenden Begleittherapie bei depressiven Episoden im
Rahmen einer Bipolar-I-Störung hin. Frye und Kollegen (23) untersuchten in
einer multizentrischen, Placebo-kontrollierten, doppelblind-randomisierten
Studie die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit einer solchen Zusatztherapie an insgesamt 399 Patienten, welche stabil auf einen Mood Stabilizer
oder ein Neuroleptikum eingestellt waren und über 8 Wochen zusätzlich
150mg/d Armodafinil versus Placebo erhielten.
Die Behandlung zeigte insgesamt keinen signifikanten Effekt auf die
Ausprägung spezifisch depressiver Symptome (gemessen mit IDS-C30Score), jedoch zeigten sich innerhalb der Verumgruppe positive Wirkungen der
Armodafinil-Behandlung auf folgende sekundäre Outcomeparameter: Verbesserung in der CGI, Verbesserung in der GAF und Remission (definiert als
Verbesserung des IDS-C30 ≤ 11) (s. Abb. 18). Die Verträglichkeit war gut.
IDS-C30 response and remission.
Symptomatology–Clinician-Rated.
IDS-C30 = 30-Item
Inventory
of
Depressive
Abb. 18: Frye et al. (2015) Int J Bipolar Disord 3(1):34. (23)
Kommentar: Zugelassene Behandlungsoptionen für bipolare Depressionen
sind begrenzt, weswegen weitere Therapiemöglichkeiten benötigt werden. Die
zusätzliche Add-on Gabe von Armodafinil verbesserte (bei allgemein guter
Verträglichkeit) die Symptome der bipolaren Depression, wenngleich nur in
einigen sekundären Outcomeparametern. Weitere Untersuchungen zur
Indentifikation von Subgruppen, die eine bessere Response auf Armodafinil
aufweisen, sollten in Zukunft durchgeführt werden.
5.7
Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen bei Patienten mit
bipolarer Störung
Die Einnahme von nicht-verschreibungspflichtigen, vielfach in Drogerie- und
Supermärkten erhältlichen sogenannten Nahrungsergänzungssubstanzen hat
in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Es wird geschätzt dass
etwa 50 % der US amerikanischen Bürger mehr oder weniger regelmäßige
solche Substanzen einnehmen, insbesondere Vitamine, Mineralien (z.B.
Magnesium), pflanzliche Stoffe, Aminosäuren und Proteine. In der vorliegenden Studie wurden 348 Personen aus den USA mit bipolarer Störung
nach der Einnahme solcher Substanzen befragt (24). Etwa 30 % der Befragten
(n=101) nahmen zusätzlich zu ihren Medikamenten zur Behandlung der
bipolaren Erkrankung mindestens eine Nahrungsergänzungssubstanz (insgesamt 40 verschiedene Subtanzen) über einen Zeitraum von mehreren Monaten
ein. Am häufigsten wurden Fischöle, Vitamin B, Melatonin sowie Multivitamine
eingenommen. Insbesondere ältere Patienten, solche mit weißer Hautfarbe
und einer längeren Erkrankungsdauer nahmen Nahrungsergänzungsstoffe
häufiger ein.
Kommentar: Viele Patienten mit bipolarer Störung nehmen zusätzlich in nicht
unerheblichem Maße frei käufliche Nahrungsergänzungsstoffe ein. Die
Ursache hierfür ist vermutlich vielfältig. Da viele dieser Stoffe negative
Interaktionen mit herkömmlichen Medikamenten verursachen können, ist es
wichtig, dass Ärzte ihre Patienten nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen befragen (inklusive der Motivation), um mögliche negative
pharmakokinetische Konsequenzen abschätzen zu können.
Seite 26
6
Psychologische Faktoren und IT-basierte
Interventionen
6.1
Die Bedeutung von Lebensereignissen und psychologischen
Faktoren hinsichtlich des Beginns von ersten und wiederkehrenden affektiven Episoden bei Kindern von bipolar
Erkrankten: Ergebnisse einer niederländischen Studie
Lebensereignisse sind ein bekannter Risikofaktor hinsichtlich des Beginns und
Wiederauftretens von unipolaren und bipolaren affektiven Episoden, insbesondere bei Vorliegen von genetischer Vulnerabilität. Das dynamische
Wechselspiel zwischen Lebensereignissen und psychologischen Zusammenhängen wurde jedoch bisher wenig erforscht. In der vorliegenden Studie aus
den Niederlanden wurde der Einfluss von Lebensereignissen auf den Beginn
bzw. das Wiederauftreten von affektiven Episoden von Kindern bipolar Erkrankter sowie die Auswirkungen von Temperament, Krankheitsbewältigung
sowie Erziehungsstil auf diese Verbindung untersucht (25).
Methodisch wurden Kinder bipolar Erkrankter (n = 108) im Langzeitverlauf von
der Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter untersucht und affektive Störungen
wurden mit dem „Kiddie Schedule für affektive Erkrankungen und
Schizophrenie-Gegenwarts- und Lebenszeit-Version“ (K-SADS-PL) oder dem
Strukturierten Klinischen Interview für Achse-I-Erkrankungen (SKID) des DSMIV bewertet; Lebensereignisse mit dem „Life Events and Difficulties Schedule“
(LEDS) sowie die psychologischen Messwerte mit der Utrechter Bewältigungsliste, dem Temperament und Charakter Inventar (TCI) und der Kurzform des
EMBU (Memories of Upbringing Instrument). Anderson-Gill Modelle (Erweiterungen des Cox Modells, portionales hazard Model) wurden zur
Auswertung genutzt.
Die Ergebnisse zeigen: Lebensereignisse hängen mit einem erhöhten Risiko
für erste und – wenn auch weniger ausgeprägt – nachfolgende affektive
Episoden zusammen. Passive Krankheitsbewältigungsstrategien vergrößern
das Risiko für den Beginn wie das Wiederauftreten von affektiven Episoden,
verändern aber ebenso die Auswirkungen von Lebensereignissen auf affektive
Erkrankungen. Eine Veranlagung zur Vermeidung von Leid war mit Wiederauftreten von affektiven Episoden assoziiert (25).
Kommentar: Zusammenfassend kann resümiert werden, dass Lebensereignisse speziell ein Risikofaktor für den Beginn einer affektiven Erkrankung
sind, allerdings weniger für Rückfälle von Episoden. Psychologische Faktoren
(passives Bewältigungsstrategien und Veranlagung zur Vermeidung von Leid)
tragen zu einem Risiko des Wiederauftretens einer Episode bei und haben
ferner einen moderierenden Effekt auf den Zusammenhang zwischen
Lebensereignissen und affektiven Episoden. Diese Ergebnisse begründen
möglichst frühe Interventionsstrategien für Kinder bipolar Erkrankter.
6.2
Stimmungsschwankungen bei Bipolar-I versus Bipolar-IIStörungen: kontinuierliche tägliche Selbstbeobachtung mittels
Smartphone
Manische und depressive Episoden entwickeln sich üblicherweise innerhalb
von Tagen bis Wochen. Die Prävention neuer Episoden ist das zentrale Ziel in
der Langzeit-Behandlung von Patienten mit bipolarer Störung. Um beginnende
Episoden frühzeitig behandeln zu können ist eine zeitige Identifikation von
Frühwarn-Symptomen unerlässlich. Da die Termine bei dem behandelnden
Arzt meist mehrere Wochen auseinander liegen obliegt es schwerpunktmäßig
den Patienten, die Frühwarnzeichen zu erkennen. Die Beobachtung der
eigenen Symptomatik erfolgt häufig mittels „Mood-Chart“. Diese können
entweder schriftlich ausgefüllt werden oder auf elektronischer Erfassung
basieren. Diese traditionellen Formen des „Mood-Charting“ haben jedoch
erhebliche Einschränkungen in der alltäglichen klinischen Praxis. Erstens wird
beim täglichen „Mood-Charting“ nur retrospektiv der Verlauf der vergangenen
24 Stunden erfasst und kann daher erheblich durch Recall-Bias gestört
werden. Zweitens hindern die Symptome einer beginnenden Episode (z.B.
Gedankenrasen, Ablenkbarkeit) den Patienten daran Symptome sorgfältig zu
notieren. Drittens ist diese Form der Symptomerfassung auch für zuverlässige
Patienten letztendlich ermüdend, so dass diese ihre Beteiligung einstellen. Die
Entwicklung innovativer Formen der Erfassung, welche eine langfristige
Quantifizierung von Symptomen auch ohne oder mit nur marginaler Beteiligung
der Patienten ermöglichen, ist daher von hoher Bedeutung. Das Smartphonebasierte ambulante Assessment mit Echtzeit-Datenerfassung und schwellenwertabhängiger Intervention ist eine solche Entwicklung (Übersicht: (26)).
In der Pilotstudie von Faurholt-Jepsen et al. (27) wurden Unterschiede
zwischen Bipolar-I und Bipolar-II-Patienten hinsichtlich der täglich erlebten
Symptomatik mittels dieser neuen Technologie untersucht, welche bei bipolar
erkrankten Personen auch zwischen einzelnen Krankheitsepisoden häufig
weiter im Sinne instabiler Stimmung bestehen bleibt. Insgesamt 33 Patienten
(13 Bipolar-I, 20 Bipolar-II) nutzten für jeweils mindestens sechs Monate ein
Smartphone-basiertes Selbstbeobachtungssystem, worüber Stimmung, Schlaf,
Medikation, Aktivitätslevel, Gereiztheit und weitere Symptome auf täglicher
Basis erfasst wurden. Patienten vom Erkrankungstyp Bipolar-II hatten im
Vergleich zu Bipolar-I Patienten durchschnittlich deutlich niedrigere
Stimmungswerte angegeben (-0.54 vs. -0.19 auf einer Skala von -3 bis +3;
p=0.02), weniger euthyme Tage berichtet (51.0 % vs. 74.5 %; p=0.03) sowie
durchschnittlich mehr Tage mit depressiver Symptomatik verbracht (45.1 % vs.
18.8 %; p=0.01). Unterschiede hinsichtlich mit (hypo)manischer Symptomatik
verbrachter Tage wurden nicht berichtet (2.7 % vs. 5.5 %; p=0.17).
Kommentar: Die Pilotstudie zeigte, dass ein Smartphone-basiertes Selbstbeobachtungssystem von Patienten angenommen wird und technisch machbar
ist. Im Vergleich zur Typ-I Störung scheint die Stimmung von Patienten mit
Bipolar-II Störung instabiler zu sein und sie verbringen trotz kontinuierlicher
Behandlung relativ wenig Zeit in euthymer Stimmungslage, weswegen gerade
bei Menschen diesen Erkrankungstyps ein besonderes Augenmerk auf
subsyndromale Symptome gelegt werden sollte und verbesserte Behandlungsstrategien benötigt werden.
6.3
Tägliche Smartphone-basierte Selbstbeobachtung bei bipolaren
Störungen – MONARCA I: placebo-kontrollierte Studie
In dieser randomisierten klinischen Studie von derselben Arbeitsgruppe wie
unter 6.2 beschrieben, wurde der Fragestellung nachgegangen, inwiefern die
tägliche Nutzung elektronischer Selbstbeobachtung mittels Smartphonetechnologie eine Reduktion depressiver und manischer Symptomatik bei
Patienten mit bipolaren Erkrankungen erzielen kann (28). Hierfür wurde
insgesamt 78 Patienten für sechs Monate ein Smartphone überlassen, wobei
bei einer Hälfte der Teilnehmer (der Interventionsgruppe) zum einen über ein
elektronisches Selbstbeobachtungssystem Stimmung, Schlaf, Medikation,
Aktivitätslevel, Gereiztheit und weitere Symptome auf täglicher Basis erfasst
Seite 28
wurden und zum anderen eine Feedbackschleife sowohl die behandelnde
Klinik als auch den Patienten selbst über die von ihm eingegebene
Symptomatik informierte. Bei Auffälligkeiten hinsichtlich bipolarer Symptomatik
wurden die Patienten in der Interventionsgruppe per SMS, Anruf oder E-Mail
kontaktiert, mögliche Interventionen besprochen bzw. Termine in der Klinik
vereinbart. Signifikante Unterschiede hinsichtlich depressiver oder manischer
Symptomatik zwischen den beiden Gruppen konnten nicht gefunden werden,
in beiden Gruppen konnte eine Verringerung hinsichtlich der Symptomschwere
während der 6-monatigen Studienteilnahme gezeigt werden. Patienten der
Interventionsgruppe erlebten tendenziell vermehrt depressive Symptomatik
(p=0.066), bei Personen mit manischer Symptomatik reduzierte sich diese im
Verlauf (p=0.051).
Kommentar: Der Einsatz elektronischer Selbstbeobachtungsmethoden muss
weiter kritisch untersucht und der Nutzen für die Behandlung bipolarer
Erkrankungen überprüft werden bevor Smartphonetechnologien als klinisches
Mittel in der Praxis eingesetzt werden.
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