FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest

Werbung
FAQ
Hochpathogene
Aviäre Influenza
(HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
FAQ
| FLI | Stand 06.12.2016
FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
Was versteht man unter Geflügelpest und „Vogel-
Beide Oberflächenproteine unterliegen fortdauernden
grippe“?
Veränderungen. Dabei entstehende neue Varianten,
die die Wirtsabwehr unterlaufen können, gelegentlich
Die Klassische Geflügelpest ist eine tödlich verlau-
auch neue Wirte infizieren und damit ihre Verbreitung
fende Erkrankung von Vögeln, unter der besonders
sichern. Natürlicherweise können nur aus den Subty-
Hühner und Puten leiden. Vogelspezies wie Enten und
pen H5 und H7 durch spontane Mutationen aus wenig
Gänse weisen gemeinhin eine geringere Empfindlich-
krankmachenden, geringpathogenen Formen stark
keit auf. Ausgelöst wird die Erkrankung durch hoch-
krankmachende, hochpathogene Varianten entste-
pathogene (stark krankmachende, HP) aviäre Influen-
hen. Während LPAIV sich nur lokal im Atmungstrakt
zaviren (AIV) der Subtypen H5 und H7.
und Darm vermehrt, verteilen sich HPAIV im ganzen
Körper und führen zum Tod in 2 bis 3 Tagen. Die dafür
Die hochpathogenen AIV entstehen durch Mutation
mit verantwortlichen Mutationen bestehen in einer
aus geringpathogenen Influenzaviren d. h. Varianten,
Veränderung eines Bereiches im Hämagglutinin, der
die lediglich leichte Krankheitssymptome induzieren.
für die Aktivierung des Proteins durch Eiweißspaltung
Erst bei Infektion mit der HP-AIV Variante kommt es
wichtig ist.
zu dramatischen Krankheitsverläufen mit einer Sterblichkeit von bis zu 100 %, die sich schnell ausbreiten
Woher kommt das Geflügelpestvirus H5N8?
kann und daher als Geflügelpest bezeichnet werden.
Hochpathogenes aviäres Influenzavirus vom Typ H5N8
Als „Vogelgrippe“ werden in der Öffentlichkeit seit
(HPAIV H5N8) wurde erstmals Anfang 2014 in Süd­korea
dem Auftreten des hochpathogenen H5N1 Virus aus
entdeckt. Etwa 12 Millionen Tiere mussten zur Ein-
Asien Infektionen des Nutzgeflügels mit aviären Influ-
dämmung der Infektion getötet werden. Aus China und
enzaviren bezeichnet.
Japan wurden ebenfalls Ausbrüche gemeldet. Zum
Jahresende 2014 trat H5N8 in verschiedenen Ländern
besonders
Europas auf, u. a. in Deutschland, den Niederlanden
krankmachend, während andere gar keine oder
und dem Vereinigten Königreich. Auch nach Nord-
nur geringe Krankheitszeichen verursachen?
amerika wurde das Virus Ende 2014 verbreitet. Dort
Wieso
sind
manche
Influenzaviren
vermischte sich H5N8 mit anderen amerikanischen
Aviäre Influenzaviren gehören zur Gruppe der Influen-
Influenzaviren und infizierte als hochpathogener Sub-
za A-Viren. Sie verfügen über zwei Oberflächenpro-
typ H5N2 etwa 150 Geflügelhaltungen, bevor die Epi-
teine, das Hämagglutinin-(H) und die Neuraminidase-
demie im Sommer 2015 gestoppt werden konnte.
(N), die für die Wechselwirkung mit Zellen und somit
für deren Infektion bedeutsam sind. Diese Proteine
Im Sommer 2016 wurden hochpathogene H5N8 Viren
können in unterschiedlichen Varianten (Subtypen)
bei Wildvögeln im Süden Sibiriens und seit Ende Okto-
vorkommen. Bei aviären Influenzaviren sind 16 Sub-
ber auch wieder in europäischen Wildvögeln nachge-
typen des Hämagglutinins (H1-16) und neun Subtypen
wiesen. Die derzeit nachgewiesenen Viren sind sehr
der Neuraminidase (N1-N9) beschrieben. Nach der
eng mit denen aus Südsibirien verwandt, unterschei-
Struktur von H und N werden die Subtypen des Virus
den sich aber genetisch von den früher nachgewiese-
bezeichnet, wie H5N1, H5N8, H7N3 oder H7N7.
nen HPAIV H5N8. Ob sich auch die biologischen Eigen-
2 | FAQ | FLI | Stand 06.12.2016
FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
schaften dieser Viren verändert haben, ist noch nicht
Virologen, Epidemiologen und Ornithologen detail-
geklärt. Im Gegensatz zum Auftreten 2014 scheinen
liert untersucht und beschrieben (Lee et al. 2015,
zurzeit eine größere Anzahl und auch andere Arten
J. Virol. 89, 6521–6524; Kuiken et al.: Role for mi-
von Wildvögeln infiziert zu sein. Auch die bisher beob-
gratory wild birds in the global spread of avian in-
achteten klinischen Erscheinungen sind gravierender.
fluenza H5N8; Science 14 Oct 2016: Vol. 354, Issue
Dies zeigt sich insbesondere in der auffallend erhöh-
6309, pp. 213-217, DOI: 10.1126/science.aaf8852).
ten Sterblichkeit von Reiherenten.
Die Verbreitung von AIV durch Wildvögel erklärt viele der Ausbrüche in und außerhalb Europas plausibel.
Welche Übertragungswege gibt es?
Können infizierte Zugvögel überhaupt weitere
Eindeutige Einschleppungswege des derzeit in Europa
Strecken zurücklegen?
grassierenden HPAIV H5N8 konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Beteiligung von Zugvögeln ist
Wie weit infizierte Wildvögel fliegen können, ist nicht
aufgrund detaillierter Analysen der Viren des Jahres
bekannt. Es ist aber auch nicht erforderlich, dass ein
2014 sowie des bisherigen Geschehens wahrschein-
infizierter Vogel über lange Strecken fliegt. Entschei-
lich.
dend ist, dass sich Infektionsketten aufbauen, über
die das Virus von Rastort zu Rastort weitergegeben
Für die Einschleppung von aviären Influenzaviren in
wird. So ist eine staffettenartige Ausbreitung des
Nutzgeflügelbestände kommen eine Reihe von Fak-
Erregers aus Asien durch die Überlappung der Brut­
toren in Frage. In Freilandhaltungen sind direkte
gebiete und Zugrouten sehr gut vorstellbar.
Kontakte des Geflügels mit infizierten Wildvögeln
möglich. Aber auch in scheinbar geschlossenen Stall-
Wie kann man den Erreger bei Wildvögeln oder
haltungen kann das Virus durch indirekte Kontakte
Hausgeflügel nachweisen?
eindringen: Unter anderem stellen die Einstallung
von Tieren, Personen- und Fahrzeugverkehr, Waren,
Für die Seuchenfeststellung ist neben dem siche-
Futter und Wasser Risiken für eine Einschleppung dar.
ren Nachweis des Virus auch die Bestimmung des
Hierbei wird auch der indirekte Eintrag über etwaig
Subtyps (H5 oder H7) sowie der Pathogenität (nied-
verunreinigtes Futter, Wasser, Gerät oder verunrei-
rig- oder hochpathogen) erforderlich. Nähere Infor-
nigte Einstreu in Betracht gezogen. Bereits Spuren
mationen finden Sie dazu in der Amtliche Methoden-
von Kot bzw. Nasensekreten von Wildvögeln, die nicht
sammlung (insb. Punkt 2: Untersuchungsmaterial):
sichtbar sind, reichen für die Übertragung aus.
https://openagrar.bmel-forschung.de/receive/openagrar_mods_00005454
Welche Rolle spielen Zugvögel bei der Verbreitung
von hochpathogenem H5N8?
Hier erhalten Sie genaue Informationen über die verwendeten Tests und einen Überblick über den Ablauf
Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Wildvögel ein
der Untersuchung. Eine Abklärung eines Verdachts-
natürliches Reservoir für aviäre Influenzaviren dar-
falls dauert im FLI in der Regel etwa einen halben Tag.
stellen und sie verbreiten. Die Verbreitung durch
Zugvögel wurde für das Virus von 2014 u. a. von
einem internationalen Forschungskonsortium aus
FAQ
| FLI | Stand 06.12.2016 | 3
FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
Kann man bei aasfressenden Wildvögeln unter-
Ist H5N8 auf den Menschen übertragbar?
scheiden, ob eine tatsächliche Infektion mit H5N8
vorliegt oder der betroffene Vogel lediglich konta-
Infektionen des Menschen mit HPAI H5N8 Viren wur-
miniertes Aas zu sich genommen hat?
den bislang weltweit nicht nachgewiesen. Wie bei
allen Geflügelpestviren sind aber auch bei H5N8 er-
Ja, das ist unterscheidbar. Auch bei einem infizierten
höhte Schutzmaßnahmen beim Umgang mit potenziell
Wildvogel, der Aasfresser ist, liegt eine hohe Viruslast
infiziertem Geflügel und Wildvögeln einzuhalten.
im Atmungstrakt (nicht im Verdauungstrakt) vor. Dies
deutet eindeutig auf eine Infektion mit H5N8 hin.
Was passiert, wenn in Deutschland Fälle von Geflügelpest bei Hausgeflügel auftreten?
Untersucht das FLI auch Ausbreitungswege von
H5N8 über die Transportwege der internationalen
Für die Bekämpfung der Geflügelpest gelten EU-weite
geflügelproduzierenden Industrie?
und nationale Vorschriften. Grundsätzlich wird das
Geflügel in infizierten Beständen getötet und un-
Ja, im Falle eines Ausbruchs werden alle denkbaren
schädlich beseitigt. Zudem richten die zuständigen
Einschleppungsursachen untersucht, auch der Zugang
Behörden Schutz- bzw. Überwachungszonen ein, in
von Geflügel und möglicherweise kontaminierter Wa-
denen Geflügelbestände unter besondere Beobach-
ren oder Gegenstände in den betroffenen Bestand.
tung gestellt werden, um eine weitere Verbreitung
Darüber hinaus werden die Einfuhr und das innerge-
des Erregers zu verhindern. Weitere Informationen
meinschaftliche Verbringen von Vögeln und von Tie-
sind in der Verordnung zum Schutz gegen die Geflü-
ren stammenden Erzeugnissen über TRACES, ein Be-
gelpest zu finden.
richtssystem der EU, verfolgt.
Besteht das Risiko, dass es zu einem unentdeckten
Die Einfuhr von Geflügel und Geflügelprodukten aus
Infektionsgeschehen in einem Nutzgeflügelbestand
von HPAI-betroffenen Gebieten ist verboten, illegale
kommen kann, z.B. in der Inkubationszeit, in der
Einfuhren sind dennoch möglich und stellen ein nicht
Tiere noch keine klinischen Symptome zeigen?
vernachlässigbares Risiko dar. Sie würden im Falle der
Exposition von Geflügel zumindest bei Hühnervögeln
Es gibt aus dem Hausgeflügel-Monitoring keinerlei
zum Ausbruch der Geflügelpest mit hoher Mortalität
Hinweise für ein latentes, unentdecktes HPAI-Gesche-
unter den betroffenen Tieren einhergehen. Dies kann
hen in Nutzgeflügelbeständen in Deutschland.
nicht verborgen bleiben.
Ein mit H5N8 infizierter Bestand wird auf Grund der
Im Rahmen der epidemiologischen Untersuchungen
hohen krankmachenden Eigenschaften des Erregers
ist es von besonderer Bedeutung dafür zu sorgen, dass
für Nutzgeflügel tatsächlich sehr schnell an Hand der
die Biosicherheit in den Geflügelbeständen geprüft
steigenden Zahlen toter Tiere erkannt. Bei infizierten
und so verbessert wird, dass möglichst wenig weitere
Hühnern und Puten beträgt die Inkubationszeit, d.h.
Ausbrüche zu verzeichnen sind.
die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten klinischer
4 | FAQ | FLI | Stand 06.12.2016
FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
Symptome bzw. dem Tod des Tieres in der Regel 1
Könnte man das Hausgeflügel nicht präventiv
bis maximal 3 Tage. In der symptomlosen Inkubati-
impfen?
onszeit wird Virus nicht oder nur in geringen Mengen
ausgeschieden. Erst nach der Virusvermehrung im in-
Impfungen sind in der EU nicht erlaubt. Impfungen
fizierten Tier, die mit der Entwicklung starker klini-
gegen Influenza bieten aufgrund der hohen Variabi-
scher Symptome einhergeht, kommt es zu vermehrter
lität der Viren häufig einen unzureichenden Schutz.
Virusausscheidung und damit zur Ansteckung weite-
Zudem besteht bei einer präventiven Impfung in Ge-
rer Tiere bzw. zur Kontamination der Umwelt. Vor
flügelbeständen die Gefahr, dass ein Geflügelpest­
der Schlachtung findet eine klinische Überprüfung der
geschehen maskiert wird, da nicht verlässlich zwi-
Tiere statt, bei der entsprechende Symptome erkannt
schen infizierten und geimpften Tieren unterschieden
werden. Die Chance, dass Hühnergeflügel also genau
werden kann. Auch bei einem klinischen Schutz, d. h.
in diesem Zeitraum symptomlos zur Schlachtung ge-
Tiere zeigen nach Infektion keine Krankheitssympto-
langt, ist extrem gering. Hühnervögel sind extrem an-
me, sind die Tiere nicht zuverlässig vor einer Infektion
fällig für Geflügelpest, sie vermehren den Erreger sehr
und Ausscheidung geschützt. Dadurch könnte sich ein
schnell, zeigen schnell klinische Symptome bei der
Infektionsgeschehen unbemerkt unter der Impfdecke
Virusausscheidung und verbreiten den Erreger durch
ausbreiten und zu kontinuierlichen Krankheitsaus­
Augen- oder Nasensekret und können ihn mit dem Kot
brüchen führen. Beispiele sind aus Ländern wie Ägyp-
ausscheiden. Eine H5N8-Infektion breitet sich dann
ten oder China gut belegt.
explosionsartig in einem Bestand aus und hat eine extrem hohe Sterblichkeit innerhalb von 1-2 Tagen zur
Es besteht die Möglichkeit, in Ausnahmefällen unter
Folge. Auch infizierte Eier sterben sehr schnell ab, so
bestimmten Voraussetzungen zu impfen, beispiels-
dass der Embryo gar nicht erst zum Schlupf kommt.
weise bei Zoovögeln oder seltenen Geflügelrassen.
Bereits bei einer gering erhöhten Todesrate sind die
Hierzu ist eine Genehmigung der EU-Kommission er-
Geflügelhalter dazu verpflichtet, dieses zu melden
forderlich, die mit strengen Auflagen der kontinuier­
und auf Geflügelpest untersuchen zu lassen.
lichen Überwachung des Bestandes verbunden ist. Die
Einzelheiten sind mit den örtlich zuständigen Veteri-
Bei gehaltenem Wassergeflügel (Enten und Gänsen)
närbehörden zu klären.
kann die Infektion weniger auffällig verlaufen. Gerade das aktuelle zirkulierende Geflügelpestvirus H5N8
Was passiert mit kontaminiertem Kot, Einstreu usw.
führt aber auch in Wassergeflügel zu deutlichen Symp-
aus infizierten Ställen?
tomen, die infizierte Bestände erkennen lassen. Auch
die stichprobenartige Untersuchung von gehaltenem
Die örtliche zuständige Veterinärbehörde ordnet bei
Wassergeflügel sowie die Analysen in Zusammenhang
einem Ausbruch auch die Desinfektion von Kot, be-
mit dem derzeitigen Infektionsgeschehen ergeben
nutzter Einstreu und Gülle aus infizierten Betrieben
keine Hinweise für ein verdecktes HPAIV H5N8 Ge-
an (§ 19, Absatz 1 Ziffer 3a der Geflügelpest-Verord-
schehen in deutschem Nutzgeflügel.
nung). Diese möglichen Infektionsquellen werden somit unschädlich gemacht und beseitigt.
FAQ
| FLI | Stand 06.12.2016 | 5
FAQ Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest, „Vogelgrippe“)
Kann der Vogelgrippeerreger sich durch das Trink-
Besteht ein Gesundheitsrisiko durch Geflügel­
wasser ausbreiten?
produkte für die Verbraucher?
Das Umweltbundesamt hat dazu bereits 2006 umfas-
Infektionen des Menschen mit H5N8 sind bisher nicht
send Stellung bezogen und erklärt, dass „über das im
bekannt. Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über
Leitungsnetz verteilte Trinkwasser (…) in Deutschland
infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber
keine Erkrankung des Menschen durch die so genann-
unwahrscheinlich.
te Vogelgrippe (…) hervorgerufen werden (kann). (…)
Die im Rohwasser möglicherweise enthaltenen Viren
Das hierfür zuständige Bundesinstitut für Risikobe-
werden mit der Aufbereitung herausgefiltert oder
wertung stellt dazu Informationen auf seiner Inter-
durch die Desinfektionsverfahren inaktiviert.“ Hier
netseite www.bfr.bund.de zur Verfügung.
die gesamte Stellungnahme:
http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/
files/medien/publikation/long/3553.pdf
Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Hauptsitz:
Insel Riems, Südufer 10, D-17493 Greifswald – Insel Riems, www.fli.de
Fotos/Quelle:
Friedrich-Loeffler-Institut, pixabay
6 | FAQ | FLI | Stand 06.12.2016
Herunterladen