Beispiele nachhaltigen Bauens im staatlichen Hochbau - IS

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Ausschuss für staatlichen Hochbau
der Bauministerkonferenz
Fachkommission Bau- und Kostenplanung
Beispiele
nachhaltigen Bauens
im staatlichen Hochbau
Dokumentation
ausgewählter Projekte
In h al t s v er zei c h n i s
1.
Einführung
4
2.
Übersichtskarte
5
3.
Projekte
6
Bayern
Museum Sammlung Brandhorst, München
7
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung,
Schweinfurt
11
Institutsbau FHHN Standort Künzelsau
15
Neubau für das Institut für Seenforschung, Langenargen
19
Neubau Klinikverwaltung des Universitätsklinikums Ulm
23
Rotebühl-Kantine, Stuttgart
27
Wirtschafts- und Betreuungsgebäude, Donaueschingen
31
Berlin
Neubau und Sanierung der Auferstehungskirche, Berlin
35
Brandenburg
Überbetriebliches Ausbildungszentrum für Bauberufe, Cottbus
39
Bremen
Haus der Zukunft, Bremen-Lüssum
43
Hamburg
Erweiterung Gesamtschule Wilhelmsburg, Hamburg
47
Hessen
Neubau Amtsgericht Seligenstadt
51
Baden-Württemberg
Beispiele nachhaltigen Bauens
im staatlichen Hochbau
Dokumentation
ausgewählter Projekte
Niedersachsen
Neubau des Bundesamtes für Strahlenschutz, Salzgitter
55
Neubau eines Hörsaal- und Seminargebäudes, Osnabrück
59
Umbau und Erweiterung der Bundesausführungsbehörde für
Unfallversicherung (BafU), Wilhelmshaven
63
Polizeigebäude „Im Mariental“, Aachen
67
Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW, Recklinghausen
71
Mecklenburg-Vorpommern
Universitätsbibliothek Rostock Südstadt
75
Rheinland-Pfalz
Fachhochschule Trier, Standort Birkenfeld, Neubrücke
79
Universität Trier, Campus II, Trier
83
Saarland
Umbau und Erweiterung Forsthaus Neuhaus, Philippsborn
87
Sachsen-Anhalt
Neubau eines Dienstgebäudes für das Umweltbundesamt, Dessau
91
Thüringen
Staatliches Umweltamt Sondershausen
95
Nordrhein-Westfalen
1. Ei n f ü h r u n g
In der Vergangenheit war das Bauen stark geprägt durch ökonomische und ökologische Anforderungen.
Eine wesentliche Herausforderung der Planer bestand darin, diese Ziele angemessen in Einklang zu bringen. Die bisherige Planungshilfe Umweltschutz im Bauwesen hat vor diesem Hintergrund die relevanten
ökologischen Planungsgrundsätze dargestellt und für den Planer praxisnahe Hinweise zur Umsetzung dieser
Anforderungen gegeben. Hier ging es vor allem darum, das Bauen umweltverträglich zu gestalten und um
den Schutz der menschlichen Gesundheit bei der Nutzung der Gebäude. Seit einigen Jahren wird diese
Entwicklung durch weitergehende Anforderungen an das Planen und Bauen geprägt – eine Entwicklung, die
1992 durch die Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio in Gang gesetzt wurde.
Es gibt inzwischen keinen Bereich in unserer Gesellschaft, der für sich nicht in Anspruch nimmt, die Dinge
nachhaltig zu gestalten. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird in allen Lebensbereichen sehr großzügig benutzt,
da er positiv belegt ist.
Das Bauwesen spielt für die nachhaltige Entwicklung eine große Rolle, weil mit jedem neuen Bauwerk lebenswichtige Ressourcen verbraucht werden, z. B. Bauflächen, Baustoffe sowie Primärenergie beim Bauen
und Betrieb.
Das „Nachhaltige Bauen“ enthält eine neue Dimension mit weitreichenden Konsequenzen für das Planen
und Bauen. Es geht dabei nicht nur um das umweltverträgliche und gesunde Bauen für die heutige Generation, sondern auch um die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen – ein Ziel, das hohe
gesellschaftliche Akzeptanz findet.
Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat dieses Thema frühzeitig aufgegriffen und
bereits im Jahre 2001 den Leitfaden Nachhaltiges Bauen eingeführt. Mit dem Leitfaden wurden die Anforderungen der Nachhaltigkeit erstmals umfassend auf das Bauwesen übertragen.
Die bisherigen Erfahrungen aus der Praxis haben gezeigt, dass dieses Thema von den am Bau Beteiligten
mit großem Interesse aufgegriffen wurde. Für wesentliche Teilaspekte des Nachhaltigen Bauen wurden interessante und beispielhafte Lösungen entwickelt und realisiert. Es fehlen jedoch nachvollziehbare Bewertungsmethoden für die Planung, Bauausführung und Betrieb von Gebäuden. An diesem Thema wird in der
Baubranche seit geraumer Zeit gearbeitet. Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat
dazu den „Runden Tisch Nachhaltiges Bauen“ eingerichtet, um mit allen Beteiligten Konzepte zur praxistauglichen Umsetzung zu entwickeln. Bis daraus jedoch Ergebnisse vorliegen, die allgemein in der Praxis
umgesetzt werden können, wird noch Zeit verstreichen.
Daher sollen die hier vorgestellten Beispiele Hinweise und Anregungen zu diesem Thema geben. Die Darstellung der Beispiele ist zur einfachen Orientierung einheitlich strukturiert und orientiert sich an den drei
Dimensionen bzw. Zielen der Nachhaltigkeit:
-
Ökologische Ziele
-
Ökonomische Ziele
-
Soziale und kulturelle Ziele
Bei den dargestellten Beispielen werden zu den drei Dimensionen bzw. Zielen der Nachhaltigkeit die jeweils
hervorzuhebenden Aspekte genannt – ohne den Anspruch zu erheben, in allen Bereichen vorbildlich zu sein.
Diese Darstellung soll den Erfahrungsaustausch erleichtern und Anregungen liefern.
Hinweis:
Die Darstellung der technischen und Verbrauchsdaten ist nicht in allen Punkten einheitlich. Falls weitergehender Informationsbedarf besteht, wird empfohlen mit den angegebenen Ansprechpartnern Kontakt aufzunehmen.
4
2. Ü b er s i c h t s k ar t e
1
Museum Sammlung
Brandhorst, München
2
3
Bayerisches Landesamt
für Statistik und Datenverarbeitung, Schweinfurt
6
Rotebühl-Kantine
Stuttgart
4
Institut für Seenforschung,
Langenargen
Institutsbau FHHN
Künzelsau
7
Wirtschafts- und Betreuungsgebäude, Donaueschingen
5
8
Universitätsklinikum,
Ulm
9
Auferstehungskirche,
Berlin
10
Ausbildungszentrum für
Bauberufe, Cottbus
11
Haus der Zukunft,
Bremen-Lüssum
Gesamtschule Wilhelmsburg,
Hamburg
13
Bundesamt für Strahlenschutz,
Salzgitter
Amtsgericht,
Seligenstadt
14
15
Hörsaal- und Seminargebäude, Osnabrück
16
Polizeigebäude „ Im Mariental“
Aachen
20
Universität Trier, Campus II
Bundesausführungsbehörde
für Unfallversicherung (BAfU),
Wilhelmshaven
17
NUA, Recklinghausen
21
Forsthaus Neuhaus,
Philippsborn
18
Universitätsbibliothek,
Rostock
22
Umweltbundesamt,
Dessau
19
Fachhochschule Trier,
Standort Birkenfeld
23
Staatliches Umweltamt
Sondershausen
5
3. Pr o j ek t e
6
Bayern
Museum Sammlung Brandhorst in München
Tageslichtmuseum mit Bauteilaktivierung
Projekt:
Museumsneubau Sammlung Brandhorst, München
Bauherr:
Freistaat Bayern
Projektleitung:
Staatliches Bauamt München 1
Architekt:
Sauerbruch Hutton Generalplanungsgesellschaft mbH, Berlin
Freianlagen:
Adelheid Gräfin Schönborn, München
Planung Tragwerk:
Ingenieurbüro für Bauwesen Herbert Fink, Berlin
Planung Elektrotechnik:
Zibell Willner und Partner, Berlin
Planung Kunst- und Tageslicht:
Arup Lighting, London
Planung HLS-Technik, Gebäudeautomation:
Ingenieurbüro Robert Ottitsch, München
© Archimation
7
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Neubau der Sammlung Brandhorst entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zur 2002 eröffneten Pinakothek der Moderne und bereichert damit das Münchener Museumsareal um einen weiteren wichtigen Baustein. Das Museum wird die Sammlung zeitgenössischer Kunst des Ehepaares Udo und Anette Brandhorst
aufnehmen. Der Entwurf stammt vom Berliner Architekturbüro Sauerbruch-Hutton, das den Auftrag nach
einem europaweiten Wettbewerb erhalten hat.
Unter Berücksichtigung der städtebaulichen Vorgaben wird durch den Museumsneubau die ehemals vorhandene Blockrandbebauung des Areals wieder hergestellt. Das Gebäude ist linear strukturiert mit besonderer Betonung des Eingangsbereiches durch einen höhenmäßig akzentuierten Kopfbau. Der 3.200 m² große
Ausstellungsbereich verteilt sich auf drei Geschossebenen und bietet für die Exponate Räume mit unterschiedlichen Raumzuschnitten und Lichtbedingungen.
Lageplan
8
Ökologische Aspekte:
-
-
-
Drei Viertel aller Räume im Museumsbau mit direkter oder indirekter natürlicher Belichtung, Großer Saal
im Untergeschoss mit Oberlicht, Ausstellungsräume im Erdgeschoss mit Seitenlicht durch Lichtlenkelemente, Galerien im Obergeschoss mit Oberlicht und Lichtdecke
Bauteilaktivierung der Böden/Decken und Wände
Wärmelasten werden nicht mehr ausschließlich durch energieaufwändigere Lüftungsanlagen abgeführt
Halbierung der Luftwechselzahlen dadurch Reduzierung der Antriebsenergien
Weitere Reduzierung der Antriebsenergien durch den Einsatz hocheffizienter Motoren und Pumpen
Einsatz von Grundwasserwärmepumpen im Winter zur Beheizung, im Sommer zur Kühlung
Senkung der hohen Grundwassertemperatur im Unterlauf
Sehr gute Leistungsziffern der Wärmepumpen auf Grund der hohen Grundwassertemperaturen im Oberlauf und des günstigeren Temperaturniveaus durch die Bauteilaktivierung
Kein Wärmebezug im Sommer, da im Entfeuchtungsfall die Nacherhitzung der Außenluft durch die Abwärmenutzung der Kältemaschinen gewährleistet werden kann; dadurch geringere Belastung der Umwelt durch ungenutzte Abwärme
Energetische Optimierung der Außenluftrate anhand hygienischer und klimatischer Parameter
Vorwärmung/Vorkühlung der Außenluft durch Grundwasser, d.h. mit geringstem Energieeinsatz
Einsatz von hocheffizienten Wärmerückgewinnungssystemen
Grundriss Erdgeschoss
Ökonomischer Bereich:
-
Museumsneubau mit höchsten konservatorischen Anforderungen und geringst möglichen Betriebskosten: Betriebskosteneinsparung gegenüber konventionellem Museumsbau in Größenordnung von
10-20 % und damit verbundene CO2-Reduzierung von rund 300 Tonnen pro Jahr. Durch Einsatz von
Wärmepumpen kann Wärmebedarf zu über 80 % aus regenerativer Grundwasserwärme gedeckt werden
Tagesbelichtung
Wärmeversorgung
Gebäudekühlung
9
Sozialer Bereich:
-
-
Museumsneubau stärkt vorhandenes Museumsareal der kurzen Wege mit internationalem Rang
Aufwertung des Stadtviertels durch Anordnung des Museumsbaus anstelle eines bisherigen Parkplatzes
Schallschluckend ausgebildete Fassade zum Schutz der benachbarten Wohnbebauung vor Reflexionen des Verkehrslärms
Mehrschichtiger Aufbau der Außenwandkonstruktion; Nutzung der Wärmedämmschicht zur Schallabsorption
Hoher gestalterischer Anspruch der akustisch durchlässigen
äußeren Fassadenschicht aus Lochblechen und Keramikstäben
Technische Daten
Wettbewerb:
Bauzeit:
Fertigstellung:
Dezember 2002
28 Monate
2008
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
A/V-Verhältnis
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
NFa
VFa
und je m³ BRIa
Energiedaten:
Wasserbedarf:
je m² HNFa
je m² NFa
5.318 m²
5.772 m²
1.274 m²
67.563 m²
0,177 m
-1
46.000.000 €
8.650 €
7.970 €
36.107 €
681 €
2.500 m³/a
0,47 m³/a*m² HNFa
0,43 m³/a*m² NFa
Strombedarf inkl.WPumpe: 2.111.000 kWh/a
je m² HNFa
397 kWh/a*m² HNFa
je m² NFa
366 kWh/a*m² NFa
Standort:
Türken-Theresienstraße
80333 München
Ansprechpartner:
Staatliches Bauamt
München 1
Peter-Auzinger-Str. 10
81547 München
Tel: 089 / 21232-0
Fotos:
Lepkowski Studios, Berlin
Visualisierung:
Archimation, Berlin
10
Bayern
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Außenstelle Schweinfurt)
Preisgekrönte Architektur Hand in Hand mit nachhaltigem
Bauen
Projekt:
Bauherr:
Projektsteuerung:
Architekt:
HLSE-Planer:
Energiekonzept:
Lichtplanung:
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung,
Außenstelle Schweinfurt
Freistaat Bayern
Staatliches Hochbauamt Bad Kissingen,
Dienststelle Schweinfurt
AB Kuntz & Manz, Würzburg
IB Hausladen, München
IB Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
IB Köster, Frankfurt a. M.
Ansicht von der Gunnar-Wester-Straße
Main
11
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Für die zentrale Fachbehörde, das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, als Statistikbehörde des Freistaats Bayern wurde mit der Außenstelle Schweinfurt ein modernes und ökologisch wegweisendes Bürogebäude mit insgesamt 200 Arbeitsplätzen geschaffen. Hierbei entstand ein Bürogebäude
mit Niedrigenergiestandard nach der Maxime „Soviel Technik wie nötig, so wenig Technik wie möglich“.
In dem viergeschossigen Gebäude wurden die Großraumbüroräume des ersten und zweiten Obergeschosses mit einer Raumtiefe von 11,20 m um ein glasüberdachtes, multifunktional genutztes Atrium gruppiert. Im
Erdgeschoss befinden sich Sonderräume, im dritten Obergeschoss kleinere Büros.
Im teilabgesenkten ersten Untergeschoss sind die notwendigen Archivräume, im zweiten Untergeschoss
Tiefgaragenstellplätze sowie Technikräume, Heizung, Lüftung und Sprinklerung. Die unterhaltsoptimierte
glatte Außenhaut der beiden Hauptgeschosse bestehen aus mehrfarbigen Paneelen sowie siebbedruckten
und mit Lamellen ausgestatteten Glaselementen. Bei der Konzeption des Gebäudes hatten Sicherheitsanforderungen nach Außen, wie auch zwischen einzelnen Arbeitsbereichen im Inneren des Gebäudes hohe
Priorität. Diese wurden in baulich kaum sichtbarer und nicht störender Art und Weise umgesetzt.
Grundriss 1. Obergeschoss
Fassade
12
Sonnenschutz
Tageslichtnutzung
Horizontalerschließung
Ökologische Aspekte:
-
-
Thermische Behaglichkeit ohne Klimaanlage
Erdkanal erstmalig bei einem staatlichen Gebäude, dient der Vorkonditionierung der Außenluft – Kühlung
im Sommer um durchschnittlich 8°C, sowie Erwärmung im Winter
Natürliche Temperaturregelung mit den Elementen Erdkanal, Wärmerückgewinnung, minimierte Transmissionswärmeverluste, Nachtspülung, thermischen Speichermassen, geregeltem Sonnenschutz, Lichtlenksysteme
Während Hitzephasen Nachtspülung der Büros mit kühler Außenluft
Pufferung von Temperaturspitzen durch Betonkern- und Speichermassen
Wärmerückgewinnung (Reduzierung der Lüftungsverluste) mittels regenerativer Systeme, Rückgewinnungsfaktor von ca. 85 %, Feuchterückgewinnung gewährleistet optimales Raumklima
Minimierter Eintrag thermischer Lasten
Tageslicht lenkende Lamellen in den Scheibenzwischenräumen, dadurch Lenkung des Sonnenlichts
nach Außen bzw. über die Rippenstreckmetalldecke in die Tiefe des Raumes
Belichtung der Flure über großzügige Oberlichter, Belichtung des Atriums über Glasdecke
Sommerlicher Sonnenschutz über integrierte Aluprismen in den Scheibenzwischenräumen
Nachhaltige Wasserversorgung über Zisterne auf dem Grundstück
Entlastung der örtlichen Kanalisation durch extensives Gründach
Verringerung thermischer Lasten konventionellen Kunstlichts durch Lichtlenksysteme mit Lamellen
Natürliche Ergänzung des menschlichen Tageslichtrhythmus
Energiekonzept Sommer Tag
Ökonomischer Bereich:
-
Jährliche Einsparung von circa 7.000 kWh elektrischer Energie durch optimiertes Beleuchtungskonzept
Jährliche Einsparung von rund 105 MWh Heizenergie sowie von 23 Tonnen CO2
13
Sozialer Bereich:
-
-
Schaffung eines innenstadtnahen Behördenzentrums zusammen mit dem Neubau Finanzamt, dem Landratsamt und dem
benachbarten Justizgebäude
Städtebauliche Neuordnung eines ehemaligen Industriegeländes mit Anbindung an das Stadtzentrum
Erfolgreiche Umstrukturierung einer krisenhaften Industriestadt zur prosperierenden Dienstleistungsmetropole
Technische Daten
Wettbewerb:
Bauzeit:
Fertigstellung:
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
4.259 m²
6.005 m²
3.147 m²
37.728 m²
A/V-Verhältnis:
0,2573 m
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
NFa
VFa
und je m³ BRIa
-1
17.762.000 €
4.170 €
2.958 €
5.644 €
471 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
262.000 kWh/a
61,5 kWh/a*m² HNFa
43,6 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
1.344 m³/a
0,32 m³/a*m² HNFa
0,22 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
Standort:
Gunnar-Wester-Str. 6
Schweinfurt
Innenansicht Atrium
Ansprechpartner:
Staatliches Bauamt
Schweinfurt
Mainberger Str. 14
97422 Schweinfurt
Tel.: 09721 / 203-0
Fotos:
Schuster, Stuttgart
14
Sommer 1993
14 Monate
Januar 1998
386.824 kWh/a
90,83 kWh/a*m² HNFa
64,42 kWh/a*m² NFa
Baden-Württemberg
Institutsbau FHHN Standort Künzelsau
Optimierter Wärmeschutz
Objekt:
Architekt:
Ausführungsplanung / Bauleitung:
Statik:
Haustechnik:
Elektrotechnik:
Bauphysik:
Fachhochschule Heilbronn Standort Künzelsau
Geb. D, Fachbereich Technik und Wirtschaft
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn
Ing.-Büro Bornscheuer Dexler Eisele GmbH, Stuttgart
Ingenieurpartnerschaft H+H, Stuttgart
Ing.-Büro Müller & Bleher Filderstadt GmbH, Filderstadt
Dipl.-Ing. F. Ziegler, Aalen
15
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Mit dem Neubau Geb. D für den Fachbereich Technik und Wirtschaft wird der FH-Standort Künzelsau nach
nur 15-jährigem Bestehen um 200 Studienplätze erweitert. Der Erweiterungsbau beinhaltet Hörsäle, Labors
mit einer Freiversuchsfläche auf dem Dach, Seminarräume, studentische Arbeitsräume, Büros für Lehrkräfte
sowie die Bibliothek der FH.
Besondere Bedeutung für den Entwurf hatte die außergewöhnliche Lage des Grundstücks zwischen Kocher
auf der Nordseite und der steil ansteigenden südlichen Talseite. Das schlichte Hauptgebäude mit dem vorgelagerten Hörsaal wird durch die Materialien Beton, Glas und Holz geprägt. Der zum Hauptgebäude verdrehte Hörsaal mit seinen beiden 15° nach außen geneigten Wänden, wovon eine vollständig verglast ist,
schließt den neuen Campusplatz nach Osten. Auf diesem neu gestalteten Campusplatz und der Stirnseite
des Neubaus ist eines der beiden Kunstwerke des Künstlers Joachim Fleischer, „10 pulsierende Lichtsäulen“
installiert.
Der Einsatz von Betonfertigteilen im Roh- und Ausbau ermöglichte ein wirtschaftliches und doch architektonisch interessantes Gebäude. Die zederfurnierten Flurwände bilden einen spannungsvollen Kontrast zu
den ansonsten an den Rohbau erinnernden Baustoffen Beton und Glas. Das EG aus Beton und Glas bildet
den Sockel für die Holzfassade im 1. und 2. OG. Im Foyer, mit seinen Sichtverbindungen in die Landschaft
und über den Luftraum in das 1. und 2. OG, wird die große Transparenz des Gebäudes deutlich. In diesem
zentralen Raum befindet sich auch das zweite Kunstwerk des Künstlers Joachim Fleischer „Lichtportalroboter“. Direkt an das Foyer schließt der große Hörsaal mit 135 Plätzen an.
EG
1. OG
Grundrisse/Schnitt
16
2. OG
DG
Ökologische Aspekte:
-
Die Fassadenverkleidung aus geölten Douglasie - Mehrschichtplatten, Tragkonstruktion der PfostenRiegelverglasung der beiden Obergeschosse Weichholz
Im Hohenlohe traditionelle Materialwahl und Gebäudegliederung; massives Sockelgeschoss und holzverkleidete Obergeschosse
Rohbau und Sockelgeschossverkleidung aus Betonfertigteilen, Fassadenverkleidung vorgehängt, nichttragenden Wände als leichten Trennwänden
Durch die oben genanten Maßnahmen konnte das Gebäude ohne Erweiterung der auf dem Gelände
bestehenden Heizzentrale an das Fernheiznetz angeschlossen werden
Die für die Hörsäle erforderliche Zu- und Abluftanlage verfügt über eine Wärmerückgewinnung
Tageslicht- und anwesenheitsgesteuertes Beleuchtungskonzept
Steuerung der Heizungs- und Lüftungstechnik über ein Gebäudeleitsystem
Die ELT Installation basiert auf einem BUS System. Über ein zentrales Kontrollsystem können sämtliche
Betriebszustände des Gebäudes gesteuert und mit der Option der Fernabfrage abgerufen werden
Rasenfugenpflaster in den Bereich der Stellplätze und in wenig begangenen Bereichen
Vorhandene Bäume auf dem Baufeld (ehem. Parkplatz) wurden an einen Ausweichstandort am Kocher
versetzt
Ökonomischer Bereich:
-
Verwendung von vorgespannten Hohlkörperfertigteildecken, Unterzügen aus Betonhalbfertigteilen sowie
Betonfertigteilen für die Brüstungen und EG Fassadenverkleidung
Der Innenausbau aus leichten Trennwänden mit vorgefertigten Holzverkleidungselementen. Gute Arbeitsteilung zwischen Baustellenfertigung und Werkstattfertigung mit Baustellenmontage
Durch den einfachen Baukörper des Hauptgebäudes und die Verwendung von Fertigteilen konnten kostenintensive Details vermieden werden
Das spitz zulaufende Grundstück wird durch die straßenbegleitende in den Hang geschobene Bebauung
optimal ausgenutzt
Gewerkeweise EU-weite öffentliche Ausschreibung
Die Schlüsselgewerke konnten an regionale Firmen vergeben werden
17
Sozialer Bereich:
Technische Daten
-
Baujahr:
-
-
Sonnen- und Blendschutz durch eine außenliegende Jalousie,
Blendschutz durch Abdunklung im unteren Bereich, Tageslichtlenkung gegen die Decke und in die Raumtiefe über den geöffneten oberen Bereich
Sommerlicher Wärmeschutz durch Orientierung der Großräume nach Norden
Die Ausführung als Skelettbau mit einem Innenausbau aus
leichten Trennwänden sowie ein auf dem Einsatz einer
Brandmeldeanlage gestütztes Brandschutzkonzept ermöglichen eine große Variabilität in der Nutzung der Räume sowie
die Möglichkeit der Anpassung des Gebäudegrundrisses an
geänderte Nutzungen ohne Eingriff in die Tragstruktur
Das gesamte Gebäude sowie die Anbindung an die bestehende Bebauung ist barrierefrei ausgebildet
Bauübergabe Mai 2003
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
1.885 m²
VFa
698 m²
BRIa
ca. 14.994 m²
0,35 m
Baukosten:
je m² HNFa
und je m³ BRIa
Baukosten je m² HNFa
und je m³ BRIa
3.450 €
433 €
2.760 €
346 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
10,01 kWh/a*m² HNFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
0,21 m³/a*m² HNFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
424,5 kWh/a*m² HNFa
Standort:
Standort Künzelsau
(Reinhold-Würth-Hochschule)
Daimlerstraße 35
74653 Künzelsau
Ansprechpartner:
Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Amt Heilbronn
OBR Engelmann
07131 / 643301
[email protected]
Fotos:
Dietmar Strauß, Besigheim
Fassadendetail
18
-1
A/V-Verhältnis
Baden-Württemberg
Neubau für das Institut für Seenforschung
Geothermie
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Sonderplaner:
Neubau für das Institut für Seenforschung in Langenargen
Land Baden-Württemberg vertr. durch VB-BW Amt Ravensburg
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ravensburg
Wolff & Müller GmbH & Co. KG, Ludwigsburg
19
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Als „Anwalt des Bodensees“ ist das Institut für Seenforschung vor allem für die Untersuchung des Bodensee-Wasserkörpers und seiner Zuflüsse sowie für die Erkundung der vielfältigen Lebensprozesse im See
und den Schutz seines Ökosystems mit Uferbereich und Flachwasserzonen zuständig.
Das Institut war bisher auf fünf Standorte quer über die Gemeinde Langenargen verteilt, z.T. in alten Gebäuden mit unpassenden Raumzuschnitten und veralteten Laboreinrichtungen.
Die Uferlage des Grundstücks am Rande eines Landschaftsschutzgebietes und das ökologisch ausgerichtete Aufgabengebiet des Instituts verlangten nach einer besonders naturverbundenen Bauweise. Die gewählte
niedere Gebäudeform mit ihrer kammartigen Struktur ermöglicht eine Verzahnung mit der umgebenden
Landschaft.
Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Stahlbetonbau mit vorgehängter Holzfassade und Satteldächern mit
Ziegeldeckung. Die umfangreiche Haustechnik befindet sich nahezu komplett im Dachraum; somit konnte
auf eine kostenintensive und grundwassergefährdete Unterkellerung verzichtet werden. Die zweibündige
Anlage ermöglicht eine klare Orientierung: In den drei kurzen Flügeln westlich der offenen zweigeschossigen
Eingangshalle befinden sich die Laborbereiche. Die zwei längeren Flügel östlich der Eingangshalle beinhalten Werkstätten, Verwaltung, Vortragssaal, Schulungslabor und Bibliothek.
In der Eingangshalle wurde ein mit Seewasser befüllbares Aquarium installiert, in das Bodenseefische eingesetzt wurden.
Auch Gebäudeheizung und Brauchwassererwärmung erfolgen umweltfreundlich durch einen ErdgasBrennwertkessel mit zweistufigem Brenner und einer Nennwärmeleistung von 302 kW. Zusätzlich wurden
noch eine Solaranlage mit 12 m² Kollektoren installiert, sowie eine geothermische Anlage, die aus 3 Erdsonden, die in ca. 90 m Tiefe Erdwärme gewinnen und aus einer Wärmepumpe mit 25 kW Wärmeleistung und
aus einem Pufferspeicher mit 800 l Inhalt besteht.
Erdgeschoss
20
Ökologische Aspekte:
-
Passive Nutzung der Sonnenenergie durch Kollektoranlage (12 m²)
Geothermische Anlage mit 3 Erdsonden
Erdgas Brennwertkessel
Verwendung von Baustoff Holz bei Konstruktíon, Fassadenbekleidung, Ausbau
Regenwasser versickert bzw. über Teich mit Überlauf in Bodensee
Reduzierung der Versiegelung durch Rasengittersteine bei Parkierung
Beseitigung von Altlasten durch Bodenaustausch und Reinigung vor Baubeginn
Fassadenschnitt
Fensterdetail
Ökonomischer Bereich:
-
Kostenoptimierung durch Hinterfragung des Baubedarfes
Verzicht auf Unterkellerung (Grundwasser)
Stärkung der lokalen Wirtschaft durch gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen
Labor
Erdsonde
21
Sozialer Bereich:
-
Integration in die Umgebung des Naturschutzgebietes am
Ufer des Bodensees
Verwendung unbedenklicher Baustoffe wie Holz, Linoleum,
Gipskarton im Ausbau
Nutzerbeteiligung bei der Planung
Das gesamte Gebäude sowie die Anbindung an die bestehende Bebauung ist barrierefrei ausgebildet
Technische Daten
Baujahr:
1999/2000
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
BRIa
2.865 m²
2.991 m²
23.730 m³
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
und je m³ BRIa
8.300.000 €
2.897 €
350 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
518.565 kWh/a
181,0 kWh/a*m² HNFa
173,4 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
1.203 m³/a
0,420 m³/a*m² HNFa
0,402 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
352.395 kWh/a
123,0 kWh/a*m² HNFa
117,8 kWh/a*m² NFa
Standort:
Argenweg 50/1
88085 Langenargen
Eingangshalle
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Gerhard Goeft
Sammlethofer Straße 25
88074 Meckenbeuren/Kehlen
Tel.: 07542 / 4289
22
Baden-Württemberg
Klinikverwaltung Ulm
Betonkerntemperierung / Integriertes Haustechnik- und
Fassadenkonzept
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerksplanung:
Haustechnik:
Neubau Klinikverwaltung für das Universitätsklinikum Ulm
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ulm
Broghammer Jana Wohlleber, Freie Architekten BDA
Zimmern ob Rottweil
Ingenieurbüro Weiske und Partner, Stuttgart
Klett Ing.-GmbH, Fellbach
.
.
Albert-Einstein-Allee
23
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Im Rahmen der Gesamtplanung für den Universitätscampus auf dem Eselsberg soll mit dem neuen Bereich
„Universitätsmitte“ ein bauliches und funktionales Bindeglied zwischen den Teilen Ost (Medizinische Klinik /
Naturwissenschaften) und West (Ingenieurwissenschaften) geschaffen werden. Der Neubau der Klinikverwaltung bildet neben der neuen Bibliothek einen Baustein dieser „Universitätsmitte“, die später von den
Neubauten für die Chirurgie im Osten und für die Universitätsverwaltung im Westen ergänzt werden soll.
Drei flexible Büroflügel und eine einbündige Spange mit Einzelbüros gruppieren sich windmühlenartig um
einen ruhigen, großzügigen Innenhof. Um diesen Innenhof verläuft wie der Kreuzgang eines Klosters vierseitig ein Erschließungsflur, im Ostflügel durch Treppen und eine Kernzone zur Halle erweitert. Der Innenhof
gibt dem gesamten Haus eine besondere räumliche Qualität und Mitte. Über den Innenhof und die Halle
werden beide Eingänge und die einzelnen Bürobereiche räumlich miteinander verbunden. Durch die Öffnung des Hofes nach Süden und Westen entstehen vielfältige Durch-, Aus- und Einblicke und abwechslungsreiche Raumfolgen.
Die Büroflächen öffnen sich zum umgebenden Grünraum über raumhohe Glasfassaden. Insgesamt entsteht
ein Arbeitsumfeld von unverwechselbarer Qualität.
Schnitt West-Ost
Grundriss Erdgeschoss
24
Umgang
Innenhof
Ökologische Aspekte:
-
Natürliche Belichtung aller Arbeitsplätze, Sonnenschutz durch vorgelagerte Putzbalkone und außenliegenden, kombinierten Sonnen- und Blendschutz, individuell steuerbar
Natürliche Belüftung aller Arbeitsplätze über Fensterflügel
Lüftungsanlage (nur für Casino, Konferenz und Rechenzentrum) mit Wärmerückgewinnung
Integriertes Haustechnik- und Fassadenkonzept: Grundheizung durch Betonkerntemperierung ergänzt
durch eine Fassadenheizung, dadurch angenehmes Raumklima, Möglichkeit der Kühlung im Sommer
Optimierung des o.g. Haustechnik- und Fassadenkonzeptes durch eine vorgeschaltete Simulation, dadurch Unterschreitung der Anforderungen nach der Wärmeschutzverordnung
Optimierung des Heizenergieverbrauchs durch Einsatz einer Einzelraumregelung mit zentraler Nachtabschaltung
Dachbegrünung
Regeldetail Wartungsbalkon / Sonnenschutz / Fassade / Hohlraumboden
Ökonomischer Bereich:
-
Vermeidung kostenintensiver Details
Kostengünstige Ausführung durch große, sichtbar belassene Rohbauflächen (Sichtbeton – Deckenuntersichten, - Stützen und Wände), dadurch Einsparung von Ausbaukosten
Minimierung von Verkehrsflächen durch hohen Anteil von Gruppenbüros
hohe Flexibilität der Büroflächen mit minimalem Umbauaufwand durch das integrierte HaustechnikFassadenkonzept, die Einzelraumregulierung sowie den Einsatz eines Hohlraumbodens. Bei einer Veränderung der Raumeinteilung ist kein Umbau der Haustechnik notwendig
25
Sozialer Bereich:
Technische Daten
-
Bauzeit:
Fertigstellung:
-
-
Die Gestaltung der Raumeinteilung sowie der Möblierung ist mit
intensiver Beteiligung der einzelnen Abteilungen erfolgt, bereits
vor der Ausschreibung sowie nochmals zur Auftragsklarstellung, um Zuordnung, Anzahl und Größe der Einzel- und Teambüros zu optimieren
Das vorgenannte integrierte Haustechnik- und Fassadenkonzept (s. ökonomischer Bereich) garantiert abteilungsweise eine
hohe Flexibilität bei der Belegung der Flächen
Das Gebäude ist barrierefrei nutzbar für Mitarbeiter und Besucher
Einbeziehung der naturnahen Freiflächen in Aufenthaltsbereiche der Mitarbeiter
23 Monate
Februar 2003
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa:
NFa:
NNaF:
davon für Tiefgarage, NNFa
TG-Stellplätze: 40 Stck
Baukosten gesamt:
und je m³ BRIa:
3.890 m²
4.690 m²
700 m²
550 m²
11.800.000 €
352 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
kWh/a*m² HNFa
kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
m³/a*m² HNFa
m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
kWh/a*m² HNFa
kWh/a*m² NFa
Standort:
Klinikumsverwaltung
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Innenhof / Halle
Zugang zum Campus
Umgang / Außenhof
Ansprechpartner:
Bauherr:
Vermögen und Bau Baden-Württemberg
H. Hofmann
Tel. 0731 / 5028900
Planer:
Architekten Broghammer • Jana • Wohlleber
H. Jana
Tel. 0741 / 92930
Fachplaner:
Ingenieurbüro Klett
H. Menges
Tel. 0711 / 9519300
26
Baden-Württemberg
Rotebühl-Kantine Stuttgart
Innovatives Energiekonzept
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung /
Planung / Bauleitung:
Statik:
HLSE-Planung:
Küchenplanung:
Bauphysik:
Energiekonzept:
Neubau Rotebühl-Kantine, Jobstweg 11, 70176 Stuttgart
Land Baden-Württemberg vertreten durch den Landesbetrieb
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Stuttgart
Schreiber Ingenieure, Stuttgart
Klett Ing.-GmbH, Niederlassung Fellbach
Geisel GmbH, Bempflingen
Ing.-Büro Horstmann und Berger, Altensteig
Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
Erdgeschoss
Südansicht
27
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Das Kantinengebäude besitzt eine einfache Organisationsstruktur. Der Besucher gelangt über eine unprätentiöse Freitreppe, dem zentralen Rückgrat der Dachkonstruktion folgend, zum Haupteingang im Erdgeschoss. Von dort erschließen sich dem Gast die Speisenausgabe sowie der großzügig verglaste und luftige
Speisesaal. Eine als Betonskulptur eingestellte Galerie generiert Bereiche unterschiedlicher räumlicher Qualität. Die blau verputzte „Küchenbox“ schirmt den Gästebereich zum Nachbargebäude ab.
Über allem schwebt die Stahlkonstruktion des Daches, filigran und bestimmend zugleich.
Das Tragwerk besteht aus einem Hauptträger, der als Dreigurtbinder eine freie Spannweite von 30 m hat
und auf zwei massiven Stützen ruht. Rechtwinklig dazu verlaufen im Achsabstand von 6,30 m gekrümmte
Fachwerkträger. Diese sind symmetrisch zum Hauptträger, wobei jedes Flügelpaar eine andere Länge aufweist.
Die Lager-, Sozial- und Technikräume sind im Untergeschoss angeordnet, zur Anlieferung im Zwischenhof
hin orientiert. Eine Pergolastruktur aus Stahlträgern deckt diesen Bereich und bildet gleichzeitig den Außenzugang für den Aufzug.
Galerie
Speisesaal
Windfang
Pergola
28
Ökologische und ökonomische Aspekte:
-
natürliche Belichtung
spezielles Energiekonzept der mechanischen Lüftung und Kühlung für den Speisesaal
Ansaugung vorgekühlter Luft über eine im Erdreich verlegte 75 m lange Betonröhre während der
Nutzung tagsüber
Spülung mit kühler Luft zur Regenerierung von Erdkanal und Gebäude nachts
Nutzung der bisher ungenutzten Abwärme des benachbarten Rechenzentrums zur Energieversorgung
der Kantine
Einsatz von zahlreichen Sichtbetonflächen im Innenraum als thermische Speichermasse
Ansaugbauwerk
Erdkanal
Er d k an al
Schnitt
29
Technische Daten
Bauzeit:
Fertigstellung:
20 Monate
Juni 2001
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
Baukosten gesamt:
und je m³ BRIa
762 m²
113 m²
272 m²
6.050 m³
3.476.785 €
485 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
433 kWh/a*m² HNFa
kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
2,563 m³/a*m² HNFa
m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
kWh/a*m² HNFa
kWh/a*m² NFa
innen
außen
innen
außen
Standort:
Rotebühlplatz 30
70173 Stuttgart
Dampfdichter
Anschluss
Wandaufbau:
20 cm Sichtbeton innen
8 cm Kerndämmung
15 cm Sichtbeton außen
Vertikalschnitt Galeriefenster
Wandaufbau:
20 cm Sichtbeton innen
8 cm Kerndämmung
15 cm Sichtbeton außen
Fußpunkt Brüstung
Massive Wandbauteile als zusätzliche thermische Speichermasse mit
unterschiedlicher Farbgestaltung
30
Ansprechpartner:
Frau Grassmann
Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Amt Stuttgart
Rotebühlstrasse 100
70178 Stuttgart
Tel.: 0711 / 6673 4452
Fax: 0711 / 6673 4495
Baden-Württemberg
Wirtschafts- und Betreuungsgebäude,
Donaueschingen
Integrierter Planungsprozess, ganzheitliches Energiekonzept,
kompakte Bauweise, natürliche Lüftung und natürliche Belichtung
Projekt:
Bauherr:
Nutzer:
Projektsteuerung:
Architekt:
Energiekonzept:
Neubau eines Wirtschafts- und Betreuungsgebäudes, Donaueschingen
Republik Frankreich und Bundesrepublik Deutschland
Deutsch-Französische Brigade am Standort Donaueschingen
Staatliches Hochbauamt Freiburg
Etablissement du génie de Strasbourg, Donaueschingen
rolf+hotz architekten, Freiburg
Stahl+Weiß Büro für Sonnenenergie, Freiburg
31
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Neubau des Wirtschafts- und Betreuungsgebäudes liegt zentral im Binnenbereich der Kaserne Foch. Er
gliedert sich in ein Untergeschoss mit vorgelagertem Hof im Norden, sowie einen darüber angeordneten
zweigeschossigen rechteckigen Baukörper mit aufgesetztem Dachaufbau für haustechnische Anlagen.
Die Aufenthaltsbereiche und Speisesäle sind nach Süden, die Anlieferungs-, Personal- und Küchenbereiche
sind nach Norden orientiert. Lager-, Müll- und Technikräume befinden sich im Untergeschoss. Anlieferung
und Entsorgung erfolgt über den nördlichen „Tief-Hof“.
In seiner kompakten Form vereint das Bauwerk vielfältige Nutzungen unter einem Dach. Neben der Hauptaufgabe für die Verpflegung zu sorgen, enthält es unter anderem Räume für die soziale Betreuung, Kiosk,
Bazar, Friseur, Kegelbahn, Sauna etc. Der gesamte Komplex wird so zur zentralen Anlaufstelle für 2000
Soldaten.
Eine umfassende Energiekonzeption gemäß dem Leitfaden des Bundesministeriums für Verkehr-, Bau- und
Wohnungswesen für „nachhaltiges Bauen“ war Planungsbestandteil von Anfang an; so erhalten zum Beispiel die Speisesäle und der Heimbereich eine natürliche Lüftung und Belichtung. Die CO2 – Bilanz ist gegenüber einem konventionell errichteten Gebäude deutlich geringer und die Betriebskosten werden hierdurch nahezu halbiert.
Diese innovative und nachhaltige Lösung hat bereits während der Bauphase eine Auszeichnung erhalten.
Das Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen hat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Verteidigung besonders nachhaltige Bundesbaumaßnahmen im Rahmen der Ausstellung
„Nachhaltiges Bauen – eine Zwischenbilanz für Bundesbauten“ öffentlichkeitswirksam präsentiert und ausgezeichnet. Auf Grundlage eines Forschungsprojektes an der Technischen Universität Berlin wurden in einem bundesweiten Prüfungs- und Auswahlverfahren durch eine Fachjury insgesamt 6 Bauprojekte prämiert,
die die Kriterien der Nachhaltigkeit der Bundesregierung besonders beispielhaft erfüllen, darunter auch der
Neubau Wirtschaftsgebäude Donaueschingen.
Theke im Heimbereich
Essensausgabe
Ökologische Aspekte:
-
-
32
Ganzheitliches Energiekonzept durch integrierte Planung; Kompakte Bauweise mit vorgehängter Holz-/
Glasfassade, himmelsrichtungsabhängige optimierte Verglasungsanteile, statische Verschattung und
Nachtlüftungselemente; erhöhte Dämmung der Gebäudehülle
Natürliche Lüftung der großen Speisesaal- und Heimbereiche über fassadenintegrierte Zuluftöffnungen
mit Luftnacherwärmung; Abluft über Solarkamin und Lichtkuppeln mit integrierter Luftmengenregelung.
Im Sommer Entwärmung der thermischen Gebäudemassen (Nachtkühlung)
-
-
-
-
Nach Beleuchtungssimulation dimensionierte Lichtkuppeln zur vollständigen natürlichen Belichtung der
Speisesäle; drei Lichtschächte (Lichtkanonen) zur Tageslichtlenkung bis in den Heimbereich im Erdgeschoss
Reduktion der Lüftungstechnik im Bereich Küche durch Anpassung des Gleichzeitigkeitsfaktors und Aufteilung in Einzelanlagen; Kanalnetzoptimierung und reduzierte Strömungsgeschwindigkeiten; optimierte
Kreislaufverbundwärmerückgewinnung
Leuchtstofflampen mit elektronischen Vorschaltgeräten; Hochvolt-Halogenleuchtmittel mit Leuchtkörpern
im Speisesaal; Leuchtmittelgruppen auf die Tageslichtnutzung abgestimmt
Exakte Abstimmung von Gerätebetrieb auf Gebäudenutzung; Zeitschalter zur Reduktion der Betriebszeiten; Bewegungsmelder; Reduktion von Stand-By-Komponenten
In der Küchentechnik Einsatz von Gas-Friteusen; Kochkessel und Spülmaschinen mit Niederdruckdampf; Spülmaschinen mit Wärmerückgewinnung durch Wärmepumpen; Ceran-Felder bei der Essensausgabe; Verbundkälte-Anlage mit Abwärmenutzung zur Wasservorwärmung
Optional: Einbau einer Abfall-Kompakt-Anlage zur energetischen Verwertung der Abfälle und damit Entfall der Abfall-Kühlung sowie der Aufbau einer 500 m² Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der TechnikZentrale
Konzept natürliche Belüftung
Schemaskizze
Fassadenelemente
33
-
-
Vorrangiger Einsatz recyclebarer/nachwachsender Baustoffe, Verwendung regionaltypischer und naturnaher Baustoffe, Verwendung demontierbarer Materialien mit hoher Lebenserwartung und reduzierten Stoffströmen
Verwendung von wassersparenden Armaturen und Geräten, verzögerte Regenwasserversickerung über das extensiv begrünte Flachdach, Verwendung versickerungsfähiger
Beläge, Müllvermeidung, Mülltrennsysteme
Technische Daten
Fertigstellung:
2005 (Neubau)
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NNFa
NFa
FFa
VFa
BRIa
4.343 m²
470 m²
4.813 m²
1.159 m²
1.823 m²
36.080 m³
Ökonomischer Bereich:
A/V-Verhältnis:
0,25 m
-
Baukosten:
je m² HNFa
3.596 €
-
-
Verwendung einfacher, rationeller und kompakter Bauweisen, Optimierung der Erstellungs- und Unterhaltungskosten,
nahezu Halbierung der Betriebskosten gegenüber einem
konventionell errichteten vergleichbaren Gebäude, umfangreiche Gebäudesimulationen zur Optimierung im Planungsprozess
Optimierte Ausnutzung des Grundstückes durch die Anordnung der Baumassen; städtebaulich zentrale Lage im Binnenbereich der Kaserne, Minimierung der Verkehrsflächen
durch Einbindung in den Bestand
Gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen nach öffentlicher Ausschreibung
Energiedaten:
(Heizwärme-/ Primärenergieverbrauch usw./ m² HNFa) liegen noch nicht vor!
Standort:
Deutsch-Französische Brigade
Donaueschingen; Kaserne Foch
Friedhofstrasse
78166 Donaueschingen
Sozialer Bereich:
-
-
-
Unter Berücksichtigung der bestehenden Altbausubstanz
der Kasernenanlage, wurde der barrierefreie Neubau angemessen in das Umfeld integriert. Trotz großer Baumassen fügt sich der Neubau harmonisch in das vorhandene
Umfeld ein
Tageslichtnutzung, Natürliche Lüftung, Verwendung unbedenklicher Baustoffe, Gewährleistung eines gesunden
Raumklimas, Vermeidung von Elektrosmog, Schallschutzmaßnahmen, sommerlicher Wärmeschutz, Nachtkühlung
Nutzerorientierte Maßnahmen
Ansicht Süd
Ansprechpartner:
Staatliches Hochbauamt Freiburg
Tel.: 0761 / 3195 – 0
E-Mail: [email protected]
Fotos:
Staatliches Hochbauamt Freiburg
34
-1
Berlin
Umweltforum Berlin Auferstehungskirche GmbH
Nachhaltige Nutzung einer sanierungsbedürftigen Kirche
Objekt:
Architekt:
Statik:
Bauherr / Projektsteuerung:
Technische Gebäudeausstattung:
Neubau und Sanierung der Auferstehungskirche, Berlin
Büro Voigtländer, Bergisch Gladbach
Ing.-Büro Just, Berlin
KirchBauhof gGmbH/Pro-Man Projektmanagement, Berlin
KirchBauhof gGmbH, Berlin
35
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Die sanierungsbedürftige Auferstehungskirche wurde in den Jahren 1999 bis 2001 instandgesetzt und mit
einem modernen Stahl-Glas-Anbau versehen. Ziel war es, durch die Baumaßnahmen ein Gebäude zu errichten, das seine Unterhaltung selbst bestreiten kann, positive Einflüsse auf die Umgebung ausstrahlt und
als Demonstrationsobjekt für ökologisches Bauen dient, ohne die kirchliche Nutzung aufzugeben.
So kamen zu der kirchlichen Nutzung, die Bürovermietung sowie ein Veranstaltungs- und Tagungszentrum
mit Umweltschwerpunkt als weitere Nutzungsbereiche hinzu.
Zentrales Merkmal des architektonischen Entwurfs sind die Übernahme der vorhandenen Sekundärraster
und die Verlängerung der Außenwandproportionen des Kirchenschiffes um das im Krieg zerstörte vierte
Joch. In Verbindung mit einem neuen Dachgeschoss erhält die Kirche dadurch ihre ursprünglichen Proportionen wieder. Durch das neue Flachdach anstelle des vorhandenen Giebeldaches wird die Sicht auf die rückwärtige Seite des Kirchturms wieder frei.
Ökologische Aspekte:
36
Weiterverwendung der vorhandenen Bausubstanz, z.B. ehem. Fußbodenplatten im Außenbereich
Einsatz gesundheits- und umweltverträglicher Baustoffe, z.B. Isofloc-Dämmung, PVC-freie Elektroleitungen, Lehmputz, biologisch abbaubares Hydrauliköl für den Aufzug, Magnesitestrich als Fußboden
Passive und aktive Solarenergienutzung durch Solarfassade und Photovoltaikanlage (15,3 kWpeak)
Effektive Nutzung fossiler Energieträger durch gasbetriebenes BHKW und Brennwertkessel
Ressourcenschonende Gebäudetechnik, z.B. Energiesparbeleuchtung
Verbesserung des Stadtklimas durch extensive Dachbegrünung sowie einen regenwasserbetriebenen
Springbrunnen mit großer Verdunstungsfläche
Kein Einleiten von Regenwasser in die Kanalisation, dafür Zisterne mit Springbrunnen
Ökonomischer Bereich:
-
Langfristige Sicherung der baulichen Unterhaltung eines denkmalgeschützten Gebäudes
Optimierung der Unterhaltungskosten durch multifunktionale Nutzung
Flächensparendes Bauen durch Ausbau des Dachgeschosses und Anbau innerhalb der historischen
Außenmaße
Stärkung der lokalen Wirtschaft durch Nutzung lokaler Dienstleister für den Betrieb des Tagungszentrums (Blumenladen, Cateringfirmen, Geschirr- / Wäscheverleih)
Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen
Verzicht konstruktive Ausbaumaßnahmen (z.B. Klimaanlage, Verputzen von Wänden, Verfugen)
Sozialer Bereich:
-
Exemplarische Erhaltung und Nutzungsintensivierung eines historischen Gebäudes.
Aspekte des gesunden Bauens wie bessere Tageslichtausnutzung durch transparente, schallisolierte
Fenster (vorher trübe/undurchsichtig), gesundes Raumklima, Schallschutz
Natürliche, angenehme Raumklimatisierung durch Verzicht auf Klimaanlage, Lehmwände sowie Wandund Fußbodenheizung
Aufwertung der Umgebung durch zahlreiche Besucher, die in dieses sonst wenig von Auswärtigen frequentierte Viertel kommen und durch öffentliche Veranstaltungen für Menschen aus der Nachbarschaft
Denkmalgerechte Sanierung der historischen Gebäudesubstanz
Kooperation mit der Kirchengemeinde, mit Schulen und Unternehmen in der Umgebung
Kooperation z.B. mit Umweltverbänden bei Veranstaltungen im Hause
Behindertengerechte, barrierefreie Bauausführung
Querschnitt Solarfassade
70 mm ISOFLOC Dämmschicht
12 mm OSB Platte
50 mm Solar Wabe
14 mm Luftspalt
6 mm ESG
Fotovoltaik und Solarthermie
37
Technische Daten
Bauzeit:
1895 / 2001
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
1.715 m²
124 m²
542 m²
17.268 m²
Baukosten gesamt:
6.000.000 €
je m² HNFa
3.500 €
40 %-Förderung durch EU und Land Berlin
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
136 kWh/a*m² HNFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
0,28 m³/a*m² HNFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
44,58 kWh/a*m² HNFa
Photovoltaikanlage:
15,3 kWpeak, ca 12.000 kWh pro Jahr
Ermittlung und Auswertung der Gebäude- und
Energiedaten wegen ungewöhnlicher Raumkonstellation schwierig.
Standort:
Pufendorfstraße 11
10249 Berlin
Ansprechpartner:
Tim Rössle
030 / 4172420
www.umweltforum-berlin.de
[email protected]
Fotos:
Rainer Rehfeld
38
Brandenburg
Überbetriebliches Ausbildungszentrum für
Bauberufe, Cottbus
Neubau nach neuen ökologischen und pädagogischen
Gesichtspunkten
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerksplanung:
Bauphysik:
GWJ
Heizung, Lüftung, Sanitär:
Elektrotechnik:
Landschaftsarchitektur:
Kunst:
Grafik:
Land
Überbetriebliches Ausbildungszentrum für Bauberufe
Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes
Berlin-Brandenburg e.V.
Richter Altmann Jyrich, Architekten BDA
Ingenieurbüro Dr. Thieme
Ingenieurgesellschaft für Bauphysik
Klimasystemtechnik Esdorn Jahn GmbH
Ingenieurbüro Dipl.-Ing. D. Wernicke
schaftsArchitekturbüro Engelmann
Ulrike Böhme
Meinhard Bärmich
39
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Die Berufsausbildung in Deutschland ist als so genanntes „Duales System“ organisiert und rechtlich geregelt.
Das duale System unterscheidet sich von der rein schulischen Ausbildung, wie sie in vielen Staaten für die
berufliche Ausbildung üblich ist, durch zwei charakteristische Merkmale:
Lernen findet im dualen System zum größeren Teil nicht in der Schule, sondern in den Produktionsstätten
oder Dienstleistungsbetrieben der Wirtschaft statt. Der Lernende ist Auszubildender in einem Betrieb, einer
Praxis der freien Berufe oder im öffentlichen Dienst. Er wird zeitweise für den Besuch einer Berufsschule
freigestellt, ist also auch gleichzeitig Berufsschüler. Die Ausbildung ist auf die zwei Ausbildungsträger im
dualen System verteilt: Betrieb und Berufsschule.
Das Kompetenzzentrum wird durch seine Bildungsangebote in der Aus- und Weiterbildung und deren inhaltlicher Gestaltung und durch seine Aktivitäten im Bereich der Information und Beratung im Sinne der Umwelterziehung und der Umweltbildung wirksam und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen
Entwicklung.
Bereits in der Planungsphase des Ausbildungsgebäude zeichnete sich ab, dass dieses Vorhaben nicht nur
dadurch Modellcharakter trägt, weil es das erste Ausbildungszentrum ist, das unter ökologischen Gesichtspunkten errichtet wird, sondern auch, weil sich durch die Einbeziehung des Gebäudes in den Ausbildungsprozess neue methodische und didaktische Ansatzpunkte ergeben. Der Auszubildende kann die Umsetzung
ökologischer Prinzipien, die ihm während seiner Ausbildung vermittelt werden, im Baukörper des Ausbildungsgebäudes wieder finden. Damit wird dieses Gebäude zum Gegenstand des Lehrens und Lernens.
Dieses methodisch-didaktische Konzept wird in der Formel „Baukörper = Lehrkörper“ zusammengefasst.
Auf Grundlage eines Forschungsprojektes an der Technischen Universität Berlin wurden in einem bundesweiten Prüfungs- und Auswahlverfahren durch eine Fachjury insgesamt 6 Bauprojekte prämiert, die die Kriterien der Nachhaltigkeit der Bundesregierung besonders beispielhaft erfüllen; darunter auch der Neubau
des überbetrieblichen Ausbildungszentrums für Bauberufe in Cottbus.
Ökologische Aspekte:
-
40
Regenwassernutzung
Natürliche Belichtung der Räume, Maximierung der Tageslichtnutzung
Natürliche Be- und Entlüftung
Wärmerückgewinnung
Solarenergienutzung für Heizung und Warmwasserbereitung
Optimaler Wärme- und Schallschutz
Geringe Bodenversiegelung
Einsatz von Baumaterialien aus recyclierten bzw. erneuerbaren Ressourcen, hoher Wiederverwendungsgrad
Ökonomischer Bereich:
-
Hohe Umweltverträglichkeit bei geringen Nutzungskosten (Varianten vergleichen, Lebensdauerbetrachtung, Teilnutzung bestehender Gebäude)
Geringe Materialvielfalt bei Baustoffen
Verwendung demontierbarer Bauteile
Verwendung von Materialverbunden
Deutliche Reduzierung des Nutzenenergiebedarfs (Nutzung regenerativer Energien (EWT, Solar)
Wartungs- und Austauschfreundlichkeit von Gebäudeteilen ja nach Verschleißdauer
Deutliche Reduzierung der Umweltbelastungen und Kosten bedingt durch Pflege
Der hintere Ausgang steht in der Achse
des vorderen Eingangs. Wenn der Raumbedarf einmal nicht ausreichen sollte,
kann das Gebäude in dieser Richtung erweitert werden. Da alle Teile miteinander
verschraubt sind, damit das Gebäude
leichter demontiert werden kann, wird dadurch auch der Ausbau erleichtert.
Die Pflanzen haben in einer Pflanzenkläranlage vor allem die Aufgabe, den Boden
zu lüften und locker zu halten, damit die
Mikroorganismen ihre klärende Arbeit tun
können.
41
Sozialer Bereich:
-
-
Minimierung der Störfaktoren im Hinblick auf die Einbindung in
die Umgebung und die Anordnung der Nutzungszonen auf
dem Grundstück
Integration in die Umgebung
Modellprojekt ökologische Berufsausbildung (Baukörper =
Lehrkörper)
Gesundheitsverträglichkeitsprüfung (Wohngifte, physiologische
Wirkungen der Baumaterialien)
Technische Daten
Fertigstellung:
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
4.113,74 m²
NFa
450,46 m²
VFa
782,51 m²
BRIa
26.463,76 m³
Baukosten gesamt:
Energiedaten liegen nicht vor
Standort:
Dissenchener Schulstraße 15
03052 Cottbus-Dissenchen
Ansprechpartner:
Herr Hickmann
(Leiter ÜAZ)
[email protected]
Tel: 0355 / 75653-0
42
2000 (Neubau)
10.158.347 €
Bremen
Haus der Zukunft, Bremen
Soziales und kulturelles Dienstleistungsgebäude in Niedrigenergiebauweise
Objekt:
Bauherr:
Architekt:
Techn. Gebäudeausrüstung:
Neubau eines multifunktionalen Dienstleistungsgebäude für
ein Wohngebiet in Bremen-Lüssum, Lüssumer Heide 6
Verein Haus der Zukunft e.V., Bremen
Bauamt Bremen-Nord, Hochbauabteilung
Ingenieurbüro UTEC, Bremen
Lageplan
43
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Verein Haus der Zukunft e.V. hat in Bremen-Lüssum die vielfältigen sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Aktivitäten kommunaler, kirchlicher und privater Einrichtungen gebündelt und für ein sozial schwaches Wohngebiet mit hohem Migrantenanteil ein quartiersbezogenes Dienstleistungszentrum verwirklicht.
Mit dem Haus der Zukunft ist ein Ort geschaffen worden, der zur schwellenlosen Begegnung einlädt und
dessen soziale und kulturelle Angebote seit Inbetriebnahme 1997 auch quartiersübergreifend regen Zuspruch erfahren haben. Das als Niedrigenergiehaus geplante Gebäude bildet mit dem benachbarten Kindertagesheim und dem Kirchengebäude ein städtebauliches Ensemble mit menschlichen Maßstab und qualitätsvoller Architektur. Das Haus der Zukunft wurde 1998 mit einem BDA-Preis Bremen prämiert.
Ökologische Aspekte:
-
-
44
Kompakte Mischbauweise, 2 Vollgeschosse, 1 vollausgebautes Untergeschoss, Decken, Sohle, Stützen,
UG und Aufzugskern
Hüllflächen hochgedämmt (Wände: 16 cm, Dach: 26 cm) mit Steinwolle, Fenster mit WS-Verglasung UWert 1,1 W/m²K, Fassaden in Lärchenholzstülpschalung, Dach mit Pfanneneindeckung, große transluzent verglaste Dachüberstände (Fassaden- und Sonnenschutz)
Heizung: Zentral über Brennwert-Gaskessel mit temperatur- und zeitabhängigen Regelkreisen sowie
integrierter Warmwasserbereitung
Lüftung: kontrolliert, mechanisch, RLT-Anlage in Café und Verteilerküche
Elt-Technik: Tageslichtabhängig gesteuerte Raumbeleuchtung, Energiesparbeleuchtung
Umweltfreundliche Materialien und Farbanstriche
Ökonomischer Bereich:
-
Kompakte und robuste Bauweise, massiver Rohbau und Ausbau erfolgten unter Beteiligung von umgeschulten Arbeitskräften (überwiegend Langzeitarbeitslose)
Rationelle Ausnutzung des überbaubaren Grundstücksflächenanteils
Optimierung des Raumprogramms (Mehrfachnutzung für Seminar- und Gymnastikräume)
Verteilerküche für Café mit Tagesmenüausgabe aus der benachbarten Kindertagesheim-Vollküche
Einfach zu verarbeitende Baustoffe, leicht zu pflegende Oberbeläge, bedienungs- und wartungsfreundliche Technik
Schnitt
Fassadendetail
45
Sozialer Bereich:
-
-
-
-
-
-
-
Durch einfache Konfiguration und Stellung des Baukörpers
sind städtebaulich maßstäbliche, kommunikationsfördernde
Räume entstanden
Die Orientierung ist so gewählt, dass alle Büro- und Seminarräume optimal mit Tageslicht versorgt sind. Auch innenliegende Flurzonen sind direkt oder indirekt natürlich belichtet, so
dass ein helles freundliches Ambiente im Gebäude herrscht
Alle Sanitärbereich/Umkleiden verfügen über natürliche Belichtungs- und Belüftungsmöglichkeiten. Auch der Gymnastikraum
im UG ist über großflächige überkopfverglaste Fenster mit Tageslicht versorgt
Sämtliche am Bau beteiligten Stellen, vor allem Nutzer, Bewohner und ortspolitische Gremien, wurden frühzeitig in einem
äußerst intensiven Planungsprozess in die Entwicklung und
Umsetzung des Projektes eingebunden
Alle Nutzungsebenen sind barrierefrei zugängig. Dies ermöglicht nicht nur mobilitätseingeschränkten Personen die Nutzung, sondern erleichtert ganz wesentlich die Betriebsabläufe
des Vereins
Innen- und Außenraum sind durch großflächig, raumhohe Öffnungen zu einer optischen Einheit verschmolzen (SchiebeFenstertürelemente im Café)
Das Haus der Zukunft hat mit seinen sozialen und kulturellen
Dienstleistungsangeboten sowie mit ansprechender Baugestalt
zur Stabilisierung des sozial schwierigen Umfeldes und zur
städtebaulichen Aufwertung des Wohngebietes nachhaltig beigetragen
Technische Daten
Bauzeit:
Fertigstellung:
18 Monate
1997
Grundfläche und Rauminhalt:
HNFa
BRIa
Baukosten gesamt:
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² NFa
655 m²
2.850 m²
1.196.400 €
54 kWh/a*m² NFa
Standort:
Lüssumer Heide 6
28777 Bremen
Café Erdgeschoss
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Helmut Rabien
Senator für Bau, Umwelt und Verkehr
Referat 71 – Städtebau
Contrescarpe 72
28195 Bremen
Tel.: 0421 / 361 10548
Fax: 0421 / 361 59498
46
Hamburg
Gesamtschule Wilhelmsburg, Hamburg
Kompakte, flächensparende Bauweise
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Bauleitung:
Tragwerksplanung:
Gebäudetechnik:
Projektsteuerung:
Landschaftsplanung:
Erweiterung Gesamtschule Wilhelmsburg, Hamburg
Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, Hamburg
Böge Lindner Architekten, Hamburg
Harms & Partner Bauingenieure, Hannover
HKS Kramer Stubenrauch Stockleben, Hamburg
IFG Ingenieure für Gebäudetechnik, Hamburg
Bezirksamt Harburg, Hamburg
Studio für Freiraumgestaltung Gudrun Lang, Hamburg
Erdgeschoss
47
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Die Gesamtschule Wilhelmsburg ist eine Ganztagsschule in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs mit besonderen Förderaufgaben. Sie ist entstanden aus der Zusammenlegung der beiden Schulen am Perlstieg
und an der Rotenhäuser Straße.
Die Erweiterung, bestehend aus Klassen- und Differenzierungsräumen, Fachklassen, Sporthalle und Bewegungsraum, deckt nicht nur den funktionalen Bedarf der Gesamtschule Wilhelmsburg; sie soll auch die
Chance für eine Verbindung und ideelle Mitte der beiden getrennten Schulstandorte nutzen. Gleichzeitig
erhält die Schule durch die Lage des Grundstückes an der Georg-Wilhelm-Straße die Möglichkeit einer neuen architektonischen Präsenz im Stadtteil.
2. Obergeschoss
Ökologische Aspekte:
-
48
Flächensparendes Bauen durch kompakte, langgestreckte Bauweise und Anordnung der Sportbereiche
über den Klassenräumen
Verwendung konventioneller Baustoffe (Ziegelmauerwerk, Stahlbeton-Tragwerk)
Verwendung von Holzleimbindern als Tragwerk der Sporthalle
Sporthallen-Innenverkleidung aus Holz- und Korktafeln
optimaler Blendschutz in der Sporthalle durch integrierte Sonnenschutzlamellen
hoher Wärmedämmstandard, effiziente Haustechnik, Minimierung der Lüftungswärmeverluste, Stromsparmaßnahmen
vollständiger Erhalt des vorhandenen Baumbestandes
naturnah gestaltetes Umfeld
großzügige Freiflächenbereiche als zentraler Raum zwischen den Schulstandorten
Ökonomischer Bereich:
-
Verwendung einfacher, rationeller und kompakter Bauweisen
Optimierung der Erstellungs- und Unterhaltungskosten
frühzeitige Klärung und Festsetzung des Baubedarfs
praktische Organisation der Funktionen
Minimierung der Verkehrsflächen
Möglichkeit der gesonderten Sporthallennutzung durch separates Treppenhaus
Treppe
Schnitt
49
Sozialer Bereich:
-
städtebauliche Einbindung in die vorhandene Struktur der Zeilenbebauung
städtebauliches Zeichen durch architektonische Präsenz
Tageslichtnutzung
innenräumliche Spannung durch Lichtführung und Materialität
Trennung von kommunikativen und ruhigen Zonen
Barrierefreiheit
Technische Daten
Wettbewerb:
Planungsbeginn:
Baubeginn:
Fertigstellung:
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NNFa
NFa
FFa
VFa
BGFa
BRIa
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
je m³ BRIa
1999
1999
2000
2002
1.323 m²
257 m²
1.580 m²
63 m²
522 m²
2415 m²
11.522 m³
4.700.000 €
3.553 €
408 €
Energiedaten:
rechn. Wärmeverbr. Erdgas: 312.000 kWh/a
m² BGFa
ca. 130 kWh/a*m² BGFa
Kaltwasserverbrauch 2003/04:
263 m³
m² HNFa
0,20 m³/a*m² HNFa
m² NFa
0,17 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch 2004:
38.762 kWh
m² HNFa
29,30 kWh/a*m² HNFa
m² NFa
24,53 kWh/a*m² NFa
Standort:
Georg-Wilhelm-Str. 112
21107 Hamburg
Treppe bei Nacht
Fassadendetail
Ansprechpartner:
Böge Lindner Architekten
Brooktorkai 15
20457 Hamburg
Tel.: 040 / 325066-0
Fax: 040 / 325066-66
[email protected]
www.boegelindner.de
Fotos:
Copyright: Heiner Leiska
50
Hessen
Neubau Amtsgericht Seligenstadt
Luft-/Erdwärmetauscher,
Versickerung von Oberflächenwasser der befestigten Flächen
Projekt:
Bauherr:
Projektsteuerung und Planung:
Ausführungsplanung:
Bauleitung:
HLW, GWA:
Außenanlagen/Freiraumplanung:
Neubau für das Amtsgericht in Seligenstadt
Land Hessen
Staatsbauamt Frankfurt am Main I
Nieper+Partner Architekten, Darmstadt
Staatsbauamt Frankfurt am Main I
Lenz-Ingenieur-Consult, Oberursel
Ingenieurbüro Hartmann, Bad Nauheim
Hauptzugang von der Klein-Welzheimer Straße
Lageplan
51
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Zur Zusammenfassung der auf mehrere - unzureichend ausgestattete – Standorte verteilten Gerichtsbarkeit
wurde ein Neubau geschaffen, der alle bisher „verstreuten“ Funktionen in einer Einheit zusammenfasst.
Das Grundstück liegt stadtauswärts und beinhaltet ein wertvolles Feuchtbiotop. Der Schwerpunkt des Baukörpers liegt daher am Kreuzungspunkt der angrenzenden Straßen mit Erschließung und Gerichtssaaltrakt.
In das Grundstück hinein entwickeln sich die Bürobereiche für die Verwaltung. Von der Halle aus erreicht
man barrierefrei den Aufzug oder das Treppenhaus, um auf kurzem Weg zu den einzelnen Abteilungen zu
gelangen. Im Erdgeschoss befinden sich die publikumsintensiven Bereiche: 4 Sitzungssäle mit Wartehalle,
Zahl- und Kostenstelle und ein Raum für die Kinderbetreuung, dazu die Freie Gerichtsbarkeit, Zwangsvollstreckung mit entsprechenden Service-Einheiten, Haftrichter und Zahlstelle. Im 1. Obergeschoss, zusätzlich
über eine freistehende Stahltreppe erreichbar, befinden sich das Grundbuchamt, die Abteilung des Handelsregisters, die Verwaltung des Amtsgerichts und die Bibliothek. Das 2. Obergeschoss umfasst die Abteilungen der Familien-, Zivil- und Strafsachen. Im Untergeschoss befinden sich Technikzentralen und Archivräume.
Die Dachkonstruktion wurde als Schmetterlingsdach mit Holzbalken ausgeführt und erhielt einen Dachüberstand mit Metalleindeckung aus Aluminium. Über den Sitzungssälen befindet sich ein Flachdach mit extensiver Dachbegrünung. Die Fassade besteht aus hinterlüfteten Natursteinplatten, kombiniert mit gedämmten
Glaspaneelen und einer reinen Glasfassade im Bereich der Eingangshalle.
Grundriss Erdgeschoss
Ökologische Aspekte:
-
52
Eingeschränkte Klimatisierung (nur Sitzungssaaltrakt und Grundbucharchiv )
Wärmerückgewinnung mit Maximum-Economy-Umschaltung durch Kreuzstromwärmetauscher
Gebäudeautomation zur Verminderung von Schäden, Früherkennung von Störungen, Senkung der
Energie- und Wartungskosten
Vorkonditionierung der zugeführten Luft durch einen Erdwärmetauscher (5 parallele Kunststoffrohre,
Durchmesser 50 cm, in einer Tiefe von ca. 0,80 bis 1,50 m im Erdreich verlegt bzw. unter der Bodenplatte, Gesamtlänge 500 m)
Leitungsführung der Zuluftkonditionierung
Ansaugbauwerk
-
-
-
-
massive Rohbaukonstruktion aus Mauerwerk/Stahlbeton (recyclefähig) z.T. in Sichtbeton mit thermischer Pufferwirkung. Außenwände z.T. als vorgehängte Fassade aus regionaltypischem Mainsandstein,
demontierbar
Bodenbeläge in Büro- und Verwaltungstrakt aus Linoleum. Bodenbelag der Sitzungssäle aus Ahornparkett
Verwendung wassersparender Armaturen und Geräte
Dachfläche des Sitzungssaaltrakts: extensive Begrünung
Kletterhilfe für Rankgewächs an der Außenfassade des Sitzungssaaltraktes
Parkplatzentwässerung in die Vegetation hinein zur Bewässerung angrenzender Biotope und Entlastung der Kanalisation. Aufforstung einer Ersatzfläche von ca. 1,5 ha Gelände in nahe liegender Gemarkung als Ausgleichsmaßnahme zur Kompensation des Eingriffs in Natur und Landschaft (ein besonders
wertvolles Feucht-Biotop-Komplex mit trockenen Ruderalstellen, dichten Gestrüpp- und Gebüschpartien, feuchten Schilf- und Hochstaudenbeständen, mit alten Obstbäumen und landschaftsprägenden
Baumgruppen)
Gehölzpflanzungen unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte arten- und strukturreich
aus überwiegend einheimischen Gehölzen.
Besonders sorgfältige Gestaltung als „Übergangszone“ durch adäquate Auswahl der Gehölzarten,
Pflanzqualitäten und die Struktur der Pflanzung wegen des unmittelbaren Kontakts zu naturnahen Biotopen an der Ostseite der Liegenschaft. Der zwischengelagerte Oberboden wurde wieder verwendet.
Überwiegend natürliche Be-/Entlüftung
53
Ökonomischer Bereich:
Technische Daten
-
Wettbewerb:
Bauzeit:
Fertigstellung:
-
Kompakte Zusammenfassung der dislozierten Arbeitsbereiche an einem Standort
Flächenflexibilität durch leichte Trennwände.
Verwendung einfacher Detaillierung
Wartungsarme Fassade, wischfähige Bodenbeläge (kein
Teppichboden)
Verzicht auf Kältemaschine durch erdkonditionierte Zuluft
möglich.
Lüftungsanlagen nur in ausgewählten Bereichen.
Einschaltung regional ansässiger Dienstleister / Ing.-büros
Gewerkeweise Vergabe nach öffentlicher Ausschreibung
Sozialer Bereich:
-
Städtebauliche Abrundung des Quartiers.
Integration des Baukörpers in die Proportionalität der umgebenden Bebauung
Gestalterisch fließender Übergang in das vorhandene Biotop
Verwendung bewährter unkritischer Baustoffe
Schallschutzmaßnahmen nach Fachplanung
Durchgehende kooperative, hierarchieunabhängige Nutzerbeteiligung an der Planung und Bauausführung.
Barrierefreie Ausführung
Direkter Anschluss an ÖPNV
Eigenplanung Frühjahr 2000
21 Monate
Oktober 2003
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
2.450 m²
2.561 m²
985 m²
14.086 m²
A/V-Verhältnis:
0,3400 m
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
NFa
VFa
und je m³ BRIa
7.300.000 €
2.980 €
2.850 €
7.400 €
518 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
285.000 kWh/a
116,3 kWh/a*m² HNFa
111,3 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
201 m³/a
0,082 m³/a*m² HNFa
0,078 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
88.300 kWh
36,04 kWh/a*m² HNFa
34,48 kWh/a*m² NFa
Standort:
Klein-Welzheimer Straße 1
63500 Seligenstadt
Treppenhaushalle im 2. OG mit Blick auf Treppenanlage und verglasten Aufzugschacht.
Ansprechpartner
Hessisches Baumanagement (HBM)
Regionalniederlassung Rhein-Main
Gutleutstraße 136
60327 Frankfurt (Main)
Tel.: 069 / 27397-0
Fotos:
HBM, Frankfurt
Nieper und Partner, Darmstadt
Hartmann, Bad Nauheim
54
-1
Niedersachsen
Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter
„ Klimastabiles“ Bauen
Bauherr / Projektleitung:
Architekt:
Haustechnik:
Tragwerksplanung:
Lichtplanung:
Grünplanung:
Staatliches Baumanagement Niedersachsen, Braunschweig I
Woldt, Floss & Partner Architekten, Salzgitter
IGH - Salzgitter
IGH - Salzgitter
Grewe Lichttechnik, Stadtoldendorf
Rödenbeck, Braunschweig
…
Ansichten - Bereich Haupteingang
55
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Das Bauwerk wurde 1997 errichtet. In der Planungsphase und im Rahmen der Ausführungsplanung wurden
sowohl ökologische, ökonomische als auch sozio-kulturelle Aspekte des nachhaltigen Bauens eingefordert,
weiterentwickelt und teilweise realisiert. „Klimastabiles“ Gebäude durch Verwendung von massiven Baustoffen (Kalksandstein) für alle tragenden und nicht tragenden Wände. Die Decken sind in Stahlbeton erstellt.
Verwendung unbedenklicher Baustoffe. Die Größe der gut gedämmten und gedichteten Fenster wurde im
Bürobereich auf ein notwendiges Maß reduziert. Außen liegende Sonnenschutzeinrichtungen begrenzen den
Wärmeeintrag in den warmen Jahreszeiten, sommerlicher Wärmeschutz. Der Neubau des Verwaltungsbaus
öffnet sich in Form einer Kammstruktur in Richtung des Stadtparks. Zwischen den Kämmen befinden sich
Regenrückwasserhaltungen als ökologische Nischen. Die 4-5 geschossigen Baukörper sind durch klare
Gestaltungselemente gegliedert und erzeugen im bebauten Umfeld eine städtebauliche Qualität. Der Standort des Gebäudes befindet sich in zentraler Lage neben dem Bahnhof, direkt am Zentrum des Ortes in optimaler Anbindung an den örtlichen und überörtlichen Individualverkehr.
Innenhof – Modellfoto – Teichanlagen
Ökologische Aspekte:
56
Kompakte Baukörperausformung
Hoher Wärmedämmstandard, hohe Luftdichtheit
Lichtsteuerung für Büroräume
Geringe Oberflächenversiegelung mit ökologisch unbedenklichen Baustoffen
Einsatz von Recycling-Materialien
Verzicht auf tropische Hölzer (Fenster, Türen und Bekleidungen aus einheimischen Hölzern)
Errichtung eines extensiven Gründaches mit verzögerter Ableitung des Regenwassers über Teiche in
die Vorflut
Lange Standfestigkeit der Dacheindichtung durch gewählte Konstruktion (Bauform, Material, Begrünung)
Naturnah gestaltetes Außengelände
Ableitung von Regenwasser über Gründächer und Teiche
Ökonomischer Bereich:
-
rationelle und kompakte Bauweise
optimierte Ausnutzung der Grundstücksflächen
Anteil der versiegelten Grundstücksflächen ca. 28 %
Minimierung der Verkehrsflächen
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für Energieversorgung
Beleuchtungskonzept mit reduzierter Sonderbeleuchtung
gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen
Büro Schnitt
Büro Grundriss
Büroraum
Lichtlenkung im Büroraum
57
Sozialer Bereich:
-
Schallschutzmaßnahmen
Die Büroräume werden natürlich belichtet und belüftet
Ca. 90 % der Arbeitsplätze haben Leuchten für Bildschirmunterstützung
Barrierefreiheit, behindertengerechte Erschließung im Außenbereich
Technische Daten
Fertigstellung:
1997 (Neubau)
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
NFa
VFa
und je m³ BRIa
7.586 m²
11.428 m²
3.535 m²
49.840 m³
25.124.832 €
3.312 €
2199 €
7108 €
505 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
779.000kWh/a
100 kWh/a*m² HNFa
68,2 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
1.850 m³/a
0,24 m³/a*m² HNFa
0,17 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
729.000 kWh/a
96 kWh/a*m² HNFa
63,8 kWh/a*m² NFa
Standort:
Willy-Brandt-Straße 5
38226 Salzgitter
Eingangshalle
Ansprechpartner:
Peter Herrmann
Staatliches Baumanagement BS I
An der Martinikirche 7
38100 Braunschweig
Tel.: 0531 / 1211-218
e-mail: Peter.Hermann@sb-bs1.
niedersachsen.de
58
Niedersachsen
Hörsaal- und Seminargebäude, Osnabrück
Luft-/Erdwärmetauscher, Regenwassernutzung, Betonkernaktivierung
Projekt:
Bauherr:
Projektsteuerung:
Architekt:
Landschaftsplaner:
Technische Gebäudeausstattung:
Thermische Bauphysik:
Neubau eines Hörsaal- und Seminargebäudes, Osnabrück
Land Niedersachsen, Fachhochschule Osnabrück
Staatliches Baumanagement Osnabrück
Jockers Architekten BDA, Stuttgart
Heintze - Landschaftsarchitekten, Konstanz
agn - Niederberghaus + Partner, Ibbenbüren
Ing.-Büro Krämer - Evers, Osnabrück
Ansicht Westseite
Grundriss Ebene 0
59
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Entwurf basiert auf einer Wettbewerbsentscheidung vom Dezember 2001. Der unbebaute Exerzierplatz
der ehemaligen Infanteriekaserne bot die notwendige Erweiterungsfläche für den Neubau eines Hörsaalund Seminargebäudes mit ca. 4.000 m² HNF. Dem Architekturbüro Jockers gelang es, die Baumasse so
anzuordnen, dass einerseits die Struktur der ehemaligen Kasernenanlage wenig beeinträchtigt wird, andererseits ein funktional optimiertes Hörsaalgebäude entstehen konnte.
Während die Verwaltungs- und Gruppenräume konzentriert in einem viergeschossigen Riegelbau am westlichen Grundstücksende untergebracht sind, wurden die publikumsintensiveren Hörsaal- und Seminarbereiche auf einer Ebene liegend in den Hang eingelassen und sind damit unter dem Niveau des Exerzierplatzes
angeordnet. Drei große Lichthöfe und die südliche Längsseite sorgen für die notwendige Belichtung und den
Außenraumkontakt.
Die im Wettbewerb geforderte Auseinandersetzung mit dem Thema nachhaltiges Bauen führte unter Federführung des Staatlichen Baumanagement Osnabrück u. a. zu einem sog. „Luft-/Erd-Wärmetauscher“. Das in
Zusammenarbeit mit Fachplanern entwickelte Konzept ermöglicht es, unter Ausnutzung der Speichermasse
„Erdreich“ auf konventionelle Kältemaschinen im Bereich der Lüftung gänzlich zu verzichten. Bei dieser Art
des Wärmetauschers strömt maschinell angesaugte Außenluft mit geringer Geschwindigkeit durch die unterhalb der Gründungssohle im Erdreich verlegten Kunststoffrohre mit einer Gesamtlänge von 3.000 m.
Ansicht Ostseite
Ökologische Aspekte:
-
-
60
Gebäudehülle in kompakter Bauweise mit vorgehängter Blechfassade, hoher Wärmedämmstandard,
Minimierung der Lüftungswärmeverluste, außenliegender Sonnenschutz. Reduzierung der Glasanteile zu
Gunsten der geschlossenen Fassadenteile
Abgehängte Decken in den Hörsälen, zum Teil thermisch offen ausgeführt, um den eingebauten Beton
möglichst nachhaltig in seiner thermischen Speicherwirkung (Kühlung) zu nutzen
Effiziente Haustechnik (Heizung/Lüftung) mit Ausnutzung der Speichermasse Erdreich durch Luft-/ErdWärmetauscher. Dadurch ist der Verzicht auf konventionelle Kältemaschinen möglich
Verwendung wassersparender Armaturen und Geräte, Regenwassernutzung durch Einbau einer Zisterne und Auffangen der Dachniederschläge. Verwendung versickerungsfähiger Oberbeläge im Außenbereich
Schnitt Erdregisterrohre
Verlegung der Erdregisterrohre unter der Sohlplatte
Ökonomischer Bereich:
-
kompakte Bauweisen, Vermeidung kostenintensiver Details, Optimierung der Erstellungs- und Unterhaltungskosten
optimierte Grundstücksausnutzung durch Anordnung der Baumassen, die Hangsituation ausnutzend, im
Erdreich unterhalb der denkmalgeschützten Platzfläche
Gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen nach öffentlicher, europaweiter Ausschreibung
61
Sozialer Bereich:
-
-
Unter Berücksichtigung der denkmalgeschützten Altbausubstanz ist der barrierefreie Neubau so integriert, dass sich der
Eingriff in die vorhandene bauliche Stadtstruktur angemessen
darstellt. Die soziale Einbindung der Hochschule in das Umfeld muss sich entwickeln
Tageslichtnutzung, Verwendung unbedenklicher Baustoffe,
Gewährleistung eines gesunden Raumklimas, Schallschutzmaßnahmen, sommerlicher Wärmeschutz
Technische Daten
Fertigstellung:
2004 (Neubau)
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
VFa
BRIa
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
NFa
VFa
und je m³ BRIa
3.804 m²
3.996 m²
1.753 m²
33.271 m²
16.463.712 €
4.328 €
4120 €
9392 €
495 €
Energiedaten: *)
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
838.125 kWh/a
220 kWh/a*m² HNFa
210 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
3.100 m³/a
0,82 m³/a*m² HNFa
0,78 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
765.000 kWh
201 kWh/a*m² HNFa
192 kWh/a*m² NFa
*) Prognosewerte aus Anlage 1 zu Muster 7
(RBBau). Messwerte liegen nicht vor.
Standort:
Caprivistraße 1
49076 Osnabrück
Flurzone und Innenhof
Ansprechpartner:
Staatliches Baumanagement Osnabrück
Tel.: 0541 / 314-596
Fotos:
Abb. Nr. 1, 2, und 7
Fotograf Christian Richters, Münster
Abb. Nr. 3, 4 und 5
Staatliches Baumanagement Osnabrück
Obergeschoss des Verwaltungstraktes
62
Niedersachsen
Umbau und Erweiterung der Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung (BAfU)
Wiederbelebung eines Standortes
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerksplanung:
Technische Gebäudeausstattung:
Staatliches Baumanagement Niedersachsen, SB Wilhelmshaven
Engel und Zimmermann Architekten, Braunschweig
Ing.-Gemeinschaft Tode GmbH , Wilhelmshaven
Dröge – Baade + Partner, Salzgitter
63
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Stadtteil „Südstadt“ zählt mit seinen gründerzeitlichen Bauten zur „Keimzelle“ der Wilhelmshavener
Siedlungsgeschichte. Das Grundstück liegt in exponierter Lage am Südrand der Innenstadt von Wilhelmshaven mit Blick auf den Großen Hafen. Auf dem Grundstück steht das ehemalige Marinelazarett als das älteste
Garnisonsgebäude der Stadt. Im Schnittpunkt einer grünen Nord-Süd-Achse zum Wasser und einer OstWest-Achse als Verbindung zwischen Hafen und innerstädtischem Bereich hat sich das unmittelbare Gebiet
um die BAfU in den letzten Jahren zunehmend zu einem der attraktiven und abwechslungsreichen Aufenthaltsorten am Wasser entwickelt. Das Projekt ist bestimmt von einer klaren und konsequenten Formgebung
der baulichen Ergänzung der historischen Baustruktur. Zwischen die beiden Seitenflügel ist als Erweiterung
ein u-förmiger Neubau geschoben. Dabei bleiben die Außenfassaden und die Giebelseiten der dreiflügeligen
Anlage des Altbaus frei einsehbar. Der Übergang zwischen Alt- und Neubau mit verglasten Treppenhäusern
verdeutlicht das Zusammenfügen und greift nur minimal in die historische Bausubstanz ein. Die farbliche
Fassung des Altbaus lehnt sich an originale, historische Befunde an, nimmt aber Rücksicht auf die technischen und wirtschaftlichen Grenzen einer originalgetreuen Wiederherstellung.
Diese innovative und nachhaltige Lösung hat bereits während der Bauphase eine Auszeichnung erhalten:
Das Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen hat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Verteidigung besonders nachhaltige Bundesbaumaßnahmen im Rahmen der Ausstellung:
„Nachhaltiges Bauen – eine Zwischenbilanz für Bundesbauten“ öffentlichkeitswirksam präsentiert und ausgezeichnet. Auf Grundlage eines Forschungsprojektes an der Technischen Universität Berlin wurden in einem bundesweiten Prüfungs- und Auswahlverfahren durch eine Fachjury insgesamt 6 Bauprojekte prämiert,
die die Kriterien der Nachhaltigkeit der Bundesregierung besonders beispielhaft erfüllen; darunter auch der
Umbau und die Erweiterung der Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung (BAfU).
64
Ökologische Aspekte:
-
-
Begrenzung der Gebäudehöhen und -tiefen mit Rücksicht auf einen sparsamen Energieverbrauch durch
natürliche Belichtung und Belüftung (Arbeiten mit Tageslicht)
Ausrichtung (und Gestaltung) der Fassaden einschl. Dachformen zur passiven wie aktiven Nutzung der
Sonnenenergie; Photovoltaikanlage (vorgerüstet)
Kontrollierte Be- und Entlüftung grundsätzlich mit Wärmerückgewinnung
Maßnahmen zum sparsamen Umgang mit Leitungswasser
Bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb wurde die Verwendung von Baustoffen, Materialien und
Bauteilen angestrebt, die hinsichtlich Gewinnung, Transport, Verarbeitung, Funktion und Beseitigung
eine hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit sowie eine hohe Lebensdauer aufweisen.
Verwendung schadstoffarmer und wenn möglich schadstofffreier Baustoffe
Ökonomischer Bereich:
-
Sinnvolle Nutzung und Einbindung des Altbaues
Optimierte Flächen- und Raumökonomie durch kompakte Bauweise im Neubau
Ressourcenschonendes durch Nachverdichtung der Grundstücksausnutzung
ca. 80 % aller Bauleistungen aus dem regionalen bzw. erweiterten überregionalen Bereich
Schnitt mit Darstellung der ökologischen Faktoren
Altbau – restaurierter Eingangsbereich
Neubau - Büromöbelkonzept
65
Sozialer Bereich:
-
-
-
Umbau und Erweiterung waren Ausgangspunkt für eine
Entwicklung von verträglichen Nutzungen aus Wohnen,
Verwaltung, Dienstleistung und kulturellen Einrichtungen
am Wasser
Ganzheitliche Betrachtung einzelner Komponenten, die
sich an ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen
orientierte
- Standortentscheidung für das Grundstück
- Einbindung in das Stadtbild, Denkmalpflege
- Arbeitsplatzqualität (Licht, Luft, Ausblick, etc.)
Nutzerbeteiligung bei der Erarbeitung eines innovativen
Büromöbelkonzeptes
Technische Daten
Baujahr:
2000 (Umbau und Erweiterung)
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NNFa
NFa
BRIa
BRI/BGF
4,25
Baukosten:
in TEuro (gesamt / spez. Kosten)
absolut, je m² HNF
Gesamtkosten
KG 200-700
Gesamtkosten
KG 200-500
Gesamtkosten
KG 300-400
GBK / HNF =
GBK / BGF =
Energiedaten:
Wasserverbrauch:
Stromverbrauch:
Wärmeverbrauch:
Altbau – Ansicht von Süden
5.354 m²
1.026 m²
6.380 m²
65.000 m³
15.387,-
2.873,93
13.447,-
2.511,58
12.425,-
2.320,69
2.874,- €/m²
1.161,- €/m²
1.722 m³/a
0,32 m³/m² HNF
473.965 kWh/a
88 kWh/m² HNF
841 MWh/a
0,15 MWh/m² HNF
Standort:
Weserstraße 47
26382 Wilhelmshaven
Altbau / Neubau - Innenhofsituation
Ansprechpartner:
Ernst-André Winter
Staatliches Baumanagement Wilhelmshaven
Peterstraße 24
26382 Wilhelmshaven
Tel.:
e-mail:
Altbau - Raumgliederungssystem
66
04421 / 408-227
ernstandre.winter@sb-whv.
niedersachsen.de
Nordrhein-Westfalen
Polizeigebäude „ Im Mariental“ , Aachen
Betonkerntemperierung / Passivhausstandard
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerkplanung / Wärme und Schallschutz / Sigeko:
Technische Gebäudeausstattung:
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Aachen
Hahn Helten + Assoziierte, Aachen
Ing.-Büro Walter, Aachen
Ing.-Büro INCO, Aachen
67
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Die Polizeiinspektion 1 sowie einige Kriminalkommissariate waren in verschiedenen Gebäuden in der Stadt
Aachen untergebracht. Aus organisatorischen Gründen ist es für die Polizei sinnvoll, diese Dienststellen in
einem Gebäudekomplex zusammenzuführen. Es entstand somit in innerstädtischer Lage eine zentrale Anlaufstelle für die verschiedenen polizeilichen Dienste.
Das Neubauvorhaben für die Polizeiinspektion 1 gliedert sich in zwei voneinander getrennte Baukörper. In
der Straße „Im Mariental“ entsteht zwischen dem ehemaligen Gefängnistrakt des alten Polizeipräsidiums
und dem Grundstück des alten Finanzamtes der Neubau für die Polizeihauptwache. Nach dem geplanten
Abbruch der jetzigen Polizeistation in der Kasernenstraße entsteht an gleicher Stelle ein Neubau, in welchen
verschiedene, z.z. auf unterschiedliche Liegenschaften verteilte Polizeikommissariate untergebracht werden. Beide Gebäudeteile basieren auf einem einheitlichen Gestaltungskonzept, welches die vorgefundene
städtebauliche Situation und Anschlüsse an die angrenzende Bausubstanz aufgreift und respektiert, gleichzeitig jedoch die Eigenständigkeit der neuen Baukörper bestehen lässt.
Schnitt
Aufzug
Ökologische Aspekte:
-
-
-
68
Gebäudehülle nahezu Passivhausstandard
Tonplattenfassade
Heizung und Grundkühlung über in den Geschossböden integrierte Rohrleitungen (Betonkerntemperierung)
Abgehängte Decken in den Fluren thermisch offen ausgeführt, um den eingebauten Beton – auch
ohne Betonkerntemperierung – möglichst nachhaltig in seiner thermischen Speicherwirkung zu nutzen.
WC-Bereiche mit offener Rasterdeckenkonstruktion, so dass hier auf Heizkörper ganz verzichtet
werden kann.
Mechanische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
Bürolüftungsanlage durch Quellluftkonzept mit Wandauslässen an der Decke für jedes Büro (dezentral), Überströmöffnungen in den Fluren, Abluftführung über die Flure je Geschoss (zentrale AbluftAbsaugung je Flur).
effektiver, außen liegender Sonnenschutz zur Reduzierung der Kühllast
Ökonomische Aspekte:
-
Verwendung einfacher, rationeller und kompakter Bauweisen
optimierte Grundstücksflächenausnutzung
Qualitätssicherung und Kontrolle
Minimierung der Verkehrsflächen
Gewerkeweise Vergabe
Detail Bodenaufbau
Eingangsbereich
69
Soziale Aspekte:
-
Höchstmaß an Flexibilität der Nutzungseffizienz
Flexible Ausbildung der Raumabschlusse zu den Büroräumen
Barrierefreiheit
Technische Daten
1. Bauabschnitt
2. Bauabschnitt
Polizeihauptwache:
4 Geschosse, unterkellert
BRIa
BGFa
HNFa
2004
2006
6.465,23 m³
1.973,90 m²
1.638,79 m²
Polizeikommissariat:
4 Geschosse, teilweise unterkellert
BRIa
7.363,07 m³
BGFa
2.249,80 m²
HNFa
1.548,10 m²
A/V-Verhältnis
Baukosten gesamt:
Energiedaten:
Jahres-Primärenergiebedarf
Q’p: 8,9 [kWh/m³a]
Messwerte liegen noch nicht vor
Standort:
Im Mariental 14
52064 Aachen
Schnitt durch die Fassade
Detail Fassadenanschluss
Ansprechpartner
Herr Dipl.-Ing. Architekt Schäfer
Hahn Helten + Assoziierte
schä[email protected]
70
0,36
2.500.000 €
Nordrhein-Westfalen
Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW
Ökologisches Bauen für eine Umweltbildungseinrichtung
Projekt:
Neubau Verwaltungs- und Tagungsgebäude für die
Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW (NUA)
in Recklinghausen
bei der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF)
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Recklinghausen
Bauherr / Projektsteuerung:
Planung,
Technische Gebäudeausrüstung,
Außenanlagen:
Tragwerksplanung:
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Recklinghausen
Ing.-Büro Kossin-Vismann + Partner, Coesfeld
Ansicht von Süden
mit Tagungsbereich im Vordergrund
Lageplan
71
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Das Bewusstsein für den Natur- und Umweltschutz in der Bevölkerung zu wecken und zu stärken sowie die
in diesem Bereich Aktiven zu informieren und fortzubilden – das sind die Aufgaben der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA). Dazu bietet die NUA als Bildungseinrichtung des Landes NRW Veranstaltungen, Lehrgänge, Aktionstage und Kampagnen an.
In Übereinstimmung mit den Bildungszielen der NUA wurde in Recklinghausen am Standort der LÖBF ein
neues Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäude errichtet. Der Neubau verknüpft alle nutzerspezifischen
Anforderungen an ein modernes, nachhaltig und ökologisch gebautes sowie multifunktional nutzbares Veranstaltungs- und Bürogebäude.
Das zweigeschossige Gebäude besteht aus einer Holzrahmenkonstruktion mit einer Fassade aus Lärchenholzschalung und Furnierschichtholzplatten. Nicht tragende Innenwände bestehen aus StrohWandelementen, die anschließend mit Lehm verputzt wurden. Sämtliche Dachflächen sind extensiv begrünt
und vorbereitet für die Aufnahme von Fotovoltaikanlagen. Insgesamt erfolgte die Auswahl der Baustoffe
nach Nachhaltigkeitskriterien. Der dominierende Baustoff Holz (aus heimischen Forsten) oder die halogenfreie Verkabelung bringen das beispielhaft zum Ausdruck.
Grundriss Erdgeschoss mit Tagungs- und Seminarräumen
Eingangsbereich
72
Ökologische Aspekte:
-
Holzständerwerk, Holzfenster, Holz aus heimischen Forsten (kein Tropenholz))
Fassade: Lärchenholzschalung und Furnierschichtholz
Nichtragende Innenwände aus gepressten Strohplatten mit Lehmputz
Extensives Gründach, Photovoltaikanlage
Halogenfreie Verkabelung
Regenwassernutzung
Nordseite
Indirekte Belichtung durch
Schrägverglasung
Lichtdurchflutetes, multifunktional nutzbares Foyer
Ökonomischer Bereich:
-
Verwendung nachwachsender Rohstoffe
Kostenoptimierung durch rationelle und kompakte Bauweise
Natürliche Belichtung der innen liegenden Räume durch Schrägverglasung
Optimierte Licht- und Energienutzung durch großflächige Verglasung nach Süden
Anschluss an ein Fernheiznetz (Betrieb mit Holzhackschnitzel)
Mobile Innenwandelemente im Tagungsbereich für multifunktionale Raumnutzung
Anbindung an einen Behördenstandort
73
Sozialer Bereich:
-
-
Multifunktionale Nutzung des Tagungsbereiches
Barrierefreie Nutzung des gesamten Gebäudes
Bewirtschaftung – Verpflegung und Übernachtung für Tagungsgäste - in Kooperation mit benachbarten Unternehmen
unter Verzicht auf Kantine und Übernachtungsmöglichkeiten
Verwendung von natürlichen Baustoffen für ein gesundes
Raumklima (Holz, Lehm, Stroh)
Tageslichtnutzung durch Schrägverglasung
Sonnenschutz durch außen liegende Jalousie
Schallschutzmaßnahmen
Technische Daten
Baubeginn
Fertigstellung:
Juli 2004
September 2005
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NNFa
VFa
BGFa
BRIa
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
925 m²
52 m²
385 m²
1.488 m²
4.898 m³
2.500.000 €
2.702 €
Messwerten liegen noch nicht vor
Standort:
Siemensstraße 5
45659 Recklinghausen
Seiteneingang Süd
Fassadendetail
Ansprechpartner:
BLB NRW Recklinghausen
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Wilfried Helmer
Hertener Str. 55
45657 Recklinghausen
Tel.: 05971 / 7914-158
Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW (NUA)
Adalbert Niemeyer-Lüllwitz
Siemensstraße 5
45659 Recklinghausen
Tel. 02361 / 305-1
Mail: [email protected]
www.nua.nrw.de
Fotos:
NUA/A. Niemeyer-Lüllwitz, G. Hein
74
Mecklenburg-Vorpommern
Universitätsbibliothek Rostock Südstadt
Oberflächennahe Erdwärmenutzung, Bauteilaktivierung
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Technische Gebäudeausrüstung:
Bibliotheksneubau der Universität Rostock
Finanzministerium MV
Henning Larsens Tegnestue, Kopenhagen
INROS Lackner AG, Rostock/
Zimmermann und Schrage GmbH & Co., Düsseldorf
Bibliotheksgebäude Leseplatzbereiche
Ost- und Südfassade
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Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Für die Universität Rostock wurde in der Rostocker Südstadt eine neue Bibliothek errichtet.
Die Bibliothek umfasst eine Gesamtfläche von 12.400 m². Im Gebäude sind ca. 950.000 Bände untergebracht, davon stehen 392.000 im Freihandbereich. Für die Nutzer wurden 432 Leseplätze mit Zugang zum
Universitätsnetz, multimediale Gruppenarbeitsräume, Schulungs- und Sitzungsräume sowie ein Vortragssaal
geschaffen.
Das Bibliotheksgebäude wurde in kompakter Bauweise errichtet. Bestandteil des energetischen Konzeptes
waren die Tageslichtnutzung, der solare Wärmeenergieeintrag, die Speicherung von Wärmeenergie aus den
aktivierten Bauteilen im Sommer und das Anlegen eines Kältepotenzials im Winter in dem Erdwärmespeicher. Die Klimaanlagen können mit direkter Kühlung ohne Kältemaschinen betrieben werden. Die Überwachung und der qualifizierte steuernde Eingriff aus der Steuerzentrale in die betriebstechnischen Anlagen
über die Gebäudeleittechnik ist Bestandteil des Energie- und Medieneinsparkonzeptes der Universität.
Grundriss Erdgeschoss
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Ökologische Aspekte:
-
-
Die oberflächennahe Geothermie (Erdwärme) zu nutzen, war bereits Wettbewerbsgedanke, der konsequent geplant, gebaut und in die Bewirtschaftung einbezogen wurde. Dabei wird die Wärme bzw. die
Kälte über bauteilaktivierte Flächen im Niedertemperaturbereich an das Gebäude abgegeben. Die Nutzung der oberflächennahen Erdwärme erfolgt über 28 Erdwärmesonden bis in eine Tiefe von 80 m. Die
Wärmepumpenanlage ist als reversibles System (umschaltbarer Heiz- bzw. Kühlbetrieb) vorgesehen
28 Erdwärmesonden liefern in den Wintermonaten eine Heizleistung von 102 kW und in den Sommermonaten eine Kälteleistung von 140 kW in das Gebäude. Dafür sind 2.950 m² bauteilaktivierte Fläche
(BTA-Fläche) in den Stahlbetondecken und Wandflächen geschaffen worden. Erste betriebstechnische
Analysen der Universität bestätigen die Richtigkeit der prognostizierten Werte
Ökonomischer Bereich:
-
Kostenoptimierung durch Verwendung einfacher, wiederkehrender, rationeller und kompakter Bauweisen
Vermeidung kostenintensiver Details
Optimierung der Erstellungs- und Unterhaltungskosten
optimierte Grundstücksausnutzung mittels Architekturwettbewerb nach städtebaulichen, entwurfsgestalterischen und energieökonomischen Vorgaben
Rohrverlegung für Bauteilaktivierung
die Erdwärmespeichersonden werden bis
zu einer Tiefe von 80 m eingebracht
77
Sozialer Bereich:
Der Standort Südstadt ist das größte Entwicklungsgebiet der
Universität Rostock.
Deshalb wurde im Jahre 1996 von der Landesbauverwaltung
Mecklenburg-Vorpommern ein Architektenwettbewerb durchgeführt mit der Zielsetzung, ein städtebauliches Entwicklungskonzept im Kontext zur vorhandenen Südstadt-Bebauung aufzuzeigen. In der im Jahre 1998 weitergeführten Masterplanung wird
der universitäre Entwicklungsbedarf für über 11 Institutsgebäude
auf einer Liegenschaftsfläche von rd. 10 Hektar dargestellt.
Nachdem durch die städtebauliche Studie und Programmplanung
die Standortfrage und Organisationsstruktur bis hin zum Raumbedarf erörtert wurden, lobte die Landesbauverwaltung Mecklenburg-Vorpommern noch im Dezember des Jahres 1999 einen
Architektenwettbewerb aus. Eine Vielzahl von geforderten Nachweisen sollte die Wirtschaftlichkeit des Wettbewerbsbeitrages
belegen.
Die Kriterien waren insbesondere das städtebauliche Konzept,
die äußere Gebäudegestaltung und das funktionale Konzept.
Durch frühzeitige Einbeziehung des späteren Nutzers bereits in
die Phase des Architekturwettbewerbs konnte eine für die Bibliotheksnutzer verkehrsgünstige Anbindung an das noch in der
Entwicklung befindliche natur- und ingenieurwissenschaftliche
Zentrum der Universität in der Rostocker Südstadt und an die
Mensa erreicht werden. Die Entwurfsqualität schafft eine städtebaulich erheblich verbesserte Situation an dem noch nicht abgeschlossenen Platz zwischen Wohnbebauung und dem sich entwickelnden Universitätscampus.
Technische Daten
Wettbewerb:
Bauzeit:
Fertigstellung:
Okt. 1999
April 2002
Juli 2004
Grundfläche und Rauminhalt:
HNFa
7411 m²NFam²
BRIa
55.800 m³
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
21.910.000 €
2.956 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
750.392 kWh/a
101 kWh/a*m² HNFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
Stromverbrauch:
KWh/a*m²HNFa
2013 m³/a
0,272 m³HNFa.m²
47.984 kWh/a*
114 kWh/a*m² NFa
Standort:
Albert-Einstein-Str. 6
18059 Rostock
Treppenaufgang
Ansprechpartner:
für den Betriebsdienst der Universität Rostock
Herr Wickboldt Tel. 038 / 14981397
für die Bauverwaltung MV
Herr v. Schmidt Tel. 038 / 137715500
78
Rheinland-Pfalz
Fachhochschule Trier, Standort Birkenfeld
Umbau ehemaliges amerikanisches Militärlazarett
Ökologisches Konzept in Architektur, Lehre und Forschung
Bauherr:
Projektsteuerung:
Architekt:
Sonderplaner:
Land Rheinland-Pfalz
Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung NL Trier
Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung NL Trier
Ing.-Büro Rittgen/Becker, Trier
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Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Vom US-Hospital zur Fachhochschule:
Auf der Grundlage einer Koalitionsvereinbarung und unter Einsatz zusätzlicher finanzieller Mittel beschloss der Ministerrat des Landes Rheinland-Pfalz die Realisierung eines ökologischen Umbaukonzeptes im Rahmen der Konversionsmaßnahme Umwelt-Campus Birkenfeld mit der Absicht, regenerative
Energien in Verbindung mit zukunftsweisender Technik zur Energieeinsparung in größtmöglichem Maße
zu nutzen.
Städtebauliche Situation:
Der Bettentrakt des Hospitals bestand in seiner Grundstruktur aus einem „Doppelkamm“, der sich in OstWest-Richtung erstreckt. Das Rückgrat der Anlage bildete ein zentraler Erschließungsgang mit angelegten Treppenhäusern.
Entwurfskonzept:
Zielsetzung war die Schaffung eines „Umwelt-Campus Birkenfeld“, der neben der Fachhochschule ein
breites Spektrum an umweltorientierten Einrichtungen und Unternehmungen aufnehmen sollte. Der
Grundgedanke ist die Verknüpfung von Lehre, Forschung und Praxis:
- Anordnung sämtlicher Funktionsbereiche in einem städtebaulichen Zusammenhang.
- „Einbettung“, Integration der baulichen Anlagen in ein ergänzendes landschaftsplanerisches Gesamtkonzept („Landschaftspark“).
- Schaffung eines geschlossenen, in sich autarken Systems durch Kombination von Hochschulbetrieb
(Lehre, Forschung), Infrastruktur (Asta, Kino, Einkaufen, Freizeit, Sport, etc.) und Wohnen.
- Umsetzung des im Umweltschutz verankerten Leitgedankens des Stoffkreislaufs in Architektur und
Bautechnik im Sinne eines ganzheitlichen Systems.
Zentraler Erschließungsgang
Ökologische und ökonomische Aspekte:
-
80
Ansaugung der Außenluft für die Raumlufttechnischen Anlagen (RLT) des Zentralen Neubaus über
erdverlegte Stahlbetonrohre zur Nutzung der Erdwärme bzw. Erdkühle (Erdkollektor)
Betrieb einer mit Wasser als „Kältemittel“ arbeitenden Adsorptions-Kältemaschine zur Deckung der
Kühllast unter Einsatz von wasserdurchflossenen Solar-Kollektoren in Fassade und Dach
Zusätzliche Nutzung der in Dach und Fassade vorhandenen Solarkollektoren zur Speicherung von
Heizwärme mittels eines Pufferspeichers
Photovoltaik-Technik als Stromquelle und Sonnenschutz in Dach und Fassade der Verbindungsgänge
-
-
Optimierung der Tageslichtnutzung und der künstlichen Beleuchtung durch Einsatz von Lichtlenksystemen als Oberlichter zur gleichmäßigen Ausleuchtung der Räume in größeren Raumtiefen
Einsatz hochwertiger Fensterverglasung mit kleinem Wärmedurchgang und hoher Lichtdurchlässigkeit
sowie Optimierung des Sonnenschutzes in Verbindung mit dem eingesetzten Lichtlenksystem (2geteilte Sonnenschutzanlagen)
Einsatz von Solarwandteilen mittels transparenter Wärmedämmung in Verbindung mit massiven Betonteilen
Zukunftsweisende Technik für die umweltorientierte Energienutzung
Realisierung einer dichten Gebäudehülle zur Sicherstellung einer hygienebewussten Außenluftversorgung der Räume über Raumlufttechnische Anlagen mit optimierten Wärmerückgewinnungs-Systemen.
Nutzung von Betonbauteilen in Wand und Decke der Bibliothek des Zentralen Neubaus zur Bauteilkühlung bzw. Bauteilheizung
Zukunftsweisende Technik für die umweltorientierte Wassernutzung (z.B. Sanitäranlagen)
Photovoltaik-Technik
81
Sozialer Bereich:
-
Belebung der infrastrukturschwachen Region nach Abzug der amerikanischen Streitkräfte
Echte Konversion durch Sanierung des Baubestandes
Barrierefreiheit
Campussituation (Arbeiten und Wohnen im FH-Gelände)
Technische Daten
Baubeginn:
Fertigstellung:
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
davon Forschungsflächen:
NFa
BRIa
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
und je m³ BRIa
Februar 1996
September 2006
15.021 m²
4.000 m²
1.353 m²
121.163 m³
52.000.000 €
3.462,00 €
429,00 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
120 kWh/a*m² HNFa
Primärenergieverbrauch / m² HNF: 328 kWh/m²
Standort:
Campusallee
55768 Neubrücke
Begrünung
Hörsaal
Ansprechpartner:
Klaudia Eberz, Tel.: 0651 / 2093-255
Landesbetrieb Liegenschafts- und
Baubetreuung, Niederlassung Trier
82
Rheinland-Pfalz
Universität Trier, Campus II
Umbau ehemaliges französisches Lazarett André Genet
Wärmegedämmte Gebäudehülle / passive Sonnenenergie
Bauherr:
Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerksplanung:
Freianlagen u. städtebaul. Gesamtkonzept:
Gebäudesimulation:
Land Rheinland-Pfalz
Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung NL Trier
Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung NL Trier
Ing.-Büro Brämer u. Kirsch, Wittlich
Büro Bielefeld/Gillich/Heckel, Trier
Ing.-Büro Rittgen/Becker, Trier
83
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Fachbereich Geographie/Geowissenschaften der Universität Trier war in dem damals nur angemieteten
Flachtrakt des ehemaligen französischen Lazaretts „André Genet“ untergebracht. Die zunehmende Zahl an
Studieninteressenten machte eine bauliche Erweiterung für den Fachbereich Geowissenschaften und Informatik unumgänglich.
Durch den Ankauf des Gebäudes und des benachbarten ehemaligen militärischen Fahrschulgeländes wurde
die Konversionsliegenschaft „André Genet“ mit dem Kerngelände der Universität verbunden.
Durch eine wärmegedämmte Fassade und einen neuen Dachaufbau wurde der Energiebedarf des exponiert
gelegenen Gebäudes den heutigen energietechnischen Anforderungen angepasst. Großzügige Grünanlagen bilden den Übergang zur umgebenden Landschaft und dem angrenzenden Gelände der Landesgartenschau von 2004.
Flur neuer Hörsaalbereich
Flur Hochtrakt
Ökologische Aspekte:
-
84
Aktive Nutzung der Sonnenenergie: Warmwasserbereitung der Mensa des Studierendenwerks mit auf
dem Dach des Flachtraktes aufgeständerten Hochleistungssolarkollektoren
Nutzung des vorhandenen Tiefbrunnens des ehemaligen Atombunkers für die Kälteerzeugung bei den
raumlufttechnischen Anlagen sowie Einsatz bei Sanitäreinrichtungen
Einsatz von Wassersparanlagen bei Toilettenspülung
Extensive Begrünung der Flachdächer
Einleitung des Regenwassers aller Gebäudedächer in einen Teich, der als Rückhaltebecken und Löschteich dient
Verwendung unbedenklicher Baustoffe
Ökonomischer Bereich:
-
Nach der Entkernung des Gebäudes war eine flexible Nutzung möglich, insbesondere durch die hohe
Belastbarkeit der Geschossdecken
Auf das Flachdach wurde ein zusätzliches Technikgeschoss aufgesetzt, das optisch mit dem Baukörper
verschmilzt
Das vorhandene architektonische Raster wurde weitestgehend übernommen
Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wird der Energiebedarf des Gebäudes um 75 v. H. niedriger
liegen als vorher
Die Fassade des Hochtraktes erhielt als Besonderheit eine Dauerlüftungseinrichtung der Fensterelemente. Somit wird gewährleistet, dass eine optimierte Luftmenge die Räume durchströmt und eine manuelle
Belüftung der Räume entfällt. Mit Ausnahme der PC-Pools, kann nunmehr auf eine Klimatisierung der
Räume verzichtet werden
links:
Schnitt durch Hochtrakt mit Technikgeschoss und Flachtrakt
links unten:
Nordostansicht des neu erstellten Hörsaalbereiches
rechts unten:
Hochtrakt mit neuer Fassade und ehem.
Kapellenbereich (rote Fassadenelemente)
85
-
-
Durch einen gläsernen Verbindungsgang gelangt man vom
Flach- und Hochtrakt zum neu errichteten Seminar- und
Hörsaalzentrum sowie der zu einem Seminarraum umgebauten Kapelle. Sie kann als zweites Audimax genutzt
werden. Zwei der drei Hörsäle können durch eine fahrbare
elektromechanische Trennwand zu einem großen Hörsaal
mit insgesamt 240 Sitzplätzen zusammengeschlossen
werden
Durch die Umnutzung des ehemaligen Hospitals werden
der Universität 15.804 m² Hauptnutzfläche zur Verfügung
gestellt
Sozialer Bereich:
-
Belebung des städtebaulichen Areals nach Abzug des französischen Militärs
Echte Konversion durch Sanierung des Baubestandes
Barrierefreiheit auch im Außenbereich
Campussituation (Arbeiten und Wohnen im Uni-Gelände)
Landschaftsplanerische Integration der Grünflächen anlässlich der Landesgartenschau
ÖPNV unmittelbar bis zum Gebäude
Mensa- und Sozialbereich im Gebäude
Technische Daten
Baubeginn:
Fertigstellung:
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa
NFa
BRIa
A/V-Verhältnis:
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
und je m³ BRIa
15.884 m²
1.215 m²
3
138.957 m
0,23 m
-1
47.000.000 €
2.860 €
330 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
2
m² HNFa
162,70 kWh/a*m HNFa
2
Primärenergieverbrauch:
329,25 kWh/m BRI
Standort:
Universitätsring 15
54296 Trier
Hörsaal
Ansprechpartner:
Landesbetrieb Liegenschafts- und
Baubetreuung, Niederlassung Trier
Jost Albertz
Tel.: 0651 / 2014727
86
2001
2006
Saarland
Umbau und Erweiterung Forsthaus Neuhaus
Revitalisierung denkmalgeschütztes Jagdschloss
Projekt:
Bauherr / Projektsteuerung:
Architekt:
Techn. Gebäudeausrüstung:
Herrichtung des Gebäudes Jagdschloss Philippsborn,
Saarbrücken Neuhaus, Gastromiebetrieb
Saarland, Ministerium für Umwelt/ Landesentwicklungsgesellschaft
Dipl.-Ing. Peter Alt, Saarbrücken
Ing.-Büro Funk und Eisenbarth, Saarbrücken
Lageplan
87
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Forsthaus Neuhaus ist eine gehöftartige bauliche Anlage, basierend auf dem Schloss Philippsborn, eine
hofförmige Anlage aus den 16. Jh. die wiederum auf eine Burganlage aus dem 12. Jh. zurück geht. Als Relikte der Schlossanlage sind der historische Südflügel und ein Gewölbekeller erhalten. Auf dem Grundriss
der historischen Schlossanlage wurde 1999 die östliche Scheune umgebaut und restauriert zur „Scheune
Neuhaus-Zentrum für Waldkultur“ (Architekten Alt & Britz, Saarbrücken) und im Westen auf dem historischen
Gewölbekeller in den 50er Jahren des letzten Jh. eine Gastwirtschaft auf dem Grundriss des Nordflügels der
historischen Anlage. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. Im Jahr 2004 wurden der Südflügel und
der Gastromomiebereich grundlegend saniert und teilweise erweitert.
Restaurant
Ökologische Aspekte:
-
-
-
88
Holzhackschnitzelzentralheizung in Verbindung mit Fußbodenheizung im Gastraum, mechanische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, passive Nutzung der Solarenergie durch großflächige Glasfassaden mit hohem Wärmedämmwert, zusätzliche bauliche Wärmedämmmaßnahmen, Einbau neuer
Fenster und Türen im Altbaubereich
großzügige Verwendung von FSC- zertifiziertem Holz aus heimischem Anbau, Verwendung demontierbarer Materialien mit hoher Lebenserwartung und reduzierten Stoffströmen, nachhaltige Instandsetzung
der hist. Bausubstanz unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, Massivbauweise mit hoher Wärmespeicherkapazität
Biologische Kleinkläranlage, wassergebundene Hof- und Umfeldgestaltung
Intensivierung der vorh. Vegetationsflächen, naturnah gestaltetes Umfeld in Waldlage, extensive Dachbegrünung
Ökonomischer Bereich:
-
Einsatz vorgefertigter Bauteile (Stahl und Holz)
Erhalt bestehender Bauteile (Dach über Gastbereich)
Flächensparendes Bauen
Minimierung der Verkehrsflächen
Nutzung von Altbaubestand
Stärkung der lokalen Wirtschaft durch Berücksichtigung von regionalem Handwerk und regionaler Bauweisen, Gewerbe und Dienstleistern durch gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen
Detail Fassade / Sonnenschutz
Holzhackschnitzelzentralheizung
89
Sozialer Bereich:
-
-
Integration in die Umgebung
Touristisches, ökologisches, kulturelles und pädagogisches
Freizeit und Fortbildungsangebot - Zentrum für Waldkultur,
Denkmalschutz
Wiederbelebung eines traditionellen Ausflugsortes (Gastronomie mit Biergarten, Scheune als Veranstaltungszentrum)
Nutzerorientierte Maßnahmen
Barrierefreiheit
Flexible Erweiterung auf der Nutzung der Außenbereiche
optische Verzahnung Innen und Außen
Technische Daten
Grundmauern 16. Jh, letzter Umbau 2004
Grundflächen und Rauminhalt:
HNFa EG:
HNFa OG:
VFa EG:
VFa OG:
NFa gesamt:
HNFa Gastronomieteil:
BRIa Gastronomieteil:
Baukosten gesamt:
334,75 m²
108,39 m²
51,87 m²
37,17 m²
528,72 m²
681 m²
4750 m³
1.700.000,00 €
Verbrauchsdaten:
In den Gebäuden sind viele verschiedene
Nutzer: Private (Restaurant), NABU, Forst
Landesbetrieb. Die Scheune wird zudem an
Private vermietet und muss daher auch im
Winter zeitweise hochgeheizt werden, obwohl
keine Wärmedämmung vorhanden ist. Die
Scheune gehörte nicht zur Baumaßnahme
selbst, wird aber über die neue Hackschnitzelheizung mitbeheizt. Auch sonstige Baukosten
gingen nicht nur auf den Umbau Restaurantbereich, so dass hier Vergleichszahlen mit
anderen Projekten der Planungshilfe weit
differieren würden. Zudem steht das Ensemble unter Denkmalschutz und starke
bauliche Veränderungen, auch ernergetische,
waren nicht möglich.
Ansprechpartner:
Jörg Braun
Landesamt für Bau und Liegenschaften
Hardenbergstraße 6
66119 Saarbrücken
[email protected]
90
Sachsen-Anhalt
Dienstgebäude für das Umweltbundesamt, Dessau
Beispielhafte Umsetzung des BMVBW-Leitfadens „ Nachhaltiges Bauen“
Projekt:
Bauherr:
Projektsteuerung:
Architekt:
Tragwerksplanung:
Technische Gebäudeausrüstung
Heizung / Lüftung:
Sanitär:
Elektro:
Außenanlagen:
Neubau Dienstgebäude Umweltbundesamt in Dessau
BRD vertr. durch Landesbetrieb Bau Sachsen-Anhalt
Bovis Lendlease I`RW AG, Leipzig
Sauerbruch Hutton Architekten, Berlin
Krebs & Kiefer, Berlin
Zibell Willner + Partner, Berlin
ITAD mbH, Dessau
IB Lehr, Dessau
ST raum a, Berlin
91
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Der Neubau des Umweltbundesamtes Dessau ist ein Demonstrativbauvorhaben, das wirkungsvolles ökologisches Bauen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand beispielhaft vorführen soll.
Das Umweltbundesamt dürfte der einzige Bau dieser Größenordnung sein, der nahezu den PassivhausStandard erreicht. Er verfügt über die derzeit größte Erdwärmetauscheranlage der Welt und bezieht 15 %
seiner Energie aus erneuerbaren Quellen. Die zum Einsatz gekommenen Baumaterialien sind nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt worden. Am deutlichsten zeigt dies die ca. 1 km lange Elementfassade,
die aus dem heimischen nachwachsenden Baustoff Holz konstruiert ist, eine zumindest für Deutschland
einzigartige Innovation.
Erdgeschoss
Fassaden
Die Aufgabenstellung für das Umweltbundesamt verlangte zunächst nach einem zeitgemäßen Verwaltungsgebäude für über 800 Beschäftigte mit einer Hauptnutzfläche von ca. 17.350 m², inklusive einem Auditorium,
einer Cafeteria und Räumen für Europas größte Umweltbibliothek. Der Energie- und Stoffeinsatz bei der
Erstellung, der Nutzung und der Beseitigung des Gebäudes sollte möglichst gering gehalten werden. Die
zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch gültige Wärmeschutzverordnung sollte um mindestens 50 % unterboten werden. Auf Grundlage eines Forschungsprojektes an der Technischen Universität Berlin wurden in einem bundesweiten Prüfungs- und Auswahlverfahren durch eine Fachjury insgesamt 6 Bauprojekte prämiert,
die die Kriterien der Nachhaltigkeit der Bundesregierung besonders beispielhaft erfüllen; darunter auch der
Neubau des Dienstgebäudes Umweltbundesamt in Dessau.
92
Ökologische Aspekte:
-
Gebäudehülle nahezu Passivhausstandard
Kompakte Gebäudeform mit Atrium als Wärmepuffer
Vorerwärmung der Zuluft durch Erdwärmetauscher
Minimierte Lüftungswärmeverluste durch hohe Dichtigkeit und Wärmerückgewinnung
Optimierter sommerlicher Wärmeschutz durch Frischluftvorkühlung in den Erdwärmetauschern
Außenliegender Sonnenschutz in der Dreifachverglasung
Nachtkühlung unter Ausnutzung der Primärkonstruktion
Maximierte passive Solarenergienutzung durch flexiblen Sonnenschutz
Thermische Solarkollektoren
Photovoltaikanlage
Optimierte Tageslichtnutzung durch Lichtlenkung
Beleuchtungssteuerung über Bewegungsmelder
Verwendung von Recyclingmaterial (z.B. Zellstoffdämmung) und abbaubaren oder wiederverwendbaren
Baustoffen
Baustoff Holz aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft
Gewässerschonendes verzinntes Kupferblech für Klempnerarbeiten
Gründachsystem
Regenwassernutzung zur Teichbefüllung
Ökonomischer Bereich:
-
Verwendung rationeller und kompakter Bauweisen
Optimierung der Unterhaltungskosten durch Verwendung langlebiger, wartungsarmer Baustoffe
optimierte Grundstücksausnutzung
Nutzung von Altbaubestand
Stärkung der lokalen Wirtschaft durch Berücksichtigung von regionalem/en Handwerk, Gewerbe und
Dienstleistern, gewerkeweise Vergabe von Bauleistungen
Fassadenschnitte
93
Sozialer Bereich:
-
Reurbanisierung und Revitalisierung einer Industriebrache
Tageslichtnutzung
Verwendung ökologischer, baubiologisch unbedenklicher Baustoffe
Gewährleistung eines gesunden Raumklimas
Effektive Schallschutzmaßnahmen
hoher sommerlicher Wärmeschutz
Barrierefreiheit
Grundriss- bzw. Flächenflexibilität
Technische Daten
Bauzeit:
2002-2005 (Neubau)
Grundflächen:
HNFa
BGFa
17.674 m²
39.787 m²
A/V-Verhältnis:
0,33 m
Baukosten gesamt:
je m² HNFa
68.300.000 €
3.932 €
Energiedaten:
Wärmeenergieverbrauch:
m² HNFa
73,1 kWh/a*m² HNFa
Stromverbrauch:
m² HNFa
65,3 kWh/a*m² HNFa
Standort:
Unruhstraße 10
06844 Dessau
Ansprechpartner:
Dr. Holger Ranisch
Landesbetrieb Bau
[email protected]
Forum
94
-1
Quelle:
Broschüre: umweltbundesamt dessau
Thüringen
Staatliches Umweltamt Sondershausen
Modernisierung und Erweiterung des Dienstgebäudes zum
Energie-Sparhaus
Projekt:
Umbau, Erweiterung und Sanierung „Staatliches Umweltamt Sondershausen“
Bauherr / Projektsteuerung:
Freistaat Thüringen, Staatsbauamt Erfurt
Architekt / Wärmeschutz:
SolarPlan GmbH, Wachstedt
Tragwerksplanung:
Leonhardt, Andrä und Partner
Fachplaner Gebäude- / Energietechnik:
SolarPlan GmbH, Wachstedt
Elektrotechnik:
Ing.-Büro für Techn. Ausrüstung Günter Freund
Ing. Bauwerke, Verkehrsanlagen:
Büro für Infrastruktur Joachim Bense
Ansicht vor der Sanierung
Ansicht nach der Sanierung
Grundriss Erdgeschoss
95
Allgemeine kurze Projektbeschreibung
Das 1963 errichtete Dienstgebäude des Umweltamtes in Sondershausen wurde 2004 umfassend modernisiert. Dabei zeigt sich, dass Modernisierung im Bestand (95 %) ökologisch und ökonomisch ist.
Hervorzuheben sind der optimale Wärmeschutz, die stark verringerten Lüftungswärmeverluste und die Bauteilaktivierung mit Kapillarrohren in allen Geschossdecken. Die in den Putz- bzw. Betonflächen integrierten
Rohrsysteme gewährleisten eine extreme Oberflächentemperaturangleichung (tt ca. 2 K über / unter
Raumtemperatur).
Auf den aufzufüllenden Grundstücksflächen wurden Rohre für den Erdkollektor untergebracht, die restlichen
Rohrkreise wurden in Erdgräben verlegt. Der Erdkollektor mit 4.000 m Rohrleitung (1.200 m² Fläche) konnte
mit einem niedrigen Aufwand (15.000 €) erstellt werden. 100 m Erdsonden vervollständigen die Wärmebzw. Kältequelle und gewährleisten auch eine beispielhafte, kostenminimierte Rechnerraumkühlung
(Schachtkühlung mit Kapillarrohrsystem).
Der vorhandene Gaskessel, mit 500 kW Leistung konnte durch eine Wärmepumpe mit 16 kW elektrischer
bzw. 60 kW thermischer Leistung ersetzt werden. 280 t CO2-Reduktion!
An der Südostseite wurden oberhalb der Fensterbänder Photovoltaikpaneele (3 x 26 x 0,88 = 69 m², ca. 8,3
kWp, 22° Neig.) angeordnet, die ökologischen Strom liefern und gleichzeitig Sonnen- und Überhitzungsschutz im Sommer gewähren. Das in einer Zisterne gesammelte Regenwasser wird für Feuerlösch-, Reinigungszwecke und zur Toilettenspülung eingesetzt.
Ökologische Aspekte:
96
kompakte Bauweise mit hoher Bauteilspeichermasse
hoher Wärmedämmstandard mit geringen Wärmebrücken und Luftleckagen
Minimierung der Lüftungswärmeverluste durch ~ 85 % Wärmerückgewinnungsgrad
effiziente Nutzung der vorhandenen Bausubstanz
Verwendung naturnaher örtlicher Baustoffe
Regenwassernutzung zur Toilettenspülung und Urinalspülung, zu Reinigungszwecken und als Löschwasserreserve
versickerungsfähige Verkehrsflächen
Verwendung wassersparender Armaturen und Geräte
naturnah gestaltete Freiflächen
Dachbegrünung
Innenbegrünung als biologische Klimatisierung
Ökonomischer Bereich:
-
Weiterverwendung der vorhandenen, kompakten Bauweise (Plattenbau), Nutzung von 95 % des Altbaubestandes
Verwendung der eingesparten Abbruch-, Rohbau- und weiterer Baukosten für eine effiziente Energietechnik
Die Energietechnik garantiert niedrigste Energie- und Betriebskosten
optimierte Grundstücksausnutzung und Minimierung der Verkehrsflächen
thermoaktives Deckenbauteil zum Heizen und
Kühlen im Neubau
Deckenstrahlfläche für Heizen und Kühlen
bei Modernisierung
Umwelt-Energie total in kWh therm. pro Jahr
WP-Strom total in kWh el pro Jahr
kWh
12.000
8.000
Um w elt-Ener gie
zum Heizen
Um w elt-Ener gie
zum Heizen
4.000
Um w elt-Ener gie
zum Kühlen
WP-Str om
0
01
02
03
04
05
06
07
08
WP-Str om
09
10
11
12
Monat
97
Technische Daten
Wettbewerb:
Bauzeit:
Fertigstellung:
November 1999
22 Monate
Dezember 2004
Grundflächen und Rauminhalt:
Gebäude 01
HNFa
NFa
VFa
BRIa
A/V-Verhältnis
Baukosten gesamt
je m² HNFa
je m² NFa
und je m³ BRIa
Sozialer Bereich:
98
städtebauliche Aufwertung durch Bestandssanierung
Tageslichtnutzung
Verwendung unbedenklicher Baustoffe
gesundes Raumklima durch Lüftungsanlagen und Innenbegrünung
sommerlicher Wärmeschutz durch PV-Sonnenschutz und
thermoaktive Kühlung
Barrierefreiheit u. a. durch neue Aufzugsanlage
Grundriss- bzw. Flächenflexibilität
Gebäude 02
1.558 m²
1.776 m²
709 m²
11.246 m³
-1
0,347 m
529 m²
529 m²
122 m²
3.705 m³
-1
0,440 m
4.000.000 €
1.916 €
1.735 €
268 €
Energiedaten:
Wärmeverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
38.199 kWh/a
18,3 kWh/a*m² HNFa
16,6 kWh/a*m² NFa
Wasserverbrauch:
m² HNFa
m² NFa
280 m³/a
0,134 m³/a*m² HNFa
0,122 m³/a*m² NFa
Stromverbrauch:
160.619 kWh
m² HNFa
76,95 kWh/a*m² HNFa
m² NFa
69,66 kWh/a*m² NFa
Photovoltaik (Einspeisung 2005)
3.931 kWh
Standort:
Am Petersenschacht 3, Sondershausen
Ansprechpartner:
Staatsbauamt Erfurt, Europaplatz 3, 99091 Erfurt
Tel.: 0361 / 3781-400
Fotos:
SolarPlan GmbH, Wachstedt
Impressum
Projekt
Herausgeber
Beispiele nachhaltigen Bauens im staatlichen Hochbau
Bauministerkonferenz
Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen
zuständigen Minister und Senatoren der Länder (ARGEBAU)
Fachkommission Bau- und Kostenplanung
des Ausschusses für staatlichen Hochbau der Bauministerkonferenz
Vorsitzender: Dr. Martin Gerth
Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Bearbeitung
Jörg Braun
.
Landesamt für Bau und Liegenschaften, Saarbrücken
Michaela Geisler,
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Hamburg
Frans Mulders
Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des
Landes Nordrhein-Westfalen, Aachen
Hermann Müller
Ministerium der Finanzen des Landes Rheinland-Pfalz
Wolfgang Peter
Hessisches Baumanagement
Wolfgang Schröder
Oberfinanzdirektion Hannover
Ingrid Teichert-Zürn
Finanzministerium Baden-Württemberg
© Aachen 2006
99
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