Die Republik Bosnien und Herzegowina wurde im April 1992 von

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Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Master Thesis zum Lehrgang Universitären Charakters
„Interkulturalität und Kommunikation“
von: Lidija Lukic
Hirschengasse 21/20
1060 Wien
Betreuer: a.o. Prof. Dr. Gero Fischer
Datum der Einreichung: 16. August 2010
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte von Bosnien-Herzegowina
2.1 Bosnien-Herzegowina vor dem Ersten Weltkrieg
2.2 Bosnien-Herzegowina nach dem Ersten Weltkrieg
2.3 Bosnien-Herzegowina innerhalb der SFR Jugoslawien von 1945 bis 1989
2.4 Zerfall der SFR Jugoslawien
2.5 Krieg in Bosnien-Herzegowina
2.6 Der Vertrag von Dayton
2.7 Die Nachkriegszeit in Bosnien-Herzegowina von 1995 bis heute
3. Der Konflikt in Bosnien-Herzegowina
3.1 Konflikte allgemein
3.1.1 Soziale Konflikte
3.1.2 Inhaltskonflikte
3.1.3 Konfliktformen
3.2 Konfliktursachen in Bosnien-Herzegowina
3.3 Nachkriegskonfliktsursachen
4. Lösungsansätze der Konflikte
4.1 Die bisherigen Versuche zur Konfliktlösung
4.2 Warum kommt es nicht zu einer Lösung der Konflikte?
4.3 Mögliche Konfliktlösungen
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Abbildungsnachweise
Abb. 1: www.wieninternational.at/de/node/11972
Abb. 2: www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208303/default.aspx
Abb. 3: www.bosnien-herzegowina.info/poltik.htm
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
1. EINLEITUNG
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel den Konflikt, die Konfliktursachen und
mögliche Lösungsansätzen zwischen den Volksethnien in Bosnien - Herzegowina
darzustellen. Der Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien
(SFRJ) 1992 hatte nicht zu einer demokratischen Republik und einer friedvollen
Lösung der Konflikte in Bosnien - Herzegowina geführt, sondern zu einem
Burgerkrieg und einem immer noch existierenden Spannungsfeld im Land. Die
Entwicklung von Bosnien - Herzegowina und seiner Staatlichkeit wurde und wird
stark durch den Einfluss der Ethnopolitik, der Politik der Nahbarländer und der
nationalistische Dynamik geprägt.
Konflikte sind ein Bestandteil unseres Zusammenlebens. Aus einem Konflikt
entwickelt sich eine Konfliktdynamik, die eine friedliche, konstruktive und gewaltfreie
Lösung bringen kann. Aus Untersuchungen zum menschlichen Verhalten in
Konfliktsituationen hat sich rausgestellt, dass jede involvierte Partei die Einstellung
und das Ziel hat, den Verlust des Gegners zu erreichen. Jede Partei versucht daher
die Schuld auf den anderen zu schieben (Braun et al., 2004, S.261-293).
Die Geschichte von Bosnien und Herzegowina im 20. Jahrhundert ist ein Bespiel für
Konflikte als Ergebnisse des Ethnonationalismus. Der Ethnonationalismus wurde als
Instrument von den drei damals führenden politischen Parteien zur Erlangung und
Festigung ihrer Macht zu Beginn der 90er Jahre im Namen der eigene Ethnien bzw.
der Nation eingesetzt. Der starke Einfluss der Parteien erzeugte Fremdfeindlichkeit,
Aggression und Hass gegenüber Menschen andere kulturelle Herkunft, Religion und
Sprache (Dzihic, 2009, S.16). Die Streitgegenstände der beteiligten Parteien
ermöglichten die Übertragung und Identifizierung des eigenen Interesses an
einzelnen Menschen als Individuen. Jede Partei hat sich auf das historische und
religiöse Erbe oder die Herrschaftsverhältnisse frühere Generationen berufen. Für
die Steigerung der Selbstwertgefühle, zu eigenen Verwirklichung, als
Statusaufwertung und als Legitimation identifizierte sich jeder ethnischer Gruppe mit
einem territorialen Gebiet. Die politischen Führungen übernahmen die
nationalistische Manipulation durch die Medien und verbreitete Massenangst. Eine
Folge davon waren große Migrationbewegungen der einzelnen ethnischen Gruppen
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
um einen politisch-territoriale Zusammenhalt zu schaffen. Diese ethnische
Homogenisierung erfolge nicht immer freiwillig, sondern wurde durch eine massive
Verfolgungs- und Vertreibungspolitik erzwungen. Viele Menschen suchten daher
verstärkt nach Sicherheit und Zugehörigkeit zu ihrer eigenen ethnischen Gruppe auf
Basis ihrer nationalen Identität, Religion, Sprache und Land. Die Identifikation der
Menschen mit den Interessen der Partei beschleunigte den gewaltsamen Beginn des
ethnischen Konfliktes (Giersch, 1998, S.50).
Im Namen der Nation und der Ethnopolitik haben die Interessen der nationalistischen
Eliten in Bosnien und Herzegowina zur Erreichung und Absicherung eigene
Machtposition, Herrschaft und Kapital zwischen 1991-1995 fast 300.000
Menschenleben gekostet (Holbrook, 1998, S.9). Heute, im Zeitalter der
Globalisierung und 15 Jahre nach Beendigung des Krieges, ist Bosnien Herzegowina weiterhin ein Land in der Krise. Der Krieg produzierte, verlängerte und
vertiefte neue Streitigkeiten und Konflikte zwischen den herrschenden Parteien. Die
herrschenden Parteien haben noch kein Interesse gezeigt eine einheitliche Politik zu
betreiben, die ethnische Zugehörigkeit hat weiterhin einen starken Einfluss und
verhindert die Entstehung eines demokratischen, modernen und europäischen
Staates und ein Wiederaufbau der Wirtschaft.
Hintergründe der Arbeit
Die Suche nach den Ursachen eines Konfliktes kann dazu beitragen, die
entstandene Konflikt-Dynamik und das menschliche Verhalten besser zu verstehen
und friedliche, konstruktive und gewaltfreie Lösungen zu finden. Weiters ist die
Suche nach den wahren Gründen des Konfliktes in meiner ehemaligen Heimat
Bosnien - Herzegowina gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit mir selbst, mit
meinen Wurzeln und meiner Verbindung zu Bosnien - Herzegowina und ermöglicht
mir einen neuen Umgang mit meinen Gefühlen, Erinnerungen und dem Krieg.
Forschungsfrage
Was sind die Ursachen der Konflikte zwischen den Ethnien in Bosnien und
Herzegowina in den letzten 20 Jahren und warum kommt es zu keine Lösung?
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Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Kapiteln. Das erste Kapitel stellt den
geschichtliche Werdegang von Bosnien - Herzegowinas vor Ersten Weltkrieg bis
heute dar, sowie den Ethnonationalismus, die Ethnopolitik und ihre Folgen.
Das zweite Kapitel stellt systematisch die Problematik und theoretischen Ansätze von
Konfliktursachen und Konflikten im Allgemeinen und für Bosnien - Herzegowina im
speziellen dar. In diesem Teil wird versucht eine Annährung an die Komplexität der
Konflikte zu erläutern.
Der dritte Teil beschreibt die bisherigen Lösungsversuche und versucht Antwort zu
finden, warum es bisher noch nicht zur Lösung der Konflikte gekommen ist.
Methode
Die Datengrundlage dieser Arbeit bildet eine Literaturrecherche der Fachliteratur und
des Internets zu den Themen (Geschichte des Landes, Konflikt und Konfliktursachen
und Lösungsansätze). Die Methode der Masther-Thesis wird unter dem
Hermeneutischen Zirkel bearbeitet.
2. GESCHICHTE VON BOSNIEN-HERZEGOWINA
Die Republik Bosnien-Herzegowina wurde im April 1992 gegründet und von den
Staaten der Europäischen Gemeinschaft und den USA als unabhängiger Staat
anerkannt. Der Prozess der Entstehung Bosnien - Herzegowinas auf der
Balkanhalbinsel hatte jedoch schon viel früher begonnen. Es hat sich als ein
Territorium herausgebildet, in dem sich die Einflüsse und Interesse aus dem Osten,
Westen, Norden und Süden gekreuzt haben.
Abb. 1: Landkarte vom Bosnien heutige.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
2.1 Bosnien–Herzegowina vor dem Ersten Weltkrieg
Nach dem Ankommen von den Illyren, den frühesten Bewohnern des heutigen
Bosniens, haben sich die Großreligionen und Großimperien der damaligen
europäischen Herschafft hier überlappt und vermischt: die Herschafft der Römer, Karl
der Große, die Banschaften im Mittelalter, die Herscher des Osmanischen Reiches
und Österreich-Ungarn (Malcom, 1996, S.12). Die Geschichte Bosnien Herzegowinas ist daher sehr komplex und auch nicht genau erforscht.
Im Zuge der Recherchen über die Geschichte von Bosnien – Herzegowina habe ich
verschieden Interpretationen von verschiedenen Autoren gefunden, besonderes über
die Entstehung der nationalen Identitäten und der Rolle der Religion. Je nach dem
wurde die Geschichte aus primär kroatischer, serbischer oder bosnischer Sicht
betrachtet. Es gibt nicht ein gemeinsames und einheitliches Wissen über die eigene
Vergangenheit, so dass es nicht leicht ist zwischen den verschiedenen
Interpretationen, historischen Tatsachen und Propaganda zu unterscheiden. Nach
Malcom (1996) sind die westlichen Medien in den letzten Jahren stark geprägt von
historischen Fehlinformationen und überfüllt von nationalen und politischen Mythen.
Zum Beispiel ein Mythos (aus kroatischer Sicht) versucht zu beweisen, dass die
Bosnier, genauer die Muslime, eigentlich Kroaten seien. Die Serben versucht
hingegen zu beweisen, dass die bosnischen Muslime eigentlich Serben sind. Aus
dem Zweiten Weltkrieg hat die kroatische Propaganda alle nationalistischen
serbischen Führer als „Tschetniks“ bezeichnet, genannt nach dem Führer Tschetniks
im Zweiten Weltkrieg und versucht alle anderen als Volksmörder darzustellen. Die
serbische Propaganda hat die kroatischen Nationalisten als „Ustascha“ bezeichnet,
genannt nach dem Führer Ustascha und auch als Mörder dargestellt. Die
muslimische SS Divisionen im Zweiten Weltkrieg werden entweder als Nazis oder als
Fundamentalisten bezeichnet. Der größte Mythos von einem ausländischen Führer,
John Major, ist die Behauptung, dass der Krieg in Bosnien – Herzegowina ein
Ausdruck einer „uralten ethnischen Feindschaft“ sei, die ganz von sich selber
ausgebrochen ist. Es wurde so dargestellt, dass Hass und Feindlichkeit immer da
gewesen sind, und dass der Balkan immer eine tickende Bombe war.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Die Feindlichkeiten in der Vergangenheit hat es zwar gegeben, sie sind aber nicht
Resultat der ethnischen oder religiösen Gegebenheiten gewesen, sondern
wirtschaftlicher Natur. Die Benachteiligung und Abhängigkeit der hauptsächlich
christlichen Bauern gegenüber muslimischen Heeren während der osmanischen
Herschafft hat sich verändert, als sich die wirtschaftlichen Gegebenheiten änderten.
Unter dem politischen Druck im 19. Jahrhundert hat sich durch die Haltung zum
Landbesitzt geändert. Die großen Reformen und die administrative Einteilung des
Landes wurden eingeführt um die Willkür der Lokalherrscher und Großgrundbesitzer
zu unterbinden. Nach dem Bauernaufständen, die mit großer Brutalität
niedergeschlagen wurden, erregte die großen Publizität die westliche Öffentlichkeit
und diese veranlasste, dass beim Berliner Kongress 1878 die Österreich-Ungarische
Diplomatie betonte, das die Zentrale im Istanbul nicht in der Lage sein, für Recht und
Ordnung und der Durchführung von Reformen in Bosnien zu sorgen, so dass die
Stabilität in Europa gefährdet ist. Unterstützt von anderen Großmächten in Europa
wurde, obwohl das Land nominell bis zu Annexion 1908 unter der Oberhoheit des
Osmanischen Herschafft blieb, die Österreich-Ungarische Monarchie ermächtigt
Bosnien-Herzegowina zu besetzten und zu verwalten. Die Verwaltung unter der
Doppelmonarchie geschah im Zeichen einer politischen äußeren und inneren
Problemlage.
2.2 Bosnien-Herzegowina nach dem Ersten Weltkrieg
Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Benjamin Kallay Finanzminister und
Diplomat in der K. und K. Donaumonarchie in Bosnien tätig. Sein Projekt in Bosnien
war das Land und die Bosnienpolitik vor den nationalistischen Bewegungen in
Serbien und Kroatien zu bewahren und eine eigene bosnische Nationalität zu
entwickeln. In dieser Zeit haben die Türken ganze Bevölkerungen als „Bosnaklar“,
oder Bosnier, bezeichnet. Mit diesem Wort haben sie sich nur als bosnische Muslime
identifiziert. Die Katholiken nannten sich „Krscani“, oder Christen, und die
Orthodoxen als Vlasi „Hriscani“. Zu dieser Zeit hat sich in Kroatien und Serbien eine
neue Vorstellung von Nationalität nach Bosnien ausgedehnt und verbreitet. Mit
Kriterien wie Sprache, Geschichte und Religion, verbreitet durch Priester, Lehrer und
gebildete Leute, hat sich der Begriff der „Nation“ in Kroatien und Serbien etabliert.
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Lidija Lukic
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Kallayas Projekt „Bosnjak“ ist gescheitert weil es ihm nicht gelungen ist, Bosnien
völlig von den politischen, kulturellen und religiösen Einflüssen von den
Nachbarnländern zu isolieren und den Begriff der Nationalität von den Religionen zu
„unterscheiden“ (Malcom,1996, S.177).
Nach der Annexion Bosniens 1908 durch die Österreich-Ungarische Monarchie gab
es große Veränderungen in den politischen und Verwaltungsangelegenheiten zur
Einbindung des Landes in die Doppelmonarchie. Bosnien wurde eingegliedert in die
gemeinsame Zollunion der Monarchie und die türkische Währung wurde abgeschafft
und eine neue Währung wurde eingeführt. Die gesamte Verwaltung wurde
substantiell anders organisiert. Die neue Regierung brachte Maßnahmen ein, die in
gesellschaftlicher und politischer Hinsicht wenig hilfreich waren. Der einzige Vorteil
war nach der Konstituierung des bosnischen Landtags die fakultative
Verabschiedung des feudalen Gesetzes über die Kmetenablösung (für die ärmste
Schicht der Bevölkerung; 74 % der Kmeten waren Orthodoxen, 21,4 % Katholiken).
Der schnelle und enorme Fortschritt war die technisch-industrielle Entwicklung der
Infrastruktur durch das eigene Interesse an Rohstoffen. Die Bildungspolitik und der
wissenschaftlich-kulturelle Bereich waren von wichtiger Bedeutung. Das öffentliche
Schulsystem wurde gefördert. Die Kartographie der besetzten Gebiete war für die
Suche nach Bodenschätzen mit geologischen Untersuchungen verknüpft. Die
Religionspolitik, obwohl ursprünglich eine sehr tolerante, war stark durch das
christliche Bild geprägt. Weil Serbien Interesse an Bosnien hatte und durch die
Annexion angeregt, verbreitete sich der serbische Nationalismus unter der
orthodoxen bosnischen Bevölkerung. Die politische Radikalisierung der Jugend
(Studenten und Schüler) begünstigte die national revolutionäre Bewegung „Mlada
Bosna“ (Jungbosnien) und das Attentat auf Franz Ferdinand durch Gavrilo Prinzip
(ein Mitglied dieser Organisation). Der politische „Jugoslawismus“ beruhte auf der
Idee der nationalen Einheit, bzw. dass Serben, Kroaten und Slowenen eine einzige
jugoslawische Nation bilden. Der Anschlag im Sarajevo im Juli 1914 hatte daher
mehr einen revolutionären Charakter im Kampf gegen die Fremdherrschaft
(Imamovic, 2007, S.83-84).
Dadurch, dass der Hauptattentäter Gavrilo Prinzip ein bosnischer Orthodoxe war, in
Serbien studierte und sich dort die Waffen besorgt hatte, brachen antiserbische
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Lidija Lukic
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Demonstrationen in Bosnien aus. Die Theorie, dass die serbische Regierung das
Attentat geplant hat, hat sich aber als unkorrekt gezeigt. Selbst die ÖsterreichischUngarische Monarchie gab Serbien nie direkte die Verantwortung für die Mordtat.
Einen Monat nach dem Attentat gab Österreich-Ungarn Serbien ein Ultimatum,
indem es von der Regierung verlangte, alle Maßnahmen zur Unterdrückung von
verbrecherischem Treiben gegen die Monarchie zu unternehmen. Von zehn
Forderungen akzeptierte Serbien alle bis auf eine und zwar die Anwesenheit von
österreichisch-ungarischen Untersuchungsbeamten oder Polizisten zu
Nachforschung des Attentates auf serbischem Territorium. Dieser Punkt war
ausreichender für alle, die einen Krieg wollten. Das bezieht sich auf Regierungen von
Österreich-Ungarn und auch vor allem von Berlin. Deutschland hatte großes
Interesse der wachsenden Macht Russlands (als Schutzmacht Serbiens)
entgegenzusetzen. Ohne das deutsche Drängen und die Unterstützung von
Österreich-Ungarn wäre das Attentat alleine nicht genügender Anlass für den Ersten
Weltkrieg gewesen (Malcom, 1996, S.185).
Während des Krieges wuchs die Idee über die Vereinigung alle Länder in der
Monarchie und einer Gleichstellung von Slowenen, Serben und Kroaten. 1918
proklamierte der Nationalrat die Einigung der jugoslawischen Völker in einem
unabhängigen Staat und erklärte, dass ein neuer souveräner Staat aus Slowenen,
Kroaten und Serben existierte. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie herrschte
in Bosnien eine allgemeine Anarchie und es bildeten sich mehrere Partein. Die
stärkste Partei war die Jugoslawisch-muslimische Organisation unter der Führung
von Mehmed Spaho. Ihm ist es durch einen Kompromiss mit den zentralistischen
serbischen Parteien bei der administrativ-territorialen Einteilung der neugegründeten
Staaten der Serben, Kroaten und Slowenen in Verwaltungsgebiete gelungen,
Bosnien-Herzegowina als eine Einheit mit seinen bisherigen Grenzen zu behalten.
Damit befand er sich im langen Kampf zwischen dem serbischen Zentralismus und
dem kroatischem Regionalismus. 1929 setzte König Alexander die Verfassung außer
Kraft und schaffte ein zentralistisches System, indem er das bisherige Königreich von
Serben, Kroaten und Slowenen durch den einheitlichen Name „Jugoslawien“
ersetzte. Die Kroaten und Muslimen hielten diesen Akt als Verwirklichung der
serbischen Träume. Bosnien-Herzegowina wurde in vier Banate gegliedert, in denen
die bosnische Muslime eine Minderheit waren. Nach dem Ermordung König
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Alexander 1934, bildete sich eine neue Regierung und Macek-Cvetkovic übernahm
als Minderjähriger die Thronfolge. Die neue Regierung folgte ausschließlich den
Interessen der kroatischen und serbischen Mehrheit in der Umorganisierung
Jugoslawiens ohne Berücksichtigung der Muslime (Imamovic, 2007, S.86). 1939
begann der Zweite Weltkrieg und Jugoslawien kapitulierte am 6. April 1941. Die
Regierung floh aus dem Land und etablierte sich im London (Banac, 2007, S.165).
Am 10. April 1941, als die Deutschen in die Zagreb einmarschierten, proklamierte
Slavko Kvaternik den neuen Staat „Unabhängiger Staat Kroatien“ (oder NDH) dem
ganz Bosnien angehörte. Der neue Staat war eigentlich nicht unabhängig sondern
verteilte sich auf die deutsche und italienische Zone. Unter der Führung von Ante
Pavelic und seiner Usatscha-Bewegung, die mit den Deutschen und Italienern
kooperierte, betrieb er eine Politik gegen die Juden und Serben. Sie proklamierten
drei Gesetze zu Angehörigkeit des kroatischen Volkes, zum Schutz des arischen
Blutes und der Ehre des kroatischen Volkes, über die Staatsangehörigkeit und über
die Rassenzugehörigkeit. Danach verfolgten Terror und Massenmorde der Juden
und Serben durch die Ustascha Fanatiker (Hory & Broszat, 1964, S.89-91).
Zu gleichen Zeit bildeten sich zwei Hauptgruppen des Widerstandes in Jugoslawien
die eine Kapitulation abgelehnten. Die eine war die Tschetnik-Bewegung unter der
Führung von Draza Mihailovic. Den Kern diese Bewegung bildeten serbische
Offiziere der zerschlagenen jugoslawischen Armee. Zurzeit des Königreichs
Jugoslawien bewegte sich die Tschetniken in der radikalen nationalistischen
Bewegung. Einige ihrer Ziele waren der Schutz der serbischen Bevölkerung vor
einem Ustascha-Massaker, die Errichtung eines Großjugoslawiens und ein ethnisch
reines Großserbien das auch Bosnien umfasste. Die Hauptschuld an der Niederlage
von Jugoslawien und an der Ermordung des serbischen Volkes gaben sie den
Kroaten, Muslimen und Volksdeutschen.
Die zweite Gruppe waren die kommunistischen Partisanen unter der Führung von
Josip Broz Tito. Sie waren gut organisiert, kampfbereit und auch für illegale Arbeit
bereit. Die Kommunistische Partei Jugoslawien (KPJ) rief zum Aufstand und
versprach eine bessere staatliche Ordnung, Demokratie und gerechte
zwischennationale Beziehungen. Sie führten am Anfang ein Guerillakrieg und bis
zum Ende des Krieges schlossen sich den Partisanen ein Großteil der Bevölkerung
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alle Nationen an. Die Ustascha und Tschetniks Bewegungen hatten sich durch ihre
eigene Politik des Genozids und des Terrors zu den Verlierern gestellt. Am 6. April
1945 befreiten die Partisanen Sarajevo und nach einigen Wochen ganzen Bosnien.
Eine kommunistische Volksregierung wurde gegründet (Goldstein, 2007, S.176-184).
2.3 Bosnien-Herzegowina innerhalb der SFR Jugoslawien von 1945 bis 1989
Bei der Grundversammlung während des Zweiten Weltkrieges wurde das
sozialistische Jugoslawien bei der zweiten Sitzung des „Antifaschistischen Rates der
Volksbefreiung„ (AVNOJ) am 29. November 1943 konstituiert. Hier wurde die
Wiederherstellung Jugoslawiens als Föderation beschlossen. Sie besteht aus sechs
Republiken und zwei autonome Gebieten. Die meisten Grenzen waren historisch
1918 legitimiert. Bosnien-Herzegowina wurde als eine gleichberechtigte föderale
Einheit konstituiert. Jeder Republik bildete eine Nation mit einem Territorium außer
Bosnien-Herzegowina. Beim ersten Parteitag nach dem Kriegsende wurde erklärt,
dass die Sozialistische Republik Bosnien-Herzegowina Bosnien nicht zwischen den
Serbien und Kroatien aufgeteilt werden kann, weil auf dem gesamten Territorium
auch Muslime leben, die sich national noch nicht entschieden haben. Obwohl
Bosnien als Republik der gleichberechtigten Völker definiert wurde, konnten sich nur
die Serben und Kroaten in Bosnien- Herzigivina auch als solche bezeichnen. Die
Muslime hatten drei Möglichkeiten: Sie konnten sich als Muslimische-Serben,
Muslimische-Kroaten oder als unentschieden Muslime bezeichnen. Erst in den
sechziger Jahren sind die Muslime auch als eine eigene Nation in Jugoslawien
anerkannt worden. Durch die Anerkennung der Muslime als Nation, hat die
kommunistische Partei damit gerechnet, dass sich die muslimische Identität nicht zu
einer religiösen Identität entwickelt (Höpken, 1993, S.194). Bis heute behaupten die
serbischen und kroatischen Nationalisten, dass die Muslime eigentlich ethnische
Kroaten oder Serben sind und glauben, dass Bosnien als Land nur aus der
osmanischen Zeit oder der österreichisch-ungarischen Kolonialzeit stammt.
Bis zur Miete der sechziger Jahre hat sich das sozialistische Gesellschaftsmodell
konsolidiert. Nach 1945 kam es sehr schnell zur Verstaatlichung der Wirtschaft in
ganz Jugoslawien. In der Agrarpolitik wurden kleine Parzellen an die Bevölkerung
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Konflikt in Bosnien-Herzegowina
verteilt. Bosnien gehörte in den sechziger und siebziger Jahre zu den niedrigsten
entwickelten jugoslawischen Ländern. Erst in den achtziger Jahren, wegen den
Olympischen Spielen in Sarajevo, wurden große Projekte für die Entwicklung
umgesetzt (Steindorfer, 2007, S.197). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam
es zu massiven Abrechnungen mit den politischen Gegnern und kommunistischen
Nachkriegsverbrechen. In den siebziger und frühen achtziger Jahren hatte
Jugoslawien viele Probleme mit Emigranten und Antikommunisten die versucht
haben, die nationalistischen Gefühle wieder zu wecken. In Kroatien verurteilte man
Franjo Tudjman, den späteren Präsident Kroatiens, zu einer Gefängnisstrafe. In
Bosnien versuchten die Behörden weiter die offizielle kommunistische Politik zu
folgen und unternahmen Maßnahmen gegen die nationalistischen Aktivisten. Der
bekannteste Fall war ein Prozess 1983, indem 13 Männer wegen Feindseligkeit und
kontra revolutionären Handlungen aus muslimisch nationalistischen Gründen verklagt
wurden. Der Hauptangeklagte war Alija Izetbegovic, später Präsident BosnienHerzegowinas, der die islamische Deklaration geschrieben hatte. Der wurde
beschuldigt, dass er die Schaffung eines ethnisch sauberen muslimischen Staates
und die Gründung einer terroristischen Organisationen in Bosnien zum Ziel hatte
(Zulfikarpasic, 2007, S.240-249).
In den siebziger Jahren brach die Erdölkrise aus. Diese verursachte große
wirtschaftliche Schwierigkeiten in Jugoslawien. Anstatt darauf zu reagieren und sich
an die weltwirtschaftlichen Veränderungen anzupassen, wirtschaftete die
jugoslawische Führung aus politischen Gründen weiter wie bisher. Das fehlende
Geld in der eigenen Kasse wurde mit ausländischen Krediten gedeckt. Als Tito 1980
starb war Jugoslawien im Ausland mit 15 Mrd. Dollar verschuldet. Nach seinem Tod
hatte die nachfolgende Führung die Möglichkeit wirtschaftliche Reformen zu
unternehmen. Es herrschte aber eine reformfeindliche Tendenz. Der größte Gegner
der Reformen war die Führung in der jugoslawischen Armee die dafür sorgte, dass
die oberste jugoslawische Führung eine strenge Linie verfolgte. Die Armee war nicht
nur militärisches, sondern auch politisch und wirtschaftlich ein entscheidender Faktor.
In Bosnien ist es wegen Betrug und der schwachen Wirtschaft zum Zusammenbruch
mehreren größten Untenehmen gekommen. Es kam zu Massendemonstrationen in
ganzem Jugoslawien. Der Staat brauchte neue Kredite aber der internationale
Währungsfonds wollte diese ohne marktwirtschaftliche Reformen nicht geben,
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Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Jugoslawien drohte ein Staatsbankrot. Als der reformorientierte Ante Markovic an die
Macht kam war es bereits zu spät. Parallel hat sich eine Separierung der politischen
Machtstrukturen zwischen den Republiken entwickelt und eine politische nationale
Entwicklung war schon festgelegt (Meier, 2007, S.204-209). Die ökonomische Krise
war eine von möglichen Gründen die zum Zerfall Jugoslawiens führten, sie hatte aber
einen starken Einfluss der die nationalistische Propaganda begünstigt (Calic, 1996,
S.84).
2.4 Zerfall der SFR Jugoslawien
Abb. 2: Landkarte von Jugoslawien mit den einzelnen Republiken (Stand 1990).
Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien hat mit der internationalen
Anerkennung Sloweniens und Kroatiens im Jänner 1992 formal aufgehört zum
existieren. Als Ursachen für den Zerfall von Jugoslawien kann man verschiedene
Ursachen nennen:
1. Die ökonomische Krise
2. Der sogenannte „uralte ethnische Hass“ zwischen den jugoslawischen Völkern
3. Die kulturellen Unterschiede zwischen den jugoslawischen Völkern
4. Veränderungen in der internationalen Politik
5. Die Rolle von verschiedene Personen bei der Zerstörung Jugoslawiens
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Konflikt in Bosnien-Herzegowina
6. Strukturelle und institutionelle Gründe
7. Der Nationalismus
Die ökonomische Krise in Jugoslawien hat den Zerfall Jugoslawiens sicher
begünstigt, war aber nicht die entscheidende Ursache. Heute wird die ökonomische
Stabilität stark mit der Entwicklung politischer System und der Staaten verbunden.
Das ökonomische und politische System wird heute in einer untrennbaren
Verbindung gesehen.
Jugoslawien war in den achtziger Jahren ein hochverschuldete Land und konnte
keine neuen Kredite mehr bekommen, was einige unzufrieden gemacht hat. Tito hat
davor mit Fremdkrediten die soziale Stabilität gekauft, von der die politische Elite
sowie die Bevölkerung profitierten. Nach seinem Tod musste die politische Elite
einen neuen Weg finden um alle zufrieden zu stellen. In dem sozialistischen
Jugoslawien war die Verteilung der Güter aber viel wichtiger. Der Sozialismus hat
Egalität und Gleichheit für alle versprochen und war mit der Idee der ökonomischen
Demokratie gegründet. Politische Gleichheit war nicht möglich, solange es
Unterschiede in ökonomischen und sozialen Bereich gab. Nach dem Tod Titos hat
jede Republik für sich begründete und unbegründete Argumente für eine neue
Verteilung im Land gefunden, um sich vernachlässig zu fühlen (nur Slowenien hatte
sein Wirtschaftswachstum von 1953 um 200% in 1989 erhöht). Die internationalen
und amerikanischen Politiker haben gedacht, dass die große finanzielle Hilfe den
Krieg verhindern kann und sie hatten diese auch Tudjman und Milosevic angeboten.
Beide haben es jedoch abgelehnt. Milosevic wurde Präsident, im Moment als die
Inflation einen Rekord erreicht hatte. Erst in den neunziger Jahren unter Prämier
Ante Markovic war Jugoslawien auf dem Weg aus der Krise. Innerhalb von kurzer
Zeit ist die Inflation von 56 % auf 17,3 % gesunken und das durchschnittliche Gehalt
war so hoch, dass es bis heute nicht mehr erreicht wurde. Trotzdem entschieden sich
die politische Elite und die Bürger für den Krieg (Jovic, 2003, S.23-25).
Das einfachste Argument für den Zerfall ist die Existenz von „uralte ethnische Hass“.
Dieses Argument hat in Kroatien Tudjman besonders verbreitet und es ist bis heute
dort erhalten. Im Nachkriegsjugoslawien sind aber die größten Abrechnungen
innerhalb die Politiker gleicher Nationen wie der kroatische Nationalismus oder der
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serbische Liberalismus, gewesen. Innerhalb der politischen Fraktionen und der
Bevölkerung war es nicht erlaubt, dass sie eine eigene Politik führten. Die Idee über
den ethnischen Hass ist von der politischen Elite gekommen um die Verantwortung
auf die Bevölkerung zu übertragen.
Befürworter des kulturellen Aspektes für den Zerfall behaupten, dass die kulturelle
und intellektuelle Elite eine wichtige Rolle im Zerfall von Jugoslawien gespielt hat.
Kulturelle Argumente decken sich zum Teil mit dem nationalistischen Aspekt. Eine
Nation beruht meistens auf der gemeinsamen Sprache oder/und Religion. Damit
bekommt sie eine eigene Identität und unterscheidet sich von den anderen. Die Idee
vom „Jugoslawismus“ ging davon aus, dass alle Südslawen ein Volk sind. Deswegen
war es logisch, dass sie alle in einem Land leben. Nach dem das sozialistische
Jugoslawien die Bildung einzelner Nation in Jugoslawen abgelehnt und die Idee von
einen multikulturellen Staat eingeführt wurde, war die Frage nach der Dauer dieses
Staates. Die kulturellen und intellektuellen Eliten, die diese Ideen von Jugoslawen
unterstützt haben, haben auch später zum Zerfall beigetragen. Nach diesem Modell
ist der von Samuel Huntington (1996) in seine Buch „Kampf der Kulturen“
beschriebene, wo er dargestellt, dass es nicht möglich ist den Volker mit
unterschiedlichem kulturellen Abstammungen zusammenleben. Tudjman war sein
Hauptbefürworter. Tudjman hat diese These über die Unmöglichkeit das Dasein von
Jugoslawien als Hauptargument benutzt. Nach Jovic ist die logischste und
verständliche These der Bildung einer Nation immer eine subjektive Sache des
Herzens und des Glaubens. Nachdem die Leute aufgehört haben an die
jugoslawische Idee zu glauben, ist die jugoslawische Nation verschwunden (Jovic,
2003, S.58-68).
Autoren wie Djilas und der damalige Verteidigungsminister Jugoslawiens Kadijevic
behaupteten, dass der Staat von außen durech die verschieden Interessen zerfallen
ist. Die USA haben auf den Zerfall des Kommunismus lange gewartet. Westeuropa
reagiert uneinig und zögernd. Die mächtigsten islamischen Länder hatten den
Wunsch nach einem islamischen Staat in Europa. Für die USA ist durch den Zerfall
Jugoslawiens und der Sowjetunion ein Feind des Westens und der NATO
verschwunden (Djilas, 1992, S.81-84.).
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
In den Jahren wo der Sozialismus seine Stärke innerhalb politischen Elite verloren
hat, hat sich der Nationalismus als eine Alternative zum Sozialismus gebildet. Die
nationalistische Idee ist ein Erbe des 19. Jahrhunderts. Sie ist eine Fortsetzung in
erster Linie des serbischen und kroatischen Nationalismus. Eine Ursache für den
Zerfall Jugoslawiens liegt in der Ideologie die auf die Errichtung ethnischer, mehr
noch „ethnisch reiner!“, Staaten beruht. Die Idee der nationalistischen Elite beruht auf
einer chauvinistischer Ausschließlichkeit und einem großwahnsinnigen Rassismus.
Nach der Verfassung von 1974 ist Jugoslawien als ein föderativer Staat mit sechs
Republiken und zwei autonome Provinzen gegründet worden. Jeder Republik hatte
ein Selbstverwaltung System. Jugoslawien hat einen unitaristisches Sozialismus
abgelehnt. Die separatistischen Nationalisten wie Tudjman, Milosevic oder Kucan
haben gewusst, dass ein unitaristisches Jugoslawien eine Bedrohung für den
separatistischen Nationalismus ist. In einem unitaristischen Jugoslawien würde eine
kleine Gruppe die jugoslawische politische Elite bilden und die Existenz mehrere
politische Nationen nicht erlauben. Wäre Jugoslawien heute mit seiner Struktur als
konföderative multiethnischer Staat in der Europäischen Union, hätten die Kroatien
und Slowenien keine Chancen gehabt sich als unabhängige Staaten zu deklarieren.
Sie haben rechtzeitig die separatistische nationalistische Idee umgesetzt um ihre
Bestrebung “Warum sollen wir eine Minderheit in einer großen Staat sein, wenn wir
die Mehrheit in den kleinen Staat sein können?“ umzusetzen (Gligorov, 1994).
Der Zerfall des sozialistischen Jugoslawiens ist das Resultat mehrere Faktoren. Der
Hauptfaktor ist der Zerfall der Ideologie der jugoslawischen politischen Elite.
Besondere nach dem Tod von Tito, Edvard Kardelj und dem Zerfall von der zentralen
kommunistischen Partei sind die ersten ideologischen, ökonomischen und politischen
Krisen aufgetreten. Die Schwächung des zentralistischen Staates hat erst den
Aufstieg der separatistischen nationalistischen Idee ermöglicht. Als der starke
zentralisierte Staat schwach geworden ist, ist ein Krieg mit „jeder gegen jeden“
ausgebrochen. Die politische Elite hatte die Möglichkeit dem Krieg auszuweichen
und die Politik in eine andere Richtung zu lenken, sie ist aber nur ihrer eigenen
Ideologie gefolgt (Jovic, 2003, S.487-497).
16
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
2.5 Krieg in Bosnien-Herzegowina
Am Anfang der neunziger Jahre war in allen anderen Republiken die kommunistische
Partei zerschlagen und noch vor dem Ausbruch des serbisch-kroatischen Krieges in
Kroatien hatte die Einführung des Mehrparteisystems zu einer ethnischen
Zersplitterung Bosnien-Herzegowinas geführt. Drei nationalistische Parteien wurden
gegründet: Die Partei der Kroaten (Hrvatska Demokratska Zajednica, HDZ) die
eigentlich ein Ableger ihre Mutterpartei war und in Kroatien unter der Führung von
Franjo Tudjman stand. In Bosnien stand die HDZ unter der Führung von Mate Boban.
Er propagierte 1992 den Anschluss der kroatischen Gebiete in Bosnien-Herzegowina
an Kroatien und die Vereinigung aller Kroaten in einem kroatischen Nationalstaat.
Die zweite Partei war die Partei der Serben (Srpska Demokratska Stranka, SDS)
unter der Führung von Radovan Karadzic. Die Partei pflegte enge Kontakte mit
Serbien und der dort von Milosevic regierender Partei „Sozialistische Partei Serbien“
(SPS). Sie hatte das Ziel alle serbischen Siedlungsgebiete in einem neuen Staat zu
vereinigen. Die dritte Partei war die bosnisch muslimische Partei „Partei der
Demokratische Aktion“ (SDA) unter die Führung von Alija Izetbegovic, der nach den
ersten freien Wahlen Präsident von Bosnien-Herzegowina wurde. Die Partei stärkte
den muslimischen Nationalismus (Calic, 1996, S.71). Die Parteien bildeten eine
Regierungskoalition und alle politischen Positionen wurden unter den drei Nationen
verteilt. 1992, bei der wichtigen Sitzung für die zukünftige Verfassungsordnung,
hatten sich die politischen Führungen alle drei Parteien grundlegend zerstritten.
Während die Muslime die bestehenden Grenzen Bosnien-Herzegowinas als
multiethnischen Staat erhalten wollten, bestanden Serben und Kroaten auf eine
Aufteilung Bosniens auf Kantonen oder einer Föderalisierung der Republik nach den
ethnischen Zugehörigkeiten. Hinter diesem Verlangen versteckte sich die Option die
serbischen und kroatischen Siedlungsgebiete in der Zukunft an ihre „Mutterländern“
Serbien und Kroatien anzuschließen (Vjesnik, 1992, S.7).
Die Schaffung von homogenen ethnischen Gruppen in den räumlich getrennten
Kantonen auf einem demokratischen Weg war unmöglich. Die bosnische
Bevölkerung besteht aus einer durchaus durchmischten Siedlungsstruktur. Jedes
fünftes Kind stammt aus einer gemischten Ehe, jeder zweite hatte nahe Verwandte
mit den anderen Nationalitäten. Das hätte bedeutete, dass alle gemischten Familien
17
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
getrennt, assimiliert oder auswandern müssten. Die Möglichkeiten für die serbische
und kroatische Führung war die Zerschlagung Bosnien-Herzegowina mit
militärischen Mitteln, mit politischen Wegen oder der bloßen Drohung mit bewaffneter
Gewalt. Im März 1991 haben sich die Präsidenten Milosevic und Tudjman getroffen,
um die Aufteilung Jugoslawiens und Bosniens zu diskutieren (Malcom, 1996, S.87).
Für die bosnische Regierung war diese Lage sehr schwer. Auf die Frage ob BosnienHerzegowina die jugoslawische Föderation verlassen sollte um einen unabhängigen
und selbständigen Staat zu werden, zerbrach die Regierungskoalition, die für den
Erhalt der territorialen Einheit Bosnien-Herzegowina gestanden hatte. Nachdem die
kroatischen und muslimischen Fraktionen den Beschluss für eine Souveränität und
Unabhängigkeit beschlossen hatten, hatten die serbischen Abgeordneten das
Parlament mit Protest verlassen. Die serbischen Abgeordneten hatten Bosnien nur
als föderaler Staat betrachtet. Sie gründeten im November 1991 mit einem
selbstorganisierten Referendum ein eigenes Parlament. Am 7. Jänner 1992
proklamierten die Vertreter der Serben die „Serbische Republik BosnienHerzegowina“ und formierten eine eigene Verfassung. Am 7. April erklärten sie die
Unabhängig von Bosnien. Auch die Kroaten erklärten ihrer unabhängiger Territorium
„Kroatische Gemeinschaft Herceg-Bosna“ im Sommer 1992. 1993 erklärten die
Muslimen die „Autonome Region Westbosnien“ für unabhängig.
Jeder Fraktion gründeten eine eigene Regierung, Armee, Milizen und
paramilitärische Verbände. Nach dem Zweiten Weltkrieg investierte Jugoslawien in
militärische Ausrüstung und war bald eine der am best ausgerüsteten Staaten
Europas. Der Großteil der Ausrüstung und Rüstungsbetriebe befand sich eher im
Bosnien-Hezegowina. Am Anfang des Krieges in Bosnien-Herzegowina war die
Armee der bosnischen Serben die älteste und am besten ausgerüstete Armee und
hatte auch zusätzlich finanzielle, logistische und militärische Unterstützung aus
Serbien. Die Kroaten wurden durch die regulären Einheiten der kroatischen Armee
finanziell und logistisch betreut und unterstützt. Am schlechtesten organisiert und
ausgerüstet waren die Muslimen. Trotz dem Waffenembargo an alle jugoslawischen
Republiken ist es jeder Kriegspartei gelungen, große Mengen an Ausrüstung aus
dem Ausland zu importieren. Nach dem Blitzkrieg von 1992 gelangten es den Serben
ein Großteil von Bosnien zu besetzen. Diese Eroberungen waren von ethnischen
Säuberungen und der Vertreibungen der nicht-serbisches Bevölkerung begleitet. In
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
dieser Zeit zerbrach die kroatisch-muslimischer Militärallianz gegen die Serben und
die kroatischen Kräfte gingen offensiv gegen muslimische Einheiten vor (Calic, 1996,
S.84-106).
So wie jeder Krieg, war auch dieser Krieg intensiv von Feindbildern und
Propagandatätigkeiten begleitet, besonderes auch durch die Medien. Das häufigste
Muster der Feindbildkonstruktion ist dem Gegner die negativen Eigenschaften und
Verhaltensweise zuzuschreiben, egal ob sie real oder erfunden sind. Diese
psychologischen Muster hatten das Ziel, die eigenen Kriegsziele zu legitimieren, den
Gegner zu demoralisieren, die Kampfmoral der Soldaten zu stärken und die
Tötungshemmungen abzubauen (Mitchell, 1981, S.104). Das Feindbild beruhte auf
einer projektiven Identifikation bei der persönliche Ängste und Aggressionen auf den
Gegner übertragen wurden (Parin, 1993, S.80). Alle Kriegsparteien nützten die
Medien um die kollektiven realen oder erfundenen Gefühle von Hass und Angst zu
verstärken. Die Medien wurden von den nationalistischen Parteien streng kontrolliert.
Jede Seite hat sich als Opfer dargestellt und die andere als Kriegsverbrecher und
Täter beschuldigt. Die Serben haben sich als Opfer des seit Jahrhunderten
andauernden Genozids dargestellt. Die Kroaten behaupteten, dass die Muslime
eigentlich Kroaten sind und sahen sich als Repräsentanten einer mitteleuropäischen
Zivilisation und Kulturen. Alle anderen sind barbarisch und wurden als ausbeuterisch
beurteilt. Alija Izetbegovic beschrieb in der islamischen Deklaration den Prozess der
Säkularisierung als neue Art von Versklavung von geistiger Freiheit und kulturelle
Identität. Dazu nutzten sie Gestalten, Personen aus der Geschichte, symbolträchtige
Orten, ideologische Symbolwelt und die Verbundenheit mit den Ahnen als Instrument
zum Verwirklichung eigene Ziele (Calic, 1996, S.147).
1992 wurde öffentlich bekannt, dass die bosnischen Serben planmäßige ethnische
Säuberungen durchführten und, dass es viele Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen gab. Dadurch erhöhte sich der Handlungsdruck auf die westlichen
Staaten. Im Juli 1992 begann die britische Ratpräsidentschaft in der Europäischen
Gemeinschaft. Daraufhin setzte sich Großbritannien in Übereinstimmung mit anderen
EG-Mitgliedern und den USA für eine internationale Friedenskonferenz über das
ehemalige Jugoslawien ein. Diese Konferenz vermittelte die Bemühungen für eine
politische Lösung in Bosnien-Herzegowina. Zu diesem Zweck trafen sich am 26. und
19
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
27. August 1992 die wichtigsten militärischen und politischen Akteure der
Konfliktparteien, der EG-Mitgliedsländer, Mitglieder des UN-Sicherheitsrates,
Vertreter der KSZE, der NATO, der Konferenz der Islamische Staaten und der G-7 in
London. Der Verhandlungsführer waren der ehemalige britische Außenminister David
Owen und der Sonderbeauftragter der UNO Cyrus Vance. Auf dieser Konferenz
wurden sechs Gruppen organisiert die sich mit folgenden Problemen befassen
sollten: Neuordnung Bosnien-Herzegowina und seiner Verfassung, humanitäre- und
Flüchtlingsfragen, Wirtschaftsfragen, ethnische Minderheiten, vertrauensbildender
Maßnahmen sowie die Abwicklung der jugoslawischen Nachfolgeprobleme wie die
Verteilung der Vermögen. Das wichtigste Dokument der Konferenz war die
Übereinstimmung aller Konfliktparteien zur Wahrung der völkerrechtlichen Normen
und die Unterbindung weiteren Kriegsverbrechen.
Bei den weiteren Verhandlungen 1993, legten Owen und Vance einen neuen
Friedensplan vor. In dem neuen Entwurf wurde vorgeschlagen, dass Bosnien sich als
ein „dezentralisierter Staat“ dreier Völker konstituiert, bzw. dass BosnienHerzegowina aus zehn autonomen Provinzen mit einer Zentraleregierung besteht,
wobei die Hauptstadt Sarajevo ein Sonderstatus als „frei Staat“ einnehmen soll.
Dieser Plan wurde stark kritisiert, weil er die territorialen Eroberungen und ethnischen
Vertreibungen legitimierte. Selbst die Serben hatten diesen Plan abgelehnt weil die
serbischen Siedlungsgebiete nicht an Serbien grenzten. Die Muslime waren mit
diesem Plan auch unzufrieden und verknüpften die Unterzeichnung des Planes an
mehrere Bedienungen. Die einzige zufriedene Partei war die der Kroaten, weil ihr
Territorium direkt an Kroatien grenzte (Giersch, 1998, S.143-152).
Nach Ablehnung des Vance/Owen Planes versuchte die internationale Gemeinschaft
einen neuen Plan für Bosnien-Herzegowina auszuarbeiten. Der neue Plan, entworfen
von Lord Owen und dem ehemaligen norwegischen Außenminister Thorwald
Stoltenberg, sollte Bosnien-Herzegowina in einer „Konfödration“ zerlegen, die aus
drei ethnischen Volksgruppen besteht. Die Grenzen der Republiken wurden aufgrund
der militärischen Eroberungen der vergangene zwei Jahren legitimiert. Damit
besaßen die Serben 53 %, die Muslime 30 % und die Kroaten 17 % des Territorium
in Bosnien-Herzegowina. Nach einer Übergangszeit sollte jede Seite die Möglichkeit
erhalten, über ihren Anschluss an die Nachbarrepubliken zu entscheiden. Dieser
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Konföderationsplan kam den Serben und Kroaten entgegen, während sich die
Muslime als Verlierer betrachteten. Die Muslime lehnten daher diesen Plan ab, und
entschlossen sich für ein einheitliches Bosnien zu kämpfen. 1994 endete der Krieg
zwischen Kroaten und Muslimen in Bosnien-Herzegowina. Mit Unterstützung der
US-amerikanischen Regierung unterzeichneten die bosnische Muslimen und Kroaten
am 1. März 1994 in Washington ein Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen
Föderation. Nach weiteren Verhandlungen unterzeichnete Alija Izetbegovic und
Franjo Tudjman am 18. März 1994 den Vertrag zur Bildung der „Föderation BosnienHerzegowina“. Nach den ethnischen Aufteilungen ist die Föderation in acht Kantone
unterteilt. Die neue Verfassung der Föderation beruhte auf gemeinsame
Verantwortung für Politik, Polizei, Wirtschaft, Bildung und Verwaltung. Der wichtigste
Punkt war der gemeinsame Kampf gegen die Serben.
Die internationale Kontaktgruppe stellte im Mai 1994 den neuen „Friedensplan“ mit
der Richtung Teilung des bosnischen Territoriums. Der Plan beruhte auf der Teilung
Bosniens-Herzegowina in zwei Hälfte. Er besagte, dass 49% des Territoriums an den
muslimisch-kroatische Föderation geht und 51% an die „Serbische Republik“. Die
Serben lehnten diesen Plan ab mit der Begründung, dass die „Serbische Republik“ in
mehrere Teile zerstückelt wurde. Der wichtigste Punkt aller Konfliktspartei und wo
auch am meistens gestritten wurde war die Landkarte, sowie die ökonomische
Ressourcen und den Zugang zur Infrastruktur (Malcom, 1996, S.289).
Nach der zweiten Hälfte 1994 brachen große Kämpfe in ganz Bosnien aus. Die
bosnisch-kroatische Armee unternahm eine Offensive gegen die bosnisch-serbische
Armee und umgekehrt. Alle vereinbarten Waffenstillstände hielten so lange, bis sich
die eigene Armee wieder organisierte und erholten hatte für den nächsten Kampf. Im
Mai 1995 ist dann eine Krise ausgebrochen die sich auf die Anwesenheit der UNTruppen auswirken sollte. Am 25. Mai hat die NATO die Erlaubnis der UNO
bekommen, mit Luftangriffen auf die serbische Beschießung von Sarajevo mit
schwerer Artillerie zu reagieren. Auf die Beschießung von serbischen Militärpunkten
aus der Luft antwortete die serbische Armee mit der Nahmen von 71 Geiseln und der
Bedrohung alle diese zu töten. Diese Geiselkrise wirkte sich negativ auf die westliche
Politik. Die nächste Krise ist ausgebrochen, als die serbischen Truppen in die
muslimische Enklave und Stadt Srebrenica einmarschierten. Diese stand unter dem
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Schutz holländischer UN-Blauenhelmen und die Serben nahmen die 32 Soldaten der
Blauenhelme als Geiseln. Die NATO bombardierte daraufhin die serbischen
Stützpunkten, aber nach dem die Serben mit dem Tod alle Blauhelme drohten,
stellen sie die Angriffe ein. Der Fall von Srebrenica am 11. Juli ist der schwärzeste
Tag in der Geschichte der UN-Einsatz in Bosnien (Malcom, 1996, S.301). Nach der
Belagerung der Stadt und der Kapitulation der Blauhelme mussten sich die
Niederländer dem serbischen Bedienungen für die Deportation der Zivilisten beugen:
ca. 25.000 Frauen, Kinder und älteren Männer suchten Schutz im Lagern der UNBlauhelme. Innerhalb von weniger Tagen sind alle männlichen Bewohner der Staat
(von Jugendlichen bis zum alten Männer) ausgesondert und weggeschafft worden.
Die späteren Berichte sprechen von ca. 10.000 Männern, 7.000 davon gelten als
vermisst. Die Frauen, Kinder, Alten und Kranken aus der Region wurden vertreiben.
Die UN-Truppen, anstatt die Zivilbevölkerung zu schützen, unternahmen nichts
gegen die Taten der Serben. Alles geschah unter die Augen von UN-Truppen. Der
UN-Sicherheitsrat wurde daraufhin wegen seine Zögerlichkeit und Hilflosigkeit sehr
kritisiert (Giersch, 1998, S. 258).
Im Sommer und Herbst 1995 ist es zu großen militärischen Veränderungen
gekommen. Der bosnisch-kroatischen Armee ist es gelungen wichtige strategische
Ziele zurückzuerobern. Nach einem schweren serbischen Granatenangriff auf
Sarajevo unternahm die NATO einen schweren Luftangriff auf die serbischen
militärischen Punkte. Die serbische Armee erlitt einen großen Schaden und es kam
zum Zusammenbruch der Kampfmoral und Auseinandersetzungen zwischen
Radovan Karadzic und dem Hauptgeneral Ratko Mladic. Nach diesen
Veränderungen unternahmen die westlichen Verhandlungsführer eine Initiative für
eine diplomatische Lösung des Konfliktes. Zum ersten Mal nach dem Kriegsbeginn
unternahm die amerikanische Regierung unter Bill Clinton die führende Rolle bei den
Verhandlungen. Clinton hatte großes Interesse den Bosnienkrieg zu beenden, weil
vor ihm die Vorwahlkampagne stand und der US-Kongress hatte dem Senator Bob
Dole zugestimmt, das Waffenembargo gegen die bosnische Regierung aufzuheben.
Die Amerikaner riefen zu einer überarbeiteten Neuauflage der alten
„Kontaktgruppen“ Plan auf.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Der Unterschied zu dem alten Plan war, dass dieses Mal 51% des Landes dem
Muslimisch-kroatischen Föderation angehörte und 49% des Landes den Serben als
„Serbischer Republik“. Am 8. September 1995 sind diese Punkte im Genf als
Grundlage für weitere Verhandlungen von Vertretern Bosniens, Serbien und Kroatien
akzeptiert worden. Bei weiteren intensiven Verhandlungen unter der Führung des
Staatssekretär Richard Holbrook und bei der dreiwöchigen Konferenz in Dayton, im
US- Staat Ohio, wurde am 21. November 1995 ein Abkommen getroffen. Mit diesem
Abkommen ist die territoriale Teilung in zwei Entitäten im Verhältnis 51:49%
geblieben. Eine neue Verfassung wurde gebracht, viele Vereinbarungen zum Schutz
der Menschenrechte und Rückkehr der Flüchtlinge sowie der Wiederaufbau der
Wirtschaft und die Stationierung von UN-Truppen wurden vereinbart. Dieses
Abkommen, das später als Vertrag formuliert wurde, wurde am 14. November 1995
im Paris von dem Präsident Bosniens Izetbegovic, Kroatiens Tudjman und Serbiens
Milosevic unterzeichnet. Mit diesem Datum wurde der Frieden in Bosnien
unterzeichnet (Malcom, 1996, S.305).
2.6 Der Vertrag von Dayton
Der Daytoner Vertrag besteht aus elf Hauptartikeln und noch weiteren wichtigeren
Abkommen (Punkten). Sie beinhalteten die territoriale Teilung Bosniens sowie die
militärischen, politischen und verfassungsrechtlichen Maßnahmen die für den Aufbau
einer demokratischen Gesellschaftsstruktur nötig sind. Die wichtigste militärischer
Punkte sind: die Vereinbarung über Waffenstillstand, ausgetauscht der Territorien,
Freilassung alle Kriegsgefangene, Abzug der schweren Waffen und Aufheben des
Waffenembargos. Die US-amerikanische Regierung war besonderes für die
Aufhebung des Waffenembargos, da sie der Ansicht war, dass nach dem Abzug der
IFOR Truppen die bosnische und kroatische Armee neue Ausrüstungsprogramm
benötigt um neue Kriegseskalationen zu vermeiden. Die wichtigsten politischen und
verfassungsrechtlichen Punkte sind: Dass Bosnien-Herzegowina eineinheitlicher
Staat mit seinen international anerkannten Grenzen ist und aus zwei Entitäten
besteht – der muslimisch-kroatischen Föderation mit 51 % des Territoriums und der
Serbische Republik mit 49 % des Territoriums, Sarajevo bleibt als einheitliche
Hauptstadt Bosnien. Jede Entität hat ein eigenes Parlament, Regierung, Armee und
Polizei, gemeinsame Institutionen sind ein Parlament, ein Ministerrat, ein
23
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
dreiköpfiges Präsidium, ein Verfassungsgerichtshof und eine Zentralbank. Die
Aufgaben gemeinsame Regierung umfassen die Bereiche Außenpolitik,
Außenhandeln, Währungspolitik, Zoll und Immigrationspolitik. Jeder Entität könnten
spezielle parallele Sonderbeziehungen zu ihren Nachbarn schließen. Alle Flüchtlinge
haben das Recht in ihren Heimatsorten zurückzukehren. Alle von dem
Kriegsverbrechertribunal angeklagter Personen sind von politischen und öffentlichen
Ämtern ausgeschlossen und beide Entitäten sind verpflichtet mit dem
Kriegsverbrechertribunal im Den Haag zu kooperieren. Eine
Menschenrechtkommission sollte eingesetzt werden um über die Einhaltung der
Menschenrechte zu berichten. Alle Nachfolgestaaten sollen sich gegenseitig
anerkennen, dafür werden die Sanktionen gegen die Republik Jugoslawien
aufgehoben. Am 9. und 10. Dezember 1995 fand in London die
Implementierungskonferenz statt die das Ziel hatte, den Daytons Vertrag möglichst
schnell umzusetzen.
Abb. 3: Landkarte der zwei Entitäten, der Föderation Bosnien-Herzegowina und der
Serbischen Republik (Stand 1995).
24
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
2.6 Die Nachkriegszeit in Bosnien-Herzegowina von 1995 bis heute
Die Staatsbildung ist ein komplexer Prozess der sich schlecht von der Bildung einer
Nation unterscheiden lässt. Die zwei Prozesse geschehen oft parallel und
beeinflussen sich gegenseitig, obwohl die Schaffung einer nationalen Identität nicht
zwangsläufig zur Schaffung eines eigenen Staates führt und umgekehrt. Nicht alle
Staaten basieren auf einer nationalen Identität sondern z.B. auf einer bürgerlichen
Identität. Unter der Staatsbildung wird die Errichtung einer politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Struktur verstanden, vor allem die Stärkung einer
Demokratie, Ökonomie und Sicherheitslage auf einem Territorium. In BosnienHerzegowina spielt die Idee der Staatsbildung als Nation und der nationalen Identität
bzw. die ethnische Zugehörigkeit eine zentrale Rolle (Dzihic, 2004,S.2). Das Wort
„ethnisch“ kommt aus dem griechischen Wort „ethnos“ und bedeutet Gesellschaft,
Volk oder Stamm. Heute wird „ethnisch“ als die Abstammung oder aus gemeinsamen
Traditionen entstandene Eigenschaften interpretiert, die eine gewisse Form der
Abgrenzung von Anderen und damit eine Selbstzuschreibung einer eigenen
ethnischen Unverwechselbarkeit, Besonderheit und Exklusivität ermöglichen (Dzihic,
2009, S.63).
In der Post-Dayton-Zeit in Bosnien-Herzegowina enthält auch die Frage der
Souveränität eine wichtige Präsenz bei der politischen Elite. Der Begriff Souveränität
wird im klassischen Sinne als das „wichtigste Kennzeichen des inneren und äußeren
Herrschaftsanspruchs im als modernen Nationalstaat organisierten Gesellschaft“
definiert, was im politischen Sinne die Unabhängigkeit des Staates bedeutet
(Seidelman, 2005, S.398). Das Grundgebilde des Daytoner Vertrags ist eine neue
Verfassung für Bosnien-Herzegowina. Die Struktur der Verfassung ist eine
Ausnahme im internationalen Vergleich. Es wurde eine Föderation aus zwei
Teilstaaten errichtet, der Serbischer Republik und der Bosnisch-kroatischer
Föderation deren gemeinsamer Staatlicher Aufbau sehr schwach ist. Es ist eine
Errichtung der dezentralisierten und ethnisch dominierten Entitäten. Das klassische
Souveränitätsprinzip des zentralen Staates ist in Bosnien-Herzegowina auf Entitäten
verteilt was bedeutet, dass jede Seite ein Vetorecht für die gemeinsamen
Entscheidungen hat. Das hat sich als sehr hinderlich für die Entwicklung eines
zentralen Staates gezeigt, denn die Macht- und Herrschaftsverhältnisse stehen unter
25
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
dem Einfluss des Ethnonationalismus und der Ethnopolitik in einem dynamischen
Machtfeld (Dzihic, 2009, S.40).Schon nach der Unterzeichnung des Daytoner
Friedensabkommens hatte die Phase der Implementierung angefangen. Diese
Phase hat sich als eine schwierige Phase herausgestellt. Der erste Schritt waren die
militärischer Stabilisierung, die Einhaltung des Waffenstillstands, die Einrichtung
einer vier Kilometer breiten militärischen Entflechtungszone und die Freilassung alle
Gefangenen. Diese Phase konnte man leicht durch die 60000 Mann starke IFORTruppe (Implementation Force) umzusetzen (Giersch, 1998, S.294).Sehr viel
schwieriger als die militärische war der physische Wiederaufbau des Landes und
psychisch-mentale Bewältigung des Konfliktes. Der Wiederaufbau des Landes war
nur durch die internationale finanzielle Hilfe möglich. Die wirtschaftliche Lage
Bosniens-Herzegowina war 1995 katastrophal. Die geschätzten Kosten für den
Aufbau der Infrastruktur wurden mit 4,9 bis 8 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Schwierig war auch Bosnien zu einer einheitlichen funktionierenden Volkswirtschaft
zu organisieren. Bis Ende 1998 erhielt Bosnien-Herzegowina 2,7 Milliarden US-Dollar
von internationalen Geldgeber, davon erhielt 70% die Föderation und aufgrund viele
Obstruktionen 30% die serbische Republik (Dzihic, 2004).
Im September 1996 wurden die ersten Wahlen abgehalten. Diese Wahlen, von der
OSZE vorbereitet, wurden begleitet von vielen organisatorischen Problemen. Es war
nicht gelungen ein neutrales politisches Umfeld zu schaffen und eine Meinungs-,
Medien-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit zwischen den Entitäten zu sichern.
Diese Wahlen bestätitgen den Einfluss der nationalistischen Elite zur Festigung ihrer
eigenen Macht und der ethnischen Teilung des Landes. Bei der Flüchtlingsrückkehr
ist es nicht zu den erwartenden Ergebnissen gekommen. Die Sicherheit der
Zurückkehrenden wurde nicht gewähr leistet und die Leute hatten Angst vor
Verfolgungen und der Behandlung als Minderheit in den ethnischen
Mehrheitsgebieten. Die Bewegungsfreiheit und Garantie der Freiheit standen nur auf
dem Papier. Ein weiteres Problem war die vorgesehen strafrechtliche Verfolgung und
Verhaftung der Kriegsverbrecher. Die serbische und kroatische Seite zeigten wenig
Kooperation mutmaßliche Kriegsverbrecher zu verhaften und auszuliefern (Calic,
1996, S.254-263).
26
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
An der Konferenz der Friedenimplementierung 1997 im Bonn bekam der Hohe
Repräsentant der OHR Carlos Westendorp die Ermächtigung die obstruktiven
Politiker des Daytoner Vertrages per Dekret zu entlassen. Mit diesem Akt bestätigte
sich, dass der Prozess der Nationbildung in Bosnien-Herzegowina in politischer Sicht
sehr stark von Außen delegiert wurde. Westendorp brachte wesentliche Schritte für
die Verbesserung die Bewegungsfreiheit für die Einwohner Bosniens: Einheitlichen
Kennzechen, ein neues Staatsbürgerschaftsgesetzt, eine gemeinsame Währung,
neue staatliche Symbole, eine neue Flagge und eine Hymne für das ganze Land
wurden eingeführt. Die ersten großen bemerkbaren Veränderungen passierten Ende
1999 und im Jahr 2000. Nach Westendorp war Wolfgang Petritsch ins Amt ist
getreten. Er setzte sich für die Überwindung des nationalistischen Diskurses ein, die
nationalistische Elite war ein echtes Problem in Bosnien. Seine Primären Ziele waren
die Stärkung der staatlichen Institutionen und die Sicherung der Rechtsstaatlichkeit,
die Umgestaltung der Wirtschaft, Rückkehr der Flüchtlingen und Stärkung des
Verantwortungsbewusstseins und der Selbstverantwortung der einheimischen
Bevölkerung im politischen und wirtschaftlichen Sinne zur Überwindung des
Abhängigkeitssyndroms.
Gleichzeit, wegen des viele Korruptionsfälle und der schlechten wirtschaftlicher Lage,
wurde die SDA (die muslimische führende Partei) abgewählt und es kam zu Stärkung
nicht nationalistischer Parteien. 1999 ist der nationalistisch orientierte Präsident
Kroatiens gestorben und bei den Wahlen 2000 verlor die HDZ ihre Regierungsmacht.
In Serbien kam es zum Sturz des serbischen Präsidenten Milosevic. Damit sind die
zwei Hauptverantwortlichen nationalistischen Akteure für das Schicksal BosnienHerzegowina aus der Politik verschwunden. Im Juli 2002 wurde ein Abkommen
zwischen Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina unterzeichnet für die
Untastbarkeit der bestehenden Grenzen (Dzihic, 2004).
Die Wahlen im Oktober 2002 brachten den Sieg der nationalistischen Parteien auf
allen drei Seiten der SDS, SDA und HDZ und damit eine neue Aufteilungen der
Macht und der Privilegien. Hauptursache für den Sieg der nationalistischen Parteien
(bei der niedriger Wahlbeteiligung von 55%) war die schlechte wirtschaftliche und
soziale Lage. Wesentliche Fortschritte gab es bei der Rückkehr von Flüchtlingen und
Vertriebenen. Nach den offiziellen Zahlen des UNHCR kehrten von den geschätzten
27
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
2,2 Millionen Personen etwa 900.000 der bis Ende 2002 zurück. Im Bereich des
Eigentumsrückgaberechts kam es in vielen Fällen zum Verkauf oder Umtausch von
Eigentum, meistens Immobilien, zwischen den eigenen und den anderen ethnischen
Gebieten. Das hat auch zum ethnischen Säuberung und Reinheit beigetragen
(Melcic, 2007, S.449).
Anlässlich zum zehnten Jahrestag des Daytoner Abkommens kam es zu
Vorschlägen zur Änderung des Daytoner Abkommens. Die Initiative über
Verfassungsänderungen kam von den USA. In der Verfassungsreform ist es um die
Stärkung der gesamt Staatlichkeit, die Funktionsfähigkeit des Staates und Reform
der Polizei gegangen und war eine Voraussetzung im Prozess der EU-Integration.
Die Parteien lehnten aber diese Vorschläge mit der Begründung ab, dass damit die
ethnische Teilung des Landes noch vertiefen würde. Nach dem Scheitern der
Verfassungsreformen waren die neuen Wahlen im Oktober 2006. Diese Wahlen
wurden als die intensivsten, härtesten und schmutzigstem seit dem Kriegsende
beschrieben. Im Mittelpunkt der Wahlen standen der jetzige Präsident der serbischen
Republik Milorad Dodik und Präsident der SBIH Haris Silajdzic. Beide führten eine
starke Kampagne um die eigene Wähler von der Bedrohung die durch andere
ethnische Gruppen kommen zu überzeugen. Dodik setzte auf einen ethnonationalen
Wahlkampf mit Versprechungen von Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen
Lage der Bevölkerung, die er nur mit großen Privatisierungen des damaligen
sozialistischen bzw. staatlichen Eigentums erreichen konnte. Anlässlich der
Abspaltung Montenegros von Serbien drohte er mit einem Referendum für die
Abspaltung der serbischen Republik von Bosnien. Als Antwort auf diese Drohung
reagierte Silajdzic auf die Forderungen von Dodik mit dem Hinweis auf die Stärkung
des Zentralstaates und der Wiederherstellung des Vorkriegszustandes. Die
kroatische Partei nutzte die Haltung von Dodik in ihrer Forderungen zur Errichtung
einer dritten kroatischen Entität.
Die Jahre 2008 und 2009 verliefen mit einer Verschlechterung des politischen
Klimas und permanenten gegenseitigen Blockaden von Reformen. Dodik hatte eine
Liste für „Nicht-Erwünschte in der serbischen Republik“ erstellt und setzte auf
permanente Blockaden. Auf dieser Liste befanden sich Personen die diese
nationalistische Richtung kritisieren, sowie der Direktor von Transparency
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
International für Bosnien, was zeigt, dass eine Gesellschaft, in der die eigene
Meinung nicht frei geäußert werden kann, bereits sehr weit von einer Demokratie
entfernt war. Die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina befand sich in einer
schwierigen Lage mit einem niedrigeren Lebensstandard, hoher Armut und hohen
Zahl von Arbeitslosen. Viele junge Leute warten auf die Gelegenheit auszuwandern.
Ivan Lovrenovic (1994) hat diesen dauerhaften Zustand als die verlorene Jahre
beschrieben: „Verloren waren jeweils auf ihre Art und Weise auch alle die anderen
zuvor, waren sie doch Jahre der Stagnation, der Vertiefung der Teilung, der
sukzessiven Enttäuschungen, der Fehltritte der internationale Verwalter, des Verlust
der öffentlichen Moral, der Verfestigung der gesellschaftlicher Untaten als natürlicher
und normale Phänomene, und vor allem auch der allumfassenden Korruption, in der
Politik und die Staatsfunktionäre die Hauptrolle gespielt haben.“ Die Turbulenzen und
ein Krieg mit allen Mitteln zwischen den politischen Vertretern der drei bosnischen
Völker liefen weiter. Alle benutzten das Ethnische für das eigene Handeln und um die
eigenen Interessen zu legitimieren (Dzihic, 2009, S.303-318).
3. DER KONFLIKT IN BOSNIEN–HERZEGOWINA
3.1 Konflikte allgemein
Unter dem Begriff „Konflikt“ (lateinsch configere = zusammentreffen, kämpfen)
versteht man den Zusammenstoß, Streit zwischen mindestens zwei starken
Verhaltenstendenzen, Ziel oder Wertvorstellungen von Personen, Gruppen,
Organisationen oder Staaten bestehen (Definition aus dem Lexikon der Psychologie,
1995, S.233). Nach Höher und Höher (2002) bestehen folgende Arten von Konflikte
und Konfliktsformen:
3.1.1 Soziale Konflikte
Interessenskonflikte: die Parteien haben unterschiedliche Ziele und Interessen
Rollenkonflikte: verschiedene Personen haben unterschiedliche Erwartungen
an eine Person. Die Erwartungen sind untereinander nicht vereinbar und auch
nicht mit den Grundüberzeugungen und Werten der Person selbst.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Beziehungskonflikte: entstehen, wenn das Bedürfnis der Parteien nach
sozialen Beziehungen und Anerkennung nicht erfüllt werden
Sachkonflikte: Konflikte und ihre Ursachen werden unterschiedlich
wahrgenommen und eingeschätzt
3.1.2 Inhaltskonflikte
Verteilungskonflikte: eine der Parteien wird als Sieger dastehen, die andere
als Verlierer
Persönliche Konflikte: Eigenschaften und Verhalten der einen Partei stehen im
Mittelpunkt und werden von der anderen Partei kritisiert
Zielkonflikte: eine Partei muss sich zwischen zwei Alternativen entscheiden
Methodenkonflikte: die Parteien sind sich über das Ziel einig, aber nicht über
die Wege und Methoden
Wertekonflikte: die Aufgaben einer Partei stehen im Gegensatz zu ihren
ethischen Werten
3.1.3 Konfliktformen
heiße Konflikte: eskalieren in einem Gefühlsausbruch. Jede Seite meint im
Recht zu sein, und will die andere überzeugen. Die Parteien streiten offen und
sind überempfindlich.
kalte Konflikte: die Parteien sind resigniert und recht still. Die Parteien sind
nicht von ihrer Meinung überzeugt. Angriffe gegeneinander sind
undurchschaubar.
formlose Konflikte: die Parteien handeln nicht nach Regeln, oder verstoßen
sogar dagegen
formgebunden Konflikte: die Parteien nehmen Regeln zu Hilfe, um den
Konflikt beizulegen. Das Problem, das dem Konflikt zugrunde liegt, wird
meistens auch dadurch nicht gelöst.
In Bosnien-Herzegowina handelt es sich um einen Interessens Konflikt von
nationalen Interessen.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
3.2 Konfliktursachen in Bosnien-Herzegowina
Nach dem Tod Titos im Jahr 1980 kam es zu Veränderung der bosnischen Politik
und des Charakters der bosnischen Gesellschaft. Die wirtschaftlichen
Schwierigkeiten vertieften die strukturelle Krise und verstärkten die Delegitimierung
der sozialistischen Ideologie. Die wirtschaftlich stärkeren Republiken wie Slowenien
und Kroatien förderten eine Autonomie von Zentralstaat. Andere Republiken, die
stärker von der wirtschaftlichen und sozialen Krise betroffen waren, verlangten eine
Zentralisierung. Der Konflikt zwischen Zentralismus einerseits und den Forderung
nach Autonomie anderseits verstärkte die kroatisch-serbischen Spannungen. Die
Krise wurde begünstigt durch die Aktualisierung der nationalen Frage und die
vorhandene nationalistischen Tendenzen. Die jugoslawische Regierung war nicht
fähig mit den starken nationalistischen Bestrebungen mitzuhalten. Das war ein
Zeichen für die zerfallenden Strukturen und Institutionen in Jugoslawien. Aufgrund
fehlender institutioneller Kontrollmechanismen wurden bestimmten Personen oder
Gruppen (meist die Elite) der Zugang zu Ressourcen und Macht ermöglicht (Koehler
& Zürcher, 2003, S.12).
Die nationale Frage wurde daraufhin als Instrument für politische Zwecke benützt
und beschleunigte den Zerfall Jugoslawiens. Vor allem mit dem Amtsantritt von
Milosevic 1987 in Serbien und von Tudjman in Kroatien wurde im großen Stil an der
Wiederauferstehung der serbischen und kroatischen Nation gearbeitet. Auch in
Bosnien verstärkten sich Ende der achtziger Jahre die nationalistischen Interessen.
Der bekannteste Fall ist der Prozesse gegen Izetbegovic, dem Autor der islamischen
Deklaration, der wegen den Forderung nach einem ethnisch reinen Bosnien, der
Organisierung eines islamischen Staates und kontra-revolutionären Handlungen aus
muslimisch nationalistischen Gründen angeklagt wurde. Der Zweite Prozess ist
gegen den serbischen Nationalisten Vojislav Seselj, der nach dem Krieg vom
Kriegstribunal im Den Haag angeklagt wurde. Er wurde auch wegen nationalistischen
und kontra-revolutionären Aktivitäten zu einer Gefängnisstraffe verurteilt. Der
Hauptankläger war der Vorsitzende des Präsidiums des bosnischen Zentralkomitees
Hamdija Pozderac. Beide Prozesse sind ein Ausdruck vom Versuch der Erhaltung
des ethnischen Gleichgewichts und der Absicherung der Macht der Kommunisten.
Ein paar Jahre später trat der Großteil der kommunistischen Elite zurück. Unter ihnen
31
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
war auch Pozderac, nach dem entdeckt wurde, dass er in den Wirtschaftskandal und
Kollaps des großen bosnischen Unternehmens Agrokomerc, wo ca.13.000
Menschen beschäftigt waren, verwickelt war. Diese Affäre führte zum Misstrauen der
bosnischen sozialistischen Führung (Dzihic, 2009, S.137).
Nach dem Milosevic die Macht in Serbien übernommen hat und nach seiner
nationalistischen Rede 1989, erweckte er das Bedürfnis bei der Bevölkerung nach
Sicherheit und Schutz vor anderen Völkern. Damit schaffte er die Basis für seine
nationalistischen Ziele. Spannungen zwischen den Republiken folgten. Nach dem
Slowenien und Kroatien 1991 sich als unabhängig erklärt haben und es in den
beiden Republiken zu ersten Kämpfen zwischen den örtlichen Militärkräften und der
jugoslawischen Armee kam, wurde auch Bosnien-Herzegowina von diesen
Entwicklungen nicht verschont und kam unter dem Einfluss des Nationalismus aus
Serbien und danach auch aus Kroatien. Im Jahr 1990 wurden die führenden
nationalistischen Parteien gegründet: Die Serbische Demokratische Partei SDS die
Anlehnung an Milosevic suchte, die Kroatische Demokratische Gemeinschaft HDZ,
eine Ableger der Partei von Tudjman und die muslimische Partei der demokratischer
Aktion SDA (Calic, 1996, S.43-73).
Das Parlament von Bosnien-Herzegowina hatte Angst von der serbischen oder
kroatischen Seite absorbiert zu werden. Der kroatische Präsident Tudjman berief sich
aus politisch-strategischen Überlegungen auf die ethnische, territoriale, ökonomische
und geschichtliche Vergangenheit und legitimierte so sein Interesse an BosnienHerzegowina. Milosevic und die serbische Führung in Bosnien sprachen offen über
die Wiedervereinigung aller Serben in einem großen Serbien und die Vernichtung
alle Muslime. Im 1991 trafen sich Tudjman und Milosevic, diskutierten über die
serbisch-kroatischen Territorien und eine Aufteilung Bosnien-Herzegowina s als
mögliche Lösung, um einen Krieg zu verhindern (Ivankovic & Melcic, 2007, S.416).
Mit dem Territorium sind die grundlegenden ethnonationalistischen Gedanken
verbunden. Mit der Schaffung des eigenen Territoriums nimmt man sich das Recht
an nationalistischen Exklusivitätsgedanken. “Der Exklusivität mobilisiert und
aktualisiert von dem als Politiker und Unternehmen getarnten „Gewaltunternehmen“
mit starken persönlichen und ökonomischen Interessen an der Perpetuierung des
Krisenzustandes“ (Todorova, 1999).
32
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Die nationalistische Führung, insbesondere in Bosnien-Herzegowina, hatte die
eigene Geschichte aus eigener Sicht interpretiert. Sie machten die Geschichte zu
einem wichtigen Faktor der Existenz der Bevölkerung und ihrer eigenen nationalen
Selbstverständlichkeit. Sie verknüpfte Politik und Geschichte um sie als Waffe zu
instrumentalisieren, für Manipulation und zur Schaffung eines falschen historischen
Bewusstseins, Missverständnissen, territoriale Ansprüche und auch als Maßstab zur
Legitimierung ihrer Staatlichkeit. Die eigenen Interpretationen der Geschichte haben
sie als Voraussetzung zur Gewinnung und zum Erhalt von Gruppenidentität
geschafft. Churchill hat gesagt: “Der Balkan produziert mehr Geschichte, als er
Verbrauchen kann“ (Okuka, 1999, S.59). In Bosnien hat sich heute eine Mischung
aus historischen Fakten und ethnonationaler Geschichte gebildet. Je nach dem ob es
die bosniakische, kroatische oder serbische Version der Geschichte ist, in Bosnien
existieren drei Völker die gleichzeitig drei Täter und drei Opfer sind. Jeder sieht sich
als Opfer und bezeichnet die anderen als Täter (Dzihic, 2009, S.107). Die
nationalistischen Politiker nutzten diese Verunsicherung der Menschen in den Zeiten
der politischen, ökonomischen und sozialen Krise, interpretierten die Geschichte zur
ihrem eigenen Interessen, benützten die Verteilung der gesellschaftlichen
Ressourcen auf die ethnischer Basis, erweckten nationale Gefühle und hetzte
Bedrohungsgefühle gegenüber anderen. Damit haben sie ihre Macht verstärkt. Die
ethnische Zugehörigkeit wurde als Instrument einer politischen Instrumentalisierung
und zur Etablierung und Sicherung der eigenen Ziele, Macht und
Herrschaftsverhältnissen genützt (Dzihic, 2009, S.401-407).
3.3 Nachkriegskonfliktsursachen
Mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton im Jahr 1995 wurde
der Krieg in Bosnien durch den starken militärischen und politischen Druck von
Außen beendet. Mit diesem Abkommen war aber keine Konfliktspartei völlig
zufrieden und jeder versuchte in der Phase der Implementierung etwas an dem Plan
zu verändern und noch mehr für sich zu gewinnen. Durch die Anerkennung der
territorialen Teilung des Landes durch die EU wurde eine Rückkehr zum Stand der
Vorkriegszeit unmöglich. Das Daytoner Abkommen bestätigte die gewaltsam
erzielten territorialen und ethnischen Grenzen und bildete einen komplizierten
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Neubeginn von staatlichen Konstruktionen. Für die Bildung einer Staatlichkeit ist der
Ethnonationalismus sehr stark präsent und in allen Sphären der Gesellschaft
ausgeprägt. Das Abkommen und die Verfassung von Dayton stehen in einem
Gegensatz zu einander. Ein Paradoxon ist sie Akzeptanz der Grenzen der
ethnischen Territorien und die andere der Versuch alle drei Ethnien in eine
Gesamtstaatlichkeit zu zwingen. Damit existiert im Daytonabkommen kein klares
politisches Ziel für Bosnien-Herzegowina. Die starke Präsenz der
ethnonationalistische Propaganda in politischen, wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Bereichen bremst den Transformationsprozess des Landes. BosnienHerzegowina befand sich in einem dreifacher Transformationsprozess: Aus dem
Krieg in den Frieden, aus einer schlecht funktionierenden sozialistischen und
staatlich geführten Wirtschaft zu einer Marktwirtschaft und aus einem
Abhängigkeitszustand von den internationalen Gemeinschaft zu Selbstverantwortung
(Papic, 2002, S.51-73).
Das Daytonabkommen bildete komplizierte Verwaltungsstrukturen die sich
gegenseitig blockierten und zeigte die mangelnde Kooperation- und
Koordinierungsfähigkeit der drei Entitäten. Die gesamtstaatlichen Institutionen in
Bosnien waren zu schwach und hatten keine Kompetenz eine einheitliche, zentrale
Institution zu organisieren. Trotz der schlechte wirtschaftlichen und sozialen Lage
und der Anwesenheit von Korruption und Kriminalität es sind nicht gelungen die
nationalistischen Kräfte zu entmachten.
Die Hauptursachen der heutigen Probleme in Bosnien liegen darin, dass alle drei
Völker gezwungen wurden, im Rahmen eines gemeinsamen Staates und unter der
Aufsicht der internationalen Gemeinschaft gemeinsam zu leben. Die territoriale
Abgrenzung zu den anderen Völkern hat die Unterschiede weiter vertieft. Fünfzehn
Jahre nach dem Friedensabkommen benutzt die politische Führung weiterhin die
ethnonationalen Präsenz und instrumentalisiert die Unterschiede mit ethnonationalen
Argumenten. Die ethnische Denk- und Handlungsform wurde von einem Großteil der
Bevölkerung übernommen. Der Exklusivität der ethnischen Gedanken und die
Identifizierung mit der eigenen Ethnie hat einen fruchtbaren Boden für die weitere
Existenz des Ethnonationalismus und der Ethnopolitik in Bosnien geschaffen.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Die exklusive ethnische Identifizierung der nationalistischen Führung in allen
staatlichen Strukturen und der Mehrheit der Bevölkerung blockiert Bosnien weiterhin
auf dem Weg zu einem demokratischen und modernen Staat (Dzihic, 2009, S.401407).
4. LÖSUNGSANSÄTZE DER KONFLIKTE
4.1 Die bisherigen Versuche zur Konfliktlösung
Eine friedliche Konfliktlösung im Bosnien-Herzegowina war möglich durch die
Einigung der Muslime, Kroaten und Serben über eine gemeinsame Führungspolitik.
Die Voraussetzungen für die Errichtung eines gemeinsam herrschenden Systems
sind ungünstig gewesen. Bei den ersten freien Wahlen in Bosnien-Herzegowina
Enden 1990 gewannen die nationalistischen Parteien 86 % der Parlamentsitze. Alle
Parteien hatten unterschiedliche Interessen und keiner war bereit einen Kompromiss
einzugehen. Während die Muslime, die Bosnien als multiethnischer Staat erhalten
wollten, mit den bestehenden Grenzen einverstanden waren, verlangten die Serben
und Kroaten eine eigene Republik, oder Föderation der drei Teilstaaten. Die Serben
proklamierten die Serbische Republik 1992 und erklärten, dass die Republik
Bosnien-Herzegowina nicht mehr existiere. Die Kroaten folgten den Serben und
gründeten die kroatische Gemeinschaft Herzeg-Bosna. Nach diesen Ereignissen
übernahm die internationale Gemeinschaft die Rolle der Verhandlungsführer
(Giersch, 1998, S.68).
Die internationale Gemeinschaft übernahm die Pläne von Milosevic, Tudjman und
der ethnischen Parteien in Bosnien für die Aufteilung des Landes. Der Vorsitzende
der EG-Friedenskonferenz Carrington und der Sonderbeauftragter Cutilhero
verfolgten das Konzept der Föderalisierung Bosnien-Herzegowinas auf Basis der
ethnischen Kantone. Die Internationale Gemeinschaft reduzierte sich auf die
Kantonisierung Bosnien-Herzegowinas und verkörperte die ethnopolitische Idee für
die ethnische Teilung des Landes. Das Vorbild dieses Planes war die Schweizer
Kantonverfassung. Zum Unterschied zu Bosnien-Herzegowina haben in der Schweiz
die kantonalen Grenzen schon vorher existiert, in Bosnien-Herzegowina mussten sie
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
erst erkämpft werden. Dieser Plan wurde von allen Parteien abgelehnt, verstärkte
aber weiterhin den Konflikt. Mit dem Plan wurde die „Schlacht um die Kantone“ weiter
angeheizt (Novi Vjesnik, 1992, S.3A).
Der zweite Plan vermittelte die Bemühungen der EG und UNO auf der Suche nach
einer politischen Lösung des Konfliktes. 1993 legten im Genf die Verhandlungsführer
Owen und Vance der Entwurf des Planes vor. In dem neuen Friedensplan und
Verfassungsrahmen existierte Bosnien-Herzegowina als ein „dezentralisierter Staat“
dreier konstitutiver Völker und zehn autonomen Provinzen mit einer gemeinsamen
Zentralregierung. Die Provinzen sollten keine internationale Rechtspersönlichkeit
haben und dürfen keine internationalen Verträge schließen. Wichtig im Wance-Owen
Plan war, dass die muslimischen, serbischen oder kroatischen Provinzen keine
zusammenhängendes Gebiet bilden und, dass sich der Konflikt auf die Provinzebene
verlagert. Die Rückkehr der Flüchtlinge sollte erleichtert werden und die
Homogenisierung der Völker sollte rückgängig gemacht werden. BosnienHerzegowina sollte die bestehenden Grenzen bewahren. Dieser Plan wurde von dem
serbischen Führer abgelehnt, der das Ziel hatten ein einheitliches serbisches
Territorium zu schaffen. Auch die Muslime sahen sich als Verlier und verlangten viele
Änderungen an dem Plan. Nur die Kroaten waren zufrieden mit diesem Plan weil
mehrere Provinzen an Kroatien grenzten (Calic, 1996, S.190).
Nach der Ablehnung des Wance-Owen Planes unterstützte Owen zusammen mit
Thorwald Stoltenberg den Vorschlag von Milosevic und Tudjman für eine
Konföderation. Dieses Konföderationsmodell präsentierte eine bosnische Union mit
der Teilung Bosniens in drei ethnische Staaten. Nach dem Verfassungsrahmen sollte
eine Konföderation aus einem serbischen, einem muslimischen und einem
kroatischem Staat existieren. Im Vergleich zum Wance-Owen Plan erhielt jeder Staat
das Recht internationalen Abkommen beizutreten und jeder Staat hat die Möglichkeit
mit der Zustimmung von den anderen Teilstaaten den Nachbarnstaaten beizutreten.
Dieses Mal scheiterte der Plan durch die Ablehnung der Muslime. Sie waren mit der
territorialen Aufteilung unzufrieden und wollten weiter für den einheitlichen Staat
kämpfen (Giersch, 1998, S.159).
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Unter dem Druck der Clinton-Administration wurde 1994 des Abkommen von
Washington unterzeichnet. Mit dem Washingtoner Abkommen haben sich die
bosnischen Muslime und Kroaten verpflichtet eine Föderation zu bilden und das
Territorium auf Kantone zu verteilen. Aus der amerikanischen Sicht brachte dieses
Abkommen die Beendigung des kroatisch-muslimischer Krieges, und ist weiters
damit die Gründung eines muslimischen Staates in Bosnien verhindert worden.
Weiters wurden die Probleme der territorialen Abgrenzung zwischen Kroaten und
Muslimen gelöst. Dieses Abkommen brachte die muslimischen und kroatischen
militärische Kräfte gegen die serbischen Truppen und das war eine entscheidende
Voraussetzung für die Friedensverhandlungen in Dayton (Dzihic, 2009, S.159).
4.2 Warum kommt es nicht zu einer Lösung der Konflikte?
Bosnien-Herzegowina befindet sich 15 Jahren nach dem Daytoner Vertrag noch
immer in Konflikten und Widersprüche der Ethnopolitik und des Ethnonationalismus.
Das Daytoner Abkommen hatte zwar den Krieg in Bosnien-Herzegowina beendet
aber gleichzeitig auch den Einfluss der Ethnopolitik bestätigt und vertieft. Die starren
politischen Strukturen beschränkten die Entwicklung einen funktionsfähigen Staates
und produzierten ständig neuen Konflikte. Der Krieg auf der politischen Ebene wurde
nie beendet. Die weitere Zerstörung der einheitlichen bosnischen Staatlichkeit und
der Gesellschaft stellt ein weiteres großes Hindernis für die Stabilisierung und
Normalisierung der demokratischen Staatlichkeit dar. In dem Daytoner Vertrag wurde
die Dezentralisierung und Ethnisierung der Staatsstruktur formalisiert und ungünstige
Voraussetzungen für einen lebensfähigen Staat wurden geschaffen. In der
bosnischen Verfassung ist das ethnische System in allen Bereichen der Regierung
und Verwaltung verankert und damit kommt es auch zur Radikalisierung der
Gesellschaft. Aufgrund von der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise nutzt
die nationalistische Führung weiter die Verunsicherung der Menschen. Die ethnische
bzw. religiöse Zugehörigkeit wird weiterhin instrumentalisiert und ist ein wichtiger
Mechanismus zur Sicherung der eigenen Macht und der eigenen Ziele. Mit Hilfe der
Medien und religiösen Vertreter gelingt es das verlorene Gefühl von Sicherheit zu
geben und das Vertrauen gegenüber den anderen ethnischen Gruppen als
Bedrohung zu polarisieren. Die Konstituierung von der Bedrohung, Abgrenzung von
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
den Anderen, Vertiefung der Unterschiede auf der ethnischen Basis wird als
wirksamstes Machtmittel zu Erlangung der politischen Kontrolle und zur Festigung
der ethnonationalen Macht eingesetzt.
Die politische Elite alle Konfliktsparteien zeigt die gleichen Muster: Alle benutzten das
Ethnische zu Legitimierung des eigenen Handelns (Dzihic, 2009, S.401-418). Das
Versagen der staatlichen Strukturen, der ausgeprägte Nationalismus und die starke
Dezentralisierung der bosnischen Staatlichkeit stellen einen wichtigen Grund für die
Stagnation der Staatsbildung dar. Die bosnisch-serbische Regierung hat noch immer
starkes Interesse an der territorialen Vereinigung mit Serbien. Der Premier der
serbische Republik Dodik droht, als Folge der Unabhängigkeitserklärung Kosovos
von Serbien, mit einer Sezession der serbischen Republik von Bosnien und eine
Angliederung an Serbien (Ivanji, 2010, S.5). Die internationale Gemeinschaft hat
durch die Entsouveränisierung und Entmündigung der bosnischen Gesellschaft zur
Entstehung eines trialen (duallen) Gesellschaftssystems beigetragen. Die
Unkenntnise der internationalen Gemeinschaft über die historischen
Rahmenbedienungen, die Bedürfnisse der Gesellschaft, die überstürzte
Annerkennung der Territorien, das verspätete und undifferenzierte Eingreifen, sowie
überstürzte Wahlen oder Privatisierung hat die Entwicklung zu der heutige
Gesellschaft in Bosnien-Herzegowina ermöglicht. Durch die erzwungene
Privatisierung und Marktwirtschaft und die damit verkoppelte Kreditvergabe für die
Entwicklung ist es Bosnien-Herzegowina noch nicht gelungen, den
Transformationsprozess aus der sozialistischen in die neoliberale Marktwirtschaft
durchzuführen. Die steigende Armut und Perspektivlosigkeit der Bevölkerung sind ein
wichtiges Zeichen für die wirtschaftliche Entwicklung und über die deformierte
Staatsbildung im Land. Der internationalen Gesellschaft wird vorgeworfen, dass sie
eine passive Politik in Fragen der Bekämpfung der Korruption und organisierten
Kriminalität betreibt (Ehrke, 2002, S.5-16).
Die herrschende politische Elite hat den Ethnonationalismus zur dominierenden Kraft
entwickelt und sich damit an der Macht gehalten. Zur Erhaltung der Machtpositionen
ist sie bereit eine gemeinsame Diskussion zur Entwicklung eines stabilen
funktionsfähigen Staates einzugehen. Alle Konfliktsparteien haben ihre politische
Verantwortung zum Schutz der nationale Rechte vor der Bedrohung eigener
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Volksgruppen reduziert. Nerzuk Curak hat für die herrschenden Eliten ein politisches
System aufrechterhalten, dass sie den Staat führten. Aufgrund fehlender
institutioneller Kontrollmechanismen hat die politische Elite den Zugang zu
Ressourcen und Macht, die die Demokratie bremsen. Der Hauptgrund für den
Misserfolg liegt in der Konstituierung des Staates. Alle Konfliktparteien haben
Interesse an der Bildung eines stabilen, zentralisierten Staates. Der Daytoner Vertrag
hat die Verlängerung der ethnischen Macht ermöglicht, indem die Politiker, anstatt
dem Volk zu dienen, das Volk für die ihre eigenen Interessen nutzt. Eine
Hyperproduktion der Bürokratie und der Verwaltung in Bosnien-Herzegowina
blockiert jede Möglichkeit für Veränderungen des jetzigen Systems. Ohne strukturelle
Reformen wird es schwierig werden, eine erfolgreiche Basis für die Bildung einer
demokratischen Gesellschaft und funktionsfähiger Staatlichkeit zu schaffen (Curak,
2006, S.83-84).
4.3 Mögliche Konfliktlösung
Die Zukunft Bosnien-Herzegowina hängt davon ab, wie sehr die politische Elite
bereit ist, von dem jetzigen ethnonationalistischem Programm in eine demokratische
Gesellschaft überzugehen. Der notwendige Machtwechsel in Bosnien-Herzegowina
könnte die bosnische Staatlichkeit von der ethnischen Dominanz befreien und zu
einem modernen sozialen und wirtschaftlichen Staat führen. Ein wichtiger Faktor für
den Ausstieg aus der Krise ist die derzeitige Konstruktion der bosnischen
Staatlichkeit, die trotz einiger Fortschritte noch immer nicht funktioniert. Es bedarf
einer Reform der institutionellen Rahmen, die von innen kommen sollte und von der
internationalen Staatengemeinschaft an die bosnischen Umstände angepasst
werden müsste. Die Entwicklung eines stabilen, funktionsfähigen Staates bedarf
auch Reformen des institutionellen und überfüllten Verwaltungssystems, das dann in
der Lage ist, einen Ausstieg für den Ausgang aus der sozialen und wirtschaftlichen
Krise anzubieten. Zwei wesentliche Faktoren sind die Reformen der Daytoner
Verfassung und die Bildung einer zentralisierten Staatlichkeit für die Errichtung und
Stärkung politischer, wirtschaftliche und soziale Strukturen, vor allem der Demokratie
und Ökonomie, sowie die Stabilisierung der Sicherheit im Land. Im Oktober 2010
sind die nächsten Wahlen in Bosnien-Herzegowina, es ist dem die Verantwortung
39
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
und Möglichkeit der Wähler über ihre eigenen Zukunft weiter zu entscheiden (Dzihic,
2009, S.401-419).
5. Zusammenfassung
Der Zerfall Jugoslawiens ist ein Zerfall der Ideologie innerhalb der politischen Elite.
Der Prozess des Zerfalles ist nicht plötzlich gekommen sondern ist in einem relativ
langfristigen Zeitraum aufgetreten und war durch der Schwächung und dem Zerfall
von staatlichen Strukturen und Institutionen vorbedingt. Nach der Reform der
Verfassung 1974, wurden selbst regulierende und verwaltende gesellschaftliche
Systeme eingeführt. Jugoslawien hat hoch ideologisiert gelebt indem ihre Bürger
selbst Teil der Verwalter gewesen sind. Dieses gemeinsame selbst verwaltende
Konzept des Sozialismus und die Dezentralisierung von staatlichen Funktionen hat
seine Attraktivität nach dem Tod von den Autoren der Verfassung Edvard Kardelj
(1979) und Josip Broz Tito (1980) verloren. Mitte der achtziger Jahre sind neue
politische Konzepte und Ideologie entstanden.
Die neuen Ideologien waren eine Mischung aus sozialistische, demokratische,
liberale und nationalistische Rhetorik. Der zerfallene, schwache und uneffiziente
Staat war nicht in der Lage den neuen Ideologien zu bestehen und hat eine
Rückkehr von nationalistischen Führern und den Aufstieg vom Nationalismus
ermöglicht und bewirkt. Der Aufstieg vom Nationalismus kam zuerst in Serbien mit
Milosevic und dann in Kroatien mit Tudjman. Beide nationalistischen Führer
betrieben eine Politik, die zum dem Krieg führen sollte. Bosnien-Herzegowina war als
Staatsrepublik nicht lange in der Lage einen stabilen und funktionierenden Rahmen
für die Erhaltung der Stabilität und der Toleranz der eigenen Völker zu schaffen. Der
Krieg und die Ethnopolitik zwischen Serbien und Kroatien verbreitete sich weiter in
Bosnien.
Die Menschen zeigten mangelnde Identifizierung mit dem Staat und suchten
Sicherheit in der neuen Ideologie mit der Identifizierung mit führenden politischen
Köpfen. Die führenden ethnonationalistische Parteien in Bosnien-herzegowina
nützten diese Verunsicherung der Menschen, interpretierten die eigene Geschichte
40
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
aus ihrer Sicht, schafften Raum für gegenseitige Bedrohungsgefühlen und spielten
manipulativ mit den Gefühlen zwischen den Ethnien. Die Etablierung der autoritären
nationalistischen Strukturen mit dem Ethnonationalismus als dominantes Instrument
für die eigene Macht und Manipulation der Gegenwart, führte bei allen Ethnien zur
Entwicklung der Exklusivitätsgedanken und Trennung zwischen die „besseren wir“
und die „schlechteren anderen“. Die ständig reproduzierten Mythen zwischen „uns“
und „den anderen“ verbreitete Massenangst und diese führte zur Homogenisierung
der Ethnien auf territorialer Basis. Die reine ethnische Homogenisierung von
bestimmten Territorien war ein Ziel der nationalistischen Führung und Bestrebung zu
Vereinigung mit Serbien und Kroatien. Bei der totalen Zerstörung der bosnischen
Staatlichkeit und Erkämpfung der ethnonationalen politischen Macht haben in dem
blutigen Krieg fast 300.000 Menschen ihr Leben verloren.
Mit dem Daytoner Abkommen 1995 wurde der Krieg auf dem Feld beendet, aber
noch nicht auf der politischen Ebene. Die Konfiguration des bosnischen Staates aus
zwei Konföderationen, der serbische Republik und der kantonisierten bosnischkroatischen Föderation hat die Kriegslogik der nationalistischen Elite bestätigt. Das
Daytoner Abkommen hat ungünstige Voraussetzungen für die Normalisierung des
Landes geschaffen und den Aufbau der bosnischen Staatlichkeit verzögert und damit
die Krise bis heute verlängert. Die Institutionalisierung des ethnischen Prinzips mit
dem Daytoner Abkommen hat die bosnische Politik auf die Ethnopolitik reduziert. Die
nationalistische Elite hat sich mit der Ethnopolitik tief an der Macht verwurzelt und in
allen herrschenden Rechtskörper verbreitet. Die Lösungen für die ökonomischen und
sozialen Probleme (hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Korruption und Kriminalität) bleiben
weiter leere Versprechungen.
Die gegenseitigen Blockaden der nationalistischen herrschenden Führung verbreiten
separatistische Tendenzen und verhindern den Aufbau der bosnischen Staatlichkeit.
Es herrscht eine Notwendigkeit der Befreiung der Staatlichkeit von der starken
Dominanz der Ethnopolitik und der Schaffung einer wirtschaftlichen und sozialen
Sicherheit. Es ist der Bedarf an einer Reform der institutionellen Rahmen und
Verfassung des Daytoner Abkommen gegeben. Alle Reformen sollten von innen
kommen und die politische Führung sollte eine gemeinsame Sprache für die
Entwicklung einer demokratischen, modernen und wirtschaftlich funktionierenden
41
Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Staates finden. Die wichtigsten Voraussetzungen für einen modernen,
funktionierenden Staat sind:
Aufbau eine stabile Demokratie, in der die Menschenrechte und das Prinzip
der Rechtstaatlichkeit geachtet wird
Es soll eine funktionsfähige liberalisierte Wettbewerbsfähige Marktwirtschaft
eingeführt werden
Der Staat muss die gemeinsame Rechtsvorschriften, Normen und Politik
bilden
Es bleibt die Hoffnung, dass das Bewusstsein der Menschen in BosnienHerzegowina sich verändern wird und durch eine andere Denk- und
Handlungsweise die richtige Richtung findet, um zu einem modernen,
demokratischen und stabilern Staat zu werden. Die Zukunft Bosnien-Herzegowinas
liegt in den Händen der Bürger und den Führungspersönlichkeiten als
Verantwortungselite zur Gestaltung einer humanen und wirtschaftlich erfolgreichen
Zukunft.
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Lidija Lukic
Konflikt in Bosnien-Herzegowina
Ehrenwörtliche Erklärung zur Diplomarbeit
Ich erkläre hiermit ehrenwörtlich, dass ich
1. meine Diplomarbeit eigenständig und ohne fremde Hilfe angefertigt habe;
2. die Übernahme wörtlicher Zitate aus der Literatur/dem Internet sowie die
Verwendung der Gedanken anderer Autoren an den entsprechenden Stellen
innerhalb der Arbeit gekennzeichnet habe;
3. meine Diplomarbeit bei keiner anderen Prüfung vorgelegen habe. Ich bin mir
bewusst, dass eine falsche Erklärung die Aberkennung des Diploms/Titel zur
Folge haben wird.
(Ort, Datum) (Unterschrift)
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