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Hausarbeit in der Vorlesung:
Einführung in die Angewandte Ethik
Zum Thema
„Krankheiten heilen – Keine Heilung
durch Tierversuche“,
Flyer des Vereins zur Abschaffung der Tierversuche
Einleitung
Der Verein zur Abschaffung der Tierversuche hat einen zweiseitigen Flyer zum Thema „Keine
Heilung durch Tierversuche“ in Umlauf gebracht. Der Flyer besteht aus zwei Bildern und einer
Textseite. Die erste Seite stellt die Frage „Krankheiten heilen?“, während die zweite Seite für
„Keine Heilung durch Tierversuche“ propagiert. Die Textseite stellt anschliessend alle Argumente und Thesen des Vereins dar.
Mit diesem Flyer erhofft sich der Verein, dass Medikamente, welche anhand von Tierversuchen
entwickelt und geprüft worden sind, von den Patienten in Zukunft gemieden werden. Zudem
vertritt der Verein den Standpunkt, dass Tierversuche abgeschafft werden sollen.
Es folgt eine persönliche Analyse des Flyers.
Das moralische Problem
Der Flyer spricht das Thema der Tierversuche an. Medikamente werden durch Tierversuche
entwickelt um dem Menschen Heilung zu verschaffen. Nun stellt sich ganz allgemein die Frage
nach dem Sinn von Tierversuchen. Darf man solche Versuche an Tieren überhaupt durchführen? Haben Tiere auch Rechte und Würden? Wenn ja, in welchem Verhältnis stehen diese zu
den Rechten und Würden des Menschen? Oft werden solche Versuchstiere sogar gequält. Ist
dies zulässig? Darf der Mensch zu seinem eigenen Wohl Tiere misshandeln?
Solche Fragen führen zu einem moralischen Dilemma. Der Mensch ist ein Forscher und ein Erfinder. Er möchte die Welt begreifen und stellt Versuche und Studien an. Der Mensch möchte
aber auch so lange wie möglich überleben und dazu entwickelt er Heilmittel um gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden. Forscher bedienen sich dazu auch der Tierwelt um an weitere Informationen zu gelangen. Darf der Mensch zum Wohle der Menschheit – also für sich
selbst – Tierversuche durchführen und so möglicherweise sogar Tiere quälen?
Darstellung und Kritik der Argumente
Auf der Textseite des Flyers wird die Argumentation in vier Punkte aufgeteilt, welche im Folgenden kurz erläutert werden.
1. Trotz oder gerade wegen geförderter tierexperimenteller Forschung bleiben viele Krankheiten unheilbar und nehmen sogar noch zu.
2. Die Pharmaindustrie ist überhaupt nicht an der Gesundheit der Menschen interessiert,
sondern nutzt die Angst vor dem Tod und der Krankheit aus um Geld zu verdienen.
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3. Es können keine aussagekräftigen Rückschlüsse aus Tierversuchen gewonnen werden,
da sich der Mensch und das Tier einerseits und die Tiere untereinander anderseits zum
Teil stark unterscheiden.
4. Es werden Forscher benötigt, welche auf Tierversuche verzichten und mit auf den Menschen bezogene Methoden neue Erkenntnisse gewinnen können.
Die oben aufgeführten Argumentationspunkte sind, wie im Anschluss zu sehen sein wird, oft
nicht klar ausgeführt und wirken oberflächlich. Die Argumente enthalten keine genaueren Beschreibungen und Erläuterungen, welche dem Leser die Argumentation verständlich machen
könnten und scheinen deshalb oft aus der Luft gegriffen oder unhaltbar.
Der erste Punkt besagt, dass trotz oder gerade wegen Tierversuchen verschiedenste Krankheiten nicht geheilt werden können. Die Argumentation beschuldigt die Tierversuche, dass einige
Krankheiten durch sie nicht geheilt werden können. Es ist klar, dass nicht alle Krankheiten aufgrund von Tierversuchen geheilt werden können oder sollen, denn die Medizinforschung beruht
ja nicht nur auf Experimenten mit Tieren. Zudem ist die Aussage, dass „gerade wegen“ den
Versuchen an Tieren einige Krankheiten unheilbar bleiben, haltlos. Aus Tierversuchen sind bereits viele nützliche Erkenntnisse gewonnen worden und daher kann man nicht so argumentieren. Durch Tierversuche entstehen ja auch keine neuen Krankheiten.
Zudem werden in der Argumentation Krankheiten aufgezählt, welche eher unbekannt sind, jedoch gut klingen. Auch ist mir nicht bekannt, dass Querschnittlähmungen irgendwie geheilt
werden können, denn sie sind eher in der Kategorie „Behinderungen“ einzustufen und nicht mit
Krankheiten gleichzusetzen.
Im zweiten Argumentationspunkt wird die Pharmaindustrie beschuldigt stark gewinnorientiert zu
handeln und kein Interesse an der Gesundheit des Menschen zu zeigen. In der Zeit des Kapitalismus muss damit gerechnet werden, dass eine Industrie gewinnorientiert ist. Es muss jedoch
nicht zwingend daraus folgen, dass die Pharmaindustrie aufgrund der Orientierung am Gewinn
kein Interesse an der Gesundheit des Menschen haben kann. Beide Bereiche können durchaus
unter einen Hut gebracht werden.
Ebenfalls wird behauptet, dass die meisten Medikamente, welche von Tierversuchen geprüft
worden sind, meist nur Symptome bekämpfen und gar nicht heilen. Diese Aussage kann ohne
weitere Begründungen nicht einfach so stehen gelassen werden, denn es werden auch heilende Medikamente an Tieren getestet.
Dass sich Tiere untereinander und vom Menschen unterscheiden wird im dritten Punkt als Argumentationsgrundlage verwendet. Es ist bestimmt ein Problem, das ein Unterschied der verschiedenen Spezies besteht, denn so ist es schwierig genaue Erkenntnisse zu gewinnen. Je-
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doch ist es bisher trotz Unterschieden gelungen, brauchbare Erkenntnisse zu erlangen. Dass
künstlich erzeugte Krankheiten bei Tieren nicht mit spontan auftretenden Krankheiten beim
Menschen zu vergleichen sind, liegt dabei auf der Hand.
Sehr störend bei diesem Argumentationspunkt ist aber der letzte Satz:
„Tatsache ist: Die Fixierung auf unzuverlässige, nicht aussagekräftige Tierversuche garantiert, dass menschliche Krankheiten unheilbar bleiben.“
Tierversuche – auch wenn sie unzuverlässig oder nicht aussagekräftig sind – garantieren in
keinem Fall, dass menschliche Krankheiten unheilbar bleiben. Es gibt genug Krankheiten, welche aufgrund von Erkenntnissen aus Tierversuchen geheilt werden können.
Im vierten und letzten Punkt wird unterstrichen, dass Forscher auf Tierversuche verzichten sollen. Damit Fortschritte erzielt werden können, sollen Forscher auf den Menschen bezogene Methoden verwenden, was natürlich zu unterstützen ist. Es wird auf eine Homepage verwiesen,
auf welcher solche Forschungsmethoden vorgestellt werden. Jedoch sind auf dieser Seite keine
weiteren Angaben zu solchen Methoden vorhanden. Es ist also immer noch nicht klar, um was
für Humanmedizinische Methoden es sich handelt.
Ethische Prinzipien, Theorien und Positionen
Die Tierethik ist ein schwieriger Bereich der Ethik, da es sich bei ihr nicht nur um die Vorstellungen des Menschen, sondern auch um jene des Tieres handelt. Der Mensch muss entscheiden
was gut für das Tier ist, womit er sich aber bereits wieder über den Status des Tieres stellt. Er
muss schlussendlich den Status des Tieres bestimmen, ohne dass die Tiere selbst mitreden
können. Daher muss er die Empfindungen und Gefühle, welche ein Tier haben kann oder könnte, abschätzen und in seine Beurteilung miteinbeziehen können. Dies setzt eine genaue Auseinandersetzung mit dem Tier selbst voraus und führt zu einer normativen Ethik. Denn das Abwägen von verschiedenen Werten und Normen – hier die Werte des Tieres und des Menschen
– führt zu normativen Fragen, welche in einer utilitaristischen Sichtweise münden können.
Der Verein zur Abschaffung von Tierversuchen nimmt wohl eine pathozentristische Position ein.
In der Theorie des Pathozentrismus wird allen empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert zugesprochen. Dieser variiert von Lebewesen zu Lebewesen und muss nicht
identisch sein. In dieser Theorie wird – im Gegensatz zum Anthropozentrismus - jedoch keinen
Bezug auf den Nutzen der Tiere für den Menschen genommen, wie dies ja auch im Flyer des
Vereins der Fall ist. Lebewesen, welche Empfindungen haben können, müssen berücksichtigt
und geschützt werden. Dies ist bei den meisten Tieren der Fall. Da jedoch die Theorie des Pathozentrismus nicht auf Nutztiere eingeht, hat sie eine Schwachstelle.
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Ethische Grundhaltungen und Positionen des Vereins zur Abschaffung der Tierversuche sind
nur schwer auszumachen, da sie sich mit dem Flyer nicht generell für Tiere einsetzen, sondern
einfach gegen die Tierversuche. In der Argumentation wird nicht speziell auf das Wohl der Tiere
eingegangen, sondern nur auf die Wirkungsweise der Medikamente. Es steht nicht das Tier im
Vordergrund, sondern der Mensch. Deshalb kann in diesem Fall auch nicht wirklich von Tierethik gesprochen werden.
Analyse und Beurteilung
Wenn man den Flyer in den Händen hält, sind es vor allem die beiden Bilder, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Allerdings ist auf den ersten Blick nicht ganz klar in welchem Verhältnis die Bilder zueinander stehen. Das erste Bild „Krankheiten heilen?“ mit zwei älteren Personen - eine davon im Rollstuhl sitzend – stellt wohl die Frage, ob man Krankheiten im Alter
überhaupt noch heilen soll. Diese Frage wird jedoch im Text überhaupt nicht behandelt und es
ist kein Bezug zu finden. Das zweite Bild trifft die Thematik jedoch genau. Unter dem Titel „Keine Heilung durch Tierversuche“ steht eine Abbildung einer Maus, welche aus Tabletten angefertigt worden ist. Darauf wird auf der Textseite auch explizit eingegangen.
Die Textseite selbst soll Argumente hervorbringen und die Leser dazu bewegen sich für die Abschaffung der Tierversuche einzusetzen. Die Argumente sind jedoch im Grossen und Ganzen
sehr schwammig und nur selten begründet. Daher wirken sie oberflächlich und aus der Luft gegriffen. Auch werden zweifelhafte Aussagen als Fakten dargelegt.
Die ganze Argumentation ist darauf ausgerichtet Tierversuche abzuschaffen. Es geht dem Verein jedoch nicht darum Tiere nicht mehr zu quälen und sie stattdessen zu schützen. Der Verein
zur Abschaffung der Tierversuche hat die Absicht das Wohl der Menschen zu steigern und die
medizinische Forschung voranzutreiben ohne eigentlich auf das Wohl der Tiere selbst einzugehen. Somit werden eigentlich nur Fragen nach dem Schema „Wie kann es den Menschen besser gehen?“ oder „Wie kann die Medizin sich verbessern?“ gestellt. Es ist ganz klar eine egoistische, auf den Menschen bezogene Motivation festzustellen, welche überhaupt nicht auf die
Werte und Normen der Tiere eingeht und somit nicht den Regeln der Ethik entspricht.
Quellen
–
Anderegg, Christopher. Flyer: „Krankheiten heilen – Keine Heilung durch Tierversuche“.
Zürich: Verein zur Abschaffung der Tierversuche.
–
Rippe, Klaus-Peter: Die Würde des Tieres als Bürde des Gesetzgebers (2000).
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