Kultur, Kommunikation und Artikulation. Cultural

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Kultur, Kommunikation und Artikulation. Cultural Studies als generativer Diskurs.
WS 2007/08
PAED
Eingereicht bei Prof. Thomas Bauer
Kultur, Kommunikation und Artikulation. Cultural Studies als
generativer Diskurs.
1 Was ist die zentrale Problemstellung des Artikels?
Das zentrale Thema des Artikels ist die Auseinandersetzung mit den primären Ausrichtungen von
naturwissenschaftlichen Modellen und Annahmen der Kommunikationswissenschaft im
deutschsprachigen Raum.
Die Verbindungen zwischen Kultur- und Kommunikationswissenschaft stellen eben diese in Frage
und versuchen zu einer Auseinandersetzung mit konstruktionistischen und poststrukturalistischen
einzuladen und in dieser Diskussion nimmt die Cultural Studies eine wichtige Rolle ein.
„Die Wissenschaft der Psychologie hat den Anspruch, zeitlose, ahistorische und
kontextunabhängige Wahrheiten über ihr als Naturwesen betrachtetes Forschungsobjekt zu
`entdecken`. Jedoch zeigen Foucaults Arbeiten neben anderen, dass es eine universale, menschliche
Natur nicht geben kann, denn historisch und gesellschaftlich unterschiedliche Diskurse und
Praktiken prägen unser jeweiliges Selbst- und Fremdverständnis. (…) Die Welt, einschließlich der
Kultur, ist nicht objektiv gegeben, sondern wird sozial konstruiert.“. 1
Laut Raymond Williams sind Kultur und Kommunikationswissenschaft in gewisser Weise gleich zu
setzten. Denn beide sind nicht nur Lebensweisen, sondern auch eine schöpferische Tätigkeit und
um die Analyse dieser und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sind die Hauptthemen des
Artikels.
2 Welche Begriffe lieg en der Argumentation zugrunde?
Aufgrund der Argumentation, dass die Welt sich nicht beschreiben und erklären lässt wie sie ist,
weil der Natur kein Spiegel vorgehalten werden kann (vgl. Rorty 1981) 2 und dass die Welt durch
Erforschung mitkonstruiert wird, lassen sich alternative Ansätze finden, die neue Perspektiven
zwischen Kultur- und Kommunikationswissenschaft zulassen. Dabei spielen die Begriffe
Medienwirkungsforschung, Cultural Studies und Artikulation in diesem Diskurs eine wichtige Rolle.
Die frühere Medienwirkungsforschung geht davon aus, dass ein Individuum, das aber immer nur
Teil einer Gesamtheit ist, negativ von Medien beeinflusst wird.
Die Forscher geben zwar zu, dass es unmöglich sei alles zu verallgemeinern und dass außer Medien
auch andere soziale Aspekte eine wichtige Rolle spielen, doch weiterhin bleiben die negativ
1
Winter, Rainer: Kultur, Kommunikation und Artikulation. Cultural Studies als generativer
Diskurs. In: Karmasin, Matthias; Winter, Carsten (Hrsg.): Kulturwissenschaft. Projekte, Probleme
und Perspektiven, Wiesbaden: Westdt. Verlag, S. 203.
2
Ebd., S. 203.
2
behafteten Kausalannahmen das zentrale Motiv. Im Gegensatz dazu untersuchen Cultural Studies
alltägliche Gegebenheiten wie Bedeutungen, Einstellungen und Wertorientierungen, die sich ständig
verändern. Wichtig ist ihnen dabei, das mögliche Potential eines Individuums nach der Rezeption
zu verstehen. Cultural Studies begreifen Medien als soziale Prozesse, da für sie Medien
Gemeinsamkeiten hervorbringen, mit denen der Zuschauer im Anschluss aktiv und kreativ umgeht.
Dadurch sprechen sie den Konsumenten weitaus mehr Eigeninitiative zu, was viele Forscher
kritisieren. Weiters versuchen Cultural Studies mit Hilfe von Artikulation, Verbindungen von
Praktiken des alltäglichen Lebens zu Politik- und Machstrukturen herzustellen. Zentrales Element
der Artikulation ist das Encoding/Decoding-Modell von Stuart Hall. Aus seinem Konzept geht
hervor, dass jede einzelne Komponente im Kommunikationsprozess als eigenständige Artikulation
zu sehen sei. „[...] Eine Artikulation ist (...) eine Verknüpfungsform, die unter bestimmten
Umständen aus zwei verschiedenen Elementen eine Einheit herstellen kann. [...]“ 3 , so Hall
wörtlich.
Dabei
werden
also
verschiedene
Ebenen
verbunden,
die
erst
durch
ihren
Kommunikationsrahmen ihre jeweiligen Bedeutungen erlangen. Aufgrund dessen entsteht eine
komplexe Struktur, die nur mehr als Gesamtheit betrachtet werden kann. Diese Theorien bzw.
Konzepte nehmen einen wichtigen Platz in den Cultural Studies ein, da sie sowohl den
Reduktionismus als auch den Essentialismus vermeiden.4 Der Artikel von Rainer Winter weist
weiters darauf hin, dass Artikulation auch als Kultur verstanden werden kann. Wobei Kultur in dem
Text als offener kommunikativer Prozess verstanden wird.
Eine Weiterführung der Artikulationstheorie geschieht in der Rock- Formation. Sie greift die
bereits angeführten Thesen auf und erweitert sie. Somit versteht man unter der Rock- Formation
die Verknüpfung textueller Praktiken mit anderen kulturellen, ökonomischen und politischen
Praktiken.
Jedoch warnt besonders Grossberg sehr davor die Massenmedien mit der Populärkultur in
Verbindung zu bringen. Für ihn und seinen Forscherkollegen Frith ist jene zu oberflächlich. Sie
bringt zwar Emotionen ans Tageslicht, jedoch sind jene als direkter Output zu dem gegebenen
Input zu verstehen.
Rock hingegen wird verbunden mit Ehrlichkeit, Authentizität und greift das Alltagsleben auf.
Wichtiger ist jedoch, dass die Rockkultur dafür bekannt ist Allianzen aufzubauen zwischen
Praktiken, Fans und den erzeugten emotionalen Bildern. „[...] Das Spezifische der RockFormation sieht Grossberg nun darin, dass sie auf dem Alltagsleben aufbaut, gleichzeitig aber
versucht, es zu transzendieren, indem sie Stimmen, Bilder und Sounds von Personen aufgreift, die
3
Ebd., S. 210.
4
Ebd., S. 212.
3
aus diesem Alltagsleben ausgegrenzt werden.[...]“ 5 . Nicht das Erzählte ist ausschlaggebend, sondern
die Stimmung, der affektive Raum der geschaffen wird.
In der Analyse der Rock- Formation kann ganz deutlich gezeigt werden, dass das Ziel der Cultural
Studies die Erkenntnis über die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Momenten der
Selbstermächtigung und den kulturellen und gesellschaftlichen Prozessen ist.
Also ähnlich wie bei der Kommunikation: Es geht nicht primär um den transportierten Inhalt,
sondern um den Bezugsrahmen. Erst, wenn man diesen Kontext berücksichtigt kann die wahre
Bedeutung in allen Nuancen erfasst werden. Gerade durch Fluchtlinien ist es eben nicht möglich das
Kommunizierte auch ohne seinen Kontext zu verstehen.
3 Worin liegt die Verwertbarkeit der vorgestellten Thesen für die
Kommunikationswissenschaft?
Laut den Cultural Studies ist das primäre Ziel von Kommunikation die Herausbildung von
Gemeinschaft. Es geht darum, durch theoretische Innovationen und Analysen Möglichkeiten der
Transformation aufzuzeigen und den Dialog zu fördern.
„Kultur als Kommunikation“ ist der primäre Ansatz der Cultural Studies.
Cultural Studies für die Kommunikationswissenschaft praktisch zugänglich machen zu wollen, mag
zwar – zumindest im deutschsprachigen Raum – ungewohnt erscheinen, Rainer Winter erläutert in
seinem Text aber sehr eindrucksvoll die Verbindungen und zeigt klar, dass Kultur ohne
Kommunikation nicht funktionieren kann (und umgekehrt), ebenso verhält es sich mit der
Wissenschaft. Bereits zu Beginn des Textes erklärt er, dass unsere „Welt“ und damit jeglicher
„Kultur“-Begriff soziale Konstrukte sind, also mit anderen Worten durch Kommunikation geprägt
worden – durch Sprache. Sprache selbst gewinnt ihre Bedeutung aber erst durch ihren sozialen
Gebrauch in Interaktionen.
6
Winter erläutert außerdem, dass kulturelle Texte ihre Bedeutung erst in kommunikativen
Beziehungen und sozialen Gemeinschaften gewinnen, sprich: Kultur wird durch Kommunikation
konstituiert. Dies wird in weiterer Folge am Beispiel der Mediennutzung erläutert, wobei die
(Medien-)Wirkungsforschung der Cultural Studies einen wichtigen Stellenwert einnimmt. 7 Der
Konsum von Medien ist insofern betrachtet, nicht nur als kommunikationswissenschaftlich
relevantes Phänomen zu sehen (Kommunikation u.a. im Sinne von durch und über Medien),
5
Ebd., S. 215.
6 Ebd., S. 203.
7 Ebd. S. 204f.
4
sondern also auch als kulturwissenschaftliches (u.a.: kulturell erzeugt, Spiegel von Kultur,
gleichzeitig Übermittler, Erzeuger von Kultur bzw. bestimmter kultureller Einflüsse).
Die praktische Orientierung der Cultural Studies bedeutet laut Rainer Winter nicht, dass sie
antitheoretisch orientiert sind, sondern die Theoriearbeit als ein Prozess verstanden wird, der nur
willkürlich abgeschlossen werden kann. Sie diene dazu, sich mit dem Konkreten der
gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinanderzusetzen.
8
Am Beispiel der Analyse der Rockformation führt Winter schließlich aus, dass Kultur als
Kommunikation begriffen werden kann und zieht dazu Lawrence Grossbergs Studien heran. Die
Musik steht nicht nur als Unterhaltung, sondern ist noch viel weiter zu fassen, da die Erfahrung
kollektiver Identität vermittelt wird. Was soviel bedeutet wie, „dass wir Musik nicht nur gemäß
unserer sozialen Identitäten auswählen und genießen, sondern die Musik selbst formt diese
Identitäten und sozialen Gruppen, zu denen wir gehören“.
9
Cultural Studies fassen Kultur also als Kommunikation auf, womit Kommunikation eine
kulturtheoretische Auffassung widerfährt.
„Der Ausgangspunkt ist also nicht eine isoliert betrachtete Botschaft, die auf linearem Wege von
einer Person zu einer anderen ‚transportiert’ wird, wie in der Wirkungsforschung, sondern eine
soziale Wirklichkeit, welche in der Kommunikation geschaffen wird. Kultur lässt sich als eine in
sozialen Kontexten geschaffene Kondensation von Bedeutung begreifen, die auf der Artikulation
von Ereignissen beruht.“
10
Die Cultural Studies betrachten Kommunikation als einen Prozess, in Kombination mit dem
Konzept „Kultur-als Kommunikation“ kann Kultur also ebenfalls ein Prozess (auf Basis von
Interaktion und Meinungsfindung/-teilung) betrachtet werden. Wird der deutschprachige Diskurs
der Kommunikationswissenschaften um den Aspekt Kultur erweitert, ist es laut Winter möglich,
einen offenen, transdisziplinären Dialog zu führen und so die Zugangsweisen zu erweitern um in der
Folge wohl auf bisher unberücksichtigte Ansätze zu stoßen.
11
4 Literaturverzeichnis
Winter, Rainer (2003): Kultur, Kommunikation und Artikulation. Cultural Studies als generativer
Diskurs. In: Karmasin, Matthias / Winter, Carsten (Hrsg.): Kulturwissenschaft als
Kommunikationswissenschaft. Projekte, Probleme und Perspektiven, Wiesbaden: Westdt. Verlag,
S. 203-221
8
Ebd. S. 210.
9
Ebd. S. 216.
10
Ebd. S. 217.
11
Ebd. S. 217f.
5
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