arachno-ethmologie der arthropoda

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Arthropoda
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ARACHNO-ETHMOLOGIE DER ARTHROPODA
Systematik der Arthropoda
Unterstamm
Klasse
Unterklasse
Ordnung
Familie
Sarcoptidae
Gattung
Argas, Otobius, Ornithodores
Ixodes, Amblyomma,
Boophilus, Dermacentor,
Haemaphysalis, Hyalomma, Rhipicephalus
Dermanyssus
Ornithonyssus
Reillietia
Varroa
Acarapis
Cheyletiella, Ornithcheyletia
Psorergates
Demodex
Trombicula,
Neotrombicula
Acarus
Hypodectes
Psorpotes, Chorioptes,
Otodectes
Sarcoptes, Notoedres
Ergasilidae
Ergasilus
Argasidae
Ixodida
(Metastigmata)
Gamasida
(Mesostigmata)
Chelicerata
Arachnea
Acaria
Ixodidae
Darmanyssidae
Macronyssidae
Raillietidae
Varroidae
Tarsonemidae
Cheylettiellidae
Actinedida
(Prostigmata)
Psorergatidae
Dermodicidae
Thrombiculidae
Acaricida
(Astrigmata)
Branchiata
Crustcea
(Diantennata)
Treaceata
Insectea
(Antenata)
(Insexta,
Hexopoda)
Copepodia
Podopleida
Acaridae
Hypoderidae
Psoroptidae
Pterygotia
Sektion A: Pterygotia mit unvollkommener Metamorphose
(Fluginsekten) Mallophagida
Haarlinge: Trimenopon
• Amblycerina
Federlinge: Menopon
Haarlinge: Bovicola, Trichodectes, Felicola
• Ischnocerina
Federlinge: Anaticola, Columbicola
Pediculidae
Pediculus, Phthirus
Anoplurida
Haematopinidae
Haematopinus
Linognathidae
Linognathus, Solenopotes
Cimicidae
Cimex
Heteropterida
Reduviidae
Triatoma
Sektion B: Pterygotia mit vollkommener Metamorphose
Dipterida
Culicidae
Aedes, Culex, Anopheles,
Simulium, Eusimulium,
Simuliidae
Wilhelmia, Odagmia
• Nematocerina
Phlebotomidae
Phlebotomus, Lutzomia
Ceratopogonidae Culicoides
Chrysops, Hybomitra,
• Brachycerina Tabanidae
Tabanus, Haematopota
Arthropoda
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Muscidae
Fanniidae
Glossinidae
Calliphoridae
Musca, Hydrotaea,
Stomoxys, Haematobia
Fannia
Glossina
Calliphora, Lucilia,
Chrysomyia
• Sarcophaginae Wohlfahrtia, Sarcophaga
Oestidae
Oestrus, Rhinoestrus
• Oestrinae
• Hypoderminae Hypoderma, Oedemagena
Gasterophilidae
Gasterophilus
Hippoboscidae
Hippobosca, Melophagus
Pulicidae
Pulex, Ctenocephalides
Ceratophyllidae
Ceratophyllus
• Calliphorine
Siphonapterida
Vereinfachter Schlüssel zur Bestimmung parasitologisch wichtiger Arthropoden in Mitteleuropa (adulte Stadien)
1.
a)
b)
ungegliederter Körper, keine Antennen, 4 Beinpaare
dreigliedriger Körper, mit Antennen., 3 Beinpaare
(2) Arachnida
(3) Insekta
2.
a)
b)
meist > 1 mm, Mundwerkzeuge mit Hypostom
meist < 1 mm, Mundwerkzeuge ohne Hypostom
Zecken
Milben
3.
a)
b)
Flügellos
Geflügelt
(4)
(5)
4.
a)
Körper mehr oder weniger dorso-ventral abgeplattet
b)
c)
5.
6.
a)
mit 2 Flügelpaaren
b)
mit einem Flügelpaar
a)
Körper in der regel schlank, fadenförmige Antennen (7) Nematocera (Mücken)
mit > 6 gleichartigen Gliedern
Körper gedrungen, walzenförmig, kurze Antennen (8) Brachycera (Fliegen)
mit 3 unterschiedlich geformten Gliedern
b)
7.
8.
Anoplurida (Läuse), Mallophaga (Haarlinge),
Heteroptera (Wanzen)
Körper seitlich komprimiert
Siphonaptera (Flöhe)
Körper mit „Wespentaille“, stark abgeknickte An- Ameisen
tennen
a)
Libellen, Bienen, Wespen, Käfer, Schmetterlinge
(6) Diptera (Zweiflügler)
b)
Antennenglieder stab- oder perlenförmig und behaart Culicidae (Stechmücken), Phlebotomidae
(Schmetterlingsmücken), Ceratopogonidae
(Gnitzen)
Antennglieder wie gedrechselt und unbehaart
Simulidae (Kriebelmücken)
a)
Antennen mit Arista
b)
Antennen mit Arista
Muscidae (Fliegen i. e. S.), Calliphoridae
(Schmeißmücken)
Tabanidae (Bremsen)
Arthropoda
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Schadwirkungen von Arthropoden
•
•
•
•
•
•
Hautläsionen (Pruritus (Läuse, Milben), Verdickung, Krustenbildung, Haarausfall (Milben), Irritatio der
Haut durch Kratzen, Scheuern, Lecken, ..., Verluste durch Unruhe, Abwehrbewegungen, ..., sekundäre bakterielle und parasitäre (Mydriasis) Infektionen resp. Infestation)
Blutverluste (Läuse und Zecken, Anämie (u. a. durch Eisenmangel), Gewichtsverluste)
Übertragung von Krankheiten (Babesia spp., Theilleria spp., Anaplasma spp., Trypanosoma spp., Vieren
und Bakterien)
Hautschäden (Hypoderma spp., Mydriasis)
Belästigung (Unruhe, Panik, Gewichtsverluste)
Toxikose
ARACHNEA
Allgemeines
Während die meisten zur Gruppe der echten Spinnen (Aracheae) und Skorpione gehörenden Chelicerata räuberisch leben, haben sich viele Arcaria zu Ekto- und in Ausnahmefällen zu Endoparasiten entwickelt. Für die Tiermedizin sind die Tiere der Unterklasse Acaria (Milbenartige) von Bedeutung. Dazu zählen die Zecken und Milben.
Morphologie
Die Körpersegmente der Acaria sind zu einem einheitlichen Gebilde verschmolzen und stellen somit
einen ungegliederten Körper dar. Ledigleich der die
Mundwerkzeuge tragende Bereich hebt sich besonders ab und wird als Capitulum oder Gnathostoma
bezeichnet. An der Basis capituli befinden sich die
Mundwerkzeuge. Oft sind dreigliedrige, scherenförmige Cheliceren, sowie zwei mehrgliedrige Pedipalpen (Taster) vorhanden. Antennen fehlen. Die
Körperhülle ist ein chitinöses Exoskelett. Bei Larven
befinden sich 3 Beinpaare und bei bei Adulten sowie
Nymphenbefinden sich 4 Beinpaare am Körper. Am Ende des ersten Beinpaares sind bei Zecken das Hallersche
Organ (Sinnesorgan, Chemorezeptor) lokalisiert. Der Verdauungskanal endet mit einem ventral gelegenen Anus.
Das Atemsystem (Tracheen) beginnt mit – wenn vorhanden – den ventral gelegenen paarigen Atemöffnungen
(Stigmen). Getrenntgeschlechtlich.
Taxonomie
Die Taxonomie der Acaria verwendet als Gruppenkriterien die Lage und Anordnung der paarigen Öffnungen
(Stigmen) der Tracheen. So liegen diese Öffnungen bei Zecken (Metastigmata) stets hinter den Coxen des 3. und
4. Beinpaares, während dies bei Milben variiert.
Fortpflanzung
Normalerweise liegt eine geschlechtliche Fortpflanzung vor (Ausnahmen vorhanden). Die Entwicklung erfolgt
über Ei, ein Larvenstadium, ein Nymphenstadium (z. B. Ixodidae) oder mehrere Nymphenstadien (z. B. Meso-,
Astigmata) zu Adulten.
Arthropoda
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MILBEN
Morphologie
Es sind 0,2 - 1 mm große Parasiten, die mit bloßem Auge gesehen werden können. Die Systematik richtet sich
nach der Lage der Stigmen. Sie werden eingeteilt in Meso-, Pro- und Astigmata. Auffallend ist die Relation zum
Körper. Oft ist eine relativ lange Behaarung zu erkennen. Zu dem besitzen sie ein chitinöses Exoskelett, das
während des Wachstums mehrmals gehäutet wird. Meistens gibt es während der Entwicklung 3 Stadien: Larve (3
Beinpaare), Nymphe (4 Beinpaare) und Adulte (4 Beinpaare).
Systematik der wichtigsten Vertreter
Ordnung
Familie
Darmanyssidae
Gamasida
Macronyssidae
(Mesostigmata)
Varroidae
Tarsonemidae
Cheylettiellidae
Actinedida
(Prostigmata)
Dermodicidae
Acaricida
(Astrigmata)
Gattung
Dermanyssus
Ornithonyssus
Varroa
Acarapis
Cheyletiella
Demodex
Thrombiculidae Neotrombicula
Psorpotes
Psoroptidae
Chorioptes
Otodectes
Sarcoptes
Sarcoptidae
Notoedres
Art
Dermanyssus gallinae („Rote Vogelmilbe“)
Ornithonyssus sylviarum („Nordische Vogelmilbe“)
Varroa jacobsoni („Brutmilbe”)
Acarapis woodi („Tracheenmilbe”)
Cheyletiella yasguri,Cheyletiella blakei
Demodex canis, D. bovis (D. tauri, D. cafferi, D. bantengi), D. caprae, D. ovis, D. equi, D. caballi, D. suis
Neotrombicula autumnalis („Herbstgrasmilbe“)
Psoroptes ovis, P. caniculi, P. equi
Chorioptes bovis
Otodectes cyanotis
S. bovis, S. ovis, S. rupicaprae, S. canis, S. suis, S. equi
Notoedres cati
Rote Vogelmilbe, Dermanyssus gallinae
Allgemeines
Es ist der wirtschaftlich wichtigster Ektoparasit des Nutzgeflügels, v. a.
in Intensivbetrieben. Die Milbe ist 0,6 - 0,7 mm lang und der Farbton ist
je nach Blutmenge weißlich-grau bis rot (Name!). Der Körper relativ
schwach chitinisiert, spärlich beborstet und besitzt einen Rückenschild.
Die 4 langen Beinpaare sind beborstet und die Chelizeren der Weibchen
sind nadelförmig.
Entwicklung
Die Milben befallen nur nachts ihre Wirte und saugen Blut. Tagsüber befinden sie sich in Verstecken des Stalles
(Sitzstangen, v. a. Risse und Spalten an der Unterseite, Drähte und Metalleisten der Käfigunterlagen). Die Reproduktionsintensität ist sehr stark temperaturabhängig (Optimum bei 18 - 30 °C). Die Weibchen legen während
5 - 8 Wochen täglich 4 - 8 Eier. Die Larven schlüpfen nach 2 Tagen im verborgenen und nach 3 Häutungen über
2 Nymphenstadien entwickelt sich das Imago (mindestens 5 Tage). Intensivhaltung bietet mit ihrer hohen Besatzdichte das ganze Jahr über optimale Bedingungen. Die Milben können bis zu 6 Monate ohne Blutmahlzeit überleben.
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Pathologie
Es kommt zur drastischen Leistungsminderung, Unruhe, Schreckhaftigkeit, Anämie und plötzliche Todesfälle (v.
a. bei Jungtieren) treten auf. Oft kommt es zur explosionsartigen Vermehrung der Milben bei Beginn der warmen
Jahreszeit. Stark verseuchte Ställe werden von im Freien lebenden Tieren am Abend nur ungern oder überhaupt
nicht aufgesucht. Zudem übertragen sie Krankheiten.
Anmerkung:
D. gallinae befällt ale Nutztiergeflügelarten sowie Wild- und Ziervögel. Bei Mangel an geeigneten Wirten befällt
sie auch Haussäugetiere wie Pferd, Rind, Ziege, Hund, Katze und Kaninchen, sowie den Menschen. (Mensch:
stark juckende Hautekzeme)
Diagnose und Bekämpfung
Die Milben befinden sich tagsüber auf der Unterseite von Sitzstangen, in Ritzen und Spalten und können nachts
mit Taschenlampe am Tier gefunden werden. Auf toten Tieren sind oft Massen von Milben anzutreffen. In der
Sektion befinden sie sich in der Schnabelhöhle, Luftröhre, Oesophagus und Kropf (CAVE: Befall des Menschen). Differentialdiagnose: Ornithonyssus sylviarum (Nordische Vogelmilbe). Die Vernichtung der Vogelmilben am Geflügel kann durch Kontaktakariziden (Pyrethroide, Pyrethrinen, Phorsphorsäure- und Carbamatverbindungen) durchgeführt werden. Zusätzlich müssen die Stallungen gereinigt und desinfiziert werden.
VARROOSE, Varroa jacobsoni, Brutmilbe
Vorkommen und Morphologie
Bei der Varroose handelt es sich um eine der gefürchtetesten Bienenerkrankungen in Europa. Die Milben sind
braun und haben einen ungegliederten, runden (Männchen) oder querovalen (Weibchen), ca. 2 mm große Körper.
Die 4 Beinpaare entspringen in der vorderen Körperhälfte (von dorsal kaum sichtbar) und sie besitzen stechendsaugende Mundwerkzeuge.
Entwicklung
Die Milben leben auf dem Abdomen oder zwischen Kopf und Thorax der adulten Bienen. Kurz vor dem verdeckeln der Waben dringt das Weibchen in die Brutzelle (v. a. Drohnenzelle) zur Eiablage (2 – 5 Eier) ein. Sie
ernährt sich von der Hämolymphe der Bienenlarve. Die Entwicklung im Ei verläuft über die Protonymphe und
der Nymphe zum Adult.
Pathogenese, Pathologie und Klinik
Die Infektion des Volkes in den ersten 2 Jahren verläuft „symptomlos“ (ohne nennenswerte Ausfälle). Im 3. und
4. Jahr kommt es zu Mißbildungen bei den Bienen, zu großen Verlusten und zu Fruchtbarkeitsstörungen.
Diagnose, Therapie und Bekämpfung
Die Diagnose wird mit dem Nachweis der Milben auf der Biene mittels Lupe gestellt. Deshalb sollten die Bienenpopulationen im Frühjahr und im Herbst angeschaut werden. Die Erkrankung unterliegt einer Melde- und
Bekämpfungspflicht. Die Therapie erfolgt mit Brompropylat (FOLBEX ® VA), einem Räuchermittel u. a. (z. T.
Pyrethoide).
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ACARAPISOSE, Acarapis woodi, Tracheenmilbe
Allgemeines und Morphologie
Die Milben leben in den Tracheenstämmen von Bienen und durchstechen die Tracheenwand zur Aufnahme von
Hämolymphe. Der Körper ist ungegliedert, aber deutlich segmentiert, oval, ca. 150 µm lang und stark behaart.
Sie haben 4 Paar ungegliederte Beine und stechend-saugende Mundwerkzeuge.
Entwicklung
Die Weibchen kleben die Eier an die Tracheenwand. Die geschlüpfte Larve ernährt sich von der Hämolymphe
und entwickelt sich weiter zur Deutonymphe. In diesem Stadium kommt es zur Kopulation mit einem Männchen.
Die Weibchenverlassen daraufhin die Bienentracheen über die Stigmenöffnungen, treten auf andere Bienen über
und dringen hier wiederum über die Tracheen ein.
Pathogenese, Pathologie und Klinik
Es kommt zur Gerinnung der Hämolymphe und zum Verstopfen der Tracheen. Damit wird die Flugmuskulatur
ungenügend mit Sauerstoff versorgt. Die Honigleistung ist vermindert.
Diagnose, Therapie und Bekämpfung
Die Diagnose erfolgt durch einen mikroskopischen Milbennachweis (im Winter: Einsenden von 25 – 30 Bienen
pro Volk). Es ist ebenfalls eine anzeigepflichtige Erkrankung. Die Therapie wird mittels Brompropylat
(FOLBEX ® VA), einem Räuchermittel u. a. (z. T. Pyrethoide) durchgeführt.
Cheyletiella spp., Raubmilben
Vertreter und Morphologie
Die Erreger sind Cheyletiella yasguri (Hund) und Cheyletiella blakei
(Katze). Sie sind etwa 270 - 540 µm lang. Der Körper ist dorsoventral
abgeplattet und erscheint „sechseckig“. Als Mundwerkzeuge sind kräftige Maxillarpalpen und an den Beinen mächtige Klauen vorhanden.
Entwicklung
Sie ernähren sich von Hautbestandteilen des Wirtes. Das Weibchen entwickeln sich vom Ei über 1 Larven- und 2 Nymphenstadien zum Adultstadium. Die Eier sind von einem Faden kokonartig Umsponnen und
an den Haaren fixiert. Das Männchen geht aus 1 Nymphe hervor.
Pathologie
Bei starkem Befall (v. a. Jungtiere) treten räudeartige Hautveränderungen mit kleieartiger Schuppenbildung auf.
Gelegentlich kommt es zum Übergang auf den Menschen. Die Erkrankung geht mit heftig juckender Dermatitis
mit hirsekorngroßen, flachen Knötchen einher.
Arthropoda
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Diagnose und Bekämpfung
Die Diagnose kann durch Abbürsten auf eine dunkle Unterlage und Untersuchung des abgefallenen Materials
sowie durch eine „Scotch tape” – Methode erfolgen. Die Bekämpfung ist relativ unproblematisch, da Milben sehr
oberflächlich leben. Die Therapie erfolgt mit Pyrethroiden, Phosphorsäureestern sowie Kombinationen davon.
DEMODIKOSE, Demodex spp. , Haarbalgmilbe
Allgemeines
Demodexmilben sind für Hund und Rind pathogen und relativ schwierig nachzuweisen (Vorkommen ebenfalls beim Schwein, bei der Ziege,
bei anderen Tierarten sowie beim Mensch). Am
häufigsten hat man es mit der Demodikose in der
Kleintierpraxis zu tun.
Ei
Larve
Nymphe
Adulte
Vertreter
Die Demodikose ist bei sehr vielen Tierarten
vertreten. Zu den Erregern gehören: Demodex
canis (Hund), Demodex bovis (Demodex tauri,
Demodex cafferi, Demodex bantengi) (Rind),
Demodex caprae (Ziege), Demodex ovis (Schaf),
Demodex equi, Demodex caballi (Einhufer),
Demodex suis (Schwein) und Demodex follikularis (Mensch).
Vorkommen
Demodex canis:
Die Milbe kommt in den Haarbälgen der Haut, an einigen behaarten Stellen (z. B. Gesäuge, Kopf) vor. Sie hat
die Tendenz zur Ausbreitung über den ganzen Körper (sogar im Blut nachgewiesen!).
Demodex bovis:
Die Milbe kommt weltweit vor (z. B. 52% der Rinder in Deutschland). Die Erkrankung verläuft meist chronisch
und ist nur auf die vordere Körperhälfte (Follikulitis) beschränkt.
Morphologie
Die Milben sind typisch „zigarrenförmig“, weißlich, langgestreckt und 250 - 300 µm lang. Der Körperbau ist
langgestreckt, hat ein hufeisenförmiges Capitulum und 4 Paar stummelförmigen Beinen.
Entwicklung
Die Entwicklung erfolgt tief in den Haarbälgen, seltener in den Talgdrüsen. Sie dauert ca. 3 Wochen und geht
über 1 Larvenstadium und 2 Nymphenstadien zum Adultstadium und erfolg komplett innerhalb der Haarfollikel.
Milben sind auch gelegentlich in Lymphknoten zu finden. Die Übertragung erfolgt von der Mutter auf die Welpen.
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Pathogenese
•
Demodex canis:
Es werden vor allem junge Hunde befallen und hier besonders Oberlippen, Augenlider, Nasenrücken, Stirn
und Ohren. Häufig ist der ganze Wurf betroffen und tritt erst nach dem Absetzen auf. Symptome sind
„Haarausfall an den Augen („Brille“) und bei der generalisierten Form sind Hals, Brust, Bauch und Schenkelinnenflächen (Alopezie, Hyperkeratose, Schuppung) betroffen. Pruritus kommt nicht generell vor. Abgeheilte Bezirke zeigen oft starke Pigmentation. Die pustulöse Form bei Hunden über 2 Jahren ist oft verbunden mit bakteriellen Sekundärinfektionen (Staphylokokkus aureus, Pseudomonas spp. und Proteus spp.).
Ursache/ Prädisposition für eine Infektion ist eine Störung im zellulären Immunsystem U(T-Zelldefekt).
Milben produzieren zudem auch immunsuppressive Faktoren, Staphylokokkus aureus wirkt zusätzlich immunsuppressiv. Exogene und endogene Einflüsse verstärken die Demodikose, z. B. falsche Ernährung,
Streß, u. a.. Anmerkung: Die Anwendung von Kortikosteroiden kann bei der Demodikose als Kunstfehler
angesehen werden!! Zudem befinden sich bei 5 – 88 % der gesunden Hunde Demodex-Milben in der Haut.
Auch jahrelang allein gehaltene Hunde können bei Immunsuppression eine Demodikose entfalten.
•
Demodex bovis:
Betroffen sind die Haarfollikel, das subcutane Bindegewebe und die Talgdrüsen. Es kommt zum Haarausfall und es bilden sich Knoten in der Haut, die mit Milben (Entwicklungsstadien) und Entzündungsprodukte
gefüllt sind. Es kommt zu Schäden in der Haut (später Leder) durch die Knoten (Durchmesser 2 – 10 mm).
•
Demodex caprae und Demodex ovis:
Sie treten bei Ziegen und bei älteren Schafen meist während der Trächtigkeit auf. Beim Schaf sind die Meibom’schen Drüsen, haut der Augenlider, Talgdrüsen von Vulva und Präputium betroffen. Es tritt wenig
Juckreiz auf, allerdings gibt es Probleme beim Scheren (Blutungen) und es kommt zum Wollausfall. Bei der
Ziege ist meist nur die Kopfhaut und die Rückenhaut betroffen.
•
Demodex equi, Demodex caballi und Demodex suis:
Sie kommen selten in Mitteleuropa vor. Der Verlauf ist subklinisch ohne Juckreiz.
•
Demodex follicularis:
Die Haarbalgmilbe des Menschen ist apathogen und führt zur gelegentlich zu allergo-pathologischen Reaktionen. Sie kommt bei 20 – 30 &% aller Menschen vor. Der Hauptsitz sind die Talgdrüsen und Mitesser des
Gesichtes.
Klinik
•
Demodex bovis:
Klinisch ist die Erkrankung meist inapparent, da der Juckreiz fehlt. Es wird zwischen 2 Formen unterscheiden: schuppende, squamöse Form und granulomatöse Form („Knötchenform“).
•
Demodex canis:
Arthropoda
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Es lassen sich 3 Formen unterscheiden: squamöse Form, squamopapulöse Form und pustulöse Form. Letztere bezeichnet man auch als „rote Räude“ wegen der Hautfärbung. Es erkranken meist junge Hunde, sie
sich beim Saugen an der Mutter infiziert haben (Präpatenz: 3 Wochen). Hautveränderungen sind bei den
Welpen am Kopf zu finden. Die pustulöse Form kann infolge einer Septikämie und Kachexie zum Tod führen. Pruritus fehlt in der Regel. Zur Ausbildung einer Demodikose ist eine Prädisposition (Zahnwechsel,
mangelnde Ernährung, Darmerkrankungen, Immungenetik) meist ausschlaggebend. Für eine Übertragung
der Milben ist eine Temperatur von fast 40 °C notwendig, bei der die Parasiten optimal aktiviert werden.
Erst dann verlassen sie die Haarbälge. Die intrauterine Infektion ist unwahrscheinlich.
Diagnose, Therapie und Hygiene
Die Diagnose wird mitedles eines mikroskopischen Milbennachweises durch ein tiefes Hautgeschapsel gestellt.
Mit einer Therapie erzielt man häufig nur eine Beseitigung der Krankheitssymptomatik, bekommt die Patienten
aber nicht milbenfrei! Wirksame Medikamente sind Amitraz (ECTODEX ®) und Milbemycin (INTERCEPTOR
®). Zudem müssen bei Infektionen mit Demodex canis die erkrankten Zuchthündinnen von der Zucht ausgeschlossen werden! Getrennte Aufzucht der Welpen von der Mutter.
CHORIOPTESRÄUDE, Chorioptes spp., Nagemilben
Morphologie und Eigenschaften
Alle 8 Beinpaare sind von dorsal sichtbar. Die Haftscheiben sind glockenartig und sitzen auf ungegliederten,
kurzen Stielen. Die Milben ernähren sich von Hautschuppen. Die Entwicklungsdauer beträgt ca. 3 Wochen. Die
Parasiten können ca. 70 Tage außerhalb des Wirtes überleben.
„Schwanz- und Fußräude“ des Rindes
Erreger ist Chorioptes bovis. Es kommt
zu Hautreaktionen auf Stoffwechselprodukte der Milben. Diese beginnt in der
Regel am Schwanzansatz („Schwanzräude“) und breitet sich aus über den
Kronsaum der Hinterextremitäten,
bauch und Euter (wird häufig übersehen). Rückzugsgebiete der Milben sind
für die Diagnostik wichtig. Die Räude
verstärkt sich während des Winters und
im Frühjahr und verschwindet während
des Sommers (latente Infektion), v. a.
nach Weideaustrieb. Symptome sind
starker Juckreiz, Unruhe, Benagen und
Schäden am Fell. Die Diagnose der
Räude beim Rind wird durch den Nachweis der entsprechenden Milbenart im Hautgeschapsel gestellt. Die Bekämpfung der Räude beim Rind ist nicht durch Vorschriften des Tierseuchengesetzes bzw. der Tierseuchenverordnung geregelt. Zur Behandlung der Tiere bestehen folgende Möglichkeiten: Wasch- und Sprühlösungen mit
Organophosphaten (z. B. Phoxim, Diazinon) oder Pour-on-Behandlung mit Flumethrin.
„Fuß- und Steißräude“ des Schafes
Erreger ist Chorioptes bovis. Der Milbenbefall verursacht Knötchen- und Bläschenbildung mit blutigen Krusten.
Zusätzlich kommt es zu Hautreaktionen auf Stoffwechselprodukte der Milben. Die blutigen Krusten befinde sich
Arthropoda
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in der Fesselbeuge und führt zu Lahmheiten. Es sind vor allem die Vordergliedmaßen betroffen, weniger die
Hinterextremitäten. Gelegentlich treten sie auch am Carpal-, Tarsalgelenk, Euter und Skrotum (selten; Hodenatrophie) auf. Die Muttertiere übertragen die Milben in den ersten 5 Lebenswochen auf ihre Lämmer. Dies führt zu
starkem Juckreiz, Unruhe, Benagen und Schäden am Flies. Die Diagnose der Räude beim Schaf wird durch den
Nachweis der entsprechenden Milbenart im Hautgeschapsel gestellt.
Die Bekämpfung der Räuden beim Schaf erfolgt meist in Form von Bädern oder Sprühbehandlungen (alternativ:
1 oder 2 Injektionen mit ML), mit Wiederholung nach 1 Woche. Es müssen auch die Stallungen, Zäune, Pferche,
usw. mit behandelt werden. Die Bekämpfung der Schafräude ist durch das Tierseuchengesetz und die Tierseuchenverordnung geregelt. Aufgrund dieser gesetzlichen Bestimmungen ordnet der KT Bekämpfungsmaßnahmen
an (Sperre von beständen, Maßnahmen zur Einschränkung des Tierverkehrs, Behandlung der kranken und verdächtigen Tiere). Er kann auch die prophylaktische Räudebehandlung gebietsweise als obligatorisch erklären.
Möglichkeiten der Behandlung sind: Badebehandlung mit Akariziden, z. B. Sebacil, Diazinon oder Phoxim,
Injektionsbehandlungen mit Ivermectin (Tilgung erfordert 2 Injektionen im Abstand von 7 Tagen) oder Doremectin (1 Injektion). Zur Zeit ist die Badebehandlung üblich. Die Injektionsbehandlung hat den Vorteil, daß
gleichzeitig Infektionen mit Nematoden erfaßt werden.
„Fuß- und Steißräude“ der Ziege
Erreger ist Chorioptes bovis. Die Erkrankung tritt relativ selten bei Ziegen auf. Betroffen bei Infektionen sind
Rücken, Hals und Schwanzwurzel.
„Schwanzräude“ des Pferdes
Erreger ist Chorioptes bovis. Es ist die häufigste Art beim Pferd in Europa. Die Erkrankung ist in der Regel selten klinisch manifest, falls doch, dann sind die Fesselbeugen, Karpal- und Tarsalgelenke, selten die Schweifrübe
betroffen. Es kommt zu Hautverdickungen, Borken und tiefe Rhagaden. Bei Sekundärinfektionen kommen
schmierige Beläge hinzu. Die Tiere zeigen Unruhe, Stampfe, Benagen und Scheuern. Die Bekämpfung der Räude
beim Pferd s. „Kopfräude“ des Pferdes durch Sarcoptes equi.
OTODECTESRÄUDE, Otodectes cynotis, Ohrmilben
Allgemeines, Pathologie und Klinik
Der Erreger ist Otodectes cynotis. Die adulten Milben sind ca. 300 x 500 µm (typisch nur 3 ausgeprägte BP). Es
ist die verbreiteste Räudemilbe der Fleischfresser. Betroffen ist der äußere Gehörgang und die Ohrmuschel, evtl.
auch Dermatitis der Stirn und in der Augengegend. Symptome sind Juckreiz, vermehrte Exsudation und zentimeterdicke Auflagerungen. Kopfschütteln und Kratzen führt zur Otitis externa parasitaria. Kopfschütteln und Kratzen bei Hunden mit längeren Ohren führt zu nässenden Ekzemen am Ohrrand und zum Othämatom. Seltener
kommt es zur Perforation des Trommelfells und zu Otitis media (Symptome: Kopfschiefhaltung, meningeale
Reizerscheinungen und unkoordinierte Bewegungen). Die Milben verschwinden, sobald der Prozeß eitrig wird.
Eine generalisierte Otodectesräude kommt nur bei Immunsuppression vor. Bei der Katze sind die Symptome
milder.
Bekämpfung
Die Bekämpfung der Ohrräude kann mittels Hexachlorcyclohexan und Benzylbenzoat erfolgen. Die Ohren müssen zuvor gründlich gereinigt werden (kombinierte Präparate). Ivermectin (0,4 mg/ kg) kann 2 x im Abstand von
2 – 3 Wochen verabreicht werden (CAVE: Collies, Bobtails und Perserkatzen).
Arthropoda
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PSOROPTESRÄUDE, Psoroptes spp., Saugmilben
Morphologie und Eigenschaften
Bei den Saugmilben sind alle 8 Beinpaare sind von dorsal sichtbar. Die Haftscheiben sitzen auf 3-gegliederten, langen Stielen. Sie haben rüsselartige
Mundwerkzeuge zum Saugen von Blut
und Lymphe und übertragen somit auch
Mikroorganismen (u. a. Rickettsien). Die
Räude äußert sich als allergische Hautreaktionen beim Menschen. Die Symptome
sind mittelstark. Die Entwicklungsdauer
beträgt ca. 2 - 3 Wochen. Die Parasiten
können ca. 7 - 12 Wochen außerhalb des
Wirtes überleben.
Psoroptesräude des Rindes
Erreger ist Psoroptes ovis. Infektionen vom Schaf auf das Rind und umgekehrt sind möglich. Die Übertragung
von Rind zu Rind findet über Putzzeug und Stalleinrichtungsgegenstände statt. Die Erkrankung äußert sich mit
Juckreiz, nässenden, krustösen Hautveränderungen am Widerrist, Rücken, seitlicher Hals und gelegentlich an den
Schenkelinnenflächen und im Kopfbereich. Hier fällt eine flächenhafte Haarlosigkeit, borkige Hautfalten, Kratzwunden und Blutungen auf. Die Tiere haben einen massiven Gewichtsverlust. Klinische Erscheinungen persistieren über die Sommermonate. Es kommt zu massiven Hautschäden, was ein großes Problem in den Tropen und
Subtropen darstellt. Die Bekämpfung der Räude beim Rind ist nicht durch Vorschriften des Tierseuchengesetzes
bzw. der Tierseuchenverordnung geregelt. Zur Behandlung der Tiere bestehen folgende Möglichkeiten:
•
•
•
Wasch- und Sprühlösungen mit Organophosphaten (z. B. Phoxim, Diazinon),
Pour-on-Behandlung mit Flumethrin,
Injektionsbehandlung mit Ivermectin oder Doramectin.
Psoroptesräude des Schafes
Erreger ist Psoroptes ovis. Die Erkrankung ist anzeigepflichtig und hat die größte wirtschaftliche Bedeutung
weltweit.. Die dichtbewollten Partien sind vor allem befallen (Hals, Rücken, Rumpf und Flanken). Die Erkrankung tritt nur saisonal (November – Februar) auf. 3 – 4 Wochen p. i. beginnt die klinische Symptomatik bei einer
frisch infizierten Herde. Symptome sind blasige Primärherde, schmierig gelbliche Krusten, Juckreiz, so daß sich
die Schafe anfangen zu kratzen und scheuern und verlieren so büschelweise und großflächig die Wolle. Zudem
kann es zu Sekundärinfektionen und Myiasen kommen. Abmagerung, Anämie sowie eine um 30% verminderte
Fleisch- und massiv reduzierte Wolleistung sind die Folgen. Bekämpfung s. „Fuß- und Steißräude“ beim Schaf
durch Chorioptes bovis.
„Ohrräude“ der Ziege
Erreger ist Psoroptes cuniculi. Die Tiere leiden unter einem starken Juckreiz. Die Gehörgänge sind mit Sekretmassen verstopft. Die Erkrankung manifestiert sich ab der 3. Lebenswoche.
„Kopf- und Körperräude“ und „Ohrräude“ des Pferdes
Arthropoda
12
Erreger der „Kopf- und Körperräude“ ist Psoroptes equi. Die Erkrankung ist relativ selten und tritt vor allem an
geschützten Körperstellen (Hals unter der Mähne, Kehlgangsbereich, Schweifansatz und gelegentlich am Unterbauch und den Schenkeninnenflächen auf. Sie ist gekennzeichnet durch einen starken Juckreiz. Auf und in der
Haut bilden sich Knötchen, Krusten und Borken. Das Scheuern führt zu Kratzeffekten, Haarverlust und Sekundärinfektionen. Erreger der „Ohrräude“ ist Psoroptes cuniculi. Die Veränderungen bleiben hier nur auf die Ohren beschränkt. Die Bekämpfung der Räude beim Pferd s. „Kopfräude“ des Pferdes durch Sarcoptes equi.
SARCOPTESRÄUDE, Sarcoptes spp., Grabmilben
Morphologie und Eigenschaften
Bei den Grabmilben sind von den 8 kurzen Beinen sind nur die beiden vorderen
sichtbar. Die Haftlappen sind tulpenförmig und sitzen an ungeteilten langen
Stielen (Prätarsen). Die Milben haben
rudimentäre Beine (Stummelbeine). Die
Bohrgänge reichen bis ins Stratum spinosum. Nur weibliche Nymphen und Männchen leben an der Oberfläche Die Erkrankung wird als Räude (Tier) bzw.
Krätze (Mensch) bezeichnet. Die Symptome sind relativ stark (Juckreiz, Alopezie, Exsudation, Pyodermie). Die Entwicklung unterscheidet sich etwas von der Entwicklung anderer Milben: Ei → Larve → Protonymphe → Teleonymphe → Imago. Die Entwicklung dauert durchschnittlich 14 Tage beim Männchen und 21 Tage beim Weibchen.
„Kopfräude“ des Rindes
Erreger ist Sarcoptes bovis. Die Räude beginnt am Kopf und hat Tendenz zur Ausbreitung. Sie mit Haarausfall
und Hautverdickungen an Kopf, Hals und Euterspiegel einher. Es gibt vermehrt Probleme während der Winteraufstallung. Weiterhin kommt es zur Borken- und Krustenbildung, die einhergehen mit bakteriellen Sekundärinfektionen. Die Tiere sind unruhig und es kommt zu einer reduzierten Milchleistung und zur Gewichtsabnahme.
Die Bekämpfung erfolgt mit Wirkstoffen (Phosphorsäureester, Carbamate, Amitraz, makrozyklische Lactone,
Pyrethoide) in Form von Waschungen oder Besprühen der Tiere (3 – 4 Liter pro Tier). (siehe Bekämpfungsmaßnahmen bei der Psoroptes- und Chorioptes-Räude des Rindes!) Evtl. muß eine Wiederholung im Abstand von je
1 Woche durchgeführt werden. Zudem müssen die Stallungen und die Stallgeräte gereinigt und mitbehandelt
werden (höhere Konzentration!). Der Stall muß zudem mehr als 12 Monate leer stehen, damit er frei von lebenden Milben ist. Die Tiere müssen entwurmt (Lungenwurmbefall, MDS) werden, um prädisponierende Faktoren
auszuschalten. Die Tilgung erfolgt 2 mal im Abstand von 14 Tagen.
„Kopfräude“ des Schafes
Erreger ist Sarcoptes ovis. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und verläuft häufig klinisch inapparent. Symptome sind Krusten und Borken an den Lippen, das zu einer Behinderung beim Fressen und zur Abmagerung
führt. Zudem treten bakterielle Sekundärinfektionen auf. Bekämpfung s. „Fuß- und Steißräude“ beim Schaf durch
Chorioptes bovis.
Arthropoda
13
„Kopfräude“ der Ziege
Erreger ist Sarcoptes rupicaprae, der auch die Räude der Gemsen verursacht. Hat sich die Erkrankung manifestiert, so hat sie Tendenz zur Ausbreitung.
„Kopfräude“ des Pferdes
Erreger ist Sarcoptes equi. Die Erkrankung beginnt am Kopf und Widerrist und geht einher mit Schuppen- und
Knötchenbildung. Symptome sind starker Juckreiz, Falten- und Borkenbildung, Haarausfall, sowie Beteiligung
von bakterielle Sekundärinfektionen. Prädisponierende Faktoren führen zu einer Manifestation der Erkrankung.
In vielen Ländern ist sie aufgrund der stürmischen Ausbreitung anzeigepflichtig. Die Diagnose wird durch
Milbennachweis im Hautgeschapsel gestellt.
Die Bekämpfung der Räude beim Pferd erfolgt mit Ivermectin peroral (0,2 mg/ kg) 2 x im Abstand von 2
Wochen (vor allem bei der Psoroptesräude). Ein Vorteil ist die Elimination von Nematoden und GasterophilusLarven, die prädisponierende Faktoren darstellen. Zudem können auch Wasch- und Sprühverfahren mit Pyrethoiden (z. B. Permethin), Phosphorsäureester und Carbamaten durchgeführt werden mit Wiederholung nach 1
– 2 Wochen. Zusätzlich muß das Geschirr und Sattelzeug sowie der Stall mit Akariziden (erhöhte Konzentration)
behandelt werden. Die Chorioptesräude kann auch lokal behandelt werden. Die Pferderäude verschwindet oft
während der Sommermonate, um im Winter wieder aufzuflammen.
Sarcoptesräude des Schweins
Erreger ist Sarcoptes suis. Die Milben entwickeln sich über eine Larve und 2 Nymphenstadien (Protonymphe,
Telonymphe) zum Adult. Die Entwicklungsdauer beträgt 14 – 21 Tage. Die Weibchen dringen ins Stratum spinosum ein und bilden Mischen und Gänge. Die Larven und Nymphen 1 leben in den Bohrgängen. Nymphen 2 und
die Männchen leben auf der Hautoberfläche.
Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt von Tier zu Tier, über verseuchte Stallungen, Transporter, ...,
von der Mutter auf die Ferkel und beim Deckakt. Die Milben überleben getrennt vom Wirt vom ca. 2 Wochen.
Nach 3 Wochen kann ein leer stehender Stall als von Räudemilben frei gelten. CAVE: Pseudoscabies beim Menschen (allerdings keine Vermehrung).
Die klinischen Anzeichen bei latent infizierten Beständen sind kaum zu sehen (symptomlos). Unspezifisch prädisponierende Faktoren (Stressoren) können zum Ausbrechen einer symptomlosen Räude führen. Ursachen sind
Mangelernährung, Haltungsfehler und Endoparasitismus. Beim Wirt können allergische Reaktionen auftreten.
Zudem können bei Erstinfektionen die Milben leichter eingeschleppt werden, da sie besser haften als bei der
Zweitinfektion. Prädilektionsstellen sind Ohrinnenseite, Ohrgrund, Umgebung der Augen, Nasenrücken, Bauchunterseite, Schenkelhinterseite und Sprunggelenksbeugen. Symptome sind papulöse Effloreszenzen bedeckt mit
einer dünnen Kruste, starker Juckreiz und Kratzeffekte. Bei Erstinfektionen während der ersten 2 – 3 Wochen ist
noch kein Juckreiz vorhanden (Sensibilisierung).Im Krankheitsverlauf kommt es zu Hautverdickungen sowie
Falten- und Borkenbildung, die von tiefen Rissen durchsetzte sein können und aus dessen tiefe häufig ein eitrigblutiges Sekret austritt. Komplikationen entstehen durch bakterielle Sekundärinfektionen. Durch den andauernden Juckreiz sind die Tiere unruhig wodurch die Nahrungsaufnahme vermindert ist. Die Tiere sind abgemagert,
leiden unter Entwicklungsstörungen und es kann gelegentlich auch zum Tod führen. Die wirtschaftlichen Schäden sind oft beträchtlich. Die Bekämpfung der Schweineräude besteht heute aus folgenden Möglichkeiten:
•
•
•
Sprüh- und Waschbehandlung (organische Phosphorsäureverbindungen) und 1 – 3 x in Abständen von 8 –
10 Tagen wiederholen. Stallungen mit Akariziden behandeln, da die Sarcoptes-Milben ca. 10 – 14 Tage außerhalb des Wirtes überleben können.
Pour-on-Behandlung (organische Phosphorsäureverbindungen, z. B. Phosmet). Der Wirkstoff bleibt relativ
lange im Tierkörper. Daher ist im allgemeinen nur eine einmalige Behandlung möglich, Stallbehandlungen
entfallen.
Subcutane Injektion von makrozyklischen Lactonen, ML (Ivermectin, Doramectin). ML haben auf Räudemilben eine verzögerte Wirkung, so daß zum Teil noch 14 Tage nach der Therapie lebende Milben in der
haut der Tiere nachgewiesen werden können. Nach Untersuchungen bei Psoroptesräude beim Rind sind die
Milben jedoch bereits 5 Tagen nach Behandlung nicht mehr ansteckungsfähig. Behandelte Tiere sollten daher 5 – 7 Tage nach der Applikation von ML nicht mit räudefreien Tieren gemischt werden. Die lange Ver-
Arthropoda
•
14
weildauer des Wirkstoffes im Tierkörper macht Wiederholungsbehandlungen und Behandlungen des Stalls
überflüssig. Die Tiere sind aufgrund von Erfahrungen bei Rinderräude ca. 3 Wochen vor Neuansteckungen
geschützt. Nach weiteren Erfahrungen wirkt Ivermectin manchmal bei Tieren mit chronischre Räude, die zur
Bildung dickre Borken führt, unvollständig. Wenn nach einer Behandlung diese Hautveränderungen nicht
innerhalb von 3 Wochen verschwinden oder wesentlich zurückgehen, sollten die Tiere mit einem Akarizid
(z. B. Diazinon) gründlich gewaschen werden, wobei zuvor die Borken aufgeweicht werden sollten. Evtl. ist
der bestand danach einer weiteren ML-Behandlung zu unterziehen. Diese muß vom klinischen und parasitologischen Befund anhängig gemacht werden.
Aufgrund einer Dissertation der Universität Bern über die medikamentelle Tilgung der Sarcoptesräude
beim Schwein wird folgendes Behandlungsschema empfohlen:
•
•
•
•
1. Tag: 1. ML-Behandlung aller Tiere eines Bestandes
3. oder 4.Tag: Gründliche Reinigung der Stallungen und Tiere, anschließende Behandlung aller Tiere
mit einer 1%igen Phosphorsäuresterlösung
Zwischen 2. und 13. Tag: Einmalige Behandlung der neugeborenen Saugferkel (2 – 3 Tage p. p.)
14. Tag: 2. ML-Behandlung aller Tiere eines Bestandes
Behandlungsfehler oder Fehlerquellen können sein: nicht alle Tiere behandelt, Herdentrennung, Unterdosierung,
nicht den ganzen Körper behandelt (bei Wasch- und Sprühverfahren), keine Borkenaufweichung bei verkrusteten
Tieren, Stallungen, Spaltenböden, Tiertransporter und Personal.
Sarcoptesräude des Hundes
Erreger ist Sarcoptes canis. Als Wirte dienen Hund, Fuchs, andere Kaniden,
Musteliden und auch Kaninchen). Die Entwicklungsdauer beträgt 10 – 14
Tage. Die Übertragung von Tier auf Tier ist möglich. Die Milben überleben
außerhalb des Wirtes höchstens 18 tage. Prädilektionsstellen sind Kopf, Ohrränder, Nasenrücken, Augenbogen, Unterbauch und Schenkelinnenflächen.
Zuerst tritt eine Knötchen und Pustelbildung auf, dann vermehrte Schuppenbildung. Die Tiere zeigen starken Juckreiz (besonders bei armer Umgebungstemperatur ständiges Scheuern und Kratzen). Es kommt zur Verdickung und
Faltenbildung der Haut, sowie zu Haarausfall und zu bakteriellen Sekundärinfektionen.
KOPFRÄUDE, Notoedres cati
Morphologie und Klinik
Die Weibchen sind kugelförmig und besitzen mittellange, ungegliederte Stile mit Haftlappen. Die Aalöffnung
liegt dorsal. Die Entwicklung dauert ca. 3 Wochen. Beginn der Erkrankung ist an der Außenseite der Ohren.
Danach erfolgt eine rasche Generalisation am ganzen Kopf und Nacken, später an den Pfoten und evtl. am ganzen Körper. Zuerst treten Knötchen und Pusteln, dann Beläge und Krusten auf. Zudem tritt ein eitrig-blutiges
Sekret aus. Der Juckreiz verstärkt sich zunehmend. Zuletzt kommt es zu einer Verdickung der Haut, Faltenbildung und zu Haarausfall. Eine Notoedres cati-Infektion kommt auch selten beim Hund vor.
Diagnose und Behandlung der Räude bei Fleischfressern
Die Diagnosestellung bei der Ohrmilbe ist relativ einfach durch den Nachweis von Sekretmassen in den Gehörgängen. Ansonsten ist der Milbennachweis oft schwierig. Es muß an mehreren Stellen ein Hautgeschapsel entnommen werden (KOH-Aufhellung). Die Behandlung erfolgt mit Akariziden in Form von Wasch-, Einreibe- oder
Sprühverfahren oder Ivermectin (0,4 mg/ kg) 2 x im Abstand von 2 – 3 Wochen (CAVE: Collies, Bobtails und
Perserkatzen).
Arthropoda
15
ZECKEN
Bedeutung und Ernährung
Es sind vor allem Überträger von Erregern wichtiger Krankheiten der Haustiere und auch des Menschen bei der
Blutmahlzeit. Zu den Erregern gehören: Viren, Bakterien, Rickettsien, Anaplasmen, Protozoen und auch Nematoden. Sie zerschneiden mit den Chelizeren die Haut und graben mit ihren durch Haken bewaffneten Hypostom
eine Grube, die dann meist während des meist länger dauernden Saugvorgangs (einige Minuten bis Tage) mehrfach mit Blut volläuft und von den Zecken ausgesogen wird (engl. „pool feeder“). Sie besitzen eine elastische
Kutikula, so daß das Tier meist der zunehmenden Füllung des Darms anschwillt und ein mehrfaches seiner Größe
erreichen kann. Die Wirte können u. U. unter einer Anämie leiden und anfällig für weitere Infektionskrankheiten
sein. Der Speichel enthält gerinnungshemmende Substanzen und gelegentlich neurotoxisch wirkende Stoffe.
Was tun bei einem Zeckenbiß?
Nach Aufenthalt in Zeckengebieten oder beim
Feststellen eines Zeckenbisses als erstes den ganzen Körper nach weiteren Zecken absuchen. Danach die Zecken entfernen. Das geht am besten
mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette. Die
Zecke wird damit am Zeckenkopf gepackt und
unter leichtem Zug (evtl. auch drehen) entfernt.
Die Richtung ist dabei egal, da die Zecken kein
Gewinde haben. Am besten ist es den Kopf und
die Mundwerkzeuge gleich mit zu entfernen. Falls
dies nicht gelingt, sorgt die Körper dafür, daß die
Fremdbestandteile entfernt werden. CAVE: Die
Zecke nicht mit Öl, Fett, Benzin, ätherhaltiger
Substanz oder Nagellack beträufeln!
Morphologie
Der Kopf der Tiere besteht aus dem Capitulum
(GN) und den Mundwerkzeugen: Cheliceren
(CH), Palpen (Pedipalpen, PP) und das Hypostom (H) mit Zähnchen. An den Gliedmaßenenden des 1. Beinpaares (TA) befindet sich das Hallersche Organ (KL). Das ist eine Art Chemorezeptor zur Wirtsfindung. Zudem sind die Stigmenplatten (STI), die Gonadenöffung (GÖ) und der Analporus (AN) zu erkennen.
Systematik der Ixodida (Metastigmata)
Familie
Argasidae (Lederzecken)
Ixodidae (Schildzecken)
Gattung
Argas
Ornithodores
Ixodes
Art
Argas reflexus („Traubenzecke“).
Ornithodoros moubata
Ixodes ricinus („Holzbock“), Ixodes hyalyticus
Arthropoda
16
Dermacentor
Haemaphysalis
Rhipicephalus
Dermacentor marginatus
Haemaphysalis punctata
Rhipicephalus bursa, Rhipicephalus sanguineus
Unterscheidungsmerkmale beider Zeckenfamilien
Unterscheidungsmerkmale Schildzecken (Ixodidae)
relativ hart
Kutikula
Scutum besteht aus starrer Kutikula und
bedeckt bei Männchen den ganzen Rücken,
Schild (Scutum)
bei Weibchen, Nymphen und Larven aber
nur einen Teil des Rückens
ragt über den vorderen Rand der Zecke
Capitulum
hervor
liegen hinter den Coxen IV
Stigmen
meist je ein Auge am Schildrand (AusnahAuge
men: z. B. Ixodes, Haemaphysalis)
Ernährungsverhalten
Entwicklungszyklus
Paarung und Eiablage
Lebensort
Larven, Nymphen und Adulte saugen jeweils nur 1 x (mehrere Tage)
1 Nymphenstadium
Die Männchen sterben nach der Blutmahlzeit erfolgten Paarung. Das Weibchen stirbt
stets nach der einmaligen Eiablage (Eier: 3
000 bei Ixodes, 6 000 bei Dermacentor, 15
000 bei Amblyomma)
Die Arten leben meist im Freien. Sie befallen 1 - 3 Wirte während ihrer Entwicklung
Lederzecken (Argasidae)
lederartig
Scutum nicht vorhanden, daher auch
kein diesbezüglicher sexueller Dimorphismus
nur bei Larven von dorsal sichtbar
liegen vor oder bei den Coxen III
meist ohne Augen
Nymphen und Adulte saugen mehrfach (einige Minuten bis Stunden).
Larven saugen jedoch mehrere Tage.
2 - 8 Nymphenstadien
Nach mehrfacher Paarung erfolgt die
Eiablage. Es werden einige hundert
Eier nach jeder auf diverse Blutmahlzeiten folgende Paarung abgelegt.
Die Arten leben in Stallungen, Nestern, usw. und überfallen die Wirte
im Schlaf.
Schlüssel zur Bestimmung der in Mitteleuropa heimischen oder häufig eingeschleppten Zecken (adulte Stadien)
1. a)
Capitulum von dorsal nicht
sichtbar; kein Rückenschild
b) Capitulum von dorsal sichtbar;
mit Rückenschild
Argasidae
(Lederzecken)
(2) Ixodidae
(Schildzecken)
2. a) Analfurche vor Analöffnung
b) Analfurche hinter Analöffnung
Ixodes
(3)
3. a)
Haemaphysalis
2. Palpensegment nach lateral
vorspringend, Schild ohne Augen
b) 2. Palpensegment nicht nach
lateral vorspringend, Schild mit
Augen
4. a)
Basis capituli seitlich vorspringend, sechseckig
b) Basis capituli nicht seitlich vorspringend, viereckig
(4)
Rhipicephalus
Dermacentor
Arthropoda
17
Entwicklungszyklus der Lederzecken
Entwicklungszyklus und Einteilung der Schildzecken
• einwirtige Arten:
Larven, Nymphen und Adulte
saugen an dem selben Wirt,
Eiablage auf dem Boden (einige tropische Zeckenarten)
• zweiwirtige Arten:
Larven und Nymphe saugen
andrem selben wirt, vollgesogene Nymphe häutet sich auf
dem Boden , Adulte suchen
neuen Wirt, Eiablage auf dem
Boden (z. B. Rhipicephalus
bursa)
• dreiwirtige Arten:
Larven, Nymphen und Adulte
saugen jeweils an einem neuen
Wirt, Eiablage auf dem Boden
(z. B. Ixodes ricinus, Rhipicephalus sanguineus)
Ornithodoros moubata
Allgemeines
Ornithodoros moubata lebt in Häusern und Ställen (Ritzen und Bodenerde). Die Larve nimmt kein Blut auf und
bleibt am Boden bis zur Häutung. Die Nymphe nimmt alle 20 – 25 Minuten eine Blutmahlzeit ein und häutet sich
zum 2. Nymphenstadium. Die Geschlechtsdifferenzierung kann ab dem 4. Nymphenstadium erfolgen. Die Weibchen nehmen ebenfalls Blut auf, danach erfolgt die Begattung durch das Männchen. Die Eiablage findet 15 Tage
später statt. Danach erfolgt eine erneute Begattung mit erneuter Eiablage (jedoch fertilitätsabnahme mit der Zeit).
Arthropoda
18
Erkrankungen
Es gibt 2 von den Zecken übertragene Krankheiten beim Menschen (Zeckenrückfallfieber durch Borrelia duttoni)
und sie dienen als Reservoirwirt bei wildschweinartigen Tieren für das Afrikanische Schweinefieber-Virus.
Argas spp., Argas reflexus
Allgemeines
Von der Gattung Argas spp. gibt es 56 Arten, die vor allem Vogelparasiten darstellen. Verschiedene Arten stellen
ein Problem in der Geflügelzucht, v. a. in Australien, Südafrika, u. a. dar. Bereits die Larven nehmen Blut auf. In
der Schweiz gibt es Argas reflexus („Traubenzecke“).
Erkrankungen
Sie dienen als Überträger von Borrelia anserina und führen zur Zeckentoxikose (Geflügelparalyse).
Ixodes spp. (Ixodes ricinus, Ixodes hyalyticus)
Vorkommen und Entwicklung
Ixodes ricinus („Holzbock“) :
Ixodes ricinus befällt den Menschen und nahezu alle Haus- und Wildsäuger. Sie kommt im Jura/ Mittelland bis
zu den Alpen vor (max. bis ca. 1200 m NN). Die Männchen saugen kein Blut und stirbt nach der Begattung. Die
Weibchen legen ca. 3000 Eier und stirbt nach 20 – 40 Tagen. Aus den Eiern schlüpfen Larven (30 cm). Die Wirte von diesen sind vor allem Mäuse, Vögel und Eidechsen. Nach der Blutmahlzeit fällt die Larve ab und entwickelt sich innerhalb von 5 – 7 Wochen zur 1,0 – 1,5 m langen Nymphe. Die Nymphe hat größere Säugetiere als
Wirt. Nach der Blutmahlzeit fällt sie ab und entwickelt sich innerhalb von 10 – 18 Wochen zum Adult. Die
Hauptaktivität ist ab April bis Mai/ Juni (je nach Saison auch bis September/ Oktober).
Pathogenese und Klinik
Ixodes ricinus („Holzbock“) :
An den Stellen des Blutsaugens entwickelt sich eine örtliche Entzündung mit
Ulzeration und eine Hyperkeratose. Gelegentlich kann es zur Anämie kommen. Die Zecke ist der Überträger von Erkrankungen wie FSME und Borreliose.
Andere Ixodes-Arten in Afrika und Australien:
Sie verursachen eine sog. Zeckenparalyse oder aufsteigende Zeckenlähme.
Als erstes sind die Muskulaturen der hinteren/ unteren Extremität betroffen.
Danach die vorderen, oberen Muskelgruppen, was bei Erreichen der Atemmuskulatur zum Tod führen kann. Die Lähmungen sind meist in 12 – 24
Stunden reversibel, sofern die Zecken (nur Dermacentor) rechtzeitig entfernt
werden.
Arthropoda
19
Ixodes hyalyticus (Mensch, Australien):
Sie führt zur Zeckenparalyse bei Hund und Rind. Der Zeckenbiß eines Weibchen kann genügen, um seinen Wirt
umzubringen. Symptome treten nach 5 – 7 Tagen nach Anheften der Zecke auf.
Übertragene Erkrankungen
Andere durch Zecken übertragene Krankheiten (neben FSME und Borreliose) ist die Babesiose. Die Babesiose
von Haus- und Nutztieren werden bei uns in der Regel durch verschiedene Zeckengattungen übertragen. Da der
größte Teil der protozoären Sporozoiten erst bei fortschreitendem Stadium einer Blutmahlzeit dem Wirtstier
inokulet wird, ist eine rasche Entfernung dem am Tier haftender Zecken von bedeutendem Vorteil, da dadurch
die Wahrscheinlichkeit einer Babesienübertragung wesentlich reduziert wird.
Haemaphysalis spp. (Haemaphysalis punctata)
Die Larve sowie die Nymphe sind blutsaugend. Deren Wirte entsprechen denjenigen von Ixodes ricinus (Wirte
der Larve: Mäuse und Vögel; Wirte der Nymphe: größere Säugetiere). Sie kommt hauptsächlich beim Rind am
Euter, Schenkelinnenflächen, Bauch und am Triel vor.
Dermacentor spp. (Dermacentor marginatus)
Die Zecke wird auch als „Schafzecke“ oder „Buntzecke“ bezeichnet. Sie kommt vor allem in gebieten mit intensiver Schafhaltung vor. Die Wirte von Nymphe und Larve sind Kleinnager. Hauptlokalisationen sind vor allem
am Hinterkopf, Hals und Rückenpartie in der Nähe der Schulterblätter (Rotfärbung der Wolle durch Zeckenkot)
bei Schafen. Die Hauptaktivität beginnt bereits im Frühjahr (Schaf noch mit Winterwolle).
Rhipicephalus spp. (R. bursa, R. sanguineus)
Rhipicephalus bursa („braune Zecke“)
Rhipicephalus bursa wird auch als sog. „braune Zecke“ bezeichnet und kommt vor allem im warmen Süden
(Meergebiet) vor. Bei dieser Zeckenart saugen sowohl die Männchen als auch die Weibchen Blut.
Rhipicephalus sanguineus („braune Hundezecke“)
Rhipicephalus sanguineus wird auch als sog. „braune Hundezecke“ bezeichnet. Als wirte dienen fast alle Haus- und Nutztiere
(Hund und Schaf, auch Katzen, Schwein, Rind, Ziege, Hase, kaninchen, Huhn, Mensch). Die Verbreitung ist auch vor allem im
warmen Süden (Meergebiet). Die kritische Temperaturbgrenze ist
20°C. Sie vermehrt sich vor allem in Innenräumen und Hundehütten. Es ist eine größere Belästigung als bei Ixodes ricinus. Häufig
finden sich viele Zecken am Hund (0,5 ml Blut pro Zecke). Sie ist
Arthropoda
20
auch Überträger von Krankheiten: Babesia canis und Babesien des Pferdes.
INSECTA (HEXAPODA)
Kennzeichen
Der Unterstamm Tracheata (Klasse Insecta, Hexapoda) zeichnet sich dadurch aus, daß das 1. Antennenpaar
vorhanden ist und das 2. Antennenpaar fehlt. Sie besitzen spezielle Mundwerkzeuge (Mandibeln, Maxillen, ...).
Der Aufbau der Tiere ist abweichend von den Arachnea mit Kopf, Thorax (3 Glieder) und Abdomen (11 Glieder) mit 3 Beinpaaren.
Veterinärmedizinische Bedeutung der Insectea
Aus der Klasse der Insectea haben folgende Ordnungen eine größere veterinärmedizinische Bedeutung:
• Mallophagida (Haarlinge
und Federlinge)
• Anoplurida (Läuse)
• Dipterida (Zweiflügler)
• Siphonapterida (Flöhe)
Morphologische Kennzeichen der Insekten
• Dreigliederung des Körpers
in Kopf, Thorax und Abdomen
• 1 Paar Antennen
• 3 Beinpaare
• Flügel vorhanden oder fehlend
• Mundwerkzeuge mit unterschiedlichen Funktionen
• Facettenaugen oder kleine
Stirnaugen (Ocellen)
Abbildung:
Insekten:
Morphologie
der
AB Abdomen, AT Antenne, CA
Caea, FK Fettkörper, GE Gelenke, HD Enddarm, HF Hinterflügel, HZ Herz, K Kopf, KR
Kropf, M Mund, MG Malpighische Gefäße, MU Flugmuskulatur, NE Nerv, O Ösophagus, PC
Pericardiasinus, PM Peritrophische Membran, PN Perineuralsinus, PR Proventrikulus, PV
Perivisceralsinus, RE Rektum,
Arthropoda
21
STI Stigma, TR Trachea, VC Valvula cardiaca, VF Vorderflügel, VP Valvula pylorica
Entwicklung
• Hemimetabol (= unvollkommende Verwandlung): kein Puppenstadium, die Larven ähneln bereits den Imagines, kommt vor bei Mallophagida (Haarlinge und Federlinge) und Anoplurida (Läuse)
• Holometabol (= vollkommene Verwandlung): zwischen Larvenstadium und Imaginalphase ist ein Puppenstadium eingeschoben; die Larven sehen völlig anders aus als die Imagines, kommt vor bei Dipterida (Zweiflügler) und Siphonapterida (Flöhe)
MALLOPHAGIDA, Haarlinge und Federlinge
Wegen kauender Mundwerkzeuge auch als „beißende Läuse“ oder „Kieferläuse“ bezeichnet, mit den Anoplurida
(Läuse) nahe verwandt.
Morphologie
Die Insekten haben einen abgeflachten Körper und sind 1 bis 5 mm lang. Der Kopf ist groß und breit und in der
Regel breiter als der Thorax (vgl. Anoplurida). Die Antennen sind 3- bis 5-gliedrig und bei einigen Arten in Gruben verborgen. Die Augen sind reduziert. Die Mundwerkzeuge sind vom beißenden-kauenden Typ. das erste
Thorakalsegment ist von den beiden nachfolgenden Segmenten deutlich abgesetzt. Sie haben keine Flügel. An
den Tarsen der 6 Beine befinde sich 1 oder 2 Krallen. Das Abdomen ist deutlich gegliedert.
Arten (Auswahl)
Haarling
Rind:
•
Bovicola bovis
Schaf:
•
Lepikentron ovis
Ziege:
•
Bovicula caprae
•
Bovicula limbatus
Pferd/ Esel:
•
Werneckiella equi
equi
•
Werneckiella equi
asini
Federling
Huhn:
•
Eomanacanthus
stramineus
•
Lipeurus caponis
•
Goniocotes
gallinae
•
Menophon gallinae
Taube:
•
Columbicula
columbae
Hund/ Katze:
•
Trichodectes canis
•
Felicola subrostralis
Biologie
Sie haben eine hohe Wirtsspezifität für die einzelnen Tierarten. Einige Mallophagen-Arten besiedeln nur bestimmte Körperregionen. Sie leben ständig auf dem Wirt (stationäre Parasiten). Die Ernährung basiert auf Haut-
Arthropoda
22
schuppen und Federteilen. Einige Arten (z. B. aus der Gattung Menopon beim Huhn) zerbeißen Keile junger
Federn oder Epidermis und nehmen gelegentlich oder regelmäßig auch Blut auf.
Entwicklung
Die Imagines legen gedeckelte Eier (Nissen) ab, die einzeln an Haare oder paketweise an Federn angeklebt werden. Das Schlüpfen der Larven erfolgt nach 5 - 8 Tagen und nach 3 - 4 Häutungen erreichen sie die Geschlechtsreife. Ein Zyklusdauer im allgemeinen 3 - 5 Wochen. Die Lebensfähigkeit außerhalb des Wirtes ist sehr
gering (etwa 1 Woche), tote Wirten werden meist schnell verlassen. Die Übertragung der Mallophagen erfolgt
bei engen Kontakt der Wirtstiere.
Schadwirkung
Der Befall mit wenigen Mallophagen verursacht keine oder nur geringe Erscheinungen. Mangelernährung der
Wirtstiere, schlechte Pflege des Haarkleides, mangelhafte Stallhygiene, Konzentration vieler Tiere auf engem
Raum u. a. Faktoren können zur Massenvermehrung der Mallophagen führen.
Symptome
Juckreiz, Haar- bzw. Federausfall, Verkrustung der Haut, Störungen der Futteraufnahme, Leistungsminderung (z.
B. Abfall der Legeleistung), Schwäche, Übertragung anderer Krankheiten (Trichodectes canis = Hundehaarling
ist Zwischenwirt für den häufigen Hundebandwurm Dipylidium caninum, der auch durch Flöhe übertragen werden kann)
Diagnose
Der Nachweis der Mallophagen kann makroskopisch oder mit Hilfe einer Lupe auf dem lebenden Tier oder bei
der Sektion erfolgen. Die Unterscheidung von Läusen erfolgt aufgrund des Kopf-Thorax-Verhältnisses. Bei Läusen ist der Kopf schmäler als das Thoraxsegmet. Die Identifizierung der Art erfolgt nur durch Spezialisten.
Bekämpfung
Die Bekämpfung kann erfolgen durch Einpudern, Abwaschen, Einsprühen oder Baden der Tiere mit Insektiziden
(Organophosphate, Carbamatem, Pyrethride und Pyrethroide). Beim Rind kann die Bekämpfung mittels Pour-onBehandlung mit Flumethrin (BAYTICOL ) erfolgen. Die Behandlung muß nach 1 Woche wiederholt werden.
Beispiele:
Rind:
• Wasch- oder Sprühbehandlungen mit Diazinon-Emulsion (Wirkstoffgehalt: 0,025 %,
GALESAN , GALTOX , u. a.) oder einem anderen Insektizid
• Pour-on-Behandlung mit Flumethrin (1 mg/ kg KM, BAYTICOL )
Schaf:
• Badebehandlung mit Diazinon-Emulsion (Wirkstoffgehalt: 0,0125 %, Handelspräparae
wie beim Rind: GALESAN , GALTOX , u. a.)
• Pour-on-Behandlung mit Cyfluthrin 1 %ig (BAYOFLY  in einer Dosis von 2 mg/ kg
KM = 1 ml/ 5 kg KM), Vorteile: einfache Applikation, keine Rückstände von Badeflüssigkeiten, Eine Applikation genügt in der Regel zur Sanierung
Hund und Katze: • Einpudern mit BILFEX -Puder 1 %ig oder WELCARE -Puder 0,1 %ig.
• Anlegen von Halsbändern, die mit Insektiziden imprägniert sind
• Pour-on-Behandlung mit Pyrethroiden (PULVEX -Spot-on)
Geflügel:
• Einpudern des Gefieders mit Insektiziden
• Besprühen der Tiere mit NEGUVON -Lösung 0,15 %ig
Arthropoda
23
ANOPLURIDA, Läuse
Morphologie
Die Insekten haben einen dorso-ventral abgeflachten Körper und sind 1 bis 4 mm lang. Der Kopf ist schmäler als
der Thorax (vgl. Mallophagida). Die Antennen sind 5-gliedrig. Die Augen sind reduziert und zum teil schwer
erkennbar. Die Mundwerkzeuge sind vom stechend-saugenden Typ. Die Thorakalsegmente sind breit miteinander verwachsen. Sie haben keine Flügel. An den Beinen befinden sich kräftige Krallen, die als Klammerorgane
zum Festhalten an den Haaren dienen. Das Abdomen besteht aus 9 Segmenten.
Arten (Auswahl)
Familie
Gattung
Pediculidae
(Menschenlaus)
Haematopinus
Haematopinidae
(Tierläuse)
Linognathidae
Hoplopleuridae
Art
Pediculus humanus humanus (Kleiderlaus)
Pediculus humanus capitis (Kopflaus)
Pediculus pubis (Filzlaus)
Rind:
Haematopinus eurysternus („Kurznasige Rinderlaus“)
Pferd:
Haematopinus asini macrocephalus („Pferdelaus“)
Esel:
Haematopinus asini asini („Esellaus“)
Schwein:
Haematopinus suis („Schweinelaus“)
Solenopotes capillatus („Kleine blaue Rinderlaus“)
Rind:
Linognathus vituli („Langnasige Rinderlaus“)
Linognathus ovillus („Kopflaus des Schafes“)
Schaf:
Linognathus pedalis („Beinlaus des Schafes“)
Ziege:
Linognathus stenopsis („Ziegenlaus“)
Hund:
Linognathus setosus („Hunde- und Fuchslaus“)
Kaninchen: Haemodispus ventricosus („Kaninchenlaus“)
Biologie
Anoplorida sind permanente, stationäre Ektoparasiten mit hoher Wirtsspezifität (Tierläuse gehen nicht auf den Menschen über!). Am Körper bevorzugten Läuse ein bestimmtes Temperaturoptimum und damit gewisse, für sie
günstige Prädilektionsstellen. Wirte sind Menschen und Säugetiere.
Entwicklung
Gedeckelte Eier (Nissen) werden mit einer aus Anhangsdrüsen des Geschlechtsapparates stammenden Kittmasse an haaren bzw. bei Kleidermäusen
des Menschen an Stoff befestigt. Ein Weibchen legt ungefähr 50 bis 300 Eier
ab. Bei einer Temperatur von + 27° bis 30° C dauert die Entwicklung 2 - 4
Wochen, bei + 20° C legen die Weibchen keine Eier mehr ab. Die aus den
Eiern geschlüpften Larven entwickeln sich über 3 Häutungen zu geschlechtsreifen Tieren. Am Tier bleiben die adulten Läuse 30 - 40 tage am
Leben. Vom Wirt getrennt können die Läuse nur wenige Stunden (Filzlaus 12
Stunden) oder einige Tage (Kopf- und Kleiderlaus, Tierläuse) überleben. Die
Übertragung erfolgt durch direkten engen Kontakt zwischen den Wirtstieren
Arthropoda
24
bzw. zwischen Menschen (Filzlaus des Menschen beim Geschlechtsverkehr), selten durch Gegenstände (Kämme,
Wäschestücke usw.).
Schadwirkung
Läuse müssen in kurzen Zeitabschnitten von wenigen Stunden Blut saugen. das herumlaufen bzw. ihr Stich verursacht Juckreiz, Unruhe, Quaddeln, Schorfbildung und evtl. allergische Reaktionen. Stichstellen sowie Kratz- und
Scheuerwunden können sich sekundär mit Bakterien infizieren und zu ausgedehnten Hautentzündungen führen.
Ständiger Blutentzug verursacht Anämie. Klinisch relevant ist Läusebefall besonders bei Entwicklung starker
Parasitenpopulationen.
Vektorenfunktion der Läuse
Folgende Krankheiten werden durch Läuse übertragen:
Erreger
Rickettsia prowazekii
Rochalimaea quinata
Borrelia recurrentis
Überträger
Kleiderlaus
Kleiderlaus
Kleiderlaus
Krankheit
Klassisches Fleckfieber
Fünftagesfieber (Wolhynisches Fieber)
Rückfallfieber
Die Rickettsien vermehren sich nach der Blutaufnahme einer Laus an einem infizierten Patienten im Magenepithel des Vektors. Nach Platzen der Zellen gelangen Rickettsien in den Läusekot, in dem sic mehrere Wochen
Überleben können. Aus Läusekot können die Rickettsien durch kleinste Hautläsionen oder über die Schleimhäute
in den Menschen gelangen. Borrelia recurrentis vermehrt sich in der Hämolymphe der Läuse. Wenn infizierte
Läuse zerquetscht oder verletzt werden und dabei Hämolymphe austritt, können Erreger über die lädierte haut
oder Schleimhaut in den Körper eindringen. Tierläuse haben als Vektoren keine Bedeutung.
Diagnose und Behandlung
Der Nachweis der Anoplurida erfolgt wie bei den Mallophagida makroskopisch oder mit Hilfe einer Lupe auf
dem lebenden Tier oder bei der Sektion. Die Bekämpfung erfolgt wie bei den Mallophagida. Zur Bekämpfung
kann auch Ivermectin (IVOMAC ) eingesetzt werden.
DIPTERIDA, Zweiflügler
Unterordnung
Nematocerina (Mücken)
Brachycerina (Fliegen)
Arthropoda
25
fadenförmige, vielgliedrige Antennen (= Fühler; Nematocerina = „Fadenfühler“) mit mindestens 6 Antennengliedern. Meist schlanke, grazile Insekten. Larven
meist mit Kopfkapsel (eucephal).
kurze Antennen mit nur wenigen Gliedern als bei den
Mücken (Brachycerina = „Kurzfühler“). Kräftiger
gebaut als Mücken, kürzere Beine. Larven ohne Kopfkapsel (acephal) oder mit reduzierter Kopfkapsel
(hemicephal)
Eigenschaften und Morphologie
Es sind holometabole Insekten mit 1 Flügelpaar und stechend-saugenden oder lecken-saugenden Mundwerkzeugen. Die Larven, die hier als Maden bezeichnet werden, sind beinlos. Sie haben eine große praktische Bedeutung als Lästlinge, Krankheitserreger oder -überträger.
NEMATOCERINA, Mücken
Wichtige Familien
•
•
•
•
Culicidae (Stechmücken)
Phlebotomidae (Schmetterlingsmücken)
Ceratopogonidae (Gnitzen)
Simuliidae (Kriebelmücken)
Differenzierung
s. nächste Seite
Culicidae, Stechmücken
Vertreter
Dazu gehören die Hausmücken (Gattungen Culex und Theobaldia),
Wald- und Wiesenmücken (Gatung Aedes) und „Fiebermücken“
(Gattung Anopheles).
Bedeutung
Die Weibchen saugen Blut bei Tier und Mensch und belästigen
durch ihre Stiche. Anopheles-Arten übertragen MalariaPlasmodien, Aedes und Culex Gelbfieber, Filariosen, EncephalitisViren, Dengue, u. a.
Arthropoda
26
Morphologie
•
Aedes:
Sie sind 5 - 6 mm lang, haben lange (beim Männchen buschige) Fühler, einen langen Stechrüssel und kurze
Taster. Das Scutellum ist dreigeteilt, haben ein zugespitzt erscheinendes Abdomen, 3 runde Receptacula
seminis und gezähnte Fußklauen.
•
Culex:
Sie sind 46 mm lang, wenig auffällig gezeichnet und haben kurze Taster. Das Scutellum ist dreilappig mit 3
deutlich getrennten Borstengruppen. Das Abdomen endet stumpf mit hellen Querbinden, 3 runde Receptacula seminis und gezähnte Fußklauen. Die Flügelschuppen sind schmal und gleichmäßig auf den Flügeladern verteilt.
Arthropoda
27
Arthropoda
•
28
Anopheles:
Es sind 5 – 8,5 mm lange Insekten mit fünfgliedrigen Tastern, die die gleiche Länge wie der Stechapparat
aufweisen. Das Scutellum ist gleichmäßig abgerundet, einfaches Receptacula seminis und ungezähnte Fußklauen.
Biologie
•
Aedes:
Die Weibchen legen Eier einzeln knapp über den Wasserspiegel von Tümpeln an Hölzern, Gräsern, Schilf
usw. ab. Die Entwicklung verläuft über 4 Larvenstadien und eine lebhaft bewegliche Puppe zur Imago. Die
Gesamtentwicklung dauert im Sommer 10 – 15 Tage.
•
Culex:
Die Weibchen legen von April bis Mai auf die Oberfläche von permanenten oder temporären Tümpeln Eier
in Form von Gelegeschiffchen ab. Bis zum herbst entwickeln sich mehrere Generationen.
•
Anopheles:
Die Weibchen legen im Frühjahr die Eier einzeln ab, die später konfluieren und sternförmig auf der Wasseroberfläche liegen. Es werden bevorzugt große Wasserflächen genommen, da die Larven dort optimale
Lebensbedingungen finden.
Phlebotomidae, Schmetterlingsmücken
Gattungen und Vorkommen
Die wichtigsten Gattungen sind Phlebotomus und Lutzomyia. Sie kommen am häufigsten im Mittelmeerraum,
Mitteleuropa, Vorder- und Südasien sowie Mittel- und Südamerika vor.
Morphologie
Sie sind 2 - 3 mm lange, gelblich gefärbte Mücken (englisch daher aus als „sand-flies“ bezeichnet) mit relativ
breiten Flügeln und 16-gliedrigen Antennen. der Körper und die Flügel sind behaart. Die Flügel werden in Ruhehaltung nicht dachförmig über den Hinterleib gelegt, sondern gespreizt getragen.
Biologie und Schadwirkung
Die adulten Schmetterlingsmücken (Imago) entwickeln sich vom Ei über 4 Larvenstadien und 1 Puppenstadium.
Die Larven leben in feuchtem, mit organischen Abfällen durchsetzten Boden. Weibchen saugen nachts Blut. Sie
sind die Überträger von Leishmania (L.) infantum und anderen Leishmania-Arten.
Ceratopogonidae, Gnitzen
Gattungen und Vorkommen
Gnitzen sind weltweit verbreitet. In Mitteleuropa sind zahlreiche Gattungen und Arten verbreitet, z. B. Culicoides-Arten.
Arthropoda
29
Morphologie
Es sind relativ kleine, 0,5 - 3 mm lange, dunkel gefärbte und ziemlich plump aussehende Mücken mit stechendsaugenden Mundwerkzeugen und Antennen aus 13 - 15 Gliedern. Die Flügel sind meist gefleckt und behaart.
Biologie
Die Männchen aller Arten saugen Pflanzensäfte, die Weibchen verschiedener Arten sind hämatopharg und saugen an Warm- und Kaltblütern Blut. Die Eiablage erfolgt in einer Gallertmasse an der Wasseroberfläche stehender Gewässer, an Wasserpflanzen, unter der Rinde morscher Bäume oder in organisches Material (z. B. Laub).
Die Larven sind aquatisch und leben in Wasser, Gülle, Schlamm oder terrestrisch. Nach 4 Larvenstadien folgt 1
Verpuppungsstadium.
Schadwirkung
Die Gnitzenstiche sind sehr schmerzhaft. Bei Massenbefall zeigen Menschen und Tiere starke Abwehrbewegungen. es kommt zur Bläschenbildung und zu Juckreiz. Befallen werden vor allem Weidetiere, doch fliegen Gnitzen
auch in Stallungen ein. Sie sind vor allem Überträger von Onchocerca cervicalis, O. gutturosa, O. gibsoni, Dipelanonema perstans und von anderen Filarien. Außerdem werden viele Virusarten durch Gnitzen übertragen (Blue
tongue, Afrikanische Pferdesterbe, u. a.).
Bekämpfung
Bei Weidetieren können Maßnahmen wie bei der Fliegenbekämpfung versucht werden (siehe dort).
Simuliidae, Kriebelmücken
Morphologie
Es sind kleine, etwa 2 - 5 mm lange Mücken von gedrungener,
fliegenähnlicher gestalt und meist dunkler Farbe (daher: „black
flies“ = „schwarze Mücken“). Der Thorax ist buckelartig nach
oben gewölbt. Sie haben kurze Beine und die Flügel sind relativ
breit. Die Antennen bestehen meist aus 9 - 13 Gliedern, die gedrehten Holzstücken ähneln und damit ein charakteristisches Aussehen haben. Die Mundwerkzeuge sind vom stechend-saugenden
Typ.
Vorkommen und Arten
Die geographische Verbreitung ist kosmopolitisch (Polarregionen, Zonen gemäßigtem Klimas, Tropen), in Gebieten mit Fließgewässern. Bekannte Arten sind: Boophthora erythrocephala, Wilhelmina equina, Wilhelmina
lineata, Odamgia ornata, Simulium reptans und Eusimulium spp.
Entwicklung
Die Entwicklung erfolgt in Fließgewässern. Die Eier werden von den Weibchen in gallertiger Masse auf Pflanzenteile an der Wassergrenze, auf periodisch angefeuchteten Unterlagen (Steine, Äste, etc.) oder unter Wasser
(Unterseite von Steinen) abgelegt.
Arthropoda
30
Die Larven sind in Bau und Funktion dem Leben in strömendem wasser gut angepaßt. Thorax und Hinterende
sind verdickt, am Thorax befindet sich ein Stummelfuß, am Hinterende eine Haftscheibe. Der deutlich angesetzte
Kopf ist mit 3-gleidrigen Antennen und typischen Fangfächern ausgestattet. Die Larven bewegen sich spannerraupenartig auf einer Unterlage. Mit Hilfe von Spinndrüsen kann die Unterlage mit klebrigen Fäden überzogen
werden. Nach meist 4 - 7 Lavenstadien erfolgt die Verpuppung. Diese wird von den Altlarven durch die Produktion eines tütenförmigen Kokons mit Hilfe der Spinndrüsen eingeleitet.
Die Puppe befindet sich in einen tütenförmigen Kokon, der an der Unterlage festklebt. Der Kokon ist an einem
Pol offen (gerichtet in Fließrichtung, geschlossener Pol gegen den Strom gerichtet). Daraus ragen 4 - 16 Röhrentracheen hervor, mit denen die Sauerstoffaufnahme erfolgt. Die Imago schlüpft unter Wasser und steigt, eingehüllt in einer Luftblase, an die Wasseroberfläche, von der aus sie davonfliegt.
Biologie
Die Überwinterung erfolgt im Ei- oder Larvenstadium Die Brutzeit reicht von Mai bis Oktober, pro Jahr entwickeln sich 1 - 5 Generationen. In der warmen Jahreszeit beträgt die Dauer der Entwicklung 5 - 7 Wochen. Durch
die Winterpause ist die Entwicklungszeit verlängert.
Die Weibchen der meisten Arten sind Blutsauger, die Männchen ernähren sich von Pflanzensäften. Simuliiden
können sich kilometerweit von den Brutplätzen (Winddrift, Aktivflug) entfernen. Es handelt sich um tagesaktive
Insekten mit Aktivitätsmaxima nach Sonnenaufgang und vor dem Sonnenuntergang. Sie fliegen ihre Opfer nur im
Freiland an. An Wirtstieren saugende Simuliiden werden auch in geschlossene Räume eingeschleppt, doch sind
sie dort nicht stechaktiv.
Die Wirtsfindung erfolg auf optischem Wege. Boophthora erythrocephala und Odagmia ornata fliegen die Blutspender von der Bauchpartie her an und bevorzugen zum Blutsaugen Triel, Bauchhaut, Euter, Hodensack und
Perinäumgegend. Wilhelmia equina sucht dagegen fast ausschließlich die Kopfregion, vor allem die Ohrmuschel,
auf.
Schadwirkung
Schadenfälle werden vor allem beim Rind nach Massenanflug von Simuliiden beobachtet. Etwa 10 000 Stiche
lösen beim Rind Erkrankungen oder Todesfälle aus. Die Hauptperiode der Schadensfälle ist das Frühjahr, kurz
mach Weideaustrieb (April, Mai), doch können Erkrankungsfälle bis etwa Ende Juli auftreten. Dies ist besonders
dann der Fall, wenn Rinder zuvor im Stall gehalten werden und somit keine Gelegenheit zur Immunisierung bestand. Simuliiden suchen auch andere Weidetiere (Pferde, Schweine, etc.) als Blutspender auf und belästigen die
Tiere durch ihre schmerzhaften Stiche oft erheblich.
Klinik
Das klinische Bild entspricht einer Toxikose (Simuliotoxikose). In der Regel treten Erkrankungen plötzlich innerhalb weniger Stunden nach Weideaustrieb auf. Hauptsymptome sind nadelstichartigem zum Teil konfluierende Blutungen in der haut (Ohrmuscheln, Euter, Vulva, Skrotum, usw.), in der Muskulatur und an den serösen
Häuten. ödeme findet man an der Subcutis des Verdauungstraktes, besonders des Labmagens, der Glottis, der
Lunge u. a. Organe. Bei der klinischen Untersuchung wird eine Dyspnoe, hochfrequenter Puls, Tachycardie,
schaumiger Nasenausfluß, Koordinationsstörungen und festliegen festgestellt. der verlauf ist oft perakut tödlich
(in wenigen Stunden bis 1 ½ Tagen). Wenn Tiere überleben, kommt es oft zum Leistungsabfall (Milchrückgang
bis 50 %) mit Abmagerung.
Vektorfunktion
Simuliiden übertragen Leucozytozoon-Arten (Geflügel), Onchocerca volvulus (Mensch in Afrika, Mittel- und
Südamerika), O. gutturosa (Rind) und andere Filarienarten.
Arthropoda
31
Diagnose
Die Stichreaktionen in der Haut sind typisch. Im Zusammenhang mit anderen pathologisch-anatomischen Veränderungen, klinischen Symptomen und der Anamnese ermöglichen sie meist eine sichere Diagnose. Am lebenden,
zum teil auch am toten Tier, sind Simuliiden am häufigsten an den Ohrmuscheln nachweisbar.
Therapie
Symptomatische Behandlung erkrankter Tiere initial mit Antihistaminika, Cortison, Calciuminfusion und Kreislaufmitteln. Später sollte die Aufstallung und eine Fortsetzung der symptomatischen Therapie erfolgen. Zur Entfernung noch am Tier haftender Simuliiden die Prädilektionsstellen (vor allem Ohrmuscheln) mit Insektiziden
besprühen.
Bekämpfung
Die Tiere nur nachts weiden lassen. Durch besprühen der Rinder mit Permethrin (STOMOXIN ) erreicht man
eine Schutzwirkung von 1 - 2 Wochen (Dosis: 2000 mg/ Tier). Andere Pyrethroide sind weniger gut geeignet. bei
Pferden können Ohrenschützer und das besprühen der Ohrmuscheln (vor allem innen) im Abstand von 5 Tagen
während der Hauptflugzeit die Belästigung reduzieren.
BRACHYCERINA
Wichtige Familien
•
•
•
•
•
•
Tabanidae (Bremsen)
Muscidae (Stubenfliege)
Glossinidae (Tsetse-Fliege)
Challiphoridae (Schmeißfliegen, Fleischfliegen)
Oestridae (Nasen-, Rachen-, Dasselfliegen)
Gastrophillidae (Magenfliegen)
Tabanidae, Bremsen
Morphologie
Es sind kräftige, ca. 10 - 20 mm lange Fliegen. der Kopf ist breiter als lang, halbmondförmig und mit großen
Facettenaugen. Die Fühler sind stets nach vorne gestreckt und bestehen aus 3 Gliedern. Das diastale Glied trägt
einen geringelten Griffel. Die Mundwerkzeuge sind stechend-saugend. Die Farbe ist schwarz-grau bis gelblichbraun. Larven sind hemicephal.
Arten
•
•
•
•
Tabanus spp., z. B. Tabanus bromius (Rinderbremse)
Haematopota spp., z. B. Haematopota pluvialis (Regenbremse)
Hybomitra spp.
Chrysops spp.
Arthropoda
32
Biologie und Entwicklung
Die Entwicklung läuft vom Ei über mehrere (5 - 10) Larvenstadien zur Puppe. Larven leben terrestrisch im
Schlamm oder feuchten Boden (Tränkestellen auf Weiden!) oder im Wasser und ernähren sich räuberisch von
Kleinlebenwesen oder von sich zersetzenden Pflanzen. Die Verpuppung verläuft außerhalb des Wassers. Die
Puppenruhe beträgt 1 - 4 Wochen. Die Flugzeit der Imagines ist von mai bis Ende September, am Ende bevorzugt bei warmer, schwüler Witterung. Es entwickelt sich 1 Generation pro Jahr. Die Überwinterung erfolgt als
Larve.
Schadwirkung
Die Weibchen saugen Blut. Der Blutentzug kann erheblich sein: durch 50 Tabanidn-Weibchen kann ein Rind in
10 Stunden 300 ml Blut verlieren. manchmal saugen bis zu 1000 Tabaniden an einem Tier. Die Schadwirkung
beruht ferner auf der Belästigung der Tiere und des Menschen. Bei Milchkühen kommt es zur Leistungsverminderung (Milchrückgang). Tabaniden können darüber hinaus auch Erreger verschiedenster Krankheiten übertragen: Trypanosoma theileri (fakultativ pathogen), Trypanosoma evansi, Anaplasmen, verschiedene Virus-Arten
und beim menschen (nur in Afrika) die Filarie Loa loa.
Bekämpfung
s. „Fliegen auf der Weide“
Muscidae, Stubenfliege
Hier sind alle Fliegen vom Typ der Stubenfliege zusammengefaßt. Die Entwicklung beginnt bei der Ablage des
Eies, woraus sich über 3 Larvenstadien und 1 Puppenstadium das adulte Tier (Imago) entwickelt.
Fliegen im Stall
Arten und Biologie
•
Stomoxys calcitrans (Großer Wadenstecher):
Es handelt sich um eine 6 mm lange Stechfliege, einem Blutsauger, der
bereits wenige Stunden nach dem Schlüpfen stechbereit ist. es werden
bevorzugt Rinder und Pferde aufgesucht. Es kommen bis zu 600 Wadenstecher auf einem Rind vor. Sie saugen manchmal das Doppelte ihres eigenen Gewichtes an Blut. Bei sehr warmen Wetter saugen sie täglich 2 x, im Herbst in mehrtägigen Intervallen. Die Entwicklung läuft
vor allem in Rinderställen ab, selten auf der Weide. Die Gesamtentwicklungsdauer beträgt 22 - 57 Tage. Es entwickeln sich mehrere Generationen pro Jahr. Die Dichte-Maxima sind im Früh- und Spätsommer. S.
calcitrans ist standorts- und wirtstreu. Der Aktionsradius beträgt nur 40
- 150 m. Unter günstigen Bedingungen kommt es zur explosionsartigen
Vermehrung. Hautursachen sind unregelmäßige und unvollständige
Dungentfernung und Zuflug von außen (Entwicklung im Dunghaufen
oder in anderen Ställen)
•
Musca domestica (Stubenfliege, große Hausfliege):
Arthropoda
33
Die Fliege ist 6 - 7 mm lang und ist mit leckend-saugenden Mundwerkzeugen ausgestattet. Die Entwicklung
kann in verschiedensten Brutmedien, besonders im Kot von Haustieren (nicht im menschlichen Kot) vorkommen. Die Gesamtentwicklung dauert 10 Tage. Das Weibchen legt ca. 500 bis 2000 Eier und es entstehen ca. 10 Generationen pro Jahr. Der Aktionsradium beträgt 500 bis 800 m, aber auch Diastanzflüge von
10 km sind möglich. Unter günstigen Bedingungen (Wärme, mangelhafte Dungentfernung und behandlung) kommt es innerhalb weniger Tage zur Massenvermehrung.
•
Fannia canicularis (kleine Hausfliege):
Sie kommt besonders in Schweine- und Hühnerställen, auch in Rinderställen vor. Die höchste Dichte tritt im
Frühjahr und Frühsommer auf.
Schadwirkung
Besonders Stomoxys, aber auch die Haufliegen, können die Milch- und Fleischleistung um 10 - 20 % reduzieren.
Außerdem entstehen in Milchkuhbeständen große hygienische Probleme (Kontamination von Euter und Milch
mit Bakterien).
Bekämpfung
Allgemeine Maßnahmen:
•
Zu- und Abflug verhindern (Nylongaze vor Fensteröffnungen, Türen geschlossen halten)
•
Regelmäßige und vollständige Dungbeseitigung (mindestens wöchentlich). Bei Tiefstreu täglich reichlich
einstreuen.
•
Ställe trocken halten (v a. Mischen und Feuchtstellen um Tränken vermeiden)
Einsatz von Insektiziden und Larvaziden:
In der Bekämpfung von Fliegen in Stallungen spielen Insektizide verschiedener Wirkstoffgruppen (Pyrethrine,
Pyrethroide, Organophosphate, Carbamate) und Larvazide (Diflubirenzuronm, Cyromazin) eine wesentlich Rolle.
Andere Methoden:
UV-Lichtfallen erweisen sich in der Praxis als begrenzt wirksam. Durch breite Leimstreifen und/ oder Fraßgifte
(Organophosphate) evtl. versetz mit Lockstoffen) läßt sich bei sehr guten hygienischen Verhältnissen die Fliegenpopulation unter Kontrolle halten oder zumindest wesentlich reduzieren.
Fliegen auf der Weide
Fliegen bei Weiderindern (Arten und Biologie)
•
Haematobia irritans (Kleine Weidestechfliege, „Hornfly“):
Es handelt hierbei um einen spezifischen Rinderparasiten. Es entwickeln sich zwischen Mai bis September
mehrerer Generationen im frischen Rinderdung. Die Überwinterung erfolgt im Puppenstadium. Die Weibchen sind fast stationäre Ektoparasiten(Sitz vor allem an Hornbasis, an Rücken und Flanken, wo sie mit dem
Kopf nach unten gerichtet sitzen),. Sie verlassen ihren Wirt nur zur Eiablage gegen Ende des Sommers werden enorme Populationsdichten Erreicht(mehrere tausend Fliegen je Rind, im Ausland bis zu 10 000!). Die
Stiche sind schmerzhaft. bei Kühen kann die Milchleistung durch die Belästigung um 25 - 50 % zurückgehen.
•
Musca autumnalis (Augenfliege, „Facefly“):
Die Larvenentwicklung erfolgt im frischen Rinderkot. Danach folgt die Verpuppung im Boden. Es entstehen ca. 4 Generationen pro Jahr. Sie lecken Sekret und Blut an Augen, Nase und Wunden bei Rindern (Sitz
Arthropoda
•
34
vor allem am Kopf). Sie verursachen mit Prästomatalzähnen kleine Wunden. Sie sind Überträger von Thelazien („Augenwürmern“).
Hydrotaea irritans (Euterfliege):
Bei den Hydrotaea-Arten handelt es sich um kleine, ca. 3 mm große Fliegen mit großer Mobilität, die in 12
Arten an Rindern parasitieren. Davon ist Hydrotaea irritans der wichtigste Vertreter. Der Sitz ist vor allem
an Euter (Zitzenspitzen) und am Kopf und lebt dort von Sekreten. Das Aktivitäts- und Populationsmaxima
geht von Juli bis Mitte September. Viele Anzeichen weisen darauf hin, daß H. irritans den sog. Sommer(Pyogenes)-Mastitis des Rindes (Corynebacerium pyogenes) überträgt.
Schadwirkung
Die Schadwirkung der „symbovinen“ Fliegen während der Weidesaison werden im allgemeinen unterschätzt. Die
Fliegen können die Weiderinder stark belästigen und auch Leistungseinbußen verursachen. Daher ist eine Fliegenbekämpfung aus ökonomischen Aspekten und aus Tierschutzgründen gerechtfertigt. Wie oben bereits erwähnt, sind Fliegen mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Verbreitung von Pyogenes-Bakterien und somit für das
Entstehen der Pyogenes-Mastitis des Rindes verantwortlich.
Bekämpfung
Durch die Einführung hochwirksamer Pyrethroide ergeben sich heute neue, praktikable Möglichkeiten zur Fliegenbekämpfung bei Weiderindern. Beim Einsatz dieser Verfahren muß allerdings im laufe der Zeit mit der Bildung resistenter Fliegenpopulationen gerechnet werden. Folgende Verfahren können in der Praxis eingesetzt
werden:
•
Insektizidhaltige Ohrmarken (Ohrclips):
Es sind verschiedene Produkte aus Weichplastik (Träger) mit unterschiedlichen Wirkstoffen (Pyrethroide,
Organophosphate) verfügbar. Der Wirkstoff wird allmählich freigesetzt und breitet sich vom Ohr aus (auch
infolge der Kopfbewegung des Tieres) in der Lipidschicht der Haut über die Körperoberfläche aus. Die
Wirkungsdauer ist bei allen Produkten ähnlich, sie beträgt 4 – 5 Monate und reicht für eine Weidesaison.
Die Applikation der Ohrclips erfolgt zu Beginn der Weidesaison bei allen Tieren einer Weidegruppe. Die
Ohrklips sind für Jung- und Mastrinder und auch für Kühe geeignet. Neuerdings sind Ohrclips verfügbar,
die aus einem Halterungsclip aus Weichplastik bestehen, an dem ein Insektizidhaltiger Teil ausgewechselt
werden kann. Der Vorteil diese systems ist, daß durch das Einziehen von Ohrclips nicht immer wieder neue
Löcher in der Ohrmuschel entstehen.
•
Aufgießverfahren (Pour-on-Behandlung):
Bei diesem Verfahren werden spezielle Formulierungen von Pyrethroiden auf die Rückenhaut aufgegossen.
Der Wirkstoff breitet sich in der Lipidschicht und im Stratum corneum der haut aus, die Wirkdauer beträgt
1 Monat. Daher sind während der Weidesaison 3 – 4 Behandlungen notwendig. Das Verfahren ist umweltfreundlich, da kein Abtropfen des Wirkstoffes vom Tier erfolgt und diese Mittel auch bei Kühen anwendbar
sind, wenn bei der Produktion keine Wartezeiten für die Milch vorgeschrieben sind. Für diese Art der Bekämpfung sind u. a. folgende Formulierungen für die Pour-on-Behandlung geeignet: Cyfluthrin (BAYOFLY
®, Bayer) und Cyhalothrin (CYHALOTHRIN POUR-ON ®, PIMAN-MOORE).
•
Sprühverfahren:
Bestimmte Pyrethroid-Formulierungen, z. B. Permethrin (STOMOXIN MO ®, Pitman-Moore) können auf
die Tiere aufgesprüht werden. Dieses verfahren ist jedoch aufwendiger als das Aufgießverfahren.
•
Staubbeutel („dust bag“, „back rubber“):
Mit Insektiziden gefüllte Säcke aus porösem Gewebe werden in ein Tor gehängt, sie streifen den Tieren
beim Durchgang über den Rücken und hinterlassen einen Insektizidstaubfilm. Das Tor muß Überdacht sein.
Dieses Verfahren hat sich in einigen Gebieten Mitteleuropas und in den USA gut bewährt. Es ist jedoch
heute den o. g. Verfahren unterlegen.
•
Allgemeines:
Arthropoda
35
Bei allen verfahren werden im allgemeinen Stechfliegen besser kontrolliert als andere Fliegen-Arten. Die
Wirkung ist nicht vollständig, doch kann man mit den oben erwähnten Verfahren eine erhebliche Reduktion
der Fliegenpopulation erreichen.
Fliegen bei weidenden Pferden
Bei weidenden Pferden sind vielen Fliegenarten anzutreffen, vor allem im Kopfbereich, aber auch an anderen
Köperstellen: Musca autumnalis, Hydrotaea-Arten, Haematobias-Arten und Tabaniden. Folgende Bekämpfungsmaßnahmen sind möglich:
•
Einreiben der Haut mit WELLCARE ®-Emulsion:
Die Lösung enthält ein Pyrethroid (Permethrin) und Citronellol, letzteres hat eine Abschreckwirkung (=
Repellent-Wirkung). Wirkungseintritt ca. 5 Minuten nach dem Auftragen der Emulsion. Wirkungsdauer:
gegen Tabaniden etwa 6 Tage, gegen andere Fliegen etwa 14 Tage. Durch starken regen (nicht durch
Schwitzen) wird die Emulsion abgewaschen und dadurch die Wirkung aufgehoben.
•
Insektizid-Halsband:
Das EQUIVET FLY BAND ® aus Weichplastik enthält den Wirkstoff Cypermethrin. Pro Pferd werden 2
Halsbänder an einem Fehlriemen befestigt. Teilwirkung auf die Fliegenpopulation für etwa 2 Wochen. Das
band muß zur vollen Entfaltung der Wirkung Hautkontakt heben, daher ist die Wirkung bei Einflechten des
Bandes in die Mähne erheblich reduziert.
•
Mechanischer Schutz:
Der Schutz der Ohrmuscheln durch „Ohrenschützer“ aus Stoff und des oberen Kopfbreichens durch herabhängende Strippen kann dazu beitragen, Fliegen fernzuhalten oder zu vertreiben.
Glossinidae, Tsetse-Fliegen
Es handelt sich dabei um Stechfliegen, die in Ruhehaltung die Flügel zungenförmig über das Abdomen legen
(Glossa = Zunge). Sie setzten in ihrer Entwicklungsreihe verpuppungsfähige Larven ab. Die Verbreitung beschränkt sich auf Afrika südlich der Sahara. Sie gelten als Überträger von Trypanosoma-Arten (Erreger der
Schlafkrankheit des Menschen bzw. der Nagana der Haustiere).
Calliphoridae
Morphologie und Biologie
Sie ähneln den Muscidae im Aussehen. Es sind ca. 6 - 18 mm lange Fliegen, die je nach Art unterschiedlich
gefärbt sind: Calliphorinae sind metallisch-blau, grün-glänzend oder Sarcophaginae sind grau. Die Larven der
Calliphoriden leben zum größten Teil sapropharg, d. h. sie ernähren sich von verwesenden tierischen und pflanzlichen Stoffen. Sie kommen daher in faulen Vegetabilen, Kadavern, Lebensmitteln, usw. vor (Vorratsschädlinge!). Die sapropharge Lebensweise ermöglicht einige Arten zum fakultativen oder obligaten Wundparasitismus
im Larvenstadium und damit zur Erzeugung von Myiasis bei Tieren und beim Menschen.
Myiasis: Invasion lebender Wirbeltiere mit Fliegenlarven. Bei einer gutartigen Wundmyiasis ist nur das nekrotische Gewebe betroffen. Bei einer bösartigen Wundmyiasis ist auch gesundes Gewebe betroffen.
Arten
• Calliphorinae (Gold-, Schmeißfliegen, „Blow flies“)
• Sarcophaginae (Fleischfliegen)
Arthropoda
36
Calliphorinae (Gold-, Schmeißfliegen, „Blow flies“)
•
Lucilia sericata und Lucilia cuprina:
Lucilia sericata Es ist fakultativer Myiasiserreger beim Schaf. Es entwickelt meist eine gutartige Myiasis,
aber auch bösartige Formen kommen vor. Lucilia cuprina ist ein Erreger einer meist bösartigen Myiasis
des Schafes und eine hat besondere Bedeutung in Südafrika und Australien.
•
Callitroga (Coxhliomyia) hominivorav:
Es ist ein Myiasiserreger bei Haustieren in Nord-, Mittel- und Südamerika („Screw worm“)
Sarcophaginae (Fleischfliegen)
Art und Erkrankung:
Der Erreger ist Wohlfahrtia magnifica und verursacht eine bösartigen Myiasis bei Haustieren und beim Menschen.
Entwicklung:
Die Ablage der Eier erfolgt in Schüben von ca. 200 an Kadavern, Fleisch, Wunden und Körperöffnungen. Beim
Schaf sind bevorzugte Stellen die mit Kot beschmutzten, faltigen Hinterpartien. Larven entwickeln sich in etwa 1
Woche, danach erfolgt die Verpuppung am Boden.
Schadwirkung und Klinik der Myiasis:
Larven sind Vorratsschädlinge bzw. Myiasiserreger. Adulte können als mechanische Überträger von Bakterien,
Amäben-Zysten u. a. Keinem fungieren. Die Wund-Myiasis äußert sich als kleinere oder großflächige, zum Teil
unterminierende Wunden bis in die Subcuts. Die wunden sind eitrig stinkend und zum Teil massenhaft mit Fliegenmaden besetzt. Das Allgemeinbefinden ist in schweren Fällen hochgradig gestört. Todesfälle sind möglich.
Diagnose:
Genaue Adspektion von Haut- und Körperöffnungen (Tiere scheren!). Die Identifizierung der Maden erfolgt
durch Spezialisten (Maden in 70%igem Alkohol fixieren).
Therapie und Bekämpfung:
Besprühen oder waschen der befallenen Stellen mich hochwirksamen Insektizidlösungen (Pyrethroide oder Organophosphate). Nach einigen Stunden Einwirkzeit können die Maden entfernt werden. Im Anschluß Wundversorgung und allgemeine Behandlung (bei Fieber: Antibiotika). Die Bekämpfung erfolgt durch prophylaktisches Besprühen der gefährdeten Tiere mit Insektiziden, „Mule Operation“ bei Schafen (Entfernung sichelförmiger Hautstücke aus dem Hinterschenkel mit den Ziel zur Reduktion der Hautfalten) und Fliegenbekämpfung mit „sterile male technique“ (erfolgreich angewandt bei Callitroga = „Screw worm“ in den USA).
Oestridae (Nasen-, Rachen-, Dasselfliegen)
Morphologie
Etwa 8 - 15 mm lange, meist dicht beborstete hummelähnliche,
gelblich-schwarz gefärbte kurzlebige Fliegen mit rückgebildeten
Mundwerkzeugen. Die Larven sind obligat parasitisch lebend in
Säugetieren.
Arthropoda
37
Hypoderminae (Dasselfliegen)
Arten
•
•
•
•
Hypoderma bovis (Große Dasselfliege)
Hypoderma lineatum (Kleine Dasselfliege)
Hypoderma diana (Reh-Dasselfliege, bei Reh, Darmhirsch, Gemse, Mufflon)
Hypoderma acetaeon (Hirsch-Dasselfliege, beim Rothirsch)
Vorkommen, Biologie und Entwicklung
Seit den 60er Jahren konnte der Dassellarvenbefall (Hypodermose) in vielen Ländern durch Bekämpfungsmaßnahmen getilgt (Norwegen. Schweden, Dänemark) oder stark reduziert werden (Schweiz, BRD). Eine Einschleppung erfolgt durch unbehandelte Rinder aus Frankreich. Die Dasselfliegen sind sehr wirtsspezifisch, so daß die
bei Wildtieren parasitierenden Arten für haustiere keine Rolle spielen. Gelegentlich können sich allerdings einzelne Dassellarven in Endwirten (Pferd, Mensch, usw.) entwickeln, z. B. in Konjunktiven)
Hypoderma bovis
Die Flugzeit ist von Mai bis Oktober, vor allem in der Mittagszeit. Die Paarung erfolgt sofort nach dem Schlupf
der Imagines aus den Puppen. Die Eiablage des Weibchen beginnt ca. 1 Stunde danach. Vor anfliegenden Weibchen fürchten sich oft die Rinder („biesen“, „Biesenfliegen“). Die Ablage der L1 schlüpfen nach 3 - 7 Tagen. Sie
bohren sich in die Haut ein und 3andern auf Faszien oder im perineuralem Gehwebe zum Wirbelkanal. Sie dringen in das epidurale Fettgewebe ein und sind dort zwischen Anfang Dezember und März anzutreffen. danach
folgt die Wanderung in die dorsale Rückenhaut, vor allem Lumbalbereich, wo sie Dasselbeulen bilden, die durch
ein Atemloch mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Hier erfolgt die Häutung zur L2 und L3. Die Dasselbeulen erscheinen ab Mitte Januar. Die L3 verlassen im Frühjahr und Frühsommer die Beulen und verpuppen sich
am Boden. Die Puppenruhe dauert 2 - 10 Wochen. Die Lebenspanne der Imagines sind meist 3 - 5 Tage, selten
bis 4 Wochen.
Hypoderma lineatum
Imagines schwärmen früher als H. bovis. Die Eier werden in Reihen zu mehreren abgesetzt. Nach dem Schlüpfen
wandern die Larven von der Haut in den Ösophagus (dort anzutreffen zwischen August bis Februar), dann wahrscheinlich Migration über Diaphragma zur Unterhaut den Rückens.
Bekämpfung
Behandlungszeitpunkt
Funktion
Maßnahmen
Herbstbehandlung
15. September bis 1. oder 15. November
Vorbeugung
• 10 %ige Neguvon -Lösung, Pour-onBehandlung (keine Wartefrist für Milch, 1
Tag für Fleisch und Organe)
• Ivermectin oder Doramectin: 0,2 mg/ kg
KM (Wartefrist für Fleisch und Organe:
28 bzw. 42 Tage; nicht bei laktierenden
Rindern anwenden!)
Frühjahrsbehandlung
ab Mitte März
Therapie
• Tiguvon  (2 %ige ölige Lösung)
als Pour-on-Behandlung oder
Waschverfahren mit 2 %ige Neguvon -Lösung (5 Tage Wartezeit für Milch)
• Makrozyklische Laktone: s. oben
Arthropoda
38
Oestrinae (Nasen- und Rachenfliegen)
Arten
• Oestrus bovis (Nasenfliege des Schafes)
• Cephenemyia stimulator (Rachenbremse beim Reh)
Biologie
Die Larven parasitieren in den Nasenhöhlen bzw. in den Stirnhöhlen des Schafes bzw. an der Rachenschleimhaut
des Rehes. Die Entwicklung ist ähnlich wie bei Hypoderminae.
Gasterophillidae, Magenfliegen
Morphologie
Die Gasterophillidae ähneln in ihrem Aussehen den Dasselfliegen. Die Larven sind obligate Parasiten im Verdauungstrakt von Equiden.
Übersicht
Art
Gasterophilus intestinalis
G. haemorrhoidalis
G. inermis
G. nasalis
G. pectorum
G. nigricornis
Eiablage
Vorderbeine, Schulter, Flanke
Lippenhaare
Wangen
Unterkiefer
Pflanzen
Wangen
Wanderung L1
auf Haut, Mund und Zunge
auf Haut und Mund
in Haut und Mund
auf Haut und Mund
Mund und Zunge
auf Haut und Mund
Entwicklung
Die Imagines schwärmen von Juni bis August aus. De Lebensdauer beträgt 14 - 20 Tage. Die Weinchen legen 300 2000 Eier an Haare bestimmter Körperstellen bzw. an Pflanzen (G. pecorum) ab. Die L1 werden beim Belecken der
Eiablagestellen bzw. nach der Aufnahme der Eier (bei G.
pecorum) frei und dringen in die Mundschleimhaut ein, wo
sie sich zur L2 häuten. Sie wandern dann weiter zum endgültigen Ansiedlungsort (Magen. Duodenum, rectum). Nach 8 10 Monaten werden die L3 im Kot ausgeschieden. Die Verpuppung erfolgt im Erdboden.
Schadwirkung
Lokalisation L2, L3
Magen
Magen
Rektum
Duodenum
Duodenum
Duodenum
Arthropoda
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Die Schadwirkungen sind im Allgemeine gering. Es kann bei starkem Befall zur Stomatitis, Gastritis und Verdauungsstörungen mit Abmagerung führen.
Diagnose
Nach Feststellung der Eier am Haarkleid der Pferde werden Hinweise für das Vorkommen von Gasterophiliden
im Bestand gewonnen. L3 können makroskopisch im Kot (Winter/ Frühjahr) festgestellt werden. Über klinische
Befunde sind die Aussage unsicher.
Bekämpfung
Je nach Behandlung wird Mitte September und Mitte Dezember mit 35 - 30 mg/ kg NEGUVON  per os behandelt. Eine kombinierte Behandlung, die gleichzeitig Askariden, Strongyliden und Oxyuren wirkt, kann mit
TELMIN PLUS  (Mebendazol und Neguvon), RINTAL PLUS  (Febantel und Neguvon) oder EQVALAN 
(Ivermectin) durchgeführt werden.
Hippoboscidae (Lausfliegen)
Morphologie
Sie haben ein abgeflachtes, behaartes, widerstandsfähiges Integument. Die Gestalt ist gedrungen. Die Flügel sind
bei einigen Arten voll entwickelt, bei anderen fehlend oder während der Entwicklung abbrechend. Die Mundwerkzeuge sind vom stechend-saugenden Typ. Sie besitzen große Klauen zum Festhalten. Der Gang kann vorwärts, seitwärts und rückwärts erfolgen.
Arten
•
•
•
•
Melophagus ovinus (Schaflausfliege, oft falsch als „Schafzecke“ bezeichnet)
Hippobosca equina (Pferdelausfliege)
Lipoptena cervi (Hirschlausfliege)
Crataerina pallida (Mauerseglerlausfliege)
Entwicklung
Die Ovarien der Hippobosciden-Weibchen bestehen aus 1 Paar Röhren, in denen sich alternierend je ein Ei entwickelt, das den Uterus hinabgleitet. Hier entwickelt sich dann die Larve, die vom Sekret zweier Drüsen ernährt
wird. Im Uterus erfolgt die ersten beiden Häutungen der Larve. Die Verpuppungsreifen Larven werden entweder
an den Haaren angeheftet (Melophagus, Lipoptena) oder sie fallen zu Boden (Hippobosca, Vogellausfliegen).
Die Verpuppung erfolgt bei M. ovinus nach 10 Stunden. Die Puppenruhe beträgt ca. 4 Wochen.
Schadwirkung
Im Allgemeinen sind die Lausfliegen wirtsspezifisch bzw. halten sich in den Nestern der von ihnen als Blutspender benutzten Vögel auf. In Ermangelung anderer Blutspender gehen sie jedoch auf andere Tiere und den Menschen über. Sie verursachen Juckreiz, Stichreaktionen und Blutverlust. M. ovinus überträgt Trypanosma melophagium (apathogen).
Bekämpfung
Arthropoda
40
Meist nur beim Schaf erforderlich. nach Möglichkeit: scheren, baden oder besprühen mit Insektiziden. Eine neue
Möglichkeit ist die Pour-on-Behandlung mit Cyfluthin (BAYOFLY ).
SIPHONAPTERIDA (Flöhe)
Morphologie
Es sind seitlich abgeplattete, 3 - 8 mm lange Insekten mit sehr charakteristischen Aussehen. Kopf, Thorax und Abdomen sind deutlich voneinander abgesetzt. Sie besitzen kurze Antennen, die in Gruben liegen. Facettenaugen fehlen,
dafür sind Punktaugen vorhanden. Die Mundwerkzeuge sich vom stechendsaugenden Typ, hängen nach unten oder sind unter den Kopf gelegt. Sie haben
keine Flügel. Das zweite und dritte Beinpaar haben verdickte Coxen und Femura und dienen als sog. Sprungbeine. Diagnostisch wichtig sind die Stachelkämme (Ctenidien) am Kopf und/ oder am Prothorax.
Arten (Auswahl)
Familie
Pulicidae
Tungidae
Ceratophyllidae
Tierart
Mensch:
Schwein:
Hund:
Mensch:
Hund:
Katze:
Huhn:
Taube:
Spezies
Pulex irritans (Menschenfloh)
Pulex irritans (gelegentlicher Befall)
Pulex irritans (gelegentlicher Befall)
Tunga penetrans (Sandfloh)
Ctenocephalides canis (Hundefloh), Ctenocephalides felis (Katzenfloh)
Ctenocephalides felis (Katzenfloh)
Ctenocephalides gallinae (Hühnerfloh)
Ctenocephalides columbae
Schlüssel zur Bestimmung der wichtigsten Floharten in Miteleuropa
1.
a)
b)
Ohne Stachelkämme
Stachelkämme an Kopf und/ oder am Nacken
Pulex irritans (Menschenfloh)
(2)
2.
a)
b)
1 Stachelkamm nur am Nacken
2 Stachelkämme (an Kopf und Nacken)
(3)
(4)
3.
a)
Stachelkamm an Nacken mit 20 Stacheln
b)
Stachelkamm am Nacken mit > 22 Stacheln
Nosophyllus fasciatus (Europäischre
Rattenfloh)
Ceratophyllus spp. (Vogelflöhe)
4.
a)
b)
Stachelkämme an Kopf und Nacken mit je 2 Stacheln
Stachelkämme an Kopf und Nacken mit > 2 Stacheln
Arachaeopsylla erinacei (Igelfloh)
(5)
5.
a)
Stachelkamm am Kopf horizontal, mit 7 – 8 Stacheln
b)
Stachelkamm am Kopf vertikal, mit 4 – 5 Stacheln
Ctenocephalides felis, C. canis (Hunde- und Katzenfloh)
(6)
a)
Stachelkamm am Kopf mit 4, am Nacken mit ca. 20 Sta- Leptopsyllus segnis (Hausmausfloh)
cheln
Stachelkamm am Kopf mit 4 – 6, am Nacken mit ca. 14 Spilopsyllus cuniculi (Kaninchenfloh)
Stacheln
6.
b)
Arthropoda
41
Biologie
Flöhe sind periodisch temporäre Ektoparasiten. Nur die adulten Stadien halten sich am Wirtstier auf. Die Entwicklungsstadien findet man in der Regel in den Lagerstätten oder Nestern der Tiere, seltener am Haarkleid. Bei
Flöhen liegt Nesttypenspezifität vor, d. h. ihe Entwicklung ist an besondere Bedingungen des „Nestes“ angepaßt,
das für eine Art adäquate Entwicklungsbedingungen biete. Die Wirtsspezifität ist gering entwickelt. So können
Floharten des Hundes, der Katze, des Igels sowie von Hühner- und Vogelarten auf den Menschen and andere
Wirte übergehen und dot Blut saugen.
Entwicklung
Die Weibchen legen ca. 20 - 500, ziemlich große (0,6 x 0,3 mm), weißliche, ovale Eier am Tier (oder in Bodenritzen) ab, von dem sie später Abfallen. Nach etwa 4 - 12 Tagen schlüpfen stark beborstete Larven mit Kopf,
beißenden Mundwerkzeugen, jedoch ohne Beine. Larven leben vor allem von Kot der adulten Flohe der unverdautes Blut enthält. 3 Larvenhäutungen, dann erfolgt die Verpuppung in einem Kokon (holometabole Entwicklung). Die Puppenruhe dauert 4 - 14 Tage und die Gesamtentwicklungszeit 2 - 3 Wochen, jedoch auch 20 Monate und mehr. Die Lebensdauer der Flöhe beträgt 2 - 3 Monate im Sommer, bei niedrigen Temperaturen und hoher
Luftfeuchtigkeit bis über 2 Jahre. Der Hühnerkammfloh (Echidnophaga gallinacea) hat sich zum stationären
Parasiten entwickelt. Er kommt in Afrika, Australien und Amerika vor.
Schadwirkung
Es sind Plageerreger durch Stiche und Blutsaugen. Es entwickelt sich ein lästiger Juckreiz, der meist stärker als
beim Läusebefall ist. Papel- und Quaddelbildung kann beobachtet werden. Es entstehen Kratzwunden, eine Anämie und es kann sich eine Hautallergie entwickeln.
Vektorfunktion
Ctenophalides canis (Hundefloh) ist ein Zwischenwirt für den Hundebandwurm Dipylidium caninum. der Rattenfloh (Xenopsylla cheopsis) ist der Überträger des Pesterregers (Yersinia pestis).
Diagnose
Flöhe können makroskopisch an
Tier bereits festgestellt werden.
Der Flohbefall kann auch durch
den Nachweis von Flohkot (rötlich-braune Partikel) im Fell.
Der Hunde- (Ctenocephalides
canis) und Katzenfloh (Ctenocephalides felis) hat je einen
Stachelkamm am Kopf und
Prothorax. Der Hühnerfloh
(Ctenocephalides gallinae) hat
ein Ctenidium nur am Prothroax.
Arthropoda
42
Bekämpfung
Bekämpfung der Flöhe am Tier und in der Umgebung!
•
Einpudern und Besprühen der Tiere mit Kontaktinsektiziden, anlegen von Halsbändern mit InsektizidImprägnierung bei Hund und Katze, orale Gaben von Insektiziden (Organophosphate) in Form von
CYFREE -Tabletten bei Fleischfressern
•
Einsprühen der Lagerstätten mit Insektiziden mit Wiederholung nach 14 Tagen Kombinationspräparat mit
mikroverkapselten Chlorpyrifos (Adultizid) sowie mit Wachstumsregulator Fenoxycarb (wirkt gegen Larven und Puppen werden als Pump-Spray für Hunde und Katzen angeboten.
•
Gleichzeitiges Einsprühen der befallenen Tiere und deren Umgebung (v a. Liege- und Schlafstätten), Wiederholung nach 2 – 4 Wochen. Die Wirkung ist gut gegen adulte und immature Flohstadien. Das Präparat
wirk als Kontaktgift und hat eine Langzeitwirkung. Fipronil (FRONTLINE ®) und Imidacloprid
(ADVANTAGE ®) sind ebenfalls sehr gute Wirkstoffe (spot on für Hunde und Katzen) mit sehr schneller
adultizider Wirkung sowie mehrwöchig anhaltender Dauerwirkung nach Behandlung.
•
Eine neue Behandlungsmöglichkeit bietet das Präparat PROGRAM ® , das in Tablettenform an Hunde oder
Katzen verabreicht wird. Der Wirkstoff (Fluphenacur) gelangt über das Blut der Wirte in die blutsaugenden
Flöhe und beeinflußt bei den Weibchen durch Einwirken auf die Chitinsynthese die Entwicklung der Eier
oder später der Larven. Auf diese Wese wird der Verlauf von 2 – 3 Wochen die Flohpopulation nachhaltig
geschädigt. Der Nachteil dieser Methode ist, daß ein bestehender Flohbefall nicht unmittelbar beseitigt
wird. Dies muß durch Besprühen der Tiere mit einem Insektizid (Adultizid) am Anfang der Behandlung mit
PROGRAM geschehen.
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