soFid
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst
Politische Soziologie
2010|2
Politische Soziologie
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst
soFid
Politische Soziologie
Band 2010/2
bearbeitet von
Stefan Jakowatz
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010
ISSN:
Herausgeber:
bearbeitet von:
Programmierung:
Druck u. Vertrieb:
0176-4470
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung Fachinformation für Sozialwissenschaften (FIS)
Stefan Jakowatz
Siegfried Schomisch
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Lennéstr. 30, 53113 Bonn, Tel.: (0228)2281-0
Printed in Germany
Die Mittel für diese Veröffentlichung wurden im Rahmen der institutionellen Förderung von GESIS
durch den Bund und die Länder gemeinsam bereitgestellt.
© 2010 GESIS. Alle Rechte vorbehalten. Insbesondere ist die Überführung in maschinenlesbare
Form sowie das Speichern in Informationssystemen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Einwilligung des Herausgebers gestattet.
Inhalt
Vorwort .................................................................................................................................................7
Sachgebiete
1
Politische Grundbegriffe und Konzepte.....................................................................................9
2
Theorie und Geschichte politischer Systeme...........................................................................43
3
Staatstheorie und staatliches Handeln......................................................................................68
4
Politische Parteien und Parteiensysteme..................................................................................97
5
Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation..........................................................................112
6
Politische Einstellungen und politische Bewegungen...........................................................125
7
Politische Kultur und Ethik, politische Eliten........................................................................146
Register
Hinweise zur Registerbenutzung.......................................................................................................187
Personenregister.................................................................................................................................189
Sachregister........................................................................................................................................195
Institutionenregister...........................................................................................................................209
Anhang
Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur...............................................................................215
Zur Benutzung der Forschungsnachweise.........................................................................................215
soFid Politische Soziologie 2010/2
Vorwort
7
Vorwort
zum soFid „Politische Soziologie“
GESIS bietet mit dem „Sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst“ (soFid) zweimal jährlich aktuelle Informationen zu einer großen Zahl spezieller Themenstellungen an. Jeder soFid hat
sein eigenes, meist pragmatisch festgelegtes Profil. Gewisse Überschneidungen sind deshalb nicht
zu vermeiden.
Quelle der im jeweiligen soFid enthaltenen Informationen sind die von GESIS produzierten Datenbanken SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) sowie SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften – bisher FORIS).
Die Datenbank SOLIS stützt sich vorwiegend auf deutschsprachige Veröffentlichungen, d.h. Zeitschriftenaufsätze, Monographien, Beiträge in Sammelwerken sowie auf Graue Literatur in den
zentralen sozialwissenschaftlichen Disziplinen. In SOLIS ist bei einigen Hinweisen unter „Standort“ eine Internet-Adresse eingetragen. Wenn Sie mit dieser Adresse im Internet suchen, finden
Sie hier den vollständigen Text des Dokuments.
Wesentliche Quellen zur Informationsgewinnung für SOFIS sind Erhebungen in den deutschsprachigen Ländern bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. Zur Meldung
neuer Projekte steht unter http://www.gesis.org/dienstleistungen/fachinformationen/datenbankeninformationssysteme/forschungsdatenbank-sofis/erhebung/ permanent ein Fragebogen zur Verfügung.
Literaturhinweise sind durch ein "-L" nach der laufenden Nummer gekennzeichnet, Forschungsnachweise durch ein "-F". Im Gegensatz zu Literaturhinweisen, die jeweils nur einmal gegeben
werden, kann es vorkommen, dass ein Forschungsnachweis in mehreren aufeinander folgenden
Diensten erscheint. Dies ist gerechtfertigt, weil Forschungsprojekte häufig ihren Zuschnitt verändern, sei es, dass das Projekt eingeengt, erweitert, auf ein anderes Thema verlagert oder ganz abgebrochen wird. Es handelt sich also bei einem erneuten Nachweis in jedem Falle um eine aktualisierte Fassung, die Rückschlüsse auf den Fortgang der Arbeiten an einem Projekt zulässt.
***
Die politische Soziologie stellt das Verbindungselement zwischen Soziologie und Politikwissenschaft her. Unter Einbeziehung theoretisch-systematisierender wie auch historisch-empirischer
Aspekte befasst sie sich mit den gesellschaftlichen und sozialpsychologischen Voraussetzungen
und Folgen des politischen Handelns, mit der Entstehung, Struktur und dem Wirkungszusammenhang politischer Systeme, den Interdependenzen von Aufbau, Ausbau und Modernisierung politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ordnungen, der Entstehung von Macht und dem Einfluss gesellschaftlicher Gruppen und Akteure auf diesem Wirkungsgeflecht.
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Vorwort
Diese Bestimmung des Wissensgebiets spiegelt sich in der Sachgebietsgliederung des vorliegenden Informationsdienstes wider: Politische Konzepte und Ideen, politische Systeme und Systemkrisen einschließlich historischer Erfahrungen, politische Steuerung und ihre Institutionalisierung,
staatliches Handeln einschließlich Verhältnis von Macht und Herrschaft, Parteiwesen, Wahlsoziologie, Partizipation, öffentliche Meinung, politische Einstellung, politische Bewegungen, Interessengruppen und Radikalismus, politische Eliten und politische Kultur, Werte, Wertewandel und
Ethik sind Gegenstand der einzelnen Kapitel.
Aufgrund der Fülle der Dokumente in der ausgewiesenen Klassifikation „politische Soziologie“
konnten nicht alle aktuellen Nachweise aufgenommen werden. Die Auswahl erfolgte zunächst
nach inhaltlichen Kriterien wie auch Aktualität, zusätzlich jedoch auch in Abgrenzung zu anderen
Fachgebietsbereichen. So wurden Literatur oder Forschung, die in anderen soFid-Themenbereichen veröffentlicht werden, hier nicht noch mal dokumentiert. Dies gilt für Themen der Außenund Sicherheitspolitik, zu regionalen oder ethnischen Konflikten oder Gewalt wie auch zu Konversion, die im soFid „Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung“ dokumentiert sind. Gleiches gilt für den umfangreichen Bereich „Sozialpolitik“.
Zu politischen Analysen für die neuen Bundesländer und die damit verbundenen Transaktionsprozesse informieren Sie sich bitte im Fachinformationsdienst „Gesellschaftlicher Wandel in den neuen Bundesländern“. Die umfangreiche sozialwissenschaftliche Forschung und Literatur zu Osteuropa wird im Dienst „Osteuropaforschung“ dokumentiert. Für das Gebiet „Stadt- und Regionalforschung“ gibt es einen eigenen Dienst, ebenso für „Bevölkerungsforschung“, „Umweltforschung“
oder „Frauen- und Geschlechterforschung“. Gesundheitsverhalten und -politik ist im soFid „Gesundheitsforschung“ enthalten, der Komplex „Migration und ethnische Minderheiten“ im gleichnamigen Band dokumentiert, politische Bildung findet sich im Band „Bildungsforschung“ wieder,
um nur die wichtigsten angrenzenden Themenbereiche zu nennen.
Auch konnten Länderstudien aufgrund der großen Zahl der Nachweise nicht mehr einbezogen
werden. Außer Acht gelasssen wurden Beiträge zu Ressortpolitik, Kommunalpolitik und weitestgehend auch zu Europapolitik. Für diese Themen empfehlen wir eine individuelle Recherche in
der Datenbank durchzuführen.
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Politische Grundbegriffe und Konzepte
[1-L] Abromeit, Heidrun:
Gesellschaften ohne Alternativen: zur Zukunftsunfähigkeit kapitalistischer Demokratien, in:
Soziale Welt, Sonderband : Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, 2009,
Nr. 18, S. 34-56
INHALT: Im Mainstream der gegenwärtigen politischen Theorie dominieren für die Autorin Vorstellungen von deliberativer Demokratie, die es ermöglichen, "etwa in der Brüsseler Komitologie das Walten der Vernunft zu entdecken"; im "Mode-Begriff" der "Zivilgesellschaft" wird
der "unkontrollierte Einfluss organisierter Gruppen als zutiefst demokratisch schön geredet";
unter dem Titel der "corporate governance" oder der "corporate social responsibility" "wird
uns weisgemacht, dass der globalisierte Kapitalismus sich wider Erwarten und zum Besten
Aller selbst regulieren kann". Der vorliegende Beitrag versucht, eine Gegenposition zu skizzieren. Die Autorin geht grundsätzlich davon aus, dass das kapitalistische System seine eigenen Reproduktionsbedingungen (Marx: die Springquellen allen Reichtums - der Arbeiter und
die Erde) zerstört und dass die demokratischen Staaten nicht in der Lage sind, dies zu verhindern. Sie konzentriert sich dann auf die Frage, welche Tendenzen im "Interaktionsmodus
Wettbewerb" angelegt sind und welche Steigerungsformen derselben seine nunmehr universalisierte Variante produziert. Dazu wird in folgenden Schritten vorgegangen: Zunächst richtet der Blick sich auf die individuelle Rationalität als dominanter Verhaltensorientierung in
kapitalistischen Gesellschaften und auf die (bekannten) Probleme und Folgen, die sich daraus
ergeben. Dem folgt der Versuch, den "Interaktionsmodus Wettbewerb" zu charakterisieren
und seine innere Logik herauszuarbeiten. Ein Ausflug in die Theorie fragt danach, mit welchen Leistungen und Ergebnissen der Wettbewerb in Wirtschaft und Politik zu rechtfertigen
ist - einst und jetzt. Die reale Entwicklung hat neue Akteure - Wettbewerbs-Spezialisten - auf
den Plan gerufen, die im Anschluss vorgestellt werden. Die Autorin resümiert: Von Anbeginn
an befindet sich die kapitalistische Wettbewerbsordnung insofern in einer Falle, als ihre Einzel-Akteure einen "Gesamtkapitalisten" erfordern, um Basis und Rahmenbedingungen ihrer
Interaktionen abzusichern; sie selbst aber waren und sind die ersten, die den "Super-Akteur"
Staat in seiner Handlungsfähigkeit einschränken. Im globalisierten Kapitalismus hat diese
Falle sich zu einer Mehrfach-Falle ausgeweitet, aus der es für die Autorin keinen Ausweg
gibt. (ICA2)
[2-L] Ackermann, Ulrike:
Freiheit in der Krise?: der Wert der wirtschaftlichen, politischen und individuellen Freiheit,
Frankfurt am Main: Humanities online 2009, 163 S., ISBN: 978-3-934157-98-9
INHALT: "Hat unser Erfolgsmodell von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft ausgedient?
2009 feiert die Bundesrepublik Deutschland ihren sechzigsten Geburtstag und erinnert an die
friedliche Revolution von 1989, die dem östlichen Teil Deutschlands und Europas Freiheit,
Demokratie und Marktwirtschaft gebracht hat. Aber haben die Deutschen überhaupt noch ein
Bewusstsein davon, was politische, individuelle und wirtschaftliche Freiheit bedeuten? Es
sind Errungenschaften, die über Jahrhunderte mühsam erkämpft wurden. Doch sie scheinen
immer mehr an Wertschätzung zu verlieren. Gerade angesichts der weltweiten Wirtschaftsund Finanzkrise wachsen die Selbstzweifel. Die Beiträge dieses Buches möchten zu einer
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
Selbstvergewisserung unserer Freiheitstraditionen beitragen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ulrike Ackermann: Vorwort (7-14); Klaus Hekking: Freiheit in Forschung und Lehre - Zur Gründung des John Stuart Mill Instituts (15-23); Ulrike Ackermann: Kapitalismus
und individuelle Freiheit (25-38); Necla Kelek: Freiheit und Verantwortung (39-49); Wolfgang Gerhardt: Marktwirtschaft und Gerechtigkeit - Für ein Comeback der Werte (51-61);
Vera Lengsfeld: Warum wir mehr Freiheit statt mehr Gerechtigkeit brauchen (63-73); Edgar
Wolfrum: Mauerstaat und Unrechtsstaat (75-93); Roland Tichy: Die Zukunft des Kapitalismus und der Freiheit - Zehn Thesen (95-104); Gerhard Schulze: Gute Lebenswelt, böses System - Eine Kritik populärer Deutungsmuster am Beispiel der Finanzkrise (105-125); Hans
Jörg Schmidt: Privatheit und individuelle Freiheit im digitalen Zeitalter (127-136); Karen
Horn: Die Hybris - der böse Zwilling der abendländischen Aufklärung (137-151); Michael
Zöller: Markt, Moral und Liberalismus (153-159).
[3-L] Albert, Mathias; Schmalz-Bruns, Rainer:
Antinomien der Global Governance: mehr Weltstaatlichkeit, weniger Demokratie?, in:
Soziale Welt, Sonderband : Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, 2009,
Nr. 18, S. 56-74
INHALT: Von der Entstehung von Weltstaatlichkeit zu reden macht in der Welt des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts - so die These der Autoren - nur dann Sinn, wenn man sich von
einem traditionellen Staatsbegriff löst, welcher Staatlichkeit untrennbar mit dem modernen
National- bzw. Territorialstaat verknüpft; und wenn man sich zum anderen ebenfalls vom
"westfälischen" Modell exklusiver Staatlichkeit löst, welches normativ in der Völkerrechtsordnung verankert ist und letztendlich auch analytisch einen "methodologischen Nationalismus" stützt. In der Entwicklung von Global Governance vermuten sie Indizien für eine sich
ausbildende Weltstaatlichkeit. Im Anschluss daran geht es darum, eine normativ inspirierte
Heuristik weltstaatlicher Entwicklungsprozesse anzudeuten, die unter primär legitimationstheoretischen Gesichtspunkten an der Frage nach der demokratie-normativen Bedeutung von
Staatlichkeit ansetzt und somit den Versuch unternimmt, am klassischen Modell des republikanischen Staates entbundene Desiderate von Weltstaatlichkeit zu markieren und für analytische und diagnostische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Diese Überlegungen werden in einem dritten Schritt zu der Vorstellung einer reflexiven Form von Weltstaatlichkeit zugespitzt,
die schließlich den Hintergrund für die Entwicklung von an bestehenden Institutionen und
Organisationen ansetzenden Reformperspektiven abgibt. (ICA2)
[4-L] Balke, Friedrich:
Figuren der Souveränität, München: Fink 2009, 545 S., ISBN: 978-3-7705-4449-3
INHALT: Demokratische Gesellschaften leben in der Überzeugung, dass sich politische Souveränität heute nicht mehr - wie in Zeiten des Absolutismus - als unbegrenzte Macht in der Figur
eines Herrschers verkörpert; an die Stelle des hierarchischen Modells ist mit dem Prinzip der
Volkssouveränität das der demokratischen Selbstgesetzgebung getreten. Mit der konsequenten rechtsstaatlichen Bindung politischer Macht scheint Souveränität in einem Maße gezähmt
zu sein, dass der Schrecken vor staatlicher Willkür - jedenfalls unter demokratischen Bedingungen - keine zentrale Bedeutung mehr hat. Gegenüber dieser verbreiteten Historisierung
des Phänomens votiert der Autor für eine Perspektive, die von der 'Gegenwart der Souveräni-
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
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tät' ausgeht (15) - und dies nicht allein, weil es - beispielsweise im Kontext der Terrorismusbekämpfung - durchaus zur kalkulierten Aussetzung von Rechtstaatlichkeit gekommen ist. Im
Anschluss an Foucault beabsichtigt Balke eine diskursanalytische Souveränitätsgeschichte,
die im großen Bogen klassische Werke der antiken politischen Philosophie und der frühneuzeitlichen Staatslehre bis hin zur politischen Ontologie Heideggers ebenso wie literarische
Werke (Sophokles, Shakespeare, Montaigne, Racine, Kafka) heranzieht. Das interpretatorische Interesse gilt der Frage, wie und mit welchen Begriffen und Bildern in diesen Texten das
Politische zur Geltung gebracht wird. Im Unterschied zur institutionell gebundenen Politik ist
mit dem Politischen der Anspruch verbunden, einen exklusiven gesellschaftlichen Raum zu
etablieren, der auf der Distinktion zwischen dem Sozialen und dem Anormalen beruht. In dieser theoretischen Perspektive ist die Geschichte der Souveränität die einer prinzipiellen Ambivalenz, die sich - wie der Autor ausführlich an Hobbes zeigt - selbst dort bemerkbar macht,
wo die Souveränität scheinbar ausschließlich auf juridischem Weg begründet werden soll.
(ZPol, NOMOS)
[5-L] Becker, Karina; Gertenbach, Lars; Laux, Henning; Reitz, Tilman (Hrsg.):
Grenzverschiebungen des Kapitalismus: umkämpfte Räume und Orte des Widerstands,
Frankfurt am Main: Campus Verl. 2010, 384 S., ISBN: 978-3-593-39150-2
INHALT: "Selbst wenn der weltweite Kapitalismus in der Finanzkrise strauchelt, seine Existenz
ist nicht gefährdet. Seit Längerem jedoch löst der Versuch, immer neue Lebensbereiche verwertbar zu machen, wie auch der Rückzug der Investoren aus unrentablen Bereichen soziale
Kämpfe aus. Wo sich die Grenzen des Marktes verschieben, entstehen neue Fronten des Kapitalismus. Ob in der zunehmend ökonomisierten Wissenschaft, im Projekt des Grünen Kapitalismus, in Fragen digitalen Eigentums oder bei Einzelnen, die Konsum und Leistung verweigern - kapitalistische Wertschöpfung und Vergesellschaftung trifft öfter als vermutet auf
innere Grenzen, auf Eigensinn und Widerstand. In dieser Dynamik liegen die neuen Potenziale der Kapitalismuskritik." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Karina Becker, Lars Gertenbach, Henning Laux, Tilman Reitz: Grenzverschiebungen des Kapitalismus (9-32); Silke van
Dyk: Grenzüberschreitung als Norm? Zur "Vereinnahmung" von Gegenstrategien im Kapitalismus und den Konsequenzen für eine Soziologie des Widerständigen (33-54); Ulf Bohmann, Lars Gertenbach, Henning Laux: Ein Spiel zwischen Nähe und Distanz. Formen der
Kritik unter nachmetaphysischen Bedingungen (55-74); Susanne Draheim, Tilman Reitz: Dagegen sein im System der Neutralisierungen. Der Kapitalismus gegen seine Befürworter verteidigt (75-102); Michael Beetz: Autologie, Subversion und der Kapitalismus in den Köpfen
(103-19); Matthias Neis: Wissenschaft ist Arbeit. Beschäftigung an der Hochschule - ein blinder Fleck von Hochschulreform und Reformkritik (120-136); Anne Barron: Kapitalismus 2.0
(137-163); Thomas Barth: Die Überwindung ökologischer Grenzen. Die Rolle der ökologischen Kritik in der Dynamik des Kapitalismus (164-185); Cornelia Koppetsch: Schönheit und
die inneren Widersprüche des Kapitalismus (186-201); Karina Becker, Ulrich Brinkmann,
Thomas Engel: Markt, Gesundheit und eigensinniges Handeln. Der betriebliche Arbeits- und
Gesundheitsschutz als umkämpftes Terrain (202-228); Stefanie Graefe: An den Grenzen der
Verwertbarkeit. Erschöpfung im flexiblen Kapitalismus (229-252); Peter Bescherer: Alchimisten des Widerstands? Lumpen, Pauper und Prekäre im Spiegel antikapitalistischer Kritik
(253-279); Hajo Holst, Oliver Nachtwey: Die Internalisierung des Reservearmeemechanismus. Grenztransformationen am Beispiel der strategischen Nutzung von Leiharbeit (280299); Manuela Bojadzijev: Migration als Ausnahme? Grenzen, Arbeit und Bürgerrechte im
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globalen Kapitalismus (300-317); Jens Hälterlein: Der Geist der Askese und die konsumistische Ethik (318-338); Vera Trappmann: Widerspenstige Körper: Kapitalismuskritik im Tanz
(339-358); Oliver Nachtwey: Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus revisited (359379).
[6-L] Beek, Ursula J. van (Hrsg.):
Democracy under scrutiny: elites, citizens, cultures, Opladen: B. Budrich 2010, 334 S., ISBN:
978-3-86649-306-3
INHALT: "This book reveals the diverse worlds of history, civic culture and values of South Africa, South Korea, Chile, Poland, Turkey, Germany and Sweden. lt explores the similarities
and contrasts between the values of the elites and the ordinary people. Written from various
disciplinary perspectives and offering both empirical evidence and insiders' knowledge, this
book is bound to interest a wide variety of readers." (author's abstract). Contents: Ursula van
Beek: Editor's introduction (11-28); Ursula van Beek: Cultural values and democracy: A historical perspective (31-71); Edmund Wnuk-Lipinski: Civic culture, citizenship and the quality
of democracy (73-93); Bernard Lategan: The quality of young democracies from a constitutional perspective (95-114); Thorleif Pettersson: Pro-democratic orientations, political shortcuts and policy issues: Comparative analyses of elite-mass congruence in old and new democracies (117-146); Simon Moritz: Political support and democratic performance in old and
new democracies (147-172); Ursula Hoffmann-Lange: The salience of the socio-economic
cleavage in old and new democracies (173-200); Dirk Berg-Schlosser: The quality of govemance and socio-economic performance (201-220); Yilmaz Esmer: Elite and mass values:
Religion as an intervening factor (221-240); Hennie Kotzé, Pierre du Toit: Civic tolerance
and religiosity: Elites and publics compared (241-262); Sang-Jin Han: Political communication and the quality of democracy (263-296).|
[7-L] Beyme, Klaus von:
Geschichte der politischen Theorien in Deutschland: 1300-2000, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss. 2009, 609 S., ISBN: 978-3-531-16806-7
INHALT: Mit dem Band liegt erstmals eine umfassende Geschichte und Analyse der politischen
Theorie in Deutschland vor, die den Zeitraum vom Mittelalter bis zur Gegenwart behandelt.
Der Autor erläutert einleitend, warum die politische Theoriegeschichte in Deutschland lange
unter dem Verdikt einer "Zerstörung der Vernunft" stand, von rechts mit der Unterstellung einer gradlinigen Evolution von "Luther zu Hitler" oder von links bei Georg Lukacs, der 1955
einen "Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler" nachzeichnete. Carl Schmitt schloss
sich ironisch solchen Stimmen an, als er über Hitler äußerte: "Er ist die Summe der deutschen
Vergangenheit, Riesenrülpser eines ganzen verpfuschten Jahrtausends". Ein weiterer Grund
dafür, dass Deutschland ein verspätetes Pionierland der politischen Theorie wurde, liegt im
Fehlen einer bürgerlichen Revolution vor 1848. Die Zersplitterung hatte jedoch auch Vorteile,
weil die geistige Freiheit durch horizontale Mobilität der politischen Theoretiker erhalten
werden konnte. Deutschland hat mit der Bundesrepublik seine Sonderwegsideologien überwunden - um den Preis, dass originelle Theorien der Politik selten geworden sind. Bereichstheorien dominieren, die nur noch kompartimentalisiert in Geschichten der Politikwissenschaft nach 1945 abgehandelt werden. (ICA2)
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[8-L] Bröckling, Ulrich; Feustel, Robert (Hrsg.):
Das politische Denken: zeitgenössische Positionen, (Sozialtheorie), Bielefeld: transcript Verl.
2010, 334 S., ISBN: 978-3-8376-1160-1
INHALT: "Die Unterscheidung zwischen der Politik und dem Politischen ist eine, wenn nicht
DIE Leitdifferenz zeitgenössischer Sozialphilosophie. Verweist der Begriff der Politik auf die
institutionelle Ordnung, die staatliche Verwaltung des Gemeinwesens, so betont der Begriff
des Politischen die unhintergehbaren Momente des Dissenses und Widerstreits, des Ereignisses und der Unterbrechung. Das breite Spektrum an Theorieansätzen, die von dieser Unterscheidung ausgehen, gehört zum Kernbestand der Lehre in den Bachelor- und Master-Studiengängen der Politikwissenschaft, der Philosophie und der Soziologie, insbesondere in den
Modulen zur Politischen Theorie, zur Politischen Philosophie und zur Soziologischen Theorie. Der Band enthält einführende Überblicksdarstellungen zu den wichtigsten Theoretikern
des politischen Denkens der Gegenwart, u. a. zu Rancière, Nancy, Badiou, Laclau/Mouffe,
Latour und Derrida, und lässt sich ebenso als umfassendes Nachschlagewerk wie als Einführung zu einzelnen Autoren verwenden." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Ulrich Bröckling, Robert Feustel: Einleitung: Das Politische denken (7-18); Oliver Marchart: Claude Lefort: Demokratie und die doppelte Teilung der Gesellschaft (19-32); Martin Nonhoff: Chantal
Mouffe und Ernesto Laclau: Konfliktivität und Dynamik des Politischen (33-57); Robin Celikates: Die Demokratisierung der Demokratie. Etienne Balibar über die Dialektik von konstituierender und konstituierter Macht (59-76); Susanne Krasmann: Jacques Rancière: Polizei
und Politik im Unvernehmen (77-98); Burkhard Liebsch: Ethik als antipolitisches Denken.
Kritische Überlegungen zu Emmanuel Levinas mit Blick auf Jacques Rancière (99-129); Susanne Lüdemann: Jacques Derrida: Das Politische jenseits der Brüderlichkeit (131-144); Thomas Bedorf: Jean-Luc Nancy: Das Politische zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft (145157); Gernot Kamecke: Die ontologische Wahrheit der Revolution. Politik bei Alain Badiou
(159-180); Martin Saar: Maurice Blanchot: Unterbrechung der Politik (181-198); Paul Patton:
Demokratisch-Werden: Gilles Deleuzes und Félix Guattaris politische Philosophie (199-228);
Ulrich Brieler: Globales Arbeiten und absolute Demokratie. Das Politische bei Michael Hardt
und Antonio Negri (229-251); Robert Seyfert: Cornelius Castoriadis: Institution, Macht, Politik (253-272); Thomas Lemke: "Waffen sind an der Garderobe abzugeben". Bruno Latours
Entwurf einer politischen Ökologie (273-293); Robert Feustel, Hagen Schölzel: Jean Baudrillard: Die künstlichen Paradiese des Politischen (295-312); Friedrich Balke: Der Fall Lukretia:
Mediale Operationen und Gründungstheater bei Livius (313-331).
[9-L] Brunkhorst, Hauke:
Düstere Aussichten: die Zukunft der Demokratie in der Weltgesellschaft, in: Kritische Justiz :
Vierteljahresschrift für Recht und Politik, Jg. 43/2010, H. 1, S. 13-28 (Standort: USB Köln(38)XF126; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Die Verfasserin präsentiert sieben Thesen zur Zukunft der Demokratie in der Weltgesellschaft. Die erste stellt ein zögerliches Lob der alt gewordenen Gestalt des Nationalstaats
dar. Die zweite bestimmt das moderne Recht der "westlichen Rechtstradition" als gleichzeitig
repressiv und emanzipatorisch. Die dritte stellt den Nationalstaat in seinen imperialen Schatten. Die vierte behauptet einen grundstürzenden normativen Fortschritt für das 20. Jahrhundert. Die fünfte sieht in der (nur liberalen) Konstitutionalisierung der Weltgesellschaft nicht
schon die Lösung, sondern einen Teil des Problems undemokratischer Weltherrschaft. Die
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
sechste zeichnet ein düsteres Bild der Globalisierung von Markt, Macht und Religion. Die
siebte verspricht auch kein gutes Ende, setzt aber eine schwache Hoffnung in den demokratischen Rechtsformalismus, was zumindest die Juristen meist erfreut. Eine schwache und überdies für Juristen vielleicht doch etwas zu schmeichelhafte Hoffnung, glauben sie doch immer
schon zu wissen, dass nur zwingendes Recht von informeller Herrschaft befreit. Wahr daran
ist, dass es ohne die Herrschaft formalen Rechts keine egalitäre Demokratie gibt, die nicht
einfach (unegalitäre) Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit wäre, sondern Selbstbestimmung oder "Herrschaft Beherrschter" ist. Aber diese Möglichkeit wird dann und nur dann
wirklich, wenn das Recht selbst demokratisch erzeugtes Recht ist. (ICF2)
[10-L] Brunkhorst, Hauke:
Demokratie und Wahrheit: Jürgen Habermas zum 80. Geburtstag, in: Leviathan : Berliner
Zeitschrift für Sozialwissenschaft, Jg. 37/2009, H. 4, S. 491-500 (Standort: USB Köln(38)XG01679; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11578-009-0062-1)
INHALT: In der Habermasschen These, eine post-truth-democracy wäre keine mehr, geht es darum, an den normativen Gehalt jenes Begriffsnetzes aus Vernunft und Freiheit zu erinnern, das
die alte mit der neuen Form kritischer Theorie in die Beziehung eines fortschreitenden Lernprozesses setzt. Dieser Gehalt muss sich in den positiven Verfassungen und einfachen Rechtsnormen der modernen Weltgesellschaft verkörpern, wenn sie das Papier wert sein sollen, auf
dem sie stehen. Die Pointe des ganzen Projekts einer kritischen Gesellschaftstheorie ist, dass
sich der normative Gehalt, den die Philosophie an der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Rechts- und Freiheitsbewusstseins explizit gemacht hat, keineswegs mehr als ein Fundament, das neben, über oder unter dem positiven Recht und den Praktiken seiner laufenden
Veränderung Halt bieten kann, verstanden werden darf, dass er wenn überhaupt irgendwo,
dann nur noch in der schwankenden Gestalt des positiven Rechts selbst und in der nicht minder veränderlichen, dissonanten und antagonistischen politischen Praxis wirklich und wirksam werden und nur dort aufgefunden und nachgewiesen werden kann. Die kommunikative
Vernunft ist keine reine mehr. Ihre Transzendenz zum Bestehenden, an der sie gegen Positivismus und Funktionalismus festhält, ist als Transzendenz von innen und ins Diesseits keine
Außenperspektive, sondern selbst nur laufender Vollzug von Praxis, sei es in der performativen Einstellung des Handelnden, sei es in der propositionalen Einstellung des wissenschaftliches Beobachters, der aber selbst nur als performativ handelnder Diskursteilnehmer, also im
Vollzug seiner propositionalen Sprechakte existieren kann - und jenseits seiner versprachlichten Existenz kein Sein mehr findet. (ICF2)
[11-L] Buchstein, Hubertus:
Demokratietheorie in der Kontroverse, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 286 S., ISBN:
978-3-8329-4896-2
INHALT: "Die moderne Demokratietheorie ist in den letzten beiden Jahrzehnten kontroverser geworden. Denn einerseits sehen sich Demokratien verstärkt interner Kritik ausgesetzt und andererseits hat sich das Feld der Demokratietheorie in nahezu unübersichtliche Weise ausdifferenziert. In der Aufsatzsammlung wird diesen Entwicklungen im Bereich der modernen Demokratietheorie und den sich daran entzündenden Kontroversen in vier Schritten genauer
nachgegangen. Erstens in dem Versuch, verschiedene Grundrichtungen im Feld der auseinan-
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der driftenden modernen Demokratietheorie produktiv miteinander in Bezug zu setzen. Zweitens mit Blick auf die Konsequenzen unterschiedlicher demokratietheoretischer Konzepte für
Institutionalisierungskonzepte von Computerdemokratie. Drittens in einer Neuaufnahme klassischer Wahlrechtsfragen sowie schließlich viertens mit einer Darlegung des reformpolitischen Potentials von Lotterien für moderne Massendemokratien." (Autorenreferat)
[12-L] Butterwegge, Christoph:
Niederlage oder Renaissance des Neoliberalismus?: die Folgen der Finanzkrise, in: Vorgänge
: Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S. 43-52
(Standort: USB Köln(38)-XG2258; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor rekapituliert die öffentliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung über
die Folgen der Finanzkrise und hält es für verfehlt, von einem "Ende des Neoliberalismus" zu
sprechen. Dieser erweist sich vielmehr als hoch "flexibel" und anpassungsfähig. Sowohl die
Börsen wie auch Bankaktien und die neoliberale Ideologieproduktion befinden sich längst
wieder im Aufschwung. Das "Kasino" des gegenwärtigen "Finanzmarktkapitalismus" wird
derzeit nicht etwa - wie es z. B. die globalisierungskritische Organisation attac verlangt - geschlossen, sondern mit Steuergeldern saniert und modernisiert. Enttäuscht wurde nicht bloß
die Hoffnung auf einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik, sondern auch die Hoffnung auf
das Ende der neoliberalen Hegemonie im Geistesleben. Da die gegenwärtige Krise als "Drohkulisse" herhalten muss und als Disziplinierungsinstrument fungiert, kommt derzeit keine für
einen grundlegenden Politikwechsel nötige Proteststimmung auf. Gleichwohl bleibt für den
Autor zu hoffen, dass die globale Finanzmarktkrise zur Überwindung der neoliberalen Hegemonie und zur Rehabilitation einer gemeinwohlorientierten, demokratischen und sozialen
Staatsintervention beiträgt. (ICA2)
[13-L] Christophersen, Claas:
Kosmopolitische Demokratie und ihre Gegner, in: Das Argument : Zeitschrift für Philosophie
und Sozialwissenschaften, Jg. 52/2010, H. 1 = H. 285, S. 85-94 (Standort: UB Bonn(5)-Z70/6;
USB Köln(38)-XG01665; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "The discourse of cosmopolitanism has become popular within social science during
the last two decades. However, adversaries of concepts such as 'cosmopolitan democracy'
state that claiming a universal order of basic rights is in fact a hegemonic western idea, violently imposed on the rest of the world. The author argues that realizing the shortcomings of
cosmopolitanism does not necessarily mean refusing it, as authors like Carl Schmitt did. The
task is, on the contrary, to criticize cosmopolitanism within a normative framework which
aims to enforce global participation and inclusion. This approach of a communicative idea of
power can be found and renewed in Hannah Arendt's political thought." (author's abstract)|
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
[14-L] Cortina, Adela:
Communicative democracy: a version of deliberative democracy, in: Archiv für Rechts- und
Sozialphilosophie (ARSP), Vol. 96/2010, H. 2, S. 133-150 (Standort: USB Köln(38)-Fa5; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich;
www.ingentaconnect.com/content/fsv/arsp/2010/00000096/00000002/art00001)
INHALT: "The nineteen-nineties saw the so-called 'deliberative turn in democracy', which was
taken up by a large number of democracy theorists. This paper sets out: 1) to analyse why this
turn took place; 2) to classify the different proposals of deliberative democracy into two models (D1 and D2), in view of their epistemological effectiveness (model D1 assumes the pattern of Rawls' political liberalism, and model D2, Habermas' Theory of Discourse); 3) to display the superiority of D2 over D1; 4) to point out certain shortcomings in Habermas' deliberative-discursive politics and to propose a model of democracy which will enable these to be
improved on, to be known as 'communicative democracy'." (author's abstract)|
[15-L] Doering, Detmar:
Traktat über Freiheit, München: Olzog 2009, 287 S., ISBN: 978-3-7892-8310-9
INHALT: Der Autor nimmt eine Neuformulierung des Freiheitsgedankens auf individueller und
politisch-rechtlicher Ebene vor und erinnert dabei an verschiedene freiheitliche Traditionen
und Denker, wie z. B. John Locke, Wilhelm von Humboldt, Karl Popper, Friedrich August
von Hayek und John Stuart Mill. Er beschäftigt sich nicht nur mit der allgemeinen Begründung der Freiheit, sondern geht auch auf prinzipielle Fragen und aktuelle Herausforderungen
ein. Im Mittelpunkt stehen z. B. folgende Fragen: Wo liegen die Grenzen der Staatstätigkeit?
Wie steht es um das Verhältnis von Freiheit und Privatsphäre im Informationszeitalter, wie
um die Zukunft der Marktwirtschaft? Unterminiert der Wohlfahrtsstaat die Freiheit und das
individuelle Verantwortungsgefühl? Darf die freie Meinungsäußerung auch religiöse Gefühle
verletzen? Welche Rolle spielt die freie Verfügung über das Eigentum bei wirtschaftlichen
Entwicklungsprozessen? Der Band ist in folgende Kapitel unterteilt: (1) Philosophische
Grundlagen, (2) Freiheit und Staat, (3) Aspekte der Freiheit, (4) Die Moral der Freiheit, (5)
Freiheit - Widerspruch und Lob. (ICI2)
[16-L] Egner, David:
Die Ordnung des Handelns: eine Untersuchung zur Phänomenologie und Dynamik des
Politischen, (Epistemata : Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Philosophie, 457),
Würzburg: Königshausen u. Neumann 2008, 253 S., ISBN: 978-3-8260-3995-9
INHALT: Das Ziel dieser philosophischen Abhandlung umreißt der Autor folgendermaßen:
'(P)olitisches Handeln soll also aus dem Politischen selbst erklärt werden, der 'ökonomischen
Theorie der Politik' wollen wir eine 'politische Theorie der Politik' gegenüberstellen' (18). Angeleitet von der phänomenologischen Methode begibt sich der Autor auf die Suche nach vermeintlich aufzeigbaren 'Gesetze(n) der gesellschaftlichen und politischen Mechanik und Dynamik' (245). Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel (Erkenntnistheoretische Vorüberlegungen, Phänomenologie des Handelns in der Gesellschaft, Phänomenologie und Dynamik des
Politischen). Als Ergebnis stehen vier Gesetze, die laut Egner das politische Handeln, das für
ihn vor allem Kollektivhandeln ist, anleiten: (1) Aus der 'Tendenz zum Gleichgewicht der
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Kräfte auf gesellschaftlicher Ebene (...) konstituiert sich die Gesellschaft (...) als politisch verfasstes Kollektiv' (Gesetz der gesellschaftlichen Mechanik). (2) Die Entwicklung dieser Kollektive unterliegt einer inneren Dynamik 'von der Monarchie über die Aristokratie zur Demokratie' (Gesetz der inneren Dynamik des Politischen). (3) Die politischen Beziehungen zwischen Kollektiven sind ebenfalls durch ein aus Hegemonie und Gegenmacht resultierendes
Gleichgewicht gekennzeichnet (Gesetz der politischen Mechanik). (4) Das Gesetz der äußeren Dynamik des Politischen beschreibt schließlich die 'Entwicklung einer durch Krieg gekennzeichneten pluralen politischen Welt über den demokratischen Frieden zum politischen
Universum des Imperiums.' (244 f.) Letztlich konstatiert der Autor einen Kreislauf. Seines Erachtens kann nämlich 'kein Imperium auf Dauer seinen (inneren und äußeren) politischen
Feinden standhalten. Mit dem Untergang des Imperiums beginnt der politische Zyklus von
neuem' (211). (ZPol, NOMOS)
[17-L] Ganghof, Steffen:
Resilente Demokratietypen: eine vergleichende Analyse, in: Zeitschrift für Vergleichende
Politikwissenschaft, Jg. 4/2010, H. 1, S. 5-27 (dx.doi.org/10.1007/s12286-010-0069-7)
INHALT: "Der Beitrag analysiert Demokratietypen als Kombinationen von Institutionen und
Verhaltensmustern, die durch das politische Eigeninteresse der politischen Akteure gegenüber
zahlreichen möglichen Einflüssen widerstandsfähig werden. Er schließt an Philip Pettits Analyse von 'Resilienz' als eigenständigem Explanandum der Sozialwissenschaften sowie an Josep Colomers Konzept behavioral-institutioneller Gleichgewichte an. Die Erklärungskraft der
vorgeschlagenen Resilienzperspektive wird durch eine partielle Reanalyse von Lijpharts Patterns of Democracy verdeutlicht. Es wird gezeigt, dass die Bildung inklusiver Kabinette auch
in repräsentativen Parteiensystemen kein resilientes Muster ist und dass der Demokratietyp
eines Landes grundlegend durch sein Regierungssystem geprägt wird. Diese Resilienzperspektive ergänzt die normative Analyse von Demokratietypen." (Autorenreferat)
[18-F] Goertz, David, Dipl.-Pol. (Bearbeitung); Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil.
(Betreuung):
Deliberation durch Online-Kommunikation? Potenziale und Grenzen des Internets bei der
Konstituierung deliberativer Demokratiemodelle
INHALT: Entwicklungen der Kommunikationstechniken haben immer auch Einfluss auf die
Form und die Ergebnisse demokratischer Entscheidungen gehabt. Beeinflussten im 20. Jahrhundert Radio und Fernsehen die politische Willensbildung, wird heute digitalen Kommunikationstechnologien eine ähnliche Wirkung zugeschrieben. Indem sie alle früheren Medienentwicklungen inkorporieren, ermöglichen sie ein Höchstmaß an politischer Information
und haben aufgrund ihrer Rückkanalfähigkeit ein interaktives und partizipatives Potenzial.
Demokratische Konsensfindung in Form von Diskursen nimmt in deliberativen Demokratietheorien eine Schlüsselstellung ein. Ihre Umsetzung wird bislang eher skeptisch beurteilt.
Entwicklungen im Bereich der Kommunikationsmedien haben indes potenziell dazu geführt,
strukturelle Hindernisse für die Verwirklichung deliberativer Demokratiemodelle zu verringern. Vor dem Hintergrund wird in der Dissertation untersucht, inwiefern sich durch den Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien im Web 2.0 deliberative Demokratiemodelle verwirklichen lassen. Dabei werden sowohl Potenziale und Grenzen als
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auch die medieninhärenten Folgeprobleme der spezifischen Eigenschaft der Internetkommunikation analysiert.
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: WAZ Promotionsprogramm
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft NRW School of Governance (Lotharstr. 53, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0203-379-2045, e-mail: [email protected])
[19-L] Gottstein, Dietrich; Sepp, Hans Rainer (Hrsg.):
Polis und Kosmos: Perspektiven einer Philosophie des Politischen und einer Philosophischen
Kosmologie ; Eberhard Avé-Lallemant zum 80. Geburtstag, (Orbis Phaenomenologicus:
Perspektiven. N.F., 16), : Königshausen u. Neumann 2008, 349 S., ISBN: 978-3-8260-3498-5
INHALT: "Mit Blick auf die komplexen Bezüge von Polis und Kosmos begeben sich die Beiträge dieses Bandes auf unterschiedliche Fährten. Sie verbinden Untersuchungen zu Edmund
Husserl, Max Scheler, Edith Stein und Hedwig Conrad-Martius mit Analysen zu Themen wie
dem Phänomen der Nachbarschaft, der Rolle des Ökonomischen in der Gesellschaft, den
theokratischen Fundamenten der Demokratie, Auffassungen des Äthers als kosmischen Mediums, Konzeptionen von Raum und Zeit und dem Schöpfungsgedanken. Dabei beziehen sie
sich nicht nur auf europäische Traditionen, sondern öffnen den Blick auf interkulturelle Fragestellungen. Ein Dokumentationsteil gibt einen Einblick in Frühformen phänomenologischer
Forschungsgemeinschaften wie dem Bergzaberner Kreis um Theodor Conrad und Hedwig
Conrad-Martius sowie Edith Steins Zusammenarbeit mit Husserl. Aufgenommen ist auch das
bisher unveröffentlichte Fragment einer Biologie- Vorlesung Schelers. Der Band ist Eberhard
Avé-Lallemant gewidmet, der einer Philosophie des Politischen und einer Philosophischen
Kosmologie neue Dimensionen erschlossen hat." (Autorenreferat). Inhalt: Andreas W. Friedrich: Anfängliches zu einer Phänomenologie der Haltung (10-11); Hans Rainer Sepp und
Dietrich Gottstein: Zur Einführung (12-24); Forschungen: James G. Hart: The Dignity of the
Individual in the Polis and Kosmos (27-42); Heinrich Beck: Lebenssinn und Politik. Eine philosophische Betrachtung (43-57); Rémi Brague: Ist ein anderes Regime als Theokratie möglich? (58-73); Rainier A. Ibana: Towards a Phenomenological Understanding of the Common
Good (74-79); Jaromir Brejdak: Gegenwart als Ursprung von Gemeinschaft bei Husserl,
Scheler und Buber (80-93); Vanamali Gunturu: Reduktion und die Gefahr des Solipsismus.
Ein Vergleich zwischen Husserl und Krishnamurti zum Verständnis der Phänomenologie (94103); Jerzy Machnacz: Die Aktualität Edith Steins für die Einigung Europas (104-112); Michael Gabel: Nachbarschaft als Aufgabe (113-126); Heidi Gottstein: Vom Mehrwert des Ökonomischen (127-142); Ram A. Mall: Anthropologie, Geschichte und Kosmologie (143-159);
Dietrich Gottstein: Leben inmitten Gottes Schöpfung: Erschaffung oder Hingabe? (160-184);
Alexandra Elisabeth Pfeiffer: Von Aristoteles bis Einstein. Zur (modernen) Physik und ihrer
Interpretation in der Kosmologie von Hedwig Conrad-Martius (185-198); Hanna-Barbara
Gerl-Falkovitz: Der Raum. Aristoteles und Hedwig Conrad-Martius (199-215); Hans Rainer
Sepp: Husserl und Conrad-Martius über Zeit (216-227); Heribert M. Nobis: Bemerkungen zur
Geschichte des Ätherbegriffes (228-247); Dokumentation: Quellen: Wolfhart Henckmann:
Schelers Biologie-Vorlesung von 1926/1927 (251-271); Frühformen phänomenologischer
Forschungsgemeinschaften: Thomas Vongehr: "Der liebe Meister". Edith Stein über Edmund
und Malvine Husserl (272-295); Beate Beckmann-Zöller: Adolf und Anne Reinach. Edith
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Steins Mentoren (296-314); Joachim Feldes: Dem Bergzaberner Kreis auf der Spur (315324); Wolfgang Habbel: Theodor Conrad als Entdecker, Lehrer und Forscher (325-329);
Franz Georg Schmücker: Das Geheimnis der Philosophie von Hedwig Conrad-Martius (330337); Schriftenverzeichnis von Eberhard Avé-Lallemant (338-342).
[20-L] Grimm, Dieter:
Souveränität: Herkunft und Zukunft eines Schlüsselbegriffs, Berlin: Berlin Univ. Press 2009,
135 S., ISBN: 978-3-940432-60-5
INHALT: Der Autor versteht das Buch als Beitrag zur Klärung der Frage, ob der Souveränitätsbegriff auch im beginnenden 21. Jahrhundert noch einen Gegenstand besitzt und eine Funktion erfüllt, die seine Weiterverwendung rechtfertigen, oder ob die Veränderungen der letzten
Jahrzehnte ihm den Boden entzogen haben. Souveränität ist seit Jahrhunderten ein Schlüsselbegriff der politischen und juristischen Sprache. Der Sinn des Begriffs schwankt aber nicht
nur im Lauf der Zeit. Gezeigt wird, dass und wie sein Inhalt auch von Land zu Land wechselt.
Die Ausführungen machen insgesamt deutlich: Die Frage "Souveränität heute" lässt sich nicht
aus der Geschichte des Souveränitätsbegriffs entnehmen. Sie hält keine eindeutigen Maßstäbe
für die Verwendung des Begriffs bereit. Zu unterschiedlich sind die Konstellationen, auf die
er sich bezog, zu vielfältig die Bedeutungen, die er im Wechsel der Verhältnisse und Ideen
annahm, zu ungleichmäßig die Funktionen, die er zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten erfüllte. Die geschichtliche Vergewisserung ist deswegen aber nicht überflüssig.
Gerade indem sie die Bedeutungsvielfalt und Anpassungsfähigkeit des Begriffs an wechselnde Bedingungen offenlegt, schützt sie vor übereilten Festlegungen und Prognosen. Zwischen
der mittelalterlichen Wortverwendung und Hobbes' Souveränitätsbegriff gibt es viele Abstufungen und Kombinationen von Begriffselementen. (ICA2)
[21-L] Habermas, Jürgen:
Politische Theorie, (Philosophische Texte / Jürgen Habermas, Bd. 4), Frankfurt am Main:
Suhrkamp 2009, 430 S., ISBN: 978-3-518-58529-0
INHALT: Zum 80. Geburtstag des wohl meistdiskutierten und einflussreichsten politischen Denkers der Gegenwart hat der Suhrkamp Verlag eine fünfbändige Werkschau mit zentralen Texten aufgelegt. Der hier angezeigte vierte Band enthält 11 Beiträge zur Politischen Theorie, die
mit einer Ausnahme nach dem 1992 erschienenen Hauptwerk 'Faktizität und Geltung' entstanden sind. Die Aufsätze können somit als Konkretisierung und - insbesondere was die drei abschließenden Texte zur 'postnationalen Konstellation' anbelangt - Erweiterung der darin präsentierten deliberativen Demokratie- und Rechtstheorie gelesen werden. Der Band empfiehlt
sich sowohl für Studierende, die in bekannten Texten eine knappe Zusammenfassung der
Grundgedanken des Ansatzes finden (z. B. 'Drei normative Modelle der Demokratie') als auch
für Kenner des Habermas'schen Denkens, da die vier Unterthemen 'Demokratie', 2'Verfassungsstaat', 'Nation, Kultur und Religion' sowie 'Konstitutionalisierung des Völkerrechts' hier
erstmals im Zusammenhang präsentiert werden. Die Textauswahl, bei der auch weniger bekannte Beiträge herangezogen wurden, ist überaus gelungen, da alle für Habermas' politisches
Denken zentralen Punkte angesprochen werden. Ergänzt wird der Band durch ein Register.
Hinzu kommt eine längere Einleitung, in der Habermas offen Auskunft über die Intention seines Werkes gibt, die abgedruckten Beiträge zusammenfassend kommentiert und kurz auf Kri-
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tiken (z. B. von Multikulturalisten und Poststrukturalisten) eingeht. Ob es ihm gelungen ist,
eine normativ angemessene Theorie emanzipatorischer Demokratie vorzulegen, wird noch
lange diskutiert werden und ist sicherlich zurecht strittig. An dieser Stelle bleibt diesbezüglich
nur anzumerken, dass der Band eindrucksvoll dokumentiert, warum das in seiner Geschlossenheit und Konsequenz fast schon einmalige Werk von Habermas bereits zu Lebzeiten eine
derart große Wirkungsmacht besitzt. (ZPol, NOMOS). Inhalt: Vorwort zur Studienausgabe
(7-8); Einleitung (9-34); I. Demokratie: 1. Volkssouveränität als Verfahren (35-69); 2. Drei
normative Modelle der Demokratie (70-86); 3. Hat die Demokratie noch eine epistemische
Dimension? Empirische Forschung und normative Theorie (87-139); II. Verfassungsstaat: 4.
Über den internen Zusammenhang von Rechtsstaat und Demokratie (140-153); 5. Der demokratische Rechtsstaat - eine paradoxe Verbindung widersprüchlicher Prinzipien? (154-175);
III. Nation, Kultur und Religion: 6. Zum Verhältnis von Nation, Rechtsstaat und Demokratie
(176-208); 7. Kulturelle Gleichbehandlung - und die Grenzen des Postmodernen Liberalismus
(209-258); 8. Religion in der Öffentlichkeit (259-297); IV. Konstitutionalisierung des Völkerrechts? 9. Zur Legitimation durch Menschenrechte (298-312); 10. Hat die Konstitutionalisierung des Völkerrechts noch eine Chance? (313-401); 11. Konstitutionalisierung des Völkerrechts und die Legitimationsprobleme einer verfassten Weltgesellschaft (402-424); Textnachweise (425-426); Register (427-430).
[22-L] Hahn, Henning:
Globale Gerechtigkeit: eine philosophische Einführung, (Campus Studium), Frankfurt am
Main: Campus Verl. 2009, 213 S., ISBN: 978-3-593-39024-6
INHALT: Die globale Gerechtigkeit ist ein zentrales und hochaktuelles Thema, zu dem sich in
den letzten Jahren zahlreiche renommierte politische Philosophen geäußert haben. Die Theoriebildung ist jedoch noch keineswegs abgeschlossen und es ist zum Beispiel eine ungeklärte
Frage, ob die besonderen Problemstellungen globaler Gerechtigkeit lediglich durch einen
Umbau traditioneller Theorien in den Griff zu bekommen sind, oder ob es ganz neuer Ansätze
bedarf. Im vorliegenden Buch wird eine exemplarische Übersicht über die wichtigsten Ansätze gegeben, wozu die Hauptschriften einzelner Theoretiker rekonstruiert werden, die entweder zum Referenzpunkt der Debatte geworden sind oder eine besonders anschlussfähige Perspektive auf das Thema anbieten. Dabei ist die spezifisch philosophische Leitperspektive darauf gerichtet, wie das Verhältnis von Moral und Praxis in den einzelnen Ansätzen bestimmt
wird. Auf den ersten Blick scheinen aber moralische und realpolitische Anforderungen zwei
völlig entgegengesetzten normativen Ordnungen anzugehören. Nirgends wird diese Diskrepanz so deutlich wie in der globalen Arena, in der sich moralischer Universalismus und politischer Realismus, Utopie und Machtpolitik geradezu unversöhnlich gegenüberstehen. In der
Einleitung des Buches wird zunächst die Theoriebildung globaler Gerechtigkeit aufgezeigt.
Die nachfolgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Verantwortung für globale Armut, mit
dem globalen Kontraktualismus sowie mit dem gerechtigkeitstheoretischen Kosmopolitismus
und Partikularismus. In einem Ausblick wird die Frage diskutiert, ob der politische Kosmopolitismus ohne Alternative ist. (ICI2)
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[23-L] Heinrich, V. Finn:
What makes civil society strong?: an innovative approach to conceptualising, measuring and
analyzing the strength of civil society in 43 countries, Hagen 2010, XI, 421 S. (Graue Literatur;
nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:708-25755)
INHALT: "Diese Dissertation zeigt, dass das Konzept der Zivilgesellschaft, welches bisher eher
in der politischen Theorie Anwendung fand, für die empirisch-vergleichende Sozialforschung
fruchtbar gemacht werden kann. Auf Basis der weltweit bisher umfassendesten Datenerhebung zum Thema 'Zivilgesellschaft' und mittels eines innovativen Methodenmix entwickelt
der Autor einen Index der Stärke der Zivilgesellschaft für 54 Länder, und untersucht die Faktoren welche die unterschiedliche Stärke der Zivilgesellschaft im Ländervergleich am besten
erklären können. Diese finden sich v.a. in historischen Faktoren, wie z.B. in der Länge der demokratischen Erfahrungen eines Landes." (Autorenreferat)
[24-L] Hieke, Hubert (Hrsg.):
Kapitalismus: kritische Betrachtungen und Reformansätze, Marburg: Metropolis-Verl. 2009,
271 S., ISBN: 978-3-89518-696-7
INHALT: Die mit diesem Band dokumentierte Frühjahrstagung des Arbeitskreises Politische
Ökonomie, die im Mai 2006 an der Universität Chemnitz abgehalten wurde, war der in den
letzten Jahren erfolgten Wiederbelebung der Kapitalismuskritik gewidmet. Dabei ging es weniger um eine umfassende Analyse, betont der Herausgeber, sondern darum, 'punktuell und
aus sehr heterogenen Perspektiven einzelne Aspekte der Kapitalismuskritik und -reform (zu)
beschreiben' (7). Dazu zählen ideologiekritische Auseinandersetzungen beispielsweise mit
dem Argument vom ökonomischen Sachzwang (Fritz Reheis) oder dem von neoliberaler Seite gegen kapitalismuskritische Töne vorgebrachten Utopismusvorwurf (Claus Thomasberger).
Außerdem setzen sich die Autoren kritisch mit verschiedenen Theorieschulen und -ansätzen
sowie aktuellen Reformvorschlägen auseinander. So fragt Johannes Berger, ob für ökonomischen Fortschritt die Produktionsverhältnisse (gemäß der These des ökonomischen Neoinstitutionalismus) oder die Produktivkräfte (gemäß der Annahme des historischen Materialismus)
maßgeblich sind. Auch werden die Aktualitätsbezüge von Werner Sombart zum Thema Migration (Jürgen Backhaus) und von Rudolf Bahro hinsichtlich der von ihm beschworenen
Apokalypse (Helge Peukert) untersucht sowie der Ordoliberalismus gegenüber marktradikalen Ansätzen abgegrenzt (Goldschmidt/Neumärker). In drei weiteren Beiträgen geht es um
Arbeitslosigkeit, Vollbeschäftigung und Sozialreform. Für Letztere greift Gerd Grözinger den
in den USA entwickelten Vorschlag einer Stakeholder-Gesellschaft auf und skizziert ein Modell der Teilhabegesellschaft, mit dem das Prinzip der Sozialerbschaft in Deutschland umgesetzt werden könnte. Mit diesem breiten Themenspektrum bietet der Band vielfältige Anregungen für die theoretische wie politikpraktische Reformdebatte. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Hubert Hieke: Einleitung (7-12); Claus Thomasberger: Gesellschaftliche Freiheit
und Marktordnung: Karl Polanyi versus Friedrich v. Hayek (13-38); Walter O. Ötsch: Bilder
der Wirtschaft. Metaphern, Diskurse und Hayeks neoliberales Hegemonialprojekt (39-68);
Fritz Reheis: Die Rede vom Sachzwang. Über das Verschwinden und Wiedersichtbarmachen
der Zeit (69-90); Helge Peukert: Rudolf Bahro: Vom Kritiker des Sozialismus und Kapitalismus zum spirituellen Regenbogenökologen (91-120); Johannes Berger: Produktivkräfte und
Produktionsverhältnisse. Erneute Begegnung mit einem alten Bekannten (121-142); Nils
Goldschmidt und Bernhard Neumärker: Kapitalismuskritik als Ideologiekritik. Der Freiburger
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Ansatz des "Ordo-Kapitalismus" als sozialwissenschaftliche Alternative zum Laissez-FaireApproach (143-166); Jürgen Backhaus: Mitbürger mit Migrationshintergrund sind unersetzlich für die Soziale Marktwirtschaft. Ein Blick in Werner Sombarts "Modernen Kapitalismus"
(167-180); Staffan Hulten: The New Manufactures - the exploitation of the customers (181200); Gerd Grözinger: Die Teilhabegesellschaft: Ein Vorschlag zur Verwirklichung von
Chancengerechtigkeit (201-226); Hubert Heike: Kann Workfare Vollbeschäftigung schaffen?
(227-246); Uwe Blien: Eine sozialökonomische Theorie der Arbeitslosigkeit (247-270).
[25-F] Hirschberger, Sonja-Christina, M.A. (Bearbeitung); Kauffmann, Clemens, Prof.Dr. (Betreuung):
Evolutionäre Theorien der Politik
INHALT: Eine evolutionäre Theorie der Politik besagt zunächst nichts weiteres, als dass die notwendig divergierenden Interessen in einem politischen Gemeinwesen zu einer friedlichen, da
mit einem wirksamen Problemlösungsmechanismus versehenen Koexistenz befähigt sind.
Würde man es bei dieser Definition belassen, bestünde die Aufgabe einer evolutionären
Theorie der Politik lediglich darin, den Problemlösungsmechanismus möglichst genau zu erfassen. Interessenkonflikte sind dann nicht Gegenstand von Entscheidungen, die auf rationalen Überlegungen beruhen, vielmehr werben evolutionäre Theorien für diejenigen Positionen,
die sich über einen gewissen Zeitraum hinweg in der Praxis als durchsetzungs- oder anschlussfähig erwiesen haben. Ein solcher Mechanismus politischer Entscheidungsfindung basiert auf einem institutionell gesicherten Frieden, dessen Bedingungen von allen teilnehmenden Interessen anerkannt werden müssen. Diese Bedingungen stellen den eigentlich politiktheoretischen Inhalt einer evolutionären Theorie dar, denn nur ein Interesse, das im Rahmen der Bedingungen formuliert werden kann, ist auch teilnahmefähig. In welchem Verhältnis jedoch stehen diese Bedingungen ihrem Inhalt nach zu der Idee, die Entscheidungsfindung
und Entwicklung einer politischen Gemeinschaft einem evolutionären Prozess zu überlassen?
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Institut für Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II (Kochstr.
4, 91054 Erlangen); Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich
Theologie, Bayerisches Promotionskolleg Politische Theorie (Postfach , 91054 Erlangen)
KONTAKT: Lehrstuhl -Sekretariat- (Tel. 09131-85-29371, Fax: 09131-85-22371,
e-mail: [email protected])
[26-L] Hobsbawm, Eric:
Globalisierung, Demokratie und Terrorismus, (dtv premium), München: Dt. Taschenbuch
Verl. 2009, 176 S., ISBN: 978-3-423-24769-6
INHALT: Die gegenwärtig so geschätzte Globalisierung des freien Marktes hat dazu geführt,
dass die Ungleichheit auf nationaler wie auf internationaler Ebene dramatisch zugenommen
hat. Der Zuwachs an Ungleichheit, vor allem unter den Bedingungen extremer wirtschaftlicher Instabilität, wie sie durch den globalen freien Markt in den 1990er Jahren entstanden,
liegt den zentralen gesellschaftlichen und politischen Spannungsfeldern des neuen Jahrhunderts zugrunde. Insofern die internationalen Ungleichheiten möglicherweise durch die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens unter Druck geraten, wird die Tatsache, dass der relativ
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astronomische Lebensstandard der Menschen im "alten" Norden bedroht ist und zugleich die
riesige Bevölkerung in Ländern wie China oder Indien praktisch keine Chance hat, etwas
Ähnliches zu erreichen, ihre eigenen nationalen und internationalen Spannungen erzeugen.
Zweitens bekommen diejenigen die Globalisierung am stärksten zu spüren, die am wenigsten
von ihr profitieren. Daher rührt denn auch die zunehmende Polarisierung der Ansichten über
die Globalisierung: zwischen denen, die potenziell vor ihren negativen Folgen geschützt sind
- den Unternehmern, die ihre Kosten in Billiglohnländer "outsourcen" können, den Hightechfachkräften und den Hochschulabsolventen, die in jeder Marktwirtschaft mit hohen Löhnen
Arbeit finden - und denjenigen, bei denen das nicht der Fall ist. Aus diesem Grund blicken
die meisten Menschen, die in den alten "Industriestaaten" in Lohn und Brot stehen, dem 21.
Jahrhundert mit Sorge, wenn nicht sogar mit düsteren Erwartungen entgegen. Der weltweite
freie Markt hat dafür gesorgt, dass ihre Staaten und Sozialsysteme ihren "way of life" nicht
mehr im gleichen Maße wie früher schützen können. In einer globalen Ökonomie konkurrieren sie mit Arbeitskräften im Ausland, die über gleiche Qualifikationen verfügen, aber nur
einen Bruchteil des westlichen Einkommens erhalten; und zu Hause geraten sie unter Druck
von Seiten derjenigen, die Karl Marx als die "industrielle Reservearmee" bezeichnet hat,
nämlich der Zuwanderer aus den Dörfern der großen globalen Armutsregionen. Derartige Situationen versprechen nicht unbedingt eine Epoche politischer und sozialer Stabilität. Drittens
bleibt das tatsächliche Ausmaß der Globalisierung zwar bescheiden - außer vielleicht für einige relativ kleine Staaten vor allem in Europa - doch sind ihre politischen und kulturellen Auswirkungen unverhältnismäßig groß. (ICF2)
[27-L] Hüning, Dieter (Hrsg.):
Naturrecht und Staatstheorie bei Samuel Pufendorf, (Staatsverständnisse, Bd. 23), BadenBaden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 163 S., ISBN: 978-3-8329-4467-4
INHALT: "Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage: Was lässt sich den Ideen
früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staates entnehmen?
Samuel Pufendorf (1632-1694) gehört neben Grotius und Hobbes zu den bedeutendsten Vertretern der naturrechtlichen Staatstheorie der Neuzeit. Die lehrbuchmäßige Systematisierung
der naturrechtlichen Fragestellungen und ihrer Anwendungen auf die Fragen des Staatsrechts
sicherte Pufendorfs Lehre bis zum Ende des 18. Jahrhunderts einen bestimmenden Einfluß
auf das Rechtsverständnis der Juristen und Philosophen. Der vorliegende Band stellt die Themen 'Staat', 'Vertragstheorie', 'Souveränität' und die 'Theorie der Staatsformen' von Pufendorf
in den Mittelpunkt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Klaus-Gert Lutterbeck: Pufendorfs
Unterscheidung von physischem und moralischem Sein und seine politische Theorie (19-35);
Gerald Hartung: Vertragstheorie und Konstruktion der Souveränität bei Samuel Pufendorf
(36-50); Thomas Behme: Ziele und Grenzen der Staatsgewalt bei Samuel Pufendorf (51-70);
Dieter Hüning: Souveränität und Strafgewalt. Die Begründung des jus puniendi bei Samuel
Pufendorf (71-96); Merio Scattola: Pufendorf und die Tradition der Mischverfassung (97125); Peter Schröder: Reichsverfassung und Souveränität bei Samuel Pufendorf (126-137);
Simone Zurbuchen: Samuel Pufendorfs Theorie der Staatsformen und ihre Bedeutung für die
Theorie der modernen Republik (138-160).
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[28-F] Jansen, Carlos (Bearbeitung); Leidhold, Wolfgang, Prof.Dr. (Betreuung):
Zwischen partikularer Politik und universaler Geschichte -Untersuchungen zur Theorie des
Nationalismus
INHALT: Die Dissertation thematisiert mit dem Nationalismus einen der großen "Ismen" des 19.
und 20. Jahrhunderts. Dabei werden relevante Theorien des Nationalismus nach Maßgabe der
Logik und Hermeneutik kritisch untersucht. Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Konzepte zur Erklärung und Deutung des Nationalismus typologisch zu erfassen und den Nationalismus im Spannungsfeld von Mensch, Gesellschaft und Geschichte präzise zu verorten.
METHODE: Theoretisch baut die Arbeit im Wesentlichen auf der 'politike episteme' im klassischen Sinne auf, wie sie u.a. in den Schriften von Leo Strauss, Eric Voegelin und Wolfgang
Leidhold zu finden ist.
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Köln, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen Lehrstuhl für Politische
Theorie und Ideengeschichte (Postfach 411020, 50870 Köln)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[29-L] Jörke, Dirk:
Zoon politikon, in: Eike Bohlken (Hrsg.) ; Christian Thies (Hrsg.): Handbuch Anthropologie : der
Mensch zwischen Natur, Kultur und Technik, Stuttgart: Metzler, 2009, S. 442-445
INHALT: Die Formel vom Menschen als zoon politikon, als politischem Tier, geht auf die praktische Philosophie von Aristoteles zurück. Im vorliegenden Beitrag wird die Entwicklung dieser Denkfigur bis in die Gegenwart skizziert und nach ihrem empirischen wie normativen Potenzial gefragt. In der Antike wird zum ersten Mal die republikanische These artikuliert, dass
zum erfüllten Leben gemeinsames politisches Handeln unabdingbar ist. Die Formel des zoon
politikon von Aristoteles steht für diesen Sachverhalt. Sie verweist schon auf die Tradition
der europäischen Ideengeschichte, dass alle menschlichen Gemeinschaften auf Politik im Sinne der Handlungskoordination und der Aufrechterhaltung von sozialer Ordnung angewiesen
sind. Ein menschliches Leben ohne eine im weiteren Sinne politische Organisation des Zusammenlebens lässt sich mithin nicht denken. Der Verweis auf eine anthropologische Basis
des Politischen darf für den Autor nicht so verstanden werden, dass damit auch für alle Zeiten
festgelegt ist, was als politisch verstanden werden darf und was nicht. Daher ist es sinnvoll,
einen Bereich von relativ abstrakt gefassten Koordinationsproblemen, die über die Epochen
und Kulturen hinweg gleichsam den Kern politischen Handelns bezeichnen, und die Sphären
ihrer je kontextspezifischen Erweiterungen oder auch Einschränkungen zu unterscheiden. Der
Mensch ist also in einem "schwachen Sinne" ein politisches Lebewesen, doch lassen sich aus
dieser anthropologischen Bestimmung weder der Gegenstandsbereich des Politischen noch
die Form des politischen Handelns ableiten. (ICA2)
[30-L] Kailitz, Steffen:
Varianten der Autokratie im 20. und 21. Jahrhundert, in: Totalitarismus und Demokratie :
Zeitschrift für Internationale Diktatur- und Freiheitsforschung, Jg. 6/2009, H. 2, S. 209-251
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INHALT: Der Verfasser vertritt die Ansicht, dass sich die Einteilung der Regime in liberale Demokratien, autoritäre und totalitäre Regime bei allen Verdiensten für die Gegenwart als unzureichend erweist. Das liegt vor allem daran, dass die Kategorie der autoritären Regime zu umfangreich und heterogen ist, die Kategorie der totalitären Regime aber schon seit den 1970er
Jahren wegen der verbreiteten Einstufung der kommunistischen Regime als posttotalitär (und
damit autoritär) ein leerer Kasten ist. Es wird eine alternative Herrschaftstypologie entfaltet,
die politische Regimeformen in erster Linie nach der Herrschaftslegitimation und der Herrschaftsweise und in zweiter Linie nach dem Herrschaftsträger und der Form der Machtübertragung klassifiziert. Grundlegende Bedeutung misst der Autor der Unterscheidung in traditionelle nicht-partizipative, personalistisch orientierte und schwach institutionalisierte Regime
auf der einen Seite und moderne partizipative und institutionalisierte Regime auf der anderen
Seite bei. Die vorgestellte Typologie unterscheidet zwischen den Grundtypen der absolutistischen Monarchie, dem Neopatrimonialismus, der Militärdiktatur, ideokratischen und neopatrimonialen Einparteiautokratien, der konstitutionellen Monarchie, hybriden und autokratischen Mehrparteienregimen sowie diversen Mischformen. Der Autor hält es für notwendig,
bei der Betrachtung politischer Regime nicht nur vom Pol der Demokratie auszugehen. Vielmehr müssten sowohl Demokratie als auch Autokratie klar definiert werden, um der politischen Realität gerecht zu werden. Auf dieser Grundlage werden die Herrschaftstypen in einen
Merkmalsraum zwischen Demokratie und Autokratie mittels dreier Dimensionen - Partizipation, Kompetitivität und Freiheit und Machtkonzentration - eingeordnet. Abschließend wird
die Verbreitung der Autokratieformen 1972 und 2008 verglichen. (ICF2)
[31-L] Keller, Andrea:
Das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit in der politischen Philosophie von Hobbes und
Kant, in: Johannes J. Frühbauer (Hrsg.) ; Michael Hörter (Hrsg.) ; Anna Noweck (Hrsg.): Freiheit
- Sicherheit - Risiko : christliche Sozialethik vor neuen Herausforderungen, Münster:
Aschendorff, 2009, S. 51-64
INHALT: In der heutigen Diskussion um das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit im Staat gibt
es einige Stimmen, die vor einer Ausweitung der Sicherheitsmaßnahmen im Staat zu Lasten
der Freiheit der Bürger warnen. Sie weisen darauf hin, dass eine Errungenschaft des modernen Rechtsstaates im Sinne Immanuel Kants, nämlich das Primat der Freiheit, in Gefahr sei
und eine Rückkehr zu einem absoluten Sicherheitsstaat im Sinne von Thomas Hobbes drohe.
Um die heutige Diskussion besser verstehen zu können, werden im vorliegenden Beitrag die
beiden Staatsmodelle von Hobbes und Kant im Hinblick auf das Verhältnis von Freiheit und
Sicherheit miteinander verglichen. Bei Hobbes wird die Problematik der Sicherheit um den
Preis eingeschränkter Freiheit und bei Kant die Freiheit in Bezug auf die Rechtssicherheit erörtert. Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgestellt und der Frage nachgegangen, inwieweit sich bei Hobbes und Kant Freiheit und Sicherheit gegenseitig bedingen
und inwieweit sie in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. (ICI2)
[32-L] Kersting, Wolfgang:
Liberalismus als Lebensform, in: Vorgänge : Zeitschrift für Bürgerrechte und
Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S. 28-35 (Standort: USB Köln(38)-XG2258;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
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INHALT: Der Autor sieht eine Qualität des liberalen Modells gesellschaftlicher Ordnung in seiner Neutralität gegenüber den Vorstellungen des "guten Lebens" und der Unbestimmtheit des
Strebens nach Glück. Dass diese Grundannahme damit auch neutral ist gegenüber den gesellschaftlichen Ressourcen, auf denen die individuelle und gesellschaftliche Wohlfahrt basiert,
ist ein Dilemma, dem weder mit kommunitaristischer Gemeinschaftsorientierung noch mit
deliberativen Verfahren begegnet werden kann, sondern nur mit einer "Ethisierung des liberalen Modells", mit einer entsprechenden demokratischen Bildung und Erziehung. Die "tugendethische Neuvermessung" konzentriert sich auf solche Fertigkeiten, Verhaltensdispositionen
und Einstellungsmuster, die sich aufgrund unserer Erfahrung und Menschenkenntnis als nützlich für die Herausbildung, biographische Stabilisierung und politische Artikulation liberaler
Bürgerlichkeit erweisen. Dabei ist zu beachten, dass es kein zeitlos gültiges Tugendrepertoire
der politischen Existenzform gibt. Der liberale Bürger kann schon darum nicht sonderlich viel
vom republikanischen Bürger der aristotelischen Tradition lernen, weil das Leben in der Moderne weitaus riskanter ist als das Leben in einer sozial homogenen, stark wertintegrierten,
von den Erosionskräften des Individualismus wie von den Entfremdungswirkungen eines meschenrechtsorientierten Universalismus gleichermaßen verschonten Traditionswelt. Der liberale Bürger benötigt modernitätsspezifische Tugenden, reflexive Tugenden, in denen sich die
Besonderheit des Lebens in der Moderne ausdrückt, er muss "komplexitätsfähig" sein und
den Toleranzbedarf des Pluralismus mit der Fähigkeit eines selbstbewussten Vertretens liberaler Eigenart verknüpfen. (ICA2)
[33-L] Kersting, Wolfgang:
Verteidigung des Liberalismus, Hamburg: Murmann 2009, 237 S., ISBN: 978-3-86774-073-9
INHALT: Wie bringen wir wirtschaftliche Freiheit und sozialen Ausgleich zusammen? Wie lauten die neuen Leitsätze gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Handelns? Das sind die
zentralen Fragen, den der Verfasser in seiner Studie nachgeht. Die anthropologischen Grundlagen der Freiheit werden anhand einzelner Konzepte aus der Ideengeschichte der politischen
Philosophie verdeutlicht. Die geschichtliche Dynamik des Liberalismus wird im Kontext der
Entstehung der Moderne analysiert. Freiheit und Knappheit, 'die unsichtbare Hand', die absolute Konkurrenz sind die Grundbegriffe, die diese Dynamik beschreiben. Den urliberalen
Korpsgeist entfaltet der Verfasser rund um den Begriff der Selbstsorge. Die Verwandlung der
technischen Verfügungsfreiheit und der ethischen Gestaltungsfreiheit in Selbstmächtigkeit ist
die grundlegende Aufgabe, die die modernen Menschen bewältigen müssen. Vor diesem Hintergrund wird die ordnungspolitische Funktion des Staates thematisiert. Der Autor schildert
die Situation in der "Freiheitswachstumsgesellschaft", den Zustand des Eingeschüchtertseins
angesichts der wachsenden Zumutung, das Leben in die eigenen Hände nehmen zu sollen.
Der Appell des Autors zur Selbstsorge ist einer zur Vorsorge auf unübersichtlichem Gelände.
Um alles muss sich der Zeitgenosse selber kümmern. Auf sich selbst zurückgeworfen, rückt
jedes Tun und Unterlassen in die Perspektive der Vorsorge, auch wenn die Kausalitäten immer schwerer, immer weniger eindeutig zuschreibbar sind. Da alles zur Wahl steht, nimmt
der Entscheidungsdruck zu. Wo die Kulturkritik vom totalitären Potential der Präventionsidee
spricht - Vorsorge sei prinzipiell unbegrenzt, tendiere dazu, die Gegenwart im Zeichen der
Zukunft zu enteignen -, da verteidigt der Verfasser die liberale Daseinsvorsorge als kaltes
Projekt, das zu Unrecht als Überforderung empfunden werde. (ICF)
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[34-F] Klein, Anna, Dipl.-Päd. (Bearbeitung); Heitmeyer, Wilhelm, Prof.Dr.; Reinecke, Jost,
Prof.Dr. (Betreuung):
Desintegration und Qualität der Demokratie als Determinanten demokratischer Tugenden
INHALT: Das Promotionsvorhaben zielt auf die Entwicklung eines Modells der notwendigen gesellschaftspolitischen Voraussetzungen zur Etablierung qualifizierter demokratischer Staatsbürger. In einem ersten Schritt wird dargestellt, welche Qualifikationen, die auch als Tugenden bezeichnet werden können, für moderne Demokratien relevant und gültig sein können.
Die diesbezügliche Rivalität liberaler und kommunitaristischer Ansätze hat sich in einem
fruchtbaren dritten Weg aufgelöst, der eine Verbindung der Paradigmen Heterogenität und
Solidarität anstrebt (vgl. Habermas 1992, Offe 2003). Ausgehend von dieser Debatte um die
moralischen Grundlagen der Demokratie wird deutlich, dass zivile Gesellschaften nicht nur
Bedarf an der Abwesenheit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit haben, sondern weitere
Ansprüche an die Einstellungsstruktur der Bürger stellen, wie Partizipationsbereitschaft und
Identifikation mit der (politischen) Gemeinschaft. Daraus folgt eine Erweiterung der analytischen Perspektive. Diese besteht neben dem Hinzufügen zweier weiterer zu erklärender Konstrukte in der Annahme eines Komplexes demokratischer Tugenden, der in Relation zum
Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit als Einstellungskomplex höherer Ordnung zu bezeichnen wäre. Der Gedanke eines kohärenten Gefüges demokratischer Tugenden
ist keinesfalls neu und findet sich bereits in den Arbeiten Adornos (1973) oder Laswells
(1951). Er wird dort allerdings nicht als Einstellungskomplex, sondern als Charakter bzw.
Persönlichkeitsmerkmal konzipiert. Entsprechend werden die Ursachen demokratischer Tugenden eher individualpsychologisch erklärt. Demokratische Tugenden als ein Einstellungsgefüge zu betrachten, verschiebt hingegen die Perspektive und betont die potentielle Modifizierbarkeit demokratieförderlicher Einstellungen im Zusammenhang mit Fragen der Integrationsqualität moderner Gesellschaften sowie Entwicklungen, die die Qualität der Demokratie
beeinträchtigen. Die folglich im zweiten Schritt darzustellende Herleitung der Hypothesen zur
Herstellung und Sicherung demokratischer Tugenden beschäftigt sich erstens mit den Erklärungsleistungen der Desintegrationstheorie. Diese macht, neben Annahmen zum Zusammenhang von Desintegration und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Anhut/Heitmeyer
2000), auch explizite Aussagen zur Abhängigkeit politischer Partizipation und Solidarität
(ebd.) von den Integrationsleistungen von Gesellschaften. Zweitens wird, in Anlehnung an
Habermas (1996), der Hypothese nachgegangen, dass die negativen Folgen mangelnder Integration durch eine hohe Qualität demokratischer Politik abgemildert werden können. Diese
konstatiert, dass demokratieförderliche Einstellungen trotz mangelnder sozialer Integration
nicht erodieren, wenn demokratische Entscheidungsverfahren als gerecht eingestuft werden.
Es ist insbesondere der neuere Tugenddiskurs, der demokratische Tugenden nicht vorpolitisch
einfordert, sondern dem demokratischen Prozess selbst ihre Generierung zuschreibt (Richter
2004). Ziel der Arbeit ist die Konstruktion eines Modells, das auf theoretischer und empirischer Grundlage Aussagen zur Herstellung und Sicherung der inneren Vitalität von Demokratien macht. Es wären in diesem Rahmen, ausgehend von der Bestimmung der für moderne
Demokratien notwendigen Tugenden, Aussagen darüber zu treffen, welche Integrationsleistungen unverzichtbar erbracht sein müssen, um diese zu sichern und wie die Qualität der Demokratie beschaffen sein müsste, um andere Desintegrationsdefizite aufzufangen. Damit wird
die Idee einer "Staatsbürgerqualifikationspolitik" (Preuss 1990: 126) aufgenommen und erweitert, indem ein Modell zur Staatsbürgerqualifikation über reine Umverteilungsforderungen
zur Partizipationsermächtigung hinausgeht, denn "emphasizing participation does not yet explain how to ensure that citizens participate responsibly (...)" (Kymlicka/Norman 1994: 360).
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METHODE: Der empirische Teil nimmt zunächst die Testung der in Kapitel eins und zwei ausgearbeiteten Hypothesen vor. Dies beinhaltet erstens die Suche nach einer Tugendkonstellation, die als Komplex bezeichnet werden kann, oder sich zumindest als konsistent erweist.
Dazu werden verschiedene mögliche Elemente eines Tugendkomplexes in einer Korrelationsanalyse variiert (GMF-Elemente, Nationalismus/ Verfassungspatriotismus, Wahlbeteiligung/
Beteiligung an politischen Veranstaltungen), die im GMF-Survey 2002/2006 erhoben wurden. Die Testung der Hypothesen zur Entstehung demokratischer Tugenden ist der zweite
Schritt der statistischen Analysen. Dabei wird die Annahme verfolgt, dass Desintegration wesentlich zur Erosion demokratischer Tugenden beiträgt, dies jedoch weniger der Fall ist, wenn
die Qualität der Demokratie von Personen als hochwertig eingestuft wird. Dieses Modell,
welches einen mediierenden Effekt der Wahrnehmung der Qualität der Demokratie zwischen
Desintegration und demokratischen Tugenden annimmt, kann mit den Daten der GMF-Surveys 2003 und 2006 getestet werden. Ein der statistischen Testung nachfolgender qualitativempirischer Zugang soll dann mit Hilfe von halbstandardisierten Interviews dreierlei aufklären: 1. Welche Tugendkonstellationen sind aus der Sicht der Befragten konsistent? 2. Wie
werden die Zusammenhänge zwischen Desintegration, Wahrnehmung der Qualität der Demokratie und demokratischen Tugenden mit subjektiven Sinngehalten ausgefüllt? 3. Wodurch
sehen Personen die Qualität der bundesdeutschen Demokratie bedroht? Der Auswertung der
qualitativen Studien folgt dann möglichst eine erneute statistische Hypothesentestung. Diese
muss voraussichtlich aufgrund der Aufhellung subjektiver Sinngebung Indikatoren der Desintegration variieren. Sollten sich Erweiterungen der Dimensionen der Demokratieentleerung
ergeben oder wichtige Tugendelemente als unberücksichtigt herausstellen, so wäre eine Neukonstruktion von Items notwendig.
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2006-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Graduiertenkolleg "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ursachen, Phänomenologie und Konsequenzen" (Universitätsstr. 25, 33615 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0521-106-3106, e-mail: [email protected])
[35-F] Klöde, Matthias, M.A. (Bearbeitung); Kauffmann, Clemens, Prof.Dr. (Betreuung):
Das Motiv der Anerkennung bei Fichte und Hegel und dessen Bedeutung für die gegenwärtige Demokratietheorie
INHALT: Beitrag zur Debatte um den Status der Moderne; kritische Bezugnahme zur modernen
Demokratietheorie.
METHODE: kritisch-hermeneutische Textanalyse
ART: Dissertation BEGINN: 2009-01 ENDE: 2012-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
keine Angabe
INSTITUTION: Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Institut für Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II (Kochstr.
4, 91054 Erlangen); Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich
Theologie, Bayerisches Promotionskolleg Politische Theorie (Postfach , 91054 Erlangen)
KONTAKT: Betreuer (Tel. 09131-8522336,
e-mail: [email protected])
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[36-L] Knoll, Manuel:
Die distributive Gerechtigkeit bei Platon und Aristoteles, in: Zeitschrift für Politik : Organ der
Hochschule für Politik München, N. F., Jg. 57/2010, H. 1, S. 3-30 (Standort: USB Köln(38)Fa00283; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In der deutschsprachigen Forschungsliteratur herrscht die Auffassung vor, dass Aristoteles als der 'Entdecker' der partikularen Gerechtigkeit anzusehen ist. Der Aufsatz zeigt,
dass diese Ansicht vor allem deshalb unzutreffend ist, weil Platon in der Politeia und den Nomoi bereits die Lehre von der distributiven Gerechtigkeit und der für sie charakteristischen
geometrischen oder proportionalen Gleichheit entwickelt." (Autorenreferat)
[37-L] Knoll, Manuel:
Aristokratische oder demokratische Gerechtigkeit?: die politische Philosophie des
Aristoteles und Martha Nussbaums egalitaristische Rezeption, Paderborn: Fink 2009, 325 S.,
ISBN: 978-3-7705-4858-3
INHALT: "Im zeitgenössischen Denken hat die politische Philosophie des Aristoteles eine beachtliche Renaissance erfahren. Dabei wurde Aristoteles zumeist als Vordenker der demokratischen Gleichheit und der egalitären Gerechtigkeit verstanden. Diese Auffassung wird heute
auch pointiert von Martha Nussbaum, einer führenden Intellektuellen der USA, vertreten. Das
Buch zeigt, warum diese Interpretationen unangemessen sind und gibt eine Deutung, die den
politischen Grundüberzeugungen des Aristoteles gerecht wird. Aristoteles erweist sich als politischer Denker, der von der fundamentalen Ungleichheit der Menschen ausgeht und die gerechte politische Ordnung als eine Aristokratie der moralisch und intellektuell Tüchtigsten begreift. Manuel Knoll präsentiert nicht bloß eine ideengeschichtliche Studie, sondern reflektiert auch problemorientiert über die Aktualität des Aristoteles. Dabei konfrontiert er dessen
aristokratische politische Philosophie mit Martha Nussbaums 'Fähigkeiten-Ethik' und mit anderen Positionen des zeitgenössischen Egalitarismus. So gelangt seine Untersuchung zu dem
Resultat, dass seit der Antike bis heute zwei gegensätzliche und unvereinbare Grundpositionen zur politischen Gerechtigkeit existieren." (Autorenreferat)
[38-L] Kreisky, Eva; Löffler, Marion:
Demokratietheorieentwicklung im Kontext gesellschaftlicher Paradigmen, in: Österreichische
Zeitschrift für Politikwissenschaft, Jg. 39/2010, H. 1, S. 89-104 (Standort: USB Köln(38)XE00150; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Demokratietheorien haben sich bisher kaum Fragen der Demokratieentwicklung gewidmet, sondern verfuhren vorwiegend formalistisch. Erst in jüngeren Konzeptualisierungen
wird gesellschaftlicher Rückbau demokratischer Errungenschaften thematisiert, wobei sich
gerade professionelle Politikwissenschaft auffällig zurückhält. In diesem Beitrag werden verschiedene Versuche theoretischer Erfassung von Mechanismen und Effekten der Entleerung
von Demokratie, dadurch ausgelöste ideenhistorische Suchbewegungen und konzeptuelle Innovationen, nachgezeichnet, um an ihren Beispielen Wege und Bedingungen rezenter Theorieentwicklung zu erfassen. Die Analyse erfolgt entlang einer rekonzipierten Ideologiekritik.
Der ideologiekritische Anspruch an Demokratietheorie ist es, demokratische Weiterentwicklung zu fördern und in diesem Sinne praktisch-ideologisch zu wirken. Im Zentrum der Analy-
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se stehen drei kritische Konzeptualisierungen: Postdemokratie (Rancière, Crouch), CounterDemocracy (Rosanvallon) und 'entpolitisierte Entdemokratisierung' (Mouffe). Trotz erheblicher Differenzen verbleiben jedoch auch diese Versuche innerhalb recht eng gezogener Pfade
der Theorieentwicklung. Vor allem nationalstaatliche Verfasstheit und Zeitgebundenheit von
Demokratietheorien bilden Barrieren für Theorieentwicklung." (Autorenreferat)
[39-L] Krippendorff, Ekkehart:
Die Kultur des Politischen: Wege aus den Diskursen der Macht, Berlin: Kulturverl. Kadmos
2009, 220 S., ISBN: 978-3-86599-092-1
INHALT: Die im vorliegenden Buch versammelten Aufsätze beziehen sich auf die Horizontveränderung des politischen Diskurses durch Rückbesinnung auf seine kulturellen Dimensionen.
Es werden eine Reihe von Auswegen aufgezeigt, welche in der Lage sind, aus jenem verhängnisvollen Diskurs herauszuführen, der in der europäischen Neuzeit seit Machiavelli die
Politik als Herrschaft über Menschen ("Machtgewinn, Machterhalt und Machtverlust") ins
Zentrum des intellektuellen Verständnisses und der historischen Praxis des Politischen gestellt, gesellschaftlich legitimiert und als den "Hauptweg" in Theorie und Praxis postuliert hat.
Es handelt sich um Versuche, durch Rückbesinnung auf die kulturellen Dimensionen des Politischen den Boden zu bereiten für das Bewusstsein von der Möglichkeit, sich aus den tödlichen Klammern eines macht-, gewalt- und herrschaftszentrierten Politikverständnisses befreien zu können. Denn der realpolitische "Hauptweg" des Politischen hat nach Meinung des Autors die "Nebenwege" verdrängt, verschüttet, unterdrückt, in Vergessenheit geraten lassen und
aus dem ernst zu nehmenden Politikverständnis ausgeschieden. Die vorgestellten 15 Variationen des Themas stammen überwiegend aus dem Bereich der Literatur, z. B. von Schiller,
Goethe, Grillparzer und Shakespeare. Literatur und Dichtung sind dem Autor zufolge besonders eindrucksvolle und dauerhafte Medien interkultureller Kommunikation, die historisch
immer wieder aus der Transzendierung herrschaftlicher Politik entstanden sind. (ICI2)
[40-L] Landwehr, Claudia:
Deliberation, voting, and truth, in: Hamburg review of social sciences, Vol. 4/2009, Iss. 3, S.
152-170
(www.hamburg-review.com/fileadmin/pdf/04_03/LANDWEHR_Deliberation__Voting___and_Tr
uth.pdf)
INHALT: "This article identifies two different strands of epistemic democracy, aggregative epistemic democracy and deliberative epistemic democracy, which have recently been combined.
The idea behind this combination, that deliberation and aggregation may be substitutes for
one another, is argued to be problematic. The Condorcet jury theorem's application to political decision-making, on which the idea of aggregative epistemic democracy is based, is questioned by addressing its three premises - independence of individual judgments, voter competence, and the idea that the point in majority rule is to track truth - from a deliberative perspective. It is argued that epistemic hopes should better concentrate on the discursive processes preceding majority vote and that voting and deliberation complement rather than substitute for one another." (author's abstract)|
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[41-F] Lenco, Peter, Dr. (Bearbeitung):
World politics as nomad science: Gilles Deleuze and Alter-globalisations
INHALT: How are we to make sense of the recent shifts in world politics and the resulting changes in political participation patterns? As the state putatively becomes less of a site of political participation, deferring this role to supranational but also sub- and transnational organisations, a considerable problem for social and political theory has been explaining the rise of
loose associations of social movements and their periodic convergence whose aim is to not
only dissent from prevailing patterns of globalisation, but also to experiment with alternative
forms of social and political participation. Drawing heavily on Gilles Deleuze's political philosophy characterized by immanence and non-representational thought, this dissertation seeks
to understand the processes of world politics characterized by complex networks of alter-globalizations. Additionally it seeks to clarify, in a political context, the relevance and efficacy
of such sites of resistance and to delineate, in general, the status of political activity and its
agents.|
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium für Bildung und
Forschung; Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology
-BGHS- (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0521-106-6529, e-mail: [email protected])
[42-L] Llanque, Marcus:
Humanismus und Politik, in: Jörn Rüsen (Hrsg.) ; Henner Laass (Hrsg.): Interkultureller
Humanismus : Menschlichkeit in der Vielfalt der Kulturen, Schwalbach: Wochenschau Verl.,
2009, S. 178-207
INHALT: Humanismus und Politik stehen in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis zueinander. Es gehört zu den Begleiterscheinungen der Politik, den Menschen als Mittel und als
Objekt zu begreifen: sei es als Soldat, sei es als Wählermasse, die es beide zur Verfolgung anderer Ziele zu mobilisieren gilt und dessen Meinung man beeinflusst oder gar manipuliert,
dessen Wahlverhalten man kalkuliert. Der Humanismus dagegen definiert den Menschen als
Ziel und Endzweck allen Verhaltens und betont die unverwechselbare Individualität jedes
Einzelnen. Da nicht nur böse Absichten, sondern meist die Handlungszwänge allen politischen Akteuren auferlegen, den Menschen als Mittel zu sehen, um die politischen Ziele zu erreichen, und zwar auch dann, wenn humanitäre Ziele verfolgt werden, stellt sich Politik immer in einen gewissen Gegensatz zum Humanismus. Die Erwartung auf die 'Humanisierung'
des Lebens verlangt eine aktive Gestaltung der menschlichen Umwelt, um Strukturen eines
menschenwürdigen Lebens zu schaffen. Humanität dient der Rechtfertigung dieser Veränderung, die immer auf Kosten der Güter und Werte einzelner Menschen gehen kann, die sich einer solchen Veränderung widersetzen. (ICF2)
[43-L] Marchart, Oliver:
Die politische Differenz: zum Denken des politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und
Agamben, Berlin: Suhrkamp 2010, 391 S., ISBN: 978-3-518-29556-4
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INHALT: "Kaum ein Begriff wird derzeit heftiger diskutiert als der des Politischen, der im starken Kontrast zu dem steht, was gemeinhin unter 'Politik' verstanden wird. Oliver Marchart
legt nun den ersten systematischen Vergleich der Denker des Politischen vor. Er unterzieht
die Schriften von Jean-Luc Nancy, Claude Lefort, Main Badiou, Ernesto Laclau und Giorgio
Agamben einer kritischen Analyse, verortet sie in den breiteren Strömungen eines Linksheideggerianismus und bezieht sie auf den systematischen Horizont eines Denkens ohne Letztbegründungen. In diesem Horizont zeigen sich die philosophischen, politischen und ethischen
Implikationen eines Denkens der politischen Differenz: die heutige Rolle politischer Ontologie, die Möglichkeiten einer 'minimalen Politik' und eine demokratische Ethik der Selbstentfremdung." (Autorenreferat)
[44-L] Mayer, Tilman:
Skizzen zum Begriff der Globalität, in: Ludger Kühnhardt (Hrsg.) ; Tilman Mayer (Hrsg.): Die
Gestaltung der Globalität : Annäherungen an Begriff, Deutung und Methodik, 2010, S. 3-9 (Graue
Literatur; www.zei.de/download/zei_dp/dp_c198_Kuehnhardt%20Mayer.pdf)
INHALT: Globalität beschreibt eine ultimative, eben globale Reichweite eines Verhaltens, Handelns, Vorkommens, Denkens - mit dem Anspruch, auf die ganze Welt, den ganzen Globus,
das gesamte Handlungsfeld gerichtet zu sein bzw. zu zielen. Der Begriff steht für den höchstmöglichen Verbreitungsgrad eines Sachverhaltes. Er bemisst einen Sachverhalt danach, ob er
dem Anspruch genügt, sozusagen ubiquitär zu sein; ubiquitär und global sind dabei allerdings
keine identischen Adjektive. Globalität stellt die höchste Form der Verbreitung einer zivilisatorischen Entwicklungsstufe dar, die global auszugreifen in der Lage ist, aber auch regionale
Ausprägungen (Verdichtungsräume) entwickelt, zu der sich Menschen reflexiv verhalten und
die ihr Handeln mehr und mehr beeinflussen. Mit Globalität wird also ein neues Ganzes in
der neuen Epoche der Globalisierung begrifflich, deutend, sinnbezogen zu erfassen versucht,
nach seinen Gegenstandsbereichen, Prozessen (der Integration etwa), Strukturen hin befragt.
In dem vorliegenden Beitrag skizziert der Autor seine Überlegungen zur Globalität. Zunächst
befasst er sich mit dem Integrationsparadigma. Im Anschluss daran geht es um Globalisierung
als Innovationsprozess. Abschnitt fünf erläutert den Zusammenhang von Globalität und Regionalität. Im Abschnitt sechs geht der Autor der Frage nach, ob Globalität einen Gewinn
oder Verlust an Humanität bedeutet. Abschließend werden die global turns präsentiert.
(ICD2)
[45-L] Mewes, Horst:
Hannah Arendt's political humanism, (Hannah Arendt-Studies, Vol. 5), Frankfurt am Main: P.
Lang 2009, 226 S., ISBN: 978-3-631-55374-9
INHALT: "This introduction to Hannah Arendt's political thinking, based on a very dose reading
of the most relevant texts, suggests that her core teaching culminates in a unique kind of political humanism. It consists of the disclosure of unique individual personalities in free public
actions inspired by public principles. The full meaning of such principled actions and its actors emerges from an uneasy symbiosis between actors and their casts of judgmental spectators. But it is the free spectators of action who determine its possible meanings. Importantly,
only such public meanings save humans from the abyss of meaningless existence. Still, and
even though individuals are driven by an urge to public selfpresentation, Arendt seems to in-
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sist that human freedom ultimately rests on our inability to fully disclose who we are. Perhaps
paradoxically, Arendt's emphasis on a very public humanism links freedom to what remains
ineffable about being human. After the destruction wrought by 20th century totalitarianism,
Arendt saw important residues of public freedom especially in the modern democratic republic of the United States." (author's abstract)
[46-L] Müller-Doohm, Stefan:
Nationalstaat, Kapitalismus, Demokratie: philosophisch-politische Motive im Denken von
Jürgen Habermas, in: Leviathan : Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft, Jg. 37/2009, H. 4,
S. 501-517 (Standort: USB Köln(38)-XG01679; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.springerlink.com/content/71412417u61um313/?
p=36fa44bf2f47432cb47f1bd1ec4d1f91&pi=1)
INHALT: "Die Rolle der aus lebensgeschichtlichen Erfahrungen hervorgegangenen Intuitionen
für die politische Theorie von Jürgen Habermas wird in Relation zu seinem Prinzip diskursiver Klärung diskutiert, und Habermas' differenzierte Kritik am Nationalstaat sowie sein Plädoyer für den europäischen Einigungsprozess bzw. die Demokratisierung der EU als Entwicklung zur postnationalen Konstellation werden dargelegt. Skeptisch wird sodann gefragt,
wie tragfähig das von Habermas immer wieder formulierte Postulat einer Zähmung des Kapitalismus durch die Demokratie ist." (Autorenreferat)
[47-L] Narr, Wolf-Dieter:
Die souveräne Bürgerin, der souveräne Bürger, in: Gernot Böhme: Der mündige Mensch :
Denkmodelle der Philosophie, Geschichte, Medizin und Rechtswissenschaft, Darmstadt:
Wissenschaftl. Buchges., 2009, S. 113-129
INHALT: Frei können Menschen nur werden und sein in freier Gesellschaft. Zu unabhängigen
Personen, die über ein eigenes Lot der Urteilskraft verfügen, können Bürgerinnen nur werden
und auch entsprechend agieren, wenn sie die gesellschaftlich mitbestimmten Bedingungen einer Assoziation aufrecht gehender Menschen schaffen und erhalten. Die liberale Wurzel aller
Menschenrechte, ihren emanzipativen Elan kann man nur entwickeln und erhalten, wenn man
sie in assoziativem Erdreich hegt und pflegt. Das historisch erklärbare, immer schon klassenungleiche negative Freiheitsverständnis des frühen Liberalismus samt seiner individualistischen Abstraktion und Fiktion hat negative Vergesellschaftungen zur Folge. Sie ermöglichen Freiheit, im Kern entfremdet bestenfalls in Form von (Klassen-)Privilegien Weniger.
Selbst im Idealfall kann es die Souveränität nicht an und für sich geben. Sie setzt Nachbarn,
sie setzt eine größere soziale Einheit voraus. In ihr wird und lebt sie. Souveränes Handeln ist
nur möglich, wenn der soziale Kontext in dem sich die Bürgerin befindet, ähnlich gerichtet
ihm entspricht. Damit sie werden und wirken können, sind gesellschaftlich rundum "Adäquanzverhältnisse" (M. Weber) erforderlich. Souverän auf den ersten Blick ist also nicht
souverän. Personale Souveränität ist mehrfach abhängig. Wie andere Souveränitäten, beispielsweise die staatliche, ist sie mehrfach konditioniert. Vergisst man dies, sei es im Sinne
des eigenen Anspruchs, sei es im Sinne einer analytischen Kategorie, dann droht doppelte Gefahr. Man fühlt sich frei, souverän, unabhängig, selbstbestimmt oder, im griechischen Lehnwort gesprochen, autonom. Man verkennt jedoch die Fülle der Abhängigkeiten, die mitten in
der angemaßten Autonomie stecken, sie geradezu konstituieren. (ICF2)
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soFid Politische Soziologie 2010/2
1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
[48-L] Nida-Rümelin, Julian:
Politische Philosophie der Gegenwart: Rationalität und politische Ordnung, (Grundzüge der
Politikwissenschaft), Paderborn: Fink 2009, 242 S., ISBN: 978-3-7705-4850-7
INHALT: Das vorliegende Lehrbuch beruht auf Vorlesungen, die der Verfasser an den Universitäten Göttingen, München und St. Gallen gehalten hat, vor allem aber auf seiner Münchner
Vorlesung zum Thema "Rationalität und politische Ordnung". Die Darstellung ist insgesamt
systematisch und nicht historisch ausgerichtet: Es geht um das Verhältnis von individueller
Entscheidungsrationalität einerseits und der Institutionalisierung einer politischen Ordnung
andererseits. Entsprechend ist der Band in fünf Teile gegliedert: Der erste Teil befasst sich
mit der individuellen Entscheidungsrationalität und dem für die Politische Theorie und Philosophie zentralen Problem der Kooperation. Der zweite Teil stellt die wichtigsten Ergebnisse
der Public-Choice-Theorie zum Problem kollektiver politischer Entscheidungsfindung dar. Im
dritten Teil wird zunächst der Kontraktualismus auf allgemeiner Ebene vorgestellt und anschließend anhand der vier klassischen Paradigmen des vertragstheoretischen Denkens bei
Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant erläutert. Der vierte Teil befasst sich mit den zeitgenössischen Paradigmen politischer Ordnung von David
Gauthier, Robert Nozick und John Rawls. Im fünften und letzten Teil werden einige Implikationen diskutiert, die aus den vorherigen Teilen für die Philosophie der heutigen Demokratie
gezogen werden können. (ICI)
[49-L] Niederberger, Andreas:
Demokratie unter Bedingungen der Weltgesellschaft?: normative Grundlagen legitimer
Herrschaft in einer globalen politischen Ordnung, (Ideen & Argumente), Berlin: de Gruyter
2009, 523 S., ISBN: 978-3-11-021410-9
INHALT: "Der Autor untersucht die Bedingungen legitimer Herrschaft und begründet, dass sie
nur in einer gestuften globalen Ordnung realisiert werden können. Dabei entwickelt er eine
Konzeption transnationaler Demokratie. Diese verbindet Staaten und andere Organisationsformen in einem globalen rechtsstaatlichen Netzwerk, das freiheitsverbürgende Verhältnisse
in und zwischen Staaten garantiert." (Autorenreferat)
[50-L] Nolte, Paul:
Religion und Bürgergesellschaft: brauchen wir einen religionsfreundlichen Staat?, Berlin:
Berlin Univ. Press 2009, 136 S., ISBN: 978-3-940432-64-3
INHALT: Das Buch skizziert das Verhältnis von Religion und Bürgergesellschaft unter einigen
systematischen und historischen Aspekten. Zunächst geht es um die verschiedenen Erscheinungsformen der "Rückkehr der Religionen" und die neuen "Möglichkeitsräume" der Religion: Sie haben sich in der Transformation der westlichen Gesellschaften und in der globalen
Orientierung seit den 1970er Jahren eröffnet. Die "großen Erzählungen" von der Modernisierung als Säkularisierung sind immer zweifelhafter geworden. Welchen Platz kann Religion in
der "postsäkularen" Gesellschaft einnehmen, welche Bedingungen muss sie dafür erfüllen,
was bringen "religiöse" und "säkulare" Bürger in sie ein? Dieser Frage wird, teils in Auseinandersetzung mit Jürgen Habermas, nachgegangen, um Kriterien für die bürgergesellschaftliche "Zivilisierung" von Religion zu gewinnen. Die "Bürgergesellschaft" benötigt eben nicht
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nur Freiheit und Individualität, Demokratie und Markt, sondern sie bedarf auch der Dahrendorfschen "Ligaturen". Welche Rolle spielt Religion dabei? Wenn Religion eine bürgerschaftliche Ressource ist, wie kann und sollte sich dann der Staat zu ihr verhalten? Der Staat muss
sich dann als ein "religionsfreundlicher Staat" verhalten, wofür der Autor vor allem aus politischer und soziologischer Sicht plädiert. (ICA2)
[51-L] Ottmann, Henning (Hrsg.):
Kants Lehre von Staat und Frieden, (Staatsverständnisse, Bd. 24), Baden-Baden: Nomos Verl.Ges. 2009, 167 S., ISBN: 978-3-8329-4181-9
INHALT: "Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage: Was lässt sich den Ideen
früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staates entnehmen?
Kants politische Philosophie hat im Liberalismus und im Sozialismus gewirkt. Als eine Theorie der Aufklärung, der Öffentlichkeit, des Fortschritts, des Rechtsstaates und des 'ewigen
Friedens' hat sie in verschiedenen politischen Lagern des 19. Jh.s und der Gegenwart ihre
Spuren hinterlassen. Der vorliegende Band zeigt die Verbindung der politischen Philosophie
mit den kantischen Kritiken (Höffe) und der kantischen Geschichtsphilosophie (Herb/Nawrath). Er analysiert den Rechts-und den Politikbegriff Kants (Dierksmeier) sowie die Mischung moderner und anti-moderner Elemente in Kants Politik (Nitschke). Untersucht wird
die kantische Friedensschrift und die neuere Diskussion um den 'demokratischen Frieden'
(Ottmann). Streiflichter auf die Wirkungsgeschichte im ethischen Sozialismus, bei Rawls,
Höffe und Habermas werfen die Artikel von Lüddecke und Schröder." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Otfried Hefe: Universaler Kosmopolitismus. Über die Einheit der Philosophie Kants (13-27); Karlfriedrich Herb, Thomas Nawrath: "Außer der Republik ist kein Heil"
Profane und sakrale Deutungsmuster des Staats in Kants Geschichtsphilosophie (28-41);
Claus Dierksmeier: Zur systematischen Liberalität von Kants Politik- und Staatsbegriff (4263); Peter Nitschke: Modernität und Antimodernität der kantischen Rechtslehre (64-97); Henning Ottmann: Der "ewige Frieden" und der ewige Krieg. Über Kants "Zum ewigen Frieden"
(98-112); Dirk Lüddecke: Staatsidee und Revolution bei Hermann Cohen. Ein Kapitel der sozialistischen Kant-Rezeption um 1900 (113-133); Wolfgang M. Schröder: After Rawls. Zur
neueren und neuesten Rezeption von Kants politischer Philosophie (134-164).
[52-L] Pinzani, Alessandro:
An den Wurzeln moderner Demokratie: Bürger und Staat in der Neuzeit, (Deutsche
Zeitschrift für Philosophie , Sonderband, Bd. 18), Berlin: Akademie Verl. 2009, 383 S., ISBN:
978-3-05-004456-9
INHALT: Können politische Denker, deren theoretisches Werk ideengeschichtlich erarbeitet
wird, zu Aussagen über die Entwicklungen und Probleme der modernen Demokratie herangezogen werden? Zwar bejaht der Autor diese Frage, jedoch müsse der Bedarf nach einer neuen
Theorie zur Erfassung des durch Prozesse wie die Globalisierung sich verändernden Verhältnisses zwischen Individuum und Staat herausgestellt werden. Er untersucht diese Fragestellung zunächst in ideengeschichtlicher Perspektive anhand des Werkes von Machiavelli, Hobbes, Rousseau und Kant. Er analysiert, wie die neuzeitlichen Denker den modernen Staat bestimmen und welche Antworten sie auf Fragen wie die nach dem Verhältnis von Mehrheit
und Minderheit, politischen Tugenden des Staatsbürgers, der Rolle des Politikers und den
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
Funktionszusammenhängen des politischen Systems finden. Durch die Gegenüberstellung
von republikanischer und liberaler Theorietradition arbeitet er Trennungslinien, z. B. zur Frage der staatsbürgerlichen Erziehung und Bildung gegenüber dem Recht auf Autonomie des
Individuums heraus. Die anschließende Betrachtung moderner Theorieentwürfe und ihr Rekurs auf die ideengeschichtlichen Wurzeln - er diskutiert u. a. das diskursethische Konzept
der politischen Öffentlichkeit nach Habermas - schließt der Autor mit dem Verweis auf aktuelle Fragen des modernen Rechtsstaates. Der Hinweis, die Resignation der Bürger entstehe
nicht aus Desinteresse, sondern entspringe ihrem Bewusstsein der politischen Ohnmacht, folgert, dass neue Formen politischer Partizipation benötigt werden. Dieses neue Verhältnis von
Bürger und Staat bedarf auch einer neuen theoretischen Untermauerung, welche der Autor in
seinen zukünftigen Werken zu erarbeiten anstrebt. (ZPol, NOMOS)
[53-L] Reinhardt, Jörn:
Der Überschuss der Gerechtigkeit: Perspektiven der Kritik unter Bedingungen modernen
Rechts, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2009, 270 S., ISBN: 978-3-938808-63-4
INHALT: Mit dieser Studie versucht der Autor, den Begriff der Gerechtigkeit in der Moderne
philosophisch neu zu bestimmen. Der Verfasser stellt den Begriff der Gerechtigkeit maßgeblich in den Kontext von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Er möchte
sich von einer schlanken, bloß prozeduralistischen Gerechtigkeitstheorie - wie spätestens seit
Rawls immer wieder reformuliert wird - lösen und nach allgemeingültigen Elementen des Begriffs fragen. Die politische Theorie Rousseaus und die Rechtsphilosophie Kants zeigen dem
Autor, dass Gerechtigkeit als regulative Idee ein Ideal darstellt, welches einen normativen
Überschuss produziert, dessen soziale Verwirklichung zwar einerseits angesichts der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften unerreichbar bleiben muss, andererseits einen
zentralen Strukturbegriff im Diskurs über Recht und Demokratie behält. Dieser unaufhebbare
Widerspruch wird in der neueren Debatte entweder wie bei Rawls und Habermas aus einer reformistischen oder wie bei Benjamin, Schmitt und Agamben aus einer messianisch-utopischen Perspektive interpretiert. Im Anschluss an Derrida erklärt der Verfasser diese Aporie
zum Strukturprinzip des juridisch-politischen Feldes, in dem auf Universalismen zurückgegriffen wird, ohne dass deren normativer Überschuss bewältigt werden kann. Was bei Autoren wie Hobbes, Kelsen oder Luhmann als Ausdruck von Kontingenz oder gar Illusion verabschiedet werden muss, wird konsequenterweise zum kritischen Ferment der Wirklichkeit erhoben. (ZPol, NOMOS)
[54-L] Ritzi, Claudia; Schaal, Gary S.:
Responsivität und Pluralismus: das Dilemma liberaler Demokratien, in: Vorgänge :
Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S. 13-27
(Standort: USB Köln(38)-XG2258; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Responsivität ist ein zentrales Ideal jeder liberalen Demokratie und Demokratietheorie
und bezeichnet die Intensität, mit der die politischen Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger
in der Politik realisiert werden. Es kommt darauf an, dass der Grad an Demokratie in Relation
steht zu dem Anteil der Präferenzen der BürgerInnen, die von der Politik umgesetzt werden,
d. h. je größer jener Anteil, desto demokratischer die Demokratie und desto höher die Responsivität. Seit einigen Jahren scheint die Responsivität westlicher Demokratien jedoch kon-
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tinuierlich zu sinken, und so wird dieses Ideal zunehmend zum Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit der liberalen Demokratie und Demokratietheorie. Im vorliegenden Aufsatz werden die
Ursachen der liberalen Responsivitätskrise dargestellt und zwei Strategien diskutiert, mit denen die Politische Theorie auf die daraus resultierenden Herausforderungen reagieren kann.
Diskutiert wird zum einen die Möglichkeit, die Entpolitisierung zu akzeptieren und die Legitimation durch die Implementierung von Verfahren und Institutionen zu erhöhen, zum anderen die Strategie einer Re-Politisierung der Bürgerinnen und Bürger sowie des demokratischen Prozesses. Die Autoren halten hier die Implementierung deliberativer Verfahren für
eine viel versprechende, wenngleich nicht unproblematische Strategie. (ICA2)
[55-F] Roos, Ulrich, Dr. (Bearbeitung):
Loyalität in der Weltpolitik
INHALT: Dieses Forschungsprojekt formuliert unter Rückgriff auf die philosophische Tradition
des so genannten klassischen Amerikanischen Pragmatismus ein ontologisches Modell von
Weltpolitik. An die hierbei entfaltete Theorie ist das Ziel geknüpft, durch die Auseinandersetzung mit den Wissensbeständen rationalistischer und sozialkonstruktivistischer Paradigmen
einen Beitrag zu den laufenden Bemühungen zu erbringen, ein drittes, nämlich pragmatistisches Forschungsprogramm in den Internationalen Beziehungen zu elaborieren, ohne die bestehenden Gedankengebäude einreißen zu wollen. Ausgehend von der Idee, dass Überzeugungen als Handlungsregeln wirken (beliefs as rules for action) wird auf dieser Grundlage
eine Theorie der Loyalität in der Weltpolitik entfaltet. Deren zentrale Bezugsgröße stellt die
Annahme dar, dass sich fortlaufend die Loyalitätsverteilung (distribution of loyalties) im
Blick auf weltpolitische Problemdefinitionen und die damit korrespondierenden Problemlösungen verschiebt.
ART: Habilitation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Augsburg, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, insb. Friedens- und Konfliktforschung (86135 Augsburg)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[56-L] Schaal, Gary S.; Heidenreich, Felix:
Einführung in die politischen Theorien der Moderne, (UTB, 2791), Opladen: B. Budrich 2009,
323 S., ISBN: 978-3-86649-930-0
INHALT: "Dieses Buch rekonstruiert die großen Entwicklungslinien der Politischen Theorie und
stellt ausgewählte Theoretiker der Moderne vor. Es richtet sich bewusst an Studierende der
Politikwissenschaft, die einen ersten Einblick in die Politische Theorie in diesem Zeitraum
gewinnen wollen. Die Verfasser haben es mit dem didaktischen Ziel geschrieben, den Einstieg in diesen von vielen als kompliziert und schwierig wahrgenommenen Bereich der Politikwissenschaft zu erleichtern. Entsprechend ist die Einführung bewusst kurz gehalten - sie
will kein Kompendium zur Politischen Theorie sein - und die daraus resultierenden Auslassungen und Vereinfachungen sind aus didaktischen Erwägungen in Kauf genommen worden.
Weitaus detailliertere - aber auch für den Anfänger in diesem Bereich schwieriger nachvollziehbare - Darstellungen finden sich an anderer Stelle. Die Hoffnung ist es, bei Ihnen das Interesse an Politischer Theorie wecken zu können und die methodischen und inhaltlichen
Grundlagen für die weitere Beschäftigung mit diesem Buch legen zu können. Dieses Buch ist
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
eine Einladung, mit den Verfassern über Politische Theorie nachzudenken. Daher haben sie
sich um eine auch für Einsteiger verständliche Darstellung bemüht und eine Strukturierung
gewählt, die drei verschiedene Zugänge zur Theorie bietet: a) Ein metatheoretischer Teil über
die methodischen Grundlagen der Politischen Theorie, b) Überblickskapitel zu den großen
Entwicklungslinien in der Politischen Theorie, c) Einzeldarstellungen zentraler Theorien."
(Textauszug)
[57-L] Schaub, Jörg:
Gerechtigkeit als Versöhnung: John Rawls' politischer Liberalismus, Frankfurt am Main:
Campus Verl. 2009, 336 S., ISBN: 978-3-593-39045-1
INHALT: "Können wir Mitglieder demokratischer Gesellschaften uns auf eine politische Gerechtigkeitskonzeption verständigen, obwohl unsere religiösen und säkularen Weltbilder unvereinbar sind? Darf ich von meinen Mitbürgern erwarten, dass sie eine gerechte Demokratie bereitwillig und dauerhaft unterstützen? Und wie ist der Pluralismus der Weltanschauungen
selbst zu bewerten? Diese Fragen stehen im Zentrum von John Rawls' politischem Liberalismus. Wie Bürger sie beantworten, prägt nach seiner Auffassung nicht nur ihre Einstellung zur
liberalen Demokratie, sondern auch ihre Haltung zur Politik und hat somit Einfluss darauf,
wie sie sich an politischen Prozessen beteiligen. Jörg Schaub rekonstruiert John Rawls' ambitioniertes Projekt der Versöhnung mit der liberalen Demokratie, unterzieht es einer umfassenden Kritik und legt seine hegelianischen Wurzeln frei." (Autorenreferat)
[58-F] Schmidt, Andreas, M.A.; Wisotzki, Simone, Dr.; Wunderlich, Carmen (Bearbeitung); Müller, Harald, Prof.Dr. (Leitung):
Liberaler Universalismus und der Umgang mit Gewalt
INHALT: Das Herzstück einer liberal gedachten Weltordnung - in ihren akademischen ebenso
wie in ihren politischen Versionen - ist die Universalisierung liberaler Wertesysteme und demokratischer Institutionen. Westliche Ansprüche treffen auf den Widerstand der Vertreter politisch-kultureller Autonomie nicht-westlicher Normsysteme und ihrer politischen Repräsentanten. Die Kontroverse kulminiert in der Souveränitätsproblematik, die - holzschnittartig formuliert - im westlichen Diskurs als überwindbare Barriere auf dem Weg zum Werteuniversalismus, im nichtwestlichen Diskurs hingegen häufig als Schutzschild für autonome Entwicklung und Nichteinmischung betrachtet wird. Im Kern des Projekts geht es darum, die bislang
von der Forschung vernachlässigte Dimension der Gerechtigkeitsansprüche dieses Disputs
empirisch zu untersuchen. Beide Seiten schreiben der Gegenposition strategische Absichten
zu, ihre Herrschaftsinteressen durchzusetzen: Der 'Westen' argwöhnt, das Argument kultureller Autonomie sei lediglich eine Waffe autokratischer Eliten im 'Süden', um die eigene
Machtposition gegen berechtigte Demokratisierungsforderungen zu verteidigen und eine
Fortsetzung ihrer menschenrechtsverletzenden Willkürherrschaft anzustreben. Der 'Süden' hat
den Westen im Verdacht, den Anspruch auf universale Geltung der von ihm vertretenen Werte als Werkzeug postkolonialer Dominanz einzusetzen, ein Verdacht, der durch den selektiven
Einsatz von Waffengewalt zur Durchsetzung westlicher Werte verstärkt wurde. Das Projekt
erstellt Fallstudien zu westlichen und nicht-westlichen Interpretationen internationaler Normen für die Mittel, den Gebrauch und die Einhegung von Gewalt und deren inhärenten Gerechtigkeitsansprüchen. Rational-utilitaristischen und realistischen Erklärungsansätzen wer-
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
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den konstruktivistische Diskursanalysen gegenüber gestellt. Dabei geht es um die 'Kartographierung' der einschlägigen internationalen Diskurse nach ihrem konsensualen und konfliktiven normativen Gehalt mit einem Schwerpunkt auf der Gerechtigkeitsproblematik. Welche
Widerstände werden westlichen Universalisierungsideen entgegengebracht, wo gibt es
Schnittmengen mit nicht-westlichen Normvorstellungen auf dem Weg zu einer globalen normativen Ordnung? Untersucht werden jeweils drei Fälle in zwei Politikfeldern, nämlich Sicherheitspolitik (Krieg gegen den Terror, präventive Konterproliferation und humanitäre Rüstungskontrolle) und Menschenrechte (Humanitäre Intervention/ Responsibility to Protect, demokratischer Regimewandel, Gewalt gegen Frauen).
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung -HSFK- (Baseler Straße
27-31, 60329 Frankfurt am Main)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (e-mail: [email protected])
[59-L] Schmidt-Gleim, Meike:
Die Regierung der Demokratie, Wien: Passagen-Verl. 2009, 204 S., ISBN: 978-3-85165-889-7
INHALT: Die These, dass die Demokratie in ihrem Kern die Legitimation eines Konflikts, in
dem sich die Gesellschaft zur Erscheinung bringt, bedeutet, bildet die Grundlage des ersten
Teils der Studie. Sie eröffnet die Möglichkeit, der Demokratie ein Wesen zu geben, ohne dieses mit einer Wesenhaftigkeit zu füllen, ohne ihr einen fixierten Inhalt zuzuschreiben. In vier
Varianten befasst sich die Autorin mit den Grenzen, Umformungen, Umformulierungen und
Effekten dieses Paradigmas. Schlüssel dieser Herangehensweise ist der klassische Begriff
parlamentarischer Debatten: die Repräsentation. Der Bezug geschieht jedoch abweichend
vom Konzept der Repräsentation als Vertretung. Beim Begriff der Demokratie geht es um die
Anerkennung von Konflikten. Repräsentation heißt, den Umstand anerkennen, dass es Gesellschaft nur solange gibt, solange es Konflikte gibt, dass ihr eigentlicher Ursprung im Konflikt
liegt. Das erste Kapitel setzt sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem expansiven Streben
der Demokratie und ihren aktuellen Realisierungen auseinander. Anschließend verfolgt die
Analyse in drei Schritten die Konstitution und Identifikation der Formel der Erscheinung der
Gesellschaft als Konflikt: erstens in einer allgemeinen Betrachtung der Gesellschaft als Konfliktfeld, zweitens als Klassenkampf und drittens als Rassenkampf. Es stellt sich heraus, dass
Konflikte keine Gewähr dafür leisten, dass sich die Gesellschaft wandelt. Der Klassenkampf
kann zu einer Institution werden, und der institutionell legitimierte Konflikt eine Struktur der
Versöhnung und Integration aufweisen, die diesen Kampf zu einem Funktionsprinzip macht.
Es revolutioniert die Gesellschaft nicht mehr, sondern reproduziert lediglich das System. Der
zweite Teil der Untersuchung lotet aus, wie und wo sich das politische System materiell manifestiert, das heißt, wie die Demokratie regiert, wo und wie die Demokratie zu einem Regierungssystem wird. Schlüsselbegriff ist das Dispositiv. Die Betrachtung der demokratischen
Gesellschaft anhand der Dispositive, mit denen sie operiert, bringt ans Licht, dass ihr Charakteristikum die Gesellschaft zum Erscheinen zu bringen, nicht nur eine Frage der Repräsentation, sondern auch eine der Regulierung ist. Demokratische Institutionen wie Gewaltenteilung
oder die Anerkennung der Menschenrechte verhindern nicht, dass die Erscheinung der Gesellschaft mit der Unterbindung der Erscheinung der Gesellschaft einhergeht. Die Dispositive
regulieren und kontrollieren das Erscheinungsbild der Gesellschaft und bringen es zum Vorschein. (ICF2)
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
[60-F] Sombetzki, Janina (Bearbeitung); Gerhardt, Volker, Prof.Dr.; Jaeggi, Rahel, Prof.Dr. (Betreuung):
Das Konzept einer Verantwortungspolitik in kritischer Auseinandersetzung mit Hannah
Arendt
INHALT: (1) Was bedeutet "Verantwortung"? Das Vorhaben der Arbeit verlangt zunächst eine
systematische Untersuchung von "Verantwortung". Es gilt, nicht nur die Bedingungen der
Möglichkeit der Verantwortungsfähigkeit darzulegen, sondern ebenso die fünf Elemente dieses Relationsbegriffes (Subjekt/ Träger, Objekt/ Gegenstand, Adressat, Instanz, normative
Kriterien) zu analysieren. Hierdurch soll besonders eine eingehende Reflektion der zwischen
diesen Elementen bestehenden inhärenten Gesetzmäßigkeiten und Abhängigkeitsverhältnisse
ermöglicht werden. So wird die allgemeine Grundstruktur jeder Verantwortlichkeit erfasst,
also das Verantwortungsphänomen seiner Form nach transparent vorgestellt und in seiner
Komplexität möglichst handhabbar. (2) Wie wird der Begriff de facto verwendet und welche
Ansprüche können/ sollen an ihn gestellt werden? In einem zweiten Schritt soll Arendts Verantwortungskonzept als Beispiel herangezogen werden, dieses zunächst nur formal dargestellte Verantwortungsmodell inhaltlich zu konkretisiert. Arendts Ansatz bietet sich für ein solches Unterfangen an, da sie u.a. mit der Vorstellung einer 'doppelten' Daseinsverantwortung
des Individuums in der aktuellen Debatte um den Verantwortungsbegriff weiterführend ist.
Hierdurch wird eine kritische Auseinandersetzung mit weiteren (und durchaus problematischen) Momenten ihres Konzepts angeregt. So kann gezeigt werden, inwiefern die systematische Übertragung des Arendtschen Verantwortungsbegriffs auf bestehende politische Strukturen einerseits hilfreich, andererseits schwierig oder sogar unplausibel erscheinen muss. Auch
wird deutlich, im Rahmen welcher normativer Kriterien in einer globalisierten Welt und vor
dem Hintergrund bestimmter gesellschaftlicher Entwicklungen (Industrialisierung, Säkularisierung, Demokratisierung, die Erfahrung zweier Weltkriege, usw.) der Verantwortungsbegriff faktisch zur Anwendung kommt. Zudem werden Gründe für mögliche Unsicherheiten,
Ungenauigkeiten und evtl. Überforderungen gerade in Bezug auf die persönliche Verantwortung des Bürgers artikuliert. (3) Was folgt aus dem erarbeiteten Verantwortungsbegriff? Die
kritische Auseinandersetzung mit dem Arendtschen Ansatz eröffnet in einem dritten Schritt
die Möglichkeit, strukturelle Grundlagen und Prinzipien einer Verantwortungspolitik festzulegen. Im Rahmen dieser Arbeit geht es somit um die Erfassung neuer Wegweiser für ein politisches Handeln, welches durch den vorgestellten Verantwortungsbegriff als seinem fundamentalen Element, als seinem Maßstab und seiner Legitimationsbasis getragen wird. Spätestens jetzt muss sich die Frage stellen und letztlich beantworten lassen, nach welchen Regeln
ein politisches Grundkonzept organisiert sein muss, das den Anspruch erhebt, den Verantwortungsbegriff alltagstauglich und gerechtfertigt - nicht als bloßes Konstrukt ohne tatsächlichen
Inhalt - zu verwenden.
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2009-10 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Juristische Fakultät, Graduiertenkolleg "Verfassung jenseits des Staates: von der europäischen zur globalen Rechtsgemeinschaft?" (Unter
den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 030-2093-3421, e-mail: [email protected])
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[61-L] Thiele, Ulrich (Hrsg.):
Volkssouveränität und Freiheitsrechte: Emmanuel Joseph Sieyes' Staatsverständnis,
(Staatsverständnisse, Bd. 29), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 261 S., ISBN: 978-3-83295075-0
INHALT: "Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage: Was lässt sich den Ideen
früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staates entnehmen?
Emmanuel Joseph Sieyes (1748-1836) vereinigt in seinen politischen Schriften naturrechtlich-kontraktualistische Legitimationskonzepte mit verfassungsrechtlich-organisatorischen
Entwürfen, deren Differenziertheit ihm den Ruf eines 'Verfassungskünstlers' einbrachte. Man
sagte ihm nach, 'über Nacht' jeweils neue, in sich konsistente Verfassungsskizzen erarbeiten
zu können, die jedoch durch eine gewisse 'Künstlichkeit' und 'Abstraktheit' beeinträchtigt seien. Dieses u. a. von Hegel lancierte Klischee dementiert sich bei genauerer Betrachtung von
selbst: Sichtbar wird dann ein ausgesprochen sorgfältig argumentierender Autor, der seit den
frühesten Schriften darauf bedacht war, die beiden Pole 'Volkssouveränität' und
'Freiheits(grund)rechte' durch immer wieder überarbeitete Gewaltenteilungsarrangements zusammenzubinden. Dabei ergaben sich nicht zuletzt bis heute maßgebliche Überlegungen über
die Vereinbarkeit von Verfassungsjurisprudenz mit dem Prinzip der verfassungsgebenden Gewalt des Volkes. Die vorliegende Aufsatzsammlung bietet einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand und zugleich eine systematische Einführung in die rechtsphilosophischen Grundbegriffe und Theoreme der modernen Verfassungsdebatte." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Einleitung: Ulrich Thiele: Volkssouveränität und Freiheitsrechte. Sieyes'
Versuch einer prozeduralen Vermittlung (13-40); 1. Volkssouveränität und Repräsentation:
Charles Philippe Dijon de Monteton: Der lange Schatten des Abbé Bonnot de Mably. Divergenzen und Analogien seines Denkens in der Politischen Theorie des Grafen Sieyes (43-110);
Olaf Asbach: Kontraktualismus, Nation und Repräsentation bei Sieyes. Aneignung und
Transformation der neuzeitlichen politischen Theorie in der Französischen Revolution (111136); 2. Parlamentarismus: Oliver W. Lembcke, Florian Weber: Sieyes' Konzept der Staatsund Regierungsform (139-165); Alexander Weiß: Die zwei Körper des Publikums und der
double bind der (Post-)Demokratie. Sieyes' komplexes Verständnis von Parlamentsöffentlichkeit (167-188); 3. Gewaltenteilung: Oliver Eberl: Der Vater der Gewaltentrennung. Sieyes'
Begründung eines 'französischen' Modells der vertikalen Gewaltenteilung (191-210); Ulrich
Thiele: Zwei komplexe Modelle der Gewaltenteilung. Hegel und Sieyes im Vergleich (211239); 4. Verfassungsgerichtsbarkeit: Gerhard Robbers: Emmanuel Joseph Sieyes. Die Idee einer Verfassungsgerichtsbarkeit in der Französischen Revolution (243-259).
[62-L] Wagschal, Uwe; Metz, Thomas:
Homo oeconomicus oder Homo politicus?: Erklärungskonzepte im Vergleich, in: Thomas
Pfeiffer (Hrsg.): Abgott Wirtschaftlichkeit, Darmstadt: Winter, 2009, S. 25-64
INHALT: Der Beitrag geht der Frage nach, wie soziales Verhalten erklärt werden kann. Dazu
wird das Erklärungsmodell des Homo oeconomicus in seinen Annahmen, seiner historischen
Fundierung sowie in seinen Stärken und Schwächen dargestellt und anhand von Anwendungsbeispielen illustriert. Dem wird das aristotelische Modell des zoon politikon gegenübergestellt und seine Rezeption bei Hannah Arendt erläutert. Beide Konzepte werden miteinander verglichen und anhand ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen im Hinblick auf individuelle versus gemeinschaftliche Orientierungen miteinander in Verbindung gebracht. (ICE2)
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1 Politische Grundbegriffe und Konzepte
[63-L] Werth, Christoph H.:
Demokratie und Öffentlichkeit bei Hannah Arendt, in: Manfred Funke (Adressat) ; Karl
Dietrich Bracher (Hrsg.) ; Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.) ; Volker Kronenberg (Hrsg.) ; Oliver
Spatz (Hrsg.): Politik, Geschichte und Kultur : Wissenschaft in Verantwortung für die res
publica ; Festschrift für Manfred Funke zum 70. Geburtstag, Bonn: Bouvier, 2009, S. 41-49
INHALT: Der Autor weist in seinem Vortrag darauf hin, dass das wissenschaftliche Werk von
Manfred Funke zahlreiche Bezugs- und Berührungspunkte mit dem politischen Denken der
gut 32 Jahre älteren Hannah Arendt aufweist. Beide Theoretiker sind geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus: Manfred Funke wie Hannah Arendt denken über Gewalt, Terrorismus und die "Zerbrechlichkeit menschlicher Angelegenheiten", über die Bedingungen der Freiheit und der politischen Zivilisation nach. Hannah Arendt war dabei jedem
Konformismus und jeder Hierarchie - als einer Kette von Befehl und Gehorsam - abgeneigt,
und den Zwang dazu sah sie ebenso in der Gesellschaft wie auch in sozialen Bewegungen.
Der Autor diskutiert unter anderem die Idee des Politischen, die Polis als Raum der Freiheit,
die Rolle der Öffentlichkeit und der Bürger, die Gefährdungen der Demokratie sowie die
Sphäre der Zivilisation. (ICI2)
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
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Theorie und Geschichte politischer Systeme
[64-L] Allmendinger, Bjoern:
Brecht dem Schütz die Gräten, alle Macht den Räten: die Rätebewegung - historische
Inspiration und theoretische Bürde der 68er-Bewegung, (Wissenschaftliche Beiträge aus dem
Tectum Verlag. Reihe Politikwissenschaften, Bd. 21), Marburg: Tectum Verl. 2009, 177 S.,
ISBN: 978-3-8288-9980-3
INHALT: "Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bezugnahme der Rätebewegung
durch die so genannte 68er-Bewegung und stellt dabei die Frage, inwieweit Kontinuitätszusammenhänge bestehen bzw. theoretische Verbindungslinien zu erkennen sind. Analyse- und
Untersuchungsschwerpunkt konzentrieren sich auf die Jahre 1967-71, so dass Höhepunkt und
Aufspaltung der 68er-Bewegung berücksichtigt werden. Besonders die Fraktionierungsphase
des SDS spielte bei der Ausrichtung dieses Zeitfensters eine ausschlaggebende Rolle, da im
Zerfallsprozess die politisch-theoretische Diskrepanzen offen zu Tage traten und aus ihnen
heraus Rückschlüsse auf ideologische Entwicklungen gezogen werden konnten. Die historischen Bezugspunkte richteten sich in erster Linie nach deren Gewichtung innerhalb der überwiegend antiautoritär geprägten 68er-Rätediskussion und können daher in ihrer Gesamtheit
nur ausschnitthaft die historische Rätebewegung beleuchten." (Textauszug)
[65-L] Anderson, Margaret Lavinia:
Lehrjahre der Demokratie: Wahlen und politische Kultur im Deutschen Kaiserreich,
(Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, Bd. 22), Stuttgart: Steiner 2009, 562 S., ISBN: 978-3515-09031-5
INHALT: Die vorliegende historische Studie versucht nicht, die verschiedenen Muster von Wahlsiegen und Niederlagen im Deutschen Kaiserreich zu rekonstruieren, sondern zu untersuchen,
wie die Deutschen ihr neues Wahlrecht empfunden haben, und aufzuzeigen, was die Einübung demokratischer Wahlverfahren in dem halben Jahrhundert bedeutete, das Deutschlands
erster parlamentarischer Regierung vorausging. Die Studie umfasst drei Teile: der erste Teil,
"Der Rahmen" (Kapitel 1-3), umreißt die gesetzlichen, internationalen und lokalen Zusammenhänge, innerhalb derer die deutschen Wahlen stattfanden. Der zweite Teil, "Kraftfelder"
(Kapitel 4-7), analysiert die Zwänge, die die Entscheidung der Wähler beeinflussten. Der dritte Teil, "Das Maß der Freiheit" (Kapitel 8-11), untersucht die Art und Weise, in denen diese
lokalen Machtstrukturen durch andere Kräfte, auch die von unten, durchbrochen werden. Allgemein ausgedrückt, befassen sich die Teile 1 und 2 mit dem Alten und Teil 3 mit dem Neuen; aber die sichtbarste Neuerung in der deutschen Politik, die Mobilisierung, erscheint erst in
Kapitel 4, während die Analyse der ostelbischen ländlichen Gebiete in Kapitel 6 ein Bild der
Autorität zeichnet, das von Zeichen der Solidarität ungetrübt war und so lang andauerte wie
das Kaiserreich selbst. Innerhalb dieser weit gefassten Überschriften ist jedes Kapitel nach
Sachgebieten unterteilt, das - mit wenigen Ausnahmen - die gesamte Chronologie des Kaiserreichs umfasst. (ICI2)
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
[66-L] Ansorg, Leonore; Gehrke, Bernd; Klein, Thomas; Kneipp, Danuta (Hrsg.):
Das Land steht still - noch!: Herrschaftswandel und politische Gegnerschaft in der DDR
(1971-1989), (Zeithistorische Studien, 40), Köln: Böhlau 2009, 394 S., ISBN: 978-3-412-14306-0
INHALT: 'Da ein anderes Ventil zunächst nicht zur Verfügung stand, äußerte sich der noch diffuse, über Jahre angestaute Unwillen der DDR-Bürger im Herbst 1989 in massenhafter Unterstützung des Neuen Forums', schreibt Christof Geisel. Spätestens mit dem Auftreten der
Westparteien aber habe sich die 'lebensweltliche Kluft' (289) zwischen Opposition und Mehrheitsgesellschaft gezeigt - diese sei sogar noch tiefer gewesen als der politische Dissens, der
die SED von ihren Untertanen getrennt habe. Geisel stützt diese Interpretation darauf, dass
die Oppositionellen im Laufe der 80er-Jahre die nationale Frage fast peinlich vermieden, das
Problem der Freizügigkeit nicht in der gebotenen Schärfe thematisiert und den erzwungenen
Konsumverzicht nicht kritisiert haben - dies seien aber die Themen gewesen, die die Bürger
beschäftigt hätten. Diese von Geisel konstatierte Selbstmarginalisierung der Opposition stützt
nicht unbedingt die mit diesem Band verfolgte Intention: Die Herausgeber skizzieren ein Forschungsdesign, mit dem die DDR-Opposition - obgleich sie 'eine Angelegenheit von Minderheiten' (19) gewesen sei - in den Entwicklungsprozess der DDR-Gesellschaft eingebettet werden soll. Zu eröffnen sei ein sozialgeschichtlicher Zugang zur Erforschung der Opposition,
um die Wechselwirkungen mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der staatlichen Repression herausarbeiten zu können. Zuerst stehen die Strafrechtspolitik, das Strafvollzugsgesetz und die -praxis im Mittelpunkt, gefolgt von Analysen über verschiedene soziale Gruppen
und die Versuche des Regimes, diese zur Anpassung zu zwingen. Am Beispiel der 'Asozialen'
zeigt sich aber, dass die Mehrheitsgesellschaft durchaus rigider ausgrenzen konnte 'als dies
staatlicherseits intendiert war' (Sven Korzilius, 179). Im dritten Teil wird die oppositionelle
Praxis in den 70er- und 80er-Jahren thematisiert. Die Herausgeber stellen auf der Basis der
Beiträge fest, dass die Mehrheit der Bevölkerung stabil in das diktatorisch beherrschte Gesellschaftsgefüge integriert und damit nur ein sehr enger Spielraum für eine Oppositionsbildung
geblieben war. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Leonore Ansorg, Bernd Gehrke, Thomas
Klein: Einleitung: Politische Gegnerschaft in der DDR als Forschungsgegenstand deutscher
Gesellschaftsgeschichte (17-36); Annette Weinke: Strafrechtspolitik und Strafrechtspraxis in
der Honecker-Ära (37-56); Johannes Raschka: Politische Hintergründe des Strafvollzugsgesetzes von 1977. Widersprüche der Rechtspolitik während der Amtszeit Erich Honeckers (5772); Leonore Ansorg: Veränderungen in der Strafvollzugspraxis in den siebziger und achtziger Jahren am Fall der Haftanstalt Brandenburg (73-92); Danuta Kneipp: "Dies ist kein Arbeitsrechtsstreit, sondern eine politische Sache." Das Arbeitsrecht als Herrschaftsinstrument
gegen widerständiges Verhalten (93-110); Walter Süß: Wandlungen der MfS-Repressionstaktik seit Mitte der siebziger Jahre im Kontext der Beratungen der Ostblock-Geheimdienste zur
Bekämpfung der "ideologischen Diversion" (111-134); Renate Hürtgen: Betrieblicher Widerstand in der DDR der siebziger und achtziger Jahre - ein Thema für die Oppositionsforschung? (135-160); Sven Korzilius: Gesellschaftliche Ausgrenzung "Asozialer" in der Honecker-DDR (161-180); Peter Wurschi: In der Provinz bin ich der Prinz - Jugendkulturelle Konflikte in der DDR mit Beispielen aus dem Bezirk Suhl (181-202); Bernd Gehrke: Die neue
Opposition nach dem Mauerbau. Zu Ursprüngen und Genesis oppositionell-politischer Artikulationsformen in der DDR der 1960er und 1970er Jahre (203-226); Thomas Klein: Gegenöffentlichkeit. Oppositionelle Wirkungsformen und staatliche Abwehrstrategien in der DDR
(227-248); Reiner Merker: Handlungsfeld Öffentlichkeit. Opposition in den siebziger/achtziger Jahren in Gera (249-266); Christof Geisel: Siegreiche Revolutionäre oder Opfer der Wiedervereinigung? Das politische Selbstverständnis der DDR-Opposition (267-290); Henning
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Pietzsch: Der "Weiße Kreis" in Jena - Beispiel für den Wandel der Protestformen Ausreisewilliger in den siebziger und achtziger Jahren (291-302); Ulrich Huemer: "Ehrlich sitzt am
Längsten". Der Umgang mit der DDR-Opposition mit der MfS-Untersuchungshaft in den
achtziger Jahren (303-326); Tomás Vilimek: Tschechoslowakische und DDR-Opposition im
Visier der Staatssicherheitsdienste beider Länder (327-350).
[67-L] Benser, Günter:
Der deutsche Kommunismus: Selbstverständnis und Realität. Bd. 4, Neubeginn ohne letzte
Konsequenz (1945/1946), (Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus, Bd. 9), Berlin:
Dietz 2009, 308 S., ISBN: 978-3-320-02150-4
INHALT: Das vorliegende Buch beschließt eine vierbändige Geschichte der Kommunistischen
Partei Deutschlands. Es unterscheidet sich von den vorausgegangenen Bänden, denn es wird
nur ein vergleichsweise kurzer Zeitraum beschrieben, beginnend mit der Befreiung vom Faschismus und endend am Vorabend der SED-Gründung. Es war nicht eine Darstellung der
Herausbildung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands beabsichtigt, denn diese hätte
eine eingehendere Schilderung und Bewertung des Werdeganges der Sozialdemokratie erfordert. Im vorliegenden Buch geht es hingegen primär um die KPD, die zwar im Wechselspiel
mit der SPD handelte, die Einheitspartei anstrebte und schließlich auch verwirklichte, aber
zugleich auf vielen anderen - in der Forschungsliteratur oft vernachlässigten oder übergangenen - Politikfeldern agierte. Dementsprechend endet die Darstellung mit dem 15. Parteitag der
KPD im April 1946. Das Buch ist in folgende Kapitel unterteilt: (1) Neubeginn und Altlasten;
(2) Der Neuaufbau der deutschen kommunistischen Massenpartei; (3) Organisator antifaschistisch-demokratischer Umgestaltungen; (4) Das Einheitsparteiprojekt und seine Verwirklichung; (5) Von der KPD zur SED. (ICI2)
[68-L] Biermann, Werner; Klönne, Arno:
Ein Spiel ohne Grenzen: Wirtschaft, Politik und Weltmachtambitionen in Deutschland 1871
bis heute, (Neue kleine Bibliothek, Bd. 134), Köln: PapyRossa Verl.-Ges. 2009, 293 S., ISBN:
978-3-89438-397-8
INHALT: Die enge Verflechtung von ökonomischen Interessen und kriegerischen Zugriffen ist
kein Spezifikum der Moderne, aber sie nahm im Zeitalter des Kapitalismus und seiner Technologie neue Dimensionen an, und im Zuge der Durchsetzung des Weltmarktes wurden militärische Interventionen zu eingewöhnten Mitteln des Kampfes um wirtschaftliche Macht. Zugleich entwickelte sich die Rüstungsbranche zu einem hochprofitablen Sektor der Kapitalverwertung, der "militärisch-industrielle Komplex" bildete sich heraus. Aus diesen Zusammenhängen sind auch Antriebe und massenvernichtende Eigenschaften der beiden Weltkriege erklärbar. In beiden Fällen ging es um eine gewalttätige Neuverteilung von Macht auf dem Globus, im politischen und im wirtschaftlichen Sinne. Großkapitalistische Interessen haben sich
nie allein auf den Markt verlassen, sie haben stets auch den Staat zur Hilfe genommen, nicht
zuletzt in seinen militärischen Fähigkeiten. Die jüngere deutsche Geschichte bietet dafür ein
bedrückendes Exempel. Das "Deutsche Reich", 1871 in Siegesstimmung nach dem Krieg gegen Frankreich als "verspätete Nation" gegründet, hat zweimal den Versuch gemacht, auf militärischem Wege - "nachholend" und auf besonders aggressive Weise - sich in der Weltpolitik und -Wirtschaft den "Platz an der Sonne" zu erobern. Es ist beim Ersten wie beim Zweiten
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Weltkrieg unterlegen, die Folgen dieser aggressiven Vorgehensweise waren katastrophal.
Welche Einflüsse wurden bei diesem zweimaligen deutschen "Griff nach der Weltmacht"
wirksam? Wie kam es zum Bündnis von Militärkaste, Wirtschaftsherren und politischen Eliten? Warum sahen bestimmte Kapitalgruppen in der kriegerischen Option eine Lösung ihrer
Probleme? Warum war die Weimarer Republik, was die Militärpolitik angeht, nur ein Intermezzo? Wurden nach 1945 in der Alt-Bundesrepublik als Teil der "westlichen Welt" aus der
kriegerischen deutschen Vergangenheit Lehren gezogen? Was schließlich bedeutet im vereinigten Deutschland die regierende Politik der "Enttabuisierung des Militärischen"? Diesen
Fragen gehen die Verfasser nach, den Blick gerichtet auf ein nicht immer gleiches, aber doch
nie beendetes Zusammenspiel von Kapitalinteressen, militärischen Ambitionen und weltpolitischen Entscheidungen. (ICF2)
[69-F] Corni, Gustavo, Prof.Dr.; Plumpe, Werner, Prof.Dr.; Recker, Marie-Luise, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Die politische Sprache des staatlichen und gesellschaftlichen Neuanfangs nach 1945. Die
Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Hinwendung zur "westlichen" Werteordnung in Deutschland, Österreich und Italien im Vergleich
INHALT: Nach dem Ende der diktatorischen Regime war die öffentliche Diskussion durch die
Frage beherrscht, wie der Sieg des Faschismus/ Nationalsozialismus zu erklären sei und welche Konsequenzen für den politischen Neuanfang hieraus zu ziehen seien. Zwar sind hier
Einzelaspekte bereits wissenschaftlich erforscht, doch ist der Vergleich mit anderen Staaten
im Nachkriegseuropa kaum systematisch vollzogen worden; selbst der deutsch-deutsche Vergleich ist nur selten in den Blick gekommen. Dabei könnten durch den komparativen Ansatz
die aus der Zeitgenossenschaft herrührenden gemeinsamen Erfahrungen und Wertvorstellungen Aufklärung geben über vergleichbare Diskurse zur Legitimierung des verfassungsbezogenen Neuanfangs. Zugleich dürfte sich das Wechselverhältnis zwischen unterschiedlichem nationalen Kontext und vergleichbarer Wertedebatte akzentuieren lassen. Einen ersten Themenschwerpunkt soll die Debatte in den politischen Parteien zum politischen und gesellschaftlichen Neuanfang nach 1945 bilden. Hierbei muss die parteispezifische Sichtweise zu
den Ursachen des italienischen/ österreichischen/ deutschen "Faschismus" analysiert und nach
Sprachstilen und Argumentationsmustern gefragt werden. Dies schließt auch den Rekurs auf
die eigene nationale Geschichte bzw. das "nationale" Erbe ein und die Aneignung dieses "Erbes" durch Verfassungstraditionen. Hier ist zum einen der deutsch-italienische Vergleich von
großem Interesse, aber auch die deutsch-deutsche Parallele. Nicht nur die Debatten um die
Auswahl, Plazierung und Ausstattung von Denkmälern, Gedenkstätten, Feierstunden sind Gegenstand der Untersuchungen, sondern ebenso die "Sprache" dieser Monumente und Veranstaltungen selbst. Zum zweiten ist der Europadiskurs der Nachkriegsjahre und die Hinwendung zu den "gemeinsamen Wurzeln" zu betrachten, ob diese nun im Erbe der Antike, im
frühneuzeitlichen Humanismus oder im - seit dem 19. Jahrhundert so bezeichneten - christlichen "Abendland" gesehen wurden. Die hier verwendeten Sprachmuster und Deutungsebenen
können ein spezifisches Verfassungsverständnis herausarbeiten helfen, mit dem nach dem
Ende der Diktatur der gemeinsame Bezugspunkt "Europa" gesucht wurde, um der soeben
überwundenen "Barbarei" ein positives Gegengewicht entgegen zu setzen. Hier ist insbesondere die Kommunikation der politischen Parteien im europäischem Raum ein neues Forschungsfeld, da so der Diskurs um die Herrschaftsordnung in den europäischen Staaten wie
eines vereinten Europa über nationale Grenzen hinweg verfolgt werden kann. Dies betrifft
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zum einen die parteiinternen Kommunikationen, zum anderen die entsprechenden Debatten in
gemeinsamen Gremien (Europarat, Gemeinsame Versammlung der Montanunion, Europaparlament), in denen sich jeweils kommunikative Räume für ein demokratisch legitimiertes Europabewusstsein öffneten. Der Gegenstand ist seit einigen Jahren ein Forschungsschwerpunkt
der beteiligten Wissenschaftler. GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland, Österreich und
Italien
VERÖFFENTLICHUNGEN: Corni, G.: Fascism, anti-fascism and resistance in the politics of
memory and historiography in post war Italy. in: Wang, Q.E.; Fillafer, F.L. (eds.): The many
faces of Clio. Cross-cultural approaches to historiography. New York, Oxford 2007, pp. 420436.+++Recker, M.-L.: Die Bundesrepublik Deutschland. München 2002.+++Recker, M.-L.:
Der Parteienstaat in der Diskussion. Die Entstehung des Parteiengesetzes im Schnittfeld von
Politik, Wissenschaft und Rechtsprechung. in: Hein, Dieter u.a. (Hrsg.): Historie und Leben.
Der Historiker als Wissenschaftler und Zeitgenosse. Festschrift für Lothar Gall. München
2006, S. 605-618.+++Plumpe, W.: Das Ende der Koloniezeit - Gedanken zur Sozial- und
Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes in den funfziger und fruhen sechziger Jahren, in: Barbian, Jan-Pieter; Heid, Ludger (Hrsg.): Die Entdeckung des Ruhrgebietes. Das Ruhrgebiet in
Nordrhein-Westfalen 1946-1996. Essen 1997, S. 146-172.+++Plumpe, W.: "Wir sind wieder
wer!" Wirtschaftsentwicklung und Unternehmensstrategien in Westdeutschland nach dem
Zweiten Weltkrieg. in: Recker, Marie-Luise u.a. (Hrsg.): Bilanz: 50 Jahre Bundesrepublik
Deutschland. St. Ingbert 2001, S. 237-278.
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Frankfurt, Internationales Graduiertenkolleg 1067 "Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert" (Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am
Main)
KONTAKT: Institution (Tel. 069-798-32595, Fax: 069-798-32596,
e-mail: [email protected])
[70-L] Debus, Marc; Hansen, Martin Ejnar:
Die Dimensionalität der Reichstage der Weimarer Republik von 1920 bis 1932, in: Politische
Vierteljahresschrift : Zeitschrift der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Jg.
51/2010, H. 1, S. 15-42 (Standort: USB Köln(38)-XE00036; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11615-010-0001-4)
INHALT: "Auf der Grundlage einer Analyse der namentlichen Abstimmungen im Reichstag der
Weimarer Republik werden dessen Dimensionalität sowie die Positionierung der einzelnen
Abgeordneten auf den ermittelten Dimensionen zwischen 1920 und 1932 analysiert. Basierend auf bisherigen Arbeiten zur Milieugebundenheit der Parteien der Weimarer Republik sowie theoretischen Ansätzen zur Dimensionalität des Abstimmungsverhaltens in Parlamenten
werden Erwartungen hinsichtlich der Anzahl sowie der inhaltlichen Beschaffenheit der Konfliktlinien innerhalb des Parlaments aufgestellt, die dann in einer Analyse der namentlichen
Abstimmungen, die auf Item-response-Modellen aufbaut, getestet werden. Die Ergebnisse
zeigen, dass zwei Dimensionen das Abstimmungsverhalten dominiert haben: Dies ist der von
wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen determinierte Links-Rechts-Konflikt einerseits sowie der Gegensatz zwischen Befürwortern und Gegnern der parlamentarisch-republikanischen Ordnung andererseits. Zudem können aktuelle zeithistorische Arbeiten, die einen Konflikt innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei thematisieren, auf der Grundlage der Positionen einzelner Abgeordneter dieser Partei bestätigt werden." (Autorenreferat)
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[71-L] Eichhorn, Joachim Samuel:
Durch alle Klippen hindurch zum Erfolg: die Regierungspraxis der ersten Großen Koalition
(1966-1969), (Studien zur Zeitgeschichte, Bd. 79), München: Oldenbourg 2009, 367 S., ISBN:
978-3-486-58944-3
INHALT: Die erste Große Koalition unter Kiesinger/Brandt(1966-1969) besitzt in Öffentlichkeit,
Publizistik und Forschung überwiegend den Ruf einer "Erfolgsstory". Die vorliegende Promotion untersucht die Regierungspraxis, Kommunikationskanäle und Kooperation der drei
Koalitionspartner CDU, CSU und SPD. Dabei bezieht der Autor nicht nur die Regierungsinstitutionen, sondern auch inoffizielle Gremien ein. Die Fallstudie gibt insgesamt einen Einblick das politisch-parlamentarische Getriebe der 1960 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. bestätigt weitgehend das positive Urteil über die Arbeit der Regierung Kiesinger/Brandt
und leistet zugleich einen Beitrag zur Frage nach der Funktionsfähigkeit politischer Bündnisse bzw. Koalitionen. Untersucht werden die Notstandsgesetzgebung, der Leber-Plan, die Finanzverfassungsreform sowie die Kambodscha-Kontroverse. Die ersten drei waren Gesetzgebungsprojekte, die als Hauptprobleme der Verfassungsreform gestaltete sich der Ausgleich
mit den Ländern als schwierig. Gerade die Notstandsgesetzgebung ist in der Geschichte der
Bundesrepublik das "interessanteste Fallbeispiel" für den Mechanismus politischer Willensbildung in der parlamentarischen Demokratie, besonders im Hinblick auf die Willensbildung
innerhalb und zwischen den Institutionen nächsten Jahre und deshalb als "große Fische" für
die Koalition galten. Diese Vorhaben repräsentieren außerdem unterschiedliche Aspekte der
Kompromissfindung. Bei der Notstandsgesetzgebung mussten Widerstände innerhalb der
SPD-Bundestagsfraktion überwunden werden, beim Leber-Plan Gegenmaßnahmen der CDU/
CSU und bei der Finanz.(ICA2)
[72-L] Grasl, Maximilian; Detzer, Sandra:
Das Grundgesetz im Wandel: die institutionelle Reformfähigkeit Deutschlands im
internationalen Vergleich, in: Uwe Wagschal (Hrsg.): Deutschland zwischen Reformstau und
Veränderung : ein Vergleich der Politik- und Handlungsfelder, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges.,
2009, S. 227-248
INHALT: In der Studie werden Theorieschulen der Staatstätigkeit verwendet, um sich den Einflussfaktoren von Verfassungsänderungen zu nähern. Neben den Institutionen als erklärende
Variable fließen auch die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, Parteien- und Machtkonstellationen sowie Globalisierungseinflüsse und Pfadabhängigkeiten ein. Bevor die Variablen
aber zu einem Erklärungsansatz zusammengefügt werden, werden die empirischen Befunde
zu Verfassungsänderungen in Deutschland vorgestellt und im internationalen Vergleich verortet werden. Als eine Ursache für den Reformstau wird in der Literatur das Grundgesetz thematisiert. Die Analyse zeigt, dass die Bundesrepublik ihre Verfassung vergleichsweise häufig
geändert hat und sogar leicht über dem Durchschnitt der konstitutionellen Anpassungen liegt.
Im Ergebnis zeigen die Korrelationsanalysen die Bedeutung zweier Faktoren: den Schwierigkeitsgrad von Verfassungsänderungen und den Umfang der Verfassung. Auch bei diesen beiden Faktoren liegt Deutschland im Mittelfeld der OECD-Länder. Es wird gezeigt, dass alle
anderen Faktoren der "Heidelberger Staatstätigkeitsschule" bei dieser abhängigen Variablen
ohne Erklärungsbeitrag blieben. (ICF2)
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[73-L] Hacke, Jens:
Die Bundesrepublik als Idee: zur Legitimationsbedürftigkeit politischer Ordnung, Hamburg:
Hamburger Ed. 2009, 129 S., ISBN: 978-3-86854-214-1
INHALT: Um die Problemlagen politischen Denkens in kondensierter Form zu vergegenwärtigen, setzt sich der Verfasser mit den nun schon fast als moderne Klassiker zu bezeichnenden
Theoretikern auseinander, die sich daranmachten, die Bestandsvoraussetzungen und Erhaltungsbedingungen der Bundesrepublik kritisch zu reflektieren. Bei der Selektivität der vorgenommenen Auswahl gilt die Vermutung, dass eine Beschäftigung mit den bundesrepublikanischen Perspektiven von Dolf Sternberger, Ralf Dahrendorf oder Jürgen Habermas nicht lediglich ideenhistorischen Wert hat, sondern auch in der Gegenwart wichtige Orientierungshilfen
bietet. Auch wenn sich in gewisser Weise Fortschritte erkennen lassen - fortschreitende Sensibilisierung im Hinblick auf soziale Chancengleichheit, die Gleichstellung der Geschlechter
oder multiethnische Toleranz sorgen für Aufmerksamkeitsvarianzen. Fragen, die erledigt
schienen, können wiederkehren, oder die politischen Hoffnungen fixieren ein neues Subjekt:
den Staat, die Gesellschaft, den aktiven Bürger. Unterschiedliche Konzeptionalisierungen des
Politischen können auf die Interventions- oder Steuerungsfähigkeit des Staates setzen, die
Selbstregulierungen innerhalb gesellschaftlicher Gruppen favorisieren oder das Engagement
und die Verantwortung des einzelnen Bürgers für zentral halten. Im Unterschied zu ihren Anfangsjahren scheint in der politischen Kultur der Bundesrepublik der Bürger wieder eine
wichtigere Rolle zu spielen. Nutzen die Advokaten bürgerlicher Eigenverantwortung den Begriff, nur um Entstaatlichung und ökonomischer Liberalisierung das Wort zu reden? Oder
handelt es sich hier vielmehr um eine zivilgesellschaftliche Öffnung, die Demokratisierungspotenziale erschließen soll? (ICF2)
[74-L] Hacke, Jens:
Zur Ideengeschichte des Liberalismus in der Bundesrepublik Deutschland, in: Vorgänge :
Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S. 4-12
(Standort: USB Köln(38)-XG2258; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Beitrag folgt den Spuren, die der Liberalismus in der Ideengeschichte der Bundesrepublik Deutschland hinterlassen hat. Sie sind tiefer, als es die Vorgeschichte und die öffentliche Wahrnehmung vermuten lassen. Der Ordoliberalismus Freiburger Provenienz lieferte
zunächst die Grundlage der sozialen Marktwirtschaft. Ralf Dahrendorf war dann der entschiedene Verfechter einer liberalen Gesellschaftsordnung, in der dem Staat eine aktive Rolle zukommt. Viele seiner liberalen Grundpositionen wurden von anderen Intellektuellen geteilt,
ohne dass diese sich dazu ausdrücklich bekannten. Der ideengeschichtliche Abriss zeigt, dass
es nicht nur aus begriffspolitischen Gründen ratsam ist, eine vorschnelle Identifizierung kapitalistischer Marktdoktrinäre mit der Sache des Liberalismus zu verhindern. Der Liberalismus
ist zu sehr allgemeine Grundlage allen westlichen Denkens und Handelns, als dass seine einseitige Vereinnahmung durch jene zuzulassen wäre, die ihn in die "geistige Einöde" führen.
Liberalismus geht nicht auf im Mantra von "Steuern senken" und "Leistung muss sich wieder
lohnen". Deshalb ist für den Autor eine normative Wiedergewinnung des Liberalismusbegriffs von theoretischer und praktischer Warte nicht nur zu begrüßen, sondern unbedingt notwendig. (ICA2)
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[75-L] Helms, Ludger:
Modelldemokratie im Gegenwind?: die Bundesrepublik Deutschland in der vergleichenden
Politikwissenschaft, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 207-221 (Standort:
USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Bundesrepublik Deutschland gehört nicht nur zu jenen demokratischen Systemen,
die sich als politisch stabil und weithin erfolgreich erwiesen haben. Tatsächlich hat die deutsche Nachkriegsdemokratie während der vergangenen Jahrzehnte vielen anderen Ländern in
unterschiedlichen Bereichen geradezu als Vorbild gedient und eine prominente Position in der
internationalen Komparatistik erlangt. Modellhafte Züge entfaltete in den vergangenen Jahrzehnten vor allem das hohe Maß an institutioneller Gewaltenteilung und Gewaltenkontrolle,
welches das deutsche Regierungssystem kennzeichnet. Während dieser Aspekt in der Politik
und im politischen Journalismus mittlerweile zum Anstoß weitreichender Kritik geworden ist,
tendiert die internationale Demokratieforschung dazu, konsensusdemokratisch geprägte Systeme im Stile der Bundesrepublik als strukturell überlegen zu betrachten." (Autorenreferat)
[76-F] Kesselmann, Sarah (Bearbeitung):
Republikschutz und Staatsschutz: die Verteidigung des demokratischen Rechtsstaates im 20.
Jahrhundert. Ein Vergleich zwischen den Auseinandersetzungen um eine Republikschutzgesetzgebung in der Weimarer Republik und den Bemühungen um Republikschutz in der
Bundesrepublik Deutschland
INHALT: In der Arbeit soll diachron der Frage nachgegangen werden, wie in zwei Entwicklungsphasen der Demokratie in Deutschland nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, der
Weimarer Republik und der Bundesrepublik Deutschland der Notstand der Demokratie definiert wurde, welche Abwehrmaßnahmen entwickelt wurden, wie das Volk als Souverän diskursiv und politisch reagiert hat und welche Rückwirkungen dieser Prozess und die Maßnahmen auf die Demokratie hatten. Der angestrebte Vergleich kann nicht nur auf der Ebene der
Rekonstruktion von Verfassungsfragen durchgeführt werden und auf der Ebene des Vergleiches des jeweiligen gesellschaftlichen Diskurses, sondern auch auf der Ebene der Staatstheorie. Die Beachtung des Prozesshaften der historischen Vorgänge bei der Etablierung und Sicherung des modernen Verfassungsstaates im 20. Jahrhundert ermöglicht zugleich die Schärfung des Blickes für diese Interdependenzen. Die Problematik des Republikschutzes ist sowohl von Handeln und Wirken von Individuen als auch von interaktionistischen gesellschaftlichen Prozessen bedingt. Dies zeigt sich nicht zuletzt beispielhaft am Komplex des Republikschutzgesetzes in der Weimarer Republik selbst. Dieses ist kein statisches Konstrukt, sondern
umfasst eine komplexe und schwierige Rechtsmaterie, die von 1922 bis 1932 reicht. Komplexe Interaktionen kann man ebenso für die BRD seit Gründung bis heute nachweisen, ohne
dass ein Ende absehbar ist. ZEITRAUM: 20. Jahrhundert GEOGRAPHISCHER RAUM:
Deutschland
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium für
Bildung und Forschung; Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology
-BGHS- (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected] )
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[77-L] Kranenpohl, Uwe:
Als die Volkskammer (fast) zum Parlament wurde: "sozialistischer Parlamentarismus" in
der DDR 1989/90, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 121-142 (Standort:
USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Nach dem Zusammenbruch der SED-Herrschaft im Herbst 1989 eröffnete sich für die
'sozialistische Vertretungskörperschaft' Volkskammer die Möglichkeit, jene Parlamentsfunktionen wahrzunehmen, die ihr zuvor lediglich pro forma zugesprochen wurden. Tatsächlich
lässt sich feststellen, dass die Kammer in den wenigen Sitzungen bis zu ihrer vorzeitigen Auflösung in allen Funktionsbereichen (Wahl bzw. Kreation, Kontrolle, Gesetzgebung, Kommunikation sowie Repräsentation) - zum Teil beachtliche - Aktivitäten entwickelte. Eine große
Belastung stellte allerdings die mangelnde demokratische Legitimation der 1986 noch auf
Einheitslisten 'gewählten' Abgeordneten dar. Insbesondere nach Etablierung des Zentralen
Runden Tischs geriet die Volkskammer gegenüber diesem deutlich ins Hintertreffen - versammelte sich an ihm doch ein deutlich repräsentativeres Abbild der DDR-Gesellschaft.
Auch dieser Fall verdeutlicht, dass undemokratische Vertretungskörperschaften in politischen
Krisen wichtige Gelegenheitsstrukturen für die Liberalisierung und Demokratisierung autokratischer Systeme bieten können." (Autorenreferat)
[78-L] Kronenberg, Volker:
"Vaterland Bundesrepublik" - Verfassung, Nation und Patriotismus im deutschen
Nachkriegsdiskurs, in: Manfred Funke (Adressat) ; Karl Dietrich Bracher (Hrsg.) ; Hans-Adolf
Jacobsen (Hrsg.) ; Volker Kronenberg (Hrsg.) ; Oliver Spatz (Hrsg.): Politik, Geschichte und
Kultur : Wissenschaft in Verantwortung für die res publica ; Festschrift für Manfred Funke zum
70. Geburtstag, Bonn: Bouvier, 2009, S. 359-369
INHALT: "Das Land, das viele BRD nannten und nun für die meisten wieder Deutschland heißt manche nennen es auch die "Berliner Republik" -, gehört zu den privilegiertesten, schönsten,
wohlhabendsten und, ja, glücklichsten Flecken dieser Erde" - eine Hommage an Deutschland,
gehalten in einem patriotischen Ton. Eine Hommage aus der Feder Reinhard Mohrs, einem
Vertreter der jüngeren linksliberalen Intellektuellengeneration. Noch wenige Jahre zuvor
meinte Maxim Biller, wer über Deutschland räsoniere, wer es intellektuell bestimmen und somit auch feiern und konstituieren wolle, werde jedesmal als Brandstifter und Mörder enden.
Wie kommt es zu diesem Wahrnehmungswandel? Wieso wirkt Billers Verdikt heute so anachronistisch? Was sind die Gründe dafür, dass heute von unerwarteter Seite positive
"Deutschlandgefühle" gezeigt, dass ein "Patriotismus von links" gefordert und die Bundesrepublik bzw. die "Berliner Republik" als "Vaterland" entdeckt wird? Der Autor versucht diese
Fragen mit Blick auf Verfassung, Nation und Patriotismus im (west-)deutschen Nachkriegsdiskurs zu beantworten. (ICI2)
[79-F] Kypta, Martin, M.A. (Bearbeitung); Kauffmann, Clemens, Prof.Dr. (Betreuung):
Der Begriff der Demokratie und seine Hegemonie in der Bundesrepublik Deutschland
INHALT: Ziel und Interesse der Arbeit ist es, die herausragende Stellung des Begriffs der Demokratie als Bezeichnung für politische (und soziale) Ordnungen zu analysieren. Das Dissertationsprojekt geht von der Annahme aus, dass das Wort "Demokratie" in öffentlichen Debatten
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der Bundesrepublik Deutschland (und anderen Ländern) immer positiv konnotiert war und ist.
Die Wörter "Demokratie" und "demokratisch" haben eine starke legitimatorische Kraft. Wer
gehört und als öffentlicher Gesprächspartner ernst genommen werden möchte, muss die "Demokratie" bejahen. Diese hegemoniale Stellung überrascht, weil der Begriff vor 1945 keineswegs diese Stellung inne hatte und weil nicht klar ist, was "Demokratie" eigentlich bedeutet.
Das Dissertationsprojekt gliedert sich in zwei Teile. In einem ersten Schritt soll anhand einer
Diskursanalyse, die vor allem an die Theorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, anschließt, offen gelegt werden, wie sich die Hegemonie des Begriffs "Demokratie" in der BRD
seit 1945 etabliert und verfestigt hat. Hierzu sollen Texte von vornehmlich drei historisch relevanten Debatten untersucht werden: die Diskussion um den Demokratie-Begriff im Grundgesetz des jungen deutschen Staates, die Demokratisierungs-Debatte in den späten 60er und
frühen 70er Jahren sowie die öffentlichen Reaktionen auf Wahlerfolge von rechtsextremen
Parteien, vor allem in den 80er Jahren. Ein zweiter, kulturhermeneutischer Schritt, stellt die
Frage, welche Bedeutung die hegemoniale Stellung des Wortes "Demokratie" für die politische Kultur Deutschlands hat. Hier sollen das erarbeitete diskursive Feld interpretiert und Bedeutungen herausgearbeitet werden. Eine Zielfrage ist, ob das spezielle Wort "Demokratie"
konstitutiv für die Debatten ist oder ob die Verwendung dieses speziellen Ausdrucks rein zufällig und wirkungslos ist. Warum sprechen etwa einige Gruppen Anfang der 70er Jahre von
einer paradoxen "Demokratisierung der Demokratie"? GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Institut für Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II (Kochstr.
4, 91054 Erlangen); Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich
Theologie, Bayerisches Promotionskolleg Politische Theorie (Postfach , 91054 Erlangen)
KONTAKT: Lehrstuhl -Sekretariat- (Tel. 09131-85-29371, Fax: 09131-85-22371,
e-mail: [email protected])
[80-L] Lorenz, Astrid; Reutter, Werner (Hrsg.):
Ordnung und Wandel als Herausforderungen für Staat und Gesellschaft: Festschrift für
Gert-Joachim Glaeßner, Opladen: B. Budrich 2009, 466 S., ISBN: 978-3-86649-286-8
INHALT: "Politische Ordnungen sind nur dann dauerhaft stabil, wenn sie inneren und äußeren
Wandel angemessen verarbeiten. Die Beiträge dieses Bandes untersuchen diesen Zusammenhang. Sie analysieren Ordnung und Wandel in der DDR, in der Bundesrepublik Deutschland
und unter den Bedingungen entgrenzter Staatlichkeit. Die fundamentale Aufgabenbeschreibung der angemessenen Verarbeitung inneren und äußeren Wandels ist gerade für demokratische Systeme in hohem Maße voraussetzungsvoll: Sie bedeutet nicht nur, dass der Staat gesellschaftliche Entwicklung intervenierend gestalten muss. Vielmehr müssen auch Deutungsrahmen und Institutionen den sich wandelnden gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechen,
flexibel sein oder Flexibilität zulassen, ohne die normativen Grundlagen demokratischer
Herrschaft in Frage zu stellen. Ordnung und Wandel sind daher untrennbar miteinander verbunden; im Gegensatz zur verbreiteten Auffassungen bedingen und ergänzen sie sich gegenseitig. Die Beiträge dieses Bandes untersuchen diese Zusammenhänge. Sie befassen sich mit
einschlägigen ideengeschichtlichen und politikwissenschaftlichen Debatten, analysieren Ordnung und Wandel in der DDR, in der Bundesrepublik Deutschland und unter den Bedingungen entgrenzter Staatlichkeit. Dabei konzentrieren sie sich auf die Nachkriegsentwicklungen
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beider deutscher Staaten, klopfen Kerninstitutionen des politischen Systems darauf ab, ob und
wie diese Ordnung garantieren und Wandel verarbeiten, und analysieren aktuelle Entwicklungen in verschiedenen Politikfeldern." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Astrid Lorenz,
Werner Reutter: Ordnung und Wandel als Herausforderungen für Staat und Gesellschaft Einleitung (9-23); Ordnung und Wandel: Theoretische Grundlegungen: Wilhelm Bleek: Politikwissenschaft als Reformwissenschaft (27-47); Herfried Münkler: Die Mitte im Widerstreit:
Konzentrische, exzentrische, zyklische und dialektische Modelle für die Sicherung der Mitte
in der Geschichte des politischen Denkens (49-83); Eckhard Schröter: Verwaltungsreform
und politische Ordnung: Management- und Demokratietheorien im kritischen Dialog (85109); Gerd Göckenjan: Konstruktion und Wandel sozialer Normen: Die "Erfindung" der
Großmutter im 19. Jahrhundert (111-126); Ordnung und Wandel in der Deutschen Demokratischen Republik: Dieter Segert: Intelligenz und Macht: Der Beitrag der intellektuellen
Dienstklasse zu Stabilität und Wandel in der DDR (129-147); Ian Wallace: Ordnung und
Wandel im politisch-kulturellen Diskurs der DDR (149-166); Hildegard Maria Nickel: Paternalistische Gleichberechtigungspolitik und weibliche Emanzipation - Geschlechterpolitik in
der DDR (167-183); Ordnung und Wandel des politischen Systems der Bundesrepublik
Deutschland: Henry Krisch: Nationale Identität (187-204); Astrid Lorenz: Ordnung und Wandel des Grundgesetzes als Ergebnis des Wechselspiels von Politik und Recht (205-232); Werner Reutter: Parteien, Parteiensystem(e) und Demokratie im Bundesstaat (233-253); Wenke
Seemann: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Deutschland im Dauerwahlkampf? (255-278); Silvia von Steinsdorff: Das Verfahren zur Rekrutierung der Bundesverfassungsrichter: Reformbedürftige Schwachstelle eines Grundpfeilers der politischen Ordnung? (279-304); Der Nationalstaat unter Stress: Reaktionen auf geopolitische Veränderungen, Globalisierung, europäische Integration: Peter H. Merkl: "Was bleibt"? - Deutsch-amerikanische Beziehungen und
die Vereinigung (307-321); August Pradetto: Deutsche Außenpolitik zwischen Transatlantizismus und Europäisierung (323-347); Sebastian Bukow: Die neue deutsche Sicherheitsarchitektur: Wandel und Entwicklung der inneren Sicherheit in Deutschland im europäischen Kontext (349-370); Michael Maier-Borst: Zuwanderungspolitik in Deutschland unter der rot-grünen Bundesregierung - Zeitenwende oder Kontinuität? (371-397); Mechthild Baumann: Der
entgrenzte Staat? Vom deutschen zum europäischen Grenzschutz (399-420); Martin Nagelschmidt: Die Hochschulpolitik der Bundesrepublik im Wandel (421-443); Claudia-Yvette
Matthes: Anpassung im Wandel - Transformation und Europäisierung der (post-)sozialistischen Wohlfahrtsstaaten (445-463).
[81-L] Notthoff, Thomas:
Der Staat als 'geistige Wirklichkeit': der philosophisch-anthropologische Aspekt des
Verfassungsdenkens Rudolf Smends, (Beiträge zur Politischen Wissenschaft, 152), Berlin:
Duncker & Humblot 2008, 374 S., ISBN: 978-3-428-12873-0
INHALT: Die Auseinandersetzung mit den "Großen Vier" der Weimarer/Wiener Staatslehre
(Kelsen, Schmitt, Smend, Heller) reißt nicht ab. Notthoff kritisiert die Dominanz der funktionalistisch-institutionstheoretischen Rezeptionsweise Smends. Diese habe "keinen Sinn für das
Aufspüren der dem historischen Kontext des Smend'schen Staats- und Verfassungsverständnisses zugehörigen Welt- und Menschenbildern und bleibt somit in der Nähe des politologischen Technizismus und Begriffsrealismus" (52). Vor diesem Hintergrund rekonstruiert er
zunächst werkschronologisch die Integrationslehre, um dann im "Amtsgedanken" u. a. bei
Hennis, Köttgen, Scheuner, Landshut und auch Böckenförde "Fortführungen" der Smend'-
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schen Lehre aufzuzeigen. Schließlich wird diese in der Politikwissenschaft verortet, insbesondere anhand der Auseinandersetzung Smends mit Weber, aber auch mit Kelsen. Insofern ist
das Werk Smends - und dem ist zuzustimmen - im kulturkritischen Kontext eines paradigmatischen Kampfes um die Moderne in der Zwischenkriegszeit zu begreifen. Notthoff trägt daher hier zu einem vertieften Verständnis von Smend bei. Gleichwohl muss die vom Autor beabsichtigte "platonische", normative "Revitalisierung" gerade mit Blick auf die im deutschen
Staatsdenken vorherrschenden Traditionsbestände ("Gemeinschaft"; substanzialistischer
Staatsbegriff, "Souveränität" usw.) kritisch betrachtet werden. (ZPol, NOMOS)
[82-L] Peters, Gunnar:
Das ungeschriebene amtliche Handbuch der 10. Volkskammer der DDR 1990, in: Zeitschrift
für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 142-146 (Standort: USB Köln(38)-XF148; Kopie über
den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Am 18. März 1990 demokratisch gewählt, löste sich die 10. Volkskammer der DDR
am 2. Oktober 1990 auf, ohne dass ein amtliches Handbuch mit persönlichen Angaben zu allen Abgeordneten erschienen war. Entscheidend dafür waren nach der bisherigen Forschung
die schnelle Wiedervereinigung und Kostengründe. Ein Blick in die Akten zeigt jedoch, dass
die Abgeordneten selbst das Erscheinen des Handbuches verhindert haben. Eine erhebliche
Zahl von ihnen lieferte die erforderlichen persönlichen Angaben nicht rechtzeitig zum geplanten Redaktionsschluss (30. Mai 1990). Welche Ursachen hierfür im Einzelfall verantwortlich
waren, ist schwer festzustellen. Die Bemühungen, ein Handbuch zu veröffentlichen, hielten
jedenfalls an und wurden erst Ende Juli 1990 wegen zwischenzeitlich steigender Kosten und
eines zu späten Fertigstellungstermins begraben. Aus den gleichen Gründen scheiterte eine
ergänzte Auflage des im Mai 1990 erschienenen Mitgliederverzeichnisses, die man als Ersatz
erwogen hatte." (Autorenreferat)
[83-F] Petersen, Andreas, Dr.; Schulze Heuling, Dagmar (Bearbeitung); Schroeder, Klaus,
Prof.Dr.; Staadt, Jochen, Dr. (Leitung):
Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit auf die West-Berliner Polizei
INHALT: Die Stasi-Enthüllungen um den Polizeikommissar Karl-Heinz Kurras, der im Juni 1967
den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, hat der Polizeipräsident in Berlin zum Anlass genommen, nun im größeren Zusammenhang die Einflussnahme des MfS auf die West-Berliner
Polizei in den Jahren der Teilung vom Forschungsverbund systematisch untersuchen zu lassen.
ART: gefördert BEGINN: 2009-01 ENDE: 2010-12 FINANZIERER: Institution; Polizeipräsident
in Berlin
INSTITUTION: Freie Universität Berlin, Forschungsverbund SED-Staat (Koserstr. 21, 14195
Berlin)
KONTAKT: Institution, Sekretariat (Tel. 030-838-52091, e-mail: [email protected])
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[84-L] Porsche-Ludwig, Markus:
Demokratie als Lebensform: zum politischen System Deutschlands - ein Lehr- und
Studienbuch, (Neue Wege der Demokratie, Bd. 4), Wien: Lit Verl. 2009, 224 S., ISBN: 978-3643-90012-8
INHALT: Das grundlegende Verständnis von Politikwissenschaft besteht dem Autor zufolge darin, Orientierungswissen für die Gegenwart bereit zu stellen. Insofern verfolgt sein Buch eine
Wiederbesinnung im ursprünglichen Sinne und versucht zu zeigen, dass Politik nichts "Aufgesetztes", Künstliches oder ein Gebiet nur für Fachleute/Experten oder "korrupte Machthaber" ist. Wenn man die Zusammenhänge der Demokratie als Lebensform erkennt, kann auch
das Grundgesetz seine dringend erforderliche Kraft wieder zurück gewinnen und das politische System kann wieder durchschaubar gemacht werden. Viele Probleme innerhalb des politischen Systems existieren nach Meinung des Autors nur, weil dieser Bezug des Bürgers zu
ihm verloren gegangen ist. Im ersten Teil des Buches wird Grundlagenwissen vermittelt und
politisch-philosophische Zusammenhänge werden dargestellt, um wieder ein Bewusstsein für
den Bürger und den Wissenschaftler zu gewinnen. Im zweiten Teil werden unter anderem folgende Themen behandelt: Naturrecht, Moral und Politik, Erziehung und Bildung, (Nat)Urrecht und Positives Recht, Wirtschaftspolitik, Government und Governance, Monadologie
und Governance, Staatstheorie und Governance. Der Anhang des Buches enthält eine Auswahlbibliografie zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland. (ICI)
[85-L] Pott, Benedikt:
Liebesheirat oder Zwangsehe?: die Regierungsbildungen zwischen CDU/CSU und SPD 1966
und 2005 - ein politikwissenschaftlicher Vergleich, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2008,
97 S., ISBN: 978-3-8364-5730-9
INHALT: Der Autor untersucht den Entstehungsprozess der beiden Großen Koalitionen in der
Bundesrepublik in den Jahren 1966 und 2005. Ziel seiner Arbeit ist es, mit Hilfe eines direkten Vergleichs der Verhandlungen, die konkreten Unterschiede der beiden politischen Prozesse herauszuarbeiten. In der Einleitung werden zunächst zentrale Begrifflichkeiten und das
theoretische Instrumentarium der Arbeit erörtert. Darüber hinaus werden die verschiedenen
Koalitionstheorien diskutiert, um eine Grundlage für deren spätere Anwendung zu bilden. Im
zweiten und dritten Kapitel werden die Entstehungsprozesse der beiden Koalitionen von 1966
und 2005 genauer analysiert. Dabei wird darauf hingewiesen, dass das politische und soziale
Umfeld der Regierungsbildung im Falle 1966 in der Forschung weitaus besser erschlossen ist,
als das der Gegenwart. Die Entstehung der Koalition von 2005 entbehrt einer solchen historischen und politologischen Erschließung bisher ob der zeitlichen Nähe, deshalb mag die Darstellung der Einzelfälle nicht synchron erscheinen. Den Kern der Arbeit bildet im vierten Kapitel ein Vergleich der beiden Verhandlungsprozesse von 1966 und 2005. Die zuvor erarbeiteten Vergleichsmittel wie z. B. Dauer, Teilnehmer, die Frage um Durchsetzung von Sachthemen usw. werden hier direkt gegenübergestellt. Ein weiterer Schritt stellt der Versuch dar, die
erarbeiteten Koalitionstheorien auf die Sonderfälle von 1966 und 2005 anzuwenden. (ICI2)
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[86-L] Preuß, Ulrich K.:
German unification: expectations and outcomes, (Hertie School of Governance - working
papers, No. 48), Berlin 2009, 19 S. (Graue Literatur;
www.hertie-school.org/binaries/addon/1554_wp48.pdf)
INHALT: Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 stellt eine historische Zäsur dar und
markierte das Ende des Kalten Krieges. In diesem Kontext bedeutet die deutsche Wiedervereinigung eine Normalisierung der Situation, wie sie mehr als 40 Jahre angehalten hatte. Die
Bürger der DDR wünschten sich Demokratie und Freiheit, so dass die Wiedervereinigung
ganz oben auf der Agenda stand. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit drei Aspekten der
Wiedervereinigung. Erstens dem institutionellen Paradigma (fand die Wiedervereinigung auf
der Grundlage eines neuen sozialen Vertrages zwischen den Menschen der Staaten statt oder
basierte sie auf dem gemeinsamen Gefühl der Zugehörigkeit zu einer deutschen Nation).
Zweitens wird das Spannungsverhältnis zwischen einer supranationalen Integration und der
deutschen Wiedervereinigung unter Bezugnahme auf das Grundgesetz beleuchtet. Drittens
wird das Problem der transnationalen Justiz im Zusammenhang postsozialistischer Staaten
diskutiert. (ICD)
[87-F] Richter, Hedwig, Dr. (Bearbeitung):
Anthropologie der Gleichheit. Die Ausbreitung der Gleichheit - untersucht anhand der
Wahlen im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und den USA
INHALT: Wie setzte sich Gleichheit als weithin geachtete Norm durch, so dass sie heute als ein
zentrales Menschenrecht gilt? Wer betrieb ihre Verbreitung? Wie erlernten die Akteure die
Praxis der Gleichheit, was hielt sie davon ab? War die Idee oder die Praxis oder irgendein
partikulares Interesse die treibende Kraft für die Expansion? Diese Fragen untersucht Hedwig
Richter anhand politischer Wahlen im 19. und 20. Jahrhundert. Denn die Wahlen und das
Wahlrecht standen im Zentrum, wenn es politisch um die Konkretisierung von Gleichheit
ging. Das Projekt will den konventionellen ideen- und verfassungsgeschichtlichen Zugriff
nicht außen vor lassen, jedoch den Schwerpunkt auf einen kulturanthropologischen Ansatz legen. Dabei soll eine Kulturgeschichte der Wahlen entfaltet werden. Der Weg der "Gleichheit"
soll vergleichend für die USA und für Deutschland untersucht werden, da die USA als das
Mutterland der Menschenrechte und Demokratie gilt, während Deutschland im 19. Jahrhundert zwar ein ausgesprochen fortschrittliches Wahlrecht aufwies, im 20. Jahrhundert aber
gleich von zwei Diktaturen geprägt wurde. Hedwig Richter fragt nach Funktionen von
Wahlen, nach Wahltraditionen, nach den Interessen der Eliten, nach den Weltbildern der Akteure, nach der Eigen-Dynamik von gleichen und fairen Wahlen, nach Blockaden und Rückschlägen für die Gleichheit und nach der Rolle, die Gewalt bei der Ausbreitung gleicher
Wahlen spielte. ZEITRAUM: 19. und 20. Jahrhundert GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland, USA
ART: gefördert BEGINN: 2009-01 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium
für Bildung und Forschung; Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology
-BGHS- (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0521-106-6519, e-mail: [email protected])
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[88-L] Schiller, Theo:
Der kurze Sommer des sozialen Liberalismus: ein Rückblick auf die Freiburger Thesen, in:
Vorgänge : Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S.
69-77 (Standort: USB Köln(38)-XG2258; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Die sozial-liberale Reformzeit der FDP lag zwischen dem Freiburger Parteitag 1968
und dem Kieler Parteitag von 1977. In dieser Zeit wurden neue Ideen entwickelt und in die
Programmatik der Partei aufgenommen, etwas davon auch in die praktische Politik. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markierten zweifellos die Freiburger Thesen von 1971, doch war
das Themenspektrum breiter. Gleichzeitig blieben aber auch die traditionellen Werte und Interessen, vor allem die wirtschaftspolitische Interessenvertretung für Selbständige wie für
Großunternehmen, für Programmaussagen und Praxis wirksam. Der vorliegende Beitrag resümiert und kommentiert die zentralen Themen des Freiburger Programms, die Werner Maihofer, der Vorsitzende der Kommission, so zusammenfasste: Menschenwürde durch Selbstbestimmung, Fortschritt durch Vernunft, Demokratisierung der Gesellschaft und Reform des
Kapitalismus. Schon Karl-Hermann Flach konzentrierte 1963 seine liberalen Reformideen
vor allem auf die Gesellschaftspolitik. Er legte mit seiner Streitschrift "Noch eine Chance für
die Liberalen" von 1971 die Grundlagen für ein liberales Reformprogramm in einer Zeit, als
das gesellschaftliche Klima zwischen revolutionärer Kapitalismuskritik und gesellschaftlicher
Erstarrung polarisiert war. Damit gab er entscheidende Impulse für die Programmkommission, in der er mit Maihofer, Bangemann, Graf Lambsdorff, Lüder und anderen die Freiburger
Thesen von 1971 vorbereitete. (ICA2)
[89-L] Schirmer, Roland:
Die letzte Volkskammer der DDR: ein Parlament ohne Zeit?, in: Werner J. Patzelt (Hrsg.) ;
Stephan Dreischer (Hrsg.): Parlamente und ihre Zeit : Zeitstrukturen als Machtpotentiale, BadenBaden: Nomos Verl.-Ges., 2009, S. 123-155
INHALT: Die 10. Volkskammer der DDR befand sich im Jahr 1990 in einer äußerst intensiven
institutionellen Transformation von einer sozialistischen Vertretungskörperschaft hin zu einem freiheitlichen Parlament, die darüber hinaus in die Abwicklung eines realsozialistischen
Staatsgefüges und in dessen Eingliederung in einen bestehenden demokratischen Föderalstaat
eingelagert war. Sie war insgesamt mit zahlreichen fundamentalen und auch widersprüchlichen Herausforderungen konfrontiert, so dass eine parlamentarische Arbeit mit traditionellen
Zeitstrukturen und Zeitabläufen unmöglich erschien. Die 10. Volkskammer erwies sich somit
als Extremfall parlamentarischer Wirklichkeit, dessen Analyse gerade deshalb aufschlussreiche Erkenntnisse über Parlamente und ihre Zeit verspricht. In der vorliegenden Studie wird
gezeigt, dass es sich um ein Parlament mit geringen Ressourcen, fehlender Eigengeschichte
und schwindender politischer Souveränität bzw. Autorität handelte, das zunehmend von externen Kräften der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst und gesteuert wurde. Unter derart
außergewöhnlichen Bedingungen verlief auch das Zeitmanagement in einer für demokratische Parlamente untypischen Weise. Untersucht werden die zyklischen und linearen Elemente
der parlamentarischen Eigenzeit, die Zeitorganisation und Zeitplanung sowie das Bemühen
um Beschleunigung und Entschleunigung in der 10. Volkskammer der DDR. (ICI2)
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[90-L] Schoch, Bruno:
Mit Ideologie allein war kein Staat zu machen: vom Scheitern des sozialistischen deutschen
Nationalbewusstseins in der DDR, in: Egbert Jahn (Hrsg.): Nationalismus im spät- und
postkommunistischen Europa : Bd. 1, Der gescheiterte Nationalismus der multi- und teilnationalen
Staaten, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2008, S. 299-321
INHALT: Seit dem 19. Jahrhundert spielen Erziehung in Volksschule und Militär, nationale Geschichtsschreibung, Symbolisierungen, Inszenierungen und Emotionalisierungen eine für das
Alltagsbewusstsein kaum zu überschätzende Rolle. Im Kontext neuerer kritischer Forschungen über Symbole, Ikonen, nationale Gedächtnisorte und die "Erfindung von Tradition" muten die angestrengten Bemühungen der SED und DDR um eine eigenständige Nation weniger
skandalös an, als ein großer Teil der westdeutschen Fachliteratur zur DDR meinte. Warum
war ihnen kein Erfolg beschieden? Auf der Ebene der Ideologie konterkarierten zwei handfeste Gegentendenzen die Staatsnation DDR. Gegen jene drohende Rückkehr des Kalten
Krieges, die mit dem NATO-Doppelbeschluss, der sowjetischen Intervention in Afghanistan
und Präsident Reagans "Reich des Bösen" einherging, formierten die beiden deutschen Staaten in den 1980er Jahren über die Systemgrenze hinweg rhetorisch eine "Koalition der Vernunft". Honecker betonte gerne, aus der Geschichte erwachse eine besondere deutsch-deutsche "Verantwortungsgemeinschaft" für den Frieden. Die Politik der "Schadensbegrenzung"
bekam unverkennbar einen nationalen Akzent. Dazu gehörten Reiseerleichterungen und
deutsch-deutsche Städtepartnerschaften, der schon 1984 geplante, von Moskau unterbundene
Staatsbesuch Honeckers in der Bundesrepublik, aber auch das von SED und SPD gemeinsam
verfasste Papier "Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit". Die für Entspannung, Frieden und Abrüstung beschworenen gesamtdeutschen Gemeinsamkeiten haben die
Doktrin von der systemisch konstituierten DDR-Nation, mit der bundesdeutschen angeblich
so inkompatibel wie "Feuer" und "Wasser", aufgeweicht. (ICF2)
[91-F] Schulze, Detlef Georgia, Dr.phil.; Wolf, Frieder Otto, Prof.Dr.; Giron Reguera, Emilia,
Prof.Dr.; Roldan Barbero, Horacio, Prof.Dr. (Bearbeitung); Berghahn, Sabine, PD Dr. (Leitung):
Der Rechtsstaat in Deutschland und Spanien - Politisierung des Rechts und Entpolitisierung
der Politik, am Beispiel der staatlichen Reaktionen auf den bewaffneten Kampf der RAF
und der GRAPO/ PCE(r)
INHALT: Ausgehend von der Prämisse, dass das "RechtsSTAATS"-Konzept ein Bestandteil des
"deutschen Sonderweges" sei, war das Projekt darauf ausgerichtet, sich mit der Bedeutung
des Rechtsstaats-Konzeptes für die Verrechtlichung und Ent-Politisierung des in der Bundesrepublik von der Roten Armee Fraktion (RAF) und in Spanien von den Antifaschistischen
Widerstandsgruppen - 1. Oktober (GRAPO) geführten bewaffneten Kampfes zu beschäftigen.
Das Konzept des "deutschen Sonderwegs", war im ursprünglichen Projekt-Konzept noch als
'selbstverständlich' zugrundegelegt worden war, doch zeigte sich in der ersten Phase des Projektes - auch aufgrund der v.a. in der Geschichtswissenschaften geführten kritischen Diskussionen zum Konzept -, dass es notwendig war, die Prämisse des Projektes zu überprüfen sowie viel grundsätzlicher anzusetzen und zu fragen: Gab es eine Besonderheit oder Spezifität
der deutschen und spanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert und welche Rolle spielten diese etwaigen Besonderheiten für Entstehung und Entwicklung des Rechtsstaats-Konzeptes in diesen beiden Ländern. Dieses Problem wurde in dem aus zwei Teilbänden bestehenden
Sammelwerk internationaler AutorInnen "Rechtsstaat statt Revolution, Verrechtlichung statt
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Demokratie? Transdisziplinäre Analysen zum deutschen und spanischen Weg in die Moderne" bearbeitet. Das Thema Verrechtlichung und Entpolitisierung war Thema des Sammelbandes "Politisierung und Ent-Politisierung als performative Praxis". Das Thema der staatlichen
Terrorismus-Bekämpfung verfolge der/ die ProjektbearbeiterIn in dem Nachfolgeprojekt
"Verfassungsrechtliche Bedenken überflüssig? - Die Organisationsdelikte der Paragrafen 129,
129a StGB und ihre europarechtlichen Grundlagen" weiter. 2008 erschien bereits seitens des
Kooperationspartners an der Universität Córdoba, Horacio Roldán Barbero, das Buch "Los
GRAPO. Un estudio criminológico". Die deutsche Übersetzung eines Aufsatzes von Horacio
Roldán Barbero und Annaïck Fernández Le Gal, der auf einem Kapitel des genannten Buches
aufbaut, erscheint in "Rechtsstaat statt Revolution". ZEITRAUM: v.a. 19. und 20. Jh. GEOGRAPHISCHER RAUM: v.a. Bundesrepublik Deutschland, Spanien
METHODE: Hinsichtlich des Sonderweges wurde gefragt, ob sich die Spezifika und Ähnlichkeiten der jeweiligen nationalen (Rechts)-Geschichten (z.B. im Falle Deutschlands und Spaniens
das Konzept sog. "materieller", anti-parlamentarischer Rechtsstaatlichkeit) in einer Weise
analysieren lassen, die den impliziten modernisierungstheoretischen Normativismus der Sonderwegs-These hinter sich lässt, ohne allerdings den Anspruch an die Erklärbarkeit historischer Abläufe aufzugeben, sondern vielmehr mit dem Ziel, ihn zu stärken. Zugleich wurde
gefragt werden, ob sich relevante "Familienähnlichkeiten" (Wittgenstein) bzw. "Familiendifferenzen' zwischen dem deutschen und spanischen "Weg' einerseits und dem angelsächsischen und französischen 'Weg' andererseits feststellen lassen. Am Begriff des "Weges' (wenn
auch ohne Entgegensetzung von "Norm' und "Ausnahme') festzuhalten, bedeutet dabei, Geschichte nicht erneut in neo-historizistischer Manier in bloße "Ereignisse' aufzulösen. Des
Weiteren wurde diskutiert werden, ob es möglich ist, die Debatte über Verrechtlichung und
Ent-Politisierung von einem gewissen Essentialismus, der ihr bisher oft inhärent ist, zu befreien. Bestimmte Themen oder Konflikte sind - so die Hypothese - nicht von Natur aus' rechtlich, politisch, privat etc. Folglich erscheint es wenig angebracht, Verrechtlichung nach dem
Vorbild von Habermas' Kolonialisierungs-These als Übergriff "DES Systems" auf "DIE Lebenswelt" zu interpretieren. Auch die in linken und feministischen politischen Diskussionen
der 70er Jahre aufgestellte These, "Das Private ist Politisch" sollte in diesem Zusammenhang
als das erkannt werden, was sie war: Keine Wesens-Aussage des Inhalts, 'Eigentlich ist das
wahre Wesen des Privaten politisch', sondern ein performativer Sprechakt des Inhalts, 'Das
Private soll politisch WERDEN'. Denn die Ent-Politisierung der Familie als "privat" ist kein
bloßer Schein, sondern eine wirkungsmächtige Realität. Es soll also gefragt werden, mit welchen performativen Akten (die nicht nur Sprechakte umfassen) der rechtliche, politische, private etc. Charakter von Themen und Konflikten HERGESTELLT wird. Die Verknüpfung
zwischen dem Thema der Verrechtlichung, des Rechtsstaats und des "Sonderwegs" wird dabei in folgendem gesehen: Die deutsche und spanische Diskussion über Verrechtlichung und
Ent-Politisierung, die sicherlich nicht mit der englisch-sprachigen Diskussion über regulation
and deregulation gleichgesetzt werden kann, erhält ein besonderes Gepräge vor dem Hintergrund des deutschen und spanischen Begriffs des Rechtsstaats bzw. des Estado de Derecho,
der etwas anderes bezeichnet als der englische Begriff der rule of law und der französischen
Begriff des État légal. Die Verrechtlichung in Form der ausgedehnten verfassungsgerichtlichen Kontrolle des parlamentarischen Gesetzgebers, die judicial restraint nur als Fremdwort
kennt, ruht sprachlich auf der Entgegensetzung von (im Zweifelsfall: metaphysischem) Recht/
derecho und (parlamentarischem) Gesetz/ ley und korrespondiert historisch mit den Schwierigkeiten, die Volkssouveränität und Parlamentarismus hatten (und haben), sich in Deutschland und Spanien durchzusetzen. Franquismus und Nationalsozialismus sind hiernach nicht
als Bruch mit, sondern als "Trendgipfel" (Richard Bäumlin/ Helmut Ridder) anti-demokrati-
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scher Rechtsstaatlichkeit zu analysieren. Anknüpfungspunkt für eine Elaboration dieser These
ist die Bedeutung, die Carl Schmitt für den Transfer des Rechtsstaats-Begriffs von Deutschland nach Spanien hatte, sein. Der Diskurs über den materiellen Rechtsstaat ist hiernach als
Serie performativer Sprechakte zu betrachten, die Themen und Konflikte der Entscheidung
durch den parlamentarischen Gesetzgeber zu entziehen sucht und statt dessen die Deduzierbarkeit der 'richtigen' Antwort auf diese Konflikte aus überpositiven Grundsätzen von Recht
und Moral behauptet.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Schulze, Detlef Georgia: Rechtsstaat statt Revolution, Verrechtlichung statt Demokratie? Transdisziplinäre Analysen zum deutschen und spanischen Weg in
die Moderne. Teil-Bd. 1: Die historischen Voraussetzungen. Teil-Bd. 2: Die juristischen Konsequenzen. StaR P. Neue Analyen zu Staat, Recht und Politik. Serie A. Bd. 2. Münster: Westfäl. Dampfboot: Münster 2010.+++Schulze, Detlef Georgia (Hrsg.): StaR P. Neue Analyen zu
Staat, Recht und Politik. Serie W: Bd. 1: Der Rechtsstaat in Deutschland und Spanien. Projektbeschreibung / El Estado de Derecho en Espana y Alemania. Descripción del proyecto
(deutsch und kastilisch). ISBN 978-3-929532-73-9. Siehe unter: edocs.fu-berlin.de/docs/rece
ive/FUDOCS_document_000000004687 . Bd. 2: Schulze, Detlef Georgia: Der Rechtsstaat in
Deutschland und Spanien. Überlegungen zum Forschungsstand (deutsch). ISBN 978-3929532-74-6. Bd. 3: Macher, Julia; Stranz, Katrin: Spanien und Deutschland - zwei konvergierende Sonderwege? (deutsch); Girón Reguera, Emilia: El Estado de Derecho en Espana
(Juridificación / Judicialización) (kastilisch mit englischer Zusammenfassung). Schulze, Detlef Georgia: Lehren und Leerstellen - Schlussfolgerungen (deutsch). ISBN 978-3-929532-753.+++Roldán Barbero, Horacio: Los GRAPO. Un estudio criminológico. in: Romeo Casabon,
Carlos Maria (Hrsg.): Estudios de Derecho Penal y Criminologia, Bd. 95. Comares: Granada
2008.+++Schulze, Detlef Georgia: 'Removing some rubbish'. Radikale Philosophie und die
Konstituierung einer Wissenschaft vom Juridischen. in: Paust Lassen, Pia; Nowak, Jörg;
Lindner, Urs (Hrsg.): Philosophieren unter anderen. Beiträge zum Palaver der Menschheit.
Festschrift für Frieder Otto Wolf. Münster: Westfäl. Dampfboot 2008, S. 332-352.+++Schulze, Detlef Georgia: Verrechtlichung - Deformation oder Performation? Überarb. Vortrag auf
der Tagung "Die Jurisprudenz zwischen Verrechtlichung und Rechtsferne der Alltagspraxis"
am 17./18. Juni 2005 in Düsseldorf. Siehe unter: userpage.fu-berlin.de/~dgsch/wp-content/up
loads/Ddorf_Vers_13-10-05.pdf (eine vorhergehende Version des gleichen Textes ist in der
Tagungsdokumentation der Veranstalter enthalten: wp1026128.wp045.webpack.hosteurope.
de/prosoz/wp-content/uploads/2006/05/doku_reader_rechts_tagung.pdf ). ARBEITSPAPIERE: Schulze, Detlef Georgia: Wen schützt das Gesetz? Typoskript des Vortrages im Rahmen
des Panels "Narrative über Recht als Schutz" beim Kongress der deutschsprachigen rechtssoziologischen Vereinigungen vom 04.-06.09.2008 in Luzern.+++Schulze, Detlef Georgia: Beschränkung oder Expansion des Rechtsstaats? Überlegungen zum Niedergang der Volkssouveränität. Aufsatz-Entwurf.
ART: gefördert BEGINN: 2004-07 ENDE: 2010-03 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Freie Universität Berlin, FB Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft Bereich Grundlagen der Politik Arbeitsschwerpunkt Rechtliche
Grundlagen der Politik (Ihnestr. 22, 14195 Berlin)
KONTAKT: Schulze, Detlef Georgia (Dr. e-mail: [email protected])
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[92-L] Seliger, Bernhard; Sepp, Jüri; Wrobel, Ralph M. (Hrsg.):
Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft und seine Anwendung: Deutschland im
internationalen Vergleich, (Ordnungspolitische Dialoge, Bd. 1), Frankfurt am Main: P. Lang
2009, 314 S., ISBN: 978-3-631-58772-0
INHALT: "Die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland wie auch die Welt-wirtschaftsordnung durchleben derzeit eine Vertrauenskrise, die die vielleicht größte Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg darstellt. Hat die Marktwirtschaft, und in Deutschland
speziell die Soziale Marktwirtschaft, versagt? Gerade die Soziale Marktwirtschaft ist die
Wirtschaftsordnung, die der Bundesrepublik Deutschland den Wiederaufstieg nach dem
Zweiten Weltkrieg ermöglichte. Sie machte Deutschland zu einem der wohlhabendsten Staaten weltweit und zu einem Muster an Stabilität. Die Diskussion der Grundsätze der Sozialen
Marktwirtschaft und ihre Anwendung auf die Herausforderungen der Gegenwart sind das
Thema dieses Bandes, der auf den Ergebnissen des ersten Ordnungspolitischen Dialoges an
der Westsächsischen Hochschule Zwickau im November 2007 basiert. Dabei geht es nicht
darum, einer Orthodoxie zu dienen, die die Soziale Marktwirtschaft als ewige Wahrheit beweihräuchert, sondern den wertvollen Gehalt dieser Wirtschaftsordnung für die heutige Wirtschaftspolitik zu bestimmen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: 1. Ordnungspolitische Ansätze in der deutschen Wirtschaftspolitik: Anspruch und Realität: Bodo Gemper: Rheinische
Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft: Charakter zeigen im Aufbruch (15-35); Emmanuel
Decouard: Das "Modèle rhénan" aus französischer Sicht (37-49); Bernhard Seliger, Ralph M.
Wrobel: Die Krise der Ordnungspolitik als Kommunikationskrise (51-64); Ronald Clapham:
Welche Bedeutung haben nationale Wirtschaftsordnungen für die Zukunft der EU? - Der Beitrag der Sozialen Marktwirtschaft (65-85); 2. Die ordnungspolitische Perspektive in den Neuen Bundesländern: Karl Noltze: Die ordnungspolitische Strategie des Landes Sachsen im internationalen Standortwettbewerb (89-97); Jürgen Backhaus: Gilt das Coase Theorem auch in
den Neuen Ländern? (99-105); 3. Die Umsetzung des Konzeptes der Sozialen Marktwirtschaft in den Transformationsstaaten Mittel- und Osteuropas: Joachim Ahrens: Transition towards a Social Market Economy? Limits and Opportunities (109-142); Jüri Sepp: Estland:
eine ordnungspolitische Erfolgsgeschichte? (143-161); Diana Eerma, Jüri Sepp: Competition
Policy's Role in Network Industries - Regulation and Deregulation in Estonia (163-181);
Alexander Libman: Big Business and Quality of Institutions in the Post-Soviet Space: Spatial
Aspects (183-209); Isa Mulaj: Forgotten Status of Many: Kosovo's Economy under the UN
and the EU Administration (211-240); Uwe Dathe: Wettbewerb ohne Wettbewerb? Über die
Bedeutung von Reformen im Bildungswesen für die Akzeptanz der Wettbewerbsidee (241255); 4. Ordnungspolitische Ansätze der Wirtschaftspolitik in Ostasien - Herausforderung für
die deutsche Wettbewerbsfähigkeit: Bernhard Seliger: Die zweite Welle: ordnungspolitische
Herausforderungen der ostasiatischen Wirtschaftsentwicklung (259-288); Jang Tae-Seok:
South Korea's Aid to North Korea's Transformation Process: Social Market Perspective (289299); 5. Alternative Ansätze der Wirtschaftspolitik: Herbert Strunz: Staat, Wirtschaften und
Governance (303-314).
[93-F] Sigwart, Hans-Jörg, PD Dr. (Bearbeitung); Kauffmann, Clemens, Prof.Dr. (Betreuung):
Politische Hermeneutik. Verstehen, Politik und Kritik bei John Dewey und Hannah Arendt
INHALT: Die Studie befasst sich mit dem politischen Denken John Deweys und Hannah Arendts
und versucht dabei, exemplarisch eine grundsätzliche politisch-theoretische Fragestellung
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
herauszuarbeiten. Sie geht von der These einer sachlichen Nähe zwischen dem Problem des
Politischen und den Problemen des Verstehens und der Interpretation aus und stellt vor diesem Hintergrund die Frage nach dem politisch-hermeneutischen Problem. Die Arbeit verfolgt
also die zweifache Zielsetzung, erstens einen Beitrag zur Diskussion von Deweys und
Arendts Werk und zweitens einen konzeptionell-systematischen Beitrag zu einer politischtheoretischen Grundfrage zu leisten, wobei der Schwerpunkt auf letzterem liegt. Im Vordergrund des Interesses steht daher nicht so sehr ein möglichst umfassender Vergleich von Deweys und Arendts politischer Theorie, bei dem es in erster Linie darum ginge, die Gegenüberstellung der beiden Werke für ein besseres Verständnis ihres jeweiligen Denkens fruchtbar zu
machen. Es geht vielmehr um die Frage, was die vergleichende Interpretation von Deweys
und Arendts politischem Denken zu einem besseren Verständnis des politisch-hermeneutischen Problems als eines theoretischen Grundproblems beitragen kann. Vor dem Hintergrund
einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Tradition hermeneutischen Denkens
(von Wilhelm Dilthey über Max Weber bis zu Hans-Georg Gadamer) arbeitet die Studie aus
Deweys und Arendts hermeneutisch inspirierten und an angelsächsisch-amerikanischen Politikkonzepten orientierten Arbeiten wesentliche Aspekte des politisch-hermeneutischen Problems und als Konsequenz daraus die Grundlinien eines spezifisch hermeneutischen Begriffs
des Politischen sowie einer darauf aufbauenden hermeneutischen politischen Theorie heraus.
Das Politische lässt sich auf der Grundlage von Deweys und Arendts theoretischen Überlegungen 1. individuell als ein eigentümlicher Modus der Erfahrung und Interpretation von
Wirklichkeit verstehen, welcher 2. objektiv genuin politische kulturelle Konstellationen generiert, die innerhalb soziokultureller Prozesse die Integration von Gesellschaften als sinnhafte
Gesamtzusammenhänge begründen. Verstehen als politische Praxis hat demnach eine spezifische Bedeutungsstruktur, welche maßgeblich die Form sowohl des öffentlichen Dialogs innerhalb politisch verfasster Gesellschaften als auch des "öffentlichen Wissens", das in ihm
generiert wird, bestimmt. Wesentliche Eigentümlichkeiten des politischen Erfahrungs- und
Interpretationsmodus sind dabei 3. seine selbstreferenzielle Bedeutungsstruktur, welcher allerdings 4. eine eigentümliche Vorstellung von "Selbst" bzw. des "Subjekts" der Erfahrung
und ihrer Interpretation, nämlich die Vorstellung eines weder individuellen noch kollektiven,
sondern eines pluralen Subjekts zugrunde liegt, das sich überhaupt erst und in Permanenz im
Vollzug dieser genuin politischen Erfahrung von Individuen und ihrer Interpretation konstituiert und es sich insofern bei der genuin politischen Erfahrung 5. um eine autopoietische Praxis
der Interpretation handelt. Dieser politischen Praxis des Verstehens und den aus ihr erwachsenen Kulturinhalten ist 6. eine eigentümliche Vorstellung von politischer Legitimität inhärent,
die sich als die Idee einer partikularen Universalität beschreiben lässt. Bei der Charakterisierung politischen Verstehens in seinen Eigentümlichkeiten greifen sowohl Dewey als auch
Arendt 7. auf eine Metaphorik der "ersten Person plural" zurück, die sich in ihren Implikationen wesentlich von alternativen Konzeptionen, etwa der Metaphorik des "Man" in Heideggers
Existentialhermeneutik, der Metaphorik des "Du" in Gadamers philosophischer Hermeneutik
oder auch der Vorstellung von der "Anonymität" intersubjektiver lebensweltlicher Zusammenhänge unterscheidet, wie sie für Jürgen Habermas' Diskurstheorie eigentümlich ist. Verstehen als politische Praxis ist für Dewey und Arendt ein Verstehen im Modus des "Wir". In
der Frage schließlich nach der Beziehung der politischen Theorie zu solchermaßen beschreibbaren politisch-hermeneutischen Selbstkonstitutionsprozessen von Gesellschaften als die pluralen Subjekte politischen Verstehens nehmen Dewey und Arendt 8. grundsätzlich unterschiedliche Positionen ein. Während Dewey sein politisches Denken bewusst innerhalb des so
beschriebenen Politischen verortet und entsprechend eine Konzeption von politischer Theorie
als immanente politische Hermeneutik formuliert, wendet Arendt die politisch-theoretische
soFid Politische Soziologie 2010/2
2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
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Perspektive im Rahmen einer offenen politischen Hermeneutik reflexiv auf die Bedingungen
und Grenzen des politischen Modus von Erfahrung und Interpretation selbst, wodurch die
Frage einer "Kritik des Politischen" in den Blick gerät.
ART: Habilitation BEGINN: 2005-01 ENDE: 2009-09 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Institut für Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II (Kochstr.
4, 91054 Erlangen)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 09131-85-29239, Fax: 09131-85-22371,
e-mail: [email protected])
[94-L] Skenderovic, Damir; Späti, Christina (Hrsg.):
1968 - Revolution und Gegenrevolution: Neue Linke und Neue Rechte in Frankreich, der
BRD und der Schweiz, (Itinera, 27), Basel: Schwabe 2008, 117 S., ISBN: 978-3-7965-2518-6
INHALT: Die Autoren in diesem Sammalband erkennen in den Revolten des Jahres 1968 zwar
ein globales Phänomen, das durch die dynamische, weltweit stattfindende Abfolge von konkreten Ereignissen, Forderungen und Protestaktionen bestimmt war. In den drei untersuchten
Ländern habe es jedoch sehr unterschiedliche Formen angenommen. Sie beleuchten die heterogene Struktur der Bewegung innerhalb Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz: Der
kleinste gemeinsame Nenner habe in der 'großen Weigerung' (12) bestanden. Allerdings sei es
gerade dieser Grad an inhaltlicher Unbestimmtheit und ideeller Plastizität gewesen, der der
Bewegung für relativ kurze Zeit eine breite Koalitionsbildung -allerdings ohne ausreichendes
längerfristiges Mobilisierungspotenzial - ermöglicht habe. Die Autoren untersuchen außerdem die Ursachen für den Zerfall der Bewegung und analysieren die Entwicklung von zwei
Gruppierungen, die sich in ihrem Entstehungskontext auf das Jahr 1968 zurückführen lassen:
die Neue Linke und die Neue Rechte. Die unkonventionellen Aktionsformen der 68er-Bewegung bildeten allerdings nur einen Teil des Aktionsrepertoires der Parteien und Gruppen der
Neuen Linken, so ein Analyseergebnis, während die Neue Rechte das Phänomen '1968' als
Negativfolie verwende, um ihrem Gegenmodell eines völkischen Nationalismus in Verbindung mit einer radikalen Ungleichheitsideologie Konturen zu geben. Darüber hinaus berücksichtigen die Autoren des Bandes generationssoziologische Aspekte - mit wachsendem zeitlichen Abstand sei eine immer größere Mythenbildung um das Jahr 1968 wahrzunehmen.
(ZPol, NOMOS). Inhalt: Damir Skenderovic und Christina Späti: 1968 - Ereignisse, Akteure
und Deutungsvielfalt (5-14); Damir Skenderovic et Christina Späti: 1968 - Evénements, acteurs et interprétations (15-22); Xavier Vigna: 68 en France: événement, conflictualité et
mouvements (23-36); Wolfgang Kraushaar: Theorien und Ideologien der 68er-Bewegung in
der Bundesrepublik Deutschland (37-50); Christina Späti: 1968 in der Schweiz: Zwischen Revolte und Reform (51-66); Jean-Yves Camus: La Nouvelle droite francaise et son rapport
avec Mai 68 (67-80); Rainer Benthin: Angriffe aus der Nische: Die Bedeutung von '1968' für
den Kulturkampf der Neuen Rechten in Deutschland (81-92); Damir Skenderovic: Die Neue
Rechte in der Schweiz: Der lange Weg einer Gegenbewegung (93-110).
[95-F] Tuchscheerer, Heike, M.A. (Bearbeitung); Jesse, Eckhard, Prof.Dr. (Betreuung):
Vereinigtes Deutschland: eine "neue" oder "erweiterte Bundesrepublik"?
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
INHALT: Besonders im Hinblick auf die deutsche Identität gilt die Wiedervereinigung als Auslöser für eine Art "Neudefinition der Deutschen". Heutzutage wird aus ganz unterschiedlichen
Richtungen die Ansicht vertreten, mit dem Beitritt der DDR zur westdeutschen Demokratie
habe die "alte Bundesrepublik" aufgehört zu bestehen. Die Entscheidung des Bundestages
vom 20. Juni 1991, den Parlaments- und Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen,
dient häufig als ein Beleg für die These einer "neuen", "Berliner" oder gar "Dritten Republik".
Der Ortswechsel habe sich mit einem Gezeitenwechsel überlagert. Umstritten bleibt, ob im
Zuge der Wiedervereinigung tatsächlich eine "neue Bundesrepublik" entstanden ist und wie
ein solcher Befund zu bewerten wäre. In der Politikwissenschaft gab es bisher so gut wie keinen systematischen Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Stattdessen wird in einer Vielzahl von Publikationen mit den Begriffen um eine "neue" oder "erweiterte Bundesrepublik" sehr unreflektiert agiert, wobei eine ausführliche systematische Analyse fehlt. Die
Abhandlung setzt sich mit der Frage auseinander, ob im Hinblick auf die institutionelle Ordnung, den Föderalismus, die Sozial- und Wirtschaftsordnung, die politische Kultur, das Parteiensystem, den politischen Extremismus sowie die Außenpolitik im Zuge der Wiedervereinigung von einer "neuen" oder "erweiterten Bundesrepublik" zu sprechen ist. Anders ausgedrückt: Hat sich das politische System Deutschlands "erneuert" oder "erweitert"? Die gewählten Untersuchungsbereiche bezeichnen die wesentlichen Aspekte des politischen Systems
Deutschlands und nehmen sowohl auf die strukturellen Merkmale (institutionelle Ordnung,
Föderalismus, Sozial- und Wirtschaftsordnung) als auch auf die so genannten "weichen Faktoren" (politische Kultur, Parteiensystem, politischer Extremismus) sowie die Außenpolitik
Bezug. Die Beantwortung der Problematik findet überwiegend aus dem Blickwinkel Westdeutschlands statt. Bei einer Betrachtung der neuen Bundesländer erscheint der Sachverhalt
unstrittig. Für sie ging mit dem Ereignis der deutschen Einheit ein kompletter Systemwechsel
von der kommunistischen DDR hin zur demokratischen Ordnung der Bundesrepublik einher,
so dass aus der Sicht Ostdeutschlands eine "neue Bundesrepublik" vorliegt. Die Betrachtung
beschränkt sich überwiegend auf die Bundesebene. Entwicklungen auf Kommunal- und Landesebene werden ausgeklammert und nur ergänzend berücksichtigt. GEOGRAPHISCHER
RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hanns-SeidelStiftung e.V.
INSTITUTION: Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg
"Politik- und Parteienentwicklung in Europa" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (Thüringer Weg
9, 09126 Chemnitz); Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Institut für
Politikwissenschaft Professur Politische Systeme, Politische Institutionen (09107 Chemnitz)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[96-F] Universität Bremen:
Geschichte und Funktion Großer Koalitionen in der Bundesrepublik
INHALT: Bis heute hat sich dabei in der Öffentlichkeit der Eindruck festgesetzt, Große Koalitionen habe es in der Geschichte der Bundesrepublik eigentlich nur in wenigen Ausnahmesituationen gegeben. Auch in politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien werden Große Koalitionen meistens als Sonderfall betrachtet. Tatsächlich hat es aber schon in den frühen Jahren der
Bundesrepublik bis weit in die 1970er Jahre gerade auf Landesebene häufiger Große Koalitionen gegeben, als gemeinhin angenommen wird (u.a. in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz). In den Blickpunkt geriet dieses Modell
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
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aber erst durch die Große Koalition auf Bundesebene zwischen 1966 und 1969. Seit der Deutschen Einheit sind in den ostdeutschen Bundesländern aufgrund der Sonderstellung der PDS
(bzw. jetzt der Partei DIE LINKE) Große Koalitionen sogar öfter geschlossen worden als andere Koalitionen (in den 1990er Jahren u.a. in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen), da Bündnisse mit der PDS zunächst entweder ausgeschlossen oder später nicht immer opportun waren. Aber auch nach der Formierung der ersten SPD-PDS-Regierung 1998 in Mecklenburg-Vorpommern blieben Große Koalitionen in den ostdeutschen
Bundesländern aufgrund der jeweiligen politischen Konstellation eine der bevorzugten Koalitionsoptionen. So wird Brandenburg seit 1999, Sachsen seit 2004 und Sachsen-Anhalt seit
2006 von einer Großen Koalition geführt. Die Ausdifferenzierung des Parteiensystems hat
aber auch in den alten Bundesländern seit Anfang der 1990er Jahre vereinzelt Große Koalitionen erzwungen. Nachdem die rechtspopulistischen Republikaner 1992 - neben FPD und Grünen - mit 10,9 Prozent den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg schafften, gingen
CDU und SPD ein temporäres Regierungsbündnis ein, da eine andere parlamentarische Mehrheitsbildung politisch nicht möglich war. Das Bundesland Bremen, eher eine Ausnahmeerscheinung, wurde sogar von 1995 bis 2007 von einer Großen Koalition regiert. Der Begriff
"Große Koalition" bildet allerdings heute nur noch teilweise das ab, was ursprünglich damit
assoziiert wurde - ein Bündnis der beiden großen Volksparteien, welches über eine erdrückende Mehrheit verfügt und die Opposition automatisch in eine marginale Rolle drängt.
Während die Große Koalition im Bund zwischen 1966 und 1969 tatsächlich noch mit 468 von
518 Sitzen über eine erdrückende Mehrheit im Bundestag verfügte, müssen sich heute Große
Koalitionen zum Teil mit bescheidenen Mehrheiten zufrieden geben. Aufgrund der nachlassenden Integrationskraft von CDU und SPD und aufgrund der Sonderstellung der PDS bzw.
DER LINKEN in den ostdeutschen Bundesländern sind dort Große Koalitionen teilweise zu
mittelgroßen Koalitionen geschrumpft. In Sachsen verfügen CDU und SPD zusammen gerade
noch über 68 von 124 Sitzen in einem Parlament mit sechs Parteien, und in Brandenburg
bringt es die Große Koalition zusammen auf 53 von 88 Mandaten. Der kurze Überblick über
die Geschichte Großer Koalitionen zeigt bereits, dass diese als Ausnahmeerscheinung geltende Koalitionsform durchaus eine wichtige Funktion im Parteiensystem der Bundesrepublik
einnimmt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Interaktionsbeziehungen zwischen den beiden großen Volksparteien und beeinflussen zugleich das gesamte Parteiengefüge. Ganz davon
abgesehen, haben sie erhebliche Auswirkungen auf die Politikgestaltung in der Bundesrepublik. Gleichwohl sind Große Koalitionen in der politikwissenschaftlichen Forschung lange
Zeit vernachlässigt worden. So spielt selbst die erste Große Koalition auf Bundesebene, obwohl sie einen erheblichen Einschnitt in der Geschichte des Parlamentarismus der Nachkriegszeit darstellte, in der politikwissenschaftlichen Literatur eine vergleichsweise geringe
Rolle. Nicht zufällig heißt eines der Bücher, welches erst 1991 erschien: "Die vergessene Regierung. Die große Koalition 1966-1969". Erst seitdem sich nach der Bundestagswahl 2005
zum zweiten Mal eine Große Koalition auf Bundesebene etabliert hat, gerät dieses Modell
stärker in den Fokus der politikwissenschaftlichen Forschung. Es besteht jedoch im Hinblick
auf die Funktion und Wirkung Großer Koalitionen im Parteiensystem der Bundesrepublik
nach wie vor erheblicher Forschungsbedarf. Das auf mehrere Jahre angelegte Forschungsprojekt versteht sich in diesem Sinne als ein Beitrag zur Untersuchung der Geschichte und Funktion Großer Koalitionen in der Bundesrepublik. Dabei wird allerdings weniger eine Untersuchung der Regierungspolitik in verschiedenen Politikfeldern im Fokus stehen als vielmehr die
Frage, wie Große Koalitionen in verschiedenen Phasen der Geschichte der Bundesrepublik
das Parteiensystem (u.a. Parteienwettbewerb, Interaktionen zwischen Bundes- und Landesebene, Strategiebildungsprozesse) beeinflusst und geformt haben. Die Untersuchung erfolgt
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
vorrangig deskriptiv-analytisch auf der historischen Zeitachse und wird bestimmte Periodisierungen vornehmen. Gleichzeitig werden auf der Basis der Parteiensystemforschung Indikatoren entwickelt, mit deren Hilfe die Auswirkungen Großer Koalitionen auf das gesamte Parteiensystem "gemessen" werden. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2007-01 ENDE: 2010-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung (Postfach 330440, 28334
Bremen)
[97-L] Wamhof, Georg (Hrsg.):
Das Gericht als Tribunal oder: Wie der NS-Vergangenheit der Prozess gemacht wurde,
(Veröffentlichungen des zeitgeschichtlichen Arbeitskreises Niedersachsen, 25), Göttingen:
Wallstein 2009, 186 S., ISBN: 978-3-8353-0226-6
INHALT: Die Jahrestagung 2006 des Zeitgeschichtlichen Arbeitskreises Niedersachsen (ZAKN)
widmete sich der Öffentlichkeitswirkung von NS-Prozessen. Gefragt wurde nach der Art und
Weise des Tribunals als Ort gesellschaftlicher 'Selbstaufklärung' und Vergangenheitsbewältigung. Dafür wurden mittels eines interdisziplinären Ansatzes, der die Theater- und Filmwissenschaften sowie die Narratologie und Medienwirkungsforschung umfasste, die mediale
Prozessaufbereitung und der erinnerungskulturelle Einfluss beziehungsweise 'die Formierung
eines 'Holocaustbewusstseins' als Folge von großen Prozessereignissen' (11) untersucht. Der
Ausgangspunkt der Forschung war die These, dass die Juridifizierung der NS-Vergangenheit,
also ihre Aufarbeitung vor allem über Strafverfahren, für lange Jahre das dominante Forum
dargestellt habe, was bis heute bedeutende Konsequenzen nach sich ziehe. Die erinnerungskulturelle Wirkung der Verfahren wird insbesondere anhand der Frage nach der Repräsentation von Vergangenheit im Rahmen eines Prozesses analysiert, primär am Beispiel der Frankfurter Auschwitz-Prozesse der 60er-Jahre, die als Meilenstein in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Holocaust gelten. Die Texte dieses Sammelbandes zeigen dabei klar die
Diskrepanz zwischen Presse- und Bevölkerungsdiskurs auf und thematisieren das Problem
der 'Schlussstrich'-Mentalität, die nicht an Aktualität angebüßt hat. Auch der Abschnitt über
die Pädagogisierung und die Sinngebungspraktiken trägt dazu bei, die Frage nach der Deutungshoheit über die nationalsozialistische Vergangenheit weiterhin zu reflektieren. (ZPol,
NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Bernd Weissbrod: Vorwort des Herausgebers (7-8); Georg
Wamhof: Gerichtskultur und NS-Vergangenheit. Performativität - Narrativität - Medialität (939); Henning Grunwald: From Courtroom to 'Revolutionary Stage'. Performing Ideology in
Weimar Political Trials (41-53); Annette Weinke: Täter, Opfer, Mitläufer. Vermittlungs- und
Bewältigungsstrategien in westdeutschen NS-Prozessen (55-77); Cord Arendes: Teilnehmende Beobachter. Prozessberichterstatter als Vermittler von NS-Täterbildern (78-99); Sabine
Horn: Der Gerichtssaal als Geschichtsunterricht. Pädagogische Sinngebungspraktiken in der
medialen Repräsentation von NS-Prozessen (101-123); Christian Dirks: Schlussstrich Ost?
Reaktionen auf den Auschwitz-Prozess der DDR (124-141); Nina Burkhardt: Der scharfe
Blick der Nachbarn. Die Bundesrepublik und ihr Umgang mit der Vergangenheit in den niederländischen und belgischen Medienberichten über den Auschwitz-Prozess (143-162); Ulrike Weckel: Amerikanischer Traum von einem deutschen Schuldbekenntnis. Der Spielfilm
Judgement at Nuremberg (1961) und seine Rezeption in der deutschen Presse (163-185).
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2 Theorie und Geschichte politischer Systeme
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[98-L] Wengst, Udo; Wentker, Hermann (Hrsg.):
Das doppelte Deutschland: 40 Jahre Systemkonkurrenz, Berlin: LinksDruck Verl. 2008, 383
S., ISBN: 978-3-86153-481-5
INHALT: Aufhänger für die 15 Aufsätze sind nicht systematische Untergliederungen, sondern
herausragende Ereignisse, die die im Untertitel angekündigten '40 Jahre Systemkonkurrenz'
schlaglichtartig beleuchten und dabei die gesamte Zeitdauer umfassen. Drei Aufsätze befassen sich mit dem ersten Jahrzehnt der Teilung, drei greifen die 60er- auf, fünf die 70er- und
drei die 80er-Jahre. Neben Vorkommnissen der 'hohen Politik' wie der UNO-Beitritt der beiden deutschen Staaten, Honeckers Bonn-Besuch oder Mauerbau und Mauerfall werden auch
kulturelle und sozialpolitische Ereignisse behandelt, wie Thomas Manns 'Doppelbesuche', die
Biermann-Ausbürgerung, das unterschiedliche Abtreibungsrecht und gar 'Das SparwasserTor', an dem die Sportpolitik der beiden deutschen Staaten entwickelt wird. Jedes Ereignis
wird zum Anlass genommen, das damit zusammenhängende Politikfeld insgesamt zu beleuchten. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Udo Wengst, Hermann Wentker: Einleitung
(7-14); Horst Möller: Zwei deutsche Staaten, eine Nation? Zum nationalen Selbstverständnis
in den Verfassungen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR (15-34); Petra Weber:
Thomas Mann in Frankfurt, Stuttgart und Weimar. Umstrittenes kulturelles Erbe und deutsche Kulturnation (35-64); Hermann Wentker: Kirchentag in Leipzig. Kontakte und wechselseitige Wahrnehmungen der evangelischen Kirchen in Ost und West (65-86); Helge Heidemeyer: 'Antifaschistischer Schutzwall' oder 'Bankrotterklärung des Ulbricht-Regimes'?
Grenzsicherung und Grenzüberschreitung im doppelten Deutschland (87-110); Amit Das
Gupta: Ulbricht am Nil. Die deutsch-deutsche Rivalität in der Dritten Welt (111-134); Anne
Rohstock: Ist Bildung Bürgerrecht? Wege zur Bildungsexpansion im doppelten Deutschland
(135-160); Udo Wengst: Das vorzeitige Ausscheiden von Heinrich Lübke aus dem Bundespräsidentenamt. Zweierlei 'Vergangenheitsbewältigung' im Systemkonflikt (161-182); Michael Schwartz: 'Liberaler als bei uns'? Zwei Fristenregelungen und die Folgen. Reformen des
Abtreibungsstrafrechts in Deutschland (183-212); Dierk Hoffmann: Ölpreisschock und Utopieverlust. Getrennte Krisenwahrnehmung und -bewältigung (213-234); Hermann Wentker:
Doppelter UN-Beitritt. Deutsch-deutsche Konkurrenz auf der internationalen Bühne (235258); Thomas Raithel: Das Sparwasser-Tor. Entwicklung und Bedeutung des Sports in beiden
deutschen Staaten (259-282); Johannes Hürter: Die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Künstler
und Intellektuelle zwischen den Stühlen (283-306); Manfred Kittel: Strauß' Milliardenkredit
für die DDR. Leistung und Gegenleistung in den innerdeutschen Beziehungen (307-332);
Dierk Hoffmann: Honecker in Bonn. Deutsch-deutsche Spitzentreffen 1947-1990 (333-356);
Andreas Wirsching: Die Mauer fällt. Das Ende des doppelten Deutschland (357-374).
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soFid Politische Soziologie 2010/2
3 Staatstheorie und staatliches Handeln
Staatstheorie und staatliches Handeln
[99-F] Anter, Andreas, Prof.Dr.; Breuer, Stefan, Prof.Dr. (Bearbeitung); Anter, Andreas, Prof.Dr.
(Leitung):
Max Webers Staatssoziologie. Systematik, Kontext, Rezeption
INHALT: Das Forschungsprojekt untersucht die staatssoziologischen Positionen Max Webers
und ihre Wirkung auf die europäische Staats- und Verfassungsdiskussion. Mit seinen Positionen zur Entstehung und Funktionsweise moderner Staatlichkeit hat Max Weber die Staatsund Verfassungslehre nachhaltig beeinflusst. Dies gilt insbesondere für die Bedeutung des
staatlichen Gewaltmonopols und die Fragen der Rationalität und Legitimität des Staates. Webers Staatssoziologie ist jedoch kein konsistentes Programm. Sie ist Fragment geblieben, und
sie läßt zudem denkbar unterschiedliche Interpretationen zu. Das Forschungsvorhaben untersucht die Konsistenz und Struktur der einzelnen staatssoziologischen Positionen und ihre Relevanz für die Bearbeitung heutiger staatsrechtlicher und verfassungspolitischer Fragen.
ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für
Politikwissenschaft Bereich Politisches System der Bundesrepublik Deutschland (Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig); Universität Hamburg, Fak. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
FB Sozialökonomie Fachgebiet Soziologie (Welckerstr. 8, 20354 Hamburg)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0341-97-35610, e-mail: [email protected])
[100-L] Asbach, Olaf (Hrsg.):
Vom Nutzen des Staates: Staatsverständnisse des klassischen Utilitarismus ; Hume Bentham - Mill, (Staatsverständnisse, Bd. 27), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 295 S.,
ISBN: 978-3-8329-4116-1
INHALT: "Der Utilitarismus, der menschliche Nutzenkalküle als fundamentalen Ausgangspunkt
aller geistes- und sozialwissenschaftlichen Reflexion ansieht, gehört zu den einflussreichsten
moral- und politiktheoretischen Strömungen der angelsächsischen Welt. Der Band arbeitet die
für den Utilitarismus eigentümlichen Zusammenhänge von individuellen Nutzenkalkülen, institutionellen politischen Arrangements und Staatsmodellen heraus. Dabei werden unter anderem die Zusammenhänge zwischen Staat, Strafe und Öffentlichkeit, die Bedeutung von Recht
und Markt wie auch interne Entwicklungen des Utilitarismus deutlich gemacht." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: I. Einleitung: Olaf Asbach: Die Revolution des Nutzens im Staatsdenken der Neuzeit (13-28); II: Hume und die Grundlagen des utilitaristischen Staat- und Politikdenkens: Olaf Asbach: Die Grenzen der Moralität. Zur Notwendigkeit von Recht und
Staat bei Hume und Hobbes (31-62); Christine Chwaszcza: Staat und politische Philosophie
in David Humes Essays (63-86); Manfred Kühn: War Hume Utilitarist? (87-107); Heiner F.
Klemme: Naturalismus sans phrase. Humes Konzeption der Gerechtigkeit (109-128); III.
Staat und Gesellschaft bei Bentham und Mill: Wilhelm Hofmann: Ohne Strafe gibt es keinen
Staat (131-151); Peter Niesen: Tribunal der Zeitungsleser. Bentham über schwache und starke
Öffentlichkeiten (153-182); Peter Rinderle: John Stuart Mill über die Grundlagen, Gestalten
und Gefahren der Demokratie (183-209); Tobias Bevc: Der Staat in den ökonomischen
Schriften John Stuart Mills (211-228); Peter Schröder: "Devoid of Faith, yet terrified of Scepticism" - Die Bedeutung der Religion in John Stuart Mills politischer Theorie über Staat und
soFid Politische Soziologie 2010/2
3 Staatstheorie und staatliches Handeln
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Gesellschaft (229-246); IV. Staat und Internationale Beziehungen im utilitaristischen Denken:
Beate Jahn: Mill, Kant und der liberale Internationalismus (249-268); Jennifer Pitts: Bentham
und John Stuart Mill über das britische Empire (269-291).
[101-L] Barben, Judith:
Spin doctors im Bundeshaus: Gefährdungen der direkten Demokratie durch Manipulation
und Propaganda, Baden: Eikos 2009, 214 S., ISBN: 978-3-033-01916-4
INHALT: Der aus Amerika stammende Begriff "Spin doctor" taucht seit einigen Jahren in unseren Medien auf. Das Wörtchen "Spin" heißt Drall oder Dreh. Im Tennis bedeutet es, dem Ball
einen versteckten Dreh zu geben, um den Gegner darüber zu täuschen, in welche Richtung
der Ball nach dem Aufprall springt. Ein Spin doctor tut etwas ganz Ähnliches. Er gibt einer
Meldung einen "Spin" in eine bestimmte Richtung, um die Öffentlichkeit darüber zu täuschen, welche verdeckte Absicht er verfolgt. Es wird argumentiert, dass der gleichwertige demokratische Dialog durch die beschriebenen Manipulationspraktiken zerrüttet und zersetzt
wird. Das "Modell Schweiz" mit all seinen Wesenszügen - wie direkte Demokratie, Kantonssouveränität, Gemeindeautonomie, Neutralität - stellt in der heutigen Welt ein Friedensmodell
und ein Kleinod dar, das unbedingt erhalten werden muss. Das "Modell Schweiz" findet auch
international Beachtung und Wertschätzung. Es könnte Lösungsansätze und Auswege aus der
heutigen Gewalt, Ungerechtigkeit und Armut weisen. Eine Politik, die den Menschen dient,
braucht ethische Grundsätze und muss sich an bewährten rechtlichen Normen orientieren.
Auch der Bundesrat sollte wieder mehr zu sich selber und zur Schweiz stehen. Er sollte wieder den Mut finden, offen und ehrlich - und ohne PR-Berater - zu den Menschen zu sprechen.
Man kann nämlich jede Vorlage und jedes Geschäft so erklären, dass man es versteht. (ICF2)
[102-L] Becker, Stefan:
The role of national parliaments in the Open Method of Coordination, (Diskussionspapier /
Forschungsgruppe EU-Integration, Stiftung Wissenschaft und Politik -SWP- Deutsches Institut für
Internationale Politik und Sicherheit), Berlin 2009, 45 S. (Graue Literatur;
www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6250)
INHALT: Der Beitrag betrachtet die Governance der Europäischen Union durch die so genannte
Methode der offenen Koordinierung (OMK), einer Handlungsform im politischen System der
EU. Tritt das politische Bedürfnis auf, die Organe, insbesondere die Europäische Kommission in Politikbereichen einzusetzen, in denen es keine Kompetenz zum Erlass von Rechtsakten
gibt, bietet sich der Einsatz der OMK an, die auf verbindliche Rechtsakte weitgehend verzichtet. Bislang hat die Diskussion über die OMK in den nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedsstaaten wenig Beachtung gefunden. Bedeutet dieser Umstand nun, dass die nationalen
Parlamente für die Logik der OMK irrelevant sind? Oder ist vielmehr ihre praktische Einbindung in diesen politischen Entscheidungsprozess bedeutungslos? Zur Beantwortung dieser
Fragen wird die Rolle der nationalen Parlamente sowohl in der Theorie als auch in der Praxis
am Fallbeispiel der Bundesrepublik Deutschland (Bundestag, Bundesrat) untersucht. Nach
Ansicht des Autors sollten die nationalen Parlamente bei der Governance der EU stärker berücksichtigt werden als bisher um so den Ansprüchen eines demokratischen Systems gerecht
zu werden. (ICG2)
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soFid Politische Soziologie 2010/2
3 Staatstheorie und staatliches Handeln
[103-F] Beichelt, Timm, Prof.Dr. (Leitung):
Europäisierung des Regierens in Deutschland und Europa
INHALT: In Europa haben die Nationalstaaten an Autonomie verloren. Viele Problemlagen, denen Staaten gegenüberstehen, tragen übernationalen Charakter. Gleichzeitig ist durch den
Prozess der europäischen Integration die uneingeschränkte Entscheidungshoheit von Nationalstaaten nur noch in wenigen Bereichen gegeben. Gemessen an deren Bedeutung hat sich
die an Institutionen orientierte Vergleichende Politikwissenschaft den Auswirkungen dieser
Veränderungen nur zögerlich zugewandt. Während andere Unterdisziplinen wie etwa PolicyForschung oder die Lehre der Internationalen Politik sich der Herausforderung der Europäisierung nationalstaatlicher Politik auf breiter Front stellen, gibt es in der Komparatistik erst in
jüngerer Zeit entsprechende Anstrengungen. Bis heute widmen beispielsweise alle Einführungen in das politische System der Bundesrepublik Deutschland der europäischen Dimension
lediglich einzelne Kapitel oder sogar nur Unterkapitel. GEOGRAPHISCHER RAUM: Europa,
Deutschland
VERÖFFENTLICHUNGEN: Beichelt, Timm: Over-efficiency in German EU policy coordination. in: German Politics, vol. 16, 2007, no. 4, pp. 421-432.+++Beichelt, Timm: Dimensions of
Europeanization. in: Bafoil, Francois; Beichelt, Timm (eds.): Européanisation. D'Ouest en
Est. Collection Logiques Politiques. Paris: L'Harmattan 2008, S. 31-53.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2005-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Europa-Universität Viadrina, Kulturwissenschaftliche Fakultät, Professur Europa-Studien (Große Scharrnstr. 59, 15230 Frankfurt an der Oder)
KONTAKT: Institution -Sekretatiat- (Tel. 0335-5534-2530, Fax: 0335-5534-2278,
e-mail: [email protected])
[104-L] Böhme, Alexandra:
Modernes Regieren in Zeit und Kontingenz: eine neue Perspektive auf den
Regierungsprozess, Marburg: Tectum Verl. 2009, 161 S., ISBN: 978-3-8288-2107-1
INHALT: "Seit jeher schauen die Staats- und Politischen Wissenschaften Regierungen über die
Schulter, im Idealfall auch auf die Finger. Der Prozess des Regierens selbst blieb dennoch bei
allen Bemühungen seltsam unscharf. Zwei maßgebliche Dimensionen des modernen Politikprozesses wurden nicht systematisch erfasst - Zeit und Kontingenz, also die Komponenten
zeitlicher Abläufe und die Möglichkeit des Zufälligen in Handlungsketten. Diesem Defizit in
der Begriffsbildung setzt Alexandra Böhme einen kontingenz- und zeittheoretisch fundierten
Begriff des Regierens entgegen. Damit ergänzt sie sinnvoll die derzeit vorherrschenden strukturorientierten governance-Konzepte. Erst auf dieser erweiterten Grundlage lässt sich der politische Entscheidungsprozess in seiner spezifisch modernen Ausprägung umfassend analysieren. Dabei zeigt sich, wie insbesondere Komponenten der 'knappen' Zeit und die prinzipielle
Vielfalt möglicher Entscheidungsoptionen tendenziell die Herausbildung von Kernexekutiven
fördern." (Autorenreferat)
[105-F] Buntrock, Oliver, Dr. (Bearbeitung); Dose, Nicolai, Prof.Dr. (Leitung):
Politische Steuerung der Finanzkrise
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INHALT: Vor dem Hintergrund der jüngste Banken- und Finanzkrise wird in der Studie die europäische Regulierung von Ratingagenturen analysiert. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die
Regulierung kaum wirkungsvoll dazu beitragen wird, eine erneute Finanzkrise zu verhindern.
Diese Kritik mündet in konkrete Politikempfehlungen für eine wirkungsvollere Regulierung.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen zwei Fragestellungen, Die erste bezieht sich auf die Analyse der Regulierung von Ratingagenturen und die zweite auf die Frage nach der politischen
Durchsetzbarkeit von Reformmaßnahmen. Wie sind die europäische Verordnung über Ratingagenturen und der entsprechende Entwurf eines deutschen Ausführungsgesetzes zu beurteilen? Kann mit den getroffenen Einzelmaßnahmen dazu beigetagen werden, eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern? Weshalb ist es im Fall der europäischen Regulierung von
Ratingagenturen gelungen, ein Rechtsetzungsverfahren tatsächlich abzuschließen, obwohl es
in vielen anderen relevanten Reformbereichen bisher zu keinen gesetzgeberischen Maßnahmen gekommen ist? ZEITRAUM: seit 2007 GEOGRAPHISCHER RAUM: Europäische Union
METHODE: In der Studie wurde ein neu entwickelter Ansatz der Policy-Analyse eingesetzt (siehe Dose, Problemorientierte staatliche Steuerung. Ansatz für ein reflektiertes Policy-Design,
Baden-Baden, 2008). Er speist sich aus der internationalen steuerungsrelevanten Literatur und
führt policy-analytisches, steuerungstheoretisches, juristisches, wirtschaftswissenschaftliches
und rechtssoziologisches Wissen über erfolgreiche staatliche Steuerung zusammen. Die verwendeten "Daten" wurden aus offiziellen und grauen Dokumenten, grauer Literatur, Presseveröffentlichungen und zu einem kleinen Teil aus Experteninterviews gewonnen.
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Dose, Nicolai; Buntrock, Oliver: Politische Steuerung der Finanzkrise. Das Beispiel der europäischen Regulierung von
Ratingagenturen. Bericht eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekts. Siegen
2010.
ART: gefördert BEGINN: 2009-09 ENDE: 2010-05 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Hans-Böckler-Stiftung
INSTITUTION: Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie, Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme (57068 Siegen)
KONTAKT: Leiter (Tel. 0271-7402792, e-mail: [email protected])
[106-L] Christmann, Anna:
Damoklesschwert Referendum?: die indirekte Wirkung ausgebauter Volksrechte auf die
Rechte religiöser Minderheiten, in: Swiss political science review : SPSR = Schweizerische
Zeitschrift für Politikwissenschaft, Vol. 16/2010, Iss. 1, S. 1-41
(www.ingentaconnect.com/content/spsa/spsr/2010/00000016/00000001/art00001)
INHALT: "Die indirekte Wirkung der Volksrechte auf den parlamentarischen Prozess bleibt gerade im Bereich der Minderheitenrechte meist unberücksichtigt. Anhand der Analyse von Anerkennungsprozessen für religiöse Minderheiten in den Schweizer Kantonen soll ein Beitrag zur
Schließung dieser Lücke geleistet werden. Es wird argumentiert, dass Parlamente prinzipiell
minderheitenfreundlicher entscheiden als das Volk, wenn es sich um schlecht integrierte Minderheiten handelt - drohende Referenden können diesen Effekt jedoch verringern. Die systematische Analyse der entsprechenden Parlamentsprozesse mittels einer Fuzzy Set-QCA zeigt
auf, dass Minderheitenrechte eher innerhalb von Totalrevisionen von Verfassungen umgesetzt
werden, in denen keine Debatte über eine mögliche Ablehnung durch das Volk geführt wurde. Restriktive Regelungen entstehen hingegen, wenn diese Gefahr der direkten Demokratie
thematisiert wurde. Zudem spielt der Islam eine besondere Rolle - allerdings führt er nur dann
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zu restriktiveren Regelungen, wenn befürchtet wird, dass eine Öffnung gegenüber Muslimen
die Ablehnung der Vorlage durch das Volk zur Folge haben könnte." (Autorenreferat)
[107-L] Deitelhoff, Nicole; Steffek, Jens (Hrsg.):
Was bleibt vom Staat?: Demokratie, Recht und Verfassung im globalen Zeitalter,
(Staatlichkeit im Wandel), Frankfurt am Main: Campus Verl. 2009, 336 S., ISBN: 978-3-59339017-8
INHALT: "Die Finanzkrise hat das Verhältnis zwischen Nationalstaat und internationalen Institutionen erneut in den Vordergrund gerückt, der Staat soll die Probleme der international kaum
regulierten Wirtschaft entschärfen. Dabei stellt sich einmal mehr die Frage: Wie viel politische Verantwortung können EU und global agierende Institutionen übernehmen? Lassen sich
die wesentlichen Errungenschaften moderner Staatlichkeit - demokratische Legitimation politischer Herrschaft und rechtliche Verfassung - auch jenseits des Nationalstaats sichern? Die
Beiträger vertreten konträre Meinungen und zeigen die Chancen, aber auch die Schwachstellen von Demokratie, Recht und Verfassung auf globaler Ebene auf." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Nicole Deitelhoff, Jens Steffek: Einleitung: Staatlichkeit ohne Staat? (7-34);
Staatlichkeit: Frank Nullmeier: Formen der Staatlichkeit: Zu einer Analytik politischer Einheiten (35-56); Oliver Flügel-Martinsen: Hierarchische Selbstintervention jenseits der Souveränität? Einige Überlegungen im Anschluss an Hegel und Derrida (57-73); Rainer SchmalzBruns: Moralisch-reflexive Staatlichkeit? Zum normativen Profil der jüngeren Debatte über
"Staatlichkeit ohne Staat" (75-105); Daniel Gaus: Legitime politische Herrschaft ohne staatliche Organisation? Joseph H. H. Weilers Rechtfertigung der Legitimität der Europäischen
Union (107-136); Staatlichkeit und demokratische Legitimität: Berthold Rittberger: "Copy
and paste": Parlamentarisierung jenseits des Nationalstaates (137-159); Jens Steffek: Die Legitimation internationalen Regierens: Vom Staatenkonsens zum Bürgerkonsens (161-186);
Nicole Deitelhoff: Grenzen der Verständigung? Kulturelle Fragmentierung im Regieren jenseits des Nationalstaates (187-220); Harald Müller: Staatlichkeit ohne Staat - ein Irrtum aus
der europäischen Provinz? Limitierende Bedingungen von Global Governance in einer fragmentierten Welt (221-258); Recht und Verfassung jenseits des Staates: Klaus Günther: Menschenrechte zwischen Staaten und Dritten: Vom vertikalen zum horizontalen Verständnis der
Menschenrechte (259-280); Nadja Meisterhans: Menschenrechte ohne den Staat? Zur Notwendigkeit postnationaler Grundrechte (281-308); Christian Joerges: Kollisionsrecht als verfassungsrechtliche Form: Das Beispiel der Verrechtlichung des internationalen Handels durch
die WTO (309-331).
[108-L] Demirovic, Alex; Adolphs, Stephan (Hrsg.):
Das Staatsverständnis von Nicos Poulantzas: der Staat als gesellschaftliches Verhältnis,
(Staatsverständnisse, Bd. 30), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2010, 265 S., ISBN: 978-3-83293887-1
INHALT: "Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage: Was lässt sich den Ideen
früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staates entnehmen?
Nicos Poulantzas hat mit seinen Texten, die zwischen 1968 und 1979, dem Jahr seines frühen
Todes, erschienen, die internationale Diskussion über materialistische Staatstheorie nachhaltig geprägt. Seine Beiträge verbinden die Traditionen von Gramsci, Althusser und Foucault
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und stellen einen originellen Beitrag zur poststrukturalistischen politischen Theorie dar. Begriffe, die in der kritischen Staatstheorie geläufig sind: Machtblock, Staatsapparat, Hegemonie, Repräsentation, Ausnahmestaat oder Verdichtung wurden von ihm mit der Perspektive
auf ein neues und kritisches Verständnis des Staates reformuliert. Seit langem ist seine Auffassung, dass der Staat weder handelndes Subjekt mit eigener Macht noch ein Instrument ist,
sondern selbst ein gesellschaftliches Verhältnis, schulbildend geworden. An diese zentrale
These anschließend wurden zahlreiche Studien unternommen und die materialistische Staatstheorie selbst weiter entwickelt. Davon geben die Beiträge des vorliegenden Band ein Zeugnis. Sie legen zentrale Begriffe des Ansatzes von Nicos Poulantzas dar. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, in welcher Weise sich die Überlegungen von Nicos Poulantzas für die
Analyse der politischen und staatlichen Entwicklungen der Gegenwart als anregend erweisen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Alex Demirovic, Stephan Adolphs, Serhat Karakayali: Das Staatsverständnis von Nicos Poulantzas - Einleitung (9-17); Etienne Balibar: Kommunismus und (Staats-)Bürgerschaft. Überlegungen zur emanzipatorischen Politik (19-34);
Bob Jessop: Politische Ökonomie, Politische Ökologie und Demokratischer Sozialismus (3552); Alex Demirovic: Materialistische Staatstheorie und die Transnationalisierung des kapitalistischen Staates (53-80); Jens Wissel: Die europäische Integration als staatstheoretische
Herausforderung (81-96); Ulrich Brand: Globalisierung als Krise des Fordismus und ihrer
Überwindung. Poulantzas' Überlegungen zur Internationalisierung von Politik und Ökonomie
(97-114); Sabine Nuss/ Ingo Stützle: Die Mühe der Ebenen. Eigentum und Besitz bei Nicos
Poulantzas (115-132); Roland Atzmüller: Krise und Transformation der Arbeitsteilung. Politische und ideologische Aspekte der Veränderung der Ware Arbeitskraft (133-150); Stephan
Adolphs/ Serhat Karakayali: Zum Verhältnis von Wissen und Macht in der Staatstheorie von
Poulantzas (151-172); Gundula Ludwig/ Birgit Sauer: Engendering Poulantzas oder: Sinn und
Zweck feministischer Anrufung materialistischer Staatstheorie (173-188); Thomas Sablowski: Widersprüche innerhalb der Bourgeoisie und der Staat bei Poulantzas (189-204); Jörg
Nowak: Radikale Transformation des Staates und Handlungsfähigkeit der Subalternen. Bemerkungen im Anschluss an Poulantzas, Laclau und Spivak (205-222); John Kannankulam:
Autoritärer Etatismus. Elemente eines staats- und krisentheoretischen Konzepts von Nicos
Poulantzas (223-240); Michael Jäger: Machtblock und Parteien bei Poulantzas (241-258).
[109-L] Demuth, Christian:
Der Deutsche Bundestag und seine Eigenzeit, in: Werner J. Patzelt (Hrsg.) ; Stephan Dreischer
(Hrsg.): Parlamente und ihre Zeit : Zeitstrukturen als Machtpotentiale, Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges., 2009, S. 95-121
INHALT: Der Deutsche Bundestag ist die zentrale politische Institution des deutschen politischen
Systems. Er allein geht direkt aus demokratischen Wahlen hervor und ihm sind die wichtigsten Aufgaben im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess übertragen. Ist er
aber auch "Herr über seine Zeit"? Wie ist die Zeitorganisation im Bundestag aufgebaut? Welche Faktoren bestimmen seinen Zugriff auf Zeitressourcen? Und wie lässt sich die Entstehung
der Strukturmerkmale seiner systemeigenen Zeitgestaltung erklären? Um diese Fragen zu beantworten, untersucht der Autor, wie die Zeitorganisation des Bundestages im Einzelnen
funktioniert und welche Defizite, Einschränkungen und Probleme dabei bestehen. Seine Analyse macht deutlich, dass die Zeit im Rahmen der parlamentarischen Verfahrensweisen und
Funktionserfüllung einen großen Einfluss und eine nachhaltige Bedeutung hat. Er zeigt insbesondere auf, welchen Einschränkungen, aber auch welchen Freiheiten die Nutzung von Zeit
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durch den Bundestag und dessen Mitglieder unterliegt. Die Bedingungen der Nische, der institutionellen Form sowie der Deutungsmuster und Wissensbestände der Akteure enthalten
demnach immense Restriktionen von erheblicher Festigkeit; gleichzeitig ergeben sich aus diesen Konstellationen aber auch Zeitfenster und "freie Zeiten", die von den Institutionenmitgliedern jedoch auch genutzt werden müssen. Passen sich nämlich Institutionen neuen Umweltbedingungen nicht an, so kann dies zu erheblichen Einschränkungen ihrer Macht führen, wie
das Beispiel des Nischenwandels durch die europäische Integration verdeutlicht. (ICI2)
[110-L] Demuth, Christian:
Der Bundestag als lernende Institution: eine evolutionstheoretische Analyse der Lern- und
Anpassungsprozesse des Bundestages, insbesondere an die Europäische Integration, (Studien
zum Parlamentarismus, Bd. 12), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 435 S., ISBN: 978-38329-4278-6
INHALT: "In der bisherigen Parlamentsliteratur blieb bislang meist offen, warum Reformen des
Bundestages nach Meinung vieler Autoren immer zu scheitern scheinen oder nur halboptimale Ergebnisse erzielen. Dies ergab sich auch aus der Situation, dass der Reformprozess selbst
sowie die Frage der Anpassungsfähigkeit des Bundestages nur selten im Mittelpunkt der Forschung standen. Im vorliegenden Buch wird anhand einer evolutionstheoretischen Analyse
der Lernprozesse des Bundestages an die Europäische Integration beschrieben, wie sich Institutionen verändern, warum sie sich so schwer verändern lassen und nicht zuletzt, wie man Institutionen verstehen muss, um sie besser verändern zu können." (Autorenreferat)
[111-L] Detterbeck, Klaus; Renzsch, Wolfgang; Schieren, Stefan (Hrsg.):
Föderalismus in Deutschland, (Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft), München:
Oldenbourg 2010, XII, 376 S., ISBN: 978-3-486-59187-3
INHALT: "Kein Gegenstand veranlasste häufiger die Änderung des Grundgesetzes als die bundesstaatliche Ordnung. Der Verfassungsgesetzgeber sah sich immer wieder veranlasst, in einer sich dynamisch wandelnden Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, aber auch unter
den Herausforderungen von deutscher Einheit, von Europäisierung und Globalisierung die
Zuweisung von staatlichen Aufgaben und öffentlichen Mitteln neu zu justieren. Abseits dieser
formalen Änderungen erweist sich Politik im Bundesstaat auch in dem Sinne als dynamisch,
weil sie Wege der Aufgabenerfüllung und Problemlösung auch jenseits bestehender Strukturen findet und entwickelt. Der deutsche Bundesstaat ist demzufolge um Einiges flexibler und
leistungsfähiger, als manche Defizit- und Krisenanzeige (Politikverflechtungsfalle, Konsensfalle, verkappter Einheitsstaat) vermuten lässt. Gleichwohl lassen sich zahlreiche Defizite
hinsichtlich Effizienz und Transparenz, insbesondere hinsichtlich der Zuordnung von politischer Verantwortlichkeit konstatieren. Der vorliegende Band bemüht sich darum, die verschiedenen Ansätze der Forschung herauszuarbeiten." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Wolfgang Renzsch, Klaus Detterbeck, Stefan Schieren: Einleitung/ Föderalismus (1-29);
Klaus Detterbeck: Idee und Theorie des Föderalismus (31-51), Karen Schlüter: Föderale
Kompetenzverteilung am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland (53-86); Sven Leunig:
Der Bundesrat im politischen System der Bundesrepublik Deutschland(87-117); Wolfgang
Renzsch: Der bundesstaatliche Finanzausgleich (119-144); Karen Schlüter: Verfassungsgerichtsbarkeit in Föderalstaaten (145-169); Sven Leunig: Intergovernementale Beziehungen im
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Bundesstaat (171-195); Klaus Detterbeck: Parteien im föderalen System (197-224); Henrik
Scheller: Der deutsche Bildungsföderalismus im Spannungsfeld zwischen föderalem Kompetenzstreit und europäischer Harmonisierung (225-256); Stefan Schieren: Die Diskongruenz
von Sozialstaat und Bundesstaat in Deutschland (257-291); Klaus Stüwe: Innere Sicherheit
im Bundesstaat: Das Beispiel Deutschland (293-317); Annegret Eppler: Deutsche Umweltpolitik im europäischen Mehrebenensystem (319-349); Martin Große Hüttmann: Europapolitik
und deutscher Bundesstaat (351-376).
[112-L] Dobner, Petra:
Bald Phoenix, bald Asche: Ambivalenzen des Staates, Berlin: Wagenbach 2009, 92 S., ISBN:
978-3-8031-2623-8
INHALT: Ambivalente Haltungen zum Staat aufzuzeigen und zu kritisieren ist das Anliegen des
Autors. Im ersten Kapitel wird die fortdauernde Beschwörung des Obrigkeitsstaates als Hindernis für eine demokratische Staatstheorie analysiert. Unabhängig davon, ob dem Staat ein
autoritärer Grundcharakter zustimmend oder ablehnend zugeschrieben wird, tritt in beiden
Fällen der Staat nicht als demokratische Organisation einer politischen Gemeinschaft in den
Blick, sondern als eine Herrschaftsform, die demokratischer Mitbestimmung unzugänglich
ist. Das zweite Kapitel zeichnet die Verschiebung von der Staats- zur Marktorientierung nach.
Dass der Staat gegenüber dem Markt in den letzten Jahren drastisch an Boden verloren hat,
steht außer Zweifel. Die zentrale These des Kapitels ist aber, dass sich dies nicht einfach der
Stärke des neoliberalen Antietatismus verdankt, sondern dass die von einer Mehrheit nicht gewollte Dominanz dieser Ideologie auch dem mangelnden Widerstand seiner Gegner geschuldet ist. Das dritte und vierte Kapitel widmen sich den Positionen zum Rechtsstaat und zum
Sozialstaat. Im Schlusskapitel wird für eine Haltung zum Staat argumentiert, die auf mehr
Realismus gegründet ist. Das "Plädoyer für einen kritischen Etatismus" fordert dazu auf, weniger Selbstgerechtigkeit im Umgang mit dem Staat zu üben und stattdessen zu erkennen,
dass ein demokratischer Staat auf Demokraten - die auch Enttäuschungen aushalten können dringend angewiesen ist. (ICF2)
[113-L] Esser, Josef:
Reflexionen über ein gestörtes Verhältnis: Materialistische Staatstheorie und deutsche
Politikwissenschaft, in: Joachim Hirsch (Hrsg.) ; John Kannankulam (Hrsg.) ; Jens Wissel
(Hrsg.): Der Staat der Bürgerlichen Gesellschaft : zum Staatsverständnis von Karl Marx, BadenBaden: Nomos Verl.-Ges., 2008, S. 203-219
INHALT: Der Beitrag geht darauf ein, ob und in welcher Weise die Marxsche Theorie in der zeitgenössischen Politikwissenschaft noch eine Rolle spielt und welche Konsequenzen es hat,
dass dies eher nicht der Fall ist. Am Beispiel zweier Stränge der angelsächsischen politikwissenschaftlichen Debatte, dem Neopluralismus (Charles Lindblom) und dem Neo-Institutionalismus (Theda Skocpol), wird gezeigt, dass eine ernsthafte, wenn auch kontroverse Diskussion zwischen politikwissenschaftlichem Mainstream und materialistischer Staatstheorie durchaus fruchtbar und anregend für alle sein kann. So liefert Lindblom eine materialistische "Unterfütterung" des Neopluralismus und vermittelt dann drei wichtige Einsichten, die einen Dialog zwischen materialistischer und neopluralistischer Staatstheorie fruchtbar machen könnten.
Erstens thematisiert er im Rahmen kapitalistischer Vergesellschaftung die privilegierte bzw.
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dominante Position der Wirtschaft. Zweitens wiederholt und vertieft er seine früheren Analysen, die die Unmöglichkeit langfristiger und rationaler politischen Planung in liberal-demokratischen Gesellschaften zum Gegenstand haben. Drittens schließlich kritisiert er die mangelnde Demokratiefähigkeit polyarchischer Systeme. Der Autor rät abschließend: "Freilich
müsste der deutsche politikwissenschaftliche Mainstream, um überhaupt in eine solche Auseinandersetzung eintreten zu können, bereit sein, seine vor allem wissenschaftspolitischen
Vorbehalte gegenüber materialistischer Theorie aufzugeben und sich dem internationalen
Forschungsstand auf diesem Gebiet öffnen, mit anderen Worten seine Hausaufgaben
machen". (ICA2)
[114-L] Gast, Henrik:
Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland, in: Martin
Sebaldt (Hrsg.) ; Henrik Gast (Hrsg.): Politische Führung in westlichen Regierungssystemen :
Theorie und Praxis im internationalen Vergleich, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2010, S.
95-120
INHALT: Die analytische Erörterung der Kategorien Führung, Macht und Herrschaft stand über
einen langen Zeitraum im Abseits der deutschen politikwissenschaftlichen Forschung. Diese
war eher geprägt von der normativen Frage nach einer angemessenen Verteilung von Herrschaftsressourcen als nach den Herrschaftstechniken. Die Untersuchung der politischen Führung ist demgegenüber erst in den letzten beiden Dekaden wieder ins Zentrum gerückt, wobei
die Frage im Mittelpunkt stand, ob der Terminus "Kanzlerdemokratie" das deutsche politische
System insgesamt angemessen beschreibt oder lediglich eine Ausnahmeerscheinung kennzeichnet, die eng mit der Person des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer verknüpft war. Die Diskussion um die Kanzlerdemokratie hat nach Meinung des Autors zutreffend herausgestellt, dass die Möglichkeiten und Grenzen der politischen Führung nur analysiert werden können. wenn die kurzfristigen und langfristigen Kontextfaktoren einbezogen
werden. Der Autor abstrahiert bei seinen Ausführungen zunächst von den einzelnen Amtsinhabern in der Bundesrepublik Deutschland und erörtert in grundsätzlicher Hinsicht, welche
strukturellen Handlungsressourcen und -begrenzungen in der Kanzlerdemokratie vorhanden
sind. Anschließend wird dargestellt, welche Persönlichkeitsmerkmale notwendig sind, um als
Kanzler politische Führung leisten zu können und welche Varianten bestehen. Hierbei wird
gezeigt, wie die Bundeskanzler auf die unterschiedlichen Kontextbedingungen reagiert haben.
(ICI2)
[115-F] Grunden, Timo, Dr. (Bearbeitung):
Bundespräsidenten und Bundeskanzler. Interaktionen, Konflikte, Kooperationen
INHALT: Das Amt des Bundespräsidenten ist ein nahezu unerforschtes Terrain. Das gilt erst
recht für das Verhältnis der Staatsoberhäupter zu den jeweiligen Bundeskanzlern. Politikwissenschaft und Öffentlichkeit wissen wenig über das Wirken der Bundespräsidenten hinter den
Kulissen der Politik, über ihre Strategien und Instrumente, mit deren Hilfe sie versuchen, Einfluss zu nehmen. Diese Forschungslücke ist auch dem Umstand zu schulden, dass die Interaktion zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler hinter dem Schleier der Informalität verborgen bleibt. Gemeinsame Auftritte sind selten, und notwendige Abstimmungsprozesse, z.B.
auf dem Feld der Außenpolitik, werden nicht öffentlich. Während der Bundeskanzler im Mit-
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telpunkt des politischen Wettbewerbs steht, gilt der Bundespräsident als Integrationsfigur,
von der eine parteiferne Amtsführung erwartet wird und die sich i.d.R. nicht in die Auseinandersetzungen der Tagespolitik einmischt. Das hindert ihn aber nicht daran, eine eigene
"Agenda" zu verfolgen, die durchaus im Widerspruch zur Politik der Bundesregierung stehen
oder als Kritik an der Amtsführung des Bundeskanzlers verstanden werden kann. Das Forschungsprojekt orientiert sich an folgenden Leitfragen: Was kennzeichnet die routinierten Arbeitsbeziehungen sowohl zwischen dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler als auch
zwischen ihren jeweiligen Behörden (Bundeskanzleramt und Bundespräsidialamt)? Auf welchen Politikfeldern kommt es zu regelmäßigen Abstimmungen und Vereinbarungen? Wann
verständigten sich der Regierungschef und das Staatsoberhaupt auf ein gemeinsames Handeln? Gibt es typische Konflikte und Konfliktregulierungsmuster, die auf die unterschiedlichen institutionellen Rollen der zwei Amtsinhaber zurückzuführen sind? Was waren außerordentliche Konflikte, die ihren Ursprung in unterschiedlichen, individuellen Überzeugungen
hatten? In welcher Form und mit welchen Kommunikationsstrategien wurden die Konflikte
ausgetragen? Welche Interaktionsmuster sind für die zwei Ämter als Verfassungsorgane, und
welche Interaktionsmuster sind auf die individuellen Führungsstile der Amtsinhaber zurückzuführen? GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0203-379-2047, Fax: 0203-379-2318,
e-mail: [email protected])
[116-F] Hagen, Jürgen von, Prof.Dr.; Bierbrauer, Christoph (Bearbeitung):
Institutionelle Gestaltung föderaler Systeme: Theorie und Empirie
INHALT: Das primäre Ziel des Forschungsprojektes - das im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird - ist die umfassende
ökonomische Analyse des (fiskalischen) Föderalismus in Deutschland und in Europa unter
Beachtung institutioneller und politischer Gegebenheiten und Gestaltungsmöglichkeiten. Thematisiert werden die vertikalen Beziehungen zwischen den Gebietskörperschaften (Bund Länder - Gemeinden - Sozialversicherung, Nationalstaaten - EU) sowie die horizontalen Beziehungen (zwischen den Ländern, z.B. im Rahmen des Länderfinanzausgleichs, zwischen
den Gemeinden, z.B. im Hinblick auf Wettbewerbseffekte, zwischen den Mitgliedsländern
der EU). Hierbei soll über den in der Finanzwissenschaft dominanten Forschungsansatz des
vertikalen und horizontalen (Steuer-, Subventions-, Ausgaben-)Wettbewerbs deutlich hinausgegangen werden und insbesondere auch die politischen und institutionellen Steuerungs- und
Kontrollinstrumente und -mechanismen und deren Einfluss auf das Finanzgebaren von Regierungen, das Wirtschaftswachstum und die Wohlfahrt untersucht werden. Aufbauend auf den
hierbei erzielten Forschungsergebnissen sollen Konsequenzen aus den deutschen und internationalen Erfahrungen für ein zukünftiges föderales System in Europa und für den Aufbau föderaler Systeme in den Ländern Ost- und Mitteleuropas abgeleitet werden. Methodisch dem
internationalen Stand der Wissenschaft entsprechende empirische und quantitative Untersuchungen der Verteilungswirkungen, der Effizienz und der dynamischen Wirkungen der bestehenden föderalen Institutionen fehlen weitgehend in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung in Deutschland. Ein zweites Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, die bestehenden
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Forschungslücken und den wissenschaftlichen Abstand zur internationalen Spitzenforschung
in diesem Bereich der Wirtschaftswissenschaft zu schließen. Ferner gibt es kaum Beziehungen zwischen der Föderalismusforschung in der Politikwissenschaft, den Forschungsarbeiten
von Finanzjuristen und der wirtschaftswissenschaftlich orientierten Föderalismusforschung.
Ein drittes Ziel ist es daher, dass das primär finanzwissenschaftlich orientierte Forschungsprojekt interdisziplinäre Arbeiten zwischen diesen Wissenschaften anregt und so dazu beiträgt, die Erkenntnisse der Föderalismusforschung in der Politikwissenschaft und der Rechtswissenschaft stärker in die ökonomische Föderalismusforschung einzubinden und umgekehrt,
Erkenntnisse aus der ökonomischen Forschung in die relevanten Teildisziplinen der Politikund Rechtswissenschaft zu tragen.
METHODE: Projektstruktur: Aus der betont quantitativen und empirischen Ausrichtung des Forschungsprojekts ergibt sich eine starke Orientierung auf Fragestellungen mit (aktueller oder
zukünftiger) finanzpolitischer Relevanz. Dies wird im Rahmen des Forschungsprojekts auch
dadurch zum Ausdruck gebracht, dass ein regelmäßiger Dialog mit Fachvertretern aus Bundes- und Landesministerien sowie Verbänden geführt wird. Hierbei wird die Absicht verfolgt,
die Kommunikation zwischen Forschung und Praxis zu intensivieren, zu fördern und der Politik mehr wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Dafür verfügt das
Projekt über einen Beirat, der sowohl von Wissenschaftlern als auch Praktikern, vorrangig
aus der Finanzpolitik (Bund- und Länderebene, aber auch internationalen Institutionen), besetzt ist. Im Rahmen des Projektes werden Daten erhoben und Publikationen vorgelegt.
Workshops und Veranstaltungen sowie unterschiedliche Einzelprojekte an verschiedenen
Universitäten in Deutschland runden das Forschungsprojekt ab.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Umfangreiche Literaturliste und Downloads finden Sie unter:
www.zei.de/foederalismus/veroeffentlichungen.htm .
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bonn, Zentrum für Europäische Integrationsforschung -ZEI- (Walter-Flex-Str. 3, 53113 Bonn)
KONTAKT: Bierbrauer, Christoph (Tel. 0228-73-1732,
e-mail: [email protected])
[117-L] Hirsch, Joachim; Kannankulam, John; Wissel, Jens (Hrsg.):
Der Staat der Bürgerlichen Gesellschaft: zum Staatsverständnis von Karl Marx,
(Staatsverständnisse, 18), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2008, 223 S., ISBN: 978-3-83293226-8
INHALT: Ein Buch über das Staatsverständnis von Marx steht vor der paradoxen Situation, dass
zwar jeder die politische Bedeutung der Marx'schen Theorie und deren heterogene Fortführung kennt, jedoch auch klar ist, dass sich bei Marx keine systematische Darstellung zum
Staat finden lässt. Seine bloß beiläufigen und häufig überspitzten Formulierungen zum Staat
lassen die Systematisierung eines in sich konsistenten Bildes kaum zu. Die Herausgeber und
Autoren des äußerst informativen und aufschlussreichen Bandes wollen und können daher
nicht die marxistische(n) Staatstheorie(n) abschließend darstellen. Stattdessen werden zunächst Marx' frühe Würdigung des Staates und seine späteren politischen Schriften dargestellt, während im folgenden Abschnitt klassische Rezeptionslinien und Anknüpfungspunkte
referiert werden. Dies sind neben der traditionellen deutschen Sozialdemokratie der Jahrhundertwende die Linie Gramsci-Althusser-Poulantzas sowie die Gebiete Rechtstheorie und Feminismus. Im letzten Abschnitt wird das Verhältnis von materialistischer Staatstheorie zu
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neueren Theoretikern wie Luhmann, Laclau, Mouffe und Foucault diskutiert. Für diejenigen,
die einer möglichen Renaissance Marx'schen Denkens abwehrend gegenüber stehen, sollte
der Beitrag von Esser besonders instruktiv sein, der die Ausgrenzung der materialistischen
Staatstheorie aus dem deutschen politikwissenschaftlichen Diskurs thematisiert und mit Blick
auf die angelsächsische Theoriedebatte relativiert. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Einleitung: Marx, Marxismus und die Frage des Staates (9-22); Helmut Reichelt: Zum Verhältnis
von Staat und Gesellschaft im Marxschen Frühwerk (25-40); Frank Deppe: Demokratie und
Sozialismus. Karl Marx und die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit (41-61); Thomas Gehrig: Staat statt Revolution. Zum Staatsverständnis in der marxistischen Sozialdemokratie (65-91); Joachim Hirsch/ John Kannankulam/ Jens Wissel: Die Staatstheorie des "westlichen Marxismus". Gramsci, Althusser, Poulantzas und die so genannte Staatsableitung (92114); Ersin Yildiz: Marx' verfassungstheoretische Schriften und die Entwicklung der materialistischen Rechtstheorie (116-134); Evi Genetti: Geschlechterverhältnisse im bürgerlichen
Staat. Feministische Denkarten materialistischer Staatstheorien (135- 154); Bob Jessop: Zur
Relevanz von Luhmanns Systemtheorie und von Laclau und Mouffes Diskursanalyse für die
Weiterentwicklung der marxistischen Staatstheorie (157-179); Stephan Adolphs: Geschichte
und Gouvernementalität oder materialistische Staatstheorie? Michel Foucault und Nicos Poulantzas im Vergleich (180-202); Josef Esser: Reflexionen über ein gestörtes Verhältnis: Materialistische Staatstheorie und deutsche Politikwissenschaft (203-220).
[118-L] Hrbek, Rudolf (Hrsg.):
Legislatures in federal systems and multi-level governance, (Schriftenreihe des Europäischen
Zentrums für Föderalismus-Forschung, Bd. 33), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2010, 181 S.,
ISBN: 978-3-8329-5031-6
INHALT: "Ausgehend von der These eines 'Niedergangs der Parlamente' untersucht der Band die
aktuelle Rolle von parlamentarischen Versammlungen mit Gesetzgebungskompetenzen in föderal organisierten Staaten. Betrachtet werden nationale und regionale Parlamente, Zweite
Kammern sowie die Stellung von Parlamenten im Kontext von Multi-Level Governance. Die
Vielzahl der Beispiele aus Europa, Australien, Südafrika und den USA spiegeln die Bandbreite der Thematik wider. Ergänzend nehmen einige Beiträge eine Bestandsaufnahme aus vergleichender Perspektive vor." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: National Parliaments in
Federal Systems: Mireia Grau Creus: The Spanish Lower Chamber of Parliament: An Intergovernmental Arena? The Representation and Integration of Territorial Interests within the
Congreso de los Diputados (11-32); Second Chambers in Federal Systems: Ronald L. Watts:
Federal Second Chambers Compared (33-45); Anna Gamper: Imperfect Bicameralism in
Austria: The Role of the Bundesrat (46-65); John Kincaid: The Eclipse of the States in the U.
S. Senate (66-76); Simon Evans: The Australian Senate: Form, Function and Effectiveness
(77-104); Regional Parliaments in Federal Systems: Peter Bußjäger: The Austrian Länder:
The Relationship of Regional Parliaments to the Executive Power against the Background of
Europeanisation (105-120); Parliaments and Multi-Level Governance: Christian Leuprecht:
Cities in Multilevel Governance Systems: Implications for Second Chambers(121-135); Rudolf Hrbek: Parliaments in EU Multi-Level Governance (136-150); Jaap de Visser: Career
Patterns of National, Provincial and Local Parliamentarians in South Africa (136-150); Robert Hazell / Akash Paun: Parliamentary Scrutiny of Multi-Level Governance (159-180).
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
[119-L] Jansen, Dorothea:
Von der Steuerung zur Governance: Wandel der Staatlichkeit?, in: Dagmar Simon (Hrsg.) ;
Andreas Knie (Hrsg.) ; Stefan Hornbostel (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftspolitik, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2010, S. 39-50
INHALT: Governance wird von der Autorin zunächst vom Begriff der Steuerung dadurch abgegrenzt, dass Steuerung ein Steuerungssubjekt mit Steuerungsintentionen und ein Steuerungsobjekt voraussetzt. In dessen Eigendynamik greift der Steuerungsakteur mittels spezifischer
Steuerungsmaßnahmen im Hinblick auf bestimmte Ziele ein, wobei er bestimmte MaßnahmeWirkungs-Beziehungen unterstellt. Wesentliche Differenzen zum Governancebegriff liegen
in der notwendig asymmetrischen Beziehung zwischen den Akteuren, sowie in der unterstellten Intentionalität des Steuerungsvorgangs. Steuerung stellt sich insofern als ein Spezialfall
von Governance dar. Governance impliziert dagegen nicht notwendig ein Steuerungssubjekt
und ein Steuerungsziel. Ergebnis von Governance sind auch mehr oder weniger anonyme
Prozesse der wechselseitigen Beobachtung und Konkurrenz, z. B. der Preisbildung auf einem
Markt, oder die ungeplante Herausbildung informaler Regeln der Hilfeleistung in formalen
Organisationen. Vor diesem Hintergrund wird dann die geänderte Rolle des Staates in der
Wissenschaftspolitik skizziert. Im zweiten Teil werden ein Governance-Modell für das Politikfeld Wissenschaft und aktuelle Forschungsergebnisse zur Umsetzung neuer Governance
vorgestellt. Im abschließenden Kapitel werden einige unintendierte Folgen der neuen Governance für die Wissenschaft in den Blick genommen und eine Perspektive für eine reflexive,
lernende Meta-Governance skizziert, die die Ambivalenz der Veränderung von Staatlichkeit
nicht einseitig auflöst. (ICA2)
[120-L] Jestaedt, Matthias:
Die Verfassung hinter der Verfassung: eine Standortbestimmung der Verfassungstheorie,
(Schönburger Gespräche zu Recht und Staat, 12), Paderborn: Schöningh 2009, 151 S., ISBN: 9783-506-76673-1
INHALT: Die Betrachtung normativer Fragen von Staat und Verfassung überlässt die gegenwärtige Politikwissenschaft meist bereitwillig den Juristen und scheut vor der Auseinandersetzung mit dem (Verfassungs-)Recht selbst oft zurück. Eine Einstiegslektüre wider diese 'partielle Selbstentmündigung' (Wolfgang Seibel) der Politologie könnte sich in Jestaedts Buch finden: Der Autor gibt mit seiner 'Standortbestimmung der Verfassungstheorie' implizit auch
Hinweise für politikwissenschaftliche Zugänge zu diesem Bereich. Denn als Reflexions- und
Grundlagendisziplin der Verfassungsdogmatik ist die Verfassungstheorie auch für Politikwissenschaftler von Interesse und Nutzen. Wie Jestaedt die Rolle der Verfassungstheorie im Prozess der Rechtsgewinnung beschreibt, nämlich als 'Verfassungsvorverständnislehre' (90) und
als 'wissenschaftliche Verfassungsrechtspolitik' (93), ergeben sich sowohl für die politische
Theorie und Ideengeschichte und als auch für die politikwissenschaftliche Betrachtung von
zeitgenössischer Rechtssetzung und der Spannung zwischen Verfassungsnorm und Verfassungsrealität zahlreiche Anschlussfähigkeiten. Nicht zuletzt könnte ein höheres politologisches Interesse an der (auch politisches) Orientierungswissen vermittelnden Verfassungstheorie diesem wichtigen Grundlagenfach mitunter zu größerer Eigenständigkeit beziehungsweise
zu geringerem Rechtfertigungsdruck verhelfen. (ZPol, NOMOS
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
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[121-F] Kausch, Stefan (Bearbeitung):
Moderne Staaten, Aktive Gesellschaften, Neue Regierungen. Vergleich der Gouvernementalitäten zweier europäischer Sozialdemokratien (Deutschland, Großbritannien) und der USamerikanischen "Ownership Society"
INHALT: Das Forschungsvorhaben befasst sich mit den Gesellschafts- und Staatsvorstellungen
sowie politischen Rationalitäten dreier politischer Projekte in drei unterschiedlichen nationalen Kontexten. Dabei soll einerseits das Spannungsverhältnis zwischen nationalen Wissensbeständen über "das Politische", sowie den damit verbundenen Ansprüchen der Analyse und
Veränderung von "Gesellschaft" und den Verbindungslinien zu konkreten Regulationsformen
und Techniken des Regierens analysiert werden. Andererseits sollen die Wissensbestände der
"nationalen" politischen Diskurse, auf der Basis der Hypothese eines Transnationalen Diskurses über "Globalisierung", in ein korrespondierendes und kontrastierendes Gespräch überführt
werden. Interessant sind in diesem Kontext vor allem Vorstellungen (der Reform) von Wohlfahrtsstaatlichkeit, der (Neu-)Konstitution "des Sozialen" sowie Überlegungen zu einer neuen
Staatlichkeit. Um eine Verbindung von Makro- und Mikrophysik der Macht zu erreichen,
wird das biopolitisch so zentrale und aufgeladene Politikfeld bzw. Querschnittsthema Familien- und Bevölkerungspolitik beleuchtet. Die drei politischen Projekte sind erstens die deutsche Sozialdemokratie (SPD) im Zeitraum von 1998 bis 2005. Zweitens die englische "(New)
Labour"-Party (unter dem Vorsitz von Tony Blair). Drittens werden als transatlantische Vergleichsfolie die von George W. Bush und seiner (neo-)konservativen Regierung proklamierte
"Ownership Society" und daran andockende politische Gesellschaftskonzepte in die Untersuchung eingebunden. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, USA
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für
Politikwissenschaft (Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[122-F] Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil.; Diermann, Melanie, Dipl.-Soz.Wiss.
(Bearbeitung):
Politikmanagement und strategische Regierungskommunikation in liberalen Demokratien
INHALT: Die strategische Regierungskommunikation in modernen Demokratien unterscheidet
sich grundlegend. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurden diese Unterschiede mit
Fallbeispielen der Regierungskommunikation aus Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich und Schweden illustriert. Dabei werden insbesondere die Einflusspotentiale der institutionellen Rahmenbedingungen auf das Politikmanagement der Regierungen in wohlfahrtsstaatlichen Entscheidungsprozessen herausgestellt. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Diermann, Melanie (Tel. 0203-379-2042, e-mail: [email protected])
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
[123-F] Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil. (Bearbeitung):
Machterhalt und Machtverlust - Komplexitätsmanagement in Phasen der Instabilität
INHALT: keine Angaben
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0203-379-2018, e-mail: [email protected])
[124-F] Kranenpohl, Uwe, Dr. (Bearbeitung):
Wie entscheidet das Bundesverfassungsgericht? Handlungsoptionen - Entscheidungsverfahren - Legitimationsanforderungen
INHALT: Wie läuft der gerichtsinterne Entscheidungsprozess ab? Welche Faktoren beeinflussen
die Beschlussfassung des Gerichts? Welches Bild ihrer politischen Rolle haben die Akteure?
ZEITRAUM: 1951-2005 GEOGRAPHISCHER RAUM: Deutschland
METHODE: Verwendung akteurszentrierter, institutionalistischer und funktionalistischer Perspektiven. Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe; Querschnitt DATENGEWINNUNG: Dokumentenanalyse, offen (bereits publizierte Stellungnahmen der Verfassungsrichter zur eigenen
politischen Tätigkeit; Auswahlverfahren: total). Qualitatives Interview (Stichprobe: 39; halbstrukturierte Interviews mit Richtern und Beobachtern aus dem Umfeld -Justizpressekonferenz Karlsruhe-; Auswahlverfahren: Quota). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Kranenpohl, Uwe: Hinter dem Schleier des Beratungsgeheimnisses: der Willensbildungs- und Entscheidungsprozess des Bundesverfassungsgerichts. Zugl.:
Passau, Univ., Habil.-Schr., 2009. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2010, 556 S. ISBN
978-3-531-16871-5:
ART: Habilitation BEGINN: 2002-06 ENDE: 2008-09 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Wissenschaftler
INSTITUTION: Universität Passau, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Politikwissenschaft I
(94030 Passau)
[125-L] Leunig, Sven (Hrsg.):
Handbuch föderale Zweite Kammern, Opladen: B. Budrich 2009, 312 S., ISBN: 978-3-86649238-7
INHALT: "Sind die Zweiten Kammern in alle föderalen Systeme der Welt gleichartig aufgebaut?
Spielen sie in jedem politischen System die gleiche Rolle? Erstmals werden hier alle föderalen Zweiten Kammern weltweit systematisch miteinander verglichen. Dazu werden zunächst
die 20 Zweiten Kammern aller Bundesstaaten, einschließlich eines Exkurses auf den
1999/2000 abgeschafften Senat Venezuelas, einzeln dargestellt. Die Beiträge gliedern sich nach einer kurzen Einleitung bzw. einer Darstellung der Entwicklungsgeschichte der jeweiligen Kammer - in zwei vorwiegend deskriptive Abschnitte, dem ein analytisches Kapitel folgt.
Sie schließen jeweils mit einem Ausblick auf mögliche Reformdiskussionen in den einzelnen
Ländern hinsichtlich ihrer Zweiten Kammer ab. In den beiden deskriptiven Abschnitten (2
und 3) werden zum einen die Strukturen, zum anderen die (verfassungsrechtlichen) Aufgaben
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
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der jeweiligen Zweiten Kammer dargestellt. Im analytischen Kapitel (4) versuchen die Autoren, die politische Rolle zu untersuchen, welche die Zweite Kammer im politischen System
des betrachteten Staates spielt. Hierbei steht eine Frage im Mittelpunkt, die in der deutschen
Föderalismusdiskussion intensiv diskutiert wird: die Problematik einer parteipolitischen Blockade des Gesetzgebungsprozesses auf Bundesebene durch die Zweite Kammer. Steht diese
Problematik auch in anderen Staaten auf der politischen Agenda oder handelt es sich dabei
um ein rein 'deutsches' Phänomen? Auch diese Frage wird im Schlusskapitel des Sammelbandes (III.) resümierend beantwortet." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: I. Sven Leunig: Einführung (15-18); II. Die föderalen Zweiten Kammern der Welt: Imke Harbers: Der argentinische
Senat: Zwischen Präsident, Gouverneuren und Parteibossen (19-29); Eva Range: Das äthiopische "House of Federation": Streitschlichter, nicht Gesetzgeber (30-41); Jonathan Buhl: Der
australische Senat: "The Watchdog" (42-51); Hendrik Träger: Der belgische Senat: Föderale
Zweite Kammer im Wandel (52-67); Daniel Gerstenhauer: Das "Haus der Völker" BosnienHerzegowinas: Ein ethnisches Blockadeinstrument? (68-80); Wilhelm Hofmeister: Der brasilianische Senat: Die kooperative Vetomacht (81-94); Sven Leunig: Der deutsche Bundesrat:
Einzigartig, einflussreich, aber nicht unumstritten (95-113); Jonathan Buhl: Die Rajya Sabha:
Das indische Staatenhaus (114-123); Philipp Höfer: Der kanadische Senat: Zweite Kammer
mit autolimitierter Machtfülle (124-139); Stefanie Seifert: Der Senat Malaysias: Akklamationsorgan der Regierung (140-148); Imke Harbers: Der mexikanische Senat: Von Kooperation
zu Konflikt (149-158); Eva Range: Der nigerianische Senat: Formal stark, real schwach (159171); Sven Leunig: Der österreichische Bundesrat: Wenig potestas, kaum auctoritas (172185); Stefanie Seifert: Pakistans Senat: Im Schatten der Militärdiktatur (186-197); Manuel
Leppert: Der russländische Föderationsrat: Abschied vom Parlamentarismus? (198-214);
Sven Leunig: Der schweizerische Ständerat: Eidgenössisch eigenständig (215-228); Susan
Flämig: Der spanische Senat: Repräsentant der Autonomen Gemeinschaften (229-241); Eva
Range: Der südafrikanische NCOP: Zweite Kammer nach deutschem Muster (242-257); Hendrik Träger: Der US-Senat: Seit 220 Jahren unverändert einflussreich (258-275); Manuel Paulus: Exkurs: Die Zweite Kammer in Venezuelas IV. Republik (1958-1999) (276-284); III.
Sven Leunig: Fazit: Zweite Kammern in föderalen Systemen (285-312).
[126-L] Ley, Richard:
Die Wahl der Ministerpräsidenten in den Bundesländern: Rechtslage und Staatspraxis, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 390-420 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Am Anfang und im Mittelpunkt der Regierungsbildungen steht die Wahl des Regierungschefs. Dies gilt auch für das Staatsrecht der deutschen Bundesländer. Ohne den Ministerpräsidenten gibt es keine neue Regierung. Er ist in gewisser Hinsicht der 'Schöpfer' der
Landesregierung. Deshalb hat die Wahl eine entscheidende Bedeutung im System der parlamentarischen Demokratie. Der Vergleich der Rechtslage hinsichtlich Zeitpunkt und Zeitraum
der Wahl am Anfang der Legislaturperiode, persönlicher Anforderungen an den zu Wählenden, Verfahren und erforderlicher Mehrheit, zeigt sowohl große Übereinstimmung in einer
Vielzahl von Regelungsbereichen, aber auch eine Fülle von Besonderheiten. In diesem Sinne
ist der rechtsvergleichende Teil eine Materialsammlung für zukünftige Verfassungsänderungen. Dies gilt auch für die Untersuchung zur Staatspraxis. So können verschiedene Praktiken
in einzelnen Landtagen, zum Beispiel hinsichtlich der Durchführung der geheimen Wahl, Anregungen zur Weiterentwicklung dieses wichtigen Kriteriums geben." (Autorenreferat)
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
[127-L] Lübbe-Wolff, Getrude:
Die Internationalisierung der Politik und der Machtverlust der Parlamente, in: Soziale Welt,
Sonderband : Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, 2009, Nr. 18, S. 127142
INHALT: Die Bundesgesetzgebung ist heute in Deutschland zum weitaus größten Teil nicht
mehr "autonome" Parlamentsgesetzgebung, sondern dient der Umsetzung von europäischem
Recht oder der Erfüllung von Verpflichtungen aus internationalen Verträgen oder beidem zugleich. Zwar ist - in Deutschland wie in den meisten demokratischen Staaten - das Parlament
am Zustandekommen gesetzgebungsrelevanter internationaler Verträge beteiligt. Eine sehr
eingeschränkte mittelbare Mitwirkungsbefugnis des Deutschen Bundestages existiert auch in
Bezug auf die Gesetzgebung der Europäischen Union. Diese Mitwirkungsrechte verhindern
aber nicht, dass die Internationalisierung von immer mehr Politikbereichen die Einflussmöglichkeiten des Parlaments reduziert. Für Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht jedoch eine "historische Tendenz zur Parlamentarisierung im Bereich der auswärtigen Angelegenheiten" geregelt. Der vorliegende Beitrag beschreibt, dass und wie das Bundesverfassungsgericht zu dieser Tendenz beigetragen hat: In seinem Urteil zur militärischen Beteiligung Deutschlands an Operationen der NATO und der WEU zur Umsetzung von Beschlüssen
des UN-Sicherheitsrates im Zusammenhang mit Somalia und Jugoslawien hat es entschieden,
dass für einen Einsatz bewaffneter Streitkräfte grundsätzlich die vorherige, konstitutive Zustimmung des Deutschen Bundestages einzuholen ist. Nur bei "Gefahr im Verzuge" darf zunächst die Regierung allein über den Einsatz entscheiden, muss in diesem Fall aber mit der
getroffenen Entscheidung umgehend das Parlament befassen und die Streitkräfte zurückrufen,
wenn es der Bundestag verlangt. (ICA2)
[128-L] Ludwig, Matthias:
Trend oder Traum? Direkte Demokratie in Deutschland: eine aktuelle Analyse am Beispiel
der Bundesländer Bayern und Hamburg, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2008, 119 S.,
ISBN: 978-3-8364-6986-9
INHALT: "Demokratie in Deutschland gilt allgemein als fest etablierte und stabile Regierungsform. Die Akteure des klassischen, parlamentarischen Systems - Parteien, Berufspolitiker sehen sich allerdings einem stetigen Vertrauensverlust der Bürger/Innen gegenüber. Der Autor Matthias Ludwig beantwortet in seiner Analyse direkter Demokratie in Deutschland die
Frage, inwieweit eine Ausweitung direktdemokratischer Entscheidungsverfahren die parlamentarischen Entscheidungsprozesse sinnvoll ergänzen könnte. Ausgehend von der These
struktureller und legitimatorischer Defizite des parlamentarischen Systems in Deutschland
werden positive Auswirkungen ergänzender, direktdemokratischer Verfahren angenommen.
Diese Annahme wird mit den konkreten Ergebnissen direktdemokratischer Entscheidungsprozesse in Bayern und Hamburg abgeglichen. Dabei zeigt sich, dass die Qualität direkter Demokratie in Deutschland stark von der Gestaltung der Verfahren abhängt. Es zeigt sich weiter,
dass die direkte Entscheidung über Sachfragen politische Machtkartelle wirkungsvoll bändigen kann. Und es zeigt sich, dass weiterreichende Beteiligungsrechte nur von den Bürgern
selbst erstritten werden können." (Autorenreferat)
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[129-L] Mayer-Tasch, Peter Cornelius:
Politische Theorie des Verfassungsstaates: eine Einführung, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss. 2009, 240 S., ISBN: 978-3-531-16038-2
INHALT: In dieser wieder aufgelegten Darstellung einer Theorie des Verfassungsstaates orientieren sich die Autoren an den Staatsstrukturprinzipien bzw. Staatszielen Rechts-, Volks-, Sozial- und Bundesstaat und nehmen mit dem Naturstaat eine weitere Gestalt auf. Es gelingt nicht
nur, die Prinzipien in ihrer rechtlich-politischen Bedeutung zu erläutern, die Einführung reicht
mit den gestellten Fragen zur Ideengeschichte und nach den Tendenzen der Zukunft darüber
hinaus. Dabei zeigt sich, dass die bisher noch eingeschränkte ökologische Zielbestimmung
auf ein festzuschreibendes Umweltstaatsprinzip hinweist. Die Überlegungen zum Verhältnis
von Politik, Staat und Verfassung offenbaren außerdem dessen dynamischen Charakter im
Spannungsfeld zwischen Hegung und Bewegung. Zu kurz kommt hingegen die Entwicklung
und stärkere Bedeutung neuer Staatsziele, die sich am Beispiel des Kulturstaates oder der europäischen Integration festmachen lassen. Grundkonzeption und Aufbau des Bandes blieben
gegenüber der Erstauflage von 1991 erhalten, die Neuauflage wurde jedoch grundlegend
überarbeitet und aktualisiert. Sie ist an Studierende und Interessierte gerichtet, die einen ersten theoretischen Zugriff auf die deutsche Verfassungsstaatlichkeit suchen. (ZPol, NOMOS)
[130-L] Meuwly, Olivier:
Le fédéralisme sera-t-il soluble dans la mondialisation?, in: Roberto Bernhard (Red.):
Helvetische (Un-)Gewissheiten, Diessenhofen: Rüegger, 2009, S. 91-98
INHALT: In der Geschichte der Schweiz ist nach Meinung des Autors ein ständiger Konflikt
zwischen Zentralismus und Föderalismus festzustellen. Es ist zwar immer wieder versucht
worden, einen Ausgleich zwischen den beiden Prinzipien herzustellen, z. B. mit der Mediationsverfassung von 1803, mit der Bundesverfassung von 1848 sowie mit einem erneuten
Kompromiss im Jahre 1874. Im 20. Jahrhundert, insbesondere seit den 1960er- und 1970erJahren, haben dann die Neigungen zum Zentralismus zugenommen, welcher als eine Gewähr
für Effizienz angesehen wurde. Man glaubte sogar, die Strukturen des Landes neu entwerfen
zu können, ohne jedoch den Föderalismus offen in Frage zu stellen. Dennoch behielt der Föderalismus die Oberhand und seine klaren Grenzen erlaubten den örtlichen Kollektivitäten,
Schutzdämme gegen den Staatsinterventionismus zu errichten. Um kleinen Staaten wie der
Schweiz eine Chance zu geben, sollte dem Autor zufolge die egalitäre Logik des Zentralismus überwunden und den Minderheiten ein größeres Gewicht zugestanden werden. Denn die
Grenzenlosigkeit bedarf des Gegengewichts der klaren Abgrenzungen, das heißt des Föderalismus. (ICI2)
[131-L] Münkler, Herfried:
Lahme Dame Demokratie: kann der Verfassungsstaat im Systemwettbewerb noch
bestehen?, in: Internationale Politik, Jg. 65/2010, Nr. 3, S. 10-17 (Standort: USB Köln(38)-LS G
09335; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
www.internationalepolitik.de/ip/archiv/jahrgang-2010/der-falsche-glanz-der-diktatur-/download/1
df4d2864fba2104d2811dfb0b9bba012fd4f9c4f9c/original_ip_5-6_muenkler.pdf)
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INHALT: "Diktaturen vermögen ein gewisses Gepränge zu entfalten. Der demokratische Verfassungsstaat hingegen zeigt wenig Glanz, ist aber gut in Sachen Problembearbeitung. So stellten sich die Dinge in der vergleichenden Retrospektive dar. Reicht der Blick in die Vergangenheit, um Vertrauen in die Demokratie für zukünftige Herausforderungen zu gewinnen?"
(Autorenreferat)
[132-L] Nagel, Alexander-Kenneth:
Politiknetzwerke und politische Steuerung: institutioneller Wandel am Beispiel des BolognaProzesses, (Staatlichkeit im Wandel), Frankfurt am Main: Campus Verl. 2009, 326 S., ISBN: 9783-593-39039-0
INHALT: "Politiknetzwerke sind aufgrund ihrer losen und informellen Struktur zu Hoffnungsträgern innerhalb der Steuerungsforschung avanciert. Jenseits der Überregulierung des Staates
und der Willkür des Marktes gelten sie als probate Steuerungsformen, die eine demokratische
und effiziente Entscheidungsfindung möglich machen. Am Beispiel des transnationalen Bologna-Prozesses untersucht Alexander, Kenneth Nagel, ob Politiknetzwerke tatsächlich dauerhaft die Vorzüge von Markt und Staat vereinen können oder ob sie aufgrund institutioneller
Dynamiken mittelfristig nicht auch in alte, überregulierte Formen zurückfallen." (Autorenreferat)
[133-L] Nullmeier, Frank; Pritzlaff, Tanja:
The great chain of legitimacy: justifying transnational democracy, (TranState Working
Papers, No. 123), Bremen 2010, 18 S. (Graue Literatur;
www.staatlichkeit.uni-bremen.de/pages/pubApBeschreibung.php?SPRACHE=de&ID=164)
INHALT: "Die Idee einer ununterbrochenen, auf das Volk zurückführenden Legitimationskette
ist ein zentrales Element der deutschen Staats- und Verfassungslehre. Diese Konzeption erscheint im Kontext der Legitimation transnationaler Demokratie jedoch als ungenügend, da
man es hier mit sehr langen, abstrakten Konstruktionen von Legitimationsketten zu tun hat.
Vor diesem Hintergrund präsentieren wir in dem vorliegenden Arbeitspapier eine alternative
Konzeption transnationaler Legitimität, die die Idee der demokratischen Legitimation über
Legitimationsketten um eine komplementäre normative Stützungsstruktur ergänzt. Basierend
auf einer Unterscheidung zwischen zwei Dimensionen von Normativität - einer expliziten und
einer impliziten Dimension - verortet diese Konzeption die Sicherung transnationaler Legitimität auf der Mikroebene des politischen Prozesses, genauer gesagt auf der Ebene politischer
Praktiken. Ziel des Arbeitspapiers ist es zu zeigen, dass demokratische Legitimität auf der
transnationalen Ebene nur dann entstehen kann, wenn die langen, abstrakten Legitimationsketten durch politische Praktiken normativ unterfüttert werden, die explizite Verweise auf den
Willen des Volkes enthalten sowie durch integrative, kontextsensitive Praktiken, die mögliche Formen der Exklusion verhindern." (Autorenreferat)
[134-L] Patzelt, Werner J.; Dreischer, Stephan (Hrsg.):
Parlamente und ihre Zeit: Zeitstrukturen als Machtpotentiale, (Studien zum
Parlamentarismus, 10), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 271 S., ISBN: 978-3-8329-4200-7
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INHALT: "Zeitfragen sind spannende Fragen, mit denen nicht nur Personen, sondern auch Parlamente täglich konfrontiert sind. Wie gehen gerade Parlamente mit ihren Zeitressourcen um?
Wie und von wem wird ihre Zeitverwendung bestimmt? Welchen Einfluss hat diese auf die
Macht eines Parlaments? Und wie, auch aus welchen Gründen und mit welchen Folgen, wandelt sich das alles? Antworten auf diese Fragen geben empirische Fallstudien zum neuseeländischen House of Representatives, zum Deutschen Bundestag, zur letzten, frei gewählten
Volkskammer der DDR, zum Europäischen Parlament sowie zum Rat der Europäischen Union. Ein theoriebildendes Einleitungskapitel stellt die untersuchungsleitenden Fragestellungen
und Kategorien vor; das Schlusskapitel vergleicht die erzielten Ergebnisse und führt sie in einer den Gegenstand übergreifenden Gesamtschau zusammen. Erkenntnisträchtig ist dieser
Band nicht nur für Parlamentarismusforschung und Parlamentspraxis, sondern auch für institutionenanalytisch interessierte Sozialwissenschaftler." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Stephan Dreischer: Parlamente und ihre Zeit. Kategorien der Analyse (9-54); Sebastian Heer:
Erlernte Entschleunigung. Die Eigenzeitkonstruktion des neuseeländischen House of Representatives in ihrer Veränderlichkeit (55-94); Christian Demuth: Der Deutsche Bundestag und
seine Eigenzeit (95-121); Roland Schirmer: Die letzte Volkskammer der DDR - ein Parlament ohne Zeit? (123-155); Stephan Dreischer: Knechte der Zeit? Eine Analyse europaparlamentarischer Eigenzeit (157-206); Jakob Lempp: Die Herren der Verträge sind die Herren der
Zeit. Prägefaktoren der Eigenzeit des Rats der Europäischen Union (207-244); Werner J. Patzelt: Chronorhythmik als Konzept der Institutionenanalyse. Einsichten aus der vergleichenden
Parlamentarismusforschung (245-268).
[135-L] Reiners, Markus:
Regierungsbezirke im Vergleich: Voraussetzungen umfassenden organisatorischen
Wandels ; diverse Paradigmen, strukturelle Anpassungsleistungen und differierende
Handlungsspektren deutscher Gliedstaaten, in: Zeitschrift für Vergleichende
Politikwissenschaft, Jg. 4/2010, H. 1, S. 105-129 (dx.doi.org/10.1007/s12286-010-0071-0)
INHALT: "Der Beitrag konzentriert sich auf die größeren alten Bundesländer und deren Regierungspräsidien und Bezirksregierungen. In letzter Zeit mehren sich Stimmen, welche die
staatlichen Mittelbehörden - zumindest in ihrer klassischen Form - für entbehrlich halten. Die
Einheiten geraten zunehmend unter Druck, weil vielfach eine Mittelinstanz eines neuen Typs
gefordert wird. Diese soll eine verstärkt horizontale Bündelungsfunktion übernehmen und
von vertikalen Kontrollfunktionen und Genehmigungsverfahren entlastet werden. In den
meisten Ländern bleiben die Reformbemühungen schon in den Anfangsstadien stecken.
Nachfolgend wird jedoch deutlich, dass radikale und in diesem Sinne erfolgreiche Modernisierungspolitik möglich und durch einige wenige Faktoren erklärbar ist." (Autorenreferat)
[136-F] Reutter, Werner, PD Dr.phil. (Bearbeitung):
Landesparlamente nach der Föderalismusreform
INHALT: Untersucht werden die Folgen der Föderalismusreform für die Landesparlamente.
ZEITRAUM: 2006-2013 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Parlamentarische Institutionenforschung. Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe;
Querschnitt DATENGEWINNUNG: Aktenanalyse, standardisiert; Qualitatives Interview.
Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
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3 Staatstheorie und staatliches Handeln
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2010-01 ENDE: 2013-12 AUFTRAGGEBER: nein
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Institut für Sozialwissenschaften Lehrbereich Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland (Unter den Linden 6,
10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 030-20931430)
[137-L] Roth, Christian Tobias:
Bundeskanzlerermessen im Verfassungsstaat, (Schriften zum öffentlichen Recht, 1125), Berlin:
Duncker & Humblot 2009, 252 S., ISBN: 978-3-428-12953-9
INHALT: Der Ermessensbegriff, der im Zentrum der Arbeit steht, kommt aus dem Verwaltungsrecht; seine Übertragung auf das Verfassungsrecht stellt die rechtstheoretische Beurteilung
dabei vor besondere Probleme. Ob und unter welchen Voraussetzungen eignet sich Ermessen
zur Erfassung von Entscheidungsspielräumen der Bundesregierung? Der Autor versteht seine
Studie als Beitrag zur Auslotung der Grenzen des Rechts zur Politik. Wo hört die Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichts auf? Wo beginnt der nicht-justiziable Bereich der Politik?
Eine schärfere Grenze sei dabei sowohl für das Verfassungsgericht als auch für die Gubernative hilfreich: Die Bestimmung des eigenen Handlungsspielraums schafft gleichermaßen Entlastung, Rechtssicherheit und Legitimität. 'Nur die Bindung an eine gesicherte juristische Methode und die Verpflichtung auf die Grundsätze der Dogmatik vermögen die der Verfassungsgerichtsbarkeit immanenten politischen Ingerenzen auf ein demokratisch vertretbares Maß zu
reduzieren. Beschränkt sich die Verfassung auf eine Rahmensetzung und räumt sie den demokratisch legitimierten Organen politische Gestaltungsspielräume ein, muss das Verfassungsgericht die Konkretisierungskompetenz dieser Organe respektieren.' (218) (ZPol, NOMOS)
[138-L] Saalfeld, Thomas:
Regierungsbildung 2009: Merkel II und ein höchst unvollständiger Koalitionsvertrag, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 181-206 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die 2009 gebildete Koalition aus CDU, CSU und FDP war von den drei vor der Bundestagswahl als 'Wunschbündnis' signalisiert worden. Die Verhandlungen gingen deshalb zügig vonstatten. Spieltheoretisch ist das Kabinett Merkel II eine Ämter- und Policy-Nutzen optimierende Gleichgewichtslösung. Die ersten 100 Tage der Regierung zeigen jedoch, dass
Koalitionsvereinbarungen auch unter solch günstigen Bedingungen 'unvollständige Verträge'
bleiben, in denen sich die Koalitionäre oft nicht auf ein komplettes Regierungsprogramm einigen und wichtige Schlüsselentscheidungen durch 'dilatorische Formelkompromisse' auf spätere Verhandlungen verschieben. Deshalb wird die Regierung Merkel II bedeutende politische
Weichenstellungen unter den ungünstigeren Bedingungen der laufenden Legislaturperiode
mit wichtigen Wahlen und besser formierter Opposition aushandeln müssen. Auch werden
die institutionellen Agendasetzer- und Blockademöglichkeiten der Bundeskanzlerin, des Finanzministers und der Bundesratsmitglieder eine größere Rolle spielen als während der Koalitionsverhandlungen. Für die Koalitionsforschung erweist sich die Notwendigkeit einer neuen Generation dynamischer Theorien, um den Lebenszyklus von Koalitionen über diskrete
Ereignisse wie Regierungsbildung oder -zerfall hinaus zu modellieren." (Autorenreferat)
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[139-F] Sack, Detlef, Prof.Dr. (Leitung):
Governance und Politics - zur Institutionalisierung von Public Private Partnerships
INHALT: Der Forschungsschwerpunkt fokussiert auf die transnationale und 'glokale' Verbreitung
von Public Private Partnerships in unterschiedlichen Politikfeldern (Benz u.a. 2007, Sack
2009). Dabei geht es insbesondere darum, die diskurs- und politics-getriebene Institutionalisierung bestimmter Governance-Modi zu analysieren, wobei zunächst die Entstehung und das
Leistungsvermögen verschiedener Formen von Public Private Partnerships untersucht wurden. Im Fall der Public Private Partnerships geht es dabei insbesondere um Formen kontraktualistischer und dialogischer Kooperation. Daran anschließend ist die Forschung an der Genese, Durchsetzung und Institutionalisierung von Formen der Koordination von Interaktionen
und Governance-Modi wie Wettbewerb, Hierarchie und Gemeinschaft interessiert. Dazu gehören beispielsweise Politics der Partizipation und Planungsbeschleunigung oder der Korruption und des Wettbewerbs.
ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, Arbeitsbereich IV Politik und Gesellschaft Professur für Politikwissenschaft (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
[140-L] Schneider, Jan:
Modernes Regieren und Konsens: Kommissionen und Beratungsregime in der deutschen
Migrationspolitik, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2010, 457 S., ISBN: 978-3-531-16398-7
INHALT: "Nicht nur in Zeiten unsicherer politischer Mehrheiten gilt die Organisation von Konsens als zentrale Aufgabe politischer Führung. Inhalt des Buches ist eine Studie über das Regieren in Politikfeldern und konsensorientierte Beratungsprozesse durch Kollegialgremien.
Am Beispiel der deutschen Migrationspolitik wird beleuchtet, was das Einsetzen und die Arbeit von Regierungskommissionen tatsächlich bedeuten. Vergleichend werden die Beratungsregime und Entscheidungsmodalitäten in der Ausländerpolitik der vergangenen 60 Jahre rekapituliert. Konkreter Untersuchungsgegenstand ist die Unabhängige Kommission 'Zuwanderung', deren empirische Analyse drei Phasen berücksichtigt: den Regierungsprozess vor ihrer
Einsetzung, den Arbeitsprozess während ihres Mandats sowie den Post-Kommissionsprozess
- über die Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes 2004 bis hin zu den migrationspolitischen Entwicklungen unter der Großen Koalition. Die Erkenntnisse werden in den Kontext
von Beratungsgremien in anderen Politikfeldern gestellt und Rückschlüsse auf die allgemeine
Funktion und Legitimität gubernativer Kommissionen im Regierungssystem der Bundesrepublik gezogen." (Autorenreferat)
[141-L] Schrenk, Klemens H.; Soldner, Markus (Hrsg.):
Analyse demokratischer Regierungssysteme: Festschrift für Wolfgang Ismayr zum 65.
Geburtstag, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2010, 636 S., ISBN: 978-3-531-16309-3
INHALT: "Der Band vereinigt Beiträge führender PolitikwissenschaftlerInnen zu theoretischen,
methodischen, empirischen und normativen Aspekten der Analyse demokratischer Regierungssysteme in Deutschland und Europa. Als Festschrift würdigt und ergänzt der Band die
analytischen und systematisierenden Arbeiten Wolfgang Ismayrs im Bereich der vergleichenden politikwissenschaftlichen Systemlehre." (Autorenreferat). Inhaltsübersicht: Klemens H.
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Schrenk, Markus Soldner: Vorwort der Herausgeber (11-12); Klemens H. Schrenk, Markus
Soldner: Analyse und Vergleich demokratischer Regierungssysteme (13-27); Teil 1. Theorien, Methoden, Ansätze und Typologien der Regierungssystemanalyse: Susanne Pickel: Methoden der Regierungssystemanalyse und des Regierungssystemvergleichs (31-45); Hans-Joachim Lauth: Demokratietypen auf dem Prüfstand: Zur Reichweite von Lijpharts Mehrheitsund Konsensusdemokratie in der Vergleichenden Politikwissenschaft (47-60); Markus Soldner: "Semi-präsidentielle" Regierungssysteme? Überlegungen zu einem umstrittenen Systemtyp und Bausteine einer typologischen Rekonzeptualisierung (61-82); Anton Pelinka: Die Europäische Union - eine Konkordanzdemokratie? Zur typologischen Verortung der EU (8392); Aurel Croissant: Analyse defekter Demokratien (93-114); Thomas von Winter: Interessengruppen und Demokratie im Wandel verbändetheoretischer Paradigmen (115-127); Oscar
W. Gabriel: Zwischen Markt und Staat: Sozialkapital und die Zukunft der Demokratie (129149); Wolfgang Zeh: Legitimationsprobleme im frühen Medienabsolutismus (151-164); Stefan Wolf: Philosophie des "nächsten Schritts": Politikberatung in der Wissensgesellschaft
(165-182); Teil II. Analyse des deutschen Regierungssystems: Roland Sturm: Das europäisierte deutsche Regierungssystem (185-199); Thomas Knoll: Das Bundeskanzleramt - Funktionen und Organisation (201-220); Volker Busse: Regierungsinternes Gesetzgebungsvorbereitungsverfahren (221-236); Hermann Groß, Jörg Bohnefeld: Regieren aus der zweiten Reihe: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bund (237-255); Norbert Lammert: Relevanz und
Reputation des Parlaments: Der Bundestag (257-262); Heinrich Oberreuter: Institutionen:
Ideen im Wandel (263-272); Karl-Siegbert Rehberg: Parlament und Kunst - Bernhard Heisig
in der Volkskammer und im Deutschen Bundestag (273-285); Sönke Petersen: Parlamentarische Geschäftsführer im Deutschen Bundestag (287-301); Jürgen von Oertzen: Die Macht der
Fraktionsarbeitskreise (303-319); Helmar Schöne: Ungewählte Repräsentanten? Aufgaben,
Selbstverständnis und Karrieren von Fraktionsmitarbeitern im Deutschen Bundestag (321334); Uwe Jun: Der Bundesrat im föderativen System Deutschlands: Vor und nach der Reform 2006 (335-358); Klemens H. Schrenk: Die Vertretungen der Länder beim Bund (359374); Julia von Blumenthal: Governance im Bundesstaat: Föderale und unitarische Tendenzen in der Landespolitik am Beispiel der Kopftuchfrage (375-388); Reimut Zohlnhöfer: Wirtschaftspolitische Gesetzgebung nach der Föderalismusreform I: Schluss mit dem Reformstau?
(389-400); Dietrich Herrmann: Politikwissenschaftliche Forschung zum Bundesverfassungsgericht (401-425); Otmar Jung: Volksgesetze und parlamentarische Konterlegislatur (427442); Angela Behring: Kommunale Handlungsspielräume in der Kinder- und Jugendpolitik
(443-459); Teil III. Analyse und Vergleich europäischer Regierungssysteme: Jürgen Hartmann: Much Ado about Nothing? Zur Verpackungsehrlichkeit des europäischen Verfassungsprojekts (463-477); Silvia von Steinsdorff: Verfassungsgerichte als Demokratie-Versicherung? Ursachen und Grenzen der wachsenden Bedeutung juristischer Politikkontrolle (479498); Thomas Saalfeld: Die Stabilität von Koalitionsregierungen im europäischen Vergleich:
Empirische Befunde und institutionelle Erklärungsansätze (499-523); Florian Grotz, Till Weber: Koalitionsstrukturen und Koalitionsstabilität in Mittel- und Osteuropa: Ein internationaler Vergleich (525-543); Wolfgang Merkel: Gegen alle Theorie? Die Konsolidierung der Demokratie in Ostmitteleuropa (545-562); Solveig Richter: Defekte Demokratien in Südosteuropa: Die Hypothek eigener Staatlichkeit (563-585); Ellen Bos: Parteien und Parteiensysteme in
den post-sozialistischen Staaten Osteuropas - zwischen Konsolidierung und Krise (587-597);
Wolf Linder: Gesellschaftliche Spaltung und direkte Demokratie am Beispiel der Schweiz
(599-609); Gert Pickel: Politische Kultur und Demokratieforschung (611-626).
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[142-F] Sebaldt, Martin, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Pathologie des Staates. Herausforderungen, Leistungsgrenzen und Krankheitsbilder moderner Industrienationen im Spiegel politischer und sozioökonomischer Entwicklungslinien der
OECD-Länder
INHALT: Das Projekt sucht eine Antwort auf die Frage, ob der moderne demokratische Staat
konstruktionsbedingt an typischen 'Krankheiten' leidet, die nicht auf landesspezifische und
zeitbedingte Probleme oder parteipolitisch induzierte Fehlleistungen zurückgeführt werden
können, sondern sich aus seiner charakteristischen Organisationsnatur ergeben. Anhand eines
diachronen empirischen Vergleichs der politischen und sozioökonomischen Entwicklungslinien der OECD-Länder, welche die wesentlichen modernen Demokratien umfassen, soll dieser
Frage systematisch nachgegangen werden. Ziel ist es am Ende, eine umfassende Pathologie
des modernen demokratischen Staates zu formulieren, welche dessen wesentliche 'Krankheitsbilder' diagnostisch erfasst. Damit sollen auch die Voraussetzungen für die schon angedachte Folgestudie "Therapie des Staates" geschaffen werden, welche der Suche nach entsprechenden 'krankheitsspezifischen' Reformoptionen dienen wird. Konkret wird in drei
Schritten vorgegangen: Erstens werden die Herausforderungen, welchen sich moderne demokratische Staaten gegenübersehen und die den Ausgangspunkt für die Entwicklung staatlicher
Fehlleistungen darstellen, systematisch herausgearbeitet und zusammengefasst. Zweitens
werden die diesbezüglichen staatlichen Leistungen bzw. Leistungsgrenzen anhand der Performanzprofile der OECD-Staaten empirisch dokumentiert. Drittens werden auf Basis der beiden
ersten Schritte die nun fassbaren 'Krankheitsbilder' systematisch erfasst und zu einer synoptischen Pathologie des Staates zusammengeführt. GEOGRAPHISCHER RAUM: OECD-Länder
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Regensburg, Philosophische Fakultät 01 - Philosophie, Kunst- und
Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft, insb. Westeuropa (93040 Regensburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0941-943-3520,
e-mail: [email protected])
[143-L] Sebaldt, Martin; Gast, Henrik (Hrsg.):
Politische Führung in westlichen Regierungssystemen: Theorie und Praxis im
internationalen Vergleich, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2010, 382 S., ISBN: 978-3-53117068-8
INHALT: "Explorative Studien weisen seit langem darauf hin, dass die Führungsstile von Regierungschefs im internationalen Vergleich deutlich variieren. Dieser Sammelband geht diesem
Sachverhalt genauer auf den Grund und zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede politischer
Führungsmuster in komparativer Perspektive auf. In elf Fallstudien werden die Führungsstile
in parlamentarischen und präsidentiellen Regierungssystemen, in föderalen und einheitsstaatlichen Ordnungen sowie in etablierten Demokratien und Transformationsstaaten dargestellt.
Beiträge zum Stand der interdisziplinären Führungsforschung erschließen zudem den nötigen
theoretischen Rahmen, um die Ergebnisse zu erklären." (Autorenverzeichnis). Inhaltsverzeichnis: Einführung und theoretische Grundlagen: Henrik Gast: Politische Führung als politikwissenschaftliches Problem: zur Einführung in den Gegenstand (11-33); Henrik Gast: Politische Führung als Gegenstand interdisziplinärer Theorieforschung: Erträge und Defizite (3468); ;Politische Führung im Parlamentarismus: Gerhard Hopp: Politische Führung in der
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Westminster-Demokratie: Großbritannien (71-94); Henrik Gast: Politische Führung in der
Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland (95-120); Andreas Friedel: Politische
Führung im Staat der Autonomen Gemeinschaften: Spanien (121-147); Stefan Köppl: Politische Führung zwischen "Erster" und "Zweiter" Republik: Italien (148-170); Politische Führung im Präsidentialismus: Benjamin Zeitler: Politische Führung im klassischen Präsidentialismus: die USA (173-195); Aletta Hofmann: Politische Führung im Koalitionspräsidentialismus: Brasilien (196-211); Tobias Nerb: Politische Führung im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung: Argentinien (212-227); Stephanie Rübenach: Politische Führung nach dem
Ende der Militärdiktatur: das Fallbeispiel Chile (228-253); Politische Führung in Semipräsidentialismus und Direktorialsystem: Nina Huthöfer: Politische Führung im Semipräsidentialismus: das Fallbeispiel Frankreich (257-280); Yvonne Hempel: Politische Führung im Direktorialsystem: die Schweiz (281-303); Politische Führung in der Europäischen Union: Christian Schramek: Politische Führung im supranationalen Mehrebenensystem: die Europäische
Union (307-332); Folgerungen: Martin Sebaldt: Die Muster politischer Führung in westlichen
Regierungssystemen: empirische Befunde im Vergleich (335-361); Martin Sebaldt: Die Praxis politischer Führung und ihre wissenschaftliche Erklärung: theoretische Folgerungen für
die Leadership-Forschung (362-377).
[144-L] Sebaldt, Martin:
Die Macht der Parlamente: Funktionen und Leistungsprofile nationaler Volksvertretungen
in den alten Demokratien der Welt, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2009, 423 S., ISBN:
978-3-531-17059-6
INHALT: In der vorliegenden Studie wird anhand eines diachronen internationalen Vergleichs
der parlamentarischen Machtprofile in den alten Demokratien der Welt die Frage nach der
Leistungsbilanz von Volksvertretungen untersucht. Als "alte" Demokratie gilt dabei ein Staat,
der seit dem Jahr 1955 völkerrechtlich souverän ist und in diesem Zeitraum auch von den
gängigen Demokratie-Indizes permanent als demokratisch eingestuft wird. Damit fallen sowohl jüngere Demokratien Südeuropas (Spanien, Portugal, Griechenland) und Lateinamerikas aus dem Raster als auch die mittel- und osteuropäischen Transformationsstaaten. Der
Grund für die Beschränkung auf alte und damit traditionsreiche Demokratien liegt im Erkenntnisinteresse der Studie begründet, parlamentarische Performanzleistungen zu ermitteln,
die sich nur längerfristig entfalten bzw. bewerten lassen. Insgesamt entsprechen 23 Staaten
aus West- und Mitteleuropa, den USA, Asien und der Pazifikregion diesen Kriterien. Es werden die Machtprofile der jeweiligen parlamentarischen Vertretungskörperschaften herausgearbeitet und ihre Beiträge zur Performanz des gesamten politischen Systems ermittelt. Die
zentralen Fragestellungen richten sich darauf, (1) welche Funktionen die Parlamente in modernen Demokratien ausüben, und welche Machtprofile repräsentativer Vertretungskörperschaften hieraus erwachsen, (2) wie diese Parlamente jeweils organisiert sind und inwiefern
sich deren Macht aus den jeweiligen Strukturprofilen erklären lässt, (3) in welcher Form und
in welchem Ausmaß die systemischen Kontextfaktoren das Funktions- und Machtprofil der
Parlamente beeinflussen und (4) welche Zusammenhänge zwischen bestimmten parlamentarischen Machtprofilen und der Leistungsbilanz des gesamten politischen Systems sich ermitteln
lassen. (ICI2)
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[145-L] Shikano, Susumu; Behnke, Joachim; Bräuninger, Thomas (Hrsg.):
Theorien der Verfassungsreform, (Jahrbuch für Handlungs- und Entscheidungstheorie, Bd. 5),
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2009, 276 S., ISBN: 978-3-531-16523-3
INHALT: Das Thema der vier theoretisch orientierten Beiträge des Themenschwerpunkts ist die
Frage, unter welchen Bedingungen Verfassungen geändert werden und wie sich Verfassungsänderungen - als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels - erklären lassen. Die in der Politikwissenschaft verbreitete 'prointuitive Annahme' (55), dass sich konstitutionelle Änderungshürden (Rigidität) negativ auf die Häufigkeit von Verfassungsänderungen auswirken würden,
wird von Astrid Lorenz und Wenke Seemann für 37 Demokratien aus institutionalistischer
und mikroökonomischer Perspektive überprüft. Im Ergebnis sei dieser Wirkungszusammenhang nicht eindeutig nachweisbar. Im Vordergrund der übrigen Analysen steht die Bedeutung
der Akteursebene für den Reformprozess. So fragt Nathalie Behnke, wer wann auf welche
Weise Verfassungsänderungen initiiert. Sie überträgt Erkenntnisse aus der Policy-Forschung
auf die Verfassungspolitik und rekonstruiert anhand des 'policy-window'-Modells das Agenda-Setting zur deutschen Föderalismusreform I. Dabei stellt sie die besondere Bedeutung interessierter Akteure heraus. Damit diese jedoch 'ein Thema effektiv auf die Agenda setzen
können', müssten 'Probleme, Lösungen und geeignete Machtkonstellationen' (47) zusammentreffen. Wie die schweizerische Föderalismusreform trotz zahlreicher Vetospieler gelingen
konnte, ist das Thema von Dietmar Braun. Im Beitrag von Katja Heeß und Christoph Hönnige geht es um die Frage, wie es in Frankreich dazu kommen konnte, dass das von Präsident
Chirac freiwillig angesetzte Referendum über den europäischen Verfassungsvertrag scheitern
konnte. Außerhalb des Schwerpunktthemas enthält das Jahrbuch vier weitere interessante
Analysen, darunter eine Modellierung von Koalitionsbildungen, in der die beiden Hauptmotivationen von Parteien, Ämter und Policy, gleichzeitig berücksichtigt werden. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Susumu Shikano, Joachim Behnke, Thomas Bräuninger: Editorial
(7-10); Nathalie Behnke: Agenda-Setting für Verfassungsreformen (11-54); Astrid Lorenz,
Wenke Seemann: Verfassungspolitische Konjunkturzyklen? Überlegungen zur Wirkungsweise konstitutioneller Rigidität (55-86); Dietmar Braun: Verfassungsänderung trotz vieler VetoSpieler: Föderalismusreform in der Schweiz (87-118); Katja Heeß, Christoph Hönnige: Risiken und Nebenwirkungen von Vetospielerreferenden - Warum Chirac das Verfassungsreferendum verloren hat (119-148); Matthias Lehnert, Eric Linhart: Der Einfluss der Mehrheitsverhältnisse im Vermittlungsausschuss auf die deutsche Gesetzgebung (149-180); Eric Linhart: Ämterschacher oder Politikmotivation? Koalitionsbildungen in Deutschland unter
gleichzeitiger Berücksichtigung von zweierlei Motivationen der Parteien (181-222); Claudia
Landwehr: Woher wissen wir, was wir wollen? Möglichkeiten und Grenzen der Rationalisierung von Präferenzen (223-244); Joscha Legewie, Arno Simons: Zur Rationalität von Selbstmordattentätern. Kritische Überlegungen zur Anwendung von Rational-Choice Theorien
(245-274).
[146-L] Siefken, Sven T.:
Parlamentarische Frageverfahren: Symbolpolitik oder wirksames Kontrollinstrument?, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 18-36 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Kontrolle der Regierung ist neben der Gesetzgebung eine der wichtigsten Funktionen von Parlamenten. Besonders sichtbar wird ihre Wahrnehmung in den parlamentari-
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schen Frage- oder Interpellationsverfahren im Bundestag, zu denen die Große Anfrage, die
Kleine Anfrage, sowie Schriftliche und Mündliche Fragen gehören. Die Analyse der Parlamentsstatistik zeigt, dass es zwischen diesen Verfahren in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Verschiebungen gegeben hat, die auch mit einem veränderten Selbstverständnis des
Bundestages zusammenhängen dürften. So ist insgesamt ein Trend von mündlichen zu
schriftlichen Verfahren und eine Zunahme ihrer Nutzung durch die jeweilige Opposition
deutlich. In Verbindung mit einer detaillierten Auswertung der Geschäftsprozesse und der öffentlichen Wirkung der Frageverfahren werden ihre Funktionen im politischen System dargestellt, um darauf aufbauend Empfehlungen für die Parlamentspraxis zu formulieren. Aufgezeigt wird, dass sie nicht vor einem zu engen Steuerungs- oder Kontrollbegriff bewertet werden sollten und eine wesentliche Rolle bei der Wahrnehmung der Öffentlichkeitsfunktion des
Parlamentes spielen." (Autorenreferat)
[147-L] Vatter, Adrian; Varone, Fédéric; Sager, Fritz (Hrsg.):
Demokratie als Leidenschaft: Planung, Entscheidung und Vollzug in der schweizerischen
Demokratie ; Festschrift für Prof. Dr. Wolf Linder zum 65. Geburtstag, Bern: Haupt 2009,
523 S., ISBN: 978-3-258-07504-4
INHALT: "Der vorliegende Sammelband 'Demokratie als Leidenschaft' bildet die Festschrift zum
65. Geburtstag und zur Emeritierung von Wolf Linder. Der erste Teil des Buches geht auf die
Person Wolf Linder ein und fokussiert auf die facettenreichen Rollen des Begründers und erfolgreichen Leiters des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität Bern. Die anschließenden Beiträge würdigen Wolf Linders Schaffen, indem sie Thesen aus seinem wissenschaftlichen Werk aufnehmen, diskutieren, teilweise ein ungewohntes Licht darauf werfen
und sie teilweise weiterführen. Die thematischen Schwerpunkte der rund dreißig Beiträge liegen in der Analyse der komplexen Wechselwirkungen von direkter und repräsentativer Demokratie in der Schweiz, den historischen Grundlagen und neuesten Entwicklungen schweizerischer Institutionen wie Konkordanz und Föderalismus sowie der Rolle der deliberativen
Kultur, den Herausforderungen und Chancen bei der Planung und dem Vollzug öffentlicher
Politik und den Eigenheiten der schweizerischen Demokratie im internationalen Vergleich.
Das vorliegende Werk bietet einen aktuellen Überblick über die neueste Forschung von führenden Vertretern der Schweizer Politikwissenschaft, wobei ein besonderes Gewicht auf die
Analyse des Wandels der schweizerischen Demokratie in den letzten Jahren gelegt wird. Darüber hinaus kommen auch Verwaltungspraktiker und Politiker zu Wort, die sich zu den viel
beachteten und für eine größere politische Öffentlichkeit formulierten Analysen, Anstößen
und fundierten Vorschlägen von Wolf Linder zu aktuellen Entwicklungen der schweizerischen Politik äußern." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Adrian Vatter, Frédéric Varone,
Fritz Sager: Wolf Linder: Ein Politikwissenschaftler zwischen Engagement und Distanz (925); Wolf Linder, die Schweizer Politik und die Berner Politikwissenschaft: Dieter Freiburghaus: Laudatio für Wolf Linder (29-37); Hans Hirter: Wolf Linder und die Berner Politikwissenschaft (39-56); Roger Nordmann: L'école bernoise ou l'exploration méthodique des branchages d'un grand feuillu (57-63); Andrea Iff, Yvan Rielle, Daniel Schwarz: Wolf Linder als
Lehrer und Mentor (65-70); Martin Senti: "Vielleicht war ich ein heimlicher Patriot". Ein Gespräch mit Wolf Linder (71-79); Direkte und repräsentative Demokratie im Wechselspiel:
Hanspeter Kriesi: Sind Abstimmungsergebnisse käuflich? (83-106); Yannis Papadopoulos:
Démocratie suisse et idéologie populiste: Quand on récolte ce qu'on a semé (107-116); Pascal
Sciarini, Simon Hug: Parties and their success in Swiss parliament (117-138); Heidi Z'grag-
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gen: Die Professionalisierung von Parlamenten und der Parlamentsmitglieder (139-156); Isabelle Stadelmann-Steffen, Markus Freitag: Abstimmungs- oder Wahldemokratie? Zum Einfluss der direkten Demokratie auf die Wahlteilnahme in den Kantonen (157-182); Georg
Lutz: Väter und ihre Kinder: Erklärungsmuster intergenerationeller Stabilität bei der Wahlentscheidung (183-204); Andreas Ladner: Elektronisch wählen - smart wählen (205-221);
Konkordanz, Föderalismus und Deliberation: Christian Bolliger, Regula Zürcher: Die Geburtsstunde der Konkordanz 1959: Anfang oder Ende der Annäherung zwischen Sozialdemokratie und Bürgerblock? (225-245); Urs Altermatt: Konkordanz im Spiegel der Bundesratswahlen (247-270); Jürg Steiner: Wolf Linder's Swiss Democracy. An Early Advocate for a
Deliberative Culture (271-281); Marco Steenbergen: Deliberative Politics in Switzerland
(283-301); Thanh-Huyen Ballmer-Cao: Fédéralisme et représentation politique des femmes
en Suisse (303-313); Planung und Vollzug öffentlicher Politik: Annemarie Huber-Hotz: Politische Planung zwischen Wunsch und Wirklichkeit (317-331); Barbara Haering: Partizipation
in der kommunalen Raumplanung (333-350); Norbert Thom, Kerstin Alfes: Auf dem Weg zu
neuen Ufern? Die Rolle der Personalabteilung im öffentlichen Sektor der Schweiz (351-368);
Peter Knoepfel: Vollzug der Umweltpolitik: Eine Policy stößt auf den Widerstand der eigentumsrechtlichen Grundordnung (369-382); Peter Hablützel: Finanzmarktkrise und Sonderfall
Schweiz. Ein Interpretationsversuch aus zeithistorischer Perspektive (383-402); Andreas Balthasar, Stefan Rieder: Wo ist evidenzbasierte Politik möglich? Die Verbreitung von Evaluationen auf kantonaler Ebene (403-429); Die schweizerische Demokratie im internationalen
Vergleich: Klaus Armingeon: Direkte Demokratie als Exportartikel? (433-442); Roger Blum:
Liebediener und Störenfriede. Medien und Demokratie im internationalen Vergleich (443459); Clive Church: Changing Models of Democracy in Britain and Switzerland (461-478);
André Bächtiger: Transitions- und Demokratieforschung: Eine Reise ins Herz der afrikanischen und asiatischen Demokratien (479-499); Anhang: Publikationen von Wolf Linder (503514).
[148-L] Wenzelburger, Georg:
Interaktiv, indirekt und nur stellenweise: wie Parteien Budgetkonsolidierungen
beeinflussen, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft : Journal of Political Science, Jg. 19/2009, H.
4, S. 493-536 (Standort: USB Köln(38)-EWA Z3338; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Der Einfluss von Parteien auf Finanzpolitik ist umstritten. In der polit-ökonomischen
Literatur wird argumentiert, dass hauptsächlich ökonomische Faktoren wie wirtschaftlicher
Problemdruck, Arbeitslosigkeit oder Wirtschaftswachstum Budgetdefizite, Schulden oder
Haushaltskonsolidierungen determinieren. Auch die Schule der 'New Politics of the Welfare
State' geht von abnehmenden Parteieneffekten in Zeiten fiskalischen Drucks aus. Dieser Beitrag zeigt jedoch, dass die Couleur einer Regierung die Fiskalpolitik durchaus beeinflusst:
Rechte Regierungen konsolidieren die öffentlichen Finanzen anders als linke Regierungen.
Jedoch liegt kein linearer Zusammenhang vor. Vielmehr sind die Einflüsse indirekt sowie interaktiv und sie treten nur stellenweise auf." (Autorenreferat)
[149-L] Willner, Roland:
Wie Angela Merkel regiert: eine Analyse am Beispiel der Arbeitsmarktpolitik, Marburg:
Tectum Verl. 2009, 177 S., ISBN: 978-3-8288-2025-8
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INHALT: Die zentrale Fragestellung der Studie lautet: Welche Praktikenkombination dominiert
Angela Merkels Regierungshandeln in politischen Entscheidungsprozessen? Im Mittelpunkt
des Erkenntnisinteresses steht der Regierungsstil der Bundeskanzlerin, der anhand des mikropolitischen Ansatzes von sieben basalen Praktiken analysiert wird. Die folgenden drei Hypothesen leiten die empirische Untersuchung: (1) Merkels oft zitierte Ablehnung einer "BastaPolitik" lassen vermuten, dass ihr Regierungsstil moderater abläuft und sie Diskussionen länger laufen lässt als ihr Vorgänger Gerhard Schröder. Mit anderen Worten setzt sich Angela
Merkels Regierungsstil aus Kombinationen politischer Praktiken zusammen, die eher auf
Konsens und weniger auf Hierarchie oder Dominanz setzen. (2) Wenn die politischen Praktiken mehr Konsens zum Ziel haben, dann wird das weniger durch die Persönlichkeit der Kanzlerin als durch die Regierungskonstellation in Form einer großen Koalition bewirkt. (3) Die
Arbeitsmarktpolitik dominierte der Koalitionspartner SPD und vor allem Franz Müntefering.
Die starke Stellung des Vizekanzlers wirkte sich einschränkend auf Merkels Handlungsspielraum aus. Um dennoch Einfluss auf die Prozesse zu nehmen, ist demzufolge ein mehr verhandlungs- als konfrontationsorientierter Politikstil angebracht. Der Autor untersucht den Regierungsstil, als die Zahlung des Arbeitslosengeldes I verlängert und der Post-Mindestlohn
eingeführt wurde. Die detaillierten Beschreibungen dieser konfliktbeladenen Prozesse und die
Einordnung in ein innovatives Analyse-Schema demonstrieren neue insgesamt Möglichkeiten
einer wissenschaftlichen Regierungsstilanalyse. (ICA2)
soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
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Politische Parteien und Parteiensysteme
[150-L] Binder, Dieter A.; Wassermann, Heinz P.:
Die steirische Volkspartei oder die Wiederkehr der Landstände, Graz: Leykam 2008, 263 S.,
ISBN: 978-3-7011-0111-5
INHALT: Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Verfasser greift den "bad start" der
Partei im Sommer 1945 auf, zeigt die "Generationsablöse", die auf die Gründungsphase und
den überraschenden Wahlsieg der steirischen ÖVP 1945 folgt und führt zur Modernisierung
der Landespartei, die eingebettet in eine fulminante Kulturpolitik ab 1959/60 den Weg für die
"steirische Volkspartei" freimacht. Der selbstimaginierte Sonderstatus, das höchst erfolgreich
bei den Wahlen in den langen 1970er-Jahren hochstilisierte Bild vom "wilden Steirer", der
gegen das zentralistische und "rote Wien" ankämpft, verblasst ab 1986 angesichts der ÖVPTeilnahme an der Bundesregierung und angesichts der unübersehbaren Wirtschaftskrise im
Lande. Die Provinzgroteske um die Draken-Stationierung läuten 1990 das Ende der Ära Krainer ein, wiewohl Josef Krainer jun. erst 1995 nach der zutiefst als persönliche Niederlage
empfundenen Wahlschlappe geht, um im Abtreten als Nachfolgerin Waltraud Klasnic zu kreieren, die 2000 auch als Nutznießerin der in den späten 1980er-Jahren begonnenen Modernisierung der regionalen Wirtschaft die steirische ÖVP zu lichten Höhen führt. Klasnic scheitert
an der Unfähigkeit, den autistischen Solotänzer und emeritierten Kronprinz der Ära Krainer
jun., Gerhard Hirschmann nachhaltig zu entsorgen, bzw. in der Auseinandersetzung mit ihm
Härte zu zeigen und den Wählern deutlich zu machen, dass hier eine ewige "Nachwuchshoffnung" mit seiner Midlifecrisis kämpft. Im zweiten Teil stehen - fokussiert auf die Steirische
Volkspartei - die (Medien-) Wahlkämpfe der Zweiten Republik im Mittelpunkt des Interesses. Es wird der Weg der Steirischen Volkspartei von der "Partei der Mitte" über den massiven Rechtsschwenk ab 1949 zum Wahlverein des Josef Krainer, des Friedrich Niederl, des
"Joschi" Krainer und der "Landesmutti" Waltraud Klasnic nachgezeichnet. Im Zentrum der
Analysen stehen Fragen der (medialen) Themensetzung, Personalisierung und Negativität der
politischen Konkurrenz gegenüber oder medial ausgetragene Konflikte der Politkonkurrenz
mit der Volkspartei. Die insgesamt 15 untersuchten Wahlkämpfe geben auch darüber Aufschluss, wie sich die Steirische Volkspartei in einem sowohl politisch als auch medial (zum
Teil massiv) veränderten Umfeld bewegte. (ICF2)
[151-L] Botsch, Gideon; Kopke, Christoph:
Die NPD und ihr Milieu: Studien und Berichte, Münster: Klemm u. Oelschläger 2009, 120 S.,
ISBN: 978-3-932577-41-3
INHALT: "Vorliegender Band vereinigt verschiedene aktuelle Studien und Berichte zu einzelnen
Aspekten der Geschichte, Programmatik und politischen Praxis der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und des sie umgebenden politischen Milieus. Die
Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass man mit der Existenz einer 'Nationalen
Opposition' einer rechtsextremen und fundamentaloppositionellen Strömung in der politischen Kultur der Bundesrepublik auch künftig rechnen muss. Ausgehend von der NPD bietet
der Band damit zugleich eine prägnante Einführung in das Thema Rechtsextremismus und
liefert Argumente gegen rechtsradikale Ideologie und Propaganda." (Autorenreferat)
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
[152-L] Bukow, Sebastian:
Parteien auf dem Weg zur mitgliederbasierten Leitorganisation: Organisationsreformen
zwischen Wettbewerbsdruck und widersprüchlichen institutionellen Erwartungen, in: Ralf
Wetzel (Hrsg.) ; Jens Aderhold (Hrsg.) ; Jana Rückert-John (Hrsg.): Die Organisation in
unruhigen Zeiten : über die Folgen von Strukturwandel, Veränderungsdruck und
Funktionsverschiebung, Heidelberg: Verl. für Systemische Forschung im Carl-Auer-SystemeVerl., 2009, S. 105-124
INHALT: Im Mittelpunkt des Beitrages stehen die deutschen Parteien und deren Organisationsreformen. Zunächst wird skizziert, warum Parteien zunehmend unter Handlungsdruck geraten
sind, warum sie sich in unsicheren Zeiten befinden und mit welchen spezifischen Problemen
sie zu kämpfen haben. Daran schließen sich Überlegungen an, warum Parteien auf den entstandenen Handlungsdruck reagieren müssen. Es werden theoretische Anknüpfungspunkte zu
Parteien, Parteienwandel und Parteiumwelt aufgezeigt, wobei die Bedeutung von Institutionen, also von strukturell oder kulturell wirksamen Phänomenen, für Parteireformen exemplarisch herausgearbeitet wird. Im dritten Abschnitt werden die zentralen Reformstränge seit der
deutschen Wiedervereinigung skizziert und unter Bezugnahme auf die theoretischen Anknüpfungspunkte diskutiert. Im Ergebnis wird festgestellt, dass die Parteien unterschiedlichen institutionellen Erwartungen ausgesetzt sind und sich zu mitgliederbasierten Leitorganisationen
entwickeln. Es bleibt jedoch offen, ob damit dem Bedeutungswandel sowie dem veränderten,
risiko- und computerbeeinflussten Verhalten von Sympathisanten, Mitgliedern und Wählern
auf Seiten der Parteiorganisationen gerecht werden kann. (ICI2)
[153-L] Detterbeck, Klaus:
Parteien im föderalen System, in: Klaus Detterbeck (Hrsg.) ; Wolfgang Renzsch (Hrsg.) ; Stefan
Schieren (Hrsg.): Föderalismus in Deutschland, München: Oldenbourg, 2010, S. 197-224
INHALT: Der Verfasser zeigt, dass sich aus der Trennlinie zwischen einem liberalen und einem
majoritären Demokratieverständnis unterschiedliche Urteile über die legitime Rolle von Parteien im Föderalismus ergeben. In den letzten Jahrzehnten ist zu dieser Debatte eine kausaltheoretische Variante hinzu getreten, die zentrale Indikatoren für die Analyse der Interaktion von Föderalismus und Parteien liefern kann. Aus dieser Perspektive wird das Parteiensystem der Bundesrepublik analysiert und gezeigt, unter welchen Bedingungen und mit welchen
Folgen Parteien die politischen Arenen eines Mehrparteiensystems verknüpfen. Durch die
Einbeziehung von Großbritannien und Italien wird gezeigt, dass Parteien in regionalisierten
Systemen ähnlichen Dynamiken ausgesetzt sein können wie Parteien in Bundesstaaten.
(ICE2)
[154-L] Dittberner, Jürgen:
Die FDP zwischen Neo- und Ordoliberalismus, in: Vorgänge : Zeitschrift für Bürgerrechte und
Gesellschaftspolitik, Jg. 49/2010, H. 1 = H. 189, S. 78-85 (Standort: USB Köln(38)-XG2258;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Autor stellt das derzeitige Personal und Programm der FDP auf den Prüfstand und
beurteilt die Chancen, aus der "marktliberalen Verengung" herauszufinden, eher skeptisch.
Der "Westerwelle-Liberalismus" beruht - für den Autor eigentlich unliberal - auf folgenden
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
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"Glauben": Wenn man den "Leistungsträgern" viel Freiheit gibt und ihnen möglichst viele
Steuerlasten nimmt, bringen sie die Wirtschaft in Gang und schaffen Arbeitsplätze auch für
die Leistungsschwachen. Der Autor wendet hier ein: "Nirgendwo auf der Welt ist bewiesen
worden, dass das klappt. Es werden keine Schaffner, keine Pförtner, keine Wärter, keine 'Hilfen' irgendwelcher Art wiederauferstehen, nur weil es den Leistungsträgern gut geht". Plädiert
wird für eine Renaissance des "alten Neoliberalismus", den Ordoliberalismus; auch bei der
FDP müsse man wieder Eucken und Röpke lesen. Der Liberalismus hat noch immer ein
Chance: Er muss sich nur darauf besinnen, was liberale Theoretiker nach 1945 gedacht haben,
wie man einen "erneuten Kultur- und Sittenverfall" verhindern kann. Damals nannte man die
so entstandene sozial verantwortliche Philosophie "Neoliberalismus". Der Autor resümiert:
"Es wird Zeit, dass diese ihren guten Klang zurück gewinnt. Dann wird der Liberalismus wieder gebraucht werden". (ICA2)
[155-L] Dittrich, Denise:
Die FDP und die deutsche Außenpolitik: eine Analyse liberaler Außenpolitik seit der
deutschen Wiedervereinigung, (WeltTrends Thesis, 7), Potsdam: Univ.-Verl. Potsdam 2009, 115
S., ISBN: 978-3-86956-011-3
INHALT: Die Autorin untersucht in ihrer Diplomarbeit die Entwicklung der außenpolitischen Positionen der FDP im Zeitraum von 1990 bis 2005. Im ersten Kapitel zeichnet sie die Debatte
Kontinuität und/oder Wandel in der deutschen Außenpolitik nach, wobei sie die Entwicklungsphasen sowie die normativen und rechtlichen Grundlagen bundesdeutscher Außenpolitik
betrachtet. Hinsichtlich des Spannungsverhältnisses zwischen Kontinuität und Wandel greift
sie auf das Konzept von Monika Medick-Krakau zurück, um den Untersuchungsgegenstand
in die übergeordnete Debatte einordnen zu können. Im zweiten Kapitel behandelt sie die außenpolitische Position der liberalen Partei im Kontext der bundesdeutschen Außenpolitik.
Vorgestellt werden unter anderem die außenpolitisch relevanten Strukturen und Personen sowie die wichtigsten programmatischen Beschlüsse. Es schließt sich eine Darstellung des außenpolitischen Handelns sowohl als Bestandteil der Regierung (1990 bis 1998) als auch als
Opposition (1998 bis September 2005) an. Im dritten Kapitel beleuchtet die Autorin anhand
von drei ausgewählten Fallbeispielen (EU-Mitgliedschaft der Türkei, das deutsch-amerikanische Verhältnis und Auslandseinsätze der Bundeswehr) die Entwicklungslinien der außenpolitischen Position der FDP im Kontext der deutschen Außenpolitik. Im abschließenden vierten
Kapitel fasst sie ihre Forschungsergebnisse zusammen und klärt die Frage nach Kontinuität
und/oder Wandel in der außenpolitischen Programmatik der FDP. (ICI2)
[156-L] Faulenbach, Bernd; Adler, Gunther (Hrsg.):
Das sozialdemokratische Projekt im Wandel: zur Frage der Identität der SPD, Essen:
Klartext-Verl. 2008, 100 S., ISBN: 978-3-8375-0048-6
INHALT: Was macht sozialdemokratische Identität aus? Dies war die Leitfrage des 20. Forums,
das die Historische Kommission beim Parteivorstand der SPD in Berlin 2007 veranstaltete
und dessen Beiträge in diesem Band dokumentiert werden. Historiker, Politikwissenschaftler
und Politiker erörterten u. a., ob die 'Zähmung' (19) des Kapitalismus als dauerhafte Aufgabe
zu verstehen ist. Aufgezeigt wird das Spannungsverhältnis zwischen der Dynamik der Marktwirtschaft einerseits und der 'ökologischen Blindheit des Kapitalismus' (19) andererseits, und
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
zwar in historischer Perspektive. (ZPol, NOMOS). Inhaltsverzeichnis: Vorwort (7-8); Bernd
Faulenbach: Begrüßung und Einführung (9-10); Kurt Beck: Das sozialdemokratische Politikverständnis zu Beginn des 21. Jahrhunderts (11-18); Podiumsdiskussion I: Die Zähmung des
Kapitalismus als dauernde Aufgabe? (19-42); Die Rolle der Sozialdemokratie in der deutschen Demokratiegeschichte (43-60); Podiumsdiskussion II: Ist Fortschritt (noch) möglich?
(61-94); Bernd Faulenbach: Schlussbemerkung (95-98).
[157-L] Gehler, Michael:
Parteipolitik in transnationalen Netzwerken: ein Vergleich zwischen SPÖ und ÖVP mit
einem Ausblick ins 21. Jahrhundert, in: Michael Gehler (Hrsg.) ; Wolfram Kaiser (Hrsg.) ;
Brigitte Leucht (Hrsg.): Netzwerke im europäischen Mehrebenensystem : von 1945 bis zur
Gegenwart, Wien: Böhlau, 2009, S. 165-183
INHALT: Eine Struktur von zwei Großparteien dominierte das politische System Österreichs
über Jahrzehnte. Vor diesem Hintergrund werden die Sozialistische (bis 1991) bzw. Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) und die Österreichische Volkspartei (ÖVP) mit Blick
auf deren transnationale Netzwerkbildung bezüglich des Beitritts Österreichs zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) und der Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union
(EU) betrachtet. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen folgende Fragen: Wie gestaltete sich die Netzwerkarbeit? Welche Ziele wurden verfolgt und Erfolge erzielt? Welche
Wirkung entfaltete der 1995 erfolgte EU-Beitritt? Bei der SPÖ wird Augenmerk auf die Sozialistische Internationale (SI) und den Bund der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaften, die heutige Sozialdemokratische Partei Europas (SPE), sowie bei der
ÖVP auf diverse übernationale Parteienbünde wie die Nouvelles Equipes Internationales
(NEI), die Europäische Union Christlicher Demokraten (EUCD), die Europäische Demokratische Union (EDU) und die Europäische Volkspartei (EVP) gelegt. Einzelne Schwerpunkte
der Untersuchung sind die sozialistischen Aktivitäten im Zeichen von intensivierter Europäisierungs- und moderater Globalisierungspolitik, die christdemokratischen Kooperationen im
Zeichen von geplanten Annäherungen an die EG, die lagerübergreifenden Zusammenarbeit
im Zuge des EG-Beitrittsansuchens von 1989, die EU 14-Staaten-Boykottmaßnahmen gegen
die österreichische Bundesregierung 2000 im Lichte transnationaler parteipolitischer Abwehrund Überwindungsversuche sowie die Formierung und Funktionen von Netzwerken im EUPolitikkontext. (ICF2)
[158-L] Geiling, Heiko (Hrsg.):
Die Krise der SPD: autoritäre oder partizipatorische Demokratie, (Soziale Milieus im
gesellschaftlichen Strukturwandel, Bd. 5), Berlin: Lit Verl. 2009, 352 S., ISBN: 978-3-643-101341
INHALT: "Volks- und Mitgliederparteien müssen unterschiedliche soziale Milieus repräsentieren, um für die eigene Politik mobilisieren und Wahlerfolge erzielen zu können. Jedoch setzt
die Mobilisierung mittlerweile modernisierter sozialer Milieus demokratische Kommunikation und Beteiligung auf Augenhöhe voraus. Das Beharren auf autoritären Praktiken der Demokratie hingegen führt zur Auflösung des Modells der Volkspartei. Die Autoren des vorliegenden Buches verdeutlichen diese These am Beispiel der Krise der sozialdemokratischen Partei
Deutschlands." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Michael Vester, Heiko Geiling: Soziales
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
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Kapital und Wählerverhalten - Die Krise einer Volks- und Mitgliederpartei (25-52); Max
Reinhardt: Parteiflügelkämpfe seit der Bundestagswahl 2002 - Der Kampf um die Macht in
der SPD (53-112); Stephan Meise: "...wozu die Sozialdemokratie eigentlich verpflichtet
wäre" - Verprellte Mitglieder, Parteiaustritte und die Vertrauenskrise der SPD (113-158);
Wolfgang Schroeder: Die hessische SPD: zwischen Machtanspruch und innerparteilicher Zerrissenheit (159-196); Horst Peter, Mathias Lomb: Mit Programm und Glaubwürdigkeit
Wahlen gewinnen - Die Landtagswahlen in Hessen 2008 und 2009 (197-230); Heiko Geiling:
Die SPD im freien Fall - Zwischenrufe zu den niedersächsischen Landtagswahlen 2003 und
2008 (231-258); Daniel Gardemin: Kleinräumige Untersuchung der SPD-Wählerschaft Wahlanalysen in Hannover von 1998 bis 2008 (259-302); Thomas Schwarzer: Erneuert sich
die Politik aus den großen Städten heraus? (303-340); Horst Peter, Michael Vester: Zwischen
autoritärer und partizipatorischer Demokratie - Das "neoliberale Modell Deutschland" der
SPD-Führung ist in der Krise (341-350).
[159-L] Hard, Daniel:
SPD-Programmdebatte vom Schröder-Blair-Papier bis zur Agenda 2010: sozialpolitische
Deutungen in Parteitagsbeschlüssen der SPD 1998-2003, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller
2008, 166 S., ISBN: 978-3-8364-4978-6
INHALT: "Als G. Schröder 1998 Kanzler wurde, strebte er eine programmatische Veränderung
der SPD an. 1999 hatte er seine Partei mit dem 'Schröder-Blair- Papier' noch mit mäßigem Erfolg provoziert. Im Juni 2003 versprach ihm der Parteitag, die Vorschläge der Hartz-Kommission 'schnellstmöglich Punkt für Punkt' umzusetzen. Diese Arbeit untersucht, wie sich sozialpolitische Deutungen in den Parteitagsbeschlüssen zwischen diesen beiden Ereignissen entwickelt haben. Verglichen werden die Parteitagsbeschlüsse mit dem Schröder-Blair-Papier, dem
Bericht der Hartz-Kommission, und der Regierungserklärung 'Agenda 2010'. Gearbeitet wird
u.a. mit Konzepten der von F. Nullmeier/F. W. Rüb eingeführten 'Wissenspolitologie' einer
konstruktivistischen und kognitivistischen Politikwissenschaft. Die Arbeit kommt zu dem
Schluss, dass sich die sozialpolitischen Positionen in der SPD-Programmdebatte 1998 bis
2003 jenen der 'Neuen Mitte' angenähert haben. Dies bezieht sich insbesondere auf die zunehmende Befürwortung des Einsatzes von sozialpolitischen Sanktionsinstrumenten." (Autorenreferat)
[160-L] Hug, Simon; Sciarini, Pascal:
Parties and their succsess in Swiss parliament, in: Adrian Vatter (Hrsg.) ; Fédéric Varone
(Hrsg.) ; Fritz Sager (Hrsg.): Demokratie als Leidenschaft : Planung, Entscheidung und Vollzug in
der schweizerischen Demokratie ; Festschrift für Prof. Dr. Wolf Linder zum 65. Geburtstag, Bern:
Haupt, 2009, S. 117-138
INHALT: Die Studie zum politischen System in der Schweiz analysiert die Frage, ob die Berner
Forschungsergebnisse von Schwarz und Linder (2006) zur politischen Macht der Parteien im
Parlament anders aussehen, wenn man auch die Wichtigkeit sowie den Internationalisierungsgrad der Abstimmungsgegenstände berücksichtigt und multivariate Regressionsmodelle
schätzt. Als Datenmaterial werden die Abstimmungsergebnisse der 47. Legislaturperiode
(2003 bis 2007) herangezogen. Die Ergebnisse zum Erfolg der Parteien und ihrer Kohäsion
bestätigen grosso modo die Befunde aus der Studie von Schwarz und Linder (2006). Die Be-
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
deutung von Abstimmungsvorlagen übt zwar einen moderaten Einfluss auf die Gewinnchancen der Parteien aus, jedoch nicht auf die Parteigeschlossenheit. Das Umgekehrte gilt für den
Einfluss des Internationalisierungsgrades parlamentarischer Vorlagen. (ICG2)
[161-L] Jesse, Eckhard:
Die Volksparteien nach der Bundestagswahl 2009: gravierende Symptome einer Krise, in:
Martin Sieg (Hrsg.) ; Heiner Timmermann (Hrsg.): Internationale Dilemmata und europäische
Visionen : Festschrift zum 80. Geburtstag von Helmut Wagner, Münster: Lit Verl., 2010, S. 258269
INHALT: Die Antwort auf die Frage, ob Parteien, die lediglich 30 Prozent der Stimmen auf sich
vereinigen, als Volksparteien gelten können, hängt entscheidend von der Definition des Begriffs "Volkspartei" ab. Manche Parteien trugen bereits im Kaiserreich und in der Weimarer
Republik diesen Terminus in ihrem Namen, ohne dass es sich um Volksparteien im heutigen
Sinn handelte. Nach 1945 kam allmählich der Typus der Volkspartei zur Geltung, bei der
Union zuerst, bei der SPD später. Er ist durch drei Charakteristika bestimmt: erstens durch
eine beträchtliche Wählerschaft; zweitens durch eine Programmatik, die aufgrund des Elektorats, das sich aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammensetzt, breit gefächert ist;
drittens durch die Akzeptanz demokratischer Prinzipien. Der vorliegende Beitrag fragt vor
diesem Hintergrund nach der Rolle der Volksparteien in der deutschen Demokratie. Geht ihre
Zeit zu Ende? Anhand empirischer Daten folgen Ausführungen zu ihren Stimmenverlusten,
zum Rückgang der Zahl der Mitglieder sowie zu den Ursachen. Es werden abschließend die
Konsequenzen erörtert, die sich daraus für das Parteiensystem ergeben, und Reformmöglichkeiten diskutiert. (ICA2)
[162-L] Jun, Uwe; Niedermayer, Oskar; Wiesendahl, Elmar (Hrsg.):
Zukunft der Mitgliederpartei, Opladen: B. Budrich 2009, 287 S., ISBN: 978-3-86649-204-2
INHALT: "Das Buch analysiert auf breiter theoretischer und empirischer Basis die derzeitige Situation der Mitgliederparteien und geht ausführlich auf die Niedergangsdebatte ein. Dabei
sollen auch die auf Demokratisierung und Professionalisierung der Organisationsstrukturen
von Parteien abzielenden Reformmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden.
Nicht zuletzt stellen die im Bundestag vertretenen Parteien ihre eigene Sichtweise und die Erfolgsbewertungen ihrer Reformmaßnahmen dar. Seit Mitte der neunziger Jahre hat in der internationalen Parteienforschung eine breite Debatte um die Frage eingesetzt, inwieweit den
traditionellen Mitgliederparteien ein absehbares Ende bevorsteht. Auf der einen Seite wird
der Niedergang dieses klassischen Typs des modernen Parteiwesens mit dem massiven und
anhaltenden Mitgliederschwund begründet. Auf der anderen Seite sehen sich, so eine These
der neueren Party Change-Literatur, Mitgliederparteien einem funktionalen Entwertungs- und
Verdrängungsprozess durch Kartellparteien, Berufspolitikerparteien und durch professionalisierte Wähler- und Medienkommunikationsparteien ausgesetzt, die durch den Strukturwandel
moderner Parteien hervorgebracht wurden. Letztlich erleiden unter diesem Blickwinkel Parteimitglieder einen Bedeutungsverlust, zumal moderne Medienwahlkämpfe den älteren arbeitsintensiven und organisationszentrierten Wahlkampf obsolet gemacht haben. Die 'end of
membership party'-Debatte hat aber auch gewichtige Kritiker auf den Plan gerufen, die die
Niedergangsprognosen und die ihnen zugrunde liegenden Prämissen bestreiten. Der geplante
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Band mit den präsentierten Ergebnissen der Jahrestagung des Arbeitskreises 'Parteienforschung' der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft stellt sich dieser Debatte und
wird sich mit der Zukunft der Mitgliederparteien befassen. Das Buch gliedert sich in vier
Themenfelder behandelt werden: 1) Aus parteientheoretischer Sicht wird der Stand der Niedergangsdebatte rezipiert und die 'members do (not) matter'-These in ihrem ganzen Facettenreichtum kontrovers diskutiert. 2) Von empirischer Warte aus sollen der Mitgliederniedergang sowie der Strukturwandel in der Rekrutierungsbasis und der Zusammensetzung der Parteienmitglieder analysiert werden. 3) Ein weiteres Themenfeld dient einer Bestandsaufnahme
und Zwischenbilanzierung der Organisationsreformen, die die Parteien seit Beginn der 1990er
zur Stabilisierung ihres Mitgliederbestandes und zur Revitalisierung ihres Binnenlebens
durchgeführt haben. 4) Die einzelnen Parteien stellen ihre eigenen Reformen und mögliche
neue Reforminitiativen bzw. -optionen vor." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Themenfeld
1: Stand der Niedergangsdebatte: Elmar Wiesendahl, Uwe Jun und Oskar Niedermayer: Die
Zukunft der Mitgliederparteien auf dem Prüfstand (9-30); Elmar Wiesendahl: Die Mitgliederparteien zwischen Unmodernität und wieder entdecktem Nutzen (31-51); Gerd Mielke: Mitgliederparteien im Sog der Amerikanisierung (53-69); Klaus Detterbeck: Die Relevanz der
Mitglieder: Das Dilemma effektiver Partizipation (71-88); Themenfeld 2: Mitgliederanalysen:
Oskar Niedermayer: Ein Modell zur Erklärung der Entwicklung und Sozialstruktur von Parteimitgliedschaften (91-110); Heiko Biehl: Soziale Entwurzelung und Repräsentationsverlust
der Parteien (111-128); Christian Junge: Parteien ohne Eigenschaften? Zur Diffusion organisationaler Identität von CDU und SPD aus der Perspektive ihrer Mitglieder (129-158); Viola
Neu: Sozialstruktur und politische Orientierungen der CDU-Mitglieder 1993-2006 (159-184);
Themenfeld 3: Parteiorganisationsreformen: Uwe Jun: Organisationsreformen der Mitgliederparteien ohne durchschlagenden Erfolg: Die innerparteilichen Veränderungen von CDU und
SPD seit den 1990er Jahren (187-210); Sebastian Bukow: Parteiorganisationsreformen zwischen funktionaler Notwendigkeit und institutionellen Erwartungen (211-228); Lars Holtkamp: Erneuerung der Parteien "von unten"? Zum Verhältnis von Lokalparteien und Kartellparteien (229-248); Themenfeld 4: Die Sicht der Parteien: Frank Niebuhr: Mitgliederwerbung
als Herausforderung und Chance - erfolgreiche Maßnahmen der CDU (251-256); Martin Gorholt: Die SPD als Mitgliederpartei (257-260); Hans-Jürgen Beerfeltz: Die FDP bekennt sich
zum Prinzip der Mitgliederpartei (261-267); Horst Kahrs: Die LINKE geht nur als Mitgliederpartei (269-275); Steffi Lemke: Warum die Grünen Mitglieder brauchen (277-281); Markus Zorzi: CSU - Erfolgreiche Volkspartei in Europa (283-287).
[163-F] Kalata, Jesse (Bearbeitung); Kreile, Michael, Prof.Dr. (Betreuung):
German political parties and the European Security and Defence Policy: a third democratic
deficit?
INHALT: The project examines and evaluates the preference formation and articulation processes
of five German political parties towards the European Union's Security and Defence Policy
(ESDP). It will assess whether differentiated preferences have formed along party lines, the
extent and loci of intraparty deliberation on ESDP, and the way in which parties articulate
their preferences at the national and/or EU levels.| GEOGRAPHISCHER RAUM: Germany,
European Union
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
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4 Politische Parteien und Parteiensysteme
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate
School of Social Sciences (Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[164-L] Kruse, Jörn:
Parteienmonopol und Dezentralisierung der Politik, in: Uwe Vollmer (Hrsg.): Ökonomische
Analyse politischer Institutionen, Berlin: Duncker & Humblot, 2008, S. 41-74
INHALT: Der Autor stellt erhebliche Konstruktionsmängel der politischen Institutionen in
Deutschland fest, welche durch die besondere Position der politischen Parteien begründet und
die Ursache von Leistungsmängeln politischer Prozesse, von Demokratiedefiziten und von
Politikverdrossenheit sind. Er problematisiert vor allem den umfassenden Machtanspruch der
Parteien, den diese aus einem formalen Legitimationsmonopol ableiten, das ihnen vom
Grundgesetz eingeräumt wird. Gemäß Artikel 20 Grundgesetz geht alle Staatsgewalt vom
Volke aus, das diese dem Parlament und den in ihm vertretenden Parteien überträgt. Obwohl
die Parteien in Konkurrenz zueinander stehen, verfolgen sie jedoch weitgehend identische Interessen und fungieren als "gatekeeper" für politische Karrieren. Dies entfaltet zwar hohe Disziplinierungswirkungen, wirkt sich insgesamt aber negativ auf die Partizipation an politischen
Ämtern, auf die Rekrutierung des Personals sowie auf deren Repräsentativität aus. Um diese
und andere Fehlentwicklungen zu vermeiden, schlägt der Autor die Errichtung eines Senats
als zweite Kammer vor, die mit von Parteien unabhängigen Personen besetzt ist und die alle
grundlegenden normativen Richtungs- und Gestaltungsentscheidungen trifft. (ICI2)
[165-F] Kühnel, Sebastian-Frederik, M.A. (Bearbeitung); Strohmeier, Gerd, Prof.Dr. (Betreuung):
Volksparteien in der Krise? Eine typologisch-funktionalistische Analyse von Union und SPD
im Ländervergleich
INHALT: Die Dissertation setzt sich mit der grundlegenden Fragestellung "Sind Volksparteien in
der Krise?" auseinander. Als Ausgangsproblematik der Untersuchung ist ein ambivalentes
Bild der Volksparteien zu konstatieren: Auf der einen Seite kann ihre Zukunftsfähigkeit im
Zuge von Entbindungsprozessen und einer mangelnden Integrationsfähigkeit angezweifelt
werden. Auf der anderen Seite ist es ihnen gelungen, ihren Status als Machtträger zu konservieren und weiterhin elektorale Erfolge, zumeist auf Länderebene, zu verzeichnen. Folgende
Fragestellungen liegen insofern der Arbeit zugrunde: Sind die deutschen Volksparteien gegenwärtig in einer "Krise"? Inwiefern ist eine Volksparteienkrise zu konstatieren bzw. wie
stark ist diese zu beziffern? Nach welchen Kriterien bemisst sich eine Krise der Volkspartei
bzw. auf welchen Maßstäben beruht die Bewertung einer potentiellen Krise? Unter welchen
Bedingungen lässt sich überhaupt von einer Krise sprechen? Warum kommt es zu einer krisenhaften Entwicklung und welche Ursachen sind dafür anzuführen? Um diese Fragen beantworten zu können, wird im theoretischen Teil der Arbeit ein mehrdimensionales Konzept erstellt. Es beruht auf zwei grundlegenden Ausgangsfragen, die aus der Prämisse abgeleitet
sind, dass die Bewertung der etwaigen Krise einer Volkspartei unabdingbar mit der Frage
nach dem exakten Verständnis der Volkspartei selbst verknüpft ist: Was ist eine Volkspartei?
Was ist eine "Krise" der Volkspartei? Die Krisendiagnosen bisheriger Parteienforschung haben diese Fragen entweder ausgeschlossen bzw. nur in Teilen zur Grundlage ihrer Analyse
genommen oder auf der Basis einer eindimensionalen Perspektive zu beantworten versucht,
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wobei das negative Ergebnis der Diagnose aufgrund der normativen an Erwartungsidealen zur
Leistungsfähigkeit einer Volkspartei orientierten Sichtweise, die sich auf Entwicklungsprozesse einzelner Organisations- oder Funktionsbereiche stützt, kaum überrascht. Fraglich ist
jedoch, ob eine derartige parteiexterne und auf Idealvorstellungen der Systemleistungen basierende Perspektive die Fähigkeit der Volkspartei zur Existenzsicherung abdeckt. Deshalb
setzt die Dissertation bei der Volkspartei selbst an und untersucht deren etwaige Krise von einem parteiinternen Standpunkt, so dass nicht Leistungen für die parteiexterne Umwelt, sondern Leistungen der Volkspartei, die für die eigene Existenzsicherung unabdingbar sind, als
Grundlage der Krisenbewertung fungieren. Ausgehend vom Konzept der Volkspartei werden
die für die Existenz distinktiven Merkmale generiert, aus denen sich die Funktionen als zentrale Elemente der Leistungsfähigkeit der Volksparteien ableiten. Darauf aufbauend wird unter Berücksichtigung parteiexterner und parteiinterner Determinanten die Krise der Volksparteien eingegrenzt und das daraus resultierende Analyseschema im empirischen Teil der Arbeit
auf die deutschen Volksparteien Union und SPD angewendet, wobei die empirische Analyse
sowohl die Bundes- als auch die Landesebene berücksichtigt. GEOGRAPHISCHER RAUM:
Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hanns-SeidelStiftung e.V.
INSTITUTION: Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg
"Politik- und Parteienentwicklung in Europa" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (Thüringer Weg
9, 09126 Chemnitz)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[166-L] Lanzke, Alice:
"SPD - da weiß man, was man hat": Parteien als Marken ; eine Untersuchung am Beispiel
der SPD, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2008, 95 S., ISBN: 978-3-8364-8876-1
INHALT: "Die politischen Parteien in Deutschland befinden sich heute in einem umfassenden
Wettbewerb vollkommen neuer Prägung und das nicht nur untereinander: Sie konkurrieren in
der Informationsgesellschaft neben Waschpulver und der Formel 1, Seifenopern und dem
Schlager-Grand-Prix um die wichtigste Ressource, die das massenmedial geprägte Publikum
zu vergeben hat: um Aufmerksamkeit. Gleichzeitig giert dieses Publikum nach Unterhaltung.
Konsum und Freizeitaktivitäten sind zu den zentralen Sinn- und Identitätsstiftern avanciert.
Doch wie reagieren die Parteien auf die neuen Rahmenbedingungen? Fest steht, dass unter
den beschriebenen Bedingungen die Vermittlungskompetenz ins Zentrum rückt: Wer kommuniziert, gewinnt. Damit einher geht eine Professionalisierung von Politik. Demoskopen, externe Marketing-Spezialisten und Medienfachleute werden vepflichtet. Bekommen Parteien aber
von diesen Verkaufsspezialisten auch ein Image verpasst, um sich besser am Markt zu behaupten? Oder anders gefragt: Sind Parteien heutzutage Marken? Die Autorin geht dieser Frage am Beispiel der SPD im Bundestagswahlkampf 2002 und der Diskussion um die Agenda
2010 nach." (Autorenreferat)
[167-F] Neusser, Christian (Bearbeitung); Schroeder, Wolfgang, Prof.Dr. (Betreuung):
Parteien und Gewerkschaften im Sozialstaatskonflikt. Funktion und Bedeutung von Gewerkschaften für Union, SPD und Die Linke zwischen Kontinuität und Wandel
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INHALT: Parteien und Gewerkschaften sind als intermediäre Organisationen zentrale politische
Akteure im politischen System der Bundesrepublik. Zwischen ihnen bestehen eingespielte
Beziehungen und es haben sich in der Wirtschafts- und Sozialpolitik über die Jahrzehnte
Muster der Konfliktaustragung und der Konsensfindung etabliert. Mit der Revitalisierung des
Sozialstaatskonflikts seit Mitte der 1990er Jahre und den Reformen des Sozialstaates stehen
insbesondere die Volksparteien vor einer Belastungsprobe mit den Gewerkschaften, die den
sozialpolitischen Grundkonsens aufgekündigt sehen. Mit der Neugründung der Partei Die
Linke ist den etablierten Parteien zudem ein sozialpolitischer Konkurrent entstanden, der die
Sozialreformen ablehnt. Als unmittelbare Folge des Sozialstaatskonflikts stellt diese Entwicklung zugleich einen gravierenden Einschnitt in das deutsche Parteiensystem dar. Vor diesem
Hintergrund geht die Studie der Frage nach, welche Bedeutung Gewerkschaften für die Parteien zukommt und welche Konsequenzen der Sozialstaatskonflikt für die Beziehungen der
Parteien zu den Gewerkschaften im Fünfparteiensystem mit sich bringt. Inwieweit sind die
politischen Kräfteverhältnisse und Entscheidungsprozesse innerhalb dieser Akteurskonstellation von Kontinuität, inwieweit von Wandel geprägt? Das Erkenntnisinteresse richtet sich 1.
auf die Funktion und Organisation der bestehenden parteilich-gewerkschaftlichen Interaktionsformen (Strukturen); 2. auf die Bedeutung der konkreten Arbeits- und Handlungsweisen
dieser Interaktionsmuster in der politischen Praxis (Prozesse); 3. auf die inhaltlich-programmatische Dimension in den Beziehungen von Parteien und Gewerkschaften im Sozialstaatskonflikt (Policy). ZEITRAUM: 1998-2009 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik
Deutschland
ART: Dissertation BEGINN: 2007-01 ENDE: 2011-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Politikwissenschaft Fachgebiet Politisches System der Bundesrepublik Deutschland - Staatlichkeit im
Wandel (34109 Kassel)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[168-L] Niedermayer, Oskar:
Von der Zweiparteiendominanz zum Pluralismus: die Entwicklung des deutschen
Parteiensystems im westeuropäischen Vergleich, in: Politische Vierteljahresschrift : Zeitschrift
der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Jg. 51/2010, H. 1, S. 1-13 (Standort: USB
Köln(38)-XE00036; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
dx.doi.org/10.1007/s11615-010-0005-0)
INHALT: "Das bundesrepublikanische Parteiensystem hat mit der Bundestagswahl 2009 einen
Typwandel von der Zweiparteiendominanz zum Pluralismus vollzogen. Der Beitrag erläutert
die Bildung verschiedener Typen von Parteiensystemen, beschreibt den Typwandel in
Deutschland, zeigt, dass die Entwicklung des deutschen Parteiensystems in Westeuropa einen
Sonderfall darstellt und verdeutlicht anhand der gewandelten Akteursstruktur, dass eine
Rückkehr zur Zweiparteiendominanz fraglich erscheint." (Autorenreferat)
soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
107
[169-L] Raschke, Joachim; Tils, Ralf:
Die Qual der Wahl: das Debakel der SPD und strategische Optionen in der Lagerstruktur
des deutschen Parteiensystems, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 23/2010,
H. 1, S. 11-16
INHALT: "In ihrer Analyse des Bundeswahlkampfs 2009 stellen die Autoren dem erfolgreichen
Vorgehen der CDU die defizitäre Kampagne der SPD gegenüber. Merkels Lager-Strategie
(Machtgewinn durch Mitteverschiebung) und ihre Gegner-Strategie (Demobilisierung der
SPD) konnten gleichermaßen durch die Besetzung sozialdemokratischer Themen umgesetzt
werden - ebenso ihre lagerübergreifende Personalisierungs-Strategie als Kanzlerin aller Deutschen. Die SPD blockierte sich hingegen selbst durch die Koalitionsfrage, verpasste es, soziale Gerechtigkeit als Mobilisierungsthema aufzugreifen und konnte mit Frank-Walter Steinmeier nicht den notwendigen Richtungskandidaten aufbauen. Im Anschluss an die Wahl ergeben sich vor dem Hintergrund der Lagerstruktur drei Optionen: eine Links-Strategie, bei der
SPD, Bündnis90/ Die Grünen und Linke offensiv den Willen zur Regierungsbildung erklären
- diese Option wird bislang bestenfalls von der Links-Partei vertreten -, eine lagerübergreifende Strategie, die den Parteien des linken Spektrums allerdings keine glaubhafte Oppositionsarbeit ermöglicht, sowie eine Strategie des Offenlassens, die für SPD und Grüne interessant
sein kann, da diese mit verschiedenen Partnern koalieren können. Einen zentralen Stellenwert
wird der politische Diskurs zur Mitte haben; zumindest SPD und Grüne werden sich dazu positionieren müssen, wenn sie gewählt werden wollen." (Autorenreferat)
[170-L] Reutter, Werner:
Parteien, Parteiensystem(e) und Demokratie im Bundesstaat, in: Astrid Lorenz (Hrsg.) ;
Werner Reutter (Hrsg.): Ordnung und Wandel als Herausforderungen für Staat und Gesellschaft :
Festschrift für Gert-Joachim Glaeßner, Opladen: B. Budrich, 2009, S. 233-253
INHALT: Das Verhältnis von Parteienwettbewerb, Bundesstaat und Demokratie ist deutlich komplexer als in Lehmbruchs Strukturbruchthese und in der Debatte um die Ursachen von Reformstau unterstellt. Der Verfasser arbeitet drei Aspekte heraus. Erstens weisen die Parteiensysteme in Bund und Ländern eine hohe Dynamik auf. Der Bundesstaat wirkt hier dynamisierend, weil er regionale Parteistrukturen schafft, die über autonome Legitimations-, Machtund Handlungsstrukturen verfügen. Das führt zweitens zu einem asymmetrischen Parteienwettbewerb - der Parteienwettbewerb auf Bundesebene ist keineswegs identisch mit dem in
den Ländern. Drittens haben diese Entwicklungen auch für die Regierungsfähigkeit Folgen in
Gestalt neuer Regierungsformate in den Ländern und einer wachsenden Schwierigkeit, Gesetze durch den Bundesrat zu bekommen, wo alternative Koalitionen die Oppositionsparteien
stärken. (ICE2)
[171-L] Schilling, Walter:
Deutschland: Die Causa SPD, in: Europäische Rundschau : Vierteljahreszeitschrift für Politik,
Wirtschaft und Zeitgeschichte, Jg. 38/2010, Nr. 1, S. 71-76 (Standort: USB Köln(38)-XE337;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Der Verfasser argumentiert, dass es eine grobe Fehleinschätzung führender Repräsentanten der SPD ist, mit der Aufnahme der Türkei in die EU "eine Brücke zur islamischen
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soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
Welt bauen" oder die bereits in Europa lebenden Türken besser integrieren zu können. Angesichts der völlig anderen kulturellen und nicht mit dem Wertesystem der EU zu vereinbarenden Ausrichtung der Türkei würden vielmehr die Fundamente Europas schwer beschädigt,
wenn es zu einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU käme. Zudem würde die Aufnahme
der islamischen Türkei in die EU den ohnehin schon ausgeprägten Antiisraelismus in Europa
verstärken. Könnte man die problematischen Positionen der SPD zur Außen- und Sicherheitspolitik, zur Energiepolitik und zur Frage der Aufnahme der islamischen Türkei in die Europäische Union noch als Denk- und Handlungsweisen auffassen, die zum normalen politischen
Diskurs in einem freiheitlich-demokratischen System gehören, so ist die Frage des Zusammengehens der SPD mit den auf einen "Systemwechsel zum Sozialismus" eingeschworenen
Kadern der Nachfolgepartei der SED anders zu bewerten. Die Repräsentanten der "Linken"
vertreten ein sozialistisches Staats- und Gesellschaftsmodell, das den Grundsätzen der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland klar widerspricht. Ihre freiheitsfeindlichen Ziele liegen
offen zutage. Das Zusammengehen der SPD mit der "Linken" zeigt nicht nur den dramatischen geistigen und moralischen Verfall in der einstigen Willy-Brandt-Partei an. Hier geht es
in der Tat auch und vor allem um den Kern des Verständnisses von Demokratie überhaupt.
(ICF2)
[172-L] Schwarz, Hans-Peter:
Die Fraktion als Machtfaktor: CDU/CSU im Deutschen Bundestag 1949 bis heute, München:
Pantheon 2009, 366 S., ISBN: 978-3-570-55107-3
INHALT: "In diesem Band werden erstmals die Wegmarken, Machtkämpfe und Wendepunkte in
der Geschichte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von Konrad Adenauer bis Angela Merkel
geschildert. So entsteht ein Bild von der wichtigen Rolle, die diese Fraktion seit sechs Jahrzehnten im Regierungssystem der Bundesrepublik spielt, und es wird gezeigt, wie diese einzigartige Fraktionsehe trotz bisweilen stürmischer Szenen bis heute gehalten hat." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Hans-Peter Schwarz: "Für mich ist das Fegefeuer, wenn ich in die
Fraktion muss." Die CDU/CSU-Fraktion in der Ära Adenauer, 1949-1963 (9-37); Peter März:
Zweimal Kanzlersturz. Adenauer 1963, Erhard 1966 (39-65); Torsten Oppelland: Atlantiker
und Gaullisten (67-84); Stefan Marx: In der ersten Großen Koalition,1966-1969 (87-112);
Werner Link: Die CDU/CSU-Fraktion und die neue Ostpolitik - in den Phasen der Regierungsverantwortung und der Opposition, 1966-1975 (115-139); Wolfgang Jäger: Helmut
Kohl setzt sich durch, 1976-1982 (141-159); Hanns Jürgen Küsters: Kanzlerfraktion unter Alfred Dregger, 1982-1991 (161-179); Hans-Peter Schwarz: Kanzlerfraktion unter Wolfgang
Schäuble, 1991-1998 (181-199); Hans-Peter Schwarz: Turbulenzen: die zweite Oppositionszeit, 1998-2005 (201-226); Hans-Peter Schwarz: In der zweiten Großen Koalition, 2005-2009
(229-252); Günter Buchstab: Ein parlamentarisches Unikum: die CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft (255-274); Hans-Peter Schwarz: Die Fraktion als Machtfaktor (277-314); HansPeter Schwarz: Nachwort (315-316); Anhang: Anmerkungen (319-341); Auswahlbibliographie (342-356); Zeittafel CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (357-359); Namenregister (360-366).
[173-L] Sickinger, Hubert:
Politikfinanzierung in Österreich, Wien: Czernin Verl. 2009, 527 S., ISBN: 978-3-7076-0233-3
soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
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INHALT: "Wie finanzieren sich Österreichs Parteien? Woher kommt das Geld und wohin fließt
es? Welche Bereiche sind besonders anfällig für politische Korruption? Hubert Sickinger hat
als Österreichs prominentester Experte für Politikfinanzierung das Standardwerk zum Thema
verfasst. Das vorliegende Handbuch umfasst eine Darstellung aller Einnahmen der österreichischen Parteien von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Fraktionsfinanzierungen der Kammern und Gewerkschaften über 'Parteisteuern' von Mandataren und Kreditaufnahmen bis hin
zu den vielfältigen Varianten der staatlichen Parteienfinanzierung auf Bundes-, Landes- und
Gemeindeebene sowie der Finanzierung der Parlamentsklubs. Es beleuchtet die Ausgabenstruktur der österreichischen Parteien: zum Beispiel die Kosten von Wahlkämpfen und die Finanzierung österreichischer Politiker/-innen durch staatliche Bezüge und Spenden. Hubert
Sickinger beschreibt systematisch die rechtlichen Grundlagen, aber auch die Schwachstellen
des gegenwärtigen Systems unter dem Gesichtspunkt möglicher Anfälligkeit für politische
Korruption." (Autorenreferat)
[174-F] Switek, Nico (Bearbeitung); Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil. (Betreuung):
Die Parteien der Bundesrepublik Deutschland. Geschichte, interne Entscheidungsprozesse,
strategische Potentiale: Bündnis90/ Die Grünen
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0203-379-2018, e-mail: [email protected])
[175-F] Treibel, Jan (Bearbeitung); Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil. (Betreuung):
Die Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse innerhalb der FDP
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0203-379-2018, e-mail: [email protected])
[176-F] Universität Bremen:
Die Europäisierung des deutschen Parteiensystems. Chancen und Grenzen neuer Regierungskoalitionen
INHALT: Bis weit in die 1980er Jahre galt das (west-)deutsche Parteiensystem im Vergleich zu
anderen europäischen Ländern als hyperstabil. Die These von der Hyperstabilität konnte aber
spätestens seit Beginn der 1990er Jahre nicht mehr aufrechterhalten werden. Nicht zuletzt
ausgelöst durch die deutsche Einheit als historische Zäsur erodierte die langjährige Stabilität,
die das deutsche Parteiensystem jahrzehntelang auszeichnete. Vordergründig drückt sich die-
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soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
se Erosion in einer weiteren Ausdifferenzierung des Parteiensystems (mit Rückwirkungen auf
die Fragmentierung und Polarisierung) sowie schwieriger werdenden Mehrheitsbildungen
(verstärkte Segmentierung) aus. Auch wenn gegenwärtig der Umgruppierungsprozess der
Parteienlandschaft auf Bundes- und Landesebene noch nicht ganz abgeschlossen ist, scheint
die Tendenz in Richtung eines Fünfparteiensystems zu weisen (wobei sowohl in Ost- als auch
in Westdeutschland jeweils auf Landesebene davon abweichende Konstellationen auch in Zukunft möglich und wahrscheinlich sind). Während sich auf der linken Seite des Parteienspektrums mit der Partei DIE LINKE (PDL) Schritt für Schritt eine neue Partei etablieren konnte
(aufbauend auf der starken Stellung der ehemaligen PDS in Ostdeutschland), ist aufgrund einer Reihe von Faktoren (Konkurrenzsituation im rechten Spektrum, Fehlen von integrierenden und charismatischen Führungspersonen, historische Vorbelastung, mangelnde Ressourcenausstattung) die in anderen europäischen Ländern zu beobachtende Etablierung rechtspopulistischer bzw. rechtsextremer Parteien bisher in der Bundesrepublik ausgeblieben. Nur in
Ostdeutschland ist es den rechtsextremen Parteien gelungen, sich ansatzweise im Parteiensystem zu behaupten, während ihre elektorale Unterstützung auf Bundesebene und in westdeutschen Bundesländern bisher marginal geblieben ist. Ob es in dieser Hinsicht mittelfristig zu
Veränderungen kommt, lässt sich gegenwärtig schwer abschätzen. Aber obwohl rechtsextremen Parteien in der Bundesrepublik bisher ein durchschlagender Erfolg verehrt war, ähnelt
das deutsche Parteiensystem heute in seinen Grundzügen viel stärker der "europäischen Normalität" (bei allen Unterschieden zwischen den verschiedenen nationalen europäischen Parteiensystemen), als dies noch vor mehr als 20 Jahren der Fall war. Nicht nur die Zunahme der
Fragmentierung des deutschen Parteiensystems weist auf diese größere Affinität hin, sondern
auch die Tatsache, dass die Regierungsbildungsfunktion "gestört" ist und nicht mehr ohne
weiteres nach dem Prinzip der bevorzugten Bildung einer kleinstmöglichen Regierungskoalition funktioniert. Seit Anfang der 1990er Jahre erlebt die Bundesrepublik eine Reihe von neuen bis dahin ungewöhnlichen bzw. im Normalfall eher seltenen Koalitionsbildungen (Ampelregierungen in Brandenburg und Bremen; Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt; Große
Koalitionen in Brandenburg, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, SachsenAnhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Bund; Dreier-Koalition aus CDU, Schill-Partei und
FDP sowie Schwarz-Grün in Hamburg). Sowohl in der parteipolitischen als auch in der öffentlichen Diskussion werden darüber hinaus zukünftige Dreier-Koalitionen als wahrscheinlich angesehen (Linkskoalition, Jamaica-Koalition, Ampelkoalition). Sieht man von der Ausnahme Sachsen-Anhalt ab, waren Minderheitsregierungen bisher eher ein Tabu-Thema in der
Bundesrepublik. Die Tatsache, dass nach der Landtagswahl in Hessen auch diese Option in
das parteipolitische Kalkül einbezogen wird, zeigt, dass möglicherweise auch in dieser Hinsicht von einer Aufweichungstendenz ausgegangen werden kann. Die bereits stattgefundenen
und sich zukünftig abzeichnenden Tendenzen des deutschen Parteiensystems weisen also
auch in Bezug auf Koalitionsbildungsprozesse in eine Richtung, die in anderen europäischen
Staaten als "normal" gilt. Im skandinavischen Raum sind Minderheitsregierungen selbstverständlich, in Österreich sind Große Koalitionen seit Jahrzehnten eher die Regel als die Ausnahme, Dreier-Koalitionen sind in Holland seit Mitte der 1990er Jahre keine Seltenheit mehr
(purpurne bzw. violette Koalition 1994-2002, Rechts-Mitte-Koalition aus drei Parteien seit
2002) und in Tschechien regiert national eine schwarz-grüne Koalition. Selbst in der konkordanzdemokratischen Schweiz mit ihren stabilen Säulen ist es durch die Wahlerfolge der SVP
zu einer bis dahin nicht gekannten Polarisierung im Parteiensystem gekommen, die die eingeübten Mechanismen einer konsensualen, nach festen Regeln vollzogenen Regierungsbildung
de facto außer Kraft gesetzt hat. Insgesamt lässt sich für den europäischen Raum konstatieren,
dass die zentrifugalen Kräfte in den jeweiligen Parteiensystemen zugenommen haben und zu
soFid Politische Soziologie 2010/2
4 Politische Parteien und Parteiensysteme
111
neuen (häufig wechselnden) Regierungskoalitionen führen. Als Ursache für diese Entwicklung wird in der Forschungsliteratur u.a. die nachlassende Bindungs- und Integrationsfähigkeit der großen Volksparteien, die Erosion gewachsener Milieus sowie auf Seiten der Wähler/
innen ein verstärkter Trend zur Wechselwahlbereitschaft ausgemacht. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen die entsprechenden Prozesse in einer Auswahl von sechs verschiedenen europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich)
genauer untersucht und mit der Entwicklung in Deutschland verglichen werden. Ein wichtiger
Fokus der Untersuchung wird dabei auf der Frage liegen, inwieweit die Umbrüche in den verschiedenen europäischen Parteiensystemen sehr stark mit Denationalisierungstendenzen (Globalisierung) korrespondieren. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland,
Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich
METHODE: Es werden zwei Thesen aufgestellt und überprüft: These 1: Als neue und eigenständige Konfliktlinie beeinflusst Globalisierung Veränderungen in den europäischen Parteiensystemen, weil sie alle Parteien zwingt, sich zu den ökonomischen, politischen und kulturellen Implikationen von Globalisierung zu verhalten und sich auf die jeweiligen Wählergruppen
auswirkt. Diese These wird wie folgt illustriert: Dimensionen der Globalisierung: a) Pro Globalisierung: Gewinner und Nutznießer offener deregulierter Märkte/ hohes Qualifikationsniveau (ökonomische Dimension); Befürworter des Multikulturalismus und einer libertären politischen Kultur (kulturelle Dimension); Befürworter supranationaler Institutionen und internationaler Regime (politische Dimension). b) Contra Globalisierung: Verlierer von ökonomischen Globalisierungsprozessen/ gering Qualifizierte/ Beschäftigte in regulierten und geschützten Sektoren (ökonomische Dimension); Befürworter geschlossener Grenzen/ Furcht
vor Konkurrenzsituation im Billiglohnsektor durch Zuwanderer, Unterstützer einer autoritären politischen Kultur (kulturelle Dimension); Befürworter des Nationalstaats, Ablehnung internationaler Einflüsse auf die nationale Gesetzgebung, Ablehnung eines militärischen Engagements außerhalb der Bundesrepublik (politische Dimension). These 2: Globalisierung tritt
nicht einfach an die Stelle alter Konfliktlinien, sondern akzentuiert und aktualisiert diese.
Dies gilt sowohl für sozioökonomische als auch für soziokulturelle Konfliktlinien. Politisch
am stärksten sind sozialdemokratische Parteien von Denationalisierungstendenzen betroffen.
Ihr erfolgreiches Aktionsfeld nach dem Zweiten Weltkrieg war über Jahrzehnte der Nationalstaat, in dessen Rahmen sozialdemokratische Parteien eine Politik staatlicher Intervention und
Umverteilung zugunsten der von ihr repräsentierten Wählergruppen betreiben konnten. Mit
dem Verlust nationalstaatlicher Steuerungsmöglichkeiten im Zuge der Globalisierung lässt
sich diese Politik aber nur noch begrenzt verwirklichen. Die notwendig gewordenen und
durch Reformen in Angriff genommenen Anpassungsprozesse an die veränderten Konstellationen, die auch von sozialdemokratisch geführten Regierungen betrieben wurden, lösen insofern zwangsläufig Enttäuschung bei Wählergruppen aus, deren Fürsprecher in der Vergangenheit sozialdemokratische Parteien waren. Das Vakuum, das im Zuge dieser Entwicklung auf
dem Wählermarkt entstanden ist, füllen inzwischen "populistische Parteien" von rechts und
links aus, die bei aller ideologischen Differenz und politischen Heterogenität doch eines gemeinsam haben: das Versprechen, man könnte zu einer nationalstaatlich gestützten Politik sozialer Sicherung und Umverteilung zurückkehren und sich von den ökonomischen, kulturellen und politischen Imperativen der Globalisierung abkoppeln.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2008-01 ENDE: 2011-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Institution
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung (Postfach 330440, 28334
Bremen)
112
5
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
[177-L] Behnke, Joachim:
Überhangmandate und negatives Stimmgewicht: Zweimannwahlkreise und andere
Lösungsvorschläge, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 247-260 (Standort:
USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Durch den Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts zum Effekt des so genannten
negativen Stimmgewichts vom Juli 2008 ist der Deutsche Bundestag angehalten, das derzeitige Wahlsystem so zu reformieren, dass dieser Effekt nicht mehr auftreten kann. Da dieser
sehr eng mit dem Auftreten von Überhangmandaten verknüpft ist, kann dem Urteilsspruch
Genüge getan werden, indem das Problem der Überhangmandate selbst in Angriff genommen
wird. Der derzeit am stärksten in der Literatur diskutierte Vorschlag - der Verrechnung von
Überhangmandaten einer Partei mit 'überschüssigen' Listenmandaten dieser Partei in anderen
Bundesländern - weist jedoch einige gravierende Mängel auf und verstößt unter anderem gegen grundlegende Fairness- und Gerechtigkeitserwägungen. Es sollte daher ein wesentlicher
Bestandteil der Reform sein, das Auftreten von Überhangmandaten von vornherein möglichst
zu erschweren. Dies könnte durch eine Herabsetzung des Anteils der Wahlkreismandate an
allen Mandaten oder durch die Einführung von Zweimannwahlkreisen, in denen die beiden
erfolgreichsten Kandidaten mit der Erststimme direkt gewählt würden, erreicht werden." (Autorenreferat)
[178-L] Berlemann, Michael:
Prognose von Wahlergebnissen mit Hilfe politischer Aktienmärkte: Erfahrungen aus 20
Jahren experimenteller Feldforschung, in: Wolf Schäfer (Hrsg.) ; Andrea Schneider (Hrsg.) ;
Tobias Thomas (Hrsg.) ; Klaus W. Zimmermann (Adressat): Märkte und Politik - Einsichten aus
Perspektive der Politischen Ökonomie, Marburg: Metropolis-Verl., 2009, S. 251-266
INHALT: Ein politischer Aktienmarkt ist ein virtueller Markt, an dem registrierte Teilnehmer mit
Aktien, die auf politische Parteien lauten, handeln können. Dabei ist die Auszahlung der gehandelten Aktien auf den Ausgang von politischen Wahlen begrenzt. Der vorliegende Beitrag
zeigt, dass politische Aktienmärkte ein nützliches und viel versprechendes Instrument für
Wahlprognosen sind. Der Marktmechanismus lässt sich erfolgreich dazu nutzen, anfänglich
disperse Informationen zu verbreiten und zu aggregieren. Anders als die konventionellen Befragungstechniken benötigen politische Aktienmärkte keine repräsentativen Samples, liefern
jederzeit während der Marktlaufzeit eine Prognose über den Wahlausgang und sind recht kostengünstig zu organisieren. Vor diesem Hintergrund ist es für den Autor ratsam, das existierende Arsenal der Wahlprognose dauerhaft um diese Methode der experimentellen Wahlforschung zu erweitern. Dies gilt umso mehr, als dass experimentelle Prognosemärkte auch außerhalb der Wahlausgangsforschung bereits erfolgreich zur Prognose verwendet werden, so z.
B. im Hinblick auf die Prognose makroökonomischer Variablen, des Zuschauererfolgs von
Kinofilmen, des Ausgangs von Sportereignissen oder der Verbreitung infektiöser Krankheiten. (ICA2)
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
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[179-L] Biegelbauer, Peter; Loeber, Anne:
The challenge of citizen participation to democracy, (Reihe Soziologie / Institut für Höhere
Studien, Abt. Soziologie, 94), Wien 2010, 33 S. (Graue Literatur;
www.ihs.ac.at/publications/soc/rs94.pdf)
INHALT: "The paper starts from the observation that the forms of citizen participation have
changed considerably from what could be observed in the 1950s and 1960s. Election turnouts are falling, grass-roots activities of citizens are on the rise and political commentaries in
different forms are proliferating on the Internet. How can we conceptualise modern democratic systems and forms of participation? How helpful is democracy theory for this endeavour?
The paper revisits classic and post-modern models of democracy and makes an effort to conceptualise and classify modern practices of citizen participation on the basis of categories derived from democracy theory. Democracy theory should also be of help in providing an answer to the question of how democratic instruments of interactive governance actually are.
Criteria for the evaluation of these instruments and their impact on policy-making will be derived from theorizing on democracy and some proposals will be made for an operationalisation of these criteria." (author's abstract)|
[180-L] Eder, Christina:
Ein Schlüssel zum Erfolg: gibt es ein Patentrezept für Volksentscheide in den deutschen
Bundesländern?, in: Politische Vierteljahresschrift : Zeitschrift der Deutschen Vereinigung für
Politische Wissenschaft, Jg. 51/2010, H. 1, S. 43-68 (Standort: USB Köln(38)-XE00036; Kopie
über den Literaturdienst erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11615-010-0003-2)
INHALT: "Von den elf Volksentscheiden, die zwischen 1990 und 2005 in den deutschen Bundesländern stattfanden, wurden sieben von den Wählern im Sinne der jeweiligen Initiatoren entschieden, die übrigen vier waren an der Urne nicht erfolgreich. Der Artikel geht der Frage
nach, ob es ein Muster oder sogar ein Erfolgsrezept hinter den Ergebnissen gibt. Mit der Methode der Qualitative Comparative Analysis (QCA) soll dieses Rätsel gelöst werden. Es zeigt
sich, dass sich keine der untersuchten Bedingungen allein positiv auf die Erfolgschancen an
der Urne auswirken; bestimmten Kombinationen ist dieser Effekt jedoch zuzuschreiben."
(Autorenreferat)
[181-L] Goerres, Achim:
Das Wahlverhalten älterer Menschen: Forschungsergebnisse aus etablierten Demokratien,
in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 102-120 (Standort: USB Köln(38)XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Dieser Beitrag gibt vor dem Hintergrund einer alternden deutschen Wählerschaft
einen Überblick über die empirischen Befunde zu altersabhängigen Effekten auf das Wahlverhalten. Diese Effekte lassen sich in Generationeneffekte, die in politischer und sozioökonomischer Sozialisation begründet sind, und Alterseffekte aufteilen, die auf Alterung, Erfahrung und dem Lebenszyklus zurückzuführen sind. Insgesamt zeigen die Ergebnisse aus etablierten Demokratien, dass sich ältere Wähler nicht auf eine einfache Art und Weise von jüngeren unterscheiden - weder bei der Wahlbeteiligung, noch beim Inhalt der Wahlentschei-
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soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
dung. Deswegen sollte auch jede Diskussion dieser Unterschiede und ihrer Implikationen für
alternde demokratische Gesellschaften ohne Vereinfachung geführt werden." (Autorenreferat)
[182-L] Hilmer, Richard:
Bundestagswahl 2009: ein Wechsel auf Raten, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010,
H. 1, S. 147-180 (Standort: USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Bundestagswahl 2009 stand ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise. Am Ende verhalfen die Wähler Union und FDP zu einer stabilen Regierungsmehrheit, weil sie dieser Konstellation wie schon in anderen Krisensituationen, wie dem Wiederaufbau der Bundesrepublik
oder der Wiedervereinigung, am meisten vertrauten. Damit erschöpft sich aber schon die
Kontinuität, insgesamt stellt diese Bundestagswahl eine tiefe Zäsur für das Parteiengefüge in
Deutschland dar: Nie seit der Gründungsphase der Bundesrepublik gab es mehr Volatilität
und größere Verwerfungen zwischen den Parteien. Nie hat darunter eine Partei so gelitten wie
diesmal die SPD mit einem Rekordminus von 11,2 Punkten. Da aber auch CDU und vor allem die CSU deutlich verloren, vereinten die beiden Volksparteien noch nie so wenige Stimmen auf sich (56,8 Prozent). Für die Union verlief das Ganze insoweit noch glimpflich, als sie
ihre Mandatsverluste durch die höchste jemals erzielte Zahl von Überhangmandaten mehr als
kompensieren konnte. Und - auch dies ein trauriger Rekord - noch nie haben sich so wenige
Bürger an einer Bundestagswahl beteiligt wie 2009. Gleichwohl erwies sich das politische
System der Bundesrepublik als robust. Denn auch in Zeiten der Krise spielten rechtsradikale
und andere kleinere Parteien so gut wie keine Rolle. Die Veränderungen spielten sich ausschließlich innerhalb des seit der Vereinigung etablierten Fünf-Parteien-Systems ab, das gefestigt aber mit einer völlig veränderten Statik aus dieser Wahl hervorging, mit zwei geschwächten Volksparteien und drei erheblich gestärkten Oppositionsparteien, allen voran die
FDP, die mit 14,6 Prozent ein Rekordergebnis einfuhr. Die Folgen dieser neuen Statik lassen
sich an dem neuen Kräfteverhältnis innerhalb der schwarz-gelben Koalition ablesen: die ersten hundert Tage der Merkel-Westerwelle-Regierung waren geprägt von einer sehr fordernd
auftretenden FDP und eher defensiv agierenden Unionsparteien, von unterschiedlichen Interpretationen des Koalitionsvertrages und von teils heftigen Auseinandersetzungen um den
richtigen Weg aus der Krise." (Autorenreferat)
[183-L] Hilmer, Richard:
Warum die SPD das Wahldebakel nicht abwenden konnte: sechs Thesen zur
Bundestagswahl 2009, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 23/2010, H. 1, S.
31-38
INHALT: "Unter Bezug auf Datenmaterial von Infratest dimap erläutert der Autor, wie der dramatische Einbruch der SPD zustande kam. So waren die Stimmenverluste sprunghaft und lassen sich auf teils länger zurückliegende konkrete politische Ereignisse, so etwa die Entscheidung zu Hartz IV oder den Rücktritt Oskar Lafontaines 1999 vom Parteivorsitz, zurückzuführen. Auch lässt sich belegen, dass die häufigen Wechsel an der Parteispitze die SPD schwächten. Frappierend waren aber ebenso die Verluste der ihr zugesprochenen Kompetenz in fast
allen Bereichen der Politik, insbesondere in Fragen von Wirtschaft und Arbeit. Direkt den
Wahlkampf betreffend machte sich überdies die fehlende Machtperspektive bemerkbar." (Autorenreferat)
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
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[184-L] Horst, Patrick:
Die schleswig-holsteinische Landtagswahl vom 27. September 2009: Ministerpräsident auf
Abruf kann nach vorgezogener Neuwahl schwarz-gelbe Wunschkoalition bilden, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 372-389 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Das Kalkül des Ministerpräsidenten ging auf: Nach dem Bruch der Großen Koalition
in Kiel und der auf den Termin der Bundestagswahl vorgezogenen Landtagswahl reichte es
für Peter Harry Carstensen zur Bildung der angestrebten Koalition mit der FDP. Der knappe
Sieg der schwarz-gelben Koalition, die infolge einer Nachzählungskorrektur seit Januar 2010
über kein Surplus-Mandat mehr verfügt, war vor allem dem guten Abschneiden der FDP, dem
bundespolitischen Rückenwind aus Berlin und der chronischen Schwäche der SPD zuzuschreiben. Die größere Wirtschaftskompetenz von CDU und FDP in Zeiten der Finanz- und
Wirtschaftskrise spielte eine wichtige, aber keine überragende Rolle bei den Motiven der
Wahlentscheidung. Eindeutige Verlierer der Wahl waren die Parteien der Großen Koalition,
die historisch schlechte Wahlergebnisse erzielten, und ihre Spitzenkandidaten, die beide nicht
zu überzeugen wussten. Der alte und neue Ministerpräsident Carstensen, der den Liberalen in
den Koalitionsverhandlungen weit entgegenkam, galt nach Abschluss der Koalitionsbildung
als ein Regierungschef auf Abruf, der zur Mitte der Legislaturperiode von Fraktionschef
Christian von Boetticher abgelöst werden könnte." (Autorenreferat)
[185-L] Jandura, Olaf; Petersen, Thomas:
Gibt es eine indirekte Wirkung von Wahlumfragen?: eine Untersuchung über den
Zusammenhang zwischen der auf Umfragen gestützten und der sonstigen politischen
Berichterstattung im Bundestagswahlkampf 2002, in: Publizistik : Vierteljahreshefte für
Kommunikationsforschung, Vol. 54/2009, No. 4, S. 485-497 (Standort: UB Bonn (5)-Z57/193;
USB Köln(38)-FHM AP00663; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
dx.doi.org/10.1007/s11616-009-0065-6)
INHALT: "Die Frage nach den Wirkungen der Veröffentlichung von Wahlumfragen wird seit
dem Beginn der Umfrageforschung stark diskutiert. In einer Vielzahl von Studien haben Wissenschaftler versucht, den Einfluss der Wahlumfragen auf das Wahlverhalten zu messen, und
verschiedene Thesen hierzu aufgestellt. Alles in allem kann festgehalten werden, dass zumindest die Annahme eines generellen Einflusses der Umfragen im Wahlkampf angesichts dieser
Studienergebnisse als weitgehend widerlegt gilt. Der folgende Beitrag unternimmt mithilfe einer Kombination aus Trendbefragungen und Inhaltsanalyse den Versuch, nicht den direkten
Einfluss der Wahlumfragen auf die Bevölkerung, sondern den indirekten Einfluss der in den
Sonntagsfragen erfassten Meinungen auf die Medienberichterstattung zu messen. Es zeigt
sich, dass die Veränderungen in der Sonntagsfrage den Veränderungen in der Medienberichterstattung leicht vorauslaufen. Dieser Befund wird als Möglichkeit einer zweiten indirekten
Wirkung von Wahlumfragen interpretiert und soll Impulse für die weitere Erforschung dieses
Phänomens geben." (Autorenreferat)
116
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
[186-L] Jesse, Eckhard:
Die Bundestagswahl 2009 im Spiegel der repräsentativen Wahlstatistik, in: Zeitschrift für
Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 91-101 (Standort: USB Köln(38)-XF148; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die amtliche repräsentative Wahlstatistik gibt es seit der Bundestagswahl 1953 (mit
Ausnahme der Bundestagswahlen 1994 und 1998). Sie ist weltweit einzigartig und besticht
durch ihre Exaktheit. Erfasst wird die Stimmabgabe nach dem Geschlecht und nach fünf Altersgruppen. Bei der Bundestagswahl 2009 verlor die Union bei den Männern 3,8 Punkte, gewann jedoch bei den Frauen 0,9 Punkte. Sie ist damit ebenso eine 'Frauenpartei' (Frauen: 36,4
Prozent; Männer: 31,0 Prozent) wie Bündnis 90/ Grüne (Frauen: 12,0 Prozent; Männer 9,4
Prozent). Die Stimmabgabe nach Altersgruppen weist deutlichere Unterschiede auf als die
nach dem Geschlecht. Union, SPD und die Linke sind eher 'alte' Parteien, Grüne und Liberale
'junge'. Die SPD hat bei den 18- bis 24-Jährigen mehr als jede zweite Wählerstimme, bei den
über 60-Jährigen 'nur' jede vierte verloren. Es gibt zwischen den alten und den neuen Bundesländern beträchtliche Unterschiede. Während die Union im Westen bei den Männern 5,2
Punkte verlor, gewann sie im Osten bei den Frauen 7,3 Punkte." (Autorenreferat)
[187-F] Kalvelage, Felix, M.A. (Bearbeitung):
Der Wandel lokaler Wahlkämpfe aus akteurszentrierter Perspektive. Eine LängsschnittStudie über die Wahlkämpfe von CDU, SPD und Bündnis 90/ Die Grünen in Bremen bei den
Bundestagswahlkämpfen 2002, 2005 und 2009 (Arbeitstitel)
INHALT: keine Angaben
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und
Internationale Studien -InIIS- (Postfach 330440, 28334 Bremen); Universität Bremen, FB 08
Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und
Partizipationsforschung (Postfach 330440, 28334 Bremen)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0421-218-8932, e-mail: [email protected])
[188-F] Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil.; Grunden, Timo, Dr. (Bearbeitung):
Wahlen und Wahlkämpfe im politischen System der Bundesrepublik Deutschland
INHALT: keine Angaben GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren (Lotharstr. 65, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Grunden, Timo (Tel. 0203-379-2047, Fax: 0203-379-2318,
e-mail: [email protected])
[189-F] Krimmel, Iris, Dipl.-Pol. (Bearbeitung):
Wahlbeteiligung im internationalen Vergleich. Befunde und Bestimmungsfaktoren
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
117
INHALT: keine Angaben
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und
Internationale Studien -InIIS- (Postfach 330440, 28334 Bremen); Universität Bremen, FB 08
Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und
Partizipationsforschung (Postfach 330440, 28334 Bremen)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0421-218-8618, e-mail: [email protected])
[190-L] Linhart, Eric; Schoen, Harald:
Überhang- und Ausgleichsmandate in Schleswig-Holstein: unklares Wahlrecht und
Reformvorschläge, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 290-303 (Standort:
USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Parallel zur Bundestagswahl wurde am 27. September 2009 in Schleswig-Holstein ein
neuer Landtag gewählt. Bei beiden Wahlen wurde die personalisierte Verhältniswahl angewendet. Anders als das Bundesrecht sieht das Landeswahlrecht von Schleswig-Holstein allerdings Ausgleichsmandate für Überhangmandate vor. Zugleich enthält das Gesetz zwei Unklarheiten, die unterschiedliche Interpretationen ermöglichen. Die eine betrifft die Zahl der
Ausgleichsmandate, die andere die konkrete Vorgehensweise bei der Verteilung dieser. Beide
Unklarheiten sind politisch bedeutsam, da die Regelungen je nach gewählter Interpretation zu
unterschiedlichen Mehrheitsverhältnissen im Kieler Landeshaus führen. Die Parlamentarier
sind daher aufgefordert, die unklaren Passagen im Landeswahlrecht zu präzisieren und
Rechtssicherheit zu schaffen. Sie können zwischen mehreren Möglichkeiten der Präzisierung
entscheiden, die gängigen Anforderungen an Wahlsysteme in unterschiedlichem Maße gerecht werden, wie verschiedene Simulationen zeigen." (Autorenreferat)
[191-L] Lübbert, Daniel:
Negative Stimmgewichte bei der Bundestagswahl 2009, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg.
41/2010, H. 2, S. 278-289 (Standort: USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Die Bundestagswahl im September 2009 wurde noch nach dem System ausgezählt,
das im Juli 2008 vom Bundesverfassungsgericht für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt
wurde, weil es unter bestimmten Umständen die Grundsätze der Gleichheit und Unmittelbarkeit der Wahl verletzt. Dem Gesetzgeber bleibt nun bis Juni 2011 nicht mehr viel Zeit, um
das Bundeswahlgesetz so zu ändern, dass der von Karlsruhe gerügte Effekt des negativen
Stimmgewichts für die Zukunft ausgeschlossen wird. Um die zugehörige Debatte zu befördern und mit Zahlen zu untermauern, wird hier diskutiert, wo und in welchem Ausmaß bei
der letzten Bundestagswahl erneut negative Stimmgewichte aufgetreten sind. Mit Blick auf
die unterschiedlichen bereits vorliegenden Reformvorschläge wird zudem analysiert, wie sich
die aktuelle Sitzverteilung im 17. Deutschen Bundestag jeweils geändert hätte, wenn eine der
Reformvarianten bereits vor der Wahl in Kraft getreten wäre." (Autorenreferat)
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soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
[192-L] Lutz, Georg:
Eidgenössische Wahlen 2007: Wahlteilnahme und Wahlentscheid, Lausanne 2008, 59 S.,
ISBN: 978-2-940416-00-4 (Graue Literatur)
INHALT: SVP und Grüne sind die Sieger der Wahlen 2007, SP und FDP die Verlierer: Empirische Basis der Untersuchung sind die Ergebnisse einer Befragung von 4392 Stimmberechtigten und 1707 Kandidierenden im Rahmen des Wahlforschungsprojektes Selects. Die SVP
trifft die Sorgen ihrer Wählerschaft mit Abstand am besten: SVP-Wähler haben ein deutlich
größeres Vertrauen, dass ihre Partei das wichtigste politische Problem lösen kann, als die
Wählerschaft der anderen Parteien. Ausländer und Migration waren das wichtigste Problem
für die SVP-Wählerbasis. Damit ist die SVP-Wählerschaft weniger differenziert als die Partei. Kandidierende der SVP nannten Kriminalität und Sicherheit am häufigsten als wichtigstes
Problem, bei der Wählerschaft wird dies häufiger als generelles Ausländerproblem wahrgenommen. Die SVP hat vor allem von der FDP Wählerinnen und Wähler gewonnen. Deutlich
zulegen gegenüber 2003 konnte die SVP bei Personen mit einem Haushaltseinkommen von
3000-5000 Fr. sowie mit einer Berufslehre als höchstem Bildungsabschluss. Dort erreichte
die SVP einen Wähleranteil von je 40%. Die Gewinne der SVP sind nicht erst auf die
Schlussmobilisierung der letzten Wochen zurückzuführen. Das Fundament des SVP-Wahlerfolges wurde bereits sehr viel früher gelegt: Die SVP ist vor allem bei jenen übervertreten, die
schon immer gewusst haben, wem sie ihre Stimme geben werden. Der zeitliche Vergleich
zeigt, dass es innerhalb des bürgerlichen Lagers in den letzten 12 Jahren zu einer starken Umgruppierung gekommen ist. 1995 verfügten CVP, FDP und SVP noch je über einen liberalen
und einen konservativen Flügel. 2007 wählten jene, die sich rechts einstufen, großmehrheitlich SVP. Der rechte Flügel von FDP und CVP ist marginalisiert. Bei den Grünen gingen die
Gewinne vor allem auf Kosten der SP und sind auf die Sorge um Klima und Umwelt zurückzuführen. Die beiden linken Parteien kämpfen um die gleiche Wählerbasis: die meisten SPWähler können sich auch vorstellen, grün zu wählen und umgekehrt. Seide Parteien sind zudem klar links positioniert und haben wenig Ausstrahlung in die Mitte. Auffällig ist auch,
dass die Kandidierenden von SP und Grünen klar linker sind als ihre Wählerbasis. Die FDP
hat ein starkes Vertrauensproblem. Nur eine Minderheit der Wähler der eigenen Partei sieht
die FDP als fähigste Partei, das wichtigste Problem zu lösen. (ICF2)
[193-L] Meinel, Florian:
Chancengleichheit oder Kooptation?: der Zugang kleiner Parteien zur Bundestagswahl, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 67-76 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Zum ersten Mal in ihrer Geschichte schickte die OSZE zur Bundestagswahl 2009
Wahlbeobachter nach Deutschland, um die Einhaltung demokratischer Grundsätze zu überwachen. Der Grund für diese außergewöhnliche Maßnahme war angeblich die Entscheidung
des Bundeswahlausschusses, eine Reihe kleiner Parteien nicht als Parteien anzuerkennen und
damit von der Teilnahme an der Wahl auszuschließen. Der Beitrag behandelt das damit aufgeworfene verfassungsrechtliche Problem, ausgehend von einer Bestandsaufnahme des geltenden Wahlrechts und der Staatspraxis. Die gegenwärtige Regelung erweist sich dabei als
mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Chancengleichheit politischer Parteien (Art.
21 GG) unvereinbar. Die in Paragraph 18 Abs. 4 des Bundeswahlgesetzes getroffene Regelung räumt nämlich den parlamentarisch etablierten Parteien eine nicht hinnehmbare Ent-
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
119
scheidungsgewalt über die Zulassung kleiner Konkurrenten ein, die zudem durch keine gerichtliche Überprüfungsmöglichkeit aufgewogen wird." (Autorenreferat)
[194-L] Moser, Sonja:
Beteiligt sein: Partizipation aus der Sicht von Jugendlichen, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss. 2010, 355 S., ISBN: 978-3-531-16853-1
INHALT: Die Verfasserin bietet einen Überblick über die Forschungslandschaft, sondern vor allem ein differenziertes Panorama der Beteiligungswirklichkeit in der Bundesrepublik aus der
Sicht von Heranwachsenden. Es wird gezeigt, dass die Rahmenbedingungen eine hohe Bedeutung haben und sich auf die Teilhabechancen auswirken. Dieses Wissen wird genutzt, um
die unterschiedlichen Teilhabequoten und -zugänge in Abhängigkeit vom Geschlecht, dem
sozialen und Bildungsstatus und dem Migrationshintergrund erklären zu können. Das in eher
sozial benachteiligten sozialen Milieus vorherrschende "Exklusionsempfinden" oder das Gefühl der Demoralisierung stellen keine ermutigenden Erfahrungen zur aktiven Beteiligung
von Heranwachsenden dar. Hier kommt der Modellwirkung und den konkreten Aktivitäten
der Erwachsenen eine besondere Bedeutung zu. Auf die individuellen Motive, Zugänge und
Erfahrungen von Jugendlichen zu blicken, ist der erste Focus, den die Autorin setzt. Aber das
Engagement und sein nachhaltiger Bestand hängen auch von den Rahmenbedingungen ab,
vor allem von den Orten, an denen sich Jugendliche aufhalten und engagieren können. Hier
öffnet sich ein weites Panorama von Handlungsfeldern (von der Familie, über die Schule, die
Peers, die Vereine/Organisationen, im Wohnumfeld, die Medien und die Angebote der Jugendhilfe und offenen Jugendarbeit). Viele dieser Felder sind unter dem Aspekt der Engagementförderung unterentwickelt. Die Schulen, durch die alle Kinder und Jugendliche gehen
(müssen), wären ein idealer Ort, um Beteiligungserfahrungen machen zu können, aber die
Bildungspolitik hat hier systematisch ihren Bildungsauftrag missverstanden. Zu ihm würde
nämlich auch die Beteiligungsförderung zwingend gehören. Neben der Schule richtet die Autorin ihren Blick auf die offene Jugendarbeit. Hier wird deutlich, wie wichtig und entwicklungsfähig dieser Bereich ist, der - im Unterschied zur Schule - ganz auf Freiwilligkeit beruht.
Gerade für milieu- und bildungsbezogen nicht gerade privilegierte Jugendliche stellt die offene Jugendarbeit ein wichtiges Lern- und Erprobungsfeld für selbstwirksame Beteiligungsformen dar. Gerade, weil Freizeitstätten öffentliche Ort sind, an denen auch Gewaltpotenziale
sichtbar werden, haben sie zugleich auch die Chance, zivilgesellschaftliche Lernorte für eine
Bearbeitung dieser Potential zu sein. (ICF2)
[195-L] Nève, Dorothée de:
NichtwählerInnen: eine Gefahr für die Demokratie?, Opladen: B. Budrich 2009, 238 S., ISBN:
978-3-86649-210-3
INHALT: "Was geschieht mit einer Demokratie, wenn niemand mehr von seinem passiven Wahlrecht Gebrauch macht? In einer vergleichenden Analyse diskutiert die Autorin die Folgen der
sinkenden Wahlbeteiligung aus demokratietheoretischer Perspektive. Sie untersucht die Entwicklung der Wahlbeteiligung sowie die sozialstrukturellen Merkmale der NichtwählerInnen
und deren politische Einstellungen in 16 europäischen Ländern (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen,
Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechien, Ungarn)." (Autorenreferat)
120
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
[196-L] Niedermayer, Oskar:
Parteimitgliedschaften im Jahre 2008, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 40/2009, H. 2, S.
370-382 (Standort: USB Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Mit der vorliegenden Dokumentation wird der seit 2001 jährlich erscheinende systematische Überblick über die Entwicklung, regionale Verteilung und sozialstrukturelle Zusammensetzung der Parteimitgliedschaften fortgeschrieben. Im Herbst 2008 wurde auf Anregung
der Bundesgeschäftsführer vom Verfasser ein Workshop mit allen für die Mitgliederstatistik
verantwortlichen Mitarbeitern der Parteien durchgeführt, auf dem eine Reihe von Verbesserungen der Statistik und ihrer Publikation beschlossen wurde. Daher gibt es in Zukunft eine
Altersstatistik der Mitglieder mit einer identischen, sehr feinen Altersgruppeneinteilung, eine
Statistik der Eintritte, Austritte und Todesfälle sowie der Eintritte nach Geschlecht und Alter.
Die ersten dieser neuen Daten werden in der vorliegenden Dokumentation ebenfalls publiziert. (ICI2)
[197-L] Ostermann, Thomas; Lüdtke, Rainer:
Zur Analyse von Wahlergebnissen in Parteihochburgen unter Berücksichtigung von
Regressionsphänomenen, in: Methoden, Daten, Analysen : Zeitschrift für empirische
Sozialforschung, Jg. 3/2009, H. 2, S. 187-201 (nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-127171)
INHALT: "Regelmäßige Wahlen bilden ein Kernstück jeder demokratischen Verfassungsordnung. Insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Wahlforschung im Bereich der
politischen Wissenschaften mehr und mehr etabliert und spielt bei den Berichterstattungen sowohl im Vorfeld von Wahlen als auch in der Analyse von Wahlergebnissen eine entscheidende Rolle. Bei der Wahlanalyse sind vor allem die Änderungen in den sogenannten 'ParteiHochburgen' von besonderem Interesse. Dieser Artikel soll anhand von Daten der Landtagswahl in Hessen 2008 sowie der Bundestagswahl 2005 klären helfen, ob es sich bei den Verlusten, die alle großen demokratischen Parteien in ihren Hochburgen erlitten haben, tatsächlich um beunruhigende Entwicklungen oder um ein Regressionsphänomen zur Mitte handelt.
Entsprechende statistische Verfahren und Modelle werden in diesem Zusammenhang vorgestellt, angewandt und diskutiert." (Autorenreferat)
[198-L] Pappi, Franz Urban; Hermann, Michael:
Überhangmandate ohne negatives Stimmengewicht: Machbarkeit, Wirkungen, Beurteilung,
in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 260-278 (Standort: USB Köln(38)XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Unter dem gegenwärtigen Bundestagswahlrecht ist es möglich, dass ein Zuwachs an
Zweitstimmen zu einem Verlust von Mandaten für eine Partei führen kann. Dieses so genannte negative Stimmengewicht wurde vom Bundesverfassungsgericht unlängst für verfassungswidrig erklärt. Zur Beseitigung des negativen Stimmgewichts, wurde in der jüngeren Diskussion um mögliche Reformen des Wahlsystems einem Lösungsweg bisher wenig Beachtung
geschenkt: die Zuteilung von Sitzen auf Länderebene. Im Gegensatz zu anderen in der Literatur vorgestellten Reformvorschlägen zielt diese Lösung darauf ab, das bestehende Mischwahlsystem in seiner einzigartigen Wirkungsweise - einschließlich der Entstehung von Überhangmandaten - zu erhalten und es nicht durch ein wesentlich anderes System zu ersetzen.
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
121
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Funktion von Überhangmandaten, die als mehrheitsbildendes Element und wichtiges Strukturmerkmal des deutschen Mischwahlsystems angesehen werden können und für deren Beibehaltung plädiert wird." (Autorenreferat)
[199-L] Perlot, Flooh; Zandonella, Martina:
Wählen mit 16: Jugendliche und Politik in Österreich, in: SWS-Rundschau, Jg. 49/2009, H. 4,
S. 420-445 (Standort: USB Köln(38)-XH05177; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "In Österreich wurde 2007 im Zuge einer Wahlrechtsreform das aktive Wahlalter gesenkt, bei der vorgezogenen Nationalratswahl 2008 durften somit erstmals auch Jugendliche
ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Diese neue Situation war Anlass für eine Nachwahlstudie
'Wählen mit 16', welche sich mit den politischen Einstellungen, dem Wahlverhalten und Demokratieverständnis von 16- bis 18-Jährigen beschäftigte. Der Artikel fasst einige zentrale
Ergebnisse der Studie zusammen. Dazu zählen u.a., dass Jugendliche nicht als homogene
Gruppe betrachtet werden können, sondern differenzierte Einstellungen an den Tag legen,
und dass der Status als SchülerIn oder Erwerbstätige/r ein besonders wichtiger Einflussfaktor
ist." (Autorenreferat)
[200-L] Rosar, Ulrich:
Fabulous Front-Runners: eine empirische Untersuchung zur Bedeutung der physischen
Attraktivität von Spitzenkandidaten für den Wahlerfolg ihrer Parteien, in: Politische
Vierteljahresschrift : Zeitschrift der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Jg.
50/2009, H. 4, S. 754-773 (Standort: USB Köln(38)-XE00036; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11615-009-0155-0)
INHALT: "Dass attraktive Wahlkreis- und Listenkandidaten erfolgreicher sind, ist inzwischen
mehrfach nachgewiesen worden. Es existiert allerdings keine Untersuchung zur Wirkung der
Attraktivität von Spitzenkandidaten. Am Beispiel der Landtagswahlen seit 1990 wird daher
analysiert, welchen Einfluss deren Attraktivität hat. Gleichzeitig wird überprüft, ob die Ausgestaltung des Landtagswahlrechts die Wirkung der Attraktivität dämpft oder verstärkt. In der
statistischen Auswertung zeigt sich, dass auch die Attraktivität von Spitzenkandidaten den
Wahlerfolg beeinflusst. Moderierende Effekte des Wahlrechts lassen sich hingegen nicht
nachweisen." (Autorenreferat)
[201-L] Schmedes, Hans-Jörg:
Wählen im Blick Europas: die Beobachtung der Bundestagswahl 2009 durch die OSZE, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 77-91 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Mit der Bundestagswahl 2009 wurde erstmals eine Abstimmung in Deutschland von
einer internationalen Organisation beobachtet. Angesichts des hohen öffentlichen Vertrauens
in die Integrität des Prozesses wurde die Entsendung der OSZE-Wahlbewertungsmission
nach Deutschland vielfach mit Überraschung zur Kenntnis genommen. Anders als in Medienberichten partiell suggeriert, lag der Entscheidung zur Beobachtung des Urnengangs jedoch
kein konkreter Anlass zugrunde, sondern ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die
122
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
OSZE ihre strukturierten und standardisierten Methode der Wahlbeobachtung in den vergangenen Jahren auch auf die etablierten Demokratien unter ihren Teilnehmerstaaten ausgeweitet
hat. In seiner Gesamtheit wurde der deutsche Urnengang von der OSZE-Mission als äußerst
positiv bewertet. Dennoch regten die internationalen Wahlexperten eine Überarbeitung des
Wahlgesetzes an, um Entscheidungen des Bundeswahlausschusses bereits im Vorfeld der
Wahl einem gerichtlichen Beschwerdeverfahren zu unterwerfen. Auch sollten den Beobachtern zufolge Einsprüche gegen Entscheidungen des Wahlprüfungsausschusses des Deutschen
Bundestages ohne die bislang geforderten 100 Unterstützerunterschriften möglich sein. Ferner wurde vorgeschlagen, die Zulassung zur Wahl präzisen, objektiven und messbaren Kriterien zu unterwerfen sowie Parteispenden zügiger zu veröffentlichen." (Autorenreferat)
[202-F] Schubert, Thomas, Dr. (Bearbeitung); Jesse, Eckhard, Prof.Dr. (Betreuung):
Konvergenz oder Divergenz im sächsischen Landtagswahlkampf? Eine qualitative Längsschnittanalyse der Landtagswahlkämpfe von CDU, SPD und PDS 1990 bis 2004 - unter besonderer Berücksichtigung des wirtschaftspolitischen Themenwahlkampfes
INHALT: keine Angaben ZEITRAUM: 1990-2004 GEOGRAPHISCHER RAUM: Sachsen
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2004-01 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
INSTITUTION: Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Institut für Politikwissenschaft Professur Politische Systeme, Politische Institutionen (09107 Chemnitz); Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (09107 Chemnitz)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0371-531-36953, Fax: 0371-531-836953,
e-mail: [email protected])
[203-L] Schulz, Winfried:
Superbürger und chronisch Unwissende in der neuen Medienumwelt: Beziehungen zwischen
politischer Mobilisierung und Informationsverhalten bei der Bundestagswahl 2005, in:
Christina Holtz-Bacha (Hrsg.) ; Gunter Reus (Hrsg.) ; Lee B. Becker (Hrsg.) ; Klaus Schönbach
(Adressat): Wissenschaft mit Wirkung : Beiträge zu Journalismus und
Medienwirkungsforschung ; Festschrift für Klaus Schönbach, Wiesbaden: VS Verl. für
Sozialwiss., 2009, S. 161-180
INHALT: Ausgangspunkt der Analyse ist die Annahme, dass der soziale Wandel einen neuen
Typ des politischen Bürgers hervorgebracht hat, der durch hohe kognitive Kompetenz und geringe Parteiidentifikation gekennzeichnet sei. Dieser Typ sollte die fehlende Parteibindung
durch das ständig expandierende Informationsangebot der Massenmedien substituieren. Daran wird die Vermutung geknüpft, dass die neuerliche Medienexpansion durch das Internet
diesen Wandel weiter begünstigt. Bei Überprüfung im Kontext der deutschen Bundestagswahl 2005 finden sich diese Annahmen jedoch nicht bestätigt. Die in der Studie präsentierten
Ergebnisse zeigen, dass die Wähler insgesamt - auch die hoch Kompetenten mit geringer Parteibindung - von den Neuerungen in ihrer Medienumwelt noch wenig profitierten. Die herkömmlichen Medien - das Fernsehen mehr als die Zeitung - waren noch immer ihre wichtigsten Informationsquellen. Wähler ohne ausgeprägte Parteibindung nutzen das mediale Informationsangebot - auch das Internet - eher geringer als Personen mit vergleichbarer kognitiver
soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
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Kompetenz, und für ihre Informiertheit spielt die Mediennutzung keine nennenswerte Rolle.
Die aktuelle Informiertheit gründet eher auf ihrem hohen Vorwissen als auf der Mediennutzung. (ICF2)
[204-L] Völkl, Kerstin:
Reine Landtagswahlen oder regionale Bundestagswahlen?: eine Untersuchung des
Abstimmungsverhaltens bei Landtagswahlen 1990-2006, (Studien zur Wahl- und
Einstellungsforschung, 14), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 295 S., ISBN: 978-3-83294909-9
INHALT: "Obwohl Landtagswahlen im föderativen System der Bundesrepublik Deutschland eine
wichtige Rolle spielen existieren im Vergleich zu den zahlreichen Untersuchungen des Wählerverhaltens bei Bundestagswahlen nur wenige Arbeiten über die Stimmabgabe bei Landtagswahlen. Diese Forschungslücke versucht das Buch zu schließen, indem es eine Antwort
auf die Frage gibt, welche Rolle landes- und bundespolitische Faktoren für die Stimmabgabe
bei den Landtagswahlen zwischen 1990 und 2006 spielten." (Autorenreferat)
[205-F] Wendland, Susanne, Dipl.-Pol. (Bearbeitung):
Transformation von Local Government zu Local Governance: Bürgerbeteiligung und Direkte Demokratie am Beispiel des Stadtstaates Bremen (Arbeitstitel)
INHALT: keine Angaben
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und
Internationale Studien -InIIS- (Postfach 330440, 28334 Bremen); Universität Bremen, FB 08
Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und
Partizipationsforschung (Postfach 330440, 28334 Bremen)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0421-218-8965, e-mail: [email protected])
[206-L] Winkler, Jürgen R.:
Die saarländische Landtagswahl vom 30. August 2009: auf dem Weg nach Jamaika, in:
Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 2, S. 339-355 (Standort: USB Köln(38)-XF148;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Während die strukturellen Gegebenheiten und politischen Traditionen des Saarlandes
stets die Wahl der CDU begünstigt, reduzierte die schlechte Regierungsperformanz des amtierenden Ministerpräsidenten die Wahlchancen der Union bei der Landtagswahl im August
2009. Der Eintritt, der vom früheren saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine geführten Linkspartei in den politischen Wettbewerb, minimierte gleichzeitig die Chancen der
oppositionellen SPD, an der Saar die Macht zu übernehmen. Wie erwartet verlor die CDU
große Stimmenanteile; als stärkste Partei kann sie jedoch weiter den Ministerpräsidenten stellen. Von der SPD wanderten erneut Arbeiter, Arbeitslose und Gewerkschaftsmitglieder zur
Linkspartei ab, die als großer Gewinner aus der Wahl hervorging. Die FDP zog gestärkt in
den neuen Landtag ein. Die Grünen konnten am Ende zwischen einer gemeinsamen Koalition
mit CDU und FDP sowie einem Bündnis mit SPD und Linkspartei wählen. Ihre Entscheidung
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soFid Politische Soziologie 2010/2
5 Wahlen, Wählerverhalten und Partizipation
für die erste Jamaikakoalition in einem Bundesland stellt eine Zäsur in der politischen Farbenlehre der Bundesrepublik dar." (Autorenreferat)
soFid Politische Soziologie 2010/2
6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
6
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Politische Einstellungen und politische Bewegungen
[207-L] Arslan, Emre:
Der Mythos der Nation im transnationalen Raum: türkische Graue Wölfe in Deutschland,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2009, 266 S., ISBN: 978-3-531-16866-1
INHALT: Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, die Denkweise und das Weltbild von Ultranationalisten am Beispiel der türkischen Grauen Wölfe in Deutschland näher zu beleuchten.
Die türkischen Ultranationalisten in Deutschland besitzen keine entscheidende politische
Macht, weder in der Türkei noch in Deutschland. Auf der soziologischen Ebene weist ihre Situation jedoch eine Besonderheit auf: Als ihre Kernideologie bestimmen sie den Nationalismus eines Nationalstaates, in dem sie nicht leben und mehrheitlich auch künftig nicht leben
wollen. Diese paradoxe Situation leitet zwei wichtige Fragekomplexe ein: Erstens stellt sich
die Frage, aus welchen Gründen diese Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und
weiter in Deutschland leben wollen, zu Anhängern von Organisationen türkischer Ultranationalisten werden und warum sie im Ausland bleiben. Trotz der paradoxen Situation stellt sich
ferner die Frage, ob man überhaupt die Anhänger der Grauen Wölfe in Deutschland mit denen in der Türkei gleichsetzen kann oder ob diese trotz des gleichen Namens eine ganz andere
ideologische und politische Richtung vertreten. Die Modifizierungen, Konstanten und Neuentwicklungen während dieses Übergangsprozesses sind das zweite Hauptthema der vorliegenden Studie, die insbesondere die Mythen, die von türkischen Ultranationalisten sowohl in
der Türkei als auch in Deutschland reproduziert werden, untersucht. (ICI)
[208-F] Bibouche, Gudrun; Merkle, Gudrun (Bearbeitung); Held, Josef, Prof.Dr. (Leitung):
ArbeitnehmerInnen und Rechtsextremismus - eine Analyse neuerer Rechtsextremismus-Studien
INHALT: Die Expertise beruht auf der Analyse ausgewählter Rechtsextremismus-Studien, die
seit dem Jahr 2000 erschienen sind. Diese Studien kommen teilweise zu widersprüchlichen
Ergebnissen, was die Empfänglichkeit von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen bzw. bestimmter Gruppen von ihnen gegenüber rechtsextremen Orientierungen angeht. Die Studie
geht diesen Widersprüchen nach. Kontext/ Problemlage: Bis Anfang der 1980er Jahre zeigte
sich in Einstellungsstudien: Gewerkschaftsmitglieder erweisen sich als weniger empfänglich
für rechtsextreme Orientierungen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Doch seither hat sich
das Bild gewandelt. Studien verweisen darauf, dass Mitglieder traditioneller Arbeitnehmerorganisationen nicht mehr immun gegen rechtsextreme Einstellungen sind, manche Studien zeigen gar bei organisierten Arbeitnehmer/innen größere Zustimmung zu rechtsextremen Einstellungen als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Neuere Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen, es bleibt unklar, bei welchen Gruppen von Arbeitnehmern/innen rechtsextreme Tendenzen zu- oder abnehmen, deshalb ist es geboten, die Studien zu untersuchen,
um hier zu eindeutigeren Ergebnissen zu kommen. Zusätzlich war zu erwarten, dass sich die
Gewichte verschoben haben. Fragestellung: Wie kommt es zu den widersprüchlichen Ergebnissen in Bezug auf rechtsextreme Einstellungen bei Arbeitnehmern/innen. Ist dies auf unterschiedliche Prämissen und Paradigmen der Studien zurückzuführen? Oder sind die Unterschiede in unterschiedlichen Methoden bzw. in unterschiedlichen Fragestellungen in den Umfragen, begründet? Gibt es in Bezug auf rechtsextreme Einstellungen bei Arbeitnehmer/innen
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
Unterschiede zwischen Organisierten und nicht Organisierten, regionale Unterschiede, Unterschiede zwischen prekär Beschäftigten und Festangestellten, Männer und Frauen? Sind Gewerkschaftsmitglieder genauso anfällig oder sogar anfälliger für rechtsextreme Orientierungen als Nichtgewerkschaftsmitglieder? Sind aktive Gewerkschaftsmitglieder ebenso anfällig
wie passive Mitglieder? Welche Faktoren begünstigen und hemmen rechtsextreme Einstellungen bei Arbeitnehmer/innen? Darstellung der Ergebnisse: 1. In der Mehrzahl der Studien zeigen sich zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Nichtmitgliedern keine signifikanten Unterschiede in der Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen. 2. Linkes Selbstverständnis und Ungleichwertigkeitsvorstellungen schließen sich offenbar nicht mehr aus. 3. Hohe Schulbildung
korreliert mit geringerer Tendenz zu rechtsextremen Orientierungen. 4. Drei Studien belegen,
dass rechtsextreme Orientierungen im Osten stärker verbreitet sind als im Westen. Die Studie
der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt dagegen, dass sich West und Ost stark angenähert haben
und für den Rechtsextremismus-Index insgesamt sogar die Zustimmung im Westen höher ist.
5. In den allermeisten Studien lehnen Frauen rechtsextreme Aussagen signifikant häufiger ab
als Männer. 6. Verschiedene Studien verweisen auf höhere Zustimmungswerte bei Arbeitslosen zu rechtsextremen Aussagen. 7. Laut der Tübinger Studie ist eine lokale Orientierung für
die Entwicklung von rechtsextremen Einstellungen ein begünstigender Faktor.
ART: gefördert; Gutachten AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-BöcklerStiftung
INSTITUTION: Held, J. (Postfach , 72127 Kusterdingen, Schweiz); Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaft Abt. Sozialpädagogik (Münzgasse 26, 72070 Tübingen)
[209-F] Bock, Olaf, Dipl.-Pol. (Bearbeitung); Raschke, Peter, Prof.Dr.; Greven, Michael Th.,
Prof.Dr. (Betreuung):
Zum demokratischen Gehalt des freiwilligen Engagements in Deutschland. Multivariate
Analysen von repräsentativen Daten für die Bundesrepublik Deutschland
INHALT: Multivariate Sekundäranalyse der Daten der "Freiwilligensurveys" (1999, 2004) zur
Fragestellung: Wie demokratisch ist das freiwillige Engagement in Deutschland? Die neuartige 15-Felder-Matrix der Demokratie (H.-J. Lauth) dient als Basiskonzept zur systematischen
empirischen Messung aller wesentlichen Aspekte von Demokratie. Grundlegend für die Matrix-Demokratiemessung ist die systematische Kombination von drei grundlegenden Dimensionen (Freiheit, Gleichheit und Kontrolle) und fünf formalen Institutionen der Demokratie.
Freiwilliges Engagement wird im Matrix-Messkonzept politologisch als Institution verstanden, Teilbereich der formalen Institution der intermediären Vermittlung. Demokratietheoretisch bedeutsam ist zu unterscheiden zwischen der demokratischen Qualität des politischen
Gesamtsystems der Demokratie und "binnendemokratischen" Aspekten der Einzelinstitutionen des politischen Systems, z.B. der Institution des Freiwilligen Engagements. "Demokratische Institutionen sind nicht (immer) aufgrund ihrer binnendemokratischen Funktionsweise
zu erkennen, sondern aufgrund ihrer Zielsetzung, die demokratischen Prinzipien anzuerkennen und zu sichern." (Lauth) Statistisch signifikant kann eine enge Verflechtung (Cramers Index: 54,4%; Nagelkerke-Pseudo-R-Quadrat: 52,1%; Alpha=5%) bestimmter Organisationsformen mit bestimmten inhaltlichen Schwerpunktbereichen des freiwilligen Engagements in
Deutschland nachgewiesen werden, was als Sektorierung des freiwilligen Engagements in
Deutschland bezeichnet wird. Freizeitsektor (Verein) sowie Religionssektor (Kirche) sind
sehr stark von jeweils einer einzigen Organisationsart dominiert. Hingegen sind Sozialsektor
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
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und Politiksektor deutlich pluraler organisatorisch strukturiert. Die Organisationsart "Staatliche/ kommunale Einrichtung" prägt keinen bestimmten Inhalt des freiwilligen Engagements
in Deutschland vorherrschend, was als empirisches Indiz für eine gewisse "Staatsferne" des
freiwilligen Engagements in Deutschland interpretiert werden kann. Die für das freiwillige
Engagement in Deutschland insgesamt dominante Organisationsform "Verein" organisiert in
allen Themenbereichen des freiwilligen Engagements in Deutschland mindestens 25% aller
Tätigkeiten; mit der wichtigen Ausnahme des religiösen Engagements, weshalb man den Verein auch als säkulare Organisationsform des freiwilligen Engagements in Deutschland bezeichnen kann. Als statistisch nicht-signifikant haben sich sogenannte kulturelle Indikatoren
für die Bestimmung der demokratischen Qualität des freiwilligen Engagements in Deutschland im Rahmen von Regressionsrechnungen mithilfe logistischer Modelle erwiesen. Eine
Fokussierung der Demokratiemessung auf funktionale Indikatoren für demokratische Qualität
vermeidet eine qualitative Differenzierung in "gute" und "schlechte" Staatsbürger anhand kultureller (personaler) Indikatoren, oft ermittelt als evaluative und affektive Einstellungen der
Betroffenen (z.B. zur "Demokratie"), die in ihrer praktischen Bedeutsamkeit unter Umständen
mit großen negativen Folgen belastet ist. Zwei funktionale Indikatoren zur Bestimmung der
binneninstitutionellen "demokratischen" Qualität des freiwilligen Engagements in Deutschland erwiesen sich auf statistisch signifikantem Niveau (Alpha=5%) als assoziationsstarke
und trennscharfe Gruppierungsvariablen innerhalb der Institution des freiwilligen Engagements: "Wahl ins Amt" sowie "zeitliche Begrenzung (der Tätigkeit)". Der Indikator "Wahl ins
Amt" ist geeignet das säkulare freiwillige Engagement vom religiösen Sektor des freiwilligen
Engagements in Deutschland zu differenzieren: Während eine Tätigkeitsausübung im freiwilligen Engagement in Deutschland ohne "Wahl ins Amt" sowohl im religiösen wie in säkularen Engagementsektoren stattfinden kann, ist die Besetzung und Ausübung einer freiwilligen
und unbezahlten Tätigkeit außerhalb von Beruf und Familie (freiwilliges Engagement) durch
"Wahl ins Amt" deutlich wahrscheinlicher und häufiger im Bereich des säkularen freiwilligen
Engagements in Deutschland als im religiösen Sektor des freiwilligen Engagements. Dieser
Zusammenhang hat eine Stärke von 30,2% (Gamma=0,302). Weitere in ein Modell der multinominalen Regression einbezogene Indikatoren für "Binnendemokratie", insbesondere sämtliche kulturellen (personalen) Indikatoren, erwiesen sich als nicht signifikant (Alpha=5%) in
diesem Zusammenhang. Ob es demokratietheoretisch problematisch ist, dass im religiösen
Sektor des freiwilligen Engagements in Deutschland signifikant weniger Funktionen per
Wahl ins Amt besetzt werden als in den säkularen Sektoren dieser Institution, kann abschließend nur in der gesamtsystemischen Messperspektive des politischen Systems entschieden
werden. Es ist denkbar, dass beispielsweise gerade die plurale Vielfalt unterschiedlicher Besetzungsverfahren für Tätigkeiten im freiwilligen Engagement aus der gesamtsystemischen
Perspektive des politischen Systems in Deutschland für die Demokratie förderlich und gerade
die Unterschiedlichkeit der Besetzungsstrategien demokratiesichernd ist. Die "zeitliche Begrenzung" einer Tätigkeit im freiwilligen Engagement, welche eng mit einer "Wahl ins Amt"
verbunden ist (Gamma=0,631), differenziert als assoziationsstarker funktionaler Indikator mit
einer Erklärungskraft von 38,2%(Gamma=0,382) zwischen den unterschiedlichen Bereichen
innerhalb des säkularen freiwilligen Engagements in Deutschland: Eine zeitliche Begrenzung
von Tätigkeiten kann im (säkularen) Bereich Jugend, Soziales und Politik des freiwilligen Engagements empirisch sowohl gegeben sein als auch nicht gegeben sein, während eine zeitliche Begrenzung von Tätigkeiten im (säkularen) Freizeitsektor wahrscheinlicher empirisch
nicht gegeben ist. Forschungsstrategisch ergibt sich, dass auch für die Messung der "Binnendemokratie" der Institution des freiwilligen Engagements in Deutschland ein funktionaler
Forschungsansatz der Demokratiemessung aussichtsreicher ist als eine Forschungsstrategie
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
zur Bestimmung demokratischer Qualität per Messung von "Einstellungen" auf personaler
(kultureller) Ebene. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Bock, Olaf: Zum demokratischen Gehalt des freiwilligen Engagements in Deutschland. Multivariate Analysen von repräsentativen Daten für die Bundesrepublik Deutschland.
ART: Abschlussarbeit ENDE: 2007-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine
Angabe
INSTITUTION: Universität Hamburg, Fak. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, FB Sozialwissenschaften Institut für Politikwissenschaft Teilbereich Methoden der Politikwissenschaft
(Allende-Platz 1, 20146 Hamburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 040-428-38-3759, Fax: 040-428-38-7661,
e-mail: [email protected])
[210-L] Bozay, Kemal:
Fatale Synthese: nationalistische Spuren im Islam am Beispiel türkischer Organisationen in
Deutschland, in: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamverherrlichung : wenn die Kritik zum
Tabu wird, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2010, S. 315-327
INHALT: Obwohl sich die islamischen Bewegungen und ihre Dependancen in Deutschland in
vielfältigen Zusammenhängen als "supranational" darstellen, verbergen sich dahinter häufig
nationale und nationalistische Motive. Ein wichtiges Beispiel dafür sind die türkisch-islamischen Strukturen und insbesondere die Verbände, die in ihrem Handlungsrahmen meist eine
Synthese zwischen nationalen bis nationalistischen und islamischen bis islamistischen Elementen anstreben. Dahinter verbirgt sich auch die zentrale Frage nach dem ethnischen Abgrenzungsbewusstsein und der Re-Islamisierung innerhalb der islamischen Gemeinschaften
und ihrer religiös-politischen Institutionen. Es wird gezeigt, dass im Zuge türkischer nationalzentrierter Mobilisierungskampagnen der Islam als Abgrenzungskriterium wieder aufgewertet
wird. Durch die Betonung bzw. Wiederbelebung der Kombination von religiösen und nationalen Traditionen, Werten, Riten soll das türkische Nationalbewusstsein gerade auch in der
Migration gestärkt und gefördert werden. Die islamischen und nationalistischen Dachverbände betrachten diese Entwicklung als Chance, ihren Einfluss unter den Migrant(inn)en türkischer Herkunft zu verstärken. Damit erschweren sie sowohl das Zusammenleben von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaften als auch den Integrationsprozess innerhalb der muslimischen Gemeinden. (ICF2)
[211-L] Chepikova, Ksenia; Leiße, Olaf:
Xenophobie als politisches Instrument: Russlanddeutsche und die NPD, in: Gesellschaft
Wirtschaft Politik : Sozialwissenschaften für politische Bildung, N. F., Jg. 58/2009, H. 4, S. 465472 (Standort: UB Bonn(5)-Z62/84; USB Köln(38)-M XG00116; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Seit einigen Jahren gibt es eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Organisationen
der Spätaussiedler aus Russland und der NPD. Als Medium wirkt die russlanddeutsche Zeitschrift 'Ost-West-Panorama', in der häufig NPD-Vertreter publizieren. Hier stellt sich die
NPD als Vertreterin der Interessen der Russlanddeutschen dar, die sich teilweise von der
deutschen Gesellschaft nicht angenommen fühlen. Vehikel in diesem Bemühen um Einfluss
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
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und Wählerstimmen ist eine krasse fremdenfeindliche Polemik, die sich insbesondere gegen
Türken bzw. allgemein gegen Muslime wendet." (Autorenreferat)
[212-F] Daphi, Priska (Bearbeitung); Eder, Klaus, Prof.Dr. (Betreuung):
Constructing collective identity in transnational social movements - the case of the Global
Justice Movement
INHALT: The project will analyse how collective identity is constructed in transnational social
movements - the Global Justice Movement in particular. Transnational social movements
constitute an especially puzzling case of collective identity construction since they lack what
is usually understood as the base for such constructions: a socially homogeneous and spatially
concentrated base. Addressing central gaps in the existing literature on social movement identity this project will focus on a) the way in which collective action affects collective identity;
b) the combination of cognitive, relational, and emotional dimensions, and c) the link between different levels of interaction (local vs. transnational, core vs. peripheral, mediated vs.
face-to-face).|
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate
School of Social Sciences (Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[213-L] Demirovic, Alex; Walk, Heike:
Gewerkschaften und Zivilgesellschaft: die Demokratisierung von Governance, in:
Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 22/2009, H. 4, S. 23-31
INHALT: "Das Verhältnis von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen kann in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer als harmonisches Miteinander bezeichnet werden. Doch bei allen Verwerfungen gab es aber immer auch politische Problembereiche - insbesondere auf internationaler Ebene -wo Gewerkschaften, soziale Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen sehr erfolgreiche Bündnisse eingegangen sind. Auf diese Weise konnten sie zur Demokratisierung neuer Formen informellen Regierens beitragen, die als Governance bezeichnet
werden. Der vorliegende Artikel arbeitet auf einer theoretischen Ebene einige der Probleme
heraus, die sich angesichts veränderter Einfluss- und Beteiligungsmöglichkeiten von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und NGOs in den neuen Governancesystemen ergeben." (Autorenreferat)
[214-F] Eversberg, Dennis; Meise, Stephan (Bearbeitung); Geiling, Heiko, apl.-Prof.Dr.phil.habil.
(Leitung):
Gewerkschaft und soziale Milieus. Eine vergleichende Studie über gewerkschaftliche Nähe
und Distanz in drei Regionen
INHALT: Aus der Perspektive der politischen Soziologie wurden Handlungsbedingungen und
gewerkschaftliche Handlungsfelder von Akteuren der Industriegewerkschaft Metall in drei
unterschiedlichen Regionen eines Bezirks der IG Metall untersucht. Es handelte sich um eine
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
an die sozialstrukturelle Milieuforschung anknüpfende Grundlagenforschung über sich wandelnde gewerkschaftliche Praxiszusammenhänge. Kontext/ Problemlage: Das Projekt knüpfte
an die Diskussion um veränderte gesellschaftlich-politische Rahmenbedingungen für Gewerkschaftsarbeit an. Danach sind insbesondere die traditionellen Industriegewerkschaften
herausgefordert, angesichts sich verändernder Branchen-, Tarif- und Beschäftigtenstrukturen
auf die vor allem mit Mitgliederschwund und mit arbeitspolitischen Einflussverlusten verbundenen Probleme der gewerkschaftlichen Repräsentation zu reagieren. Auch in der wissenschaftlichen Diskussion wird immer wieder darauf hingewiesen, dass in der Gewerkschaftsforschung Untersuchungsperspektiven der sich mit Macht und Herrschaft in ihren sozialen
Kontexten befassenden politischen Soziologie kaum präsent sind. Insofern ist das Projekt ein
Versuch, mit dem in der Tradition der hannoverschen politischen Soziologie stehenden Ansatz einer auf die Praxis der sozialen Akteure ausgerichteten regionalen und sozialstrukturellen Milieuanalyse das Feld der Gewerkschaftsforschung zu ergänzen. Fragestellung: Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage nach den grundlegenden Beziehungsdimensionen, in denen sich die Akteure einer traditionellen Industriegewerkschaft in ihrer alltäglichen Arbeit vor
Ort bewegen. Analysiert wurden typische Verhaltens- und Konfliktmuster, die im Feld der
Gewerkschaft Nähe- und Distanzbeziehungen zur eigenen Organisation beeinflussen und die
darüber hinaus auch die Handlungsorientierungen der gewerkschaftlichen Akteure in den übrigen von der Gewerkschaft zu bearbeitenden Feldern der Wirtschaft, der Politik, der Alltagskulturen vor Ort und der anderen Gewerkschaften beeinflussen und kennzeichnen. Darstellung der Ergebnisse: Die Ausgestaltung gewerkschaftlicher Akteursbeziehungen auf betrieblicher Ebene ist entscheidend von den Verhaltensdispositionen und Ressourcen der jeweiligen
Akteursgruppen gekennzeichnet. Sie repräsentieren die sozialen Bedingungen der Mitgliederentwicklung und -bindung, die sich immer nur dann als erfolgreich erweisen, wenn Vertrauen
bzw. soziales Kapital zwischen Hauptamtlichen, Betriebsräten und Vertrauensleuten aufgebaut werden kann. Klassenkulturell bedingte und insbesondere politisch überformte wechselseitige soziale Verkennungen zwischen den Akteursgruppen fördern bestehende Vorbehalte
potenzieller Gewerkschaftsmitglieder. Sofern diese Konfliktdimensionen vor Ort offensiv reflektiert und kommuniziert werden, wächst das Interesse an Beteiligung in der Gewerkschaft.
So ist es sinnvoll, die jeweils spezifischen sozialen Bedingungen der Mitgliederentwicklung
in gewerkschaftlicher Praxis und in der Forschung stärker zu berücksichtigen. Erst mit Blick
auf milieuspezifische Handlungsdispositionen, ungleiche Ressourcenausstattung und regional
unterschiedliche Umfeldbedingungen werden typische Konfliktdimensionen zwischen gewerkschaftlichen Akteuren verständlich und beeinflussbar.
METHODE: Methodologisch bedeutete dies, zunächst die Voraussetzungen und Bedingungen
gewerkschaftlicher Arbeit regionalspezifisch in ihren Traditionen und Brüchen in den jeweiligen Handlungsfeldern zu untersuchen. Auf der Grundlage von Experteninterviews, Gruppendiskussionen, teilnehmenden Beobachtungen, Feldbegehungen, Dokumentenanalysen und
Analysen der regionalen Wirtschafts- und Sozialstatistik wurden drei umfangreiche Regionalanalysen durchgeführt. Die zweite Untersuchungsebene richtete sich auf die Beziehungsdimensionen der im gewerkschaftlichen Feld wirksamen Verhaltensorientierungen gewerkschaftlicher Akteure. Die Analyse (Gruppendiskussion und Einzelinterviews) der Handlungsdispositionen der Akteure und ihrer Mentalitäten bzw. Habitusmuster unter Einbeziehung ihrer jeweiligen Ressourcen, die in den gewerkschaftlichen Handlungsfeldern von ihnen eingesetzt werden, zielte auf die Identifizierung spezifischer praktischer Problemzusammenhänge
gewerkschaftlicher Arbeit.
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Geiling, Heiko; Meise, Stephan; Eversberg, Dennis; Otte, Rüdiger u.a.: Gewerkschaft und soziale Milieus. Eine verglei-
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
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chende Studie über gewerkschaftliche Nähe- und Distanzbeziehungen in drei Regionen. Abschlussbericht. Hannover 2009, 287 S.
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-Böckler-Stiftung
INSTITUTION: Universität Hannover, Philosophische Fakultät, Institut für Politische Wissenschaft (Schneiderberg 50, 30167 Hannover)
KONTAKT: Leiter (e-mail: [email protected]);
Meise, Stephan (e-mail: [email protected]);
Eversberg, Dennis (e-mail: [email protected])
[215-L] Fontanellaz, Barbara:
Auf der Suche nach Befreiung - Politik und Lebensgefühl innerhalb der kommunistischen
Linken: eine sozialwissenschaftliche Analyse zum Phänomen des "Linksextremismus" in der
Schweiz, (Explorationen : Studien zur Erziehungswissenschaft, Bd. 58), Bern: P. Lang 2009, 270
S., ISBN: 978-3-0343-0025-4
INHALT: "Im Gegensatz zum Phänomen des Rechtsextremismus hat der Linksextremismus in
den letzten Jahren wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Dies hat zur Folge,
dass linksextreme Gruppierungen und deren Aktionen fast nur in Berichten der Innenministerien thematisiert und dort insbesondere hinsichtlich ihres Gefährdungspotenzials für demokratisch verfasste Staaten diskutiert werden. Die vorliegende Untersuchung knüpft an dieser Forschungslücke an und befasst sich mit zwei kommunistischen Organisationen: dem 'Revolutionären Aufbau Schweiz' und der 'Partei der Arbeit Schweiz'. Mit zentralen Akteuren der genannten Organisationen wurden Gruppendiskussionen geführt. Auf der Basis der Rekonstruktion dieser Diskussionen kann aufgezeigt werden, wie in den geführten Diskursen zwischen
politischer Programmatik sowie gesellschaftlichen Erfahrungen unterschieden werden muss.
Die Rede von der Revolution erweist sich vor diesem Hintergrund als ein Streben nach individueller und kollektiver Befreiung aus herrschenden Verhältnissen. Soziale Unsichtbarkeit
und Leiderfahrungen fungieren in diesem Zusammenhang sowohl als Ausgangspunkt als
auch als Resultat politischen Handelns." (Autorenreferat)
[216-L] Hawel, Marcus; Heit, Helmut; Kritidis, Gregor; Anhalt, Utz (Hrsg.):
Politische Protestbewegungen: Probleme und Perspektiven nach 1968, Hannover: Offizin
Verl. 2009, 227 S., ISBN: 978-3-930345-69-4
INHALT: "Wer heute nach den Möglichkeiten und Aussichten politischer Bewegungen jenseits
der etablierten Parteien, Gewerkschaften und Interessenverbände fragt, wird nicht ohne
Grund auf die Erfahrungen der außerparlamentarischen Opposition der sechziger Jahre verwiesen. Vielen Linken gilt der weltweite Protest Ende der sechziger Jahre als die geradezu
paradigmatische Form einer sozialen Bewegung. Als eine Bewegung, die Kreativität und politisches Engagement, revolutionären Anspruch und konkrete Aktion, Kopf und Bauch auf
eine besonders intensive verbunden hat. In diesem Sammelband, der die Einschätzungen von
Zeitzeugen und 'Nachgeborenen' vereinigt, verbindet sich die Frage nach den intellektuellen
und historischen Rahmenbedingungen von Protestbewegungen mit dem Nachdenken über
ihre Bedeutung für politisches Engagement heute." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Vorwort der Herausgeber: Soziale Bewegungen und Deutungskämpfe über "1968" heute (7-11);
Gregor Kritidis: Formierte Gesellschaft eindimensionaler Menschen. Zur linkssozialistischen
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
Vorgeschichte der 68er-Bewegung (12-26); Michael Buckmiller: Wolfgang Abendroth und
die Außerparlamentarische Opposition im Kampf gegen die Notstandsgesetzgebung (27-40);
Michael Vester im Gespräch mit Gregor Kritidis: Selbstorganisation als Praxis (41-55); KD
Wolff : Zur Rolle des SDS und seiner internationalen Kontakte in den 1960er Jahren (56-63);
Peter-Erwin Jansen: Die drei gefährlichen "M": Marx, Mao und Marcuse (64-84); Regina Becker-Schmidt: Impulse der neuen Frauenbewegung: Streitpunkte, Projekte und Anstöße für
eine feministische Gesellschafts- und Wissenschaftskritik (85-113); Joachim Perels: Die
Gründung der Kritische Justiz im März 1968. Antwort auf die herrschende Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik (114-129); Wolfgang Nitsch: Hochschule in der Demokratie - Demokratie in der Hochschule: Zwischenbilanz eines uneingelösten Vermächtnisses (130-159);
Helmut Heit: Einsicht und Empörung. Zur Bedeutung von Moral für politische Protestbewegungen (160-179); Marcus Hawel: Wie viel Politik verträgt die Moral? Der schmale Grad
zwischen moralischer Überlegenheit und Hypertrophie der Moral (180-196); Klaus Meschkat:
Die Moral der Renegaten (197-210); Utz Anhalt: Hippies, Punks und Autonome. Die 68er
und ihre Kinder (211-223).
[217-L] Holz, Klaus; Kauffmann, Heiko; Paul, Jobst (Hrsg.):
Die Verneinung des Judentums: Antisemitismus als religiöse und säkulare Waffe, Hamburg:
Unrast-Verl. 2009, 184 S., ISBN: 978-3-89771-751-0
INHALT: "Der Band umfasst eingehende Analysen antisemitischer Positionierungen auf den Diskursebenen der Medien, der Politik, der Wissenschaft, der Religion und des Alltags. Thematisiert wird die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland und dessen gegenwärtige Wiederbelebung im Islamismus. Einen Schwerpunkt bildet die jüdische Perspektive
auf das Phänomen des Antisemitismus und auf ihr Gegenprogramm der gerechten Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird die Flüchtlingspolitik der Gegenwart betrachtet. Dies
geschieht anlässlich des 70. Jahrestages der Konferenz von Evian und deren Umgang mit jüdischen Flüchtlingen (1938)." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Teil I: Historische Analysen: Kurt Lenk: Die Geburt des modernen politischen Antisemitismus (16-26); Gregor Hufenreuter & Uwe Puschner: Antisemitismus und völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich (27-44); Teil II: Jüdische Perspektiven: Jobst Paul: Die christliche Übertrumpfung
des Judentums als Paradigma der Ausgrenzung. Deutsch-jüdische Analysen zum Syndrom
der Judenfeindschaft (46-65); Andreas Disselnkötter: Die Bedeutung jüdischer Medien bei
der Bekämpfung von Antisemitismus (66-72); Yves Kugelmann im Gespräch mit Jobst Paul:
"'Antisemitismus' ist für uns Pflicht und nicht Kür im redaktionellen Alltag" (73-80); Siegfried Jäger: Die jüdische Vorstellung einer "gerechten Gesellschaft" zwischen religiös begründeter und profaner Ethik. Eine diskurstheoretische Spurensuche (81-98); Teil III: Aktuelle Analysen: Moshe Zuckermann: Verdinglichte Sühne. Von Interessen und Befindlichkeiten.
Anmerkungen zu den deutsch-israelischen Beziehungen (100-107); Klaus Holz: Die Paradoxie der Normalisierung. Drei Gegensatzpaare des Antisemitismus vor und nach Auschwitz
(108-140); Regina Wamper: Antisemitismus und Antijudaismus in Diskursen der Rechten.
Brüche und Kontinuitäten (141-154); Jochen Müller: "Warum ist alles so ungerecht?" Antisemitismus und Israelhass bei Jugendlichen. Die Rolle des Nahostkonflikts und Optionen der
pädagogischen Intervention (155-165); Heiko Kauffmann: Von Evian nach Brüssel. Menschenrechte und Flüchtlingsschutz 70 Jahre nach der Konferenz von Evian (166-182).
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[218-L] Jesse, Eckhard:
Das vereinigte Deutschland - eine neue oder eine erweiterte Bundesrepublik?: das Beispiel
des parteipolitischen Extremismus, in: Manfred Funke (Adressat) ; Karl Dietrich Bracher
(Hrsg.) ; Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.) ; Volker Kronenberg (Hrsg.) ; Oliver Spatz (Hrsg.): Politik,
Geschichte und Kultur : Wissenschaft in Verantwortung für die res publica ; Festschrift für
Manfred Funke zum 70. Geburtstag, Bonn: Bouvier, 2009, S. 370-377
INHALT: Der Autor geht in seinem Beitrag auf den parteipolitischen Extremismus ein, welcher
dem demokratischen Verfassungsstaat den Kampf ansagen, ihn einschränken oder gar abschaffen will. Dabei müssen in Hinblick auf feste Organisation und Gewalt verschiedene Bereiche berücksichtigt werden: Der Terrorismus ist fest organisiert und gewalttätig, die extremistische intellektuelle Szene weder fest organisiert noch gewalttätig; subkulturelle Gruppierungen (wie Skinheads und "Autonome'') sind gewalttätig, jedoch nur schwach organisiert,
Parteien sind hingegen gut organisiert und nicht gewalttätig. Der Autor konzentriert sich auf
einen Ausschnitt zum Extremismus, nämlich auf die Frage, ob sich die wohl wichtigste Variante des Extremismus gewandelt hat: Ist eine Zunahme jener Form des Extremismus feststellbar, der in Parteien auftritt? Dabei ist nicht nur der Erfolg solcher Parteien bei Wahlen gemeint, sondern auch deren Einfluss nach Wahlen (z. B. Einbeziehung in eine Koalition). Der
Autor beleuchtet zwei sehr unterschiedliche Parteien: die einstige Partei des Demokratischen
Sozialismus (PDS) und heutige LINKE (nach dem Zusammenschluss der PDS im Jahr 2007
mit der WASG) im linken Spektrum und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands
(NPD) im rechten Spektrum. Diese sind die dominierenden Parteien in ihrem Milieu, während die DKP und die MLPD linksaußen eine noch geringere Rolle spielen als die DVU und
die REP rechtsaußen. (ICI2)
[219-L] Koller, Christian:
Rassismus, (UTB, 3246), Paderborn: Schöningh 2009, 111 S., ISBN: 978-3-8252-3246-7
INHALT: Der Verfasser zeigt, dass kein gesellschaftlicher Konsens über die Inhalte des Rassismusbegriffs besteht. Was die einen als rassistisch erkennen, halten andere für Exotik. An den
Kern eindeutig rassistischer Ideen und Taten schließt sich offenbar eine breite Grauzone an.
Der Bereich des Rassistischen ist eng verknüpft mit dem Gegensatzpaar Natur - Kultur. Rassistisches Denken neigt dazu, das Biologische über das Kulturelle zu stellen. Es wird eine
Engführung des Rassismusbegriffs auf den Nationalsozialismus im öffentlichen Bewusstsein
der Bundesrepublik festgestellt. So zentral die Erinnerung an die NS-Verbrechen und ihre
Opfer ist, so fahrlässig ist auf der anderen Seite das Vergessen anderer Formen des Rassismus, etwa im Zusammenhang mit der eigenen kolonialistischen Vergangenheit. Das Bewusstsein über und der Umgang mit Rassismus ist offensichtlich immer noch stark von der Nationalgeschichte der einzelnen Staaten geprägt. Das Buch hat zum Ziel, die Dimensionen des
modernen Rassismus als Ideologie und Praxis auszuloten. Zentrale Fragen sind dabei etwa:
Ist Rassismus ein spezifisch modernes Phänomen? Welche Formen des Rassismus gibt es?
Weshalb wurde der Rassismus im 19. und 20. Jahrhundert ein derart attraktives Deutungsmuster? Worin liegt die Schwäche des Antirassismus begründet? (ICF2)
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6 Politische Einstellungen und politische Bewegungen
[220-L] Marchart, Oliver; Adolphs, Stephan; Hamm, Marion:
Bewegungspraxis und "organische Theorie": zur Rezeption und Produktion
theorieförmiger Diskurse durch soziale Bewegungen am Beispiel der
Prekarisierungsbewegung, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, Jg. 39/2010,
H. 1, S. 73-87 (Standort: USB Köln(38)-XE00150; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Dieser Artikel geht von der These aus, dass soziale Bewegungen durch die Entwicklung eigenständiger 'organischer Theorien' einen Erklärungshorizont aufspannen, der ihnen
erlaubt, die eigene Protestpraxis mit Sinn zu versehen, der Bewegung ein Selbstbild zu geben
und die spezifische Problemlage analytisch einzuordnen. Im Aufsatz wird die Rezeption und
Produktion organischer Theorie am Beispiel der transnationalen Prekarisierungsbewegung
untersucht. Seit 2004 organisiert sich dieses Bewegungsnetzwerk transnational um das Protestformat der Euromayday-Paraden, die bis zum heutigen Tag in 40 europäischen und mehreren außereuropäischen Städten jeweils zum 1. Mai durchgeführt wurden. In der Studie interessierte die Autoren, wie Theorien des wissenschaftlichen Spezialdiskurses in den politischen Bewegungsdiskursen 'organischer Theorie' (d.h. im elaborierten Interdiskurs) verallgemeinert und schließlich mit bestehenden Subjektivierungsweisen und Praktiken (im Elementardiskurs des Alltagsverstands und der Alltagspraktiken der BewegungsakteurInnen) verschränkt wurden. Dies wird erstens anhand eines diskursanalytischen Vergleichs zweier Textkorpora untersucht. Zweitens wird in Form einer ethnographischen Untersuchung gezeigt,
wie theorieförmige Diskurselemente in den Praktiken der Bewegung selbst produziert und als
'embodied theory' ausagiert werden." (Autorenreferat)
[221-F] Metzner, Christiane (Bearbeitung); Kleger, Heinz, Prof.Dr. (Betreuung):
Freiwilligenmanagement als Instrument zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements in
Nonprofit-Organisationen
INHALT: In den letzten Jahren lassen sich im Bereich der Nonprofit-Organisationen zwei gegenläufige Tendenzen ausmachen, in denen sich die Prinzipien von demokratischer Partizipation
und ökonomischer Effizienz gegenüber stehen: Die Orientierung am Leitbild des bürgerschaftlichen Engagements und der Einsatz von Freiwilligenmanagement. Das Dissertationsprojekt untersucht auf der Basis qualitativer und quantitativer Methoden in Fallstudien in
mehreren Nonprofit-Organisationen das Spannungsfeld zwischen den Logiken und Leitideen
beider Konzepte. Stehen bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligenmanagement im
Widerspruch zueinander, und wenn ja, wie kann dieser aufgehoben bzw. abgemildert
werden? Neben einem speziellen Erkenntnisinteresse an der Performanz von Freiwilligenmanagement in Nonprofit-Organisationen im Hinblick auf die Herausbildung von Partizipationskompetenz will die Arbeit einen Beitrag zu der allgemeineren Debatte zu informellem und
formalem Demokratielernen liefern.
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2008-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-Böckler-Stiftung
INSTITUTION: Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Politikwissenschaft Fachgebiet Didaktik der politische Bildung (Nora-Platiel-Str. 1, 34127 Kassel);
Universität Potsdam, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Professur für Politische Theorie (August-Bebel-Str. 89, 14482 Potsdam)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0561-804-3134, e-mail: [email protected])
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[222-F] Nassauer, Anne (Bearbeitung); Eder, Klaus, Prof.Dr. (Betreuung):
Violence and protest - from the 1968 movement to the alter-globalization movement
INHALT: Why do some social movement protests turn violent, while the majority stays peaceful?
This dissertation deals with the emergence of physical violence in protests of two generally
peaceful social movements. Special attention will be paid to situational interaction, assuming
that relational and situational mechanisms are crucial for a violent protest outcome. Several
protests located in the historical course of these two social movements will therefore be analyzed by reconstructing the internal structure of the event sequences.|
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate
School of Social Sciences (Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[223-L] Nieland, Jörg-Uwe:
Politischer Protest und Charitainment zum G8-Gipfel 2007?: die Rolle der "visionären
Avantgarde" auf dem Prüfstand, in: Eva Kimminich (Hrsg.): Utopien, Jugendkulturen und
Lebenswirklichkeiten : ästhetische Praxis als politisches Handeln, Frankfurt am Main: P. Lang,
2009, S. 71-93
INHALT: "Ausgehend von der Kritik an Bono (Sänger der Rockband U2) in den Medien fragt
der Autor nach den grundsätzlichen Möglichkeiten wie tatsächlichen Aktionen politischer
Popmusik. Von Interesse sind dabei nicht nur die 'Berührungen' zwischen Popmusik und Politik, sondern die Dreiecksbeziehung Popmusik - Journalismus - Politik. Denn einerseits sind es
die Medien (und nicht die Fans), die die Bewertung vornehmen, ob ein Künstler mehr als nur
Popularität (und wirtschaftlichen Erfolg) besitzt, nämlich auch über (politische) Visionen verfügt und damit eine ernstzunehmende Rolle für eine soziale Bewegung einnehmen kann. Andererseits spricht politische Popmusik ihr Publikum nicht als Fans oder Konsumenten an, sondern als Citizens. In dieser Dreiecksbeziehung ist daher nicht nur die Äußerung eines Künstlers zu betrachten, sondern auch der Kontext, den der Autor am Beispiel das Sängers Campino im Rahmen der Konzerte zum G8-Gipfel in Heiligendamm analysiert." (Autorenreferat)
[224-L] Olk, Thomas; Klein, Ansgar; Hartnuß, Birger (Hrsg.):
Engagementpolitik: die Entwicklung der Zivilgesellschaft als politische Aufgabe,
(Bürgergesellschaft und Demokratie, Bd. 32), Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2010, 639 S.,
ISBN: 978-3-531-16232-4
INHALT: "Die Verbesserung der Rahmenbedingungen des bürgerschaftlichen Engagements und
die Stärkung zivilgesellschaftlicher Infrastrukturen haben seit der Enquete-Kommission 'Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements' als Anliegen an Bedeutung gewonnen. Nicht nur
zivilgesellschaftliche Akteure, sondern auch Unternehmen (Corporate Citizenship) sowie
Bund, Länder und Kommunen haben die Engagementförderung stärker auf ihre Agenda genommen. Der Band bietet umfassende Darstellungen von Leitbildern und ideengeschichtlichen Bezügen der Engagementpolitik, analysiert die Mitwirkung gesellschaftlicher Akteure
an den engagementpolitischen Entscheidungsprozessen im föderalen System Deutschlands
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sowie im europäischen Vergleich. Präsentiert werden zudem differenzierte Darstellungen von
Feldern der Engagementpolitik - Bildung, Integration, Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, Gesundheitswesen und Pflege, Umwelt und 'welfare mix' im Bereich sozialer Dienste sowie eine demokratiepolitische Bilanz." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Birger Hartnuß,
Ansgar Klein, Thomas Olk: Einleitung (11-23); Ansgar Klein, Thomas Olk, Birger Hartnuß:
Engagementpolitik als Politikfeld: Entwicklungserfordernisse und Perspektiven (24-59); Kirsten Aner, Peter Hammerschmidt: Zivilgesellschaftliches Engagement des Bürgertums vom
Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Weimarer Republik (63-96); Arnd Bauerkämper: Bürgerschaftliches Engagement zwischen Erneuerung und Abbruch. Die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR in vergleichender Perspektive (97-122); Karl-Werner Brand: Die Neuerfindung des Bürgers. Soziale Bewegungen und bürgerschaftliches Engagement in der Bundesrepublik (123-152); Wolfgang Maaser: Reformpolitische Leitbilder des
Engagementbegriffs: Systematisch-historische Dimensionen (153-171); Gerhard Igl: Bürgerengagement und Recht (175-209); Michael Haus: Von government zu governance? Bürgergesellschaft und Engagementpolitik im Kontext neuer Formen des Regierens (210-232); Gisela Jakob: Infrastrukturen und Anlaufstellen zur Engagementförderung in den Kommunen
(233-259); Reinhard Liebig, Thomas Rauschenbach: Die engagementpolitische Rolle von
Akteuren des Dritten Sektors (260-281); Adalbert Evers: Zivilgesellschaft, Engagement und
soziale Dienste (282-302); Holger Backhaus-Maul, Sebastian Braun: Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland. Theoretische Überlegungen, empirische Befunde
und engagementpolitische Perspektiven (303-326); Susanne Lang: Und sie bewegt sich
doch ... Eine Dekade der Engagementpolitik auf Bundesebene (329-351); Josef Schmid unter
Mitarbeit von Christine Brickenstein: Engagementpolitik auf Landesebene - Genese und
Strukturierung eines Politikfeldes (352-381); Jörg Bogumil, Lars Holtkamp: Die kommunale
Ebene (382-403); Markus Held: Engagementpolitik der EU - Flickwerk oder Strategie? (407436); Matthias Freise: Zivilgesellschaft und Engagementpolitik in den neuen Mitgliedsstaaten
der EU (437-456); Birger Hartnuß, Frank W. Heuberger: Ganzheitliche Bildung in Zeiten der
Globalisierung. Bürgergesellschaftliche Perspektiven für die Bildungspolitik (459-490); Martina Heitkötter, Karin Jurczyk: Freiwilliges Engagement von und für Familien: Politische
Rahmungen (491-509); Dietrich Thränhardt: Engagement und Integration (510-524); Dietmar
Dathe, Eckhard Priller: Der Dritte Sektor in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik
(525-546); Jürgen Matzat: Ehrenamtliches Engagement, kollektive Selbsthilfe und politische
Beteiligung im Gesundheitswesen (547-570); Thomas Klie: Bürgerschaftliches Engagement
in der Pflege (571-591); Heike Walk: Umweltengagement: Im Spannungsfeld zwischen nachhaltiger Entwicklung und ökologischer Modernisierung (592-608); Roland Roth: Engagementförderung als Demokratiepolitik: Besichtigung einer Reformbaustelle (611-636).
[225-L] Pfahl-Traughber, Armin:
Zwischen "Kampf dem Kapital" und "raumorientierter Volkswirtschaft": die
Wiederentdeckung der sozialen Frage durch Rechtsextremisten, in: Michael Bauer (Hrsg.) ;
Alexander Endreß (Hrsg.): Armut : Aspekte sozialer und ökonomischer Unterprivilegierung,
Aschaffenburg: Alibri Verl., 2009, S. 110-125
INHALT: Vergleichende Betrachtungen zum Scheitern von Demokratien und zum Aufkommen
von Diktaturen im 20. Jahrhundert veranschaulichen, dass hierbei die soziale und wirtschaftliche Krise in den jeweiligen Ländern von herausragender Bedeutung war. Insofern sollte der
wirtschaftspolitischen Entwicklung und deren sozialen Folgen nicht nur aus ökonomischen,
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sondern auch aus politischen Gründen höhere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Besteht
eine "Repräsentationslücke" für die Interessen der Betroffenen, können mitunter auch Rechtsextremisten diese durch eine "Nationalisierung der sozialen Frage" füllen. Gleichwohl muss
hinsichtlich einer differenzierten Einschätzung des Gefahrenpotenzials bedacht werden, dass
es sich bei den behandelten politischen Kräften nicht um eine Massenbewegung handelt. Aussagen zum Erhalt des Sozialstaates und zur Kritik des "Neoliberalismus" sind in anderen politischen Zusammenhängen weitaus besser und detaillierter vorgetragen worden. Darüber hinaus gelang es den Rechtsextremisten nicht, mit ihren Aufmärschen und Demonstrationen zu
sozial- und wirtschaftspolitischen Themen Menschen außerhalb ihres eigenen politischen Lagers als Teilnehmer zu mobilisieren. Ausschlaggebend ist dafür gegenwärtig weniger die politische Kraft der Rechtsextremisten, sondern die Existenz von längerfristig vorhandenes sozialen Problemen. Daraus ergibt sich indessen nicht notwendigerweise die Entschärfung der
genannten politischen und sozialen Schwierigkeiten, welchen die etablierte Politik offensichtlich mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenübersteht. (ICF2)
[226-L] Rucht, Dieter:
Globalisierungskritische Bewegungen: Forderungen, Formen, Wirkungen, in: Thomas
Pfeiffer (Hrsg.): Abgott Wirtschaftlichkeit, Darmstadt: Winter, 2009, S. 89-110
INHALT: Der Verfasser beschreibt die Entstehung der globalisierungskritischen Protestbewegung und ihre gegen den Neoliberalismus gerichtete Stoßrichtung. Er stellt das ideologische
Spektrum dieser Bewegung und ihre politischen Forderungen dar, analysiert die konkrete Gestalt globalisierungskritischer Proteste und die diese ermöglichende Infrastruktur und beschreibt Wirkungen von Protesten und sozialen Bewegungen in Bezug auf Binneneffekte,
Agenda Setting, Policy-Effekte sowie prozedurale und gesellschaftliche Effekte. Die historische Bedeutung der Globalisierungskritiker sieht er in einer Delegitimierung des Neoliberalismus sowie der diesen stützenden und politisch implementierenden internationalen Institutionen. (ICE2)
[227-L] Schaal, Gary S.; Vorländer, Hans; Ritzi, Claudia:
60 Jahre Grundgesetz - Deutsche Identität im Spannungsfeld von Europäisierung und
Regionalisierung: Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, Hamburg 2009,
25 S. (Graue Literatur; www.hsu-hh.de/politiktheorie/index_VdRo0k40x2HcaVbk.html)
INHALT: Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet. Eigentlich sollte es nur für eine
Übergangszeit gelten - bis zu dem Zeitpunkt, an dem "das gesamte deutsche Volk in freier
Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands" vollendete. Sechzig Jahre danach,
ist das Grundgesetz noch immer das Fundament der politischen Ordnung in Deutschland. Die
vorliegende Studie fasst die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zusammen, in der 1000 wahlberechtigte Deutsche aus verschiedenen Teilen das Landes 16 Fragen
rund um das Grundgesetz beantwortet haben. Die Studie ist auf drei Forschungsinteressen fokussiert: Erstens soll ein Einstellungsprofil der Deutschen zum Grundgesetz erstellt werden.
Hierzu wurden die Einstellungen der Bürger zum Grundgesetz - auch im Vergleich zu anderen identitätsstiftenden Ressourcen in der Bundesrepublik und der EU - abgefragt. Zweitens
wird ein stärker theoretisches Erkenntnisinteresse verfolgt: Verfassungen definieren nicht nur
die Spielregeln eines politischen Gemeinwesens, sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur
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Integration dieser Gemeinschaft, indem sie zentrale Leitideen und Ordnungsvorstellungen
symbolisch zur Darstellung bringen. Das dritte Ziel der Studie ist es, die dynamische Wechselwirkung zwischen der identitätsstiftenden Kraft der EU-Verfassung, dem Grundgesetz und
den Verfassungen der Bundesländer zu untersuchen. Dazu wurden neben der Haltung der
Deutschen zu einer möglichen EU-Verfassung auch die damit verbundenen Hoffnungen und
Ängste erfasst. Die Studie wurde am 17. und 18. Februar 2009 mit Hilfe der CATI-Methode
von dem Meinungsforschungsinstitut infratest dimap durchgeführt. (ICD2)
[228-L] Schemer, Christian:
Politische Kampagnen für Herz und Verstand: affektive und kognitive Einflüsse der
Massenmedien auf politische Einstellungen, (Rezeptionsforschung, Bd. 19), Baden-Baden:
Nomos Verl.-Ges. 2009, 289 S., ISBN: 978-3-8329-4864-1
INHALT: Der Verfasser behandelt zunächst die begrifflichen und theoretischen Grundlagen, die
die Basis seiner Untersuchung darstellen, bevor die bisherigen Erkenntnisse der Medienwirkungsforschung vorgestellt werden (kognitive Wirkungen der Medien, Wirkungen der Medienberichterstattung auf Affekte, Emotionen oder Stimmungen). Um affektive und kognitive
Einflüsse der Kampagnenberichterstattung auf politische Einstellungen zu untersuchen, werden im folgenden Ergebnisse einer Studie vorgelegt, die eine inhaltsanalytische Untersuchung
mit einer Panelbefragung koppelt. Gegenstand dieser Untersuchung ist eine Abstimmung in
der Schweiz im Jahr 2006, bei der es um die Verschärfung des Asylgesetzes ging. Der Verfasser weist nach, dass die Politikberichterstattung im Fernsehen und in Zeitungen das Publikum sowohl kognitiv als auch affektiv beeinflussen kann und sich damit überwiegend indirekt auf die Einstellung zum Asylgesetz auswirkt. (ICE2)
[229-F] Schleicher, Siegfried (Bearbeitung); Kleinfeld, Ralf, Prof.Dr.rer.pol. (Betreuung):
Organisierte Interessen von Soldaten der Bundeswehr. Politische Interessenvermittlung des
Verbandes der deutschen Reservisten der Bundeswehr (VdRBw) und des Deutschen Bundeswehrverbandes (DBwV) im Vergleich
INHALT: Am Beispiel des VdRBw und des DBwV wird der Leitfrage nachgegangen, wie in einem Politiksektor, der einem dominierenden staatlichen Kontroll- und Gestaltungswillen unterworfen ist, politische Interessenvermittlung durch Interessenorganisationen möglich ist.
Schwerpunkt der Arbeit ist es dabei, politische Interessenvermittlung im Politiksektor Soldaten der Bundeswehr vor ihren besonderen Bedingungen und Hintergründen zu betrachten, die
a) durch (soziale) Institutionen, b) den sozialen Raum (= die organisationale Umwelt) und c)
die darin vorkommenden Akteure und ihre Beziehungen zueinander geprägt werden. Das analytische Vorgehen bedient sich dabei mehrerer Perspektiven: Den intraorganisationalen
Aspekten wird mittels eines systematischen Vergleichs von ausgewählten systemtheoretischen Faktoren Rechnung getragen. Diese organisationssoziologisch orientierte Perspektive
fragt nach der Genese, nach dem inneren Aufbau beider Verbände, nach deren Handlungsfeldern und ihren Mustern der innerverbandlichen Willensbildung. Die Relationen zwischen
Verband und politisch-administrativem System werden aus funktionalistischer Perspektive erfasst. Die (konzeptionell als beiden Verbänden gemeinsam angenommene) interorganisationale Umwelt wird aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln interpretiert, nämlich 1. als Arena
zur Akquisition und Verteilung sozialer Ressourcen, 2. als "political-advocacy"-Arena und
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schließlich 3. als Arena organisationaler Legitimation. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Der Untersuchungsgegenstand wird über eine Dokumentenanalyse anhand (verbände-) theoretischer Anknüpfungspunkte in horizontalen und vertikalen Längs- und Querschnitten mittels Modellen und Hypothesen systematisch untersucht sowie narrativ beschrieben mit
dem Ziel, zu ersten generalisierenden Aussagen zu kommen. Die Daten- und Materialbasis
stützt sich auf Primärquellen, verbandseigene Publikationen, wissenschaftliche sowie (frei zugängliche) militärspezifische Literatur. Im Mittelpunkt steht eine schriftliche Befragung von
25 Verbänden, die netzwerkanalytisch ausgewertet wird, um zu Aussagen hinsichtlich der
strukturellen Zusammenhänge zwischen den Verbänden und ihrer relevanten Umwelt zu
kommen.
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Osnabrück, FB 01 Sozialwissenschaften, Fachgebiet Vergleichende
Politikwissenschaft (Seminarstr. 33, 49069 Osnabrück)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0541-969-4071,
e-mail: [email protected])
[230-L] Schoen, Harald:
Gute Seiten, schlechte Seiten: eine Analyse zur Wirkung von Ambivalenz auf die politische
Urteilsbildung in Deutschland, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, Jg.
39/2010, H. 1, S. 105-122 (Standort: USB Köln(38)-XE00150; Kopie über den Literaturdienst
erhältlich)
INHALT: "Der vorliegende Aufsatz untersucht Wirkungen attitudinaler Ambivalenz auf die Bewertung von Parteien und PolitikerInnen im deutschen Mehrparteiensystem. Auf der Grundlage kognitionspsychologischer Erkenntnisse zur politischen Informationsverarbeitung werden
Hypothesen über Effekte von Ambivalenz auf die Mäßigung und Stabilität partei- und politikerInnenbezogener Bewertungen entwickelt. Diese werden auf der Grundlage von Daten aus
einer Wiederholungsbefragung zur Bundestagswahl 1987 überprüft. Es wird gezeigt, dass
hochgradige Ambivalenz gegenüber einer Partei oder einer KanzlerkandidatIn Bewertungen
dieser Akteure mäßigt und destabilisiert. Ähnliche Ambivalenzeffekte können auf Bewertungen von Akteuren der gleichen parteipolitischen Couleur nachgewiesen werden, nicht jedoch
auf Urteile über Akteure des Koalitionspartners. Die Ergebnisse sprechen für einen Beitrag
des Memory-Based-Modells zur Erklärung politischer Urteilsbildung bei deutschen BürgerInnen. Zugleich scheinen in der Wahrnehmung der BürgerInnen Parteien und deren PolitikerInnen wesentlich enger miteinander verknüpft zu sein als verschiedene Parteien, die eine Koalition bilden." (Autorenreferat)
[231-L] Schönberger, Klaus; Sutter, Ove (Hrsg.):
Kommt herunter, reiht euch ein...: eine kleine Geschichte der Protestformen sozialer
Bewegungen, Berlin: Assoziation A 2009, 265 S., ISBN: 978-3-935936-71-2
INHALT: "Im Laufe der wechselvollen Geschichte der sozialen Bewegungen hat sich ein vielfältiges Repertoire an Protestformen herausgebildet: Straßendemonstrationen, Kundgebungen,
Infostände, Happenings, Reclaim-the-Street-Partys, Pink & Silver, Rebel Clown Army,
Streiks oder Aktionen des zivilen Ungehorsams wie Warenboykott, Sitzblockaden oder Tor-
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tenwerfen. Um Protest nach außen zu vermitteln, werden Unterschriften gesammelt, Petitionen verfasst, Fahnen geschwenkt, Steine geworfen, Transparente gemalt, Plakate layoutet,
Graffiti gesprüht, Flugblätter verteilt, Musikstücke gespielt oder auch einfach nur bestimmte
Kleidungsstücke getragen. Das Buch beschreibt Geschichten der Protestformen von 1848/49
bis heute. Im Vordergrund steht die Frage, welche Möglichkeiten sich daraus für eine zeitgemäße politische Praxis ergeben." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Klaus Schönberger &
Ove Sutter: Kommt herunter, reiht euch ein ... Zur Form des Protesthandelns sozialer Bewegungen (7-30); Sebastian Haunss: Die Bewegungsforschung und die Protestformen sozialer
Bewegungen (30-45); Larissa Denk & Fabian Waibel: Vom Krawall zum Karneval. Zur Geschichte der Straßendemonstration und der Aneignung des öffentlichen Raumes (46-81); Andrej Mischerikow & Ines Taube: Die Fahne - "Das ist mehr wie'n Tuch" (82-86); Philipp
Franz & Ove Sutter: "... nur mal einen Stein ins Wasser schmeißen" - Ein Gespräch mit Michael Vester über Geschichte und Praxis der direkten Aktion (87-101); Karoline Boehm &
Andrej Mischerikow: ... bis zu einer Länge von 1,5 Metern erlaubt - Das Transparent (102107); Tobias Bäumer: Zeichen setzen! P.S. Graffiti sind Krieg (108-129); Thomas Kühn:
"Hört die Signale!" Musik im Protest sozialer Bewegungen (130-147); Karoline Boehm: Warenboykott! Vom Arbeitskampf zum Angriff auf das Image (148-163); Andrej Mischerikow:
Ca. 300x60x80cm LxBxH und ein bisschen drumherum. Von Infoständen und Unterschriftensammlungen (164-171); Martin Hofer & Michael Stritzel: Der Streik. Zwischen gesellschaftlicher Einhegung und unkontrollierter sozialer Bewegung (172-189); Klaus Schönberger: "Torte statt Worte" - (K)eine Theorie des Tortenwerfens (190-209); Larissa Denk & Jan
Spille: Kleidsamer Protest - Medium und Moden des Protestes (210-233); Karoline Boehm &
Andrej Mischerikow & Alexander Schack: Reclaim the Wall! Zur Archäologie des plakativen
Mauer-Anschlags (234-239); Andrej Mischerikow: Aneignung und Umnutzung. Medientechnik und soziale Bewegungen (240-253); Philipp Franz & David Höh & Ines Taube: "Protest"
von rechts - Protestformen von links? (254-267).
[232-F] Schönfelder, Sven, Dr. (Bearbeitung):
Rechtspopulismus als Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: sozialstrukturelle Ursachen, individuelle Einstellungen und politische Orientierungen
INHALT: Das Promotionsvorhaben lehnt sich unmittelbar an das Projekt "Gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit" (GMF) an und soll die bisherige, in diesem Rahmen durchgeführte
empirische Analyse des rechtspopulistischen Potentials vertiefen und erweitern. Der Aufsatz
von Schaefer, Mansel und Heitmeyer im ersten Band der Reihe Deutsche Zustände ist dafür
Ausgangs- und Bezugspunkt. Die Autoren kommen darin zu dem Ergebnis, dass in der deutschen Bevölkerung ein erhebliches Potential an spezifischen gruppenbezogenen menschenfeindlichen Einstellungen, die als rechtspopulistisch gekennzeichnet sind, existiert, sich aber
bislang nicht in einem entsprechend rechtspopulistischen Wahlverhalten manifestiert hat - anders als bspw. in unseren mit ähnlichen ökonomischen und sozialen Problemen konfrontierten
westeuropäischen Nachbarstaaten. Mit der Dissertation wird das Ziel verfolgt, Rechtspopulismus als Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit hinsichtlich sozialstruktureller Ursachen, individueller Einstellungen und politischer Orientierungen zu untersuchen. Es geht um
die Verbindung von individuellen Lebensbedingungen, biographischen Erfahrungen und subjektiven Verarbeitungen in Bezug auf die Ingroup-Outgroup-Diffenzierung als Folge für individuelle Einstellungen und Verhaltenstendenzen. Die empirische Basis dafür bilden vor allem
die Daten der GMF-Surveys, die seit dem Jahr 2002 jährlich erhoben werden und so auch
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eine Längsschnittanalyse des rechtspopulistischen Potentials ermöglichen. Im Mittelpunkt der
Analyse steht die Frage nach dem in der deutschen Bevölkerung vorhandenen Potential an
spezifischen, als rechtspolitisch gekennzeichneten gruppenbezogenen menschenfeindlichen
Einstellungen sowie nach deren sozialer Strukturierung und Bedeutung hinsichtlich grundlegender politischer Orientierungen. Indikatoren dieser Einstellungen sind Autoritarismus in
Form von "Law and Order"-Forderungen, Fremden- und Ausländerfeindlichkeit sowie ein sekundärer Antisemitismus, der die Meinung vertritt, Juden würden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen. Des weiteren soll die so genannte
"Modernisierungsverlierer-Hypothese" auf ihren Erklärungsgehalt hin überprüft werden, die
das Bestehen und die Tradierung rechtspopulistischer Einstellungen auf eine durch den raschen sozialen Wandel verursachte tiefgreifende gesellschaftliche Verunsicherung und Orientierungsunsicherheit zurückführt. Der in dieser These vertretene Ansatz der relativen Deprivation wird dabei um den der sozialen Desintegration und den der Anomia erweitert. Darüber
hinaus gilt es zu untersuchen, ob das rechtspopulistische Potential auch eine Affinität zu gewalthaltigen und damit rechtsextremistischen Orientierungen aufweist und wie es sich im
Zeitvergleich der letzten Jahre entwickelt hat. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik
Deutschland
METHODE: Hinsichtlich des methodischen Vorgehens sollen quantitative und qualitative Methoden miteinander verbunden werden ("Triangulation"), um mit der empirischen Analyse sowohl in die Breite als auch in die Tiefe gehen zu können. Quantitative Auswertungen wie der
Vergleich von Mittelwerten oder die Anwendung von bi- und multivariaten Korrelationen
werden anhand der GMF-Daten und qualitative Auswertungen mittels explorativer Interviews
vorgenommen. Die Dissertation wird damit dem vom GMF-Projekt formulierten Ziel einer
"dezidierten Aufklärung" über das Potential an rechtspopulistischen Einstellungen und Verhaltenstendenzen in Deutschland gerecht und trägt so zur ursächlich bezogenen Klärung eines
Phänomens bei, das letztlich auch eine Bedrohung für die fundamentalen Prinzipien der freiheitlichen Demokratie darstellt.
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Marburg, Graduiertenkolleg 884 "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ursachen, Phänomenologie und Konsequenzen" (Gutenbergstr. 18, 35032 Marburg)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 06421-28-24493, Fax: 06421-28-24281,
e-mail: [email protected])
[233-L] Seibring, Anne:
Die Gewerkschaften im Fünf-Parteien-System der Bundesrepublik, in: Aus Politik und
Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 2010, H. 13/14, S. 29-35
(www.bpb.de/files/4QFZI7.pdf)
INHALT: "Die Ausdifferenzierung des Parteiensystems zum Fünf-Parteien-System stellt die Gewerkschaften vor neue Herausforderungen, auch wenn sie schon seit längerem begonnen haben, sich von tradierten Einflussstrategien zu verabschieden." (Autorenreferat)
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[234-F] Shore, Jennifer (Bearbeitung); Immergut, Ellen, Prof.Dr. (Betreuung):
The welfare state and the democratic citizen: a comparative analysis of individual political
attitudes and behaviors
INHALT: Citizen interest in politics, satisfaction with democracy, political trust as well as political engagement and participation are frequently used as indicators of a healthy and robust democracy. Although low and falling voter turnout rates tend to plague most democracies, what
is of greater concern is the fact that political participation tends to be unevenly distributed
across socio-economic groups. Democratic citizenship, understood as a particular set of individual political attitudes and behaviors, has many implications for the legitimacy and representativeness of states. Nevertheless, political institutions and policies can play a role in assuaging these inequalities of participation. Drawing on neo-institutionalist and political psychological approaches and recent empirical work on the welfare state and its effect on attitudes, perceptions, and behavior, I ask the following question: What role does the welfare state
play in creating democratic citizens? To address this question, I will comparatively investigate the ways in which the degree of welfare statism affects democratic citizenship at the individual level. The underlying assumption guiding this research posits that politics should become more relevant to individuals when the scope of the state's action is greater. Furthermore,
when welfare schemes are more comprehensive and encompassing, the more cognitive
aspects of democratic citizenship are thought to be fostered, as a more far-reaching welfare
state is better able to abate the inequalities of education.|
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2009-10 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate
School of Social Sciences (Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[235-L] Skenderovic, Damir:
Die neue Rechte in der Schweiz: Der lange Weg einer Gegenbewegung, in: Damir
Skenderovic (Hrsg.) ; Christina Späti (Hrsg.): 1968 - Revolution und Gegenrevolution : Neue
Linke und Neue Rechte in Frankreich, der BRD und der Schweiz, Basel: Schwabe, 2008, S. 93110
INHALT: "In a similar way to that seen in other Western European countries, Switzerland witnessed the emergence of a New Right in the late 1960s, which has diversified over the course
of the following years into a number of various intellectual currents composed of study
groups, associations, periodicals and publishing houses. While some followers of the New
Right were mainly interested in the world of culture and ideas and pursued a 'metapolitical'
strategy, others were deliberately involved with party politics. The development of the New
Right in the respective German-speaking and French-speaking parts of Switzerland shows significant differences in terms of organizational variation and variety in the sources of intellectual inspiration. In order to shape its profile as an intellectual counter-movement, the New
Right needed to present '1968' as a drastic event in the history of post-war societies and
sought to denounce the 68-movement and its epigones for holding a hegemonic position in
society, culture and academia. While the 68-generation was made responsible in a very concrete manner for all kinds of social and political problems, the answers to any questions relating to who it is that belongs to this generation and exactly what '1968' represents, have re-
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mained very diffuse. This kind of interpretation has allowed the New Right to promote its
own cultural-political counter-agenda based an exclusionist, anti-egalitarian and authoritarian
ideas." (author's abstract)|
[236-L] Speth, Rudolf:
Das Bezugssystem Politik - Lobby - Öffentlichkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage
zur Wochenzeitung Das Parlament, 2010, H. 19, S. 9-15 (www.bpb.de/files/4SOFXA.pdf)
INHALT: "Das Verhältnis des Staates zu den Interessengruppen hat sich gewandelt: Zu den klassischen Interessenvertretungsorganisationen, den Verbänden, sind zahlreiche weitere Akteure
hinzugekommen. Vor dem Hintergrund der Mediengesellschaft hat dies zu einem Aufschwung des Lobbying geführt." (Autorenreferat)
[237-L] Speth, Rudolf:
Stiftungen und Think-Tanks, in: Dagmar Simon (Hrsg.) ; Andreas Knie (Hrsg.) ; Stefan
Hornbostel (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftspolitik, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2010,
S. 390-405
INHALT: Zahlreiche Stiftungen und Think-Tanks in Deutschland sind als Nonprofit-Organisationen zu wichtigen wissenschaftspolitischen Akteuren avanciert. Ihre Wirkungsmöglichkeiten
liegen nicht so sehr in der Finanzierung von Wissenschaftsorganisationen, wenngleich dies
für ausgewählte Hochschulen und Institute, vor allem für private Universitäten, von wachsender Bedeutung ist. Der stärkere Wettbewerb im wissenschaftspolitischen Feld, die zunehmende Differenzierung bei den Universitäten, die Internationalisierung sowie die wachsende Relevanz von Methoden des Public Managements für Wissenschaftsorganisationen eröffnen für
die privaten Akteure der Wissenschaftspolitik ein sich erweiterndes Tätigkeitsfeld. Sie sind
als Ideengeber, Berater und als Multiplikator gefragt. Der vorliegende Beitrag zeigt, dass ihre
Rolle als Innovatoren künftig wachsen wird. Allerdings werden Stiftungen und andere Organisationen des Dritten Sektors bzw. der Zivilgesellschaft auch in Zukunft im Vergleich zum
Staat wenig zur Finanzierung von Wissenschaft und Forschung beitragen. Vielmehr wird im
Zuge des großen Trends der Diversifizierung und Privatisierung ihre Funktion als Komplementäre staatlichen Handelns und als Innovatoren an Bedeutung gewinnen. (ICA2)
[238-L] Spöhr, Holger; Kolls, Sarah (Hrsg.):
Rechtsextremismus in Deutschland und Europa: aktuelle Entwicklungstendenzen im
Vergleich, Frankfurt am Main: P. Lang 2010, 205 S., ISBN: 978-3-631-59265-6
INHALT: "Dieser Sammelband leistet einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit den
Themen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und Rechtsintellektualismus in Europa.
Zwölf international renommierte ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik, Medien und NGOs
beschreiben aktuelle Entwicklungen und bieten spannende Einblicke in die Situation ausgewählter Länder. Auf einzigartige Weise werden unterschiedliche europäische Perspektiven
zusammengeführt und Handlungsstrategien aufgezeigt. Die Parteienlandschaft wird ebenso
berücksichtigt wie außerparlamentarische Strömungen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Holger Spöhr: Vorwort des Herausgebers (9-14); Heribert Prantl: Rechtsextremismus in
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Deutschland und Europa und der Widerstand der Bürgergesellschaft (15-26); Wolfgang
Gessenharter: Was ist Rechtsextremismus? Zentrale Aspekte eines vielschichtigen Problems
(27-43); Armin Pfahl-Traughber: "Kulturrevolution von rechts" - Der intellektuelle Rechtsextremismus von der "Konservativen Revolution" zur "Neuen Rechten" (45-59); Hajo Funke:
Rechtsextremismus in Deutschland (61-78); Britta Schellenberg: Rechtsradikalismus in Europa: Trends, Themen und Gegenstrategien (79-100); Angelika Beer: Rechtsextremismus im
Europäischen Parlament: Die Fraktion "Identität, Tradition, Souveränität" (101-109); Roger
Eatwell: Rechtsextremismus in Großbritannien: Bricht für die extreme Rechte ein neuer Tag
an? (111-129); Julia Verse: Konstruktion und Bedeutung des irischen Nationalismus: Geistige
Tradition rechten Denkens in der Republik Irland (131-146); Rafal Pankowski: Die Liga Polnischer Familien auf dem Weg zur Macht - eine Fallstudie zum Rechtsextremismus in Polen
(147-163); Jean-Yves Camus: Der Niedergang des Front National und die Zukunft der extremen Rechten in Frankreich (165-175); Frauke Büttner: Handeln für Toleranz und gegen
Rechtsextremismus in Spanien - Ansätze des "Movimiento contra la Intolerancia" (MCI)
(177-194); Michael Minkenberg: Das neue Europa? Rechtsradikale Profile im Regimewandel
Mittel- und Osteuropas (195-202).
[239-F] Stöter, Joachim, Dipl.-Psych. (Bearbeitung); Lange, Dirk, Prof.Dr. (Leitung):
Demokratiebilder von Schülern und Studenten - der Wandel von Staatlichkeit im Bürgerbewusstsein
INHALT: Erklärtes Ziel ist es, eine enge thematische Anbindung der politikdidaktischen Arbeitsgruppen in Oldenburg und Bremen an das Forschungsgebiet des SFB 597 zu schaffen, welche
auch über ein Initialprojekt hinaus Bestand hat. Später sind drei Stufen der Drittmitteleinwerbung geplant, um nationale wie internationale Forschungsförderanträge stellen zu können
(EU, DFG und BMBF). Der Forschungsentwurf sieht vor, ein qualitatives Interview zu entwickeln und zu normieren. Dieses leitfadengestützte Interview dient dazu, die individuellen Erfahrungen und Ansichten von Schülern bezüglich sich verändernder Staatlichkeit zu untersuchen und in einem zweiten Schritt für eine quantitative Untersuchung Hypothesen zu entwickeln. Ein Team von Forschern der beiden Universitäten entwickelt einen Interviewleitfaden,
indem die Oldenburger Erfahrungen bei der Untersuchung von Bürgerbewusstsein als Grundlage genutzt und an die Erkenntnisse des Bremer Sonderforschungsbereiches angepasst werden. An Bremer und Oldenburger Schulen wird ein Vortest durchgeführt. Das Ergebnis des
zweiten Arbeitsschrittes wird eine Datenbasis sein, mit welcher die Methoden weiter verfeinert werden, um die Entwicklung eines quantitativen Fragebogens initiieren zu können.
ART: gefördert BEGINN: 2009-06 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Stifterveband NOWETAS (Koordinationsstelle Wissenschaft Nord-West)
INSTITUTION: Universität Hannover, Philosophische Fakultät, Institut für Politische Wissenschaft (Schneiderberg 50, 30167 Hannover)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
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[240-L] Winter, Thomas von:
Interessengruppen und Demokratie im Wandel verbändetheoretischer Paradigmen, in:
Klemens H. Schrenk (Hrsg.) ; Markus Soldner (Hrsg.) ; Wolfgang Ismayr (Adressat): Analyse
demokratischer Regierungssysteme : Festschrift für Wolfgang Ismayr zum 65. Geburtstag,
Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., 2010, S. 115-127
INHALT: "Politische Willensbildung in Demokratien ist nicht denkbar ohne das Wirken von Interessengruppen. Bei einer Funktionsanalyse der politischen Steuerungs- und Handlungsfähigkeit von Regierungssystemen lassen sich aber auch durch Interessengruppen ausgelöste
Überlastungsgefahren erkennen. Zugleich bergen Komplexität und Unübersichtlichkeit der
politischen Prozesse in offenen Gesellschaften das Risiko von Intransparenz und damit - in
den Augen der Bevölkerung - Delegitimierung der Demokratie. Anders als unter genuin pluralistischen Bedingungen, argumentiert der Autor, besitzt der Staat heute die Fähigkeit, über
finanzielle Förderungen aktiv in den Gruppenwettbewerb einzugreifen. Allerdings hat dieses
Verfahren den Preis, dass die geförderten Gruppen über eine finanzielle Abhängigkeit hinaus
auch in eine politische Abhängigkeit von ihren staatlichen Adressaten geraten können." (Autorenreferat)
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Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
[241-L] Abels, Gabriele:
Die Welt ist weiblich - und doch von Männern regiert?!: oder: Wie hoch hängt die gläserne
Decke in der Politik?, in: Volker Rittberger (Hrsg.) ; Julian Bergmann (Mitarb.) ; Ingvild Bode
(Mitarb.): Wer regiert die Welt und mit welchem Recht? : Beiträge zur Global GovernanceForschung, Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges., 2009, S. 155-183
INHALT: Im vorliegenden Beitrag wird die Frage der politischen Repräsentation von Frauen im
weltweiten Kontext dargestellt und diskutiert. "Gendering representation" ist dabei ein ebenso
empirisch-analytisches wie normatives Unterfangen, denn neben der Frage, wie sich der Anteil von Frauen in der Politik entwickelt hat, geht es auch immer darum, ob, warum und zu
welchem Zweck Frauen auf politischer Ebene partizipieren und ob mehr Frauen in der Politik
einen Unterschied machen. Die Autorin geht auf die Entwicklung des Frauenwahlrechts, die
Repräsentation von Frauen in nationalen Parlamenten, die Erklärungsfaktoren der Unterrepräsentation, den Siegeszug der Frauenquote und auf die Repräsentation von Frauen in exekutiven Führungspositionen ein. Ihr Fokus liegt auf der so genannten quantitativen oder auch als
deskriptiv bezeichneten Repräsentation von Frauen, d. h. auf ihrer zahlenmäßigen Teilhabe an
der Politik. Davon abzugrenzen ist die qualitative bzw. substanzielle Repräsentation, welche
berücksichtigt, inwiefern Bedürfnisse und Interessen von Frauen als sozialer Gruppe repräsentiert sind. Dieser Aspekt wird in den Schlussüberlegungen kurz aufgegriffen. (ICI2)
[242-L] Acklin Zimmermann, Beatrice; Siegrist, Ulrich; Uster, Hanspeter (Hrsg.):
Ist mit Religion ein Staat zumachen?: zu den Wechselbeziehungen von Religion und Politik,
(Edition NZN : Reihe des Pastoralsoziologischen Instituts St. Gallen, Bd. 5), Zürich: Theolog.
Verl. 2009, 103 S., ISBN: 978-3-290-20056-5
INHALT: "Bekenntnisse zu moralischen oder religiösen Werten nehmen ebenso zu wie religiösfundamentalistische Äusserungen. Dass der Faktor Religion' auch in der Politik eine zunehmend wichtige Rolle spielt, zeigen hierzulande nicht zuletzt die emotionsgeladenen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Minarettinitiative oder der Abstimmung über das
neue Asylgesetz. Im Fokus der Autoren stehen grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis
von Religion und Politik in Modernisierungsprozessen und der Rolle der Religion bei der
Herausbildung des modernen Staates. Gefragt wird zudem nach den Auswirkungen der in den
letzten Jahren stark veränderten religiösen Landkarte der Schweiz auf das Wechselspiel von
Politik und Religion. Dieses wird konkretisiert im Kontext der Sozial- und Asylpolitik, bioethischer Fragestellungen und religiöser Symbole in der Öffentlichkeit." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Thomas Maissen: Die Bedeutung der Religion in der politischen Kultur der
Schweiz. Ein historischer Überblick (13-28); Hermann Lübbe: Politik und Religion in Modernisierungsprozessen (29-37); Peter Voll: Religion(en) in der Politik. Zum politischen Umgang
mit Religion in der pluralen Demokratie (39-54); Frank Mathwig: Taugt religiöse "Toleranz"
als bioethisches Prinzip? Biopolitik in pluralistischen Gesellschaften (55-67); Adrian Loretan:
Religiöse Symbole in multireligiöser Gesellschaft. Kopftuch und Minarett (69-84); Werner
Kramer: Asylpolitik im Zeitalter globaler Arbeitsmigration. Plädoyer für eine unverstellte
Wahrnehmung (85-94); Josef Bruhin: Kirche und Sozialpolitik. Stellungnahme und persönliche Erfahrungen (95-102).
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[243-L] Albers, Hagen:
Wahlkämpfe im digitalen Zeitalter: eine explorative Studie zum Wandel der
Internetwahlkämpfe bei den Bundestagswahlen 2002, 2005 und 2009, Stuttgart: Ibidem-Verl.
2009, 119 S., ISBN: 978-3-8382-0028-6
INHALT: "Politiker und Parteien schätzen das Internet als Kanal zur direkten Kommunikation
mit den Wählern. Doch was genau ist direkte Kommunikation, und welche Ansprüche sind an
sie zu stellen? Welche Onlinekanäle nutzen politische Akteure in Deutschland in ihren Kampagnen, und kann man diese sinnvollerweise als 'direkt' bezeichnen? Unter Zuhilfenahme von
Theorien der Medienwirkungsforschung gibt Hagen Albers in seinem neuen Buch Antworten
auf diese und weitere Fragen. Er analysiert den überaus raschen Wandel des Onlinewahlkampfs, wie er sich in den letzten Jahren auch in Deutschland vollzogen hat, am Beispiel von
SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Dabei stellt sich heraus: Eine wachsende Zahl von Instrumenten im Netz bietet Parteien und Wählern neue Möglichkeiten zu direktem Kontakt. Zugleich ermöglichen sie die qualitative Steigerung der Interaktionen durch Dialog und letztlich
die Verbesserung von politischer Kommunikation als Grundvoraussetzung für Demokratie."
(Autorenreferat)
[244-L] Ballensiefen, Moritz:
Bilder machen Sieger - Sieger machen Bilder: die Funktion von Pressefotos im
Bundestagswahlkampf, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2009, 458 S., ISBN: 978-3-53116488-5
INHALT: Noch nie sei so viel über Parteien und ihre Kandidaten berichtet worden wie im Vorfeld der Bundestagswahl 2005, schreibt der Autor und untersucht, wie die beiden Spitzenkandidaten Gerhard Schröder und Angela Merkel in der Printmedienberichterstattung visuell dargestellt wurden. Wie nutzten Bildjournalisten ihre Selektionsmacht und in welchem Umfang
beeinflussten sie das Bildmaterial? Welche Darstellungsmuster der politischen Berichterstattung lassen sich ableiten? Ballensiefen unternimmt eine detaillierte "journalistische Produktanalyse" (59). Sie bildet das Herzstück der Arbeit und umfasst alle Visualisierungen der politischen Berichterstattung im redaktionellen Teil der Tageszeitungen Bild, Süddeutsche Zeitung, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Financial Times Deutschland und Die Welt. Anhand
eines zuvor entwickelten Kategoriensystems wurden insgesamt 6.806 Medienbilder inhaltsanalytisch nach quantitativen und qualitativen Kriterien ausgewertet. Um mögliche Veränderungen und besondere Dynamiken in der Bildberichterstattung aufzeigen zu können, unterscheidet der Autor sechs Phasen des Wahlkampfverlaufs vom Machtwechsel in NordrheinWestfalen und der Ankündigung der Neuwahlen bis zur Regierungserklärung von Angela
Merkel. Der eigentlichen empirischen Untersuchung vorangestellt ist eine Darstellung des
Forschungsstandes zum Verhältnis von Medien und Politik bzw. zur Wahlkampfkommunikation und zu den Grundlagen der Bildanalyse, die als Kontext zur Einordnung der zahlreichen
Einzelbefunde dient. Als generalisierbaren Trend macht der Autor einen durchgängigen "Negativ-Bias" (383) hinsichtlich der innerhalb der Bildauswahl vermittelten Bewertungen der
Kandidaten aus. Der Autor untersucht auch den noch am Wahlabend geäußerten Vorwurf der
Medienmanipulation. Danach machten die Medien "von ihrer Macht innerhalb der Visualisierung des politischen Wahlgeschehens durchaus Gebrauch", eine "kampagnenhafte Einflussnahme" (388) lasse sich jedoch empirisch nicht nachweisen. (ZPol, Nomos)
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[245-L] Bergsdorf, Wolfgang:
Journalistische Hintergrundgespräche, in: Wiebke Möhring ; Walter J. Schütz ; Dieter
Stürzebecher: Journalistik und Kommunikationsforschung : Festschrift für Beate Schneider,
Berlin: Vistas Verl., 2007, S. 169-178
INHALT: Der Autor beleuchtet in seinen Ausführungen das Rollenverständnis von Journalisten
und ihr Verhältnis zur Politikern. Deutsche Journalisten definieren ihr eigenes Rollenverständnis stärker praktisch-partizipativ und advokatorisch und fühlen sich dem Neutralitätsmodell verpflichtet. Dies macht sich vor allem in Wahlkämpfen bemerkbar, indem die Positionen der Wahlkämpfer einer Partei mit der Lupe auf Übereinstimmung untersucht werden. Die
Informationsgewinnung durch Journalistengruppen in sogenannten Hintergrundgesprächen
mit Politikern findet meist hinter der Bühne statt und bedarf des Vertrauens des Politikers
zum Journalisten. Zunächst skizziert der Autor, was als state of the art im Blick auf das Beziehungsgeflecht zwischen Politik und Medien Geltung beanspruchen kann, um dann zum
Hintergrundgespräch, zu seinen Funktionen und Formen zu gelangen. Fazit: Hintergrundgespräche gehören zu den unverzichtbaren Instrumenten der politischen Kommunikation. Sie
gründen auf Konvergenz der professionellen Interessen von Politikern und Journalisten. Aus
der Perspektive der Journalisten sind Hintergrundgespräche willkommene und wahrgenommene Möglichkeiten, an politischen Informationen teilzuhaben und öffentliche Information
besser einzuordnen. (RG)
[246-F] Bernstein, Frank, Prof.Dr.; Bichler, Reinhold, Prof.Dr.; Corni, Gustavo, Prof.Dr.; Leppin,
Hartmut, Prof.Dr.; Rando, Daniela, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Ferne Vergangenheiten als Vorbild, Gegenbild oder Zerrbild im politischen Diskurs
INHALT: Der Rückbezug auf eine Vergangenheit, die aus der Sicht der Akteure in weiter Ferne
liegt, ist in den unterschiedlichsten historischen Epochen ein wichtiges Argument im politischen Diskurs. Diese Vergangenheit kann gerade im Vergleich zur näheren oder auch nächsten Vergangenheit idealisiert oder aber abgelehnt werden. Auf den ersten Blick scheint der
positive Rückbezug für die Vormoderne charakteristisch und das negative Bild für das Fortschrittsdenken der Moderne. Doch bei näherem Zusehen gestalten die Dinge sich komplexer.
Während ein idealisierender Bezug auch rein paradigmatisch, d.h. ohne das Postulat einer
Identität stiftenden historischen Kontinuitäts-Linie erfolgen kann, setzen bewusste Distanzierungen von ferner Vergangenheit solche Kontinuitäts-Linien voraus. So kann im politischen
Denken der Römischen Kaiserzeit die frühe Vergangenheit sowohl als eine Epoche der Grobheit und Barbarei als auch als eine der sittlichen Reinheit beschrieben werden. Im deutschen
19. Jahrhundert kann die Germanenzeit idealisiert wie auch perhorresziert werden. Die Bearbeitung dieses Themas kann verdeutlichen, nach welchen teils zeitgenössischen, teils durch
die Tradition überkommenen Kriterien Vergangenheiten bewertet und instrumentalisiert wurden, da ferne, weniger verlässlich bis völlig unzureichend bezeugte Vergangenheiten besser
formbar waren als nahe Vergangenheiten und eben deswegen auch "heiße" Erinnerungen hervorrufen konnten. Die Gruppe der beteiligten Dozenten bietet ein breites Spektrum an Kompetenzen sowohl in Hinblick auf die Methodik als auch auf die Epoche, wie es bei einem solchen Thema unerlässlich ist.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Bernstein, F.: Verständnis- und Entwicklungsstufen der archaischen Consualia. Römisches Substrat und griechische Überlagerung. in: Hermes, 125, 1997,
S. 413-446.+++Bernstein, F.: Transfer und Distanz: Thera, Kyrene und die Gründung der
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Apoikie im Kult. in: Schumacher, L. (Hrsg.): Religion - Wirtschaft - Technik. Althistorische
Beiträge zur Entstehung neuer kultureller Strukturmuster im historischen Raum Nordafrika/
Kleinasien/ Syrien. Mainzer Althistorische Studien, 1. St. Katharinen 1998, S. 1-19.+++Bichler, R.: Alexander der Große und das NS-Geschichtsbild. in: Antike und Altertumswissenschaft in der Zeit von Faschismus und Nationalsozialismus. Kolloquium Zürich 14. bis 17.
Oktober 1998. Mandelbachtal-Cambridge 2001, S. 345-378.+++Corni, G. (Hrsg.): Die Mauern der Geschichte. Historiographie in Europa zwischen Diktatur und Demokratie. Leipzig
1996.+++Corni, G.: Umstrittene lieux de memoire. in: Jahrbuch fur europäische Geschichte,
2002, 3, S. 93-100.+++Leppin, H.: Von Etrurien nach Rom: die Antike in den historischen
Disziplinen Italiens im 19. Jahrhundert. in: International Journal of the Classical Tradition,
1997, 4, S. 268-277.+++Leppin, H.: Das Alte Testament und der Erfahrungsraum der Christen: Davids Buse in den Apologien des Ambrosius. in: Pecar, A.; Trampedach, K. (Hrsg.):
Die Bibel als politisches Argument. Voraussetzungen und Folgen biblizistischer Herrschaftslegitimation in der Vormoderne. HZ Beihefte, 43. München 2007, S. 119-133.+++Rando, D.:
Antitürkendiskurs und antijüdische Stereotypen: Formen der Propaganda im 15. Jahrhundert
am Beispiel Trient. in: Osmanische Expansion und europaischer Humanismus, 2005, S. 3152.+++Rando, D.: Dai margini la memoria: Johannes Hinderbach (1418-1486). Bologna
2003.
ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Frankfurt, Internationales Graduiertenkolleg 1067 "Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert" (Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am
Main)
KONTAKT: Institution (Tel. 069-798-32595, Fax: 069-798-32596,
e-mail: [email protected])
[247-F] Beyer, Susanne, M.A.; Stimpel, Thomas, M.A. (Bearbeitung); Olk, Thomas, Prof.Dr.
(Leitung):
Zivilgesellschaft stärken. Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus im strukturschwachen ländlichen Raum
INHALT: Entwicklung von Handlungsstrategien für lokale Akteure aus Politik, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft.
METHODE: Sekundäranalyse (Literatur, Studien, etc.); qualitative Ergänzungsstudie in einer
Modellregion. Untersuchungsdesign: Querschnitt DATENGEWINNUNG: Qualitatives Interview (Stichprobe: 20-30; Akteure aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft; Auswahlverfahren:
Zufall). Sekundäranalyse von Aggregatdaten (-möglichst umfassend- Herkunft der Daten: Literatur, Studien, Projektevalutionen). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: Auftragsforschung BEGINN: 2008-11 ENDE: 2010-12 AUFTRAGGEBER: Stiftung Demokratische Jugend FINANZIERER: Auftraggeber
INSTITUTION: Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät III Erziehungswissenschaften, Institut für Pädagogik Arbeitsbereich Sozialpädagogik I: Sozialpädagogik und Sozialpolitik (Franckeplatz 1, 06110 Halle)
KONTAKT: Stimpel, Thomas (Tel. 0345-552-3828)
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[248-F] Bock, Norman (Bearbeitung); Jesse, Eckhard, Prof.Dr. (Betreuung):
Zwischen Verdrängung und Verklärung. "Junge Welt" und "Neues Deutschland" in der
Auseinandersetzung mit der Geschichte des europäischen Kommunismus
INHALT: Mit dem 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Einheit, verschwand die Deutsche
Demokratische Republik von der politischen Landkarte. Das instabil gewordene Herrschaftsund Gesellschaftssystem, das im Wesentlichen dem sowjetischen Vorbild einer Parteidiktatur
entsprach, erlag auf längere Sicht seinen ökonomischen und politischen Strukturdefiziten. Der
Machtverlust der SED-Funktionäre führte allerdings nicht zum völligen Verschwinden ihrer
politischen und ideologischen Vorstellungen. Viele der orthodoxen Positionen leben in Form
historischer Legenden und Fehlwahrnehmungen fort. Innerhalb eines Netzwerkes aus postkommunistischen Stiftungen, Verlagen und Bildungsvereinen erscheinen zahlreiche Periodika, von denen hinsichtlich Auflage und Professionalität besonders "Junge Welt" und "Neues
Deutschland" hervorzuheben sind. Im Rahmen der Untersuchung soll das Geschichtsbild beider Zeitungen anhand ausgewählter Themenbereiche analysiert werden. Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Untergang des "real existierenden Sozialismus" stellt sich unweigerlich die
Frage, wie kritisch die Auseinandersetzung mit der Geschichte des europäischen Kommunismus in zwei traditionell marxistischen Publikationsorganen betrieben wird.
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hanns-SeidelStiftung e.V.
INSTITUTION: Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg
"Politik- und Parteienentwicklung in Europa" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (Thüringer Weg
9, 09126 Chemnitz); Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Institut für
Politikwissenschaft Professur Politische Systeme, Politische Institutionen (09107 Chemnitz)
KONTAKT: Bearbeiter (e-mail: [email protected])
[249-L] Bräuer, Marco; Seifert, Markus; Wolling, Jens:
Politische Kommunikation 2.0 - Grundlagen und empirische Ergebnisse zur Nutzung neuer
Partizipationsformen im Internet, in: Ansgar Zerfaß (Hrsg.) ; Martin Welker (Hrsg.) ; Jan
Schmidt (Hrsg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web : Bd. 2, Strategien
und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik, Köln: Halem, 2008, S.
188-209
INHALT: Das Internet hat seit seinen Anfängen durch sein Interaktivitätspotenzial und seine dezentrale Kommunikationsarchitektur zu Spekulationen über die politischen Folgen dieser neuen Möglichkeiten angeregt. Insbesondere Visionen der Stärkung direktdemokratischer Elemente wurden damit verbunden. Eine bedeutsame Wirkung konnte jedoch empirisch bisher
nicht bestätigt werden. Aktuelle Neuerungen in der Entwicklung des Internets - häufig unter
dem Begriff Web 2.0 bzw. Social Web zusammengefasst - geben für die Autoren Anlass zu
der Frage, ob diese technischen Innovationen zum Katalysator für die individuelle politische
Kommunikation werden könnten. Um dies empirisch zu prüfen, werden aktuelle Daten aus
einem Forschungsprojekt zur politischen Online-Kommunikation vorgestellt, ausgewertet und
interpretiert. Als Fazit wird festgehalten: Im Moment spricht wenig dafür, dass das Web 2.0
in kurzer Zeit zu grundlegend neuen Mustern und Strukturen der politischen Beteiligung führen wird. Ob es jedoch dabei bleibt, dass die neuen Möglichkeiten vorwiegend von den Innovatoren ausprobiert werden, oder ob sie nach und nach auch in andere Bevölkerungsgruppen
diffundieren, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Ergebnisse der sechsten und vorerst letzten
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Befragungswelle dieser Studie, die im Jahr 2008 durchgeführt wird, sollen in dieser Hinsicht
für mehr Klarheit sorgen. (ICA2)
[250-L] Dahme, Heinz-Jürgen; Wohlfahrt, Norbert:
Gemeinsinn in der Wettbewerbsgesellschaft?: Thesen zu Theorie und Praxis einer
nationalen Engagementpolititk, in: Neue Praxis : Zeitschrift für Sozialarbeit, Sozialpädagogik
und Sozialpolitik, Jg. 40/2010, H. 1, S. 38-55 (Standort: USB Köln(38)-XG2744; Kopie über den
Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Autoren befassen sich kritisch mit einem Phänomen, das mit Inkrafttreten der
Agenda 2010 der Schröder-Regierung zu einem Leitprojekt der Gesellschaftspolitik geworden ist: dem Projekt der Zivilgesellschaft und dem so genannten Bürgerschaftlichen Engagement, wesentliche Faktoren für soziale Integration und politische Stabilität. Diese zu bewahren ist nicht nur Aufgabe des Wohlfahrtsstaates, sondern auch Bürgerpflicht. Tugenden und
Pflichten sind deshalb der eigentliche Bezugspunkt dieses Diskurses über Zivilgesellschaft
und der neuen, daraus abgeleiteten Engagementpolitik." (Autorenreferat)
[251-F] Damm, Christian (Bearbeitung); Requate, Jörg, PD Dr.; Steinmetz, Willibald, Prof.Dr.
(Betreuung):
Die Persistenz der Gleichzeitigkeit von Verschweigen und Sprechen: Erinnerungen an den
Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland 1958-1989
INHALT: Das Dissertationsprojekt rekonstruiert den Umgang mit dem Holocaust in verschiedenen regionalen Teilöffentlichkeiten in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1958 und
1989. Zudem setzt es diese zu den Ergebnissen bisheriger Studien vergleichend in Beziehung,
deren Fokus sich im Wesentlichen darauf beschränkt, auf der Ebene des "Höhenkamms" geführte, massenmediale Elitendiskurse zum Thema Holocaust zu analysieren. Diese fehlende
Differenzierung gleicht die angestrebte Dissertation durch eine Unterfütterung bisheriger Erkenntnisse mit einer regional vergleichenden Analyseperspektive und einer grundlegend erweiterten Quellenbasis aus. Neben der Frage nach spezifischen Formen der Erinnerung an
den Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland werden insbesondere vier Fragekomplexe
fokussiert: 1. Muss mit Blick auf die bundesrepublikanische Erinnerung an den Holocaust
von einer, durch aufeinanderfolgende Phasen des kollektiven Schweigens und Thematisierens
gekennzeichneten Form oder nicht vielmehr von einer Pluralisierung des Umgangs mit dem
Holocaust nach 1945 ausgegangen werden? 2. Lassen sich für den Umgang mit dem Holocaust bzw. für Formen von Erinnerung im Allgemeinen wesentliche, langfristige Strukturmerkmale identifizieren? 3. Inwieweit kann massenmedial-elitäres Erinnern einer Vergangenheit als repräsentativ für die Erinnerungsformen weiter Teile einer Bevölkerung angenommen
werden? 4. Lassen sich auf der Grundlage der Analyse des Umgangs mit dem Holocaust
grundlegende Aussagen über die generelle Reichweite massenmedialer Öffentlichkeit treffen?
Die Beantwortung dieser Fragen verspricht einerseits eine neue und differenziertere Lesart
des Umgangs mit dem Holocaust in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft. Andererseits eröffnet der Vergleich von lokalen und massenmedial-elitären Formen der Erinnerung an den Holocaust neue, über diesen Einzelfall hinausweisende Erkenntnisse sowohl über
den Einfluss massenmedial-elitärer (Vergangenheits-)Diskurse auf das Handeln und die Kommunikation weiter Bevölkerungsteile als auch bezüglich wesentlicher strukturbildender Ele-
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mente von Erinnerung. ZEITRAUM: 1958-1989 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2009-04 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium für Bildung und Forschung; Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology
-BGHS- (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 0521-106-3247, e-mail: [email protected])
[252-L] Delitz, Heike:
Gesellschaften der Städte und Gesellschaften der Zelte: zur politischen Effektivität der
Architektur, in: Ernst Seidl (Hrsg.): Schwerpunkt: politische Raumtypen : zur Wirkungsmacht
öffentlicher Bau- und Raumstrukturen im 20. Jahrhundert, Göttingen: V&R unipress, 2009, S. 2133
INHALT: Jede Gesellschaft ist in ihrer politischen Verfasstheit auf eine je spezifische Architektur angewiesen, auf bestimmte Bautypen und die von ihr gebildeten Räume. Mehr noch: das
Politische einer Gesellschaft ist vielleicht - adäquat, erschöpfend - gar nicht ohne ihre Architektur zu verstehen. Die Architektur gibt den spezifischen sozialen Verhältnissen - darunter
auch dem Politischen - erstens eine dauerhafte Gestalt und sie ist zweitens über ihren Einfluss
auf den Körper mit beteiligt an der Schaffung der Subjekte einer Gesellschaft. Es wird eine
Denkweise verfolgt, um die politische Effektivität der Architektur zu verstehen, jene Denkweise, die die französische Lebensphilosophie in die soziologische Debatte einbringt. In der
Studie wird diese Denkweise erläutert und hinsichtlich des Politischen spezifiziert, um an
zwei konträren Gesellschaftstypen die politische Effektivität von Architektur zu analysieren:
an der griechischen Polis und den Zelten einer nomadischen Gesellschaft. Gesellschaften der
Zelte und Gesellschaften der Städte: es handelt sich um eine andere Architektur, um andere
Räume, um ein anderes Politisches, um andere kollektive Begehren und um andere Subjekte.
(ICF2)
[253-F] Deutz-Schroeder, Monika; Hillmer, Uwe; Buske, Nadine; Müller, Miriam; Schulze Heuling, Dagmar; Quasten, Rita (Bearbeitung); Schroeder, Klaus, Prof.Dr. (Leitung):
Kenntnisse, Bilder, Deutungen - das zeitgeschichtliche Bewusstsein Jugendlicher in Deutschland
INHALT: Durch eine quantitative Umfrage und zusätzliche Befragungen von Schülerinnen und
Schülern im Rahmen einer Längsschnittanalyse in Bayern und Baden-Württemberg soll deren
zeitgeschichtliches Bewusstsein erforscht werden. Wie werden in vergleichender Perspektive
der Nationalsozialismus, die alte Bundesrepublik, die DDR und das wiedervereinigte
Deutschland beurteilt? Darüber hinaus geht es um die Bedeutung von Familie/Milieu, Schule,
Gedenkstätten und Medien für die Entstehung und Entwicklung von Geschichtsbildern und
zeitgeschichtlichem Bewusstsein. GEOGRAPHISCHER RAUM: Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Thüringen
ART: gefördert BEGINN: 2009-01 ENDE: 2011-12 FINANZIERER: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien -BKM-; Land Baden-Württemberg Ministerium für Kultus,
Jugend und Sport; Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit; Freistaat Thüringen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
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INSTITUTION: Freie Universität Berlin, Forschungsverbund SED-Staat (Koserstr. 21, 14195
Berlin); Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt (Hegelstr. 42, 39104 Magdeburg); Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen (Horionplatz 1, 40213
Düsseldorf)
KONTAKT: Institution, Sekretariat (Tel. 030-838-52091, e-mail: [email protected])
[254-L] Entner, Birgit; Fleschhut, Ulrike:
Vielgestaltig, widersprüchlich, anerkannt?: der "offizielle" Erinnerungsdiskurs zum
"Anschluss" in österreichischen Tageszeitungen, in: Medien & Zeit : Kommunikation in
Vergangenheit und Gegenwart, Jg. 24/2009, Nr. 1, S. 8-21
INHALT: Ausgehend von einer inhaltsanalytischen Längsschnittuntersuchung der Tageszeitungen "Wiener Zeitung" und "Kronen Zeitung" zum "Anschlussgedenken" in Österreich in den
Jahren 1968, 1988 und 2008 kommt der Beitrag zu der Schlussfolgerung, dass im Wechselspiel zwischen offizieller Erinnerungspolitik wie sie von den politischen Repräsentanten betrieben wird und der medialen Berichterstattung ein steter Wandel des "Anschluss"-Gedenkdiskurses zu konstatieren ist. Dieser, "auch der generationellen Ablöse geschuldete Wandel"
manifestiert sich heute in einer differenzierten Perspektive auf den "Anschluss" im Gegensatz
zu der früher vorherrschenden Negierung einer Mitverantwortung. Im Zentrum der Analyse
standen Äußerungen und Handlungen von Politikern und Politikerinnen, die in ihrer Bezugnahme auf den "Anschluss" von 1938 in den Medien transportiert wurden. Gefragt wurde danach, welches Wirklichkeitsbild dabei die Medien konstruieren und auf welche Art und Weise politische Eliten mit der Geschichte Österreichs umgehen. Dabei zog sich die Haltung der
politischen Repräsentanten, sich nach außen hin konsensorientiert zu geben und nach innen
hin "zur Abgrenzung alte Gräben wieder aufzubrechen und gegenseitige Schuldzuweisungen
auszusprechen", in der Analyse durch alle Untersuchungszeiträume. In den Beiträgen beider
untersuchter Zeitungen herrschte übereinstimmung darüber, "dass man aus der Vergangenheit
lernen und Konsequenzen für die Gegenwart und Zukunft ziehen muss." (RG)
[255-L] Fischer, Jörn; Kaiser, André:
Der Bundestag: Sprungbrett oder Auffangbecken? ; Ministerkarrieren zwischen Parlament
und Exekutive, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Jg. 41/2010, H. 1, S. 36-41 (Standort: USB
Köln(38)-XF148; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: "Die Autoren beleuchten die Rolle des Bundestags in den Karrieren von Bundesministern zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten: vor, während und nach dem Ministeramt. Über 70
Prozent der Minister sind bei ihrer Ersternennung ins Kabinett bereits Mitglied des Bundestags gewesen. Dieser Anteil steigt auf rund 90 Prozent während der Ausübung des Ministeramts. Nach dem Ausscheiden aus dem Kabinett wählten etwa 75 Prozent den nahtlosen Übergang von der Doppelrolle Minister/ Abgeordneter zu einem reinen Abgeordnetendasein. Die
Gesamtschau auf die Rolle des Bundestags in den Karrieren von Bundesministern lässt als
häufigstes Muster eine Sandwich-Konstellation erkennen: Die Mehrheit der Bundesminister
nutzt den Bundestag nicht nur als Sprungbrett ins Amt, sondern sichert sich auch im Kabinett
ab durch eine Mitgliedschaft in einer die Regierung (mit)tragenden Fraktion. Darüber hinaus
dient der Bundestag vielen Ex-Ministern nicht zuletzt als Auffangbecken, um die politische
Karriere ausklingen zu lassen oder als Übergangslösung, um sich Tätigkeitsfeldern auf ande-
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
ren Ebenen zu widmen. Es zeigt sich: Eine Zugehörigkeit zum nationalen Parlament ist fester
Bestandteil nahezu jeder Bundesministerkarriere." (Autorenreferat)
[256-F] Freudenstein, Astrid (Bearbeitung); Onnen-Isemann, Corinna, Univ.-Prof.Dr.Dr.h.c. (Betreuung):
Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler. Der Gender-Aspekt in der Wahlkampfberichterstattung über Angela Merkel und Gerhard Schröder
INHALT: Mit Angela Merkel bekommt Deutschland 2005 zum ersten Mal eine Bundeskanzlerin.
Bis dahin hat es nicht eine einzige Frau an die höchste Machtposition der Bundesrepublik geschafft. Nach einem nur wenige Monate dauernden Blitzwahlkampf hatte sich die Union bei
den vorgezogenen Neuwahlen mit hauchdünner Mehrheit durchgesetzt. War es ein Sieg von
CDU/ CSU über die rotgrüne Regierungskoalition oder der Sieg einer Frau über einen Mann?
Beides. In dieser Arbeit wird der zweite Aspekt aufgearbeitet. Eine Frau fordert einen amtierenden Kanzler heraus und gewinnt. Welche Rolle spielte der Gender-Aspekt in diesem
Wahlkampf? Wie gingen die Medien mit dieser völlig neuen Geschlechterkonstellation um?
Es war der erste Wahlkampf auf Bundesebene, in dem es auch um Rollenbilder und Lebensformen, um Rock oder Hose ging. Am Schluss setzte sich die Machtphysikerin gegen den
Medienkanzler durch. Die Kandidatin hatte ihr Frausein im Wahlkampf weitgehend ausgeblendet - wohl in dem klaren Bewusstsein, dass ihr dies im männlich geprägten Politikbetrieb
zum Verhängnis werden könnte. Die Medien hingegen beschäftigten sich durchaus mit der
Geschlechterfrage, kommentierten und hinterfragten und betrieben durch die Auswahl ihrer
sprachlichen Mittel bewusst und unbewusst auch selbst Geschlechterpolitik. In diesem Buch
wird die mediale Rezeption Angela Merkels und Gerhard Schröders im Bundestagswahlkampf 2005 analysiert. Die Untersuchung basiert auf der Auswertung der vier großen überregionalen Tageszeitungen in Deutschland: der Welt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der
Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung. Der empirischen Untersuchung geht
eine theoretische Betrachtung jener wissenschaftlichen Felder voraus, die für das Verständnis
der Studie notwendig sind. Dazu gehört die Beschreibung der Kategorien Gender, Politik und
Medien sowie der Zusammenhänge zwischen ihnen.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Freudenstein, Astrid: Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler: der Gender-Aspekt in der Wahlkampfberichterstattung über Angela Merkel und Gerhard Schröder. Aktuelle Probleme moderner Gesellschaften, 3. Zugl.: Vechta, Hochsch.,
Diss., 2009. Frankfurt am Main u.a.: P. Lang 2010, 244 S. ISBN 978-3-631-59654-8.
ART: Dissertation AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Vechta, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie -ISPFach Soziologie (Postfach 1553, 49364 Vechta)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 04441-15-304,
e-mail: [email protected])
[257-L] Friesl, Christian; Hamachers-Zuba, Ursula; Polak, Regina (Hrsg.):
Die Österreicher-innen: Wertewandel 1990-2008, Wien: Czernin Verl. 2009, 348 S., ISBN:
978-3-7076-0295-1
INHALT: "Was denken Östereicherinnen und Österreicher über Beziehung, Arbeit, Religion und
Politik? Wie haben sich diese Einstellungen zwischen 1990 und 2008 verändert? Lassen sich
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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Trends erkennen? Das vorliegende Buch geht diesen Fragen auf den Grund, basierend auf der
2008 zum dritten Mal durchgeführten 'Europäischen Wertestudie'. Neben ausführlichen Analysen der einzelnen Lebensfelder über 20 Jahre hinweg stellen die Autorinnen und Autoren
Perspektiven und Handlungsempfehlungen dar. Dabei wird den Herausforderungen, die sich
gegenwärtig und zukünftig für Arbeitswelt, Familien, Politik und Kirchen ergeben, ausreichend Platz eingeräumt." (Autorenreferat). Inhalt: Regina Polak, Christian Friesl, Ursula Hamachers-Zuba: "Werte" - Versuch einer Klärung (13-36); Gudrun Biffl, Ursula HamachersZuba, Justyna Okolowicz, Katharina Renner, Andreas Steinmayr: Die Österreicher/-innen
und der Wandel in der Arbeitswelt (37-86); Ursula Hamachers-Zuba, Erich Lehner, Claudia
Tschipan: Partnerschaft, Familie und Geschlechterverhältnisse in Österreich (87-141); Paul
M. Zulehner, Regina Polak: Von der "Wiederkehr der Religion" zur fragilen Pluralität (143206); Christian Friesl, Thomas Hofer, Renate Wieser: Die Österreicher/-innen und die Politik
(207-293); Regina Polak, Christian Friesl, Ursula Hamachers-Zuba: Werte-Wende in Österreich (295-325).
[258-L] Göhler, Gerhard; Schmalz-Jacobsen, Cornelia; Walther, Christian (Hrsg.):
Apropos Wahlkampf: Politik und Medien im Superwahljahr 2009, (Edition OSI-Club),
Frankfurt am Main: P. Lang 2009, 145 S., ISBN: 978-3-631-58807-9
INHALT: "2009 ist in Deutschland ein Superwahljahr - acht Kommunalwahlen, vier Landtagswahlen, eine Europawahl, eine Bundespräsidentenwahl und nicht zuletzt die Bundestagswahl
stehen an. Was bedeutet dies für die politische Kommunikationslandschaft in Deutschland?
Wird, wie in den USA, derjenige zum Bundeskanzler oder zur Bundeskanzlerin gekürt, dessen Wahlkampfteam die Möglichkeiten des Web 2.0 am effektivsten auszunutzen vermag?
Oder sind in Deutschland neben Twitter, Blogs und Podcasts auch noch die traditionellen
Mittel des Wahlkampfes und der Wahlkampfberichterstattung weiter von Bedeutung? Diesen
und ähnlichen Fragen gehen in diesem Buch Publizisten, Wahlkampfpraktiker und Kommunikationsforscher gleichermaßen nach." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Josef Klein: Von
Cicero bis Obama - zur Geschichte des Wahlkampfs (9-23); Jens König: Nationaltheater - Politik als Inszenierung (25-34); Tissy Bruns: Superwahljahr 2009 - Demokratie in der Krise?
(35-42); Jakob Augstein: Superwahljahr 2009: Braucht Wahlkampf 2.0 auch Journalismus
2.0? (43-50); Barbara Witte: Senden Sie noch oder twittern Sie schon? Wahlkampf und Web
2.0 (51-59); Bettina Gaus: Wahlkampf virtuell - wie Barack Obama Präsident der Vereinigten
Staaten wurde (61-73); Hans-H. Langguth: You'll never vote alone (75-83); Michael Kronacher: Wahlkampf im Medienzeitalter (85-92); Hans-Jürgen Beerfeltz: Bürgerdialog statt
Wahlk(r)ampf (93-101); Marco Althaus: European Style: Lektionen aus dem Europa-Wahlkampf 2009 (103-123); Matthias Wambach: Alle Macht geht vom Volke aus!? Einblicke in
das Campaigning für Plebiszite (125-137); Christian Walther: Medien und direkte Demokratie - wie mehr Partizipation Politik und Presse verwirrt (139-146).
[259-L] Groshek, Jacob:
The democratic effects of the internet, 1994-2003: a cross-national inquiry of 152 countries,
in: Gazette : the international journal of mass communications studies, Vol. 71/2009, Nr. 3, S.
115-136 (Standort: USB Köln(38)-MAP00647; Kopie über den Literaturdienst erhältlich;
gaz.sagepub.com/cgi/reprint/71/3/115)
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
INHALT: Seit Gründung und der darauf folgenden Verbreitung des Internets wird dieses als potenzielles Demokratisierungsinstrument gepriesen. Auf der Grundlage repräsentativer Daten
auf der Makroebene für den Zeitraum 1994 bis 2003 untersuchte die Studie 152 Länder und
kam zu dem Ergebnis, dass die wachsende Verbreitung des Internets eine wichtige Wirkungsvariable für das Vorhandensein demokratischerer Regierungsformen ist. Dies gilt besonders
für Entwicklungsländer, für die nichtlineare feste Wirkungsregressionsmodelle die höchsten
Schätzungskoeffizienten und die am weitesten verbreiteten Verknüpfungen ergaben. In Übereinstimmung mit der Theorie der Abhängigkeit von Mediensystemen wurden größere Auswirkungen auch für Länder nachgewiesen, die mindestens teilweise demokratisch sind. In
diesen ist das Internet weit verbreitet und daher geeignet, in großem Umfang Informationsfunktionen zu erfüllen. Weiterhin ergab sich auch eine positive, statistisch relevante Korrelation zwischen Internetverbreitung und Demokratie für Entwicklungsländer mit einem sehr
viel höheren Grad an soziopolitischer Instabilität. Wegen der starken nachgewiesenen Verknüpfungen und positiven Beziehungen mit und zur Demokratie sollte das Internet daher
nicht nur als ein moderner "Mobilitätsmultiplikator" eingesetzt werden. Das demokratische
Potenzial, das sich aus den Ergebnissen ablesen lässt, sollte nicht ignoriert werden. (UNübers.) (UN)
[260-L] Henschel, Marc:
Die Partei als Marke: Marketing in der politischen Kommunikation am Beispiel des
Bundestagswahlkampfs 2002 vom Bündnis 90/Die Grünen und FDP, Saarbrücken: VDM
Verl. Dr. Müller 2008, 91 S., ISBN: 978-3-8364-6215-0
INHALT: Die Studie geht von folgender Arbeitshypothese aus: Parteien können dann Marketing
im Sinne einer Markenbildung führen, wenn sie ihre Steuerungsfähigkeit als Organisation sicherstellen und die kommerziellen Marketinginstrumente Produktpolitik, Kommunikationspolitik, Distributionspolitik und Preispolitik gezielt einsetzen. Die "Steuerungsfähigkeit als
Organisation" sowie die vier Marketinginstrumente werden dabei als unabhängige Variablen
der Analyse angesehen. Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert: Im ersten Schritt wird
deutlich gemacht, warum Marketing hinsichtlich einer Markenbildung in der Politik auf zunehmendes Interesse stößt. Danach erfolgt die Klärung der begrifflichen Grundlagen, wobei
der Begriff des "politischen Marketings" aus dem kommerziellen Marketing abgeleitet wird.
Nach der Schilderung der Rahmenbedingungen für das politische Marketing wird ein Analyseraster für die Anwendung des politischen Marketings auf Wahlkämpfe erarbeitet. Dazu
wird das herkömmliche Instrumentarium des kommerziellen Marketings auf das Politische
übertragen und die "Übersetzungsschwierigkeiten" herausgearbeitet. Im dritten Kapitel wird
dieses theoretische Analyseraster auf den Bundestagswahlkampf 2002 von Bündnis 90/Die
Grünen und der FDP angewendet. Die Ausführungen stützen sich auf fünf Experteninterviews mit den verantwortlichen Wahlkampfmanagern beider Parteien. (ICA2)
[261-L] Heußner, Hermann K.:
Minarettverbot in der Schweiz: Argument gegen Volksentscheide in Deutschland? ; zur
Diskussion über Volksgesetzgebung, Minderheitenschutz und Völkerrecht, in: Recht und
Politik : Vierteljahreshefte für Rechts- und Verwaltungspolitik, Jg. 46/2010, H. 1, S. 19-26
(Standort: USB Köln(38)-XF98; Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
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INHALT: Der Verfasser zeigt, dass das schweizerische Minarettverbot kein Argument gegen
Volksentscheide in Deutschland ist. Die in der Schweiz aufgetretenen Mängel des Minderheitenschutzes und Spannungen zum Völkerrecht lassen sich im Rahmen von Bundesvolksgesetzgebung vermeiden. 2/3-Mehrheiten und ggf. Zustimmungsquoten für Verfassungsinitiativen verringern die Erfolgsaussichten grundrechtsreduzierender Begehren ganz erheblich. Die
Gesetzesinitiative, die geringere Mehrheitsanforderungen als die Verfassungsinitiative stellt,
erzeugt einen starken Anreiz, verfassungskonforme Initiativen zu lancieren. Das vollständig
geltende Rechtsstaatsprinzip einschließlich Ewigkeitsgarantien sichert eine umfassende materielle Normenkontrolle, die durch präventive Ausübung noch verstärkt wird. Ein zu statuierender Ausschluss völker- und EU-rechtswidriger Vorlagen garantiert einen zusätzlichen
grundrechtlichen Mindeststandard, verhindert Konflikte mit EU- und Völkerrecht und wahrt
die geltende Gewaltenteilung zwischen Legislative und Regierung. (ICF2)
[262-L] Hitzler, Ronald:
Repräsentant des Gemeinwesens: zum Aspekt der Sinnstiftung im professionellen Handeln
des Politikers, in: Michael N. Ebertz ; Rainer Schützeichel: Sinnstiftung als Beruf, Wiesbaden:
VS Verl. für Sozialwiss., 2010, S. 123-144
INHALT: Die Funktion des Repräsentierens heftet sich nach Meinung des Autors an die Rolle
des Berufspolitikers quasi-automatisch an. Zugespitzt formuliert: Man ist nicht etwa Politiker
und entscheidet dann zu repräsentieren oder nicht zu repräsentieren, mehr zu repräsentieren
oder weniger zu repräsentieren. Vielmehr repräsentiert man unumgänglich, indem man Politiker ist. Weil der Repräsentant aber nicht einfach ein zeichenhaftes Symbol ist, sondern als ein
solches fungiert, ist er eben nicht nur Teil des politischen Zeichensystems, sondern auch Teil
jenes Zeichenprozesses und kommunikativen Geschehens, welches die Subsinnwelt des Politischen gegenüber dem alltäglichen Betrachter des politischen Betriebs vermittelt. Der Repräsentant ist somit als symbolische Verweisung Teil eines politischen Rituals, das selber ein
Element einer je bestimmten politischen Kultur darstellt. Die alltagstranszendente Idee des
Politischen vergegenwärtigt, personifiziert und verkörpert sich alltäglich im politischen Repräsentanten, der in seiner reinen Erfahrbarkeit nicht nur auf sich, sondern auch über sich hinaus auf die andere, auf die geglaubte Wirklichkeit des Gemeinwesens verweist. (ICI2)
[263-F] Hoffmann-Lange, Ursula, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Deutsche Eliten seit 1945: soziale Hintergrundmerkmale, Karrieremuster und politische
Orientierungen
INHALT: keine Angaben ZEITRAUM: seit 1945
ART: Eigenprojekt AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Bamberg, Fak. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für
Vergleichende Politikwissenschaft (Feldkirchenstr. 21, 96045 Bamberg)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[264-F] Hönigsberger, Herbert (Leitung):
Gewerkschafter im Bundestag II - schriftliche Befragung der 221 gewerkschaftlichen organisierten MdB im Deutschen Bundestag
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
INHALT: Interfraktionelles Gewerkschaftslager, Arbeitnehmerflügel in der großen Koalition
oder Einzelkämpfer? Wie formieren sich die gewerkschaftlich organisierten Abgeordneten im
16. deutschen Bundestag? Die Studie geht der Frage nach, wie sich diese 221 MdB zwischen
großkoalitionärer Reformpolitik und Arbeitnehmerinteressen positionieren und was das für
die gesellschaftliche Innovation bedeutet? Kontext/ Problemlage: Das Parlament war seit jeher ein Bezugspunkt gewerkschaftlichen Handelns. Von der ersten Sitzung an haben Gewerkschafter die Interessen der Arbeitnehmer im Bundestag vertreten. Die parlamentarische Präsenz von Gewerkschaftern hat eine lange Tradition und enthält einen reichhaltigen politischen
Erfahrungsschatz. Gleichzeitig spiegeln die unterschiedlichen Wege der Gewerkschafter in
den Bundestag, ihre Arbeitsweise und ihre unterschiedlichen Erfolgsbilanzen über die Jahre
das Auf und Ab gewerkschaftlichen Einflusses wieder. Entsprechend haben sich in der Geschichte der Bundesrepublik die gewerkschaftlichen Strategien gegenüber dem Parlament,
den Parteien und ihren Fraktionen, den diversen Regierungskoalitionen und gegenüber einzelnen Abgeordneten immer wieder verändert und weiter entwickelt. Aber auch die Ambitionen
und Motive der Gewerkschafter, die den Schritt in den Bundestag gewagt haben, haben sich
ebenso gewandelt wie ihre Praxis und deren Resultate. Fragestellung: Was bedeutet die Präsenz von 221 gewerkschaftlich organisierten Abgeordneten im Bundestag für eine arbeitnehmerorientierte Politik? Die Studie rückt die "Abgeordneten mit Gewerkschaftsbuch" in den
Mittelpunkt. Sie untersucht ihre Wege ins Parlament, ihre Praxis im Bundestag, ihre Erfolge
und Misserfolge und ihre Selbstreflexion. Die Studie ermittelt die Bandbreite der individuellen Auseinandersetzung der gewerkschaftlich organisierten MdB mit ihrem Tätigkeitsfeld und
versucht zu einer Typologie von individuellen Verarbeitungs- und Deutungsmustern zu kommen. Sie macht transparent, wie die Abgeordneten die Bedingungen politischen Handelns
verarbeiten, rekonstruiert ihr Staats- und Politikverständnis, die Reflexion ihrer Handlungsmöglichkeiten sowie daraus folgende Handlungsoptionen. Dabei ist insbesondere von Interesse, ob und wieweit es im Bundestag so etwas wie einen partei- und fraktionsübergreifenden
Gewerkschaftsblock resp. ein Arbeitnehmerlager in den Regierungsfraktionen gibt? GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Die akteurszentrierte Studie kombiniert qualitative Auswertung von Interviews und
quantitative Analysen. Im Mittelpunkt der aktuellen Studie steht die online-Befragung aller
221 gewerkschaftlich organisierten MdB. Zum Einsatz kommt ein 58 Fragen umfassendes Erhebungsinstrument, das auf Basis eines Pretests mit 5% der Grundgesamt entwickelt wurde.
Die online-Befragung ergänzt die 29 Interviews mit hauptamtlichen Gewerkschaftern im
Bundestag, die 2006 und 2007 geführt wurden, und das umfangreiche Tabellenmaterial über
die Gewerkschaftsmitglieder im Bundestag, das auf Basis öffentlich zugänglicher Daten
(Kürschners Volkshandbuch Deutscher Bundestag, Webseite des Deutschen Bundestages sowie Webseite der MdB) für die Vorgängerstudie zusammengestellt wurde und in der laufenden Studie noch erheblich erweitert wird.
ART: gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Hans-Böckler-Stiftung
INSTITUTION: Hönigsberger, H. (Postfach , 10179 Berlin)
KONTAKT: Leiter (e-mail: [email protected])
[265-L] Huber, Sandra:
Das Internet als Erweiterung des politischen Kommunikationsraums: Nutzerakzeptanz und
Nutzungsprofile und ihre Folgen für die politische Partizipation, Bamberg 2010, 285 S.
(Graue Literatur; nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:473-opus-2270)
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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INHALT: Das Mediensystem ist ein wesentlicher Bestandteil einer modernen Demokratie. Die
technischen Möglichkeiten und die mediale Infrastruktur, aber auch die ökonomische und
rechtliche Organisation des Mediensystems prägen die Funktionsweise demokratischer Systeme maßgeblich mit. Dementsprechend induzierte die Entstehung des Internets, ähnlich wie
bereits andere Medienentwicklungen zuvor, schnell die Frage, wie sich die neue technische
Infrastruktur auf die politischen Kommunikationsbeziehungen auswirkt und ob sie zu Veränderungen der Funktionsweise von Demokratien führt. Der vorliegende Beitrag untersucht die
Nutzerakzeptanz und Nutzungsprofile des Internet und die Folgen für die politische Beteiligung. Zunächst werden in Kapitel zwei die relevanten Aspekte des Mediums Internet herausgearbeitet und der Begriff der Interaktivität näher beleuchtet. Nach einer Einordnung der Potenziale des Internets für die politische Kommunikation wird anschließend in Kapitel drei in
einem kurzen Überblick über das weite Feld der modernen Demokratietheorie darzustellen
sein, welche unterschiedlichen Demokratiemodelle bestehen. In Kapitel vier wird der Frage
nachgegangen, welche Veränderungen das Internet für die bundesdeutsche Demokratie induzieren könnte. Die empirischen Analysen folgen in den Kapiteln fünf und sechs. Ersteres hat
die Beschreibung der generellen Internetnutzung, insbesondere aber der politischen Netznutzung durch die Bürger zum Gegenstand. Das Verhältnis zwischen Internetnutzung und Partizipationsverhalten bzw. Einstellungen gegenüber verschiedenen Formen politischer Beteiligung wird in Kapitel sechs behandelt. (ICD2)
[266-L] Hustedt, Thurid; Veit, Sylvia; Fleischer, Julia:
Wissen ist Macht?: wissenschaftliche Politikberatung der Bundesregierung, in: Aus Politik
und Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 2010, H. 19, S. 15-21
(www.bpb.de/files/4SOFXA.pdf)
INHALT: "Politikberatung ist ein derzeit viel diskutiertes Thema öffentlicher und akademischer
Debatten. Die Autorinnen zeigen verschiedene Organisationsformen wissenschaftlicher Politikberatung der Bundesregierung auf und fragen nach deren Effekten auf die komplexe Beziehung zwischen Politik und Wissenschaft." (Autorenreferat)
[267-L] Kellermann von Schele, Dorothee:
Erfolgsfaktor Kampagnemanagement?: Oppositionswahlkämpfe im Vergleich, (Politika, Bd.
1), Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2009, 272 S., ISBN: 978-3-8329-4892-4
INHALT: Die Frage nach dem Erfolgsfaktor Kampagnemanagement wird vor dem Hintergrund
der untersuchten Fallbeispiele eindeutig positiv beantwortet. Während es der SPD 1998 gelungen ist, mit einer lang- bzw. mittelfristig vorbereiteten und sehr gut umgesetzten Wahlkampagne die bestehende Wechselstimmung für sich positiv zu nutzen, war die Union in den
Wahljahren 2002 und 2005 nicht in der Lage, den lange Zeit sicher geglaubten Sieg tatsächlich einzufahren. Vielmehr hat sie die Wahl zweimal im Verlauf des Wahlkampfes verloren.
Bei der Regierungsbildung im Anschluss an die Bundestagswahl 2005 kam es zwar zu einer
Unions-geführten großen Koalition unter der neuen Bundeskanzlerin Angela Merkel, gleichwohl war dies nicht der Sieg, den man seitens der Union angestrebt und mit dem man fest gerechnet hatte. Zudem war die allgemeine Wahrnehmung des Ergebnisses eher die einer Abwahl der im Wahlkampf wie eine amtierende Regierung aufgetretenen Union. Der Vergleich
dreier Oppositionskampagnen mit Hilfe eines Analyserasters gibt Aufschluss über Restriktio-
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
nen und Erfolgsfaktoren im Wahlkampf. Ferner ist es ein Ziel der Studie, Professionalitätskriterien für die Führung von Wahlkampagnen zu überprüfen und zu einer umfassenderen Beschreibung dessen zu kommen, was Professionalität im Wahlkampf tatsächlich meint und wie
die neueste Entwicklung der Kampagneführung in Deutschland aus dieser Perspektive zu bewerten ist. Bei der Analyse der Oppositionskampagnen wird zwischen Kampagnevorbereitung und Kampagneumsetzung unterschieden. Darüber hinaus werden diese beiden Phasen
noch einmal unterteilt in Kampagneplanung und -entwicklung einerseits und in die Bereiche
Kampagneführung und Kontextbeobachtung/Monitoring andererseits. Die Verfasserin zeigt,
dass im Optimalfall die Kampagneentwicklung unmittelbar aus der Kampagneplanung hervorgeht und die Kampagneführung nur unter ständiger Beobachtung und Einbeziehung des
Kontextes (Monitoring) kontrolliert werden kann und somit ständig zu optimieren ist. Zu beachten hierbei ist die indirekte Konkurrenzsituation bei der Kampagnevorbereitung und die
direkte Konkurrenzsituation zum politischen Gegner bei der Kampagneumsetzung. (ICF2)
[268-L] Klages, Johanna:
Meinung, Macht, Gegenmacht: die Akteure im politischen Feld, Hamburg: VSA-Verl. 2009,
191 S., ISBN: 978-3-89965-364-9
INHALT: Die ökonomischen und politischen Verwerfungen, die sozialen und prekären Verhältnisse und schließlich vor allem eine gesellschaftliche Perspektivlosigkeit - all das bestimmt
den Habitus vieler Menschen und führt dazu, dass sie sich von der Politik abwenden. Dies ist
nur die eine Seite der Medaille, denn es wäre zu billig, nur die "Passivität" der Subalternen zu
beklagen oder gar zu kritisieren. Die Arroganz der Macht und die Selbstherrlichkeit der politischen Klasse ist die andere Seite, die gewichtigere. Bei der politischen Repräsentation, die
als unentbehrlich für eine lebendige repräsentative Demokratie mit vielfältigen Formen partizipativer Teilnahme an der Gestaltung des individuellen und gesellschaftlichen Zusammenlebens zu betrachten sind, geht es einmal um das Prinzip einer Stellvertretung - ein außerordentlich verantwortungsvolles Verhältnis, das nur dann legitimiert ist, wenn ein beiderseitiges
Kommunikations- und Austauschverhältnis zwischen den "repräsentierenden" Akteuren und
denen, die sie zur Repräsentation ihrer Vorstellungen, Bedürfnisse und auch Wünsche beauftragt haben, auch tatsächlich existiert. Die üblicherweise periodische Aufforderung zur einmaligen Stimmabgabe ist, vor dem Hintergrund dieses Konzepts einer Stellvertretung, eigentlich eine Farce. Zum anderen geht es um eine weithin wahrnehmbare Präsenz: von Vorstellungen der Menschen, deren alleinige Stimme in der politischen Arena die Stimme der von
ihnen delegierten Akteure ist, die auch qua ihrer vergleichsweise privilegierten Positionierung
in der politischen Öffentlichkeit die Medien als Multiplikatoren der sozialen Weitsicht der
vielen "Stimmlosen" einsetzen könnten. Die Autonomie einer WissenschaftlerIn heißt, die eigene Tätigkeit und das eigene Handeln ständig einer kritischen Reflexivität auszusetzen, sich
nach dem eigenen gesellschaftlichen Ort und den Implikationen auch für das eigene Denken
und Handeln zu fragen. Die politische Linke kann sich glücklich schätzen, viele Intellektuelle
in ihren Reihen zu haben. Die Verfasserin plädiert für eine Intensivierung der wissenschaftlichen Kritik der herrschenden Wissenschaften und sowie der Analyse, in wessen Dienste diese
sich stellen. Die Intellektuellen müssen auch die geheiligte Grenze zwischen scholarship und
commitment überwinden. Hinzu kommen muss ein Moment der Subjektivität, das jenseits der
Regeln der scholarship einen Bezug und eine Zielsetzung moralischer, ethischer, ideologischer oder politischer Qualität formuliert und das dabei auch zugleich eine Interaktion mit so-
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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zialen Subjekten konzeptualisiert und praktiziert, die in solchen Zielsetzungen der Emanzipation jeweils eine historisch-konkrete Rolle spielen. (ICF2)
[269-F] Kneip, Veronika, Dipl.-Medienwirtin (Bearbeitung); Baringhorst, Sigrid, Prof.Dr.Dr.
(Leitung):
Protest- und Medienkulturen im Umbruch. Transnationale Corporate Campaigns im Zeichen digitaler Kommunikation
INHALT: Analyse der Auswirkungen von medialem Wandel auf die Veränderung von politischen Protestformen am Beispiel von transnationalen Anti-Corporate-Campaigns im deutschsprachigen Raum. ZEITRAUM: 1995-2005 GEOGRAPHISCHER RAUM: deutschsprachiger
Raum
METHODE: qualitative Analyse von Webauftritten; qualitative Interviews mit Campaignern und
Protestakteuren DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, offen (Stichprobe: 109; Kampagnen Websites; Auswahlverfahren: total). Qualitatives Interview (Stichprobe: 30). Standardisierte
Befragung, online (Stichprobe: 6). Medienresonanzanalyse (Stichprobe: 10). Feldarbeit durch
Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Baringhorst, Sigrid: Politischer Konsumerismus im Netz - Chancen und Probleme demokratischer Protestpolitik. in: Groß, Thomas; Bieber, Christoph; Eifert,
Martin; Lamla, Jörn (Hrsg.): Soziale Netze in der digitalen Welt. Das Internet zwischen egalitärer Teilhabe und ökonomischer Macht. Frankfurt/ M.: Campus 2009, S. 179-202.+++Baringhorst, Sigrid: Political protest on the net. in: German Policy Studies, GPS-Special Issue
"Politics 2.0: The Political Potential of the Internet", No 4. 2008, pp. 63-93. Online unter:
www.spaef.com/file.php?id=994.+++Baringhorst, Sigrid: Kuluttajakansalaisten poliittinen
voimaantuminen - Verkon korporaatiovastaisen kampanjoinnin mahdollisuuksia ja ongelmia.
in: Politiikka (ISSN 0032-3365), vol. 50, 2008, issue 1, pp. 37-50.+++Baringhorst, Sigrid:
Branded Communication - Euro-Asian Campaigns for Global Citizenship. in: Banerjee, Indrajit; Rao, Madanmohan (eds.): Media and Development in Asia: Regional Perspectives.
Singapore, pp. 173-189.+++März, Annegret: Von der Straße ins Netz und zurück - Culture
Jamming als Medien- und Konzernkritik in Protestkampagnen. in: Navigationen. Zeitschrift
für Medien- und Kulturwissenschaften (ISSN 1619-1641), Jg. 8, 2008, H. 2, S. 73-91.++
+Müller, Daniel; März, Annegret: Öffentlichkeit(en) und Internet. Umbruch in der politischen
Kommunikation? in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften (ISSN
1619-1641), Jg. 8, 2008, H. 2, S. 7-13.+++Niesyto, Johanna: Europäische Öffentlichkeit im
Internet? in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften (ISSN 16191641), Jg. 8, 2008, H. 2, S. 27-47.+++Baringhorst, Sigrid: Medialisierung und Demokratie im
20. Jahrhundert. in: Rundfunk und Geschichte (ISSN 0175-4351), Jg. 33, 2007, H. 3/4, S.
102-103 (Rezension).+++Niesyto, Johanna: Der Bürger zwischen Politik und Konsum. in:
Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (ISSN 0933-9361), Jg. 20, 2007, H. 2, S. 216218 (Rezension).+++Niesyto, Johanna: PR-, Ziel- und NGO-Kampagnen als strategische
Kommunikation. in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (ISSN 0933-9361), Jg. 20,
2007, H. 3, S. 140-144 (Rezension).+++Kneip, Veronika: Legitimationsfaktor Bürgerschaft.
Die kommunikative Vermittlung von Corporate Citizenship. in: Baringhorst, Sigrid; Kneip,
Veronika; März, Anne; Niesyto, Johanna (Hrsg.): Politik mit dem Einkaufswagen. Unternehmen und Konsumenten in der globalen Mediengesellschaft. Bielefeld: Transcript-Verl. 2007,
S. 223-244. ISBN 978-3-89942-648-9.+++Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna: Politischer
Konsum und Kampagnenpolitik als nationalstaatliche Steuerungsinstrumente? Das Beispiel
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der Kampagne Echt gerecht. Clever kaufen. in: Baringhorst, Sigrid; Kneip, Veronika; März,
Anne; Niesyto, Johanna (Hrsg.): Politik mit dem Einkaufswagen. Unternehmen und Konsumenten in der globalen Mediengesellschaft. Bielefeld: Transcript-Verl. 2007, S. 155-180.
ISBN 978-3-89942-648-9.+++Baringhorst, Sigrid: Sweet Charity. Zum moralischen Ethos
zeitgenössischer Sozialkampagnen. in: Röttger, Ulrike (Hrsg.): PR-Kampagnen. Über die Inszenierung von Öffentlichkeit. 3., überarb. und erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. 2006, S. 247-266. ISBN 978-3-531-42950-2.+++Baringhorst, Sigrid; Holler, Simon:
Medienindustrie - Die 'vergessene Theorie' der politischen Ökonomie der Massenkommunikation. in: Schröter, Jens; Schwering, Gregor; Stäheli, Urs (Hrsg.): Media Marx. Ein Handbuch. Bielefeld: Transcript-Verl. 2006, S. 369-381. ISBN 978-3-89942-481-2.+++Baringhorst, Sigrid: Strategic framing - Deutungsstrategien zur Mobilisierung öffentlicher Unterstützung. in: Kreyher, Volker J. (Hrsg.): Handbuch Politisches Marketing. Baden-Baden 2004.++
+Baringhorst, Sigrid: Solidarität ohne Grenzen? Aufrufe zu Toleranz, Mitleid und Protest in
massenmedialen Kampagnen. in: Bergmann, Jörg; Luckmann, Thomas (Hrsg.): Zur kommunikativen Konstruktion von Moral. Bd. 2. Wiesbaden 1999, S. 236-259. ARBEITSPAPIERE:
Baringhorst, Sigrid; Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna: Wandel und Kontinuität von Protestkulturen seit den 1960er Jahren - eine Analyse ausgewählter Anti-Corporate Campaigns.
Fachtagung 'Bürgergesellschaft - Wunsch und Wirklichkeit', Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung (WZB), 19.10.-20.10.2006. Unter: www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/PDF/aktuelles/veranstaltungen/wzb_protestkulturen.pdf abrufbar.+++Baringhorst, Sigrid: New media
and the politics of consumer activism. Opportunities and challenges of Euro-Asian anti-corporate campaigns. Paper presented at the Annual Conference of the European Consortium of
Political Research, Workshop 'New Directions in Cultural Politics', Granada, 14.-19.04.2005.
Unter: www.politik-konsum.de/pdf/baringhorst_ecpr.pdf abrufbar.+++Kneip, Veronika; Niesyto, Johanna: 'Echt gerecht. Clever kaufen' - politischer Konsum und Kampagnenpolitik als
Reaktion auf nationalstaatliche Steuerungsverluste. Nachwuchstagung des SFB 'Staatlichkeit
im Wandel', Universität Bremen, 31.03.-02.04.2006. Unter: www.staatlichkeit.uni-bremen.de/
download/de/aktuelles/petzold_niesyto_Paper.pdf abrufbar.+++Baringhorst, Sigrid: Medien,
Politik und Demokratie - Ambivalenzen der Medialisierung. Key Note Speech auf der Tagung "Governance. Multi-Level or Post-Democratic?", Univ. Innsbruck, Obergurgl, 18.20.10.2007, Podcast erhältlich unter: www.uibk.ac.at/wuv/podcasts.html .+++Baringhorst,
Sigrid: Political empowerment of citizen consumers - chances of anti-corporate campaigning
on the internet. Open international research and graduate seminar 'Politics on the Internet:
New Forms and Media for Political Action', Univ. Tampere, 24.11.-25.11.2006.+++Kneip,
Veronika: Multinational corporations and anti-corporate campaigns - corporate reaction to
anti-corporate protest. Konferenz 'The 'Establishment' Responds: the Institutional and Social
Impact of Protest Movements During and After the Cold War', veranstaltet von dem Heidelberg Center for American Studies (HCA), Univ. Heidelberg, 22.11.-24.11.2007.+++Kneip,
Veronika: Interconnectivity of the 'public of publics' - the example of anti-corporate campaigns. Konferenz 'Changing politics through digital networks. The role of ICTs in the formation of new social and political actors and actions', veranstaltet von der Fak. für Politikwissenschaft der Univ. Florenz, Italien, 5.10.-06.10.2007.+++Kneip, Veronika: CSR und Discountpolitik - das Beispiel Lidl. Tagung 'Corporate Social Responsibility im Einzelhandel',
veranstaltet von den Univ. Hamburg und Kassel in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Netzwerk Wirtschaftsethik, Berlin, 01.06.-02.06.2007.+++Niesyto, Johanna: Transnational
anti-corporate campaigns on the Net, Workshop 'Webcampaigning @ public sphere(s)', Univ.
Siegen, 9.11.2007.+++Niesyto, Johanna: Comparative study of transnational anti-corporate
campaigns - research design and preliminary results. Workshop 'Campaign Analysis in a Glo-
soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
163
balizing World', veranstaltet vom SFB 536 "Reflexive Modernisation" und dem Lehrstuhl für
Vergleichende Politikwissenschaft des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft
der LMU München am Starnberger See, 27.04.-28.04.2007, erhältlich unter: www.protestcultures.uni-siegen.de/pdf/Niesyto%2520Comparative%2520Study.pdf .+++Niesyto, Johanna: Networking campaigns - towards a new era of transnationalism? Workshops 'European
Protest Movements', Univ. Halle, 22.11.-25.11.2006 und Univ. Zürich, 7.3.-10.3.2007, erhätlich unter: www.protest-cultures.uni-siegen.de/pdf/Networking%20Campaigns.pdf .
ART: gefördert BEGINN: 2005-08 ENDE: 2010-07 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie, Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme, Vergleichende
Politikwissenschaft (57068 Siegen)
KONTAKT: Leiterin (Tel. 0271-7404510,
e-mail: [email protected])
[270-F] Kohler, Ulrich, Dr. (Bearbeitung):
Die politische Partizipation von Unterschichten
INHALT: Die politische Partizipation von Unterschichten ist bekanntermaßen niedriger als diejenige von Mittel- und Oberschichten. International vergleichende Studien haben jedoch gezeigt, dass sich das Ausmaß der soziostrukturellen Unterschiede in der politischen Partizipation deutlich zwischen den Gesellschaften unterscheidet. Das Projekt untersucht Ursachen und
Folgen der unterschiedlichen Integrationskraft von westlichen Demokratien. Warum gelingt
es einigen Demokratien besser als anderen, ihre Unterschichten in das politische System zu
integrieren? Und: Unter welchen Bedingungen erwächst aus der mangelnden Partizipation
von Unterschichten das "demokratische Dilemma" (Lijphardt), das bei den politischen Entscheidungen systematisch die Interessen spezifischer Bevölkerungsgruppen unberücksichtigt
bleiben. Mögliche Antworten liegen einerseits in den Wahlsystemen demokratischer Gesellschaften und andererseits in den Strukturierungslinien der politischen und gesellschaftlichen
Konflikte.
METHODE: Verknüpfung von international vergleichenden Umfragen wie European Social Survey (ESS), European Quality of Life Survey (EQLS), International Social Survey Programme
(ISSP) und Comparative Study of Elections Systems (CSES) mit Aggregatmerkmalen wie
Wahlsysteme, Wahlbeteiligung, Wohlfahrtsstaatsmerkmalen usw. DATENGEWINNUNG: Sekundäranalyse von Individualdaten aus westlich geprägten Demokratien (Herkunft der Daten:
ISSP, ESS, EQLS, WVS).
VERÖFFENTLICHUNGEN: keine Angaben ARBEITSPAPIERE: Kohler, U.; Rose, R.: Under
what conditions can non-voters affect an election outcome? Studies in Public Policy / Centre
for the Study of Public Policy, University of Aberdeen, No. 438.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2003-01 AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine
Angabe
INSTITUTION: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH Schwerpunkt Bildung, Arbeit und Lebenschancen Abt. Ungleichheit und soziale Integration (Reichpietschufer
50, 10785 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiter (Tel. 030-25491-361, e-mail: [email protected])
164
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
[271-F] Maier, Jürgen, Jun.-Prof.Dr.; Maier, Michaela, Prof.Dr.; Faas, Thorsten, Jun.-Prof.Dr.;
Brettschneider, Frank, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Wahrnehmung und Wirkung der Fernsehdebatten im Bundestagswahlkampf 2009 (Teilmodul der German Longitudinal Election Study - GLES)
INHALT: Gemessen am Zuschauerinteresse und dem Umfang der Medienberichterstattung waren
die Fernsehdebatten zwischen den beiden Kanzlerkandidaten in den beiden vergangenen Bundestagswahlen das mit Abstand wichtigste Einzelereignis im Bundestagswahlkampf. Auch
bei der Bundestagswahl 2009 wird es wieder zu TV-Debatten kommen. Wie Fernsehdebatten
wirken, ist aufgrund ihrer noch jungen Geschichte für Deutschland bislang nur wenig erforscht. Zudem fehlen tiefergehende Einblicke über die Art und Weise, wie solche Fernsehdebatten - oder allgemeiner: massenmedial vermittelte Politiknachrichten - auf der Seite des Rezipienten verarbeitet werden. Ziel ist es deshalb, Wahrnehmung und Wirkung der Fernsehdebatten 2009 im Rahmen der von der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung (DGfW) beantragten und von der DFG geförderter deutschen nationalen Wahlstudie (German Longitudinal Election Study - GLES) wissenschaftlich zu untersuchen. Zu diesem Zweck sieht die
GLES ein eigenes Teilmodul vor, das von o.g. Projektteam geleitet wird. Der Fokus der Untersuchung liegt auf der Untersuchung von Wahrnehmung und Wirkung der Fernsehdebatte
auf politisches Wissen, politische Einstellungen und Wahlabsichten. Mit einem speziellen
Forschungsdesign, das an von Teilen des Projektteams im Rahmen der Fernsehdebatten 2002
und 2005 durchgeführte wissenschaftliche Studien anschließt, werden direkte, durch die Fernsehdebatte hervorgerufene Effekte von indirekten, durch die sich daran anschließende Kommunikation über dieses Ereignis im sozialen Umfeld und in den Massenmedien bedingte Effekten getrennt. Zudem liegt ein Schwerpunkt des Projekts auf der Frage, welche Bedeutung
visuellen Informationen bei der Wahrnehmung und Bewertung der Debattenleistung der
Kanzlerkandidaten zukommt. Insgesamt hat das Projekt zum Ziel, vertiefte Erkenntnisse über
die individuelle Verarbeitung politischer Informationen zu gewinnen. ZEITRAUM: 2009
GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Die Messung von Wahrnehmung und direkter Wirkung der Fernsehdebatten findet
im Rahmen von Live-Experimenten an verschiedenen Standorten in Deutschland unter insgesamt jeweils ca. 400 wahlberechtigten Bürgern statt. Diese werden einerseits befragt. Andererseits haben die Teilnehmer der Untersuchung die Möglichkeit, ihre Bewertungen der Kandidaten in Echtzeit - also während der laufenden Fernsehdebatte - computergestützt zu dokumentieren ("RTR-Messung"). Indirekte Debatteneffekte werden durch die wiederholte Befragung der Untersuchungsteilnehmer in den Tagen nach dem TV-Duell gemessen. Begleitet
wird die Befragung durch eine ausführliche Inhaltsanalyse der Vor- bzw. der Nachberichterstattung über die TV-Debatte sowie eine Inhaltsanalyse des Fernsehduells selbst, deren Ergebnisse wiederum mit den Daten der RTR-Messung verknüpft werden.
ART: gefördert BEGINN: 2009-05 ENDE: 2009-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Koblenz-Landau Campus Landau, FB 06 Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften Abt. Politikwissenschaft (Kaufhausgasse 9, 76829
Landau); Universität Koblenz-Landau Campus Landau, FB 08 Psychologie, IKMS - Institut
für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft, Abt. Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik -IKM- (Fortstr. 7, 76829 Landau); Universität
Mannheim, Fak. für Sozialwissenschaften, Lehrstuhl für Politische Wissenschaft I Politische
Soziologie (A5, 6, 68131 Mannheim); Universität Hohenheim, Fak. Wirtschafts- und Sozial-
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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wissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften FG für Kommunikationswissenschaft, insb.
Kommunikationstheorie -540c- (70593 Stuttgart)
KONTAKT: Institution, Sekretariat (Tel. 06341-280-38400, e-mail: [email protected])
[272-L] Maurer, Peter; Mayerhöffer, Eva:
Themenmanagement von politischen Sprechern und Kommunikationsberatern unter den
Bedingungen der Bonner und der Berliner Republik, in: Zeitschrift für Politikberatung, Jg.
2/2009, H. 3, S. 447-466 (www.springerlink.com/content/v7wx4347k7724760/?
p=80ce6bc448544c04bc30fb61774ca540&pi=4)
INHALT: "Der Beitrag untersucht in zeitvergleichender Perspektive die Bewertung von Strategien des Themenmanagements durch politische Sprecher und Kommunikationsberater. Dazu
werden die in zwei Befragungen ermittelten Aussagen hochrangiger politischer Sprecher Mitte der 1990er Jahre und im Jahr 2008, d. h. vor und nach dem Regierungsumzug, systematisch
verglichen. Es zeigt sich, dass die Bewertungen der Akteure das jeweilige Kommunikationsumfeld der 'Bonner' bzw. der 'Berliner Republik' widerspiegeln: Sprecher und Berater der
'Berliner Republik' orientieren sich bei ihrem politischen Themenmanagement stärker an medialen Logiken. Zudem lassen sich auch innerhalb der Gruppe der Berliner Sprecher und Berater je nach beruflicher Sozialisation unterschiedliche Einschätzungen nachweisen." (Autorenreferat)
[273-L] Mittendorf, Volker:
Die Qualität kollektiver Entscheidungen: Kommunikationsprozesse direkter und
repräsentativer Demokratie im Vergleich, (Studien zur Demokratieforschung, Bd. 11),
Frankfurt am Main: Campus Verl. 2009, 285 S., ISBN: 978-3-593-39038-3
INHALT: Die zentrale Fragestellung der Studie lautet: Qualifizieren direktdemokratische Verfahren die Demokratie über indirekte Wirkungen auf die Handlungskultur der Akteure und den
Entscheidungshintergrund und, wenn ja, in welcher Hinsicht und in welchem Ausmaß? Ziel
der Arbeit ist es, hierfür einen Kriterienkatalog zu erstellen und die Ergebnisse einer jeweils
individuellen Bewertung zuzuführen. Es wird zunächst die allgemeine Rolle von Demokratie
und Repräsentation diskutiert, die sich in einer Deutungskonkurrenz zueinander befinden. Zur
Erstellung eines Analysekonzeptes der Qualifizierungsleistung von Wahlen und Abstimmungen wird anschließend ein Kommunikationsmodell entwickelt, welches aufzeigt, was Wahlen
und Abstimmungen unter dem Aspekt der Kommunikation für die Demokratie bedeuten. Im
empirischen Teil der Studie wird ein "most-similar-systems"-Forschungsdesign erarbeitet, um
exemplarisch die indirekten Wirkungen auf den Kommunikationsprozess nachvollziehen zu
können. Nach der Ableitung einiger Hypothesen werden die Strukturen der Wahl- und Abstimmungskampfkommunikation in den Städten Marburg in Deutschland und St. Gallen und
Luzern in der Schweiz miteinander verglichen. Die Fallbeispiele machen deutlich, dass sich
eine Qualifizierung vor allem durch einen besser strukturierten Diskussionsprozess im Entscheidungsvorfeld, das heißt durch einen rationaleren Argumentationskontext ergibt. (ICI2)
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soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
[274-L] Müller, Ulrich; Plehwe, Dieter:
Wölfe im Schafspelz: verdeckte Einflussnahme auf Politik und Medien, in: Forum
Wissenschaft, Jg. 27/2010, Nr. 1, S. 8-11
INHALT: "Ungemein viele Lobbyisten tummeln sich in Berlin - das Übergewicht liegt bei den
Unternehmenslobbyisten. Wird die Kritik aus der Zivilgesellschaft zu stark, kommen auch
'verdeckte Methoden' zum Einsatz - vgl. die Beispiele der Deutschen Bahn und des Verbands
der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Gerade so genannte 'Denkfabriken' wie die Organisation Berlinpolis werden als vermeintlich neutrale und deshalb glaubwürdigere Institutionen in
Lobbykampagnen eingebunden. Der Beitrag könnte deshalb auch so betitelt sein: Privilegiert
und intransparent - die Methoden der Lobbyisten und nötige Gegenmaßnahmen." (Autorenreferat)
[275-L] Münkler, Herfried; Hacke, Jens:
Strategien der Visualisierung: Verbildlichung als Mittel politischer Kommunikation, (Eigene
und fremde Welten : Repräsentationen sozialer Ordnung im Vergleich, Bd. 14), Frankfurt am
Main: Campus Verl. 2009, 255 S., ISBN: 978-3-593-38895-3
INHALT: "Seit jeher pflegen politische Gemeinschaften bestimmte Praktiken der Visualisierung.
Im politischen Konkurrenzkampf behält meist derjenige die Oberhand, der geschickt suggestive und wirkungsmächtige Bilder einsetzt. Die Autoren gehen der Frage nach, in welcher
Weise politische Themen auf bestimmte Formen der Verbildlichung angewiesen sind und wie
die Bilder auf das kollektive Bewusstsein einwirken." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis:
Herfried Münkler: Einleitung (7-9); Enno Rudolph: Symbol, Metapher, Mythos: Komplemente oder Konkurrenten sprachlicher Visualisierung? (11-22); Herfried Münkler: Visualisierungsstrategien im politischen Machtkampf: Der Übergang vom Personenverband zum institutionellen Territorialstaat (23-51); Thomas Meyer: Visuelle Kommunikation und Politische
Öffentlichkeit (53-69); Wolfgang Hardtwig: Performanz und Öffentlichkeit in der krisenhaften Moderne: Visualisierung des Politischen in Deutschland 1900-1936 (71-92); Michael
Strübel: Krieg und Film: Globalisierte Visualisierungsformen und politische Instrumentalisierung (93-108); Willi Hofmann: "Ich schau Dir in die Augen": Die Bedeutung visueller Medien für die politische Kommunikation in entwickelten Demokratien (109-125); Paula Diehl:
Die SS-Uniform als emblematisches Zeichen (127-150); Udo Bermbach: "Heut hast Du's erlebt": Zur Darstellung politischer Konflikte in der Oper (151-167); Karl-Siegbert Rehberg:
Künste als Medium der Sichtbarkeit und der Überblendung von Macht: Werner Tübkes "Arbeiterklasse und Intelligenz" als Exempel (169-191); Horst Bredekamp: Jörg Immendorffs
Staatsportrait Gerhard Schröders (193-211); Ronald Hitzler: Im elektronischen Panoptikum:
Über die schwindende Angst des Bürgers vor der Überwachung und seinen unheimlichen
Wunsch nach Sichtbarkeit (213-230); Andreas Dörner: Respekt im Regenwald: Über Inszenierung und Aneignung von gesellschaftlichen Ordnungsmustern im Unterhaltungsfernsehen
(231-250).
soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
167
[276-L] Münkler, Herfried:
Visualisierungsstrategien im politischen Machtkampf: der Übergang vom Personenverband
zum institutionellen Territorialstaat, in: Herfried Münkler ; Jens Hacke: Strategien der
Visualisierung : Verbildlichung als Mittel politischer Kommunikation, Frankfurt am Main:
Campus Verl., 2009, S. 23-51
INHALT: Verbergen und Entbergen sind dem Autor zufolge Visualisierungsstrategien bei der
Herstellung und Nutzung von Handlungsmächtigkeit, wobei diese oftmals nicht klar voneinander zu unterscheiden sind, weil sie miteinander vermischt oder ineinander verwoben sind.
Diese allgemeinen Überlegungen werden im vorliegenden Beitrag konkretisiert, indem das
Neuarrangement politischer Handlungsfähigkeit beim Übergang vom Personenverbands- zum
institutionellen Flächenstaat untersucht bzw. die Ablösung politischer Tugendlehren in Form
von Fürstenspiegeln durch den Arkanismus und die Theorie der Staatsräson skizziert wird. Es
wird gezeigt, dass die damit verbundene Veränderung der politischen Sichtbarkeitsverhältnisse in einen tief greifenden Wandel der institutionellen Arrangements eingebettet ist, vermittels deren die politische Ordnung gesichert wird. Im Mittelpunkt des Beitrags steht jedoch
nicht nur der Wandel der institutionellen Arrangements in der frühen Neuzeit, sondern auch
die Art und Weise, in der sie in den Selbstbeschreibungen der Ordnungen aufzufinden sind,
und insofern die soziale Ordnung im Wandel repräsentieren. (ICI2)
[277-L] Naab, Teresa; Scherer, Helmut:
Möglichkeiten und Gefahren der Meinungsfreiheit: eine inhaltsanalytische Untersuchung
der Diskussion in deutschen und überregionalen Tageszeitungen während des
Karikaturenstreits 2006, in: Publizistik : Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, Jg.
54/2009, Nr. 3, S. 373-389 (Standort: UB Bonn (5)-Z57/193; USB Köln(38)-FHM AP00663;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11616-009-0056-7)
INHALT: "Einer Debatte über die Meinungsfreiheit, wie sie vor dem Hintergrund des Karikaturenstreits im Jahr 2006 geführt wurde, kommt in der Demokratie besondere Bedeutung zu, da
Meinungsfreiheit ein konstituierendes Element der Demokratie darstellt. Der Artikel untersucht, wie über die Möglichkeiten und Gefahren der Meinungsfreiheit in deutschen Zeitungen
während des Karikaturenstreits diskutiert wurde. Dazu wurde eine quantitative Inhaltsanalyse
der Argumente zum Thema in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der tageszeitung durchgeführt. Nur in geringem Umfang fand eine vielseitige Diskussion über die Meinungs- und Medienfreiheit statt. Zwar stellten die Zeitungen ihre Grenzen ausführlich in Frage, unterstrichen ihre Schutzwürdigkeit und informierten über Bedrohungen; die Gewinne, welche die Meinungsfreiheit bietet, waren argumentativ jedoch kaum
präsent. Eine Abwägung von Schranken und Chancen erfolgte hauptsächlich durch Medienakteure, die in dem Konflikt nicht nur Vermittler, sondern auch Beteiligte waren. Diese Ergebnisse führen zu einem Fazit über die Beachtung der Meinungsfreiheit als Kernwert der
Demokratie." (Autorenreferat)
[278-F] Nergiz, Devrimsel Deniz, M.A. (Bearbeitung); Faist, Thomas, Prof.Ph.D. (Betreuung):
Adaptation to cultural diversity in German political parties: an empirical study on politicians with migration background (working title)
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
INHALT: Immigrants make up a sizeable portion of German population, yet they are quite minimally represented in Germany's national, state (federal) and local legislative bodies. The ways
in which immigrants lay claims to active participation in legislative decision making processes through political parties is rarely touched upon. This proposed study focuses on the modes
of representation in one of formal venues of political power, political parties, which is embodied by political elite with migration background and hereby connects to a broader context of
German political parties' adaptation to cultural diversity. The project, then, attempts to inquiry
strategies, role and career paths followed by these political actors based on the ground of the
affiliated party's capacity. The opportunity structure each party offers as an institution as important as both the politicians' career processes within the party (here selected group of politicians) being the agents. In particular Turkish origin political actors in German electoral politics, provide a relevant empirical field for the goals of the study due to the demographical
composition in the country and also due to the comparatively higher number of politicians
with migration background. Yet the study aims also to shed light on other migrant groups too.
The research aim will be accomplished by documentary analysis of party debate papers on
participation of more diversity groups to the party, together with expert (elite) interviews with
elected politicians at state and federal parliaments in Germany.| GEOGRAPHISCHER
RAUM: Belgien, Dänemark, Polen
ART: Dissertation; gefördert BEGINN: 2008-04 ENDE: 2011-03 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Bundesministerium für Bildung und Forschung; Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology
-BGHS- (Postfach 100131, 33501 Bielefeld)
KONTAKT: Bearbeiterin (Tel. 0521-106-6515, e-mail: [email protected] )
[279-L] Papcke, Sven:
Warum gehorchen wir?, in: Berliner Debatte Initial : Sozial- und geisteswissenschaftliches
Journal, Jg. 21/2010, H. 1, S. 97-100 (Standort: UB Bonn(5)-Z90/76; USB Köln(38)-M XA01655;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich)
INHALT: Je politisierter die Zeitläufe geworden sind, umso offenkundiger wurden nach der These des Autors die Anmaßungen herkömmlicher Würdenträger. Ordnung und Violenz traten
auseinander, seit sich Gewalt auch im Gewand der Macht vor einem Politikbegriff rechtfertigen musste, der immer mehr gesellschaftliche Gruppen repräsentierte. So verwaltete die politische Organgewalt gleichsam als "zweiter Zwang" (Hegel), der sich selbst begrenzen muss,
das Recht als Regelung des Normalzustandes; zudem ging es seither um die Zuständigkeit für
die Anwendung von Zucht und Strenge, wollte man das Violenzaufkommen insgesamt steuern. In diesem Verfahrensstreit gewöhnten sich die Leitungseliten durch Rückkoppelungseffekte an rituelle und rechtliche und insofern auch an öffentliche Regeln. Dies wiederum setzte
ideengeschichtlich eine Tendenz zur inversen Politisierung nicht zuletzt als Druck zur Rechtfertigung von Herrschaft frei. (ICI2)
soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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[280-L] Perlot, Flooh:
Mypoliticalspace: making politics visible through web 2.0, in: Journal of social science
education, Vol. 9/10/2008, No. 2/1, S. 98-111
(www.jsse.org/2008/2008/2008-2/pdf/Perlot-mypoliticalspace-2-2008-1-2009.pdf)
INHALT: "Web 2.0 is one of the later innovations in Internet-related developments. The term expresses less a new piece of technology but more new ways of using the Net; weblogs and social networks like myspace are among the most prominent examples of Web 2.0. Its catchphrase may be: you control your own data. Web 2.0 gimmicks bear new possibilities for
young people, which are the heaviest users of the Internet, not only to get political information, but also to show and share their views and opinions. It also gives politicians a way of presenting themselves without any interference. In both ways it can contribute to a process of
making politics visible. Besides assessing some data about political Internet usage the article
tries to show some opportunities as well as problems related to making politics visible in Web
2.0." (author's abstract)|
[281-L] Priddat, Birger P. (Hrsg.):
Politikberatung: Prozesse, Logik und Ökonomie, Marburg: Metropolis-Verl. 2009, 179 S.,
ISBN: 978-3-89518-778-0
INHALT: "Dass sich Politiker beraten lassen, ist ein altes Geschäft (vgl. Sloterdijk 2008). Es geht
nicht nur darum, den Wählern gegenüber das politisch Machbare zu vertreten, sondern das
Machbare auch untereinander herauszufinden im politischen Geschäft, das zugleich eines der
Macht ist. Momentan wird das Thema eher von Wissenschaftlern ventiliert, die mit Erstaunen
feststellen, dass ihre Vorlagen und Beratungen nicht in dem Maße rezipiert werden, wie sie es
sich vorstellen. Es geht dabei nicht nur um das Problem, welcher wissenschaftlichen Konzeption Politiker trauen sollten - bei durchaus heterogenem Angebot -, sondern darüber hinaus
um die Vermutung, dass die Politik der Wissenschaft generell misstraut, weil ihre Vorschläge
ohne Kenntnis der Prozesse entworfen werden, in denen andere Lösungen entstehen, als die
Wissenschaftler meinen anzeigen zu sollen. Das vorliegende Buch verspricht sich nicht der Illusion besserer Beratung, sondern analysiert deren Paradoxien und Kommunikationsmodalitäten in sechs Aufsätzen." (Textauszug). Inhaltsverzeichnis: Birger P. Priddat: Verschiedene
Logiken: Politik, Ökonomie und Beratung (9-24); Ingo Pies: Nachhaltige Politikberatung.
Der Ansatz normativer Institutionenökonomik (25-48); Birger P. Priddat: Governance und
Politikberatung (49-68); Andreas Huchler: Zwischen Politik und Organisation. Perspektiven
der Behördenberatung in Deutschland (69-90); Sven Wilhelm: Who govems? Kommunikations- und prozessorientierte Politikberatung (91-140); Birger P. Priddat: Elitenberatung (141162).
[282-L] Projektgruppe Nationalismuskritik (Hrsg.):
Irrsinn der Normalität: Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus, Münster:
Verl. Westfäl. Dampfboot 2009, 259 S., ISBN: 978-3-89691-779-9
INHALT: "Auf neuen Schauplätzen fand in den vergangenen Jahren ein deutscher Nationalismus
seine Renaissance: In Musik und Sport setzte sich ein ungehemmtes Feiern schwarz-rot-goldener Einigkeit und Normalität durch. Gängige Unterhaltungsformate wurden zum bevorzug-
170
soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
ten Inszenierungsmedium - auch eines deutschen Opfermythos. Das Prädikat deutsch' avancierte zum Leitbegriff erfolgreicher Werbestrategien. Erscheinen solche Momente auf den
ersten Blick noch als unpolitisch, so zeigt sich in der wechselseitigen Verstärkung von Reartikulation und Rekonstruktion von Nationalem - und damit der Akzeptanz hegemonialer Projekte - eine riskante politische Dimension. Die Projektgruppe Nationalismuskritik lenkt deshalb, theoretisch eingebettet in hegemoniekritische Ansätze, den Fokus auf kulturindustrielles
Amusement und sportliches Arbeitsethos, aber auch auf eine revisionistische Vergangenheitspolitik, die deutsche Außenpolitik und den Diskurs um die Berliner Republik'. (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Projektgruppe Nationalismuskritik: Einleitung (7-17); I. Nation, Hegemonie, Geschlecht: Daniel Keil: Die "zarte Wiederentdeckung des Deutschen" - Thesen zur
Kritik der deutschen Nation und ihrer gegenwärtigen Entwicklung (20-40); John Kannankulam, Robin Mohan: Staat, Nation und Hegemonie (41-60); Felicita Reuschling: Deutsche Geschlechter (61-85); II. Geschichtsdiskurse: Joannah Caborn: Die "selbstbewusste Leichtigkeit" des neuen deutschen Seins. Geschichte und Selbstbewusstsein im neuen Nationsdiskurs
(88-106); Marcus Hawel: Der außenpolitische Normalitätsdiskurs als Nationalismus verschleierndes Vehikel (107-127); Katharina Rhein: "Jetzt kommen die Miesmacher". Zur Bedeutung der Fußballweltmeisterschaft der Männer 2006 für die Reartikulation nationaler
Identität in Deutschland am Beispiel der Debatte um die Deutschlandliedbroschüre (128145); III. Sport: Sebastian Lutz: Die Eigentore der Beherrschten. Eine Betrachtung der Kritischen Sporttheorie (148-165); Benjamin Fuchs: Die Pille für den Mann - Männliche Hegemonie und hegemoniale Männlichkeit im Fußball (166-181); Gerd Dembowski: Wie weich ist
Nationalismus im deutschen Fußball? (182-204); IV. Popkultur: Martin Büsser: Pop im
Dienste der Nation (206-217); Michael Elm: Film und Vaterland. Deutsche Nationalmythen
und Sportmetaphorik im Historienfilm (218-229); Sonja Witte: Das unheimlich Verführerische der Kulturindustrie - Von der Wahrheit der Suggestion und dem Glück manipuliert zu
sein (230-250); Projektgruppe Nationalismuskritik: Nachwort - Zur gegenwärtigen Lage der
Kritik (251-256).
[283-L] Reichard, Christoph:
Ökonomisierung von Staat und Verwaltung - Vorschub für Korruption?, in: Hans Herbert
von Arnim (Hrsg.): Defizite in der Korruptionsbekämpfung und der Korruptionsforschung :
Beiträge auf der 9. Speyerer Demokratietagung vom 26. und 27. Oktober 2006 an der Deutschen
Hochschule für Verwaltung, Berlin: Duncker & Humblot, 2009, S. 95-105
INHALT: Folgende Ausgangspunkte sind für eine Problemanalyse im Kontext von Ethik und
Korruption von besonderer Relevanz: die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, Verselbstständigungsprozesse im Staat, die Marktliberalisierung, die Konvergenz der Personalsysteme und die anhaltende Finanzkrise. Zu den nicht intendierten Effekten des reformierten
öffentlichen Sektors zählt die gestiegene Korruptionsanfälligkeit. Gründe hierfür liegen in der
veränderten Wert- und Motivationsstruktur, in den Möglichkeitsstrukturen, aber auch in der
Steuerung und Kontrolle des Verwaltungshandelns. An diesen drei Dimensionen sollten auch
die Gegenmaßnahmen ansetzen. (ICE2)
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[284-L] Rodoniklis, Wasilios; Zander, Daniel (Hrsg.):
Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation, (Schriftenreihe Düsseldorfer Forum Politische
Kommunikation - DFPK, Bd. 4), (4. Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation, 2008),
Düsseldorf: düsseldorf univ. press 2009, 241 S., ISBN: 978-3-940671-22-6
INHALT: "Das Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation ist die wissenschaftliche Plattform im deutschsprachigen Raum für Nachwuchswissenschaftler in diesem Forschungsfeld.
Der vorliegende Tagungsband bietet einen Überblick über Themen, Theorieansätze und Methoden aus Wissenschaft und Praxis. Die Beiträge beschäftigen sich u.a. mit den Themenfeldern Journalismus, Wahlkampf, Inszenierungsstrategien, medialer Identitätsbildung und weltweiter Öffentlichkeit." (Autorenreferat). Inhalt: Essays: Tilman Achtnich: Die Republik in
Gefahr? - Angst als politische Strategie (13-14); Andreas Hensel, Astrid Epp: Angst durch
Risiken oder Risiken durch Angst? (15-16); Frank Roselieb: Zwischen Loser Paradoxon,
Self-fulfilling Prophecy und Agenda Surfing - Warum Politiker denkbar schlechte Krisenmanager sind (17-21); Ingo Wolf: Die Republik in Gefahr? - Angst als politische Strategie (2223); Abstracts: Kurzfassungen der gesammelten Beiträge (27-34); Beiträge: Melanie Magin:
Qualitätszeitungen - das "Rückgrat der politischen Öffentlichkeit?" Ein inhaltsanalytischer
Vergleich der Qualität deutscher und österreichischer Tageszeitungen (37-61); Linards Udris:
Resonanzchancen des politischen Extremismus und Radikalismus. Theoretische Konzepte
und empirische Befunde am Beispiel des Rechtsextremismus in der öffentlichen Kommunikation der Schweiz (62-90); Karin Stengel: "Gefährliche Fotos" - Eine Analyse der Berichterstattung deutscher Printmedien über die Totenkopf-Affäre (91-111); Matthias Potthoff: "Framing reconsidered." Zum Entwicklungsstand der kommunikationswissenschaftlichen Deutungsmuster-Theorie (112-132); Andrea Burmester: Inszenierung von Politik in Sondersendungen. Eine Inhaltsanalyse von ARD-Brennpunkt und ZDF-Spezial (133-157); Jasmin Thiemens, Annie Waldherr: Bewertungsdimensionen einer Kanzlerkandidatin - Eine quantitative
Inhaltsanalyse der Berichterstattung über Angela Merkel zur Bundestagswahl 2005 (158182); Sabine Patsch: Die Metropolregion Rhein-Neckar als identitätsstiftende Institution?
Eine empirische Untersuchung zur Rolle der regionalen Tagespresse im Prozess der Identitätsbildung (183-206); Antje Glück: Risiko für alle- jeder für sich? Die Formierung einer
Weltöffentlichkeit im Angesicht des Terrorismus (207-232).
[285-F] Saalfeld, Thomas, Prof.Dr.; Klekowski von Koppenfels, Amanda, Dr. (Bearbeitung):
Das Internet als Instrument personalisierter politischer Repräsentation
INHALT: Dieses Projekt untersucht die Nutzung des Internets als Instrument personalisierter politischer Kommunikation in repräsentativen Demokratien, wobei empirisch der Schwerpunkt
auf dem Repräsentationsverhalten von Parlamentsabgeordneten mit Migrationshintergrund in
Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Israel liegt. Innovationen im Bereich
der politischen Kommunikation (vor allem der Ausbau des Internets) haben nach Auffassung
zahlreicher Autoren zu einer "Individualisierung" des Repräsentationsverhaltens von Abgeordneten beigetragen, wodurch persönliche Merkmale von Kandidaten gegenüber dem
Partei-"Label" wichtiger geworden seien. So findet die Deutsche Kandidatenstudie für die
Bundestagswahl 2005, dass das Internet zum zweitwichtigsten Medium der Wahlkampfkommunikation geworden sei (Wüst/ Gschwend/ Zittel/ Schmitt) und dass bei gegebenen institutionellen Anreizen (z.B. einem personalisierten Wahlsystem) ein breiteres Spektrum repräsentativer Aktivitäten wahrgenommen werde, als dies traditionell in Parteiendemokratien der Fall
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war. Untersuchungen zu Wahlkämpfen in den USA zeigen u.a., dass Kandidaten mit ethnischem Minderheitshintergrund diese (kostengünstigen) Möglichkeiten neuer Kommunikationstechniken zunehmend nutzen, um verschiedene Wählergruppen (z.B. ethnische Mehrheitsund Minderheitswähler) mit differenzierten Botschaften gezielt anzusprechen. Die angezeigte
Studie untersucht, ob, wie und aus welchen Gründen Abgeordnete mit Minderheitshintergrund in Europa und Israel die neuen Medien als Mittel der Wahlkreis- und Wahlkampfkommunikation einsetzen. Obwohl Abgeordnete mit ethnischem Minderheitshintergrund den empirischen Fokus des Projekts bilden, wirft die Studie weiter reichende Fragen der politischen
Repräsentation in modernen Gesellschaften auf, in denen Parteien als Quellen politischer Information, Identifikation und Integration an Bedeutung verloren haben sollen. GEOGRAPHISCHER RAUM: insb. Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel
METHODE: Theoretische Grundlage sind Theorien der politischen Repräsentation, des Parteienwettbewerbs und des politischen Unternehmertums. Methodisch beruht die Studie auf der
quantitativen Inhaltsanalyse der Internetseiten von Abgeordneten mit ethnischem Minderheitshintergrund (Vollerhebung) und einer gleich großen (nach einem Quotenverfahren ausgewählten) Kontrastgruppe von Abgeordneten der ethnischen Mehrheit. Die Länder wurden
so ausgewählt, dass sie in theoretisch wichtigen Variablen (z.B. Wahl- und Parteiensystem)
einem most different systems design nach Przeworski und Teune nahe kommen. Im Gegensatz zu früheren Studien wird großer Wert auf ein längsschnittliches Forschungsdesign gelegt,
in dem etwaige Verschiebungen in der Selbstdarstellung von Abgeordneten im Zeitverlauf
(z.B. durch sich verändernde elektorale Anreize) beobachtet werden können. Untersuchungsdesign: Trend, Zeitreihe; Querschnitt DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, standardisiert
(persönliche Internetseite von Abgeordneten mit ethischem Minderheitshintergrund; Auswahlverfahren: Vollerhebung). Inhaltsanalyse, offen (persönliche Internetseiten anderer Abgeordneter; Auswahlverfahren: Quota). Aktenanalyse, standardisiert (politische Institutionen z.B. Wahlsysteme-). Sekundäranalyse von Individualdaten (Eigenschaften der Abgeordneten;
Auswahlverfahren: Quota). Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
ART: Eigenprojekt BEGINN: 2009-08 ENDE: 2012-07 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Institution
INSTITUTION: Universität Bamberg, Fak. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für
Vergleichende Politikwissenschaft (Feldkirchenstr. 21, 96045 Bamberg)
KONTAKT: Institution, Sekretariat (Tel. 0951-863-2605, Fax: 0951-863-2606,
e-mail: [email protected])
[286-L] Scheurle, Christoph:
Die deutschen Kanzler im Fernsehen: theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im
Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, (Kultur- und Medientheorie), Bielefeld: transcript
Verl. 2009, 241 S., ISBN: 978-3-8376-1052-9
INHALT: Der Verfasser untersucht die Selbstdarstellung von Politikern im Fernsehen als theatrale Darstellungen. Dabei soll geprüft werden, inwiefern die Rede von der 'Politik als Theater'
(Meyer 1998) und den Politikern als 'Staatsschauspielern' (Ortheil 1986) adäquat ist' (10). Für
seine Analyse hat der Autor die ehemaligen Bundeskanzler Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl
und Schröder ausgewählt, deren politische Darstellungen er in einem 'Wahrnehmungsdreieck
von Inszenierung, Rolle und Figur' (34) analysiert. Dieses Dreieck bildet den Rahmen, innerhalb dessen die Kanzler ihre Rolle individuell gestalten und ihre Kanzlerkompetenz, auch in
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Abgrenzung gegenüber Gegenkandidaten zu beweisen haben. Um die Darstellungsstrategien
und -formen für verschiedene Situationen aufzuzeigen, untersucht er Auftritte in Wahlspots,
Rededuelle, Live-Übertragungen von politischen Ereignissen und weiteren Fernsehformaten.
Zudem nimmt er Veränderungen im Darstellungssystem im Zeitverlauf in den Blick und
macht damit deutlich, dass neue Inszenierungsformen auch veränderte Rollenstrategien erfordern. Scheurle wartet mit allerlei medien- und theatertheoretischen Grundlagen und Debatten
sowie vielfältigen Begriffsdifferenzierungen und Kategorien auf. Dieses theoretische Rüstzeug dient ihm zur Einordnung der ausgewählten Fernsehszenen, wobei es sich jeweils um
eine mit qualitativen Methoden erarbeitete 'Darstellung in einer historisch konkreten Situation' (117) handelt. Da die Idee zur Arbeit bereits 2003 entstand, bezog sich die Dissertation
selbst auf die männlichen Bundeskanzler, für die Veröffentlichung wurde ein Kapitel zu den
Darstellungsstrategien von Angela Merkel hinzugefügt. (ZPol, NOMOS)
[287-F] Schlumbohm, Anna, M.Sc. (Bearbeitung); Yurdakul, Gökce, Prof.Dr. (Betreuung):
Political participation of long-term immigrants in Germany
INHALT: The project aims to shed light on patterns of civic and political participation of longterm immigrants in Germany. More specifically it asks why immigrants tend to participate
less in politics than the autochthonous (German) population. Drawing on theories of social
capital formation and political opportunity structures, the project will investigate how institutional contraints, societal integration, and political participation are interrelated. Structural
equation modelling as well as panel data analysis will be applied to be able to draw conclusions from group comparisons and make claims about the temporal dimensions of the political
participation of immigrants.| GEOGRAPHISCHER RAUM: Germany
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER: Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate
School of Social Sciences (Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
KONTAKT: Bearbeiterin (e-mail: [email protected])
[288-L] Schneider, Volker; Janning, Frank; Leifeld, Philip; Malang, Thomas (Hrsg.):
Politiknetzwerke: Modelle, Anwendungen und Visualisierungen, (Lehrbuch), Wiesbaden: VS
Verl. für Sozialwiss. 2009, 406 S., ISBN: 978-3-531-16401-4
INHALT: "Quantitative Netzwerkanalyse hat sich innerhalb der letzten drei Jahrzehnte zu einem
Standardinstrumentarium der Sozialwissenschaften entwickelt. In der aktuellen Policy-Forschung werden Akteurskonstellationen, Kommunikationsbeziehungen und Einflussstrukturen
vor allem auf Organisationsebene untersucht. Dieser Band besteht aus theoretischen Grundlagen arbeiten und empirischen Anwendungsstudien, in denen politisch relevante Strukturen
auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Kontexten aus einer Netzwerkperspektive
analysiert werden. Neben der inhaltlichen Anwendung liegt ein Schwerpunkt des Buches auf
der Frage der Visualisierung von Netzwerken. Anhand der Software visone wird dem Leser
in Form eines Glossars ermöglicht, die Berechnungen und Visualisierungen aus den zuvor
präsentierten Studien nachzuvollziehen." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Volker Schneider: Die Analyse politischer Netzwerke: Konturen eines expandierenden Forschungsfeldes (728); Ulrik Brandes und Volker Schneider: Netzwerkbilder: Politiknetzwerke in Metaphern,
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Modellen und Visualisierungen (31-58); Frank Janning, Philip Leifeld, Thomas Malang und
Volker Schneider: Diskursnetzwerkanalyse. Überlegungen zur Theoriebildung und Methodik
(59-92); Philip Leifeld: Eine Ko-Zitationsanalyse der quantitativen Netzwerkanalysen in der
Politikwissenschaft (93-114); Nicolas Marschall: Zur Validität in der Netzwerkanalyse (115136); Volker Schneider und Philip Leifeld: Überzeugungssysteme, Diskursnetzwerke und politische Kommunikation: Ein zweiter Blick auf die deutsche Chemikalienkontrolle der 1980er
Jahre (139-158); Verena Halbherr: Zwischen Hierarchie, Pluralismus und Netzwerk: Die Beziehungen zwischen Regierung und Verwaltung am Beispiel der amerikanischen Gesundheitspolitik (159-176); Matthias Orlowski: Gut beraten? Das interorganisationale Netzwerk
um die innovationspolitischen Beratungsgremien der Bundesregierung (177-198); Achim
Lang: Wirtschaftsverbände zwischen Kooperation und Wettbewerb: Ein Vergleich deutscher,
britischer und spanischer Verbandsökologien im l&K-Sektor (201-224); Thomas Malang:
Zwei Logiken kollektiven Handelns? Empirische Überprüfung der Theorie sozialer Klassen
anhand organisatorischen Handelns (225-244); Hans-Jörg Schmedes: Wirtschaftsverbände in
der US-amerikanischen Chemieindustrie: Private Interessenregierungen in pluralistischem
Umfeld? (245-270); Andreas Schaumayer: Koordination und Selbstregulierung in Japan.
Netzwerke zwischen Wirtschaftsverbänden im intersektoralen Vergleich (271-284); Anna
Katharina Ohm: Die Machtstruktur kommunaler Entscheidungsträger - Eine Netzwerkanalyse
(285-304); Markus Gaugler: Sinnvoll oder skandalös? Personelle Verflechtungen von Parlament und Wirtschaft durch die Nebentätigkeiten der Abgeordneten. Eine Netzwerkanalyse
(307-324); Martin Schmid: Personelle Verflechtungen zwischen Unternehmensverbänden und
dem Deutschen Bundestag: Analyse eines bipartiten Netzwerkes (325-352); Melanie Nagel:
Wissenstransfernetzwerke. Eine netzwerkanalytische Bewertung der Effektivität von intraorganisationalen Wissenstransfernetzwerken (353-368); Philip Leifeld und Thomas Malang:
Glossar der Politiknetzwerkanalyse (371-390); Philip Leifeld: Die Untersuchung von Diskursnetzwerken mit dem Discourse Network Analyzer (DNA) (391-404).
[289-L] Schneiders, Thorsten Gerald (Hrsg.):
Islamverherrlichung: wenn die Kritik zum Tabu wird, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.
2010, 401 S., ISBN: 978-3-531-16258-4
INHALT: "Muss sich unter Muslimen in Deutschland etwas ändern? Viele dürften die Frage mit
'Ja' beantworten. Offenbar gibt es genügend Anlass zu Islamkritik. Leider missbrauchen dies
viele als Vehikel für pure Ressentiments. Doch das darf nicht dazu führen, jede Form von
Kritik in den Wind zu schlagen und das Bild vom gelebten Islam schön zu färben. Beide Haltungen sind problematisch und daher Inhalt eines umfassenden zweibändigen Buchprojekts.
Während der bereits erschienene Band 'Islamfeindlichkeit' den europäischen Islamhass vergangener Jahrhunderte bis zur heutigen Hetze im Internet dokumentiert, zeigt das vorliegende
Buch 'Islamverherrlichung', wie vernünftige Islamkritik ohne Pauschalisierung, Populismus
und Polemik aussehen kann. Ausgewiesene Experten sprechen dazu offen theologische Herausforderungen an und weisen auf Missstände in der hiesigen muslimischen Gesellschaft hin.
Es geht sowohl um brisante Einzelthemen wie Jihad, Antisemitismus oder Kopftuch, als auch
um grundlegende Fragen zum Koran, zum Propheten Muhammad oder zur Scharia." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: David Kiltz: Schatten über den Anfängen. Was sagen frühe
Quellen zum Islam über das aus, was wirklich war? (19-28); Felix Körner: Der Koran ist
mehr als die Aufforderung, anständig zu sein. Hermeneutische Neuansätze zur historisch-kritischen Auslegung in der Türkei (29-44); Rainer Brunner: Wie er Euch gefällt. Anmerkungen
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zu zwei neuen Muhammad-Biographien (45-56); Harald Motzki: Ewig wahre Quellen? Wie
glaubwürdig sind die Hadithe? Die klassische islamische Hadith-Kritik im Licht moderner
Wissenschaften (57-72); Ömer Özsoy und Serdar Günes: Plädoyer für ein aufgeklärtes Islamverständnis in Zeiten der Islamkritik (73-82); Abbas Poya: Ijthihad, Scharia und Vernunft
(83-94); Thomas Eich: Von Wurzeln, Ästen und Bäumen - Kasuistik im sunnitisch-islamischen Recht (95-106); Harry Harun Behr: Muslim sein - eine Frage der Person. Gedanken
zum Aspekt der Individualität im Islam (107-116); Roswitha Badry: Das Instrument der Verketzerung, seine Politisierung und der Bedarf nach einer Neubeurteilung der "Scharia" und
der Apostasiefrage im Islam (117-130); Lamya Kaddor: Warum das islamische Kopftuch obsolet geworden ist. Eine theologische Untersuchung anhand einschlägiger Quellen (131-158);
Nasr Hamid Abu Zayd: Fundamentalismus. Von der Theologie zur Ideologie (159-170); Mathias Rohe: Islamismus in Deutschland. Einige Anmerkungen zum Thema (171-184); Stefan
Reichmuth: Jihad - Muslime und die Option der Gewalt in Religion und Staat (185-198);
Hartmut Bobzin: "Ihr seid die beste Gemeinde" (3:110). Zum Aspekt der Überlegenheitsansprüche am Beispiel der christlichen und islamischen Welt und wie wir damit umgehen (199210); Ralf Elger: Ibn Battuta, ein Ideal für Muslime heute? (211-220); Rabeya Müller: Gleich
und doch nicht gleich. Die Dimensionen der Frauenfrage im Islam (221-236); Katajun Amirpur: Iranische Geistliche als Vorbild? Warum nicht! Wenn Großayatollahs fortschrittlicher
denken als Vertreter deutscher Islamverbände (237-252); Udo Tworuschka: Auf dem Weg zu
einem zeitgemäßen Islam. Erinnerungen an Abdoldjavad Falaturi (253-258); Wendelin Wenzel-Teuber: Yusuf al-Qaradawi - Wenn ein arabischer Fernsehprediger das Denken übernimmt (259-276); Michael Kiefer: Die DITI B in der Zuwanderungsgesellschaft - Garant oder
Hindernis der Integration? (277-286); Rauf Ceylan: Imame in Deutschland. Religiöse Orientierungen und Erziehungsvorstellungen türkisch-muslimischer Autoritäten (287-294); Kemal
Bozay: Fatale Synthese. Nationalistische Spuren im Islam am Beispiel türkischer Organisationen in Deutschland (295-314); Thorsten Gerald Schneiders: Wie viel Islam steckt in einem islamistischen Selbstmordanschlag? Einige Überlegungen zur Positionierung gegenüber Gewaltakten (315-328); Ahmet Toprak: Gott als Lückenbüßer. Wie der Islam für die eigenen
Unzulänglichkeiten herhalten muss (329-340); Mahrokh Charlier: Macht und Ohnmacht. Religiöse Tradition und die Sozialisation des muslimischen Mannes (341-352); Haci-Halil Uslucan: Muslime zwischen Diskriminierung und Opferhaltung (367-378); Juliane Wetzel: Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland (379-392).
[290-F] Schorn-Schütte, Luise, Prof.Dr.; Bernstein, Frank, Prof.Dr.; Jussen, Bernhard, Prof.Dr.;
Leppin, Hartmut, Prof.Dr.; Plumpe, Werner, Prof.Dr.; Recker, Marie-Luise, Prof.Dr.; Fahrmeir,
Andreas, Prof.Dr.; Regazzoni, Lisa, Dr.; Mazohl, Brigitte, Prof.Dr.; Barth-Scalmani, Gunda,
Prof.Dr.; Bichler, Reinhold, Prof.Dr.; Notflatscher, Heinz, Prof.Dr.; Brandstätter, Klaus, Prof.Dr.;
Pallaver, Günther, Prof.Dr.; Corni, Gustavo, Prof.Dr.; Ciappelli, Giovanni, Prof.Dr.; Albertoni,
Giuseppe, Prof.Dr.; Giangiulio, Maurizio, Prof.Dr.; Mazzolini, Renato G., Prof.Dr.; Niccoli, Ottavia, Prof.Dr.; Bellabarba, Marco, Prof.Dr.; Manca, Anna Gianna, Prof.Dr.; Benedictis, Angela de,
Prof.Dr.; Cantarella, Glauco Maria, Prof.Dr.; Dogliani, Patrizia, Prof.Dr.; Maj, Barnaba, Prof.Dr.;
Salvaterra, Carla, Dr.; Sarti, Raffaela, Dr.; Rando, Daniela, Prof.Dr.; Milanesi, Marica, Prof.Dr.;
Romano, Elisa, Prof.Dr. (Bearbeitung):
Die Wahrnehmung von Macht und Gewalt und deren Verarbeitung in der politischen Kommunikation der Zeitgenossen
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INHALT: Gewaltausübung - vor allem im Rahmen von Kriegen - ist in der historischen Forschung völlig zu Recht primär mit Blick auf die konkreten Folgen an Zerstörung, Tod und
Verstümmelung untersucht worden. Diese legitime Perspektive kann im Rahmen des IGK allerdings um eine neue Dimension erweitert werden. Die Erfahrung von kriegerischer Gewalt
ist in antiken und alteuropäischen Gesellschaften anders verarbeitet worden als in jenen des
19. und 20. Jahrhunderts. Angesichts der Berührungsängste der deutschen Historiographie gegenüber Militär- und Kriegsgeschichtsschreibung ist es lange Zeit viel zu wenig berücksichtigt worden, dass es gerade in den Gesellschaften Alteuropas eine sehr direkte Konfrontation
zwischen den verschiedenen Rechtfertigungsstrategien für legitime Gewaltanwendung und
den ebenso als legitim betrachteten Abwehrmaßnahmen diesen Versuchen gegenüber gegeben hat. Solche Muster der Rechtfertigung von Gewaltanwendung müssen aber als Kern der
Debatte um die Grenzen zwischen legitimer und illegitimer, d.h. tyrannischer Ausübung von
Herrschaft betrachtet werden. Und damit ist der Kern antiker und alteuropäischer Politikkommunikation angesprochen. Die Fülle von zeitgenössischer Literatur, die sich mit diesem Problem befasst, belegt, welchen zentralen Stellenwert diese Kommunikationslage hatte. Das
Verhältnis von Tyrannis und Monarchie, die Frage nach der Stasis, das Verhältnis von Gewalt
und Barbarei, die frühchristliche Diskussion über die Legitimität von staatlicher Gewalt in der
Antike, späterhin Fragen nach der Abgrenzung zwischen Rebellion, Aufruhr oder legitimer
Obrigkeitskritik lassen sich anhand dieser Materialfülle ausgezeichnet erfassen und damit das
differenzierte politische Vokabular der Zeitgenossen zur Kommunikation über Herrschaft.
Die italienische Forschung hat sich dieser Problematik ebenso wie übrigens die englischsprachige und die französische schon ausgiebig gewidmet, von den entsprechenden methodischen
und forschungsstrategischen Ergebnissen wird die Arbeit im Rahmen des IGK profitieren
können. Auffallend ist der Bruch in der Wahrnehmung von militärischer Gewaltanwendung
bzw. dem Erdulden solcher Maßnahmen zwischen alteuropäischen Ordnungen und denjenigen des 19./20. Jahrhunderts. Nachdem die Fragen nach Kriegsschuld, Kriegslegitimität und
Kriegsverbrechen für die großen Konflikte des 19. und 20. Jahrhunderts intensiv diskutiert
worden sind, hat sich die Forschung im Rahmen der "neuen" Militärgeschichte verstärkt den
Kriegserfahrungen, den Erinnerungen an Kriege und der Rolle von Kriegsbildern für politische Debatten auch in eher friedlichen Zeiten zugewandt. Gewiss war das 19. Jahrhundert seit
1815 ein Jahrhundert, in dem sich die realen Konflikte mit wenigen kurzen Ausnahmen friedlich lösen ließen, während sich der Schwerpunkt intellektueller Auseinandersetzungen auf die
Konkurrenz im Prinzip internationaler oder internationalisierbarer politischen Bewegungen
verlagerte. Eine solche Perspektive berücksichtigt freilich zu wenig die Rolle von Kriegsfurcht und Kriegserwartungen in politischen Diskursen. Die Angst vor Invasionen, der Verweis auf die Stärken und Schwächen eigener und fremder bewaffneter Mächte trat in Zeiten
internationaler Spannungen immer wieder in den Vordergrund politischer Debatten, wobei
der Kontrast zwischen Kriegserwartung und Friedenserfahrung besonders zu Untersuchungen
zur medialen Vermittlung von (regional sicher sehr stark differenzierten) Kriegsbildern einlädt. Die breite Studie von Jörn Leonhard und einige enger angelegte Publikationen der letzten Jahre markieren ein neues Forschungsfeld, das im Moment vor allem der nationalen, auch
regionalen Vertiefung im epochenübergreifenden Vergleich bedarf, die für dieses Arbeitsfeld
vorgesehen ist. Die transepochale Behandlung bietet sich auch deswegen an, weil die Legitimierung von Gewalt einerseits, die Brandmarkung gewalttätiger Herrschaft als tyrannisch andererseits sich oft auf historische Vorbilder bezog. Die neue Fragestellung hat sich aus den intensiven Debatten des Kollegs ergeben. Die Vorarbeiten der beteiligten Hochschullehrer sind
unterschiedlich dicht; die Vertreter der Forschungen zur Antike, der Mittelalter- und Frühneuzeitforschung haben die Bedeutung des Themenfeldes in der gemeinsamen Arbeit im IGK
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und in der Betreuung der Stipendiaten in den letzten Jahren rasch erkannt und entsprechende
Forschungen begonnen, die noch nicht in allen Fällen zu Publikationen geführt haben. Die
Vertreter der Forschungen zur Geschichte von Kriegswesen und militärischen Ordnungen im
19./20. Jahrhundert können für das anders gelagerte Interesse der Forschung auf recht gute
Vorarbeiten zugreifen, zu denen sie selbst auch beigetragen haben. Ziel des Arbeitsbereiches
ist es einerseits, die Unterschiede in der Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in ihrer Rolle
für die politische Kommunikation zu beschreiben und in einem integrierten Konzept zusammenzuführen. Das andere Ziel ist es, in der Bearbeitung eines Arbeitsfeldes durch alle Hochschullehrer und der von ihnen betreuten Stipendiaten das Hauptthema des Kollegs um eine
konkrete Problemlage zu ergänzen und damit die Forschungsdebatte um die Reichweite und
die Strategien politischer Kommunikation zu differenzieren.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Albertoni, G.; Provero, L.: Il feudalesimo in Italia, Roma 2003.++
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ART: keine Angabe AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: keine Angabe
INSTITUTION: Universität Frankfurt, Internationales Graduiertenkolleg 1067 "Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert" (Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am
Main)
KONTAKT: Institution (Tel. 069-798-32595, Fax: 069-798-32596,
e-mail: [email protected])
[291-L] Schweitzer, Eva Johanna:
Innovation or normalization in e-campaigning?: a longitudinal content and structural
analysis of German party websites in the 2002 and 2005 national elections, in: European
journal of communication, Vol. 23/2008, Nr. 4, S. 449-470 (Standort: USB Köln(38)-MXH04914;
Kopie über den Literaturdienst erhältlich; ejc.sagepub.com/cgi/reprint/23/4/449)
INHALT: Das Innovations- und Normalisierungsparadigma des elektronischen Wahlkampfs ist
bislang wissenschaftlich wenig untersucht. Insbesondere außerhalb der USA fehlt es an vergleichenden Analysen der Websites von Kandidaten oder Parteien, die sich mit der zeitlichen
Validität und der Bandbreite dieses Konzepts befassen. Der Beitrag unternimmt dn Versuch,
diese Forschungskluft durch eine Langzeitanalyse von Inhalt und Struktur der Websites deutscher Parteien zu den Bundestagswahlen 2002 und 2005 zu schließen. Die Ergebnisse liefern
empirische Hinweise auf eine doppelte Entwicklung beim bundesweiten elektronischen
Wahlkampf: während die Websites der großen Parteien im Zeitraum an Informationsdichte,
Interaktivität und Raffinesse (Innovation) zunahmen, waren die kleineren Parteien durchweg
gekennzeichnet durch eine fehlende Ausnutzung der strukturellen Funktionen der Websites
(Normalisierung). Auf der inhaltlichen Ebene jedoch hingen auch die großen Parteien in erster Linie traditionellen Offline- Strategien an wie der Metakommunikation oder dem sog. "negative campaigning" (Normalisierung). Daraus wurde eine theoretische Verfeinerung der zugrundeliegenden Ansätze je nach dem politischen Status einer Partei und der angewandten
Analyseeinheit entwickelt. (UNübers.) (UN)
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
179
[292-L] Seimel, Julia:
Politische Kommunikation der Mediengesellschaft: die Online-PR der Parteien im
Bundestagswahlkampf 2005, Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller 2009, 116, 10 S., ISBN: 9783-8364-6073-6
INHALT: "Der Bundestagswahlkampf 2005 fand unter besonderen Bedingungen statt: Am 22.
Mai 2005 überraschte die SPD nach ihrer Wahlniederlage bei der nordrhein-westfälischen
Landtagswahl mit der Ankündigung von Neuwahlen. Ein auf wenige Wochen verkürzter
'Sprint-Wahlkampf' folgte. Durch die erzwungene Beschleunigung der Kampagnenplanungen
rückte das schnellste und flexibelste Massenmedium in den Blick: das Internet. Als Wahlkampfinstrument der politischen Öffentlichkeitsarbeit wurden an das Internet hohe Erwartungen gestellt: Es sollte trotz des kleinen Zeitfensters einen modernen, innovativen und informativen Wahlkampf ermöglichen. Mit dem Kampagnenmanagement wurden professionelle
PR-Agenturen beauftragt. Ob und wie es den PR-Akteuren gelang, die Potenziale der OnlineKommunikation zur Oberzeugung der Wähler für die jeweilige politische Partei zu nutzen,
thematisiert diese Arbeit. Die im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehende Forschungsfrage
lautet: Wie nutzten die politischen PR-Akteure im Auftrag der Parteien das Internet zur politischen Öffentlichkeitsarbeit im Bundestagswahlkampf 2005? Das Ziel ist, mithilfe des Instrumentariums der Akteurstheorie, die Beschreibung und Analyse der Online-Kommunikation
der politischen PR-Akteure im Bundestagswahlkampf 2005. Dabei sollen nicht die Wähler
bzw. die Wirkung des Online-Campaignings der PR-Akteure auf die Wähler im Mittelpunkt
des Interesses stehen. Fokussiert werden die politischen Akteure, die Parteien, und die von
den Parteien beauftragten Akteure der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, festzustellen, ob die beauftragten Öffentlichkeitsarbeiter die Potenziale des Internets zur Überzeugung der Wähler genutzt haben. Eine ausführliche Konkretisierung und Eingrenzung der Fragestellung findet zu Beginn des empirischen Teils der Arbeit statt (s. Punkt 6.1)." (Textauszug)
[293-L] Siefken, Sven T.:
Ist denn alles Politikberatung?: Anmerkungen zum Begriff und der Diagnose
institutionalisierter Kooperation, in: Politische Vierteljahresschrift : Zeitschrift der Deutschen
Vereinigung für Politische Wissenschaft, Jg. 51/2010, H. 1, S. 127-136 (Standort: USB Köln(38)XE00036; Kopie über den Literaturdienst erhältlich; dx.doi.org/10.1007/s11615-010-0004-1)
INHALT: "Der Beitrag liefert Anregungen für die politikwissenschaftliche Beschäftigung mit Politikberatung. Aufbauend auf der klassischen Unterteilung in Dezisionismus und Technokratie
existiert der Bedarf nach neuen realistischen Modellen und Theorien der Politikberatung. Dabei sind in der wissenschaftlichen Beschäftigung insbesondere zwei zentrale Aspekte zu beachten: (1) der verwendete Begriff der Politikberatung und (2) die Diagnose veränderter
Staatlichkeit. Insbesondere wird eine Ausweitung der Begriffsverwendung in Deutschland
herausgearbeitet und auf die notwendige analytische Abgrenzung von Public Affairs und
Lobbyismus eingegangen. In Bezug auf die veränderte Staatlichkeit wird vor überzogenen
Einschätzungen gewarnt und eine empirische Fundierung daraus abgeleiteter Schlussfolgerungen eingefordert." (Autorenreferat)
180
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
[294-L] Suttner, Bernhard G.:
Politische Korruption in Deutschland - ein verschwiegenes Fundamentalproblem?, in: Hans
Herbert von Arnim (Hrsg.): Defizite in der Korruptionsbekämpfung und der Korruptionsforschung
: Beiträge auf der 9. Speyerer Demokratietagung vom 26. und 27. Oktober 2006 an der Deutschen
Hochschule für Verwaltung, Berlin: Duncker & Humblot, 2009, S. 69-79
INHALT: Politische Korruption gefährdet die emotionale Mindestzustimmung zum demokratischen Gemeinwesen, die Macht des demokratischen Souveräns und die Chancengleichheit
der Interessengruppen. Die für die Exekutive und Judikative geltenden Korruptionsabwehrregeln müssen auch für die Legislative gelten: Verbot von Geldzuwendungen an einzelne Mitglieder und Fraktionen legislativer Organe, Verbot der Nebentätigkeiten von Abgeordneten,
Verbot des unmittelbaren Wechsels aus dem Mandat in die Dienste von Verbänden und Wirtschaftsunternehmen. (ICE2)
[295-L] Tenscher, Jens; Schmid, Sonja:
Berichterstattung nach Wahl: eine vergleichende Analyse von Bundes- und
Landtagswahlkämpfen in der Regionalpresse, in: Medien & Kommunikationswissenschaft, Jg.
57/2009, Nr. 1, S. 56-77 (Standort: UuStB Köln (38)-FHM AP11550)
INHALT: "Eine Reihe tief greifender Veränderungen im Umfeld politischen Handelns hat die Art
und Weise, wie Wahlkämpfe von den Parteien in Deutschland bestritten werden, nachhaltig
beeinflusst. Auch die journalistische Wahlkampfberichterstattung ist einem steten Wandlungsprozess unterworfen. Während den entsprechenden Veränderungen und Charakteristika
der Wahlkampfkommunikation auf nationaler Ebene in den vergangenen Jahren im Rahmen
einiger länder- und zeitvergleichender Studien wiederholt empirische Aufmerksamkeit zuteil
geworden ist, ist die wahlkampfspezifische politische Kommunikation außerhalb der Bundesebene weithin unbeachtet geblieben. Die zunehmende Indifferenz, mit der die Bürger der
Landespolitik begegnen, und die nachlassende Bereitschaft, sich an Landtagswahlen zu beteiligen, deuten jedoch auf Defizite in der Art und Weise hin, wie Parteien und Massenmedien
im regionalen Kontext Politik darstellen und vermitteln. Diesen Vermittlungsprozessen widmet sich der vorliegende Beitrag, der hierzu exemplarisch die Berichterstattung regionaler
Printmedien anlässlich des Bundestagswahlkampfes 2005 und der Landtagswahlkämpfe des
Frühjahrs 2006 inhaltsanalytisch untersucht. Der direkte Vergleich untermauert die Annahme
einiger genereller Charakteristika in der Wahlkampfberichterstattung, aber vor allem die
durch institutionelle und prozessuale Settings geprägten Spezifika der politischen Berichterstattung auf Landesebene. Diesen sollte zukünftig verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden." (Autorenreferat)
[296-F] Terhorst, Stephan, Dipl.-Soz.Wiss. (Bearbeitung); Korte, Karl-Rudolf, Prof.Dr.rer.pol.habil.Dr.phil. (Betreuung):
Sprachstrategien und Rollen politischer Akteure in der parlamentarischen Arena. Eine Inhaltsanalyse der Haushaltsdebatten am Beispiel Nordrhein-Westfalen zwischen 2000 und
2010
INHALT: Kommunikation ist das zentrale Instrument in der Politik. Ohne Kommunikation, genauer gesagt ohne Sprache, ist keine Politik möglich. Durch politische Sprache lassen sich
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
181
Normen und Werte vermitteln, Identitäten können erzeugt und Realität erläutert werden. Über
Sprache gewinnen politische Akteure die entscheidende Machtressource in der Demokratie:
Legitimation. Sprache ist also nicht nur irgendein "Instrument der Politik, sondern überhaupt
erst die Bedingung ihrer Möglichkeit". Das Ziel des Dissertationsprojektes ist, Sprachstrategien in der parlamentarischen Debatte auf Landesebene im Zusammenhang mit der Einnahme
von Rollen politischer Akteure zu identifizieren, ihre Entwicklungen aufzuzeigen und eine
Typologisierung vorzunehmen. Dazu werden jeweils die Haushaltsdebatten zwischen 2000
und 2010, vor und nach Landtagswahlen analysiert. Dem Forschungsinteresse liegen dabei
folgende Forschungsfragen zu Grunde: Welche institutionell bedingten Rollen nehmen die
politischen Akteure in Parlamentsdebatten ein bzw. welche Rollenerwartungen werden an sie
herangetragen? Welche Typologien von Sprachstrategien lassen sich aufgrund der Rollen politischer Akteure in der parlamentarischen Arena identifizieren? ZEITRAUM: 2000 bis 2010
GEOGRAPHISCHER RAUM: Nordrhein-Westfalen
ART: Dissertation; gefördert AUFTRAGGEBER: keine Angabe FINANZIERER: Stiftung Mercator
INSTITUTION: Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft NRW School of Governance (Lotharstr. 53, 47057
Duisburg)
KONTAKT: Institution -Sekretariat- (Tel. 0203-379-2045, e-mail: [email protected])
[297-F] Thaa, Winfried, Prof.Dr.; Linden, Markus, Dr.; Bausch, Christiane, M.A.; Blaes-Hermanns, Nora, M.A. (Bearbeitung):
Formen und Funktionsweisen politischer Repräsentation von Fremden und Armen in der
Bundesrepublik Deutschland (Teilprojekt C7)
INHALT: Ziel ist die vergleichende Analyse der politischen Repräsentation von Fremden und
Armen in Beratungs- und Entscheidungsprozessen des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht die Frage nach der spezifischen Funktionsweise verschiedener Repräsentationsformen und ihrer jeweiligen Bedeutung für die politische Inklusion
bzw. Exklusion beider Gruppen. (Neben der Repräsentation im Sinne von Interessenartikulation und Interessendurchsetzung besteht ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt im Vergleich
der symbolischen Repräsentation und der Semantik von Fremdheit und Armut im politischen
Diskurs). In der zweiten Förderphase des Projekts bildet neben deliberativen und parlamentarisch-parteipolitischen Formen der Repräsentation die sog. deskriptive Repräsentation von
Gruppen einen Schwerpunkt der Untersuchung. ZEITRAUM: 1998-2005 GEOGRAPHISCHER RAUM: Bundesrepublik Deutschland
METHODE: Aufgrund eines Vergleichs des Repräsentationsverständnisses relevanter Demokratietheorien werden Fallstudien zur politischen Repräsentation der schwachen Interessen von
Fremden und Armen durchgeführt. Methodisch geht es um die inhaltsanalytische Auswertung
von Dokumenten, Leitfadeninterviews mit beteiligten Akteuren sowie die diskursanalytische
Identifizierung von Bedeutungsmustern in der Berichterstattung überregionaler Printmedien.
DATENGEWINNUNG: Inhaltsanalyse, standardisiert; Inhaltsanalyse, offen; Aktenanalyse,
offen; Qualitatives Interview; Sekundäranalyse von Individualdaten. Feldarbeit durch Mitarbeiter/-innen des Projekts.
VERÖFFENTLICHUNGEN: Blaes-Hermanns, Nora: Abgehängtes Prekariat - abgehängt wovon? in: Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte, Jg. 53, 2006, H. 12, S. 28-32.+++Dies.: Interessenrechtfertigung durch Gegenleistung? Politische Inklusion von Fremden: die unabhängi-
182
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
ge Kommission "Zuwanderung" und die sich anschließende öffentliche Debatte 2000-2005.
in: Raphael, Lutz (Hrsg.): Modi der Inklusion/ Exklusion von Fremden und Armen: Praktiken
und Repräsentationen im Wandel von Herrschaft und Gesellschaft. Frankfurt am Main: P.
Lang 2008, S. 461-486. ISBN: 978-3-631-58204-6.+++Linden, Markus: Regieren durch Diskurs? Ein Nachruf ohne Trauer. in: Die Politische Meinung, Jg. 50, 2005, H. 8, S. 15-19.+++
Ders.: Französische Verhältnisse? Ein Plädoyer für die politische Repräsentation und Partizipation von Migranten. in: Zeitschrift für Kulturaustausch, Jg. 55, 2005, H. 34, S. 132-133.++
+Ders.: Politische Integration im vereinten Deutschland. Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges.
2006. ISBN 978-3-8329-2206-1.+++Ders.: Integration ist machbar: eine Replik auf Robert S.
Leikens Verabschiedung des Integrationspostulats. in: Internationale Politik, Jg. 61, 2006, H.
5, S. 80-86.+++Ders.: Integration is feasible. in: Internationale Politik - Transatlantic Edition,
Jg. 7, 2006, H. 3, S. 98-102.+++Ders.: Feindliche Übernahme im Niemandsland? Bestimmungsgründe für die jüngsten NPD-Erfolge. in: Deutschland Archiv, Jg. 40, 2007, H. 1, S.
20-28.+++Ders.: Interessensymmetrie trotz Vielfalt? Modi gleichwertiger Inklusion in pluralistischen Demokratietheorien. in: Thaa, Winfried (Hrsg.): Inklusion durch Repräsentation.
Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2007, S. 61-81. ISBN: 978-3-8329-3065-3.+++Ders.: Kreuzung politischer Kreise - "Überlappende Mitgliedschaft" als Inklusions- und Kohäsionskonzept für pluralistische Einwanderungsgesellschaften. in: Meimeth, Michael; Robertson, John;
Talmon, Susanne (Hrsg.): Integration und Identität in Einwanderungsgesellschaften: Herausforderungen und transatlantische Antworten. Denkart Europa: Schriften zur europäischen Politik, Wirtschaft und Kultur, Bd. 4. Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges. 2007, S. 81-98. ISBN
978-3-8329-2873-5.+++Ders.: Prekäre Lebenslage - prekäre Repräsentation? Ein Projekt- und
Tagungsbericht. in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 21, 2008, H. 2, S. 119126.+++Ders.: Societal changes in East and West Germany since 1989. in: O'Mahony,
Niamh; O'Reilly, Claire (eds.): Ireland, Germany and Irish-German relations in business and
society. Baden-Baden (u.a.): Nomos Verl.-Ges. 2009, S. 93-119. ISBN 978-3-8329-4756-9.+
++Ders.: Wer repräsentiert die sozial Schwachen? in: Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte,
Jg. 56, 2009, H. 9, S. 49-52.+++Ders.: Streit als Chance. in: die tageszeitung, 15.10.2009, S.
12.+++Ders.: From strangers to cititzens. Modes and perspectives of political and social inclusion of immigrants in Germany. in: Gestrich, Andreas; Raphael, Lutz; Uerlings, Herbert
(Hrsg.): Strangers and poor people. Changing patterns of inclusion and exclusion in Europe
and the Mediterranean World from classical antiquity to the present day. Frankfurt a.M.
(u.a.): P. Lang 2009, S. 257-276. ISBN 978-3-6315-9947-1.+++Ders.: Integration of migrants
- the concept of overlapping memberships. in: Robertson, John (ed.): Immigration and (citizen) identity in the EU and the USA. Austin 2010 (i.E.).+++Ders.: "Die im Dunkeln sieht
man nicht" - Potentiale, Probleme und Perspektiven der Integration durch Repräsentation. in:
Weißeno, Georg (Hrsg.): Bürgerrolle in der Einwanderungsgesellschaft. Chancen des Politikunterrichts. Bonn: Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung 2010 (i.E.).+++
Ders.: Einleitung. in: Ders. (Hrsg.): Inklusion durch Repräsentation. Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges. 2007, S. 9-16. ISBN 978-3-8329-3065-3. ARBEITSPAPIERE: Blaes-Hermanns,
Nora: Symbolische Repräsentation von Fremden und Armen in der öffentlichen Debatte. Ein
Vergleich vor dem Hintergrund der Reformen von sozialer Sicherung, Staatsbürgerschaftsrecht und Zuwanderungsrecht in der Ära Schröder. Dissertation (Arbeitstitel).+++Ittenbach,
Peter: Ethnische Exklusion im Demokratisierungsprozess. Die baltischen Staaten im Vergleich. Magisterarbeit. Trier 2006.+++Klasen, Oliver: Die politische Kultur in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Eine diskursanalytische Untersuchung der Bundestagswahlkämpfe
1976 und 2005. Magisterarbeit. Trier 2007.+++Linden, Markus: Deliberation und Repräsentation - die Auswirkungen beratender Gremien auf die Rechtfertigung schwacher Interessen
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
183
am Beispiel der Süssmuth-Kommission. Arbeitspapier, 1. Trier 2006.+++ Ders.: Vom Fremden zum Bürger - Modi und Perspektiven der politischen und gesellschaftlichen Einbindung
von Migranten in Deutschland. Arbeitspapier, 1. Trier 2007, 25 S.+++ Ders.: Interessensymmetrie in der Demokratie. Ein- und Ausschluss durch Repräsentation am Beispiel Fremder
und Armer im politischen Kräftefeld der Bundesrepublik Deutschland. Habilitation (Arbeitstitel).+++Marx, Eva: Die Repräsentation schwacher Interessen in deliberativen Demokratietheorien und agonistischen Pluralismustheorien. Magisterarbeit. Trier 2007.+++Mauer, Heike: Multikulturalismus und/ oder Feminismus. Diskussion eines Spannungsverhältnisses am
Beispiel der Kopftuchdebatte. Magisterarbeit. Trier 2006.+++Thaa, Winfried: Rationalität
und Repräsentation in der deliberativen Demokratietheorie von Jürgen Habermas. Arbeitspapier, 2. Trier 2006, 49 S.
ART: gefördert BEGINN: 2005-01 ENDE: 2012-12 AUFTRAGGEBER: nein FINANZIERER:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
INSTITUTION: Universität Trier, FB III, Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl für politische
Theorie und Ideengeschichte (Universitätsring 15, 54286 Trier); Universität Trier, SFB 600
Fremdheit und Armut - Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur
Gegenwart (Ludwig-Weinspach-Weg 3, 54286 Trier)
KONTAKT: Thaa, Winfried (Prof.Dr. Tel. 0651-201-2135, e-mail: [email protected])
[298-L] Thomas, Hans; Hattler, Johannes (Hrsg.):
Glaube und Gesellschaft: gefährden unbedingte Überzeugungen die Demokratie?,
(Interdisziplinäres Colloquium "Wahrheit - Pluralismus - Relativismus. Gefährden unbedingte
Überzeugungen die Demokratie?", 2008), Darmstadt: Wissenschaftl. Buchges. 2009, 208 S.,
ISBN: 978-3-534-23029-7
INHALT: "Wie kann die unbedingte Überzeugung, die zum Glauben (zumal zu Formen des Offenbarungsglaubens wie im Christentum) gehört, in ein demokratisches gesellschaftliches
Umfeld integriert werden? Ist nicht die Überzeugung einiger, dass sie - und sie allein - im Besitz der Wahrheit sind, eine Gefahr für das Gemeinwesen? Oder lässt sich an verschiedenen
Fallbeispielen demonstrieren, wie Religion und Pluralismus sich gegenseitig brauchen und ergänzen, wie jede Sphäre der anderen etwas geben kann, so dass der Glaube im Endeffekt die
demokratischen Verhältnisse sogar stärkt und die Demokratie den Glauben entwicklungsfähig
macht? Die Beiträge des interdisziplinären Bandes würdigen den Pluralismus unterschiedlicher Überzeugungen und verteidigen die Freiheit des Einzelnen. Gefahren für die Demokratie
sehen sie, wenn die Überstrapazierung des Pluralismus zur Relativierung privater und staatlicher Wertbekenntnisse und zur Nicht-Diskriminierung als letzter Norm führt." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Hans Thomas: "Meine Wahrheit - Deine Wahrheit...": Verlangt der
gesellschaftliche Pluralismus Abstinenz von Überzeugungen oder ihren Wettbewerb? (1118); Lothar Häberle: Toleranz - Relativismus - Political Correctness. Zur Toleranz-Position
von Rainer Forst und Jürgen Habermas (19-44); Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Wahrheit in
der Postmoderne: Verschüttungen und Neuaufbrüche (45-58); Winfried Kluth: Aussprache
(59-70); Robert Spaemann: Wahrheit und Freiheit (71-86); Johannes Hattler: Aussprache (8792); Walter Schweidler: Die Weite der Vernunft. Der religiöse Glaube und die Dialektik der
Säkularisierung (93-104); Manfred Spieker: Relativismus in der Krippenpolitik: Die Entmündigung der Familie (105-120); Hans-Bernhard Wuermeling: Aussprache (121-126); Rocco
Buttiglione: Gleiches gleich, Ungleiches ungleich behandeln: Forderung der Gerechtigkeit
oder Verstoß gegen Diskriminierungsverbote? (127-138); Winfried Kluth: Der späte Sieg der
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
Gleichheit: Gefährden postmoderne Diskriminierungsverbote die Freiheit? (139-162); Alberto
Gil: Aussprache (163-174); Christian Hillgruber: Mythos Neutralität. Überlegungen zum religiös-weltanschaulichen Fundament des modernen Staates (175-200).
[299-L] Vogel, Lars:
Der Weg ins Kabinett - Karrieren von Ministern in Deutschland: eine empirische Analyse
unter besonderer Berücksichtigung der Rekrutierungsfunktion der Parlamente,
(Europäische Hochschulschriften. Reihe 31, Politikwissenschaft, Bd. 576), Frankfurt am Main: P.
Lang 2009, XIII, 178 S., ISBN: 978-3-631-58846-8
INHALT: "Die Studie untersucht die Rekrutierung von Ministern als Ergebnis ihrer vorherigen
politischen Karriere und berücksichtigt dabei den Wandel des Parlamentarismus in Deutschland. Das dabei benutzte Forschungsdesign ermöglicht den empirischen Vergleich von Ministern und Abgeordneten. Auf dieser Basis zeigt sich, dass die Bedeutung des Parlaments als
wichtigster Rekrutierungspool gesunken ist. Als Hauptursachen werden die Professionalisierung des politischen Systems und der Wandel der Parteiorganisationen identifiziert. Die Folgen sind paradox: es werden mehr Berufspolitiker (von außerhalb des Parlaments) zu Ministern ernannt, aber zugleich gelangen mehr Minister ohne 'Ochsentour' ins Kabinett. Diese
Entwicklungen sind in Ostdeutschland teilweise weiter vorangeschritten als in Westdeutschland." (Autorenreferat)
[300-L] Voss, Kathrin:
Grassrootscampaigning und Chancen durch neue Medien, in: Aus Politik und Zeitgeschichte :
Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 2010, H. 19, S. 28-33
(www.bpb.de/files/4SOFXA.pdf)
INHALT: "Grassrootscampaigning ist eine Form des indirekten Lobbying, bei dem versucht
wird, möglichst viele Menschen für ein Thema zu mobilisieren. Während früher auf der Straße Unterschriften gesammelt wurden, findet Grassrootscampaigning heute vor allem im Internet statt. Doch eine Website allein reicht nicht aus." (Autorenreferat)
[301-L] Weiß, Ralph:
Politisch-kommunikative Milieus: Notwendigkeit und Nutzen einer milieutheoretischen
Analyse politischer Kommunikation, in: Medien & Kommunikationswissenschaft, Jg. 57/2009,
Nr. 1, S. 3-22 (Standort: UuStB Köln (38)-FHM AP11550)
INHALT: "Lebenslagen und Formen der Lebensführung bestimmen darüber, ob und wie die medienvermittelte politische Kommunikation Einfluss auf politische Vorstellungen, Einstellungen und Handlungen ausübt. Auf diesen Zusammenhang stoßen sowohl die Kommunikationswissenschaft als auch die Politikwissenschaft bzw. die politische Soziologie. Der Beitrag diskutiert, inwieweit die Milieutheorie helfen könnte, den offenbar prägenden lebensweltlichen
Kontext angemessen zu erfassen. Zunächst wird bilanziert, wie die kommunikationswissenschaftliche Forschung zur politischen Kommunikation die Relevanz von Dimensionen der
Lebensführung zum Vorschein bringt. Daran schließt sich ein komplementärer Überblick an,
wie die Politikwissenschaft bzw. die politische Soziologie die Bedeutung sozialstruktureller
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7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
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Dimensionen der Lebenslage für politische Einstellungen und Handlungen kennzeichnen. Abschließend wird der Milieubegriff als konzeptionelle Klammer genutzt, um Ansätze aus beiden disziplinären Perspektiven zusammenzuführen. Damit werden Grundlagen für eine milieutheoretisch instruierte Kommunikationsforschung skizziert, die zu ermitteln versteht, wie
Formen politischer Kommunikation und. Modi politischer Partizipation ineinander greifen
und aus welchem lebensweltlichen Gefüge diese Zusammenhänge erwachsen." (Autorenreferat)
[302-L] Westle, Bettina; Gabriel, Oscar W. (Hrsg.):
Politische Kultur: eine Einführung, (Studienkurs Politikwissenschaft), Baden-Baden: Nomos
Verl.-Ges. 2009, 578 S., ISBN: 978-3-8329-3539-9
INHALT: "In diesem Lehrbuch wird in das Konzept der politischen Kultur aus Sicht der Empirischen Sozialforschung eingeführt. Neben der Darstellung des klassischen Konzepts der Politischen-Kultur-Forschung, dessen Rezeption und neueren Entwicklungen werden insbesondere
politische Legitimitätsvorstellungen und politische Unterstützung vertiefend untersucht. Diese Orientierungen der Bürger/innen gegenüber dem politischen System werden anhand repräsentativer Daten bis inklusive 2002 für die Bundesrepublik Deutschland sowie in international vergleichender Perspektive von West- und Osteuropa analysiert." (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: 1. Bettina Westle: Das klassische Konzept der Politischen Kultur (13-23); 2.
Bettina Westle: Rezeptionsgeschichte des Konzepts der Politischen Kultur (24-39); 3. Bettina
Westle: Weiterentwicklungen des Konzepts der Politischen Kultur in der empirischen Sozialforschung (40-55); 4. Katja Neller: Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Politische Gemeinschaft" (56-96); 5. S. Isabell Thaidigsmann: Aspekte politischer Kultur in Deutschland - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Politische Ordnung" (97-137); 6. Melanie Walter-Rogg: Aspekte politischer
Kultur in Deutschland - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Politische Herrschaftsträger" (138-199); 7. S. Isabell Thaidigsmann: Aspekte politischer Kultur in Deutschland - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Zusammenhänge zwischen Orientierungen gegenüber den Ebenen des politischen Systems" (200-227); 8. S. Isabell Thaidigsmann: Aspekte politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: Hierarchien politischer Unterstützung (228-246); 9. Bettina Westle: Aspekte Politischer Kultur im internationalen Vergleich - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile:
"Politische Gemeinschaft" (247-294); 10. Bettina Westle: Aspekte Politischer Kultur im internationalen Vergleich - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Politische Ordnung" (295-378); 11. Bettina Westle: Aspekte Politischer Kultur im internationalen Vergleich
- Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Politische Herrschaftsträger" (379-407);
12. Bettina Westle: Aspekte Politischer Kultur im internationalen Vergleich -Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: "Zusammenhänge zwischen Orientierungen gegenüber den
Ebenen des politischen Systems" (408-451); 13. Bettina Westle: Aspekte Politischer Kultur
im internationalen Vergleich - Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: Hierarchien
und Muster politischer Unterstützung (452-528); 14. Bettina Westle: Politische Kulturen,
Globalisierung und Europäische Union (529-578).
186
soFid Politische Soziologie 2010/2
7 Politische Kultur und Ethik, politische Eliten
[303-L] Zerfaß, Ansgar; Bentele, Günter; Oehsen, Henrik Oliver von:
Lobbying in Berlin: Akteure, Strukturen und Herausforderungen eines wachsenden
Berufsfelds, in: Axel Sell (Hrsg.) ; Alexander Krylov (Hrsg.): Government Relations :
Interaktionen zwischen Wirtschaft,Politik und Gesellschaft, Frankfurt am Main: P. Lang, 2009, S.
15-35
INHALT: Lobbying ist vor allem ein politischer Kommunikationsprozess, der sich zwischen Akteuren nicht-politischer Organisationen (Unternehmen, Verbänden, Vereinen, Gewerkschaften, Kirchen, Non-Profit-Organisationen etc.) und politischen Akteuren (Abgeordneten, Referenten, etc.) abspielt, mit dem primären Ziel, mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss auf den
politischen Entscheidungsprozess zu nehmen. Als Kommunikationsprozess besteht Lobbying
jedoch nicht nur aus der konkreten Ansprache der Entscheidungsträger, sondern schließt auch
Planung, Vor- und Nachbereitung ein. Lobbyisten werden somit, einem modernen strategischen Verständnis folgend, zu "Kommunikationsmanagern". Als solche müssen sie nicht nur
die Organisationsstrategie im Umfeld der politischen Entscheidungsträger durchsetzen, sondern auch Widerspruchspotenziale und die Anforderungen dieser Stakeholder in das Entscheidungssystem der eigenen Organisation einbringen. Lobbyisten kommt somit eine anspruchsvolle Übersetzerrolle zwischen der Politik und der eigenen Organisation zu. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über den Lobbyismus in der Bundeshauptstadt Berlin
und betrachtet verschiedene Lobbytypen im Vergleich (Unternehmenslobbying, Verbandslobbying, NPO-Lobbying, Agenturlobbying). Es werden ferner die Konturen dieses bisher unbekannten Berufsfeldes umrissen sowie Herausforderungen und Perspektiven des Lobbyismus
im politischen Prozess diskutiert. (ICI2)
Register
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Hinweise zur Registerbenutzung
Sachregister
Grundlage für das Sachregister sind die Schlagwörter, die zur gezielten Suche der Literatur- bzw.
Forschungsnachweise in unseren Datenbanken SOFIS und SOLIS vergeben wurden.
Um eine differenzierte Suche zu ermöglichen, werden dabei nicht nur die Haupt-, sondern auch
Nebenaspekte der Arbeiten verschlagwortet.
●
Bei einem maschinell erstellten Verzeichnis wie dem obigen Sachregister führt das zwangsläufig zu einem Nebeneinander von wesentlichen und eher marginalen Eintragungen.
Manche Begriffe machen erst in Verbindung mit anderen Sinn oder wechseln ihren Sinn in Abhängigkeit vom jeweiligen Zusammenhang.
●
Solche Zusammenhänge gehen aber bei einem einstufigen Register typischerweise verloren.
Vermeintliche Fehleintragungen gehen fast immer aufs Konto eines dieser beiden Effekte, die sich
bei der maschinellen Registererstellung grundsätzlich nicht vermeiden lassen.
Personenregister
Aufgeführt sind
●
bei Literaturnachweisen: alle aktiv an dem Werk beteiligten Personen;
●
bei Forschungsnachweisen: alle als Leiter, Betreuer oder wissenschaftliche Mitarbeiter
(„Autoren“) eines Projekts angegebenen Personen.
Institutionenregister
Aufgeführt sind nur die forschenden Institutionen. Institutionelle Auftraggeber, Finanzierer, Förderer oder dergleichen sind zwar in den Forschungsnachweisen selbst aufgeführt, nicht jedoch im
Register.
Sortierung
Die Sortierung folgt den lexikalischen Regeln, d.h. Umlaute werden wie der Grundbuchstabe sortiert. Numerische Angaben (z.B. „19. Jahrhundert“) sind ganz ans Ende sortiert, also hinter Buchstabe Z.
Nummerierung
Alle in den Registern angegebenen Zahlen beziehen sich auf die laufenden Nummern der Literatur- und Forschungsnachweise.
Personenregister
189
Personenregister
A
Abels, Gabriele 241
Abromeit, Heidrun 1
Ackermann, Ulrike 2
Acklin Zimmermann, Beatrice 242
Adler, Gunther 156
Adolphs, Stephan 108, 220
Albers, Hagen 243
Albert, Mathias 3
Albertoni, Giuseppe 290
Allmendinger, Bjoern 64
Anderson, Margaret Lavinia 65
Anhalt, Utz 216
Ansorg, Leonore 66
Anter, Andreas 99
Arslan, Emre 207
Asbach, Olaf 100
B
Balke, Friedrich 4
Ballensiefen, Moritz 244
Barben, Judith 101
Baringhorst, Sigrid 269
Barth-Scalmani, Gunda 290
Bausch, Christiane 297
Becker, Karina 5
Becker, Stefan 102
Beek, Ursula J. van 6
Behnke, Joachim 145, 177
Beichelt, Timm 103
Bellabarba, Marco 290
Benedictis, Angela de 290
Benser, Günter 67
Bentele, Günter 303
Berghahn, Sabine 91
Bergsdorf, Wolfgang 245
Berlemann, Michael 178
Bernstein, Frank 246, 290
Beyer, Susanne 247
Beyme, Klaus von 7
Bibouche, Gudrun 208
Bichler, Reinhold 246, 290
Biegelbauer, Peter 179
Bierbrauer, Christoph 116
Biermann, Werner 68
Binder, Dieter A. 150
Blaes-Hermanns, Nora 297
Bock, Norman 248
Bock, Olaf 209
Böhme, Alexandra 104
Botsch, Gideon 151
Bozay, Kemal 210
Brandstätter, Klaus 290
Bräuer, Marco 249
Bräuninger, Thomas 145
Brettschneider, Frank 271
Breuer, Stefan 99
Bröckling, Ulrich 8
Brunkhorst, Hauke 9, 10
Buchstein, Hubertus 11
Bukow, Sebastian 152
Buntrock, Oliver 105
Buske, Nadine 253
Butterwegge, Christoph 12
C
Cantarella, Glauco Maria 290
Chepikova, Ksenia 211
Christmann, Anna 106
Christophersen, Claas 13
Ciappelli, Giovanni 290
Corni, Gustavo 69, 246, 290
Cortina, Adela 14
D
Dahme, Heinz-Jürgen 250
Damm, Christian 251
Daphi, Priska 212
Debus, Marc 70
Deitelhoff, Nicole 107
Delitz, Heike 252
Demirovic, Alex 108, 213
Demuth, Christian 109, 110
Detterbeck, Klaus 111, 153
Detzer, Sandra 72
Deutz-Schroeder, Monika 253
Diermann, Melanie 122
Dittberner, Jürgen 154
Dittrich, Denise 155
Dobner, Petra 112
190
Personenregister
Doering, Detmar 15
Dogliani, Patrizia 290
Dose, Nicolai 105
Dreischer, Stephan 134
E
Eder, Christina 180
Eder, Klaus 212, 222
Egner, David 16
Eichhorn, Joachim Samuel
Entner, Birgit 254
Esser, Josef 113
Eversberg, Dennis 214
F
Faas, Thorsten 271
Fahrmeir, Andreas 290
Faist, Thomas 278
Faulenbach, Bernd 156
Feustel, Robert 8
Fischer, Jörn 255
Fleischer, Julia 266
Fleschhut, Ulrike 254
Fontanellaz, Barbara 215
Freudenstein, Astrid 256
Friesl, Christian 257
G
Gabriel, Oscar W. 302
Ganghof, Steffen 17
Gast, Henrik 114, 143
Gehler, Michael 157
Gehrke, Bernd 66
Geiling, Heiko 158, 214
Gerhardt, Volker 60
Gertenbach, Lars 5
Giangiulio, Maurizio 290
Giron Reguera, Emilia 91
Goerres, Achim 181
Goertz, David 18
Göhler, Gerhard 258
Gottstein, Dietrich 19
Grasl, Maximilian 72
Greven, Michael Th. 209
Grimm, Dieter 20
Groshek, Jacob 259
Grunden, Timo 115, 188
71
H
Habermas, Jürgen 21
Hacke, Jens 73, 74, 275
Hagen, Jürgen von 116
Hahn, Henning 22
Hamachers-Zuba, Ursula 257
Hamm, Marion 220
Hansen, Martin Ejnar 70
Hard, Daniel 159
Hartnuß, Birger 224
Hattler, Johannes 298
Hawel, Marcus 216
Heidenreich, Felix 56
Heinrich, V. Finn 23
Heit, Helmut 216
Heitmeyer, Wilhelm 34
Held, Josef 208
Helms, Ludger 75
Henschel, Marc 260
Hermann, Michael 198
Heußner, Hermann K. 261
Hieke, Hubert 24
Hillmer, Uwe 253
Hilmer, Richard 182, 183
Hirsch, Joachim 117
Hirschberger, Sonja-Christina 25
Hitzler, Ronald 262
Hobsbawm, Eric 26
Hoffmann-Lange, Ursula 263
Holz, Klaus 217
Hönigsberger, Herbert 264
Horst, Patrick 184
Hrbek, Rudolf 118
Huber, Sandra 265
Hug, Simon 160
Hüning, Dieter 27
Hustedt, Thurid 266
I
Immergut, Ellen
234
J
Jaeggi, Rahel 60
Jandura, Olaf 185
Janning, Frank 288
Jansen, Carlos 28
Jansen, Dorothea 119
Jesse, Eckhard 95, 161, 186, 202, 218, 248
Jestaedt, Matthias 120
Personenregister
Jörke, Dirk 29
Jun, Uwe 162
Jussen, Bernhard
191
290
K
Kailitz, Steffen 30
Kaiser, André 255
Kalata, Jesse 163
Kalvelage, Felix 187
Kannankulam, John 117
Kauffmann, Clemens 25, 35, 79, 93
Kauffmann, Heiko 217
Kausch, Stefan 121
Keller, Andrea 31
Kellermann von Schele, Dorothee 267
Kersting, Wolfgang 32, 33
Kesselmann, Sarah 76
Klages, Johanna 268
Kleger, Heinz 221
Klein, Anna 34
Klein, Ansgar 224
Klein, Thomas 66
Kleinfeld, Ralf 229
Klekowski von Koppenfels, Amanda 285
Klöde, Matthias 35
Klönne, Arno 68
Kneip, Veronika 269
Kneipp, Danuta 66
Knoll, Manuel 36, 37
Kohler, Ulrich 270
Koller, Christian 219
Kolls, Sarah 238
Kopke, Christoph 151
Korte, Karl-Rudolf
18, 122, 123, 174,
175, 188, 296
Kranenpohl, Uwe 77, 124
Kreile, Michael 163
Kreisky, Eva 38
Krimmel, Iris 189
Krippendorff, Ekkehart 39
Kritidis, Gregor 216
Kronenberg, Volker 78
Kruse, Jörn 164
Kühnel, Sebastian-Frederik 165
Kypta, Martin 79
L
Landwehr, Claudia 40
Lange, Dirk 239
Lanzke, Alice 166
Laux, Henning 5
Leidhold, Wolfgang 28
Leifeld, Philip 288
Leiße, Olaf 211
Lenco, Peter 41
Leppin, Hartmut 246, 290
Leunig, Sven 125
Ley, Richard 126
Linden, Markus 297
Linhart, Eric 190
Llanque, Marcus 42
Loeber, Anne 179
Löffler, Marion 38
Lorenz, Astrid 80
Lübbert, Daniel 191
Lübbe-Wolff, Getrude 127
Lüdtke, Rainer 197
Ludwig, Matthias 128
Lutz, Georg 192
M
Maier, Jürgen 271
Maier, Michaela 271
Maj, Barnaba 290
Malang, Thomas 288
Manca, Anna Gianna 290
Marchart, Oliver 43, 220
Maurer, Peter 272
Mayer, Tilman 44
Mayerhöffer, Eva 272
Mayer-Tasch, Peter Cornelius 129
Mazohl, Brigitte 290
Mazzolini, Renato G. 290
Meinel, Florian 193
Meise, Stephan 214
Merkle, Gudrun 208
Metz, Thomas 62
Metzner, Christiane 221
Meuwly, Olivier 130
Mewes, Horst 45
Milanesi, Marica 290
Mittendorf, Volker 273
Moser, Sonja 194
Müller, Harald 58
Müller, Miriam 253
Müller, Ulrich 274
Müller-Doohm, Stefan 46
Münkler, Herfried 131, 275, 276
192
N
Naab, Teresa 277
Nagel, Alexander-Kenneth 132
Narr, Wolf-Dieter 47
Nassauer, Anne 222
Nergiz, Devrimsel Deniz 278
Neusser, Christian 167
Nève, Dorothée de 195
Niccoli, Ottavia 290
Nida-Rümelin, Julian 48
Niederberger, Andreas 49
Niedermayer, Oskar 162, 168, 196
Nieland, Jörg-Uwe 223
Nolte, Paul 50
Notflatscher, Heinz 290
Notthoff, Thomas 81
Nullmeier, Frank 133
O
Oehsen, Henrik Oliver von 303
Olk, Thomas 224, 247
Onnen-Isemann, Corinna 256
Ostermann, Thomas 197
Ottmann, Henning 51
P
Pallaver, Günther 290
Papcke, Sven 279
Pappi, Franz Urban 198
Patzelt, Werner J. 134
Paul, Jobst 217
Perlot, Flooh 199, 280
Peters, Gunnar 82
Petersen, Andreas 83
Petersen, Thomas 185
Pfahl-Traughber, Armin 225
Pinzani, Alessandro 52
Plehwe, Dieter 274
Plumpe, Werner 69, 290
Polak, Regina 257
Porsche-Ludwig, Markus 84
Pott, Benedikt 85
Preuß, Ulrich K. 86
Priddat, Birger P. 281
Pritzlaff, Tanja 133
Q
Quasten, Rita 253
Personenregister
R
Rando, Daniela 246, 290
Raschke, Joachim 169
Raschke, Peter 209
Recker, Marie-Luise 69, 290
Regazzoni, Lisa 290
Reichard, Christoph 283
Reinecke, Jost 34
Reiners, Markus 135
Reinhardt, Jörn 53
Reitz, Tilman 5
Renzsch, Wolfgang 111
Requate, Jörg 251
Reutter, Werner 80, 136, 170
Richter, Hedwig 87
Ritzi, Claudia 54, 227
Rodoniklis, Wasilios 284
Roldan Barbero, Horacio 91
Romano, Elisa 290
Roos, Ulrich 55
Rosar, Ulrich 200
Roth, Christian Tobias 137
Rucht, Dieter 226
S
Saalfeld, Thomas 138, 285
Sack, Detlef 139
Sager, Fritz 147
Salvaterra, Carla 290
Sarti, Raffaela 290
Schaal, Gary S. 54, 56, 227
Schaub, Jörg 57
Schemer, Christian 228
Scherer, Helmut 277
Scheurle, Christoph 286
Schieren, Stefan 111
Schiller, Theo 88
Schilling, Walter 171
Schirmer, Roland 89
Schleicher, Siegfried 229
Schlumbohm, Anna 287
Schmalz-Bruns, Rainer 3
Schmalz-Jacobsen, Cornelia 258
Schmedes, Hans-Jörg 201
Schmid, Sonja 295
Schmidt, Andreas 58
Schmidt-Gleim, Meike 59
Schneider, Jan 140
Personenregister
Schneider, Volker 288
Schneiders, Thorsten Gerald 289
Schoch, Bruno 90
Schoen, Harald 190, 230
Schönberger, Klaus 231
Schönfelder, Sven 232
Schorn-Schütte, Luise 290
Schrenk, Klemens H. 141
Schroeder, Klaus 83, 253
Schroeder, Wolfgang 167
Schubert, Thomas 202
Schulz, Winfried 203
Schulze, Detlef Georgia 91
Schulze Heuling, Dagmar 83, 253
Schwarz, Hans-Peter 172
Schweitzer, Eva Johanna 291
Sciarini, Pascal 160
Sebaldt, Martin 142, 143, 144
Seibring, Anne 233
Seifert, Markus 249
Seimel, Julia 292
Seliger, Bernhard 92
Sepp, Hans Rainer 19
Sepp, Jüri 92
Shikano, Susumu 145
Shore, Jennifer 234
Sickinger, Hubert 173
Siefken, Sven T. 146, 293
Siegrist, Ulrich 242
Sigwart, Hans-Jörg 93
Skenderovic, Damir 94, 235
Soldner, Markus 141
Sombetzki, Janina 60
Späti, Christina 94
Speth, Rudolf 236, 237
Spöhr, Holger 238
Staadt, Jochen 83
Steffek, Jens 107
Steinmetz, Willibald 251
Stimpel, Thomas 247
Stöter, Joachim 239
Strohmeier, Gerd 165
Sutter, Ove 231
Suttner, Bernhard G. 294
Switek, Nico 174
T
Tenscher, Jens 295
Terhorst, Stephan 296
193
Thaa, Winfried 297
Thiele, Ulrich 61
Thomas, Hans 298
Tils, Ralf 169
Treibel, Jan 175
Tuchscheerer, Heike 95
U
Uster, Hanspeter
242
V
Varone, Fédéric 147
Vatter, Adrian 147
Veit, Sylvia 266
Vogel, Lars 299
Völkl, Kerstin 204
Vorländer, Hans 227
Voss, Kathrin 300
W
Wagschal, Uwe 62
Walk, Heike 213
Walther, Christian 258
Wamhof, Georg 97
Wassermann, Heinz P. 150
Weiß, Ralph 301
Wendland, Susanne 205
Wengst, Udo 98
Wentker, Hermann 98
Wenzelburger, Georg 148
Werth, Christoph H. 63
Westle, Bettina 302
Wiesendahl, Elmar 162
Willner, Roland 149
Winkler, Jürgen R. 206
Winter, Thomas von 240
Wisotzki, Simone 58
Wissel, Jens 117
Wohlfahrt, Norbert 250
Wolf, Frieder Otto 91
Wolling, Jens 249
Wrobel, Ralph M. 92
Wunderlich, Carmen 58
Y
Yurdakul, Gökce
Z
Zander, Daniel
287
284
194
Zandonella, Martina 199
Zerfaß, Ansgar 303
Personenregister
Sachregister
195
Sachregister
A
Abgeordneter 191, 198, 255, 264, 278,
285, 299
Absolutismus 27
Abstimmung 70, 126, 201, 273
Adel 37
Adenauer, K. 172
Affektivität 228
Afrika 118
Afrika südlich der Sahara 118
agenda setting function 249
Akteur 124, 229, 266, 267, 292, 303
Aktienmarkt 178
Aktionär 178
Alliierte 86
alter Mensch 181
Altersgruppe 186
altersspezifische Faktoren 181
Altersstruktur 196
Althusser, L. 117, 215
Ambivalenz 230
Amerikanisierung 292
Amt 255, 262
Anarchie 113
Anerkennungspolitik 106
angewandte Wissenschaft 281
Angst 290
Anomie 232
Anschluss 254
Anthropologie 29, 33
Antifaschismus 90, 215, 238
Antikapitalismus 5
Antike 29, 32, 37, 42, 69, 252, 290
Antirassismus 219
Antisemitismus 151, 217, 232
Arbeitgeberverband 288
Arbeitnehmer 208, 214
Arbeitnehmerinteresse 264
Arbeitnehmerorganisation 208
Arbeitslosengeld 149
Arbeitslosigkeit 24, 57
Arbeitsmarktpolitik 149, 224
Arbeitsrecht 66
Arbeitswelt 5, 257
Architektur 252
Arendt, H. 13, 29, 45, 60, 62, 63, 93
Aristoteles 36, 37, 62
Armut 22, 57, 297
Askese 5
Asylpolitik 242
Asylrecht 228
Aufklärungszeitalter 7, 51, 219
Aufmerksamkeit 166, 254
Ausgaben 173
Ausländer 207, 242, 297
Ausländerfeindlichkeit 211, 217, 232, 238,
242
Außenpolitik 20, 80, 95, 155, 282
außerparlamentarische Opposition 216
Autonomie 40, 58, 103, 266, 268
Autoritarismus 232
B
Baden-Württemberg 135, 253
Bank 105
Barbarei 246, 290
Basisdemokratie 179
Bayern 128, 135, 253
Befreiung 215
Begriffsbildung 44
Behörde 115, 135, 281
Benachteiligtenförderung 194
Benachteiligung 194
Benutzerforschung 249
Berater 101, 272
Beratung 140, 281
Beratungsgremium 140
Berichterstattung 97, 185, 223, 228, 244,
256, 271, 284, 295
Berlin 83, 272, 274, 303
Beruf 262
berufliches Selbstverständnis 245
Berufsbild 262
Berufsfeld 303
berufstätige Frau 208
Berufstätigkeit 206
Berufsverlauf 299
Bestandsaufnahme 126, 193, 280
Beteiligung 213, 300
Beurteilung 198
196
Bevölkerung 161, 230, 238, 251, 257
Bevölkerungsgruppe 66
Bevölkerungspolitik 121
Bewusstsein 253, 275
Bibliographie 288
bilaterale Beziehungen 172
Bildung 98
Bildungspolitik 111, 224
Bindung 203
Biopolitik 242
Bologna-Prozess 132
Börse 178
Bourdieu, P. 268
Boykott 157, 231
Brandt, W. 71, 286
Bremen 187, 205
Budget 148
Bundeskanzler 114, 115, 137, 138, 149,
230, 256, 271
Bundesland 126, 135, 136, 170, 180, 204,
224
Bundespolitik 204
Bundespräsident 115
Bundesrat 102, 111, 118, 170
Bundesregierung 96, 137, 149, 157, 266
Bundesstaat 20, 111, 118, 136, 153, 170
Bundestag 102, 109, 110, 134, 146, 172,
255, 264
Bundestagswahl 85, 138, 161, 166, 177,
182, 183, 185, 186, 187, 191, 193,
197, 198, 201, 203, 204, 243, 244,
256, 260, 271, 291, 292, 295
Bundesverfassungsgericht 80, 124, 127,
137, 177, 191, 198, 227
Bundeswehr 229
Bund-Länder-Beziehung 71
Bündnis 90/ Die Grünen 174, 186, 187,
190, 260
Bürger 42, 47, 57, 63, 73, 84, 112, 182,
203, 234, 300
Bürgerbeteiligung 73, 128, 179, 205, 250,
265
Bürgerbewegung 88
bürgerliche Gesellschaft 47, 51, 57, 73,
100, 117
Bürgerrecht 239
bürgerschaftliches Engagement 209, 221,
224, 250
Bürgertum 224
Sachregister
C
CDU 71, 85, 138, 161, 165, 167, 172, 182,
184, 186, 187, 190, 191, 197, 202,
206
Chancengleichheit 33, 57, 193, 294
chemische Industrie 288
Christ 217
christdemokratische Partei 157, 165, 186
Christentum 69
Computer 258
computervermittelte Kommunikation 258,
292
Coping-Verhalten 290
CSU 71, 85, 138, 167, 172, 182, 186, 191
D
Dahrendorf, R. 73, 74
Datengewinnung 23
DDR 2, 66, 77, 80, 82, 86, 89, 90, 98, 134,
171, 248, 253
Deliberation 10, 14, 18, 32, 40, 46, 56,
147, 163, 297
deliberative Demokratie 14, 18, 21, 40, 46,
54
Demokratieverständnis 6, 8, 9, 10, 17, 30,
47, 61, 64, 84, 112, 133, 150, 179,
199, 239
demokratisches Verhalten 34, 52, 179, 265
Demokratisierung 1, 6, 9, 38, 46, 54, 58,
77, 79, 127, 133, 150, 179, 213, 249,
265
Demonstration 231
Deregulierung 12
Derrida, J. 8, 107
Deutscher Reichstag 65, 70
deutschsprachige Schweiz 235
Dewey, J. 93
Dezentralisation 164, 250
Dialog 243
Dichtung 39
Die Grünen 197, 206
digitale Spaltung 265
Digitalisierung 2, 18
Diktatur 30, 69
direkte Demokratie 101, 106, 128, 147,
160, 205, 243, 268, 273
Diskussion 159, 190, 271
Dominanz 58
Sachregister
Doppelrolle 255
Drittes Reich 68, 251, 254
Druckmedien 284
E
Effektivität 281
Effizienzanalyse 281
Egalitarismus 37
Ehrenamt 209, 250
Eigentumsverhältnisse 88, 154
Einnahmen 173
Einrichtung 209
Electronic Government 243, 265
elektronische Demokratie 11, 243
elektronische Medien 269
Elite 6, 90, 263, 281
Emotionalität 212, 294
Empirie 116
empirische Sozialforschung 178, 302
Engagement 194, 209
Entgrenzung 3
Entscheidungsfindung 40, 48, 89, 109,
132, 140, 273, 303
Entscheidungsprozess 122, 124, 128, 149,
167, 174, 175, 213
Entscheidungsspielraum 137
Entstaatlichung 293
Erhard, L. 172
Erinnerungskultur 97
Erkenntnis 251
Ermessensfrage 137
Erster Weltkrieg 76
Erwerbstätiger 199
Erziehung 52
ESVP 163
Ethik 8, 14, 32, 43, 51, 100, 217, 283
ethnische Gruppe 285
EU-Beitritt 157
EU-Erweiterung 171
EU-Politik 102, 157, 224
europäische Integration 68, 86, 103, 109,
110, 224
Europäische Kommission 102
Europäisches Recht 261
europäische Zusammenarbeit 102
Europäisierung 103, 110, 118, 176
Europaparlament 69, 107, 238
Europapolitik 111
Europarat 69, 134
197
Eurozentrismus 42
EU-Staat 102, 224
EU-Vertrag 110, 227
Event 220
Evolution 110
Evolutionstheorie 25
Exekutive 104, 255, 294
Exklusion 297
Expertenbefragung 237
F
Fairness 177
Familie 194, 253, 257
Familienpolitik 121, 224
Faschismus 69
FDJ 184
FDP 88, 138, 154, 155, 175, 182, 186,
197, 206, 260
Feminismus 117
Fernsehen 185, 223, 228, 286
Fernsehsendung 271
Fichte, J. 35
Film 282
Finanzausgleich 71, 111
Finanzkrise 1, 2, 12, 46, 105, 283
Finanzpolitik 148
Finanzverfassung 71
Finanzwirtschaft 147
Flexibilität 12, 47
Flüchtlingspolitik 217
Föderalismus 95, 111, 116, 125, 130, 136,
143, 145, 147, 153, 204, 224
Förderung 221
Forschungsansatz 22, 72, 108, 194, 267
Forschungsdefizit 116
Forschungseinrichtung 237
Forschungspolitik 237
Fotografie 244
Foucault, M. 117
Fragmentierung 176
Fraktion 172, 255
Fraktionsdisziplin 172
Französische Revolution 61
französischsprachige Schweiz 235
Frau 37, 186, 241
Frauenbewegung 216
Frauenbild 289
Frauenförderung 241
Frauenpolitik 241
198
Freiheit 2, 10, 15, 31, 33, 39, 45, 50, 51,
57, 61, 63, 88, 154, 298
Freiheitsrecht 2, 15
Freizeitsektor 209
Fremdheit 297
Frieden 25, 51
Führungskraft 281
Führungsposition 241
Führungsstil 114, 115, 143, 149
Fundamentalismus 289
Fußball 282
G
Gaullismus 172
Gedenkstätte 253
Gedenktag 254
Gefährdung 101
Gegenöffentlichkeit 235
Gegenwart 48
Geheimdienst 66
Gehorsam 279
Geisteswissenschaft 44
gemeinnützige Arbeit 209
Gemeinschaft 8, 19, 34, 62
Gemeinsinn 250
Gemeinwesen 25, 250, 262
Gemeinwohl 37, 298
Gerechtigkeit 22, 36, 37, 49, 53, 57, 58,
100, 177, 212
Gerichtsentscheidung 124
Geschichtsbewusstsein 97
Geschichtsbild 248, 253
Geschichtsphilosophie 51
Geschichtsschreibung 290
Geschichtsunterricht 290
Geschichtswissenschaft 76, 290
Geschlecht 186, 206
Geschlechterpolitik 80
Gesellschaftsbild 33, 59, 117, 121
Gesellschaftskritik 1, 10, 113
Gesellschaftsordnung 32, 48, 79, 95, 276
Gesellschaftspolitik 29, 88, 250
Gesellschaftstheorie 10, 46, 113
Gesetzentwurf 190
Gesetzgebung 71, 77, 110, 118, 125, 146,
191
gesetzliche Regelung 106, 191, 274
Gesetzmäßigkeit 16
Gespräch 245
Sachregister
Gesundheit 5
Gewalt 26, 58, 222, 238, 290
Gewaltbereitschaft 238
Gewaltenteilung 61, 75
Gewaltmonopol 20
Gewerkschaft 167, 206, 213, 214, 233, 264
Gewerkschaftsarbeit 214
Gewerkschaftspolitik 148
Glaube 298
Glaubensfreiheit 50, 57, 242
Glaubwürdigkeit 171, 260
Gleichgewicht 138
Gleichgewichtsmodell 17
Gleichheit 36, 37, 87, 191, 198
Gleichstellung 241
Global Governance 3, 41, 50, 107, 127,
133
Globalisierung 1, 3, 8, 9, 26, 41, 44, 49,
112, 127, 130, 133, 157, 176, 213,
222, 226, 267, 302
Global Player 26
Glück 32
Gouvernementalität 59, 121
Governance 104, 107, 119, 139, 140, 141,
149, 170, 205, 213, 224, 281, 293
Gramsci, A. 117, 282
Große Koalition 71, 85, 96, 149, 172
Grundgesetz 72, 79, 80, 84, 86, 164, 191,
227
Grundrecht 15, 47, 61, 107
H
Habermas, J. 10, 14, 21, 46, 50, 73, 268
Hamburg 128
Handlungsfähigkeit 47, 71
Handlungsspielraum 114, 116, 137, 143,
225, 266
Handlungstheorie 292
Harmonisierung 111
Hartz-Reform 159
Hausaufgabe 156
Haushaltskonsolidierung 148
Hayek, F. 33
Hegel, G. 10, 35, 57, 107
Hegemonie 13, 26, 30, 79, 215
Hermeneutik 28, 93, 289
Herrschaft 27, 29, 30, 37, 49, 59, 63, 66,
252, 290
Hessen 135, 158, 197
Sachregister
Hierarchie 139, 302
historische Analyse 37, 57, 235
historischer Materialismus 24
Hobbes, T. 20, 27, 31, 52, 100
Hochschule 5, 216
Hochschulpolitik 132
homo oeconomicus 62
Humanisierung 42
Humanismus 42, 45, 69
humanitäre Intervention 42, 58
Humanität 44, 45
Hume, D. 100
I
Ideengeschichte 4, 20, 42, 74, 87, 279
Identifikation 34, 90, 194, 203, 252
Identität 156, 227, 246
Identitätsbildung 90, 212, 227
Ideologie 33, 59, 64, 90, 94, 151, 192,
215, 225, 226, 238
Ideologiekritik 38, 282
IG Metall 214
Image 166
Implementation 119
Individualisierung 33, 47, 50
Individualismus 32
Individualität 289
Individuum 15, 48, 62, 63, 76, 279
Industriegesellschaft 142
Industriestaat 142, 259
Informationsgesellschaft 166
Informationsgewinnung 245
Informationsmittel 203
Informationstechnik 280
Informationstechnologie 18
Informationsvermittlung 277
Informatisierung 285
informelle Struktur 213
Infrastruktur 226
Inklusion 13, 297
Innenpolitik 111
innerdeutsche Beziehungen 90, 98
innere Sicherheit 111
innerparteiliche Gruppierung 158
Institutionalisierung 139
Institutionalismus 72, 113
institutionelle Faktoren 14, 17, 95, 116,
122, 287
institutioneller Wandel 89, 110, 132
199
Institutionenökonomie 281
Instrumentalisierung 42, 101, 112, 219,
231
Intellektueller 80
Interaktionsmuster 115
interaktive Medien 243, 249, 280
interdisziplinäre Forschung 116
Interessengruppe 236, 240, 249, 274, 294
Interessenkonflikt 25
Interessenpolitik 213, 236, 240, 274, 288,
300
Interessenvertretung 229, 236, 297, 303
internationale Beziehungen 3, 44, 55
internationale Organisation 201
internationale Politik 3, 103, 133
internationales Regime 3
internationales System 3
internationale Zusammenarbeit 213
Internationalisierung 127, 160
Internet 5, 18, 243, 249, 258, 259, 265,
280, 285, 291, 292, 300
Invasion 290
Islam 106, 210, 242, 261, 277, 289
Islamismus 217
J
Japan 288
Journalismus 223, 244, 245, 258, 284
Journalist 272
Judentum 217
Judenverfolgung 217, 251, 254
Judikative 294
Jugend 194, 199
Jugendarbeit 194
Jugendforschung 194
Jugendhilfe 194
Jugendlicher 199, 207, 217, 223, 253
Justiz 216
K
Kambodscha 71
Kampagne 228, 267, 269, 300
Kandidatur 230, 244, 256, 271
Kant, I. 14, 31, 51, 52, 100
Kanton 106, 130
Kapitalismus 1, 5, 9, 12, 24, 46, 88, 108,
113, 156, 215, 225
Karikatur 277
Karriere 255, 263, 278, 299
200
Kirche 98, 209, 242, 257
Klassenkampf 59
Kleidung 231
Knappheit 33
Koalition 71, 96, 138, 169, 170, 171, 182,
183
Koalitionsbildung 85, 145
Koalitionspolitik 85
Koexistenz 25
Kognition 228
kognitive Fähigkeit 203
Kohl, H. 172, 286
Kollektiv 48, 251, 275
kollektive Identität 212
Kollektivverhalten 273
Kollektivverhandlung 288
Kommission 140, 297
Kommunalpolitik 118, 224, 288
Kommunikation 14, 101, 262, 272
Kommunikationsmedien 18, 269
Kommunikationsmittel 275
Kommunikationspolitik 260
Kommunikationstechnologie 18, 280
Kommunikationstheorie 284
Kommunikationsverhalten 275
Kommunikationswissenschaft 301
kommunikatives Handeln 46, 273
Kommunismus 67, 98, 215, 248
kommunistische Partei 215
Kommunitarismus 32, 56
Kompensation 191
Kompetenzverteilung 111, 112
Komplexität 123
Konfliktregelung 29, 115
Konkordanzdemokratie 147
Konservatismus 235, 238
konservative Partei 121, 148
Konsolidierung 148
Konstitutionalismus 6
Konstrukt 76
Konsum 166
Konsumgesellschaft 166
Konterrevolution 94
Kontingenz 104
Kontrakttheorie 27, 48, 61
Konvergenz 202
Koordination 102, 139
Korporatismus 240
Korruption 173, 283, 294
Sachregister
Kosmopolitismus 13, 22, 42, 51
Kosten 82
KPD 67
Krankheit 142
Krieg 26, 58, 290
Kriegsschuld 290
Kriegsverbrechen 290
Krise 9, 12, 161, 165, 182, 268
Kritische Theorie 10, 46, 216, 282
Kultur 6, 21, 39, 42, 93, 210, 235, 252
Kulturerbe 98
Kulturindustrie 5, 282
Kulturkampf 235
Kulturkonflikt 98
Kulturpessimismus 235
Kulturphilosophie 93
Kulturwandel 269
Kundenorientierung 260
Künstler 223
L
Laizismus 50
Landespolitik 204
Landesregierung 96, 170
ländlicher Raum 247
Landtag 126, 190, 296
Landtagswahl 126, 150, 158, 184, 190,
197, 200, 202, 204, 206, 295
Lebensalter 206
Lebensbedingungen 232
Lebensstil 32
Lebensweise 32
Lebenszyklus 138, 181
Legislative 109, 118, 125, 294
Legislaturperiode 138
Legitimation 9, 20, 27, 29, 30, 49, 54, 59,
61, 73, 77, 90, 107, 124, 128, 137,
164, 219, 229, 279, 290
Legitimität 14, 20, 54, 93, 107, 133, 290,
302
Lehre 2
Leiharbeit 5
Leistung 6
Leistungsfähigkeit 144, 165
Leitbild 3, 119, 221
lernende Organisation 110, 267
Lernfähigkeit 110
Lernprozess 110, 194
Lerntheorie 110
Sachregister
liberale Partei 155
Liberalisierung 12, 77, 283
Liberalismus 2, 12, 14, 32, 33, 51, 56, 57,
73, 74, 88, 100, 154
Linksradikalismus 215, 218
Literatur 39
Lobby 213, 236, 274, 293, 300, 303
Logik 28, 272
Lohnpolitik 149
Loyalität 55
Luhmann, N. 117
M
Maastrichter Vertrag 110
Machiavelli, N. 33, 52, 101, 276
Macht 8, 9, 29, 59, 68, 123, 165, 215,
219, 258, 268, 288, 290, 294
Machtkampf 276
Machtsicherung 123
Machtverfall 127
Management 123, 221, 267
Manipulation 101
Mann 37
Mannheim, K. 215
Männlichkeit 282
Mao Tse-tung 216
Marcuse, H. 216
Markenartikel 166
Markenpolitik 260
Marketing 166, 260
Markt 2, 9, 33, 112
Marktorientierung 1, 5, 74, 178, 260
Marktwirtschaft 1, 2, 5, 57, 73, 154
Marx, K. 5, 117, 215, 216
Marxismus 24, 108, 113, 117, 248
Marxismus-Leninismus 90
Massenmedien 97, 228, 259, 271
Materialismus 108, 113, 117
Medien 147, 185, 203, 217, 243, 253,
256, 258, 267, 272, 280, 284
Mediengesellschaft 236, 292
Medientheorie 284
Mehrebenensystem 111, 118, 163
Mehrheitsprinzip 40
Mehrheitswahl 40, 191, 198
Mehrparteiensystem 153, 161, 167, 176
Meinungsbildung 163
Meinungsfreiheit 277
Menschenbild 37, 62, 81, 101, 156, 289
201
Menschenrechte 47, 58, 107, 298
Menschenrechtsverletzung 9
Menschenwürde 19, 42, 88
Merkel, A. 149, 244, 286
Metapher 4, 288
Migrant 278, 287
Migration 5, 24, 207
Migrationspolitik 140
Militär 229, 290
Militarisierung 68
Mill, J. 2, 100
Minderheit 106, 285
Minderheitenrecht 106
Mindesteinkommen 149
Minister 255, 299
Ministerium für Staatssicherheit 83
Ministerpräsident 126, 184, 206
Mitläufer 97
Mittelalter 7, 276, 290
Mitteleuropa 144
Mobilisierung 30, 169, 300
Mobilität 47
Mode 231
Modellentwicklung 119, 288
Moderne 7, 29, 32, 42, 56, 219, 235, 246
Modernisierung 50, 135, 150, 242, 267,
283
Monarchie 27, 30, 276, 290
Monopol 164
Moral 2, 14, 15, 22, 33, 107, 216, 279
Motiv 35, 183
multikulturelle Gesellschaft 50, 242
Musik 39, 223, 231
Musiker 223
Muslim 242, 289
Mythos 207
N
Nachbarschaft 19
Nachhaltigkeit 281
Nachkriegsgesellschaft 251
Nachkriegszeit 7, 67, 68, 74, 78, 92
Nation 9, 21, 61, 78, 90, 282
Nationalbewusstsein 26, 150, 210, 282
nationale Entwicklung 91
nationale Identität 46, 78, 80, 95, 210, 282
nationale Politik 163
Nationalismus 26, 28, 78, 94, 207, 210,
282
202
Nationalsozialismus 69, 97, 217, 253
Nationalstaat 3, 20, 46, 57, 80, 103, 107,
127, 144
Naturalismus 42
Naturrecht 27, 37, 84
Neokonservatismus 121
Neoliberalismus 1, 12, 24, 46, 74, 92,
112, 113, 154, 225, 226, 268
Neonazismus 207
Netzwerk 132, 157, 288
Netzwerkanalyse 288
neue Medien 300
Neue Politische Ökonomie 178
Neue Rechte 235
Neukantianismus 51
Neuzeit 7, 39, 52, 276
New Economy 268
nichtstaatliche Organisation 213, 237, 303
Nichtwähler 195
Niedersachsen 135, 158, 214
Nietzsche, F. 33
Nomade 252
Non-Profit-Organisation 221, 237
Nordrhein-Westfalen 135, 253, 272, 296
Norm 58
Normalität 282
Normativität 10, 21, 49, 133, 298
Normsetzung 53
Notstandsgesetz 71, 76, 216
NPD 151, 211, 218
O
OECD-Staat 142
öffentliche Aufgaben 114, 125, 156
öffentliche Kommunikation 297
öffentliche Ordnung 26
öffentlicher Haushalt 148
öffentliches Gut 19
öffentliche Verwaltung 80, 283
Öffentlichkeit 63, 100, 112, 235, 236,
245, 249, 251, 268, 272, 275, 284
Öffentlichkeitsarbeit 272, 274, 292
Ökologie 5, 129
Ökonomie 5, 19, 98, 281
ökonomische Theorie 24
Ökonomisierung 46, 112, 260, 283
Online-Dienst 265
Online-Medien 265, 292
Ontologie 43
Sachregister
Opfer 97
Opposition 66, 96, 138, 146, 151, 169,
172, 184, 206
Ordnungspolitik 29, 92, 250
Ordoliberalismus 74, 92, 154
Organisation 89, 109, 134, 167, 210, 225,
229
Organisationen 208, 211, 226
Organisationsentwicklung 67, 152, 162
Organisationsform 209, 266
Organisationsstruktur 67, 142, 162, 218
organisatorischer Wandel 135, 152, 162
Österreich 69, 106, 118, 148, 150, 157,
173, 199, 254, 257, 269
Ostmitteleuropa 92, 238
Ostpolitik 172
Ost-West-Vergleich 208
OSZE 201
Outsourcing 119
P
Paradigma 48, 135
Parlament 70, 77, 102, 106, 109, 110, 118,
126, 127, 134, 141, 144, 146, 177,
190, 241, 255, 288
parlamentarischer Ausschuss 145, 193
Parlamentarismus 77, 118, 126, 134, 136,
143
Parlamentsdebatte 296
Parteianhänger 152, 178
Parteipolitik 67, 88, 148, 152, 155, 157,
160, 163, 174, 175, 202, 218
Parteitag 159
Partikularismus 22
Partizipation 13, 30, 34, 41, 46, 73, 139,
179, 194, 221, 265
Pathologie 142
Patriotismus 78
PDS 202, 218
Peer Group 194
Persistenz 251
Pflege 224
Pflicht 279
Phänomenologie 19, 93
Philosophie 46, 252
Platon 36
Pluralismus 30, 32, 50, 57, 113, 168, 236,
240, 242, 298
Politikberatung 237, 266, 281, 288, 293
Sachregister
Politiker 132, 171, 200, 230, 245, 262,
264, 278, 286, 299
Politikfeld 115, 139
Politikverdrossenheit 161
Politikvermittlung 69, 267, 268
Politikwissenschaft 7, 8, 38, 80, 81, 100,
113, 117, 147, 149, 260
politisch-administratives System 147,
236, 266
politische Agenda 166, 235
politische Aktivität 278, 300
politische Bewegung 64, 91, 94, 151, 207,
209, 226, 290
politische Beziehungen 6, 150, 192, 268
politische Elite 37, 150
politische Entscheidung 48, 54, 89, 104,
109, 122, 128, 145, 174, 175, 261,
273, 303
politische Entwicklung 16, 87, 94, 96,
140, 142, 155, 159, 165, 176, 202
politische Führung 114, 143, 150
politische Gruppe 192
politische Herrschaft 4, 39, 192, 276, 279,
302
politische Ideologie 207, 218
politische Institution 54, 75, 89, 109, 132,
134, 149, 150, 152, 164
politische Integration 270
politische Kommunikation 6, 14, 18, 69,
122, 140, 243, 245, 246, 249, 252,
267, 272, 273, 275, 280, 281, 284,
285, 288, 290, 295, 297, 301, 303
politische Kontrolle 119, 127
politische Krise 77, 158, 165
politische Kultur 39, 65, 78, 79, 92, 95,
107, 110, 147, 151, 171, 207, 235,
242, 254, 265, 302
politische Linke 94, 160, 167, 169, 171,
176, 186, 225, 231, 268
politische Macht 4, 39, 102, 108, 109,
123, 134, 144, 160, 164, 165, 172,
279
politische Mitte 80, 159, 160, 176
politische Ökonomie 1, 2, 24, 100, 113
politische Partizipation 128, 147, 158,
194, 195, 205, 224, 234, 241, 249,
269, 270, 278, 287, 297, 300, 301
politische Philosophie 4, 7, 8, 14, 15, 19,
22, 27, 29, 31, 32, 37, 43, 45, 46, 48,
203
49, 51, 57, 61, 84
politische Planung 113, 147
politischer Akteur 17, 135, 187, 190, 213,
230, 292, 296, 300
politische Rechte 2, 94, 160, 176, 207, 232
politische Reform 145
politischer Einfluss 102, 122, 160, 233,
264, 297, 303
politische Richtung 169
politischer Prozess 303
politischer Wandel 66, 80, 110, 132, 155,
168, 187, 239, 272, 299
politisches Bewusstsein 203
politisches Handeln 29, 63, 114, 122, 143,
155, 215, 247, 262, 264, 276, 279
politisches Interesse 229
politische Sozialisation 147
politisches Programm 67, 88, 151, 155,
159, 160, 167, 202, 215, 218
politische Steuerung 104, 105, 116, 119,
132, 140
politische Strategie 169, 174, 233
politisches Verhalten 17, 178, 234
politische Theorie 2, 4, 7, 11, 14, 16, 17,
21, 22, 23, 27, 28, 37, 38, 40, 43, 45,
46, 49, 51, 52, 53, 55, 56, 57, 60, 63,
84, 93, 99, 120, 129, 200, 215, 293
politische Unterstützung 302
politische Verhandlung 85
politische Willensbildung 18, 54, 71, 84,
109, 127, 128, 132, 240
Politisierung 38, 54, 91, 219, 289
Polizei 83
Popkultur 223, 282
Popmusik 223
Populismus 176, 232
postkommunistische Gesellschaft 92
Postmoderne 56
postsozialistisches Land 92, 238
Präsidialsystem 143
Prävention 261
Preispolitik 260
Prekariat 220
Prekarisierung 220
Presse 100, 244, 256, 272, 277, 295
Pressekonferenz 272
Pressesprecher 272
Privatisierung 119, 237
Problembewältigung 131
204
Produktionsverhältnisse 24
Produktivkraft 24
Produktpolitik 260
Professionalisierung 162, 166, 262, 267
Prognose 178
Propaganda 151, 211
Protestbewegung 12, 220, 222, 223, 226,
269
Protestverhalten 222
Prozessmanagement 281
Public Private Partnership 139
Q
Qualifikation 273
Quellenanalyse 289
Quotierung 241
R
Radikaldemokratie 10
Radikalismus 95
Randgruppe 297
Rasse 219
Rassenpolitik 219
Rassenproblem 219
Rassismus 59, 210, 219, 238
Rätebewegung 64
Rational-Choice-Theorie 14, 48
Rationalität 48, 281
Rawls, J. 14, 51, 57
Recht 14, 31, 45, 53, 59, 91, 100, 107,
224, 279
rechtliche Faktoren 137
Rechtsanwendung 15
rechtsextreme Partei 79, 208, 225, 231
Rechtsgrundlage 261
Rechtslage 126
Rechtsnorm 120
Rechtsphilosophie 10, 51, 53
Rechtspolitik 120
Rechtsprechung 177
Rechtsradikalismus 151, 207, 208, 211,
217, 218, 232, 238, 247
Rechtssicherheit 190
Rechtsstaat 4, 21, 31, 46, 49, 73, 76, 91,
129, 131, 261
Rechtstheorie 21, 117
Rechtsvergleich 126
Rechtsverordnung 105
Reformation 7
Sachregister
Reformbereitschaft 105
Reformpolitik 224, 264
Regelung 193
Regierung 17, 27, 59, 85, 96, 103, 114,
119, 121, 122, 138, 143, 144, 146,
159, 182, 205, 241, 255
Regierungsbezirk 135
Regierungsbildung 71, 85, 126, 138, 176,
184, 198, 206
Regierungspolitik 71, 96, 121, 126, 137,
148, 149
Region 214, 251
regionale Identität 227
regionale Verteilung 196
Regionalpolitik 118
Regression 197
Regressionsanalyse 197
Regulierung 105, 119
Reichweite 251, 290
Rekrutierung 299
Religion 9, 21, 50, 100, 106, 217, 242,
257, 298
Religionsgemeinschaft 242
Religionszugehörigkeit 206
religiöse Bewegung 242
religiöse Faktoren 289
religiöse Gruppe 289
Religiosität 242
Renaissance 12
Repräsentation 61, 118, 144, 163, 241,
262, 268, 273, 276, 279, 285, 297
repräsentative Demokratie 106, 147, 160,
285
Repräsentativität 164
Repression 66
Republikanismus 32
Republik Südafrika 118
Ressourcen 229
Revolution 8, 51, 90, 94, 235
Rheinland-Pfalz 135
Richter 124
Rockmusik 223
Rollenbild 112
Rousseau, J. 10, 14, 52
Rüstungskontrolle 58
S
Saarland 206
Sachsen 202
Sachregister
Sachsen-Anhalt 214, 253
Säkularisierung 50, 242
schichtspezifische Faktoren 270
Schleswig-Holstein 184, 190
Schröder, G. 244, 286
Schule 194, 253
Schüler 199, 239, 253
Schülerin 253
Schweiz 17, 94, 101, 106, 130, 145, 147,
160, 192, 215, 228, 235, 242, 261,
269, 273
SDS 64
SED 77, 83
Selbstbestimmung 88
Selbstbewusstsein 47
Selbstdarstellung 286, 291
Selbstorganisation 216
Selbstverständnis 146, 264
Senat 118
Sicherheit 31
Sicherheitspolitik 58, 80
Sinn 19, 262
Situation 222
Smith, A. 33
Soldat 229
Sozialarbeit 209
Sozialausgaben 148
Sozialdemokratie 148, 156, 157
sozialdemokratische Partei 121, 159, 165
soziale Anerkennung 35
soziale Anziehung 200
soziale Bewegung 209, 210, 212, 213,
216, 220, 222, 223, 224, 226, 231,
249
soziale Beziehungen 214, 257
soziale Dienste 224
soziale Differenzierung 192
soziale Frage 225
soziale Gerechtigkeit 53, 215
soziale Integration 232
soziale Konstruktion 212
soziale Marktwirtschaft 73, 74, 88, 92,
154
soziale Norm 80
soziale Position 263
sozialer Konflikt 59, 231
sozialer Raum 194, 252
sozialer Wandel 52, 73, 80, 232, 276
soziales Milieu 151, 214, 253, 301
205
soziales Netzwerk 249, 288
soziale Umwelt 151, 253
Sozialforschung 23
Sozialgeschichte 7
Sozialisation 90, 181
Sozialismus 51, 90, 117, 248
Sozialkapital 158
Sozialordnung 33, 79
Sozialpolitik 111, 159, 167, 242
Sozialstaat 33, 111
Sozialstaatsprinzip 167
Sozialstruktur 184, 195, 196, 301
Sozialwissenschaft 17, 44
Sozialzeit 221
sozioökonomische Entwicklung 142
Spätaussiedler 211
Spätkapitalismus 5
SPD 71, 85, 121, 156, 158, 159, 161, 165,
166, 167, 169, 171, 182, 183, 184,
186, 187, 190, 191, 197, 202, 206,
216
Spieltheorie 138
Sport 98, 282
Sprache 69, 101, 296
Sprachgebrauch 69, 296
Sprechen 251
Staatenbund 118
staatliche Einflussnahme 72, 83
Staatlichkeit 121
Staatsapparat 252
Staatsform 27, 75, 141, 240, 259
Staatsfunktion 108, 112
Staatsgewalt 20, 27, 51, 108, 279
Staatsphilosophie 31, 81, 100
Staatsrecht 27, 81, 126
Staatstheorie 31, 51, 61, 76, 81, 99, 100,
108, 112, 113, 117, 129
Stabilität 72, 123
Stakeholder-Ansatz 24
Ständestaat 276
Steiermark 150
Stiftung 237
Strafe 100
Strafprozess 97
Strafrecht 27, 66
Streik 231
Strukturmodell 252
Strukturwandel 119, 161, 162
Student 83, 239
206
Sachregister
Studentenbewegung 64, 94, 216, 222
Supranationalität 41, 86
Symbol 90, 231, 252, 262
symbolische Politik 146
Systemstruktur 144
Systemtheorie 292
Systemvergleich 98
T
Tageszeitung 223, 244, 254, 256
Talkshow 223
Tanz 5
Täter 97
Tätigkeit 156
technischer Wandel 269
Technokratie 73
Terrorismus 26, 58, 91, 145
Theatralität 286
Theoriebildung 22, 38, 220, 301
Theorie-Praxis 190, 215
Theorievergleich 28
Think Tank 237, 274
Thüringen 253
Tod 290
Toleranz 6, 32, 50, 242
Tradition 30, 289
transatlantische Beziehungen 80, 172
Transformation 92
Transparenz 274
Tugend 32, 34
Türke 207, 210
Typologie 17, 28, 30, 168, 296, 303
U
Überhangmandat 177, 182, 190, 191, 198
Umfrageforschung 185
Umwelt 224
Umweltpolitik 111, 147
Ungleichheit 37, 235
Universalismus 13, 32, 51, 58
Unternehmen 8, 274, 303
Unterschicht 270
Urteil 191
Urteilsbildung 230
Utilitarismus 100
Utopie 57, 223
V
Veranstaltung
69
Verantwortungsethik 60
Verband 229, 236, 240, 303
Verbot 261
Verdrängung 248
Verein 209, 210
Verfassungsänderung 72, 126, 145
Verfassungsgericht 111, 190
Verfassungsmäßigkeit 61, 126
Verfassungsrecht 107, 129, 137, 193
Verfassungswirklichkeit 120
Vergangenheitsbewältigung 97, 98, 254,
282
vergleichende Forschung 23, 72
vergleichende Politikwissenschaft 17, 75,
103, 135
Verhaltensmodell 62
Verhältniswahl 191, 198
Vernetzung 213, 249, 269
Vernunft 51, 289
Verrechtlichung 127
Versöhnung 57
verstehende Soziologie 93
Verteidigung 76, 289
Verteilung 36
Verteilungseffekt 116
Verteilungsgerechtigkeit 33, 36, 37
Vertrag 27, 48, 138
Vertrauen 128, 171
Verwaltung 281
Virtualisierung 258, 280
Visualisierung 244, 275, 276
Volk 76, 165
Völkermord 219, 251, 254
Völkerrecht 21, 27, 261
Volksabstimmung 106, 147
Volksentscheid 180, 261
Volkskammer 77, 82, 89, 134
Volkspartei 96, 158, 160, 161, 165, 182
Volkssouveränität 4, 21, 61
Vorbild 75, 101, 246
W
Waffe 58
Wahlbeteiligung 65, 181, 189, 192, 195,
203, 258, 270
Wähler 40, 65, 152, 178, 181, 182, 183,
192, 258, 292
Wahlergebnis 40, 126, 158, 160, 171, 177,
183, 184, 190, 191, 192, 197, 200,
Sachregister
206, 218, 258
Wahlforschung 178, 192, 197, 258, 267
Wahlgesetz 191, 201
Wahlkampf 80, 147, 150, 158, 169, 178,
183, 184, 185, 187, 188, 192, 202,
206, 243, 244, 256, 258, 260, 267,
271, 273, 285, 291, 292, 295
Wahlkreis 177, 191, 198, 200
Wahlrecht 11, 65, 87, 126, 177, 190, 193,
198, 199, 200, 241
Wahlsystem 198, 270
Wahrheit 10
Wahrnehmung 110, 146, 230, 271, 290
Web 2.0 18, 280
Weber, M. 99
Weblog 280
Website 291
Weimarer Republik 68, 70, 76, 81
Weltbild 34
Weltgesellschaft 1, 3, 9, 22, 49, 51, 127
Weltkrieg 76
Weltmarkt 1, 12
Weltordnung 1, 3, 12, 26, 58, 127
Weltpolitik 1, 3, 41, 55, 127
Weltwirtschaft 12, 68
Weltwirtschaftskrise 12
Wert 58
Wertorientierung 6, 69, 154, 242, 257,
277, 298
Wertwandel 257
Wettbewerb 1, 26, 92, 116, 131, 139, 170,
225, 250
Widerstand 5, 12, 58, 66, 171, 238, 290
Wiedervereinigung 68, 82, 86, 89, 95, 218
Wikipedia 280
Willensbildung 10, 175, 229
Wirkungsforschung 185, 228
Wirtschaft 274
Wirtschaftskrise 105, 182
Wirtschaftslenkung 24
Wirtschaftsliberalismus 74, 88, 92, 154
Wirtschaftsordnung 92, 95
Wirtschaftspolitik 1, 12, 92, 202
Wirtschaftsverband 288
Wirtschaftswissenschaft 62, 281
Wissen 159, 203, 271
wissenschaftliche Beratung 266
Wissenschaftspolitik 119, 237
Wissenstransfer 266, 288
207
Wohlfahrtsstaat
WTO 107
121, 148, 234, 250
Z
Zeichen 262, 275
Zeit 89, 104, 109, 134
Zeitaufwand 109
Zeitschrift 220, 235
Zeitung 228, 248
Zentralismus 130
Zivilgesellschaft 6, 14, 23, 50, 73, 101,
213, 224, 237, 238, 247, 250
Zivilisation 63
Zukunftsfähigkeit 165
Zukunftsorientierung 131
Zukunftsperspektive 131
Zweckrationalität 1
Zweikammersystem 118, 125
Zweiter Weltkrieg 76
Zweitstimme 177, 190
Zwischenkriegszeit 81
Institutionenregister
209
Institutionenregister
Europa-Universität Viadrina, Kulturwissenschaftliche Fakultät, Professur Europa-Studien
103
Freie Universität Berlin, FB Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft Bereich Grundlagen der Politik Arbeitsschwerpunkt Rechtliche Grundlagen der
Politik 91
Freie Universität Berlin, Forschungsverbund SED-Staat
83, 253
Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung -HSFKHönigsberger, H.
58
264
Humboldt-Universität Berlin, Juristische Fakultät, Graduiertenkolleg "Verfassung jenseits des
Staates: von der europäischen zur globalen Rechtsgemeinschaft?" 60
Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Berlin Graduate School of Social
Sciences 163, 212, 222, 234, 287
Humboldt-Universität Berlin, Philosophische Fakultät III, Institut für Sozialwissenschaften Lehrbereich Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 136
Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen
Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt
253
253
Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Institut für Politikwissenschaft Professur Politische Systeme, Politische Institutionen 95, 202, 248
Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg "Politik- und Parteienentwicklung in Europa" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. 95, 165, 248
Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät, Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien" der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. 202
Universität Augsburg, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, insb. Friedens- und Konfliktforschung 55
Universität Bamberg, Fak. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Vergleichende
Politikwissenschaft 263, 285
Universität Bielefeld, Bielefeld Graduate School in History and Sociology -BGHS251, 278
41, 76, 87,
Universität Bielefeld, Fak. für Soziologie, Arbeitsbereich IV Politik und Gesellschaft Professur für
Politikwissenschaft 139
Universität Bielefeld, Graduiertenkolleg "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ursachen,
Phänomenologie und Konsequenzen" 34
Universität Bonn, Zentrum für Europäische Integrationsforschung -ZEI-
116
Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Interkulturelle und Internationale
Studien -InIIS- 187, 189, 205
210
Institutionenregister
Universität Bremen, FB 08 Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Arbeitsbereich
Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung 96, 176, 187, 189, 205
Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für
Politikwissenschaft Forschungsgruppe Regieren 115, 122, 123, 174, 175, 188
Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Fak. für Gesellschaftswissenschaften, Institut für
Politikwissenschaft NRW School of Governance 18, 296
Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Bayerisches
Promotionskolleg Politische Theorie 25, 35, 79
Universität Erlangen-Nürnberg, Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, Institut für
Politische Wissenschaft Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II 25, 35, 79, 93
Universität Frankfurt, Internationales Graduiertenkolleg 1067 "Politische Kommunikation von der
Antike bis ins 20. Jahrhundert" 69, 246, 290
Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät III Erziehungswissenschaften, Institut für
Pädagogik Arbeitsbereich Sozialpädagogik I: Sozialpädagogik und Sozialpolitik 247
Universität Hamburg, Fak. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, FB Sozialökonomie Fachgebiet Soziologie 99
Universität Hamburg, Fak. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, FB Sozialwissenschaften Institut für Politikwissenschaft Teilbereich Methoden der Politikwissenschaft 209
Universität Hannover, Philosophische Fakultät, Institut für Politische Wissenschaft
214, 239
Universität Hohenheim, Fak. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften FG für Kommunikationswissenschaft, insb. Kommunikationstheorie -540c- 271
Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Politikwissenschaft Fachgebiet Didaktik der politische Bildung 221
Universität Kassel, FB 05 Gesellschaftswissenschaften, Fachgruppe Politikwissenschaft Fachgebiet Politisches System der Bundesrepublik Deutschland - Staatlichkeit im Wandel 167
Universität Koblenz-Landau Campus Landau, FB 06 Kultur- und Sozialwissenschaften, Institut
für Sozialwissenschaften Abt. Politikwissenschaft 271
Universität Koblenz-Landau Campus Landau, FB 08 Psychologie, IKMS - Institut für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft, Abt. Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik -IKM- 271
Universität Köln, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte 28
Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft 121
Universität Leipzig, Fak. für Sozialwissenschaften und Philosophie, Institut für Politikwissenschaft Bereich Politisches System der Bundesrepublik Deutschland 99
Universität Mannheim, Fak. für Sozialwissenschaften, Lehrstuhl für Politische Wissenschaft I Politische Soziologie 271
Institutionenregister
211
Universität Marburg, Graduiertenkolleg 884 "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ursachen, Phänomenologie und Konsequenzen" 232
Universität Osnabrück, FB 01 Sozialwissenschaften, Fachgebiet Vergleichende Politikwissenschaft 229
Universität Passau, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Politikwissenschaft I 124
Universität Potsdam, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Professur für Politische
Theorie 221
Universität Regensburg, Philosophische Fakultät 01 - Philosophie, Kunst- und Gesellschaftswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft, insb. Westeuropa 142
Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie,
Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme 105
Universität Siegen, FB 01 Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Geschichte, Geographie,
Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl Politische Systeme, Vergleichende Politikwissenschaft
269
Universität Trier, FB III, Fach Politikwissenschaft Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte 297
Universität Trier, SFB 600 Fremdheit und Armut - Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen
von der Antike bis zur Gegenwart 297
Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaft Abt. Sozialpädagogik 208
Universität Vechta, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie -ISP- Fach Soziologie
256
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH Schwerpunkt Bildung, Arbeit und Lebenschancen Abt. Ungleichheit und soziale Integration 270
ANHANG
Hinweise
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Hinweise zur Originalbeschaffung von Literatur
Die in der Datenbank SOLIS nachgewiesene Graue Literatur enthält nahezu vollständig einen Bibliotheksstandort zur Erleichterung der Ausleihe; dies gilt auch für einen Teil (40%) der nachgewiesenen Verlagsliteratur. In SOLIS nachgewiesene Zeitschriftenaufsätze sind zu über 60% mit
einem Standortvermerk versehen.
Beschaffung von Literatur über den Deutschen Leihverkehr
Die Standortvermerke in SOLIS (Kürzel, Ort und Sigel der besitzenden Bibliothek sowie Signatur
der Arbeit) beziehen sich auf Bibliotheken, die dem normalen Fernleihverkehr angeschlossen sind.
Sollte die gewünschte Arbeit bei Ihrer örtlichen Bibliothek nicht vorhanden sein, ersparen Ihnen
die Standortvermerke für die Fernleihe („Direktbestellung“) den u.U. sehr zeitraubenden Weg
über das Bibliothekenleitsystem.
Elektronische Bestellungen sind ebenfalls möglich, z.B. über subito - einen bundesweiten Dokumentlieferdienst der deutschen Bibliotheken für Aufsätze und Bücher.
Literaturdienst der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Aufsätze aus Zeitschriften, die für SOLIS ausgewertet werden und in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln vorhanden sind, können über den Kölner Literaturdienst (KÖLI) als Kopie bestellt
werden. Diese Aufsätze enthalten den Standortvermerk „UuStB Koeln(38) - Signatur der Zeitschrift“ sowie einen Hinweis auf den Kopierdienst. Die Bestellung kann mit gelber Post, per Fax
oder elektronisch erfolgen
Kosten für den Postversand bis zu je 20 Kopien pro Aufsatz betragen 8,- Euro, für Hochschulangehörige 4,- Euro (bei „Normalbestellung“ mit einer Lieferzeit von i.d.R. sieben Tagen); gegen
Aufpreis ist eine „Eilbestellung“ (Bearbeitungszeit: ein Arbeitstag) oder auch eine Lieferung per
Fax möglich.
Zur Benutzung der Forschungsnachweise
Die Inhalte der Forschungsnachweise beruhen auf den Angaben der Forscher selbst.
Richten Sie deshalb bitte Anfragen jeglicher Art direkt an die genannte Forschungseinrichtung
oder an den/die Wissenschaftler(in).
Das gilt auch für Anfragen wegen veröffentlichter oder unveröffentlichter Literatur, die im Forschungsnachweis genannt ist.
Dienstleistungsangebot der Abteilung
„Fachinformation für Sozialwissenschaften“
Das Dienstleistungsangebot der Abteilung Fachinformation dient der Verbreitung, Förderung und
Fundierung sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse sowie dem Wissensaustausch auf nationaler wie internationaler Ebene. Gleichzeitig macht die Fachinformation die sozialwissenschaftliche
Forschung des deutschsprachigen Raumes international sichtbar.
Zentrale Aktivitäten sind Aufbereitung, Bereitstellung und Transfer von Wissen durch:
● Konzeption, Aufbau und Pflege von Datenbanken und Serviceangeboten zu Forschungsstrukturen, -aktivitäten und -ergebnissen in den Sozialwissenschaften im deutschsprachigen und östlichen europäischen Forschungsraum und zu wissenschaftsbezogenen chancengleichheitsrelevanten Themen im deutschsprachigen, europäischen und internationalen Rahmen
● Aufbau von und Beteiligung an kooperativen Informationssystemen (Portalen, Themenschwerpunkten, Kommunikationsplattformen und Netzwerken) zur Unterstützung der Wissenschaftskommunikation, insbesondere auf ost-westeuropäischer Ebene und zu wissenschaftsbezogenen
chancengleichheitsrelevanten Themen
● Kontinuierlicher Ausbau der Vernetzung von Informationsangeboten und Services durch Erweiterung und Einbeziehung kompetenter Partner auf nationaler wie internationaler Ebene
● Erstellung servicebasierter Publikationen und Informationsdienste zu ausgewählten Themen in
Kooperation mit der Wissenschaft
● Nationales Referenzzentrum für das Politikfeld „Gleichstellung in der Wissenschaft“ gegenüber
Wissenschaftsorganisationen, Bundes- und Landesministerien, Politik und Medien in Bezug auf
Konzept- und Programmentwicklung, Monitoring und Evaluation von Politiken und Maßnahmen
Basisprodukte der Abteilung sind Informationen über Forschungsstrukturen, -aktivitäten und -ergebnisse, die in Datenbanken aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Neben den nachfolgend skizzierten Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten und Publikationen
werden Datenbanken mit Informationen zu nationalen und internationalen sozialwissenschaftlichen
Forschungseinrichtungen, Zeitschriften, Netzwerken, Veranstaltungen und Internetquellen aufgebaut und gepflegt. Sie sind Bestandteil einer von GESIS entwickelten und zur Verfügung gestellten
integrierten Suche, die weitere internationale Informationssammlungen und solche externer Partner
mit einbezieht.
Datenbanken
Die von der Abteilung Fachinformation produzierten Datenbanken SOLIS und SOFIS bilden die
Grundlage für den sozialwissenschaftlichen Fachinformationsdienst soFid.
SOFIS (Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften)
Inhalt: SOFIS informiert über laufende, geplante und abgeschlossene Forschungsarbeiten der letzten zehn Jahre aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Österreich und der Schweiz. Die
Datenbank enthält Angaben zum Inhalt, zum methodischen Vorgehen und zu Datengewinnungsverfahren sowie zu ersten Berichten und Veröffentlichungen. Die Namen der am Projekt beteiligten Forscher und die Institutsadresse erleichtern die Kontaktaufnahme.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Psychologie, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft, Kommunikationswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung, Sozialgeschichte, Methoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie, Sozialwesen oder Kriminologie.
Bestand der letzten 10 Jahre: rund 47.000 Forschungsprojektbeschreibungen
Quellen: Erhebungen bei Institutionen, die sozialwissenschaftliche Forschung betreiben. In
Deutschland wird die Erhebung von GESIS durchgeführt, in der Schweiz von FORS - der
Schweizer Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften. Für Österreich hatte bis
2001 die Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien diese Aufgabe inne; ab
2006/07 wurde diese vom Wiener Institut für Sozialwissenschaftliche Dokumentation und
Methodik - WISDOM - übernommen.
Die Ergebnisse der GESIS-Erhebung werden ergänzt durch sozialwissenschaftliche Informationen fachlich spezialisierter IuD-Einrichtungen sowie von Forschungsförderern; ein nicht
unerheblicher Teil an Ergänzungen wird schließlich durch Auswertung von Internetquellen
sozialwissenschaftlicher Forschungsinstitute gewonnen.
SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem)
Inhalt: SOLIS informiert über die deutschsprachige fachwissenschaftliche Literatur ab 1945, d.h.
Aufsätze in Zeitschriften, Beiträge in Sammelwerken, Monographien und Graue Literatur
(Forschungsberichte, Kongressberichte), die in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich
oder der Schweiz erscheinen. Bei Aufsätzen aus Online-Zeitschriften und bei Grauer Literatur ist im Standortvermerk zunehmend ein Link zum Volltext im Internet vorhanden.
Fachgebiete: Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpolitik, Sozialpsychologie, Bildungsforschung,
Kommunikationswissenschaften, Demographie, Ethnologie, historische Sozialforschung,
Methoden der Sozialforschung, Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie weitere interdisziplinäre Gebiete der Sozialwissenschaften wie Frauenforschung, Freizeitforschung, Gerontologie oder Sozialwesen.
Bestand: Anfang 2010 ca. 400.000 Literaturnachweise
Jährlicher Zuwachs: zwischen 16.000 und 18.000 Dokumente
Quellen: Zeitschriften, Monographien einschließlich Beiträgen in Sammelwerken sowie Graue Literatur. SOLIS wird von GESIS in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, den Herausgebern der Zeitschrift
für Politikwissenschaft und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hergestellt. Absprachen über einen regelmäßigen Datenaustausch bestehen darüber hinaus mit dem
Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation in Trier und mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt/Main.
Zugang zu den Datenbanken
An nahezu allen Hochschulstandorten sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der
Schweiz sind SOLIS und SOFIS in der Bibliothek oder über Institutsrechner für die Hochschulangehörigen frei zugänglich. Des Weiteren stehen SOLIS und SOFIS über von GESIS betriebene Portale
für Recherchen zur Verfügung:
www.gesis.org/sowiport/
SOLIS und SOFIS können im sozialwissenschaftlichen Fachportal sowiport einzeln oder gemeinsam mit 14 weiteren Datenbanken durchsucht werden. sowiport enthält zurzeit folgende Datenbanken:
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Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem SOLIS
Sozialwissenschaftliches Forschungsinformationssystem SOFIS
Social Science Open Access Repository SSOAR
Literaturdatenbank DZI SoLit des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen
Katalog der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
Katalog des Sondersammelgebietes Sozialwissenschaften der Universitäts- und Stadtbibliothek
Köln
Katalog der Bibliothek des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
Datenbank GeroLit des Deutschen Zentrums für Altersfragen
Publikationen der Bertelsmann Stiftung
ProQuest-CSA-Datenbanken (im Rahmen von DFG-Nationallizenzen): Sociological Abstracts,
Social Services Abstracts, Applied Social Sciences Index and Abstracts, PAIS International,
Worldwide Political Science Abstracts, Physical Education Index
Fachinformationsführer SocioGuide mit Informationen zu Institutionen, Fachzeitschriften,
Sammlungen, Netzwerken und Veranstaltungen
Insgesamt sind in und über sowiport mehr als 2,5 Millionen Quellen zu Literatur, Forschungsprojekten, Institutionen, Zeitschriften, Veranstaltungen sowie Themenschwerpunkte und Links zu Portalen
erreichbar.
Auftragsrecherchen und Beratung bei der Datenbank-Nutzung
In Ihrem Auftrag und nach Ihren Wünschen führt GESIS kostengünstig Recherchen in den Datenbanken SOFIS und SOLIS durch. Darüber hinaus werden Informationen aus weiteren nationalen
und internationalen Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen und/oder fachübergreifenden Themengebieten zusammengestellt.
Zur Unterstützung Ihrer eigenen Suche beraten wir Sie selbstverständlich jederzeit bei der Umsetzung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen in effektive Suchstrategien in unseren Datenbanken.
Recherche Spezial und sowiport-dossiers: aktuelle Themen im Internet
Zu gesellschaftlich relevanten Themen in der aktuellen Diskussion werden in der Reihe „Recherche
Spezial“ Informationen über sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte und Veröffentlichungen
zusammengestellt. In den Dossiers in sowiport werden solche Informationen darüber hinaus mit Internetquellen unterschiedlichster Art (aktuelle Meldungen, Dokumente, Analysen, Hintergrundmaterialien u.a.m.) angereichert. Alle Themen sind inhaltlich gruppiert zu finden unter www.gesis.org/
sowiport/themen.
Sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienst – soFid
Regelmäßige Informationen zu neuer Literatur und aktueller sozialwissenschaftlicher Forschung
bietet GESIS mit diesem Abonnementdienst, der sowohl in gedruckter Form als auch auf CD-ROM
bezogen werden kann. Ältere Jahrgänge stehen unter www.gesis.org/sofid zum kostenfreien Download zur Verfügung. Der Dienst ist vor allem konzipiert für diejenigen, die sich kontinuierlich und
längerfristig zu einem Themenbereich informieren wollen.
soFid ist zu folgenden Themenbereichen erhältlich:
● Allgemeine Soziologie
● Berufssoziologie
● Bevölkerungsforschung
● Bildungsforschung
● Familienforschung
● Frauen- und Geschlechterforschung
● Freizeit - Sport – Tourismus
● Gesellschaftlicher Wandel in den neuen
Bundesländern
● Gesundheitsforschung
● Industrie- und Betriebssoziologie
● Internationale Beziehungen / Friedensund Konfliktforschung
● Jugendforschung
● Kommunikationswissenschaft: Massenkommunikation – Medien – Sprache
● Kriminalsoziologie + Rechtssoziologie
● Kultursoziologie + Kunstsoziologie
● Methoden und Instrumente der Sozialwis●
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senschaften
Migration und ethnische Minderheiten
Organisations- und Verwaltungsforschung
Osteuropaforschung
Politische Soziologie
Religionsforschung
Soziale Probleme
Sozialpolitik
Sozialpsychologie
Stadt- und Regionalforschung
Umweltforschung
Wissenschafts- und Technikforschung
Informationstransfer von und nach Osteuropa
Der Bereich Informationstransfer Osteuropa fördert die Ost-West-Kommunikation in den Sozialwissenschaften. Er unterstützt die internationale Wissenschaftskooperation mit einer Vielzahl von Informationsdiensten.
Eine wichtige Informationsquelle für Kontakte, Publikationen oder Forschung bietet in diesem Zusammenhang auch der Newsletter „Social Sciences Eastern Europe - Infoservice", der viermal jährlich in englischer Sprache erscheint.
Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung – CEWS
Als integraler Bestandteil der Fachinformation bietet CEWS disziplinenübergreifend Zugänge zu
Themen, Informationen und aktuellen Fragen der Gleichstellung in der Wissenschaft. Durch das
Sichtbarmachen des Potentials hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen unterstützt die Datenbank
FemConsult die Erhöhung des Frauenanteils bei der Neubesetzung von Professuren und Führungspositionen in Wissenschaft und Forschung und die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen.
Das CEWS-Themenportal (zu finden unter www.gesis.org/cews) integriert Informationen zu allen
gleichstellungsrelevanten Themen im Bereich Wissenschaft und Forschung (z.B. Statistik und
Gleichstellungsrecht an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen).
Internet-Service der GESIS
Umfassende Informationen zu GESIS und zum Angebot an Dienstleistungen finden Sie unter
www.gesis.org
GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung Fachinformation für Sozialwissenschaften
Lennéstraße 30
GESIS-Servicestelle Osteuropa
53113 Bonn
Schiffbauerdamm 19 • 10117 Berlin
Tel.:+49 (0)228-2281-0
Tel.:+49 (0)30-23 36 11-0
E-mail:[email protected]
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