Zeitschrift Homöopathische Einblicke No.39

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Homöopathische Einblicke No.39 / September 1999
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Homöopathische Einblicke No.39 / September 1999
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Inhalt:
Vorwort
S. 3
Arne Krüger
Acidum salicylicum
S. 5
/ Sal-ac. l - 14
S. 19
/ Sal-a. l - 6
S. 25
/ Lac-f. l - 10
S. 35
/ Adonis 1-11
S. 47
/ Mus-m. l - 8
Arzneiwesen
J Michels
Salix alba
Arzneimittelbegegnung bei einer
C4 - Verreibung
H.-W v. Uslar
Lac felinum
Arzneibegegnung und Arzneiwesen
S. Richter
Adonis vernalis
Arzneiwesen
K. Löbisch
Mus musculus
Arzneimittelbegegnung
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l
Sal-ac. -1
Acidum salicylicum und Salix alba
Einleitung
Meinen ersten Kontakt mit diesem Mittel hatte ich mit der
allopathischen Anwendung, als bei einer Zahnwurzelentzündung nach ca. 12 Aspirintabletten Sensationen wie Ohrensausen, Schwindel, paradoxe Empfindungen etc. Auftraten.
Eine Arzneimittelprüfung Acidum salicylicum C 30 (Firma DHU) wurde vom Autor und acht Prüflingen (vier
Schülerinnen und vier Schüler der Samuel-HahnemannSchule, Berlin) im Mai 1998 durchgeführt. Es war eine
Blindprüfung (nur der Autor kannte das Mittel), bei der
die C 30 einmal täglich genommen wurde bis zum Auftreten von Prüfungssymptomen. Die Ergebnisse dieser
Arzneimittelprüfung wurden in den Artikel eingearbeitet.
Im Anschluss an die Arzneimittelprüfung wurde eine
C4-Verreibung der Weidenrinde durchgeführt, über die Johannes Michels extra berichten wird.
Acidum salicylicum (C7 H6 O3, 2-Hydroxybenzoesäure)
wird aus der im Frühjahr gesammelten getrockneten Weidenrinde (Salicis cortex, Cortex salicis) gewonnen. Nach
dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB 1) wird Salicylsäure entsprechend der Monographie nach dem Deutschen
Arzneibuch (DAB) verwendet. Nach dem DAB ist die Salicylsäure ein weißes, kristallines Pulver, in Wasser schwer
löslich. Nach dem DAB ist die Weidenrinde nicht für eine
spezielle Weidenart definiert, wobei die verschiedenen
Weidenspezies sehr unterschiedliche Gehalte an Salicylsäure haben können. Synthetisch wird Salicylsäure aus
Phenol gewonnen.
Botanik
Die Weiden (Salicaceae) sind mit verschiedenen Arten
(Salix alba Linne, S. fragilis L., S. pentandra L., Salix purpurea L., S. daphenoides Villars u.a.) in der Naturheilkunde
vertreten. Die Weiden kommen in Europa und in Asien vor.
Der Name SALIX stammt vom römischen Namen der Weiden. Das deutsche Wort Weide stammt aus dem althochdeutschen WIDA, aus dem im mittelhochdeutschen WIDE
wurde. Beides ist sprachlich verwandt mit dem griechischen Namen der Weide ITEA (aus Weide geflochtener
Schild) und dem lateinischen VITIS (Rebe, Ranken).
Weiden kommen als Strauch oder Baum vor, wobei die
Bäume bis zu 20 m hoch werden können. Vor den Blättern
erscheinen die Blüten, die auch als Weidenkätzchen bezeichnet werden. Alle Weiden sind zweihäusige Pflanzen,
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dies bedeutet, dass auf einem Baum bzw. Strauch immer
nur Blüten eines Geschlechts anzutreffen sind. Die männlichen Pflanzen kann man an den gelben Staubbeuteln erkennen. Die Äste der Weiden sind sehr biegsam und rutenförmig. Im Frühling, wenn der Pflanzensaft in der Rinde
ansteigt, ist die Rinde leicht zu lösen und kann zur Arzneimittelherstellung verwendet werden. Dazu wird die Rinde
von mitteldicken Zweigen abgeschält und getrocknet. Die
Weide blüht im Frühling, bevor die Blätter erscheinen. Die
Weiden bevorzugen feuchte Standorte. Sie gelten als
Flussbegleiter, da sie sich am Flussufer entlang ausbreiten.
Auch am Rand von Gräben und feuchten Wiesen kann man
Weiden finden sowie in Auwäldern und an Waldrändern.
Inhaltsstoffe der Weide
Inhaltsstoffe der Weidenrinde sind Salicylalkoholglykoside (Salicin, Salireposid, Salicortin, Fragilin, Picein u.a.),
Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Gerbstoffe. Das Salicin wird im Darm zu Salicylalkohol und Glucose gespalten und dann in der Leber zu Salicylsäure umgewandelt.
Salicylsäurederivate sind auch noch in dem Kraut von
Stiefmütterchen (Viola tricolor L.), im Mädesüß (Spiraea
ulmaria, Spierstaude, Wiesengeißbart), in der amerikanischen Teebeere (Gaultheria procumbens, Wintergrün) sowie in den Pappeln (Populus alba, P. candicans, P. nigra und
P. tremula).
Das Mädesüß (Spiraea ulmaria, Synonym: Spierstaude,
Wiesengeißbart, Wiesenkönigin) war gemeinsam mit Wasserminze und Eisenbart eines der heiligen Kräuter der
Druiden. In der chinesischen Medizin wird das Mädesüß
als kühlende Pflanze beschrieben. Die Pflanze kühlt Hitze,
wirkt diuretisch, zerteilt Verhärtungen, öffnet die Oberfläche, bewegt das Leber-Qi.
Idee und Symbolik des Mittels
Acidum salicylicum ist sowohl in der Allopathie als auch
in der Pflanzenheilkunde und in der Homöopathie ein Heilmittel, welches eine tiefe Verbundenheit der Medizin mit
den heilenden Kräften der Natur deutlich macht.
Hertling beschreibt folgende Geschichte zur Weide : Auf
Elba saß Napoleon Bonaparte im Schatten einer Trauerweide und trauerte seinem nunmehr der Vergangenheit angehörenden Glanz und Gloria nach. Sicher ein schattiges
5
Sal-ac. - 2
Plätzchen abseits von Rummel und Getriebe der Welt. Hier
sprachen zu ihm, dem Weltgeist zu Pferde, wohl abends im
Dämmerlicht die in der Weide wohnenden Naturgeister,
jene Nymphen, Kobolde und Feen, die sich in den Hohlräumen des weichen Holzes, das jene Baumarten auszeichnet,
wohl fühlen. Genauso wohl fühlen sich dort Enten, Marder,
Käuzchen, Wiedehopfe oder gar die kleinen Weidenmeisen."
Volksheilkunde und Geschichte der Verwendung
Die Silberweide und andere Weidenarten wurden als Heilpflanzen schon früh erkannt. Auf den Tontafeln der Assyrer und Babylonier (ca. 2000 v.Chr.) finden sich Drogen
aus Weidenblättern. Im alten Ägypten (Neues Reich 15511070 v.Chr.) wird die Verwendung von Zubereitungen aus
Teilen der Weide beschrieben. Die Ägypter verwendeten
Blätter, blühende Zweige und Rinde der Weide gegen
schmerzhafte Wunden, Entzündungen und Schwellungen.
Hippokrates (460 - 377 v. Chr.) verordnete einen Aufguss
aus der Weidenrinde als Arzneimittel gegen Gelenkentzündung, Schmerzen und Fieber. Dioskorides von Anazerbus
beschrieb die Anwendung der Weide im ersten Jahrhundert
n. Chr. Die adstringierende Wirkung der Weiden wird für
Früchte, Blätter, Rinde und Saft beschrieben. Die fein geriebenen Blätter mit etwas Pfeffer in Wein genommen, sollten die Empfängnis verhüten. Die Frucht der Weide sollte
gegen das Blutspeien helfen und der Saft von Blättern und
Rinde gegen Ohrenleiden. Der zur Blütezeit gewonnene
Saft sollte auch gut gegen Augenleiden sein.
Im X. Buch der Mulomedicina Chironis (400 n.Chr.) wird
die Anwendung von Asche der Weidenrinde zusammen
mit Petersilie als Heilmittel gegen den Husten der Maultiere und Pferde beschrieben. Alternativ zu diesem Rezept
wird die tägliche Gabe einer in altes Fett getauchten, lebenden Maus als Heilmittel beschrieben. Der Text hierzu lautet: Verbrenne Weidenrinde (arbor salicis cortex) an einem sauberen Ort, fertige aus der Asche eine Lauge an und
vermische sie mit Butter (butirum) und Öl (oleum). 2 Tage
aber lass reifen die Lauge und dann erst stille den Husten."
Im Corpus Hippiatricum Graecorum (9. und 10. Jahrhundert n.Chr.) wird die Verwendung der Weidenrinde gegen
Räude beim Pferd beschrieben: Verbrenne die Rinde der
Weide (itea) und nimm Myrrhenöl (stakte), mische es mit
Wasser und schmiere es auf."
Hildegard von Bingen (1098 - 1179 n.Chr.) empfahl Extrakte aus Weide und Pappel bei Schmerzen und Fieber. 6
Im Mittelalter wird von den Anhängern der Signaturenlehre der Weidenrindentee zur Behandlung steifer Gelenke
und rheumatischer Schmerzen empfohlen. Dies wird in der
Signaturenlehre damit begründet, dass die Weide biegsame
Zweige besitzt. Da Weiden im Wasser stehen, also nasse
Füße" haben, ohne Schaden zu nehmen, ist es nach der Signaturenlehre ein Hinweis für eine Wirksamkeit gegen Folgekrankheiten von nassen Füßen, z.B. bei Erkältungskrankheiten. Albertus Magnus und Dalechamp beschreiben die Weide als Antiaphrodisiakum.
Das Rossarzneibuch von Johann Martin Weitzen von
Oschitz aus dem Jahr 1677 beschreibt die Anwendung von
Weiden bei Pferden wie folgt: So ein Pferd das darmgicht
hat oder das schmeer im leibe zergehen will, nach der hitze
vom harten reiten: Nimb rothe weiden, schneide dehren zu
kleine stücken ohngefehr eines gleidts lang, thue sie in einen haffen, geuß ein maaß wein daran, laß es auf die helffte
einsieden, geuß es also dem gaul so warmb er es erleiden
mag durch einen wolffsdarm odter ahlbalg ein, oder aber in
mangel dessen durch einen Striegel, es hilfft."
Als volksheilkundliche Anwendung der Weidenrinde sind
als Wirkungen beschrieben eine schweißtreibende,
schmerzlindernde und entwässernde Wirkung. Eine Bedeutung, die nichts mit Arzneiwirkungen zu tun hatte, haben die Weiden als Grundmaterial für Weidenkörbe gehabt. Durch diese Bedeutung wurde jeder, der sich unbefugt an den biegsamen Weidenruten vergriff, hart bestraft.
Der Engländer Stone stellte im 18. Jahrhundert fest, dass
der bittere Geschmack der Weidenrinde dem bitteren Geschmack der peruanischen Chinarinde gleicht. Stone legte
1763 der Royal Society in London eine wissenschaftliche
Veröffentlichung vor, in der er den Einsatz der Weidenrinde bei Fieber beschreibt. Ab dem 17. Jahrhundert wurde
die Chinarinde aus Amerika nach Europa eingeführt und
hier als Mittel gegen Malaria verwendet. Damit konnte die
vorher übliche Arsentherapie abgelöst werden. Die Erkenntnis von Stone bekam in Europa während der Kontinentalsperre Napoleons (ab 1806) zur Bekämpfung der
Briten eine besondere Bedeutung, denn es wurde ein Ersatz
für die Chinarinde aus Übersee benötigt.
Der Münchener Pharmazeut Johann Andreas Buchner untersuchte 1828 als erster die Weidenrinde. Er gewann durch
Kochen der Weidenrinde eine gelbliche Masse, die er Salicin nannte. Der Franzose Leroux isolierte 1829 erstmals
das Salicin in Kristallform. 1838 stellte der Italiener Raffaele Piria als erster aus dem Salicin die Salicylsäure her.
Gleichzeitig gelang es dem Schweizer Pagenstecher, aus
den Blüten von Mädesüß (Filipendula ulmaria, Spiriae ulHomöopathische Einblicke - 39/99
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