Falk Gastro-Kolleg Darm

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Falk
Gastro-Kolleg
Darm
Reizdarmsyndrom
Zusammenfassung
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist die in der gastroenterologischen Praxis am häufigsten
vorkommende, funktionelle Gesundheitsstörung. Sie hat eine variable Symptomatik,
zu der die Hauptsymptome abdomineller Schmerz, Blähungen, Obstipation, Diarrhö und
Meteorismus gehören. Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Relevante
Differenzialdiagnosen sollten vor einer Diagnose sicher abgeklärt werden. Es werden
verschiedene Subgruppen unterschieden. So wird das Reizdarmsyndrom in eine obstipationsprädominante (RDS-O), eine diarrhöprädominante (RDS-D) sowie eine alternierende/gemischte (RDS-M) Form differenziert (s. Tab. 4). In der Entstehung des RDS werden vielfältige Pathomechanismen diskutiert. Aufgrund der Heterogenität gibt es keine
Standardtherapie, sondern die Behandlung erfolgt individuell und symptomorientiert.
Zu den klassischen Therapeutika gehören u. a. Ballaststoffe, Laxanzien, Spasmolytika,
Antidepressiva, Hypno-/Psychotherapie, Prokinetika sowie Antibiotika. Ebenso gilt die
Modulation der Darmflora mit z. B. Probiotika zunehmend als ein sinnvoller therapeutischer Ansatz.
Prof. Dr. R. Ehehalt
Praxis für Gastroenterologie
Burgstr. 
 Heidelberg
Prof. Dr. H. Krammer
Praxis für Gastroenterologie
und Ernährungsmedizin
Bismarckplatz 
 Mannheim
Schlüsselwörter
Reizdarmsyndrom (RDS) | funktionelle gastrointestinale Erkrankung |
Obstipation | Diarrhö | Prokinetika | Laxanzien | Probiotika | Darmflora |
Mikrobiota | Arzt-Patienten-Beziehung
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
Titelbild: Der Darm schreit!
1
Reizdarmsyndrom
Definition des Reizdarmsyndroms
Das Reizdarmsyndrom (RDS) zählt zu den funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen,
die dadurch gekennzeichnet sind, dass sich mit den in der klinischen Routine eingesetzten Diagnostikverfahren keine strukturellen oder molekularen Ursachen nachweisen
lassen.
Das Reizdarmsyndrom wird traditionell anhand von charakteristischen Symptomkombinationen definiert. Erstmals wurden 1978 von Manning et al. in einer Konsensuskonferenz standardisierte Diagnosekriterien für das Reizdarmsyndrom aufgestellt und
später daraus die Kruis-Kriterien entwickelt. Die heute favorisierten Rom-Kriterien zur
Definition des Reizdarmsyndroms wurden seit 1990 mehrfach überarbeitet (Rom I und
Rom II), bis schließlich 2006 die Rom-III-Kriterien veröffentlicht wurden [1]. Diese sind
allerdings bis heute noch nicht evaluiert.
Problematisch bleibt, inwieweit die Beschreibung des Reizdarmsyndroms anhand von
Symptomkombinationen überhaupt eine genaue Diagnosestellung zulässt oder dieses
von anderen funktionellen Störungen abgrenzt.
In der neuen Leitlinie der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie
und Motilität (DGNM) [1] wird daher im Gegensatz zu den früheren Definitionen auf
eine zwingende Symptomkombination verzichtet und das RDS wie folgt definiert:
P Es existieren verschiedene
Definitionen des RDS.
1.Chronische, d. h. länger als 3 Monate anhaltende Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen, die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden
und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
2.Die Beschwerden sollen nachvollziehbar begründen, dass der Patient deswegen
Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark sein, dass die Lebensqualität hierdurch
relevant beeinträchtigt wird.
3.Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich
sind.
P Definition der DGVS 2013:
11. > 3 Monate einzeln oder in Kombi­
nation bestehende Darmsymptome
22. Relevante Einschränkung der
Lebensqualität
33. Ausschluss anderer Ursachen für
die Beschwerden
Prävalenz und Inzidenz
Es liegen zurzeit mehr als 30 epidemiologische Studien zur Häufigkeit des RDS vor. Die
Prävalenz und Inzidenz des RDS ist danach weltweit trotz unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds in etwa vergleichbar und liegt je nach zugrunde liegenden Diag­
nosekriterien (Manning, Kruis, Rom I, II, III) und danach, wie viele Kriterien innerhalb
dieser Definitionen herangezogen werden, zwischen 2,5 und 25% [2].
Da sich allerdings nur ein Teil der Betroffenen mit Reizdarmbeschwerden in ärztlicher
Behandlung befindet, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
In Deutschland wird die Prävalenz für das Reizdarmsyndrom mit etwa 12% angegeben [1].
P Die Häufigkeit des RDS ist in
einzelnen Ländern vergleichbar.
Es sind mehr Frauen als Männer (Odds-Ratio von 1,46) betroffen [1] und die Prävalenz
des RDS sinkt mit höherem Einkommen.
PFrauen sind vom RDS häufiger
betroffen als Männer.
Einfluss auf die Lebensqualität
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass der Reizdarmpatient seine Beschwerden
als besonders belastend empfindet und dadurch seine Lebensqualität im Vergleich
zur Normalpopulation und zu Patienten mit anderen organischen Erkrankungen
deutlich eingeschränkt ist [1, 3].
Dabei konnte eine Assoziation zwischen der Einschränkung der Lebensqualität und
der Selbsteinschätzung des Schweregrads des Reizdarmsyndroms festgestellt werden. Neben allgemeinen Inventaren (SF-36) zur Erfassung der Lebensqualität werden
speziell entwickelte Fragebögen (IBSQOL, IBS-QOL [QOL = Quality of Life], FDDLQ
[Fragebogen zur Depressionsdiagnostik in Bezug auf die Lebensqualität]) eingesetzt,
wobei dem IBS-QOL die höchste Validität zugesprochen wird [1].
PDie Lebensqualität ist deutlich
eingeschränkt, auch im Vergleich zu
anderen organischen Erkrankungen.
2
Gralnek et al. verglichen über den SF-36 (Fragebogen zur gesundheitsbezogenen
Lebensqualität) die Daten von Reizdarmpatienten mit zuvor publizierten Daten von
Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit, Diabetes mellitus Typ 2, Depression
sowie terminalem Nierenversagen. Die Lebensqualität von Patienten mit Reizdarmsyndrom war im Vergleich zu Patienten mit Refluxkrankheit oder Diabetes mellitus
stärker, im Vergleich zu Patienten mit Panikstörung und rheumatoider Arthritis geringer
beeinträchtigt [4].
Ätiologie und Pathogenese
Die Pathogenese des Reizdarmsyndroms erscheint komplex, individuell verschieden
und bleibt weitgehend unverstanden. Einig ist man sich lediglich darüber, dass ein
Wechselspiel von biologischen und psychosozialen Faktoren eine signifikante Rolle
spielt (biopsychosoziales Modell).
P Die grundsätzliche Pathogenese
des RDS ist ungeklärt.
Lediglich für das sogenannte postinfektiöse Reizdarmsyndrom (PI-RDS) als Subgruppe, welches nach einer akuten Gastroenteritis aufgrund einer Infektion mit Viren,
Bakterien oder Parasiten auftreten kann, konnte ein pathophysiologisches Konzept
gezeigt werden [5]. In einer kürzlich veröffentlichten Übersichtsarbeit zeigte sich, dass
7–36% an einer epidemischen Infektion Erkrankte postinfektiös ein RDS entwickeln,
während 4–14% nach einer Reisediarrhö erkranken [6]. Risikofaktoren für das PI-RDS
sind Dauer und Schwere der infektiösen Erkrankung, weibliches Geschlecht, Rauchen,
jüngeres Alter (< 60 Jahre) und gleichzeitiges Vorliegen einer anderen psychischen
Erkrankung (Depression, Hypochondrie) [5]. Interessanterweise tritt das postinfektiöse
Reizdarmsyndrom bei älteren Menschen (> 60 Jahre) quasi nicht auf.
Zudem ist das postinfektiöse Reizdarmsyndrom mit genetischen Polymorphismen von
TNFα und TNF-SF15 assoziiert, welche auch mit dem Morbus Crohn in Zusammenhang gebracht werden [27].
P Das postinfektiöse Reizdarmsyndrom
ist bei älteren Patienten unwahr­
scheinlich.
Generell geht man von einem individuellen, multifaktoriellen Geschehen aus. Es werden daher verschiedenste molekulare und zelluläre Mechanismen diskutiert, die zur
Pathogenese beitragen.
Diskutiert wird beispielsweise eine Störung der viszeralen Sensitivität. Für die bei
einigen Patienten zu beobachtende herabgesetzte Schmerzschwelle macht man eine
Aktivierungskaskade verantwortlich, bei der afferente Nervenendigungen ständig
von erhöhten Konzentrationen an inflammatorischen Mediatoren aus Entzündungszellen stimuliert werden und so permanent Schmerzreize aussenden.
Auch eine verringerte intestinale Barrierefunktion scheint eine Rolle zu spielen [7].
Bei Störungen der gastrointestinalen Motilität haben Patienten vom Obstipationsbzw. Diarrhötyp signifikant höhere Impulsamplituden als Kontrollpersonen und diese
stärker ausfallenden Kontraktionen sind wahrscheinlich eher mit Schmerz assoziiert [8].
Bei einigen RDS-Patienten mit Störungen des autonomen/zentralen Nervensystems ist die spinale Weiterleitung intestinaler Reize gesteigert, d. h. es kommen mehr
Schmerzreize über afferente Fasern im Rückenmark und ZNS an [9].
Studien mittels funktioneller bildgebender Verfahren wie fMRI (funktionelle Magnet­
resonanztomografie) zeigen bei hypersensitiven RDS-Patienten eine größere Aktivierung der Insula sowie eine verminderte Deaktivierung des anterioren cingulären Kortex
in rektalen Distensionsversuchen [10]. Außerdem zeigen RDS-Patienten eine erhöhte
Grundaktivität in Gehirnarealen, die bei emotionaler Erregung eine Rolle spielen: dem
pregenualen anterioren cingulären Kortex, der Amygdala und im Mittelhirn – Regionen, die in die endogene Schmerzregulation involviert sind [11].
P Es werden diverse
Pathomechanismen diskutiert:
– Viszerale Hypersensitivität
– Intestinale Barrierestörung
– Störung der Motilität
– Störung des autonomen/zentralen
Nervensystems
– Veränderte Mikrobiota
– Genetische Prädisposition
– Immun-/Entzündungsreaktion
– Psychosozialer Stress
Darüber hinaus zeigen Patienten eine qualitativ und quantitativ veränderte Zusammensetzung der Darmflora. So zeigten sich in der Darmflora von RDS-Patienten vermehrt Proteobakterien und Firmicutes, aber weniger Acinetobacter und Bacteroides
und Bifidobakterien [12]. Dieses Ungleichgewicht könnte das Auftreten von Darminfektionen und anderer gastrointestinaler Beschwerden (Flatulenz, Meteorismus) teilweise erklären.
Auch eine genetische Prädisposition konnte nachgewiesen werden. So kommt das
RDS familiär gehäuft vor [13] und es konnten Polymorphismen in Genen aufgezeigt werden, die im Immun- sowie im Serotoninsystem eine Rolle spielen [1].
3
Beobachtet wurden auch Veränderungen der Immunaktivierung mit vermehrt auftretenden Entzündungszellen [7].
Zusätzlich spielen auch psychische Störungen, psychosoziale Stressoren und Umweltfaktoren eine Rolle.
Psychischer Stress moduliert zahlreiche gastrointestinale Funktionen (Magensäuresekretion, gastrointestinale Motilität, Immunfunktion) und Studien haben gezeigt,
dass psychischer Stress gastrointestinale Symptome verschlimmert bzw. RDS-Patienten
hierfür besonders anfällig sind. So findet sich in Kohorten von Patienten eine Assoziation zwischen dem RDS und Ängstlichkeit, Depression und posttraumatischem Stress.
Auch psychische oder psychiatrische Komorbidität tritt bei RDS-Patienten häufiger
auf. Psychosoziale Faktoren beeinflussen darüber hinaus den Gesundheitszustand
und den klinischen Verlauf [14].
Diagnose
Die Diagnose des Reizdarmsyndroms als Ausschlusserkrankung ist komplex und bedarf eines rationalen Algorithmus. Um wirtschaftlich vorgehen zu können, wurde daher
zur Abklärung des Beschwerdebilds in der neuen Deutschen S3-Leitlinie der folgende
Algorithmus empfohlen [1] (Abb. 1).
Abb. 1
Somatische Diagnostik
Anamnese/KU
Basislabor/Gynäkologische
Untersuchung/Sono
Diarrhö
Obstipation
Alarmsymptome
nein
ja
Individuelle Diagnostik
Umfangreiche
Diagnostik nötig
Abklärung des Beschwerdebilds
Abklärung des Beschwerdebildes
Zur Diagnosestellung sollten grundsätzlich 3 Punkte erfüllt sein:
1. Symptomanamnese: Muster und Ausmaß der Beschwerden sind mit einem Reizdarmsyndrom vereinbar: z. B. abdominale Schmerzen (meist Besserung durch Stuhlgang); veränderte Stuhlform in mindestens 2 der 3 Aspekte: Frequenz (wie häufig),
Konsistenz (hart, breiig, wechselnd), Passage (mühsam, gesteigerter Stuhldrang, Gefühl der inkompletten Darmentleerung, Schleimbeimengung); Gefühl der abdomi­
nalen Distension, Blähungen.
P Komponenten der Diagnosestellung:
1. Symptomanamnese
2. Ausschluss von Alarmsymptomen
3. Differenzialdiagnostik
2) Ausschluss von Alarmsymptomen („red flags“): Voraussetzung für die Diagnosestellung des RDS ist das Fehlen von „Alarmsymptomen“, die auf eine andere organische Erkrankung hinwiesen. Der Nachweis eines Alarmsymptoms schließt die Diagnose
eines Reizdarmsyndroms zunächst aus. Zu den Alarmsymptomen zählen u. a. Gewichtsverlust, Fieber, Blut im Stuhl, Anämie, stetige Zunahme der Beschwerden oder nächtliches Erwachen aufgrund der Beschwerden sowie schwere anhaltende Diarrhöen
(Tab. 1). Ferner gilt eine signifikante Veränderung der Darmbeschwerden als ein wichtiges Zeichen.
4
3) Differenzialdiagnostisches Sichern der Diagnose RDS: Die „Sicherung“ der Diagnose RDS erfordert den (symptomabhängig gezielten) Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen. Relevante Differenzialdiagnosen in Abhängigkeit des Leitsymptoms
sind in Tabelle 2 aufgeführt [1].
Alarmsymptome
Tab. 1
1. Gewichtsverlust
2. Fieber
3. Anämie, Blut im Stuhl
4. Stetige Zunahme der Beschwerden
5. Nächtliches Erwachen wegen der Beschwerden
6. Anhaltende (schwere) Diarrhö
7. Symptombeginn im Alter > 50 Jahre
Differenzialdiagnose in Abhängigkeit vom Leitsymptom
(modifiziert nach [1])
Reizdarmsyndrom – Leitsymptom
Differenzialdiagnose u. a.
Diarrhö
Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
Infektiöse Kolitis
Einheimische Sprue
Bakterielle Fehlbesiedlung
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
(Laktose-, Fruktosemalabsorption)
Mikroskopische Kolitis
Chronische Pankreatitis
Medikamentenunverträglichkeit
Hyperthyreose
Kolorektales Karzinom (paradoxe Diarrhö)
Inkontinenz
Obstipation
Hypothyreose
Medikamentennebenwirkungen
Kolorektales Karzinom
Divertikulose
Funktionelle Entleerungsstörung
Schmerzen
Morbus Crohn
Gastrointestinale Tumoren
Mesenteriale Ischämie
Porphyrie
Ovarialtumoren
Verwachsungen
Pseudoperitonitis diabetica
Mittelmeerfieber
Sichelzellanämie
Meteorismus
Bakterielle Fehlbesiedlung
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
(Laktose-, Fruktosemalabsorption)
Verwachsungsbauch
Chronische Obstipation
Histaminintoleranz
Zöliakie
Tab. 2
5
Mit der (obligaten) Basisdiagnostik, die jeder Patient erhalten sollte, werden Differenzialdiagnosen ausgeschlossen, die RDS-identische Symptome verursachen können.
Dies ist extrem wichtig, da einige der Differenzialdiagnosen schwerwiegend und bedrohlich sein können. So kann beispielsweise auch ein Ovarialkarzinom Beschwerden
wie Stuhlgangsveränderungen, Schmerzen, Blähungen etc. auslösen.
P Zur Basisdiagnostik gehören:
1. Anamnese und körperliche
Untersuchung
2. Basislabor
3. Ultraschall
4. Gynäkologische Untersuchung
Zur Basisdiagnostik gehören neben der Anamnese, die obligat auch die psychosoziale
Anamnese beinhalten sollte, eine ausführliche körperliche Untersuchung sowie ein
Basislabor, wozu primär ein Blutbild, CRP oder BSG und ein Urinsediment gehören [1].
Auch eine abdominale Sonografie sollte durchgeführt werden [1]. Sie ist einfach und
kostengünstig und mit ihr lassen sich viele Differenzialdiagnosen ausschließen.
Individuell durchzuführende Untersuchungen sind u. a. die Serumelektrolyte (v. a.
bei Diarrhö als Leitsymptom), Leberenzyme, Pankreasenzyme, TSH, TransglutaminaseAntikörper und Blutzucker (Tab. 3).
Laboruntersuchungen
Tab. 3
A) Generell empfohlen (Basislabor)
1.Blutbild
2.BSG oder CRP
3.Urinstatus
B) Individuell weiterführendes Labor
1. Serumelektrolyte, Retentionswerte
2.Leber- und Pankreasenzyme
3. Ferritin oder Transferrinsättigung
4.TSH
5.Glukose
6.Transglutaminase-Antikörper
7.Stuhl-Mikrobiologie
8.Calprotectin oder Lactoferrin im Stuhl
Eine Bestimmung des Eisenstatus (Ferritin oder Transferrinsättigung) kann sinnvoll
sein, um einen latenten Eisenmangel auszuschließen, der auf eine andere organische
Erkrankung hinweist.
Bei Frauen sollte außerdem obligat eine gynäkologische Untersuchung veranlasst
werden, da eine Vielzahl von Studien belegt, dass typische Reizdarmsymptome zu den
häufigsten Erst- bzw. Frühsymptomen von Ovarialtumoren zählen.
P Bei Frauen sollte eine gynäkologische
Untersuchung erfolgen.
Die weiterführende Diagnostik widmet sich dann gezielteren Fragestellungen. Sinnvoll ist dafür zwischen Patienten mit und solchen ohne Diarrhö zu unterscheiden.
Beim Hauptsymptom Diarrhö soll grundsätzlich eine eingehende diagnostische Abklärung einschließlich Erregerdiagnostik im Stuhl sowie endoskopischer (Gastroskopie
mit tiefen Duodenalbiopsien sowie Koloskopie mit Stufenbiopsien) und funktionsdiagnostische Untersuchungen (wie z. B. H2-Atemtests auf Laktose, Fruktose und Sorbit)
erfolgen.
P Die Diagnostik beim Hauptsymptom
Diarrhö sollte umfangreich sein,
da meist eine organische Ursache
nachzuweisen ist.
Leiden die Patienten nicht an Diarrhö, ist eher eine abgestimmte, weiterführende
Dia­gnostik notwendig. Auch hier können eine Ileokoloskopie, eine Ösophago-GastroDuodenoskopie, spezielle Funktionstests (z. B. H2-Atemtest), manometrische und bild­
gebende Verfahren, die Bestimmung inflammatorischer Stuhlmarker sowie eine psychologische Einschätzung der psychischen Patientenverfassung weiterführend sein,
sind aber nicht obligat.
Gilt das RDS diagnostisch als gesichert und tauchen im weiteren Verlauf keine neuen
Aspekte oder eine Veränderung der Symptomatik auf, sollte keine Wiederholung der
erfolgten Diagnostik erfolgen.
P Eine Wiederholung der apparativen
Diagnostik ohne neue Krankheits­
aspekte vermeiden.
6
Therapie
Aufgrund der Heterogenität des Beschwerdebilds ist die Therapie komplex und eine
Herausforderung für den Arzt. Die Therapie ist individuell festzulegen, es gibt keine
kausale Behandlung oder Standardtherapie.
Somit hat jeder medikamentöse Therapieversuch immer einen probatorischen Charakter. Grundsätzlich gilt, dass die medikamentöse Therapie stets symptomorientiert,
d. h. anhand des Hauptsymptoms (→ Schmerz, Blähungen, Obstipation, Meteorismus,
abdominale Distension) erfolgen sollte.
P Individualisierte, nach dem
Schweregrad gestufte Therapie
nach Leitsymptom
Zur strukturierten Planung eines therapeutischen Konzepts ist es hilfreich, das RDS
anhand des Stuhlverhaltens in 3 Subgruppen zu unterteilen: obstipationsdominanter
Typ (RDS-O), diarrhödominanter Typ (RDS-D) und gemischter Typ (RDS-M) (Tab. 4).
P Eine Einteilung anhand des
Stuhlverhaltens in Subgruppen
(RDS-O, RDS-M und RDS-D) ist
für die Therapiestrategie hilfreich.
Subtypen des Reizdarmsyndroms
RDS-O
(Obstipationstyp)
Harter Stuhlgang bei ≥ 25% aller Defäkationen
und flüssiger Stuhlgang < 25% aller Defäkationen
RDS-D
(Diarrhötyp)
Flüssiger Stuhlgang bei ≥ 25% aller Defäkationen
und harter Stuhlgang < 25% aller Defäkationen
RDS-M
(Mischtyp)
Harter Stuhlgang bei ≥ 25% aller Defäkationen
und flüssiger Stuhlgang ≥ 25% aller Defäkationen
Tab. 4
Ein wichtiger Aspekt in der Therapie ist die Aufklärung über das RDS. Der Arzt sollte
dem Patienten Erklärungsmodelle für seine Erkrankung erläutern [15]. Psychische
Schulungsmaßnahmen und Informationen über Verdauungstrakt, therapeutische
Optionen und psychophysiologische Zusammenhänge („gut-brain axis“) sind sinnvoll
und haben einen therapeutischen Charakter. Bei milden Beschwerden kann die Aufklärung über das Krankheitsbild bzw. die Beruhigung des Patienten therapeutisch
ausreichend sein.
P Die Entwicklung von Erklärungs­
modellen für die Erkrankung ist eine
wichtige Therapiekomponente.
Eine stabile Arzt-Patienten-Beziehung ist die Basis für einen langfristigen Therapieerfolg. Zu einer patientenzentrierten Behandlung des Reizdarmsyndroms gehören
das Krankheitsverständnis und die Ängste des Patienten zu erfragen, die Erwartung
des Patienten einzuschätzen und die Grenzen der Therapie aufzuzeigen. Der Patient
sollte aktiv in die Therapieentscheidung einbezogen werden, damit Vorbehalte und
Interessen des Patienten für oder gegen eine bestimmte Therapie berücksichtigt werden können.
P Eine stabile Arzt-PatientenBeziehung ist wichtig.
Ernährung und Lebensstil
Viele RDS-Patienten führen ihre Beschwerden auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten
zurück oder möchten ihre Beschwerden in Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln bringen. Es gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen zur Linderung
der RDS-Symptomatik durch Ernährungs- oder Lebensstiländerungen.
P Es gibt keine allgemeingültigen
Empfehlungen zur Ernährung.
Zu beachten sind jedoch Faktoren wie Stress oder Bewegungsmangel. Generell an­
zuraten sind ein strukturierter Tagesablauf, gesunde Ernährung, Rauchverzicht und
körperliche Aktivität. Es konnte gezeigt werden, dass eine 3–5-mal durchgeführte
30-minütige Bewegung pro Woche die Symptome des Reizdarmsyndroms bessert [23].
Bei Patienten mit Blähungen kann die das Meiden blähender Speisen wie Zwiebeln,
Bohnen oder Weizenkeime eine signifikante Besserung bringen. Es gibt Hinweise,
dass möglicherweise eine glutenfreie oder eine kohlenhydratarme Diät helfen können [24, 25]
Zur Therapie bei RDS-O zeigen mehrere Metaanalysen positive Effekte von wasserlöslichen Ballaststoffen (z. B. Flohsamenschalen) durch Vergrößerung des Stuhlvolumens
und Anregung der Darmmotilität [16].
Der Effekt des Laxans Macrogol bezüglich einer Verbesserung der Stuhlkonsistenz ist
durch eine Metaanalyse gesichert [17].
P Ein strukturierter Tagesablauf und
körperliche Bewegung ist anzuraten.
7
Trizyklische Antidepressiva sind nicht anzuraten, da sie eine obstipierende Wirkung
haben.
Die Antibiotika Neomycin und Rifaximin zeigen positive Ergebnisse [18], sollten jedoch
zurückhaltend eingesetzt werden. Probiotika wie Bifidobacterium animalis DN-173010,
Lactobacillus casei shirota und Escherichia coli Stamm Nissle 1917 zeigen in mehreren
Metaanalysen bei Patienten ebenfalls positive Effekte [19].
Der 5-HT4-Rezeptoragonist Prucaloprid hat als Prokinetikum in klinischen Studien seine
Wirksamkeit bezüglich Obstipationssymptome und Lebensqualität gezeigt [26] und ist
für Frauen mir RDS-O zugelassen. [1].
Seit Kurzem für das RDS-O zugelassen ist außerdem das Linaclotid, ein Guanylatcyclase­
inhibitor, der über Aktivierung eines Chloridkanals mit Einstrom von Chlorid, Bicarbonat
und Wasser zu einer Verbesserung der Stuhlkonsistenz sowie einer Reduktion abdominaler Schmerzen beiträgt.
Bei abdominalen Schmerzen zeigen Ballaststoffe kaum einen Effekt. Spasmolytika
(Mebeverin, Butylscopolamin) können zur Linderung chronisch rezidivierender Schmerzen eingesetzt werden.
Das Phytopharmakon STW-5 reduziert abdominale Schmerzen [20].
Trizyklische Antidepressiva und SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
können ebenfalls zur Schmerztherapie eingesetzt werden. Hypno- und Psychotherapie zur Besserung von Schmerzen kann empfehlenswert sein.
Die Probiotikastämme Bifidobacterium infantis, Lactobacillus casei shirota und Lactobacillus plantarum können zum Symptommanagement beitragen. 5-HT3-Rezeptorantagonisten (z. B. Alosetron) zeigten Wirksamkeit bei Schmerz, sind aber nur im Off-Label-Use und mit Vorsicht zu verwenden, da es bei deren Einnahme neben einer
Obstipation in extrem seltenen Fällen zu ischämischer Kolitis kommen kann [1]. Sie
sind daher in den USA nur unter Auflagen zugelassen.
Beim Leitsymptom Diarrhö ist es das Ziel eine Verbesserung der Stuhlkonsistenz sowie eine Verringerung der Stuhlfrequenz zu erreichen.
Ballaststoffe können durch Wasserbindung eine erhöhte Passagezeit sowie eine verbesserte Stuhlkonsistenz ermöglichen.
Durch das Phytopharmakon STW-5 lässt sich eine Stuhlnormalisierung erreichen [20].
Auch bestimmte Antidiarrhoika und Spasmolytika zeigen Effekte.
Darüber hinaus können eine Hypno- oder Psychotherapie zur einer Besserung der
Diarrhö beitragen. Trizyklische Antidepressiva können nach Nutzen-Risiko-Abwägung
niedrig dosiert angewendet werden. In schweren Fällen haben sich 5-HT3-Rezeptorantagonisten als wirksam erwiesen, sind aber nur im Off-Label-Use und mit Vorsicht zu
verwenden, da deren Anwendung wie bereits erwähnt zu Obstipation und ischämischer Kolitis führen kann [1].
Ballaststoffe führen häufig zu Blähbeschwerden, weshalb sie zur Behandlung von Blähungen nicht geeignet sind. Für das Phytopharmakon STW-5 sind Besserungen berichtet. Probiotika wie Bifidobacterium infantis 35624, Bifidobacterium animalis ssp. lactis
DN-173010, Lactobacillus casei shirota und Lactobacillus plantarum zeigen positive
Studienergebnisse in Bezug auf Blähbeschwerden [21].
Eine Gesamtübersicht über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten zeigt Abbildung 2.
8
Abb. 2
Diagnosesicherung
Ärztliche Aufklärung, Entwicklung von Erklärungsmodell, Arzt-Patienten-Beziehung
Schmerzen
Spasmolytika
Analgetika
Probiotika
Ggf. Antidepressiva
Ggf. topische Antibiotika
Obstipation
Ballaststoffe
Laxanzien
Prucaloprid
Linaclotid
Ggf. SSRI
Probiotika
Allgemeinmaßnahmen
Symptomorientierte
medikamentöse
Therapie
Blähungen
Probiotika
Topische Antibiotika
Phytotherapeutika
Simeticon
Stuhlregulation
Ernährung (z. B. glutenfrei)
Bewegung
Diarrhö
Loperamid
Cholestyramin
Probiotika
Quellstoffe
Ggf. niedrig dosierte
Antidepressiva
5-HT3-RA
Phytotherapeutika
Übersicht über mögliche Therapiemethoden (modifiziert nach [22])
Fazit
Das Reizdarmsyndrom ist eine in der Praxis häufig auftretende, komplexe funktionelle
Gesundheitsstörung, die einer sorgfältigen Anamnese bedarf und individuell behandelt werden muss. Die Pathogenese ist multifaktoriell mit genetischen und psycho­
sozialen Aspekten. Wichtig ist eine sichere Diagnosestellung, die weitgehend auf dem
differenzialdiagnostischen Ausschluss anderer Erkrankungen beruht. Eine Wieder­
holung der apparativen Diagnostik bei bestehendem Reizdarmsyndrom ohne neue
klinische Aspekte ist zu vermeiden. Der ganzheitliche therapeutische Ansatz umfasst
neben der notwendigen Unterstützung des Patienten mittels eines guten Arzt-Patienten-Verhältnisses und der Erfassung und Behandlung etwaiger (psychischer) Komorbiditäten auch Lebensstilinterventionen, die zu einem besseren Wohlbefinden beitragen können. Im Vordergrund steht die symptomatische Therapie des Leitsymptoms
mit dem Ziel der Beschwerdelinderung.
Zu empfehlende Literatur
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Literatur
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syndrome (IBS): association with TNFSF15 and TNFα.
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11
Fragen zum Reizdarmsyndrom
Frage 1:
Merkmale des Reizdarmsyndroms (RDS) – welche Aussage ist
falsch?
EE Es bestehen länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden, die von Patient
und Arzt auf den Darm bezogen werden
EE In der Regel bestehen Veränderungen des Stuhlverhaltens
EE Die Lebensqualität ist deutlich beeinträchtigt
EE Das RDS geht oftmals mit einer nachweislichen Entzündung einher
EE Eine organische Veränderung lässt sich mit diagnostischen Standardverfahren
nicht nachweisen
Frage 2:
Welche Aussage trifft auf das RDS zu?
EE Die Therapie des RDS ist nicht kausal, sondern symptomatisch und richtet sich
nach dem prädominanten Symptom
EE Typische Beschwerden sind Hautausschläge, Blähungen und Grippesymptome
EE Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bekannt und kausal behandelbar
EE Die Form des Stuhlgangs (hart, breiig) hat für die Diagnose des RDS keine Relevanz
EE Aufgrund der spezifischen Symptomatik ist ein Reizdarmsyndrom leicht zu
diagnostizieren
Frage 3:
Welche Aussage trifft auf das RDS nicht zu?
Falk
Gastro-Kolleg
Darm
Bitte beachten Sie:
Bei der Beantwortung der Fragen
ist immer nur 1 Antwort möglich.
Die Beantwortung der Fragen und
Erlangung des Fortbildungszertifikats
ist nur online möglich.
Bitte gehen Sie dazu auf unsere Homepage
www.falkfoundation.de.
Unter dem Menüpunkt Falk Gastro-Kolleg
können Sie sich anmelden und die Fragen
beantworten.
Bitte diesen Fragebogen nicht
per Post oder Fax schicken!
EE Ein Darminfekt kann postinflammatorisch zu einem RDS führen
EE Inflammatorische Botenstoffe und eine veränderte Darmflora gelten als mögliche
Ursachen
EE RDS-spezifische Biomarker werden bereits routinemäßig labormedizinisch erfasst
EE Motilitätsstörungen können für ein RDS ursächlich sein
EE Eine herabgesetzte Schmerzschwelle sowie psychosomatische Störungen können
ursächlich für ein RDS sein
Frage 4:
Welche Untersuchung dient nicht zur Abklärung von Differentialdiagnosen des RDS?
EE
EE
EE
EE
EE
Laktose-H2-Atemtest
Koloskopie
Ergometrie
Körperliche Untersuchung
Rektale Untersuchung
Frage 5:
Welche Feststellung zur allgemeinen nicht-medikamentösen
Therapie des RDS ist falsch?
Wichtig:
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
EE Die Behandlung eventuell vorliegender psychiatrischer Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen kann auch die Reizdarmsymptomatik bessern
EE Durch Probiotika können Stuhlgangsveränderungen normalisiert werden
EE In der Akupunktur sollte der Milz-Pankreas-Meridian sediert werden
EE Spezielle Diätempfehlungen gibt es nicht
EE Ein glutenfreie Diät kann hilfreich sein
12
Frage 6:
Welche Aussage zur Therapie des RDS ist falsch?
EE Die Therapie des RDS orientiert sich an den im Vordergrund stehenden Symptomen
wie Obstipation, Diarrhö, Schmerz, Blähungen, Meteorismus und abdominaler
Distension
EE In der RDS-Therapie kommen etablierte, standardisierte Therapieverfahren zum
Einsatz
EE Psychische Komorbiditäten sollen erfasst und ebenso einer Therapie zugeführt
werden wie die körperlichen Erscheinungen des RDS
EE Der Arzt soll den RDS-Patienten einfühlsam über sein Krankheitsbild informieren
und gemeinsam mit dem Patienten mögliche Triggerfaktoren wie Nahrungsmittel
oder Stress herausfiltern
EE Bewegung, Nichtrauchen, Sport, Kontakt mit einer RDS-Selbsthilfegruppe sind
grundsätzlich anzuratende Maßnahmen
Falk
Gastro-Kolleg
Darm
Frage 7:
Welche Aussage ist falsch? Probiotika
EE
EE
EE
EE
EE
beeinflussen die Zusammensetzung der Darmflora
werden vollständig durch die Magensäure abgetötet
modulieren das Immunsystem
beeinflussen die Darmmotilität
können stammspezifisch RDS-Symptome modulieren
Frage 8:
Behandlung der Obstipation – was trifft nicht zu?
EE Eine ballaststoffreiche Ernährung kann die Reizdarmsymptomatik (Blähungen,
Schmerz) verstärken
EE Osmotisch wirksame Laxanzien verbessern die Stuhlkonsistenz
EE Prokinetika sollten nicht angewendet werden
EE Linaclotid ist für das RDS mit Obstipation zugelassen
EE Prucaloprid ist nur für Frauen zugelassen
Frage 9:
Das Arzt-Patienten-Gespräch – welches Vorgehen ist unangemessen?
EE
EE
EE
EE
EE
Verdeutlichung des Einflusses emotionaler Faktoren auf die Symptomatik
Vermitteln, dass die Beschwerden meist rein psychosomatisch bedingt sind
Hinweis auf die Gutartigkeit der Beschwerden
Erörterung wichtiger Differenzialdiagnosen wie Malignome
Ein empathisches Verhalten
Frage 10:
Behandlung der Diarrhö – welche Therapieoption sollte zurück­
haltend und nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung
eingesetzt werden?
EE
EE
EE
EE
EE
Quellstoffe
5-HT3-Rezeptorantagonisten
Probiotika
Antidepressiva
Loperamid
13
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