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Kultur
B ü n d n e r Ta g b l a tt
S a m s t a g , 3. M a i 2 0 1 4
Kunst, wo sonst kaum
jemand stehen bleibt
Ein Kunstparcours mit Interventionen und Diskussionen: Der Verein Art-Public Chur präsentiert
mit «Ortung.» sein zweites Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Heute ist der Auftakt.
B
▸ JULIAn REICh
«Odissea» führt junges
Theater nach Bern
Das Junge Theater Graubünden hat am Donnerstag
das Stück «Odissea» in Ilanz zur Uraufführung
gebracht. Das vom antiken Epos inspirierte Werk wird
noch heute Samstag um 20 Uhr in der Lagerhalle der
Getränke Oswald AG in Ilanz aufgeführt. Mit der
dritten Produktion dieses Jahres, die unter der Regie
von Roman Weishaupt und Barbara Schneider
entstanden ist, wurde das Junge Theater Graubünden
darüber hinaus an das nationale Jugendtheaterfestival Spilplätz 14 eingeladen, wie die Verantwortlichen
kürzlich mitteilten. Das Festival wird seit dem Jahr
2000 durchgeführt, dabei sind immer zwölf Schweizer
Jugendspielclubs zu Gast. In diesem Jahr findet das
viertägige Festival in Bern statt, wo «Odissea» am
4. Juni zu sehen sein wird. (Bt/FOtO MarcO HartMann)
K u lt u r no t i z e n
Werke für Abu Dhabi in Paris Im Louvre-Museum
in Paris können Besucher seit gestern eine Sonderausstellung mit Meisterwerken besichtigen, die ab
kommendem Jahr im neuen Louvre Abu Dhabi zu
sehen sein werden. Die Auswahl von 160 Kunstwerken aus allen Epochen können in Paris noch
bis zum 28. Juli bewundert werden. Das neue
Museum in Abu Dhabi soll Ende 2015 eröffnet
werden. Die Kunstsammlung für das neue
Museum war 2009 mit dem Aufkauf eines Piet
Mondrian für 21,5 Millionen Euro gestartet worden.
Salsa-Musiker Juan Formell gestorben Der
kubanische Salsa-Musiker starb am Donnerstag im
Alter von 71 Jahren, wie das staatliche Fernsehen
berichtete. «Er war ein Botschafter der kubanischen Musik und Lehrmeister mehrerer
Musikergenerationen», schrieb die Parteizeitung
«Granma». «Mit ihm verliert Kuba einen seiner
grössten Söhne», hiess es in dem Bericht.
Monacos Fürsten boykottieren Cannes Aus
Protest gegen die Vorführung des Films «Grace of
Monaco» wird die Fürstenfamilie von Monaco
nicht an der Eröffnung des Filmfestivals in
Cannes am 14. Mai teilnehmen. Die Familie wolle
in keiner Weise mit diesem Film in Verbindung
gebracht werden, hiess es in einem Communiqué
des Palastes. Der Streifen des französischen
Regisseurs Olivier Dahan über den Weg der USSchauspielerin Grace Kelly zur monegassischen
Fürstin Gracia Patricia sei in keiner Weise
realistisch, erklärte die Fürstenfamilie.
Fortsetzung für «24» Vier Jahre lang mussten die
Fans warten, jetzt feiert die Echtzeit-Serie «24»
mit Kiefer Sutherland ihr Comeback. Die erste
Folge wird an diesem Montag, 5. Mai, in den USA
ausgestrahlt.
Bis in den Dezember hinein soll es
dauern, das Kunstprojekt «Ortung.»; es bietet 18 Künstlerinnen
und Künstlern die Möglichkeit, an
einer Plakatwand, in Vitrinen und
Schaufenstern und im medialen
Raum Werke zu realisieren. Ausserdem wird an drei Podien zu ergründen versucht, was Kunst im öffentlichen Raum eigentlich soll und ob
Chur sie überhaupt braucht. Das
ambitionierte Vorhaben will die
Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum
fördern und die Bevölkerung durch
Führungen und andere Vermittlungsangebote dafür sensibilisieren – ganz der Satzung des Trägervereins Art-Public Chur entsprechend. nach dem Premierenprojekt
«Säen, ernten, glücklich sein» 2012
erfolgt heute der Startschuss für Projekt nummer zwei. Gestern wurden
die ersten Stationen vorgestellt.
Signorells Linien
Der Kettweg ist nicht gerade das,
was man eine Flaniermeile nennen
würde. Er liegt unweit der Bahngeleise, eingeklemmt zwischen einem
Recycling-Gelände und Vorgärten.
Die eine Seite des Weges säumt eine
Reihe von Plakatwänden, die seit
Jahren nicht mehr genutzt wurden.
24 an der Zahl. Sie werden in den
kommenden Monaten von vier
Künstlern bespielt. Den Auftakt
macht Gaudenz Signorell mit «Big
Bic». Der Bündner Fotograf hat sich
eingehend mit Plakatgestaltung
auseinandergesetzt. Dabei stiess er
auf ein 50 Jahre altes Werbeplakat
für die Kugelschreibermarke Bic,
das mit klaren, schwungvollen Linien den Firmennamen zeigt. Signorell fotografierte Ausschnitte, vergrösserte sie und manipulierte sie
durch Spiegelungen und Drehungen. Entstanden sind zwei Dutzend
abstrakte Linienbilder, die ihre herkunft als Werbemittel in sich tragen
und somit klar auf ihren jetzigen Ort
verweisen. Und wer den Blick auf
die Recycling-Anlage und weiter
auf die Bahngeleise wirft, der findet
auch dort Wiederverwendetes und
klare Linien.
Wüsts Faltungen
Weniger spezifisch für den Ort geschaffen ist Erik Steinbrechers «Er»,
eine Plastik, die der Künstler auch
schon in Galerien in Wien und Berlin gezeigt hat. nun steht sie am Casinoplatz in einem Schaufenster: Eine Puppe mit Maske, ohne Arme,
mit zu grossen Schuhen und zu weitem T-Shirt. Eine unheimliche Gestalt, die den Betrachter dazu einladen soll, sich selbst einen Reim darauf zu machen. Was soll das? Ein
verkapptes Selbstporträt des Künstlers? Eine hintertreibung der Erwar-
Spiegelungen und Lichtblicke: Das Kunstprojekt «Ortung.» präsentiert Werke im öffentlichen Raum von
Angela Wüst (oben) und Remo Albert Alig. (FOtOs MarcO HartMann)
tung des Betrachters, der doch in einem Modeschaufenster möglichst
gesichtslose Modellfiguren zu sehen gewohnt ist?
Direkter auf den Ort, an dem ihr
Werk zu sehen ist, nimmt die
Künstlerin Angela Wüst Bezug. Sie
zeigt eine Installation von rund 20
Fotografien, die am selben Ort entstanden sind: in der Glockengasse,
die, obwohl mitten in der Stadt,
kaum begangen wird. Wüst hat diesen Zwischenraum aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert, die Pflästerung, die Fenster,
hat Spiegelungen und Reflexe eingefangen. Die daraus entstandenen Fotografien hat die Künstlerin
sodann gefaltet und in der Vitrine
angeordnet, womit sie eine objekthafte Wirkung erhalten und auf
spannende Weise auf die Architektur ihrer Umgebung zurückwirken.
Das Heilige im Profanen
Eine vierte Arbeit ist in der Rathaushalle zu entdecken: «heiliggeist»
von Remo Albert Alig. Vor 1540 soll
ganz in der nähe eine heiliggeistKirche gestanden haben. Als sie abgebrochen wurde, versetzte man eines ihrer Spitzbogenfenster in die
Rathaushalle, die damals als Marktplatz fungierte. So kam das heilige
zum Profanen. Ausgekleidet war
das Fenster schon damals mit Alabaster, ein Salzsediment. Alig beschäftigt sich in seinem nicht unbedingt ins Auge springenden Werk
wie so oft mit historischen, theologischen und philosophischen Themen. Der Alabaster verweist nicht
nur auf das kostbare handelsgut
Salz («weisses Gold»), sondern besitzt auch in der Bibel eine zentrale
symbolische Bedeutung. Und nicht
zuletzt hat der Alabaster auch einfach eine ästhetische Qualität, die
das Plexiglas, das er nun bis Dezember ersetzt, als regelrechte Sünde erscheinen lässt.
Podien, Führungen, Zeitungsseiten
Das Projekt «Ortung.» führt drei Podiumsdiskussionen durch. Am
Mittwoch, 7. Mai, wird um 20 Uhr in der «Werkstatt» in Chur unter dem
Titel «Kunst im öffentlichen Raum – Chance oder Luxus?» debattiert.
Es folgen Gespräche am Mittwoch, 25. Juni, um 20 Uhr im Theater Chur
(«Braucht Chur Kunst im öffentlichen Raum?») und am Mittwoch,
3. September, um 20 Uhr im Theater Chur («Kunst und Presse»). Der Verein Art-Public veranstaltet darüber hinaus diverse Führungen, von denen
sich einige auch an Kinder ab sechs Jahren richten. Ausserdem wird in
der «Südostschweiz» jeweils in der Samstagsausgabe alle zwei Wochen
eine Seite publiziert, die von einem Künstler gestaltet worden ist. Vernissage ist heute um 11 Uhr am Kettweg. Infos unter www.ortung.gr.
InSERAT
Am 4. Mai 2014 können Sie den Sonntagmorgen bei uns beim Spiel der Jugendmusik
Chur auf unserer Terrasse geniessen. Von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr servieren wir Ihnen
feine Weisswürste und Brezel mit Bier. Wenn das Wetter nicht mitspielt, findet der
Anlass im Foyer statt.
Restaurant VA BENE | Gäuggelistrasse 60 | 7000 Chur | T +41 81 258 78 02 | [email protected] | www.restaurant-vabene.ch
Sonntag, 4. Mai
Frühschoppen
echt besser