Originalprüfung 2007 Baden-Württemberg

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Originalklausur
mit Musterlösung
Abitur Politik und Wirtschaft
Aufgabe I:
Aufgabe II:
Lebensformen / Familienwirklichkeit
Parteiensystem / Wahlen / Wählerverhalten
In den Aufgabenstellungen werden unterschiedliche Operatoren (Arbeitsanweisungen) verwendet; sie weisen auf unterschiedliche Anforderungsbereiche
(Schwierigkeitsgrade) hin und bedeuten, dass unterschiedlich viele Punkte
erzielt werden können. Die Lösungen zeigen beispielhaft, welche Antworten
die verschiedenen Operatoren erfordern.
Alles Wissenswerte rund um die Abiprüfung finden Sie im Buch im Kapitel
„Prüfungsratgeber und Prüfungsaufgaben“.
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befindet sich auf der vorderen Umschlagklappe.
Die Veröffentlichung der Abitur-Prüfungsaufgaben erfolgt mit Genehmigung des zuständigen Kultusministeriums.
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Für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte,
Biologie, Chemie, Physik sowie Politik und Wirtschaft
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
Hinweise für die Abiturientinnen
Abiturprüfung
Hauottermin
an den
allgemein
bildenden
und Abiturienten
Gymnasien
2007
nschaftskunde
Prüfungsfach:
Gerne
Bearbeitungszeit:
270
Hilfsmittel:
Nachschlagewerke
Minuten
einschließlich
Auswahlzeit
zur deutschen
Rechtschreibung
und
Zeichensetzung
Hinweise:
Sie erhalten zwei Aufgaben.
Wählen Sie davon eine Aufgabe aus und bearbeiten
Sie diese.
Vermerken Sie auf der Reinschrift genau, welche Aufgabe Sie
bearbeitet haben.
Sie sind verpflichtet die Vollst~ndigkeit der vorgelegten Aufgaben
vor Bearbeitungsbeginn
(auf Anzahl der Blatter, Anlagen usw.)
zu überprüfen.
lösungen
auf den Aufgabenblättern
werden ~
gewertet.
Ministerium
AbiturprOJung
Prüfungsfach:
H~uDttermin
für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
an den
allgemein
bildenden
Gymnasien
Aufgabe
Gemeinschaftskunde
~1
2007
HOchstzahl
Aufaaben:
der
I
von 4
erreichbaren
Verrechnunaspunkte
Arbeiten Sie heraus, welche
2
des Autors von M 2 in Deutschland
Überprüfen
Sie mit Hilfe von M 3 und M 4, ob die in M 2 beschriebene
3. Beschreiben
Oberprüfen
sowie
12VP
entspricht.
zwischen dem Wandel der
10VP
und dem Wandel der Geschlechterrollen.
nbunte Lebensformen"
Erläutern
besteht.
Realität
Sie mit Hilfe von M 11 inwieweit
das Grundgesetz
Familien
(M 2, Z. 23) schützt.
Sie mit Hilfe von M 3 und M 4 die Zusammenhänge
Lebensformen
6
der gesellschaftlichen
Sie mögliche Zusammenhänge
Lebensformen
5.
(M 2, Z. 33} nach
Auffassung
"Familienwirklichkeit"
.1.
nFamilienwirklichkeit"
und Armutsrisiko
zwischen
12VP
in Deutschland.
Bewerten Sie die Bedeutung der Familie für die "Zukunftssicherung
der Gesellschaft"
12VP
(M 2, Z. 26).
60 V P
KM B.-W.
Die Aufgaben
dürfen
nur mit Zustimmung
des Regierungspräsidiums
Stuttgart
verOffentlicht
~rden.
AbiturprOJung
an den allgemein
bildenden
Gymnasien
PrOfunQsfach: Gemeln$chaftskunde
Haupttermin
Aufgabe
2007
~
2von4
Materialien:
M 1 Grundgesetz
M 2 Aus:
Thomas
E. Schmidt,
Das große
Kuddelmuddel
In: Die Zeit vom 01.02.2006
Die Demografiedebatte
hat dem Thema Familie viel öffentliche
etwa fünf Jahren erhält auch Familienpolitik
sei dazu
aufgerufen,
Gesellschaft
5
Viele
Diskussionen
solle.
erhalten,
Frau.
Alleinernährer
einer
Konstrukt
20
die
Mitte
Steigerung
Nationen
der
überleben.
nicht gegengerechnet.
der
Gesellschaft.
ist.
der
volkswirtschaftliche
und als Verdienerin
mit fairen
[...]
Mann
Die deutsche
übernehmenden
Familie
diese
robust
leben
aussehen
und
als in
auf sich. [...]
In Familien
der industriellen
Produktion
als zu Wuermelings1
»versingelt«
zwar,
in
Zeiten. Sie
auch
nicht.
Die
älterer Frauen, die
aber es lassen
sich vor allem
sind hoch, aber sie werden
aber statistisch
gesehen
bedeutet jede
ein erhöhtes Armutsrisiko.
keine Werte
dreißig
geburtenstarken
Argumentation
mehr
erwiesen:
ist zum großen Teil ein Phänomen
steigen
kulturelles
nach wie vor überwiegend
Gesellschaft
Mittel in die Familie
man
ein
Vorstellungen
als ausgesprochen
Teilzeit
mit männlichem
zog in Deutschland
und traditionalistische
Die Deutschen
ist
in Deutschland
und einer
Familie
Mutter
Auch die Wiederverheiratungsraten
Sachverhalten
Und wenn
sich eine
vollzeitbeschaftigten
Die Scheidungsraten
öffentlicher
wünscht
auf die Anforderungen
Und
bestehende
Leitbild aktiv gestalten
der Frauen
Familienzeit
Klar: viele bunte Lebensformen,
Man kann aus solchen
Vergreisung
Modell
von der Familiennorm
eine Investition
Die Mehrheit
auch wenn die heute anders
Paare ohne Kinder scheiden.
vernünftig
religiöse
bei Einpersonenhaushalten
ihre Männer
25
in die Zukunft
ob Gesellschaftspolitik
oder gar nach einem
des 19. Jahrhunderts.
[...] Es ist recht eindeutig:
die
Abweichung
Fürsorge
konnte sich die Gesellschaft
Familienverbänden,
bilden
Seit
Sie insbesondere
besteht die Mehrheit der Haushalte
mit einem
hat sich das klassische
organisiert,
einstellen.
Investitionen
worden,
begleiten
Außerdem
meistens
europäischen
Immerhin
geführt
Das ist die Ausgangslage.
und
sozialpolitisches
15
ihren Wandel
auf dem Arbeitsmarkt.
arbeitenden
darum
als Mutter mit entsprechender
Doppelverdienern,
anderen
staatlichen
liegen die Dinge einfacher.
Doppelrolle
Chancen
aus
sind auch
In Wahrheit
lebbare
die
und Eigenleben.
verschafft.
zu steuern. I
Lebensformen
10
so ihre Vertreter.
mehr Gewicht
Aufmerksamkeit
Jahre
Jahrgänge
eine ethische
ableiten,
aber es spricht viel dafür, dass
für die Zukunftssicherung
nach
vor
vorn
blickt
Augen
Komponente
der Gesellschaft
und sich
führt,
hinzu.
dann
die
kommende
gewinnt
die
Abiturprüfung
an den allgemein
Prüfungsfach:
Haupttermin
30
bildenden
Gymnasien
Gemeinschaftskunde
Aufgabe
2007
~
Es wird nämlich nicht nur eine Strukturfrage
mit
mehr
Kindern,
Pflegepflichten
müssen
Familienwirklichkeit
parteipolitische
aber
neu verteilt
genau staatlich
WertvorstellunQen
1 Franz-JosefWuemJeling
kinderreiche
bestimmt
(1900 -1986)
bleiben, wie die Gesellschaft
mehr
Alten
werden.
unterstützt
künftig -hoffentlich
-Fürsorgeleistungen
Es ist also
werden
von
großer
3von4
organisiert.
Bedeutung,
soll, die bestehende
Die
welche
oder eine durch
idealisierte.
tohrte als Familienminister (1953 -1962)
1955 die vert>illigten Bahnfahrkarten tor
Familien ein.
M 3: Betroffenheit
von Armut in Deutschland
nach ausgewählten
Haushaltsmerkmalen
im Jahre
2004
Aus: Statistisches
Bundesamt
(Hrsg.), Datenreport
2006, S. 619
BevölkerunQsanteil
GruDDe
Insgesamt
ArmutsQuote(*)
100
12,7
18,1
16.6
277
6.6
37,1
12,8
Haushaltstypen
Singlehaushalt
Paarhaushalt
ohne Kind
Paarhaushalt ~ mit minderjährigem
Kind'
Einelternhaushalf
5.0
35.8
11,7
10.6
05
10.2
Mit 1 Kind
15,0
13,4
Mit 2 Kindern
15, 1
8,9
7,0
19.8
2.8
31,7
2.2
40,9
Elternhaushalt
mit erwachsenem
Kind
Sonstige Mehrpersonenhaushalte
1 Paarhaushalt
mit minderjährigem
Mit 3 und mehr
Kind
Kindern
2 Einelternhaushalt
Mit 1 Kind
Mit 2 und mehr
Kindern
(*) Armutsquote: Umfang der Armutspopulation
in Prozent. Als arm gilt ein Haushalt, dessen Pro-Kopf-Einkommen
weniger
als 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens betragt.
KM
B.-W.
Die Aufgaben dürfen nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart veröffentlicht werden.
Abiturprüfung
an den
Prüfungsfach:
Haupttermin
allgemein
bildenden
Gymnasien
Gemeinschaftskunde
Aufgabe
~
2007
M 4: Väter und Mütter mit Kindern unter 18 Jahren nach Familienform
Lebensunterhalt
Aus: Statistisches
in Deutschland
Bundesamt
4von4
und überwiegendem
im Jahre 2005
(2006), Leben in Deutschland.
Ergebnisse
des Mikrozensus
2005, S. 49.
1 Rente, Pension; Unterhalt durch Eltern, Ehepartner/-in, Lebenspartner/-in oder andere AngehOrige; eigenes Vermögen, Ersparnisse, Zinsen, Vermietung, Verpachtung, Altenteil; Leistungen aus der Pflegeversicherung;
Sozialhilfe, -geld (auch- Grundsicherung,
Asylbewerber1eistungen); sonstige Unterstotzungen-
KM B.-W.
Die Aufgaben dürfen nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums
Stuttgart veröffentlicht werden.
Ministerium
für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
Abiturprüfung
an den
allgemein
bildenden
Gymnasien
PrOfunQsfach: Gemeinschaftskunde
Haupttermin
Aufgabe
~1
2007
Höchstzahl
AufQaben:
der
II
von 4
erreichbaren
Verrechnunaspunkte
1
Arbeiten
Sie aus M 2 heraus,
welche
systems
der Autor beschreibt
und worin
2. Der Autor von M 3 befasst
Entwicklung
er deren
des deutschen
Ursachen
sich mit dem Wahlerverhalten,
parteien-
8VP
sieht.
seinen
Ursachen
und Auswirkungen.
Stellen
Sie seine Argumentation
3. Überprüfen
Sie, inwieweit
zum Wahlerverhalten
4.
8VP
dar.
sich die Aussagen
anhand
des Materials
der Autoren
von M 2 und M 3
M 4 belegen
Erläutem Sie den Einfluss der Veröffentlichung
lassen.
von Umfrageergebnissen
10VP
auf das Wählerverhalten.
5
Stellen
Sie -unter
Bezugnahme
in der parlamentarischen
12VP
auf M 2 -die
Demokratie
Funktionen
von Wahlen
10VP
dar.
6. Der Autor von M 2 befürwortet das Mehrheitswahlrecht
Beurteilen Sie, inwieweit das Mehrheitswahlrecht
Effizienz des politischen Systems begünstigt.
(vgl. Z. 20 ff.)
die Stabilität und
12VP
60VP
KM B.-W.
Die Aufgaben dürfen nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgar1 veröffentlicht werden.
Abiturprüfung
an den
Prüfungsfach:
HauDttermin
allgemein
bildenden
Gymnasien
Gemeinschaftskunde
Aufgabe
2007
~
II
2von4
Materialien:
M 1 Grundgesetz
M 2 Aus:
Konrad
Adam,
In: Die Welt
Wie man eine Mehrheit
vom 22.09.2005
Die Volkspartei
war die große Neuerung
der deutschen
Tradition
schen Vorbild,
wo ja nur zwei Parteien
Parteien,
im politischen
der Weltanschauungs-
wie sie in Amerika
5 Kompromiss
schafft
heißen,
oder Milieuparteien
leben davon, die unvermeidlichen
keit war jahrzehntelang
der deutschen
das Erfolgsrezept
sie sich jedoch als Handicap.
Konkurrenten,
Parteienlandschaft
können
15 Wahlentscheidung
fällt Volksparteien
wieder
auf,
naturgem~ß
einem
deutschen
eines Glaubensaktes
(...) Wenn
der Volksparteien
wird die Regierungsbildung
20 zur Zeit ja schon den Anschein
Widerstand
sondern
25 Abbildung
1 Konkordanz
KM
B.-W.
der
auch
Parteien,
des Wählerwillens
= Übereinstimmung,
Die
Aufga~~_n~ürfen
zurück.
genauso
die sich
am deutschen
enger ist als das
Eindeutigkeit
folgend,
Diese Bewegung
leisten.
das nicht nur Stimmungen
oft jedoch
vom
Gerechtigkeitsgefühl,
Zeiten
wie es
und Präferenzen
Antwort.
benachteiligt
fühlen,
dem die maßstabgetreue
Regierung.
Gemeinsamkeit
nur
mit
Zustimmung
des
Regierungsprasidiums
Die
Und das nicht nur am
Mehrheitswahlrecht
mehr gilt als eine handlungsfähige
mitzumachen
unmöglich,
wäre die passende
gescheitert.
die
kompensatorisch
am Ende nahezu
und produziert,
gewinnt
mit der sie in besseren
und die Richtungsparteien
immer schwieriger,
begünstigt
worden,
und vor allem
anhält
hat. Ein Wahlrecht,
auch Mehrheiten
kleineren
Urbedürfnis
nicht leicht. Die Geschäftsidee,
ist in der Krise blass geworden.
ist oft erhoben
Seit einiger Zeit erweist
besser als in den fetten Wachstumsjahren,
die
sich die früher auf Konkordanz 1 getrimmte
ihre Gewinne einfuhren,
sondern
Volksparteien.
sie sich den Luxus programmatischer
und
den Charakter
die Erosion
Profil (...). Diese Profillosig-
sind die kleineren Parteien (...). Da ihr Spektrum
Bei den W~hlern scheint das gut anzukommen,
für alle erkennbar
vorüber sind. So fächert
Forderung
durch den
(...)
10 Gewinner dieser Entwicklung
abbildet,
Differenzen
all"-
Stabilität zugute.
durch ihr verwaschenes
aufholen,
Diese "Catch
Das macht sie attraktiv für viele und kommt
Den Preis dafür zahlen die Volksparteien
der großen
Sie brach mit
und folgte dem amerikani-
die Sache unter sich ausmachten.
in den eigenen Reihen zu überbrücken.
der politischen
Betrieb der Nachkriegszeit.
Stuttgart
verOffentlicht
werd~~
AblturprOfung
an den
-Prüfungsfach:
Haupttermin
allgemein
bildenden
Gymnasien
Gemeinschaftskunde
Aufgabe
2007
~
M 3 Aus: Wolfgang
Hartenstein,
Fünf Jahrzehnte
Wahlen in der Bundesrepublik
II
3von4
Deutschland'
Stabilität und Wandel
In:
Aus Politik und Zeitgeschichte,
Neben den sozialen Veränderungen
gen im Wahlverhalten
abgabe
5
Namen:
(...).
manchen
Die wichtigste
zwischen
Privatisierung,
Gleichzeitig
gibt es einen Wandel
Auswirkung
gewinnen
unkonventionelle
Distanz betroffen.
Wenn die großen
Parteien bei ihrem Werben
der Wahl ganz fernzubleiben).
~
Wirkung
Top-Themen
drangende
und Pluralisierung
sind Parteien
und Parlamente
vom
Hemmungen,
auf den raschen Wechsel
zwischen
von Politikern
mit Politikern
und politischen
der Praferenzen
und Parteien.
so entscheiden
über den Erfolg.
Themen
und Meinungen
Die kurzatmige
wer
wer-
(oder aber
geht eine
aus, weil die
und zur Vereinfachung
für Politiker, augenblicklich
zu reagieren,
führen zu neuartigen
Wie im Theater
Beifall sorgen, sondern die Darstellung
der Inszenierung,
und die Tagesform
ähnlicher
den Parteien zu wechseln
Art der Darbietung und der Zwang (oder die Versuchung)
bei der Beurteilung
voneinander
(.. .)
der Text für mehr oder weniger
Auftritte
-in
um die flexible Mitte immer weniger
sich in immer kürzeren Zyklen abwechseln.
und die Qualität
Bürgerinitiativen
(...)
vor Kamera und Mikrofon auf die jeweils neueste Wendung
Kriterien
-wie
der Lebensstile
sich das Gefühl, es mache keinen so großen Unterschied,
Von den Medien und ihrer Art des Umgangs
erhebliche
liegt dann, dass
Hebeln der Macht sitzt. Wenn aber die Parteien einander
den, dann gibt es auch weniger
15
auf die Stimm-
lockern. (...) Diese Trends haben viele
Am starksten
und der wachsenden
sind, verbreitet
Auswirkungen
Beteiligungsformen
an Attraktivität.
der zu Änderun-
Mentalitätswandels
Entsolidarisierung
Vertrauensverlust
an den so genannten
dieses
Parteien und Wählerinnen
Individualisierung,
Lebensbereichen
zu unterscheiden
der Einstellungen,
geführt hat und auch in Zukunft nachhaltige
haben dürfte.
sich die Bindungen
B 21/2002
nicht das Stück und
durch die Schauspieler
auch auf der politischen
Bühne gelungene
Abiturprüfung
an den allgemein
Prüfungsfach:
Haupttermin
bildenden
Gymnasien
Aufgabe II
Gemeinschaftskunde
!1!.§.tt 4 von 4
2007
M 4 Ergebnisse
hl!l2://www.
der Bundestagswahlen
1972 -2005
in %
wahlrecht.de/er{!ebnisselbundestaj!.htm
[06.10.2006]
1998
77,8
79.0
82,2
79,
44,3
43,8
41,4
35, 1
38,5
35,2
37,0
33,5
36,4
40,9
38,5
34,2
11,0
6,9
6,2
7,4
9,8
5, 1
7,3
6,7
8,6
8, 1
PDS1
2,4
4,4
5,1
4,0
8,7
Republikaner
2, 1
1,9
1,8
0,6
0,6
2,1
1,8
4,
2,4
3,4
1976
1980
Wahlbeteiligung
91,1
90,7
88,6
89,1
84,3
CDUJCSU
44,9
48,6
44,5
48.8
SPD
45,8
42,6
42,9
38,2
FDP
8,4
7,9
10,6
7,0
9,
1,5
5.6
8,3
Grüne
1,0
Sonstige
1 ab 2005:
KM B.-W~
Die
0,8
0,5
0,5
1
0,8
1
2002
2005
1994
1972
1
77,7
Linke.PDS
Die Aufgaben dürfen nur mit Zustimmung des Regierungspräsidiums
Stuttgart veröffentlicht werden.
Musterlösung für die
Prüfungsaufgaben Abitur
Prüfungsfach:
Politik und Wirtschaft [Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Sozial- und
Wirtschaftskunde] (Baden-Württemberg 2007, Aufgabenstellung 1)
Autorin:
Jessica Schattschneider
Hinweis: Die gesamte Abiturprüfung besteht aus zwei Themenbereichen, von denen einer
auszuwählen ist. Hier wird die Lösung der Aufgabenstellung 1 beschrieben.
Aufgabe 1
Der Autor Thomas E. Schmidt beschreibt mit „Familienwirklichkeit“ in seinem Artikel „Das
große Kuddelmuddel“ in der ZEIT vom 01.02.2006 zum einen, dass die Deutschen nicht, wie
oft in der Öffentlichkeit kommuniziert, als Singles, sondern vielmehr immer noch v. a. in
Familienverbänden lebten, wenn auch strukturell anders als in den 50er Jahren (Z. 18f.).
Alleine lebten vermehrt ältere Frauen, deren Männer gestorben sind.
Die Veränderung der familiären Gestaltung besteht laut Autor darin, dass ein Großteil der
Frauen sich aktuell eine lebbare Doppelrolle als Mutter mit entsprechender Familienzeit und
als Verdienerin mit fairen Chancen auf dem Arbeitsmarkt wünsche (Z.7-9). Dies führe dazu,
dass die Mehrheit der Haushalte in Deutschland aus Doppelverdienern bestehe, wobei der
Mann meist Vollzeit, die Frau Teilzeit beschäftigt sei (Z. 9-11). Der Mann als Alleinernährer,
die Frau als Hausfrau und Mutter sei ein kulturelles und sozialpolitisches Konstrukt des 19.
Jahrhunderts.
Ein weiterer Beweis für das Leben in Familienverbänden ist laut Autor, dass Scheidungen
vor allem bei Paaren ohne Kinder vorkämen und es viele Wiederverheiratungen gäbe (Z.
21f.), welche möglicherweise auch zu Familiengründungen führen könnten. Insgesamt
verweist der Autor knapp auf die Tatsache, dass „viele bunte Lebensformen“ (Z. 23.),
abweichend von der traditionellen Familiennorm, existierten, ohne dies jedoch genauer
auszuführen. Schmidt deutet allerdings an, dass diese „vielen bunten Lebensformen“, weil
sie von der Familiennorm abweichen, laut Statistik ein erhöhtes Armutsrisiko bedeuten
würden (23f.). Der Autor plädiert abschließend vor dem Hintergrund der demographischen
Entwicklung („Vergreisung“ und „Pflegepflichten gegenüber Alten“ Z. 28, Z. 31f.) für eine
staatliche finanzielle Unterstützung von Familien. Vor dem Hintergrund der vom Autor
beschriebenen Familienwirklichkeit mahnt Schmidt an, dass es von großer Bedeutung sei,
welche Familienwirklichkeit genau staatlich unterstützt werden solle, die bestehende oder
eine durch parteipolitische Wertvorstellungen idealisierte (Z. 32ff.).
Aufgabe 2
Thomas E. Schmidt spricht in seinem Artikel davon, dass die Mehrzahl der Deutschen in
„Familienverbänden“ leben würde. Diese „Familienwirklichkeit“ lässt sich anhand der Statistik
Betroffenheit von Armut in Deutschland nach ausgewählten Haushaltsmerkmalen im Jahre
2004, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahr 2006 überprüfen. Dabei
© Dudenverlag, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim, 2008
1
kommt es allerdings darauf an, was man unter Familie bzw. Familienverband versteht. Laut
Grundgesetz Art. 6 Abs.1 besteht eine Familie aus verheirateten Partnern mit einem oder
mehreren Kindern. Das öffentliche Verständnis allerdings geht wohl eher dahin, dass es sich
bei Familien auch um nicht verheiratete Partner mit Kind(ern), um Alleinerziehende oder
verschiedene Arten von Patchworkfamilien handelt. Der Begriff „Familienverbände“ und der
Grundtenor des Textes von Schmidt scheint sich der öffentlichen Interpretation anzuschließen („Es ist von großer Bedeutung, welche Familienwirklichkeit genau staatlich unterstützt
werden soll, die bestehende oder eine durch parteipolitische Wertvorstellungen idealisierte“
Z. 32f.).
Folgt man dieser Auffassung, lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung (53,8 %) in verschiedenen Formen von Familienverbänden: 37,1 % leben in Paarhaushalten mit minderjährigen
Kindern, 11,7 % in Elternhaushalten mit erwachsenem Kind und bei 5 % handelt es sich um
Einelternhaushalte. Dagegen machen nur 18,1 % Singlehaushalte aus bzw. 27,7 % Paarhaushalte ohne Kind. Eine Überprüfung der „Familienwirklichkeit“ im Sinne des Grundgesetzes (GG) ist mit dieser Statistik nicht möglich, da die Paarhaushalte mit Kind nicht nach
verheirateten und nicht verheirateten Paaren differenziert werden. Allerdings würden dann
auch die Einelternhaushalte keine Familien darstellen und müssten herausgerechnet
werden.
Belege für die „bunten Lebensformen“ lassen sich der Statistik nicht entnehmen.
Mit der Statistik Väter und Mütter mit Kindern unter 18 Jahren nach Familienform und überwiegendem Lebensunterhalt in Deutschland im Jahre 2005, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahr 2006, lässt sich überprüfen, inwiefern die Familienrealität i.
S. von Schmidt zutrifft. Schmidt geht davon aus, dass die „Mehrheit der Haushalte“ (M2, Z.
9) aus Doppelverdienern bestehe und Frauen eine Doppelrolle einnähmen. Hier muss wieder
unterschieden werden zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren. 44,6 % der verheirateten Paare finanzieren gemeinsam den Lebensunterhalt aus Erwerbs- und Berufstätigkeit. Hier handelt es sich also nicht um die Mehrheit. Bei den nicht verheirateten Paaren
allerdings liegt der Prozentsatz bei 55,4 % und stellt damit die Mehrheit dar. Der Anteil an
Frauen, die eine Doppelrolle als Mutter und Erwerbstätige einnehmen, liegt bei den Verheirateten bei 49,4 %, bei nicht verheirateten Frauen in Partnerschaften bei 62 % und bei
alleinerziehenden Frauen bei 55,8 %.
Der Statistik ist auch zu entnehmen, inwiefern die traditionelle Aufgabenverteilung mit dem
Mann als Alleinverdiener, der Frau als Fürsorgerin (M2, Z. 11ff.) weiterhin Realität ist. 87,6 %
der Ehemänner mit minderjährigen Kindern finanzieren ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Erwerbs- und Berufstätigkeit. Bereinigt man diesen Wert um die 44,6 % des
von beiden Partnern erbrachten Lebensunterhaltes (so genannte Doppelverdienerfamilien),
so lässt sicher erkennen, dass in 43 % der Familien der Ehemann der Alleinverdiener ist. Bei
den Ehefrauen trifft dies lediglich bei 4,8 % zu. Bei den Lebenspartnerschaften verhält es
sich etwas anders. Die Männer mit minderjährigen Kindern finanzieren zu 79 % ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Erwerbs- und Berufstätigkeit, davon nur 24,5 % als Alleinverdiener, bei den allein verdienenden Frauen liegt der Wert bei 6,6 %.
Die von Schmidt gemachten Aussagen zur Vollzeit- bzw. Teilzeitbeschäftigung sind mit der
Statistik nicht zu überprüfen.
Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern, dass das „kulturelle und sozialpolitische
Konstrukt des 19 Jahrhunderts“ (M2, Z.12f.) nicht mehr der vorherrschenden Familienrealität
entspricht und sich ein Trend hin zur Doppelverdienerehe sowie -partnerschaft erkennen
lässt.
Aufgabe 3
Zwischen dem Wandel der Lebensformen und dem der Geschlechterrollen lässt sich eine
Wechselwirkung erkennen. Aufgrund von Emanzipation, verstärkter Erwerbstätigkeit und
höheren Bildungsabschlüssen möchten Frauen sich einerseits stärker beruflich und privat
verwirklichen. Andererseits steigen aufgrund dieser Zielsetzung der Selbstverwirklichung die
© Dudenverlag, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim, 2008
2
Erwerbstätigkeit und wohl auch emanzipierte Einstellungen. Darüber hinaus sind Frauen
aufgrund verstärkter eigener sozialer und finanzieller Absicherung nicht mehr auf (Ehe)Männer als „Ernährer und Versorger“ angewiesen. Dies belegen auch die Zahlen aus M4 zu
den Lebenspartnerschaften. Darüber hinaus führt die stärkere eigene soziale und finanzielle
Sicherheit durch eine Erwerbstätigkeit möglicherweise zu einer höheren Scheidungsbereitschaft bzw. zu dem generellen Verzicht auf eine Ehe. Das veränderte Rollenverständnis von
Frauen (aber auch von Männern) führt darüber hinaus vermehrt zu temporären Beziehungen. Ziel von Beziehungen ist nicht mehr soziale Absicherung, sondern individuelles
Glück. Die Folge davon sind beispielsweise Singlehaushalte, Alleinerziehende, Patchworkfamilien oder Wohngemeinschaften, laut Schmidt eben „bunte Lebensformen“ (M2, Z. 23).
Aber auch die Geschlechterrolle von Männern hat sich geändert. So wie Frauen verstärkt
berufstätig sind, übernehmen Männer beispielsweise bedeutsame Phase in der Kinderbetreuung, zum einen weil sie als Alleinerziehende dazu gezwungen sind, zum anderen weil
sich das eigene Rollenbild geändert hat und sie einen aktiven Part bei der Erziehung
übernehmen möchten. Mit Einführung des Elterngeldes 2007 wurde sogar von Seiten des
Staates auf eine neue Vaterrolle hingewirkt, da die gesamte Auszahlung über vierzehn
Monate nur erfolgt, wenn auch der Vater zwei Monate Elternzeit in Anspruch nimmt.
Aufgabe 4
Das Grundgesetz schützt die Familie, bestehend aus einem verheirateten Paar mit einem
oder mehreren Kindern, in Art. 6 Abs. 1. Die Materialien M2, M3, M4 zeigen, dass andere
Lebensformen zunehmend an Bedeutung gewinnen, allerdings laut Art. 6 Abs.1 nicht unter
dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen, z. B. nicht verheiratete Paare mit
Kind. Scheitern diese nichtehelichen Lebensgemeinschaften, fehlen beispielsweise spezielle
rechtliche Regelungen, um die dann entstehenden Konflikte zu lösen, anders als bei Ehepartnern. In Art. 6 Abs. wird der Schutz der Mutter durch die Gemeinschaft noch einmal
hervorgehoben. Dabei ist es belanglos, ob die Mutter verheiratet ist oder nicht, so dass auch
die alleinerziehende Mutter durch Art. 6 geschützt ist. Durch Art. 6 Abs. 5 wird versucht,
Nachteile unehelicher Kinder zu vermeiden, indem diese den ehelichen Kindern rechtlich
gleich gestellt werden.
Andere Lebensformen, z. B. nichteheliche oder gleichgeschlechtliche
Lebensgemeinschaften, werden durch die Freiheitsrechte (GG 2,1) und durch das
Bekenntnis zu den Menschenrechten (GG 1,2) geschützt.
Aufgabe 5
Die durchschnittliche Armutsquote liegt laut Datenreport 2006 vom Statistischen Bundesamt
im Jahre 2004 bei 12,7 %. Am höchsten ist das Armutsrisiko bei Einelternhaushalten mit
35,8 %. Lebt der Elternteil mit nur einem Kind zusammen liegt die Armutsquote bei 31,7 %,
mit zwei Kindern schon bei 40,9 %, mit mehr als zwei Kindern würde die Quote vermutlich
weiter ansteigen.
Paarhaushalte mit zwei Kindern sind unterdurchschnittlich von Armut betroffen (8,9 %),
dagegen steigt die Quote signifikant bei drei und mehr Kindern (19,8 %). Auch Paarhaushalte mit einem Kind liegen bereits 0,7 Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Paare ohne
Kind hingegen sind am wenigsten von Armut betroffen (6,6 %). Oft handelt es sich um
Doppelverdiener (double income no kids), die keine Ausgaben für Kinder wie Kleidung,
Nahrung, Spielzeug oder Kosten für schulische Belange aufbringen müssen.
Singlehaushalte dagegen sind überdurchschnittlich von Armut bedroht (16,6 %). Die Statistik
weist hier nicht aus, inwiefern es sich um eine abzusehende temporäre Form der Armut
handeln könnte, wie es beispielsweise bei Studierenden oder Auszubildenden der Fall sein
kann. Grundsätzlich lässt sich dieses Phänomen damit erklären, dass es kostenaufwändiger
ist, allein die Kosten für eine Wohnung, Strom, Telefon, Lebensmittel etc. zu tragen als zu
zweit, z. B. als Paar oder Wohngemeinschaft.
Insgesamt ist – mit Ausnahme der Paarhaushalt mit zwei Kindern – der Zusammenhang von
Armut und der Anzahl der Kinder auffällig. Dies lässt sich damit erklären, dass eine
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Berufstätigkeit für Alleinerziehende und in Paarhaushalten mit mehr als zwei Kindern für
einen zweiten Elternteil schwierig ist.
M4 belegt, dass alleinerziehende Frauen (55,8 %) weniger als alleinerziehende Männer
(75 %) die Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt überwiegend aus Erwerbs- und
Berufstätigkeit zu finanzieren.
Geht man davon aus, dass der Bezug von ALG I und besonders ALG II ein Indikator für ein
erhöhtes Armutsrisiko darstellt, so lässt sich aus M4 schlussfolgern, dass verheiratete Paare
weniger diesem Risiko unterliegen (Bezug von ALG I oder II beträgt bei Ehemännern 7,4 %;
bei Ehefrauen 4,2 %). In Lebenspartnerschaften beziehen die Männer zu 14,7 %, die Frauen
zu 13 % ALG I oder II. Am höchsten ist laut Statistik das Armutsrisiko, orientiert am Bezug
von ALG I oder II, bei Alleinerziehenden (Männer 18,2 %; Frauen 24,9 %). So ist anzunehmen, dass alleinerziehende Frauen dem höchsten Armutsrisiko unterliegen.
Aufgabe 6
Die Familie gilt als Garant für Kinder. Die besondere volkswirtschaftliche Bedeutung von
Kindern für die Gesellschaft liegt darin, dass sie die jeweils zukünftigen Steuerzahler sind
und dazu beitragen, Sozial- und Rentenkassen zu füllen. Aufgrund des demographischen
Wandels mit immer mehr Alten und weniger Jungen droht diese Aufgabenverteilung nicht
mehr zu funktionieren (vgl. M2, Z. 28f. 30f.). Insofern kommt der Familie für die Zukunftssicherung der Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Allerdings müssen Anreize zur
Familiengründung geschaffen werden. M3 zeigte deutlich, dass das Armutsrisiko mit Kindern
steigt, hingegen bei Paarhaushalten ohne Kinder weit unter der durchschnittlichen Armutsquote liegt. Vor diesem Hintergrund ist eine Entscheidung gegen Kinder nachzuvollziehen.
Schmidt plädiert daher für eine Investition öffentlicher Mittel in die Familie, zum einen vor
dem Hintergrund volkswirtschaftlicher, aber auch gesellschaftsbezogenen Überlegungen
(„Vergreisung“, vgl. M2, Z. 26 ff.).
Andere Möglichkeiten, die Zukunft der Gesellschaft vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der Finanzierbarkeit der sozialen Sicherungssysteme zu sichern,
wären eine verstärkte Eigenvorsorge bezüglich der Renten- und Gesundheitssysteme bzw.
eine verstärkte Zuwanderung von Arbeitskräften, die in die Sozialsysteme einzahlen. Dies
würde bedeuten, dass nicht unbedingt allein die Familie die Zukunft der Gesellschaft sichern
kann. Die öffentliche Auseinandersetzung der letzten Jahre allerdings hat gezeigt, dass
sowohl eine verstärkte Eigenvorsorge (Kontroverse um einzelne Maßnahmen der Agenda
2010 beispielsweise) als auch eine verstärkte Zuwanderung vor dem Hintergrund (wenn
auch mittlerweile sinkender) hoher Arbeitslosigkeit vom Wähler skeptisch bewertet werden.
Vielmehr versucht die Politik der Großen Koalition aus dem Jahre 2005 in eine unterstützende Familienpolitik zu investieren, wie das Elterngeld (eine staatliche Transferleistung,
die das vorherige System des Erziehungsgeldes ablöste) aus dem Jahr 2007 demonstriert.
Erste Zahlen zeigen, dass die Geburtenraten seitdem angestiegen sind. Außerdem orientiert
sich das Elterngeld nicht an parteipolitischen Wertvorstellungen, sondern an der bestehenden Familienwirklichkeit, da es nicht auf verheiratete Elternteile beschränkt ist.
Allerdings unterstützt das Elterngeld vor allem Paare mit gehobenem Einkommen, da es sich
am Nettogehalt orientiert und nur ein Jahr gezahlt wird. Die Statistik aus M3 zeigt hingegen,
dass Kinder ein Armutsrisiko darstellen können, welches vor allem einkommensschwachen
Eltern droht. Ist also das Vermeiden von Armut ein Indikator für die Familiengründung und
damit für die gesellschaftlichen Zukunftssicherung sollte langfristig und nicht selektiv in
Familie von staatlicher Seite investiert werden. Zu beachten bleibt, dass in Deutschland ein
Zusammenhang zwischen Bildung und Armut besteht. Dies sollte bei der Entwicklung von
Förderprogrammen entsprechend berücksichtigt werden (z. B. Verbesserung der
Kindergärten, Schulen etc.).
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Die hier abgedruckten Lösungsvorschläge sind nicht die amtlichen Lösungen des
zuständigen Kultusministeriums.
Impressum:
Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck, auch auszugsweise, vorbehaltlich der Rechte die sich aus den Schranken des
UrhG ergeben, nicht gestattet.
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Autorin: Jessica Schattschneider
Redaktion: Heike Krüger-Beer, Christa Becker
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