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ab, deswegen riet Seelhorst zu einer Dreiphasenfütterung. „Zu viel
Eiweiß ist nicht nur unnötig für die
älteren Schweine, es belastet auch
deren Stoffwechsel, denn es muss
unter Energieeinsatz zu Harnstoff
und Ammoniak verstoffwechselt
werden. Wir sollten also einen Proteinüberschuss vermeiden.“
Vitamin A ist fettlöslich und für den
Körper daher schwer zu entsorgen.
Bei einem Zuviel an Vitamin A leidet die Knochengesundheit, Osteoporose kann entstehen.“ Die
neuen Gehalte an Vitamin A seien
aber immer noch ausreichend für
das Schwein, ein Mangel sei nicht
zu erwarten.
Ausreichend Wasser
bereitstellen
Netto- oder umsetzbare
Energie?
Und schließlich wies Seelhorst
auf die Bedeutung einer guten
Wasserversorgung der Schweine
hin. „Insbesondere die Sauen brauchen viel Wasser. Prüfen Sie bitte
an den Nippeltränken mit einem
Litermaß und einer Stoppuhr, ob
genügend Wasser mit für die Tiere
angenehmem Druck aus den Nippeln kommt. Und prüfen Sie dies
bitte zu verschiedenen Tageszeiten
und auch dann, wenn mal alle Tiere
zugleich saufen. Nichts ist schlimmer, als wenn die Tiere nicht genügend Wasser bekommen oder
aber der Druck zu hoch ist und ihnen das Wasser in die Nase spritzt.“
Auch bei Flüssigfütterung sollten
die Tiere klares Wasser aufnehmen können. „Es gibt Vermutungen, dass der Kannibalismus unter
den Schweinen eventuell mit einer
mangelnden Wasserzufuhr zu tun
haben könnte. Das Blut wird zähflüssiger, die kleinen Kapillaren
unter der Haut sowie die Schwanzspitze werden schlechter durchblutet.“ Der tägliche Blick auf die Wasseruhr sollte zur Routine werden,
denn hier sehe man sofort, wenn
Weiterhin ging Dr. Glindemann
auf die aktuelle Diskussion um die
von zwei Futtermittelfirmen eingeführte Deklaration des Futters
in Nettoenergie statt wie bisher in
umsetzbarer Energie ein. „Es gibt
verschiedene Energiestufen, mit
denen die Futterenergie bewertet
werden kann: Bruttoenergie, verdauliche Energie, umsetzbare Energie und Nettoenergie. Einige Länder wie etwa Frankreich, die Niederlande und Dänemark nutzen schon
lange die Nettoenergie, bei uns war
bisher immer die umsetzbare Energie Standard. Die Gesellschaft für
Ernährungsphysiologie (GfE) hat
nun die Empfehlung herausgegeben, dass Deutschland weiterhin
die umsetzbare Energie nutzen sollte, solange keine neueren Studien
zu Vor- oder Nachteilen vorliegen.
Die Datengrundlage für die Ableitung der Nettoenergie ist relativ alt,
und es ist fraglich, ob sie auch für
unsere unterschiedlichen Schweineherkünfte zutrifft. Überprüfen
lässt sich dieses nur mit sehr hohem
Aufwand. Deswegen hat sich Hansa Landhandel entschlossen, den
Bei der Einstallung in der Mast empfiehlt es sich, nicht Tiere gleichen Gewichts, sondern gleichen Alters zusammenzubringen und Überbelegung zu
unterlassen, denn dies bedeutet Stress
für die Tiere, der unbedingt zu vermeiden ist.
Foto: Dr. Heike Engels
etwas mit der Wasserversorgung
nicht stimmt.
Vitamin-A-Gehalte
abgesenkt
Dr. Thomas Glindemann vom
Hansa Landhandel informierte über die neuen Höchstgehalte von Vitamin A im Mischfutter.
„Die Obergrenze des Gehaltes von
Vitamin A wurde durch die neue
EU-Verordnung 2015/724 aufgrund
der Befürchtung, dass die Menschen durch den Verzehr von tierischen Produkten zu viel Vitamin
A aufnehmen könnten, abgesenkt.
Empfehlungen der Wissenschaftler
zu folgen, und bleibt vorerst bei der
umsetzbaren Energie.“
Landwirtschaft ist die
Zukunft
Detlef Breuer vom Fachbereich
Landwirtschaft der Justus-von-Liebig-Schule in Vechta zeigte den
Zuhörern schließlich in humoristischer Weise auf, wie wichtig die
Landwirtschaft trotz viel aktueller Kritik für die Bevölkerung ist.
Sie sei aufgrund der preiswerten
und qualitativ hochwertigen Lebensmittel, die sie hervorbringe,
der Garant für die innere Sicherheit und Stabilität. „So bleibt noch
genug Geld übrig für Urlaube oder
teure Autos. Landwirtschaft bietet Orientierung, Kontinuität und
Verlässlichkeit und ist prägend für
den ländlichen Raum“, so Breuer.
Zudem verfügten die Landwirte
über viel Eigenkapital durch Boden, Gebäude und Maschinen, sodass sie, sollten sie ihren Betrieb
aufgeben, noch genug Geld durch
den Verkauf erzielen würden, um
einen sicheren Lebensabend zu haben. „Und keine Sorge vor den Medien: Die Landwirtschaft wird zukünftig kein dominierendes Thema
mehr sein, weil die Flüchtlingskrise
nun deren Platz einnimmt. Ich bin
mir sicher: Wir werden einen Stimmungswandel in Deutschland erleben hin zu einem wieder positiveren Blick auf die Landwirtschaft!“
Dr. Heike Engels
freie Autorin
Bioschweinetagung
Herausforderungen im wachsenden Markt
Die aktuelle günstige Marktla­
ge für Bioschweine beflügelt die
Branche nach der Ökoschweine­
krise 2013. Vor diesem Hinter­
grund luden die Verbände Bioland
und Naturland in Kooperation mit
dem Thünen-Institut für Ökologi­
schen Landbau alle Bioschweinhal­
ter und Branchenakteure Ende Ja­
nuar 2016 zu einer Tagung ins nie­
dersächsische Nienburg ein.
In seinem Grußwort freute sich
Christian Meyer, Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Niedersachsen, über das Wachstum bei
Ökobetrieben in Niedersachsen,
wenngleich der Anteil im
Vergleich zu vielen anderen Bundesländern noch
gering sei. „Wir wollen
das Land der intakten
Schwänze werden“, betonte Meyer. Die Ringelschwanzprämie sei dabei
bewusst auf 1.000 Mastschweine je Durchgang
begrenzt, um ein Signal
für kleinere und mittlere Betriebe zu setzen.
Die Ökoprämien in Niedersachsen würden weiter erhöht, und mit einer Die nach EU-Bio-VO vorgeschriebenen 0,6 m2 im Stall je Aufzuchtferkel sind reichlich
„Pacht- und Bodenpreis- bemessen, sodass Gerhard Maaß in die Hütte eine weitere Unterteilung eingebaut hat,
grenze“ werde nun auch in der sich die Ferkel wärmen können und wo sie auch nicht misten.
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ein eigenes Grundstücksverkehrs- „Die Ringelschwanzprämie, insge- Schmerzmittelgabe rechtzeitig zurecht auf den Weg gebracht.
samt 28 Mio. €, wird ausschließ- vor erfolgen.
Trotz einer für die Schweine mit lich mit EU-Mitteln finanziert“,
Raufutter, mehr Platz und Auslauf erklärte Baumgarte und ergänzTests zu
nach draußen deutlich attraktiver- te: „Eine Auszahlung erfolgt nur,
Ebergeruch
en Umgebung besteht auch un- wenn 70 % der Tiere einen intakter ökologischen Bedingungen ein ten Schwanz haben.“
Auch in der ökologischen Schwei„Schwanzbeißrestrisiko“. Mirjam
Dr. Katja Brase, Fachtierärztin für nemast wird die Impfung gegen
Lechner, UeG Hohenlohe Fran- Schweine beim Tiergesundheits- Ebergeruch diskutiert und derzeit
ken, sieht darüber hinaus auch ei- dienst der Landwirtschaftskammer in mehreren Biobetrieben erprobt.
nen engen Zusammenhang zwi- Niedersachsen, bewertete die ver- Dr. Elisabeth Banholzer von der Zoschen Stoffwechselstörungen und schiedenen zur Verfügung stehen- etis Deutschland GmbH empfiehlt
Schwanzbeißen. Erste Schwanzne- den Betäubungsmaßnahmen bei für die Praxis die Anwendung eikrosen zeigten sich bereits beim der Kastration der Ferkel. „Die Lo- nes vereinfachten Impfschemas.
Saugferkel in den ersten Lebens- kalanästhesie, ähnlich einer Zahn- „Wenn man bei Einstallung in die
tagen durch endo- und mykoto- behandlung beim Zahnarzt, ist Mast erstmalig impft und fünf
xinbelastetes Kolostrum in Form wenig praktikabel, weil man bis Wochen vor Schlachtung der ersvon Schwellungen,
Ringabschnürungen oder auch als
Schwanzbasis- und
Schwanzspitzenne­
krosen. „Schwanzbeißen ist hier Teil einer
umfassenden Entzündungsreaktion“,
betonte daher Lechner, wobei einzelne
Zuchtlinien unterschiedlich starke Reaktionen zeigen. In
der Fütterung empfiehlt sie zur Vorbeuge geringere Stärkegehalte (weniger
Weizen, mehr Gerste), ausreichend Rohfaser und etwas mehr
Fett als Energiequelle. Hitzestress sollte unbedingt vermieden werden. Die
in der Mast oder
bei Sauen zu beobachtenden Schwanzspitzennekrosen sind Nach knapp zwei Wochen kommen die Sauen bei Maaß zu dritt mit ihren Ferkeln ins GrupFotos: Christian Wucherpfennig
zwar primär nicht auf pensäugen.
Verhaltensstörungen
zurückzuführen, erhöhen aber die zur Wirkung der Narkose zu lange ten Tiere erneut impft, hat man
Wahrscheinlichkeit für sekundäres warten muss“, erklärte Brase und ab Ablieferung der ersten Tiere
wies zudem auf erhöhte Wundhei- fünf Wochen Zeit zum Abliefern“,
Schwanzbeißen.
lungsstörungen hin. Die Injektions- so Banholzer. Dabei wirkt die erste
narkose mit Ketamin beziehungs- Impfung als Vorbereitung des ImKastration der
weise Azaperon sollte erst im Al- munsystems und hat noch keine
Ferkel
ter von vier Wochen erfolgen, weil Auswirkungen auf Geschlechtsge„Das routinemäßige Kupieren bei zu kleinen Ferkeln als Folge der ruch und Verhalten der Eber. Die
von Schwänzen ist verboten“, stell- Nachschlafzeit zu viele Saugak- Zweitdosis führt zur Produktion
te Dr. Jörg Baumgarte vom Minis- te ausfallen. Häufigere Wundhei- von Antikörpern gegen das körterium für Ernährung, Landwirt- lungsstörungen bei Kastration äl- pereigene Hormon GnRF. „Dies
schaft und Verbraucherschutz des terer Ferkel kann sie aus der Pra- führt zu einer vorübergehenden
Landes Niedersachsen zu Beginn xis nicht bestätigen. „Die Inhalati- immunologischen Unterdrückung
klar. Die vorherrschende Praxis in onsnarkose mittels Isofluran ist nur der Hodenfunktion, und ebertyvielen Betrieben verstoße daher nach einer Umwidmung des Narko- pische Verhaltensweisen werden
gegen geltendes Recht. Mithil- semittels möglich“, betonte Brase. reduziert“, berichtete Banholzer.
fe von Beratung und Training so- Sie sieht die Voraussetzungen da- Nur wenn die Schlachtung später
wie staatlichen Maßnahmen und für aber gegeben, weil kleine Fer- als zehn Wochen nach der zweieiner Honorierung des Mehrauf- kel nur so schadensfrei zur Kastra- ten Impfung erfolge, müsse eine
wands soll darauf hingewirkt wer- tion betäubt werden können. Da dritte Impfung verabreicht werden, dass die Betriebe künftig auf Isofluran keine schmerzausschal- den. Bei zweimaliger Impfung bedas Kupieren verzichten können. tende Wirkung habe, müsse die tragen die Impfkosten laut Banhol-
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zer 4 € bis 4,50 € je Tier. Dabei sieht
die Referentin die Lebensmittelsicherheit als gewährleistet an, denn
das eingesetzte Mittel habe keine
hormonelle und pharmakologische
Wirkung, und die Immunreaktion
erfolge ausschließlich über die Injektion und könne nicht oral erfolgen. Einzelne Praktiker haben die
Impfung schon angewendet, um
damit beispielsweise Binneneber
oder Alt­eber vermarktungstauglich zu machen. Vertreter der Anbauverbände machten deutlich,
dass die Impfung marketingtechnisch begleitet werden müsse, damit die Verbraucher das Verfahren
auch akzeptieren. Nach einer Phase der Ablehnung scheinen sich erste Lebensmittelketten die Impfung
gegen Ebergeruch als Alternative
zur betäubungslosen Kastration
vorstellen zu können.
Während der Diskussion wurde deutlich, dass sowohl einzelne
Praktiker als auch die Anbauverbände zum Teil unterschiedliche
Ansichten vertreten, welches Verfahren zu favorisieren sei. Einig war
man sich, dass man über eine Kastration ohne Betäubung nicht mehr
diskutieren muss.
Genetik im
Ökolandbau
Einen Überblick über die im ökologischen Landbau eingesetzten
Genetiken gab Dr. Horst Brandt
von der Universität Gießen. „Die
Vielfalt ist deutlich größer als konventionell“, legte Brandt dar, betonte aber zugleich: „Grundsätzlich ist jede moderne Rasse beziehungsweise Kreuzung auch unter
ökologischen Bedingungen leistungsfähig. „Die Wahl einer geeigneten Rasse und die Erhaltung
bedrohter Rassen sollten dabei
nicht vermischt werden“, betonte
Brandt darüber hinaus und ergänzte: „Die Bunten Bentheimer haben
nur einen intramuskulären Fettgehalt von 1,6 %, und die Tiere sind
nicht 100%ig stressresistent.“ Auch
die Vermarktung ist ausschlaggebend für die Wahl der Rasse. Während man bei der Direktvermarktung besonderen Wert auf die Genussqualität lege, spiele bei der
Vermarktung an Großabnehmer
die Fleischfülle eine größere Rolle. Unabhängig von der Vermarktung kommt es nach Brandt vor allem auf die optimale Wurfgröße
an, um ausgeglichene Würfe und
geringe Ferkelverluste zu erzielen.
Von den Vorzügen der Schweizer Edelschwein-Sauen wusste Dr.
Henning Luther, Suisag, zu berich-
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ten. Die Haltungsvorschriften in
der Schweiz sind deutlich strenger
als in Deutschland. „Seit der verpflichtenden Einführung der Kastration mit Betäubung im Jahr 2010
gibt es in der Schweiz in der Gesellschaft keine Diskussion über
die Kastration mehr. Wir betrachten das als riesigen Fortschritt“, so
Dr. Luther.
Die Gruppenhaltung tragender
Sauen ist seit 2002 vorgeschrieben, und das freie Abferkeln ist seit
Mitte 2007 verpflichtend. „Der Verzicht auf Ferkelschutzkörbe wirkt
dabei wie ein Selektionskriterium“,
erklärte Luther, denn: „Wenn eine
Schweizer Sau ihre Ferkel umbringen will, dann tut sie das. Das ist
dann aber auch das Letzte, was
sie tut.“ Die Haltungsvorschriften
wirken sich auch auf die Zuchtziele
aus: Die Ferkelaufzuchtrate ist mit
21 % als wichtigstes Kriterium im
Zuchtwert gewichtet. Die Zahl der
abgesetzten Ferkel ist übrigens in
der Schweiz durch den Verzicht auf
den Ferkelschutzkorb nicht gesunken, sondern kontinuierlich gestiegen.
Die Säugezeit ist bei ökologischer Produktion mit mindestens
40 Tagen deutlich länger als bei
konventioneller Wirtschaftsweise. Da die Sauenmilch wenig Eisen enthält und säugende Ferkel
noch wenig Beifutter aufnehmen,
stellte sich Anja Renger vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (Smul) die
Frage, ob die Eisenversorgung von
Bioferkeln gewährleistet ist. In ihren Versuchen konnte sie nachweisen, dass eine einmalige Eisengabe
nicht ausreicht. Wurde eine zweite beziehungsweise sogar dritte Eisengabe verabreicht, erzielten die
Ferkel nach dem Absetzen bessere Tageszunahmen. „Die herausragende Wirkung des Eisens erkennt
man auch an der höheren Widerstandsfähigkeit von Ferkeln gegen
Infektion“, berichtete Renger darüber hinaus.
Umstellung erfolgreich
gemeistert
„Die Umstellung von 450 konventionellen Sauen auf 160 ökologisch gehaltene Sauen machte
nicht nur einen Neubau erforderlich, sondern führt auch bei uns zu
einem völlig anderen Blick auf die
Dinge“, erklärte Wilhelm Schulte-Remmert aus Lippstadt einleitend. „In wenigen Jahren ökologischer Haltungsweise habe ich mehr
über das Verhalten von Schweinen
gelernt als während 30 Jahren kon-
Sauen und Ferkeln macht Kälte nichts aus, wenn die Hütte trocken und gut eingestreut ist.
ventioneller Bewirtschaftung“, ergänzte er. Bei der Haltung abferkelnder Sauen orientierte sich
Schulte-Remmert am Wildschwein,
das sich zur Geburt ins Dickicht zurückziehe. „Alle Sauen, die am 8.
September 2014 in die neuen Stallungen einzogen, waren am Abend
tiefenentspannt“, zeigte sich Schulte-Remmert begeistert und dankbar zugleich über die Reaktion
seiner Tiere. Mit Abliegehilfe an
den Seiten und der Installation eines Windschutznetzes im Auslauf
wurden die Abferkelbuchten inzwischen optimiert.
Deutsche Edelschwein-Sauen aus
der Schweiz“, berichtete Maaß.
Da in der Schweiz schon seit
Jahren auch in der konventionellen Schweinehaltung auf den Ferkelschutzkorb verzichtet werden
muss, kommen diese Tiere besser
mit dem Verfahren „freies Abferkeln“ zurecht. „Unsere ersten Erfahrungen sind gut, obgleich es
sich nur um F1-Sauen handelt, die
aus der Kreuzung mit schon bei
uns vorhandenen Sauen entstanden sind. Die Würfe sind etwas
kleiner, und die Ferkel sind vitaler“, freute sich Maaß über die offensichtlich richtige Entscheidung.
Ein Teil der Ferkel wird für den
Ökosauen im
Hofladen selbst gemästet, die anAußenklimastall
deren gehen an Mäster mit kleinen
Als Gerhard Maaß 1999 bald Beständen, die sie ebenfalls für die
nach der Umstellung auf ökolo- eigene Direktvermarktung halten.
gische Wirtschaftsweise nach Bioland-Richtlinien einen Neubau für
500 Sauen in
seine Sauen plante, konnte er prakOutdoorhaltung
tisch nicht auf Vorbilder zurückgreifen. Vor rund 15 Jahren wur2012 stellten Konrad Dammeier
den Sauen ökologisch beinahe aus- und Martin Busse ihre seit zwölf
schließlich in kleinen Beständen in Jahren bestehende OutdoorhalAltgebäuden gehalten. Nach der tung um und schlossen sich einiBesichtigung einer Outdoorhal- ge Zeit später dem Naturland-Vertung entschied sich Maaß für ei- band an. Auf 25 ha Acker werden
nen Hüttenstall auf einer Beton- im westfälischen Petershagen 500
platte für insgesamt 48 Sauen und Sauen gehalten, wobei die Fläche
knapp 100 Mastschweine. Die Sau- jährlich mit der übrigen Betriebsen ferkeln dabei zunächst einzeln fläche wechselt. Alle Sauen ferkeln
in wärmegedämmten Hütten ab, selbstständig in den Hütten ab.
und nach zehn bis 14 Tagen geht „Die Kälte ist sowohl für die Saues ins Gruppensäugen mit jeweils en als auch für die Ferkel kein Prodrei Sauen. „Da wir in den Hütten blem, solange sich keine Feuchtignur sehr eingeschränkt auf das Ge- keit absetzt“, erklärte Dammeier,
schehen Einfluss nehmen können, und Martin Busse ergänzte: „Wir
nutzen wir seit knapp zwei Jahren stellen daher den Eingang der Hüt-
ten bewusst in Windrichtung.“ Als
Sauen eignen sich vor allem Tiere
mit nicht zu großen und vor allem
gleichmäßigen Würfen sowie guter Konstitution. Entsprechend den
Vorschriften der EU-Bio-VO beträgt die Säugezeit rund 40 Tage.
Anschließend werden die Ferkel als „Ökobabyferkel“ mit etwa
12 kg verkauft oder selbst gemästet, dann aber in einem Stall.
Die Fütterung erfolgt mit „Outdoorpellets“, die aufgrund ihrer
Größe auch direkt von der Fläche
aufgenommen werden können,
ohne dass es zu größeren Verlusten kommt. Ein Teil des Futters
wird auf den eigenen Flächen in
Form von Körnermais und Triticale selbst erzeugt und an den Hersteller der Outdoorpellets verkauft. Das übrige Futter wird von
einem Kooperationsbetrieb bezogen, der im Gegenzug Mist erhält.
Dammeier und Busse gehen davon
aus, dass die Arbeitszeit je Sau geringer ist als bei Stallhaltung, weil
die aufwendige Entmistung, Reinigung und Desinfektion weitgehend entfällt. „Es ist aber nicht so
einfach, Mitarbeiter zu finden, die
sich für diese Haltungsform begeistern“, erklärte Konrad Dammeier abschließend, der die Arbeit
selbst an der frischen Luft (fast) immer genießt.
Christian Wucherpfennig
Landwirtschaftskammer
­Nordrhein-Westfalen
Tel.: 01 63-90 69-666
[email protected]­
lwk.nrw.de
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Herausforderungen im wachsenden Markt