Die
Kaktusblüte
Romantische Komödie von Pierre Barillet
und Jean-Pierre Grédy
Spielzeit 2015/16
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Simone Mende (Stephanie) und André Vetters (Julian).
Zum Inhalt
Der Zahnarzt Julian Winston ist das, was man landläufig einen „eingefleischten
Single“ nennt. Er fährt gerne mehrgleisig – mit vorzugsweise jüngeren Frauen –
und möchte sich ungern auf eine festlegen. Die einzige Konstante in Julians
Leben – neben seiner Arbeit – ist Stephanie Dickinson, seine resolute langjährige
Sprechstundenhilfe, die nicht nur Julians Praxis, sondern auch seinen gesamten
Alltag organisiert. Stephanie ist ebenfalls ungebunden, aber im Gegensatz zu ihrem
Chef ein eher häuslicher, bodenständiger Typ, der lieber ruhige Abende zu Hause
verbringt, als auf Partys die Nacht zum Tage zu machen. „Sie ist wie eine Ehefrau,
ein zuverlässiger guter Freund, der sich um alles kümmert – ich meine tagsüber –
na, und abends geht sie dann brav nach Hause, und ich – ohne Probleme und Sorgen –
gehe zu meiner Kleinen. Ich führe ein Leben nach meiner Fasson“, so Julian zu
seinem Freund Harvey. Damit keine seiner Liebschaften zu eng wird, hat Julian eine
Methode entwickelt, die bislang immer wunderbar funktioniert hat: Er erzählt den
Frauen, er sei verheiratet und Vater dreier Kinder. So kommt keine auf die Idee,
Ansprüche zu stellen, und die vermeintliche Familie fungiert als perfekte Ausrede
bei Nicht-Erscheinen. Seine aktuelle „Kleine“ aber, Toni, löst in Julian etwas aus, das
er bisher nicht kannte: „Seit ich Toni kenne, gibt es nur noch sie und sonst nichts.
Ich will keine andere.“ Julian ist seines flatterhaften Lebens überdrüssig. Mit Toni
kann er sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen, möchte sie sogar heiraten. Das
Problem ist nur, dass Toni Julians angebliche Ehefrau kennenlernen möchte, um sich
bei ihr das Okay für ihre Beziehung mit Julian abzuholen. Toni lässt nicht locker,
eine Ehefrau muss her! Und wer wäre besser geeignet, diese Rolle zu übernehmen,
als Stephanie, die es gewohnt ist, Julian aus der Klemme zu helfen – wenn auch
bisher in weniger heiklen Situationen. Nur widerwillig stimmt sie Julians Plan zu –
ist sie selbst doch seit Jahren mehr als beruflich an ihrem Chef interessiert …
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DIE KAKTUSBLÜTE –
Erfolgsgeschichte einer Komödie
Die französische Komödie „Fleur de Cactus“ von Pierre Barillet (geb. 1923) und
Jean-Pierre Grédy (geb. 1920) wurde am 23. September 1964 im Théâtre des
Bouffes-Parisiens in Paris uraufgeführt, die deutschsprachige Erstaufführung
DIE KAKTUSBÜTE fand 1966 in Wien am Theater in der Josefstadt statt.
Das Autorenduo Barillet und Grédy arbeitet seit 1950 zusammen – ihre erste
gemeinsame Arbeit „Le Don d'Adèle“ bekam den Tristan-Bernhard-Preis. Neben
DIE KAKTUSBÜTE ist vor allem „Vierzig Karat“ (Quarante Carats) bekannt, verfilmt
mit Liv Ullmann und Gene Kelly. Barillet und Grédy haben aber nicht nur ihre
eigenen Stücke geschrieben, sondern auch eine Reihe englischer und amerikanischer
Komödien für das französische Theater bearbeitet. So unter anderem Peter Shaffers
„Komödie im Dunkeln“ und Bernard Slades „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“.
DIE KAKTUSBÜTE wurde schon ein Jahr nach ihrer Uraufführung in Paris ein
riesiger Erfolg am Broadway – in der englischen Übertragung unter dem Titel „Cactus
Flower“ von Abe Burrows, der auch Regie führte. Von 1965 bis 1968 spielte Lauren
Bacall in über 1.000 Vorstellungen die Stephanie Dickinson in dem BroadwayStück, in weiteren Rollen Barry Nelson, Brenda Vaccaro und Burt Brinckerhoff.
Das Broadway-Stück diente als Vorlage für die berühmte Verfilmung der Kaktusblüte
von 1969 mit Walter Matthau, Ingrid Bergman und Goldie Hawn. Das Drehbuch
für den Film stammt vom Autor I. A. L. Diamond, einem langjährigen Freund der
Hollywood-Legende Billy Wilder, Regie führte Gene Saks. Goldie Hawn gelang mit
der Rolle der Toni Simmons der Durchbruch im Filmgeschäft. Sie wurde mehrfach
dafür ausgezeichnet, bekam 1970 sogar den Oscar als beste Nebendarstellerin.
Im selben Jahr war „Die Kaktusblüte“ in fünf Kategorien für den Golden Globe
nominiert und gewann in der Kategorie beste Nebendarstellerin (Goldie Hawn).
Im Jahre 2011 wurden für die Filmkomödie „Meine erfundene Frau“ (mit Adam Sandler
und Jennifer Aniston in den Hauptrollen) Grundzüge der Handlung übernommen.
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Simone Mende (Stephanie) und Gotthard Hauschild (Harvey), im Hintergrund:
Julia Gebhardt (Toni), André Vetters (Julian) und Michaela Allendorf (Barmann)
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André Vetters (Julian) und Julia Gebhardt (Toni).
Zur Frauensucht
der Männer
Aus: Wilfried Wieck, „Männer lassen lieben“, Stuttgart 1987
Manchmal denke ich, dass ich einen Mann auf der Straße ansprechen sollte:
„Können Sie sich vorstellen, dass ein Mann von einer Frau so abhängig wird
wie vom Alkohol?“ Wie würde der Mann reagieren, wenn ich ihn nach seinen
persönlichen Erfahrungen mit der Sucht nach Frauen frage? Mit Frauen
kenne er sich aus, würde er sagen. Selbstverständlich brauche auch er ab
und zu eine Frau, wegen des Triebes. Aber – süchtig? Nein, das sei er nicht.
Das wäre doch pathologisch. So etwas gäbe es nur in Ausnahmefällen.
Wenn es um Frauen geht, können Männer nicht aufrichtig sein. Nicht nur
Verdrängung spielt uns einen Streich. Eigentlich wussten wir noch nie etwas
Gescheites über Frauen und über uns, im Zusammenhang mit Frauen. Frauen
wissen mehr als wir von uns. Inzwischen reden wir auf eine charakteristische
Weise und handeln ganz anders. Unser Verhalten weicht von unseren
Vorsätzen ab. Oft frage ich Männer wirklich, dann wissen sie meistens schon
alles. Sie sind aufgeklärt worden, nur leider falsch. Daran, dass er keine
Zusammenhänge begreift und nicht die entsprechenden Konsequenzen zieht,
erkennen wir, dass er das Falsche weiß. Davon redet er viel, und was er sagt,
klingt durchaus nicht immer falsch. Seine Taten sind anders, geschehen unter
Druck, aus der Not heraus, nicht selten wahnhaft. Der Wahn ist kurz. Es folgt
ein langes Vergessen. Bereuen tut er nichts. Dazu versteht er zu wenig.
Alle Männer wissen, dass sie im sexuellen Drang auf die Frau angewiesen sind.
Sie begehren fast jede Frau auf der Straße. Ansonsten brauchen sie die Frau nicht
wirklich, meinen sie.
Es ist aber keineswegs nur der Körper der Frau und die Sexualität mit ihr,
deretwegen der Mann süchtig ist. Bei den meisten Männern ist es viel mehr.
Davon wissen sie kaum etwas und wollen auch nichts davon wissen. Sind
Männer nicht nach Verzärtelung, nach Bewunderung, nach seelenvollen
Verwöhnungen viel hungriger als nach Sex? Ist ihr Ehrgeiz nicht eine wesentlich
stärkere Motivation als ihr so genannter Sexualtrieb? Sind sie nicht abhängig
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von verständnisvollen, anerkennenden Worten? Nehmen wir einmal an, das
stimmt. Warum wissen es Männer nicht? Warum geben sie es nicht zu?
Die Reduktion auf den sexuellen Bereich bedeutet eine große Verharmlosung der
männlichen Unselbständigkeit. Der Mann braucht die Frau in fast jeder vorstellbaren
zwischenmenschlichen Verknüpfung. Er braucht sie als Arbeitskraft. Als Hausfrau
und Gehilfin sorgt sie für seine materielle Existenz, für seine Wohnung, seine
Arbeitsstätte, für Nahrung und Kleidung, für Ordnung und Sauberkeit. Sie soll
schön sein, angenehm und zart. Sie soll Jugend, Frische und Reinheit darstellen.
Obendrein soll sie Lust und verführerischen Reiz bieten. In seelischer Not, wenn
er unzufrieden ist, sich überfordert, sich unwohl fühlt und kränkelt, muss sie
einspringen. Er mag murren und verdrießlich sein, brummig und verstockt, aber
er erwartet, dass sie mit ihm geduldig und nett umgeht. Dann lässt er sich dazu
herab, etwas zu sagen, indem er sich darüber beklagt, wie eklig die Menschen mit
ihm umgehen. Wenn sie nicht behutsam genug ist, ihm seine Situation nicht schnell
erträglicher macht und ihm Wege aus Sackgassen heraus zeigt, dann schweigt er
wieder. Wenn sie keinen Holzklotz neben sich will, muss sie hellseherisch wissen,
was er jeweils braucht, um ihn gegen die ganze Welt in Schutz zu nehmen.
Entscheidungen darf sie ihm abnehmen, wenn dies so milde geschieht, dass
es ihm nicht auffällt.
Wenn wir als Mann süchtig nach der Frau sind, dann benutzen wir sie bedenkenlos
für die Befriedigung unserer Sucht. Mann und Frau heißen Nehmer und Gebende,
Eigentümer und Eigentum. Sie produziert sich, wir konsumieren sie. Sie lebt in
unserer Nähe, und wir nehmen sie, uns sehnend, nur aus der Ferne wahr. Sie liebt,
und wir lassen lieben. Soweit das verschiedene Menschenbild. Frauen ist dies
bekannt. Sie kennen ihre Welt, und sie spüren ihr Leiden um sie. Wir Männer leben
in einer anderen Welt.
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Simone Mende (Stephanie) und. Michaela Allendorf (Señor Sánchez).
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Antonia Ich hab es mir überlegt, Julian,
es ist aus mit uns.
Julian Aus? Wie kannst du so etwas sagen?
Wir sind doch sehr glücklich zusammen.
Antonia Ach, sind wir das?
Julian 10
Na, ich bin glücklich zusammen.
Julia Gebhardt (Toni) und André Vetters (Julian).
Julia Gebhardt (Toni) und Marek Egert (Igor)
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Die Kaktusblüte
(Fleur de Cactus)
Romantische Komödie von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy
Deutsch von Charles Regnier
Bearbeitung von Jürgen Wolffer (Berliner Fassung)
Premiere
14. November 2015 im Großen Haus, Hildesheim
ca. 2 Stunden 30 Minuten, inklusive einer Pause
Aufführungsrechte Hartmann und Stauffacher GmbH,
Verlag für Bühne, Film, Funk und Fernsehen, Köln
Aufführungsdauer
Karl-Heinz Ahlers
Bühne Andrea Jensen
Kostüme Eva-Maria Huke
Dramaturgie Cornelia Pook
Inszenierung
Antonia Simmons Julia Gebhardt
Stephanie Dickinson Simone Mende
Julian Winston André Vetters
Harvey Greenfield Gotthard Hauschild
Igor Sullivan Marek Egert
Mrs. Durant/Señor Sánchez/Barmann Michaela Allendorf
Karl-Heinz Ahlers
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Andrea Jensen
Eva-Maria Huke
Regieassistenz und Abendspielleitung Anne Beyer
Inspizienz Mick Lee Kuzia
Soufflage Katharina Henker
Ausstattungshospitanz Thorben Schumüller
Technik/Werkstätten
Technische Direktion Guido aus dem Siepen*, Ringo Günther
Ausstattungsleitung Hannes Neumaier*, Melanie Slabon
Technische Leitung Produktion Andrea Radisch*
Bühnentechnik Eckart Büttner*, Manfred Lawrenz, Andreas Sander
Beleuchtung Lothar Neumann*, Sven Feikes, Daniel Paustian
Ton Thomas Bohnsack-Pätsch*, Attila Bazso, Indra Bodnar, Dirk Kolbe
Maske Carmen Bartsch-Klute*, Birgit Heinzmann, Jennifer Mewes
Requisite Silvia Meier*
Schneidereien Annette Reineking-Plaumann*, Egon Voppichler*,
Kerstin Joshi, Anne Lehnberg
Werkstättenleitung Werner Marschler*
Tischlerei Johannes Niepel*
Malsaal Thomas Mache*
Schlosserei Joachim Stief*
Dekoration Danja Eggers-Husarek, Anita Quade
* Abteilungsleiter/-in
Julia Gebhardt
Simone Mende
André Vetters
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Impressum
TfN ∙ Theater für Niedersachsen
Theaterstraße 6
31141 Hildesheim
www.tfn-online.de
Spielzeit 2015/16
Intendant Jörg Gade
Prokuristen Claudia Hampe, Werner Seitzer
Probenfotos Jochen Quast
Porträtfotos T.Behind-Photographics, privat
Texte Zur Frauensucht der Männer. In: Wilfried Wieck, Männer lassen lieben.
Die Sucht nach der Frau, Stuttgart 1987 (stark gekürzt). Die anderen Texte sind
Originalbeiträge für dieses Programmheft.
Gestaltung ProSell! Werbeagentur GmbH, Hannover | Layout Jolanta Bienia
Druck Sattler Direct Mail GmbH & Co. KG
Gefördert durch: Medienpartner:
Sponsoren/Partner:
Freunde des
Theater für Niedersachsen e. V.
Gotthard Hauschild
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Marek Egert
Michaela Allendorf
Michaela Allendorf (Mrs. Durant) und Simone Mende (Stephanie)
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Wenn ich Zeit habe,
bedauere ich dich!