Gesundheitsgespräch
Herzinfarkt
Sendedatum 02.05.2015
Expertin: Dr. med. Christa Bongarth, Ärztliche Direktorin der Klinik
Höhenried, Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie, Internistische
Intensivmedizin, Sportmedizin, Ernährungsmedizin, Kardiovaskuläre
Präventivmedizinerin DGPR
von: Beate Beheim-Schwarzbach
Prävention und Behandlung
An einem Herzinfarkt sterben zwar nicht mehr so viele Menschen wie vor rund
20 Jahren, denn die medizinische Notfallversorgung hat sich flächendeckend
verbessert. Doch während früher die Patienten 60 Jahre und älter waren, ist
inzwischen eine große Gruppe zwischen 30 und 50 Jahren alt, weil gerade sie
sich den Risikofaktoren aussetzen.
Was geschieht?
Generell gilt: Beim Herzinfarkt reißt nicht das Herzkranzgefäß als Ganzes
ein, sondern eine Ablagerung im Inneren. Diese Ablagerung oder der Plaque
hat sich dort im Zuge einer Arterienverkalkung gebildet.
Einriss einer Ablagerung
Solch eine Ablagerung oder ein Plaque engt das Gefäß ein, das oft nur ein
paar Millimeter Durchmesser hat. Dadurch beschleunigt sich der Blutfluss
und der Druck auf die Gefäßinnenwand wächst. Alles zusammen kann zu
einer so starken Belastung führen, dass die Ablagerung einreißt.
Reparaturmechanismus des Körpers
Auf diesen Riss im Inneren eines Herzkranzgefäßes setzt der Körper ein
Blutgerinnsel - quasi um die Stelle zu reparieren. Doch was bei einer
Schnittverletzung der Haut aussen gut funktioniert, führt hier dazu, dass das
Gefäß schnell komplett dicht ist. Die Folge: Das Blut kann nicht mehr durch
das Gefäß fließen und daraufhin werden Teile des Herzens nicht mehr
versorgt.
Gefahr: Herzmuskelgewebe wird unterversorgt
Wird das Herzmuskelgewebe nicht mehr mit Blut versorgt, dann ist das
vergleichbar mit einer verstopften Benzinleitung, durch die kein Benzin zum
Motor gelangt, bis der streikt. Ähnlich liefert im menschlichen Körper das Blut
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dem Herzmuskelgewebe den Sauerstoff, den es zum Überlegen braucht.
Fehlt der Nachschub, dann ist das Herzmuskelgewebe anfangs nur
„beleidigt“, wird der Blutzufluss aber nicht wieder hergestellt, stirbt das
Gewebe ab.
Risikofaktoren: Auslöser des Herzinfarktes
Grundlage für einen Herzinfarkt ist eine Ablagerung oder ein Plaque im
Herzkranzgefäß, es besteht aus Cholesterin, Muskelzellen und
Entzündungszellen. Für die Entstehung gibt es verschiedene Auslöser.
Wichtige Faktoren
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, erhöhtes
Cholesterin und Diabetes (Zuckerkrankheit). Riskant ist auch, wenn
Patienten familiär vorbelastet sind, das heißt, in der Familie sind bereits vor
dem 60. Lebensjahr Gefäßerkrankungen aufgetreten. Eine große Rolle spielt
auch das Übergewicht: Dabei kommt es auf die Fettverteilung an, denn
riskant ist vor allem das tiefe Bauchfett.
Rauchen macht Gefäße unelastisch
Rauchen ist deswegen so gefährlich, weil es auf die innere Schicht der
Herzkranzgefäße wirkt. Diese innere Schicht sorgt für die Elastizität des
Gefäßes (Endothel) und bildet dafür Stickstoffmonoxyd. Rauchen wirkt dem
entgegen und macht die Gefäße unelastisch.
Körperliche Inaktivität
Wer zwar ein paar Kilo Übergewicht hat, aber körperlich aktiv ist, hat größere
Chancen, einem Herzinfarkt zu entgehen. So gilt die Regel: Man kann viele
Risikofaktoren dadurch wettmachen, dass man körperlich aktiv ist. Dr. med.
Christa Bongarth, Ärztliche Direktorin der Klinik Höhenried: „Der Tipp lautet
also, Hintern hoch, inneren Schweinehund an die Leine nehmen und
regelmäßig vor die Tür gehen.“
Alter und Geschlecht
Generell gilt: Je älter man wird, desto höher ist das Risiko für einen Herzinfarkt.
Die Ursache dafür ist der normale Alterungsprozess der Gefäße. Allerdings sind
Männer häufiger betroffen als Frauen, weil sie früher Arteriosklerose
bekommen. Dafür gibt es zwei Ursachen:
- Einmal haben Männer generell mehr der Risikofaktoren und
- zweitens sind Frauen bis zum Eintritt in die Wechseljahre durch Hormone
(Östrogene) in gewisser Weise geschützt.
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Psychosoziale Belastungsfaktoren
Depression und Depressivität haben mittlerweile den gleichen Stellenwert
wie die anderen Risikofaktoren erreicht. Stress als Auslöser eines
Herzinfarktes ist ein sogenannter mittelbarer Faktor: Ausschlaggebend ist,
wie man mit ihm umgeht und ob man ihn sehr negativ bewertet oder nicht.
Wer dazu neigt, sich oft und über Vieles zu ärgern, ist eher gefährdet als
andere.
Beschwerden beim Herzinfarkt: Schmerzen und andere Warnzeichen
Um einen Herzinfarkt zu diagnostizieren, fragen Mediziner zuerst nach den
Beschwerden, machen Blutuntersuchungen und ein EGK. Nach einem
Herzinfarkt ist auf dem Ultraschallbild eine Bewegungsstörung zu erkennen,
da sich das nicht durchblutete Herzareal nicht mehr bewegt.
Charakteristische Beschwerden: Bezeichnend für einen Herzinfarkt ist ein
extremer und mit nichts zu vergleichender Vernichtungsschmerz hinter dem
Brustbein, der alarmierend ist. Oft lässt er nicht wieder nach, manchmal aber
kommt und geht er auch. Gelegentlich strahlt dieser Schmerz in den linken
oder auch rechten Arm aus, in Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch.
Wichtig: Keine Zeit verlieren!
Wer extreme Schmerzen hat, die sich nicht zuordnen lassen, sollte sofort
den Notarzt rufen!
Schmerzen im Brustkorb
Viele Patienten beschreiben den Schmerz so,
- als würde ein Gürtel um ihren Brustkorb immer enger zusammen gezogen
werden, oder,
- als würde ein Elefant auf dem Brustkorb stehen.
Also entweder ein großes Engegefühl oder ein enormes Gewicht, wie ein
Vernichtungsschmerz. Ziehende oder stechende Schmerzen sind dagegen
beim Herzinfarkt eher selten.
Untypische Beschwerden
Untypische Beschwerden können - z.B. im Falle eines Hinterwandinfarktes im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern auftreten. Das betrifft
sowohl Männer als Frauen, letztere allerdings häufiger. Manche Patienten
haben extreme Kieferschmerzen, andere Luftnot. Vor allem ältere Patienten
berichten aber häufig gar nicht über Schmerzen, sie sind jedoch verwirrt.
Frauen und Männer reagieren verschieden
Frauen informieren häufig deutlich später den Arzt bei einem Herzinfarkt als
Männer, oft deswegen, weil sie niemandem zur Last fallen wollen, oder weil
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sie denken, das Problem löse sich von allein. Das trifft auch auf ältere
Menschen zu, die nicht wahrhaben wollen, dass sie ernsthaft krank sind und
Hilfe brauchen.
Manchmal treten Warnzeichen auf
Manche Patienten berichten den Medizinern im Nachhinein, sie hätten zwar
extreme Schmerzen gehabt, die aber nicht dem Herzen zugeordnet. Dr. med.
Christa Bongarth, Ärztliche Direktorin der Klinik Höhenried: „Extrem häufig ist
es so, dass sich aber der Herzinfarkt nicht ankündigt, sondern einfach
kommt, wie mit dem Lichtschalter angeknipst. Denn der Einriss ist plötzlich
da und in dem Moment reagiert der Körper.“ Dr. med. Christa Bongarth,
Ärztliche Direktorin der Klinik Höhenried
Angina Pectoris
Ernst nehmen sollte man auch Beschwerden bei körperlicher Belastung, wie
z.B. Luftnot oder plötzlich nachlassende Leistungsfähigkeit. Das sind zwar
nicht zwangsläufig Anzeichen eines drohenden Herzinfarktes, aber sie
können darauf deuten, dass mit dem Herzen etwas nicht in Ordnung ist. Ein
Hinweis kann z.B. auch sein, dass man beim Wandern plötzlich keine Luft
mehr bekommt, was davor nie der Fall war, oder einen leichten Druck auf der
Brust verspürt, der wieder nachlässt, wenn man sich ausruht.
Akutbehandlung beim Herzinfarkt: Warum man keine Zeit verlieren soll
Bei einem Herzinfarkt ist der Patient weniger dadurch gefährdet, dass das
Herzkranzgefäß zugegangen ist. Primär stirbt man, weil in der Folge
bestimmte Teile des Herzens nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt
werden und das zu Herzrhythmusstörungen führen kann.
Herzrhythmusstörungen
Auf fehlenden Sauerstoff reagiert das Herzgewebe zuerst quasi beleidigt,
das heißt, es bildet saure Abfallprodukte. Hält der Zustand an, dann sind im
Laufe der Zeit der ganze Säure-Basen-Haushalt und das
Mineralstoffgleichgewicht gestört. Daraufhin entstehen
Herzrhythmusstörungen, die machen den Herzinfarkt so gefährlich. Wird ein
Patient bewusstlos, muss man ihn sofort wiederbeleben.
Siehe auch
www.br.de/radio/bayern2/wissen/gesundheitsgespraech/themen/herzrhythmu
sstoerungen-vorhofflimmern-kammerflimmern-100.html
Gefährliches Kammerflimmern
Ist bei einem Patienten ein großes Herzkranzgefäß wie der Hauptstamm
zugegangen, dann hat er nur sehr geringe Überlebenschancen, denn der
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fehlende Sauerstoff führt dazu, dass die elektrische Erregung des Herzens
komplett durcheinander gerät. Er bekommt häufig sofort
Herzrhythmusstörungen und stirbt möglicherweise. Rund ein Drittel aller
Patienten mit einem Herzinfarkt sind davon betroffen, sie erreichen das
Krankenhaus nicht mehr lebend.
Zuerst Herzkatheter legen
Erreicht ein Patient das Krankenhaus mit der Diagnose Herzinfarkt, dann
wird er als Erstes sofort auf den Kathetertisch gebracht, wo Mediziner das
verschlossene Herzkranzgefäß wieder öffnen. Früher hat man zuerst
Medikamente gespritzt, die das Blutgerinnsel aufgelöst haben, heute öffnet
man den Verschluss mit Hilfe eines Drahtes, eines Ballons und meist mit der
Einpflanzung einer Gefäßstütze. Die Wiederherstellung des Blutflusses ist
die effektivste Prophylaxe gegen Herzrhythmusstörungen.
Schnell Gefäß öffnen
Bei Patienten mit Herzinfarkt wird unter Durchleuchtungskontrolle ein
Katheter gelegt, entweder geht man durch die Leiste zum Herzen oder durch
den Arm, an der Stelle, an der man den Puls misst. Von dort aus schieben
Mediziner einen Draht zum Herzen. Mit Hilfe eines Ballons, den man
aufpumpen kann, kann der Blutfluss dann wieder hergestellt werden.
Zusätzlich kann das Gefäß möglicherweise entweder durch eine Gefäßstütze
(Steht) geöffnet werden oder es ist eine Bypass-Operation nötig.
„Zeit ist Muskel“
Ist das verstopfte Gefäß eher kleiner und wird außerdem bereits in den
ersten dreißig Minuten wieder geöffnet, kann sich das Herz in der Regel
regenerieren. Die Chancen dafür sind bei kleineren Gefäßen und
Seitenästen höher als bei größeren. Häufig kann sich das Herz auch noch
erholen, wenn es innerhalb der ersten Stunden behandelt wird, dauert es
länger, bleibt aber oft ein Schaden zurück.
Behandlung: Therapie bei Herzinfarkt
Alle Herzinfarktpatienten werden nach dem Öffnen des Herzgefäßes auf der
Intensivstation mit Hilfe eines Monitors überwacht, um eine
Herzrhythmusstörung auszuschließen, auch wenn sie keine Schmerzen
mehr haben. Denn vor allem in den ersten 48 Stunden ist die Gefahr für
Rhythmusstörungen sehr hoch. Je länger der Infarkt zurück liegt, desto
geringer ist die Gefahr einer Herzrhythmusstörung.
Regeneration
Nach einem Herzinfarkt brauchen alle Patienten Medikamente, die das Herz
dabei unterstützen, sich wieder komplett zu regenerieren. Auch wenn der
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Blutdruck normal ist, müssen sie diese Medikamente nehmen. Die
Vorstellung dahinter ist, dass sich das Herz wieder erholen kann, man spricht
von „re-modelling“.
Eingeschränkte Herzleistung
Ist bei einem Herzinfarkt ein großes Gefäß betroffen, dann kann
anschließend die Pumpkraft des Herzens eventuell so eingeschränkt sein,
dass dauerhaft eine Leistungsminderung verbleibt. Dies macht die
lebenslange und engmaschige Therapie der Herzschwäche nötig.
Folgen des Herzinfarktes
Viele Patienten denken nach ihrem Krankenhausaufenthalt, jetzt sei alles
wieder in Ordnung, sie seien gesund. Die chronische Erkrankung des
Herzens bleibt jedoch bestehen, die Patienten sind ihr Leben lang auf
Medikamente angewiesen, die Blutgerinnsel verhindern. Und um einem
erneuten Herzinfarkt vorzubeugen, müssen sie die Risikofaktoren meiden.
Siehe auch
www.br.de/radio/bayern2/wissen/gesundheitsgespraech/themen/kardiologiesekundaerprophylaxe-herzinfarkt100.html
Anschlussheilbehandlung
In der Reha haben Patienten drei Wochen lang die Möglichkeit, sehr viele
Informationen über die Krankheit zu bekommen. Auch werden sie angeleitet,
ihren Lebensstil (z.B. Rauchen aufhören) zu ändern, das ist alleine häufig
schwierig. Das Programm in der Reha für Herzinfarktpatienten umfasst unter
anderem Sport und Bewegung, Ernährungsberatung und psychologische
Beratung. Ein ganzes Team unterstützt den Patienten, wieder in seinen
Alltag und Beruf zurückkehren zu können.
Lebenslange Nachsorge
Nach der Reha sollten Patienten sich eine Herzsportgruppe in ihrer Nähe
suchen, der Hausarzt gibt Auskunft über die Herzgruppe in der Nähe des
Wohnortes und Krankenkassen übernehmen in der Regel die
Teilnahmekosten. Das Besondere solcher Gruppen ist, dass das Training
unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, ein- bis zweimal in der Woche rund 60 bis 90
Minuten lang.
Sport auf Rezept
Wer vorbeugend etwas für sich und gegen einen möglichen Herzinfarkt tun
möchte, kann die Risikofaktoren meiden und sich einer Präventionsgruppe
für Herzinfarkt-Gefährdete anschließen. Besucht man die regelmäßig,
ersetzen manche Krankenkassen die Teilnahmegebühren.
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Herzsportgruppen
Expertinnen:
Dr. Petra Pfaffel, Diplom-Sportlehrerin für Prävention und Rehabilitation und
Übungsleiterin für Herzgruppen, Geschäftsführerin der Herz-LAG-Bayern.
Dr. med. Christa M. Bongarth, Kardiologin und Ärztliche Direktorin der Klinik
Höhenried am Starnberger See und 1. Vorsitzende der
Landesarbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation in
Bayern e.V. (Herz-LAG Bayern)
Mit Herz aktiv - Bewegung und Sport für Herzpatienten
Fast allen Herzkreislauf-Patienten wird vom Arzt Bewegung und Ausdauersport
empfohlen, um wieder gesund zu werden und einem Rückfall vorzubeugen.
Besonders gut eignen sich dafür sogenannte Herzgruppen, in denen die
Patienten entsprechend der eigenen Belastbarkeit und unter ärztlicher Aufsicht
gezielt ein besonderes Training absolvieren. In diesen Gruppen findet
Bewegung und Sport ein- bis zweimal pro Woche statt, jeweils rund 90 Minuten
lang. Ergänzt wird das Bewegungsangebot einer Herzgruppe oft durch
Gespräche oder Vorträge zu einem herzgesunden Lebensstil.
Inhalte der Herzgruppe
Es geht um Koordination und Kräftigung und zu einem großen Teil um
Ausdauer, die die Teilnehmer zum Beispiel an speziellen Rädern oder in der
Turnhalle trainieren. Außerdem umfasst das Angebot, je nach Belastbarkeit der
Teilnehmer auch gymnastische Übungen sowie Elemente zur
Körperwahrnehmung und Entspannung. Wichtig: Keiner soll irgendwelche
Höchstleistungen erbringen, sondern lernen, sich selbst einzuschätzen und die
eigenen Grenzen zu erkennen.
Für welche Patienten geeignet?
Die meisten Teilnehmer einer Herzgruppe sind Patienten mit
Herzkranzgefäßerkrankungen: Sie hatten zum Beispiel einen Herzinfarkt und
einen Stent (Gefäßstütze), mit dessen Hilfe ein Herzkranzgefäß aufgedehnt
wurde oder sie haben eine Bypassoperation (Überbrückung eines krankhaft
veränderten Abschnittes der Blutgefäße) hinter sich. Herzgruppen eignen sich
auch für Patienten mit Herzmuskelproblemen (zum Beispiel Herzinsuffizienz)
und für Patienten mit Herzklappenerkrankungen und -fehlern. Außerdem sind
die Gruppen offen für Menschen, die einen Herzschrittmacher oder eine
Herztransplantation bekommen haben.
Vor dem Training - Ärztliche Untersuchung
Damit sowohl die Patienten der ambulanten Herzgruppe als auch deren
Übungsleiter wissen, wie viel sich jeder zumuten kann und soll, müssen alle
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Teilnehmer vor Beginn ein Belastungs-EKG machen. Dabei legt der Kardiologe
fest, wie stark ein Patient belastet werden darf.
Folgende Symptome müssen vermieden werden:
•
Beschwerden im Rahmen von Angina pectoris (Enge-Gefühl in der
Brust),
•
Atemnot,
•
objektive Zeichen einer Sauerstoffnot des Herzens, die am EKG
erkennbar sind.
Treten solche Symptome auf, muss der Patient ärztlich behandelt werden und
darf bis zur definitiven Abklärung nicht trainieren.
Trainingsbelastung ermitteln
Mit den Daten, die der Kardiologe beim Belastungs-EKG erhält, errechnet er die
individuelle Trainings-Herzfrequenz, also die optimale Pulsfrequenz, mit der ein
Teilnehmer trainiert. Wer weniger belastbar ist, kommt in eine Übungsgruppe
(Belastbarkeit 0,5-1 Watt/kg Körpergewicht). Patienten mit größerer
Belastbarkeit werden Teilnehmer einer Trainingsgruppe (Belastbarkeit >1
Watt/kg Körpergewicht).
Wichtig:
Um die eigene Belastung beim Sport zu überprüfen, ist es vor allem am Anfang
sinnvoll, eine Pulsuhr zu tragen. Darüber hinaus misst der Übungsleiter auch
immer wieder zusammen mit den Teilnehmern den Puls.
Gründe, warum Herzsport sinnvoll ist
Viele Patienten mit einer Herzkreislauf-Erkrankung erhalten nach der
Behandlung im Akut-Krankenhaus eine Anschlussheilbehandlung in einer
kardiologischen Reha-Klinik für etwa drei Wochen. Dort lernen sie, Ihre
körperliche Belastungsfähigkeit einzuschätzen, üben sportliche Belastungen
ein, erfahren Grundsätzliches über ihre Risikofaktoren und die Erkrankung und
werden medikamentös eingestellt, d.h. bekommen die richtigen Medikamente in
der für sie passenden Dosierung. Doch im Alltag schwächt sich der günstige
Effekt der Rehabilitation oft schnell ab - genau da setzt die Herzgruppe an.
Sekundärprävention tut Not
Weil viele Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nach dem Aufenthalt
in der Reha-Klinik bald ihren gewohnten Lebensstil wieder aufnehmen, der zur
Herzerkrankung geführt hat (z.B. rauchen, ungesunde Ernährung), sind sie
denselben Risikofaktoren ausgesetzt wie zuvor. Wenn sie sich aber nach der
Reha-Klinik gleich einer Herzgruppe anschließen, sind sie körperlich aktiv und
kommen mindestens einmal pro Woche zusammen, um zu üben, über ihre
Probleme zu sprechen und gesundheitsbildende Informationen zu erhalten.
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Dadurch fällt es ihnen leichter, das beizubehalten, was sie in der Reha-Klinik
gelernt haben.
Kompetenz verbessern
- Teilnehmer einer Herzgruppe wissen besser über ihre Risikofaktoren
Bescheid.
- Herzgruppenteilnehmer verbessern ihre körperliche Leistungsfähigkeit und
entwickeln ein Gespür dafür, wo ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen
liegen.
- Die Herzgruppe schafft Möglichkeiten, sich Wissen um herzgesunde
Verhaltensweisen anzueignen und wie diese zur persönlichen Gewohnheit
werden können.
- Insgesamt erreichen Teilnehmer einer Herzgruppe eine höhere
Lebensqualität, denn sie lernen Schritt für Schritt ihre persönlichen
Möglichkeiten kennen, auch mit Herzerkrankung ihr Leben aktiv und genussvoll
zu gestalten. Und: Auch schon die Teilnahme an der Herzgruppe selbst macht
Freude!
Fazit: Herzgruppe – eine große Chance für Herzpatienten!
Die Psyche - Angst vor erneuter Belastung
Viele Patienten haben nach einer Herzerkrankung Angst vor Belastung, denn
die dramatische Erfahrung einer lebensbedrohlichen Krankheit führt zu einer
existenziellen Verunsicherung. Deswegen nehmen auch eine ganze Reihe von
Patienten in der Reha-Klinik die Hilfe eines Psychologen in Anspruch, der ihnen
helfen soll, wieder optimistischer in die Zukunft zu schauen.
Wieder optimistischer werden
Viele Teilnehmer von Herzgruppen berichten, dass ihnen geholfen hat, zu
erleben, dass sie nicht allein mit ihren Problemen sind. Nach der Rehabilitation
gaben viele an, sie fühlten sich wohl, seien relativ gut belastbar und hätten ihre
Angst in den Griff bekommen.
Übungsbeispiel 1: Die Tanzreise
Bei der sogenannten Tanzreise gehen die Teilnehmer einer Übungsgruppe als
Erstes zu Musik durch die Halle, jeder in seinem eigenen Tempo. Dann stoppt
die Musik und die Übungsleiterin nennt das erreichte Reiseziel ... zum Beispiel
Schuhplattln in Bayern. Zur entsprechenden Musik deutet die Übungsleiterin die
dazu gehörenden Bewegungen an: Sie hebt abwechselnd das rechte und linke
Knie, die Fersen und die Arme. Jeder kann wählen, ob er sich schneller oder
langsamer bewegt und wie sein eigener Schuhplattler aussehen soll. Die
Übung dauert eine Minute, dann stoppt die Musik und es geht weiter in das
nächste Land. Insgesamt durchquert die Gruppe sieben bis acht Länder und
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"tanzt" zum Beispiel zu Samba, Cancan und Bauchtanz. Die ganze Tanzreise
dauert etwa zwanzig Minuten.
Ziel der Übung
Die Teilnehmer sollen sich ausdauerorientiert belasten und gleichzeitig auch
spüren lernen, wann sie Pause machen müssen.
Ganzheitliches Training
Bewegungsübungen wie die Tanzreise sind für Herzpatienten sinnvoll, weil
dabei die Koordination von Armen und Beinen geübt wird. Die Patienten lernen,
sich gemäß ihrer individuellen Möglichkeiten auf einen Rhythmus einzulassen
und gleichzeitig die Ausdauer zu trainieren. Insgesamt werden dadurch positive
Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem erzielt und damit auch das körperliche
Wohlbefinden gesteigert. In anderen Übungen lernen die Teilnehmer einer
Herzgruppe aber auch, mit Stress besser umzugehen. Außerdem werden in
kleineren Gesprächskreisen regelmäßig herzrelevante Themen behandelt, wie
zum Beispiel die Problematik von Genussmitteln wie Nikotin.
Übungsbeispiel 2: Nordic Walking
Beim Nordic Walking müssen die Patienten als Erstes die Stöcke einstellen: Die
Arme sollen leicht angewinkelt sein, die Faust also etwas unterhalb des
Bauchnabels. Die Übungsleiterin achtet dann unter anderem darauf, dass die
Patienten sich bei jedem Schritt auch mit Hilfe der Arme aktiv ein Stück weit
nach vorne schieben. Dann geht jeder in seinem Tempo los. Die Übungsleiterin
begleitet die Gruppe und korrigiert, wo es nötig ist. Die Übung dauert 15 bis 20
Minuten.
Ziel der Übung
Während der Walking-Einheit sollte jeder Patient nach und nach seine
persönliche Trainings-Herzfrequenz halten können.
Fakten - Wie man eine Herzsportgruppe findet
Herzgruppen gibt es oft in Sportvereinen, aber auch z.B. in Volkshochschulen
oder in manchen Betrieben. Es gibt sie nicht nur in Städten, sondern auch in
vielen kleineren Orten.
Nähere Infos:
Hier finden Sie Ihre Herzgruppe am Wohnort und weitere Informationen rund
um Herzgruppen: www.herz-lag-bayern.de
Kosten
Die Teilnahme an einer Herzgruppe ist eine Leistung der gesetzlichen
Krankenkassen (90 Übungseinheiten in einem Zeitraum von zwei Jahren). Falls
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die Patienten anschließend noch nicht ausreichend belastbar sind, kann eine
weitere Verordnung ausgestellt werden, allerdings bleiben viele Patienten auch
als Selbstzahler ihrer Herzgruppe treu.
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