MARKTAUSBLICK JANUAR 2016
Globales Wachstum verhalten, aber
positiv
Die Datenlage: Im Dezember veränderte sich die Wirtschaftsdynamik weltweit kaum und
tendierte weiter verhalten, aber positiv (Grafik 1). Allerdings traten die meisten
Frühindikatoren den Rückzug an. So gab der globale Einkaufsmanagerindex (PMI) nach,
parallel zu rohstoffsensitiven Komponenten wie dem Baltic Dry Index, den
Industriemetallpreisen und dem kanadischen wie australischen Dollar. Auch die
Komponenten mit Bezug zu Asien und zum Welthandel, genauer die koreanischen Exporte
und das Verhältnis von Vorräten zu Umsätzen in Japan, schwächten sich ab. Deutlich
aufwärts ging es dagegen global gesehen beim Verbrauchervertrauen und dem Verhältnis
von Neuaufträgen zu Vorräten.
Etwas verringert hat sich der Abstand zwischen den PMIs für die Industrie- und die
Schwellenländer. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2015 gaben die Einkaufsmanagerindizes in
den Industrieländern zwar etwas nach, verharrten aber leicht über der Wachstumsschwelle.
Die konnten ihre Pendants in den Schwellenländern zwar nicht überwinden, sie setzten
jedoch, wie in Grafik 2 dargestellt, ihren langsamen Aufwärtstrend fort. Relativ gut fielen
erneut die Umfrageergebnisse in der Dienstleistungsbranche aus, blieben aber wegen des
leichten Rückgangs hinter den Erwartungen zurück.
Grafik 1: Globale Frühindikatoren (GFI)
und OECD-Industrieproduktion (IP) im
Vergleich
2
Grafik 2: PMIs im verarbeitenden
Gewerbe Industrie- und Schwellenländer
GFI-Dynamik
ggü. Vormonat
GLI momentum,
%mom (%)
58
Industrieländer
DM Manufacturing PMI
OECD - IP, gleitender 3MOECD IP (3mma
%mom)(%)
Durchschnitt
ggü. Vormonat
57
Schwellenländer
EM Manufacturing PMI
1,5
56
1
55
0,5
54
0
53
-0,5
-1
52
-1,5
51
-2
50
-2,5
-3
Jan 04 Sep 05 Mai 07 Jan 09 Sep 10 Mai 12 Jan 14 Sep 15
Quelle: GS, Haver Analytics, Januar 2016
49
48
Jan 10 Nov 10 Sep 11 Jul 12 Mai 13 Mrz 14 Jan 15 Nov 15
Quelle: HSBC/MKT, Januar 2016
Unsere Einschätzung: Die Weltwirtschaft wächst nach wie vor, jedoch relativ langsam. Die
weltweit hohen Lagerbestände bleiben eine Belastung, denn der Vorratsabbau hat gerade
erst begonnen. Eine Stütze für das Wachstum in den Industrieländern dürfte in den nächsten
Quartalen der private Konsum bleiben. Die bessere Lage am Arbeitsmarkt und die erneut
gesunkenen Energiepreise wirken sich positiv auf das Verbrauchervertrauen aus. Zur
Unterstützung derjenigen Schwellenländer, die primär Rohstoffe exportieren, müssten sich die
rohstoffbezogenen Daten zumindest stabilisieren. Ermutigend ist jedoch, dass die PMIs für die
Schwellenländer als Ganzes etwas Fuß gefasst haben.
Geldpolitik: Die Zinserhöhung der Fed im Dezember um einen Viertelprozentpunkt ging an
den Märkten quasi spurlos vorbei. Mit ziemlicher Sicherheit werden die weiteren
Zinsstraffungen sehr allmählich und unter Berücksichtigung der aktuellen Datenlage erfolgen.
Bei nach wie vor fehlendem Inflationsdruck wird die Fed die Zinszügel kaum kräftig anziehen,
sollte das Wachstum enttäuschen. Die Märkte dürften mit Argusaugen verfolgen, wie China
mit dem Druck auf seine Währung umgeht. Aus den Februardaten zu den Devisenreserven
wird hervorgehen, in welchem Umfang Peking gezwungen war, Devisen zu verkaufen, um
den Renminbi zu stützen.
AUF EINEN BLICK
Das stabile Weltwirtschaftswachstum setzte sich im
Dezember fort. Allerdings trübte
sich das Gros der Frühindikatoren
ein.
Aus der Eurozone kamen im
Dezember die besten Wirtschaftsdaten. Dagegen fielen die Daten
für die USA und Japan
uneinheitlich aus.
In Japan dürfte sich die
Wirtschaftsaktivität in diesem Jahr
leicht beleben, nachdem sie 2015
enttäuscht hatte.
Weiter durchwachsen ist der
Ausblick für die Schwellenländer.
Anzeichen einer Stabilisierung in
China gaben jedoch den
verarbeitenden Unternehmen aus
den Schwellenländern Auftrieb.
China sah sich zu einer massiven
Stützung seiner Währung
gezwungen, wodurch die
Devisenreserven im Dezember
um 108 Mrd. USD geschmolzen
sind. Aktuelle Daten zu den
Devisenbeständen sollten Anleger
in den nächsten Monaten
besonders im Auge behalten.
Mit dem weiteren Rohstoffpreisverfall nimmt derweil der Druck auf
die Rohstoffexporteure zu.
USA: DIENSTLEISTUNGSBRANCHE LÄSST VERARBEITENDES GEWERBE HINTER
SICH
Die Datenlage: In den USA fielen die Wirtschaftsdaten im letzten Monat durchwachsen aus.
So schwächten sich die ISM-Umfragen ab, und auch die Umfrage außerhalb des
verarbeitenden Gewerbes fiel auf 55,3 Zähler zurück. Schuld war eine Anomalie bei der
Komponente „Lieferzeiten“ um die Weihnachtszeit herum. Dagegen stiegen die Komponenten
Aktivität, Beschäftigung und Neuaufträge leicht an und lassen auf anhaltend solides Wachstum
schließen. Für das verarbeitende Gewerbe wurde den sechsten Monat in Folge ein Rückgang
auf einen Stand von 48,2 und damit weiter unter die Wachstumsschwelle gemeldet. Für den
jüngsten Rückgang war vor allem die Beschäftigungskomponente verantwortlich. Auch die
Industrieproduktion rutschte im Dezember mit -1,8% im Jahresvergleich weiter in den
Rezessionsbereich ab. Derweil wächst die Produktion im verarbeitenden Gewerbe zwar weiter,
aber nicht mehr ganz so schnell. Das ist vor allem den Branchen Bergbau und Versorger
zuzuschreiben.
Stark fiel dagegen der Beschäftigungsbericht im Dezember aus. Außerhalb der Landwirtschaft
wurden 292.000 neue Jobs geschaffen und die Vormonatszahlen um 50.000 nach oben
korrigiert. Wegen der gestiegenen Erwerbsquote blieb die Arbeitslosenquote unverändert bei
5,0%. Etwas schlechter als erwartet präsentierten sich die Lohndaten. So traten die
Stundenlöhne im Schnitt zum Vormonat auf der Stelle, verzeichneten aber gegenüber dem
Vorjahr dank positiver Basiseffekte einen Anstieg um 2,5% (Grafik 3). Etwas mehr Vertrauen
sprach aus den Verbraucherumfragen, die damit ihren hohen Stand im Jahr 2015
behaupteten. Für Enttäuschung sorgten dagegen die schwächeren Einzelhandelsumsätze im
Dezember.
Die Inflationszahlen für November entsprachen den Erwartungen, und der Index zur Kernrate
der privaten Konsumausgaben, kurz Kern-PCE-Index, verharrte hartnäckig bei 1,3% im
Vergleich zum Vorjahr. Bei rund 0,5% lagen der Gesamt-PCE- und -VPI-Index. Diverse
Basiseffekte dürften sie in den nächsten zwei Monaten jedoch steigen lassen, denn dann fällt
der erste Ölpreisverfall vom Vorjahr aus den Berechnungen heraus.
Grafik 3: USA – Steigende Löhne und zunehmender Engpass am Arbeitsmarkt
4,50%
20
3,75%
3,00%
15
2,25%
10
1,50%
5
0,75%
0
96
98
00
02
04
06
08
10
12
14
Durchschnittliche
Avg Hourly Earnings:
Stundenlöhne
Prod
im &
produzierenden
Nonsupervisory:
Sektor und
Total
bei Private
Facharbeitern
Industries(SA,
im Privatsektor,
$/Hour)
Veränderung
ggü. Vorjahr
(saisonal
Change - Year
to Year
[+12]bereinigt,
(LHS) USD/Stunde) (li. Skala)
NFIB:Firmen,
Single
Important Problem:
Percent
NFIB:
dieMost
über Facharbeitermangel
berichten
(%) (re.Reporting
Skala)
%
Quality of Labor (%) (RHS)
Quelle: Bureau of Labor Statistics, NFIB, Haver, Januar 2016
Unsere Einschätzung: Die Umfragedaten für das vierte Quartal bestärken uns in der
Einschätzung einer allmählichen, sich im Jahresverlauf fortsetzenden Abkühlung der USWirtschaft. Sowohl die Umfragen innerhalb als auch außerhalb des verarbeitenden Gewerbes
und andere Konjunkturdaten lassen befürchten, dass von den prall gefüllten Lagern auch
weiter Gegenwind ausgeht. Aber nichts deutet bislang darauf hin, dass die Schwäche im
Ausland und im verarbeitenden Gewerbe den Rest der USA in eine Rezession abgleiten
lassen könnte. So bleibt der Konsum ein zentraler Wachstumstreiber, angefacht von
beeindruckenden Beschäftigungszuwächsen und fest tendierenden Löhnen.
Geldpolitik: Wie erwartet, erhöhte die Fed im Dezember die Zinsen um 0,25%. Trotz
gewisser Bedenken läuft die Anhebung des Tagesgeldsatzes in Richtung auf den Zielwert
bislang reibungslos. Im Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) wurde ebenso wie in
den Reden der Fed-Chefin Janet Yellen bekräftigt, dass die nächsten Zinserhöhungen wohl
allmählich und abhängig von den Wirtschaftsdaten erfolgen werden. Die meisten FOMC-
Mitglieder gehen unverändert von vier Zinsstraffungen in diesem Jahr aus, weniger sind
jedoch wahrscheinlicher.
Im Blickpunkt: Beschäftigungskostenindex (29. Jan.), BIP zum 4. Quartal (29. Jan.), ISMUmfragen (1. und 3. Feb.)
EUROZONE: DER UNANGEFOCHTENE SPITZENREITER
Die Datenlage: Die Wirtschaftsdaten zur Eurozone waren im Dezember überaus erfreulich.
Den Spitzenplatz nahm die Region bei den PMIs ein, die deutlich über den Prognosen lagen.
Das verarbeitende Gewerbe setzte seinen Positivtrend fort. Der Anstieg auf 53,2 Zähler
markierte den Höchststand seit 18 Monaten. Einen soliden Zuwachs auf 54,3 – das beste
Ergebnis seit 2011 – verbuchte auch der Gesamt-PMI, getragen vor allem von der starken
Beschäftigung. Einzig Frankreich enttäuschte, denn die Dienstleistungsbranche fiel unter die
Wachstumsschwelle, während es der Gesamtindex nur knapp über 50 schaffte (Grafik 4).
Für die Eurozone als Ganzes markierte das Vertrauen im Bau- und Dienstleistungsgewerbe
ein neues Nachkrisenhoch. Auch in der Industrie war die Stimmung so gut wie seit Jahren
nicht mehr. Den zweiten Monat in Folge stieg zudem das Verbrauchervertrauen und kehrte
damit zaghaft den im April begonnenen Abwärtstrend um. Die Arbeitslosigkeit sank im
Euroraum unerwartet um 0,20% auf 10,5%. Weniger Arbeitslose meldeten Spanien und
Italien. Selbst in Frankreich ist die Zahl der Arbeitslosen nach dem Höchststand im August
auf dem Rückzug. Schwächer als erwartet war der Preisauftrieb. Zum Vorjahr verteuerten
sich die Gesamtverbraucherpreise lediglich um 0,2% trotz erheblicher preistreibender
Basiseffekte. Mit 0,9% gegenüber dem Vorjahr tendierte die Kerninflation unverändert.
Grafik 4: Solide PMIs in der Eurozone – von Frankreich einmal abgesehen
65
60
Spain
Spanien
Italien
Italy
France
Frankreich
>
50 = Expansion
Wachstum
50+=
Deutschland
Germany
55
50
45
40
Quelle: Markit, Haver, Januar 2016
Unsere Einschätzung: Aus den Umfragedaten spricht eine stetige Wachstumsbeschleunigung nach dem etwas schwächeren dritten Quartal 2015. Neben günstigeren
Finanzierungsbedingungen, einer leicht gestiegenen Kreditvergabe und zunehmendem
Verbrauchervertrauen sind Anzeichen einer weniger restriktiven Haushaltspolitik erkennbar,
die durch reduzierte bzw. vorgezogene Sparpakete und die Flüchtlingsströme forciert wird.
Das untermauert unsere Einschätzung, dass die Erholung in der Eurozone gegenüber 2015
Fahrt aufnehmen wird.
Politik: In Spanien haben die Wahlen im Dezember keine klaren Mehrheitsverhältnisse
geschaffen. Die ultralinke Podemos-Partei konnte unerwartet viele Wählerstimmen auf sich
vereinen, und weder die rechten noch die linken Parteien sind allein in der Lage, eine
arbeitsfähige Regierung zu bilden. Das verheißt eine Phase der politischen Unsicherheit,
bevor Neuwahlen ausgerufen werden. Wie dem auch sei: Eine radikale Umkehr der positiven,
wachstumsfördernden Reformen ist unwahrscheinlich.
Im Blickpunkt: BIP-Zahlen zum vierten Quartal (12. Feb.)
JAPAN: EIN GEMISCHTES BILD
Die Datenlage: In Japan war die Datenlage im letzten Monat eher durchwachsen. Aus
den Umfragen sprach weiter eine gute Konjunkturentwicklung. So verbesserte sich der
PMI im verarbeitenden Gewerbe im Dezember auf 52,6 und deutet damit das stärkste
Wachstum seit Anfang 2014 an. Der Gesamt-PMI trat bei einem Stand von 52,2 quasi auf
der Stelle. Die Beschäftigung stieg auf den höchsten Wert seit 18 Monaten, und die
Preiskomponenten verharrten im Wachstumsbereich. Auch die Umfrage von Eco
Watchers übertraf die Konsenserwartungen. Deutlich besser fiel der Wert für die „aktuelle
Lage“ aus, mit dem sich der im ersten Quartal 2015 begonnene Abwärtstrend zaghaft
umkehrte, während die Einschätzung zur „künftigen Lage“ stabil tendierte.
Die „harten“ Wirtschaftsdaten fielen erneut weniger beeindruckend aus. Im November
schwächelte die Industrieproduktion und ging gegenüber Oktober nach zwei Monaten mit
Zuwächsen zurück. Für lange Gesichter sorgte vor allem der Einzelhandel, der
gegenüber dem Vorjahr 1,0% weniger umsetzte, wie Grafik 5 zeigt. Deutlich hinter den
Erwartungen blieb auch das zum Vorjahr auf der Stelle tretende nominale
Lohnwachstum. Hierbei handelt es sich jedoch wegen des unsicheren
Auszahlungszeitpunkts der Boni um eine höchst volatile Datenreihe. Die fixen Löhne
stiegen im Vorjahresvergleich um 0,5% – so stark wie seit 2005 nicht mehr. Derweil
tendierte die „Kern-Kern“-Inflation im November fest. Die von der Bank von Japan (BoJ)
favorisierte Kennzahl verharrte den dritten Monat in Folge bei 1,2% zum Vorjahr. Die
Kerninflation im Stil der westlichen Industrieländer fiel mit einem Anstieg auf 0,9%
überraschend hoch aus. Weniger stark gestiegen sind die Gesamtverbraucherpreise,
deren Teuerung unverändert bei 0,3% gegenüber dem Vorjahr lag, was primär an den
rückläufigen Energiepreisen lag.
Grafik 5: Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze in Japan enttäuschen
15
10
5
0
-5
-10
-15
Industrieproduktion:
& verarbeitendes
(gleitender 3M-Ø ggü. Vj. (%))
Japan: IP: Mining Bergbau
& Manufacturing
(3mma,Gewerbe
y/y% change)
Einzelhandelsumsätze
(gleitender
3M-Durchschnitt
ggü. Vj. (%))
Japan: Retail Sales: gesamt
Total (3mma,
y/y%
change)
Quelle: Wirtschaftsministerium, Trader & Industry, Haver, Januar 2016
Unsere Einschätzung: In diesem Jahr dürfte sich Japans Konjunkturerholung
ausgehend vom niedrigen Niveau im letzten Jahr etwas beschleunigen. Zugleich sollten
sich die starken Umfrageergebnisse in den Wirtschaftsdaten niederschlagen. Allerdings
müssen die Löhne stärker wachsen, damit die Menschen deutlich mehr konsumieren.
Hierbei könnten die Lohnverhandlungen im Frühjahr helfen. Dass China langsam Fuß
fasst, hat zuletzt für Aufwind gesorgt, der jedoch im weiteren Jahresverlauf in Gegenwind
umschlagen könnte.
Geldpolitik: Im Dezember hat die BoJ ihr quantitatives Lockerungsprogramm etwas
nachjustiert, aber nicht ausgeweitet. Wegen des stärkeren Preisauftriebs erwarten wir,
dass die Notenbank bis auf weiteres von Zinsschritten absieht. Allerdings hat der Yen auf
handelsgewichteter Basis im letzten Monat um ca. 5% aufgewertet, was die
Währungshüter kaum freuen wird. Da die Basiseffekte im Jahresverlauf aus der
Berechnung herausfallen, könnte sich die Zentralbank zu einer weiteren Lockerung
gezwungen sehen. Notenbankchef Kuroda hat jedenfalls unlängst betont, dass man zu
noch „beherzteren Schritten“ bereit sei, um das Inflationsziel von 2% zu erreichen.
Im Blickpunkt: Kerninflation (28. Jan.), BoJ (29. Jan.), weitere Yen-Bewegungen,
Nachrichten zum Fiskalpaket
CHINA: STABILISIERUNG IN SICHT
Die Datenlage: Aus den neusten chinesischen Wirtschaftsdaten spricht eine zaghafte
Stabilisierung, aber der Gesamtausblick ist nach wie vor verhalten. Beide PMIs im
verarbeitenden Gewerbe schwächelten erneut und schafften es nicht über die
Wachstumsschwelle von 50. Enttäuschend fiel die Caixin-Umfrage aus, die den im
letzten Monat verbuchten Anstieg wegen rückläufiger Neuaufträge im Export umkehrte.
Der „offizielle“ PMI hingegen legte zu, obwohl es bei der Beschäftigungskomponente
weiter bergab ging. Besonders groß war die Diskrepanz bei den Umfragen unter
Einkaufsmanagern im Dienstleistungsgewerbe. Der Caixin fiel um einen ganzen Punkt
auf 50,2 zurück und kratzte an einem Allzeittief. Dagegen stieg der „offizielle“ Index auf
ein Zweijahreshoch von 53,7 Zählern, wobei das Baugewerbe den dritten Anstieg in
Folge verbuchte.
Besserung versprachen die Handelszahlen für Dezember, die deutlich über den
Prognosen lagen. Im Vorjahresvergleich stiegen die Exporte erstmals seit sechs
Monaten. Auch die Importe haben gegenüber dem Vormonat kräftig zugelegt und deuten
eine merkliche Erholung an. Erneut gestiegen sind im November die Hauspreise: Im
Schnitt verteuerten sich Wohnimmobilien um 4,2% im Vorjahresvergleich (Grafik 6). In 33
von 70 Städten – nach 27 im Oktober – sind die Neuimmobilienpreise nach oben
geklettert, wobei sich der Anstieg einmal mehr auf die großen und mittelgroßen Städte
des Landes konzentrierte.
Chinas Devisenreserven sind im Dezember jedoch bedrohlich um 108 Mrd. USD und
damit so stark wie noch nie gefallen. Schätzungen zufolge summierten sich die
Zentralbankverkäufe bereinigt um Bewertungseffekte auf rund 140-200 Mrd. USD.
Grafik 6: Anzeichen einer Stabilisierung in China
%
15
Reale
(letzte 3 M. (Latest
ggü. vorherige
M., saisonal
China:Industrieproduktion
Real Industrial Production
3m vs.3previous
3mbereinigt)
annualised, SA)
Durchschnittliche
in 100
Städten
ggü. Vj. in %)
China: Average Hauspreise
House Price
in 100
cities(Veränderung
(Y/Y% change)
13
11
9
7
5
3
1
-1
-3
-5
Jan 12 Apr 12 Jul 12 Okt 12 Jan 13 Apr 13 Jul 13 Okt 13 Jan 14 Apr 14 Jul 14 Okt 14 Jan 15 Apr 15 Jul 15 Okt 15
Quelle: CHIA/SF, CNBS/H/Haver, Januar 2016
Unsere Einschätzung: In den letzten Monaten mehrten sich die Anzeichen, dass Chinas
Wirtschaft Fuß fasst. Ängste vor einer „harten Landung“ sind daher nach wie vor weitgehend
unbegründet. Aber auch 2016 wird die Abkühlung eine unvermeidliche Begleiterscheinung des
Umbauprozesses in der chinesischen Wirtschaft weg von der Industrie und hin zu einer
Konsum-/Dienstleistungswirtschaft sein. Trotz Marktschwankungen ist indes eine markante
Abwertung des Renminbi weder mit einem Leistungsbilanzüberschuss und einer stark
positiven Handelsbilanz noch mit dem Übergang zu konsumgetriebenem Wachstum vereinbar.
Geldpolitik: Auch im Januar hat die chinesische Zentralbank vermutlich wieder erhebliche
Summen in die Hand genommen, um die heimische Währung zu stützen. Zudem hat sie die
Liquidität und Tagesgeldsätze an den Offshore-Märkten massiv manipuliert, um Spekulanten
abzuschrecken. Zwar verfügt die Zentralbank nach wie vor über riesige Devisenreserven in
Höhe von 3,3 Bill. USD. Dennoch muss sie aufpassen, dass sich ihre Interventionen – und die
Kapitalabflüsse im Allgemeinen – in dem Versuch, beim Renminbi auf einen „Korbansatz“
umzustellen, nicht zu einem großen Problem auswachsen.
Im Blickpunkt: Januarzahlen zu den Devisenreserven (7. Feb.)
SCHWELLENLÄNDER: CHINA AM STEUER
Die Datenlage: Bei den PMIs im verarbeitenden Gewerbe in den Schwellenländern scheint
es nach der Stabilisierung im August/September nun langsam aufwärts zu gehen, auch wenn
die Wachstumshürde mit 49,3 Zählern noch nicht genommen wurde. Die positive Entwicklung
geht vor allem auf den etwas verlangsamten Abwärtstrend in China zurück. Hilfreich war
sicher auch, dass Korea und Taiwan wieder die Hürde von 50 genommen haben. Mexiko und
Polen tendierten erneut fest und bleiben auf Wachstumskurs. Den hat auch die Türkei wieder
eingeschlagen, wo der Index dank des beeindruckenden Wahlsiegs der AKP im November
auf den höchsten Stand seit Anfang 2014 hochschnellte. In Anbetracht der jüngsten
Preisentwicklung haben die Rohstoffförderländer jedoch wenig Anlass zur Freude. In
Brasilien, Russland und Südafrika gingen die Gesamtindizes zurück.
Auch der Handel gibt weiterhin Anlass zur Sorge. So sind die koreanischen Exporte im
Dezember ein weiteres Mal gesunken und blieben hinter den ohnehin pessimistischen
Konsensprognosen zurück. Bezogen auf den Won brachen sie um 8,5% und auf USD-Basis
um 13,8% gegenüber dem Vorjahr ein.
Grafik 7: Konsensprognosen für das BIP 2015 in den Schwellenländern
Quelle: Consensus Economics, DataStream, Januar 2016. Für Indien entspricht „Jahresbeginn“ April.
Unsere Einschätzung: Für eine konjunkturelle Aufhellung in den Schwellenländern
muss dreierlei gegeben sein: erstens eine Stabilisierung der Wirtschaftslage in China.
Hier scheinen wir auf einem guten Weg, denn die jüngsten Lockerungsmaßnahmen
kommen langsam in der Wirtschaft an. Aber die Marktstimmung bleibt düster, so dass
noch keine Entwarnung gegeben werden kann. Zweitens die Erholung/Belebung der
Wirtschaft in den Industrieländern. Sie kommt allerdings nicht richtig in Gang und der
Handel schwächelt. Von dieser Seite ist daher kaum mit kräftigem Rückwind zu rechnen.
Und drittens ein Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen. Dass der Ölpreis seine Talfahrt
auf neue Tiefs fortgesetzt hat, war sicherlich nicht hilfreich. Zudem werden die
Rohstoffmärkte wohl nicht vor dem Spätjahr zu einem fundamentalen Gleichgewicht
zurückfinden.
Im Blickpunkt: Rohstoffpreise: Polen (28. Jan.), Taiwan (29. Jan.), Mexiko (29. Jan.),
Indien (8. Feb.)
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Stand: Januar 2016. MK8451
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Globales Wachstum verhalten, aber positiv