Altländer Tageblatt
24.02.2016
Er soll für Millionen sprechen
Abdullah Uwe Wagishauser , Bundesvorsitzender der Ahmadiyya‐Gemeinde, stellt sich den Fragen des Publikums und des Moderators Michael Eble.
BUXTEHUDE/JORK. „Es ist gut, wenn mit Muslimen statt über sie gesprochen wird“, sagt Abdullah Uwe Wagishauser am Ende des Diskussionsabends der CDU Jork. Er stand zu der Frage „Ist der Islam eine Bedrohung?“ Rede und Antwort.
Abdullah Uwe Wagishauser hat an diesem Abend keine leichte Aufgabe: Er spricht als Bundesvorsitzender zwar für 40 000 Mitglieder der Ahmadiyya‐Gemeinde – aber das sind nur etwa ein Prozent der Muslime in Deutschland. Die Überschrift war, wie der CDU‐Fraktionsvorsitzende Michael Eble, der durch den Abend führte, bewusst provokant formuliert. Etwa 60 Besucher kamen – darunter etwa ein drittel CDU‐Mitglieder, ein drittel Mitglieder der Ahmadiyya‐Gemeinde Buxtehude und ein bunt gemischtes Drittel. Eine Besucherin gab an, die im Veranstaltungstitel gestellte Frage für sich ohnehin längst mit „ja“ beantwortet zu haben – und war an ihrem Tisch nicht die Einzige, die einen Zettelkasten voller Argumentationshilfen für die Diskussion dabei hatte.
Ob er sich vor 40 Jahren hätte vorstellen können, bei einer CDU‐Veranstaltung zu sprechen? Diese Frage beantwortete Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya‐Gemeinde in Deutschland und Hauptredner des Abends, mit einem Lächeln und einem klaren „Nein“. Der 1950 am Bodensee geborene Uwe Wagishauser nahm den Namen Abdullah (Gottesdiener) an, als er 1976 bei einer Reise nach Indien nach Qadian, ins spirituelle Zentrum der Ahmadiyya Muslim Jamaat, gelangte und nach kurzem, aber intensivem Studium des Islams konvertierte. Zuvor war er Gründungsmitglied der Kommune I und II in Bonn und Initiator einer der ersten Drogenberatungsstellen in Bonn und aktiv bei der APO (Außerparlamentarischen Opposition) gewesen. Seit 1984 ist er Bundesvorsitzender der Ahmadiyya‐Gemeinde und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bundesweit viel unterwegs.
Wenig überraschend sieht Wagishauser den Islam nicht als Bedrohung und weiß das theologisch versiert mit Koranverweisen zu begründen. Gott habe sich mithilfe der Propheten an die Menschen gewandt, um ihnen die zwei wichtigsten Prinzipien zu vermitteln: Frieden mit Gott und Frieden mit den Menschen.
Um Theologie ging es im Laufe des Abends immer weniger. Wagishauser weist immer wieder darauf hin, dass er für die in den 1880er Jahren in Britisch‐Indien von Mirza Ghulam Ahmad, den die Ahmadiyya‐Muslime als Prophet ansehen, gegründete muslimische Gemeinschaft spricht. Dennoch erwarten die Gäste von ihm, dass er Antworten auf die verschiedensten Fragen zum Islam liefert. So erklärt er, dass eine Gesellschaft, die fordere, die Freiheit der sexuellen Orientierung zu tolerieren, auch Toleranz für die Schamhaftigkeit junger Mädchen zeigen sollte, die nicht den gemischten Schwimmunterricht besuchen mögen. „Der Islam lehrt die Gleichwertigkeit von Mann und Frau“, sagt Wagishauser, worauf eine Zuhörerin laut auflacht.
Nein, er werde sich nicht darauf einlassen, Äußerungen von Erdogan zu verteidigen: „Der ist mir so suspekt wie ihnen.“ Ja, es gebe Terrorismus in muslimisch geprägten Ländern – und nein, er sei nicht mit dem Koran begründbar: „Der Islam ist zweifellos eine Quelle des Friedens, wenn sich alle an seine Lehren halten.“
Wie Michael Eble berichtet, hatte er auch die Islamische Gemeinde Buxtehude, die mit den sunnitischen Muslimen die größte Gruppe in Deutschland vertritt, eingeladen: „Es gab aber keine Reaktion.“
Dass der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya‐Gemeinde sprechen würde, sei in der Einladung bereits angekündigt gewesen, erläutert der Buxtehuder Gemeindevorsteher Aytekin Esen auf Nachfrage: „Wir haben die Einladung deshalb vielleicht nicht so ganz ernst genommen.“ Dann sei sie im geschäftigen Alltag schlicht untergegangen.
Der Islam in Deutschland in Zahlen
Zurzeit leben etwa 4,5 Millionen Menschen aller islamischen Glaubensrichtungen in Deutschland. Die größte Gruppe stellen mit 2,64 Millionen Anhängern die Sunniten, gefolgt von Aleviten sowie iranischen Imamiten und türkischen Schiiten. Die Ahmadiyya‐Gemeinschaft gehört zu den kleineren dieser Gruppen; laut ihrem Bundesvorsitzenden gibt es derzeit etwa 40 000 Ahmadis in Deutschland.
Laut der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ waren 2009 fast die Hälte, damals 1,8 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime deutsche Staatsbürger. Die überragende Mehrheit der Muslime lebt in den alten Bundesländern, in den neuen Bundesländern sind es kaum zwei Prozent.
Quellen: Statista 2016; Statistisches Bundesamt; Deutsche Islam Konferenz.
Autor und Fotos : Anping Richter
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Pressebericht Altländer Tageblatt 24.02.2016