Schönborn: „Kreuz darf nicht politisch missbraucht werden

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Schönborn: „Kreuz darf nicht politisch missbraucht werden"
Wiener Erzbischof nahm im Stephansdom beim Hochamt zum Fest Christi Himmelfahrt am 21. Mai 2009 auch zu
aktuellen Diskussionen Stellung - "Parteien bestimmen ihre Nähe oder Distanz zur Kirche selbst" - Förderung der
Familie, Lebensschutz, Offenheit für Fremde zentrale Fragen
Das Kreuz als "Zeichen der Versöhnung und der Feindesliebe" darf nicht "politisch missbraucht"
werden, als "Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen". Dies betonte
Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag im Wiener Stephansdom in seiner Predigt beim
Hochamt zum Fest Christi Himmelfahrt. Zugleich nahm der Wiener Erzbischof auch zu dem Slogan
"Abendland in Christenhand" Stellung, mit dem eine politische Partei für die Europawahl wirbt.
Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Meine Frage ist nicht, ob das Abendland in Christenhand
bleibt, sondern ob es Christus im Herzen hat. Ein glaubensloses Abendland, das ist zu fürchten".
Es sei nicht üblich, dass die Bischöfe zu Wahldebatten Stellung nehmen, betonte Kardinal
Schönborn. Das Zweite Vatikanische Konzil lehre, dass die Gläubigen in politischen
Angelegenheiten "nach eigenem Wissen und Gewissen in Freiheit ihre Wahl treffen sollen".
Tatsächlich gebe es heute in allen wahlwerbenden Parteien aktive Christen, das sei auch richtig so,
"solange die Parteien im Rahmen der Verfassung und der Menschenwürde sind".
Der Wiener Erzbischof erinnerte an die Haltung seines Vorvorgängers, Kardinal Franz König. Es
gehe nicht um eine "neutrale" Äquidistanz der Kirchenleitung gegenüber den politischen Parteien,
vielmehr seien es die Parteien selbst, die ihre Nähe oder Distanz zur Kirche bestimmen. Aufgabe
der Bischöfe sei es, die christlichen Grundwerte "einzumahnen und notfalls auch einzufordern". Das
sehe er auch heute als seine Aufgabe, betonte Kardinal Schönborn. Ausgangspunkt dafür könne nur
das Evangelium, die Lehre und Person Jesu Christi, sein.
Im Evangelium vom Fest Christi Himmelfahrt sei der weltweite Missionsauftrag Jesu an seine
Gläubigen festgehalten. "Mission" habe heute eine schlechte Presse, es klinge nach
"Zwangsbeglückung" und wecke alte Vorurteile gegen das Christentum. Aber Jesus wolle keinen
Zwang, unterstrich der Wiener Erzbischof: "Sein Kreuz ist alles andere als ein Machtsymbol. Es ist
das Zeichen einer Liebe, die bis zum Letzten geht". Auch Christen hätten freilich das Kreuz als
Machtsymbol gebraucht und missbraucht. Es gehe aber vor allem darum, im Kreuz "ein Zeichen der
Liebe zu sehen, die Gewalt nicht mit Gewalt, Hass nicht mit Hass beantwortet, sondern Hass und
Feindschaft durch Hingabe und Verzeihen überwindet".
Auch er wünsche sich ein Europa, das vom Christentum geprägt ist, betonte Kardinal Schönborn:
"Aber von einem Christentum, das an Jesus Christus Maß nimmt". Es sei die Bergpredigt, die die
Gesellschaft "menschenfreundlicher und menschenwürdiger" machen könne.
In diesem Zusammenhang bezeichnete es der Wiener Erzbischof als "gut und wichtig", dass es
gesellschaftliche Kräfte, auch politische Parteien, gibt, "die sich für humane und christliche Werte
einsetzen". Denn nur im Miteinander könnten die bevorstehenden "schwierigen Zeiten" gemeistert
werden. Als zentrale Punkte des "gemeinsamen Weges" nannte Kardinal Schönborn ein "intensives
Bemühen um die Familie, die das sicherste und grundlegende soziale Netz darstellt", einen
"kreativen Schutz des Lebens, des ungeborenen, des behinderten, des kranken, des alten und auch
des sterbenden Lebens" und einen "vom Christentum inspirierten Umgang mit den Fremden". Dabei
gehe es sowohl um die "Verfolgten", denen Aufnahme zu gewähren ist, als auch um die
Immigranten, "die wir bei unserer niedrigen Geburtenzahl brauchen, um unser Sozialsystem
erhalten zu können".
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