Welche Menschen erhalten eine podologische

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MEDIZIN & TECHNIK
Welche Menschen erhalten
eine podologische Therapie?
VON KNUT KRÖGER1, ANNETT BIEDERMANN2 UND PETER LÜBKE3
Zusammenfassung
Mitglieder des Deutschen Verbandes für
Podologie (ZFD) e. V. erhielten 2015 einen
Fragebogen, mit der Bitte, diesen mit den
nächsten zehn aufeinander folgenden Patienten auszufüllen. Innerhalb von sechs
Wochen gingen 1663 anonymisierte ausgefüllte Fragebögen zurück (926 Männer,
mittleres Alter ± SD: 68 ± 11 Jahre; 737
Frauen, 71 ± 12 Jahre).
Ergebnisse: Bei den Männern konnten
62,4 Prozent und bei den Frauen nur 57
Prozent ihre Füße mit ihren eigenen Händen erreichen. Bei den Patienten mit einem
Body-Mass-Index (BMI) >35 waren es nur
39,9 Prozent der Männer und 43,9 Prozent
der Frauen und im Falle eines HBA1c >9
waren es 50,9 Prozent und 39,3 Prozent.
42,4 Prozent der Männer und 43,6 Prozent
der Frauen trugen zum Zeitpunkt der Vorstellung normale Konfektionsschuhe. 21,3
Prozent der Männer trugen orthopädische
Maßschuhe, aber nur 14,4 Prozent der
Frauen. Bei Patienten, die bereits eine Minor-Amputation erlitten hatten, waren
dies 48,8 und 54,5 Prozent.
Männer und Frauen, bei denen bereits eine Minor-Amputation erfolgt war, hatten
häufiger akute Fußprobleme (akute Charcot Deformation, Infektionen, Knochenbruch) als Patienten ohne eine solche Amputation (Männer 51,8% vs. 32,7%,
Frauen 49,1% gegenüber 31,1%).
Die wichtigste podologische Maßnahme
war bei beiden Geschlechtern die Behandlung von Nägeln, gefolgt von einer Reduktion von Kallus, Anwendung von
Druck- und Reibungsschutz und die Behandlung von Clavi und Veruccae.
Fazit: Ein großer Anteil der Patienten mit
Diabetes mellitus, die zur podologischen
Therapie kommen, ist nicht in der Lage, ihre Füße mit ihren eigenen Händen zu erreichen und weist akute Fußprobleme auf.
Weitere Studien sind erforderlich, um die
normale Fußpflege bei älteren Menschen
zu verstehen und so die Bedeutung der
podologischen Therapie hinsichtlich der
Amputationsvermeidung zu erkennen.
atienten mit einem Diabetes mellitus
haben eine hohes Risiko, Druckstellen
und offene Wunden an den Füßen zu
entwickeln, die mit der Gefahr der Amputation einhergehen. Die Gründe dafür
sind vielfältig und umfassen die diabetische Polyneuropathie, repetitive Druckbelastungen durch falsches Schuhwerk,
eine begleitende periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und die häufig
erst zu späte fachärztliche Behandlung
[1, 2]. In den letzten Jahrzehnten wurden
große Anstrengungen unternommen, um
die Amputationsrate bei Diabetikern zu
senken und einige Länder haben vielversprechende Zahlen mit abnehmenden
Amputationsraten publiziert [3]. Ursächlich sind hier vermutlich viele verschiedenen Faktoren wie eine frühzeitige
Revaskularisation, schonendere chirurgische Verfahren, die Verordnung von therapeutischen Schuhen und die integrierte
Fußpflege durch spezialisierte Teams [4].
Die Fußpflege bei Diabetikern sollte
die Behandlung von Verhornungen und
Druckstellen durch Abtragung und Entlastung ebenso umfassen wie die Nagelpflege, die Prävention von Pilzinfektion
und die Anleitung der Patienten zum
Selbstmanagement [4, 5, 6]. In Deutschland und in der Schweiz wurde hierfür
das Berufsbild der Podologen etabliert,
das es so in keinem anderen Land gibt.
Anhand der Daten aus der DRG-Statistik (DRG = Diagnosis Related Group)
und den Bundesberichten der gesetzlichen Krankenkassen konnten wir zeigen, dass es zwischen der zunehmenden
Verschreibung von podologischen Therapie (PT) und der Abnahme der MajorAmputationen in Deutschland eine direkte Assoziation gibt [7, 8]. In einer
zweiten Analyse haben wir den Einfluss
der Anzahl von Ärzten (niedergelassen
oder im Krankenhaus tätig, Zusatzbezeichnung Diabetologie), der Anzahl der
endovaskulären Eingriffe und der Anzahl
P
1
ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK
4|17
Patienten und Methoden
Im Juli 2015 versandten wir einen einseitigen Fragebogen an die Mitglieder des
Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD)
e. V. und baten sie, diesen mit den nächsten zehn konsekutiven Patienten auszufüllen. Wir fragten nach allgemeinen Daten wie Alter, Gewicht und Größe.
Außerdem fragten wir, ob die Patienten
ihre Füße erreichen konnten, wer sich um
die Nagelpflege kümmert, ob sie ihren
letzten HBA1c-Wert wissen und ob sie
regelmäßig in die Praxis kommen oder
wegen eines akuten Problems. Ein akutes
Problem wurde definiert als akute Charcotdeformation, Infektion oder ein gebrochener Knochen.
Wir fragten weiterhin, welche Art von
Schuhe die Patienten zum Zeitpunkt der
Vorstellung trugen (normale Konfekti-
Klinik für Gefäßmedizin, HELIOS Klinik Krefeld und Initiative Chronische Wunden, e. V.
Deutscher Verband für Podologie (ZFD) e.V.
3 HELIOS Klinik Leisnig, Department für Gefäßmedizin und Wundversorgung, Mittelsächsisches Wund- und Dekubituszentrum
2
32
der verordneten PT und Antidiabetika auf
die Amputationsrate untersucht.
Nur die Anzahl der verordneten podologischen Therapie und der durchgeführten endovaskulären Eingriffe unterhalb
des Knies hatten einen unabhängigen
und statistisch signifikanten Bezug zum
Rückgang der Major-Amputationen [9].
Trotz dieser Ergebnisse gibt es wenige Daten dazu, mit welchem klinischen
Bild die Patienten zur podologischen Behandlung kommen und was den Einfluss
auf die Amputationsrate erklären könnte. Ist es nur die regelmäßige podologische Therapie oder möglicherweise das
frühere Erkennen von medizinisch zu behandelnden Problemen? Mit einer solchen Information kann man ein besseres
Verständnis des Nutzens der podologische Therapie für die Vermeidung von
Major-Amputation bekommen. Daher
führten wir in Podologiepraxen eine Umfrage durch, um spezifische Merkmale
der Patienten, die zur podologischen
Therapie kommen, beziehungsweise ihrer
Füße, zu erfassen.
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onsschuhe, normale Konfektionsschuhe +
Einlagen, Diabetes-adaptierte Schuhe
oder orthopädische Maßschuhe) und was
die wichtigste Einzelmaßnahme bei der
podologische Therapie bei dieser Vorstellung war (Behandlung von Zehennägeln,
Reduktion der Hornhaut, Behandlung von
Clavi und/oder Veruccae, Anwendung von
Druck- oder Reibungsschutz).
Nach sechs Wochen erhielten wir
1663 ausgefüllte anonymisierten Fragebögen (926 Männer, mittleres Alter ± SD:
68 ± 11 Jahre; 737 Frauen, mittleres Alter 71 ± 12 Jahre) zurück. Die Berechnungen wurden mit Microsoft Excel
2003 und Microsoft Access 2003 ausgeführt.
>35 (mittlerer BMI ± SD bei Männern
26,1 ± 3,6 vs. 40,2 ± 5,6 und bei Frauen
25,1 ± 4,7 vs. 40,0 ± 5,8). Die Ergebnisse
zeigen, dass im Vergleich zu Personen mit
einem BMI <30 Patienten mit einem BMI
>35 weniger häufig in der Lage waren, ihre Füße mit ihren eigenen Händen zu erreichen (Männern 39,9 % vs. 70,6 % und
Frauen 43,9 % vs. 61,2 %) (Tab. 1 und 2).
Im Vergleich zu Personen mit einem BMI
<30 trugen Männer mit einem BMI >35
weniger häufig Konfektionsschuhe + Einlagen (18,6 % vs. 25,5 %). Bei den Frauen war dies genau umgekehrt (36,6 % vs.
26,8). Frauen mit einem BMI >35
benötigten häufiger die Anwendung von
Druck- und Reibeschutz als solche mit einem BMI <30 (25,6 % vs. 18,5 %).
Ergebnisse
Die eingeschlossenen Männer und Frauen waren etwa in ähnlichem Alter, wiesen
einen ähnlichen Body-Mass-Index (BMI)
auf und hatten ihren Diabetes etwa
gleich lang. 24,6 Prozent der Männer und
28 Prozent der Frauen wussten ihren
letzten HBA1c-Wert nicht. Bei denjenigen,
die ihre letzten HBA1c-Wert kannten, lag
der Mittelwert bei den Männern bei 7,3 ±
2,6 Prozent und bei den Frauen bei 7,2 ±
1,1 Prozent (Tab. 1 und 2).
62,4 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen konnten ihre Füße mit
ihren eigenen Händen erreichen, aber
nur 9,4 Prozent beziehungsweise 7,7
Prozent schnitten ihre Fußnägel selber.
Obwohl die meisten der Männer und
Frauen regelmäßig zur Fußpflege kamen,
wiesen 14,4 Prozent der Männer und 9,1
Prozent der Frauen eine Wunde auf. Klinische Anzeichen einer Infektion waren
bei 10,4 Prozent der Männer und 6,1
Prozent der Frauen vorhanden.
42,4 Prozent der Männer und 43,6
Prozent der Frauen trugen am Tag der
Behandlung normale Konfektionsschuhe.
21,3 Prozent der Männer präsentierten
sich mit orthopädischen Maßschuhen,
aber nur 14,4 Prozent der Frauen. Die
wichtigste podologische Maßnahme war
die Nagelpflege, gefolgt von der Hornhautbehandlung und der Anwendung
von Druck- und Reibeschutz bei beiden
Geschlechtern (Tab. 3 und 4).
Adipositas
Um Unterschiede in Abhängigkeit von der
Adipositas herauszuarbeiten, trennten
wir Männer und Frauen nach ihrem BMI
und verglichen die Gruppe derer mit einem BMI <30 und derer mit einem BMI
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Diabetes mellitus
Um Unterschiede in Abhängigkeit von der
Güte der Diabetesbehandlung herauszuarbeiten, trennten wir Männer und Frauen in solche mit einem HBA1c-Wert <8
und solche mit einem HBA1c-Wert >9
(Mittelwert ± SD bei Männern 6,8 ± 0,6
vs. 11,4 ± 1,4 und bei Frauen 6,8 ± 0,6 vs.
10,4 ± 1,7). Männer mit einem HBA1c >9
waren weniger häufig in der Lage, ihre
Füße zu erreichen (50,9 % vs. 66,7 %)
und hatten häufiger akuten Fußprobleme (Männer 49,1 % vs. 33,5 %.) Dabei
standen vor allem die klinischen Zeichen
einer Infektion im Vordergrund (20,8 % vs.
11,9 %) (Tab. 1 und 2). Auch bei Frauen
mit einem HBA1c >9 war der Anteil derer,
die in der Lage waren, ihre Füße zu erreichen, geringer (62,6 % vs. 39,3 %). Sie
wiesen aber keine Unterschiede in Bezug
auf akute Fußprobleme auf. Im Gegensatz zu den Männer benötigten Frauen
mit einem HBA1c >9 häufiger die Anwendung von Druck- und Reibungsschutz (25,9 % vs. 21,0 %) (Tab. 3 und 4).
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Status Minor-Amputation
Zudem trennten wir Männer und Frauen,
die bereits eine Minor-Amputation
(22,7 % der Männer und 8,6 % der Frauen) erlitten hatten, von denen, die bisher
noch keine Minor-Amputation erlitten
hatten. Männer und Frauen mit stattgehabter Minor-Amputation hatten häufiger
akute Fußprobleme als Patienten ohne
Minor-Amputation (Männer 51,8 % vs.
32,7 %, Frauen 49,1 % vs. 31,1 %) (Tab.
1 und 2). Patienten mit Minor-Amputation trugen weniger häufig normale Konfektionsschuhe (Männer 18,9 % vs. 47,9
%, Frauen 20,01 % vs. 46,3 %) und hat-
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Variable
Männer
Männer
BMI <30
Männer
BMI >35
Männer
HBA1c <8
Männer
HBA1c >9
(n = 926)
(n = 494 )
(n = 188)
(n = 564)
(n = 53)
Männer
keine MinorAmputation
(n =762)
Männer
MinorAmputation
(n = 164)
Alter (Jahre)
Größe (cm)
Gewicht (kg)
BMI
DM Dauer (Jahre)
HBA1c unbekannt (%)
last HBA1c (%)
68,2 ± 11,2
177,3 ± 8,4
96,6 ± 20,9
30,6 ± 6,6
16,7 ± 11,9
228 (24,6)
7,3 ± 2,6
69,2 ± 11,6
65,2 ± 9,4 68,1 ± 10,7 63,8 ± 13,1 68,4 ± 11,0 67,6 ± 11,0
177,9 ± 7,9 176,4 ± 9,8 177,2 ± 8,4 176,8 ± 9,3 176,8 ± 8,5 179,2 ± 8,5
83,4 ± 10,9 125,1 ± 20,2 95,1 ± 20,3 109,1 ± 24,0 96,4 ± 20,7 97,7 ± 21,3
26,1 ± 3,6 40,2 ± 5,6 30,1 ± 6,7
35,0 ± 7,8
30,8 ± 6,7
30,5 ± 6,7
17,6 ± 12,0 14,6 ± 9,8
17,3 ± 11,8
16,5 ± 7,8 16,0 ± 11,4 19,3 ± 11,2
7,3 ± 3,3
7,5 ± 1,5
6,8 ± 0,6 11,4 ± 1,4
7,3 ± 2,9
7,4 ± 1,1
Erreichen ihre Füße
Wer schneidet die Nägel
selbst
keiner
Partner/Kinder
andere
576 (62,4)
349 (70,6)
75 (39,9)
376 (66,7)
27 (50,9)
457 (63,3)
97 (59,1)
87 (9,4)
788 (85,1)
37 (4,0)
8 (0,9)
50 (10,1)
414 (83,8)
17 (3,4)
4 (0,8)
10 (5,3)
167 (88,8)
8 (4,3)
-
50 (8,9)
480 (85,1)
19 (3,4)
3 (0,5)
2 (3,8)
47 (88,7)
1 (1,9)
2 (3,8)
74 (10.2)
605 (83,8)
22 (3,0)
8 (1,1)
10 (6,1)
145 (88,4)
8 (4,9)
-
kommt regelmäßig:
hat ein akutes Problem
akuter Charcot
Infektion
Knochenbruch
883 (95,4)
347 (37,5)
38 (4,1)
96 (10,4)
9 (1,0)
472 (95,5)
188 (38,1)
14 (2,8)
65 (13,2)
2 (0,4)
181 (96,3)
69 (36,7)
8 (4,3)
27 (14,4)
3 (1,6)
536 (95,0)
189 (33,5)
24 (4,3)
67 (11,9)
5 (0,9)
50 (94,3)
26 (49,1)
3 (5,7)
11 (20,8)
2 (3,8)
681 (94,3)
236 (32,7)
22 (3,0)
66 (9,1)
8 (1,1)
155 (94,5)
85 (51,8)
15 (9,1)
48 (29,3)
1 (0,6)
kommt mit Wunde
133 (14,4)
76 (15,4)
28 (14,9)
62 (11,0)
12 (22,8)
72 (10,0)
52 (31,7)
Tab. 1 Merkmale der eingeschlossenen Männer für alle und in Abhängigkeit vom BMI, HBA1c und stattgehabter Minor-Amputation. Angegeben sind
Mittelwerte ± Standardabweichung oder die absolute Anzahl und ihr Anteil in Prozent.
Variable
Frauen
Frauen
BMI <30
Frauen
BMI >35
Frauen
HBA1c <8
Frauen
HBA1c >9
(n = 737)
(n = 384 )
(n = 164)
(n = 433 )
(n = 28)
Alter (Jahre)
Größe (cm)
Gewicht (kg)
BMI
DM Dauer (Jahre)
HBA1c unbekannt (%)
last HBA1c (%)
70,6 ± 11,6
164,5 ± 7,6
82,6 ± 19,1
30,1 ± 7,4
16,2 ± 10,6
208 (28)
7,2 ± 1,1
72,1 ± 11,0 66,6 ± 10,0 70,1 ± 10,6
165,0 ± 7,3 163,0 ± 8,3 164,7 ± 7,6
70,4 ± 9,3 106,8 ± 20,2 83,5 ± 19,9
25,1 ± 4,7 40,0 ± 5,8 30,5 ± 7,4
16,9 ± 10,6 15,3 ± 9,8
15,4 ± 9,9
7,1 ± 1,1
7,3 ± 1,4
Erreichen ihre Füße
Wer schneidet die Nägel
selbst
keiner
Partner/Kinder
andere
420 (57,0)
235 (61,2)
57 (7,7)
643 (87,3)
9 (1,2)
9 (1,2)
kommt regelmäßig:
hat ein akutes Problem
akuter Charcot
Infektion
Knochenbruch
kommt mit Wunde
Frauen
Frauen
keine MinorMinorAmputation Amputation
(n = 637)
(n = 55 )
63,4 ± 13,8
166,6 ± 5,9
89,9 ± 22,8
32,4 ± 7,9
19,7 ± 7,6
70,8 ± 11,1
164,6 ± 7,7
83,2 ± 19,5
30,3 ± 7,7
16,1 ± 10,3
67,3 ± 11,7
165,0 ± 7,5
80,0 ± 17,1
29,5 ± 6,4
20,0 ± 11,2
6,8 ± 0,6
10,4 ± 1,7
7,2 ± 1,2
7,6 ± 1,1
72 (43,9)
271 (62,6)
11 (39,3)
372 (58,4)
26 (47,3)
27 (7,0)
341 (88,8)
5 (1,3)
4 (1,0)
15 (9,2)
133 (81,1)
2 (1,3)
4 (2,4)
34 (7,9)
381 (88,0)
4 (0,9)
5 (1,2)
1 (3,6)
24 (85,7)
2 (7,1)
46 (7,2)
562 (88,2)
6 (0,9
9 (1,4)
8 (14,5)
44 (80,0)
2 (3,6)
-
701 (95,1)
248 (33,7)
27 (3,7)
45 (6,1)
10 (1,4)
364 (94,8)
129 (33,6)
12 (3,1)
28 (7,3)
7 (1,8)
152 (92,7)
50 (30,5)
6 (3,7)
10 (6,1)
2 (1,2)
416 (96,1)
130 (30,0)
16 (3,7)
30 (6,9)
4 (0,9)
28 (100)
9 (32,1)
2 (7,1)
1 (3,6)
609 (95,6)
198 (31,1)
17 (2,7)
36 (5,7)
5 (0,8)
49 (89,1)
27 (49,1)
8 (14,8)
12 (21,8)
3 (5,5)
67 (9,1)
33 (8,6)
17 (10,4)
28 (6,5)
5 (17,9)
46 (7,2)
18 (32,7)
Tab. 2 Merkmale der eingeschlossenen Frauen für alle und in Abhängigkeit vom BMI, HBA1c und stattgehabter Minor-Amputation. Angegeben sind
Mittelwerte ± Standardabweichung oder die absolute Anzahl und ihr Anteil in Prozent.
34
ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK
4|17
MEDIZIN & TECHNIK
Variable
Schuhe
Konfektionsschuhe
Konfektionsschuhe
+ Einlagen
DM adaptierte Schuhe
orthopädische
Maßschuhe
wichtigste podo.
Maßnahme
Nagelpflege
Hornhaut
Clavus/Verucca
Druck-, Reibeschutz
Männer
(n = 926)
Männer
BMI <30
Männer
BMI >35
Männer
HBA1c <8
Männer
HBA1c >9
(n = 494 )
(n = 188)
(n = 564)
(n = 53)
Männer
keine MinorAmputation
(n = 762)
Männer
MinorAmputation
(n = 164)
393 (42,4)
215 (23,2)
208 (42,1)
126 (25,5)
83 (44,2)
35 (18,6)
232 (41,1)
143 (25,4)
24 (48,3)
10 (18,7)
346 (47,9)
186 (25,8)
31 (18,9)
18 (11,0)
101 (10.9)
197 (21,3)
50 (10,1)
102 (20,6)
18 (9,6)
45 (19,2)
64 (11,3)
113 (20,0)
7 (13,2)
12 (22,6)
68 (9,4)
105 (14,5)
28 (17,1)
80 (48,8)
245 (26,5)
241 (26,0)
116 (12,5)
198 (21,4)
139 (28,1)
138 (27,8)
66 (13,4)
110 (22,3)
50 (26,6)
50 (26,6)
21 (11,2)
40 (21,3)
155 (27,5)
148 (26,2)
67 (11,9)
123 (18,9)
12 (22,6)
11 (20,8)
5 (9,4)
10 (18,9)
170 (23,5)
169 (23,4)
92 (12,7)
130 (18,0)
61 (37,2)
59 (36,0)
17 (10,4)
56 (34,1)
Tab. 3 Auflistung der getragenen Schuhe und der durchgeführten podologischen Maßnahmen bei den Männern für alle und in Abhängigkeit vom BMI,
HBA1c und stattgehabter Minor-Amputation. Angegeben sind Mittelwerte ± Standardabweichung oder die absolute Anzahl und ihr Anteil in Prozent.
ten häufiger Diabetes-adaptierte oder
orthopädische Maßschuhe (Männer
48,8 % vs. 14,5 %, Frauen 54,5 % vs. 10,5
%). Minor-amputierte Männer (49,1 %)
und Frauen (50,9 %) hatten die höchste
Rate der akuten Fußprobleme und bekamen insgesamt eine komplexere podologische Behandlung (Tab. 3 und 4).
Diskussion
In den meisten Ländern gibt es hohe Barrieren für Menschen mit Diabetes mellitus eine professionelle podologische Therapie zu bekommen. Die Gründe dafür
sind, dass Patienten die Blutzuckereinstellung für wichtiger halten als die
Fußpflege, dass in den verschiedenen
Gesundheitssystemen wegen begrenzter
Ressourcen Widerstände gegen die Kostenübernahme bestehen, dass sich das
berufliche Rollverständnis stark unterscheidet und man erhebliches Vertrauen
auf die Selbstverantwortung der Patienten legt [10]. Die Tatsache, dass in
Deutschland und in der Schweiz die podologische Therpaie für Patienten mit
Diabetes mellitus von den Ärzten verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt wird, ist ein
besonderes Herausstellungsmerkmal dieser Gesundheitssysteme.
Unsere Analyse ist die erste, die versucht den Zustand der Patienten beziehungsweise ihrer Füße zu beschreiben,
die von Podologen in Deutschland gesehen werden. Sie beschreibt nicht die medizinischen Probleme dieser Patienten,
da Podologen sich um diese Probleme
nicht kümmern. Sie zeigt Unterschiede
bei den akuten Fußproblemen bei Patienten mit Adipositas, schlechter glykämischer Kontrolle und stattgehabter
Minor-Amputation und ihrer podologischen Therapie. Diese Patienten haben
in der Regel mehr akute Fußprobleme
und brauchen eine komplexere PT als Patienten ohne diese Merkmale. Insbesondere Patienten mit stattgehabter MinorAmputation haben ein hohes Risiko für
weitere Amputationen. Obwohl sich diese Patienten häufiger mit orthopädischen Maßschuhen präsentieren als alle
Patienten ohne dieses Merkmal, weisen
sie die höchste Rate der akuten Fußprobleme wie akute Charcot-Deformation,
Infektion oder Knochenbrüchen auf.
Weiterhin zeigt unsere Analyse Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
So präsentierten sich 21,3 Prozent der
Männer mit orthopädischen Maßschuhen, aber nur 14,4 Prozent der Frauen.
Hier stellt sich die Frage, ob Frauen weniger häufig ein Maßschuh angeboten
wird oder ob Frauen aus ihrem modischen Verständnis für Schuhe heraus
solche Schuhe eher ablehnen.
Trotz einer recht großen Zahl von Publikationen zu Problemen des diabetischen Fußes, gibt es nahezu keine allgemeine Literatur über die normale
Fußpflege in der älteren Bevölkerung. So
können wir nicht sagen, wie die Patienten, die eine verordnete podologische
Therapie erhalten, sich von der normalen
Bevölkerung und von Patienten mit Diabetes mellitus, die keine podologische
Therapie verordnet bekommen, unterscheiden. So einfach wie das Problem erscheint, so wissen wir nicht, wie groß der
Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung ist, der in der Lage ist, seine
Füße mit seinen eigenen Händen zu erreichen und wer in der Mehrheit die Nägel der älteren Menschen schneidet. Wir
wissen nicht, wie viele ältere Menschen
normale Konfektionsschuhe oder Schuhe
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4|17
35
MEDIZIN & TECHNIK
Variable
Schuhe
Konfektionsschuhe
Konfektionsschuhe
+ Einlagen
DM adaptierte Schuhe
orthopädische
Maßschuhe
wichtigste podo.
Maßnahme
Nagelpflege
Hornhaut
Clavus/Verucca
Druck-, Reibeschutz
Frauen
Frauen
BMI <30
Frauen
BMI >35
Frauen
HBA1c <8
Frauen
HBA1c >9
Frauen
Frauen
keine MinorMinorAmputation Amputation
(n = 637)
(n = 55 )
(n = 737)
(n = 384 )
(n = 164)
(n = 433 )
(n = 28)
321 (43,6)
216 (29,3)
185 (48,2)
103 (26,8)
55 (33,5)
60 (36,6)
174 (40,2)
148 (34,2)
17 (60,7)
6 (21,4)
295 (46,3)
196 (30,8)
11 (20,0)
3 (5,5)
74 (10,0)
106 (14,4)
32 (8,3)
53 (13,8)
20 (12,2)
19 (11,6)
43 (9,9)
58 (13,4)
1 (3,6)
3 (10,7)
60 (9,4)
67 (10,5)
8 (14,5)
30 (54,5)
207 (28,1)
202 (27,4)
132 (17,9)
155 (21,0)
103 (26,8)
103 (26,8)
65 (16,9)
71 (18,5)
48 (29,3)
43 (26,2)
31 (18,9)
42 (25,6)
118 (27,3)
114 (26,3)
69 (15,9)
91 (21,0)
8 (28,6)
8 (28,6)
4 (14,3)
7 (25,9)
168 (26,4)
163 (25,6)
112 (17,6)
123 (19,3)
28
28
14
25
(50,9)
(50,9)
(25,8)
(45,5)
Tab. 4 Auflistung der getragenen Schuhe und der durchgeführten podologischen Therapiemaßnahmen bei den Frauen für alle und in Abhängigkeit vom
BMI, HBA1c und stattgehabter Minor-Amputation. Angegeben sind Mittelwerte ± Standardabweichung oder die absolute Anzahl und ihr Anteil in Prozent.
schuhe aus anderen Gründen tragen. Zur
Primärprävention von Fußläsionen müssen wir mehr Einblick in die Bedeutung
der täglichen Abläufe und Praktiken im
Umgang mit den eigenen Füßen haben.
Dies erfordert eine systematische Erfassung von Interventionen und Ergebnissen
und gut konzipierte randomisierte kontrollierte Studien zu spezifischen Fragestellungen und die begleitende Analyse
der Kosten-Nutzen-Bewertung [5].
Unsere Analyse ist nur beschreibend
und weist einige Limitationen auf, die
berücksichtigt werden sollten. Wir haben
keine Maßnahme wie Schulungen oder
Audits durchgeführt, um die Qualität der
Daten zu erhöhen beziehungsweise zu
kontrollieren. Wenn ein akutes Fußproblem wie eine akute Charcotdeformation, ein Infektion oder ein gebrochener Knochen dokumentiert wurde,
wissen wir nicht, ob es wirklich ein akuter Befund war oder ein bereits für einige Tage oder Wochen bestehender Befund. Wir wissen auch nicht, was mit den
betroffenen Patienten passiert ist, ob sie
für eine spezifische therapeutische Maßnahme ins Krankenhaus gesandt wurden
oder zu einem anderen weiterbehandelnden Arzt. Wir wissen auch nicht,
welcher Effekt der podologischen Therapie den größten Anteil an der Verhinderung von Major-Amputationen hat. Ist es
wirklich die fast monatlich durchgeführt
Fußpflege mit der Behandlung von Nägeln, der Reduktion von Kallus, der Behandlung von clavus / verucca und der
Anwendung von Druck- und Reibungs36
ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK
4|17
schutz? Oder gibt es eine andere allgemeinere Wirkung, wie die Aufklärung der
Patienten über das Krankheitsbild des
DFS oder die Verbesserung der Patientenadhärenz, mit der Fußpflege einhergeht? [11]
Schlussfolgerung
Trotz all dieser Einschränkungen zeigen
unsere Ergebnisse, dass Männer mehr
akute Fußprobleme haben als Frauen,
wenn sie zur Fußpflege erscheinen, dass
eine schlechte Blutzuckereinstellung
möglicherweise eine größere Rolle für
akute Fußprobleme spielt, als eine Adipositas und dass Füße nach Minor-Amputationen eine komplexere podologische
Therapie benötigen als Füße ohne diese.
Die Verbesserung der Fußpflege bei
Patienten mit Diabetes mellitus erfordert
ein besseres Wissen über die Fußpflege in
der allgemeinen älteren Bevölkerung. Eine bessere Einsicht in die Probleme der
Fußpflege im Alter ist notwendig, um die
Vorteile der PT, wie sie in Deutschland
von der gesetzlichen Krankenversicherung angeboten wird, zu verstehen. ❚
Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Knut Kröger
Klinik für Gefäßmedizin
HELIOS Klinikum Krefeld GmbH
Lutherplatz 40, 47805 Krefeld
E-Mail: [email protected]
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VASA in press
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High-Risk Patients: A Randomized Controlled Trial.
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