Diagnostik des Harnblasenkrebs Symptome Die Symptome im

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Diagnostik des Harnblasenkrebs
Im letzten Artikel haben wir über die Risiken, die zu Harnblasenkrebs
führen können, aufgeklärt und über mögliche Vorsorge- und
Früherkennung – unter anderem über den urinlöslichen Tumormarker NMP22
berichtet, der ein Mittel darstellt, frühzeitig Blasenkrebs zu
erkennen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit den
diagnostischen Möglichkeiten, Harnblasenkrebs (auch Blasenkrebs oder
medizinisch Urothelkarzinom genannt) zu erkennen.
Symptome
Harnblasenkrebs wird oftmals zu spät erkannt, da Symptome der
Erkrankung oft sehr spät auftreten und von Arzt wie Patient falsch
gedeutet werden können, da gleiche Symptome auch auf weniger
gefährliche Erkrankungen hinweisen können. Gerade der Anteil der zu
spät diagnostizierten Frauen ist sehr hoch, da bestimmte Frauenleiden
die gleiche Symptomatik haben können.
Die Symptome im Einzelnen:
Häufig auftretende Infekte oder Entzündungen der Harnblase
Schmerzen beim Wasserlassen
Häufiger Harndrang
Harninkontinenz
Harnverhalt
Sichtbare oder nicht sichtbare Blutbeimengungen im Urin (Makrooder Mikrohämaturie)
Zellklumpen im Urin
Wenn diese Symptome auftreten, ist unbedingt der Arztbesuch bei einem
Urologen zu empfehlen, der den Ursachen auf den Grund gehen wird. Bei
Blutbeimengungen im Urin ist auf jeden Fall ein Harnblasenkrebs
auszuschließen, so die Empfehlung der internationalen Leitlinien zum
Harnblasenkrebs
Schmerzen entstehen oft erst sehr spät in weit fortgeschrittenen
Stadien oder wenn ein Harnleiter (von der Niere zur Harnblase) oder
die Harnröhre durch einen Tumor verlegt ist. In diesem Fall können die
Schmerzen auch in den Flanken oder im Rücken sein, wegen der Stauung
oder Entzündung der betroffenen Niere.
© 2012 - Detlef Höwing als Projekt der Selbsthilfe Harnblasenkrebs
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Diagnostik
Die wichtigste visuelle Untersuchung beim ersten Besuch beim Urologen
ist die Sonografie (Ultraschall-Untersuchung) der Harnblase, der
Nieren und des gesamten Unterbauchs, wo schonend für den Patienten
schnell der erste Befund auf ein mögliches Vorliegen eines
Harnblasenkrebs gestellt werden kann.
Blut- und Urin-Laboruntersuchungen können den Verdacht erhärten. Eine
mikroskopische Untersuchung des Urins (Urinzytologie) ist oft wenig
hilfreich, weil Tumorzellen selten im Urin zu finden sind. Nur bei den
aggressiven Harnblasenkarzinomen (schlecht differenzierten) ist die
Treffsicherheit höher. Wenn also keine Tumorzellen im Urin gefunden
werden, ist dies kein Beweis gegen das Vorliegen eines
Harnblasenkarzinoms. Als zusätzliche Urinuntersuchung ist der
Tumormarker NMP22 zu empfehlen, der preiswert ist und dem Urologen ein
zusätzliches diagnostisches Mittel an die Hand gibt, den Verdacht auf
ein Vorliegen eines Harnblasenkrebs zu erhärten. Eine weitere mögliche
diagnostische Urin-Untersuchung steht mit dem UroVysion-Test zur
Verfügung. Dies ist eine aufwendige Labortestung mit zytogenetischen
Hintergrund, bei der die bei Harnblasenkrebs häufigen chromosomalen
Veränderungen durch Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) mit
hoher Sensitivität nachgewiesen werden können.
Die weitergehende Untersuchung ist die Spiegelung der Harnblase
(Zystoskopie), die in einer urologischen Klinik oder beim Urologen
vorgenommen wird. Unter Lokalanästhesie oder Narkose wird ein starres
Rohr durch die Harnröhre in die Harnblase vorgeschoben. Über eine
Optik kann das Innere der Harnblase angesehen werden. Wenn der Urologe
einen Tumor in der Harnblasenwand sieht, kann er abschätzen, welche
Wandschichten der Tumor durchdringt und auch Proben entnehmen, die
dann mikroskopisch untersucht werden. Der Arzt kann auch die Mündungen
der beiden Harnleiter sehen und erkennen, ob Blut aus einem der beiden
Harnleiter kommt. Über eine Zystoskopie kann auch eine Tumoroperation
erfolgen, wenn der Tumor noch klein genug ist bzw. sich in einem
Anfangsstadium befindet. Dabei wird mit einer elektrischen Schlinge
der Tumor entfernt, zerkleinert und später ausgespült. Diese Operation
wird transurethrale Resektion genannt (TUR).
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Entwickelt zur besseren Detektion von Harnblasenkrebs, insbesondere
dem Carcinoma in situ (Cis), kann eine HEXVIX®-Zystoskopie Läsionen
nachweisen, die mit der Standard-Weißlicht-Zystoskopie allein unter
Umständen nicht gesehen werden. Nach der Instillation (Einbringen
eines Medikamentes in die Harnblase) wird HEXVIX® in ein photoaktives
Porphyrin umgewandelt, welches sich in rasch vermehrenden Zellen (z.B.
Tumoren) anreichert. Unter Blaulicht fluoreszieren diese Zellen rot.
Deshalb wird dieses Verfahren auch Fluoreszenz-Diagnostik oder auch
Photodynamische Diagnostik (PDD) genannt. Dieses Phänomen macht die
HEXVIX®-Zystoskopie zu einer hochsensitiven diagnostischen Methode.
Die zusätzliche HEXVIX®-Zystoskopie im Vergleich zur alleinigen
Standard-Weißlicht-Zystoskopie hat die folgenden Vorteile: verbunden.
Die Europäischen Leitlinien empfehlen ausdrücklich die Anwendung der
Fluoreszenz-Zystoskopie z.B. mit Hexaminolävulinsäure hydrochlorid
(HEXVIX®) während der Zystoskopie und TUR der Harnblase.
Nachweis von etwa 30 % mehr Patienten mit Harnblasenkrebs
Nachweis von etwa 67 % mehr Cis-Läsionen
adäquatere Behandlung jedes fünften Patienten mit nachgewiesenem
Harnblasenkrebs
HEXVIX® wird in Verbindung mit Zystoskopen eingesetzt, die mit Filtern
ausgerüstet sind, die sowohl eine Standard-Weißlicht-Zystoskopie als
auch eine Blaulicht-Fluoreszenz-Zystoskopie im Wechsel erlauben. Das
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Verfahren lässt sich problemlos zusätzlich zur
Standard-Weißlicht-Zystoskopie durchführen und ist mit keinen
zusätzlichen Komplikationen verbunden. Die Europäischen Leitlinien
empfehlen ausdrücklich die Anwendung der Fluoreszenz-Zystoskopie z.B.
mit Hexaminolävulinsäure hydrochlorid (HEXVIX®) während der
Zystoskopie und TUR der Harnblase.
Bei dem diagnostischen
Vorgehen ist unter anderem eine Stadieneinteilung des
Harnblasenkarzinoms wichtig, weil von dem Stadium die Therapie und die
Prognose abhängt. Auch hier ist die beste Untersuchung die Zystoskopie
und Probenentnahme (TUR). Die Proben werden im Anschluss daran
pathologisch hinsichtlich der Stadieneinteilung und der Eindringtiefe
untersucht. Nach diesem pathologischen Befund richtet sich dann die
weiteren Therapieoptionen.
Stadieneinteilung des Harnblasenkrebs:
(p) Ta = nichtinvasiver papillärer Tumor
(p) Cis = Carcinoma in situ ("flacher aggressiver Tumor")
(p) T1 = Tumor infiltriert oberflächlich die Blaseninnenwand
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(p) T2 = Tumor infiltriert Muskulatur
(p) T3 = Tumor infiltriert Fett-Bindegewebe
(p) T4 = Tumor infiltriert benachbarte Organe
Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
wird bei jedem Patienten sinnvoll sein, bei dem ein Harnblasenkarzinom
festgestellt wird. Hinsichtlich der Stadieneinteilung sind sie der
Harnblasenspiegelung (Zystoskopie) jedoch deutlich unterlegen, weil
beide Untersuchungen die verschiedenen Schichten der Harnblasenwand
nicht befriedigend darstellen können. Von der Beteiligung der
verschieden Schichten der Harnblasenwand ist nämlich die
Stadieneinteilung maßgeblich abhängig. Vom MRT und CT kann jedoch eine
Beteiligung von Nachbarorganen (Darm, Gebärmutter, Prostata,
Samenblasen, Beckenbodenmuskulatur oder Lymphdrüsenbefall)
festgestellt werden. Die Beteiligung der Nachbarorgane wird bei einer
Blasenspiegelung nämlich nicht erkannt.
Tumorarten der Harnblase
Obwohl bei Tumoren der Harnblase überwiegend Urothelkarzinome
vorliegen, gibt es auch andere Tumorarten, von denen die Harnblase
betroffen sein kann:
Adenokarzinome
Urachuskarzinome
Plattenepithelkarzinome
Neuroendokrine Tumoren der Harnblase
Papillome
Bis auf Papillome der Harnblase, sind alle diese Tumorarten bösartig.
Aber auch die Papillome der Harnblase bedürfen je nach Stadium der
Erkrankung eine intensive,
individuelle Therapie und lebenslange Kontrolluntersuchungen. Auch die
Heilungsprognose richtet sich nach der Tumorart und in welchem Stadium
sich die Erkrankung befindet und ob bereits ein Lymphknotenbefall oder
eine Fernabsiedelung in einem anderen Organ vorliegt.
In der nächsten Ausgabe berichten wir über die Therapie von
Harnblasenkrebs. Zum einen werden wir über die Therapieoptionen beim
oberflächlichen Harnblasenkrebs berichten zum anderen über die
Therapiemöglichkeiten von bereits infiltrierten (in die Harnblasenwand
eingedrungenen) Tumoren berichten.
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Autor: Detlef Höwing
Wissenschaftliche Mitarbeit:
Prof. Dr. med. Manfred Beer, Chefarzt der Urologie des
Franziskus-Krankenhaus Berlin,
Dr. med. Jörg Neymeyer, OA Urogynäkologie des Franziskus-Krankenhaus
Berlin,
Dr. med. Gerson Lüdecke, Facharzt für Urologie, Giessen,
Dr. med. Frank König, F.E.B.U., Berlin,
PD Dr. med. Frank Christoph, F.E.B.U., OA der Klinik für Urologie der
Charité Berlin Mitte,
Hilfreich zum Thema:
Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.:
Hotline: 0208 62196041
http://www.blasenkrebs-shb.de/selbsthilfe/
Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V.:
Hotline: 0178 2777132
www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de
Blasenkrebs RisikoChek:
http://riskcheck-bladder-cancer.info
www.blasenkrebs.net
Blasenkrebs Online-Forum:
www.forum-blasenkrebs.net
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