PushOver auf dem Rechner

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SAW-Siedlung
Zürich, Dr. Deuring
+ Oehninger AG,
Winterthur (Software
3muri).
Verformungsbasierte Erdbebenberechnungen nach
PushOver sind eine genaue und schnelle Methode. Das
Verfahren unterstützt den Bauingenieur und führt meist
zu wirtschaftlicheren Ergebnissen.
Text: Daniel Gass // Grafiken: zvg.
Erdbebenberechnungen basieren immer auf
Annahmen, welche – im Vergleich zu statischen Berechnungen – relativ grosse Unsicherheiten beinhalten. Insbesondere bei der
Überprüfung von bestehenden Bauten auf
Erdbeben kann die Genauigkeit der Berechnung durch die Anwendung von verformungsbasierten
Berechnungsmethoden
stark erhöht und damit in vielen Fällen die
Baukosten für die Erdbebenertüchtigung reduziert werden.
Kostenoptimierung mit PushOver
Um ungünstige Abweichungen bei der Abschätzung der plastischen Verformungen zu
vermeiden wird der Verhaltensbeiwert für
kraftbasierte Verfahren als unterer Grenzwert
festgelegt und führt somit in vielen Fällen zu
einer Unterschätzung der Erdbebensicher-
▲
PushOver im Überblick
Das PushOver-Verfahren ist eine nichtlineare
statische Berechnung unter monoton wachsender Verformung des Gebäudes. Damit
Nichtlineares Gebäudeverhalten
Die linear-elastischen Materialgesetze – welche das statische Tragverhalten von Gebäuden meist zutreffend abbilden – sind im Erdbebenfall nur noch sehr eingeschränkt gültig.
Das PushOver-Verfahren berücksichtigt diese Nichtlinearitäten – z.B. Zugausschluss im
Mauerwerk, Rissbildung – als integralen Bestandteil der Berechnung. Bei der Anwendung von kraftbasierten Verfahren kann dies
nur über den willkürlich festgelegten Verhaltensbeiwert erfolgen. Das PushOver-Verfahren kann daher Schnittkraftumlagerungen
berücksichtigen und so plastische Traglastreserven mobilisieren. Die so berechnete
Erdbebensicherheit berücksichtigt weitgehend das tatsächliche Verhalten des betrachteten Gebäudes.
die baustellen_Juni/11
PushOver auf dem
Rechner
wird ein Zusammenhang zwischen der Horizontallast und der Verformung des Gebäudes ermittelt, welche in Form der Kapazitätsoder PushOver-Kurve dargestellt werden
kann.
Durch dieses Vorgehen kann das Verhalten
des Gebäudes verhältnismässig genau berücksichtigt werden, ohne dass eine zeitaufwändige dynamische Berechnung durchgeführt werden muss.
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Ergebnisse mit
Kapazitätskurve
und Beschädigungsdiagramm
(Software 3muri).
Bild unten: Sanierung Siedlung
Sihlfeld, WKP
Bauingenieure
AG, Zürich (Software 3muri).
eine einfache Gestaltung der Benutzeroberfläche, was dazu führt, dass die Erdbebensicherheit auch bei komplexen Gebäuden
sehr schnell und zuverlässig beurteilt werden
kann. Das PushOver-Verfahren wird weltweit
seit mehreren Jahrzehnten für die Erdbebenberechnung von Hochbauten eingesetzt. In
der Schweiz verbreitet sich dieses Verfahren
jedoch erst seit einigen Jahren.
PushOver in der Praxis
Für reale Gebäude erfordern PushOverBerechnungen einen beträchtlichen Rechenaufwand. Um diesen zu bewältigen, kommen
in der Regel Computer-Programme zur Anwendung. 3muri ist die führende Software
für PushOver-Berechnungen an Mauerwerks- und Mischbauten in der Schweiz.
Sie ermöglicht es dem Bauingenieur, mit
minimalem Aufwand ein Gebäude zu modellieren und dank den eingesetzten Makroelementen in kürzester Zeit zu berechnen. Die
hohe Spezialisierung von 3muri ermöglicht
PushOver-Erbebenberechnungen –
ein aktuelles Verfahren
Kraftbasierte Verfahren zur Erdbebenberechnung wie die Ersatzkraft-Methode und das Antwortspektren-Verfahren sind in der
Schweiz weit verbreitet, können aber die Erdbebensicherheit in
vielen Fällen nur mit ungenügender Genauigkeit bestimmen. Verformungsbasierte Berechnungen nach dem PushOver-Verfahren
können das Verhalten von Gebäuden wirklichkeitsnäher abbilden
und führen so im Allgemeinen zu genaueren und meist auch wirtschaftlicheren Ergebnissen.
Fazit und Ausblick
PushOver ist ein Verfahren zur Ermittlung der
Erdbebensicherheit von Bauwerken, welches eine realitätsnahe Beurteilung des Gebäudeverhaltens und damit der Sicherheit
gegen Erdbeben zulässt. Die Kosten für eine
Erdbebenertüchtigung können dadurch in
vielen Fällen minimiert werden. In Zukunft
wird sich das PushOver-Verfahren weiterverbreiten und das Antwortspektren-Verfahren
als Standard-Verfahren in der Erdbebenberechnung ablösen. ■
www.baustatik.ch
die baustellen_Juni/11
heit. Wird eine verformungsbasierte Berechnung verwendet, kann die Erdbebensicherheit oft mit weniger umfangreichen Massnahmen erreicht werden.
Insbesondere bei der Erdbebenertüchtigung
von bestehenden Bauten können die Kosten
für die Erdbebensicherung durch den Einsatz
des PushOver-Verfahrens unter Umständen
erheblich reduziert werden. In einigen Fällen
können Massnahmen zur Erdbebensicherung sogar gänzlich entfallen, auch wenn
kraftbasierte Verfahren eine ungenügende
Erdbebensicherheit ermitteln.
Wunderheilmittel PushOver
PushOver-Berechnungen ermöglichen eine
schnelle und wirklichkeitsnahe Beurteilung
der Erdbebensicherheit von Gebäuden und
Sanierung Siedlung Sihlfel
können die Kosten für eine ErdbebenertüchZürichist(Software
tigung stark reduzieren. Trotzdem
das 3muri).
PushOver-Verfahren kein Wunderheilmittel
gegen Massnahmen zur Erdbebensicherung.
Das PushOver-Verfahren berücksichtigt ein
sehr realistisches Gebäudeverhalten und beinhaltet daher kaum verfahrensbedingte Reserven bei der Berechnung der Erdbebensicherheit. Insbesondere bei bestehenden
Bauten ist daher eine sorgfältige Beurteilung
des vorhandenen Tragsystems und der Materialeigenschaften von grosser Bedeutung.
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