Exkursionsbericht - Geopark Vogelsberg

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„Nachschlag“ zum Tag des Geotops in Mücke
Exkursionsbericht zum Besuch des Steinbruchs Schönhals in Ober-Ohmen
Rund 40 vulkaninteressierte Personen zu einer Exkursion in den Steinbruch Mücke- OberOhmen der Firma Schönhals gekommen (Abb. 1). Ergeben hatte sich dieser Termin durch
die Vorplanungen zum Tag des Geotops, der Mitte September stattgefunden hat. Die Gemeinde Mücke, der Geopark Vulkanregion Vogelsberg, kunst_turm_mücke e.V. und die Sektion Vogelsberg der Deutsche Vulkanologische Gesellschaft (DVG) hatten diesen Tag gemeinsam ausgerichtet. Eine Vorexkursion hatte vorab gezeigt: eine längere SteinbruchExkursion hätte den Rahmen des Programms gesprengt und deshalb wurde ein gesonderter
Termin angesetzt. Dieser Termin fand am 11.10.2015 statt - bei strahlendem Herbstwetter
und während Kraniche vorüberzogen. Karl Rudi vom kunst_turm_mücke e.V. begrüßte die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion und stellte weiteren die Beteiligten kurz vor:
die Eigentümerinnen Nicole Schön und ihre Schwester Diana Hofmann, Daniel Korb (Geopark) und Kerstin Bär
(DVG).
Frau
Schön
ging danach kurz auf
die
Geschichte
Steinbruchs
Großvater
des
ein.
habe
Ihr
den
Betrieb um 1960 gekauft. Sie selbst sei,
zunächst mit ihrem Vater, seit 2000 in der
Geschäftsführung. Der
mit der Abbauplanung
Abbildung 1. Die Exkursionsgruppe betrachtet Gestein, wie es in frühen Phasen eines
Vulkanausbruchs entsteht (rechts im Bild). Foto: A. Metzner.
beauftragte
Land-
schaftsarchitekt Johan-
nes Müller-Lewinski zeigte anhand von Plänen und Luftbildern die vergangene und die geplante Entwicklung des Betriebes.
Danach ging es – nicht ohne vorherige Sicherheitshinweise – in den Abbaubereich des
Steinbruchs. Das Augenmerk galt den verschiedenen Gesteinen und den im Steinbruch erkennbaren Strukturen. Wer geglaubt hatte, in diesem Steinbruch gäbe es nur Basalt, hatte
sich getäuscht. Gleich am ersten Stopp war an einer Böschung ein Material zu finden, wie es
vor allem zu Beginn der Entwicklung eines Vulkans entsteht. Das über 1000° C heiße Magma trifft beim Aufstieg meist auf Grundwasser. Die aus dem Kontakt von Wasser und Magma
folgenden Explosionen sprengen einen Trichter in die Landschaft und zerreißen das vorhandene Gestein. Eine relativ chaotische Mischung von Gesteinsbruchstücken lagert sich rund
Exkursionsbericht von K. Bär mit Ergänzungen durch K. Rudi. 21.10.2015
Abbildung 2. Dichter Block (Basalt) in dem Gestein, das aus Gesteinsbruchstücken besteht und durch Explosionen entstanden ist. Foto: Geopark.
um den Sprengtrichter und auch in ihm ab (Abb. 2). In dieser Mischung findet man dann
auch Gestein aus dem Untergrund, zum Beispiel älteren Basalt in Form von dichten Blöcken.
Kommt es nicht zu einem solchen Kontakt, beginnt das Magma beim Aufstieg oft durch Entgasung aufzuschäumen. Wird das Material dann ausgeworfen, bildet das noch plastische
Material typische vulkanische Bomben, die dann sehr stark blasig sind. Das Gestein im
Steinbruch Ober-Ohmen zeigt, dass manche Partikel aufschäumen konnten. Einige dieser
blasigen, rundlichen Gebilde erreichten etwa die Größe einer Kinderfaust und sind wohl ein
Hinweis auf teilweise fehlende Zufuhr von Wasser.
Wenn in späteren Phasen der vulkanischen Aktivität sowohl Wasser als auch Gas als Antrieb von Explosionen fehlen, kann sich im freigesprengten Trichter ein glutflüssiger Lavasee
bilden. Beim Erkalten entsteht das Gestein Basalt. Bildlich könnte man von einem „verplombten“ Schlot sprechen.
Der nächste Stopp bot einen Blick in den zentralen Bereich des Steinbruchs, der wohl einen
solchen „verplombten“ Schlot darstellt (Abb. 3). Hier war die unterschiedliche Art der Klüftung
mit Bildung der bekannten Basalt-Säulen oder Basalt-Platten das Thema. Die Klüftung entsteht durch das Schrumpfen des Gesteins während des Erkaltens und kann je nach Ausbildung verschiedene Interpretationen zulassen. Säulen bilden sich nur, wenn beim Abkühlen
relativ ruhige Verhältnisse herrschen. Sie entstehen immer senkrecht zu Abkühlungsflächen,
dementsprechend bei Lavaströmen senkrecht, in Schloten waagrecht bzw. schräg. So kann
man Lavaströme und Schlote unterscheiden, obwohl beide aus Basalt bestehen. Gibt es
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Exkursionsbericht von K. Bär mit Ergänzungen durch K. Rudi. 21.10.2015
Abbildung 3. Blick in den zentralen Bereich des Steinbruchs mit überwiegend unregelmäßiger Klüftung des Basalts.
Foto: Geopark.
kontinuierliche Fließbewegungen, können Platten entstehen. Säulen gibt es im Steinbruch
Ober-Ohmen nicht, Platten können teilweise beobachtet werden. Weite Bereiche zeigen aber
nur unregelmäßige Klüfte, so dass „scherbige“ Formen entstehen (Abb. 3).
Entscheidend für den Überblick ist, dass alles, was stark geklüftet ist, ehemals ein großer
zusammenhängender Bereich aus flüssigem Material war, das schrumpfen musste, als es zu
Basalt abkühlte. Nicht oder wenig geklüftete Bereiche bestehen dagegen aus anderem Gestein(hier wird es für geologisch Interessierte meist spannender). Dass man auch ohne Säulen zu dem Schluss kommt, dass es sich nicht um einen Lavastrom, sondern um einen
Schlot handelt, liegt an der Form, die das Basaltvorkommen hat. Wären es mehrere Lavaströme sollte es auch horizontale Unterbrechungen geben und ein einziger Lavastrom kann
eine solche Höhe normalerweise nicht erreichen.
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Exkursionsbericht von K. Bär mit Ergänzungen durch K. Rudi. 21.10.2015
Abbildung 4. Grünliches Erdmantelgestein, das aus überwiegend aus olivgrünem Olivin, aber auch aus Pyroxenen (meist
fast schwarz, zum Teil flaschengrün) besteht. Foto: K. Bär.
Auf der oberen Sohle konnten die Teilnehmerinnen schließlich das abgebaute Gestein näher
betrachten und auch selbst auf die Suche nach interessanten Stücken gehen. So waren vom
Magma teilweise Fremdgesteine aus dem Untergrund mit nach oben gebracht worden. Aus
großer Tiefe stammen die sogenannten „Olivinknollen“, die gar nicht nur aus dem olivgrünen
Olivin bestehen, sondern aus mehreren Mineralen (Abb. 4). Es handelt um das Erdmantelgestein Peridotit, das aus etwa 40 bis 60 km Tiefe stammt – einer Tiefe, die für Forscher unerreichbar ist. Besonders ist, dass das Magma dieses Gestein auf seinem Weg mit an die
Erdoberfläche befördert. Neben verwitterten senfgelben oder roten Stücken waren auch
schöne unverwitterte grünliche Peridotite zu finden.
Peridotit findet man vor allem in „Basaniten“ und tatsächlich wird im Geotope-Buch des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie1 für den Steinbruch bei Ober-Ohmen nicht
Basalt, sondern Basanit angegeben – wie Herr Müller-Lewinski bemerkte. Ohne Analyse
sind diese beiden Gesteine allerdings nicht sicher unterscheidbar und beides wird als Basalt
vermarktet.
1
Reischmann, T. & Schraft, A. (2009). Der Vogelsberg: Geotope im größten Vulkangebiet Mitteleuropas.
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Wiesbaden.
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Exkursionsbericht von K. Bär mit Ergänzungen durch K. Rudi. 21.10.2015
Von einzelnen Exkursionsteilnehmern wurden auch eingeschlossene Sandstein-Bruchstücke
gefunden. Diese stammen sicher aus geringer Tiefe und so lässt sich der Weg des Magmas
auch weiter oben nachvollziehen. Allgemeines Interesse bestand auch an Mineralen, die sich
später in Klüften und Blasenhohlräumen gebildet hatten. Sie zeigen, dass es durch Verwitterung und Herauslösen von Ionen aus den ursprünglichen Mineralen auch zu neuem Wachs-
Abbildung 5. Gruppe auf der unteren Steinbruchsohle, oben rechts Basalt-Platten, rechts hinter dem Haufen von gebrochenem Basalt war viel Montmorillonit in den Klüften zu finden. Foto: C. Marx
tum von Mineralen kam. An verschiedenen Stellen konnte zum Beispiel der Karamellbonbonähnliche Montmorillonit gefunden werden. Montmorillonit ist ein typisches Tonmineral in
Basaltklüften.
Zum Abschluss besuchten die Teilnehmer bei zunehmend auffrischendem Nordwind noch
die untere Steinbruchsohle (Abb. 5). Dort wurde in einer Wand nochmals Montmorillonit in
größerer Menge gefunden. Außerdem treten dort an einer anderen Stelle sehr schöne rötliche Gesteine in frischer Form zu Tage, wie sie am ersten Stopp als verwittertes Material gefunden wurden. Hier waren im Gestein lagenweise größere und kleinere, eckige Partikel erkennbar. Manche davon waren auch etwas blasig (Abb. 7). Bei den etwas blasigen Partikeln
hatte die Entgasung begonnen, bevor der Kontakt mit Wasser zustande kam. Es wurden
aber auch dichte Aschelagen gefunden – es ist Material, das durch die Explosionen staubfein zerkleinert wurde. Außerdem traten (wie am ersten Stopp) aufgearbeitete ältere Basaltblöcke auf, die mit herausgesprengt worden waren.
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Exkursionsbericht von K. Bär mit Ergänzungen durch K. Rudi. 21.10.2015
Nach knapp 3 Stunden waren dann die
meisten der Anwesenden zwar durchgefroren
aber
um
einige
Eindrücke
reicher. Für alle, die
sich für weitere ähnliche
Exkursionen
interessieren,
bot
Kerstin Bär an, sich
in
den
Verteiler
Rundmailder
DVG
aufnehmen zu lasAbbildung 6. Gestein, das aus Gesteinsbruchstücken besteht und teilweise leicht blasige
Partikel enthält. Foto: K. Bär.
sen.
Dazu
genügt
eine kurze Nachricht
an [email protected]. Mit einem Dank an Frau Schön und Frau Hofmann verabschiedete
sich die Gruppe. Die Gastgeberinnen zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung. Sie
könnten sich vorstellen, in Zukunft wieder einmal eine ähnliche Exkursion zu ermöglichen.
Abbildung 7. Gruppenbild am Schluss. Foto: M.Dürk.
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