Jahresbericht 2014 pro familia Beratungsstelle Wuppertal Hofaue 21 42103 Wuppertal Tel 0202 – 43 18 49 Fax 0202 – 437 61 62 [email protected] www.profamilia.de Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesem Jahresbericht laden wir Sie ein, sich über unsere Arbeit im Jahr 2014 zu informieren. Detaillierte Informationen zu unseren Arbeitsbereichen können Sie auf unserer Homepage www.profamilia.de einsehen. Wir möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich bei allen unseren SpenderInnen bedanken: • • • • • Stadtsparkasse Wuppertal, Sozialsponsoring Wuppertal e.V. Umzüge Breer GmbH SpenderInnen in der Beratungsstelle SpenderInnen der akzenta-Märkte in Wuppertal Unser Beratungsangebot Schwangerenberatung • Soziale und finanzielle Beratung • Psychologische Beratung während der Schwangerschaft • Beratung bei Krisen vor und nach der Geburt • Beratung bei Früh-, Fehl- oder Totgeburt • Beratung vor, während und nach pränataler Diagnostik • Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch • Beratung während der Kinderwunschbehandlung Familienplanung und medizinische Beratung • Verhütungsberatung • Pille und die „Pille danach“ • Schwangerschaftstest • Diaphragma-Anpassung • Wechseljahrsberatung Schwangerschaftskonfliktberatung • Rechtsgrundlagen • Medizinische, partnerschaftliche und lebensplanerische Aspekte • Klärung der Kostenübernahme • Ausstellung von Beratungsbescheinigungen • Beratung nach Schwangerschaftsabbruch • Sozialrechtliche und finanzielle Hilfen Sexual- und Partnerschaftsberatung • Partnerschaftsprobleme • Sexuelle Probleme • Krisenintervention Sexualpädagogik • Veranstaltungen für Schulklassen und Jugendgruppen • Beratung für jugendliche, junge Erwachsene und Eltern • Elternabende • Fortbildungen Rechtsberatung (Kurzberatung) • Trennung und Scheidung: individuelle, rechtliche Kurzberatung durch eine Rechtsanwältin einmal im Monat ( 2. Montag im Monat) Wir danken der Rechtsanwältin Frau Schneider für ihre ehrenamtliche Sprechstunde in unserer Beratungsstelle „Vertrauliche Geburt“ Seit dem 01. Mai 2014 ist das Gesetz zur Vertraulichen Geburt in Kraft. Durch dieses Gesetz haben Schwangere, die sich in extremen Notlagen befinden, die Möglichkeit, anonym und medizinisch gut versorgt zu entbinden und ihr Kind „vertraulich“ zur Adoption freizugeben. Das Kind hat das Recht, nach 16 Jahren seine Herkunft zu erfahren. Die pro familia Beratungsstelle ist, neben den anderen Schwangerenberatungsstellen in Wuppertal, Anlaufstelle für schwangere Frauen, die im Rahmen der vertraulichen Geburt ihr Kind bekommen möchten. In einem vertrauensvollen Gespräch werden Lösungsmöglichkeiten und Hilfen für psychosoziale Konflikte, die im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft bestehen, angeboten. Die Beratung ist anonym und erst mit der Entscheidung zur vertraulichen Geburt, hinterlässt die Schwangere ihre Identitätsangaben. Die Beraterin hat die Schweigepflicht, das bedeutet, dass die Angaben nicht weitergegeben werden. Die Beratung und besonders das Verfahren zur vertraulichen Geburt darf nur durch qualifizierte Beratungsfachkräfte durchgeführt werden, die speziell fortgebildet wurden. Im Falle einer vertraulichen Geburt, ist es für die betroffenen Frauen und Kinder wichtig, dass die entsprechenden Anlaufstellen wie Kliniken, Adoptionsstellen, Jugendämter etc., unter Berücksichtigung der Anonymität, gut vernetzt sind. In Wuppertal hat unsere Beratungsstelle an mehreren Vernetzungstreffen teilgenommen. Anleitung zur Brustselbstuntersuchung für die Mitarbeiterinnen der Firma Bayer in Wuppertal Statistik 2014 Sexualpädagogik Schulklassenveranstaltungen Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge der Firma Bayer führte unsere Ärztin sechs Seminare mit dem Thema „Anleitung zur Brustselbstuntersuchung analog der Mamma-Care-Methode“ durch. In einem Vortrag wurden die Frauen über die weibliche Brust, Brustkrebs, die Möglichkeiten der Früherkennung und die Selbstuntersuchung der Brust informiert. An Silikonbrustmodellen konnten sie tastend üben, normales Brustgewebe von Knoten zu unterscheiden. Zahl der damit erreichten Jugendlichen Multiplikatorenfortbildungen / Elternabende damit erreichte Personen Großveranstaltungen Zahl der damit erreichten Jugendlichen Im Anschluss daran hatten die Frauen die Gelegenheit das Erlernte, mit Unterstützung der Ärztin, an der eigenen Brust auszuprobieren. Die Resonanz auf die Kurse war sehr positiv, sodass sie im Jahr 2015 bei der Firma Bayer fortgesetzt werden. Sexualpädagogik In Kooperation mit den KollegInnen des Arbeitskreises Sexualpädagogik Wuppertal konnten wir Wuppertaler Schülerinnen und Schülern auch 2014 verschiedenste Angebote machen: Bereits zum dritten Mal haben wir die „Sex-o-menta“ durchgeführt, eine umfangreiche Ausstellung zum Thema Sexualität, die möglichst viele verschiedene Sinne ansprechen soll. Im Rahmen des „Komm-auf-Tour“-Parcours der BzgA konnten wir Jugendliche in ihrer Lebensplanung unterstützen. Bei einer spielerisch angelegten „Beratungsstellen-Ralley“ haben Jugendliche die Wuppertaler „Beratungslandschaft“ kennengelernt. Für Inhaftierte der JVA konnten wir individuelle sexualpädagogische Gruppenangebote machen. Das Theaterstück „Liebe, Love & Sexperts“ und eine daran anschließende intensive Bearbeitung der darin vorkommenden Inhalte für insgesamt 6 Schulklassen (ca. 200 SchülerInnen) wurde ebenfalls in Kooperation organisiert. 82 871 6 72 8 1581 Beratungen Schwangerschaftsberatungen Schwangerschaftskonfliktberatungen Beratung zur Familienplanung und Kinderwunsch Paar- und Sexualberatungen Beratungen nach Geburt Andere Beratungen (zu Pränataldiagnostik, nach Fehlgeburt oder Abbruch, sexualpädagogische Einzelberatungen) Familienhebamme Hebammensprechstunde 166 610 84 477 64 145 180 20 Regelmäßige Veranstaltungen Die KrankenpflegeschülerInnen der HeliosKliniken haben sich über die Arbeitsinhalte unserer Beratungsstelle in Gruppenveranstaltungen informiert. Die AG „Elternschule“ der Hauptschule Hügelstraße besuchte uns in unserer Einrichtung. Die Mädchen und Jungen informierten sich über Themen wie Elternschaft, Schwangerschaft und finanzielle Hilfen. Fortbildungen 2014 Gremien und Kooperation Alle MitarbeiterInnen kooperieren mit anderen Institutionen auf kommunaler Ebene sowie innerhalb des pro familia Landesverbandes. Die Teilnahme an Arbeitskreisen und Gremien dient dem fachlichen Austausch, der Vernetzung, der Fortbildung und der Qualitätssicherung. • • Fortbildung zur „Vertraulichen Geburt“ Fachtag zur „Vertraulichen Geburt“ • „Nichtinvasive pränatale Testung / Ersttrimester Screening“ Arbeitskreise pro familia intern • Basiswissen Teamleitung Arbeitskreis Beratungsstellenassistentinnen Medizinischer Arbeitskreis Arbeitskreis Sozialberatung Psychologischer Arbeitskreis Sexualpädagogischer Arbeitskreis Arbeitskreis Familienhebammen Leitungskonferenz • Effektive Leitung von Teams in Beratungsstellen • Teamentwicklung • 5+1=MEINS • Intersexualität Kooperationen und Mitgliedschaften • Fachtag „Irgendwie anders, Frauen in der Jungenarbeit“ • Fachtag „Herausforderungen (in) der Liebe“ • 3.Fachtag „Wege aus Krisen nach der Geburt“ BKiD (Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland) DPWV Sozial Sponsoring Wuppertal Institut für Pränatale Medizin & Humangenetik Wuppertal Sternenkinderambulanz der Bethesda-Klinik Kinderwunschzentrum Wuppertal Kommunale Vernetzung Team AK Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Wuppertal Arbeitskreis Jungen Arbeitskreis Mädchen West Arbeitskreis Sexualpädagogik in Wuppertal Fachgruppe Beratung Ausschuss zur Gleichstellung von Frau & Mann DPWV GeschäftsführerInnen, Kreisgruppe Wuppertal Netzwerk „Frühe Hilfen“ Arbeitskreis Familienhebammen Bergisch Land Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Beratungsstelle stehen unter gesetzlicher Schweigepflicht. Durch die im Jahr 2010 gestartete Aktion „pfandtastisch helfen“ in Zusammenarbeit mit den akzenta-Märkten Wuppertal konnten wir auch im Jahr 2014 unsere Hebammensprechstunde erfolgreich fortführen. B eratungsstelle Wuppertal Hofaue 21, 42103 Wuppertal Anmeldung Tel. 0202 – 43 18 49 Fax 0202 – 4 37 61 62 [email protected] www.profamilia.de Frühe Hilfen bei pro familia NRW Einführung Seit vielen Jahren ist wissenschaftlich ausreichend belegt, welche gesundheitlichen, psychoemotionalen und sozialen Rahmenbedingungen einem gesunden Aufwachsen von Kindern förderlich sind. Bekannt werdende Fälle von Kindeswohlgefährdung zeigen, dass manchen Eltern die Kompetenzen und Ressourcen für einen fürsorglichen Umgang mit ihren Kindern fehlen und ihnen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten nicht zugänglich sind. Die Herausforderung an Politik und Fachöffentlichkeit lautet also: Wie können das notwendige Wissen über eine gute Versorgung von Kindern den (werdenden) Eltern vermittelt und ihnen die entsprechenden Hilfen bereitgestellt werden! 2007 gründete das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) als Kooperation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Deutschen Jugendinstitut (DJI). Seither fördert und koordiniert das NZFH Projekte Früher Hilfen, begleitet diese wissenschaftlich und hilft beim Aufbau kommunaler Netzwerke. 2012 trat das Bundeskinderschutzgesetz in Kraft, in dessen Folge die Bundesinitiative Frühe Hilfen ins Leben gerufen wurde. Diese fordert und fördert den Aufbau regionaler Netzwerke Früher Hilfen, die Qualifizierung und den Einsatz von Familienhebammen und die Arbeit Ehrenamtlicher in diesem Bereich. Hierfür stellt das Bundesministerium den Kommunen jährlich eine Fördersumme zur Verfügung - insgesamt 177 Millionen Euro bis Ende 2015. Zur Halbzeitkonferenz im November 2014 zog Bundesministerin Manuela Schwesig eine positive Bilanz der bisherigen Aktivitäten. Das Konzept der Frühen Hilfen Als „Frühe Hilfen“ werden Unterstützungs- und Hilfeangebote für Eltern ab Beginn einer Schwangerschaft bis etwa zum Ende des dritten Lebensjahres eines Kindes bezeichnet. „Frühe Hilfen“ sollen v.a. Mütter, Väter und Familien in belasteten Lebensumständen im Umgang und der Pflege ihres Kindes/ihrer Kinder unterstützen und stärken. Damit sind „Frühe Hilfen“ präventiv ausgerichtet. Wesentliche Ziele sind: - die Verbesserung der Entwicklungsbedingungen von Säuglingen und Kleinkindern - die Förderung der Erziehungsfähigkeit der Eltern - die Vermeidung bzw. Minimierung von Überforderungssituationen auf Seiten der Eltern -die Vermeidung bzw. Vorbeugung einer Kindswohlgefährdung. Es ist wichtig, dass die präventiven Maßnahmen der „Frühen Hilfen“ möglichst früh im Leben eines Kindes zum Tragen kommen. Säuglinge und Kleinkinder sind ganz besonders auf die Fürsorge ihrer Pflegepersonen angewiesen, weil die Möglichkeiten ergänzender/ ausgleichender Betreuung (z.B. in Institutionen) gerade in diesem jungen Alter eingeschränkt sind. Prinzipiell können allen jungen Eltern Angebote „Früher Hilfen“ unterbreitet werden. Als spezielle Zielgruppe sind v.a. aber Mütter und Eltern im Blick, deren Kompetenzen zur Bewältigung des Alltagslebens mit einem Kind aufgrund persönlicher, familiärer und/oder sozialer Faktoren eingeschränkt sind. Frühe Hilfen verstehen sich v.a. als primäre und sekundäre Prävention, welche bei erkennbaren Gefährdungsrisiken auch die Einleitung von weitergehenden Maßnahmen zur Sicherung des Kindeswohls umfassen können. Angebote Früher Hilfen bei pro familia Viele Frauen und Paare wenden sich während einer Schwangerschaft und/oder nach einer Geburt an eine Schwangerschaftsberatungsstelle – gerade auch diejenigen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Im Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) ist das Recht auf Beratung, in allen eine Schwangerschaft oder Geburt mittelbar oder unmittelbar berührenden Fragen sowie auf Hilfe in Krisen festgeschrieben. Damit gewinnen Schwangerschaftsberatungsstellen im System Früher Hilfen eine besondere Bedeutung. Als anerkannte Schwangerschaftsberatungsstellen in parteipolitisch- und konfessionsunabhängiger Trägerschaft genießen die pro familia Beratungsstellen bei den Ratsuchenden großes Vertrauen. Mit unseren niederschwelligen Informations- und Beratungsangeboten zu medizinischen, psychologischen und sozialrechtlichen Fragen erreichen wir die Frauen und ihre PartnerInnen im Idealfall schon in einer frühen Phase der Familienplanung bzw. –bildung. Die Freiwilligkeit der Inanspruchnahme der Angebote und die Schweigepflicht seitens der BeraterInnen fördern die Beziehung zwischen KlientIn und BeraterIn. Schwangerschaftsberatung verfolgt einen ressourcenfördernden, unterstützenden und präventiven Ansatz. So betrachtet stellen alle Informations- und Beratungsangebote der pro familia Unterstützungen im Sinne Früher Hilfen dar. Im Gespräch mit den Ratsuchenden können die Kolleginnen mögliche Risiko- und Überforderungskonstellationen erkennen und dementsprechend Angebote Früher Hilfen bereitstellen und vermitteln. Dies setzt eine hohe Fachlichkeit und Erfahrung in der Beobachtung und Einschätzung möglicher Belastungssituationen und Sensibilität und Respekt im Umgang mit den Klientinnen voraus. In allen pro familia Beratungsstellen können sich Frauen und Männer während einer Schwangerschaft und/oder nach einer Geburt beraten lassen, zum Beispiel zu: - sozialrechtlichen Fragen, z.B. Mutterschutz, Arbeitsschutz, Sorgerecht - finanziellen Hilfen - Unterstützungen rund um die Geburt, z.B. Hebammen, Betreuungen, Haushaltshilfe - medizinischen Fragen, z.B. Gesundheit von Mutter und Kind - psychologischen Fragen zu Schwangerschaft, Geburt, Partnerschaft 2009 wurden fachliche Hintergründe und konkrete Angebote Früher Hilfen für Kinder und ihre Familien bei pro familia NRW in einem Konzept niedergeschrieben. Der Verfahrensablauf bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung gibt den KollegInnen Handlungsorientierung für Beratungen, in denen Risikofaktoren erkennbar werden. Die Diskussion um einen effektiven Kinderschutz bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Informationsbedarf und Datenschutz, zwischen Kontrolle und Vertrauen. Im Kontext der Schwangerschaftsberatung können Angebote der Frühen Hilfen grundsätzlich nur auf der Basis der Freiwilligkeit gemacht werden. Die Erfahrung zeigt, dass fast alle Klientinnen über einen offenen vertrauensvollen Kontakt zur Kooperation gewonnen werden können. Familienhebammen bei pro familia In sieben Beratungsstellen des pro familia Landesverbandes arbeiten Familienhebammen im multiprofessionellen Team. In sechs Beratungsstellen werden die Familienhebammen im Rahmen der Bundesinitiative gefördert, eine Stelle wird durch das städtische Gesundheitsamt finanziert. Familienhebammen sind examinierte Hebammen mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der psychosozialen und medizinischen Beratung und Betreuung von Müttern, Vätern und Familien in belasteten Lebenssituationen und deren Kindern bis zum vollendeten 1. Lebensjahr. Indem sie die medizinischen, sozialen und pädagogischen Ressourcen in der Familie im Blick halten, dient ihr Angebot unmittelbar der Prävention von Kindswohlgefährdung. Die Familienhebammen überlegen und planen mit den Klientinnen gemeinsam, welche Unterstützungsangebote möglich und sinnvoll sind. Die Beratung und Begleitung durch die Familienhebammen ist ein freiwilliges Angebot. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Transparenz aller Entscheidungen und Maßnahmen ist wesentlich. Die Beratung in der Schwangerschaft und nach der Geburt bis zum 1. Lebensjahr findet meist durch Hausbesuche statt und kann durch Gruppenangebote für Mütter ergänzt werden. Die mittlerweile mehrjährige Erfahrung zeigt: durch die Einbindung von Familienhebammen in eine Schwangerschaftsberatungsstelle können die vielfältigen Angebote der Beratungsstelle und die der Familienhebammen zur Versorgung von Müttern und Familien in besonderen Belastungssituationen optimal verknüpft und in ihrer Wirksamkeit nachhaltig verbessert werden.