Pegida und die „Anderen“ Eine qualitative Analyse der Facebook-Seite Pegida and the “Others” – A Qualitative Analysis of the Facebook-Page Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Arts in Politikwissenschaft Vorgelegt dem Fachbereich 02 – Sozialwissenschaften, Medien und Sport der Johannes Gutenberg-Universität Mainz von Charlotte Poth aus Würzburg August 2015 Erstgutachterin: Sabrina Mayer, M.A. Zweitgutachter: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer Inhalt 1. Einleitung .................................................................................................................................. 1 2. Der Social Identity Ansatz nach Tajfel und Turner................................................................... 2 2.1. Minimal Group Studies ...................................................................................................... 2 2.2. Der Social Identity Ansatz ................................................................................................. 3 2.3. Intergruppen- und zwischenmenschliches Verhalten ......................................................... 5 2.4. Sozialer Status und Strategien zur Verbesserung ............................................................... 6 3. Soziale Stereotype ..................................................................................................................... 9 3.1. Individuelle kognitive Funktionen ................................................................................... 10 3.2. Die Wertfunktion von Stereotypen................................................................................... 11 3.3. Individuelles und kollektives Handeln bei Funktionen sozialer Stereotype..................... 12 4. Analyse – Pegida und die „Anderen“ ..................................................................................... 13 4.1 Entstehung und Entwicklung der Bewegung .................................................................... 13 4.2. Zur Methode ..................................................................................................................... 16 4.3. Die Outgroups .................................................................................................................. 18 4.3.1. Politik, Politiker und das politische System .............................................................. 18 4.3.2. Die „Lügenpresse“ .................................................................................................... 21 4.3.3. Pegida-Gegner und –Kritiker .................................................................................... 22 4.3.4. „Gute“ und „schlechte“ Ausländer ............................................................................ 27 4.3.5. Asylpolitik und Asylbewerber ................................................................................... 28 4.3.6. Islam, Islamisierung, Islamismus .............................................................................. 30 4.4. Die Ingroup: Pegida-Anhänger ........................................................................................ 32 4.5. Zusammenfassung und ergänzende Bemerkungen........................................................... 35 5. Fazit ......................................................................................................................................... 38 Literaturverzeichnis .................................................................................................................. 41 Anhang .......................................................................................................................................... i Post 1: ......................................................................................................................................... i Post 2: ..................................................................................................................................... xiii 1. Einleitung Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Rechtspopulismus […] Dieses Gespenst kann vielleicht nicht durch Wände gehen. Durch Schädeldecken dringt es jedoch ohne Mühe und materialisiert seine Erscheinung im ‚Tal der Ahnungslosen‘ wie anderswo. (Weißgerber 2015: 150) Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz PEGIDA, beschäftigen seit ihrer Gründung im Herbst 2014 Medien und Öffentlichkeit mit der Frage, wer die sogenannten „Wutbürger“ sind und vor allem wogegen sie sich richten. Zwar wurde Anfang Dezember 2014 ein Positionspapier auf der Facebook-Seite der Bewegung veröffentlicht, wirklich Aufschluss über die genauen Beweggründe und Ziele von Pegida bietet dieses allerdings nicht. Schnell wurde klar, dass die Demonstranten, die sich allmontäglich zu ihren „Abendspaziergängen“ versammelten, nicht nur gegen eine Islamisierung Europas auf die Straße gingen, sondern vielmehr, um ihren Unmut über unterschiedlichste politische, ökonomische und soziale Missstände in Deutschland und der Welt kund zu tun. Nachdem bereits einige Studien über die Demonstrationsteilnehmer in Dresden und deren Einstellungen veröffentlicht wurden, beschäftigt sich diese Arbeit mit den PegidaAnhängern, welche auf der Pegida Facebook-Seite (dem Hauptmedium der Bewegung) an Diskussionen und Meinungsaustausch teilnehmen. Der Fokus liegt auf der Frage, welche Fremdgruppen die Facebook-Nutzer und Pegida-Anhänger hier konstruieren und welche Eigenschaften diesen zugeschrieben werden. Nach Henri Tajfel und John Turner definieren Mitglieder einer Gruppe ihre Position in der Gesellschaft auch durch Abgrenzung zu einer oder mehreren „Outgroups“ (siehe Kapitel 2.2). Durch die Identifizierung der, von Pegida-Anhängern, konstruierten Fremdgruppen soll auch Aufschluss über die Identität und Selbstwahrnehmung von Pegida-Mitgliedern erlangt werden. Zunächst wird der Social Identity Ansatz von Henri Tajfel und John Turner in seinen Grundzügen beschrieben. Hier soll besprochen werden, aus welchem Grund Einteilungen in Gruppen oder Kategorien erfolgen und welchem Zweck diese dienen. Wodurch und weshalb entstehen Konflikte zwischen einzelnen Gruppen? Und welche Rolle spielt eine Gruppe bei der Definition sowohl der individuellen, als auch der sozialen Identität? Um schließlich noch näher auf Beziehungen und Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen einzugehen, wird auch auf die unterschiedlichen Funktionen von Stereotypen im Kategorisierungsprozess eingegangen. Hierbei wird erneut auf Henri Tajfel und seinen Ansatz zu sozialen Stereotypen zurückgegriffen. Eine ausführliche Diskussion der 1 theoretischen Ansätze kann aufgrund des Umfangs dieser Arbeit nicht geleistet werden. Es geht vielmehr um die Darstellung der Grundzüge, welche Grundlage für die anschließend erfolgende Analyse der Pegida Facebook-Seite bieten soll. Bevor die Ergebnisse der eigentlichen Analyse dargestellt werden, erfolgt zunächst eine Hintergrundinformation zu der Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Dabei wird auch kurz auf die bisher durchgeführten Studien zu Pegida eingegangen. Anschließend folgt die eigentliche Vorstellung der Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse. Es handelt sich dabei um die Untersuchung der Diskussionen, welche als Reaktion auf zwei relativ neutrale Posts auf der Facebook-Seite zwischen den PegidaAnhängern (aber auch Kritikern) entstanden. Ziel war es dabei zunächst die Outgroups zu identifizieren, welche hier von den Pegida-Anhängern konstruiert werden. Welche Stereotype mit den einzelnen Fremdgruppen verbunden sind, wird bei der Analyse der jeweiligen Kategorie verdeutlicht. Anschließend wird auch die Selbstwahrnehmung der Ingroup sowie die Definition der eigenen sozialen Identität in Abgrenzung zu den Outgroups behandelt. Weitere Beobachtungen werden in einer abschließenden Zusammenfassung der Analyse besprochen. Im Fazit wird schließlich eine Verbindung zwischen dem theoretischen Teil und der Analyse hergestellt. 2. Der Social Identity Ansatz nach Tajfel und Turner 2.1. Minimal Group Studies In den siebziger Jahren führte Henri Tajfel, zusammen mit Kollegen, mehrere Studien an der Bristol Universität mit dem Ziel durch, minimale Gegebenheiten zu identifizieren, die dazu führen, dass Mitglieder einer Gruppe (Ingroup) zum Vorteil der eigenen Gruppe handeln und dabei eine andere Gruppe (Outgroup) benachteiligen (Haslam 2010: 341). Tajfel wollte mit seiner „Minimal Group Study“ zeigen, dass Diskriminierung zwischen Gruppen bereits unter folgenden minimalen Bedingungen zustande kommt: die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist nur gering ausgeprägt, die Mitgliedschaft in einer Gruppe ist anonym, es herrschen keine Interessenkonflikte zwischen den Gruppen und auch vorher existierten keinerlei Feindschaften zwischen den Gruppen oder ihren Mitgliedern (Tajfel 2010: 175). Vor Beginn der Studie wurde sichergestellt, dass die genannten minimalen Umstände gegeben sind. Das heißt, zwischen den Gruppen gab es weder Interessenkonflikte, noch vorherige Feindschaften. Auch fand keine soziale Interaktion zwischen den 2 Gruppenmitgliedern statt. Ein rationaler Zusammenhang zwischen einem ökonomischen Eigeninteresse und der Verfolgung der Strategie der Ingroup-Favorisierung existierte ebenfalls nicht. Grundlegendes Ergebnis der Studie war, dass die Kategorisierung der Probanden in Ingroup und Outgroup dazu führte, dass die eigene Gruppe gegenüber der Outgroup bevorzugt wurde. Es wurde also eine klare Ingroup-Favorisierung und eine Diskriminierung der Outgroup festgestellt. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass maximaler Unterschied eine wichtigere Rolle spielt, als maximalen Gewinn für die Ingroup zu generieren. Dieses Ergebnis wurde auch innerhalb weiterer Studien festgestellt. Hatten die Probanden Beträge an zwei anonyme Mitglieder der eigenen Gruppe zu verteilen, lag ihre Entscheidung deutlich näher an dem maximalen Auszahlungsbetrag, als wenn sie Entscheidungen über die Zuteilung der Beträge an zwei Mitglieder der Outgroup treffen sollten. Die Ingroup wurde hier also gegenüber der Outgroup bevorzugt, obwohl eine Zuweisung höherer Beträge an die Outgroup keine negative Auswirkung auf die eigene Gruppe gehabt hätte (Tajfel 2010: 179). Die Schlussfolgerung, die man aus den „Minimal Group Studies“ ziehen kann ist, dass der bloße Vorgang der Kategorisierung von Mitgliedern in Gruppen ausreicht, um eine Ingroup-Favorisierung herbeizuführen (Haslam 2010: 342). Die Studien zeigten also auch, dass Diskriminierung zwischen Gruppen, unter minimalen Umständen, nicht durch unvereinbare Gruppeninteressen herbeigeführt wird (Tajfel 2010: 180). 2.2. Der Social Identity Ansatz Tajfel definiert soziale Identität als „the individuals knowledge that he [or she] belongs to certain social groups together with some emotional and value significance to him [or her] of this group membership” (Tajfel 1972: 31, zitiert nach Haslam 2010: 342). Soziale Identität ist demnach Teil eines individuellen Selbstbildes, in Verbindung mit der jeweiligen verinnerlichten Gruppenzugehörigkeit. Das Individuum weist der Gruppe einen bestimmten Wert zu, umgekehrt misst die Gruppe dem Individuum Bedeutung bei. Das ‚Selbst‘ wird damit über die jeweiligen Gruppeneigenschaften definiert. Gleichzeitig wird aber auch der Vergleich mit einer anderen Gruppe relevant. Die Zugehörigkeit des Individuums zu einer Gruppe wird von der Existenz einer oder mehrerer anderer Gruppen abhängig gemacht. Die eigene Gruppenmitgliedschaft definiert sich also darüber, nicht Teil einer anderen Gruppe zu sein (Haslam 2010: 342). Zunächst konzeptualisieren Tajfel und Turner Gruppen als Ansammlungen von Individuen, die sich als Mitglieder der gleichen sozialen Kategorie ansehen. Sie beteiligen sich teilweise emotional an der Definition der Gruppe und damit an der Definition ihres 3 jeweiligen Selbst. Auch entsteht in der Gesellschaft, zu einem gewissen Grad ein Konsens über die Beurteilung der Ingroup. Das grundlegende Kriterium für Gruppenzugehörigkeit ist demnach, dass sich Individuen zum einen einer Gruppe zugehörig fühlen und gleichzeitig auch von außen als Mitglieder dieser Gruppe wahrgenommen werden (Tajfel 2010: 180). In der von Tajfel und Turner 1979 formulierten Social Identity Theorie wurde eine theoretische Analyse der Beziehungen zwischen Gruppen durchgeführt. Ziel ist es zu zeigen, wie die Wahrnehmung bestimmter Merkmale von sozialen Strukturen dazu führt, dass sich Menschen als Teil einer sozialen Identität sehen, wodurch besondere Formen von Gruppenverhalten herbeigeführt werden (Haslam 2010: 343). Tajfel und Turner begreifen soziale Kategorien als kognitive Instrumente, die dabei helfen können, das soziale Umfeld besser zu verstehen, indem es zergliedert, klassifiziert und geordnet wird. Dadurch wird ein Orientierungssystem geschaffen, welches es dem Individuum möglich macht, soziale Kategorien zu entwerfen, sich selbst dort einzuordnen und somit seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Soziale Identität wird hier also so verstanden, dass sie sich aus Aspekten des Selbstbildes von Individuen zusammensetzt, welche sich wiederum aus den sozialen Kategorien, denen sie sich selbst zuordnen, ableiten. Hieraus entstehen für die Individuen zahlreiche Möglichkeiten verschiedener Formen sozialen Handelns (Tajfel 2010: 180). Nachdem nun eine Kategorisierung von Individuen in soziale Gruppen stattgefunden hat, über welche sie ihr Selbst definieren, versuchen sie ein positives Selbstwertgefühl zu erlangen oder dieses beizubehalten. Da soziale Kategorien oder Gruppen (und damit auch deren Mitglieder) mit positiven oder negativen Wertekonnotationen belegt sind, kann auch die soziale Identität, je nach Bewertung der Gruppe, positiv oder negativ besetzt sein. Diese Bewertung der eigenen Gruppe entsteht durch den Bezug zu anderen Gruppen, das heißt durch soziale Vergleiche von wertegeladenen Merkmalen und Eigenschaften. Hierdurch wird entweder hohes Prestige, durch positiv ausfallende Vergleiche zugunsten der Ingroup, oder aber niedriges Prestige, durch einen negativen Vergleich, generiert (Tajfel 2010: 181). Aus diesen Annahmen leiten Tajfel und Turner drei theoretische Grundsätze ab: Erstens, streben Individuen nach dem Erhalt oder dem Erreichen von positiver sozialer Identität. Zweitens, die eigene positive soziale Identität hängt stark davon ab, dass der Vergleich zwischen Ingroup und Outgroup vorteilhaft für die eigene Gruppe ausfällt. Wenn Individuen aber, drittens, nicht mit ihrer eigenen sozialen Identität zufrieden sind, streben 4 sie entweder danach ihre Gruppe zu verlassen und sich einer anderen Gruppe, mit höherem Prestige anzuschließen, oder aber sie versuchen ihre eigene Gruppe dahingehend zu verändern, dass sich diese stärker positiv von anderen Gruppen unterscheidet (Tajfel 2010: 181). Hieraus wird eine grundlegende Hypothese abgeleitet: Da der Druck hoch ist, die Ingroup durch Vergleiche mit anderen Gruppen als positiv zu bewerten, versuchen soziale Gruppen sich von ihren Outgroups zu unterscheiden. Es gibt drei Variablen, die diese Intergruppen-Differenzierung zunächst beeinflussen und die gegeben sein müssen: Individuen müssen ihre Gruppenzughörigkeit tatsächlich als Teil ihrer eigenen Selbstwahrnehmung verinnerlicht haben und sich auch subjektiv mit der Ingroup identifizieren. Dabei reicht es nicht aus, dass sie ausschließlich von anderen als Mitglied dieser Gruppe wahrgenommen werden. Wichtig ist auch die soziale Situation, in der ein Intergruppen-Vergleich stattfindet. Diese muss einen guten Nährboden für den sozialen Vergleich bieten, denn nicht alle Unterschiede zwischen Gruppen sind von hoher Signifikanz und sie können von Gruppe zu Gruppe variieren. Schließlich ist auch die Wahrnehmung der Outgroup für den Vergleich als relevant zu beachten, da sich Ingroups nicht mit jeder beliebigen anderen Gruppe vergleichen. Hierbei spielen beispielsweise Nähe, Ähnlichkeit oder situationsgebundenes Hervorstechen eine Rolle (Tajfel 2010: 181). Turner unterscheidet zwei Formen des Wettbewerbs, zwischen Ingroups und Outgroups: Zum einen gibt es den „sozialen Wettbewerb“, welcher sowohl durch Selbsteinschätzung, als auch durch sozialen Vergleich stattfindet. Hierdurch werden gegenseitige Intergruppenvergleiche notwendig. Zum anderen gibt es den „instrumentellen (realistischen) Wettbewerb“, welcher auf realistische Eigeninteressen zurückzuführen ist und einen beginnenden Konflikt darstellt. Voraussetzung hierfür sind unvereinbare Gruppenziele (Tajfel 2010: 181). 2.3. Intergruppen- und zwischenmenschliches Verhalten Es wird zwischen zwei extremen Verhaltenstypen unterschieden: Auf der einen Seite steht das Verhalten zwischen Personen (zwischenmenschliches Verhalten), welches sich auf die Interaktion zwischen Individuen bezieht. Diese wird ausschließlich durch zwischenmenschliche und individuelle Eigenschaften beeinflusst. Auf der anderen Seite steht das Extrem des Gruppenverhaltens. Auch hier geht es um Interaktionen zwischen Individuen, die sowohl Gruppen aber auch Personen repräsentieren. Das Verhalten wird hier ausschließlich über die jeweilige Gruppenzugehörigkeit zu bestimmten sozialen 5 Gruppen oder Kategorien beeinflusst. Diese Phänomene werden als „InterpersonellesIntergruppen-Kontinuum“ bezeichnet. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass beide Extreme in ihrer reinen Form in der realen Welt vorzufinden sind. Tajfel und Turner beschäftigten sich nun mit der Frage, welche Umstände die Wahl einer sozialen Verhaltensweise, die dem einen oder anderen Extrem naheliegt, beeinflussen. Sie gehen davon aus, dass das Verhalten im Rahmen eines Gruppeninteresses eher auftritt, je stärker der Konflikt zwischen den Gruppen ist. Solche „objektive“ Interessenskonflikte zwischen Gruppen bieten allerdings noch keine ausreichende Grundlage zur Beschreibung der Umstände, in denen sich das Verhalten von Gruppenmitgliedern dem „Gruppen-Extrem“ des Kontinuums annähert. Wie bereits in den „Minimal Group Studies“ gezeigt, sind institutionalisierte, explizite oder objektive Konflikte keine notwendigen Bedingungen für das Verhalten von Individuen gemäß des Gruppen-Extrems. Hierfür reichen bereits minimale Umstände, wie sie in den Studien gegeben waren, aus (Tajfel 2010: 174). Die Position, auf der sich Individuen innerhalb des „Interpersonellen-IntergruppenKontinuums“ einordnen hängt von einem Zwischenspiel zwischen sozialen und psychologischen Faktoren ab. Hinsichtlich psychologischer Faktoren ist zu sagen, dass hierbei individuelle Glaubenssysteme (‚belief systems‘) eine wichtige Rolle spielen. Hierfür führten Tajfel und Turner ein weiteres Kontinuum ein, welches die Ideologie der sozialen Mobilität auf der einen Seite und die des sozialen Wandels auf der anderen beschreibt (Haslam 2010: 345). Der sozialen Mobilität liegt die Annahme einer flexiblen und durchlässigen Gesellschaft zugrunde. Sind Individuen mit den sozialen Gegebenheiten innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe nicht zufrieden (bspw. zu niedriger Status), haben sie die Möglichkeit in eine andere Gruppe zu wechseln, welche besser zu ihnen passt. Wenn allerdings die Gesellschaft so wahrgenommen wird, dass sie durch eine Schichtung sozialer Gruppen strukturiert ist, welche es Individuen entweder gar nicht oder nur sehr schwer ermöglicht ihre bisherige, wenig zufriedenstellende Gruppe zu verlassen, sprechen die Autoren von sozialem Wandel (Haslam 2010: 345). 2.4. Sozialer Status und Strategien zur Verbesserung Da sozialer Status als Ergebnis von Intergruppen-Vergleichen und weniger als begrenzte Ressource angesehen wird, kann man davon ausgehen, dass geringer subjektiver Status nicht direkt zu einem Wettbewerbsverhalten zwischen Gruppen führt. Je niedriger aber der Status einer Gruppe ist, desto geringer ist auch ihr Beitrag zu einer positiven sozialen Identität (Tajfel 2010: 183). 6 Individuen greifen dann auf unterschiedliche Strategien der Weiterentwicklung ihres sozialen Status zurück. Je näher sich die Position eines Individuums auf dem Kontinuum an dem Pol der sozialen Mobilität befindet, desto wahrscheinlicher ist es, dass die eigene Gruppe verlassen wird. Es wird angestrebt, eine höhere soziale Mobilität zu erreichen, also von einer niedrigeren in eine höhere Statusgruppe zu gelangen. Hierbei handelt es sich um die Strategie der individuellen Mobilität, welche vor allem darauf ausgerichtet ist, eine persönliche Lösung für das Individuum zu finden, während der gesamte Gruppenstatus dabei aber nicht verändert wird (Tajfel 2010: 183). Die Social Creativity-Strategie hingegen, hat in erster Linie zum Ziel, die Ingroup positiv gegenüber anderer Gruppen zu unterscheiden. Hierfür werden Bestandteile der Vergleichssituation verändert oder neu definiert. Dabei kommt es nicht darauf an, dass sich die soziale Position der Gruppe verändert. Anders als bei der individuellen Mobilität handelt es sich hier eher um eine Gruppenstrategie. Unterschiedliche Möglichkeiten stehen dabei zur Auswahl: Einerseits kann die Gruppe, wenn sie auf einer Dimension keine positive Unterscheidung zur Outgroup erlangt, eine andere Dimension für den Vergleich finden, auf der sie höhere Chancen hat positiv abzuschneiden. Das Problem hierbei liegt allerdings in der Legitimierung des Wertes dieser neuen Vergleichsdimension und damit auch des Ergebnisses eines Vergleichs auf dieser Dimension. Dieses könnte die ursprüngliche Überlegenheit der Outgroup gefährden, was zu höheren Spannungen in der Intergruppen-Beziehung führen würde. Eine weitere Möglichkeit für die Ingroup, eine positivere Identität zu erlangen ist, die Werte, die den Eigenschaften der Gruppe zugeordnet wurden insoweit zu ändern, dass diejenigen, die im Vergleich zuvor als negativ wahrgenommen wurden, zum Positiven gewandelt werden. Tajfel und Turner führen das Beispiel der Aussage „Black is beautiful“ an. Hier bleibt die herausragende Dimension auf welcher der Vergleich stattfindet bestehen, der Eigenschaft der Hautfarbe wird nun aber ein positiver Wert zugewiesen. Problematisch könnte dabei sein, dass der Wert von anderen Gruppen zwar auch als positiver angesehen wird, aber dennoch bei Weitem nicht so positiv, wie von der Gruppe, die den Wert besitzt (Tajfel 2010: 184). Schließlich hat die Ingroup auch die Möglichkeit, die Auswahl ihrer Outgroup zu verändern. Das heißt sie vermeidet es, sich mit Outgroups zu vergleichen, die eine überlegenere Stellung haben als sie selbst und somit im Vergleich vermutlich weit positiver abschneiden würden. Wenn also ein solcher Vergleich mit Gruppen höheren Status nicht stattfindet, wird die Unterlegenheit der Ingroup gesenkt und das 7 Selbstbewusstsein gestärkt. Ein solcher Wettbewerb zwischen untergeordneten Gruppen (Gruppen niedrigerem Status) kann allerdings deutlich intensiver ausfallen, als zwischen untergeordneten und dominierenden Gruppen (Tajfel 2010: 184). Eine weitere Strategie, die allerdings deutlich konfliktreicher werden kann, ist die der Social Competition. Die Ingroup versucht hier eine positive Unterscheidung zur Outgroup zu erlangen, indem sie in direkten Wettbewerb mit ihr geht. Dabei wird versucht, die relativen Positionen der beiden Gruppen auf einer bestimmten herausragenden Dimension zu verändern oder umzukehren. Hierdurch wird auch die objektive soziale Position einer Gruppe in der Gesellschaft verändert, da sich die Vergleiche nun auf die soziale Struktur beziehen. Diese Strategie des sozialen Wettbewerbs führt also zu Feindlichkeit und Konflikten zwischen untergeordneten und dominierenden Gruppen (Tajfel 1979: 184). Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass bei Statusunterschieden zwischen Gruppen besonders die Strategie der Social Creativity dominiert. Genauer, der Vergleich mit Gruppen ähnlich niedrigen Status, da hier das Selbstbewusstsein und das Prestige der Ingroup am ehesten gesteigert werden kann (Tajfel 2010: 185). Ein wichtiger Einflussfaktor für die Wahl der Strategien, welche zur Verbesserung der sozialen Identität und des Prestiges führen, ist auch die Wahrnehmung der Individuen bezüglich der Sicherheit der relativen Position ihrer Gruppe auf einer relevanten Dimension. Sicherheit wird hier im Sinne von Stabilität und Legitimität verstanden (Haslam 2010: 345). Hier spielt eine wichtige Rolle, ob die Statusbeziehungen innerhalb einer Gesellschaft als durchlässig oder unveränderlich angesehen werden. Ist letzteres der Fall wird die soziale Position der Ingroup und damit auch die soziale Identität als sicher wahrgenommen. Sind die Statusunterschiede also klar abgegrenzt und wir das bestehende System als legitim und stabil anerkannt, kann man von einem „ruhenden sozialen System“ sprechen. Weder unterlegene noch dominierende Gruppen werden in starken Ethnozentrismus verfallen (Tajfel 2010: 186). Sind die sozialen Verhältnisse zwischen den Gruppen sicher, kann davon ausgegangen werden, dass Strategien zur Steigerung des sozialen Prestiges gewählt werden, die den Vergleichskontext ändern und neu definieren, also Strategien der social Creativity. Wenn allerdings angenommen wird, dass die Grenzen zwischen sozialen Gruppen durchlässig sind und der Status der Gruppe daher als unsicher wahrgenommen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gruppen niedrigeren Status in Wettbewerb mit Gruppen höheren Status treten, sehr hoch. (Haslam 2010: 345). Zu beachten ist, dass unter 8 unsicheren gesellschaftlichen Umständen, Gruppen mit einem hohen Status ebenfalls eine unsichere soziale Identität erfahren können, da eine Gefahr für deren übergeordnete Stellung auch den möglichen Verlust von positiver Unterscheidbarkeit mit sich bringt (Tajfel 2010: 186). Auch unterscheiden Tajfel und Turner zwischen „objektiven“ und „subjektiven“ Konflikten. Allerdings ist es in realen Situationen fast unmöglich, zwischen diskriminierendem Intergruppenverhalten, welches darauf abzielt, tatsächliche Interessen durchzusetzen (objektiv) und einem Verhalten, mit dem eine positive Unterscheidung im Gruppenvergleich für sich generiert werden soll (subjektiv) zu unterscheiden (Tajfel 2010: 187). Ein Konflikt kann aber auch „objektiv“ sein, wenn das angestrebte Ziel der Gruppe außerhalb des Zusammenhangs eines Intergruppenvergleichs gar keinen Wert hat. Dies ist der Fall, wenn Konflikte institutionalisiert, durch Regeln und Normen legitimiert und von den beteiligten Gruppen akzeptiert sind. In solchen Fällen gibt es zwei Handlungsmöglichkeiten: Zum einen das instrumentelle Handeln, das explizit darauf abzielt, die eigene Gruppe zum Sieg zu führen (explizite Konflikte). Zum anderen das nicht-instrumentelle Handeln, welches eine ‚unbegründete‘ Diskriminierung der Outgroup sowie die Entwicklung von negativ besetzten Stereotypen mit sich bringt (implizite Konflikte) (Tajfel 2010: 187). 3. Soziale Stereotype Henri Tajfel verweist in seinem Kapitel „Soziale Strukturen und soziale Gruppen“ auf eine Definition des Begriffs „Stereotyp“ von Oliver Stallybrass: „[E]in übereinfachtes geistiges Bild von (normalerweise) einer Kategorie von Personen, Institutionen oder Ereignissen, das in seinen wesentlichen Merkmalen von einer großen Zahl von Personen geteilt wird. Es kann sich dabei um breite (Juden, Nichtjuden, Weiße, Schwarze) oder um enge Kategorien (Mitglieder der Frauenbefreiungsbewegung oder der Daughters of the American Revolution) handeln … Stereotype gehen häufig, aber nicht notwendigerweise, mit Vorurteilen einher, d.h. mit positiven oder negativen Präpositionen gegenüber Mitgliedern der jeweiligen Kategorie.“ (Stallybrass 1977: 601, zitiert nach Tajfel 1982: 39) Daraus lässt sich ableiten, dass ein Kategorisierungsprozess für die Entwicklung von Stereotypen enorm wichtig ist. Es wird eine Kategorisierung von sowohl physischen, als auch sozialen Aspekten der Umwelt vorgenommen, indem diese Aspekte (Items) anhand von bestimmten Kriterien in Gruppen eingeteilt werden. Die Items unterscheiden sich in Bezug auf diese Kriterien von Items anderer Gruppen. Hinsichtlich derselben Kriterien ähneln sich die Items allerdings innerhalb der eigenen Gruppe (Tajfel 1982: 44). Betrachtet man die Definition Oliver Stalybrass zu Stereotypen genauer, ist besonders die Formulierung, dass ein Stereotyp in der Regel von einer Vielzahl von Personen geteilt wird, hervorzuheben. Das heißt, Stereotype werden erst dann sozial, wenn sie von einer 9 Vielzahl von Personen innerhalb einer sozialen Gruppe wahrgenommen werden (Tajfel 1982: 42). Die Grundannahme, welche Tajfel in seiner Arbeit vertritt ist, dass solche Stereotype, die von vielen Personen innerhalb einer Gruppe geteilt werden, aus den Beziehungen zwischen sozialen Gruppen abgeleitet werden können. Außerdem kann die soziale Umwelt, in der sich solche Gruppen befinden, durch diese Stereotype geordnet und strukturiert werden. Nach Tajfel existieren vier verschiedene Funktionen von Stereotypen, die zum einen von kognitiven Aspekten beeinflusst sind und zum anderen dazu dienen, das eigene Wertesystem aufrecht zu erhalten. Auch unterscheidet er zwischen individuellen Funktionen von Stereotypen und solchen, die dazu dienen, eine Gruppenideologie zu erhalten, soziales Verhalten zu rechtfertigen oder eine positive Differenzierung der eigenen Gruppe im Vergleich mit anderen sozialen Gruppen zu erlangen oder zu sichern (Tajfel 1982: 43). 3.1. Individuelle kognitive Funktionen Der Begriff „Stereotyp“ wird häufig im Zusammenhang mit Vorurteilen verwendet. So widmet sich auch Gordon Allport in seinem Buch „The nature of prejudice“ (1954) im Zusammenhang mit dem Kategorisierungsprozess und seiner kognitiven Struktur den Stereotypen. Er definiert sie als „eine überstarke Überzeugung, die mit einer Kategorie verbunden ist. Sie dient zur Rechtfertigung (Rationalisierung) unseres, diese Kategorie betreffenden Verhaltens“ (Allport 1971: 200). Allerdings betont Allport, dass ein Stereotyp keineswegs mit einer Kategorie gleichzusetzen und allenfalls als ein „Merkzeichen“ oder eine feste Markierung an einer Kategorie anzusehen ist (Allport 1971: 201). Tajfel geht über Allports Vorstellung von einem Stereotyp, welches dieser lediglich als Zusatz zu einer Kategorie ansieht, hinaus. Kategorisierung erfolgt nach Tajfel durch die Einteilung einer bestimmten Anzahl von Items (physische oder soziale Aspekte der sozialen Umwelt) in verschiedene Gruppierungen. Eine solche Zuteilung wird anhand bestimmter Kriterien durchgeführt. Hinsichtlich dieser Kriterien unterscheiden sich die Items einer Gruppierung von denen einer anderen. Items ein und derselben Gruppe allerdings ähneln sich wiederum in Bezug auf diese Kriterien (Tajfel 1982: 44). Hieraus ergibt sich ein ‚kognitiver Prozess‘, welchen Allport so erklärt, dass eine wahrgenommene Information zunächst selegiert wird, das heißt, die Aufmerksamkeit wird auf eine bestimmte Wahrnehmung gerichtet. Anschließend kommt es zur 10 Akzentuierung ebendieser, sie wird also gegenüber anderen Wahrnehmungen hervorgehoben. Schließlich wird diese Wahrnehmung interpretiert (Allport 1971: 176). Daraus ergeben sich Phänomene, wie das Hervorheben von Unterschieden zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppierungen sowie das Hervorheben von Ähnlichkeiten zwischen Mitgliedern derselben Gruppierung (Tajfel 1982: 45). Allerdings geht es nicht allein um die Hervorhebung von Unterschieden oder Ähnlichkeiten zwischen Mitgliedern bestimmter sozialer Gruppen. Ein weiterer Aspekt der kognitiven Funktionen von Stereotypen ist das Hervorheben bestimmter Ereignisse. Tajfel verweist hier auf Arbeiten, wie die Rothbart’s und Hamilton’s, welche die Reaktion von Personen auf relativ selten vorkommende soziale Ereignisse untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass die Bedeutung solcher extremer Ereignisse häufig übertrieben wird, was daran liegt, dass sich diese stärker im Gedächtnis verankern als durchschnittlichere, alltäglichere Geschehnisse. Dies führt dazu, dass extreme Ereignisse oder Personen im Gedächtnis überrepräsentiert und zur Beurteilung einer Gruppe oder Kategorie im Ganzen herangezogen werden. Dies spiegelt sich beispielsweise bei der Entstehung von Vorurteilen gegenüber Minderheitengruppen wieder. Negatives Auftreten von Mitgliedern einer solchen Gruppe wird verallgemeinert und auf die gesamte Gruppe übertragen. Ein solcher Zusammenhang wird als „illusionäre Korrelation“ bezeichnet (Tajfel 1982: 47). Es bleibt also festzuhalten, dass die Kategorisierung von Items innerhalb der sozialen Umgebung anhand bestimmter Kriterien einer Systematisierung und Ordnung der sozialen Realität dienen kann. Anhand einer solchen Ordnung können Vorhersagen über die Beurteilung dieser Items getroffen werden. Dies hängt von den wahrgenommenen Beziehungen zwischen den Items ab, welche sich nach der Gruppenzugehörigkeit sowie nach der jeweiligen Auffälligkeit einzelner Items richten (Thomas 2006: 4). 3.2. Die Wertfunktion von Stereotypen Der kognitive Prozess, der im vorherigen Kapitel beschrieben wurde, also die Selektion, die Akzentuierung und die Interpretation von Wahrnehmungen oder Informationen, dient auch dazu, ein bestehendes Wertesystem (des Individuums sowie der sozialen Gruppe) zu sichern. Tajfel führt zwei Beispiele an, anhand derer die Wichtigkeit des bestehenden Wertesystems verdeutlich wird (Tajfel 1982: 50): Die bereits angesprochene Hervorhebung von Unterschieden zwischen verschiedenen Gruppierungen und Ähnlichkeiten innerhalb einer Gruppe werden durch bestimmte Wertzuweisungen noch verstärkt. Es werden also, anders als in kognitiven Prozessen, 11 nicht neutrale Kategorisierungen vorgenommen, um die soziale Umwelt zu ordnen, sondern es wird auf soziale Kategorisierungen zurückgegriffen, das heißt den einzelnen Kategorien werden bestimmte Werte zugeteilt. Hierzu wurde eine Untersuchung durchgeführt, in der zwei Versuchsgruppen Einschätzungen über persönliche Merkmale von Personen aus zwei unterschiedlichen Kategorien vornehmen sollten. Im Vorfeld wurde sichergestellt, dass eine der beiden Versuchsgruppen Vorurteile gegenüber einer der beiden Kategorien hegte. Folglich zeigte das Ergebnis, dass die Kategorisierung für die Versuchsgruppe mit Vorurteilen, auch mit stärkeren Wertungen verbunden war, da sie die Unterschiede zwischen den Kategorien auf bestimmten Dimensionen als größer einschätzte, als die Gruppe ohne Vorurteile (Tajfel 1982: 51). Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf die sogenannte „Risikoanalyse“. Hierbei geht es darum, Mitglieder aus negativ bewerteten Kategorien in „nicht eindeutigen Situationen“ zu identifizieren. Das bedeutet genauer, dass mehrdeutige Items in Kategorien eingeteilt werden, wobei allerdings Fehler passieren können. Beispielsweise kann es vorkommen, dass ein Item einer Kategorie zugeordnet wird, obwohl es einem hervorgehobenen Kriterium zufolge nicht dazugehört. Umgekehrt kann es auch sein, dass ein Item aus einer Kategorie ausgeschlossen wird, obwohl es dazugehört. Die Risikoanalyse zielt darauf ab, das Risiko bei der Zuteilung von Items abzuschätzen. Das heißt beispielsweise eine „schlechte“ Person wird einer „guten“ Gruppe zugewiesen und umgekehrt. Je häufiger eine solche fehlerhafte Zuweisung passiert, desto höher ist die Gefährdung des eigenen Bewertungssystems. Hier wird die Bedeutung des Systems sozialer Kategorien deutlich sowie die Wichtigkeit für Individuen diese aufrecht zu erhalten (Tajfel 1982: 52). 3.3. Individuelles und kollektives Handeln bei Funktionen sozialer Stereotype Um die Rolle kollektiven Handelns bei der Funktion von sozialen Stereotypen näher zu erklären, verweist Tajfel auf das Beispiel der Hexenverfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert. Hier wurden Erklärungen für ‚nicht Erklärbares‘ oder Bedrohliches gesucht und in Eigenschaften, Absichten oder Verhaltensweisen von Fremdgruppen gefunden (Tajfel 1982: 53). Die Hexenjagden wurden damals von einem großen Teil der Gesellschaft unterstützt. Welche Funktionen erfüllen aber Stereotype für soziale Gruppen? Tajfel identifiziert drei Bedingungen, die gegeben seien sollten, damit Stereotype gegenüber Fremdgruppen entstehen und weiterverbreitet werden können (Tajfel 1982: 54). 1. Gesellschaftliche Ereignisse, die als komplex und häufig auch als unangenehm wahrgenommen werden, sollen verstanden werden. 12 2. Das eigene Verhalten, ob bereits ausgeführt oder geplant, gegenüber anderer Gruppen soll gerechtfertigt werden. 3. In Zeiten, in denen die positive Differenzierung der Ingroup als gefährdet wahrgenommen wird oder es zu keiner positiven Differenzierung kommt, soll eine positive Unterscheidung zwischen Ingroup und relevanter Outgroup herbeigeführt werden. Dies geschieht in sozialen Situationen, die von den Beteiligten als günstig für eine positive Unterscheidung wahrgenommen wird (Tajfel 1982: 54-55). Die erste Bedingung beschreibt die Kausalitätskategorie, sie lässt sich auf das Unvermögen, bestimmte bedrohliche Ereignisse zu erklären, zurückführen. Die Schuld für ein solches Ereignis wird dann einer Fremdgruppe zugeordnet, die aufgrund der ihr zugeschriebenen Charakteristika für das Unerklärbare verantwortlich sein muss (Tajfel 1982: 55). Die zweite Bedingung stellt das „Rechtfertigungsprinzip“ dar, welches Tajfel anhand des Kolonialismus-Beispiels veranschaulicht. In Europa rechtfertigte man seine Eroberungszüge damit, anderen Ländern Zivilisation, Wohlstand und Frieden zu bringen (Tajfel 1982: 55). Die dritte Bedingung wurde bereits im vorherigen Kapitel näher erläutert. Sie beschreibt das „Differenzierungsprinzip“: Eine positive Unterscheidung zwischen der eigenen und einer Fremdgruppe soll entweder erhalten oder geschaffen werden (Tajfel 1982: 55). Wie bereits am Anfang des Kapitels festgestellt wurde, benutzen Individuen Stereotype, um ihre soziale Umwelt zu strukturieren und zu ordnen sowie zum Schutz ihres Wertesystems. Ein Stereotyp kann allerdings nur dann als soziales Stereotyp bezeichnet werden, wenn dieses innerhalb der sozialen Gruppe ebenfalls weitestgehend anerkannt ist und Zustimmung erfährt (Tajfel 1982: 57). Somit wird auch die Einteilung über bestimmte Kriterien in In- und Outgroups sowie die Zuteilung bestimmter Werte und Eigenschaften, die diesen zugeschrieben werden, direkt über die soziale Gruppe beeinflusst. Beispielsweise durch „kulturelle Traditionen, Gruppeninteressen, soziale Umwälzungen und soziale Differenzierungen“ (Tajfel 1982: 57). 4. Analyse – Pegida und die „Anderen“ 1 4.1 Entstehung und Entwicklung der Bewegung Seit dem 14. Oktober 2014 beschäftigen sich Medien, Politik und Wissenschaft mit einer Bewegung, wie es sie in ihrem Ausmaß und ihrer Dynamik schon seit längerer Zeit nicht mehr gegeben hat. PEGIDA, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des 1 Wenn im Folgenden männliche oder weibliche Personenbezeichnungen auftauchen, sind immer beide Geschlechter gemeint. Auf eine explizite Sichtbarmachung wird in diesem Fall verzichtet. 13 Abendlandes“ konnten ihre Anhängerzahlen seit ihrer ersten Demonstration in Dresden am 20. Oktober 2014 in kürzester Zeit stark erhöhen. Während an der ersten Veranstaltung lediglich 350 Dresdner teilnahmen, waren es im Dezember 2014 bereits 15.000 Demonstranten, bis hin zu 25.000 Menschen, die Anfang 2015 durch Dresden „spazierten“ (Reuband 2015: 133). Im Laufe des Spätherbstes entwickelte sich zwar eine Gegenbewegung, die meist parallel zu den Pegida-Abendspaziergängen ebenfalls Demonstrationen abhielt, dennoch konnten die Patriotischen Europäer jede Woche steigende Teilnehmerzahlen aufweisen (Walter 2015: 16-18). Am 10. Dezember 2014 wurde schließlich ein, aus 19 Punkten bestehendes, Positionspapier veröffentlicht (Walter 2015: 17). Unter anderem spricht man sich gegen Waffenlieferungen an Organisationen wie die Arbeiterpartei Partîya Karkerén Kurdîstan (PKK), gegen die Entstehung von Parallelgesellschaften oder „Parallelgerichte“ (bspw. Sharia-Gerichte), gegen eine „politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung“ der deutschen Sprache sowie gegen religiös oder politisch motivierten Radikalismus aus (Pegida Facebook-Seite: Positionspapier, Zugriff 17.07.2015). Ende Januar 2015 gerieten ältere Facebook-Einträge von Lutz Bachmann, dem Gründungsmitglied der Bewegung, an die Öffentlichkeit. Dort äußerte er sich offen feindlich gegenüber Ausländern. Außerdem posierte er auf einem Facebook-Foto verkleidet als Adolf Hitler (Spiegel Online 20.01.2015), woraufhin es innerhalb des Organisationsteams zu heftigen Diskussionen, die schließlich zur Spaltung des PegidaVorstands führten, kam. Kathrin Oertel (ein weiteres Gründungsmitglied der Bewegung) zog sich anschließend, zusammen mit weiteren Mitgliedern der Führungsriege aus der Organisation der Bewegung zurück (Süddeutsche Zeitung 28.01.2015). Nach der Spaltung schien die Bewegung am Ende, so jedenfalls sahen es die Medien sowie einige Politiker. Spiegel Online titelte beispielsweise kurz nach der Bekanntgabe des Rücktritts von Kathrin Oertel (als Schatzmeisterin von PEGIDA), „Zerwürfnis in Dresden: Pegida schafft sich ab“ (Spiegel Online 29.01.2015) und später „Danke, Pegida, das wars!“ (Spiegel Online 10.02.2015). Trotz der negativen Prognosen seitens Presse und Politik schien sich Pegida relativ schnell von der Spaltung des Organisationsteams zu erholen. So titelte Spiegel Online bereits Anfang März: „Anti-Islam-Demos: Pegida wächst wieder“. Die Teilnehmerzahlen reichten zwar nicht mehr an die der Demonstrationen zu Beginn des Jahres heran, dennoch sprach die Polizei von rund 6500 Pegida-Anhängern, die sich montags zum Abendspaziergang trafen (Spiegel Online 10.03.2015). 14 Doch worum geht es bei den „Anti-Islam-Demonstrationen“ der „Wutbürger“, wie sie in den Medien häufig betitelt werden, wirklich? Wer sind sie und vor allem wogegen sind sie? Betrachtet man den Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, lässt sich bereits vermuten, dass es zu den Zielen von Pegida gehört eine „Islamisierung“ Europas zu verhindern. Katrin Oertel formulierte dies in einem Interview mit blu-News zu Beginn der Bewegung wie folgt: „Es geht darum, dass mit zunehmendem Anteil von Muslimen – eigentlich von einer Minderheit von diesen – immer mehr Forderungen an die Gesellschaft gerichtet werden. Auf diese Forderungen wird immer mehr eingegangen.“ (blu-News 11.01.2015) Betrachtet man die Beschreibung, die auf der Pegida-Facebook Seite von den Administratoren über die Bewegung veröffentlich wurde, so scheint es sich um eine Initiative zu handeln, die nicht „politisch korrekt“ sein will und sich damit nicht an den „medialen Mainstream“ sowie die sogenannten „Gutmenschen“ anpasst (PEGIDA Facebook-Seite: Seiteninfo, Zugriff 17.07.2015). Um die Fragen nach den Zielen zu beantworten, wie auch um Informationen darüber zu gewinnen, wer die Menschen sind, die an den Abendspaziergängen durch Dresden teilnehmen, wurden bisher fünf wissenschaftliche Studien aus verschiedenen Fachbereichen durchgeführt und veröffentlicht.2 Die Untersuchungen fanden unabhängig voneinander statt und unterschieden sich nicht nur in ihrem methodischen Vorgehen, sondern teilweise auch in ihrer Schwerpunktsetzung (Reuband 2015: 133). Teilweise wurden sie mittels Face-to-Face Interviews, wie bei der Vorländer-Studie (Vorländer 2015: 13) oder bei Werner Patzelt, der seine Umfrage als einziger auch bei einer stationären Pegida-Veranstaltung durchführte (Patzelt 2015: 2). Dieter Rucht und Franz Walter entschieden sich für Online-Umfragen, wofür Handzettel mit QR-Codes bei den Demonstrationen verteilt wurden (Rucht 2015: 5; Walter 2015: 63). Wofgang Donsbach entschied sich für eine E-Mail Befragung per Zufallsstichprobe in Dresden (donsbach.net 23.01.2015). Ein Problem, das alle der genannten Studien betrifft, ist die Repräsentativität. Kritik an den Studien bezieht sich in erster Linie auf die Ausschöpfungsquote der Umfragen. Die Tatsache, dass lediglich eine Minderheit der Pegida-Demonstranten an den Umfragen teilnahm, führe dazu, dass ausländerfeindliche oder radikale Demonstranten in den Untersuchungen wahrscheinlich eher nicht repräsentiert seien. Die Studien sollten deshalb mit Vorsicht und unter Berücksichtigung der methodischen Vorgehensweisen 2 Hans Vorländer (TU Dresden), Dieter Rucht (WZB und Freie Universität Berlin), Franz Walter (Göttinger Institut für Demokratieforschung), Werner J. Patzelt (TU Dresden), Wolfgang Donsbach (TU Dresden). 15 gelesen werden. Der Vergleich mit Ergebnissen aus anderen Studien ist ebenfalls notwendig, um die Konsistenz der jeweiligen Ergebnisse zu bestimmen (Reuband 2015: 135-136). Bezüglich der Ziele und Motive der Pegida-Anhänger konnte herausgefunden werden, dass nicht wie vermutet Islamfeindlichkeit als Hauptgrund für die Teilnahme an den Demonstrationen angegeben wurde, sondern vielmehr Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen deutschen Politik und deren Distanz zum Volk. Dennoch konnten auch Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern, der Asylpolitik, dem Islam sowie Ausländern festgestellt werden (Reuband 2015: 141-142). Die Ergebnisse zu den Einstellungen und Motivationen der Demonstrationsteilnehmer ergaben ein gemischtes und nicht genau definiertes Bild (Reuband 2015: 142). Um herauszufinden gegen welche Gruppen sich Pegida-Anhänger genau richten und welche Eigenschaften diesen Gruppen zugeschrieben werden, soll in dieser Arbeit eine Analyse der Kommentare von Nutzern auf der Pegida-Facebook-Seite durchgeführt werden. Hierbei ist es wichtig anzumerken, dass die „Pegida-Fans“ auf Facebook nicht die Einstellungen und Orientierungen der Gruppe der Demonstrationsteilnehmer, wie sie von den vorgestellten Studien untersucht wurden, repräsentieren oder widerspiegeln sollen. Einige der Facebook-Nutzer nehmen sicherlich ebenfalls an den Pegida-Veranstaltungen teil, dennoch handelt es sich hier um eine andere Personengruppe, als bei den Umfragen der genannten Studien. 4.2. Zur Methode Um zu analysieren welche Fremdgruppen von den Pegida-Anhängern auf der FacebookSeite konstruiert werden und welche Stereotype diesen zugeordnet werden, wurden zunächst zwei Posts der Facebook-Gruppe ausgewählt. Da die Beteiligung an PegidaVeranstaltungen und der Zulauf, den die Bewegung bekam, zu Beginn des Jahres 2015 besonders hoch war, bot es sich an, Posts aus diesem Zeitraum für die Analyse auszuwählen, da hier mit einer regen und hohen Beteiligung an Diskussionen zu rechnen war. Auch sollten die Posts thematisch möglichst neutral sein und nicht bereits zu Beginn ein bestimmtes Diskussionsthema vorgeben. Damit sollte sichergestellt werden, dass eine möglichst große Bandbreite an Themen zur Sprache kommt und sich die Diskussionen nicht nur auf wenige mögliche Outgroups konzentrieren. Das Ziel war, durch die Auswahl neutraler Ausgangsthemen zu untersuchen, welche Fremdgruppen sich innerhalb der Gespräche ohne vorherige Einflussnahme, durch die Vorgabe eines Themas, identifizieren lassen. 16 Der erste Post, der zur Analyse ausgewählt wurde, war eine Aktualisierung des Titelbildes am 27. Februar 2015, welches die Ankündigung des nächsten Pegida- Abendspazierganges in Dresden, am 02. März 2015 mit dem Aufruf zur Teilnahme, beinhaltete. Der zweite Post, vom 10. Februar 2015, war ein kurzer Nachbericht der Pegida-Kundgebung am Vortag. Dort sprach Tatjana Festerling, aus deren Rede ein kurzer Ausschnitt zitiert wurde. Außerdem wurde der Link zu einem Video, welches die vollständige Veranstaltung zeigt, beigefügt. Bei dieser Kundgebung handelte es sich um die erste Pegida-Veranstaltung nach einer zweiwöchigen Pause, aufgrund der Konflikte innerhalb des Organisationsteams, welche mit dem Rückzug einiger Organisatoren (darunter Katrin Oertel) endeten. Als Untersuchungsmethode wurde die qualitative Inhaltsanalyse gewählt, gestützt durch die Computersoftware MAXQDA11. Da bisher noch keine Untersuchungen der Pegida Facebook-Seite vorliegen und somit nur Vermutungen darüber angestellt werden können, welche Outgroups sich anhand der Diskussionen identifizieren lassen, wird die Analyse explorativ durchgeführt. Als Basismethode für die Untersuchung diente die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Anleitung Udo Kuckartz‘ (Kuckartz 2014: 77-98). Außerdem wurde das von Kuckartz veröffentlichte Lehrbuch „Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten“ (Kuckartz 2010) herangezogen, welches die Software MAXQDA in die Analyse mit einbezieht. Nachdem das Datenmaterial vollständig und genau durchgesehen wurde sowie Auffälligkeiten notiert waren, wurde eine erste Kategorienbildung vorgenommen. Wie bereits erwähnt, wurden noch keine Studien zur Analyse der Pegida Facebook-Seite veröffentlicht, weshalb keine datengestützte Voraussage über die Fremdgruppen, die hier konstruiert werden, getroffen werden konnte. Dennoch wurden bereits im Vorfeld der Analyse Vermutungen darüber angestellt, welche Themen in den Diskussionen dominieren würden. Wirft man einen Blick auf die Pegida-Veranstaltungen, Medienberichte über die Bewegung sowie die Selbstdarstellung der Gruppe auf Facebook, lässt sich vermuten, dass die Gespräche vor allem die „Lügenpresse“, politische Partizipation, Asylbewerber und den Islam thematisieren würden. Die Vermutungen wurden nach erster Durchsicht des Materials teilweise bestätigt, dennoch zeigte sich ein noch komplexeres Kategoriengefüge, als zu Beginn gedacht. In einem nächsten Schritt wurde das gesamte Datenmaterial, mit Hilfe der QDASoftware, vollständig codiert. Durch die Fülle an unterschiedlichen Themen und Gruppen, die innerhalb der Diskussionen zur Sprache kamen, wurden nicht, wie nach 17 Kuckartz, zunächst die Hauptkategorien codiert (Kuckartz 2014: 80-83). Um sicherzustellen, dass keine möglichen Fremdgruppen verloren gehen, wurden die Kategorien direkt anhand der Daten, also induktiv, gebildet. Dies hatte zur Folge, dass nach dem ersten Codierprozess eine Vielzahl an kleinerer und größerer Kategorien existierte. Somit wurde der Schritt der induktiven Bildung von Subkategorien dem der Bestimmung von Hauptkategorien vorgezogen (Kuckartz 2014: 83). Nach der ersten Codierung der Daten wurde bereits sichtbar, welche Gruppen sich zu Hauptkategorien formieren ließen, was nun in einem zweiten Codier-Prozess geschah. Eindeutig identifiziert und zugeordnet werden konnten die Kategorien Medien, Politik, Islam, Ausländer und Asylbewerber, aber auch Pegida-Kritiker sowie die Pegida-Anhänger selbst (Ingroup). Zunächst bildeten die Gruppen ‚USA‘, ‚Ukraine-Krise‘ und ‚Russland‘ eine zusätzliche Kategorie, wurden dann aber als Subkategorien der Gruppe ‚Politik, Politiker und politisches System‘ zugeordnet, da hier immer auch enger Bezug zur deutschen und europäischen Politik genommen wurde. Einen interessanten Faktor stellte die Subkategorie der ‚kritischen Pegida-Anhänger‘ dar. Aus dem Material wurde ersichtlich, dass sich die eigene Identität der Pegida-Anhänger als Gruppe sehr stark in Abgrenzung zu den konstruierten Outgroups definiert (siehe Kapitel 2 dieser Arbeit). Um diese Abgrenzung zu den Fremdgruppen deutlich zu machen, konnte die ‚Retrieval‘-Funktion der QDA-Software genutzt werden, wodurch die Textstellen gefunden wurden, welche sowohl der Ingroup, als auch der jeweiligen Outgroup zugeordnet wurden. Hierüber ließen sich einerseits Erkenntnisse über die Selbstwahrnehmung der Pegida-Anhänger gewinnen, andererseits auch über deren Sichtweise auf die jeweilige Fremdgruppe. Nachfolgend werden zunächst die Kategorien der Outgroups vorgestellt, anschließend wird die Ingroup Pegida und ihre Selbstwahrnehmung dargestellt. 4.3. Die Outgroups 4.3.1. Politik, Politiker und das politische System Generell herrscht unter den Pegida-Anhängern auf der Facebook-Seite großes Misstrauen gegenüber der Politik, Politikern sowie gegenüber dem politischen System im Allgemeinen. Man fühlt sich von Politikern „verraten“ (Post 2: Z. 322, 298), nicht ernst genommen oder übergangen (Post 2: Z. 35). Auch hat man das Gefühl Politiker verrieten ihre eigenen Bürger und deren Kultur (Post 2: Z. 634), was vor allem daran liegen soll, dass sie sich überwiegend mit Flüchtlings- und Asylproblemen beschäftigen, anstatt sich den wirklich wichtigen Themen in Deutschland zu widmen (Um welche Themen es sich hierbei genau handelt wird nicht explizit angesprochen, vermutlich geht es um sozial- und 18 wirtschaftspolitische Probleme, die angegangen werden sollten) (Post 2: Z. 530-532). Auch gibt es Beschwerden darüber, dass nicht ausreichend auf Pegida-Demonstranten eingegangen werde. Politiker sollten den Dialog mit Pegida suchen und auf ihre Sorgen und Ängste eingehen (Post 2: Z. 340-341). Diesbezüglich wird beispielsweise der freie Journalist Alexander Grau zitiert, der schrieb, Pegida-Anhänger werden „von Meinungsmachern dieses Landes wahlweise wie kleine Kinder, Minderbemittelte oder Schwererziehbare behandelt“ und noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik sei das Volk, also der Souverän, derart von Politik, Medien und Verbänden beleidigt worden (Post 2: Z. 284-285). Allgemein sieht man die Hauptschuld an den vorherrschenden Problemen in Deutschland (besonders an der Asyl- und Ausländerproblematik) bei den amtierenden Politikern (Post 2: Z. 714). Dies läge zum Teil daran, dass die Politik stark durch äußere Einflüsse gelenkt sei. Einfluss nehmen einerseits die Wirtschaft und Lobbyisten durch eine „angebliche“ Politikberatung seitens der Interessensvertreter, welche allerdings in erster Linie als Einflussnahme auf politische Prozesse ausgenutzt werde. Auch werden Politiker teilweise als inkompetent für ihr jeweiliges Ressort angesehen. Deshalb sollte es bei der Verteilung von Ämtern in erster Linie um die Eignung der Politiker für das jeweilige Amt gehen (Post 2: Z. 674-675). Es wird auch vermutet, dass die Wirtschaft dahingehend Einfluss auf die Politik ausübt, dass immer mehr Gastarbeiter nach Deutschland geholt werden sollen. Hierdurch solle Vollbeschäftigung verhindert werden, indem mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt geschaffen werde und so die Löhne niedrig gehalten werden können (Post 1: Z. 159). Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf die deutsche und europäische Politik stellen, laut Pegida-Anhänger, die USA dar (Post 2: 17-34). Dass die Vereinigten Staaten scheinbar einen schlechten Einfluss auf Europa ausüben wird aktuell besonders durch die Ukraine-Krise deutlich. Es wird angenommen, dass der Konflikt in der Ukraine und vor allem auch mit Russland gezielt von den Vereinigten Staaten herbeigeführt und forciert werde. Das Ziel sei, Europa durch einen Krieg zu destabilisieren (Post 2: Z. 17-34; 202210; 400-401). Ein weiteres Beispiel, welches zeigen soll, dass von den USA eine große Gefahr ausgeht, sind Warnungen vor dem kurz bevorstehenden 3. Weltkrieg. Diesen herbeizuführen sei ein langfristiges Ziel der US-amerikanischen Politik (Post 1: Z. 173-176; 324-325). Der Mittelpunkt dieses 3. Weltkriegs werde im Nahem Osten liegen, was wiederum einen Rückschluss auf die zunehmende Migration muslimischer Einwanderer nach Europa 19 erlaube, welche von der Politik so gewollt und vorgesehen sei, um die Menschen in Europa für die Geschehnisse im Nahen Osten zu sensibilisieren (Post 1: Z. 176). Was nun als besonders fatal angesehen wird ist, dass sich deutsche und europäische Politiker von der US-Regierung vor den Karren spannen ließen und sich deren Anweisungen vollständig beugten (Post 2: Z. 324; 434). Es lässt sich also eine sehr negative bis feindselige Haltung den USA gegenüber feststellen, gleichzeitig kann auch eine eher positive Einstellung gegenüber Russland und Vladimir Putin beobachtet werden. Pegida-Anhänger sind also weder mit den aktuell amtierenden Politikern, noch mit der Form des derzeit bestehenden politischen Systems zufrieden. So wird gerade von Facebook-Nutzern, die sich noch an die sozialistische Diktatur in der früheren DDR erinnern, die Sorge geäußert, dass man auch in der Bundesrepublik, in gleiche diktatorische Muster verfallen könne (Post 2: Z. 764; 191). Gerade, was die Meinungsfreiheit angeht, wird oft Kritik darüber laut, dass die vom Staat verordneten, Einstellungen und Meinungen keine abweichenden Äußerungen erlauben. Die Meinungsfreiheit in Deutschland werde also unterdrückt (Post 2: 755; 284). Auch gibt es besorgte Stimmen, die vor der Einführung einer neuen Weltordnung warnen. Die Vorstufe hierzu stelle bereits die Entwicklung in Europa dar, nämlich ein immer weiter fortschreitender Machtverlust der Nationalstaaten durch die Abgabe von Kompetenzen an die Europäische Union. Ziel sei es also, die Nationalstaaten sowie Völker und Kulturen abzuschaffen und eine einzige Weltregierung mit diktatorischen Zügen herzustellen (Post 1: Z. 163-164; Post 2: Z. 679). Einzelne Personen, aber auch ganze Gruppen (Politiker und Wirtschaftsbosse), die eine solche Entwicklung vorantreiben, werden auf der Facebook-Seite auch als „Globalisierer“ (Post 2: 434; 634), also Globalisierungsbefürworter bezeichnet (Post 1: Z. 164; Post 2: Z. 634; 340). Ein weiterer Kritikpunkt ist die politische Korrektheit. Hierin wird einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Pegida-Führungsriege und den amtierenden Politikern, gerade in hohen politischen Positionen, gesehen. So rechnet man es Lutz Bachmann beispielsweise hoch an, dass er Probleme direkt anspricht und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt (Post 2: Z. 445), er „spricht die Sprache des Volkes“ (Post 2: 228). Man will also nicht in die gleiche politische Korrektheit und „Wortklauberei“ wie deutsche Politiker verfallen, denn ebendiese produziere „uncharismatische[n] em[o]tionslose[n] Kalkülpolitiker, welche Europa herunterwirtschaften“ (Post 2: Z. 246-248). Die Abgrenzung zur Gruppe der Politiker findet hier also besonders über den Kritikpunkt ‚politische Korrektheit‘ statt. Die Politik konzentriere sich viel zu stark auf die Auswahl 20 einzelner Begriffe und lenke somit von den eigentlichen Problemen ab (Post 2: Z. 256260; 246-248; 445). Bei Pegida werden heikle Themen und schwierige Umstände direkt angesprochen, wie oben bereits am Beispiel Lutz Bachmanns gezeigt wurde. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass auch seitens hochrangiger Politiker des Öfteren Begriffe benutzt werden, welche sicherlich nicht als politisch korrekt gewertet werden könnten. Auch hier wird wieder auf das Beispiel Lutz Bachmann und seine rassistischen Äußerungen zurückgegriffen, der solche Aussagen schließlich als Privatperson getroffen habe, während Politiker ein öffentliches Amt vertreten und sich daher nicht zu Aussagen, wie „Mischpoke“ oder „[N]azischweine“3 (Post 2: Z. 260) hinreißen lassen sollten. Hier wird also der Unterschied zwischen Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden und Privatpersonen hervorgehoben (Post 2: Z. 256-268; 272). Ein weiterer wichtiger Punkt, wodurch sich Pegida von der Politik und Politikern unterscheidet, wird erneut anhand des Beispiels Lutz Bachmann verdeutlicht, welcher sich durch seinen Einsatz bei den Überschwemmungen im Jahr 2013 als ‚Mann des Volkes‘, welcher sich für sein Land, besonders in Krisensituationen, einsetzt, erwies. Während dies von Politikern, wie Angela Merkel, nicht behauptet werden könne (Post 2: Z. 445). Hierdurch zeige sich, dass sich Pegida im Gegensatz zu Politikern, „die meilenweit von der Lebenswirklichkeit der Bürger entfernt“ (Post 2: Z. 634) seien, deutlich näher am Volk und dessen Bedürfnissen befände (Post 2: Z. 228; 323; 445). Als Pegida-Anhänger fühlt man sich von den Politikern und der Politik also schlecht repräsentiert. 4.3.2. Die „Lügenpresse“ Plakate und Sprechchöre, welche den Unmut der Demonstrations-Teilnehmer gegenüber den Medien zum Ausdruck bringen, werden vor allem durch den Begriff „Lügenpresse“ geprägt. Dieser hat besonders bei Demonstrationen schon fast ‚Kult-Status‘ angenommen. Die deutschen Medien zählen damit also ebenfalls zu den Gegnern Pegidas. Dies spiegelt sich auch auf der Pegida Facebook-Seite in verschiedenen Kommentaren wider. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Berichterstattung über die Bewegung als, zum einen nicht wahrheitsgemäß und zum anderen als Versuch, der Bewegung zu schaden, wahrgenommen wird (Post 2: Z. 7; 155-164; 276; 278; 766-773; 781-784). Die Medien werden als Teil des in Deutschland herrschenden Systems gesehen, weshalb sie als sehr einflussreich auf die öffentliche Meinungsbildung gelten. Hieraus ergibt sich auch die Vermutung, dass den Medien zur Verteidigung ebendieses Systems 3 Bezieht sich auf Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), welcher diese Begriffe in Bezug auf PegidaDemonstranten geäußert haben soll. 21 jedes Mittel recht sei, um eine mögliche Gefährdung, wie beispielsweise durch Pegida, abzuwehren. Anhänger der Bewegung werden deshalb schnell in die „rechte Ecke“ geschoben (Post 2: Z. 673). Hierfür verdreht die Presse Tatsachen und schreibt Dinge so zurecht, dass sie Pegida in einem möglichst schlechten Licht darstellen (Post 2: Z. 276). Außerdem werden hierfür besonders Begriffe, wie „asylfeindlich“, „fremdenfeindlich“ oder „islamfeindlich“ benutzt (Post 2: Z. 221). Man spricht stellenweise sogar von einer „Hetze“ seitens der Presse gegen Pegida und seine Anhänger (Post 2: Z. 276). Hierdurch solle die öffentliche Meinung in Bezug auf die Bewegung beeinflusst werden. Dies geschehe auch dadurch, dass Pegida anscheinend für alles, was in Deutschland schief gehe, verantwortlich gemacht werde. Als Beispiel wird auf einen Artikel der OnlineZeitung „VICE“ verwiesen. Diese titelte in einem Beitrag: „Seid ihr jetzt stolz, Pegida?“. Die sich zunehmend häufenden Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland werden hier als Folge der fremdenfeindlichen Propaganda bei Pegida-Veranstaltungen angesehen (VICE 11.02.2015; Post 2: Z. 766-773). Auch in der Vergangenheit Lutz Bachmanns werde nur „geschnüffelt“, um diesen zu diffamieren sowie um Pegida zu schaden (Post 2: Z. 278). Gerade nach dem Skandal um die Führungsriege und die Person Bachmanns schrieben die Medien bereits vom Aus der Bewegung, was beispielsweise vom „Lügen-Spiegel“ als Glücksfall bezeichnet wurde (Post 2: Z. 190). Außerdem wurden Teilnehmerzahlen als deutlich geringer angegeben, als dies tatsächlich der Fall war (Post 2: 7, 190). Teilweise wird sogar davon gesprochen, dass die Skandale um Pegida überhaupt erst „medial gemacht“ seien, um die Bewegung zu stoppen (Post 2: Z. 200). Aus diesen Gründen wird immer wieder dazu aufgerufen, den „Lügen-Medien“ kein Gehör zu schenken, beziehungsweise diese kritisch zu hinterfragen (Post 1: Z. 179; Post 2: Z. 673). Auch werden die Medien als „gleichgeschaltete Lizenzjournaille“ bezeichnet (Post 2: 164). Es werden Vermutungen geäußert, dass die Medien vom Staat gesteuert seien, um so die Meinung in der Bevölkerung zu beeinflussen. Alles was von dieser „gesteuerten“ Meinung abweiche, versuche der Staat und die Medien zu unterdrücken (Post 2: Z. 757). Eine freie Meinungsäußerung sei aus diesem Grund in Deutschland nicht mehr möglich. 4.3.3. Pegida-Gegner und -Kritiker Wie eingangs erwähnt, formierte sich bereits kurz nach der Gründung von Pegida eine Gegenbewegung, welche sich den montäglichen Abendspaziergängen in verschiedenen Städten Deutschlands entgegenstellte. Auch auf der Pegida-Facebook-Seite wird der Konflikt zwischen Pegida-Anhängern und -Gegnern deutlich. Diskussionen geraten 22 schnell außer Kontrolle, werden unsachlich und persönlich. Dabei gehen Beleidigungen und Beschimpfungen nicht ausschließlich von den „Pegida-Fans“ aus. Die Kommentare der Kritiker sind häufig provokant und scheinen nicht auf eine ernsthafte inhaltliche Diskussion abzuzielen. Auf Posts, wie den einer Facebook-Gruppe, welche sich „Gegen Pegida“ nennt und Unterhaltungen auf der Facebook-Seite anhand eines Bildes, mit der Aufschrift „Pegida hat fertig“, kommentiert, wird unmittelbar und im Kollektiv reagiert (Post 2: Z. 330-333). Wie bereits bei der Gruppe der Politiker aufgefallen ist, werden auch in Bezug auf Pegida-Kritiker häufig die Begriffe „Verrat“ und „Verräter“ benutzt. So ist zum Beispiel der Verrat der Gruppe „Gegen Pegida“ für die Anhänger der Bewegung „Ansporn genug“ weiter zu machen (Post 2: Z. 336). Mit „Verrat“ ist in den meisten Fällen der Verrat an der eigenen deutschen Kultur durch Pegida-Gegner gemeint. Wie später noch ausführlicher beschrieben wird, zeichnet sich dieser Verrat vor allem durch einen „Hass auf das Eigene“ (Post 2: Z. 634) aus, also auf das eigene Land, die eigene Kultur und die eigene Bevölkerung (Post 2: Z. 320). Einige kritische Kommentare und die Reaktionen darauf können allerdings häufig nicht nachverfolgt werden, da gegnerische Kommentare des Öfteren deaktiviert oder blockiert werden. Hierzu wurde sogar eine Anleitung von einem Facebook-Nutzer gepostet, welche im Detail aufzeigt, wie man, mit nur vier Klicks, die sogenannten „Trolle“ von der Seite entfernen kann (Post 2: Z. 591). Der Begriff „Trolle“ wird allgemein sehr häufig als Beschreibung für Pegida-Gegner auf der Facebook-Seite benutzt (Post 1: Z. 337, 273; Post 2: Z. 591, 605). Häufig werden kritische Kommentare gar nicht erst ernst genommen und man lässt sich nicht auf eine inhaltliche Diskussion ein, da davon ausgegangen wird, dass sich die Gegner ohnehin nicht ausreichend mit der Bewegung und deren Zielen auseinandergesetzt hätten. Immer wieder werden solche Kommentare mit der Aufforderung, sich doch besser zu informieren, beantwortet (Post 1: Z. 10-16, 321; Post 2: Z. 340, 600). Besonders empfindlich reagieren Pegida-Anhänger auf den Vorwurf, sie würden nicht arbeiten gehen und hätten daher Zeit, montags an den PegidaAbendspaziergängen teilzunehmen. Hier wird meist vehement widersprochen: „3 Schichten arbeite ich, zwei Kinder hab[e] ich auch und genau deshalb bin ich [am] Montag wieder mit dabei!!“ (Post 1: Z. 48-81). Ebenso empfindlich wird auf Kommentare reagiert, welche Pegida-Anhänger als „Nazis“ bezeichnen oder Parallelen zum Dritten Reich andeuten (Post 1: Z. 7-16; Post 2: 314321). Auf die Frage eines Pegida-Gegners hin, ob es wirklich noch genügend Nazis in 23 Deutschland gebe, dass es für einen Abendspaziergang reiche, wird mit Zurückweisen der Anschuldigung reagiert: „Pegida mit Nazi gleichzusetzen ist Verleumdung, [R]ufschädigung“ (Post 1: Z. 314-321). Die Definition der Pegida-Gegner bezieht sich in den Kommentaren sowohl auf die Kritiker, die sich an den Diskussionen auf der Facebook-Seite beteiligen, als auch auf die Gegendemonstranten bei den Abendspaziergängen (insbesondere auf die Antifa), auf den „verweichlichten“ Westen Deutschlands sowie auf Anhänger und Vertreter der MultiKultur. In einem Kommentar werden sie auch als die „Chips-fressenden, allabendlich vorm Fernseher biersaufenden Deutschen“ (Post 2: Z. 764) bezeichnet. Gerade von den Kritikern auf der Facebook-Seite wird angenommen, dass sie nicht zum arbeitenden Bevölkerungsteil Deutschlands gehören, also entweder arbeitslos seien oder Studierende, welche keine Steuern zahlen, vielmehr noch auf Kosten der Steuerzahler leben (Post 1: Z. 55, 71, 125; Post 2: Z. 605, 607) und den ganzen Tag über nichts Besseres zu tun hätten, als provokante Kommentare auf der Pegida-Seite zu hinterlassen. Auch werden Vermutungen, wie diese angestellt: „Wenn ich so die [N]o[P]egida hier sehe, frage ich mich gehören die zu den Salafisten, Hassprediger[n], [Parallel]gesellschaften oder gar ISIS, Boko Haram usw. Oder [sind sie] vielleicht doch nur Christenverfolger.“ In einem weiteren Kommentar geht man davon aus, dass diese in jedem Fall zu den „Deutschlandhassern“ gehören müssen (Post2: Z. 525-528). Noch deutlicher zeigt sich die Aversion der Pegida-Fans, betrachtet man deren Einstellungen und Meinungen gegenüber Gegendemonstranten bei Pegida- Veranstaltungen, insbesondere gegenüber der Antifa. Es wird häufig von der AntifaBewegung im Westen Deutschlands, beispielsweise in Frankfurt und Köln berichtet. Diese scheint dort, laut Pegida-Demonstranten besonders aggressiv und zahlreich aufzutreten, was auch als Grund dafür angesehen wird, dass die Pegida-Veranstaltungen im Westen nicht so erfolgreich sind, wie im Osten Deutschlands (Post1: Z. 330; Post 2: Z. 123, 139, 634). In einem Kommentar wird damit auch die Anwesenheit von Anhängern der Bewegung ‚Hooligans Gegen Salafisten‘ (HoGeSa) auf Seiten der PegidaDemonstranten gerechtfertigt: „Wir brauchen die Hogesa, weil die Antifa hier im Westen zu stark ist. Gleiches Recht für alle. Wenn die mal zuschlagen, laufen die Antifa wie die Hasen! Sind sowieso nur schlecht erzogene Milchbubis.“ (Post 2: Z. 123) Den Gegen-Demonstranten wird auch vorgeworfen, sie würden sich nicht ausreichend von den Mitgliedern der Antifa distanzieren und man müsse deshalb keinen Unterschied zwischen ‚normalen‘ Gegendemonstranten und Antifa-Anhängern machen. Damit seien 24 die Gegendemonstranten „allesamt ohne Ausnahme Linke Dreckschweine“ (Post 2: Z. 270). Als besonders deutliches Beispiel für die aggressive Haltung der Antifa auf der einen und die friedliche Einstellung der Pegida-Demonstranten auf der anderen Seite, wird die Situation bei den Abendspaziergängen von Legida (dem Leipziger Ableger der Pegida-Bewegung) beschrieben. In Leipzig könne man von einem ‚linken Hass‘ auf das eigene Volk sprechen, welcher sich zudem auf das eigene Land, die eigenen Vorfahren und die eigene Kultur beziehe. Die Gewaltbereitschaft der Gegendemonstranten sei extrem hoch. Immer wieder höre man außerdem "Nie wieder Deutschland!"-Rufe von Seiten der eigenen Landsleute. Die linke Gewalt würde allerdings von vielen immer noch als etwas moralisch Legitimes angesehen (Post 2: Z. 634). Wie bereits angesprochen, fallen Pegida-Veranstaltungen in westdeutschen Städten deutlich kleiner aus, als es beispielweise in Dresden oder Leipzig der Fall ist. Daher grenzt man sich auf der Facebook-Seite auch stark vom Westen, beziehungsweise von dem Rest Deutschlands ab. So sind die Menschen, welche in ‚Westdeutschland‘ leben, eine „Kuscheltruppe ohne Mum[m]“ (Post 2: Z. 204), wie sich an dem Beispiel der Montagsdemonstrationen in Duisburg zeige, wo die Teilnehmerzahlen nur sehr gering waren (Post 2: Z. 204-208). Auch fällt häufig der Begriff „Übertoleranz“ in Bezug auf viele Menschen, die im Westen und Norden Deutschlands leben. Diese seien mit ihrer eigenen Kultur überfordert und empfänden nichts als Verachtung für das eigene Land (Post 2: Z. 320). Außerdem werden diejenigen, die sich den Pegida-Demonstrationen nicht anschließen oder an den Gegendemonstrationen teilnehmen als „Gutmenschen“ betitelt, die vor allem im Westen Deutschlands eine Mehrheit darstellen und es der Pegida-Bewegung dort schwer machen würden, Fuß zu fassen. Das Problem sei, dass viele Deutsche die Probleme, welche es im eigenen Land gebe, nicht wahrnehmen (Post 2: Z. 216). Andere würden die Probleme zwar erkennen, trauen sich aber nicht diese, anzusprechen, aus Angst, dann als ‚Nazi‘ bezeichnet zu werden (Post 2: Z. 316). Immer wieder ist die Rede von dem „verweichlichten“, „verblendeten“, „übertoleranten“ Westen, der endlich aufwachen müsse (Post 1: 28, 121; Post 2: Z. 148, 226, 316, 438, 530). Einige Pegida-Fans gehen deshalb davon aus, dass beispielsweise eine Zunahme an kriminellen Übergriffen seitens Asylbewerbern, Flüchtlingen und Ausländern hilfreich sei, um dem Rest Deutschlands die Augen zu öffnen und die dort lebenden Menschen zum Handeln zu bewegen (Post 1: Z. 28, 141). Das Gleiche gilt auch für Vertreter der Multi-Kultur, welche sich für ein „buntes“ Deutschland einsetzen. Dabei würden Probleme in sogenannten deutschen „Ghettos“ 25 ignoriert, welche besonders durch Zuwanderung aus „kulturfremden“ Ländern (womit vor allem islamische Staaten gemeint sind) entstünden. Man übersehe die Gefahren, die eine multikulturelle Lebensweise mit sich bringe (Post 2: Z. 667). Außerdem leben viele Menschen, die von einem „bunten Deutschland“ träumen, fernab von sozialen Brennpunkten und können daher solche Problematiken weder einschätzen noch erkennen (Post 2: Z. 430). Auch wird in diesem Zusammenhang kritisiert, dass bei der Rede von einem „bunten“ Deutschland, nicht das ganze Volk gefragt würde, ob es denn überhaupt „bunt“ sein wolle (Post 1: Z. 135). Dies sei nicht der Fall, „bunt“ wird vielmehr als „ziellos“ und „Mischmasch“ angesehen (Post 2: Z. 48). Um zu zeigen, dass man mit dem Verfolgen der multikulturellen Lebensweise in Deutschland auf dem Holzweg ist, wird auf einen Facebook-Beitrag eines ‚Ausländers‘ verwiesen, welcher die Multi-Kultur „entlarvt“. Dass ‚selbst ein Ausländer‘ erkennt, dass eine solche Lebensweise schädlich ist, wird als zusätzliche Bestätigung des Arguments angesehen (Post 1: Z. 155). In dem Facebook-Beitrag wird die Multi-Kultur lediglich als ein Mittel zum Zweck für die, bereits im Kapitel zur Gruppe der Politik beschriebenen, Einführung einer neuen Weltordnung sowie der Vorbereitung des dritten Weltkrieges angesehen (Post 1: Z. 156185). Gegenüber den Pegida-Gegnern findet eine besonders deutliche Abgrenzung statt. Diese zeigt sich vor allem in Bezug auf den Unterschied zwischen dem Osten und Westen Deutschlands. Während die Menschen im Osten ihre Augen öffnen und die in Deutschland existierenden Probleme deutlich sehen (Post 1: Z. 43), leben viele PegidaGegner im Westen nur in ihrer „kleinen h[e]ilen [W]elt“ (Post 2: Z. 430). Diejenigen, die in Dresden jeden Montag auf die Straße gehen, werden als „wahre Deutsche anders als wir im Islam versauten Westen“ (Post 2: Z. 456) angesehen, welche Mut und Rückgrat zeigen (Post 2: Z. 757). Auch bei den Demonstrationen zeige sich, nach Einschätzung der Pegida-Demonstranten, dass gewalttätige Übergriffe ausschließlich von Gegendemonstranten, insbesondere von der Antifa, ausgingen, während man sich auf Seiten von Pegida von solchen Handlungen distanziere und lediglich friedlich demonstrieren wolle (Post 2: Z. 139, 142, 634). Die Abgrenzung von Pegida-Kritikern auf Facebook sowie auch von Gegendemonstranten fördert, wie oben bereits dargelegt, zusätzlich den Zusammenhalt innerhalb der Ingroup, wie sich in den Diskussionen mit Pegida-Gegnern zeigt. 26 4.3.4. „Gute“ und „schlechte“ Ausländer In Bezug auf Ausländer wird auf der Facebook-Seite deutlich zwischen sogenannten „guten“ und „schlechten“ Ausländern unterschieden. Das heißt, es wird betont, dass man keinerlei Aversion gegen Ausländer habe, die sich in Deutschland integrieren und zur deutschen Kultur passen (Post 1: Z. 96; Post 2: Z. 530). Es wird teilweise sogar auf Stellungnahmen von Ausländern zurückgegriffen, wenn sie die Argumente der PegidaAnhänger stützen (Post 1: Z. 155-185). In dem oben beschriebenen Post eines ‚Ausländers‘, der sich gegen die Multikultur ausspricht, wird deutlich Stellung für ‚Einheimische‘ bezogen: „Man sollte auch den Einheimischen das Recht zugestehen gegen mehr Zuwanderer zu sein ohne sie dabei zu verteufeln.“ (Post 1: Z. 184). Gleichzeitig dürfe man aber nicht nur den Zuwanderern die Schuld zuweisen, da diese auch nur Mittel zum Zweck für die Zukunftsvisionen der Politik seien (Post 1: Z. 184). Wogegen man sich aber als Pegida-Anhänger wendet, ist die, von Ausländern ausgehende, Kriminalität, welche scheinbar stetig zunimmt. Man könne sich in seinem eigenen Land nicht mehr sicher auf den Straßen fühlen. Außerdem müsse man immer mehr Miete zahlen, „damit wir sauber unter Deutschen wohnen können“. „Ausländer in deutscher Politik - Ausländer in deutschen Krankenh[ä]usern, die nicht mal die deutsche Rechtschreibung kennen, geschweige denn Erkrankungen“ (Post 1: Z. 312). Während man sich in Deutschland darauf konzentriert Pegida zu ‚verteufeln‘, sollte man besser Kritik an kriminellen Ausländern üben und versuchen, dieses Problem in den Griff zu bekommen (Post 1: Z. 312; Post 2: Z. 311). Auch führe eine Zunahme an Arbeitskräften aus dem Ausland zu einer stärkeren Austauschbarkeit deutscher Arbeiter, welche schließlich nur noch als „Produktionsfaktoren“ angesehen werden. „Ein möglicher Genozid des deutschen Volkes, der in kommenden Jahrzehnten stattfinden könnte, wird billigend in Kauf genommen.“ (Post 2: Z. 668). Die Vorstellung, eine Integration von Zuwanderern wäre möglich, sei nicht realisierbar, wie sich am Beispiel des Berliner Stadtteils Neukölln zeige, welcher sich durch die hohe Zahl an Einwanderern, wie auch bereits andere Stadtviertel in unterschiedlichen Städten Deutschlands, zu einem Problemviertel, auch „Ghetto“ genannt, entwickelt habe (Post 2: Z. 667). Die Abgrenzung der Ingroup zur Gruppe der „kriminellen Ausländer“ zeigt sich besonders gut am Beispiel Lutz Bachmanns, welcher aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit im Kreuzfeuer der Kritik stand. Hier wird allerdings zu seiner Verteidigung darauf hingewiesen, dass er schließlich deutscher Staatsbürger sei und auch 27 seine Eltern und Großeltern vermutlich bereits einiges für Deutschland getan haben, anders als dies bei straffällig gewordenen Ausländern der Fall sei (Post 2: Z. 428). Dabei wird vergessen, dass sich Bachmann, um einer Haftstrafe in Deutschland zu entgehen, für einige Zeit in Südafrika aufhielt (Süddeutsche Zeitung 21.01.2015). Was allerdings aus den Kommentaren der Pegida-Fans auf der Facebook-Seite nicht klar hervorgeht ist, welche Menschen genau gemeint sind, wenn von „Ausländern“ die Sprache ist. Es kann angenommen werden, dass der Begriff sehr weit ausgelegt wird. Das heißt, bereits angefangen bei Flüchtlingen, über ausländische Arbeitskräfte, kürzlich Zugewanderte, bis hin zu Menschen deutscher Staatsangehörigkeit mit Migrationshintergrund (auch zweiter und dritter Generation), können hier gemeint sein, wenn von ‚Ausländern‘ die Rede ist. 4.3.5. Asylpolitik und Asylbewerber Wie bereits im vorangegangenen Kapitel zur Gruppe der Ausländer, ist die Einstellung der Pegida-Anhänger zu Asylbewerbern und Flüchtlingen besonders von Ängsten vor einer Zunahme an Kriminalität geprägt. Auch hier wird beteuert, dass man gegen Flüchtlinge, die sich integrieren und sich an das in Deutschland geltende Recht halten, nichts habe (Post 2: Z. 322). Was allerdings ein großes Problem darstelle, seien die Flüchtlinge, welche als „Horden da draußen“ oder „Kravallbrüder“ bezeichnet werden. Von ihnen gehe eine reelle Gefahr aus, da es sich hierbei um gewaltbereite, hauptsächlich männliche Flüchtlinge und Asylbewerber handle, welche durch gewalttätige Übergriffe, Diebstähle und Beleidigungen auffielen (Post 2: Z. 311). Als Beispiel, welches als Beweis für diese These dienen soll, wird ein Facebook-Video geteilt, das die aggressive Haltung eines Asylbewerbers gegenüber einem deutschen Polizeibeamten in Zivil zeigt (Post 1: 114-118). Auch wird es als sehr fragwürdige moralische Einstellung gesehen, dass zahlreiche Männer, ohne Frauen und Kinder nach Europa flüchten: „Was sind das nur für Flüchtlinge, lassen Frauen und Kinder zurück, ach ich vergaß die sind ja nichts wert. Kul[t]urelle Bereicherung eben“ (Post 1: Z. 245). Die Reaktion geht zurück auf einen Artikel der Online-Zeitung Politikversagen.de, den diese auf der Pegida-Seite postete (Post 1: Z. 239-242). Ebenfalls kritisch sieht man die Asylbewerber, welche versuchen den deutschen Sozialstaat auszunehmen und „[G]eld abzugreifen“ (Post 1: Z. 96). Hierbei wird vor allem auf Flüchtlinge aus den Balkanstaaten angespielt, was durch ein YouTubeVideo von SpiegelTV „Von Bukarest in den deutschen Sozialstaat: Klein-Rumänien in der Harzerstraße Berlin“ untermauert werden soll (Post 1: Z. 96-99). Es werden zu viele Gelder für Flüchtlinge ausgegeben, welche „Krankheiten, wie Masern, einschleppen 28 Schön auf unsere Kosten werden Einwanderung und Unterbringung finanziert“, während finanzielle Mittel für Schwimmbäder oder andere Freizeitaktivitäten fehlen (Post 1: 312). Deutschland wird als gastfreundliches Land wahrgenommen, dessen Gastfreundschaft aber von Flüchtlingen und Asylbewerbern missbraucht werde. Diese wollen womöglich ihre eigenen Rechtssysteme in Deutschland durchsetzen, wogegen man sich wehren müsse (Post 2: Z. 314). Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt, welcher im Zusammenhang mit dem Thema Flüchtlinge immer wieder aufkommt ist das Asylgesetz, welches als nicht transparent und nicht eindeutig genug angesehen wird. Deutschland sollte sich vielmehr an der Asylpolitik von Kanada oder Australien orientieren, welche deutlich schnellere Asylverfahren praktizieren (Post 1: Z. 329-342; Post 2: Z. 216-219). Dabei wird beispielsweise auch auf einen Focus-Artikel mit dem Titel „Können wir die Lawine aufhalten? - Monatlich 30.000 Kosovaren: Botschaft warnt vor Massenexodus nach Deutschland“ (Focus Online 08.02.2015) verwiesen (Post 2: Z. 216-219). Begriffe wie „Lawine“ oder auch „Asylanten-Tsunami“, wie ihn ein Schweizer Gemeindeammann in der Berner Zeitung verwendete und davon sprach, dass die Menschen in Europa „übertölpelt“ wurden (Berner Zeitung 26.02.2015), werden gerne benutzt, um die Gefahr, die von der fortdauernden Zuwanderung von Flüchtlingen ausgehe zu betonen und zu untermauern (Post 1: Z.. 83-86). Als ein positives Beispiel wird der Einsatz des Bürgermeisters von Niederau in Sachsen gesehen, welcher sich gegen ein „Buntes Niederau“ aussprach und die Einrichtung eines Unterstützer- und Betreuerkreises für Asylbewerber verhindern wollte (Castor Fiber Albicus 26.02.2015) (Post 1: Z. 18-28). Dies wird von Pegida-Anhängern sehr unterstützt: „hoffentlich bleibt der Gemeinderat bei seiner Meinung“ (Post 1: Z. 24). Auch wird darauf hingewiesen, dass die Kommunen, ohne die Unterstützung des Bundes, vollkommen überfordert mit der Flüchtlingsproblematik seien (Post 1: Z. 26). Programme der Bundesregierung, wie das zur Aufklärung: "Mehr Unterstützung, weniger Angst", welches als „40 000 000 Propagandaprogramm“ (Post 1: Z. 88) bezeichnet wird, werden als nicht effizient und ‚herausgeschmissenes Geld‘ kritisiert (Post 1: Z. 112). Die Politik solle sich besser um gerechtfertigte und akute Probleme der deutschen Bürger kümmern (Post 2: 530). Nach Meinung einiger Pegida-Anhänger sollte die Bundesregierung nicht „allen Abfall der Welt“ in Deutschland aufnehmen, denn die meisten Länder seien froh diese Menschen loszuwerden (Post 2: Z. 311). Sollte die Zuwanderung nach Deutschland 29 und Europa weiter ansteigen, habe man auch Angst vor Zwangsunterbringung von Flüchtlingen in Privatwohnungen (Post 2: Z. 530). Damit wird deutlich, dass die abwehrende Haltung von Pegida-Anhängern vor allem mit der Angst vor einer nicht absehbaren Einwanderung von Flüchtlingen nach Europa zusammenhängt. Damit einher geht auch die Befürchtung einer Zunahme an Kriminalität durch Flüchtlinge. Es wird deutlich, dass viel Unwissenheit, besonders über die Menschen, die aus ihren Heimatländern nach Europa flüchten sowie deren Kultur, herrscht. Man geht davon aus, dass es sich vorrangig um „Wirtschaftsflüchtlinge“ handelt. 4.3.6. Islam, Islamisierung, Islamismus Der Islam und die Islamisierung scheinen, zumindest, wenn man dem Namen der Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ folgt, zu den zentralen Themen der Bewegung zu gehören. Dabei geht es, wie auch bei den Outgroups ‚Ausländer‘ und ‚Asylbewerber‘, ebenfalls darum, die eigene deutsche Kultur zu bewahren. Es wird gefordert, „den Fortbestand unserer Kultur, Werte und Traditionen zu gewährleisten“ und der fortschreitenden Islamisierung in Deutschland entgegenzutreten, da „die islamische Kultur mit seinen islamistischen Tendenzen für nicht besonders erstrebenswert“ gehalten wird (Post 2: Z. 669). Auch wenn Deutschland ein weltoffenes Land ist, habe diese Offenheit irgendwann ihre Grenze erreicht, besonders wenn die Gefahr einer „Islamisierung unserer Kultur“ bestehe (Post 2: Z: 672). Es sollte sich jeder in Deutschland einmal vorstellen, was denn passiere, wenn der Islam hier Einzug erhalte. Sicherlich wäre dann auch eine Multi-Kultur, wie sie von einigen in Deutschland gefordert wird, nicht mehr möglich (Post 1: 139; Post 2: 609). Damit wird auch angedeutet, dass der Islam nicht mit westlichem Recht, den Gesetzen und der Kultur vereinbar sei, da die Gesellschaft in Europa vor allem „christlich-jüdisch“ geprägt ist. Eine Vereinbarkeit sei hier nicht möglich, weil „in unseren westlichen Ländern die Gesetze auf Toleranz und biblisch auf Nächstenliebe und Vergebung aufgebaut sind“. Dies sei im Koran anders, weshalb ein friedliches Miteinander nicht funktioniere (Post 2: Z. 744). Es wird auch ein YouTube-Video gepostet, in dem der Engländer Paul Weston unter anderem über seine Einstellung zum Islam spricht (YouTube 21.06.2013). Ein Pegida-Anhänger verweist explizit auf die Stellen in dem Video an denen über den Islam gesprochen wird (Post 1: Z. 44). Dieser wird hier als „primitive politische und religiöse Ideologie“ bezeichnet. Später sogar als die „primitivste, rückständigste und barbarischste Ideologie“. Dabei wird hervorgehoben, dass der Islam nicht nur eine Religion, sondern 30 in der Tat auch eine politische Ideologie darstelle. Die Gefahr der Islamisierung bestehe nun darin, dass die europäische Bevölkerung mehr und mehr abnehme, während die islamische Population stärker als jede andere ansteige. Hieraus werde früher oder später ein religiöser Bürgerkrieg entstehen (YouTube 21.06.2013). Dennoch scheint die Islamisierung vor allem in Deutschland immer weiter voranzuschreiten. Dies liege auch daran, dass Politik und Medien darin kein ernstzunehmendes Problem sehen (Post 2: Z. 463). Gerade im Westen Deutschlands scheint man die Problematik nicht zu erkennen, dort unterwerfe man sich geradezu dem Islam. Als Beispiel wird hier das Teilnahmeverbot eines Charlie-Hebdo-Wagens am Kölner Karnevalsumzug angeführt (Post 2: Z. 757). Während in Nord-Italien beispielsweise durch die Einführung eines Volksentscheids der Bau von Moscheen deutlich erschwert wurde (blu-News 09.02.2015), wie ein Pegida-Anhänger über einen Artikel von blu-News informiert (Post 2: Z. 619-622). Einem Facebook-Nutzer zu Folge kommen täglich 5.000 Muslime nach Europa und werden hier aufgenommen, doch die Gastfreundschaft werde nicht mit Dankbarkeit, sondern mit Gewalt, Mord und Vergewaltigung erwidert (Post 2: Z. 166). Um die Gewalttätigkeit, die angeblich von Muslimen ausgeht zu veranschaulichen und zu belegen, wird auf unterschiedliche Zeitungsartikel verwiesen. Beispielsweise wird in einem Artikel die Situation der Christen im Irak unter der Gewalt des Islamischen Staats (IS) geschildert (Open Doors 06.02.2015) (Post 2: Z. 650-652). Politikversagen.de postet einen Artikel der österreichischen Online-Zeitung unzensuriert.at (Post 1: Z. 209-212), wo vor einer „muslimischen Vergewaltigungswelle“ in Europa gewarnt wird (unzensuriert.at 26.02.2015). Auch wird auf eine Dokumentation des ZDF, über islamistischen Terror, hingewiesen (Post 2: 739-742). Um hier noch einmal auf die Medienkritik Pegidas zurückzukommen, sei darauf hingewiesen, dass man den „LügenMedien“ scheinbar doch glauben kann, zumindest wenn diese von islamistisch motiviertem Terrorismus berichten. Besonders hat man Angst vor dem radikalen Islamismus, wodurch deutsche Polizisten vor allem damit beschäftigt seien, Demonstrationen islamistischer Gruppierungen zu überwachen oder auf Terrorwarnungen, wie bei dem Karnevals-Umzug in Braunschweig zu reagieren (Post 1: 312; Post 2: 530). Es wird daher gefordert, dass es bald eine politische Macht gegen den Islam gibt oder Europa sogar vollständig von diesem befreit wird (Post 1: 312; Post 2: 726). 31 4.4. Die Ingroup: Pegida-Anhänger Wen aber meinen die Pegida-Fans, wenn sie von ‚wir‘ sprechen? Wie definieren sie ihre eigene Gruppe, wer gehört dazu und wer nicht? Bei Pegida-Veranstaltungen sind immer wieder Sprechchöre zu hören, die verlauten lassen: „Wir sind das Volk!“, ein Slogan, welcher auch auf der Facebook-Seite häufiger benutzt wird. Dies wird meist damit begründet, dass man schließlich Steuern zahle: „[Wir] zahlen Steuern und sind somit das[s] Volk“ (Post 2: Z. 39). Pegida-Anhänger stellen also das Volk dar, sie zahlen Steuern und haben daher bestimmte Rechte, für die sie auf die Straße gehen (Post 2: Z. 175). Außerdem sind sie Deutsche sowie ihre Eltern und Großeltern, welche bereits einiges zum Wohlstand dieses Landes beigetragen haben (Post 2: Z. 428, 430). Dies ist auch eine wichtige Tatsache, durch die man sich von Ausländern und Asylbewerbern abgrenzt. Als Deutscher (und als Pegida-Anhänger) bringt man sich in die Gesellschaft ein, man sieht sich als „produktiver [M]ensch“ (Post 2: Z. 430), man kommt aus einem Umfeld, in dem schon immer gearbeitet wurde (Post 1: Z. 69). Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Definition der eigenen Identität findet ebenfalls in Abgrenzung zu einer Fremdgruppe statt. In Abgrenzung zu den Deutschen, welche nicht, wie die Pegida-Anhänger, die in Deutschland vorherrschenden Missstände erkannt haben. Besonders im Gegensatz zum Westen Deutschlands sind Pegida-Anhänger im Osten „intelligente Menschen [die] mit offen Augen leben“ (Post 2: Z. 43). In Dresden sind noch „wahre Deutsche“ zu finden, nicht wie „im Islam versauten Westen“ (Post 2: Z. 456). Pegida-Anhänger verschließen ihre Augen also nicht vor den tatsächlich existierenden Problemen in Deutschland und Europa, stattdessen beweisen sie „Mut und Rückgrat“, wenn sie für ihre Ziele auf die Straße gehen (Post 2: Z. 755, 757). Eine mögliche Erklärung für den unterschiedlichen Erfolg von Pegida in Ost- und Westdeutschland sieht man in der Tatsache, dass man im Osten noch die Erfahrung mit der sozialistischen Diktatur zu Zeiten der DDR miterlebte, wodurch man besonders auf Einschränkungen der Meinungsfreiheit sehr sensibel reagiere, da man die daraus resultierenden Folgen am eigenen Leib miterlebte (Post 2: Z. 764). Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Definition der Gruppen-Identität stellen die Anschuldigungen, unter Pegida versammelten sich auch Anhänger rechtsextremer Gruppierungen, dar. Diese führen dazu, dass die Bewegung in die rechte Ecke gedrängt werde (Post 2: Z. 166, 202). Man fühlt sich missverstanden und zu Unrecht in eine Schublade mit ‚Nazis‘ und ‚Rechtsradikalen‘ gesteckt. Ein Beispiel dafür, dass man mit solchen Erfahrungen nicht alleine ist, zeigt das YouTube-Video des Engländers Paul Weston (Post 1: Z. 32-35), der darin erklärt: „Ich bin ein Rassist“ (YouTube 21.06.2013). 32 In seiner Stellungnahme erklärt Weston, dass er aufgrund seiner politischen Einstellung, besonders gegenüber Ausländern und dem Islam, von politischen Parteien sowie den Medien in seinem Land als Rassist bezeichnet werde. Dies sei nach seiner eigenen Einschätzung nicht der Fall, da er lediglich das Volk und die Kultur seines Landes beschützen wolle. Dennoch werden seine Äußerungen als rassistisch gewertet. Einige Pegida-Anhänger stimmen dieser Wahrnehmung zu: „[I]rgendwie spricht er einem aus der Seele“ (Post 1: Z. 40) und „Dann sage ich auch: Ja, ich bin ein Rassist!“ (Post 1: Z. 44). Pegida-Anhänger fühlen sich in ihrem eigenen Land diskriminiert und ausgegrenzt, indem sie als ‚Nazis‘ oder ‚Rassisten‘ bezeichnet werden (Post 1: Z: 108, 110). Man fühle sich in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt, wenn man sich für die eigene Kultur und das eigene Land nicht einsetzen dürfe ohne direkt als ‚rechts‘ beschimpft zu werden. In Deutschland werde die Kultur von Ausländern über die der Einheimischen gestellt. Man will sich nicht mehr dafür schämen müssen, gerne deutsch zu sein. Man will nicht zusehen müssen, wie die eigene Kultur und der eigene Glaube mit Füßen getreten werden. Stattdessen muss man wieder stolz auf sein Land sein dürfen. (Post 2: Z. 298). Pegida müsse dafür kämpfen, dass ihr Recht auf Meinungsäußerung in Deutschland nicht weiter eingeschränkt werde (Post 2: Z. 436, 730). Erst durch Pegida trauten sich einige wieder offen und lautstark ihre Meinung zu äußern, hierfür müsse man weiterhin eintreten (Post 2: Z. 250). Durch die Spaltung der Führungsriege und den Skandal um Lutz Bachmann entstanden auch innerhalb der Eigengruppe auf Facebook Diskussionen über die Ziele und Einstellungen von Pegida. Einige Anhänger kritisierten den Auftritt Bachmanns direkt nach dem öffentlich werden seiner rassistischen Äußerungen im Internet (Post 2: Z. 4584). Aus Diskussionen, die hieraus resultieren, wird ersichtlich, dass es innerhalb der Ingroup einen starken Zusammenhalt, wie auch Loyalität gegenüber dem Organisationsteam gibt. Bezogen auf Lutz Bachmann sind viele der Meinung, dass ihm seine Fehler verziehen werden sollten und es wird als positiv gesehen, dass er wieder an den Pegida-Veranstaltungen mitwirkt (Post 2: 52, 64). Die Kritik, dass Bachmann rassistische Äußerungen von sich gegeben hätte wird einerseits damit abgetan, dass dies noch vor der Gründung von Pegida stattfand und andererseits damit, dass „jeder von uns [A]lltags[rassismus] benutz[t] den höre ich von jedem und überall...“ (Post 2: Z. 64). Außerdem sollten diesen Äußerungen nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden (Post 2: Z. 278). Generell werden die Äußerungen Bachmanns heruntergespielt, nicht nur indem darauf hingewiesen wird, dass schließlich jeder einmal Fehler begeht (Post 2: Z. 33 72), sondern auch indem auf Aussagen hochrangiger deutscher Politiker hingewiesen wird, die als mindestens genauso verwerflich angesehen werden. Wie schon in dem Kapitel zur Outgroup der Politiker beschrieben, wird hier davon ausgegangen, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und, dass es zahlreiche Aussagen von Politikern gibt, welche nicht als politisch korrekt gelten können (Post 2: Z. 246-248, 258, 260, 268, 272). Bachmann wird als Mann des Volkes gesehen, der direkt ausspricht, was er denkt und sich nicht mit politischer Korrektheit aufhält (Post 2: Z. 228, 290). Man müsse berücksichtigen, dass sich Bachmann stark für Pegida eingesetzt hat und die Bewegung gegen Kritik von allen Seiten gründete. Um ihm zu schaden wurden Fehler in seinem Lebenslauf gezielt gesucht und zum Teil auch erfunden, er sollte hierfür nicht auch noch aus den eigenen Reihen Kritik ernten. (Post 2: Z. 445). Die Kritik an Bachmann kam nämlich in diesem Fall tatsächlich aus den eigenen Reihen, von Pegida-Anhängern selbst, die vor rechtsradikalen Aussagen und Gedankengut warnen. Man müsse sich von solchen Äußerungen distanzieren, da man sich hierdurch noch angreifbarer für die Gegner mache und somit neuen Zündstoff für Kritik liefere (Post 2: 45, 56, 221). Dies gelte auch für Äußerungen, welche zu gewaltbereitem Verhalten aufrufen. Nicht nur durch die Antifa sei die Stimmung bei den Abendspaziergängen so aggressiv aufgeladen, auch PegidaAnhänger müssen dafür sorgen, dass sich unbeteiligte Bürger wieder sicher in der Stadt fühlen können (Post 2: 274). Solchen kritischen Äußerungen wird des Öfteren entgegengesetzt, dass der Ruf Pegidas bereits bewusst durch die Medien geschwächt wurde und die Bewegung und deren Anhänger sich solche Anfeindungen seitens der Presse und Politik nicht länger gefallen lassen müssten (Post 2: Z. 276). Was ebenfalls auffällt ist, dass mehrmals (von derselben Person) darauf hingewiesen wird, sich keine Sorgen zu machen und darauf zu vertrauen, dass das Organisationsteam schon die richtigen Entscheidungen treffen werde: „Das hat schon alles seine Richtigkeit denn sie wissen was sie tun lasst [e]uch nicht [a]ufhetzen oder [i]rritieren“; „Was Herrn Bachmann betrifft es geht schon alles in die richtige Richtung[.] Machen Sie sich darüber doch keinen Kopf[.] Ich kann Ihnen versichern das[s] ist nicht Ihre Aufgabe“ (Post 2: Z. 50, 226, 232). Hierin zeigt sich, dass die Loyalität gegenüber dem Organisationsteam von Pegida teilweise sehr stark ist und darauf vertraut wird, dass die Entscheidungen der Führungsriege die Richtigen sind. Während solcher Diskussionen ist auch zu beobachten, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Pegida-Anhänger in keiner Weise mit ‚Nazis‘ gleichzusetzen sind. Sicherlich haben die meisten Anhänger eine eher „rechte“ politische Einstellung, 34 was allerdings nicht automatisch „rechtsradikal“ bedeutet (Post 2: Z. 70, 82). Viel wichtiger als sich an solchen Kleinigkeiten, wie der Debatte um Lutz Bachmann aufzuhalten, sei allerdings der Zusammenhalt (Post 2: Z. 266). Pegida sollte als eine Meinungsplattform angesehen werden, die auch als Ventil für die Unzufriedenheit der Bürger dienen kann (Post 2: Z. 238, 282). Dieser Ansicht sind allerdings nicht alle PegidaAnhänger, einige sehen die Diskussionen auf der Facebook-Seite eher als überflüssig an und bezeichnen Mitglieder ihrer eigenen Gruppe als „weichgespült“ (Post 2: 375). Andere sehen die Spaltung der Führungsriege nicht als Versagen oder ein erstes Zeichen für die Auflösung der Bewegung, sondern vielmehr als „Selbstreinigungsprozess! Der Druck hat das Weiche aus den Rohren gespült - nun geht es weiter.“ (Post 2: Z. 434). Dies zeigt, dass es auch innerhalb der Ingroup unterschiedliche Ausprägungen in den Einstellungen der Mitglieder gibt, gerade was den Einfluss rechtsextremen Gedankenguts betrifft. So wirkten die Äußerungen Lutz Bachmanns auf einige Anhänger abschreckend und besorgniserregend, man solle sich von solchen Aussagen distanzieren, um der Gegenseite nicht noch mehr Gründe zu liefern, Pegida in die „rechte“ Ecke zu schieben. Andere taten dies als früheren Fehler der Führungsperson ab, welcher nichts mehr mit Pegida als Bewegung zu tun habe, der Skandal wird nicht sehr ernst genommen und man solle sich eher darauf konzentrieren die Bewegung weiter voranzutreiben. Einige wenige begrüßten anscheinend die Spaltung der Führungsriege, welche aus den Streitigkeiten um die Person Bachmanns resultierte, da sich hierdurch zeigte, wer den ‚harten Kern‘ der Gruppe darstelle (Post 2: 434). Dabei wird auch ein entschiedeneres Vorgehen gegen Angriffe der Gegenseite gewünscht (Post 2: Z. 270, 276, 288): „Aktion – Reaktion“ (Post 2: Z. 288). Ein Pegida-Anhänger schreibt bezüglich der entstandenen Debatte um das Organisationsteam, auf der Facebook-Seite träfen sich vor allem „die ganzen "extremen" Idealisten und zwar von beiden Seiten. Da prallen Welten aufeinander. Das zeigt wie sehr schon das Volk gespalten ist.“ (Post 2: Z. 278). Die Diskussion zeigte aber nicht nur, dass eine Spaltung zwischen Pegida-Anhängern und –Gegnern existiert, sondern auch innerhalb der Eigengruppe unterschiedliche Haltungen eingenommen werden. 4.5. Zusammenfassung und ergänzende Bemerkungen Es konnten also insgesamt sechs Outgroups identifiziert werden, die durch die PegidaAnhänger innerhalb der ausgewählten Posts auf der Facebook-Seite konstruiert wurden. Einigen der Outgroups wurden noch weitere Sub-Codes zugewiesen. Die Gruppe ‚Politik, Politiker und politisches System‘ umfasst ebenfalls die Untergruppen ‚aktuelle politische Situation‘, womit vor allem die Situation in der Ukraine 35 gemeint ist sowie die Einflussnahme der USA auf die deutsche und europäische Politik. Eine weitere Untergruppe besteht aus der Wirtschaft und Lobbyisten, welche die Politik und Politiker zu ihren Gunsten lenken. Außerdem beinhaltet die Outgroup ‚Politik‘ die Untergruppe ‚Politische Korrektheit‘, welche einen besonders wichtigen Faktor bei der Abgrenzung der Ingroup spielt. Von Politik und Politikern fühlen sich Pegida-Anhänger in erster Linie schlecht repräsentiert und auch „verraten“ (siehe Kapitel 4.3.1). Von „Verrat“ wird ebenfalls in Bezug auf Pegida-Kritiker gesprochen, welche sich von ihren eigenen Mitbürgern (den Pegida-Anhängern) abwenden und sich sogar gegen sie richten. Auch Pegida-Kritiker werden durch die Anhänger auf der Facebook-Seite in verschiedene Untergruppen eingeteilt. Als besonders verwerflich wird der Zusammenschluss von Gegendemonstranten mit Mitgliedern der Antifa gesehen, welche bei den Abendspaziergängen von Pegida meist ein großes Gewaltpotential darstellen. Anhänger der multi-kulturellen Lebensweise sowie die Multi-Kultur im Allgemeinen werden ebenfalls stark kritisiert und von dem „verweichlichten Rest Deutschlands“ grenzt man sich ohnehin ab. Mit dem „Rest Deutschlands“ ist in erster Linie der Westen gemeint, wo man die Gefahren und Missstände, die in Deutschland herrschen, noch nicht erkannt habe (siehe Kapitel 4.3.3). Die Fremdgruppe ‚Lügenmedien‘ muss nicht weiter unterteilt werden. Hier sind alle einschlägigen deutschen Medien gemeint. Um zu vermeiden, dass man sich selbst dem staatlichen Einfluss auf die Meinungsbildung aussetzt, wird empfohlen, sich für die Informationsbeschaffung besser auf das Internet zu verlassen (Post 2: Z. 673). In der Tat wird auf der Pegida Facebook-Seite häufig auf Online-Zeitungen verwiesen, deren Berichterstattung sich Ausländerkriminalität vor oder allem auf Themen, Mainstream-Kritik wie konzentriert Asyl, Islamisierung, (politikversagen.de; journalistenwatch.com). Zeitungen, wie Journalistenwatch.com oder Politikversagen.de, weisen auch eine Nähe zur Pegida-Bewegung auf. So hat Politikversagen.de, welche laut eigener Aussage eine „systemkritische Presseschau“ anbietet, sogar eine eigene Sparte über die Patriotischen Europäer eingerichtet (politikversagen.de). Auch auf die OnlineZeitung blu-News.de wird des Öfteren hingewiesen, welche offensichtlich zu den Medien gehört, die von Pegida-Anhängern als vertrauenswürdig angesehen werden. Allerdings halten sich nicht alle Pegida Facebook-Fans an das selbst auferlegte „Medienverbot“. Nicht selten wird auf Artikel von Zeitungen, wie Focus oder die Huffington Post hingewiesen (Post 1: Z. 129-132; Post 2: Z. 216-219). Zum einen, um mit diesen Artikeln die eigenen Argumente zu stützen, zum anderen, um diese zu kritisieren. 36 Bei der Fremdgruppe ‚Ausländer‘, wird wie bei den ‚Asylbewerbern‘ häufig zwischen „guten“ und „schlechten“ Ausländern unterschieden (siehe Kapitel 4.3.4). Der Gruppe ‚Asylbewerber und Asylpolitik‘ werden, was Kriminalität angeht, nahezu die gleichen Stereotype zugewiesen, wie der Gruppe der Ausländer. Hinzu kommt hier noch, dass davon ausgegangen wird, das langsame Asylverfahren werde ausgenutzt, um so viele Sozialleistungen wie möglich zu erlangen und sich so an deutschen Steuergeldern zu bereichern (siehe Kapitel 4.3.5). Bei den beiden eben genannten Outgroups wird die kulturelle Fremdartigkeit hervorgehoben, welche zum einen nicht mit der deutschen und europäischen Kultur in Einklang zu bringen ist, zum anderen bei den Pegida-Anhängern die Angst vor gewalttätigen und kriminellen Übergriffen auslöst. Diese Einstellung kann auch gegenüber dem Islam beobachtet werden. Hier ist nicht nur das Problem, dass der Islam als Religion und Kultur nicht zu Europa passt, sondern, dass ihm auch Rückständigkeit, Gewaltbereitschaft und Terrorismus als tief verankerte Eigenschaften zugewiesen werden (siehe Kapitel 4.3.6). Die Pegida-Anhänger, als Angehörige der Ingroup, grenzen sich von all diesen Outgroups ab und definieren über diese Abgrenzung ihre eigene Identität. Dabei wird deutlich, dass auch bei Pegida als Ingroup, unterschiedliche Untergruppen gebildet werden können. Die Konflikte innerhalb der Führungsriege hatten hier sicherlich ebenfalls Einfluss darauf, dass durch die Diskussionen, die kurz danach auf Facebook stattfanden, auch die Untergruppe der ‚kritischen Pegida-Anhänger‘ ausgemacht werden kann. Gerade mit der Person Lutz Bachmann setzten sich die Facebook-User auseinander, worüber die Meinungen auch innerhalb der Gruppe auseinander gingen (siehe Kapitel 4.4). Wenn von den Pegida-Anhängern und deren Diskussionen auf der Facebook-Seite gesprochen wird, muss auch angemerkt werden, dass einige Nutzer immer wieder in unterschiedlichen Gesprächen auftauchen. Bei manchen ist zu beobachten, dass die Konfrontation mit Pegida-Gegnern auf der Facebook-Seite gesucht wird (Post 2: Z. 576). Ein weiterer Nutzer verweist in seinen Kommentaren (Post 2: Z. 463-466; Post 1: Z. 103106) mehrmals auf einen YouTube-Kanal, welcher in zahlreichen Videos verschwörungstheoretisch gegen das politische ‚Establishment‘, die USA, den „Genozid am deutschen Volk“, Flüchtlingspolitik, Ausländer u.v.m. hetzt (Reconquista Germania, Zugriff 13.08.2015). Einige Wissenschaftler gehen auch der Frage nach, ob der Rechtsextremismus- und Rassismus-Vorwurf an Pegida gerechtfertigt sei. So schreibt Martin Bodenschein: „Die 37 PEGIDA-Bewegung kann als ein Extremismus der Mitte definiert werden“ (Bodenstein 2015: 19). Er spricht in Bezug auf die Positionen von Pegida-Anhängern von einem „kulturellen Rassismus“, welcher rassistische Praktiken fördert, was beispielsweise der enorme Anstieg von Übergriffen auf Flüchtlingsheime zeigt (Bodenstein 2015: 19). Auch Dierk Brostel beschäftigt sich mit der Frage, ob es sich bei Pegida um eine rechtsextreme Bewegung handelt. Er sieht die Nähe zwischen Pegida-Demonstranten und rechtsextremen Gruppierungen vielmehr als „Trittbrettfahrerversuch“ seitens der rechten Szene, um auf den erfolgreichen Zug der Pegida-Bewegung aufzuspringen (Brostel 2015: 63). Um eine sichere Aussage darüber zu treffen, ob es sich bei Pegida tatsächlich um eine rechtsextreme oder rassistische Bewegung handelt, müssen zunächst noch weitere Untersuchungen angestellt werden. Auf der Facebook-Seite lassen sich vereinzelt Hinweise auf rechtsextreme Einflüsse finden. Ein Nutzer verweist zum Beispiel auf zwei Artikel, über „Ausländer“ und über den „Hooton Plan“, des rechtsextremen OnlineLexikons Metapedia (Post 1: Z. 279-282). 5. Fazit Wie Tajfel und Turner in ihren „Minimal Group Studies“ zeigten, kann eine Diskriminierung zwischen Gruppen bereits unter sehr minimalen Umständen stattfinden (Tajfel 2010: 180). Das Individuum, welches einer Gruppe angehört, identifiziert sich über die jeweiligen Eigenschaften der Ingroup. Gleichzeitig hängt aber die Zugehörigkeit eines Individuums zu seiner Gruppe auch von der Existenz einer oder mehrerer Fremdgruppen ab (Haslam 2010: 342). Im Laufe der Analyse konnte festgestellt werden, dass sich die Pegida-Anhänger als Ingroup, insgesamt von sechs Outgroups abgrenzen. Durch die Abgrenzung von diesen Gruppen sowie durch das Zugehörigkeitsgefühl zur Ingroup, entsteht eine soziale Identität. Hierzu trägt auch die äußere Wahrnehmung der Gruppenzugehörigkeit bei (Tajfel 2010: 180). Im Falle Pegidas ist sehr gut zu beobachten, dass sich die Gruppe über die Abgrenzung zu ihren Outgroups definiert. Gerade wenn sich Pegida-Anhänger im Osten, dem „verweichlichten“ Rest Deutschlands gegenüber überlegen sehen oder Lutz Bachmann als Mitglied der Führungsriege Probleme direkt anspricht und nicht, wie deutsche Politiker, in eine politische Korrektheit verfällt, zeigt sich, dass die eigene soziale Identität auch stark von den Unterschieden zwischen In- und Outgroup beeinflusst wird. Aber auch die Wahrnehmung von außen spielt eine wichtige Rolle bei der Definition der sozialen Identität. Die Stigmatisierung von Pegida, als rechtsextrem oder rassistisch durch die Medien und Öffentlichkeit, führen dazu, dass man sich als Pegida-Anhänger zwar nicht verstanden fühlt, dennoch als eine Gruppe 38 wahrgenommen wird, wodurch ein gewisser Zusammenhalt innerhalb der Eigengruppe entsteht. Als Grund für einen Konflikt zwischen zwei Gruppen sehen Tajfel und Turner entweder den Wunsch nach höherem gesellschaftlichem Status oder die Unzufriedenheit mit der eigenen Position in der Gesellschaft (Tajfel 2010: 181). Je nachdem, ob die soziale Situation als sicher oder unsicher angesehen wird, fällt dann die Wahl auf eine bestimmte Strategie zum sozialen Handeln (Tajfel 2010: 186). Die Unzufriedenheit der PegidaAnhänger richtet sich in zwei Richtungen, nämlich nach unten, also gegen „untergeordnete Gruppen“, wie Minderheitengruppen (Ausländer, Migranten, Muslime, Asylbewerber, Flüchtlinge), aber auch nach oben, gegen dominierende Gruppen, wie die Politik, Medien, der „Rest Deutschlands“. Um die eigene Position in der Gesellschaft zu verbessern, wird auch versucht, die äußeren Wertzuschreibungen für die Ingroup, welche im Fall von Pegida eher negativ ausfallen, aufzuwerten (Tajfel 2010: 184). Hierzu kann der Slogan „Wir sind das Volk!“ gezählt werden, welcher die eigene Stellung als Souverän dieses Landes erhöhen soll. Da es die Ingroup in der Regel vermeidet, sich mit Outgroups zu vergleichen, welche hier vermutlich positiver abschneiden würden, scheint es zunächst ungewöhnlich, dass Pegida die Konfrontation mit möglicherweise übergeordneten Gruppen sucht (Tajfel 2010: 184). Zum einen ist im Fall von Pegida allerdings die Frage, ob sie sich als Ingroup überhaupt unterlegen gegenüber Gruppen, wie dem ‚Rest Deutschlands‘, fühlen. Durch die Aufwertung ihrer eigenen Gruppe als ‚das Volk‘, erhebt sich die Ingroup selbst in eine höhere gesellschaftliche Position. Zum anderen sind Pegida-Anhänger der Meinung, bei der Verteilung von Ressourcen in Deutschland stark benachteiligt zu sein. Zu viel Geld fließe in die Flüchtlingspolitik, während die eigene, deutsche Bevölkerung zurückstecken müsse. Nach Tajfel und Turner führt eine solche Situation (ungerechte Ressourcenverteilung) zu konkurrierendem, ethnozentristischem Verhalten, also zur Strategie der Social Competition (Tajfel 2010: 184-185). Außerdem werden die Statusbeziehungen innerhalb der Gesellschaft von Pegida nicht als undurchlässig angesehen, wodurch von einer unsicheren gesellschaftlichen Situation ausgegangen wird. Daher empfindet die Gruppe ihre eigene soziale Identität als unsicher und sieht ihre Möglichkeiten auf positive Unterscheidbarkeit als gefährdet (Tajfel 2010: 186). In Bezug auf ihre Outgroups sind sich Pegida-Anhänger meist über die Zuteilung von Stereotypen zu den jeweiligen von ihnen konstruierten Kategorien einig. Dies ist nach Tajfel eine wichtige Voraussetzung für soziale Stereotype (Tajfel 1982: 42). Betrachtet 39 man beispielsweise das Stereotyp „Ausländer/Flüchtlinge sind fast alle kriminell“, so zeigt sich, dass einzelne ‚extreme Ereignisse‘ hervorgehoben und als repräsentativ für eine ganze Gruppe angenommen werden. Tajfel spricht in einem solchen Fall von „illusionärer Korrelation“, die häufig, besonders im Zusammenhang mit Minderheiten, auftritt (Tajfel 1882: 47). Die Kommentare der Pegida-Anhänger auf Facebook zeigen, dass zum einen viel Unwissenheit, besonders über Flüchtlinge sowie deren Herkunftsländer und -kulturen herrscht, wodurch die Zuwanderung nach Deutschland und Europa vorwiegend als Gefahr wahrgenommen wird (siehe Kapitel 4.3.5). Auch wird davon ausgegangen, die deutsche Politik sei mit der hohen Anzahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern überfordert (siehe Kapitel 4.3.1). Zum anderen scheint aber nicht nur die Politik überfordert zu sein. Beobachtet man die Diskussionen der Pegida-Anhänger, entsteht der Eindruck, dass die fortschreitende Globalisierung für einige Facebook-Nutzer zu schnell von statten geht und aus diesem Grund abgelehnt wird. Die Entwicklung hin zu einem globalisierten, weltoffenen Deutschland wird als Gefahr für die soziale Sicherheit der Bürger angesehen (Post 2: Z. 634, 677). Um die Ereignisse in dieser komplexen Welt, die von einigen Pegida-Anhänger als Überforderung wahrgenommen wird, besser zu verstehen und zu ordnen dienen Kategoriensysteme sowie ihnen zugeteilte Stereotype (Tajfel 1982: 54). In den Diskussionen auf der Pegida-Facebook-Seite werden klare Feindbilder konstruiert, die für die bestehenden Probleme in Deutschland und Europa verantwortlich gemacht werden. Schuld sind vor allem die Politik und Politiker, welche ihrer eigentlichen Aufgabe, die Bürger dieses Landes und deren Interessen zu vertreten, nicht gerecht werden. Feinde sind all diejenigen, welche diese Missstände nicht erkennen und statt für ihr eigenes Land einzutreten, gegen die eigenen Mitbürger vorgehen. Feinde sind auch diejenigen, die als ‚kulturfremd‘ angesehen werden und nach Deutschland kommen, um sich auf Kosten der Steuerzahler zu bereichern. Man selbst sieht sich als Pegida-Anhänger in erster Linie als deutscher Staatsbürger und damit als Teil des Volkes, dessen Meinung, als Souverän des Landes, Beachtung geschenkt werden sollte. Zwar hat Pegida mittlerweile an seiner ursprünglichen Faszination verloren, dennoch bleiben die grundlegenden Gedanken und Ideen weiter in den Köpfen der „Wutbürger“, deren Frust sich vermutlich auch in Zukunft auf unterschiedliche Art und Weise entladen wird (Weißengerber 2015: 160). 40 Literaturverzeichnis Bielicki, Jan (2015): Gabriel nennt Pegida-Krise "Erlösung für Dresden", in: Süddeutsche Zeitung (sz.de), 28.01.2015, http://www.sueddeutsche.de/politik/ruecktritt-von-oertelgabriel-nennt-pegida-krise-erloesung-fuer-dresden-1.2325111 (15.08.2015). blu-News (2015): Norditalien erschwert Bau von Moscheen, in: blu-News, 09.02.2015. Online verfügbar unter http://www.blu-news.org/2015/02/09/norditalien-erschwert-bau-vonmoscheen/, zuletzt geprüft am 08.08.2015. Bodenstein, Martin (2015): Zeitgemäß rückwärtsgewandt. PEGIDAs Rassismus ohne "Rassen", in: Informationszentrum Dritte Welt (iz3w), 349, S. 17–19. 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Mir ist bewusst, dass ein Täuschungsversuch oder ein Ordnungsverstoß vorliegt, wenn sich diese Erklärung als unwahr erweist. § 20 Absatz 3 Kern-Beifachordnung (s.u.) habe ich zur Kenntnis genommen. ________________________________ __________________________ _______________ Ort, Datum Unterschrift Auszug aus § 20 Abs. 3 Kern-Beifachordnung: Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß (3) Versucht die Kandidatin oder der Kandidat das Ergebnis einer Prüfung durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilfsmittel zu beeinflussen, gilt die betreffende Prüfungsleistung als mit „nicht ausreichend“ (5,0) absolviert (…) Auszug aus § 20 Abs. 3 Kern-Beifachordnung: schriftliche Prüfungen (2) Bei der Abgabe der Hausarbeit hat die oder der Studierende eine schriftliche Erklärung vorzulegen, dass sie oder er die Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat; bei einer Gruppenarbeit sind die eigenständig sowie gegebenenfalls die gemeinsam verfassten Teile der Arbeit eindeutig zu benennen. i