Journal - Die Fachwelt

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physio
2. Auflage 2013
Journal
Aus der Praxis
Fallbeispiel
Unterschenkelschaftfraktur
Wissenschaftlicher Beitrag
Evidenz am
Beispiel des
Patellofemoralen
Schmerzsyndroms
Zum Sammeln!
Muskelanatomie
»Mobilisation mit Bewegung«
Das Mulligan Konzept
Braintuning
Goodbye Gedächtnislücken –
die Zahlenmethode
INHALT
Impressum
physio-JOURNAL
Verlag
Die Fachwelt Verlags- und Handelsgesellschaft mbH
Ifenpfad 2–4 · 12107 Berlin
INHALT
EDITORIAL
Geschäftsführer
Benjamin Bareiss
TITELTHEMA
Herausgeber/Redaktion
Anna Heller, Marburg
Stephan Kruft, Marburg
MULLIGAN – MOBILISATION WITH
MOVEMENT
6
Wissenschaftlicher Beirat
Verena Gesing M.Sc., Dortmund
Dr. Bernard C. Kolster, Marburg
Prof. Udo Wolf, Bochum
Franz van den Berg, Innsbruck
WORKSHOP MANUELLE THERAPIE:
UNTERSCHENKELFRAKTUR
10
Erscheinungsweise
4 Ausgaben/Jahr
WISSENSCHAFT: MANUELLE THERAPIE BEIM
PATELLOFEMORALEN SCHMERZSYNDROM
13
Layout/Producing
Lydia Kühn, Aix-en-Provence, Frankreich
VORGESTELLT
Druck
AZ Druck- und Datentechnik, Berlin
Redaktionshinweise
Wie jede Wissenschaft ist die Medizin/Physiotherapie
ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und
klinische Erfahrung erweitern unsere Erkenntnisse, insbesondere was Behandlung und medikamentöse Therapie anbelangt. Soweit in diesem Werk eine Dosierung
oder eine Applikation erwähnt wird, darf der Leser darauf
vertrauen, dass Autoren, Herausgeber und Verlag große
Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem
Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht. Für
Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer ist angehalten, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten Präparate
und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten
festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von Kontraindikationen
gegenüber der Angabe in diesem Heft abweicht. Eine solche Prüfung ist besonders wichtig bei selten verwendeten
Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt gebracht
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© Die Fachwelt Verlags- und Handelsgesellschaft mbH
Ifenpfad 2–4 · 12107 Berlin
Leute: Dr. Martina Dietl-Fried 16
Schule: Hogeschool van Arnhem en Nijmegen, Niederlande
Blickwinkel: Hebamme 21
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BRAINTUNING
Lerntechniken: Zahlmethode 24
Wissenscheck 25
Wissenscheck Antworten Ausgabe 1
Anatomie zum Herausnehmen 27
Befundbogen Knie 28
26
FÜR DEN PRAXISALLTAG
Tests und Assessmentinstrumente 29
Diagnostik: Computertomographie 31
Studienzusammenfassung 36
KONGRESSBEOBACHTER
Landesjuniorentreffen in Bollmannsruh
Hauptstadtkongress 2012 39
38
FRISCH EINGETROFFEN
Das Muskelbuch
40
MITMACHEN & GEWINNEN
Fallquiz 41
Macht mit 42
INSIDER
PT-Geflüster
Comic 44
43
VERANSTALTUNGEN & TERMINE
Veranstaltungskalender
45
AUSBLICK
Das erwartet euch in der nächsten Ausgabe
46
physio-Journal
5
TITELTHEMA
»MOBILISATION MIT
BEWEGUNG«
DAS MULLIGAN KONZEPT
fotolia: © underdogstudios
Text: Dr. Claus Beyerlein
! Die Behandlung von Patienten mit Beschwerden am neuro-muskulo-skelettalen
System gehört für Physiotherapeuten und
im Speziellen für Manualtherapeuten heutzutage zum Standardrepertoire. Eine Fülle
von Techniken spiegelt den Therapiealltag
der Therapeuten wieder. Aus der Manuellen Therapie sind Traktion und gehaltenes
Gleiten ebenso bekannt wie oszillierende
Mobilisationen, insbesondere dann, wenn
eine Schmerzreduktion im Vordergrund
steht. Kombiniert man eine aktive und eine
passive Mobilisation miteinander, spricht
Brian Mulligan von »Mobilisation with movement«, kurz MWM. In Deutschland schätzen mehr und mehr Therapeuten diese Behandlungsform als wichtige Ergänzung ihres
therapeutischen Handelns. Ziel des Artikels
ist es, das Konzept vorzustellen und einige
elementare Prinzipien zu erläutern.
Entwicklung
Seit Mitte der 90iger Jahre kennt man das
Mulligan-Konzept als Zusatzqualifikation
innerhalb der Manuellen Therapie auch in
Deutschland. In angloamerikanischen Ländern, besonders in Neuseeland, Australien
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physio-Journal
und England, ist es fester Bestandteil der physiotherapeutischen Ausbildung. Brian Mulligan ist Physiotherapeut und Gründer des
Konzepts. Er stammt aus Wellington/Neuseeland und ist Ehrenmitglied der New Zealand Society of Physiotherapists (Abb. 1 mit
Dr. Claus Beyerlein). Mulligan selbst versteht
seine Techniken und Ideen als Ergänzung der
Manuellen Therapie. Das Konzept beinhaltet manualtherapeutische Techniken für die
Wirbelsäule und die Extremitätengelenke.
Seit dem Jahr 1995 gibt es die Mulligan
Concept Teachers Association (MCTA) – eine
internationale Vereinigung aller MulliganLehrer. In der Organisation sind heute 49 Instruktoren aus 19 Ländern akkreditiert. Ziel
der MCTA ist es, das Konzept und dessen
Ideen kontinuierlich weiter zu verbreiten.
Jeder Lehrer ist Physiotherapeut und besitzt
einen international anerkannten Standard
in Manueller Therapie (IFOMPT). Diese Voraussetzung gewährleistet zugleich einen
hohen Standard in der Ausbildung von Physiotherapeuten, die sich für das Konzept interessieren. In Deutschland sind zurzeit drei
Instruktoren tätig, die pro Jahr durchschnittlich 50–60 Kurse im Bundesgebiet anbieten
(siehe Information).
Die wichtigsten Techniken:
NAGs, SNAGs, MWMs
Indikationen für die Behandlung sind
schmerzhaft eingeschränkte Bewegungen.
Ziel der Therapie ist die Bewegungserweiterung sowie die Schmerzreduktion. Das therapeutische Prinzip ist einfach und lässt sich
auf fast jedes Gelenk übertragen.
Kernmethode ist die »Mobilisation With
Movement« (MWM), die Brian Mulligan seit
Anfang der 90iger Jahre dokumentiert hat.
Bei den MWMs führt der Therapeut passiv ein gehaltenes Gleiten/eine Traktion im
Gelenk aus, während der Patient seine Extremität aktiv in die zuvor schmerzhaft eingeschränkte Bewegungsrichtung bewegt.
Finden die Techniken an den Extremitäten
statt, werden sie von Mulligan als MWMs
bezeichnet (»mobilisation with movement«
– Mobilisation mit Bewegung). Eine Mobilisation mit Bewegung an der Wirbelsäule
heißt dagegen SNAG (»Sustained Natural
Apophyseal Glide« – gehaltenes natürliches Facettengelenkgleiten). Neben diesen
beiden Techniken gibt es noch eine weitere
Technik, die Brian Mulligan als NAGs (»Natural Apophyseal Glide« – natürliches Gleiten im Facettengelenk) bezeichnet. Hierbei
TITELTHEMA
Fragen an Dr. Claus Beyerlein
1. In der Physiotherapie wird es immer wichtiger,
wissenschaftliche Nachweise für Therapiemethoden zu erbringen. Gibt es einen solchen Nachweis
auch für das Mulligan-Konzept?
Ja, den gibt es. Nach Möglichkeit sollte die Evidenz, falls
sie vorhanden ist, in die klinische Arbeit miteinfließen. Das
halte ich für eine wesentliche Aufgabe von Fachhochschulen und Universitäten in der Ausbildung von Physiotherapeuten. Im Mulligan-Concept, also der postgraduierten
Fort- und Weiterbildung innerhalb der Manuellen Therapie, können wir seit den 90iger Jahren auf wissenschaftliche Studien (mittlerweile sind
es über 100 wissenschaftliche
Artikel) zurückgreifen, die wir
auch in die Kurse integrieren.
Längst lässt sich noch nicht alles in der Physiotherapie beweisen, aber dort, wo es Wirksamkeitsnachweise gibt, müssen
wir sie nutzen. Das macht uns
und unsere Arbeit auch glaubDr. Claus Beyerlein
Brian Mulligan
würdiger.
2. Haben Sie selber auch schon an Forschungsarbeiten, die sich mit dem Mulligan-Konzept
beschäftigen, mitgewirkt?
Ja, während meiner Ausbildung im Jahr 2001 an der Curtin University in Perth / Australien haben sich Kollegen und
ich mit einer Technik aus dem Mulligan-Concept wissenschaftlich auseinandergesetzt. In der Studie ging es darum, ob eine von Brian Mulligan beschriebene Technik
(der sog. MTSLR, Mulligan Traction Straight Leg Raise)
die schmerzfreie gestreckte Beinhebung bei Patienten
mit Rücken und / oder Beinschmerzen verbessern kann.
Das Ergebnis: Ja, die Technik verbessert die schmerzfreie
gestreckte Beinhebung, was insbesondere für das Alltagsverhalten der Patienten entscheidend sein kann. Die
Technik ist einfach zu erlernen, sie ist effektiv und wird
deshalb von den Instruktoren auf den Mulligan-Kursen
gezeigt.
3. Wie sind Sie auf das Mulligan-Konzept gestoßen?
Kurios, wie so vieles im Leben. Während eines McKenzieKurses 1996 in Portsmouth, England hat der Instruktor
Grant Watson über eine Mulligan-Technik an der HWS
geschwärmt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich kurze
Zeit später selber einen Mulligan-Kurs in Deutschland besucht habe. Damals war das Konzept noch recht wenig
verbreitet. Das Konzept war für mich aber so überzeugend, dass ich es gerne anderen Physiotherapeuten zugänglich machen wollte. Deshalb bin ich 2002 letztendlich
Instruktor geworden.
8
physio-Journal
4. Ein Motto des Mulligan-Konzepts ist »Erwarte jeden Tag ein Wunder«. Braucht man da in der Behandlung von Patienten überhaupt noch andere
Therapiemethoden oder kann man sich ganz auf
das Mulligan-Konzept begrenzen?
Man braucht immer noch andere Therapiemethoden. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Selten kann man
jedem Patienten mit nur einer Therapiemethode adäquat
helfen. Diejenigen, die das behaupten, sind in meinen Augen unseriös. Wer manualtherapeutisch arbeitet, sollte in
seinem Werkzeugkoffer aber auf alle Fälle »Mobilisation
with Movements« (die Kernmethode des Mulligan-Concepts) haben.
»Erwarte jeden Tag ein Wunder« war ein Slogan, den
Mulligan in der Anfangszeit geprägt hat. Im Wesentlichen
ging es darum, Physiotherapeuten für sein Konzept zu interessieren. Wunder gibt es in der Physiotherapie nicht.
Brauchen wir auch nicht, denn wir haben stattdessen qualitativ zum Teil sehr hochwertige Studien.
5. Neben Ihrer Tätigkeit als Mulligan-Instruktor unterrichten Sie auch als Dozent an verschiedenen
Hochschulen. Finden Sie dabei noch Zeit für die
Patientenbehandlung?
In der Tat sind die Patientenbehandlungen durch Lehr- und
Vortragstätigkeit im Lauf der Jahre zurückgegangen. Das
ist normal. Ich stehe nicht mehr wie früher 40 Stunden/
Woche an der Bank, aber ich bin mit Leib und Seele auch
Kliniker und aus diesem Grund sehe ich regelmäßig Patienten in meiner Privatpraxis in Ulm. Überwiegend sind das
Patienten mit unspezifischen Kreuzschmerzen und Patienten mit Kiefergelenksstörungen.
6. Nach Ihrer Ausbildung zum Physiotherapeuten
und einem Studium der »Manipulative Therapy«
in Australien, haben Sie noch ein Studium der
»Diplom-Sportwissenschaften« absolviert.
Wie kam es zu dem Sprung in die Sportwissenschaften?
Ich glaube das liegt an meinem Charakter: Ich bin nicht
sehr geduldig und will mich immer weiterentwickeln.
Schnell habe ich nach meiner Ausbildung gemerkt, dass
ich nicht mein Leben lang in einer Physiotherapie Praxis
arbeiten will und kann, zumindest nicht ausschließlich. In
dieser Zeit gab es ja überhaupt noch nicht die Möglichkeit,
Physiotherapie in Deutschland zu studieren. Also habe ich
nach einer Richtung gesucht, die auch mit der Physiotherapie kompatibel ist. Wenn sie dazu noch leidenschaftlich gerne Sport machen, dann ist die Entscheidung nicht
schwierig.
Ich habe das nie bereut und würde das immer wieder so
machen.
TITELTHEMA
Behandlungsplan
Therapieziel:
" bestmögliche Kniebeweglichkeit
" bestmögliche DE im OSG
" optimale Kniestabilität
Maßnahme:
" Schmerzreduktion
" Mobilisation der Knieflexion
" Mobilisation der DE
" Kräftigung und Koordinationstraining
Behandlung
Schmerzlinderung
Funktionsmassage M. rectus femoris
Muskeldehnung M. rectus femoris
Funktionsmassage M. popliteus
Funktionsmassage ESTE
Der Therapeut legt einen Handballen auf
den Muskelbauch, mit der anderen Hand fixiert er den Unterschenkel. Während er das
Knie in Flexion bewegt, übt er Druck auf
den Muskel aus. Als Alternative kann der Patient auch in Rückenlage liegen, dann ist der
zu behandelnde Oberschenkel unterlagert,
wobei der Unterschenkel seitlich überhängt.
Das andere Bein ist aufgestellt.
Hold relax
Der Patient liegt in Bauchlage, das linke Bein
ist weit nach vorne auf dem Boden abgestellt, um die Beckenaufrichtung zu fixieren.
Der Therapeut flektiert das Knie, bis eine
leichte Dehnung zu spüren ist. Der Patient
spannt kurze Zeit in Extension gegen Widerstand an, lässt wieder locker. Der Therapeut
flektiert das Knie daraufhin weiter.
Funktionsmassage ASTE
Funktionsmassage M. gastrocnemius
Quermassage des Tractus iliotibialis
Der Patient liegt in Seitlage links, zwischen
den Knien liegt ein Kissen. Hüfte und Knie
sind flektiert. Der Therapeut steht hinter
dem Patient und fixiert das Knie. Der Tractus
iliotibialis wird quer zum Faserverlauf nach
anterior geschoben.
Funktionsmassage ESTE
Der Patient liegt in Bauchlage, der Therapeut fixiert den distalen Unterschenkel und
legt den Handballen auf den Muskelbauch.
Während das Knie in Extension geführt
wird, wird Druck auf den Muskelbauch ausgeübt.
Komplikation bei Unterschenkelschaftfrakturen: Kompartmentsyndrom
Funktionsmassage ESTE
Der Patient liegt in Bauchlage, der distale
Unterschenkel ist unterlagert. Während der
Therapeut den Fuß mit dem Oberschenkel
in Dorsalextension bewegt, übt er mit beiden Händen Druck auf den Muskel aus.
Das Kompartmentsyndrom zählt zu den häufigsten Komplikationen bei geschlossenen Verletzungen des Unterschenkels. Dabei kommt es durch ein Hämatom
oder ein Ödem zu einer Druckerhöhung in einer Muskelloge. Da die Faszie, die
die Muskelloge umgibt, nur sehr wenig dehnbar ist, wird der Druck nach innen
weitergegeben, was zu einer Kompression von Nerven, Muskeln und Blutgefäßen
und schließlich auch zu Nekrosen führt. Symptome der Druckerhöhung sind Muskeldehnungsschmerz, sensible und motorische Ausfälle, bohrende Schmerzen und
Verhärtungen der betroffenen Muskellogen, wobei der periphere Puls allerdings
#
Weiter gehts
auf der nächsten Seite mit
»Mobilisation« und »Eigenübungen«.
noch erhalten ist. Um Spätschäden zu vermeiden, wird die Faszie gespalten und
anschließend eine Defektdeckung durchgeführt.
Neben dem Kompartmentsyndrom sind Infektionen, Thrombosen und Lungenembolien weitere schwere Komplikationen, die bei einer Unterschenkelschaftfraktur
entstehen können.
physio-Journal
11
TITELTHEMA
Text: Verena Gesing
WISSENSCHAFTLICHER
BEITRAG
EVIDENZ IN DER
MANUELLEN THERAPIE
In der letzten Ausgabe haben wir uns schon mit der Evidenz in der Manuellen Therapie
anhand der Halswirbelsäule befasst. Ein Ergebnis war, dass wir auch außerhalb unserer
Behandlungsbank versuchen können, Patienten mit Nackenschmerzen zu helfen, indem
wir unser Wissen durch die Suche und das anschließende Studium aktueller Literatur
bereichern.
In diesem Artikel soll es nun um Patienten mit Knieschmerzen gehen, genauer genommen dem anterioren Knieschmerz. Häufig kommen Patienten in die Praxis, auf deren Rezept die Diagnose PFSS oder auch Patellofemorales Schmerzsyndrom steht. Dafür gibt es
noch etliche Synonyme wie etwa anteriorer Knieschmerz, Chondropathia patellae oder
auch Chondromalazia patellae. In der Manuellen Therapie wollen wir allerdings nicht
im Trüben fischen, dass heißt, wir werden durch eine Untersuchung tatsächlich erstmal
sicher stellen, dass es sich bei der Diagnose tatsächlich um einen Schmerz handelt, der
durch eine patellofemorale Dysfunktion ausgelöst wird. Es gibt in diesem Bereich noch
einige andere Strukturen, die diesen Schmerz auslösen könnten. Allerdings würde dies
hier zu weit führen und gibt eher Anlass für weitere Artikel zur Differentialdiagnostik
bei anteriorem Knieschmerz. Wir haben das Knie nun untersucht und sind uns sehr sicher, dass es sich um ein PFSS handelt.
PFSS
Malalignment
Malalignment
des gesamten
Beins
(ausgenommen
das Patellofemorale
Gelenk)
Malalignment
des Patellofemoralen
Gelenks
Muskuläre Dysfunktion
Kraftdefizit
Neuromuskuläre
Dysfunktion
Flexibilität
Hamstrings
Nicht
muskulärer
Ursprung
VMO
VMO/VL
Quadriceps
Dysfunktion
Gastrocnemius
Iliotibialband
Muskulärer
Ursprung
M. quadriceps
femoris
Klinische Klassifikation
des Patellofemoralen
Schmerzsyndroms
fotolia: © Maridav
AM BEISPIEL DES
PATELLOFEMORALEN SCHMERZSYNDROMS
Symptome des PFSS
Beim Patellofemoralen Schmerzsyndrom kommt es zu einer Vielzahl von Erscheinungen, meistens
jedoch kommt es zu Schmerzen
im ventralen Bereich des Kniegelenks, retro- oder peripatellar.
Diese Schmerzen treten vermehrt
auf, wenn das patellofemorale Gelenk belastet wird, das heißt beim
Bergab- oder Bergaufgehen, beim
Treppen steigen, bei Knieflexion
unter Belastung (Kniebeuge), bei
geknieter Haltung und beim langen Sitzen mit flektierten Knien.
Pathogenese des PFSS
Zuerst sollten wir darüber informiert sein,
worum es sich bei einem PFSS handelt.
Die Pathogenese des Patellofemoralen
Schmerzsyndroms ist noch nicht weitestgehend geklärt. Es wird eine Vielzahl von
Ursachen vermutet, welche von Patient zu
Patient variieren. Vorwiegend tritt das Patellofemorale Schmerzsyndrom bei jungen
Menschen und Sportlern in Erscheinung.
Witvrouw et al. (1) gehen davon aus, dass
die Homöostase des Patellofemoralen Gleitlagers gestört ist, was aus einer zu hohen
Belastung bzw. einem »overuse« des patellofemoralen Gleitlagers resultiert und
dann zu entsprechenden Symptomen wie
Schmerz und Dysfunktion führt. Um die
richtige Ursache für den Verlust der Homöostase differentialdiagnostisch zu erfassen, ist
ein Klassifikationssystem dargestellt, welches die Ursachenforschung erleichtern soll.
physio-Journal
13
VORGESTELLT
In dieser Rubrik stellen wir euch interessante Menschen vor, die vor einigen Jahren, genauso wie ihr jetzt, ihre Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht haben und deren Werdegang sich zu erzählen lohnt. Außerdem berichten für euch
Physioschüler und -studenten von ihrer Schule oder Hochschule. Auch ihr könnt
eure Ausbildungsstelle ins Rampenlicht rücken, wenn ihr glaubt, dass von eurer
Schule oder Hochschule jeder mal gehört haben sollte! Da wir immer mit vielen
Disziplinen zusammenarbeiten, darf natürlich bei »Vorgestellt« auch der Einblick
in andere Berufsgruppen nicht fehlen! Freut euch also auf interessante Menschen
der Physiotherapie, interdisziplinäre Einblicke und die bunte Welt der Physioschulen und Hochschulen.
INTERVIEW
LEUTE: MARTINA DIETL-FRIED
Text: Noemi Hagemann
Steckbrief
Dr. med.
Martina Dietl-Fried
Fachärztin
für Physikalische und
Rehabilitative Medizin,
Chirotherapie
Aktuelle Tätigkeit
Facharztpraxis
mit Schwerpunkt in
konservativer Orthopädie
und Schmerztherapie
Ärztliche Leiterin
der IAOM
Fachlehrerin für
Manuelle Therapie
Arbeitsschwerpunkte
Manuelle Therapie Akupunktur
Injektionstechniken
16 physio-Journal
Sie sind nun schon fast 20 Jahre in der MT-Fortbildung aktiv. Wie sind Sie zur
Manuellen Therapie gekommen?
Zunächst hat mich ein Artikel in einer Zeitschrift über Schulteruntersuchung nach Cyriax
sehr beeindruckt. Als kurz danach in meiner Klinik Kurse in orthopädischer Medizin nach
Cyriax und manueller Therapie von der IAOM (Internationale Akademie für Orthopädische
Medizin – begründet von Dos Winkel) angeboten wurden, war ich natürlich dabei.
Was begeistert Sie an der MT?
Manuelle Medizin (es geht ja nicht nur um Therapie) versetzt uns in die Lage, mit einfachen Mitteln, wie einer genauen Anamnese und gezielten Untersuchung, mit unseren
Händen eine Diagnose zu stellen. Damit kann man vielen Patienten und auch manchem
»austherapierten« Patienten effektiv helfen.
Das verwundert und beeindruckt Patienten, die es gar nicht mehr gewohnt sind, untersucht und angefasst zu werden. Die bildgebende Diagnostik steht leider oft im Vordergrund, nützt aber bei funktionellen Störungen ohne entsprechende Klinik nicht.
Neben Ihrer Arbeit als MT-Instruktorin sind sie auch noch Medizinerin.
Wie können Sie die Manuelle Therapie in Ihrer Arbeit als Ärztin anwenden?
Fast alles, was wir in den Kursen vermitteln, brauche ich täglich für meine Arbeit mit
Patienten. Das beginnt mit der Anamnese und klinischen Untersuchung und führt über
die Interpretation der Befunde zur Erstellung eines Therapieplans – indem ich in Form von
Injektionen, Manipulationen oder Mobilisationen und Beratung auch manche Teile übernehme. Daneben bin ich natürlich auf die gute Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten
angewiesen.
Sie haben eine Facharztpraxis für Physikalische und Rehabilitative Medizin mit
Schwerpunkt in konservativer Orthopädie und Schmerztherapie.
Was unterscheidet Sie vom klassischen niedergelassenen Orthopäden?
Kollegen meiner Fachrichtung denken primär in funktionellen Zusammenhängen. Sicher
sehen wir auch die geschädigte Struktur. Dann stellt sich jedoch die Frage: ist diese Struktur überhaupt Schmerzgenerator und/oder spielt sie eine Rolle für die Beschwerden des
Patienten? Wenn ja, warum und wie kann man sie durch Änderung von Bewegungs- und
Verhaltensmustern entlasten?
Nur wenige Kollegen röntgen in der eigenen Praxis und wir operieren nicht.
Da es den Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin erst seit 1993 in Deutschland gibt, ist er noch recht unbekannt. Einzelne Patienten bekommen heute noch vom
Hausarzt keine Überweisung zu mir, »weil es diese Fachrichtung nicht gibt.«
VORGESTELLT
SCHULE
HOGESCHOOL VAN ARNHEM
EN NIJMEGEN NIEDERLANDE
Text und Bild: Benjamin Kretschmer
Die Hogeschool van Arnhem en Nijmegen befindet sich im Osten der Niederlande,
nahe der deutschen Grenze. Wie der Name erahnen lässt, teilt sich die Hochschule
auf zwei Städte auf: Arnhem und Nijmegen. An den zwei Studienorten leben rund
30.000 Studenten und werden von 3.100 Mitarbeitern betreut. Etwa 2.000 der Studenten kommen aus Deutschland.
Die HAN bietet verschiedene professionelle akademische Bildungswege in folgenden Bereichen an: Bildung, Sozialwesen, Handel, Kommunikation, Unternehmensmanagement, Wirtschaft, Technik, Bauwesen, angewandte Wissenschaften,
Kommunikation und Gesundheitswesen. In diesen Fachbereichen können Studenten aus über 65 Bachelor- und mehr als 21 Masterstudiengängen wählen.
Der Campus für den Fachbereich Gesundheit liegt in Nijmegen. Am Gesundheitscampus des paramedizinischen Instituts vereinen sich die verschiedenen paramedizinischen Gesundheitsfachberufe: Ernährung und Diätetik, Mundhygiene,
Krankenpflege, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie.
Nijmegen am Niederrhein ist eine alte Hansestadt mit rund 160.000 Einwohnern;
rund 25 % der Einwohner sind Studenten. Die HAN gehört zu den am schnellsten
wachsenden Hochschulen im Land.
Ausbildungskonzept
Das oberste Ziel der HAN ist es, das Beste aus dir herauszuholen. Dieses Ziel wird mit einer
intensiven Betreuung durch qualifizierte Mitarbeiter verfolgt.
Die HAN bietet dir hochwertige Bildung in einer inspirierenden, unternehmerischen und
innovativen Umgebung, die auf deine Wünsche abgestimmt ist und Differenzen im Bezug
auf Talente und Lernstile berücksichtigt. Nach deinem Abschluss bietet die HAN eine hervorragende Startposition auf dem Arbeitsmarkt; denjenigen, die bereits arbeiten, bietet sie
die Chance, sich weiter zu entwickeln. Unsere Studienangebote haben eine hervorragende
Qualität, mit einer nachweisbaren Relevanz für das Berufsfeld.
Die Arbeit der HAN beruht auf sozialem Engagement und dem Willen, einen Beitrag
zur Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Ziel der HAN ist es, Wissen und Fähigkeiten zu
fördern und zu erweitern. Sie erreicht dieses Ziel durch deine Ausbildung zu einem gewissenhaften und verantwortungsbewussten Professional. Jeder der Schritte der HAN wird von
einem Streben zur Nachhaltigkeit begleitet. Mit dem straffen Vertragsmanagement strebt
die HAN nach ergebnisorientierter Arbeit, die innerhalb der gesetzten Rahmen möglichst
große Freiräume lässt.
Physiotherapie auf Fachhochschul-Niveau
An der HAN lernst du viel mehr als nur Massieren und das Verbinden verstauchter Knöchel. In
den vergangenen 30 Jahren hat dieses Fachgebiet eine enorme Entwicklung durchgemacht.
In den Niederlanden ist das Physiotherapie-Studium sehr anspruchsvoll. Das muss auch
so sein, denn Physiotherapeuten haben in den Niederlanden eine sehr viel größere Berufsautonomie. Physiotherapeuten führen nicht nur ärztliche Aufträge über verschriebene Heilmittelverordnungen aus. Sie müssen selbstständig Lösungen für gesundheitliche Beschwerden
finden und das funktionelle Gesundheitsproblem genau diagnostizieren – Hilfsmittel dabei
sind die physiotherapeutischen Kernkompetenzen. Diese Kernkompetenzen kannst du im
niederländischen Berufsprofil für Physiotherapeuten von der königlichen niederländischen
Gesellschaft für Physiotherapie (KNGF) selbst nachlesen.
physio-Journal
19
fotolia: © detailblick
VORGESTELLT
Text: Dorothea Kruft
BLICKWINKEL:
HEBAMME
Was macht die Hebamme?
Der Arbeit einer Hebamme ist sehr vielseitig und bunt. Wie in der Physiotherapie gibt
es auch in diesem Beruf viele Einsatzorte.
Ein paar werde ich hier kurz beschreiben.
Im Kreißsaal
Im Kreißsaal arbeiten Hebammen, je nach
der Geburtenzahl des Krankenhauses,
alleine oder im Team. Sie nehmen die
Schwangeren auf, führen ein Anamnesegespräch durch, kontrollieren die Herztöne der
Ungeborenen und untersuchen die Schwangere. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die
Betreuung während der Geburt. Verläuft
die Geburt physiologisch, wird sie von der
Hebamme geleitet, treten Pathologien auf,
wird ein Arzt hinzugezogen. Hebammen arbeiten dabei sehr selbständig und haben bei
ihrer Arbeit viel Freiraum.
Auf der Wochenbettstation
Auf den Wochenbettstationen arbeiten
überwiegend Kranken- und Kinderkrankenschwestern, doch vereinzelt auch Hebammen. Sie betreuen die Schwangeren und die
frisch gewordenen Mütter mit ihren Neugeborenen. Dazu gehört z. B. das Zeigen des
Handlings und der Babypflege, Hilfe beim
Stillen, Gewichtskontrolle beim Neugeborenen und Kontrolle der Rückbildung.
Außerklinische Geburtshilfe
Hebammen haben die Möglichkeit, physiologisch verlaufende Geburten außerhalb des
Krankenhauses zu leiten, entweder in einem
Geburtshaus oder bei den Gebärenden zu
Hause. Dabei liegt ihr Augenmerk darauf,
der Frau eine natürliche, schöne Geburt mit
einer persönlichen Betreuung zu ermögli-
chen. In einem auftretenden Notfall stehen
die notwendigen Medikamtene zur Verfügung und die Gebärende wird ins Krankenhaus gebracht. Ein Geburtshaus ist übrigens
eine Art Hebammenpraxis mit speziellen
Räumen zum Gebären. In diesen Räumen
gibt es ein großes Gebärbett, Gebärhocker,
Matten, Gebärbadewanne und alles, was
die Hebamme braucht, um eine Geburt zu
leiten und das Neugeborene und die Mutter
zu versorgen. Frauen wählen diese Geburtsalternative z. B. deswegen, um die Hebamme ihres Vertrauens bei der Geburt dabei zu haben, die dann auch von Beginn der
Wehen bis nach der Geburt bei ihnen ist. Ein
weiterer oft genannter Grund für die Geburt
in einem Geburtshaus oder sogar einer Entbindung zu Hause ist, dass sich die Frauen
eine natürliche Geburt ohne unnötige technische Geräte und Medikamente wünschen.
Beleghebammen
Möchte eine Schwangere eine Geburt mit
ihrer Hebamme, dabei aber im Krankenhaus
sein, besteht in vielen Orten auch die Möglichkeit der Beleggeburt. Eine Beleggeburt
bedeutet, dass die Hebamme mit der Gebärenden in das Krankenhaus geht, mit dem
die Hebamme einen Vertrag hat. Dort leitet
sie die Geburt selber, gibt bei Pathologien
die Leitung aber an das im Kreißsaal arbeitende Personal ab.
Freiberufliche Hebammen
Die meisten Hebammen arbeiten ganz
oder teilweise freiberuflich. Zu ihren Aufgaben gehören: Geburtsvorbereitungskurse,
Schwangerenvorsorge, Beratung der
Schwangeren, Wochenbettbesuche, Rückbildungsgymnastik. Die Hebamme kann die
Schwangere gemeinsam mit dem Gynäkologen oder, abgesehen von Ultraschall-Untersuchungen, anstelle dessen betreuen. Nach
der Geburt kommt die Hebamme anfangs
täglich, dann in größer werdenden Abständen zu den Familien nach Hause. Dort
kontrolliert sie die Entwicklung des Kindes,
den Verlauf der Rückbildung und die Heilung der Geburtsverletzungen. Außerdem
unterstützt sie die Mutter beim Stillen, beantwortet Fragen und berät die Familien in
der neuen Lebenslage. Die Betreuung ist
bis Ende der Stillzeit möglich. Viele Hebammen bieten zusätzliche Kurse wie z.B. Babymassage, Babyschwimmen, Säuglingspflege
oder auch Gymnastik an.
Wie kann man als
Hebamme arbeiten?
Wie oben schon dargestellt, gibt es sehr
viele verschiedene Möglichkeiten, als Hebamme zu arbeiten. Die wenigsten sind 100
Prozent im Kreißsaal oder auf Wochenstation tätig, sondern arbeiten nebenher noch
freiberuflich. Wie viele Stunden die Hebamme im Krankenhaus oder freiberuflich ist,
ist sehr unterschiedlich. Viele Hebammen
arbeiten allerdings auch nur freiberuflich,
ohne Geburtshilfe zu leisten. Hausgeburten
sind in den letzten Jahren allerdings weniger
geworden. Doch wenn der Wunsch besteht,
kann die Hebamme außerklinische Geburten leiten. Sei es bei der Schwangeren zu
Hause oder in einem von Hebammen geleiteten Geburtshaus. Eine besondere Form
ist die Familienhebamme. Sie haben eine
zusätzliche Ausbildung und betreuen über
ein Jahr lang Familien mit schwierigen Verhältnissen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und anderen
Behörden. Als Hebamme gibt es auch viele
Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten, gerade in England und Irland werden ständig
Hebammen gesucht. Nach einem Studium
besteht außerdem auch die Möglichkeit, als
Lehrhebamme zu arbeiten.
Gibt es Schnittpunkte zur
Physiotherapie?
Schnittpunkte zur Physiotherapie sind sehr
viele vorhanden. Besonders ergeben sie sich
bei den Kursen, die die Hebammen in Krankenhäusern und Praxen anbieten. Manche
physio-Journal
21
VORGESTELLT
Wie ist die Ausbildung
gegliedert?
Die Ausbildung dauert in Deutschland drei
Jahre und findet an Hebammenschulen
statt. Sie umfasst 1.600 Stunden Theorie
und 3.000 Stunden praktische Ausbildung.
Hebammenschulen werden von einer Lehrerin für Hebammenwesen (Lehrhebamme)
und einem ärztlichen Leiter geleitet. Grundlage für die Ausbildung sind die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Hebammen und Entbindungspfleger HebAPrV
und die Europäische Richtlinie 2005/36/EC.
Während der theoretische und praktische
Unterricht in der Hebammenschule erteilt
wird, finden die Einsätze in Krankenhäusern statt. Die Ausbildungsinhalte sind in
der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung
HebAPrV in Anlage 1 festgelegt. Die praktische Ausbildung umfasst Einsätze im Kreißsaal, auf der Wochenstation, Neugeborenenstation, operativen und nichtoperativen
Pflegestation, Operationssaal, Kinderklinik
und in einer freien Praxis. Die Hebammenschülerinnen verbringen dabei ein bis zwei
Monate in Hebammenpraxen oder Geburtshäusern. Während der Ausbildung wird ein
Ausbildungsentgelt gezahlt. Zum Abschluss
der Ausbildung muss man eine staatliche
22 physio-Journal
Prüfung absolvieren. Sie besteht aus einem
schriftlichen, mündlichen und praktischen
Teil. Bei Nichtbestehen kann die Prüfung oder
der entsprechende Teil der Prüfung einmal
wiederholt werden. Nach bestandener Prüfung beantragt man die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung und dem Start
ins Berufsleben steht nichts mehr im Wege.
tung, Abrechnung und Buchführung. Viele
Hebammen lernen zusätzlich alternative
Heilmethoden wie z. B. Akupunktur und
Homöopathie. Beliebt sind auch Fortbildungen, die das eigene Kursangebot erweitern.
Dazu gehören z. B. Babymassage, Babyschwimmen, Schwangerenschwimmen,
Yoga oder auch Pilates.
Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es?
Wie sieht die Woche einer
Hebamme aus?
In der Berufsordnung der Hebammen wird
eine Fortbildungspflicht festgeschrieben, die
durch die Gesundheitsbehörde überwacht
wird. Es werden 60 Fortbildungsstunden in
3 Jahren gefordert. Geeignete Fortbildungen gliedern sich in Fach-, und Methodenkompetenz und Notfallmanagement. Zu den
Fachkompetenzen gehören Vertiefungen
der Ausbildungsinhalte wie z.B. Schwangerenvorsorge, Geburtsvorbereitung, Physiologie und Pathologie der Geburt und des Wochenbetts, Entwicklung des Neugeborenen,
Rückbildungsgymnastik, Physiologie und
Pathologie des Stillens sowie Ernährungsberatung. Zu den Methodenkompetenzen
gehören Dokumentation, Gesprächsführung, wissenschaftliches Arbeiten, Kurslei-
Die Anzahl der jungen Familien, die ich in
einem Monat betreue, variiert zwischen
2 und 10, weswegen auch die tägliche Arbeitszeit sehr unterschiedlich ist. Eine gewöhnliche Woche sieht so aus, dass ich
Donnerstags vormittags einen Babymassagekurs, Dienstags Rückbildungsgymnastik
und Freitags ein bis zwei »Bauch-BeinePo«-Kurse durchführe. Die restliche Zeit ist
mit Hausbesuchen gefüllt. Bei einem Hausbesuch gucke ich mir das Kind an, wiege
es, kontrolliere die Rückbildung der Gebärmutter und eventueller Geburtsverletzungen, helfe beim Stillen und gebe Tipps bei
sämtlichen auftretenden Problemen und
Fragen. Nachmittags treffe ich oft Schwangere in der Praxis, in der ich ein CTG-Gerät stehen habe, mit dem ich die Herztöne
des Ungeborenen kontrollieren kann. Des
Weiteren helfe ich den Schwangeren bei
Beschwerden, höre zu, was die Frauen beschäftigt und untersuche bei Bedarf den
Muttermund, sowie den Blutdruck und Lage
und Größe des Kindes. Da viele Schwangere
noch berufstätig sind, sind diese Treffen
in der Regel Nachmittags oder am frühen
Abend. An einem Abend in der Woche
biete ich zusätzlich noch einen Schwangerschaftsgymnastikkurs an. Wenn die Frauen
frisch aus dem Krankenhaus kommen, oder
es spezielle Probleme gibt, ist auch ein Hausbesuch am Wochenende angebracht. Da sowohl die Schwangerschaft, als auch die Geburt immer Ausnahmesituationen sind, ist es
wichtig, den Frauen Sicherheit zu vermitteln
und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Um
dies jederzeit gewährleisten zu können, ist
man auf ein funktionierendes Netzwerk mit
anderen Hebammen angewiesen. Auch der
Austausch mit Ärzten und anderen Therapieberufen ist sehr wichtig und nimmt daher
einen großen zeitlichen Stellenwert ein.
fotolia: © Monkey_Business
Hebammen arbeiten dabei mit Physiotherapeuten zusammen, die dann die Gymnastikkurse übernehmen. Die meisten Hebammen
leiten diese Kurse jedoch selbst. So werden
in der Schwangerschaft z. B. Yoga-, Bauchtanz-, Pilates- und Entspannungskurse angeboten. Nach der Entbindung besteht die
Möglichkeit, noch Beckenboden-, Rückbildungs- oder Babymassagekurse zu belegen.
Auch wenn sich manche Behandlungsangebote überschneiden, bzw. gerade deswegen, ist es enorm wichtig, dass Hebammen
und Physiotherapeuten gut zusammenarbeiten. Dies ist besonders in Wochenbett- und
pädiatrischen Stationen wichtig, da man in
diesem Bereich besonders viel miteinander
zu tun hat. So ist es hier z. B. hilfreich zu
wissen, was die andere Berufsgruppe an
Maßnahmen durchführt und man sich dementsprechend abstimmt. Auch die zeitliche
Einteilung der unterschiedlichen Anwendungen erfordern eine intensive Absprache
zwischen den Berufsgruppen.
Zahlen und Fakten
Anzahl von Hebammen in Deutschland
ca. 19.000
Anzahl Schulen
ca. 58
Größter Berufsverband
DHV mit fast 18.000 Mitglieder
Welt-Hebammen-Tag
05. Mai
Anzahl männliche Hebammen
Einer. Die korrekte Bezeichnung ist
übrigens »Entbindungspfleger«
PRÜFUNGSFRAGEN
?
BRAINTUNING
Egal wo man seine Ausbildung macht oder studiert, um eine
Sache kommt man nicht herum: Prüfungen. Sei es das große
Abschlussexamen, die Zwischenprüfung oder auch Klausuren zum Ende des Semesters, es gilt, eine Menge Lernstoff
zu bewältigen. Gut ist es dann, wenn man weiß, worauf
der Dozent in der Prüfung Wert legt, oder was andere Prüfer bereits abgefragt haben. Damit du einen Einblick bekommst, welche Themen relevant sein könnten, stellen wir
in jeder Ausgabe einen Pool an originalen Prüfungsfragen
zusammen, die schon einmal in Klausuren aufgetaucht sind.
1. Was versteht man unter einer motorischen Einheit?
8. Nennen Sie vier Steuerungsmechanismen, die den
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venösen Rückstrom fördern.
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2. Nennen Sie mindestens fünf Komplikationen des
Diabetes mellitus?
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3. Welcher Meniskus wird bei einem Genu valgum
mehr beschädigt?
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4. Nennen Sie die Aufgaben der Atemwege.
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9. Welche Aussage über M.Perthes ist richtig?
$ a. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs
$ b. Mädchen sind gleich oft betroffen wie Jungs
$ c. Jungs sind häufiger betroffen als Mädchen
10. Nennen Sie die wichtigsten aufsteigenden Bahnen.
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11. Welche Muskeln bilden die Rotatorenmanschette?
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12. Was ist eine Torsionsfraktur?
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5. Was versteht man unter einer Arthroskopie?
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13. Nennen Sie drei atemerleichternde Körperstellungen
und zwei charakteristische Merkmale.
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6. Wie kann es zur Entstehung eines epiduralen
Hämatoms kommen?
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7. Welcher klinische Test wird bei Verdacht auf eine
Achillessehnenruptur durchgeführt?
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Damit der Pool an Fragen und Aufgaben immer weiter wachsen kann,
brauchen wir Dich! Schicke uns Fragen, die dir in Klausuren gestellt
wurden, die du deinen Vorgängern aus der Nase ziehen konntest oder
die im Dunstkreis geheimer Ordner in deiner Schule kursieren.
Übrigens: Viele dieser Fragen stammen aus
den Heller-Skripten, die kurz und bündig die
wesentlichen Themen der einzelnen Prüfungsfächer zusammenfassen und dich anhand von
Fragen und Antworten optimal auf das Examen
vorbereiten.
Die Antworten zu den Fragen auf dieser
Seite kannst du dort und auch in der nächsten
Ausgabe nachlesen.
Mehr Infos unter www.hellerskripte.de
physio-Journal
25
FÜR DEN PRAXISALLTAG
DIAGNOSTIK:
COMPUTERTOMOGRAPHIE
In der zweiten Folge der Diagnostikreihe möchte ich die Computertomographie besprechen. Analog zum vorherigen Artikel starten wir mit etwas Theorie und der zweite Teil widmet sich dann praktischen Beispielen.
Allgemeine Grundlagen
Kommen wir zuerst zur Theorie, aber ihr habt Glück, die reine
Physik können wir dieses Mal etwas kürzer abhandeln. Grund
dafür ist, dass die Computertomographie (im folgenden mit
CT abgekürzt) nichts anderes als ein Röntgenbild ist und wie
ein Röntgenbild funktioniert, sollte noch aus der ersten Ausgabe bekannt sein. Wenn nicht, hier noch mal eine ganz kurze
Wiederholung:
Röntgenstrahlen werden mit Hilfe einer Röntgenröhre erzeugt. Dazu werden negativ geladene Teilchen beschleunigt
und durch die Röhre geschickt. Dabei treffen sie auf andere
Teilchen und werden in Wärme und Strahlung umgewandelt.
Ja, und so entstehen Röntgenstrahlen. Wer es genauer wissen
möchte kann nochmal den Artikel aus der ersten Ausgabe
nachlesen.
Entstehung
Entwickelt wurde das CT vom britischen Ingenieur Godfrey N.
Hounsfield zusammen mit dem amerikanischen Arzt Allan M.
Cormack im Jahre 1972 in London. Beide erhielten dafür 1979
den Nobelpreis für Medizin. Die CT hat heutzutage besondere
Relevanz bei Untersuchungen des Schädels z. B. bei Verdacht
auf Frakturen, Tumore oder frische Blutungen. Daneben findet
sie noch in vielen anderen Bereichen Anwendung z. B. bei der
Untersuchung von Knochen, Lunge, Verdauungstrakt, Leber
und Gefäßen.
Das Wort Tomographie kommt übrigens aus dem griechischen
und setzt sich zusammen aus »tomos« für »Schnitt« oder
»schneiden« und »graphein«, was »schreiben« bedeutet. Ein
CT-Bild ist also eine Aufnahme einer Schicht des Körpers oder
anders gesagt, der Körper wird virtuell in viele kleine Scheiben
geschnitten.
Text: Susanne Klotz
fotolia: © Dimitry_Vereshchagin
Aufnahmetechnik
Wie entstehen nun die Schnittbilder? Genau wie bei der Röntgenaufnahme wird eine Röntgenröhre sowie ein Schirm (auch
als Detektor bezeichnet) benötigt. Die Strahlung wird von der
Röhre ausgesandt, trifft auf den Patienten und hinter dem
Patienten auf den Detektor (siehe Abb. 1). Bisher verläuft die
Untersuchung analog zum Standardröntgen. Um nun aber
räumliche Darstellungen des Körpers bzw. einzelner Teile zu
erhalten, bedarf es weiterer Einzelaufnahmen.
Das Prinzip besteht darin, dass die Röntgenröhre und der Detektorschirm sich nach einer Aufnahme ein kleines Stück weiter um den Patienten drehen und an dieser neuen Position
ein weiteres Röntgenbild aufnehmen. Danach dreht sich das
Aufnahmegerät erneut und macht auch hier wiederum eine
Aufnahme. Dies geschieht mehrmals, bis das Gerät sich um
Abbildung 1
physio-Journal
31
FÜR DEN PRAXISALLTAG
Studien liefern uns interessante und wichtige Informationen zur Behandlung unserer Patienten. Doch leider hat
STUDIENZUSAMMENFASSUNGEN
man gerade in der Ausbildung
nicht immer die Zeit, sich intensiv mit wissenschaftlichen
Arbeiten zu beschäftigen. Damit man trotzdem einen
Einblick in die neuesten Erkenntnisse bekommt, findet
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ihr hier verschiedene Zusammenfassungen von Studien,
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die für die Therapie interessant sein könnten.
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Krafttraining verbessert die Lebensqualität nach Brustkrebs
& Ziel einer US-Amerikanischen Studie war es, herauszufinden, wie Krafttraining die Lebensqualität nach einer
Brustkrebserkrankung beeinflusst.
Dazu wurden 84 Frauen, deren Brustkrebs
erfolgreich behandelt wurde, in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekam
ein zweimal wöchentlich durchgeführtes
6-monatiges Trainingsprogramm, während
die andere Gruppe keine Intervention erhielt. Das Trainingsprogramm bestand aus
9 Übungen für die untere und obere Extremität und setzte sich aus freien sowie
aus gerätegestützten Übungen zusammen.
Vor und nach den 6 Monaten mussten alle
Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen,
der Fragen zum Thema Lebensqualität, wie
z. B. Beeinträchtigung von alltäglichen Tätigkeiten oder auch Beziehungsproblemen
enthielt. Die Auswertung ergab, dass die
Trainingsgruppe weniger Probleme in der
Ausführung von alltäglichen Tätigkeiten
hatte, als zum Zeitpunkt vor der Intervention,
während es dagegen bei der Kontrollgruppe
sogar zu einer Verschlechterung kam. Auch
im psychosozialen Bereich konnte eine deutliche Verbesserung erzielt werden.
Somit ist es nach dieser Studie ratsam, bei
Frauen nach einer erfolgreich durchge-
Stephan Kruft
führten Brustkrebserkrankung Krafttraining
durchzuführen. Die Aufgabe von Physiotherapeuten ist es, neben der Aufklärung der
Patientinnen über den Nutzen von Krafttraining, die Frauen zu motivieren, mindestens
zweimal in der Woche selbstständig zu trainieren.
Literatur
Tetsuya Ohira et. al. (2005): Effects of
Weight Training on Quality of Life in Recent
Breast Cancer Survivors
Frühzeitige Physiotherapie nach Schlaganfall trägt zu einer
& Ziel einer norwegischen Studie war
es, herauszufinden, ob Mobilisation innerhalb der ersten 24 h nach Aufnahme
in eine Klinik aufgrund eines Schlaganfalls einen positiven Einfluss auf den
Verlauf innerhalb der ersten 3 Monate
hat.
Insgesamt wurden 56 Patienten für die Studie eingeschlossen. 27 Probanden waren
in der Interventionsgruppe und wurden innerhalb der ersten 24 h nach Aufnahme in
die Klinik mobilisiert. 29 Teilnehmer befanden sich in der Kontrollgruppe und wurden
zwischen 24 h und 48 h nach Aufnahme
36 physio-Journal
Anna Heller
mobilisiert. Primär wurde das Ausmaß der
Behinderung nach Schlaganfall mit der modifizierten Rankin-Skala gemessen. Weiterhin hat man die Anzahl der Todesfälle,
das Ausmaß der Selbständigkeit mit dem
Barthel-Index und die neurologische Beeinträchtigung (NIHSS) bei beiden Gruppen gemessen und miteinander verglichen.
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass
durch Frühmobilisation innerhalb der ersten
24 Stunden nach Schlaganfall die Anzahl
der Todesfälle geringer und die Funktionsfähigkeit im Alltag im Vergleich zur Kontrollgruppe etwas besser ist. Bei der Kontrollgruppe waren die neurologischen Defizite
3 Monate nach dem Schlaganfall tendentiell
geringer ausgeprägt.
In Anbetracht dieser Studie ist die frühe Physiotherapie absolut wichtig, um die Letalität
nach einem Schlaganfall zu reduzieren und
die Funktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern.
Literatur
Sundseth et. al. (2012): Outcome After
Mobilization Within 24 Hours of Acute
Stroke. A Randomized Controlled Trial.
fotolia: © Alexander_Raths
besseren Rehabilitation bei
KONGRESSBEOBACHTER
Da man leider nicht immer und überall dabei sein kann, suchen wir für Euch zu jedem wichtigen Kongress oder jeder
wichtigen Veranstaltung in der Physiowelt einen Kongressbeobachter! Der- oder diejenige fasst für euch die wichtigsten
Infos zusammen, sodass euch nichts durch die Lappen geht!
Auch ihr könnt gerne eure Eindrücke schreiben und an die
Redaktion mailen, wenn ihr auf einem für die Physiotherapie
spannenden Event gewesen seid!
Text und Bild: Robert Haueisen, Viktoria Martens
LANDESJUNIORENTREFFEN
IN BOLLMANNSRUH
Im Juni 2012 zog es ein kleines Team um
den Juniorenbeauftragten aus dem Landesverband Berlin-Brandenburg, Jens
Aßmann, in ein kleines Waldstück in der
Nähe von Päwesin, genannt: Bollmannsruh. Das Ziel: Physiotherapie-Schülern
eine schöne Zeit zu bereiten und sie ein
bisschen vom Lernstress abzulenken.
Unter Junioren …
70 Leute kamen am 15. Juni 2012 in einen
der abgelegensten Flecken Brandenburgs.
Darunter waren nicht nur bekannte Gesichter, sondern auch eine Vielzahl an neuen
Gleichgesinnten. Alle wollten sich dieses
Juniorentreffen der besonderen Art nicht
entgehen zu lassen. Das diesjährige Spektakel zog sowohl Auszubildende als auch Studierende der Physiotherapie an. So wurde
die Veranstaltung von zwei Mitgliedern des
BundesStudierendenRates tatkräftig unterstützt. Maximilian Matthes aus dem primärqualifizierenden Studiengang an der Alice
Salomon Hochschule in Berlin nahm zum
ersten Mal teil, und erläuterte im Rahmen
eines Workshops den Stellenwert des Physiotherapie-Studiums in Deutschland. Seine
bisherigen Erfahrungen veranschaulichte er
mit Herzblut, auch bei anschließenden Gesprächen mit den Teilnehmern bei gemütlicher Dämmerung. Zweiter im Bunde war Robert Haueisen, Studierender an der Diploma
Leipzig in Sachsen. Wie bereits die Jahre zuvor, unterstützte der junge Physiotherapeut
auch in diesem Jahr das Organisations-Team
und stellte im Kontext eines Workshops die
Bedeutung der »Triggerpunkttherapie« vor,
wobei nicht zuletzt Erkenntnisse und Ergebnisse seiner diesjährigen Bachelorarbeit zum
Tragen kamen.
38 physio-Journal
Weiteres Thema auf dem diesjährigen Treffen war das Kinesio-Taping. Die Teilnehmer haben sich vielseitig beklebt, was sich
noch unterstützend auf das am Nachmittag
stattgefundende Volleyballtunier auswirken
sollte! Des Weiteren kamen einige ordentlich ins Schwitzen mit Zumba-Fitness, was
seid jüngster Zeit in Deutschland der absolute Hit ist; aber schon Anfang der 90er
Jahre als Tanzfitnessform in Kolumbien entstandnen ist. Abends gab es ein gemütliches
Beisammensein zum Grillen und später zum
WSDS (Wir Suchen Den Superphysio). Das
wurde wieder erfolgreich bestritten durch
Murad Abu Sliman aus Bad Wilsnack. Wir
gratulieren nochmals herzlichst an dieser
Stelle. Wir haben dann den Abend mit Musik und Tanz ausklingen lassen. Einige wollten aber noch nicht ins Bett und haben bis
spät nachts in kleinen Grüppchen an ihren
Bungalows zusammen gesessen. Am nächsten Morgen wurde dann der Gewinner des
Volleyballtuniers gekürt: Die Knochenbrecher 1 aus Bad Wilsnack haben ihren Titel
verteidigt. Herzlichen Glückwunsch!
Das Treffen hat wieder einmal den Austausch
zwischen Junioren und Studierenden auf
amüsante Weise gestärkt. Auch dieses Juniorentreffen hat gezeigt, wie wichtig ein Treffen des Physio-Nachwuchses für ein starkes
und kollegiales »Physio-Deutschland« ist.
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INSIDER
PT-GEFLÜSTER
Gründe für eine Physiotherapie-Ausbildung gibt es viele: die direkte Arbeit an den Patienten, eigenständiges Handeln
und vielseitige Arbeitsmöglichkeiten – um nur Einige zu nennen. Jeder hat dabei seine eigene Motivation, die Ausbildung zu beginnen. Wie die so aussehen kann, könnt ihr hier lesen.
Charlotte Klenke, Braunschweig
Nach meinem Abitur habe ich mich für einen Medizinstudienplatz beworben. Da der
NC jedoch zu hoch war, musste ich mir eine
Alternative überlegen, falls ich keinen Studienplatz bekommen sollte. Ich habe mich
für die Ausbildung zur Physiotherapeutin
entschieden, weil diese dem Studium in vielen Dingen ähnelt
und mich alle Ausbildungsinhalte sehr stark angesprochen haben. Mittlerweile bin ich im dritten Semester, habe immer noch
keinen Studienplatz aber trotzdem vom Gefühl her alles richtig
gemacht. Am schönsten ist es für mich, mit meinem Beruf Menschen helfen zu können.
Anna-Lena Pitz, Marburg
Ich habe mich für die Ausbildung zur Physiotherapeutin entschieden, weil
ich vor 4 Jahren selbst
drei Schulter-OPs hatte
und daraufhin (durch die
Nachbehandlung) Einblicke in die Physiotherapie gewinnen konnte und vieles darüber erfahren habe. Ich finde die Arbeit mit
Menschen sehr interessant, zu sehen wie sie
im Laufe der Behandlung Vertrauen fassen,
Fortschritte machen und dann oftmals sehr
dankbar für diese sind. Und da ich früher
Tennis als Leistungssport betrieben habe,
möchte ich versuchen, im Idealfall über die
Sportphysiotherapie beruflich wieder eine
Verbindung zum Sport herstellen zu können.
Sarah Lorig, Braunschweig
Ich habe mich vor allem für die
Ausbildung zur Physiotherapeutin entschieden, weil ich
sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite. Es macht mir
Spaß, ihnen zu helfen, wieder »auf die Beine zu kommen«
und ich freue mich drüber, wenn ich die Erfolge sehe, die
sie während meiner Behandlung machen. Das motiviert
mich dann, auch weiterhin die Schulbank zu drücken, um
die ganze Theorie rund um die Physiotherapie zu lernen.
Christin Küster, Bochum
Als ich mir zum Tag der offenen Tür das Konzept der
HSG in Bochum angesehen habe, wusste ich: Genau
das will ich! Und das, obwohl mir damals noch nicht
bewusst war, welche Möglichkeiten mir die Physiotherapie noch bietet. In diesem Beruf kann ich direkt MIT meinen Patienten
arbeiten, dabei ist das Patientenspektrum einfach riesig. Ob ich nun eine
ältere Dame dabei unterstütze, von den Gehstützen loszukommen, damit sie
ohne Hindernisse mit ihren Mädels nochmal in den Urlaub fahren kann, oder
einem Marathonläufer nach seiner Verletzung helfe, damit er beim nächsten
Rennen wieder alles geben kann. Falls mir das nicht reicht, habe ich immer
noch die Möglichkeit, in die Forschung zu gehen, mein Wissen als Dozentin
weiter zu geben, Leitungspositionen zu übernehmen oder auch im Ausland
zu arbeiten.
Michael Meyer, Fulda
Die Arbeit mit Menschen und das
Auseinandersetzen mit anatomischen
und physiologischen Prozessen war
für mich zu Beginn der Ausbildung
einer der Hauptbeweggründe, den Beruf des Physiotherapeuten zu erlernen. Häufig bin ich dabei auf Fragen gestoßen die mir keiner plausibel beantworten
»konnte«. Ferner wollte ich mir die Möglichkeiten, im
Ausland zu arbeiten, ein wenig verbessern, weshalb ich
im Oktober 2009 das Bachelorstudium in Fulda begonnen habe.
Theresa Weber, Marburg
Für die Ausbildung zur Physiotherapeutin habe ich
mich entschieden, weil
ich Freude daran habe,
kranke Menschen ein Stück weit
auf ihrem Genesungsweg zu begleiten. Durch die
verschiedenen Therapiemöglichkeiten kann ich
dem Patienten helfen, erneut sein gesamtes Bewegungsausmaß zu erlangen. Die Tatsache, dass sich
der Patient im Anschluss an die Therapie wieder
problemlos und schmerzfrei im Alltag bewegen
kann, ermutigt mich dazu, immer wieder neue Behandlungsmethoden zu erlernen.
physio-Journal
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