Psychisch krank: Unmittelbare Kosten bei 850 Millionen Euro

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Psychisch krank: Unmittelbare Kosten bei
850 Millionen Euro
GÜNTHER OSWALD
1. März 2016, 05:30
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Psychotherapeuten fordern höhere Zuschüsse durch
Krankenkassen, diese befürchten höhere Preise
Wien – Das Problem ist allen bewusst: Immer mehr Menschen
werden wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Bei
den Beziehern von Rehabilitationsgeld (der ehemaligen
befristeten Invaliditätspension) gehen bereits zwei Drittel der
Neuanträge auf psychische Probleme zurück – DER
STANDARD berichtete.
foto: cremer
Psychische Überforderung am Arbeitsplatz ist häufig
der Grund, warum Mitarbeiter die Flucht in die Pension
antreten.
Die Kosten für den Staat sind nicht unerheblich, wie der
Psychotherapieverband vorrechnet. Knapp 189 Millionen Euro
werden unmittelbar für Reha-Geld ausbezahlt – durchschnittlich
bekommen die Erkrankten 1.167 Euro monatlich. In den
Spitälern kostet die Behandlung psychischer Krankheiten rund
280 Millionen Euro jährlich, 250 Millionen kosten die
verschriebenen Psychopharmaka, 71 Millionen fließen in Form
von Krankengeld. Und schließlich geben die Krankenkassen
noch rund 60 Millionen Euro für Psychotherapie aus.
Volkswirtschaftliche Kosten noch viel höher
Die unmittelbaren Kosten liegen also bei rund 850 Millionen
Euro. Dazu kommen indirekte Kosten für die Volkswirtschaft
durch Produktivitätsverlust und Arbeitsausfall. Das Wifo schätzt
diese auf zumindest drei Milliarden Euro, die OECD geht sogar
von deutlich mehr aus.
Die Behandlungsangebote für psychisch Erkrankte sind in
anderen Ländern allerdings stärker ausgeprägt als in Österreich.
Hierzulande kommen laut OECD 15 Psychiater auf 100.000
Einwohner, in der Schweiz sind es 47.
21,80 Euro von der Krankenkasse
Die Psychotherapeuten wiederum (sie müssen keine ärztliche
Ausbildung haben, Anm.) beklagen seit Jahren eine aus ihrer
Sicht zu geringe Unterstützung durch die Krankenkassen.
Obwohl 900.000 Menschen Psychopharmaka nehmen, erhalten
nur 65.000 eine Psychotherapie. 35.000 davon bekommen
diese Leistung auf Krankenschein, 30.000 bekommen nur einen
Zuschuss von der Kasse (21,80 Euro pro Therapiestunde).
Würde man den Zuschuss, der seit 1992 unverändert ist, auf 40
Euro erhöhen (wie bei der Beamtenversicherung, Anm.),
könnten doppelt so viele Menschen behandelt werden, sagt der
Präsident des Psychotherapieverbands, Peter Stippl, im
STANDARD-Gespräch.
Konservative Schätzung
Das könne, selbst bei konservativer Schätzung, die Kosten um
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zumindest 300 Millionen Euro senken, glaubt Stippl. Den
Krankenkassen würde die Anhebung des Zuschusses auf der
anderen Seite etwa 40 Millionen Euro kosten.
Im Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist man
hinsichtlich höherer Zuschüsse aber skeptisch. Diese würden
nur dazu führen, dass die Therapeuten ihre Preise anheben,
meint Hauptverband-Generaldirektor Josef Probst.
Mehr auf Krankenschein
Aber auch er könne sich einen weiteren Ausbau des Angebots
vorstellen – allerdings im Bereich jener Stunden, die zu 100
Prozent auf Krankenschein gehen. Für diese Patienten werden
Kontingente an Psychotherapiestunden über die Krankenkassen
gekauft. Die Therapeuten bekommen in diesen Fällen rund 50
Euro, am freien Markt kostet die Stunden zwischen 80 Euro und
100 Euro.
Im Bereich der Invaliditätspension wird, wie berichtet, auf
Regierungsebene auch an einer verstärkten Zusammenarbeit
zwischen Pensionsversicherung und Krankenkassen gearbeitet.
Es soll also genauer geprüft werden, ob tatsächlich psychische
Erkrankungen vorliegen.
Ausbildung neu regeln
Manche Experten sehen aber auch Handlungsbedarf bei der
Psychotherapieausbildung. Im Vergleich zu Deutschland ist der
Zugang zum Beruf in Österreich relativ liberal gestaltet, mitunter
wird deshalb an der Qualität gezweifelt. In der Liste des
Gesundheitsministeriums sind laut Stippl aktuell 9.000
Psychotherapeuten eingetragen, etwa 6.000 würden auf freier
Basis arbeiten.
Im Regierungsprogramm von SPÖ und ÖVP fand sich bereits
das Vorhaben, die Ausbildung neu zu regeln. Bisher liegt
allerdings kein Gesetzesentwurf vor. (Günther Oswald,
1.3.2016)
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