Handlungskompetenz - eine didaktisch

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Mag. Josef Freyenschlag
Datum der Veröffentlichung 02.05.2009
Handlungskompetenz eine didaktisch - fachdidaktische Forderung
Mag. Josef Freyenschlag
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Handlungskompetenz
Nach Wilsdorf (1991) kann unter Handlungskompetenz die Fähigkeit und
Bereitschaft verstanden werden, in beruflichen, öffentlichen und privaten
Situationen sachgerecht, reflektierend und verantwortlich zu handeln, wobei die
eigenen
Handlungsmöglichkeiten
stets
weiterentwickelt
werden.
Handlungskompetenz als theoretisches Konstrukt wird häufig aus den
Handlungstheorien
der
kognitiven
Psychologie
abgeleitet.
Von
den
Arbeitswissenschaftlern wird Handlungskompetenz im Rahmen von Projekten
zur Humanisierung der Arbeit, als Zielvorstellung gegen bestehende partielle
Arbeitsanforderungen formuliert.
Durch den technischen und arbeitsorganisatorischen Wandel benötigen die im
Erwerbsleben stehenden Personen auch über Intuitionen, eigene Ideen,
Kreativität, Motivation und Engagement. Berufliche Handlungskompetenz hat
heute im Beschäftigungssystem eine größere Bedeutung erhalten.
1.1
Erwerb von Handlungskompetenz
Die Handlungskompetenz ist das Potential von mehreren Kompetenzen. Durch
das Verfügen der Kompetenzbereiche: Methodenkompetenz, Sozialkompetenz
und Selbstkompetenz wird es möglich, Fachwissen in Handlungen umzusetzen.
Diese Kompetenzen dürfen nicht isoliert gesehen werden, sondern stellen in
ihrer Komplexität den ganzheitlichen Aspekt einer Persönlichkeit dar. Fachliche,
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
-1-
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methodische
und
persönliche
Wirkungszusammenhang
Kompetenz
und
ergeben
stehen
gemeinsam
in
einem
den
engen
Grad
der
Handlungskompetenz einer Persönlichkeit.
Die Handlungskompetenz nach Richter (1995) entwickelt sich aus dem
synergetischen
Zusammenwirken
von
Sozial-,
Selbst-
und
Methodenkompetenz.
Individuelle Handlungskompetenz als
Schnittmenge der Kompetenzbereiche:
Sozialkompetenz
Methodenkom petenz
Quelle: Richter 1995
Schlüsselqualifikationen
beschreiben
dabei
den
idealen
Zustand,
der
vollständigen Verfügung über alle Kompetenzbereiche. Das Ziel beim Erwerb
von
Schlüsselqualifikationen
kann
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
nicht
der
vollständige
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Erwerb
aller
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Kompetenzbereiche sein, sondern vor allem die individuelle Erweiterung der
Kompetenzen.
1.2
Fachwissen und Schlüsselqualifikationen
Die Schlüsselqualifikationen helfen mit Fachwissen kompetent umgehen zu
können, Schlüsselqualifikationen sind selbst kein Fachwissen.
Nach
Richter
(1995)
gibt
es
Berufsgruppen,
die
verstärkt
Schlüsselqualifikationen zur kompetenten Bewältigung ihres Berufsalltages
brauchen, Fachwissen sind sie dennoch auch hier nicht.
Zum Beispiel ein Therapeut, der eine hohe soziale Kompetenz braucht, braucht
genauso ein theoretisches Wissen. Dieses theoretische Wissen ist sein
Fachwissen, die soziale Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation. Er braucht
natürlich beides um ein guter Therapeut zu sein.
Für eine konkrete Betrachtungsweise der Schlüsselqualifikationen erscheint es
sinnvoll, dass eine Betrachtung herausgelöst aus dem Fachwissen durchgeführt
wird. Eine exakte Trennung von Fachwissen und Schlüsselqualifikationen ist
nicht immer möglich, ermöglicht aber, Schlüsselqualifikationen in einem
übergreifenden Verständnis zu betrachten.
Nach
Richter
(1995)
umfassen
Schlüsselqualifikationen
drei
Kompetenzbereiche:
Methodenkompetenz
Sozialkompetenz
Selbstkompetenz
Wichtig erscheinen dabei zwei Dinge:
•
Schlüsselqualifikationen
umfassen das gesamte Spektrum
fachlichen, also fachübergreifenden Qualifikationen.
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
3
an
nicht
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•
Schlüsselqualifikationen drücken eine Kompetenz aus, die Fähigkeit, situativ
angemessen, in sich einstimmig, kompetent zu handeln.
Bei anderen Autoren, die sich mit dem Spektrum der Schlüsselqualifikationen
auseinandersetzen,
beinhalten
die
Schlüsselqualifikationen
die
Fach-,
Methoden- und Sozialkompetenzen. Bei diesen Ausführungen findet man dann
unter
der
Sozialkompetenz
die
Fähigkeiten
wie
Selbstvertrauen
und
Selbstbewusstsein, die ja nach Richter jeweils eine eigene Kompetenz bilden.
1.3
Damit
Methodenkompetenz
man
mit
der
erworbenen
Fachkompetenz
umgehen
kann,
ist
Methodenkompetenz notwendig.
Brommer (1993) versteht unter Methodenkompetenz eine strategisch geplante
und zielgerichtete Umsetzung des vorhandenen Fachwissens bei anstehenden
Problemen im beruflichen Alltag.
Methodenkompetenz hält Methoden bereit, mit deren Hilfe Probleme
•
analytisch gelöst werden können (eine systematische Annäherung an die
Problemstellung),
•
strukturiert gelöst werden können (eine Klassifizierung von Informationen
zur Problemlösung),
•
kreativ gelöst werden können,
•
kritisch gelöst werden können (das Bestehende in Frage gestellt werden
kann, um dadurch zu innovativen Problemlösungen zu kommen),
•
kontexturell (Richter 1995) gelöst werden können, Zusammenhänge und
Interdependenzen erkannt, aufgezeigt und in der Problemlösung
berücksichtigt werden können,
•
in Abwägung von Chancen und Risiken bei der Aufgabenstellung
dezisionistisch gelöst werden können.
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
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Nach Brommer (1993) ist somit die Methodenkompetenz die wichtigste auch in
der betrieblichen Weiterbildung zu fördernde Kompetenz, da sie das
unmittelbare Umsetzen des Fachwissens ermöglicht.
Bestandteile der Methodenkompetenz nach Lenzen (1998):
•
Planungskompetenz
•
Eingrenzen von Problemen
•
Klare Ziele, benennen von Teilen einer Aufgabe
•
Analysieren des Istzustandes des Systems und der Fehlerquellen
•
Abschätzen der Realisierbarkeit von erkennbaren Lösungen
•
Fähigkeit, einen Plan bei Notwendigkeit flexibel zu verändern
•
Kreativität und Eigeninitiative
•
Findung von Alternativen und deren Bewertung nach Richtlinien
•
Entwicklung von Strategien zur Lösung
•
Entwicklung von Strategien zur Fehlersuche
•
Improvisationsfähigkeit
•
Selbständiges Erschließen von Informationen
•
Informationsbereitschaft
•
Umgang mit Fachbüchern und Fachliteratur
•
Fähigkeit zur Verwendung von Datenbanken und Computersystemen
•
Fähigkeit zum Auswerten von Statistiken und Tabellen
•
Fähigkeit zur Benutzung von Medien
Einige Elemente der Methodenkompetenz, wie jene die der Fertigkeiten und
Fähigkeiten im Bereich der Planungskompetenz und die der Fähigkeit zu
Kreativität und Eigeninitiative haben über einen längeren Zeitraum beim
jeweiligen Ausgebildeten ihren Bestand.
Lenzen sagt weiter, dass jedoch die Fähigkeit zum selbständigen Erschließen
von Informationen aufgrund des schnellen Fortschreitens der technischen
Entwicklungen laufend dem aktuellen Stand angepasst werden muss. Genügte
noch vor einigen Jahren die Kenntnis der Nutzung von Computerdatenbanken
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
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auf CD-ROM oder die Anwendung von BTX-Systemen zur umfassenden
Informationssuche, so ist heute das Wissen über die Nutzung von
Internetsystem
und
Intranetsystemen
Grundvoraussetzung
für
eine
vollständige, umfassende Informationssuche.
Wenn Lenzen sagt, dass jedoch die Fähigkeit zum selbständigen Erschließen
von Informationen aufgrund des schnellen Fortschreitens der technischen
Entwicklungen laufend dem aktuellen Stand angepasst werden muss, möchte
ich dieser Aussage widersprechen. Denn es müssen die Informationen über die
neuesten technischen Entwicklungen angepasst werden und nicht die
Fähigkeiten. Die Fähigkeit bereit zu sein, sich zu informieren muss in der
schulischen Ausbildung erworben bzw. gefördert werden, ja ich möchte sogar
sagen, dass das
einzelne Individuum diese Fähigkeit in die Wiege gelegt
bekommen haben sollte.
1.4
Sozialkompetenz
Die Zeit des Einzelkämpfers scheint nach Kirchmair (1996) endgültig zu Ende
gegangen zu sein, an seine Stelle tritt die Kooperation im Team. Das setzt
voraus, dass das Kommunizieren mit anderen, das Zusammenarbeiten mit
Mitarbeitern und die Bereitschaft zum Weiterlernen ebenso vorhanden sein
muss, wie die Fähigkeit zur selbständigen Wissensaneignung. Diese Faktoren
bezeichnet man als extrafunktionale Qualifikationen.
Die Sozialkompetenz ist eine Kompetenz, die immer mehr in den Mittelpunkt
rückt und zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Dieses Bewusstsein nach Richter (1995) wird immer größer und die Bedeutung
sozialer Kompetenzen wird immer höher eingeschätzt.
Durch die zunehmende Vernetzung von Abteilungen und
Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen (zum Beispiel im
durch die
Hochbau:
Kooperation mit den ausführenden Firmen) bei der Ausführung eines Auftrages
und den gleichzeitigen Veränderungen in der Arbeitsorganisation, von der
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Arbeitsteilung zur Teamarbeit, wird die Fähigkeit, kompetent mit anderen
Menschen umgehen zu können immer wichtiger. Es muss ja kompetent
angewendetes Fachwissen anderen vermittelt und sogar gemeinsam weiterentwickelt werden. Dazu ist Sozialkompetenz notwendig. Die Einzelkämpfer, die
durch das traditionelle Bildungswesen ausgebildet werden, sind für den
Berufsalltag schlecht gerüstet.
Nach Brommer (1993) ist soziale Kompetenz die Fähigkeit eines Individuums
zum konstruktiven Umgang mit anderen. Darunter versteht man das situationsund personenbezogene Denken und Handeln sowie die Gedanken, Gefühle
und Einstellungen einer Person in der Kommunikation.
Zur Sozialkompetenz zählen zum Beispiel folgende Fähigkeiten:
•
Teamfähigkeit
•
Konfliktfähigkeit
•
Kommunikationsfähigkeit
•
Kooperationsfähigkeit
1.4.1 Teamfähigkeit - Konfliktfähigkeit
Bei der Teilkompetenz Teamfähigkeit innerhalb der Sozialkompetenz handelt es
sich nicht um eine einzelne Fähigkeit, sondern um ein Bündel von
Verhaltensweisen. Diese Verhaltensweisen können nicht generell bestimmt
werden, da Teamfähigkeit erst in einer sozialen Beziehung sichtbar wird.
Soziale Beziehungen können zum einen vielschichtig sein und zum anderen
von jedem Individuum
werden.
Es
stellt
Kooperationsfähigkeit
unterschiedlich wahrgenommen sowie interpretiert
sich
oft
inhaltlich
die
und
Frage,
auch
wie
in
der
Teamfähigkeit
Vermittlung
und
dieser
Schlüsselqualifikationen voneinander abzugrenzen sind.
Lenzen (1998) findet eine theoretisch fundierte Konkretisierung des Begriffs
Teamfähigkeit bei Bürger. Inhalt seiner Ausführungen ist es, das Trainingsziel
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“Teamfähigkeit“ sozialwissenschaftlich so zu konkretisieren, dass letztlich
Handlungsweisen für Interaktionspartner entstehen, deren Einhaltung in der
Gruppe zum Gruppenerfolg und zur Gruppenzufriedenheit führen. So grenzt
Bürger nach Lenzens Ausführungen zunächst Teamfähigkeit von anderen
Schlüsselqualifikationen
ab.
Hiernach
stellt
soziale
Kompetenz
einen
umfassenden Begriff dar, während Begriffe wie Kooperations-, Gruppen-,
Interaktions-
und
Kommunikationsfähigkeit
Teamfähigkeit bezeichnen. Auf diese
Teilaspekte
des
Begriffs
Weise kommt Bürger zur folgenden
Aussage: Teamfähigkeit ist ein komplexes Fertigkeitengefüge, das aus einer
Vielzahl von aufeinander bezogenen Teilfertigkeiten besteht, wie Fertigkeiten
des Konfliktregelns, Diskutierens und Kritisierens.
Teilfertigkeiten der Schlüsselqualifikation “ Teamfähigkeit“:
Zusammenarbeits-
Diskussionsfähigkeit
fähigkeit
Konflikt- und
Kritikfähigkeit
Quelle: Lenzen, 1998
Anstelle
des
Begriffes
der
Teamfähigkeit
könnte
der
Begriff
Zusammenarbeitsfähigkeit benutzt werden. Eine Arbeit in Gruppen ist ohne
Austausch der unterschiedlichen Meinungen nicht denkbar. Um einen
Wettbewerbsvorteil verbuchen zu können, muss sich eine Organisation, sei es
die Schule oder ein Unternehmen, ständig weiterentwickeln, dazu ist ein
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Meinungsaustausch für die Findung neuer Ideen notwendig. Teamfähigkeit
gewinnt daher im heutigen Beschäftigungssystem immer mehr an Bedeutung.
Lenzen (1998) gibt jedoch zu bedenken, dass bei der Vermittlung Grenzen
gesetzt sind. Realistisch betrachtet sind Menschen in unserer heutigen
vorherrschenden Leistungsgesellschaft nicht zum Teamspieler, sondern zum
Einzelkämpfer erzogen worden. Steigende Arbeitslosenzahlen verstärken das
Konkurrenzdenken. Weiters können auch tendenziell kooperativ veranlagte
Menschen zu konkurrenzorientiertem Verhalten veranlasst werden, wenn
erwartet
werden
kann,
dass
ihre
Kooperationsbereitschaft
durch
Wettbewerbsverhalten ausgebeutet wird.
1.4.2 Kommunikationsfähigkeit
„...Die Kommunikationsfähigkeit- und Kooperationsfähigkeit sind die am
häufigsten geforderten Fähigkeiten von Schlüsselqualifikationen auf dem
Stellenmarkt“
(Belz/Siegrist, 1997, IV.Teil, S. 28).
Unter Kommunikationsfähigkeit versteht man die Bereitschaft und das
Vermögen des Einzelnen bewußt und selbstkongruent zu kommunizieren.
Dabei teilt sich der Einzelne dem Gegenüber klar und deutlich mit, hört bewußt
zu, unterscheidet Wesentliches vom Unwesentlichen, geht auf die Bedürfnisse
anderer ein und achtet auf nonverbale Signale (Belz/Siegrist, 1997, IV.Teil, S.
28).
Personen können innerhalb einer Gruppe, sei es am Arbeitsplatz oder auch im
Freundes-
und
Familienkreis,
nur
dann
kooperativ
und
teamorieniert
zusammenarbeiten, wenn sie bereit und fähig sind zu kommunizieren.
Im Zeitalter zunehmender Computerisierung bedürfen für Lenzen (1998)
kommunikative Fähigkeiten und die Befähigung zu ihrer situationsgerechten
Ausgestaltung besondere Aufmerksamkeit, denn für ihn besteht die Gefahr,
dass durch die Einbeziehung von Computertechnologie in die Lebensumwelt
der Menschen die kommunikativen Beziehungen unter ihnen verkümmern.
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Die Fähigkeit zur Kommunikation ist für das alltägliche Privatleben bzw.
Berufsleben von besonderer Bedeutung, da alle Vermittlungsprozesse über die
Kommunikation
erfolgen.
Kommunikation
vermittelt
im
menschlichen
Zusammenleben kognitive und soziale Vorgänge. Wenn ich mit meinen
Studienkollegen telefoniere, dann ist diese Kommunikation wohl auch
Selbstzweck und signalisiert ein menschliches Bedürfnis: den Wunsch nach
befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen.
Für Lenzen (1998) haben die meisten Menschen in ihrem Leben niemals
gelernt, richtig mit anderen umzugehen, ihre Meinungen und Ansichten
darzulegen, also richtig zu kommunizieren. Obwohl sie von ihrer Bereitschaft
und ihren Fähigkeiten her gute Voraussetzungen mitbringen, gelingt es vielen
von ihnen nicht, konstruktiv und einvernehmlich mit anderen Personen
zusammenzuarbeiten oder die Freizeit zu verbringen. So zeigen viele
Mitmenschen,
gleich
welchen
Alters,
welcher
sozialer
Herkunft
oder
Berufsgruppe beim Zusammentreffen mit anderen schnell dominante und
aggressive Verhaltensweisen. Sie begeistern sich nur an sich selbst und
akzeptieren nur die von ihnen geäußerte Meinung.
Andere wiederum
verstummen sofort, wenn sie sich jemanden gegenüber
äußern sollen, diese
werden unsicher und sind verschüchtert. In einer
Gruppensituation verstecken sie sich hinter anderen Gruppenmitgliedern und so
entgehen
ihnen
Chancen
der
eigenen
Lebensbereicherung
und
der
Arbeitsbereicherung.
Diese Personen sind unfähig, sich selbst und ihre eigenen Überzeugungen
einzubringen. Oft wären es vielleicht gerade diese Gedanken und Anregungen,
die zur Lösung eines Problems beitragen könnten.
Die beiden hier beschriebenen Grundtypen von Personen verfügen über
mangelnde Kommunikationsfähigkeit, obwohl sie in ihrer Erscheinung und
Wirkungsweise völlig unterschiedlich sind.
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1.4.2.1 Voraussetzung für eine Verbesserung des eigenen
Kommunikationsverhaltens
Brommer (1993) legt Voraussetzungen fest, die eine Verbesserung des
eigenen Kommunikationsverhaltens ermöglichen sollen:
•
Überprüfung und Hinterfragung des eigenen Kommunikationsverhalten auf
der kognitiven Ebene
•
Die Bereitschaft, anhand eines fundierten Wissens über das menschliche
Verhalten, die eigene zwischenmenschliche Kommunikation laufend zu
verbessern
•
Erkenntnis darüber, dass das persönliche Kommunikationsverhalten
verbesserungsbedürftig ist
•
Rückschläge im eigenen Kommunikationsverhalten als Herausforderung
anzusehen
1.4.3 Kooperationsfähigkeit
Kooperationsfähigkeit meint die Bereitschaft und das Vermögen des Einzelnen
sich an Gruppenarbeitsprozessen aktiv und selbstverantwortlich zu beteiligen.
Der Einzelne gibt dabei sein eigenes Wissen weiter und geht auf die anderen
ein. Er respektiert ihre Vorstellungen und Meinungen, hält vereinbarte
Spielregeln ein, ohne dabei das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren
(Belz/Siegrist, 1997).
Vor dem Hintergrund zunehmender Rationalisierung durch Technologisierung,
sowie eines auf Konkurrenzdenken und Konkurrenzhandeln aufgebautes
Gesellschaftssystem, sind Eigenschaften wie Rücksichtslosigkeit und Egoismus
oft die vorherrschenden Tugenden.
Kooperation
überlegen
innerhalb
zu
sein
eines
und
Unternehmens
damit
ist
bedeutet,
der
Kooperationsfähigkeit
erstrebenswert.
Fachdidaktik-Handlungskompetenz
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Konkurrenz
grundsätzlich
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Trotz der unbestrittenen Vorzüge wird häufig übersehen, dass eine dauerhafte
Kooperation
sehr
schwierig
ist,
weil
dabei
individuell
unterschiedlich
ausgeprägte Bedürfnisse, wie beispielsweise die des Wettstreits unterdrückt
werden müssen (Lenzen, 1998).
1.5
Selbstkompetenz
Der Umgang mit dem Fachwissen, der Umgang mit der Umwelt
Umgang
mit
sich
selbst,
tragen
zur
und der
Persönlichkeitsentwicklung
eines
Menschen bei.
Selbstkompetenz nach Richter (1995) ist der kompetente Umgang mit sich
selbst.
Dies bedeutet:
•
die Fähigkeit zum Selbstmanagement
•
kompetenter Umgang mit Selbst-Wert
•
eine reflexive Auseinandersetzung mit sich selbst
•
die Entwicklung eines individuellen Wertehorizontes und Menschenbildes
•
die
Fähigkeit,
zu
beurteilen
und
die
Fähigkeit,
sich
selbst
weiterzuentwickeln.
Für Lloyd & Sam (1993) ist es eine interessante Tatsache, dass es jenen
Menschen am leichtesten fällt, anderen zu vertrauen, die ein hohes Maß an
Selbstwertgefühl besitzen. Wenn eine Person sich seiner eigenen Fähigkeiten
voll bewusst ist, so hat diese auch weniger Angst, anderen zu vertrauen. Wenn
eine Person ein hohes Selbstwertgefühl hat, so ist die Wahrscheinlichkeit groß,
dass sie ihre Gefühle oder Probleme anderen anvertraut. Andererseits wird sich
eine Person, deren Selbstwertgefühl angeknackst ist, stets Gedanken darüber
machen, wie die Mitmenschen über sie denken könnten, und deshalb wird eine
solche Person ihre Probleme und Gefühle lieber für sich behalten.
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Somit fällt es eigendynamischen sowie innerlich starken Persönlichkeiten
leichter, anderen zu vertrauen, da ihre Selbstachtung und ihr Selbstvertrauen
nicht auf die Zustimmung anderer angewiesen ist.
Für Lloyd & Sam (1993) ist eine dynamische Persönlichkeit ein Mensch, der
eine hohe Selbstachtung hat.
Meiner Meinung ist es sehr unwahrscheinlich, dass jemand ohne den nötigen
Respekt vor sich selbst und ohne ein größeres Maß an Selbstvertrauen als eine
eigendynamische und innerlich starke Persönlichkeit angesehen wird.
Wer Selbstkompetenz besitzt, hat einen sogenannten weiteren Blickwinkel und
ist somit weitsichtiger. Er braucht keine Angst haben, wenn er die
vorherrschenden Strukturen aufbricht und sich dadurch auf Neuland befindet.
Nach Richter (1995) können festgefahrene, verkrustete Strukturen nur durch
Persönlichkeiten aufgebrochen werden, die sich selbst einschätzen können und
in
der
Lage
sind,
neue
Visionen
zu
entwickeln.
Nur
so
ist
eine
Weiterentwicklung im gesellschaftlichen Kontext, wie auch im individuellen
möglich.
Schüler sollen auf ein kompetentes und selbständiges Handeln in zukünftigen
beruflichen, gesellschaftlichen-politischen und privaten Handlungssituationen
vorbereitet werden, und dieses Handeln muss in der Schule durch
verschiedene
Unterrichtsmethoden
geübt
werden.
Eine
Schule
die
Selbständigkeit fördern will, muss den Schülern möglichst oft Lernsituationen
anbieten, die entsprechende Handlungs-, Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume eröffnen.
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Literatur
Belz, H.; Siegrist, M. (1997). Kursbuch Schlüsselqualifikationen: ein
Trainingsprogramm. Freiburg im Breisgau: Lambertus.
Bommer, U. (1993). Schlüsselqualifikationen. Stuttgart: Dt. Sparkassen-Verlag.
Kirchmair, G. (1996). Telearbeit Realität und Zukunft. Telearbeit und Schlüsselqualifikationen in der postmodernen Wissensgesellschaft.
Wien: Österreichischer Gewerkschaftsbund.
Lenzen, A. (1998).
Erfolgsfaktor Schlüsselqualifikationen - Mitarbeiter optimal
fördern. Heidelberg: Sauer.
Llod; Sam, R. (1993). Selbstgesteuerte Persönlichkeitsentwicklung:
Selbsteinschätzung, Erwartungshaltungen und Lösungen,
verbesserte Führungsfähigkeiten. Wien: Ueberreuter.
Meyer, H. (1987).
Unterrichtsmethoden II. Frankfurt am Main: Cornelsen.
Richter, C. (1995).
Schlüsselqualifikationen. Alling: Sandmann.
Wilsdorf, D. (1991). Schlüsselqualifikationen: die Entwicklung selbständigen
Lernens und Handelns in der industriellen gewerblichen
Berufsausbildung. München: Lexika.
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