bfai - Bundesagentur für Außenwirtschaft

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Datenbank:
Länder und Märkte
Titel:
Wirtschaftsentwicklung Kuba 2007
Datum:
01.08.2008
Land:
Kuba
Produktkategorie:
Broschüren
Ihr Ansprechpartner in der bfai: Frau Kusche, Ruf: 0221/2057-419
Wirtschaftsentwicklung Kuba 2007
Havanna (bfai) - Die kubanische Wirtschaft wuchs 2007 nach eigenen Angaben um 7,0%. Umfangreiche
Unterstützung erfuhr das Land durch verbilligte Erdöllieferungen aus Venezuela sowie chinesische
Handelskredite. Allerdings hat sich die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen nicht
verbessert. Kuba ist nach wie vor in hohem Maße auf Importe von Energie, Industrieprodukten und
Lebensmitteln angewiesen. Erste strukturelle Reformen - insbesondere in der Landwirtschaft - zeichnen
sich jedoch unter Raúl Castro ab.
1.1 Kurzcharakterisierung der kubanischen Wirtschaft
Die kubanische Wirtschaft wurde nach dem Modell der sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaft
aufgebaut. Dieses System besteht unverändert mit allen dafür typischen Mängeln wie Fehlallokation von
Ressourcen, starke Bürokratisierung, Kapitalmangel, unzureichende Leistungsanreize für Arbeitnehmer
sowie ein schlecht entwickelter Logistiksektor.
Am 24.2.08 wurde Raúl Castro zum neuen Präsidenten des Staats- und Ministerrates Kubas gewählt,
nachdem Fidel Castro auf eine Kandidatur verzichtet hatte. Raúl Castro hat strukturelle Reformen
insbesondere im Bereich der Landwirtschaft angekündigt und zugleich durch seine Ermunterungen zu Kritik
und der Betonung der Bedeutung von Effizienz und Leistungsfähigkeit in der Wirtschaft Erwartungen
geweckt. Erste Schritte zur Förderung der Produktion erfolgten in der Landwirtschaft, wo die
Entscheidungskompetenz auf Gemeindeebene verlagert wurde, Privatbauern brachliegendes Land
überlassen wird und ein Kredit und Gerätenetzwerk aufgebaut werden soll.
Ausländische Investoren werden zwar weiterhin nicht umworben, aber deren Angebote ernst genommen,
was sich im Ablauf verschiedener Delegationsreisen aus Deutschland gezeigt hat.
Die kubanische Wirtschaft, die in den Jahren der Spezialperiode der frühen 90er Jahre und dem Wegfall
der sowjetischen Subventionen sowie des Handels im Rahmen des Comecon stark gelitten hat, wächst
weiterhin. Die tatsächliche Höhe des Wachstums ist allerdings nicht ermittelbar, da das kubanische
Zahlenwerk nicht internationalen Standards entspricht.
Zu einem Großteil ist das Wachstum der kubanischen Wirtschaft allerdings durch die umfangreiche
Unterstützung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez begründet, der das Land mit verbilligten
Erdöllieferungen versorgt. Hierdurch und durch chinesische Handelskredite wurden Investitionen in die
Stromerzeugung, in Transport und Wasserversorgung möglich. Auch die für die Erwirtschaftung von
Devisen wichtigen Nickelexporte sind gewachsen. Die Zahl der Kuba besuchenden Touristen hingegen
sank minimal.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen hat sich 2007 nicht gebessert. Ein
erheblicher Anteil des Warenangebots, alles außer Bohnen, Reis, Schweinefleisch, Obst und Gemüse, wird
nur gegen konvertierbare Währung in staatlichen Supermärkten oder auf dem Schwarzmarkt angeboten.
Die große Mehrheit der Bevölkerung hat jedoch keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zu konvertiblen
Pesos (CUC).
Kkubanische Quellen geben das durchschnittliche Jahreseinkommen je Erwerbstätigen für 2007 mit 4.896
nationalen Pesos (kub$; circa 156 Euro) an. Damit ist das Gehalt gegenüber 2006 zwar um 5,4% gestiegen,
gleichzeitig wuchsen aber auch die Lebenshaltungskosten. Das Einkommen ist nach wie vor zu gering, als
dass eine Familie allein damit den Lebensunterhalt decken könnte.
1.2 Struktur der Wirtschaft
Die kubanische Wirtschaft ist in Staatsunternehmen organisiert, die 13 Fachministerien unterstehen.
Daneben bestehen Joint Ventures und internationale Wirtschaftsassoziationen mit ausländischen Firmen
und circa 90.000 selbständig tätige kubanische Personen. Die Anzahl der Joint Ventures verringert sich seit
Jahren und erreichte 2007 mit nur 233 (2005: 258) einen neuen Tiefstand seit der Öffnung der kubanischen
Wirtschaft für ausländisches Kapital.
Gemäß kubanischer Quellen ist die Wirtschaft 2007 dennoch gewachsen: Investitionen +16,8%,
Landwirtschaft und Fischerei +24,7%, Industrie +7,8%, Transport +7,9% und Dienstleistungen +11%.
Exporte von Gütern und Dienstleistungen sind um 24% angestiegen. Trotzdem bleibt Kuba in hohem Maße
auf Importe von Energie und Industrieprodukten und Lebensmitteln angewiesen. Wichtige Exportprodukte
sind Nickel, Tabak, medizinische Leistungen, und Pharmazeutika, Zucker und Derivate (zum Beispiel Rum).
Hierzu kommen die Einnahmen aus dem Tourismus sowie die - trotz des US-amerikanischen Verbots - im
Lande ankommenden Überweisungen von Exilkubanern.
2.1 Wirtschaftsklima
Kuba hat, nach dem es durch den Zusammenbruch der Handelsbeziehungen innerhalb des Comecon
Anfang der 90er Jahre einen externen Schock zu bewältigen hatte, in den letzten Jahren an
makroökonomischer Stabilität gewonnen und ist in einzelnen Sektoren für ausländische Exporteure
durchaus interessant. Auch deutsche Unternehmen, vor allem im Maschinenbau, haben ihre Absätze in
Kuba in den letzten Jahren deutlich steigern können. Die Zahlungsmoral gegenüber den deutschen
Exporteuren gilt als gut, Kuba bedient seine Schulden im Rahmen des 2002 mit Deutschland
abgeschlossenen Abkommens pünktlich. Die Euler-Hermes Exportkreditgarantie ist ein wichtiges positives
Element in den deutsch-kubanischen Wirtschaftsbeziehungen. Im Juni 2005 wurde der revolvierende
Plafond für kurzfristige Geschäfte mit Kreditlaufzeiten bis zu zwölf Monaten auf 20 Mio. Euro erhöht. Zu
Jahresbeginn 2008 wurde eine einmalige temporäre Überschreitung des Plafonds um 5 Mio. auf 25 Mio.
Euro zugelassen. Der neben dem kurzfristigen Plafond bestehende revolvierende Plafond für Geschäfte mit
über zwölf Monate hinausgehenden Kreditlaufzeiten in Höhe von 40 Mio. Euro besteht ebenfalls weiter. Neu
ist die Möglichkeit, bei Direktinvestitionen Anträge auf Erteilung von Bundesanlagengarantien stellen zu
können.
Allerdings gibt es für private Initiativen in der kubanischen Zentralverwaltungswirtschaft keinen
beziehungsweise nur einen sehr eingeschränkten Raum. Die bürokratischen Hemmnisse sind hoch und die
Rechtssicherheit für Investoren entspricht nicht der marktwirtschaftlich orientierter Gesellschaften. Der
staatliche Sektor wird geschwächt durch Warenabflüsse (etwa durch Korruption, Diebstähle) in den
informellen Sektor. Nach Angaben der staatlichen Medien machte dies 2006 rund 185 Mio. kub$ aus (zum
Vergleich 2005: 416,9 Mio. kub$; dies entspricht circa 1% des nicht bereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP);
Quelle: Zeitschrift "Juventud Rebelde" vom 23.2.07). Für 2007 liegen hierzu keine Zahlen vor.
2.2 Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft
Kuba ist Mitglied der Welthandelsorganisation, nicht jedoch des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf
Grund des Vetos der USA, der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB). Darüber
hinaus ist Kuba beteiligt an dem vom venezolanischen Präsidenten Chávez ins Leben gerufene
ALBA-Projekt (Alternativa Bolivariana de las Américas), das als wirtschaftspolitisches Alternativprojekt zu
den von den Regierungen Kubas und Venezuelas als neoliberal gekennzeichneten Freihandelsabkommen
konzipiert ist.
Der außenwirtschaftliche Verflechtungsgrad Kubas insgesamt ist nach wie vor gering. Herausragend ist der
Anstieg des Handels mit der VR China. Dieser stieg 2007 um 23% im Vergleich zum Vorjahr und
überschritt damit die 2 Mrd. US$-Grenze.
2.3 Aktuelle Wirtschaftsentwicklung
2.3.1 Wirtschaftswachstum 2007
Die kubanische Regierung gibt das Wirtschaftswachstum in Relation zum BIP mit 7,0% an. Die zugrunde
gelegte Berechnungsmethode weicht allerdings vom internationalen Standard ab; Berechnungsgrundlage
ist das sogenannte "BIP social sostenible", das die stark subventionierten Leistungen im Gesundheits- und
Bildungssektor sowie Teile des Bruttonationaleinkommens (medizinische Leistungen im Ausland) mit
einbezieht. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL)
sowie die Economist Intelligence Unit in ihrer "Länderanalyse Kuba" sehen das Wachstum des BIP bei
6,6%. Auch die CEPAL benützt kubanische Rohdaten und leitet daraus nach den international anerkannten
Methoden das kubanische Wirtschaftswachstum ab.
Zum mit Abstand wichtigsten Außenhandelspartner Kubas hat sich Venezuela entwickelt. Nach Venezuela
gingen 2007 zwar nur 11,4% aller Exporte, fast 25% aller Importe stammen hingegen von dort (vor allem
Öl). Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sollen in Zukunft noch enger werden: Ende Januar 2007
haben Venezuela und Kuba 16 Verträge in den Bereichen Landwirtschaft, Stahlproduktion und
Telekommunikation (Volumen: 2.000 Mio. US$) unterzeichnet. Von 2001 bis 2006 stieg der
Handelsaustausch zwischen beiden Ländern von 460 auf 2.649 Mio. US$ an. Wichtigster europäischer
Handelspartner waren in den letzten Jahren die Niederlande aufgrund ihrer Bedeutung als Umschlagplatz
für das aus Kuba exportierte Nickel (Gesamtexportvolumen 2007: 1.010 Mio. US$). Die Handelsbilanz
zwischen der EU und Kuba ist 2007 um insgesamt 13,33% gesunken (Exporte: -11,73%, Importe: -17,03%).
Deutschland hat 2007 Waren für insgesamt 216 Mio. Euro exportiert und für 20 Mio. Euro importiert.
2.3.2 Agrarsektor
Kuba muss nach wie vor den überwiegenden Teil (circa 80%) seines Lebensmittelkonsums importieren.
Trotz des US-Handelsembargos bezieht Kuba Agrarerzeugnisse vor allem aus den USA (Importvolumen
2007: 437,5 Mio., 2006: 340 Mio., 2005: 350 Mio. US$). Die Regierung bemüht sich darum, diese Importe
anderweitig zu substituieren und hat unter anderem mit Venezuela einen Kooperationsvertrag
unterzeichnet, welcher die Ausweitung der Reisproduktion in Venezuela und den Verkauf der Erzeugnisse
nach Kuba vorsieht. Der kubanische Agrarsektor insgesamt verzeichnete 2007 einen Anstieg um 24,7%.
Die Produktion von Zitrusfrüchten stieg um 20% gegenüber 2006, die Reisernte fiel etwas geringer aus als
im Vorjahr. Kuba verbraucht jährlich circa 700.000 t Reis, davon werden circa 500.000 t importiert, 150.000
bis 200.000 t davon aus den USA. Bedingt durch die starken Regenfälle im Herbst, mussten im Osten der
Insel Ernterückgänge hingenommen werden. Es wurde ein Schaden in Höhe von 500 Mio. USS verursacht.
Gestiegen sind hingegen die Produktionszahlen für Milch (16,8%) und Schweinefleisch.
Weit über 50% der landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen brach beziehungsweise sind aufgrund der
Überwucherung ("Marabú") nicht bebaubar. Hier setzt die Politik von Raúl Castro an, der eine Erhöhung der
Produktion zur Substituierung der Importe herbeiführen will. So sollen auch unrentable staatliche
landwirtschaftliche Betriebe geschlossen und das System dezentralisiert werden. Den Privatbauern, die
bereits jetzt mit nur 30% der bebauten Flächen rund 70% der Produktion bestreiten, soll zukünftig mehr
Land, landwirtschaftliche Maschinen und Kredite für deren Beschaffung zur Verfügung gestellt werden. Es
bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen zu einem Erfolg führen.
2.3.3 Energie
Das Jahr 2006 war von der Regierung zum Jahr der Energierevolution ausgerufen worden; umfangreiche
Investitionen wurden getätigt. Die Stromproduktion stieg um etwa 7%, und die Anzahl der "apagones"
(Stromausfälle) hat sich seitdem spürbar verringert. Insgesamt gab es 87,5% weniger Stromausfälle im
Vergleich zu 2005. Im Jahr 2007 wurde die Kapazität der Stromerzeugung aus Gas weiter ausgebaut.
Mittel- bis langfristig will die Regierung auf erneuerbare Energiequellen setzen. Versuchsanlagen zur
Stromerzeugung aus Wind und Studien zur Nutzung der Gezeitenkräfte existieren zwar schon, eine
nachhaltige Nutzung ist jedoch derzeit noch nicht absehbar. Allerdings hat Kuba mit Indien ein Abkommen
zur Schulung kubanischer Kräfte in der Nutzung der Windenergie unterzeichnet, und im Dezember 2007
wurde der Bau einer Windkraftanlage (mit französischer Technologie) angekündigt. Kuba ist an Erfahrungen
aus Deutschland interessiert, das als führend auf dem Markt der Windenergie gilt.
Mit den gestiegenen Erträgen aus der Zuckerernte kam auch die Produktion von Ethanol in Kuba ins
Gespräch. Jedoch ist aufgrund der im weltweiten Vergleich geringen Hektarerträge nicht damit zu rechnen,
dass Kuba in absehbarer Zeit seinen Treibstoffbedarf auch nur teilweise aus Ethanol wird decken können.
Stattdessen ist anzunehmen, dass Kuba seinen eingegangenen Exportverpflichtungen verstärkt mit Zucker
aus eigener Produktion wird nachkommen können und diesen nicht mehr teuer zunächst auf dem Weltmarkt
einkaufen muss.
Nach offiziellen Angaben liegt die kubanische Produktion von Erdöl (mit hohem Schwefelgehalt) derzeit bei
57.000 Barrels/Tag, insgesamt 2,7 Mio. t im Jahr 2007. Damit kann Kuba rund 50% des Eigenbedarfs
decken. Das Abkommen Venezuelas mit 13 karibischen Staaten - Petrocaribe genannt - garantiert darüber
hinaus die Lieferung zu Vorzugspreisen (etwa die Hälfte des Weltmarktpreises) und günstigen
Zahlungszielen. Die Erdölimporte aus Venezuela liegen bei circa 90.000 Barrels/Tag. Ein Abkommen mit
der brasilianischen Erdölgesellschaft Petrobas soll die Produktion in Offshoregebieten ankurbeln. Weitere
Explorationsrechte sind an die VR China, Vietnam und Spanien vergeben. Die Erdgasproduktion lag mit
1,215 Mio. cbm höher als das Vorjahresniveau. Im Jahr 2007 hat Kuba etwa 47% seines Energiebedarfs mit
Eigenproduktion gedeckt.
2.2.4 Tourismus
Die Zahl der deutschen Kuba-Touristen war 2007 erneut rückläufig und lag bei 103.054 (Rückgang um
über 9% zum Vorjahr). Auch insgesamt ging die Anzahl der Besucher 2007 zurück. Die Abnahme ergab
sich vor allem durch weniger Touristen aus Spanien (-28,2%), Italien (-7%), Frankreich ( 11%), nur Kanada
weist eine Steigerung von 9,3% auf. Diese Märkte wurden bereits vor einigen Jahren erschlossen. Aufgrund
eines ungünstigen Preis-Leistungsverhältnisses und Mängel im Servicebereich gibt es jedoch zu wenig
wiederkehrende Gäste aus diesen Ländern. Diese Verluste konnten nur teilweise durch höhere
Besucherzahlen aus den südamerikanischen Ländern (Argentinien: +24,8%, Kolumbien: +15,8% und
Brasilien: +10,4%) oder auch Russland (+4,3%), aufgefangen werden.
2.3.5 Bausektor und Infrastruktur
Im Jahr 2007 wurden 51.790 Häuser fertig gestellt, was dem Bausektor ein starkes Wachstum brachte.
Mehr als zwei Drittel der Häuser erfolgten im Eigenbau - der Staat stellte die Materialien zur Verfügung, den
Bau selbst führten die zukünftigen Bewohner beziehungsweise lokale "Brigaden" durch. Der Staat
investierte weiterhin in den Infrastrukturbereich (Krankenhäuser, Schulen, Elektrizität, Straßenbau und
Wasserversorgung).
3.1 Fiskalpolitik
Genaue Daten über den Haushalt mit Anteilen der einzelnen Einnahmen und Ausgaben liegen nicht vor.
Kuba beziffert die Staatsausgaben für 2007 mit 41,4 Mrd. CUC (umgerechnet 29,5 Mrd. Euro, die
Einnahmen mit 39,52 Mrd. CUC (28,1 Mrd. Euro), womit das Fiskaldefizit, wie im Vorjahr, bei 3,2% des
Bruttosozialprodukts (BSP) liegt. Auch 2008 dürfte die kubanische Regierung diese Zielgröße ansteuern.
Höhere Löhne werden durch die Erhöhung der Steuern und Abführungen staatlicher Unternehmen
finanziert, dabei werden Einnahmen aus dem Export kubanischer Dienstleistungen (vor allem medizinische
Leistungen) eine erheblichen Beitrag zu den Einnahmen leisten.
3.2 Geldpolitik
Das kubanische Wechselkurssystem ist komplex. Nationale Währung ist zum einen der - nicht konvertible kubanische Peso (kub$), daneben besteht jedoch der sogenannte konvertible Peso (CUC). In der
volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung setzt die Regierung eine Relation des kub$ zum CUC von 1:1 an,
während tatsächlich ein nationaler Peso nur im Verhältnis 24:1 in CUC getauscht werden kann, was der
Kaufkraftparität nahe kommen dürfte. Der CUC ist fest an den US-Dollar angebunden (1 CUC=1,08 US$).
Ausländische Währungen können in Kuba frei gegen CUC getauscht werden, allerdings wird der Umtausch
von US$-Noten zusätzlich mit einer Gebühr von 10% bestraft.
Kubanische Wirtschaftsunternehmen müssen ihre Deviseneinnahmen an die Zentralbank abführen. Bei
Importgeschäften müssen die Devisen eigens bei der Zentralbank beantragt werden, ihre Verwendung
bedarf der Genehmigung der Zentralbank. Auch Gemeinschaftsunternehmen unterliegen eingeschränkt
dieser Regelung; ausgenommen sind Gewinnanteile des ausländischen Partners. Die Rolle der Zentralbank
ist durch all diese Maßnahmen sehr gestärkt worden. Zu den staatlichen Devisenreserven liegen keine
Angaben vor; sie sind als Staatsgeheimnis eingestuft.
Auch zur Inflation gibt es für 2007 keine offiziellen Daten; die Economist Intelligence Unit schätzt sie auf
3,6%. Die Durchschnittslöhne stiegen 2007 nominell um 5,4% auf 408 kub$.
In Abwesenheit eines Marktes bestehen die wichtigsten wirtschaftspolitischen Zielsetzungen aus
detaillierten planwirtschaftlichen Zielvorgaben für Investition und Produktion und die Versorgung der
Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen. Es gilt der Vorrang politischer vor wirtschaftlichen
Entscheidungen. Trotz der politischen Veränderungen sind die Prioritäten der kubanischen
Investitionsplanung und auch die Erwartungen der Bevölkerung fast unverändert und liegen in den
Bereichen Energiegewinnung, Transport, Wasserversorgung, Verbesserung der Wohnungslage und
Zukunftstechnologien (Informations- und Biotechnologie). Die Weiterentwicklung des Tourismus ist wieder
auf die Agenda aufgenommen worden. In den nächsten Jahren sollen 30 zusätzliche Hotels errichtet
werden.
Nach der Wahl Raúl Castros zum Präsidenten des Staats- und des Ministerrats wird erwartet, dass die
Wirtschaftspolitik durch die Regierung überprüft wird. Raúl Castro hat als zuständiger Minister über
Jahrzehnte die kubanischen Streitkräfte geführt und ihnen eine bedeutende Rolle im Dienstleistungs-,
Tourismus- und Produktionsbereich eröffnet. Über die Jahre haben die Streitkräfte ihr Schlüsselpersonal
Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in Management und Buchhaltung unterworfen. Diese Maßnahmen
laufen unter dem Stichwort "sistema de perfeccionamiento empresarial" (SPE, etwa: wirtschaftliche
Perfektionierung), und tatsächlich erzielt das Wirtschaftsmilitär heute grundsätzlich bessere Produktivitätsund Gewinnergebnisse als der Rest der kubanischen Wirtschaft. Angaben zur Größenordnung der
"militärisch" geführten Betriebe schwanken erheblich zwischen 2,5 und 30% der staatlichen kubanischen
Betriebe. Übereinstimmung herrscht darin, dass diese über 50% der Deviseneinnahmen des Landes
erwirtschaften.
In den letzten Monaten war festzustellen, dass auch die nicht militärisch beeinflussten kubanischen
Wirtschaftsbetriebe auf eine Ausdehnung der Grundsätze des SPE auf die Gesamtwirtschaft vorbereitet
werden. Ob es allein damit - in Abwesenheit eines Privatsektors und massiver materieller Leistungsanreize
für die Arbeitnehmer - gelingen kann, eine nachhaltige Produktivitätssteigerung oder internationale
Wettbewerbsfähigkeit für die Mehrheit der Wirtschaftssektoren zu erzielen, erscheint fraglich.
3.3 Außenwirtschaftspolitik
3.3.1 Investitionen
Ausländische Investitionen werden immer noch begrenzt. In den 90er Jahren wurden ausländische
Investitionen als Joint Ventures (JV) zwischen ausländischen Partnern und kubanischen
Staatsunternehmen zugelassen. Im Jahr 2004 wurde das Interesse jedoch neu definiert: Joint Ventures
sollen sich auf wenige große, leichter zu kontrollierende Projekte beschränken. In anderen Bereichen
besteht bislang kein Interesse an ausländischen Beteiligungen. Kleininvestoren wird das Leben seit 2004
durch bürokratische Hürden schwer gemacht. Die Zahl der Joint Ventures, internationalen
Wirtschaftsassoziationen (dabei behalten die Geschäftspartner ihre juristische Eigenständigkeit) und andere
Kooperationsformen fiel stark von über 400 (2003) auf 233 (2007). Die größten Auslandsinvestitionen in
Kuba sind bislang im Bereich der Nickel- und Erdölförderung zu verzeichnen gewesen (Kanada, Venezuela,
Spanien, China, Indien, Vietnam).
3.3.2 Auslandsverschuldung
Die Auslandsverschuldung beträgt nach geschätzten Angaben der Regierung 16 Mrd. US$ (ohne
Altschulden gegenüber der früheren UdSSR). Von den internationalen Ratingagenturen wird Kuba mit
unteren spekulativen Bereich (Moody: Caa) eingestuft. Global Insight Rating hat Kuba hingegen für
mittelfristige Kredite auf 75 Punkte aufgewertet - dies wohl im Hinblick auf die zunehmend besser bedienten
Schulden in den letzten Jahren.
An den internationalen Kapitalmärkten hat die kubanische Regierung bislang nur in sehr begrenztem
Umfang Bonds ausgegeben. Im Februar 2007 fällige Papiere in Höhe von insgesamt 524 Mio. US$ wurden
vollständig bezahlt. Russland hat Kuba trotz umfangreicher und ungeklärter Altschulden einen neuen Kredit
über 100 Mio. US$ für den Kauf russischer Zivilflugzeuge eingeräumt. Die Tilgung der kubanischen
Schulden gegenüber Deutschland läuft auf der Basis der Vereinbarung von 2000 unproblematisch.
3.4 Zusammenfassende Bewertung, Perspektiven
Derzeit herrscht oberflächlich Ruhe im Lande. Der schlechte Zustand der meisten Wirtschaftssektoren, die
Armut und Repression der Bevölkerung bilden langfristig jedoch ein Stabilitätsrisiko, das von Investoren und
Exporteuren gleichermaßen in Rechnung zu stellen ist. Raúl hat mit seiner Ermunterung von Kritik und
Offenheit Erwartungen geweckt, auf deren Erfüllung das Volk nun wartet. Die bemerkenswerte Geduld der
kubanischen Bevölkerung wird weiter auf die Probe gestellt, wobei niemand auf wirklich revolutionäre
Neuerungen vor dem Tod von Fidel Castro wartet.
Die Handelsbeziehungen zu Venezuela werden aufgrund der kubanischen Abhängigkeit von
venezolanischem Öl erhalten bleiben und auch die Handelsbeziehungen zur VR China dürften sich
zukünftig aufgrund großzügiger Kreditgewährung noch weiter vertiefen. Die OECD-Staaten werden damit
als Investoren und Handelspartner weiter an Bedeutung einbüßen. Umfangreiche Investitionen werden für
2008 im Infrastruktur- und Transportsektor sowie in der Petrochemie erwartet.
(B)
© 2008 Bundesagentur für Außenwirtschaft
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