Deutsches Ärzteblatt 1994: A-3512

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MEDIZIN
KURZBERICHT
Giftpflanzen
in der Weihnachtszeit
Waltraut Kruse, Nicole Kuth
B
ei Kindern nehmen nach Arzneimitteln und Haushaltschemikalien Pflanzen oder Pflanzenteile den dritten Platz in der Statistik der Giftnotzentralen ein. Allerdings sind schwere Intoxikationen relativ selten; doch müssen wir
bei jedem Ingestionsfall die Frage
nach der notwendigen Behandlung
stellen. Hierzu gehört allerdings
auch die sichere Identifizierung der
betreffenden Pflanze.
Gerade zur Weihnachtszeit sind.
sowohl Topfpflanzen als auch Blumengestecke ein beliebter Zimmerschmuck. Dieser Pflanzenschmuck
bietet aber nicht nur für die Erwachsenen einen ästhetischen Anblick, sondern birgt möglicherweise
auch für Kinder Gefahren.
Im folgenden wird über die in
der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit wohl am häufigsten als
Zimmerschmuck verwendeten
Pflanzen, die potentielle Toxizität
besitzen können, ein kurzer Überblick gegeben. Im weiteren erfolgt
zu jeder Pflanze ein Hinweis zu den
empfohlenen therapeutischen Maßnahmen.
Amaryllis
Die Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae), zu denen außer dem
Ritterstern unter anderem das
Schneeglöckchen, die Osterglocke
und die Clivie gehören, weisen als
toxische Inhaltsstoffe die Amaryllidaceen-Alkaloide auf, was typisches Indiz dieser botanischen Familie ist (Abbildung 1). Wichtigster
Vertreter ist das Lycorin (Lycoramin), das in allen Pflanzenteilen,
besonders in den Zwiebeln enthalten ist.
Es ist durch Tiermodelle belegt, daß diese Alkaloide ausgeprägt gastrointestinal irritierend
und zentral stimulierend wirken
und tödlich sein können. Beim
Menschen verursacht die Ingestion
sichtbarer Pflanzenteile in der Regel vorübergehende gastrointestinale Beschwerden mit Speichelfluß,
Erbrechen und Diarrhoe. Äußerlich können verschiedene Pflanzenteile Kontaktdermatitiden auslösen.
Schwerere Vergiftungserscheinungen sind zu erwarten, wenn die
Amarylliszwiebel unter Verwechslung mit eßbaren Zwiebeln verzehrt
wird. Neben gastrointestinalen
Symptomen treten kurz nach der
zur Vorfüllung des Magens das betroffene Kind bäuchlings quer über
die Knie des Helfers gelegt werden
und Erbrechen durch Gaumenreizung mit einem Finger oder Holzlöffelstiel ausgelöst werden.
Alternativ läßt sich Erbrechen
unter ärztlicher Kontrolle medikamentös mit Sirup Ipecacuanhae
provozieren. Kinder bis zum Alter
von zwei Jahren erhalten 10 bis 15
ml, ältere 15 bis 30 ml. Die weitere
Abbildung 1: Klassische Amaryllis, wie sie oft zur
Weihnachtszeit verwendet wird.
Abbildung 2: Buchsbaum, mit den typischen kleinen
immergrünen ledrigen Bütten
Ingestion zentralnervöse Störungen
mit Benommenheit, Lichtscheu bis
hin zu zentralen Lähmungen auf.
Für die Therapie ist wichtig,
daß bei Ingestion einzelner Blätter
und Blütenteile genügend Flüssigkeitszufuhr in Form von kohlensäurefreier Getränke und die Gabe
medizinischer Kohle erfolgt. Bei
der oralen Aufnahme von größeren
Pflanzenteilen, insbesondere von
Zwiebeln, ist eine primäre Giftentfernung indiziert, die sogar vom
Laienhelfer durch induziertes Erbrechen eingeleitet werden kann.
Wichtig ist, daß die Gabe von Kochsalz als Emetikum im Kindesalter
kontraindiziert ist. Dagegen sollte
nach reichlicher Flüssigkeitszufuhr
Lehrgebiet Allgemeinmedizin (Leiterin: Prof.
Dr. med. Waltraut Kruse) der Medizinischen
Fakultät der RWTH Aachen
A 3512 (48) Deutsches Ärzteblatt 91, Heft 50, 16. Dezember 1994
-
Therapie orientiert sich an den
Symptomen.
Buchsbaum
Die immergrünen Blätter des
Buchsbaumes (Buxus sempervirens) werden in der Weihnachtszeit
häufig in Gestecken und Adventskränzen verwendet (Abbildung 2).
Da die Blätter einen bitteren Geschmack aufweisen, kommen Ingestionen größerer Mengen selten vor.
Die Toxizität des Buchsbaumes
wird als mindergiftig eingestuft. Bei
Tieren hat man die Beobachtung
gemacht, daß erst größere Mengen
eine Symptomatik neben Erbrechen, Durchfall mit Erregungszuständen, Krampfanfällen und Lähmungen bis hin zu Atemdepressionen auslösen. Derartige Vergiftungen beim Menschen sind jedoch
nicht dokumentiert.
Die Therapie sollte eine primäre Giftentfernung und Gabe medi-
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zinischer Kohle bei Ingestion
größerer oder auch unklarer Mengen von Pflanzenteilen beinhalten.
Die weitere Therapie ist abhängig
vom klinischen Verlauf, der theoretisch den Einsatz von Antikonvulsiva und einer maschinellen Beatmung erfordern kann.
Die Therapie sollte das Auslösen von Erbrechen und Gaben von
Kohle als Erste-Hilfe-Maßnahme
beziehungsweise Magenspülung
durch den Arzt, die auch noch Stunden nach der Einnahme sinnvoll
sein kann, beinhalten.
Mistel
Efeu
Wenn das Efeu (Hedera helix),
ein bestimmtes Alter (mehrere Jahre) erreicht hat, verändert sich die
Blattform, von den bekannten dreibis fünftappigen Laubtrieben, zu sogenannten runden Blättern. Je
nach Blüten- und Fruchtstand steigt
der Anteil der Saponine (Abbildung 3). Prozentual am stärksten
vertreten sind diese in den blauschwarzen Beeren des Efeus. Vergiftungen durch Efeu bei Erwachsenen sind kaum beschrieben. Bei
Kindern wurden allerdings schwere
Intoxikationen mit zum Teil letalem
Ausgang beobachtet. Allerdings
sind diese Komplikationen mit
Skepsis zu betrachten, da die Beeren — wegen ihres äußerst bitteren
Geschmacks — kaum zum Verzehr
einladen.
Sollten jedoch größere Mengen
verschluckt werden, kann es zu
Brechdurchfällen und Krämpfen
kommen. Bei Ingestion von mehr
als fünf Beeren oder zwei Blättern
ist eine primäre Giftentfernung und
Gabe von medizinischer Kohle erforderlich; geringere Mengen bedürfen keiner Therapie.
Eibe
Die immergrünen Eibenzweige
(Taxus baccata) mit ihren dekorativen roten Scheinbeeren, die nur bei
der männlichen Pflanze die Samenanlage ummanteln (Abbildung 4),
finden sich wie die Buchsbaumzweige zur Weihnachtszeit häufig
in Weihnachtsgestecken, Sträußen
und Kränzen als Ersatz von Tannenund Fichtenzweigen. Alle Pflanzenteile, bis auf den roten Scheinbeerenmantel, sind hochgiftig.
Sie enthalten neben cyanogenen Glykosiden, Biflavonoide und
das Pseudoalkaloid Taxin. 50 bis
100 g der Nadeln sind für einen Er-
Abbildung 3: Junger Fruchtstand des Efeus. Deutlich
zu sehen die veränderte Blattform
Abbildung 4: Die dekorative Scheinbeere der Eibe
und die flachen grünen Blättchen
Abbildung 5: Fruchtstand und schmale Blättchen der
Mistel
wachsenen bereits tödlich. Der
schwarzbraune Samen entfaltet
erst nach dem Zerkauen seine giftige Wirkung. Werden die Scheinbeeren allerdings im Ganzen verschluckt, sind keine Intoxikationen
zu befürchten.
Die Vergiftungserscheinungen
sehen wie folgt aus: Sie beginnen
nach einer halben bis eineinhalb
Stunden mit Erbrechen, heftigen
Leibschmerzen und Diarrhoen,
auch Schwindelzustände sind möglich. Die Kreislaufbeteiligung zeigt
sich durch Bradykardie, Arrhythmie sowie zunehmende Kollapserscheinungen. Als Spätwirkung bei
chronischer Intoxikation kann Leberversagen und eine Störung der
Blutgerinnung auftreten.
Die Mistel (Viscum album) enthält drei Klassen möglicher Toxine
(Abbildung 5). Dazu gehören gastrointestinal-irritierende Alkaloide, Kardiotoxine und Lektine. Dabei unterscheiden sich die Toxinzusammensetzungen verschiedener
Mitglieder der Mistelfamilie. Extrakte der europäischen Mistel sind
als Viscotoxine bekannt. Diese toxischen Proteine sind vor allem in den
Blättern und Stengeln enthalten.
Der wichtigste Bestandteil der
Viscotoxine ist ein toxisches Peptid
mit einer Länge von 46 Aminosäuren, das nur nach parenteraler Verabreichung über eine cholynerge
Wirkung Vasokonstriktion, Bradykardie und negativ inotrope Effekte
auslösen kann, was der Tierversuch
gezeigt hat.
Darüber hinaus verändert Viscotoxin die Permeabilität von Zellmembranen durch Verdrängung
von Kalzium mit Folge einer progressiven Depolarisation, die zu einer Herzmuskellähmung führen
kann. Lektine der Mistel haben einerseits eine hämagglutinierende
Wirkung, andererseits hemmen sie
die Proteinbiosynthese auf Höhe
der 60-S ribosomalen Untereinheit.
Auch diese Effekte werden nur
nach parenteraler Gabe beobachtet.
Für die Therapie ist eine symptomatische Behandlung vollkommen ausreichend.
Stechpalme
Wohl keine Pflanze ist als
Weihnachtsschmuck so beliebt wie
die Stechpalme (Ilex aquifolium),
begründet durch ihr frisches Grün,
die glänzenden Blätter und das
leuchtende Rot der Früchte (Abbildung 6). Daher ist es nur allzu verständlich, daß die verführerisch anmutenden Steinfrüchte der Stechpalme für Ingestionsfälle durch
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Kinder bei den Beratungsstellen für
Vergiftung relativ häufig sind. Angaben über mögliche toxische Inhaltsstoffe der Stechpalme, insbesondere ihrer Früchte, sind allerdings nur spärlich vorhanden. Bei
der einheimischen Stechpalme sind
bisher beschrieben: Theobromin,
Saponin, triterpenoide Verbindung,
sowie ein Bisnormonoterpen, wobei
die toxische Wirkung nicht hinreichend erklärt werden kann. Symptome nach Ingestionen von Stechpalmenfrüchten sind gastrointestinale Beschwerden, wie Erbrechen,
Durchfall und Bauchkrämpfe. Nach
den Erfahrungen neuerer Literatur
ist aber erst nach Aufnahme einer
größeren Menge von Früchten eine
schwerere Symptomatik zu erwarten. Bei einen Verzehr von bis zu
fünf Beeren sollte ausreichend Flüssigkeitszufuhr gegeben werden, erst
bei Ingestion von mehr als zehn
Beeren ist eine Magenentleerung
sinnvoll.
Abbildung 6: Die roten Früchte und die gezackten
dornigen Blätter der Stechpalme
Resümee
Abbildung 7: Der klassische Weihnachtsstern
Weihnachtsstern
Die frühere Überzeugung, daß
der Weihnachtsstern (Euphorbia
pulcherrima), der zur Familie der
Wolfsmilchgewächse gehört, eine
tödliche Giftigkeit besitzt, wird
heute in Frage gestellt (Abbildung
7). Dies belegen Tierversuche, in
denen bis zu 125 mg homogenisierter Pflanzenteile pro kg Körpergewicht an Ratten verabreicht wurden, ohne akute toxische Effekte zu
bewirken. Die Toxizität des Weihnachtssterns konzentriert sich auf
die Fähigkeit, lokale Irritationen an
Haut und Schleimhäuten auszulösen. Es wurden schwere Fälle von
Kontaktdermatitiden beschrieben,
beginnend mit Juckreiz über
schmerzhafte Rötungen bis zur
Ausbildung von Papeln und Blasen.
Die Symptomatik kann mehrere
Wochen anhalten. Auch Keratokonjunktivitiden können nach entsprechender Exposition auftreten.
Nach oraler Aufnahme erklären Irritationen der Schleimhäute die
häufig zu beobachtenden gastrointestinalen Symptome mit Erbrechen und Durchfällen. Auch hier ist
eine symptomatische Therapie ausreichend.
efadienolide, auch Saponine und
Protoanemonin. Toxikologische
Untersuchungen haben gezeigt,
daß die in der Literatur beschriebenen Vergiftungssymptome nur
durch die Kombination Saponine/Protoanemonin als Ursache zu
verstehen sind, welche in den
Blättern und Stengeln vorhanden
sind.
Die Vergiftungserscheinungen
machen sich mit einer Entzündung
der Mundschleimhaut, Kratzen im
Rachenraum, erhöhtem Speichelfluß, gastrointestinalen Beschwerden mit Erbrechen, Koliken und
Diarrhoen bemerkbar.
Die Therapie sollte eine primäre Giftentfernung, Abführmittel sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr
beinhalten.
Abbildung 8: Christrose in Blüte
Christrose
Die Bezeichnung Christrose
(Helleborus niger) zeigt, daß diese
Pflanze zur Weihnachtszeit blüht.
Schwarze Nießwurz wird sie wegen
ihrer schwarzen Wurzeln genannt,
die pulverisiert auch zu Nieß- und
Schnupfpulver verwendet werden.
Es handelt sich hier um eine
Staude mit überwinternden und
ständigen Blättern. Die Blüten befinden sich meist einzeln, endständig am aufrechten Blütenstiel (Abbildung 8).
Die Christrose ist eine alte
Heil- und Giftpflanze. Toxische Inhaltsstoffe sind herzwirksame Bu-
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Es läßt sich feststellen, daß die
überwiegende Zahl der Giftpflanzen der Weihnachtszeit, mit denen
die Wohnungen verschönert werden, nur bei einer Zufuhr von
größeren Mengen ihre giftige Wirkung entfalten.
Es ist jedoch bekannt, daß bei
den Kulturpflanzen der Gehalt an
Inhaltsstoffen je nach Erntezeit,
Witterungsverhältnissen und Standort erheblich schwanken kann. So
kann man durchaus annehmen, daß
die Inhaltsstoffe von anderen Pflanzen in ähnlicher Weise variieren
und deshalb in einem Fall problemlos vertragen werden und im anderen Fall aber erhebliche Beschwerden verursachen.
Aber auch die Wirkung auf den
einzelnen Menschen kann je nach
Disposition, Gewöhnung und Gesundheitszustand sehr unterschiedlich sein.
Darum sollte man insbesondere dann, wenn kleine Kinder zur Familie gehören, vorsichtig mit
Sträußen und Gestecken umgehen,
die mit bunten Beeren zum Verzehr
verführen. Solche Pflanzen, Gebinde und Sträuße sollte man jederzeit
außerhalb der Reichweite von
Kleinkindern plazieren.
Für den Fall einer Ingestion
sollte man sich telefonisch an die
Giftnotzentralen wenden
KURZBERICHT / DISKUSSION
De~ch~-------------------­
Giftnotzentralen:
Berlin 0 30/3 02 30 22
Bonn 02 28/287 32 11
Freiburg 07 6112 70 43 61
Harnburg 0 40/63 85-33 45
Hornburg 0 68 41116 22 57
Leipzig 03 41 /3119 16
München 0 89/41 40 22 11
Fotos : W. O berländer. Besonderer
Da nk g ilt dem Botan ischen G arten ,
Köl n, für seine Unterstützung.
Ärzteblatt
91 (1994) A-3512-3516 [Heft 50]
Literatur:
1. Frohne D , Pfä nder HJ: G i f~pfl a nzen , Ein
Handbuch für A potheker, A rzte, Toxikalogen und Biologen, 2 Auf!. Wissenschaft
liehe Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart
1983
2. Hiller K, Bickerich G: Giftpflanzen, Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1988
3. Jaspersen Schib R: Giftpfl anzen als Weihnachtsschmuck in "Tägliche Praxis", H eier
Marseille -Verlag GmbH München 1992;
33: 817-826
4. Krienke EG, von Mühlend ahl KE, Oberdisse U: Vergiftungen im Kindesalter, 2
Auf!. Enke Verlag Stuttgart 1986
Osteoporose:
Eine Herausforderung
für die Zukunft
1. Ergänzungen
notwendig
Der Autor zieht eine Reihe von
Konsequenzen aus der stetigen Zunahme der Osteoporose:
~
"Notwendig sei eine vermehrte Aufklärung über eine kalziumreiche Ernährung." Er teilt uns
aber nicht mit, in welcher Form das
Kalzium zugeführt werden soll. Es
darf nämlich nicht an Eiweiß gebunden eingenommen werden, also
nicht in Form von Milch und Milchprodukten, . weil so das Kalzium
nicht in die Knochen, sondern in die
Gefäßwände transportiert wird (eine genaue Begründung ist hier aus
Platzgründen nicht möglich). In
Frage kommt also nur Kalzium in
pflanzlicher Nahrung. (Wer weiß
schon, daß Sesam viermal soviel
Kalzium enthält wie Rohmilch weshalb produziert wohl die Kuh
erhebliche Kalzium Überschüsse
und frißt doch nur Gras?)
~ "Diagnostische Verfahren
sollen verfeinert werden. " Wichtig
ware hier der Hinweis auf klinische
Tests wie den Stauchungsschmerz
der Wirbelsäule. Die Osteodensitometrie scheidet nun endgültig als
Zu dem Beitrag von
Dr. rer. not. Thomas Kunczik
und Prof. Dr. med .
jahann Dietric h Ring e
in Heft 16/ 94
seriöse Methode aus, nachdem die
vom BGA geförderte Studie von
Lange, Richter und Köbberling, basierend auf einer internationalen
Literaturrecherche von 2 500 einschlägigen Publikationen, ergab,
"daß ein medizinischer Nutzen ...
nicht belegt" ist.
~ "Frühzeitig soll mit einer
umfassenden Therapie begonnen
werden. Es gibt eine ganze Reihe
hochwirksamer Arzneimittel" . Leider werden diese angeblich hochwirksamen Mittel nicht genannt.
Weder für Fluor noch für Kalzium,
Vitamin D oder Diphosphonate
konnte eine tatsächlich frakturrisikosenkende Wirkung nachgewiesen
werden, beziehungsweise existieren
widersprüchliche Studienergebnisse. Und wollen wir tatsächlich ver-
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5. Roth L, D aunderer M, Kormann K: Giftpflanzen/Pflanzengifte, Vorkommen, Therapie, Wirkung, 3 Auf!. ecomed Verlagsgesellschaft mbH, Landsberg, München 1988
6. Weilemann, LS
(Hrsg.) : Giftberatung:
Pflanzen. Diagnose,Erste Hilfe Therapie,
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena,
New York 1992
Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Waltraut Kruse
Leiterin des Lehrgebietes
Allgemeinmedizin der
Medizinischen Fakultät
der RWTH Aachen
Pauwelstraße 30
52074 Aachen
antworten, der Hälfte der Menschheit für nahezu der H älfte ihrer Lebenszeit, nämlich den Frauen in der
Menopause, Östrogene zu verordnen? Was, wenn sich in einigen
Jahrzehnten bisher unerwartete und
unbekannte
Spätkomplikationen
herausstellen? - es wäre nicht der
erste Fall!
Noch eine Bemerkung zu den
immer wieder zitierten schwerwiegenden volkswirtschaftlichen Folgen der Schenkelhalsfrakturen. Wir
wissen, daß das Fallmuster älterer
Menschen sich von dem jüngerer
unterscheidet, sie knicken sozusagen in sich zusammen und stürzen
auf den Trochanter major;
Nicht Pharmaka sind deshalb
präventiv indiziert, sondern ein
Schutz dieser gefährdeten Region.
Dies ist vorzüglich möglich mit
einer Hose samt Silikonpolsterung
der beiden Trochanteren. Die Anwendung bei Bewohnern eines Altenheimes in Dänemark konnte so
die Frakturrate auf nahe null senken . ..
Es bleibt bei der einfachen,
nicht zu widerlegenden Wahrheit:
Osteoporose ist eine Erkrankung
der reichen Industrienationen. Sie
nimmt hier zu, weil die Ursachen
zunehmen: Bewegungsarmut und
Eiweißüberschuß als Luxuskomponente in der Nahrung.
Dr. med. Winfried Beck
Facharzt für Orthopädie
Atzelbergstraße 46
60389 Frankfurt am Main
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