Zusammenfassung Teilnehmerinnen_20_05_2013

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Wirksamkeit der Betreuung auf die Gesundheit rund um die
Geburt aus Sicht der Frauen in drei Schweizer Kantonen
Zusammenfassung für die Teilnehmerinnen
Katrin Burkhard, Ans Luyben
Angewandte Forschung und Entwicklung,Dienstleistung Geburtshilfe,
Berner Fachhochschule, Fachbereich Gesundheit, Bern
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Einleitung
Die Qualität und Wirksamkeit der Betreuung rund um die Geburt hat sowohl kurzfristige, als
auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen, Kindern und Familien. Sie ist
somit essentiell für die Gesundheit von zukünftigen Generationen. Obwohl in der Schweiz
medizinische und epidemiologische Daten erfasst werden, fehlen bis anhin Informationen
aus Sicht der betroffenen Frauen.
Das Ziel dieser Studie war es, ein Instrument zur Erhebung der Wirksamkeit der
professionellen Betreuung und Qualität der Gesundheit während Schwangerschaft, Geburt
und Wochenbett, aus Sicht der Klientinnen in der Schweiz, zu entwickeln. Diese
Informationen sollen dabei helfen, die professionelle Betreuung rund um die Geburt zu
verbessern.
Die Studie
Die Studie wurde in zwei Teilen durchgeführt. Im ersten Teil wurde der englischsprachige
Fragebogen der Kanadischen Maternity Experiences Survey (http://www.statcan.gc.ca/imdbbmdi/5019-eng.htm) auf Deutsch übersetzt, angepasst und ergänzt. Im zweiten Teil wurde
der entwickelte Fragebogen in einer Pilot-Studie bei Frauen 8 bis 12 Monate nach der
Geburt in drei Schweizer Kantonen (Bern, Zug, Graubünden) getestet. Mittels Ausfüllen des
Fragebogens und einem anschliessenden Interview wurden dabei auch die ersten Daten
gesammelt. Insgesamt wurden 63 Fragebögen verschickt, von denen 61 retourniert wurden.
Mit 59 Frauen wurde ein Interview geführt.
Die Teilnehmerinnen
Fast 82 Prozent der teilnehmenden Frauen waren Schweizerinnen; die anderen Frauen
waren entweder Doppelbürgerinnen oder stammten aus verschiedenen europäischen
Ländern. Alle Frauen sprachen deutsch und alle hatten einen Berufsschul- oder einen
höheren Abschluss. Für rund 65 Prozent der Frauen betraf die Umfrage ihr erstes lebend
geborenes Kind, für 25 Prozent ihr zweites und für rund 8 Prozent ihr drittes Kind. Sie waren
bei der Geburt ihres Kindes zwischen 20 und 45 Jahre alt und lebten mehrheitlich in einer
festen Partnerschaft. Alle Kinder waren Einlinge und sie wurden zwischen der 30. und 41.
Schwangerschaftswoche geboren. Ungefähr die Hälfte der Kinder waren Mädchen.
Schwangerschaft
Schwangerschaft und Gesundheit
Die Mehrheit der Frauen bemerkte ihre Schwangerschaft zwischen der 2. und 6. Woche; für
die Hälfte der Frauen war dies der richtige Zeitpunkt. Als die Frauen erfuhren, dass sie
schwanger waren, bezeichneten sie sich mehrheitlich als glücklich (87,6 Prozent).
Die meisten Frauen (91,6 Prozent) wussten bereits vor der Schwangerschaft, dass die
Einnahme von Folsäure Fehlbildungen verhindern kann. In den ersten drei Monaten der
Schwangerschaft nahmen fast alle Frauen täglich ein Folsäurepräparat zu sich. Bei den
meisten Frauen veränderte sich das Rauch- und Trinkverhalten während der
Schwangerschaft. In den letzten drei Monaten vor der Schwangerschaft gab es 78,8Prozent
Frauen, und in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft sogar 91,7 Prozent, die nicht
rauchten. Rund zwei Drittel der Frauen tranken während der Schwangerschaft gar keinen
Alkohol und 31,1 Prozent tranken weniger als einmal im Monat.
Schwangerschaftsbetreuung
Der erste Besuch in der Schwangerenvorsorge fand im Durchschnitt in der 8. Schwangerschaftswoche statt. In der Regel waren die Frauen 8 bis 9 Mal in einer Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Ein Grossteil davon fand bei einem Geburtshelfer/ Gynäkologen
statt. Viele Frauen sagten, dass sie zu ihrem Gynäkologen gingen, weil sie diesen schon
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kannten und erwarteten von ihm vor allem fachliche Betreuung. Nur wenige gingen zu einer
Hebamme (8,2 Prozent) oder zu einem Hausarzt (1,6 Prozent) und circa 10 Prozent der
Frauen wurden gemeinsam von einem Arzt und einer Hebamme betreut. Mehrere Frauen
wünschten sich eine kombinierte Betreuung. Die meisten Frauen konsultierten noch zwei bis
drei weitere Fachpersonen, meistens waren dies Personen aus der Komplementärmedizin.
Alle Frauen hatten Ultraschalluntersuchungen. Der erste Ultraschall fand meistens mit rund 8
bis 9 Wochen statt. In der Regel wurden 5 bis 6 Ultraschalluntersuchungen durchgeführt.
Belastung und Unterstützung
Insgesamt 54.1 Prozent der Frauen empfanden das Jahr vor der Geburt als eher bis sehr
anstrengend. Meistens wurde ein Umzug oder eine Erkrankung einer nahe stehenden
Person als belastendes Ereignis angegeben. Verschiedene Frauen erlebten bei der Arbeit
Probleme, die mit der Schwangerschaft bzw. Mutterschaft in Beziehung standen. Viele
erlebten auch die Schwangerschaft, am häufigsten aufgrund von Müdigkeit, Übelkeit und
Wassereinlagerungen, als anstrengend.
Viele Frauen bekamen während der Schwangerschaft meistens Unterstützung von Personen aus ihrem sozialen Umfeld. Rund 13 Prozent der Frauen erlebten wenig
Unterstützung.Vier Frauen berichteten über Erfahrungen mit häuslicher Gewalt.
Informationen
Die teilnehmenden Frauen fanden, dass sie über die Themen in Bezug zu Schwangerschaft, Wehen und Geburt ausreichend informiert wurden. Am meisten wurden sie über
körperliche Veränderungen, am wenigsten über den Gebrauch von Schmerzmitteln während
Schwangerschaft und Geburt informiert. Sie erhielten aber auch rund 16 Prozent
widersprüchliche Informationen, dies, weil in der Regel mehrere, unterschiedliche Quellen
konsultiert wurden.
Geburt
Geburt und Geburtsort
Rund zwei Drittel der Frauen hatten ihr Kind spontan geboren. 37,7 Prozent der Frauen
hatten eine Kaiserschnittgeburt. 60 Prozent davon waren geplante Kaiserschnitte, meistens
aus medizinischen Gründen, wie einer Beckenendlage oder wegen
Schwangerschaftskomplikationen. Lediglich 8,2 Prozent gaben an, dass sie um einen
Kaiserschnitt gebeten hatten.
Alle Kinder wurden in einem öffentlichen oder privaten Spital geboren. Für die meisten
Frauen ergab sich der Ort der Geburt wie von selbst, da sie das Spital wählten, in dem ihr
Gynäkologe Belegarzt war oder welches nahe beim Wohnort lag. Zudem waren eine gute
medizinische Versorgung und somit eine hohe Sicherheit wichtige Kriterien für die Wahl.
Interventionen
Im Allgemeinen war die Rate der Interventionen unter der Geburt, wie zum Beispiel Einlauf,
Intimrasur oder Beine in Beinstützen, niedrig. Die meist angewendete Unterstützung war
eine Vakuumgeburt. Zudem wurde oft eine kontinuierliche Herztonüberwachung durchgeführt und rund zwei Drittel der Frauen hatten eine Dammverletzung, die genäht werden
musste, wobei die Hälfte davon einen Dammschnitt hatte. Bei einem Drittel wurde die Geburt
medikamentös eingeleitet und bei einem anderen Drittel wurde sie medikamentös
beschleunigt. Für einige Frauen war die Einleitung oder die Beschleunigung eine belastende
Erfahrung.
Schmerzlinderung
Fast jede zweite Frau hatte während der Geburt eine Epidural- oder Spinalanästhesie,
welche sie in 95,2 Prozent als sehr hilfreich empfunden hatten. Die zweitwichtigste Methode
zur Schmerzlinderung war für die Frauen die Anwesenheit einer Bezugsperson. Weitere
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häufig angewendete nicht-medikamentöse Methoden zur Schmerzlinderung waren noch
Atemübungen oder Positionswechsel, welche je von rund 70 Prozent der Frauen als sehr
oder eher hilfreich empfunden wurden.
Geburtserlebnis
Die Geburt war für die meisten Frauen ein positives Ereignis. Knapp die Hälfte der Frauen
würde an ihrem letzten Geburtserlebnis nichts ändern. Von den anderen hätten mehrere
Frauen lieber eine natürliche Geburt statt eines Kaiserschnitts, mehr Zeit zur Vor- und
Nachbereitung bei einem Kaiserschnitt oder würden sich vorher andere Spitäler anschauen
gehen, beziehungsweise in ein anderes Spital gehen. Rund 75 Prozent der Frauen hatten
sich während der Geburt Sorgen um ihr Kind oder sich gemacht; zum Gefühl der Sicherheit
trugen vor allem die Begleitperson, die meistens der Partner war, und die Hebamme bei.
Betreuung
Mehr als 70 Prozent der Frauen fanden es wichtig, während der Geburt von derselben
Fachperson betreut zu werden. Mehr als 90 Prozent der Frauen wurden während dem
Geburtsvorgang hauptsächlich von einer Hebamme betreut. Bei rund 50 Prozent der Frauen
war ihr Arzt bei der Geburt dabei. Meistens wurden die Frauen, sowohl bei einer Spontan-,
wie auch bei einer Kaiserschnittgeburt, von ihrem Partner begleitet, was mehrheitlich ein
positives Erlebnis war.
Nach der Geburt / Frühe Mutterschaft
Spitalaufenthalt
In der Regel blieben die Frauen, so wie auch ihr Baby, rund vier Tage im Spital. Für die
meisten Frauen war diese Zeit ungefähr richtig. Die Meinungen über das Wochenbett im
Spital waren sehr unterschiedlich, einige Frauen waren froh noch etwas im Spital bleiben zu
können, um mehr über die Versorgung des Kindes zu lernen, andere fanden den Aufenthalt
im Spital nicht so erholsam, da sie keine Ruhe und nur wenig Privatsphäre, vor allem wegen
den Mehrbettzimmer, hatten.
Die teilnehmenden Frauen waren am meisten mit den Fachkompetenzen der betreuenden
Fachpersonen und ihrer Mitsprache bei gemeinsamen Entscheidungen zufrieden. Weniger
zufrieden waren sie aber mit Informationen, die sie von Fachpersonen gekriegt hatten,
Schutz der Würde und Privat- und Intimsphäre und dem Respekt und Sorgfalt, die ihnen
entgegen gebracht wurden.
Betreuung zu Hause
Bei der Betreuung von Mutter und Kind zu Hause spielte vor allem die soziale Unterstützung
und Einbettung eine wichtige Rolle. Meistens nahm der Mann zwei Wochen Ferien nach der
Geburt und die Eltern wurden auch die Kinderbetreuung einbezogen, vor allem wenn die
Frau wieder arbeiten ging. Ausländische Frauen empfanden diese Zeit eher als schwierig,
weil sie ihre Familie nicht in der Nähe hatten. In einigen Regionen war die professionelle
Wochenbettbetreuung im Übergang Spital – zu Hause sehr gut organisiert. Die meisten
Frauen wurden primär von einer Hebamme und anschliessend von einer Mütterberaterin
betreut.
Informationen
Die meisten Frauen fühlten sich über die relevanten Themen nach der Geburt ausreichend
informiert. Der Informationsgrad per Thema war aber unterschiedlich, am meisten wurden sie
über postnatale Depressionen und über das Stillen informiert. Insgesamt fühlten die Frauen
sich am wenigsten über Fläschchennahrung, Kindersicherheit und körperliche Anforderungen nach der Geburt informiert.
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Stillen
Die meisten Mütter (72,1 Prozent) konnten ihr Kind innerhalb der ersten fünf Minuten in die
Arme nehmen. Bei mehr als zwei Drittel der Frauen war das Kind beim Erstkontakt nackt und
bei 78,8 Prozent lag das Kind bei der Mutter auf der nackten Haut. Fast alle Frauen (96,7
Prozen) konnten ihr Kind nach der Geburt tatsächlich auch stillen oder hatten versucht es zu
stillen, auch wenn dies nur für kurze Zeit war. Mehr als die Hälfte der Frauen (62,7 Prozent)
stillten ihr Kind beim Zeitpunkt der Umfrage noch, jedoch hatten nur ca. 10 Prozent der
Frauen die Nahrung ihres Kindes nicht mit Flüssigkeiten, wie Wasser, Tee oder Milchersatz
angereichert. Die Frauen, die bereits aufgehört hatten, hatten im Durchschnitt mit rund 6
Monaten abgestillt, davon circa 17 Prozent in den ersten 3 Wochen. Oft war zu wenig oder
keine Milch der Grund.
Kindliche Gesundheit
Die Babys wogen bei der Geburt durchschnittlich rund 3300 Gramm. Die meisten Frauen (77
Prozent) hatten seit der Geburt ausserhalb der Routinekontrollen einen Arzt oder eine
andere Fachperson für ihr Baby konsultiert. Nur fünf Prozent der Kinder mussten nach der
Geburt nochmals im Spital übernachten (zwischen zwei und acht Nächten). Fast alle Frauen
(91,8 Prozent) waren mit der Gesundheitsbetreuung, welche das Baby seit der Geburt
erhalten hatte sehr oder eher zufrieden. Zum Zeitpunkt der Umfrage schätzten 86,9 Prozent
der Frauen den Gesundheitszustand ihres Babys als hervorragend oder sehr gut ein.
Mütterliche Gesundheit nach der Geburt
Zum Zeitpunkt des Interviews schätzten die meisten Frauen (88.5 Prozent) ihren
Gesundheitszustand als gut bis sehr gut ein. Ungefähr die Hälfte der Frauen berichtete über
körperliche Beschwerden in den ersten drei Monaten. 10 bis 15 Prozent der Frauen gaben
auch 8 bis 12 Monate nach der Geburt noch körperliche Beschwerden, wie Schmerzen im
Schambereich, bei der Kaiserschnittnaht, beim Geschlechtsverkehr oder im Rücken an. Der
Befindlichkeitsscore zeigte, dass etwa gleich viele Frauen, insbesondere Migrantinnen, zu
diesem Zeitpunkt auch noch psychische Beschwerden hatten.
Schlussfolgerung
Die Daten der jetzigen Studie zeigen, dass die Frauen in den drei Schweizer Kantonen im
Allgemeinen mit ihrer fachlichen Betreuung rund um die Geburt sehr zufrieden sind. Sie
geben jedoch auch Hinweise auf Lücken in der Mutterschaftsbetreuung. Diese Resultate betonen damit die Wichtigkeit einer regelmässigen, grossflächigen Evaluation der Erfahrungen
betroffener Klientinnen im Hinblick auf die Optimierung der Versorgungsangebote rund um
die Geburt und Kostenreduktion im Gesundheitswesen. Der in dieser Studie entwickelte
Fragebogen kann dazu als Erhebungsinstrument benutzt werden.
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