DE R G ROSS E G U R AT G E B E R BIRGIT GEBAUER-SESTERHENN | DR. MED. THOMAS VILLINGER Schwangerschaft und Geburt Der meistverkaufte SchwangerschaftsRatgeber Mit einem Vorwort von Sabine Krauss Bund Deutscher Hebammen (BDH) INHALT Ein Wort zuvor ............................................ 3 Der achte Monat ..............................58 Zwei Worte zuvor ........................................ 5 Die Mutter verändert sich ........................ 58 Das Baby wächst heran ............................. 60 Der neunte Monat ...........................64 Die Mutter verändert sich ........................ 64 Das Baby wächst heran ............................. 66 Der zehnte Monat ...........................70 EIN NEUER MENSCH ENTSTEHT Die Mutter verändert sich ........................ 70 Das Baby wächst heran ............................. 72 Seite 11 LEBEN IN ANDEREN UMSTÄNDEN Der erste Monat .............................. 12 Die Mutter verändert sich ........................ 12 Das Baby wächst heran ............................. 14 Seite 77 Der zweite Monat ............................ 16 Die Mutter verändert sich ........................ 16 Das Baby wächst heran ............................. 18 Gesundheitscheck für Mutter und Kind ........................ 78 Der dritte Monat .............................. 22 Die Mutter verändert sich ........................ 22 Das Baby wächst heran ............................. 26 DIE VORSORGEUNTERSUCHUNGEN ....... 79 Übliche Vorsorgeuntersuchungen ........... 79 Ultraschalldiagnostik ................................ 80 Der Herzton-Wehen-Schreiber ............... 81 Der vierte Monat .............................30 Die Mutter verändert sich ........................ 30 Das Baby wächst heran ............................. 32 Gut versorgt in Mamas Bauch ................. 34 VORGEBURTLICHE UNTERSUCHUNGEN ................................. 83 Nicht invasive Methoden.......................... 83 Invasive Diagnostik ................................... 86 Der fünfte Monat .............................38 PRÄNATAL-DIAGNOSTIK.......................... 90 Die Mutter verändert sich ........................ 38 Das Baby wächst heran ............................. 40 Kleinere Beschwerden lindern ......92 LÄSTIGE UMSTÄNDE ................................ 93 Der sechste Monat ..........................44 Übelkeit und Erbrechen ........................... 93 Brustschmerzen ......................................... 95 Müdigkeit ................................................... 96 Sodbrennen ................................................ 96 Verstopfung ................................................ 98 Krampfadern .............................................. 98 Hämorrhoiden ......................................... 100 Die Mutter verändert sich ........................ 44 Das Baby wächst heran ............................. 46 Der siebte Monat .............................50 Die Mutter verändert sich ........................ 50 Das Baby wächst heran ............................. 54 6 GESUND UND SCHÖN Seite 131 Ernährung für Mutter und Kind ... 132 Muskelkrämpfe ........................................ 100 Wassereinlagerungen .............................. 101 Rückenschmerzen ................................... 101 DICKER WERDEN – OHNE REUE ........... 133 Neue Rundungen ..................................... 133 Die Frage aller Fragen ............................. 133 Gewicht im Auge behalten ..................... 134 Auch bei Übergewicht keine Diät! ................................................ 134 Schwanger mit Hindernissen ......102 WENN KOMPLIKATIONEN AUFTRETEN ............................................. 103 Blutungen in der frühen Schwangerschaft ...................................... 103 Blutungen am Ende der Schwangerschaft................................ 104 Fehlgeburt................................................. 104 Frühgeburt................................................ 106 Blutgruppenunverträglichkeit ............... 108 Diabetes mellitus ..................................... 110 Gestose ...................................................... 111 HELLP-Syndrom ..................................... 112 Toxoplasmose........................................... 112 Röteln ........................................................ 114 Mehrlinge ................................................. 116 AUSGEWOGEN ESSEN FÜR MUTTER UND KIND .........................135 MAKRONÄHRSTOFFE ............................. 136 Kohlenhydrate.......................................... 136 Eiweiß........................................................ 138 Fette ........................................................... 139 MIKRONÄHRSTOFFE .............................. 142 Vitamine ................................................... 142 Mineralstoffe ............................................ 142 Sekundäre Pflanzenstoffe........................ 142 Besonders wichtige Nährstoffe ................................................. 143 FLÜSSIGKEITSBEDARF ...........................147 Welche Getränke sind sinnvoll? ........................................... 147 Lust und Liebe in der Schwangerschaft ............................118 HORMONE FÜR DIE LIEBE ...................... 119 Schön unter allen Umständen .....148 Schwangerschaft mit Höhepunkten ...... 119 Liebe in Trimestern ................................. 119 Schwanger sein macht schön ................. 119 Probleme mit der Sexualität? ................. 120 NATÜRLICH SCHÖN VON ANFANG AN .................................... 149 Haare ......................................................... 149 Gesicht ...................................................... 149 Lippen und Nägel .................................... 150 Brust .......................................................... 151 Dehnungsstreifen auf dem Bauch ......................................... 152 Beine.......................................................... 154 Zähne ........................................................ 155 Yoga in der Schwangerschaft ...... 124 WAS IST YOGA? .......................................125 Warum ist Yoga sinnvoll? ....................... 125 Yoga für zwei ............................................ 125 YOGAÜBUNGEN FÜR SCHWANGERE .... 126 7 INHALT Die sanfte Geburt .................................... 187 Die eingeleitete Geburt ........................... 189 Gründe für eine Übertragung................ 189 Methoden der Geburtseinleitung .......... 190 DAS BABY KOMMT AUF DIE WELT WENN DAS BABY AUF SICH WARTEN LÄSST ...................................... 192 Homöopathische Mittel .......................... 192 »Bauerneinleitung« ................................. 192 Einlauf ....................................................... 192 Stimulation der Brustwarzen ................. 193 Eipol-Lösung ............................................ 193 Seite 159 ERSTE STARTZEICHEN ........................... 194 Die Erstausstattung ......................160 Schleimpfropf........................................... 194 Wehen ....................................................... 194 Blasensprung ............................................ 195 Durchfall/Erbrechen ............................... 195 BABYS ERSTE GARDEROBE .................... 161 Welche Größe trägt mein Kind? ............ 161 BABYS AUSSTATTUNG ........................... 162 Bettchen .................................................... 164 DIE GEBURTSPHASEN ............................ 196 MIT BABY UNTERWEGS ......................... 166 Die Eröffnungsphase ............................... 196 So bereiten Sie sich auf die Geburt vor ................................................ 197 Die Übergangsphase ............................... 200 Babys erster Kinderwagen ...................... 166 Das Baby tragen ....................................... 167 DER KLINIKKOFFER ................................ 168 Für die Entbindung ................................. 168 Für das Wochenbett ................................ 168 Für Ihr Baby ............................................. 169 Für die Stillzeit ......................................... 169 Die Endphase ........................................... 204 Mögliche Geburtspositionen ................. 205 Von der Hebamme betreut .......... 170 Die Abnabelung ....................................... 206 Die Nachgeburtsphase ............................ 208 DIE SCHMERZFREIE GEBURT ................202 DAS BABY IST DA! ..................................206 DIE HEBAMME ......................................... 171 HILFEN GEGEN DEN SCHMERZ .............209 Schwangerschaftsvorsorge...................... 171 Geburtsvorbereitung ............................... 171 Akupunktur in der Geburtshilfe ........... 172 Geburtsbegleitung ................................... 172 Wochenbettbetreuung ............................ 173 Kalzium ..................................................... 209 Krampflösende Mittel ............................. 209 Die Periduralanästhesie (PDA) ............. 209 Pudendusblock ........................................ 211 Endorphine .............................................. 211 Positive Einstellung ................................. 211 Richtiges Atmen ...................................... 211 Warmes Wasser........................................ 211 Tender loving care ................................... 212 Gähnen erwünscht .................................. 212 Akupunktur .............................................. 212 Homöopathie und Bach-Blüten ............ 212 DIE DOULA ...............................................174 Altbewährt und neu entdeckt ................ 174 Doula und Hebamme ............................. 175 WO SOLL DAS BABY AUF DIE WELT KOMMEN? .......................176 In der Klinik ............................................. 176 Die Belegklinik ........................................ 178 Im Geburtshaus ....................................... 180 Zu Hause ................................................... 181 BESONDERE GEBURTEN ........................ 213 Kaiserschnitt............................................. 213 Zangen- und Saugglockengeburt .......... 217 Wassergeburt ............................................ 218 Geburt von Zwillingen............................ 220 Die Geburt ......................................186 DIE GEBURTSARTEN .............................. 187 8 INHALT Das Leben mit Baby ..................... 250 SÄUGLINGSPFLEGE .................................251 Neue Wickelmethode.............................. 251 Umgang mit dem Nabel.......................... 253 Baden ........................................................ 253 Nagelpflege ............................................... 254 WILLKOMMEN, KLEINES BABY DIE ERSTEN TAGE IM BABYLEBEN ....... 255 Kindspech ................................................. 255 Neugeborenen-Gelbsucht....................... 255 Roter Urin................................................. 256 Augenentzündung ................................... 256 Verstopfte Nase ........................................ 256 Geschwollene Brustdrüsen..................... 256 Neugeborenen-Akne ............................... 257 Blutschwämmchen .................................. 257 Seite 225 Die ersten Tage im Babyleben ................................ 226 DAS BABY IST DA ................................... 227 Das Bonding............................................. 227 Was das Neugeborene schon kann ............................................... 228 Reflexe zum Überleben........................... 228 Erstversorgung der Mutter ..................... 229 Optimaler Start ins Glück ........... 258 MUTTERMILCH VON ANFANG AN ......... 259 Die Milchbildung .................................... 259 Der Milchflussreflex ................................ 259 Die Muttermilch ...................................... 260 Erstversorgung des Babys .......... 230 ANLEITUNG ZUM STILLEN ..................... 262 Basis fürs erfolgreiche Stillen ................. 262 Das erste Anlegen .................................... 262 WIE GEHT ES DEM BABY? ..................... 231 pH-Wert und Sauerstoffgehalt ............... 232 Erste Vorsorgeuntersuchung (U1) ........ 233 Vitamin K ................................................. 234 Vitamin D ................................................. 234 Fluorid....................................................... 235 DIE STILLPOSITIONEN ........................... 263 Stillen im Liegen ...................................... 263 Stillen im Sitzen ....................................... 264 Stillen im Rückengriff ............................. 264 Wie oft und wie lange anlegen? ............. 265 Schonzeit für die Mutter ............. 236 STILLEN MIT HINDERNISSEN ................266 Die Einstellung......................................... 266 Wenn die Brust hart und prall ist .......... 266 Wunde Brustwarzen ................................ 267 Milchstau und Brustentzündung........... 268 Muttermilch abpumpen.......................... 268 DAS WOCHENBETT ................................ 237 Totale Entspannung ................................ 237 Die liebe Familie ...................................... 238 Der Bauch ................................................. 238 Die Nachwehen ........................................ 239 Der Wochenfluss ..................................... 240 Der Dammbereich................................... 242 Die Kaiserschnittnaht ............................. 243 Die Verdauung ......................................... 243 Das erste Anlegen .................................... 244 Der Milcheinschuss ................................. 244 ERNÄHRUNG FÜR STILLENDE ................271 Flüssigkeit ................................................. 271 Vitamine und Mineralstoffe ................... 271 ZUM NACHSCHLAGEN ....... 274 Der Mutterpass ........................................ 274 Recht & Gesetz......................................... 278 Adressen & Bücher .................................. 280 Sachregister .............................................. 284 Impressum ................................................ 288 WOCHENBETTGYMNASTIK .................... 246 Beckenboden – was ist das? ................... 246 Der Aufbau des Beckenbodens .............. 246 Training für den Beckenboden .............. 247 9 EIN NEUER MENSCH ENTSTEHT FRAGEN & ANT WORTEN Deshalb sollten Sie weniger auf die wöchentliche Zunahme achten, sondern den Gesamttrend beobachten. 1 Ich bin in der 19. Schwangerschaftswoche und habe bereits fünf Kilo zugenommen. Meine Freundin, die vier Wochen weiter ist als ich, hat erst dreieinhalb Kilo zugenommen. Wiege ich zu viel? 2 Wie verteilen sich eigentlich die Kilos? Eine vernünftige Zunahme für eine normalgewichtige Frau liegt zwischen zehn und 15 Kilo. Schlanke, zarte Frauen können mit ihrem Gewicht eher an der unteren Grenze liegen, stämmige und kräftige Schwangere durchaus an der höheren. Es gibt natürlich auch Schwangere, die nur fünf Kilo zunehmen, andere bringen sogar bis zu 25 Kilo zusätzlich auf die Waage. Beides gilt als akzeptabel. Eine starke Gewichtszunahme bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie sich auch nach der Schwangerschaft mit zu viel Gewicht plagen müssen. Faktoren wie die Ernährung, die Jahreszeit und die Außentemperatur entscheiden darüber, ob sich das Gewicht tatsächlich durch Fett oder gar durch Wasseransammlungen erhöht. Gewöhnlich verteilt sich die Gewichtszunahme folgendermaßen: 1. Trimester: 1,5 bis 2 Kilo, 2. Trimester: 300 bis 450 Gramm pro Woche, 3. Trimester: ca. 500 Gramm pro Woche. Dabei darf die wöchentliche Zunahme schwanken – mal zeigt die Waage in der einen Woche nur ein Pfund mehr an, dafür vielleicht in der nächsten Woche gleich drei Pfund mehr. Eine gefüllte Blase, ein voller Magen oder gefüllter Darm können ebenfalls die Gewichtsmessung beeinflussen. In etwa verteilen sich die bis zur Geburt zugelegten Kilos folgendermaßen: Baby: Plazenta: Fruchtwasser: Zunahme Gebärmutter: Zunahme Brüste: Gewebewasser: Blutvolumen der Mutter: Fett und Proteinvorräte: 3.300 g 600 g 500 g 1.000 g 500 g 3.000 g 1.200 g 1.900 g 3 Seit ich schwanger bin, geht alles drunter und drüber. Gestern habe ich den Haustürschlüssel vergessen und heute Morgen einen Termin im Büro verschwitzt. Was ist nur los? Damit sind Sie nicht allein. So manche perfekt organisierte Geschäftsfrau schüttelt in der Schwangerschaft irritiert den Kopf, weil sie plötzlich Meetings vergisst, Konzentrationsprobleme hat und verunsichert auftritt. Viele Schwangere haben das Gefühl, Ge- 42 DER FÜNFTE MONAT (17. – 20. WOCHE) Wichtig: Es ist immer eine genaue Absprache mit dem Arzt erforderlich! wicht zuzulegen und gleichzeitig »Gehirnzellen zu verlieren«. Zum Glück ist die Vergesslichkeit zeitlich begrenzt. Notieren Sie wichtige Dinge auf einem Zettel. Wissenschaftliche Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen gut funktionierender Gehirnaktivität und Omega-3-Fettsäuren gibt. Diese hochwertigen Fettsäuren dienen Ihren Gehirnzellen als Nahrung. Aber auch für die Entwicklung Ihres Kindes sind sie lebensnotwendig. Neue Studien zeigen, dass eine an Omega-3-Fettsäuren reiche Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit die Sprachentwicklung, die logische Denkfähigkeit (Intelligenz) und die geistige Entwicklung des Kindes fördern kann. Steht für das Ungeborene zu wenig davon zur Verfügung, zapft es schon mal Ihre Vorräte im Gehirn an, und nicht selten kann sich dies in Vergesslichkeit äußern. Achten Sie also auf eine ausreichende Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (siehe Seite 140). 5 Stimmt es, dass die zweite Geburt leichter als die erste ist und die dritte Entbindung dagegen wieder ähnlich verläuft wie die erste Geburt? Tatsächlich kommt das zweite Baby meist schneller und leichter als das erste, da der Körper bereits einen Schwangerschaftsund Geburtsverlauf hinter sich hat. Somit ist der Geburtsweg schon vorgedehnt. Wird das zweite Kind aber erst zehn Jahre später geboren, ist dieser Vorteil wieder dahin ... Eine dritte Geburt ist selten schwerer als die zweite, dafür aber unberechenbarer. Manchmal gibt es stundenlang hier und da Wehen, bis plötzlich einige heftige Momente aufkommen – und das Baby ist geboren. 4 Seit meiner Schwangerschaft leide ich unter starken Kopfschmerzen. Darf ich Medikamente einnehmen? 6 Ich habe gehört, dass die Qualität der Spermien mit zunehmendem Alter abnimmt. Muss ich Angst haben, dass mein Baby durch die Spermien meines Mannes (45) behindert sein wird? Ganz wichtig: Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt die Ursache für das Kopfweh. In der Schwangerschaft werden die meisten Kopfschmerzen durch Spannungen in den Halswirbeln ausgelöst. Oft sind solche Schmerzen am Hinterkopf und über der Stirn fühlbar – auf einer Seite können sie stärker sein. Hier bringen Massage, kühle Kompressen, Akupunktur und homöopathische Mittel Linderung. Sehr empfehlenswert sind auch osteopathische Behandlungen. Sie können ausnahmsweise auch mal zu einer Kopfschmerztablette greifen. Nein. Mit »Qualität« ist gemeint: Je älter der Mann, desto langsamer werden seine Spermien. Die Samenfäden machen sich nicht mehr so forsch und zügig auf die Suche nach einer Eizelle, sondern schwimmen mit zunehmendem Alter eher gemächlich umher. Ansonsten ist bisher nicht bewiesen, dass sich das Alter des Mannes negativ auf die Gesundheit des Babys auswirkt. 43 DER SIEBTE TE MONAT .… so groß wie eine Poom meelo llo Jetzt brauchen Sie einen langen Atem: Die täglich wachsende Gebärmutter liegt mit ihrem oberen Rand zwischen Nabel und unterem Rippenbogen und wiegt nun etwa so viel wie zwei Päckchen Butter. Sie hat allmählich den Umfang einer prallen Pomelo erreicht. Die Mutter verändert sich Bald haben Sie es geschafft! Zwei Drittel der Schwangerschaft liegen bereits hinter Ihnen. Ihr Bauch wächst und wächst, und pro Woche nehmen Sie etwa 400 bis 500 Gramm zu. Die meisten Schwangeren haben Anfang des siebten Monats rund sieben Kilo zugenommen. Gegen Ende des siebten Schwangerschaftsmonats liegt die Gebärmutter mittig zwischen Nabel und unterem Rippenbogen. Sie verdrängt nun alle umliegenden Organe im Mutterleib, um sich Platz zu verschaffen. Allmählich drückt sie das Zwerchfell nach oben in die Brusthöhle und engt damit das Lungenvolumen der Schwangeren ein. Ihre Lungenflügel können sich beim tiefen Luftholen nicht mehr vollständig ausweiten, darum werden Sie kurzatmig. Dennoch ist es wichtig, dass Sie versuchen, tief in den Bauch zu atmen. Nur so ist gewährleistet, dass Sie und Ihr Baby ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. ENDLICH WIEDER DURCHATMEN Kleiner Trost: Der Zustand der flachen Brustatmung hält nur eine kurze Weile an. In wenigen Wochen rutscht der Kopf Ihres Babys ins Becken und damit eine Etage tiefer. Das bringt mindestens zwei angenehme 50 DER SIEBTE MONAT (25. – 28. WOCHE) Schmerzen im rechten Oberbauch auftreten. In diesen Fällen sollten Sie unbedingt Ihre Hebamme oder den Arzt anrufen, denn es könnte sich um eine besonders kritische Form der Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) handeln (mehr Infos hierzu siehe Seite 111). Aber das sind Ausnahmen. Die meisten Schwangeren fühlen sich in dieser Phase so pudelwohl, dass sie Bäume ausreißen könnten. Dementsprechend aktiv sind sie: Sie ziehen durch Geschäfte und schleppen schwere Einkaufstaschen, renovieren das zukünftige Kinderzimmer oder sogar gleich die ganze Wohnung, treiben Sport, besuchen ihre Freunde und Familie … Nebeneffekte: Sie können endlich wieder richtig durchatmen und wieder leichter Schuhe zubinden … Allerdings drückt die Gebärmutter nun nach unten auf Ihre Harnblase – mit der unangenehmen Folge, dass Sie auch nachts häufiger zur Toilette müssen. KLEINER SCHLAFRÄUBER IM BAUCH Vermutlich hat Ihr Bauch inzwischen solche Formen angenommen, dass Sie in der Nacht kaum noch eine angenehme Schlafposition finden. Hinzu kommt die Angewohnheit Ihres Babys, sich besonders gerne dann zu melden, wenn Sie zur Ruhe kommen. Es kann sich bereits so stark bemerkbar machen, dass seine Fäuste, Ellbogen oder Füße Ihren Bauch regelrecht ausbeulen. Das sieht zwar witzig aus, kann aber manchmal auch schmerzen. Etwa dann, wenn Ihr Kind seine Füße unter Ihre Rippen schiebt, gegen die Leber oder den Magen tritt. In diesen Fällen ist eine Lageveränderung hilfreich. Meistens sucht sich dann auch Ihr Baby eine andere Position. In den kommenden Wochen sollte die Rückenlage sowieso tabu sein, um das Risiko des Vena-Cava-Syndroms so weit wie möglich zu reduzieren (siehe Kasten). VENA-CAVA-SYNDROM SCHONPROGRAMM IST ANGESAGT Von Vena-Cava-Syndrom spricht man, wenn die immer schwerer werdende Gebärmutter auf die untere Hohlvene (Vena Cava) drückt und somit den Rücktransport des Blutes zum Herzen behindert. Sobald diese Kreislaufstörung der Mutter eintritt, sendet der Körper umgehend SOS in Form von niedrigem Blutdruck, Herzrasen, Schwitzen und Schwindel. Tipp: Liegen Sie auf der Seite, das fördert den Blutfluss zum Herzen. Nicht selten empfinden viele Schwangere langes Stehen oder Sitzen als unangenehm. Durch die Wassereinlagerungen an Beinen und Füßen wirkt alles schwerer. Lagert Ihr Körper zu viel Wasser ein, spricht man von Ödemen. Die liefern aber erst dann Grund zur Besorgnis, wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden verschwinden, wenn noch weitere Körperteile anschwellen (Gesicht, Hände) und Symptome wie erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen, Augenflimmern oder gar 51 EIN NEUER MENSCH ENTSTEHT WEHE, WENN SIE ZU FRÜH KOMMEN WEHEN-TEST Kritisch wird es dann, wenn sich der Muttermund vorzeitig verkürzt oder öffnet. Geschieht dies zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft, versucht der Arzt alles, um eine vorzeitige Geburt zu verhindern. Kann eine Infektion als Ursache ausgeschlossen werden, reicht in den meisten Fällen ein Magnesiumpräparat, das die Gebärmuttermuskulatur entspannt, und verordnete Bettruhe. Wenn sich Ihr Bauch mehrmals hintereinander in einer Stunde anspannt, können Sie die Probe aufs Exempel machen. Lassen Sie sich ein warmes Bad ein, am besten mit einem entspannenden Lavendelzusatz. Genießen Sie für eine Weile dieses Vollbad, und legen Sie sich anschließend hin. Lassen die Wehen nach einem Bad nicht nach, sollten Sie unverzüglich Ihre Hebamme oder Ihren Arzt aufsuchen. Wichtig: Sobald Sie Fruchtwasser verlieren oder Blutungen haben, müssen Sie umgehend Kontakt mit Ihrer Hebamme, dem betreuenden Arzt oder Ihrer Entbindungsklinik aufnehmen. Oder Ihr Partner ruft gleich einen Krankenwagen, der Sie liegend in die Klinik transportiert. Heilsame Pflanzen In vielen Fällen sind psychische Probleme für die vorzeitigen Wehen verantwortlich. Dann helfen Gespräche mit dem Partner, der Freundin, der Hebamme oder einem Arzt, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Pflanzliche Medikamente wie Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Melisse als Tee oder in Form von Dragées haben sich bestens bewährt, die Situation zu mildern. Ideal kann sich auch eine Kombination aus Magnesium und Phytopharmaka auf vorzeitige Wehen auswirken. Haben Sie einen erfahrenen Homöopathen an Ihrer Seite, kann Ihnen Ihr Konstitutionsmittel helfen. Auch Aroma-Öle sind sehr hilfreich.Vermeiden Sie aber unbedingt Gewürze wie Ingwer und Zimt (auch als Teemischung), denn sie haben eine wehenauslösende Wirkung. Wenn auch Sie zu den Hochaktiven gehören und Ihre Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, ist das wunderbar. Aber trotzdem verdient Ihr Körper in Ihrem Zustand eine Extraportion Aufmerksamkeit und regelmäßige Verschnaufpausen. Jetzt ist auch die Phase, in der Ihnen Ihr Körper Grenzen setzt, zum Beispiel mit einem Bauch, der hin und wieder hart wird. Dieses kurze Anspannen hält in der Regel nur einige Sekunden an, kann aber dafür immer häufiger vorkommen. Meistens handelt es sich dabei um sogenannte »Übungswehen«, mit denen sich Ihr Körper auf die bevorstehende Geburt vorbereitet. Wenn die Wehen keine Wirkung auf den Muttermund haben, sind diese Kontraktionen eher harmlos. Sie könnten aber auch ein Hinweis auf eine körperliche Überlastung sein. Dann ist es ein Signal, dass Sie Ihre Aktivitäten drosseln sollten. Legen Sie immer mal wieder Ruhepausen ein! WAS JETZ T WICHTIG IST • 6. Vorsorgeuntersuchung • Babyausstattung organisieren • Informationsabende von Geburtshäusern und Entbindungskliniken besuchen, Kreißsäle anschauen 52 DER SIEBTE DER MONAT SIEBTE(25. MONAT – 28. WOCHE) WECHSELHAFTE STIMMUNGEN Nadine (28), Ernährungsberaterin, und Thomas (31), selbstständiger Gastronom in Starnberg. Aufzeichnung: ca. 38. Schwangerschaftswoche. Thomas: Hin und wieder hast du extreme Gefühlsregungen gezeigt – wegen nichts und wieder nichts. Da habe ich dich nicht wiedererkannt. Etwa neulich: Da war ich mit einem Freund und einer Bekannten abends unterwegs. Wir kamen erst gegen halb drei Uhr morgens nach Hause. Nadine Nadine: Es war drei Uhr, und du hast gesagt, du kommst um eins. Thomas: Du meintest, dass ich einen Unfall hätte haben können, und fragtest, ob ich eine andere Frau hätte. Ich dachte nur: Was soll das denn jetzt ... Thomas: Stimmt. Ich bin länger geblieben, kam nach Hause und dachte mir: Komisch, alles beleuchtet ... Nadine (lacht): Also, wenn er früher ohne mich loszog, ging ich ins Bett und habe meistens geschlafen, wenn er heimkam. Ich wusste, alles ist in Ordnung. Nadine: Das ist wirklich komisch. Wir kennen uns seit 15 Jahren, und noch nie war ich irgendwie eifersüchtig. In der Schwangerschaft bin ich plötzlich auf jede Frau eifersüchtig, die in deiner Nähe ist. Thomas: Und als ich letztes Mal heimkam, standest du in der Küche und hast abgespült – morgens um drei! Wütend hast du mich gefragt: Wo warst du??? Thomas (lacht): Aber zum Glück ist die dicke Luft schnell wieder verflogen. Meistens bist du kurze Zeit später lachend auf mich zugekommen und hast dich entschuldigt. Nadine (lacht): Das ist mir so peinlich. Nadine: Sehr viel anderes bleibt auch nicht übrig. Es waren ja an den Haaren herbeigezogene Lappalien. Was ich vorher nie kannte – ich fand streiten nie so toll. In den meisten Fällen haben wir mein Verhalten mit Hormonschwankungen erklärt. Thomas: Ich dachte nur: Was ist denn jetzt los, sie war doch früher nie so. Nadine: Aber du hast meinen Ausbruch sehr locker genommen, hast dich auf einen Stuhl gesetzt und mich angegrinst. 53 Obwohl seine Entwicklung rasant voranschreitet – Lippen, Nase und Augenlider sind jetzt fertig ausgebildet –, ist der Fötus immer noch zart und sehr gebrechlich. Gut geschützt liegt er in seiner Fruchtblase, umhüllt vom Fruchtwasser – seinem Wasser des Lebens. Das Baby wächst heran In der Gebärmutter wird es enger. Die Fruchtwassermenge nimmt zu, und Ihr Baby hat am Ende des siebten Monats ein gutes Kilo an Gewicht zugelegt. Während die Körpergröße genetisch vorbestimmt ist, ist das Körpergewicht abhängig von der Funktion der Plazenta und Ihrer Ernährung. Je höher die Nährstoffdichte der Nahrungsmittel, die Sie zu sich nehmen, desto höher ist das Geburtsgewicht des Babys. lem an Muskeln und Fett zu. Sein gesamter Körper wird rundlicher. Die Schicht der schützenden Käseschmiere ist bereits einige Millimeter dick und verleiht der dünnen, leicht durchsichtigen Haut einen rosafarbenen Teint. Tatsächlich aber enthält die Babyhaut noch keine Farbpigmente, sodass alle Ungeborenen, egal welche Hautfarbe sie später haben werden, in diesem Alter gleich hell aussehen. Das Gesicht des Babys ist vollständig entwickelt, lediglich die Augen stehen etwas hervor, weil die Wangen noch keine Fettpölsterchen haben. Dafür sind die Augen bereits sehr aktiv: Während Ihr Baby im sechsten Monat die Augäpfel langsam KLEINER WONNEPROPPEN Im letzten Monat wirkte das Baby im Vergleich relativ mager, aber jetzt legt es vor al- 54 DER SIEBTE MONAT (25. – 28. WOCHE) von der einen Seite zur anderen Seite drehen konnte, kann es jetzt auch das Tempo und den Radius dieser Bewegungen steuern und mal ruck, zuck von links nach rechts (oder umgekehrt) blicken. Gegen Ende des siebten Schwangerschaftsmonats öffnet das Ungeborene schließlich wieder seine Augenlider und kann blinzeln. Obwohl sein Sehapparat noch nicht voll ausgebildet ist, kann das Baby bereits Lichtunterschiede wahrnehmen. Das kindliche Skelett verhärtet immer mehr. Bei männlichen Babys wandern die Hoden in den Hodensack. Auch Finger- und Zehennägel werden härter und wachsen weiter. Der natürliche Haarflaum, das Lanugohaar, verschwindet allmählich. Neben den Wimpern und Augenbrauen wird auch das Kopfhaar immer fülliger. Sie werden auch feststellen, dass Ihr Baby über den Tag verteilt unterschiedlich aktiv ist. Normalerweise ist es morgens eher ruhiger – dafür kommt es oft gegen Mitter- »FRÜHCHEN« Die Überlebenschancen von Frühchen hängen vom Entwicklungsstand des Kindes ab. Die Grenze der Lebensfähigkeit liegt heute unter dem Einsatz einer intensivmedizinischen Betreuung bei Abschluss der 22. Schwangerschaftswoche, allerdings haben erst Kinder ab der 24. Schwangerschaftswoche eine Chance auf ein gesundes Überleben. Man unterscheidet • früh geborene Kinder: 33. bis 37. Schwangerschaftswoche • sehr früh geborene Kinder: 29. bis 32. Schwangerschaftswoche • extrem früh geborene Kinder: 24. bis 28. Schwangerschaftswoche Rund ein Prozent aller Kinder in Deutschland werden sehr früh geboren und haben eine Überlebenschance von über 90 Prozent, vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche kommen insgesamt 7 bis 8 Prozent aller Kinder auf die Welt. VERSCHNAUFPAUSE nacht so richtig in Fahrt. Noch hat Ihr Baby ausreichend Platz, aber Sie spüren und sehen seine Bewegungen nun deutlich. GUTE CHANCEN ZU LEBEN Kraft tanken für den großen Start ins Leben: Gegen Ende des siebten Schwangerschaftsmonats öffnet das Ungeborene seine Augenlider, an denen bereits winzige Wimpern wachsen. Die Finger haben schon lange Nägel und den individuellen Fingerabdruck. Käme Ihr Baby jetzt auf die Welt, hätte es bereits gute Überlebenschancen. Es müsste allerdings noch intensivmedizinisch versorgt werden. Am Ende dieses Monats misst ein Ungeborenes etwa 35 Zentimeter und wiegt rund 1000 Gramm. Sein Kopfdurchmesser beträgt ungefähr 75 Millimeter. 55 YOGA IN DER SCHWANGERSCHAF T Schwanger zu sein bedeutet viel mehr, als dass »nur« ein kleiner Mensch heranwächst. In Ihnen reift neues Leben, und diese Tatsache bringt viele Veränderungen mit sich – neben den körperlichen auch seelische. Yoga-Übungen können helfen, dass Sie in den Monaten der Umstellung trotz allem die innere Balance halten, Stress abbauen und neue Energie gewinnen. YOGA IN DER SCHWANGERSCHAFT Was ist Yoga? »Yoga ist eine seit Tausenden von Jahren bestehende indische philosophische Lehre, die unterschiedliche Einheiten beinhaltet«, weiß die Yogalehrerin Patricia ThielemannKapell aus Berlin. Sie ist die Gründerin der Spirit Yoga Studios und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Yoga in der Schwangerschaft. Die Mutter von zwei Kindern hat ein effizientes Schwangerschaftsyoga entwickelt, welches bereits von vielen Yogalehrern und Hebammen erfolgreich praktiziert und verbreitet wird. WARUM IST YOGA IN DER SCHWANGERSCHAFT SINNVOLL? In einem speziell für Schwangere konzipierten Yogaprogramm wird gezielt auf die Bedürfnisse werdender Mütter eingegangen. Geeignete körperliche Übungen werden mit Atem- und Meditationsübungen kombiniert, stets mit dem Ziel, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele zu schaffen. Schwangerschaftsyoga eignet sich für NeuEinsteiger genauso wie für erfahrene Yogaübende. Da eine Frau in anderen Umständen auch besondere Übungen braucht, wird empfohlen, möglichst früh mit Schwangerschaftsyoga zu beginnen – natürlich nur, wenn Ihnen der Sinn danach steht. Idealerweise üben Sie regelmäßig, vorausgesetzt, Sie fühlen sich fit. Hören Sie jetzt mehr denn je auf Ihre Bedürfnisse. Wichtig beim Yoga ist, sich 100-prozentig auf die Übung zu konzentrieren und sich mit Leib und Seele einzubringen. Das heißt: Handy ausschalten, Tür zumachen, Arbeit Arbeit sein lassen und die Aufmerksamkeit nach innen richten, um sich der neuen »anderen Umstände« bewusst zu werden. BIT TE BEACHTEN Ein normales Yogaprogramm, das nicht speziell für Schwangere konzipiert wurde, ist weniger empfehlenswert. Es gibt nämlich viele Yogahaltungen, die für werdende Mütter nicht geeignet oder sogar ungünstig sind. YOGA FÜR ZWEI Keine Frage: Yoga macht fit, aber der sportliche Ehrgeiz kann jetzt getrost ausgeklammert werden, denn hier zählen andere Beweggründe. Yoga kann Ihnen helfen, die neue Lebensphase bewusst zu erleben, eine Nähe zum Baby aufzubauen, sich auf die Geburt vorzubereiten und möglichen Beschwerden entgegenzuwirken. Die speziell für werdende Mütter kreierten Yogaübungen laden ein, sich gezielt auf das zu konzentrieren, was in Ihnen passiert. Im Schwangerschaftsyoga geht es deshalb weniger darum, eine ausgetüftelte Technik zu erlernen, sondern vielmehr darum, das ursprünglich Weibliche in sich wiederzuentdecken und zu fördern. Der Fokus liegt auf der Atmung, denn spätestens bei der Geburt wird der Atem zu Ihrem besten Freund. Atemübungen, Meditationen und Fantasiereisen sorgen für eine tiefe Entspannung und tragen dazu bei, dass sich Ihre Gefühle stabilisieren. Gezielte Atemübungen können helfen, zu Ihrer inneren Mitte zu finden. Durch Yoga können Sie lernen, sich wie ein Wellenreiter durch die tobenden Wehen hindurchzuatmen. Schaffen Sie sich den Raum und die Zeit, diesen so wichtigen Entwicklungsprozess aktiv mitzugestalten! 125 LEBEN IN ANDEREN UMSTÄNDEN Yogaübungen für Schwangere Auf den folgenden Seiten haben wir einige Übungen zusammengestellt, die Sie während der Zeit Ihrer Schwangerschaft unterstützen sollen. Zu Beginn einer jeden Yogaeinheit steht ein Moment der Ruhe und Stille. Jetzt sind Sie nur für sich da, im Hier und Jetzt haben Sie die Möglichkeit, sich zu sammeln. 1 STILL WERDEN Diese Übung lässt Sie ruhiger werden und stimmt Sie auf die Yogapraxis ein. Ein perfekter »Entschleuniger«. Machen Sie es sich auf einer Yogamatte, leicht erhöht auf einem Kissen oder auf der 1 Kante einer gefalteten Decke im Schneidersitz bequem. Führen Sie eine Hand zum Herzen, die andere Hand zum Bauch. Schließen Sie für eine Weile die Augen. Lassen Sie die Sitzbeinknochen schwer in den Boden sinken, so als wollten Sie Wurzeln in den Boden unter sich wachsen lassen. Halten Sie Ihren Kopf gerade, der Scheitel ragt Richtung Himmel. Lassen Sie Ihre Schultern entspannt. Mit Ihrer äußeren Aufrichtung richten Sie sich auch innerlich auf. Sammeln Sie Ihre Gedanken, und lassen Sie alles, was vorher war, und das, was noch ansteht am Tag, vorüberziehen und unwichtig sein. Nehmen Sie den Augenblick wahr, und fühlen Sie, wie es Ihnen geht. Versuchen Sie, sich aufs Wesentliche zu besinnen, wenn Ihr Gedankenkarussell wieder zu kreisen beginnt. Sie sitzen hier, entspannt und bequem in dem Augenblick fest auf dem Boden – verbunden mit kräftigen Wurzeln und gerader Haltung gen Himmel. Worauf Sie achten sollten: Zu Beginn steht nicht die Entspannung, sondern das Bereitmachen im Vordergrund – das Ausrichten des Geistes auf das, was Sie im Moment tun. Nehmen Sie sich ganz bewusst wahr und wie es Ihnen im Moment geht. 2 KAMELRIT T Der Kamelritt löst Verspannungen im Rücken und spendet Energie. Außerdem regt er die Funktion der Organe an. Drei Minuten entspannt sitzen bleiben. Setzen Sie sich auf ein Kissen, und überkreuzen Sie die Beine. Legen Sie die Hände auf die Oberschenkel. 126 YOGA IN DER SCHWANGERSCHAFT Heben Sie mit dem Einatmen das Brustbein, und verlagern Sie das Gewicht ganz leicht nach vorn. Schaukeln Sie beim Ausatmen wieder zurück, und runden Sie dabei leicht Ihren Rücken. Wiegen Sie auf diese Weise Ihren Oberkörper acht- bis zehnmal sanft vor und zurück. 2 Worauf Sie achten sollten: Atem und Bewegung sollten immer harmonisch miteinander verlaufen. 3 BAUM Diese Übung fördert das Gleichgewicht und die Konzentration, verbessert die Körperhaltung, dehnt die Hüften Kommen Sie in einen aufrechten Stand. Die Zehen zeigen gerade nach vorn, und die Füße stehen hüftbreit auseinander. Führen Sie die Hände vor dem Herzen zusammen. Schauen Sie geradeaus auf einen Fokuspunkt. Acht- bis zehnmal wiederholen. 3 Verlagern Sie nun das Gewicht auf Ihren rechten Fuß, und setzen Sie die linke Fußsohle unterhalb der Innenseite des rechten Knies ab. Die Hüftknochen zeigen gleichmäßig nach vorn, das linke Knie strebt nach außen. Führen Sie mit der nächsten Einatmung die Arme über die Seite nach oben. Verschränken Sie die Finger bis auf die Zeigefinger. Die aneinandergelegten Zeigefinger zeigen nach oben. Entspannen Sie Ihre Gesichtszüge. Bleiben Sie für fünf gleichmäßige, tiefe Atemzüge in dieser Position. Wechseln Sie dann die Seite. Worauf Sie achten sollten: Die Hüftknochen sollen gerade nach vorn ausgerichtet bleiben, Ihr Blick bleibt entspannt, und der Atem strömt frei. Fünf tiefe Atemzüge machen. 127 GESUND & SCHÖN Während der Schwangerschaft braucht Ihr Körper, der in dieser Zeit Höchstleistungen vollbringt, eine besondere Pflege – innerlich und äußerlich. Zum einen durch gesunde Ernährung und zum anderen durch wohltuende Massagen und Cremes für Brust, Bauch und Beine. GESUND & SCHÖN Makronährstoffe Zu dieser Gruppe gehören Kohlenhydrate, Eiweiß (Protein) und Fette. Sie liefern die Energie zum Leben und sind in unseren Lebensmitteln reichlich vorhanden. Bei einer ausgewogenen Ernährung sind Sie auch in der Schwangerschaft ausreichend mit Makronährstoffen versorgt. KOHLENHYDRATE Sie sind die Hauptenergiequelle für alle Aktivitäten und liefern den Brennstoff für sämtliche Muskel- und Gehirnarbeit. Ein Gramm Kohlenhydrate hat rund vier Kilokalorien (kcal). Chemisch betrachtet, sind Kohlenhydrate eine Verbindung aus Kohlen-, Wasser- und Sauerstoff, die allesamt in Pflanzen gebildet werden. Darum stecken Kohlenhydrate reichlich in pflanzlicher Nahrung. Umgangssprachlich spricht man bei Kohlenhydraten auch einfach von »Zucker«, worunter sich viele lediglich den weißen Haushaltszucker vorstellen. Dies ist nicht korrekt, denn die Gruppe der Kohlenhydrate lässt sich noch mal unterteilen, wobei je nach Anzahl der Glukosemoleküle (Zuckermoleküle) in den Kohlenhydratketten unterschieden wird zwischen ◉ Monosacchariden (Einfachzucker, sie bestehen nur aus einem Glucosebaustein, zum Beispiel Traubenzucker), ◉ Disacchariden (Zweifachzucker, sie bestehen aus zwei Glucoseverbindungen, zum Beispiel Kristallzucker – das ist der weiße Haushaltszucker –, Milchzucker, Malzzucker) und ◉ Polysacchariden (Vielfachzucker, sie bestehen aus vielen Glucoseverbindungen, zum Beispiel Stärke und Zellulose). Tatsächlich zählt auch der weiße Haushaltszucker zu den Kohlenhydraten, ähnlich wie seine anderen süßen Kollegen wie Rohr-, Frucht- oder Traubenzucker. Ihr Vorteil: Weil diese kurzen Kohlenhydratketten nicht mehr aufwendig zerlegt werden müssen, stehen sie dem Organismus sofort als Ener- HIER STECKEN KOHLENHYDRATE DRIN Reichlich hochwertige Kohlenhydrate sind enthalten in: • Vollkornmehl, Vollkornbrot, Knäckebrot • Getreideflocken (zum Beispiel Haferflocken) • (Pell-)Kartoffeln • Naturreis, Vollkornnudeln • Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen, Bohnen) Diese Lebensmittel sollten regelmäßig auf Ihrem Speiseplan stehen. Reichlich minderwertige Kohlenhydrate sind enthalten in: • Zucker, Süßigkeiten • Limonade, Cola- und Fruchtsaftgetränken • Schokoladenwaren • Marmeladen • Weißmehlprodukten (Kuchen, Kekse, Brötchen, Toast etc.) • Eiscreme und Torten Diese Lebensmittel sollten nach Möglichkeit nur selten auf den Teller kommen. 136 ERNÄHRUNG FÜR MUTTER UND KIND gie zur Verfügung. Der Nachteil: Sie machen nicht satt und lassen den Blutzuckerspiegel rasant in die Höhe schnellen. Sobald der Zucker aus dem Blut verarbeitet ist, fällt der Blutzuckerspiegel wieder rapide ab. Die Folge: Erneuter Hunger auf etwas Süßes kommt auf (Heißhunger). Anders verhält es sich mit den komplexen Kohlenhydraten (Vielfachzuckern) wie Stärke (steckt zum Beispiel in allen Getreideprodukten wie Reis, Brot und Nudeln sowie Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Obst) und Zellulose (Ballaststoffe). Diese hochwertigen Kohlenhydrate bestehen aus mehreren Glucosemolekülen, die der Körper nach und nach in ihre einzelnen Glucosebausteine zerlegen muss, um sie verwerten zu können. Und dies braucht seine Zeit. Deswegen macht eine Mahlzeit aus diesen vollwertigen Kohlenhydraten länger satt. Nahrungsmittel mit komplexen Kohlenhydraten haben die höchste Nährstoffdichte, denn sie liefern zusätzlich noch andere lebensnotwendige Stoffe wie Vitamine und Mineralien gleich mit. Weil das Baby ihre Energiezufuhr anzapft, brauchen Schwangere mehr von diesen hochwertigen Kohlenhydraten. Versuchen HITLISTE DER BALLASTSTOFFE 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag sollten Sie nach Möglichkeit verzehren. In 100 Gramm Lebensmittel stecken jeweils so viel davon: Getreide: Weizenkleie Roggenknäckebrot Roggenvollkornmehl Weizenvollkornmehl Dinkel/Grünkern Haferflocken Obst: Heidelbeeren Himbeeren Kiwi Granatapfel Äpfel Banane Gemüse/Hülsenfrüchte: Rosenkohl 4,4 g Brokkoli 3,0 g Salat 1,5 g Tomaten 1,3 g Gurken 0,9 g Bohnen, weiß 17,0 g Erbsen 16,0 g Kidneybohnen 15,7 g 49,3 g 14,1 g 13,4 g 10,0 g 9,9 g 9,5 g Trockenobst/Nüsse: Mandeln 9,8 g Feigen 9,6 g Datteln 9,2 g Kokosraspel 24,0 g Leinsamen (ungeschält) 38,6 g Sonnenblumenkerne 6,3 g 4,9 g 4,7 g 3,9 g 3,1 g 2,3 g 2,0 g 137 OPTIMALER START INS GLÜCK Stillen ist weit mehr, als dem Baby die Brust zu geben. Wenn Sie Ihr Baby stillen, bereiten Sie ihm einen wunderbaren Start ins Leben, denn Muttermilch ist von Natur aus die beste Säuglingsnahrung. Idealerweise wird ein Baby in den ersten sechs Monaten voll gestillt und bei Bedarf auch noch darüber hinaus. So lange, wie Sie und Ihr Baby dies möchten. OPTIMALER START INS GLÜCK Muttermilch von Anfang an Keine Frage: Muttermilch ist das Beste für einen Säugling. Auch ein Blick ins Tierreich erlaubt bei allen Säugetieren diese Schlussfolgerung: Kälber trinken Kuhmilch, Fohlen trinken Stutenmilch, Kätzchen trinken Katzenmilch. Wie gut, dass auch Menschen auf eine eigene Milchquelle zurückgreifen können. Es gibt also keinen Zweifel daran: Stillen ist das Optimum für ein Neugeborenes. Viele gute Gründe sprechen dafür: ◉ Muttermilch ist stets greifbar: Keimfrei, jederzeit verfügbar und immer richtig temperiert. Auch unterwegs und auf Reisen steht sie jederzeit zur Verfügung. ◉ Muttermilch enthält Nährstoffe in einer bestimmten Zusammensetzung, die sich perfekt an die aktuellen Bedürfnisse Ihres Babys anpasst – das ist besonders in den Wachstumsphasen sehr wichtig. ◉ Muttermilch ist reich an Abwehrstoffen, die Ihr Baby vor Krankheiten schützen können. Gestillte Kinder werden seltener krank. Erkranken sie dennoch, werden sie dank der zugeführten Abwehrstoffe schneller wieder gesund. ◉ Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter auf ihre Ausgangsgröße und mindert den Wochenfluss. ◉ Stillen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein sinnvoller Akt: Ihr Baby kann Sie hören, riechen, schmecken, fühlen und sehen. ◉ Stillen knüpft enge Bande zwischen Mutter und Kind. Die Fütterung an der Brust bedeutet direkten Körperkontakt: Ihr Baby spürt Ihre Wärme, Nähe und Liebe – eine ideale Basis, um Urvertrauen zu entwickeln. ◉ Mütter, die ihrem Baby die Brust geben, sparen in den ersten sechs Monaten rund 600 Euro (keine Babynahrung, keine Flaschen, keine Sauger, keine Energie zum Reinigen der Flaschen etc.). ◉ Stillen reduziert das Risiko, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken. Das belegen zahlreiche medizinische Studien. ◉ Stillen hat mit »still sein« zu tun, und Ruhe ist Seelenbalsam für die Mütter. Auf einzigartige Weise sind sie ihrem Baby beim Stillen ganz nahe. In dieser sehr intimen Zeit verschmelzen Mutter und Kind zu einer Einheit, die ein Leben lang anhalten kann. In solchen Momenten wird ein ganz wichtiger Grundstein für die Entwicklung des Vertrauens gelegt. Das entsteht natürlich auch zwischen Eltern und Babys, die mit der Flasche großgezogen werden. Entscheidend ist in erster Linie der Akt des Nahrung-Spendens. Denn beim Füttern eines Babys geht es um viel mehr als nur das Verabreichen von Milch. Das Baby erhält Nahrung fürs Leben in Form von Liebe, und Zuwendung – das Fundament für seine weitere persönliche Entwicklung. Aber bringt Stillen wirklich nur Vorteile? Der Fairness halber sollten auch die Nachteile genannt werden, falls man solche sehen mag. Allen voran steht die Tatsache, dass Mütter, die stillen, allein für die Ernährung ihres Kindes zuständig sind. Es sei denn, sie pumpen hin und wieder Milch ab, die dann auch durch den Partner dem Baby gefüttert werden kann. Ähnliches gilt für die Nachtruhe: Eine stillende Mutter muss immer aufstehen, wenn der Nachwuchs Hunger hat und dies lauthals kundtut. Bekommt Ihr Baby das Fläschchen, kann auch der Papa beim Füttern helfen. Und: Viele Stillende sind in ihrer Ernährung eingeschränkt, da sie auf Alkohol sowie blähende Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch oder Kohl und stark Säurehaltiges wie Zitrusfrüchte, die Babys Po wund machen können, weitgehend verzichten müssen. 259 WILLKOMMEN, KLEINES BABY! DIE MILCHBILDUNG liegen unter dem Warzenvorhof und können relativ viel Milch speichern. Nimmt das Baby die Warze samt Vorhof in den Mund, presst es mit Zunge und Kiefer die Milch aus diesen Milchseen heraus. Die Produktion der Muttermilch gleicht einem kleinen Wunderwerk. Unzählige Vorgänge laufen Hand in Hand – angefangen von der Arbeit der einzelnen Brustzellen über die Hormone bis hin zur Psyche. Zusammenspiel der Hormone Die Brust In den Brüsten gibt es jeweils 15 bis 20 Brustlappen. Dabei handelt es sich um einzelne Stränge, die sternförmig durch die Brust zur Warze hin verlaufen. Jeder einzelne Strang besteht aus mehreren Drüsengruppen (Alveolen). Diese sitzen wie dicke Trauben auf den Strängen, verbunden durch einen Milchkanal. Jede dieser »Trauben« besitzt zwischen zehn und 100 »Weinbeeren«. Jede einzelne dieser Beeren produziert Milch. Jede Beere ist von einer Muskelschicht umhüllt, die vom Hormon Oxytocin stimuliert werden kann, sich zusammenzuziehen. Sobald dieser Reiz auftritt, presst die Beere (Alveole) ihre produzierte Milch aus einer Drüse in winzige Kanäle hinaus, sodass sie schließlich über den Milchkanal in Richtung Brustwarze läuft. Vor der Brustwarze sammelt sich die Milch von allen Milchkanälen der Brust in kleinen Speichern, den Milchseen. Diese Bereits in der Schwangerschaft kurbeln mehrere Hormone die Entwicklung der milchbildenden Zellen an. Alle zusammen sorgen dafür, dass in den letzten Tagen oder Wochen vor der Geburt die erste Milch (Kolostrum) zur Verfügung steht. Nach der Geburt ist verstärkt das Hormon Prolaktin aktiv. Seine Produktion wird durch das Saugen des Babys angeregt. DER MILCHFLUSSREFLEX Unmittelbar nachdem das Kind zu saugen beginnt, verschicken Nervenendungen in den Brustwarzen die Meldung zur Hypophyse ins Gehirn, umgehend das Hormon Oxytocin freizusetzen. Dieses Hormon sorgt dafür, dass sich die milchbildenden Zellen zusammenziehen und die Milch in die Milchkanäle hinauspressen. DIE MUT TERMILCH JEDE MENGE MILCH Die Milchbildung hängt ab von der Nachfrage, denn: Je mehr Ihr Baby an Ihrer Brust saugt, desto mehr Prolaktin (zur Milchbildung) und Oxytocin (zur Milchabgabe in die Milchgänge) werden freigesetzt. Wird das Baby seltener angelegt, wird umgekehrt auch entsprechend weniger Milch produziert. Muttermilch ist ähnlich wie Blut zusammengesetzt, enthält im Unterschied dazu aber keine roten Blutkörperchen. Dafür liefert sie weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die den kindlichen Organismus vor Krankheiten schützen. Außerdem versorgt sie ihn mit Immunschutzstoffen, Enzymen, Hormonen und anderen Vitalstoffen, die eine gesunde Entwicklung des Neugeborenen fördern. Muttermilch sollte reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sein. Dies können Sie am besten durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost gewährleisten. Aus diesem Grund soll- 260 OPTIMALER START INS GLÜCK ten Sie jetzt genauso auf die Qualität Ihrer Ernährung achten wie bereits während der Schwangerschaft. Muttermilch ist aber nicht gleich Muttermilch. Denn ihre Zusammensetzung passt sich immer an die Bedürfnisse des Kindes an. Brustmuskel e Fettgewebe Drüsengewebe arzen Warzenhof Kolostrum Sie ist die erste Milch, die bereits in der Schwangerschaft gebildet wird und dem Baby sofort nach der Geburt zur Verfügung steht. Diese Milch ist eher cremig als flüssig und ähnlich wie Sahne auch leicht gelb. Viel davon gibt es nicht, aber ausreichend, um das Baby in den ersten zwei bis drei Tagen satt zu bekommen. Das Kolostrum ist sehr nährstoffreich, es enthält wesentlich mehr Eiweiß als die spätere Muttermilch, mehr Vitamin A, B-Vitamine, Vitamin E und Spurenelemente wie Zink, aber weniger Fett und weniger Kohlenhydrate. Hinzu kommt seine abführende Wirkung. Damit hilft es dem Baby, das Kindspech (Mekonium) zügig auszuscheiden und seinen Verdauungstrakt zu reinigen. Das Kolostrum ist eine leicht verdauliche und kalorienarme Nahrung und damit ideal für die ersten Tage im Leben eines Neugeborenen. Übergangsmilch Bevor sich der weibliche Körper auf die Produktion der reifen Frauenmilch umstellt, fließt etwa zwei Wochen lang die Übergangsmilch. Das Kolostrum wird mit jedem Tag weniger cremig, und der Gehalt an Eiweiß und Antikörpern sinkt. Dafür liefert die Übergangsmilch immer mehr Kohlenhydrate und Fett. Nach und nach steigt auch die Milchmenge, die ein Baby täglich zu sich nimmt. Reife Frauenmilch Etwa zwei Wochen nach der Geburt produzieren die Brüste die reife Frauenmilch. lchg gang g Milchgang n Rippen Querschnitt der weiblichen Brust: Hinter dem Warzenhof speichern die großen Milchseen Milch, die in den traubenartigen Milchdrüsen gebildet wird. Diese Milch behält ihren Namen bis zum Ende der Stillzeit, und auch ihre Zusammensetzung bleibt bestehen – stets angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Babys. Sie enthält überwiegend Wasser, kombiniert mit Fett, Eiweiß, Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen. Dabei unterscheidet man die Vormilch von der Nachmilch: Sobald das Baby trinkt, fließt die Vormilch. Sie liefert zwar auf den ersten Blick weniger Kalorien, dafür aber viel Flüssigkeit. Die Vormilch stillt den Durst. Nach wenigen Minuten fließt die Nachmilch, deren Kaloriengehalt etwa doppelt so hoch ist. Die Nachmilch stillt den Hunger. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Baby lange genug an der Brust trinkt und nicht schon aufhört, wenn es mit der Vormilch nur den ersten Hunger gestillt hat. 261 WILLKOMMEN, KLEINES BABY! Anleitung zum Stillen Eine harmonische Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind ist ein wunderbares Geschenk. So viele vertraute Momente der Zweisamkeit wie während des Stillens wird es in den folgenden Jahren vermutlich nur noch recht selten geben. BASIS FÜRS ERFOLGREICHE STILLEN Amerikaner drücken es mit einem Wort aus: Relax! Genauso sollten Sie es auch handhaben. Machen Sie es sich vor jeder Stillmahlzeit bequem, entspannen Sie sich, und genießen Sie die kommenden Minuten der innigen Beziehung zu Ihrem Kind. ◉ Ganz gleich, welche Stillposition Sie wählen – achten Sie darauf, dass Sie Ihren Arm, in dem das Baby liegt, gut abstützen und möglichst auch Ihre Beine und Füße entlasten. Sonst sind Rücken- und Handgelenksprobleme vorprogrammiert. ◉ Organisieren Sie alles, was Sie fürs komfortable Stillen brauchen: eine Fußbank oder einen Hocker, Stillkissen, Nackenrolle, Duftlämpchen, ein Glas Wasser oder (nicht zu heißen) Tee, eine Spuckwindel. ◉ Achten Sie, unabhängig von der Stillposition, darauf, dass Ihr Kind in Vorbereitung auf das spätere Trinken aus dem Glas mit beiden Händen Ihre Brust berühren kann und dass Sie seinen Füßen Halt geben. So kann es besser saugen und schlucken. ◉ Auch wie Sie Ihr Baby anlegen, ist entscheidend: Führen Sie stets das Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind. Ganz wichtig: Das Baby darf nicht nur die Warze, sondern muss auch zwei bis drei Zentimeter vom Warzenhof mit seinen Lippen umschließen. Erst so kann es richtig saugen. ◉ Stillen Sie nach Bedarf. Das bedeutet, Sie sollten Ihr Baby immer dann anlegen, wenn es danach verlangt. In den ersten Tagen und Wochen gibt es keinen festen Rhythmus. In erster Linie geht es darum, dass Ihr Baby mit Nahrung für Körper und Seele versorgt wird, wenn es diese braucht. Erfahrungsgemäß verläuft der Milcheinschuss sanfter, wenn nach Bedarf gestillt wird. ◉ Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind: Zögern Sie nicht, in der Klinik die Säuglingsschwester oder die (Nachsorge-) Hebamme um Rat zu bitten. Diese Frauen sind Expertinnen in Sachen Stillen. In vielen Kliniken arbeiten ausgebildete Stillberaterinnen, die sich mit viel Liebe und Geduld Wöchnerinnen widmen, damit diese eine erfolgreiche und glückliche Stillzeit mit ihrem Kind erleben können. DAS ERSTE ANLEGEN So hilflos ein Neugeborenes aussehen mag, ein Überlebensinstinkt ist gleich angeboren: Sehr bald nach der Geburt sucht das Baby die Brustwarze und beginnt zu saugen – vorausgesetzt, es ist nicht durch eine schwierige Geburt oder durch Medikamente beeinträchtigt. Sogar im Dunkeln findet das Baby Ihre Brustwarze – zum einen, weil es die heraustropfende Muttermilch riecht, und zum anderen, weil die Warze etwas wärmer ist als die übrige Brust. Durch seine Begabung, Schluck- und Atemtechnik zu koordinieren, kann ein Baby gleichzeitig trinken, schlucken und atmen – eine Fähigkeit, die später verloren geht. Achten Sie bitte unbedingt darauf, dass Ihr Säugling seinen Mund richtig öffnet und Ihre Brustwarze einschließlich etwas Warzenhof zwischen den Lippen hält und nicht nur den Nippel. Dies schont die Brustwarze und ist vor allem viel effektiver. 262 OPTIMALER START INS GLÜCK Die Stillpositionen Beliebt bei den Hebammen und Stillberaterinnen ist der sogenannte C-Griff. Seine Bezeichnung lässt schon erahnen, wie die Hand geformt ist. Wenn Sie die Finger einer Hand leicht gekrümmt aneinanderlegen und den Daumen abspreizen, bildet die Hand die Form des Buchstabens »C«. Mit diesem Griff sollten Sie die Brust der gegenüberliegenden Körperseite stützen, um sie dann dem Baby anzubieten. Beispiel: Wenn Sie Ihr Baby an die linke Brust anlegen möchten, liegen die vier Finger der rechten Hand etwa drei Zentimeter von der Warze entfernt unter der Brust. Der Daumen liegt lose etwa drei Zentimeter oberhalb der Brustwarze auf. Ziel dieses Handgriffs: Die Brust soll richtig gestützt werden, und die Brustwarze ist in der Höhe des Mundes. Auf diese Weise bekommt das Baby nicht nur die Warze, sondern auch den Warzenvorhof in den Mund. Außerdem verhindert die Position der Finger, dass die Milchseen abgedrückt sind. So sollten Sie Ihrem Baby die Brust anbieten – gut abgestützt im C-Griff. STILLEN IM LIEGEN (SEITENLAGE) Die Seitenlage ist besonders im Wochenbett empfehlenswert, denn sie schont Ihren Dammbereich. Legen Sie sich auf dem Boden, auf dem Sofa oder im Bett auf eine Seite, und winkeln Sie die Beine leicht an. Positionieren Sie Ihren Kopf bequem auf einem Kissen oder einer Decke. Legen Sie nun den Bauch des Babys an Ihren Bauch, sein Mund sollte auf der Höhe Ihrer Brustwarze sein. Mit der freien Hand können Sie Ihrem Kind die Brust im C-Griff anbieten. Damit Ihr Säugling nicht nach hinten kippt und rutscht, können Sie seinen Rücken mit einem Kissen, Stillkissen oder einem zusammengerollten Handtuch abstützen. Ideale Entspannung für Mutter und Kind: Stillen im Liegen in der Seitenlage. Es schont Mutters Rücken, den Damm und die Gelenke. 263 IHR BEGLEITER FÜR 9 AUFREGENDE MONATE UND DIE ERSTE ZEIT MIT DE M BABY Schwangerschaft und Geburt sind einmalig und unvergesslich. Dieser Ratgeber begleitet Sie mit wertvollen Informationen und kompetenten Ratschlägen durch 40 Wochen, in denen neues Leben entsteht, und bereitet Sie auf das einzigartige Ereignis der Geburt vor. ◉ MONAT FÜR MONAT: Erleben Sie die faszinierende Entwicklung des Babys im Mutterleib in Text und Bild und was sich bei der Mutter in der Schwangerschaft verändert. ◉ AKTUELL UND INFORMATIV: Alles, was Sie über Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft und die Möglichkeiten der modernen Medizin wissen sollten. Dazu erhalten Sie wertvolle Entscheidungshilfen für die Wahl von Geburtsort und Hebamme. ◉ PRAXISNAH: Tipps für die richtige Ernährung in der Schwangerschaft, zu Körperpflege, Wohlbefinden und wie Sie kleinere Beschwerden lindern. Außerdem erfahren Sie, was in der ersten Zeit mit dem Baby wichtig ist und was Sie beim Stillen beachten sollten. ◉ VON MÜTTERN FÜR MÜTTER: In zahlreichen Erlebnisberichten schildern Frauen ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Aktualisierte Neuausgabe WG 467 Schwangerschaft ISBN 978-3-8338-2060-1 PEFC/04-32-0928 €22,99 [D] €23,70 [A] www.gu.de