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D
GESCHICHTE UND LÄNDERKUNDE
DA
ALLGEMEINES; EPOCHEN
DAK
20. Jahrhundert
DAKB
1900 - 1933
Erster Weltkrieg
Feldeisenbahnen
HANDBUCH
13-2
Der Weltkrieg 1914 bis 1918 / bearb. im Reichsarchiv. - Berlin
[u.a.] : Mittler. - 27 cm
[#2255]
Die militärischen Operationen zu Lande
Das deutsche Feldeisenbahnwesen. - ISBN 978-3-8132-0884-9
: EUR 128.00 (in Kassette)
Bd. 1. Die Eisenbahnen zu Kriegsbeginn. - [Nachdr. der Ausg.]
Berlin 1928. - 2009. - XIV, 247, XII S. : Ill., Kt.
Bd. 2. Die Eisenbahnen von Oktober 1914 bis zum Kriegsende
/ hrsg. von Horst Rohde. - 2010. - 454 S. : Ill.
Karten. - [2010]. - 7, 5 Bl. : Kt.
Das quasi amtliche deutsche Werk über den Landkrieg während des Ersten
Weltkrieges wurde zwischen 1924 und 1935 (Bd. 1 - 9) vom Reichsarchiv,
zwischen 1935 und 1938 (Bd. 10 - 11) vom Oberkommando des Heeres
und ab 1939 (Bd. 12 - 14) von der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt
des Heeres bearbeitet. Das Grundwerk Die militärischen Operationen zu
Lande umfaßt vierzehn Bände, von denen bis 1939 zwölf Bände erschienen
sind. Bd. 13 und 14 wurden während des Krieges fertiggestellt, Bd. 13 konnte noch in kleiner Auflage („Nur zum Dienstgebrauch“ 1942 veröffentlicht
werden, Bd. 14 aber bis Kriegsende nicht mehr erscheinen. Bd. 13 und 14
wurden 1956 vom Bundesarchiv (erneut) aufgelegt, allerdings nur in kleiner
Auflage, und sind heute auch antiquarisch nicht erhältlich.1 Innerhalb des
Grundwerks Die militärischen Operationen zu Lande bildet Das deutsche
Feldeisenbahnwesen eine besondere Abteilung, deren erster Band, der im
wesentlichen die Geschehnisse im Sommer und Herbst 1914 (im Osten bis
Frühjahr 1915) umfaßt, 1928 veröffentlicht wurde, deren zweiter und abschließender Band aber erst 2010 fertiggestellt werden konnte, und auf den
hier im besonderen eingegangen wird. Außerdem erschien im Rahmen des
Gesamtwerks noch eine Publikation Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft,
1
Zur Gesamtwerk siehe http://d-nb.info/561026661/about/html
deren erster (und einziger, 1930 erschienener Band) die militärische, wirtschaftliche und finanzielle Rüstung Deutschlands von der Reichsgründung
bis zum Ausbruch des Weltkrieges behandelt.2
Die Geschichte des zweiten Bandes des Feldeisenbahnwesens ist kompliziert. Offenbar war ursprünglich geplant, das Thema von Spätherbst 1914
bis zum Kriegsende in ein bis zwei weiteren Bänden zu bearbeiten. Der Bearbeiter des ersten Bandes, dem zunächst die Fortsetzung oblag, Wilhelm
Kretzschmann, im Weltkrieg beim Feldeisenbahnwesen tätiger Offizier, zuletzt Major, später beim Reichsarchiv tätig, starb 1937. Die Arbeiten wurden
sodann dem früheren bayerischen Oberst z.V. Maximilian Kalbfus übertragen, der sich bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in München
mit dem Werk beschäftigte (er wurde zum 31. März 1945 noch förmlich von
der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt entlassen) und offenbar (in
drei Ausfertigungen, teils mit Anlagen) ein nahezu fertiges Manuskript des
den Zeitraum Ende 1914 bis 1918 umfassenden abschließenden Bandes
fertigstellen konnte. Der Verbleib dieser Manuskripte ist ungeklärt. In den
1980er Jahren fand sich im Bundesarchiv-Militärarchiv (im Bestand Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt) ein Manuskript (ohne Anlagen) des zweiten Bandes des Feldeisenbahnwesens, wobei nicht klar ist, wie es dorthin
gelangte; Kalbfus hat wegen der Wirren der letzten Kriegstage darauf verzichtet, eine Ausfertigung dem Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt zu
übermitteln, sie statt dessen im Bayerischen Heeresarchiv München hinterlegt. Ebenfalls ist nicht klar, ob es sich bei dem aufgefundenen Manuskript
um den Bearbeitungsstand von März 1945 handelt. Mehrere Indizien deuten
darauf hin, daß es sich um ein unfertiges Manuskript älteren Datums handelt. Recherchen nach dem Verbleib der endgültigen Manuskripte blieben
ergebnislos. Dem Herausgeber des zweiten Bandes, Horst Rohde, langjähriger Mitarbeiter des Bundesarchivs-Militärarchiv, oblag es, „den vorhandenen Text bestmöglich zu verwerten. Dazu gehörte es vor allem, viele eindeutige sprachliche und orthographische Fehler kommentarlos zu verbessern. Verändert wurden auch solche Worte bzw. Ausdrücke, die heute eine
andere Bedeutung haben und daher im Falle ihrer Belassung zu Mißverständnissen führen könnten“ (Bd. 2, S. 23).3
Der so vorgelegte Bd. 2 besteht aus 22 Kapiteln, von denen die ersten 19
Kapitel in chronologischer Reihung die einzelnen Kriegsschauplätze behandeln: I. Die Eisenbahnen des westlichen Kriegsschauplatzes nach dem
Übergang des Stellungskrieges; II. Die ersten großen Durchbruchsversuche
des Feindes auf dem westlichen Kriegsschauplatz; III. Die Durchbruchsschlacht von Gorlice und der Krieg gegen Rußland im Sommer und Herbst
1915; IV. Der Ausbau der Eisenbahnen des östlichen Militärbetriebes nach
dem Abschluß der Operationen 1915; V. Der Feldzug gegen Serbien; VI.
2
Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft. - 1. Die militärische, wirtschaftliche und finanzielle Rüstung Deutschlands von der Reichsgründung bis zum Ausbruch des
Weltkrieges. - 1930. - XII, 496 S. + [Beil.] XI, 534 S. mit eingedr. Kt., mehr. Tab.
[Nebst] Anlage.
3
Dort noch weitere Informationen zu erfolgten Eingriffen in den Text. Zur Geschichte des zweiten Bandes ausführlich vgl. Bd. 2, S. 19 - 25.
Der Verkehr mit Bulgarien und der Türkei; VII. Der Kampf um Verdun; VIII.
Die Somme-Schlacht; IX. Die Ereignisse an der deutschen Ostfront und die
Brussilow-Offensive im Jahre 1916; X. Der Feldzug gegen Rumänien im
Herbst und Winter 1916/17; XI. Die Eisenbahn-Betriebs- und Verkehrslage
in der Heimat vom Herbst 1916 bis zum Frühjahr 1917; XII. Das Ausweichen in die „Siegfried-Stellung“; XIII. Die Abwehrschlachten an der Westfront im Jahre 1917; XIV. Der Feldzug in Italien im Herbst 1917; XV. Der
Krieg im Osten 1917; XVI, Die Offensive im Westen 1918 und die anschließenden Abwehrkämpfe; XVII. Der Abschluß der Kämpfe im Osten 1918;
XIX. Die Rückführung des Heeres. Die vier Schlußkapitel behandeln zeitlich
und örtlich übergreifende Aspekte: XIX. Die Ausnutzung der Wasserstraßen;
XX. Die Eisenbahnen und Wasserstraßen in der Kriegswirtschaft; XXI. Betrieb, öffentlicher Verkehr, Sanitätswesen, Wohlfahrtseinrichtungen, Finanzwesen; XXII. (abschließende) Betrachtungen zur operativen Rolle der
Eisenbahn, zu den Aufgaben des Militärtransportwesens und zur Organisation des Feldeisenbahnwesens.
Das deutsche Feldeisenbahnwesen war an den Fronten in Europa, vor allem an der Westfront und der sich ab 1917 immer nach Osten verlagernden
Ostfront tätig, aber auch in Italien, auf dem Balkan, sogar in der Türkei und
in Syrien (hierzu gehörten auch die teilweise noch im Bau befindliche Strekke der Bagdad-Bahn im Taurus und darüber hinaus und die Schmalspurbahnen südlich von Damaskus). Gegen Ende des Krieges waren 512.000
Personen im Feldeisenbahnwesen tätig, in den besetzten Gebieten verfügte
es während der größten Ausdehnung über rund 21.000 Kilometer normalspuriger Bahnen und 4.500 Kilometer Schmalspurbahnen. 1917/18 waren
etwa 7.760 vollspurige und 940 schmalspurige Lokomotiven im Einsatz, dazu etwa 180.000 Waggons (Bd. 2, S. 25). Das Feldeisenbahnwesen sorgte
sich nicht nur um den Betrieb auf den vorhandenen Bahnen oder auf vor
allem für den Nachschub ad hoc angelegten Bahnen hinter der Front, sondern auch vereinzelt um den Bau neuer Strecken, um die stark beanspruchten bestehenden Strecken zu entlasten. Eine der bedeutendsten dieser
Neubaustrecken war die heute noch bestehende so genannte MontzenRoute, die Verbindung Aachen-Visé-Tongeren, die ursprünglich die Strecke
Aachen-Herbesthal-Verviers-Lüttich entlasten sollte, angelegt „als zweigleisige Hauptbahnen und ihrer vollkommen friedensmäßigen Anlage unter
Herstellung aller Kunstbauten in permanenter Form“ (S. 34). Diese Strecke
ist heute noch eine wichtige Verbindung für den Güterverkehr unter anderem von Deutschland nach Antwerpen.4
Zahlreiche Abbildungen, sechs ausgewählte Karten ein äußerst nützliches
Glossar sowie ein Register der Orts- und Flußnahmen zu beiden Bänden
runden den Band ab. Der Einschätzung des Bearbeiters ist zuzustimmen,
daß das jetzt komplett vorliegende Werk über Das deutsche Feldeisenbahnwesen „ausführlich, wenn auch nicht vollständig, von den entspre4
Vgl. hierzu neuerdings: Die Montzenroute : Eisenbahnen zwischen Antwerpen,
Lüttich, Aachen und Köln / Thomas Barthels ; Armin Möller ; Klaus Barthels. [Niederländ. Übers.: Armin Möller ...]. - 1. Aufl. - Mönchengladbach : Barthels, 2006. 247 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt. ; 31 cm. - ISBN 3-9810183-1-1 : EUR 55.00.
chenden Ereignissen der Jahre 1914 bis 1918“ berichtet (S. 25). Besonders
hervorzuheben ist ferner, „daß mit der erstmaligen Edition des zweiten Bandes endlich auch das Weltkriegs- bzw. Reichsarchivwerk als Ganzes …
nach mehr als 90 Jahren seit dem Ende des ersten Weltkriegs als komplett
angesehen werden kann“ (ebd.) Dem Verlag ist zu danken, daß er gleichzeitig den kaum noch erhältlichen Bd. 1 in einem Reprint vorgelegt hat, so
daß Das deutsche Feldeisenbahnwesen jetzt vollständig erhältlich ist.
Sämtliche Karten aus Bd. 1 und 2 sind in einer gesonderten Mappe dem
Werk beigefügt.
Joachim Lilla
QUELLE
Informationsmittel (IFB) : digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und
Wissenschaft
http://ifb.bsz-bw.de/
http://ifb.bsz-bw.de/bsz328144789rez-1.pdf
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