Resolution der Bundeskonferenz des obds-Österreichischer Berufsverband der SozialarbeiterInnen Gegen die Kriminalisierung von Armut, Obdachlosen, Flüchtlingen, Schubhäftlingen Tiefe Besorgnis zur Entwicklung der Menschenrechte in Österreich Die Bundeskonferenz des Österreichischen Berufsverbandes der SozialarbeiterInnen obds spricht ihre tiefe Besorgnis zu gesellschaftlichen Entwicklungen aus, die einen deutlichen Rückschritt für die Einhaltung der Menschenrechte in Österreich darstellen und zu grosser Besorgnis Anlass geben. Armut wird neuerdings von Politik und Medien vermehrt als Zustand beschrieben, der ursächlich oder mutwillig von den Betroffenen herbeigeführt wird. Der Begriff „asozial“ feiert eine Renaissance, die, betrachtet man die wirtschaftliche Situation der EU und Eurozone, völlig unangebracht ist. Durch die Finanz-und Wirtschaftskrise wurden in Europa Millionen Menschen, in Österreich einige 100 000 mehr, insgesamt aber vor allem 234 000 Kinder in Österreich in die Armut geschickt. Selbst verschuldet? Vor Beginn des Winters werden Obdachlose, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, sich mit Decken vor den abnehmenden Temperaturen schützen, vermehrt sichtbar und als Unerwünschte, Illegale, ja sogar Kriminelle angesehen. Sogar bisher sozialliberale Stadtverwaltungen lassen sich dazu hinreissen, diese Menschen zu vertreiben, um eine schön gefärbte Touristikwelt aufrecht zu erhalten. Als Opfer der anhaltenden Wirtschaftskrise werden sie nicht erkannt, sondern als Menschen, die diese Situation selbst verschuldet haben. Vermehrte Flüchtlingszahlen durch den Bürgerkrieg in Syrien, die teils chaotischen Zustände in den Staaten Nordafrikas haben dazu geführt, dass viel mehr Menschen den riskanten Weg über das Mittelmeer nach Europa suchen. Die Tragödien des Scheiterns werden in unseren Medien periodisch als „Topnews“ berichtet, die Regierungen der Eurozone wollen aber ihre restriktive Politik nicht ändern. Das Thema wurde sogar von der Tagesordnung des nächsten EU-Gipfels im November abgesetzt, es hat ja Zeit bis Juni 2014. Inzwischen ertrinken noch einige tausend Menschen. Wer es schafft, der wird aber nicht als Flüchtling anerkannt, sondern als Krimineller und Sozialschmarotzer verunglimpft. Flüchtlinge werden – Asylrecht ist übrigens laut Flüchtlingskonvention unteilbar – in Österreich neuerdings in Klassen eingestuft und als mehr oder weniger wünschenswert vorsortiert. Innenministerin Mikl-Leitner bevorzugt nur Christen und Frauen mit Kindern. Dabei wird neben Anderem auch das Recht auf Familienzusammenführung verletzt. Anstatt menschenrechtliche „Grauslichkeiten“ durch Restriktionsmassnahmen zu provozieren, die Verantwortung und die Risiken einer staatlichen Ordnung zu privatisieren, sollten wir das Potential jener Menschen, die zu uns kommen erkennen und erschließen, ihren Willen zur Integration anerkennen, sie mit Würde und Menschlichkeit behandeln. Themen, die seit Jahren ungelöst sind und die Grenzen zur Überschreitung der Menschenrechte schmerzhaft aufzeigen, sind die Situation unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge, die Situation in der Schubhaft, die Situation von Minderjährigen in der Untersuchungshaft und in der Strafhaft. (Siehe dazu die Presseaussendungen des obds http://www.sozialarbeit.at/index.php? option=com_content&task=view&id=319&Itemid=441) Nicht die Armen und Obdachlosen und die Zuflucht Suchenden bekämpfen! Statt dessen angebracht ist eine weiterhin verstärkte Politik zur Bekämpfung der Armut, eine Anhebung der Mindestsicherung und höhere monatliche Zuwendungen für Kinder von MindestsicherungsbezieherInnen und eine rasche Entscheidung bei der Bevorschussung von Unterhalt, auch für Kinder mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft. Die Mindestsicherung reicht seit ihrer Einführung nicht einmal für ein bescheidenes Leben aus (Heizung, Winterbekleidung,... sind oft unerschwinglich). Durch die dzt. steigenden Wohnkosten werden noch mehr Menschen in die verdeckte oder offensichtliche Obdachlosigkeit verwiesen. Eine Schande für das drittreichste Land in der EU! Der Staat Österreich und alle staatlichen Organisationen und Gemeinden müssen sich verstärkt bewusst werden, dass die bisher geübte Politik der Abwehr und des Leugnens beendet werden muss und eine aktive Politik zum Wohle aller in Österreich lebenden Menschen, im Sinne einer bewussten und aktiven Umsetzung der Menschenrechte dringend voran zu treiben ist. Die SozialarbeiterInnen Österreichs und Ihre Vertretung in Österreich, der obds , fordert Sie auf, die restriktiven und diskriminierenden Maßnahmen, Gesetze und Verordnungen, zu überdenken, sie aufzuheben. Die Bundeskonferenz des obds fordert alle politischen Parteien, die künftige Bundesregierung und alle VertreterInnen Österreichs in der EU auf, aktiv gegen die Einschränkung der Menschenrechte vorzugehen, die mit Diskriminierung beginnen und mit Rassismus und groben Verletzungen der Rechte, den Rechtsstaat und die Reputation Österreichs in Gefahr bringen. Die Bundeskonferenz des obds, Vorsitzende Maria Moritz DSA Wien am 27.10.2013 Kontakt: [email protected], 01-587 46 56 oder 0699-11 0464 88