Sciences Allemagne DE - Baukalender ist ein neues Informations

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Das Informationsblatt der Abteilung für Wissenschaft und Technologie der französichen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland – April 2007
Energieeffizienz von Gebäuden
in Deutschland
Politik, Fördermaßnahmen, Forschung, innovative Initiativen
Direktor der Veröffentlichung:
Direktor der Redaktion:
Übersetzung:
Deckblattfoto:
Dr. Ing. Jean-François Dupuis
Dipl.-Ing. Dimitri Pescia
Jana Ulbricht
Dr. Ulrich Heinemann, Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung
Infrarotaufnahme eines gut gedämmten Neubaus (rechts) und eines nicht wärmegedämmten Altbau (links)
Kostenlose Veröffentlichung seitens der Französischen Botschaft in Deutschland. Eine vollständige oder teilweise Verbreitung dieser
Ausgabe ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Wissenschaftsabteilung der Französischen Botschaft in Deutschland gestattet.
Redaktion Französische Botschaft in Deutschland; Abteilung für Wissenschaft und Technologie;
Anschrift: Pariser Platz 5, D-10117 BERLIN - Tel:+49 30 590 039 000 ; Fax:+49 30 590 039 265 ; internet: www.wissenschaft-frankreich.de ;
Mail: [email protected]
Inhalt
Vorwort.........................................................................................................3
Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden in Deutschland: die Politik des
Bundes – Stand, Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse ...........................................5
Aktivitäten der deutschen Energie-Agentur (dena)..............................................7
Die aktuelle Novelle der Energieeinsparverordnung in Deutschland .....................10
Inhalt, Ziele und Förderwirkungen der KfW-Programme zum Umwelt- und
Klimaschutz im Gebäudebereich .....................................................................13
Energieoptimiertes Bauen: Förderschwerpunkte des BMWi ................................16
Das Passivhaus – eine kaum sichtbare Effizienzrevolution .....................................18
Energieoptimiertes Bauen und Solarenergie .....................................................21
Hocheffizienter Wärmeschutz von Gebäuden durch evakuierte Elemente Vakuumisolationspaneele (VIP) und Vakuumisoliergläser (VIG) ..........................24
Energetische Gebäudesanierung mit Faktor 10.................................................27
Solararchitektur: Hightech, Ästethik und Ökologie ............................................30
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Vorwort
Der Gebäudebereich ist in Europa der größte Verbrauchssektor an Primärenergie (40%
des Endenergiebedarfs), noch vor dem Transportwesen (30%) und der Industrie (30%).
Er ist ebenso für mehr als 40% der gesamten CO2-Ausstöße verantwortlich. Die Senkung
des Energiebedarfs von Gebäuden gehört zu den wichtigsten ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Um sich diesen zu stellen, hat die Europäische Union eine Richtlinie über die Gesamteffizienz von Gebäuden verabschiedet, mit
dem Ziel, den Energieverbrauch von Gebäuden bis 2010 um 22% zu senken.
Deutschland kommt in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle zu, da es seit vielen
Jahren zahlreiche Anstrengungen unternimmt, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu
verbessern:
•
Kontinuierliche Novellierungen der Verordnungen zur Energieeinsparung haben den
jährlichen Bedarf von Gebäuden deutlich gesenkt. Die neueste Verordnung, EnEV
2004, legt nicht nur den maximalen Verbrauch von Neubauten fest, sondern fördert
gleichermaßen die Modernisierungen von Bestandsgebäuden und schreibt die Ausstellung von Energieausweisen für Neubauten vor.
•
Ein umfangreiches Programm zur Gebäudesanierung hat sich die Sanierung von 5%
der Bestandsgebäude pro Jahr zum Ziel gesetzt. Über die staatliche Kreditanstalt KfW,
bietet der Staat den Privatpersonen oder Unternehmen Kredite und Subventionen, die
die Energieeffizienz ihrer Gebäude verbessern wollen.
•
Die Bundesrepublik setzt ebenfalls auf die technologische Forschung und Innovation.
Auch hier kommt Deutschland eine Vorreiterrolle zu: seit den 80er Jahren entstehen
hier die ersten Niedrigenergiehäuser. Heute ist das Label PassivHaus (Häuser mit sehr
geringem Energiebedarf) zu einem wahren europäischen Maßstab geworden. Die Herausforderung an die Technologie von heute ist die Entwicklung von Null-EnergieHäusern, Gebäuden mit positiver Energiebilanz. Die technologischen Innovationen sind
insbesondere auf die Dämmung (Vakuumisoliergläser, funktionelle Fassaden), die
Speicherung (Phasenwechselmaterialien, Brennstoffzellen), die Lufterneuerung
(Frischluftzufuhr, Wärmerückgewinnung), die Einbeziehung erneuerbarer Energien (Solarthermie, Photovoltaik, Geothermik) und den Umgang mit erzeugter Wärme und erzeugtem Strom ausgerichtet.
•
Letztendlich spielen die deutsche Energie-Agentur (Dena) sowie regionale Agenturen
eine entscheidende Rolle bei der Information und Sensibilisierung der Verbraucher.
In dieser Ausgabe der «Science Allemagne» ergreifen zahlreiche deutsche Experten das
Wort, um einerseits über die Politik, die Fördermaßnahmen und die in Deutschland gültige Gesetzeslage im Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden zu informieren, und um
andererseits, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, die Fortschritte in der Forschung und die innovativen Initiativen auf diesem Sektor zu veranschaulichen.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden in Deutschland:
die Politik des Bundes –
Stand, Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse
Herr Ringel, Referent in der Energieabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie (BMWi), Bonn
Marc Ringel, Jahrgang 1974, studierte an der Universität Mainz und der Université d’Angers Volkswirtschaft. Neben seiner Tätigkeit als Referent für
den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung
„Globale Umweltveränderungen“ promovierte er
2004 an der Universität Chemnitz zum Thema „Energie und Klimaschutz“. Seit 2004 ist Herr Ringel Referent in der Energieabteilung des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Technologie.
In Deutschland entfallen etwa 46 % des Endenergieverbrauchs auf den Gebäudebereich (Haushalt und
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen). Hierbei dient der
größte Teil (fast 90 %) in den privaten Haushalten der
Beheizung bzw. der Bereitstellung von Warmwasser.
Aber auch in der Industrie, im Gewerbe sowie in öffentlichen Gebäuden wird Energie zum größten Teil
für Raumwärme und warmes Wasser genutzt. Die
Energieeinsparpotentiale bei der Wärmebereitstellung
sind erheblich, insbesondere im älteren Gebäudebestand. Gegenüber Mitte der 90er Jahre könnte für das
Jahr 2030 gemäß Studien eine Halbierung der Wärmeleistungsbedarfe im Haushaltsbereich erwartet
werden, im Dienstleistungssektor bis etwa 46 %. Den
Einschätzungen liegt insbesondere die Annahme
zugrunde, dass in diesen Bereichen die energetische
Qualität der Gebäude und der Anlagentechnik (insbesondere für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung
und Klimatisierung) weiter verbessert werden.
• die Nutzung des Ordnungsrechts zur Setzung von
Mindestvorgaben für Energieeffizienz im Gebäudebereich;
Schon diese wenigen Daten machen deutlich, warum
die Bundesregierung bereits seit den Ölkrisen der
1970er Jahre den Gebäudesektor als einen zentralen
Ansatzpunkt für eine Erhöhung der Energieeffizienz
betrachtet. Die seitdem in diesem Sektor getroffenen
Maßnahmen haben bewirkt, dass Deutschland im
internationalen Vergleich bei der energetischen Gebäudesanierung eine Spitzenposition einnimmt.
Gegenwärtig werden pro Jahr etwa 2,5 % der Gebäude saniert. Eine energetische Vollsanierung findet
allerdings lediglich in 1 % der Fälle statt, so dass im
Gebäudebestand auch künftig weiterhin erhebliche
Effizienzsteigerungspotenziale anzunehmen sind.
Entsprechend hat sich die Bundesregierung in ihrem
Koalitionsvertrag von November 2005 das sehr ambitionierte Ziel gesetzt, dass jedes Jahr etwa 5 % des
Gebäudebestands vor Baujahr 1978 energetisch saniert werden.
Zur Erreichung dieser Zielsetzung bzw. zur Aktivierung
des vorhandenen Potenzials nutzt der Bund eine Reihe von Maßnahmen, die sich im Wesentlichen in folgenden Kategorien zusammenfassen lassen:
• eine beratende und finanzielle Flankierung über
Informationskampagnen, Vor-Ort-Beratung der
Verbraucher und finanzielle Förderprogramme
sowie
• die Berücksichtigung des Themas „Energieeffizienz in Gebäuden“ im Rahmen der Energieforschung des Bundes.
Die bedeutendste ordnungsrechtliche Maßnahme im
Bereich der Gebäude- Energieeffizienz ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Diese stützt sich auf
das Energieeinsparungsgesetz von 1976, dessen
Rechtsrahmen zuletzt zur Umsetzung der EUGebäudegesamtenergieeffizienz-Richtlinie 2005 erweitert wurde. Die seit 2002 geltende EnEV beinhaltet
im wesentlichen Vorgaben für energetische Standards
bei Neubauten und für wesentliche Änderungen bestehender Gebäude, sowie für Energieausweise bei
Neubauten. Mit ihr wurden die bis dahin getrennten
Regelungsbereiche der Wärmeschutz- und Heizungsanlagenverordnung für die Gebäudehülle und Anlagentechnik zusammengefasst und eine primärenergetische Betrachtungsweise eingeführt (energetische
Gesamtbilanzierung). Für die Umsetzung weiterer
Elemente der EU-Gebäuderichtlinie (insbes. zur Berücksichtigung von Klimaanlagen und Beleuchtung bei
Nichtwohngebäuden sowie die Einführung von Energieausweisen auch für bestimmte Bestandsgebäude)
wurden im September 2005 durch Novellierung des
Energieeinspargesetzes die gesetzlichen Grundlagen
geschaffen. Details dieser noch zu ergänzenden Bereiche werden gegenwärtig im Rahmen einer EnEVNovelle geregelt.
Das Ordnungsrecht kann allerdings nur einen Teil der
vorhandenen Effizienzpotenziale erschließen. Deshalb
bedarf es zusätzlich einer beratenden und finanziellen
Flankierung. Neben der Förderung der Energieberatung in Verbraucherberatungsstellen und in Beratungsstützpunkten durch Architekten und Ingenieure
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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auf Honorarbasis fördert die Bundesregierung auch
eine vertiefte Energieberatung direkt am Objekt (so
genannte Vor-Ort-Energieeinsparberatung), ebenfalls
durch besonders qualifizierte Energieberater. Darüber
hinaus fördert die Bundesregierung über die Deutsche
Energie-Agentur (dena) sowie das Bürgerinformationszentrum Energie (BINE) die Öffentlichkeitsarbeit zum
energiesparenden Bauen bzw. Energiesparen im Gebäude- und Haushaltsbereich. Die Palette der Maßnahmen reicht dabei von Kampagnen zu Themen der
Energieeffizienz über den Betrieb einer EnergieHotline bis zur Ausrichtung von Fachtagungen und
Konferenzen. Die finanzielle Flankierung erfolgt insbesondere über die wohnwirtschaftlichen Programme der
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese Programme werden einerseits durch Eigenmittel der KfW
gespeist, andererseits stehen aber auch in erheblichem Maße Mittel aus dem Bundeshaushalt hierfür
bereit. So hat die Bundesregierung die Mittel im besonders stark für energetische Gebäudesanierung
genutzten CO2-Gebäudesanierungsprorgramm für die
Jahre 2006 bis 2009 gegenüber den Vorjahren annähernd verdreifacht: von 360 Mio. € auf 1 Mrd. € pro
Jahr. Die Programme werden seit Jahresanfang 2006
in erheblich größerem Umfang genutzt als zuvor. Ende
Mai 2006 waren in den energetisch relevanten Programmen für den Gebäudesektor Darlehen über mehr
als 5 Mrd. € zugesagt worden und damit das Ergebnis
des Gesamtjahres 2005 (rd. 2 Mrd. € insgesamt) um
das 2,5 -fache übertroffen. Insgesamt wurden in den
Programmen Wohnraum Modernisieren, Ökologisch
Bauen und CO2-Gebäudesanierungsprogramm bis
Ende Juli 2006 bereits Kreditzusagen in Höhe von ca.
6,9 Mrd. € erteilt.
Das Spektrum der Maßnahmen wird abgerundet durch
die Beleuchtung des Schwerpunktthemas Bauen in
der Energieforschung des Bundes. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat im Rahmen
der Energieforschung die Förderaktivität „Energetische
Verbesserung der Bausubstanz (EnSan)“ als Teil des
Förderkonzeptes „Energieoptimiertes Bauen (ENOB)“
deutlich verstärkt. Zu den Zielen von „EnSan“ gehört
es, die technischen Möglichkeiten der Energieverbrauchsreduktionen in bestehenden Gebäuden
weiter zu entwickeln und auf längere Sicht auch mit
einer wirtschaftlichen Perspektive zu verbinden.
Kontakt
Dr. Marc Ringel
BMWi, Bonn
Telefon
E-Mail
+49 (0) 30 18 61 52 874
[email protected]
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Aktivitäten der deutschen Energie-Agentur (dena)
Felicitas Kraus, dena, Berlin
In privaten Haushalten in Deutschland wird rund 87%
der Endenergie allein für die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser verwandt, in Gewerbe-,
Handels- und Dienstleistungsgebäuden immer noch
56%. Gleichzeitig ist der Gebäudebereich in Deutschland - wie in der EU - der Handlungssektor mit den
größten wirtschaftlichen Einsparpotenzialen. Angesichts der steigenden Energie- und Nebenkostenpreise wächst auch das Verbraucherinteresse an
energieeffizienten Wohnungen und Gebäuden stark.
Deshalb stellt das Thema Energieeffizienz nicht nur
für den Nutzer, sondern insbesondere für den Hausbesitzer eine wirtschaftlich sehr attraktive Option dar.
me unter besonderer Berücksichtigung der verstärkten
Nutzung von regenerativen Energien. Ihre Gesellschafter sind die Bundesrepublik Deutschland und die
KfW Bankengruppe. Felicitas Kraus ist Bereichsleiterin
"Energieeffizienz im Gebäudebereich".
Struktur des Endenergieverbrauchs in Deutschland 2002
nach Anwendungen und Sektoren.
800
700
600
[TWh pro Jahr]
Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) ist das
bundesdeutsche Kompetenzzentrum für Energieeffizienz und regenerative Energien. Ihre zentralen Ziele
sind die rationelle und damit umweltschonende Gewinnung, Umwandlung und Anwendung von Energie
sowie die Entwicklung zukunftsfähiger Energiesyste-
500
400
300
200
100
0
Industrie
Gewerbe, Handel &
Dienstleistungen
Raumwärme
Prozesswärme
Beleuchtung
Haushalte
Verkehr
Warmwasser
mechanische Energie
Information und Kommunikation (IuK)
10
EF F IZ IE NZ E NT S CH E IDE T
Strategische Ansätze der dena im Gebäudebereich
Ziel der dena Projekte im Gebäudebereich ist es:
• Durch Information von Endverbrauchern und Schaffung von Markttransparenz die Nachfrage nach energieeffizienten Häusern und Wohnungen und
hochwertigen technischen Lösungen in der Gebäudesanierung zu steigern und gleichzeitig;
• Durch Information, Qualifizierung und Beratung von
Fachzielgruppen wie Planer und Handwerker ein
flächendeckendes und qualifiziertes Angebot für
die Beratung von Gebäudeeigentümern und die Planung und Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen im Bestand zu schaffen.
Energieeffizienz im Gebäudebereich:
Projekte (Übersicht).
Dachmarke
Projekt
Energiepass
für Gebäude
/ EnEV
Projekt
Niedrigenergiehaus
im Bestand
Projekt
Contracting
Kampagne
Solarwärme
Plus
Export
-initiative
Energieeffizienz
in Gebäuden
(Rußland/
China)
EFFI ZIENZ EN TSCHEI DET
2
Schaffung von Markttransparenz – Der Energiepass für Bestandsgebäude
Ein zentrales strategisches Instrument zur CO2Minderung im Gebäudebestand ist die Einführung
des bedarfsorientierten Energieausweises für Bestandsgebäude. Denn obwohl das Interesse von
Käufern und Mietern an energieeffizienten Gebäuden
und Wohnungen stark gestiegen ist, sind heute vor
Einzug kaum verlässliche Informationen über die
energetische Qualität des Gebäudes erhältlich.
Die Praxiserfahrungen der dena aus den Feldversuchen, der anschließenden Markteinführungskampagne und der Informationsarbeit der letzten Jahre mit
dem freiwilligen Energieausweis zeigen:
• Der bedarfsorientierte Energiepass wird vom
Verbraucher verstanden und am Markt akzeptiert.
• Er ist mit guter Qualität und zu niedrigen Kosten zu
erstellen.
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• Der bedarfsorientierte Energiepass kann starke
Impulse geben für Modernisierungsinvestitionen
und die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden.
Aus diesen Gründen engagiert sich die dena für einen einheitlichen und verbraucherfreundlichen Energieausweis, der einen möglichst unkomplizierten
Vergleich zwischen unterschiedlichen Angeboten
am Wohnungsmarkt ermöglicht. Nur so kann die
Markttransparenz hergestellt werden, die von der EURichtlinie angestrebt wird.
Die Modernisierungshinweise im Energieausweis
sind nach den Erfahrungen aus den Feldversuchen
und der Markteinführungskampagne das „Herzstück“ des Energiepasses. Sie bilden für den Eigentümer einen wichtigen Mehrwert und führen unmittelbar zu Investitionen. Sie sind nicht durch allgemeine, nicht auf das individuelle Gebäude bezogene
Hinweise oder Checklisten ersetzbar.
Energiepässe sollen kosteneffizient und unbürokratisch, gleichzeitig jedoch fachlich qualifiziert
ausgestellt werden können. Aus Sicht der dena ist
hierfür z.B. eine Begehung des Gebäudes durch
einen fachlich qualifizierten Aussteller erforderlich.
Eine Analyse der Verbrauchswerte des Gebäudes
oder „Ferndiagnosen“ auf der Grundlage allgemeiner
Checklisten erlauben keine vergleichbare qualifizierte
Einschätzung des Gebäudes.
Die Diskussion um die Qualität von bedarfsorientierten Gebäudeenergiepässen ist notwendig. Die
dena arbeitet hier – zusammen mit Marktpartnern –
an der Etablierung eines freiwilligen von den Marktakteuren getragenen Qualitätssicherungssystems.
Aussteller von Energieausweisen verpflichten sich
darin freiwillig zur Einhaltung höherer Anforderungen
bezüglich Dokumentation und Qualifikation, als dies
der Gesetzgeber vorschreibt. Der bedarfsbasierte
Energieausweis soll sich damit zu einem Marktinstrument entwickeln, das hohes Verbrauchervertrauen genießt.
Niedrigenergiehaus im Bestand – Markteinführungsstrategie für einen innovativen Standard im Bestand
Aufgrund der sehr kleinteiligen Akteursstruktur des
Gebäudemarktes ist das Innovationstempo insbesondere im Bestand heute zu gering. Ergebnisse aus
Bauforschung und Pilotprojekten werden nicht systematisch „in die Breite“ getragen und im Markt umgesetzt. So benötigt auch die Einführung „marktreifer“
Techniken und Technologien häufig Jahre, wenn
nicht sogar Jahrzehnte.
Deswegen will das Pilotprojekt „Niedrigenergiehaus
im Bestand“ einen hochinnovativen Standard in der
Gebäudesanierung in mehreren Schritten in den
Markt einführen. In Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft sowie zahlreichen regionalen Partnern sollen praktische Erfahrungen in der Umsetzung
gesammelt werden. Insgesamt werden so rund 150
Gebäude (2.230 Wohnungen mit 138.000 m² Wohnfläche) auf einen Energiestandard saniert, der bis
zu 55% unter den Anforderungen für einen ver-
gleichbaren Neubau nach EnEV liegt und zum Teil
sogar „Passivhaus-Standard“ erreicht.
Um Multiplikatoreffekte zu nutzen, werden „Regionale
Kompetenznetzwerke“ etabliert und Gebäudeeigentümern, Architekten, Fachplanern und Ingenieuren
das notwendige Wissen zur Umsetzung der Projekte
vermittelt. Nicht zuletzt sorgen zahlreiche Fachveranstaltungen sowie eine breitenwirksame Öffentlichkeitsarbeit, wie der für 2007 geplante „1. Tag des
offenen Niedrigenergiehauses“, für eine umfassende
Information von Fachzielgruppen und Endverbrauchern.
Ein erster Schritt, einen neuen energieeffizienteren
Breitenstandard zu definieren, ist getan: die von der
dena entwickelten energetischen Standards werden
ab 2007 in die offizielle Förderung der Bundesregierung (KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm) einfließen.
Contracting und Energiedienstleistungen für öffentliche Liegenschaften
Steigende Energiekosten belasten die Haushalte von
Bund, Ländern und Gemeinden. Die öffentliche Hand
will privaten Eigentümern „ein gutes Beispiel“ für
CO2-Minderung in Bestandsgebäuden geben. Doch
für die Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen
fehlen den Liegenschaftsverwaltern häufig Finanzmittel, Personal und das erforderliche spezialisierte
Know-how. Mit ihrem Projekt „Contracting in Bundesliegenschaften“ ist es der dena gelungen, Hemmnisse für die Durchführung (z. B. im Haushaltsrecht)
abzubauen und eine große Zahl von Liegenschaften
in ein Ausschreibungsverfahren zu bringen. Die Bundesregierung möchte das Instrument „Contracting“ in
den nächsten Jahren verstärkt nutzen, so der Koalitionsvertrag. Mit der „Contracting-Offensive“ macht die
dena die für die Bundesliegenschaften entwickelten
Instrumente (Musterverträge, -Ausschreibungen,
Checklisten) etc. auch für kommunale Entscheidungsträger nutzbar. Informationsveranstaltungen,
eine Internetplattform und Initialberatungen informieren kommunale Entscheidungsträger über alle Fragen von Energiedienstleistungen und Contracting.
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Schluss
Gegen die krisenhafte Entwicklung der Energiemärkte und des Klimas hilft nur, Energie weltweit und auf
allen Ebenen effizienter einzusetzen, vor allem auf
der Nachfrageseite wie etwa im Baubereich. In Russland ließe sich mit effizienter Technologie der Energiebedarf in Wohngebäuden um weit über fünfzig
Prozent reduzieren. In China könnte der Anstieg des
Primärenergieverbrauchs, der unter anderem in Folge des dortigen Baubooms zu erwarten ist, massiv
gebremst werden, wenn hochwertige Effizienzstandards eingeführt würden. Auch in Deutschland, das
bei der Energieeffizienz weit vorne liegt, sind große
Potenziale ungenutzt.
Bei der Durchsetzung von Energieeffizienz sollten
Marktinstrumente neben Verordnungen und Förderprogrammen eine größere Rolle spielen als bisher.
Viele Effizienzmaßnahmen sind für Verbraucher hoch
wirtschaftlich, besonders bei steigenden Energiepreisen. Gut informierte Verbraucher werden sich immer
mehr für Energieeffizienz entscheiden. Darauf setzen
die dena und ihre Partner aus Politik und Wirtschaft
mit ihren Kampagnen – sei es beim Energiepass, bei
der energetischen Sanierung, beim Contracting oder
beim Einsatz regenerativer Energien
Kontakt
Felicitas Kraus
dena, Berlin
http://www.dena.de
Telefon
E-Mail
+49 (0) 30 72 61 65 660
[email protected]
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Die aktuelle Novelle der Energieeinsparverordnung in
Deutschland
Hans-Dieter Hegner, Berlin
Dieser Artikel wurde auf der Grundlage von Pressemitteilungen des BMWi von Herrn Dimitri Pescia aktualisiert.
Baudirektor Dipl.-Ing. Hans-Dieter Hegner, Jahrgang 1960, studierte an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Sofia. Von 1983 bis 1990 ist er als
Experte für Wissenschaft und Technik im Ministerium
für Bauwesen der DDR tätig. Seit 1990 ist er Referent
im Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen
und Städtebau (BMBau) bzw. im Bundesministerium
für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS),
verantwortlich für energiesparendes Bauen, Fragen
der Bauforschung und der Modernisierung der Bausubstanz.
Seit langem wird der Entwurf der Ministerien zur Neufassung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2007)
erwartet, jetzt liegt er zur Abstimmung vor. Die Verordnung soll die EU-Richtlinie 2002/91/EG über die
Gesamteffizienz von Gebäuden in deutsches Recht
umsetzen. Als wichtigste Änderung wird ein Energieausweis für bestehende Gebäude eingeführt.
• verbesserte energetische Modernisierung im Gebäudebestand
Die Verordnung zur Energieausweis-Pflicht ist zwar
noch nicht verabschiedet, Experten gehen aber davon aus, dass die Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) Mitte 2007 beschlossen wird und
pünktlich am 1. Januar 2008, zwei Jahre nach der
Vorgabe der EU-Richtlinie, in Kraft tritt.
2. Energieeinsparverordnung - EnEV 2002
1. EG-Richtline über die Gesamtenergieeffizienz
von Gebäuden
Die EU-Richtlinie fordert verschiedene Maßnahmen
und Instrumente, mit denen eine umsichtige und
rationale Nutzung von Energieressourcen erreicht
und die Umweltauswirkungen durch den Energieeinsatz in Gebäuden verringert werden sollen. Dabei
geht es insbesondere um die
• ganzheitliche Beurteilung der energetischen Effizienz von Gebäuden
• transparente Informationen für den Verbraucher
• Informationen und Anforderungen an die energetische Verbesserung der technischen Gebäudeausrüstung.
Die Bundesrepublik Deutschland hat mit Inkrafttreten
der Energieeinsparverordnung im Jahre 2002 (EnEV
2002) zu vielen Schwerpunktfragen bereits Vorlauf
geschaffen. Forderungen der Richtlinie nach nationalen Standards für die energetische Effizienz von Gebäuden im Neubau wie im Bestand oder die Umsetzung einer ganzheitlichen Methode werden zum Teil
mit der EnEV bereits gesetzt. Auch die Forderung
nach regelmäßigen Inspektionen von Heizkesseln
wird generell durch die Kontrollpflicht des ersten
Bundes-Immisionschutzgesetzes (BImschV), die
Dimensionierungsvorschriften der bisherigen Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV), die Anforderung zur Außerbetriebnahme alter Anlagen nach
EnEV und viele Fördermaßnahmen bereits umgesetzt.
Neue energiesparrechtliche Vorschriften – EnEV 2007
In mehreren Punkten geht die EU-Richtlinie jedoch
über die nationale Verordnung von 2002 hinaus.
Deshalb musste das nationale Energieeinsparrecht
an einigen Stellen angepasst werden. Dies betrifft
insbesondere:
• die obligatorische Einführung von Energieausweisen für den Gebäudebestand (bei Verkauf und Vermietung)
• das Aushängen von „Energieplaketten“ für öffentliche, stark frequentierte Gebäude
• die Einbeziehung des Energiebedarfs von Beleuchtung und Klimaanlagen im Nichtwohnbereich
• die regelmäßige Inspektion von Klimaanlagen.
wenig. Die im Jahre 2002 eingeführten Anforderungen und die Methodik bleiben unangetastet. Zentraler
Ansatzpunkt der Energieeinsparverordnung 2002 ist
das Zusammenspiel zwischen Gebäude und seiner
Heizungstechnik. Immerhin liegen die Verluste, die
bei der Umwandlung des Energieträgers (z.B. Öl
oder Gas) in Wärme entstehen, im Durchschnitt bei
20 % der Gesamtverluste in der Energiebilanz des
Gebäudes. Aus diesem Grund stellt die EnEV 2002
Anforderungen an die gesamte Energieeffizienz des
Gebäudes einschließlich der Umwandlungsverluste
der Heizungstechnik. Es werden Höchstwerte für den
Jahres-Primärenergiebedarf und die Transmissionswärmeverluste (baulicher Wärmeschutz) als Funktion
des A/V-Verhältnisses vorgegeben.
Der sachliche Änderungsbedarf wird in der EnEV
2007 umgesetzt. Für Wohngebäude ändert sich nur
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Neuland bei Nichtwohngebäuden
Im Gegensatz dazu muss die Kategorie der Nichtwohngebäude in der EnEV 2007 mit einem neuen
Verfahren bedacht werden.
Zur Integration der Energiebedarfsanteile Beleuchtung und Klimaanlagen in die Gesamtenergieeffizienzberechnung bei Nichtwohngebäuden musste
das erforderliche technische Regelwerk umfangreich
bearbeitet und angepasst werden. Dabei wurde in
vielen Bereichen Neuland beschritten: einheitliches
Monatsbilanzverfahren für die Bau- und Anlagentechnik, Bewertung des sommerlichen Verhaltens
von Gebäuden, Tageslichtnutzung u.a. Um dem Anliegen der Gesamtbetrachtung entgegenzukommen,
wurde in einem interdisziplinären Arbeitsausschuss
des DIN (Bau-, Anlagen- und Lichttechnik) die Norm
DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden entwickelt. Die neuen Ansätze dieser Norm werden mit der EnEV 2006 im Neubau und Bestandsbereich der Nicht-Wohngebäude gelten.
Nichtwohngebäude haben sehr unterschiedliche
Nutzungsanforderungen zu erfüllen. Deshalb ist eine
primärenergetische Anforderung allein als Funktion
des A/V-Verhältnisses nicht zielführend. Vielmehr
muss die zukünftige Anforderung eines NichtWohngebäudes in Abhängigkeit von seinen Nutzungskriterien entstehen. Deshalb wurde die Einführung eines „Referenzgebäude-Verfahrens“ vorgeschlagen. Die Anforderung für ein konkretes Gebäude ergibt sich demnach aus einer genauen Berechnung bei Berücksichtigung der geometrischen Abmessung des Gebäudes und seiner Nutzungszonen.
Die Haupanforderungsgröße ist weiterhin der JahresPrimärenergiebedarf, der sich aus den Bedarfsanteilen für Heizwärme, Lüftung, Warmwasserbereitung,
Beleuchtung und Kühlung ergibt.
Einführung von Energieausweisen
Energieausweise müssen über die energetische
Qualität von Gebäuden und damit über die damit
verbundenen warmen Betriebskosten Auskunft geben.
Für Neubauten ist die Ausstellung von Energieausweisen schon lange - seit 1995 - vorgeschrieben,
gegenwärtig aufgrund der Energieeinsparverordnung
aus dem Jahre 2004. Mit der EnEV 2007 sollen Energieausweise auch schrittweise im Bestand eingeführt werden. Nach der künftigen Energieeinsparverordnung sind Eigentümer und Vermieter verpflichtet,
im Falle des Verkaufs oder der Vermietung Kauf- und
Mietinteressenten einen Energieausweis zugänglich
zu machen.
Nach der EU-Richtlinie ist es prinzipiell möglich, Energieausweise auf der Grundlage von Bedarfsrechnungen oder auf der Basis von Verbrauchsmessungen zu erstellen. Eine Bedarfsberechnung wird unter
normativen Annahmen für das Klima und die Nutzung erstellt. Man könnte auch von einem „rechnerischen Verbrauch“ reden. Der große Vorteil ist, dass
eine neutrale Bewertung abgegeben wird; unterschiedliche Nutzer spielen keine Rolle. Gebäude
lassen sich so in ihrer Qualität gut vergleichen.
Gleichzeitig ist die Berechnung des Gebäudes auch
eine Diagnose, etwaige Schwachstellen werden erkannt und beschrieben.
Beispiel eines ausgestellten Energieausweises im
dena-Feldversuch (Aushang im Rathaus Essen)
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Die Verbrauchsmessung bildet neben der tatsächlichen energetischen Qualität des Gebäudes insbesondere das individuelle Nutzerverhalten und die
Witterungseinflüsse ab. Diese Einflüsse können die
wirkliche energetische Qualität eines Gebäudes völlig
überdecken. Im Zweifelsfalle hätte das leer stehende
Haus die höchste Energieeffizienz. Die Diskussionen
um richtiges Nutzerverhalten, die richtige Überprüfung und Einstellen der Anlagentechnik, sind zwar
interessant und notwendig, können aber die Feststellung der energetischen Qualität – wie von der Richtlinie gefordert - nicht ersetzen. Eine Witterungsbereinigung ist für vergleichende Untersuchungen in jedem Fall notwendig. Eine Gebäudediagnose und
Vorschläge für die Modernisierung sind allein mit
Verbrauchskennwerten nicht möglich.
Nach der nationalen EnEV 2007 ist der Energieausweis in diesen zwei verschiedenen Varianten ge-
plant: als bedarfs- und als verbrauchsorientierter
Ausweis. Welcher Ausweis bei Wohngebäuden jeweils verwendet wird, hängt von der Größe und dem
Baujahr des Wohngebäudes ab. Eigentümer und
Vermieter von Wohngebäuden mit mehr als vier
Wohneinheiten können zwischen diesen zwei verschiedenen Varianten wählen. Das Gleiche gilt für
Wohngebäude mit bis zu vier Wohnungen, die entsprechend dem Standard der 1977 erlassenen Wärmeschutzverordnung errichtet oder später auf diesen
Standard gebracht wurden. Nur für Wohngebäude
aus der Zeit vor der Wärmeschutzverordnung von
1977, die dieses Qualitätsniveau nicht erreichen, soll
ab dem 1. Januar 2008 der Bedarfsausweis verbindlich gemacht werden. Übergangsweise soll die Wahlfreiheit zwischen Energieausweisen auf Bedarfs- und
auf Verbrauchsgrundlage vor dem 1. Januar 2008
uneingeschränkt gelten.
Ausblick: Inkrafttreten der neue Energieeinsparverordnung - EnEV 2007
Zu dem Referentenentwurf werden noch die Länder
und die Spitzenverbände angehört, bevor die Bundesregierung die Novellierung der Verordnung end-
gültig beschließt. Der Bundesrat muss der Verordnung danach noch zustimmen. Die EnEV 2007 sollte
pünktlich am 1. Januar 2008 in Kraft treten.
Kontakt
Dipl.-Ing Hans-Dieter Hegner
BMVBS (Bundesministerium für Verkehr Bau und
Stadtentwicklungs)
Telefon
E-mail
+49 (0) 030 20 08 71 41
[email protected]
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Inhalt, Ziele und Förderwirkungen der KfW-Programme zum
Umwelt- und Klimaschutz im Gebäudebereich
Lorenz Szyperski , KfW Bankengruppe
Der Dipl.-Geograph und Umwelt-Auditor Lorenz
Szyperski arbeitet als Sachverständiger für Umweltfragen in der technischen Beratung der KfW-
Wohngebäudeprogramme und ist zuständig für den
betrieblichen Umweltschutz der KfW Bankengruppe.
Einführung
Die internationalen Übereinkommen und Erfordernisse
zum Klimaschutz lassen erkennen, dass die Verminderung der Treibhausgasemissionen auf absehbare
Zukunft eine zentrale Aufgabe für die Umweltpolitik
bleiben muss. In Deutschland besteht vor allem im
Wohnungsbestand noch ein erhebliches Potenzial zur
Minderung von Kohlendioxid (CO2), dem Hauptverursacher des Treibhauseffektes. Von den über 30 Mio
Wohnungen in Deutschland, die vor der zweiten Wärmeschutzverordnung von 1984 errichtet wurden, sind
bislang lediglich 5 Millionen umfassend saniert.
Die Bundesregierung und die KfW haben aus diesen
Gründen zum 1. Februar 2006 die Förderinitiative
„Wohnen, Umwelt, Wachstum“ gestartet. Im Rahmen
dieser Initiative werden die Förderanreize zur Energieeinsparung und CO2-Minderung im Gebäudebereich in den KfW-Programmen nochmals erhöht. Insgesamt will die Bundesregierung zur Förderung der
energetischen Gebäudesanierung für die Jahre 2006 2009 Haushaltsmittel in Höhe von 1,4 Mrd. € zur Verfügung stellen. Davon sollen 1 Mrd. € pro Jahr für
Verbesserungen des Förderangebotes der KfW verwendet werden. Zusätzlich bringt die KfW eigene finanzielle Mittel in die Initiative ein. Neben Wohngebäuden im engeren Sinne sind in beiden Programmen
nun auch Wohn-, Alten- und Pflegeheime förderfähig,
damit erhält der Klimaschutz im Gebäudebereich in
beträchtlichem Umfang neue Impulse.
Inhalt der Förderprogramme der KfW zum Klimaschutz im Gebäudebereich
Die KfW bietet derzeit sechs Programme zur Finanzierung von Maßnahmen zur Energieeinsparung und
CO2-Minderung an, in denen mit unterschiedlichen
Schwerpunkten Investitionen von privaten Haushalten,
Wohnungsgesellschaften, gewerblichen Unternehmen
und öffentlichen Körperschaften in Wohn- und Gewerbeimmobilien gefördert werden:
1. Das KfW- CO2Gebäudesanierungsprogramm
Dieses Programm ist seit 2001 Bestandteil des Nationalen Klimaschutzprogramms. Es dient der Finanzierung von besonders umfangreichen Investitionen zur Energieeinsparung in Wohngebäuden, die bis
zum 31.12.1983 fertig gestellt wurden.
Der Finanzierungsvorteil in dem Programm besteht vor allem im besonders günstigen Zinssatz. Wird darüber hinaus der Energiebedarf eines
Altbaus durch die Sanierung auf die
Vorgaben der Energieeinsparverordnung für Neubauten gesenkt, kann
zusätzlich ein Tilgungszuschuss gewährt werden.
Das Programm wird zum 1. Januar
2007 durch die Einführung direkter
Kampagne des Ministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) für das
Zuschüsse
neben der Kreditvariante
KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm
neu gestaltet und ausgeweitet. Des
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
13
Weiteren steht seit dem 1. Januar 2007 für gemeinnützige Organisationen, Kommunen und kommunale
Zweckverbände ein Förderfenster in den Programmen
Sozial Investieren und KfW-Kommunalkredit für die
energetische Gebäudesanierung zur Verfügung.
2. Das KfW-Programm Wohnraum Modernisieren
In diesem Programm fördert die KfW grundsätzlich alle
Investitionen zur Instandsetzung und Modernisierung
von Wohngebäuden unabhängig vom Baujahr, wobei
zwischen STANDARD-Maßnahmen zur allgemeinen
Modernisierung und besonderes umweltschonenden
ÖKO-PLUS-Maßnahmen unterschieden wird, die einen verbesserten Zinssatz aufweisen.
3. Das KfW-Programm Ökologisch Bauen
Das KfW-Programm „Ökologisch Bauen“ dient der
Förderung von KfW-Energiesparhäusern (KfW-40 und
KfW-60) einschließlich Passivhäusern. Ziel dieser
Förderung ist es, die Entwicklung und Verbreitung
energiesparender Technologien auch im Neubau weiter voranzubringen. Die Installation von Heizungstechnik auf der Basis erneuerbarer Energien, KraftWärme-Kopplung, Nah- oder Fernwärme wird in dem
Programm ebenfalls finanziert.
4. Das KfW-Umweltprogramm
Das KfW-Umweltprogramm ergänzt in der Regel Kredite aus dem ERP-Umwelt- und Energiesparprogramm
und dient wie dieses der Finanzierung von Umweltund Klimaschutzinvestitionen gewerblicher Unternehmen und Freiberufler. Gefördert werden unter anderem die energieeffiziente Sanierung von Nichtwohngebäuden sowie die Errichtung betrieblicher Gebäudeneubauten mit geringem Energiebedarf.
5. Das Programm Solarstrom Erzeugen
Gefördert wird die Errichtung, die Erweiterung und der
Erwerb von Photovoltaikanlagen. Alleine im Jahr 2005
wurden 17.650 Kredite in Höhe von insgesamt 550
Mio € für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen mit
einer Gesamtnennleistung von 139 MWp vergeben.
Mit dieser Kapazität können über 30.000 Privathaushalte ihren jährlichen Strombedarf mit umweltschonender Sonnenenergie decken.
6. Das KfW-Programm zur Förderung erneuerbarer
Energien
Das KfW-Programm zur Förderung erneuerbarer Energien ist Bestandteil des Marktanreizprogramms und
unterstützt speziell den Bau von großen Biomasse-,
Biogas- und Geothermieanlagen. Das Programm gibt
damit wichtige Impulse, damit die angestrebte Erhöhung des Marktanteils erneuerbarer Energien erreicht
werden kann. Das Programm ruht zur Zeit, soll aber
auf Grund des Erfolges weitergeführt werden.
Ziele der KfW-Programme zum Umwelt- und Klimaschutz im Gebäudebereich
Mit ihren Programmen zur Energieeinsparung und
CO2-Minderung im Gebäudebereich ermöglicht die
KfW Bund und Ländern möglichst wirksam und
zugleich haushaltsschonend ihre umwelt- und wohnungspolitischen Ziele umzusetzen. Die KfWProgramme bewirken dies auf dreierlei Weise:
1. Sie helfen den Bewohnern und Gebäudeeigentümern ihren Energieverbrauch und damit auch ihre
Heiz- und Stromkosten deutlich zu senken. Die geförderten Maßnahmen verbessern zudem spürbar die
Wohnqualität und erhöhen die Immobilienwerte.
2. Sie stärken Konjunktur und Wachstum, sichern
und schaffen in beträchtlichem Umfang Arbeitsplätze.
3. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum
Umwelt- und Klimaschutz.
Das wichtigste Förderinstrument, um diese Ziele
effizient zu erreichen, ist aus Sicht der KfW der langfristige Kredit. Dieser bringt für die Förderung diverse
Vorteile, da sich so die Kosten für den Bundeshaushalt bei Förderkrediten auf einen langjährigen Zeitraum verteilen und Kredite anders als z. B. Zuschüsse, zurückgezahlt werden müssen. Zudem ist der
zinsverbilligte Kredit flexibel, er lässt sich für besonders anspruchsvolle und förderungswürdige Vorhaben mit einem Zuschuss kombinieren, wie dies bereits im CO2-Gebäudesanierungsprogramm mit dem
Tilgungszuschuss geschieht. Weitere Vorteile sind
der unbürokratische und schnelle Antragsweg in den
wohnungswirtschaftlichen Programmen der KfW. Er
beträgt maximal 8 Bankarbeitstage. Nicht zuletzt
werden Modernisierungsvorhaben meist vollständig
oder fast vollständig durch einen Förderkredit finanziert. Anders als beim Zuschuss oder einer steuerlichen Förderung müssen die Investoren kaum ergänzende Finanzierungsmittel zu teureren Marktkonditionen aufbringen
Förderwirkungen der wohnungswirtschaftlichen KfW-Programme
Von 1990 bis 2005 konnte der jährliche CO2-Ausstoß
im Wohnungsbestand durch die von der KfW geförderten Investitionen um 10 Mio t gesenkt werden.
Das entspricht etwa 8% des CO2-Ausstoßes durch
private Haushalte in Höhe von 128 Mio t im Jahr
1990.
In ihren Förderprogrammen für die Wohnungswirtschaft hat die KfW seit 1990 Kredite über 34 Mrd. €
für Maßnahmen zur Energieeinsparung und CO2Minderung in 2,2 Mio Wohnungen zugesagt; allein im
Jahr 2006 wurden zinsgünstige Kredite von 9,4 Mrd.€
zugesagt.
Die KfW-Förderung der energetischen Gebäudesanierung leistet aber nicht nur einen bedeutenden
Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und zur Aufwertung des Wohnungsbestandes. Auch der Ar-
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beitsmarkt und vor allem die Bauwirtschaft profitieren. Durch die von der KfW im Wohnungssektor geförderten Energiesparinvestitionen konnten allein im
Jahr 2005 rd. 56.000 Arbeitsplätze für ein Jahr gesichert werden.
Fazit
Die KfW-Programme sind die mit Abstand wirksamsten und bedeutsamsten Maßnahmen zum Klimaschutz in Wohngebäuden, die es in Deutschland gibt.
Durch ihre günstigen Förderkonditionen senken sie
die Finanzierungskosten von Energiesparmaßnahmen spürbar ab und setzen so erhebliche Anreize,
vor allem in Gebäuden mit besonders hohem Energieverbrauch energetische Sanierungen durchzuführen. So leisten die Programme einen unverzichtbaren
Beitrag, damit Deutschland auch seine internationa-
len Verpflichtungen zum Klimaschutz erfüllen kann.
Grundsätzlich strebt die KfW mit ihren Förderprogrammen im Gebäudebereich eine Breitenwirkung
an. Nur so kann Klimaschutz die nötigen Erfolge
vorweisen. Daher wurden die Förderbedingungen,
Antragsverfahren und Verwendungsnachweise für
die Förderkredite so transparent und schlank wie
möglich gestaltet. Dies hält den Förderaufwand niedrig und gewährleistet bei Gebäudeeigentümern und
durchleitenden Banken die erforderliche Akzeptanz.
Kontakt
Lorenz Szyperski
KfW Bankengruppe, Stabsstelle Umwelt, Bonn
http://www.kfw-foerderbank.de
http://www.energie-fuer-morgen.de/
Telefon
E-Mail
+49 (0) 228 831 80 77
[email protected]
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Energieoptimiertes Bauen: Förderschwerpunkte des BMWi
Dr. Astrid Wille und Markus Kratz, Ansprechpartner beim Projektträger Jülich
Als Dienstleister für Forschungsmanagement unterstützt der Projektträger Jülich Bundes- und Länderministerien sowie die Europäische Kommission bei
der Konzeption und Durchführung ihrer Forschungsförderung. Antragsteller aus Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen berät er über aktuelle Förderinitiativen und
betreut sie bei der Vorbereitung und Umsetzung ihrer
Vorhaben.
Mit der Anbindung als weitgehend selbständige Organisation an das Forschungszentrum Jülich, das
eines der größten in Europa ist, befindet sich der Projektträger in einem kompetenten wissenschaftlichen
Umfeld und kann auf eine leistungsfähige Infrastruktur zurückgreifen. Neben dem Standort Jülich verfügt
der Projektträger über einen Standort in Berlin und
einen in Rostock-Warnemünde.
In 2004 beschäftigte der Projektträger 320 Personen,
davon waren über 150 wissenschaftlich tätig. Neben
der Biotechnologie kommt der Energieforschung ein
Hauptaugenmerk zu.
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, den Energieverbrauch zu senken und die Energieproduktivität bis
2020 zu verdoppeln. Dazu sind konsequente Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz notwendig. Besonderes Potenzial sieht die Bundesregierung auf der Verbraucherseite. Das 5. Energieforschungsprogramm „Innovation und neue Energietechnologien“ betont diesen Schwerpunkt. Neben der Förderung der Erneuerbaren Energien spielt die Steigerung der Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Für beide Themengebiete stellt die Bundesregierung zwischen 2006 und 2009 insgesamt fast 1,2 Mrd. € zur
Verfügung.
Legt man die technisch machbare „3-Liter-HausSanierung“ zugrunde, so erschließt die heute praktizierte energetische Sanierung bestehender Gebäude
nur ein Drittel bis die Hälfte des Einsparpotenzials.
Das Förderkonzept strebt daher an, durch innovative
Technologien und verlässliche Daten erster Pilotanwendungen die Basis für eine breite Marktanwendung
konsequenter und nachhaltiger Sanierungen zu schaffen. Eine vergleichbare Problematik zeichnet sich im
Neubausektor ab.
Der Projektträger Jülich betreut im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
(BMWi) die Förderschwerpunkte Fernwärme und
Wärmespeicherung, Energieeffizienz und Energieoptimiertes Bauen.
Der Gebäudebereich stellt den größten einzelnen
Verbrauchssektor dar. Mehr als ein Drittel der gesamten Endenergie wird in Gebäuden zur Beheizung und
Warmwasserbereitung eingesetzt. Dabei werden zu
mehr als 80 Prozent fossile Energieträger genutzt.
Auch der Stromverbrauch für Klimatisierung, Beleuchtung, Lüftung und Geräte nimmt kontinuierlich zu.
Neben der Demonstration und messtechnischen Evaluierung innovativer Konzepte spielen die Erforschung
und Entwicklung neuer Konzepte und Komponenten
im Gebäudebereich sowie der Transfer der aus diesen
Vorhaben resultierenden Ergebnisse in die Praxis eine
wichtige Rolle. Aktuell werden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu folgenden Themen gefördert:
1. Bautechnik
· Innovative hochwirksame Wärmedämmstoffe (z. B.
Vakuumisolationspaneele)
· Hocheffiziente funktionale Gläser, Fenster- und Fassadensysteme
· Latentwärmespeichermaterialien (PCM) in Bauteilen
· Funktionale Textilien und Membranen
Elektrochrome Verglasung als temporärer schaltbarer Sonnenschutz in verschiedenen Zwischenstufen, erkennbar an der Blaufärbung, die stets eine Durchsicht ermöglichen (Quelle: Gesimat).
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2. Technische Gebäudeausrüstung
· Niedrigenergiesysteme zum Heizen, Lüften, Klimatisieren (LowEx)
· Erprobung neuartiger Strukturen netzgebundener
Wärme- und Kälteversorgung
· Innovative Kopplung von Tages- und Kunstlichtsystemen
· Erprobung von Techniken für kurz- und mittelfristige
Wärmespeicherung
· Innovative Systeme zur Raumluftkonditionierung
3. Planung/Betrieb
· Intelligente Mess-, Steuer- und Regelungstechnik für
energieoptimierte Gebäude
Prinzipskizze einer Leichtbauwand mit mikroverkapseltem
Paraffin (PCM)., Quelle: Fraunhofer ISE
· Hilfsmittel zu Inbetriebnahme und Optimierung des
Betriebs von „schlanker“ und auch komplexer Anlagentechnik (Energiemanagement-Systeme).
Kontakt
Dr. Astrid Wille
Tel: +49 2461 61 1576
Email: [email protected]
Markus Kratz
Tel: +49 2461 61 8644
Email: [email protected]
Informationen und aktuelle Ergebnisse aus den geförderten Vorhaben finden Sie im Internet unter
http://www.enob-info.de. Dort findet sich auch eine Darstellung der geförderten Pilot- und Demonstrationsbauten
aus den Bereichen EnBau (energieeffiziente Neubauten) sowie EnSan (energieeffiziente Sanierungen).
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Das Passivhaus – eine kaum sichtbare Effizienzrevolution
Jürgen Schnieders, Passivhaus Institut, Darmstadt
Jahrgang 1967, 1988 bis 1995 Studium der Physik in
Tübingen und Oldenburg mit Schwerpunkten im Bereich der Solarenergie und der rationellen Energienutzung, 1996-1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter an
der Universität–GH Siegen im Softwarelabor für
Niedrigenergie- und Solararchitektur, seit 1997 wis-
senschaftlicher Mitarbeiter am Passivhaus Institut,
Darmstadt. Arbeitsschwerpunkte sind Gebäudeenergiebilanzen, thermische Gebäudesimulation, Auswertung von Messungen an Gebäuden, energetische Modernisierung, internationale Kooperationen
lumen, reduziert die Wärmeverluste an die Umgebung.
Lassen sich die Ziele hohe Behaglichkeit, gute RaumEin kompaktes Gebäude ist auch kostengünstiger zu
luftqualität, wirtschaftlicher Betrieb und vertretbare
realisieren, denn die bauliche Hülle macht einen groInvestitionskosten bei einem Neubau gemeinsam erßen Anteil an den Kosten eines Gebäudes aus.
reichen? Lange Zeit schien es, als ob Ökonomie und
Ökologie widerstreitende Ziele wären, zwischen denen
zumindest ein Kompromiss geschlossen werden
Verbesserte Wärmedämmung bedeutet nicht nur
muss. Durch die zahlreichen realisierten Beispiele von
reduzierte Wärmeverluste, sondern auch im Winter
Passivhäusern wissen wir heute, dass Ökologie und
höhere und im Sommer niedrigere InnenoberflächenÖkonomie sich gleichermaßen zufriedenstellend betemperaturen. Dadurch steigt die Behaglichkeit (Strahrücksichtigen lassen.
lungsklima) und sinkt die Anfälligkeit für Tauwasser an
Der Schlüssel hierzu ist eine ganz
erheblich verbes-serte Energieeffizienz. Im Passivhaus wird im
Vergleich mit Altbauten um einen
Faktor 10, gegenüber der aktuellen deutschen Gesetzgebung um
einen Faktor 4 weniger Energie
für die Raumheizung verbraucht:
Der Heizwärmebedarf beträgt nur
noch 15 kWh pro Quadratmeter
Wohnfläche und Jahr. Gleichzeitig
erhöht sich die thermische Behaglichkeit, der Schutz der Bausubstanz wird verbessert, die Wohnverhältnisse werden gesünder und
behaglicher. Dadurch steigt der
Wert des Gebäudes im allgemeinen mehr, als für die Verbesserungen an Mehrinvestionen aufgewendet werden muss.
Bei den mittlerweile über 6000
realisierten Wohneinheiten im
Passivhausstandard, vorwiegend Einfamilienhaus in Passivhausbauweise in Ganderkesee. Architekten: Team 3.
in Deutschland und Österreich,
Innenoberflächen. Bessere Wärmedämmung beruht
werden diese Ergebnisse durch das Zusammenspiel
auf dem vermehrten Einsatz von Dämmstoffen ('verder nachfolgend beschriebenen Techniken erzielt.
packter Luft'); dies sind sehr leichte Baustoffe – von
Natur aus kostengünstig und wenig materialintensiv.
Unabhängig von einem konkreten Entwurf stehen die
An den Fenstern, deren Wärmedämmung gegenüber
beiden Anforderungen an die Orientierung der
den Wänden in der Regel geringer ist, bildet sich ohne
Hauptfassade relativ zur Sonne und die Kompaktheit
Heizkörper ein Kaltluftabfall, der den Aufenthalt in der
des Gebäudes an herausragender Stelle. Die HauptNähe von konventionellen Fenstern an kalten Winterfassade sollte möglichst nach Süden orientiert und
tagen besonders unkomfortabel macht. Am Fußboden
wenig verschattet sein, weil nur so die solaren Wärbildet sich eine kalte Luftschicht aus. Eine gewisse
megewinne im Winter einen nennenswerten Beitrag
Linderung schafft der Heizkörper, der an der Außenzur Energiebilanz des Gebäudes beitragen können.
wand eines Raumes (unter dem Fenster) platziert
Eine kompakte Bauweise, d.h. eine möglichst geringe
wird.
Gebäudeoberfläche im Verhältnis zum umbauten Vo-
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Beim Passivhaus (UWand ≤ 0,15 W/(m K)) sind die
Wand-Innentemperaturen so weit erhöht, dass sie sich
auch im Auslegungsfall kaum mehr von der mittleren
Raumtemperatur unterscheiden. Selbst am Fenster
2
(UFenster ≤ 0,8 W/(m K)) sinkt die mittlere Temperatur
an der Innenoberfläche nicht mehr unter 17 °C.
2
Die Vermeidung von Wärmebrücken stellt nach den
Erfahrungen im Passivhausbau eine der wirtschaftlichsten Effizienzmaßnahmen dar. Auch hier sind der
erreichte Schutz der Bausubstanz und die verbesserte
Behaglichkeit offensichtlich. Bei wohnraumüblichen Temperaturen und
Feuchtigkeiten gibt es in
einem wärmebrückenfrei
konstruierten Passivhaus
kein Tauwasser und keine
Schimmelgefahr an Innenoberflächen mehr.
Eine Gebäudehülle weist
dann keine Wärmebrücken auf, wenn die wärmedämmende
Schicht
ununterbrochen um das
gesamte Gebäude herumgezogen ist – ein-
benötigt. Die Scheibenzwischenräume sind mit Edelgas (meist Argon) niedriger Wärmeleitfähigkeit gefüllt.
Eine der Oberflächen in jedem Scheibenzwischenraum ist mit einer infrarotreflektierenden (low-e) Beschichtung versehen. Diese wirkt wie ein Spiegel, der
allerdings nur Wärmestrahlung, d.h. infrarotes Licht
reflektiert. Mit einer solchen Verglasung können auch
über den Kernwinter hinweg solare Nettogewinne
realisiert werden, sofern die Fenster nicht verschattet
oder ungünstig orientiert sind.
Neben den Wärmeverlusten der Verglasung sind die
schließlich einmündender Mehrfamilien-Passivhaus in Hamburg. Architekt: Reinig.
Wände und der BodenVerluste durch einen ungedämmten Fensterrahmen
platte bzw. Kellerdecke. Auch für schwierig erscheierheblich. Bei einem herkömmlichen Fensterrahmen
nende Anschlüsse gibt es geeignete Lösungen.
sind sie etwa doppelt so groß wie bei einer typischen
Sowohl für die gute Wärmedämmung als auch für eine
Passivhausverglasung. Zu einer hochwertigen Verglawärmebrückenfreie Konstruktion braucht man eine
sung gehört daher auch ein gut wärmedämmender
außenliegende Dämmung. Nahezu alle Details lassen
Fensterrahmen. Heute ist eine Vielzahl von hochwärsich damit erheblich einfacher und robuster lösen als
medämmenden Fensterrahmen am Markt erhältlich,
mit der in Frankreich üblichen Innendämmung.
und zwar als Kunststoff-, Holz-, Holz-Alu- oder Metallrahmen.
Auch die Luftdichtheit reduziert die Anfälligkeit für
Bei diesen Fenstern wird die Wärmebrücke am GlasBauschäden. Der Drucktest mit der 'Blower-Door' ist
rand durch geeignete Maßnahmen reduziert, und sie
ein zentrales Mittel der Qualitätssicherung für ein Passind selbstverständlich mit umlaufenden Dichtungen
sivhaus. Hierbei wird das Gebäude mit einem Ventilaluftdicht ausgeführt. Weiterhin kommt es auf einen
tor unter einen Über- bzw. Unterdruck von 50 Pa gesachgerechten Einbau in der Dämmebene an, um
setzt und der zugehörige Luftwechsel im Gebäude
auch hier Wärmebrückeneffekte zu minimieren.
gemessen. Dieser sogenannte n50-Wert liegt bei typischen Neubauten bei 3 bis 5 Luftwechseln pro StunDie Lufterneuerung für die Bewohner darf über allen
-1
de. Der Grenzwert für Passivhäuser beträgt 0,6 h ,
Maßnahmen zum Wärmeschutz und zur Luftdichtheit
und viele gebaute Beispiele zeigen, dass n50-Werte
nicht vernachlässigt werden. Zuverlässig, in genau der
-1
um 0,3 h reproduzierbar erreicht werden können.
richtigen Menge, am gewünschten Ort, pollenfrei und
Durch die bereits vor einem Jahrzehnt realisierten
komfortabel ist die Frischluftzufuhr durch eine geregelPassivhäuser ist inzwischen im Langzeittest nachgete Wohnungslüftung mit Zu- und Abluft möglich. Auch
wiesen, dass sorgfältig geplante und ausgeführte Gehier stehen Lufthygiene und Behaglichkeit im Vorderbäudehüllen dauerhaft luftdicht bleiben.
grund. Durch die inzwischen am Markt verfügbaren
Beim Bauteil Fenster wurden in den letzten Jahren
entscheidende
Qualitätsverbesserungen
erreicht.
Hochwertige Fenster mit Gesamt-Uw-Werten von weniger als 0,85 W/(m²K) sind für das Passivhaus eine
wichtige Voraussetzung. Hierfür wird zunächst eine
hochwertige
Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung
hocheffizienten Geräte zur Wärmerückgewinnung
kann diese Aufgabe mit einer entscheidenden Verbesserung der Effizienz verbunden werden.
Die kontrollierte Wohnungslüftung ist ein zentraler
Bestandteil des Passivhauses. Sie versorgt die Wohnung dauernd mit hygienisch einwandfreier frischer
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
19
Luft und transportiert Feuchtigkeit, Gerüche und andere Luftbelastungen aus der Wohnung.
Die Zuluft hat nach dem Wärmeübertrager auch im
Auslegungsfall eine Temperatur von mindestens
16,5°C. Diese Temperatur genügt, um unbehagliche
Temperaturschichtungen im Zuluftraum zu vermeiden.
Die Lüftungsanlage darf insgesamt nicht mehr Primärenergie verbrauchen als sie an Wärmeverlusten
einspart. Dies wird durch hocheffiziente Gleichstromventilatoren
mit
geringem
Stromverbrauch und ein
druckverlustarmes
Rohrnetz erreicht.
werden muss, zuzuführen. So kann die Lüftung
gleichzeitig auch für die Heizwärmeverteilung genutzt
werden. Die Investitionskosten reduzieren sich entsprechend. Gegenüber dem konventionellen Baustandard in Deuschland sind für ein Passivhaus etwa 5 bis
10 Prozent höhere Investitionskosten (bezogen auf die
reinen Baukosten des Gebäudes) zu veranschlagen.
Die Planung von Passivhäusern erfordert mittlerweile
keine aufwendigen wissenschaftlichen
Simulationsrechnungen
mehr.
Das
vom
Darmstädter
Passivhaus Institut entwickelte Passivhaus Projektierungs Paket (PHPP) stellt
Erst
durch
die
Kombination von
dem Planer ein Werkzeug
zur Verfügung, mit dem die
sehr guter WärmeEnergiebilanz und mithin
dämmung,
Luftdichtheit,
die
Funktionstüchtigkeit
des entstehenden PassivWarmfenstern und
hauses vom ersten bis zum
einer Komfortlüftung
letzten
Planungsschritt
mit hocheffizienter
verfolgt werden kann. PasWärmerückgewinsivhäuser sind inzwischen
nung, jeweils auf
als freistehende Einfamilihöchstem Niveau, Passivhaus-Bürogebäude in Ulm. Architekten: oehler faigle archkom
enhäuser, Reihenhäuser,
wird es möglich,
Geschosswohnungsbauten, Wohnheime, BürogebäuHäuser im mitteleuropäischen Klima so zu bauen,
de, Schulen, Kindergärten und Produktionsgebäude
dass die Heizung eine funktionale Verbindung mit der
realisiert worden. Eine Begrenzung seitens der NutLüftung eingehen kann. Auch im Passivhaus muss ein
zungsmöglichkeiten ist bisher nicht in Sicht: Ganz im
Restwärmebedarf gedeckt werden – es ist kein NullGegenteil, die Vielfalt der Ansätze hat sich mit der Zeit
heizenergiehaus. Es reicht aber aus, die Wärme durch
immer mehr verstärkt.
eine Nacherwärmung der Zuluft, die ohnehin verteilt
Kontakt
Jürgen Schnieders
Passivhaus Institut
Telefon:
E-Mail :
+49 61 51 82 6990
[email protected]
Auf den Internetseiten www.passiv.de, www.passivhaustagung.de und www.ig-passivhaus.de sind von Basisinformationen über zertifizierte Bauteile bis hin zu Beispielen gebauter Projekte zahlreiche weiterführende Informationen – derzeit leider fast nur in deutscher und englischer Sprache – verfügbar. Das EU-Projekt Passive-On
(www.passive-on.org) bemüht sich um die Verbreitung des Passivhausstandards unter anderem in Frankreich.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
20
Energieoptimiertes Bauen und Solarenergie
Dr. Volker Wittwer, Fraunhofer ISE, Freiburg
Dr. Volker Wittwer ist stellvertretender Institutsleiter
des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme
ISE in Freiburg. Das Institut ist mit über 400 Mitar-
beitern das größte Forschungsinstitut für Solarenergie in Europa.
Ein zentrales Thema im Kontext des Klimaschutzes ist
die Energieeffizienz in Gebäuden. Dies zeigt folgende
Zahl: Wir verbrauchen heute in Deutschland für den
Betrieb von Gebäuden über 40 Prozent der Endenergie. Damit wird geheizt, gekühlt, gelüftet, beleuchtet
und vieles mehr. Rationelle Energienutzung reduziert
den Energieeinsatz für diese Dienstleistungen und
verbessert dabei oft den Nutzungskomfort. In jedem
Fall gilt: Je geringer der verbleibende Energiebedarf,
desto größer ist der Anteil, den erneuerbare Energien
sinnvoll decken können. Am Fraunhofer-Institut für
Solare Energiesysteme in Freiburg sind Gebäude und
ihre technische Ausrüstung ein zentrales Geschäftsfeld.
Nachhaltige Gebäude schützen nicht nur das Klima,
sondern lassen sich auch besser vermarkten. Dies gilt
für Neubauten ebenso wie für das Bauen im Bestand,
für gewerbliche Bauwerke ebenso wie für das Einfamilienhaus.
Wohngebäude
Will man energieeffizient bauen und gleichzeitig die
Investitionskosten begrenzen, ist eine sinnvolle Abwägung zwischen den einzelnen Maßnahmen zur
Steigerung der Energieeffizienz notwendig. Dies
betrifft die Aspekte Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung, Regelungstechnik und Maßnahmen zur
Solarenergienutzung wie Solarkollektoren und Photovoltaik. In noch höherem Maße als für das Einfamilienhaus trifft dies für Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Siedlungsprojekte zu. Dies sei am
Beispiel von Mehrfamilienhäusern in Passivhausbauweise gezeigt.
Abb. 1: Der externe Energiebedarf von Wohngebäuden unterschiedlichen Standards im Vergleich. Die Zahlenangaben beziehen sich auf Einfamilienhäuser.
Solar-Passivhäuser
Passivhäuser sind eine Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses. Ein Passivhaus ist dadurch gekennzeichnet, dass die Wärmeverluste der Gebäudehülle und der Lüftung soweit reduziert werden,
dass allein die Nutzung der Sonnenenergie über
Fenster und Fassaden genügt, um den Jahresheizwärmebedarf im hiesigen Klima auf ein Niveau von
etwa 15 kWh pro m2 zu senken. Ein sehr hoher baulicher Wärmeschutz bei hoher Ausführungsqualität
und eine mechanische Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung sind die dafür notwendigen Voraussetzungen. Durch den Einsatz vorgefertigter Bauelemente ist die hohe Qualität der Gebäudehülle
wirtschaftlich erreichbar. Beide Aspekte verändern
das Bauen. Solar-Passivhäuser nutzen die Solarenergie durch Kollektoren für Warmwasserbereitung
und / oder durch Photovoltaik zur Stromerzeugung.
Beides ist deshalb von großer Bedeutung, weil der
Energiebedarf und die damit verbundenen Emissio-
nen bei der Passivhausbauweise von der Warmwasserbereitung und vom Stromverbrauch im Haushalt
dominiert werden. (Abb. 1)
Mit der Evaluierung einer Vielzahl von Passivhäusern
mit thermischen Solaranlagen und Kleinwärmepumpen im Rahmen eines Projekts in BadenWürttemberg steht uns ein breites Querschnittswissen über die erreichte Energieeinsparung, die Wirtschaftlichkeit und die Betriebserfahrung zur Verfügung. 1999 entstand auf Initiative einer Bauherrengemeinschaft und mit finanzieller Förderung durch
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU der erste
mehrgeschossige
Wohnungsbau
als
SolarPassivhaus (Abb.2), dem viele weitere Beispiele –
auch ohne Förderung – folgten. Bei Mehrkosten in
Höhe von 9% der Baukosten werden die CO2Emissionen gegenüber einer marktüblichen Bauweise um 70% reduziert.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
21
Abb. 2: Mehrfamilienhaus »Wohnen & Arbeiten«, Vauban, Freiburg (Architekt: M.Gies, Freiburg). Die Förderung durch die Bundesstiftung Umwelt ermöglichte eine intensive Energieplanung. Im Rahmen der Arbeit in der Internationalen Energieagentur IEA und mit
finanzieller Förderung des BMWA wurde das Gebäude im Betrieb vermessen. Die Jahreswärmebilanz zeigt einen Heizenergieverbrauch von 12 kWh/m²/a.
»Schlanke Bürogebäude«
Bürogebäude benötigen bei ähnlichem Wärmebedarf
mehr elektrische Energie als Wohngebäude. Hauptursachen sind die höhere Dichte an Personen und technischen Geräten, sowie strengere Anforderungen an
das Raumklima und die Lichtverhältnisse. Große
Baukörper (günstiges Verhältnis von Oberfläche zu
Volumen), ein hoher elektrischer Energieverbrauch
(interne Wärmequellen) und die im Vergleich zu
Wohngebäuden kürzere Nutzungszeit verringern die
Bedeutung des Heizwärmebedarfs. Anders als bei
Wohnbauten ist der überwiegende Teil des Stromverbrauchs durch die technische Gebäudeausrüstung
und nicht durch die Geräteausstattung bestimmt. Dies
ändert sich erst bei »schlanken Gebäuden«.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg.
Architekten: Dissing + Weitling Arkitektfirma, Kopenhagen.
Ohne Berücksichtigung des Energiebedarfs für den Betrieb von
Reinraum und Labortechnik wurde der Energiebedarf um 40%
reduziert und beträgt 45 kWh/m²a Heizwärme und 18 kWh/m²
Strom für Beleuchtung und Lüftung
Die unmittelbar mit dem Bezug von Energie verbundenen Kosten sind in der Mehrzahl der Fälle nur ein
Bruchteil der gesamten anfallenden Kosten in einem
Gebäude: In Bürogebäuden dominieren die Gehälter
der Mitarbeiter, während die unmittelbaren Energiekosten nur etwa 1% ausmachen. Wegen der hohen
Bedeutung der Personalausgaben stehen optimale
Bedingungen am Arbeitsplatz im Mittelpunkt einer
Gebäudeplanung, um die Produktivität des Personals
zu fördern. Thermischer und visueller Komfort sind
dabei entscheidende Aspekte und eng verbunden mit
dem planerischen Konzept eines Gebäudes in den
Bereichen Lüftung, Kühlung und Beleuchtung.
Solarkonzepte für Bürogebäude basieren heute in
erster Linie auf einer verbesserten Nutzung des Tageslichts und dem Ersatz von aktiver Klimatisierung
durch eine sogenannte »passive Kühlung«. Solche
Gebäude zeichnen sich durch niedrige Investitionsund Unterhaltskosten für die technische Gebäudeausrüstung bei gleichzeitig steigendem Budget für die
Baukonstruktion aus (Kostenverschiebung). Ziel ist
eine kostenneutrale oder kostengünstigere Bauweise
bei hohem Komfort am Arbeitsplatz und geringem
Energieverbrauch. Schwerpunktmäßig energierelevante Planungsaufgabe ist neben dem sommerlichen und
winterlichen Wärmeschutz die technische Gebäudeausrüstung für Heizung, Lüftung, Klimatisierung und
Beleuchtung. Dieses Vorgehen deckt sich mit der
neuen EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von
Gebäuden. Eine integrale Gebäudeplanung unter
Einsatz moderner Simulationswerkzeuge ist heute in
der Lage, die vielfältigen Einflüsse des Baukörpers auf
die Lichtverhältnisse und das sommerliche Raumklima
abzubilden, so dass frühzeitig Planungssicherheit
erreicht werden kann.
Auf dem Gebiet der Materialentwicklung ergeben sich
vielfältige Ansätze zur Verbesserung der Tageslichtnutzung. Einerseits geht es darum, die Tageslichtverteilung im Raum so zu beeinflussen, dass die Helligkeit im fensternahen Bereich zugunsten einer Aufhellung in der Raumtiefe abnimmt. Ansatz dafür sind
Verglasungen mit der zusätzlichen Eigenschaft der
Lichtumlenkung. Neue Entwicklungen konzentrieren
sich darauf, derartige Eigenschaften auch durch nanound mikrostrukturierte Oberflächen zu erreichen.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
22
Sommerliches Temperaturverhalten und Passive Kühlung
(Quelle: clauss markisen Projekt GmbH) : s_enn, energieeffizientes Sonnenschutzsystem, Entwicklung der Firma clauss
markisen Projekt GmbH mit dem Fraunhofer ISE. Durch die
optimierte Profilform wird ab einem Sonnenstand von 20 Grad
über dem Horizont direkte Sonneneinstrahlung ausgeblendet.
Ein angenehmes sommerliches Raumklima zu schaffen, ist selbstverständliches Ziel jeder
Bürogebäudeplanung. Die Verbindung dieser Forderung mit moderner Glasarchitektur gelingt nicht immer mit einem überzeugenden Ergebnis für die Nutzer, vor allem dann nicht, wenn auf aktive Klimatechnik verzichtet wird. Mögliche Gründe für einen solchen Verzicht können sowohl wirtschaftliche Aspekte
(Investitions-, Unterhalts- und Energiekosten) wie
auch Diskussionen über das so genannte ”Sick Building Syndrome“ (Gebäude- und Technik- induziertes
Nichtwohlbefinden) sein. Immer öfter werden daher
Architekten und Fachingenieure vor die Aufgabe
gestellt, ein Gebäude zu errichten, das ohne Klimaanlage ein angenehmes sommerliches Raumklima
sicherstellt. Als passive Kühlung werden in diesem
Zusammenhang diejenigen Konzepte bezeichnet, die
- mit oder ohne Ventilatoren - auf den Einsatz von
Kältemaschinen verzichten. Alternativ werden
natürliche Kältequellen wie das Erdreich,
das
Grundwasser oder die kühle Nachtluft herangezogen.
Dazu gehören unter anderem freie und mechanische
Nachtlüftung sowie Erdwärmetauscher (luftdurchströmte Rohre im Erdreich). Nachtlüftung und Erdwärmetauscher sind in der Baupraxis eingeführt,
können zu wettbewerbsfähigen Kosten (Investition
und Betriebskosten) realisiert werden und gewährleisten – bei richtiger Planung und Betriebsführung –
ein gutes Raumklima ohne aktive Klimatisierung.
Die Wärmekapazität eines Gebäudes ist wesentlicher
Faktor für die Wirksamkeit einer passiven Kühlung.
Neben der Bestrebung zur Verwendung schwerer
Baustoffe und gutem thermischem Kontakt der Bauteile zur Raumluft (freie Decken) ergeben sich erweiterte Möglichkeiten durch neueste Materialentwicklungen. Ein Beispiel sind neue Verfahren und Systeme auf der Basis von Phasenwechselmaterialien zu
bauteilintegrierten Latentwärmespeichermaterialien.
Solare Kühlung
Im saisonalen Maßstab und oft auch im Tageszyklus
fallen Kühllasten und Solargewinne zeitlich zusammen. Daher ist eine Nutzung von Solarenergie für
Kühlzwecke ohne aufwendige Speicherung unmittelbar möglich. Dies gilt in besonders hohem Maße für
die Länder Südeuropas. Thermische Kollektoren
arbeiten besonders wirkungsvoll in Kühlprozessen
mit Niedertemperaturwärme. Beispiel dafür sind Anlagen auf der Basis offener Verdunstungskühlprozesse, den sogenannten DEC-Verfahren (dessicant
cooling), mit Arbeitstemperaturen von ca. 55°C. Dabei können im Prinzip alle heute marktgängigen Kollektoren zum Einsatz kommen, u.a. auch Luftkollektoren.
Solarluftkollektor auf dem Dach der IHK Südlicher Oberrhein in Freiburg. Dort wurde 2001 die erste solarautarke
Klimatisierungsanlage in Deutschland errichtet.
Kontakt
Dr. Volker Wittwer
Fraunhofer ISE, Berlin
Telefon
E-Mail
+49 (0) 188 85 75 094
[email protected]
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Hocheffizienter Wärmeschutz von Gebäuden durch evakuierte
Elemente - Vakuumisolationspaneele (VIP) und Vakuumisoliergläser (VIG)
Dr. Ulrich Heinemann, Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung, Würzburg
Dr. Ulrich Heinemann, geboren 1957, Diplom Physiker, ist Mitarbeiter seit der ersten Stunde an dem 1991
gegründeten Bayerischen Zentrum für Angewandte
Energieforschung e.V., ZAE Bayern. In der Würzburger Abteilung „Funktionsmaterialien der Energietechnik“, ehemals „Wärmedämmung und Wärmetransport“, war er 1996 bis 2001 Leiter des Labors
„Stationäre Messmethoden“, 2001 bis 2005 Leiter der
Arbeitsgruppe „Vakuumdämmungen“. Aktuell ist er
Senior Scientist im Bereich thermische Isolationen
und Leiter der Koordinationsstelle für die nationalen
Tätigkeiten zum ECBCS-Annex 39 ‚High Performance
Thermal Insulations for Buildings’ der Internationalen Energie Agentur (IEA)..
Das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V., kurz ZAE Bayern, ist ein wissenschaftliches Forschungsinstitut, welches im Gesamtziel einer
rationellen Energienutzung und einer nachhaltigen
Energieversorgung verpflichtet ist. Mit unterschiedlichen, jedoch auf Synergie angelegten
Schwerpunkten betreibt das ZAE Bayern in drei Abteilungen an den bayerischen Standorten Würzburg,
Erlangen und Garching Entwicklung und Optimierung
von Materialien, Komponenten und Systemen zur
Energieumwandlung, Energiespeicherung und rationellen Energienutzung.
Einer der wesentlichen Schwerpunkte der Würzburger
Abteilung sind die Analyse und die Optimierung des
Wärmetransports in Wärmedämmstoffen und Wärmedämmsystemen.
Anwendungsbereiche sind die Raumfahrt, die Luftfahrt, der Automobilbereich, sowie industrielle Anlagen. Ganz besondere Bedeutung kommt der Wärmedämmung von Gebäuden zu. In Mittel- und Nordeuropa eröffnen sich hier enorme Energieeinspar- und
CO2-Emissionsreduzierungpotentiale. Während die
Potentiale bei Neubauten zu einem großen Teil ausgeschöpft werden können, meist mit Hilfe konventioneller Dämmstoffe in zum Teil erheblicher Stärke (bis
zu 40 cm bei Niedrigstenergiehäusern), gestaltet sich
die Realisierung der Energieeinsparpotentiale von
Gebäuden im Bestand auch von technischer Seite als
deutlich schwieriger.
Vakuumisolationspaneele (VIP)
Die Analyse des Wärmetransports
in konventionellen Dämmmaterialien
bei Umgebungstemperatur, zeigt,
dass ein Großteil der Energie immer
noch über das an sich schlecht
wärmeleitende Gas transportiert
wird. Mit einem Faktor 5 bis 10 ganz
erhebliche Verbesserungspotentiale
50
Wärmeleitfähigkeit λ 10−3 W/(m·K)
Speziell für die Anwendung im
Bauwesen entwickelt und entwickelte das ZAE Bayern zusammen mit
Industrieunternehmen und anderen
Forschungseinrichtungen energieeffiziente Materialien, Komponenten
und Systeme. Bei den hochwärmedämmenden Komponenten sind hier
insbesondere die Vakuumisolationspaneele (VIP) und Vakuumisoliergläser (VIG) zu nennen. Effizient
sind diese Elemente insbesondere
hinsichtlich ihrer geringen Einbautiefe.
40
30
20
10
0
Stein-, Glaswolle,
Polystyrolschäume
Polyurethanschäume
Nanostrukturierte
Silika, Aerogele
Evakuierte
Isolationen
Bild 1: Dämmmaterialien (-systeme) im Vergleich. Die blau unterlegten Bereiche
geben etwa die Bandbreite wieder. Während herkömmliche Dämmmaterialien, wie
Glas-, Mineralwolle oder Polystyrolschäume bei Umgebungstemperatur Wärmeleitfähigkeiten von etwa 0.035 bis 0.045 W/(m•K) aufwei-sen, lassen sich mit evakuierten Isolationsmaterialien Wärmeleitfähigkeiten im Bereich von etwa 0.002 bis 0.008
W/(m•K) erreichen; ein Verbesserungspotential von einem Faktor 5 bis 10!
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
24
Fasern würden eine um einen Faktor
100 dichtere Hülle erfordern.
Vakuumisolationspaneele sind weniger
ein Dämmmaterial, das nach Bedarf
bearbeitet und zurechtgeschnitten werden kann, vielmehr sind es vorgefertigte hocheffiziente Dämmelemente.
Diese hocheffizienten Wärmedämmungen werden insbesondere dort eingesetzt, wo man ein vorgegebenes
Dämmmaß mit einem
möglichst
schlanken Aufbau erreichen möchte
oder dort, wo der für die Dämmung
verfügbare Raum begrenzt oder sehr
wertvoll ist. Die Vorzüge der Vakuumdämmung ergeben sich aus dem
Raumgewinn,
einem
verbesserten
Bild 2: Thermisch äquivalente Dämmsysteme im Vergleich. Insbesondere bei kleinDämmwert oder einer Kombination von
volumigen Elementen ist der Raumgewinn erheblich. Das Bruttovolumen der Box
aus Vakuumisolationspaneelen beträgt bei gleichem Nutzvolumen und gleicher beiden.
Dämmwirkung nur etwa 1/15-tel der entsprechenden Box aus EPS-Schaum (Bild Lagen die Schwerpunke der Aktivitäten
rechts).
des ZAE Bayern in diesem Bereich
zunächst auf der Charakterisierung und
ergeben sich, wenn man diesen Beitrag unterdrücken
Optimierung allein der Füllmaterialien, so wurden im
kann. Deutlich wird das Potential aus der GegenüberWeiteren Fragestellungen zur Herstellung, Prüfung
stellung verschiedener Dämmmaterialen in Abbildung
und Bewertung der umhüllten Elemente angegangen.
1. Der erhebliche Raumgewinn wird anhand der in Bild
Die Anforderungen an die Dichtigkeit des Hüllmaterials
2 dargestellten thermisch äquivalenten Systeme ofsind so hoch, dass für Standardmessverfahren die
fensichtlich.
Nachweisgrenze erreicht oder überschritten ist. Eine
Qualitätsprüfung an serienmäßig gefertigten PaneeEin Vakuumisolationspaneel besteht prinzipiell aus
len, der Nachweis, dass die hervorragende Dämmwireinem Füllmaterial und einer Hülle (siehe auch Bild 3).
kung voraussichtlich auch über Jahrzehnte nicht weWährend bei den bekannten Vakuum-basierten hochsentlich nachlässt, ist auch heute noch eine methodieffizienten Wärmedämmungen wie Thermoskannen
sche Herausforderung, an der das Institut arbeitet. Da
zylindrische Gehäuse in der Lage sind, den äußeren
diese hocheffizienten Dämmelemente mit einigen
atmosphärischen Belastungsdruck von 1 bar – dieser
entspricht immerhin einer Gewichtslast von 10 t/m²
zu tragen, müssen bei flachen Vakuumisolationspaneelen druckstabile Füllmaterialien oder Strukturen die
entsprechenden Druckkräfte aufnehmen. Hierfür
kommen verschiedene Faser-, Pulver- oder Schaumprodukte in Frage.
Ausgehend von den bekannten evakuierten Isolationen wie Thermoskannen oder Kryogefäßen lässt sich
ableiten, dass die dort verwendeten Hüllmaterialien
Edelstahl, Aluminium oder Glas prinzipiell auch für
flache Vakuumisolationspaneele geeignet sind. Jedoch weisen spezielle Kunststoffhochbarrierefilme in
Bild 3: Aufbau eines Vakuumisolationspaneels, in diesem
Bezug auf die Flexibilität im Herstellungsprozess und
Beispiel mit Kern aus gepresstem Pulverboard und einer Hülle
den Produktionskosten erhebliche Vorteile auf. Beaus einem mehrfach metallisierten Kunststoffhochbarrierelasonders in der Kombination von nanostrukturierten
minat.
Füllmaterialien auf der Basis von pyrogener KieselsäuBesonderheiten in Bezug auf ihr Wesen, die konstrukre mit den geringsten Anforderungen an die Qualität
tive Integration in die Gebäudehülle und das Handling
des Vakuums und den dichtesten heute verfügbaren
und die Verarbeitung verbunden sind, betreibt das
Kunststofflaminaten ergeben sich VIP-Produkte mit
Institut zur Unterstützung von Herstellern, Verarbeitern
Funktionsdauern von mehreren Jahrzehnten, wie sie
und allgemein an dieser Technik Interessierten eine
im Bauwesen gefordert sind. VIPs mit Schäumen oder
Informations- und Kommunikationsplattform.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
25
Vakuumisolierglas (VIG)
scheinung treten. Die Anforderungen an die Qualität
Auch bei den gut wärmegedämmten Gebäuden sind
des Vakuums und damit die Dichtigkeit der Hülle,
die thermischen Schwachstellen heute noch im Beinsbesondere der des Randverbundes, sind bei eireich der Fenster zu finden (siehe Bild 4). Während
bei den opaken Fassaden U-Werte von 0.15
nem VIGs weitaus höher als bei einem VIP. Kann bei
den VIPs mit nanostrukturiertem Füllmaterial der
W/(m2K) erreicht werden, liegen die UW-Werte
Gasdruck einige oder einige zig Millibar betragen, so
exzellenter Fenster (Verglasung inkl. Rahmen) nur
muss bei den Vakuumisolierglasfenstern über die
bei 0.8 W/(m2K) und damit um einen Faktor 5
gesamte Funktionsdauer der Gasdruck um einen
schlechter.
Faktor 10 000 geringer sein (< 10-3 mbar).
Wie bei den Dämmstoffen bietet auch bei den FensEin besonderes Problem bei den wärmetechnisch
tern die Unterdrückung des Wärmetransports über
das Gas in dem Scheibenzwischenraum durch Evahocheffizienten opaken, wie auch transparenten Elementen stellen Wärmebrücken im Bereich der Ankuierung ein erhebliches Verbesserungspotential. In
schlüsse und Befestieinem aktuell am ZAE
gungen dar. Hier konBayern verfolgten Projekt werden solche Vastruktive,
möglichst
allgemein anwendbare
kuumisoliergläser
mit
Lösungen zu entwieinem angestrebten Uckeln, ist Gegenstand
Wert von 0.4 W/(m²K)
weiterer Arbeiten.
zusammen mit Partnern
entwickelt. Die techniKlimaschutz und beschen Herausforderungrenzte
Energieresgen bestehen hier darin,
sourcen bedingen die
Stützen zu entwickeln,
Einsicht zur Notwendie, wie das Füllmaterial
digkeit
nachhaltigen
bei den VakuumpaneeBauens. Eine gute
len, in der Lage sind,
Wärmedämmung der
die externe Last aufzuGebäudehülle ist mit
nehmen, ohne jedoch
Sicherheit der erste
nenneswert zum Geund wichtigste Ansatz
samtwärmetransport
für ein energieeffizienbeizutragen.
Zudem
tes Gebäude.
sollten diese optisch Bild 4: Infrarotaufnahme eines mit Vakuumisolationspaneelen gedämmten Neubaus (rechts) und einem nicht wärmegedämmten Altbau (links).
möglichst wenig in Er-
Kontakt
Dr. Ulrich Heinemann
ZAE Bayern – Bayerisches Zentrum für Angewandte
Energieforschung e.V.
Telefon
E-Mail
+49 (0) 931 705 64 35
[email protected]
http://www.zae-bayern.de
Informationsplattform zu Vakuumisolationspanelen im Bauwesen: http://www.vip-bau.de
Infos zum Projekt Vakuumisolierglas: http://www.vig-info.de
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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Energetische Gebäudesanierung mit Faktor 10
Schulze Darup
Schulze Darup ist als freischaffender Architekt tätig
mit Schwerpunkt auf Sanierungs- und Neubauprojekten im Bereich des umweltverträglichen und energiesparenden Bauens. Als Referent auf Fachkongressen
und bei Seminaren sowie in seinen zahlreichen Veröffentlichungen setzt sich Schulze Darup für die Themen
Bauökologie und Energieeffizienz bei Wohngebäuden
ein. 2003 und 2004 war er für die Konzeption und
Koordination des Forschungsprojektes „Energetische
Gebäudesanierung mit Faktor 10“ verantwortlich,
beide gefördert von der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt (DBU).
Energetische Gebäudesanierung wird für die nächsten
beiden Jahrzehnte zu einem zentralen Aufgabengebiet der Bauwirtschaft gehören. Für die Wirtschafts-,
Umwelt- und Arbeitsmarktpolitik ergeben sich daraus
große Potenziale, u. a. für den Klima- und Ressourcenschutz.
Im Gebäudebereich ist Energieeinsparung mit bestem
Kosten-Nutzen-Verhältnis möglich. Etwa ein Drittel der
Endenergie (BRD) wird für die Bereitstellung von
Raumwärme aufgewandt. Niedrigenergie- und Passivhaustechnologie ermöglichen hohe Einsparungen –
bei der Sanierung bis zur Reduktion um Faktor 10.
Im Neubaubereich sind in wenigen Jahren bereits
4000 Gebäude als Passivhäuser realisiert worden. Die
Techniken sind marktverfügbar und können bei der
Sanierung ohne grundlegende Probleme eingesetzt
werden.
Lüftung
Durch den gezielten und regelmäßigen Eintrag frischer Außenluft wird die Raumluftqualität entscheidend verbessert.
In Fachkreisen setzt sich zunehmend die Erkenntnis
durch, dass zur Sicherstellung einer ausreichenden
Luftwechselrate eine mechanische Lüftungsanlage
unabdingbar ist.
Es bieten sich zwei Anlagenkonzepte an: Abluftanlagen und Zu-/Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung.
Aus energetischer Sicht ist letztere Variante zu bevorzugen mit einem besten Wärmebereitstellungsgrad
des Gerätes und hoher Elektroeffizienz. Diese Anlagen haben sich über den Passivhausbau in den letzten Jahren etabliert und können im Bereich der Sanierung eingesetzt werden. In den nächsten Jahren werden kostengünstige zentrale Lösungen für Mehrfamilienhäuser auf den Markt gebracht.
Heizsystem
Die Maßnahmen an der Gebäudehülle sind die Voraussetzung für die Auswahl eines sinnvollen Heizsystems: die Heizlast reduziert sich gravierend auf etwa
10 bis 20 Watt pro m² beheizter Fläche. Dadurch kann
mit geringer Vorlauftemperatur die Wärme transportiert werden.
Bauliche Komponenten für Sanierung mit Faktor 10
Bauliche Komponenten
Es geht von der baulichen Seite her vor allem darum,
die wärmeübertragende Gebäudehülle möglichst gut
zu dämmen. Statt der üblichen Dämmdicken von 6 bis
12 cm werden Dämmungen von 15 bis 30 cm angestrebt. Dazu kommen hochwertige Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung und gedämmten Rahmen. Hinsichtlich der Qualitätssicherung muss besonderes Augenmerk auf die Minimierung von Wärmebrücken und eine hohe Luft- und Winddichtheit gelegt
werden.
Im Heizungsbereich können hinsichtlich der Auslegung der Zentrale und der Heizkreise Kosten gegenüber Standardsanierungen eingespart werden. Die
gängigsten sinnvollen Versorgungsvarianten stellen
Gas-Brennwertheizungen dar. Kraft-Wärme-Kopplung,
gleich ob als Fern-, Nahwärme- oder BHKW-Variante
reduziert CO2-Emissionen durch die dezentrale Bereitstellung von Strom in Verbindung mit der Nutzung
der Abwärme und senkt die primärenergiebezogene
Anlagenaufwandszahl um 20 bis 40 %. Nutzung von
Biomasse zu Heizzwecken führt zu einer weiteren
Verbesserung der Primärenergiebilanz. Bei kleinen
Einheiten kann auf Holzpellets zurückgegriffen werden, bei großen Anlagen können Hackschnitzel zum
Einsatz kommen.
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
27
250
Bestand
Die Verbindung mit Solarthermie ist vor allem bei den
Kessel-Varianten mit allen Brennstoffen sinnvoll. Eine
wirtschaftlich sinnvolle Variante stellt die solare
Warmwasserbereitung dar. Durch Vergrößerung der
Absorberflächen sinkt zwar die Wirtschaftlichkeit, der
solare Deckungsgrad kann allerdings nochmals deutlich erhöht werden.
Im Heizungsbereich werden in den nächsten Jahren
zahlreiche Innovationen zu verzeichnen sein, die der
Entwicklung des geringen spezifischen Heizwärmebedarfs durch die Maßnahmen an der Gebäudehülle
Rechnung tragen.
Lüftungswärmeverluste
kWh/(m²a)
225
Interne Gewinne
Solarstrahlung
200
Wärmebrücken
175
Fenster
150
Kellerdecke
Dach
Heizwärmebedarf
204 kWh/(m²a)
125
100
Sanierung
75
Außenwand
50
27 kWh/(m²a)
25
0
Verluste
Gewinne
Verluste
Gewinne
Energiebilanz am Sanierungsbeispiel Jean-Paul-Platz in
Nürnberg: Heizwärmereduktion mit Faktor 8,7 und CO2Reduktion > Faktor 10
Bauphysik, Behaglichkeit und Komfort
Zahlreiche Parameter sprechen aus Behaglichkeitsund Komfortgründen für eine hochwertige energetische Sanierung. Eine Auswahl der Aspekte wird im
Folgenden dargestellt.
Oberflächentemperaturen
Je besser ein Gebäude gedämmt ist, desto höher
liegen die inneren Oberflächentemperaturen der Außenbauteile zu Wand, Dach und Keller.
Bei gut gedämmten Gebäuden sind alle Oberflächen
ungefähr gleich warm und haben keine größere
Temperaturdifferenz als 3 bis 4 Kelvin, was nochmals
als Kriterium für ein hohes Behaglichkeitsempfinden
auch bei niedrigerer Raumlufttemperatur gilt.
Wärmebrücken und Mikroorganismen
Selbst bei guter Dämmung in der Fläche entstehen
an Wärmebrücken Temperaturen, die zu Schäden
führen können. Bei unsanierten Gebäuden tritt in den
meisten Fällen Tauwasser und Schimmelpilzbildung
auf, bei Standarddämmungen (6-8 cm) ist an vielen
Detailpunkten noch mit der Bildung von Schimmelpilzen zu rechnen. Erst bei guter Dämmung im U-Wert
Bereich um bzw. unter 0,2 W/(m²K) treten keine
Mängel mehr auf.
Luftgeschwindigkeit und Luftschichtung
Temperaturunterschiede stellen neben Undichtheiten
eine wesentliche Ursache für Raumluftbewegungen
dar. Wenn ein Gebäude luft- und winddicht gebaut
ist, zudem ausgewogene Temperaturen in allen Bereichen eines Raumes aufweist und schließlich für
die Beheizung nur sehr geringe Vorlauftemperaturen
erfordert, so führt dies zu sehr geringen Luftgeschwindigkeiten und mithin hoher Behaglichkeit.
Zwangslüftung –Komfortlüftung
Lüftungsanlagen werden von Nutzern zunächst mit
Vorbehalt bedacht, weil Klimaanlagen mit zwangsverschlossenen Fenstern assoziiert werden. Richtig
geplante Lüftungsanlagen haben eine extrem hohe
Nutzerakzeptanz. Sie werden in der überwiegenden
Zahl der Fälle als deutliche Erhöhung des Komforts
angesehen. Der lästige Zwang zum Fensterlüften
entfällt. Die beständig frische Raumluft bei geschlossenen Fenstern wird sehr geschätzt. In innerstädtischen Bereichen und an verkehrsträchtigen Straßen
wirken Lüftungsanlagen zudem als Schallschutzmaße. Natürlich können die Fenster geöffnet werden: im
Sommer und außerhalb der Heizzeit soll bzw. kann
ergänzend Fensterlüftung betrieben werden.
Durchgeführte Projekte : Kosten und Wirtschaftlichkeit
Im Rahmen des dena-Projektes „Niedrigenergiehaus
im Bestand“ werden derzeit über 800 Wohneinheiten
in 36 Gebäuden hoher Energieeffizienz saniert. Förderung wird seitens der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gewährt.
Zum Beispiel sanierte die Nürnberger WBG ein Mehrfamilienhaus (Bj. 1930) zu einem 3-Liter-Haus unter
dem Aspekt hoher Wirtschaftlichkeit: die kostenoptimierte energetische Sanierung wurde für 503 €/m²
Wohnfläche durchgeführt. Berechnet man die Kosten
pro eingesparte Kilowattstunde, so ergeben sich
äußerst günstige Werte.
Nach ähnlichem Schema kann das große Gebäudepotenzial von Mehrfamilienhäusern der 60er-Jahre,
die in den nächsten Jahren zur Sanierung anstehen,
auf effiziente Weise saniert werden. Sind darüber
hinaus grundlegende Maßnahmen erforderlich, wie z.
B. Grundrissänderungen mit Totalentkernung bei
50er-Jahre-Gebäuden, so werden deutlich höhere
Kosten bis hin zu vergleichbaren Neubaukosten erreicht in Höhe von 900 bis 1200 €/m².
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
28
Drei-Liter-Haus (WBG Nürnberg) am Jean-Paul-Platz 4 in Nürnberg vor und nach der Sanierung
Umsetzung
Derzeit werden jährlich ca. 2 % der Gebäude saniert,
davon nur ein geringer Anteil energetisch optimal.
Ziel ist eine jährliche Sanierungsrate von 3 bis 3,5 %
bei nachhaltigen energetischen Standards bis hin
zum Faktor 10. Dazu müssen Impulse gegeben werden.
Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen zu
schaffen, die einer sinnvollen Entwicklung Unterstützung bieten. Vorrangig geht es darum, einen gesellschaftlichen Grundkonsens über die Notwendigkeit
hoher Energieeffizienz zu schaffen.
Die Industrie muss in Vorleistung treten, damit sie die
Anforderungen an die Energieeffizienz-Techniken mit
den Sanierungs-Spezifika erfüllen kann.
Ein Erfolg kann nur erreicht werden, wenn staatliche
und privatwirtschaftliche Aktivitäten in einem sinnvollen Miteinander entwickelt werden.
Schließlich muss finanzielle Förderung integraler
Bestandteil dieses Gesamtkonzeptes sein.
Fazit
Das Aufgabengebiet der Gebäudesanierung stellt
eine hervorragende Chance für die Arbeitsmarkt-,
Umwelt- und Stadtentwicklungspolitik der nächsten
zwei Jahrzehnte dar. Das Ziel der hohen Verbreitung
hocheffizienter Sanierungstechniken lässt unter ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen
Aspekten Gewinne entstehen:
• der Wohnungswirtschaft wird Hilfestellung zum
Abbau ihres Sanierungsstaus geleistet
• der Industrie wird ein breites Anwendungsspektrum
für innovative Produkte eröffnet
• die (regionale) Bauwirtschaft kann die Einbrüche
der letzten Jahre ausgleichen
• Fördermitteln steht ein Investitionsvolumen mit
dem Faktor 10 gegenüber
•
•
•
•
•
Arbeitslosen- und fiskalische Effekte lassen Fördermittel zu 100 % zurückfließen
die avisierten 50er- und 60er-Jahre Quartiere werden städtebaulich aufgewertet
hoher Komfort und Behaglichkeit statt Kondenswasser- und Schimmelprobleme
CO2-Reduktion mit sehr günstigem Kosten-NutzenVerhältnis
deutliche Reduktion des Ressourcenverbrauchs
fossiler Energieträger als Grundlage für nachhaltige Volkswirtschaft sowie globalen Interessenausgleich, der eine Voraussetzung für ein weltweites
friedliches Miteinander darstellt.
Kontakt
Dr. Burkhard Schulze Darup
Architetekturbüro Shulze Darup
Telefon
E-Mail
+49 (0) 911 83 25 262
[email protected]
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
29
Solararchitektur: Hightech, Ästethik und Ökologie
Rolf Disch, Architekt, Freiburg
Rolf Disch, 1944 in Freiburg im Breisgau geboren,
absolvierte zuerst eine Lehre zum Möbelschreiner und
anschließend zum Maurer. Es folgte ein Studium der
Bautechnik an der Bautechnikerschule in Freiburg
und Hochbau an der Fachhochschule in Konstanz.
Seit 1969 leitet er das „Architekturbüro Rolf Disch“
für Solararchitektur in Freiburg mit derzeit ca. 10
Mitarbeitern.
Solartechnologie,
Kosten-NutzenRechnung und Architektur verschmelzen bei Rolf
Disch zu einer überzeugenden Alternative zum konventionellen Bauen und Wohnen.
Seit mehr als 30 Jahren baut der Freiburger „Solararchitekt“ Rolf Disch Gebäude, die nicht nur aus ökologischen Materialien bestehen, sondern auch
regenerative Energien zur Anwendung bringen - ja
sogar produzieren.
Energieverbrauch insgesamt und zum Anderen eine
hohe Aufenthaltsqualität.
So beschäftigt sich sein Büro seit Jahren mit der Entwicklung von Plusenergiehäusern®: kleinen Kraftwerken, die die Sonnenenergie aktiv wie passiv optimal
nutzen, um eine konkrete Alternative zu fossilen und
atomaren Energieträgern zu bieten, denn solares und
zudem energieeffizientes Bauen hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt – vom rein technischen
Erfordernis zur architektonisch hochwertig gestalteten
Wohn- und Arbeitswelt mit Funktion und Schönheit.
Das Haus der Zukunft – als Eigenheim, als Mehrfamilienhaus und sogar als Büro- und Gewerbecenter – ist
keine Utopie mehr, sondern bereits auf gutem Weg
zur Standard-Bauweise der Zukunft zu werden. Solararchitektur bietet Bewohnern und Nutzern ein ganzheitliches Konzept – zum Einen zur Nutzung
regenerativer Energien bei gleichzeitig stark
reduziertem Energieverbrauch insgesamt und zum
Das erste, von Architekt Rolf Disch entworfene Gebäude dieser Art war das Heliotrop®. Es war Mitte der
90er Jahre ein entscheidender und nach wie vor repräsentativer Schritt zum energieoptimierten Eigenheim.
Heute, gut zehn Jahre später, ist mit der Solarsiedlung
in Freiburg ein Ensemble von 59 Reihenhäusern – so
genannten Plusenergiehäusern®, die mehr Energie
erzeugen als sie verbrauchen – entstanden. Die Gestaltung wirkt vor allem durch die bunte Farbe, große
Südverglasungen und großflächige Solardächer. Teil
der Siedlung ist zudem das so genannte „Sonnenschiff“, ein Büro- und Gewerbebau mit Penthäusern
zur privaten Nutzung, der das Viertel zur Hauptverkehrsstraße hin abschirmt, aber vor allem – wie das
Heliotrop in den 90er Jahren – der Konventionalisierung energieeffizienten Bauens, nun im gewerblichen
Bereich, den Weg bereitet.
Das Heliotrop: ein drehbares Solarhaus
Dem drehbaren Solarhaus Heliotrop® liegt die Idee
zugrunde, ein Gebäude zu konstruieren, das höchsten
Ansprüchen an Architektur und Umweltschutz genügt
und seinen Bewohnern exklusiven Wohnkomfort bietet.
Das Heliotrop® ist ein architektonisch außergewöhnliches Wohn- und Geschäftshaus und fußt auf einem
Konzept, das in jeder Hinsicht so ressourcenschonend
wie möglich vorgeht. Das Multifunktionshaus wurde
1994 in Freiburg im Breisgau erstmals fertig gestellt
und bezogen. Es präsentiert sich als drehbares
Baumhaus, das dem Stand der Sonne nachgeführt
werden kann. Es dient als Wohn-, Atelier- und Experimentalhaus. Der Gebäudetyp „Heliotrop“ ist aber
flexibel nutzbar, so auch als Büro und Praxis, als Firmensitz, als Café oder Hotel. In der Primärenergiebilanz ist es ein Plus-Energie-haus, das fünf- bis sechsfach mehr Energie erzeugt als in ihm verbraucht wird.
Vakuumröhren-Kollekto-ren dienen zur Warmwasserbereitung und Heiz-unterstützung.
Das Heliotrop
Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
30
Die Solarsiedlung am Schlierberg
Die gesamte Struktur der Bebauung orientiert sich
am Lauf der Sonne, denn alle Reihenhäuser sind
nach Süden ausgerichtet und die Abstände zwischen
den Hauszeilen so gewählt, dass auch an Wintertagen der Sonneneinfall gewährleistet ist. Sowohl die
Auswahl der Baumaterialien als auch Wasser- und
Energiesysteme berücksichtigen die natürlichen Ressourcen und deren Schonung.
Die Hausreihen sind auf der Südseite vollflächig mit
PV-Anlagen bestückt, so dass die Siedlung dem
Namen „Solarsiedlung“ alle Ehre macht.
Das Sonnenschiff
Die Solarsiedlung am Schlierberg
Energiesparen und Nutzen der Sonnenenergie, energieeffizientes Bauen in einer ansprechenden Ästhetik, Verwendung natürlicher Baumaterialien,
Schaffung eines gesunden Lebens- und Arbeitsklimas, das waren die selbstgesteckten Ziele Rolf
Dischs beim Bau der Freiburger Solarsiedlung am
Schlierberg. Für den Bau der Solarsiedlung wurde
das Konzept des Heliotrops auf Reihenhäuser übertragen. Es ging darum, Plusenergiehäuser® mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit, aber erheblich geringerem Kostenaufwand zu bauen.
Die hier entstandenen Häuser sind als Holzhäuser
gefertigt und von dem Berliner Farbkünstler Erich
Wiesner genannt „Der Färber“ mit den unterschiedlichsten Farben versehen worden. Als Plusenergiehäuser® besitzen sie auf Grund ihrer hohen Energieeffizienz und der großen Photovoltaikanlage eine
deutlich positive Energiebilanz, wobei die gewonnene
Energie den Verbrauch im Hausinneren bis um des
4-fache übersteigen kann. Der Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist.
Umgesetzt hat Rolf Disch Anspruch mit zwei- und
dreigeschossigen Plusenergiehäusern® als Reihenhaussiedlung am Fuße des Freiburger Schlierbergs.
Das Sonnenschiff ist das erste solare Dienstleistungszentrum in Plusenergiebauweise. Es setzt neue
Standards für den Gewerbebau und wurde 2005
fertig gestellt. Das Gebäude schließt auf einer Länge
von 125 m die Solarsiedlung nach Westen hin ab und
ist bis zu 6 Stockwerke hoch. Die gesamte Nutzungsfläche beträgt 6000 m². Zahlreiche Einkaufsläden,
Büros, Praxen und ein Bistro haben sich im Sonnenschiff niedergelassen.
Auf dem Dach des Gebäudes wurden PlusenergiePenthäuser als „Aufbauten“ gesetzt, deren Bewohner
hier oben den einmaligen Blick über Schwarzwald
und Vogesen genießen können.
Als eines der größten zusammenhängenden SolarWohnprojekte Europas setzt die Siedlung neue Maßstäbe für ein solares Bauen, Wohnen und Arbeiten.
Rolf Disch sieht sich in einer Vorbildfunktion für den
modernen Hausbau - beim solaren Bauen: Häuser,
die mehr Energie produzieren als Ihre Bewohner
verbrauchen können. Hohe Lebensqualität durch
gesunde Baustoffe. Sonnenenergie als Motor der
Gesellschaft. Das ist seine Vision.
Dass diese Vision keine Utopie bleiben muss, haben
er und sein Team bewiesen. Seine unterschiedlichsten Bauprojekte bezeugen dies anschaulich.
Das Sonnenschiff
Kontakt
Rolf Disch
Architekturbüro Rolf Disch
Telefon
E-Mail
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Science Allemagne Energieeffizienz von Gebäuden 04/2007
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