Stahlbauten in und um Stuttgart

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Dokumentation 610
Stahlbauten
in und um Stuttgart
Impressum
Dokumentation 610
Stahlbauten in und um Stuttgart
1. Auflage, Oktober 2000
Herausgeber:
BAUEN MIT STAHL e. V.
Sohnstraße 65
40237 Düsseldorf
Telefon (02 11) 67 07-8 28
Telefax (02 11) 67 07-8 29
E-Mail: [email protected]
Internet: www.bauen-mit-stahl.de
Konzeption und Redaktion:
Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn
Verlag:
VERLAGSGRUPPE WIEDERSPAHN
Biebricher Allee 11 b
65187 Wiesbaden
Telefon (06 11) 84 65 15
Telefax (06 11) 80 12 52
Titel:
Obstverkaufshalle in Albstadt-Ebingen (62)
Fußgängerbrücke in Ravensburg (72)
Print-Media-Academy in Heidelberg (66)
Amazonienhaus in Stuttgart (10)
Dienstleistungszentrum in Stuttgart (8)
Diese Publikation und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind
urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte,
insbesondere das der Übersetzung in
fremde Sprachen, bleiben vorbehalten.
Kein Teil dieser Publikation darf ohne
schriftliche Genehmigung der Autoren
und des Herausgebers in irgendeiner Form
reproduziert oder in eine von Maschinen
lesbare Sprache übertragen werden. Mit
Ausnahme der gesetzlich zugelassenen
Fälle ist eine Verwertung nur mit Einwilligung der Autoren und des Herausgebers statthaft.
BAUEN MIT STAHL
Inhalt
Editorial
3
Zeppelin-Carré in Stuttgart
4
Industrie- und Handelskammer Stuttgart
6
Dienstleistungszentrum in Stuttgart
8
Amazonienhaus in Stuttgart
10
Kunst-Turn-Forum Stuttgart
12
»Power Tower« in Stuttgart
14
Stadtbahnhaltestelle in Stuttgart
16
Mercedes Forum in Stuttgart
18
Büro- und Geschäftshaus in Stuttgart-Weilimdorf
20
Brücke über das Nesenbachtal in Stuttgart-Vaihingen
22
Parkhaus am Flughafen Stuttgart
24
»Prins« am Flughafen Stuttgart
26
Stabbogenbrücke in Ostfildern
28
Fachhochschule für Technik in Esslingen
30
Produktionsgebäude in Esslingen-Mettingen
32
Bürogebäude in Fellbach
34
Laserfabrik und Logistikzentrum in Ditzingen
36
Parkregal in Sindelfingen
38
Gewerbebau in Sindelfingen
40
Zentrum für Fahrzeugentwicklung in Sindelfingen
42
Neckarbrücke Kirchheim
44
Schleuse Heilbronn
45
Degussa-Gelände in Pforzheim
46
Volksbank Pforzheim
48
Seniorenzentrum in Lichtenstein-Honau
50
Reihenhaussiedlung Gaildorf-Wörlebach
52
Neckarbrücke Bad Wimpfen
54
Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe
55
Filmpalast in Karlsruhe
58
Zentralinstitut für Bildgebende Diagnostik in Karlsruhe
60
Obstverkaufshalle in Albstadt-Ebingen
62
Wohnhaus in Dörzbach
63
Innovationswerkstatt in Heidelberg
64
Print-Media-Academy in Heidelberg
66
Rheinbrücke Ludwigshafen–Mannheim
69
Zentraler Omnibusbahnhof Offenburg
70
Fußgängerbrücke in Ravensburg
72
Haselbrunnsteg in Radolfzell
73
Pflanzenschauhaus auf der Insel Mainau
75
Seebrücke Lindau
76
Neue Messe Freiburg
78
Solar-Fabrik in Freiburg
80
Solargarage in Freiburg
81
Fußgängerbrücke in Weil am Rhein
83
1
BAUEN MIT STAHL
Editorial
Der Deutsche Stahlbautag 2000 findet in
Stuttgart statt. Traditionell erscheint aus
diesem Grund eine Dokumentation über
Stahlbauten der Region. Und vielleicht
stellt sich wiederum die Frage, wie die
Region das Aussehen der Bauwerke prägt.
Spiegelt sich die hügelige Voralpenlandschaft wie bei Landhäusern in den
Stahlbauten wider? Wohl eher ist es die
Industrieregion mit ihren High-TechUnternehmen, die beeinflussend wirkt.
Denkfabriken für die Computerindustrie
bevorzugen andere Gebäude als Schwerindustrien. Automobilfabriken pflegen mit
ihren Bauwerken die Selbstdarstellung. Im
Brückenbau sind es oft nicht die großen
Spannweiten, die imponieren, sondern die
gelungenen Entwürfe kleinerer und
mittelgroßer Bauten.
Dabei tritt der Werkstoff Stahl nicht
dominant ins Bild, sondern zeigt seine
Fähigkeit durch große Transparenz in Verbindung mit Glas, um so die Umgebung
einzubinden. Architekten und Ingenieure
beweisen den gekonnten Umgang mit
dem Werkstoff Stahl.
Beim Durchblättern dieser Broschüre
werden Sie mit uns einig sein, dass auch
Stahlbauten zum Aussehen der Region
einen kleinen Teil beigetragen haben.
Horst Hauser,
Geschäftsführer
BAUEN MIT STAHL e.V.
So ist wohl weniger die Landschaft und
mehr eine prosperierende Wirtschaft mit
einem gesunden Selbstwertgefühl der
Menschen maßgebend für die Formensprache der Stahlbauten.
Aber es bleibt dem Betrachter überlassen,
sich sein eigenes Urteil zu bilden. Die
Auswahl der Bauten ist subjektiv und
sicherlich sind viele auch betrachtungswürdige Objekte nicht erfasst. Doch die
Beispiele zeigen auf, dass in der Region
Stuttgart eine Vielzahl von sehenswerten
Bauwerken in Stahl in den letzten Jahren
errichtet wurde, die Informatives und
vielleicht auch Nachahmenswertes in sich
bergen.
3
Stahlbauten in und um Stuttgart
Zeppelin-Carré in Stuttgart
Bauherr:
Deutsche Gesellschaft für
Immobilienfonds GmbH,
Frankfurt/M.
Architekten:
Auer + Weber + Partner
Freie Architekten Dipl.-Ing. BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Pfefferkorn + Partner
Beratende Ingenieure VBI,
Stuttgart
Prüfstatik:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Prüfamt für Baustatik
Stahlbau:
Glasbau Seele GmbH & Co. KG,
Gersthofen
Fertigstellung:
August 1998
Standort:
Lautenschlagerstraße 2,
Stuttgart
Fotos:
Manfred Storck, Stuttgart
Valentin Wormbs, Stuttgart
Das heutige Zeppelin-Carré in Stuttgart
war in den letzten Jahrzehnten ein unbeachtetes und unzugängliches Quartier an
zentraler Stelle der Stadt, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Einer radikalen
Abrisssanierung entkommen, wurde dieser
Block mit seinen architektonischen Versatzstücken aus den 20er- bis 70er-Jahren
erhalten und ergänzt – das Nebeneinander von Gegebenem und Werdendem,
von Alt und Neu als selbstverständlich
verstanden und zur Konzeption gemacht.
Dem wirtschaftlichen Interesse des Bauherrn, eines Frankfurter Unternehmens, an
dem zentral gelegenen und optimal
erschlossenen Ort in den Obergeschossen
Büromietflächen unterschiedlichen
Zuschnitts und in der Erdgeschosszone
Läden und Gastronomie anzubieten, entsprach die weitgehende Öffnung der bisher abgeschlossenen Innenhöfe. Neben
den bereits vorhandenen Durchgängen
und Durchfahrten sind neue Verbindun4
gen entstanden, welche die im Stadtraum
bereits angelegten bzw. potenziellen
Wegebeziehungen aufnehmen.
Durch die weitgehende Entkernung der
Erdgeschosszone ist nun ein von Straße zu
Straße reichendes räumliches Kontinuum
entstanden. Die Innenhöfe differenzieren
und gliedern im Wechsel mit der Überbauung das Blockinnere. Sie sind gemäß
ihrer Lage, ihrem Zuschnitt und den ihnen
zugedachten Nutzungen unterschiedlich
gestaltet: Der größte, L-förmige Hof hat
den Charakter einer internen Straße. Die
mit einem neuen Glasdach überdeckte
Atriumshalle ist zum fast ganzjährig nutzbaren Entree des Quartiers geworden. Der
direkt angrenzende offene Hof lädt mit
einem großen Wasserbassin und einer
darüber schwebenden bewirteten Terrasse
zum Flanieren ein.
Der vierte und kleinste, im Inneren des
Komplexes liegende Außenraum hat mit
BAUEN MIT STAHL
seinen Platanen und sanft rauschenden
Wasserkaskaden eine fast kontemplative
Atmosphäre.
liegen seitlich über den Dächern und lassen somit den Blick zum Himmel frei.
Einige Gebäude, die eine durchgängige,
blaue Putzfassade erhielten, wurden stark
verändert. Dagegen wurde bei den prägnanten Bauten wie dem Bürogebäude des
Stuttgarter Architekten Manz und dem
Bonatz’schen »Zeppelinbau« (beide aus
dem Jahr 1929) die ursprüngliche äußere
Gestalt wieder zur Geltung gebracht,
jedoch ergänzt mit den technischen
Mitteln unserer Zeit. »Herzstück« des
Bürokomplexes ist der heute geöffnete
Hof der ehemaligen Kassenhalle des
»Zeppelinbaus«, der nun von einem abgehobenen, frei durchlüfteten Glassegel als
Wetterschutz überdacht wird. Dieses
»Atrium« kann als Veranstaltungsort für
Konzerte und Präsentationen bespielt
oder zur Außenbewirtung des Bistros
benutzt werden. Die hängende Form des
Seiltragwerkes unterstützt dabei das
Durchlüften des Hofes.
Für die Ausführung der Glasfläche wurde
Verbundsicherheitsglas aus 2 x 10 mm
TVG gewählt. Die Scheiben in der Größe
von ca. 2 x 2 m sind stumpf gestoßen und
mit schwarzem Fassadensilikon versiegelt.
Je vier Punkthalter verbinden die Glasscheibe in einem ausgeklügelten System
von festen und drehbaren Richtungen so
mit dem Seil, dass die Scheiben selbst
ohne zusätzliche Diagonalen in der Lage
sind, die horizontalen Windlasten in die
Träger abzuleiten. Das Glas ist zu Reinigungszwecken betretbar. Zwischen den
beiden seitlichen flügelförmig ausgebildeten Fachwerkträgern spannen die mit
jeweils 18 t vorgespannten Tragseile. Diese
werden durch ein unter der Kehllinie verlaufendes Spannseil mit 64 t vorgespannt.
Dünne Ziehseile übertragen diese Vorspannung auf die Tragseile. Die teilweise
mit Blechen beplankten Fachwerkträger
stützen sich über rohrförmige Doppelstützen gegenseitig auf einer Welle ab,
die auf der Höhe der Attika aufliegt. Auf
der Seite der Dachterrasse wird die Welle
durch einen Dreibock getragen, die sich
gleichzeitig auf dem Spannpunkt des
Kehlspannseils abstützt. Die gesamte Konstruktion ist spritzverzinkt und lackiert.
Durch die Konzeption des Seiltragwerkes
konnte die Glasfläche sehr transparent
gestaltet werden. Die massiven Tragglieder
Das Zeppelin-Carré ist damit wieder der
Öffentlichkeit zurückgegeben worden.
Stadterneuerung wurde hier nicht durch
Behutsam wo möglich und energisch wo
nötig war nicht nur die städtebauliche
Umgestaltung, sondern auch der Umgang
mit der bestehenden Bausubstanz, ein
konsequentes Abwägen zwischen Erhalt
und Veränderung.
Glassegel
Abriss und Neubau praktiziert, sondern
durch Bewahrung der Substanz und
deren Weiterentwicklung zu einem
Ensemble unerwarteter stadträumlicher
wie architektonischer Attraktivität.
Götz Guggenberger,
Auer + Weber + Partner
5
Stahlbauten in und um Stuttgart
Industrie- und Handelskammer Stuttgart
Bauherr:
Industrie- und Handelskammer Stuttgart
Architekten:
Kauffmann Theilig & Partner
Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Pfefferkorn & Partner
Beratende Ingenieure VBI,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dietrich/Netzel,
Stuttgart
Stahlbau:
Metallbau Möckmühl GmbH,
Möckmühl
Metallbau Beyer,
Affalterbach
Fertigstellung:
Oktober 1996
Am Fuße eines Weinbergs, in Stuttgarts
Innenstadt, wurde zwischen den zwei
scheibenförmigen, senkrecht zum Hang
stehenden Bürohäusern der IHK ein
gemeinsames Eingangsgebäude errichtet.
Einer der Bürobauten, 1954 von Rolf
Gutbrod erbaut, war schon immer Sitz der
IHK Stuttgart, während das andere, 1957
von Hans Volkart gebaut, erst in jüngster
Zeit erworben wurde.
Der neue, beiden Häusern gemeinsame
Eingang soll für die Kammer ein angemessenes Entree sein, als Arbeitsplatz,
Empfang und Information eine behagliche
Atmosphäre bieten, die klimatisierte
Verbindung der drei Ebenen gewährleisten
und vor allem auf die landschaftlich
sensible Situation des Weinbergs reagieren. Daher wurde der Eingang aus Glas so
transparent wie möglich gestaltet: Die
Dominanz der bestehenden Gebäude
bleibt erhalten, es wirkt, als »fließe« die
Landschaft gleichsam durch das Glasgebäude hindurch.
Standort:
Jägerstraße 30,
Stuttgart
Fotos:
Roland Halbe, Stuttgart
Ansicht
6
Für das Dach wurde ein Tragwerk entwickelt, welches kaum spürbar den
Zwischenraum überbrückt: Ein Rost mit
einer Maschenweite von 2 x 2 m trägt
eine klimatisch wirksame Dachverglasung
auf der Außenseite und eine in Lamellen
aufgelöste zweite Glasebene auf der
Unterseite. Unterschiedliche, geometrisch
irregulär angeordnete Stützenelemente
aus Stahl tragen die vertikalen Lasten des
Daches ab: ein schräg stehendes Bündel
aus Stahlpendelstützen, eine dicke
Skulpturenstütze sowie die Stahl-Fassadenpfosten, die nicht größer dimensioniert sind als übliche Profile einer
Pfosten-Riegel-Fassade. Zusätzlich werden
die seitlichen Gebäude als Aussteifungsund Ablastpunkte genutzt. Die Stützen
leiten durch die Schrägstellung kaum
spürbar die Lasten ab, die scheinbar zufällige Lage der einzelnen Tragelemente
optimiert die Spannungen und Verformungen im Paralam-Holzrost.
BAUEN MIT STAHL
Dachaufsicht
Die Träger des Rostes sind einheitlich
6 cm breit und 24–46 cm hoch. Sie sind
mit Stahlblechkreuzen und Stabdübeln
biegesteif verbunden. In einer Richtung
ist jede Rostschar am Bestand befestigt,
die andere über zwei gegensinnig
gekrümmte Spannseile ausgesteift. Die
gesamte Windlast der bis zu 8 m hohen
Fassaden wird über die vorgespannten
Seile auf die bestehenden Gebäude übertragen.
Die zweischalige Dachkonstruktion
besteht aus einer äußeren Glasschale, die
die thermische Hülle bildet, und einer
inneren Schale aus 40 cm breiten beweglichen Glaslamellen. Die äußeren Scheiben
sind zu 20 %, die inneren Lamellen zu
76 % bedruckt. Sie leisten somit Sonnenschutzfunktionen und erreichen zugleich
eine gute Durchsicht von innen nach
außen. Die innere Glaslamellenschicht
zoniert gleichzeitig den Raum und übernimmt die architektonische Funktion einer
abgehängten Decke. Nach außen verlängert, markiert sie den Eingang.
Prof. Andreas Theilig,
Kauffmann Theilig & Partner
7
Stahlbauten in und um Stuttgart
Dienstleistungszentrum in Stuttgart
Bauherr:
Landesgirokasse, Grundstücksanlagengesellschaft mbH + Co. KG,
Stuttgart
Architekten:
Behnisch, Behnisch & Partner,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart
Prüfstatik:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Prüfamt für Baustatik
Stahlbau:
Bug AluTechnic,
Kennelbach
Grill & Grossmann,
Attnang-Puchheim
Waldbauer GmbH & Co. Stahlbau KG,
Böblingen
Fertigstellung:
Oktober 1997
Standort:
Fritz-Elsas-Straße 31,
Stuttgart
Fotos:
Christian Kandzia
Das Gebäude steht auf dem Bollwerk, Teil
einer ehemaligen Befestigungsanlage der
Stadt. Die Bauherrschaft schneidet sich
für ihr Gelände ein großes Stück aus der
Stadtstruktur heraus: das letzte größere
Baugrundstück, das noch frei war von
Bebauung. Der Öffentlichkeit sollten an
so einem bedeutsamen Ort andere Werte
zurückgegeben werden, sozusagen als
Geschenk an die Stuttgarter Bürger. Und
so entstand der Gedanke eines attraktiven
Innenhofes, der nicht nur für alle einsehbar ist, sondern auch betreten werden
kann.
Ein See nimmt die Hauptfläche des Hofes
ein, seine Wasserfläche ist in das Innere
der luftigen Halle weitergeführt. Sonnenlicht wird über die Wasserfläche in die
Büroebenen und die Untersichten der
Gebäude reflektiert.
Der Innenhof ist teilweise durch eine
schräg liegende Glasfläche geschützt.
Darunter befindet sich der bis zu viergeschossige Hallenraum, der für öffentliche
Veranstaltungen oder Ausstellungen
genutzt werden kann. Zum See hin orientieren sich im Hofgeschoss Schulungsräume, Cafeteria, Pausenbereich und
Küche.
8
BAUEN MIT STAHL
Erdgeschoss
Schnitt
An den drei Straßenseiten nehmen die bis
zu fünfgeschossigen Büroflügel die
Richtungen und Traufhöhen der benachbarten Gebäudestrukturen auf, was die
Straßenräume stabilisiert.
Publikumsverkehr. Es ist im Wesentlichen
ein Verwaltungsbau mit Büros für ca.
1.000 Mitarbeiter.
Günther Schaller,
Behnisch, Behnisch & Partner
Die Erdgeschosszone beherbergt neben
der Eingangshalle der Landesgirokasse
und dem Handelszentrum auch öffentliche und halböffentliche Nutzungen: drei
Kinosäle und ein Restaurant im Südosten,
Läden im Nordwesten.
Darüber werden alle Ebenen als Büroflächen genutzt. Das Dienstleistungszentrum Bollwerk hat nur geringen
9
Stahlbauten in und um Stuttgart
Amazonienhaus in Stuttgart
Bauherr:
Land Baden-Württemberg, vertreten
durch die Oberfinanzdirektion Stuttgart
Architekten:
Auer + Weber + Partner
Freie Architekten Dipl.-Ing. BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Prof. Dipl.-Ing. Gustl Lachenmann,
Vaihingen/Enz
Prüfstatik:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Prüfamt für Baustatik
Stahlbau:
Roschmann Konstruktionen
aus Stahl und Glas GmbH,
Gersthofen
Fertigstellung:
Dezember 1999
Standort:
Neckartalstraße,
Stuttgart
Fotos:
Roland Halbe, Stuttgart
Grundriss
Der zoologisch-botanische Garten »Wilhelma« in Stuttgart will dem Besucher ein
Haus bieten, in dem die Pflanzen- und
Tierwelt des subtropischen Regenwaldes
des Amazonien-Gebietes möglichst wirklichkeitsnah erlebt und nachvollzogen
werden kann; auf einem »Erlebnisweg«
wird er durch dieses Tropenhaus an
Wasserfällen, an Teichen, an Tiergehegen
und an einem Aquarium entlanggeführt
und auf die Weise in den subtropischen
Urwald versetzt.
Dem architektonischen Entwurf liegt die
Idee zugrunde, entlang der stark befahrenen Pragstraße ein massives »Rückgrat«
zu schaffen, das die Tierpflegebereiche
aufnimmt und gleichzeitig den notwendigen Schallschutz gewährleistet. Zum
botanischen Garten hin öffnet sich das
Gebäude mit einer transparenten, bogenförmigen Glashülle, die Einblicke von
innen nach außen, aber auch von außen
nach innen ermöglicht, sodass ein
fließender Übergang zwischen Glashaus
und Park entsteht. Im Untergeschoss ist
die gesamte Technik untergebracht, die
die Einhaltung der subtropischen Raumkonditionen gewährleistet: eine Raumluftfeuchtigkeit von nahezu 100 % und
eine Temperaturspanne zwischen ca. 23°–
27° C zu jeder Tages- und Nachtzeit über
das ganze Jahr hinweg.
Diese besonderen raumklimatischen
Anforderungen hatten zur Konsequenz,
dass das Haupttragwerk, also Haupt- und
Nebenträger, mit geschlossenen Profilen
ausgeführt wurden, die gleichzeitig dazu
dienen, den Heizwasserkreislauf aufzunehmen. Eine außen liegende, mechanisch
geführte Sonnenschutzanlage verhindert
ein zu starkes Aufheizen des Hauses
während der Sommermonate.
10
Lageplan
BAUEN MIT STAHL
Das Gebäude weist eine Gesamtlänge von
65 m, eine Breite von 17,8 m und eine
maximale Höhe am First von 14 m auf. Im
Abstand von 5 m sind bogenförmige
Hauptträger angeordnet, die entlang der
Pragstraße auf schrägen Pendelstützen
aufliegen, auf der Parkseite bis zum
Boden herunterreichen und dort auf der
massiven Bodenplatte aufgelagert sind.
Sämtliche Anschlusspunkte sind gelenkig
realisiert.
Auf den Hauptträgern liegen im Abstand
von 1 m die Nebenträger auf. Die Hauptträger sind aus zwei Flachstählen und
einem Hohlprofil zusammengesetzt; die
gebogene Form wurde durch Kaltverformung auf einer Schiffswerft erzeugt. Die
Nebenträger sind als gezogene Rechteckhohlprofile ausgeführt. Die schrägen
Pendelstützen und die Pfosten der Giebel-
fassaden bestehen ebenfalls aus Flachstahlprofilen. Zur Reduzierung der Biegebeanspruchung der Hauptträger ist in den
Hauptachsen eine spinnenartige Verspannung angeordnet. Die Vorspannkräfte
liegen zwischen 50 kN und 130 kN.
Aus formalen und konstruktiven Gründen
ist die Glasebene an den Schrägstützen
nach außen verschwenkt, sodass es notwendig wurde, die dort angeordneten
Nebenträger auf Stahlpins mit unterschiedlicher Länge aufzusetzen. Die
Längsaussteifung des Stahltragwerks
erfolgt durch in den beiden Endfeldern
vorgesehene Windverbände in der Ebene
der Nebenträger. Die beiden Giebelfassaden sind ebenfalls durch Windverbände
für sich ausgesteift. In der Mitte des
Gebäudes befindet sich eine durchgehende Fuge, die die Längenänderung der
Nebenträger infolge äußerer Temperaturänderung oder Änderung der Heizwassertemperatur erlaubt. Aus diesem Grunde
sind die Fußpunkte der Bodenträger und
der Schrägstützen, mit Ausnahme der
Randfelder, auch so ausgebildet, dass deren
horizontale Verschiebung möglich ist.
Eberhard Räuchle,
Auer + Weber + Partner,
Prof. Gustl Lachenmann
11
Stahlbauten in und um Stuttgart
Kunst-Turn-Forum Stuttgart
Bauherr:
Schwäbischer Turnerbund,
Stuttgart
Architekten:
Herrmann + Bosch
Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Mayr + Ludescher,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dr.-Ing. Bernd-Friedrich Bornscheuer,
Stuttgart
Stahlbau:
Friedrich Bühler GmbH & Co. KG,
Altensteig
Fertigstellung:
September 1999
Standort:
Fritz-Walter-Weg 15,
Stuttgart
Fotos:
Christian Kandzia,
Esslingen
12
Das Kunst-Turn-Forum in Stuttgart ermöglicht über seine Aufgabe als Landesleistungszentrum für Kunstturnen hinaus
multifunktionale Nutzungen. Es ist nicht
nur Trainingsstätte für den Spitzensport,
sondern auch ein »Offenes Haus« für
Veranstaltungen, ein Forum für Aus- und
Weiterbildung sowie eine Begegnungsstätte mit der Kunst.
Die Eleganz und Leichtigkeit des Kunstturnens sollte in der Architektur umgesetzt werden. Hierzu wurde eine leichte
Stahlkonstruktion gewählt, »ergänzt«
durch große verglaste Flächen, farbig
behandelten Sichtbeton sowie weitflächige Holzverkleidungen. Die helle und
heitere Atmosphäre trägt zu einem
»freundlichen Trainingsalltag« der
Leistungssportler bei.
BAUEN MIT STAHL
Ansicht
Schnitt
Das Raumprogramm umfasst eine Kunstturnhalle von ca. 1.400 m2, zwei Bodenturnhallen, einen Ballettsaal im Verbindungsbau zur bestehenden Sporthalle,
Besprechungs- und Seminarräume sowie
die erforderlichen Fitness-, Umkleide- und
Sanitärbereiche.
Die Flächen der Kunstturnhalle (37 m x
37 m) sowie der beiden Bodenturnhallen
(jeweils 16 m x 16 m) wurden mit einer
Stahlfachwerkkonstruktion frei überspannt. Konstruktiv und räumlich bestimmendes Element ist der zentrale Hauptträger der Kunstturnhalle, der mit einer
Länge von 37 m und einer Konstruktionshöhe von 2,60 m als Auflager der Nebenträger dient, die im Abstand von 5,30 m,
einer Spannweite von 18,50 m und einer
Konstruktionshöhe von 1,00 m zu den
Stützen an der Außenwand reichen.
Träger in deren Dimension überspannen
zudem die Bodenturnhallen, wobei hier
zwei mittige Stützenreihen die vertikale
Lastabtragung übernehmen.
Die vertikale und horizontale Aussteifung
wird durch Windverbände erzielt. Die
Dachkonstruktion besteht aus einer
Nebenträgerlage aus Walzprofilen und
einer tragenden Nut- und Federschalung
aus Fichtenholz. Sämtliche Stahlbauteile
im Innenbereich sind grundiert und
lackiert, im Außenbereich feuerverzinkt
und lackiert.
Prof. Dieter Herrmann,
Herrmann + Bosch
Der Hauptträger wurde aus Rundrohren
gefertigt, die Nebenträger aus Kostengründen aus IPE- und T-Walzprofilen.
13
Stahlbauten in und um Stuttgart
»Power Tower« in Stuttgart
Auftraggeber:
Fritz Kienzler Vergnügungsbetriebe,
Stuttgart
Planung und Stahlbau:
Maurer Söhne GmbH & Co. KG,
München
Prüfung:
TÜV Bayern,
München
Fertigstellung:
September 1998
Standort:
Stuttgart und andere Städte
Foto:
Maurer Söhne GmbH & Co. KG
Draufsicht
Der »Power Tower« ist ein Freifallturm von
über 50 m Höhe, der hauptsächlich zum
Vergnügen der Besucher auf Jahrmärkten
und in Freizeitparks konstruiert und
gebaut wurde. Damit können »Waghalsige« ihren Mut unter Beweis stellen
und den »Freien Fall« erleben; weltweit
gibt es etwa 50 dieser Türme in verschiedenen Höhen und Ausführungen.
Der »Power Tower« der Firma Kienzler
wurde so entwickelt, dass er zügig aufund abgebaut werden kann und somit an
verschiedenen Standorten zu »testen« ist.
Der eigentliche Turm ist in Fachwerkbauweise ausgeführt und kann zum
Transport in drei Segmente zerlegt werden. Halt findet die gesamte Konstruktion
in dem massiven Unterbau mit vier
starken Auslegern auf einer Grundfläche
von etwa 20 x 20 m.
Die ringförmige 32-Personengondel wird
durch starke Stahlseile gehalten. Sie läuft
mit mehreren Rollen geführt am Turm auf
und ab. Zwei Elektromotoren mit dementsprechend ausgelegten Getrieben sorgen
für genügend Leistung, um das Gewicht
der Personen und der Gondel zu beschleu14
nigen. Neben mehreren Scheibenbremsen
für den Fahrbetrieb gibt es davon völlig
unabhängige Sicherheitsbremsen.
Eine SPS-Steuerung dient dem Fahrbetrieb, während eine andere unabhängig
die Sicherheitssysteme überwacht. Die
Passagiere können sowohl den rasanten
»Raketenstart« von unten nach oben als
auch den »Freefall«, bei dem die Gondel
plötzlich mit einer berauschenden
Geschwindigkeit bis zu 14 m/s in die Tiefe
saust, erleben. Insgesamt bietet der
»Power Tower« sechs verschiedene Fahrprogramme. Plötzliche Geschwindigkeitsoder Fahrtrichtungswechsel in verschiedenen Varianten lassen den Fahrgast immer
wieder etwas »Neues« entdecken.
Oliver Balg,
Maurer Söhne GmbH & Co. KG
Stahlbauten in und um Stuttgart
Stadtbahnhaltestelle in Stuttgart
Bauherr:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Tiefbauamt
Architekten Haltestelle:
Unold – Diplomingenieure
und Architekten,
Stuttgart
Entwurf und Tragwerksplanung Dach:
Schlaich Bergermann und Partner GbR
Beratende Ingenieure im Bauwesen,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Eutebach,
Stuttgart
Stahlbau:
Seele GmbH & Co. KG,
Gersthofen
Sarnafil International,
Sarnen
Fertigstellung:
Juni 1998
Standort:
Georgiiweg,
Stuttgart
Fotos:
Schlaich Bergermann und Partner
16
Die offene Stadtbahnhaltestelle Waldau
liegt inmitten von Sportanlagen und
Grünflächen beim Stuttgarter Fernsehturm. Für ihre Überdachung mit einer
Grundrissfläche von ca. 360 m2 wurde ein
zeltartiges, leichtes Membrandach entworfen. Die örtliche Situation, die Tieflage
mit einer Aufkantung zur Straße hin,
führte zu einer bogenartigen Tragkonstruktion, die zwischen der oberen
Stützmauer und den tiefer gelegenen
Pfeilern spannt. Von ihr abgehängt ist
eine doppelt gekrümmte Membran aus
teflonbeschichtetem Glasfasergewebe.
Die Bogenkonstruktion selbst setzt sich
aus vier, im Abstand von 7,50 m stehenden Dreigurtbindern, die nach dem
Prinzip des Vierendeelträgers aufgebaut
sind, zusammen. Die Geometrie folgt
einem kreissegmentähnlichen Polygonzug,
der im nicht überdachten Bereich in einen
geraden, schrägen Endstiel überführt wird
und so der Beanspruchung entsprechend
ausgebildet ist. Die Spannweite der vier
gleichen Bögen beträgt ca. 14 m.
Die Membran wird auf die Gratseile, die in
den Bogenachsen verlaufen und über
Klemmteller und Augenbleche an den
Bögen fixiert sind, gelegt. An den freien
Quer- und Längsrändern ist sie über
Randseile gefasst. Knotenbleche, an denen
Randseile und Gratseil mit Gabelfittingen
fixiert sind, werden mit Abspannseilen in
den Betonsockeln verankert. Mit einem in
der Membran eingelegten Kederseil und
Klemmleisten, die auf ein in der Betonbrüstung verankertes Blech geschraubt
sind, entsteht eine kontinuierliche und
kraftschlüssige Verbindung am oberen,
festen Rand entlang des Georgiiwegs. An
den Bogenauflagerpunkten ist die
Membran ausgespart, um die Gratseile
verankern zu können.
BAUEN MIT STAHL
Längsschnitt
Querschnitt
Detail
Bogenkonstruktion
Detail Verankerung
Die Entwässerung der Dachhaut erfolgt
an der einen Längsseite frei in den Bahnsteigbereich, an der anderen befindet sich
eine in die Brüstung integrierte Rinne, die
konventionell an das Entwässerungssystem angeschlossen ist. An den Querseiten wird das anfallende Wasser über
eine auf die Membranhaut geklebte Aufkantung eingesammelt und in den Bahnsteigbereich frei abgeleitet.
Danach konnte die Membran, in die
bereits sämtliche Seile eingezogen und
Verankerungselemente geklemmt waren,
eingehängt werden. Mit Bügelböcken, die
über Gewindestäbe in den Betonsockel
verankert sind, wurden die Abspannseile
gespannt und der planmäßige Vorspannzustand der Membran erreicht.
Andreas Keil,
Schlaich Bergermann und Partner
Entlang des Georgiiwegs wurde zum
Schutz gegen Vandalismus und unbefugtes Besteigen ein auf der Betonbrüstung
stehendes »Schutzschild« aus gelochtem
Edelstahlblech angeordnet.
Zur Betonung der Querrichtung wurden
die Zuschnittsbahnen parallel zu den
Bogenachsen gelegt. Die Kompensationswerte für den Membranzuschnitt ergaben
sich aus biaxialen Zugversuchen mit
Berücksichtigung von Be- und Entlastungszyklen. An allen Rändern wurde
die Membran dekompensiert. Die einzelnen Membranbahnen mit einer Breite von
ca. 2 m wurden im Werk zusammengeschweißt und nach Einnähen der zur
Montage erforderlichen Tangentialgurte
in einem Stück zur Baustelle transportiert.
Die Montage des Dachs begann mit dem
Aufstellen der Bögen, die mit Hilfsabspannungen stabilisiert wurden.
17
Stahlbauten in und um Stuttgart
Mercedes Forum Stuttgart
Bauherr:
Mercedes Benz AG & Co. OHG,
Stuttgart
Architekten:
A. Geywitz, Peter Kopp
Büro für Architektur, Städtebau
und Consulting,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Gesellschaft für Ingenieurplanung,
Stuttgart
Prüfstatik:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Prüfamt für Baustatik
Stahlbau:
Friedrich Bühler GmbH & Co. KG,
Altensteig
Fertigstellung:
Februar 1998
Standort:
Kruppstraße 48,
Stuttgart
Foto:
Bernhard Friese, Pforzheim
In städtebaulich exponierter Lage errichtet, erfüllt das weitgehend transparente
Verkaufs-, Ausstellungs- und Veranstaltungshaus nicht nur seine Funktion, sondern gewährleistet bereits heute die
Einhaltung der künftigen Anforderungen
an eine deutlich minimierte GebäudeEnergiebilanz. Dank einer integrierten
Planung von Stahlbau und Fassadenwerk,
von Tragstruktur und einzelnen Bauteilen
wie Glaselementen und Wandscheiben,
die hier zur Aussteifung dienen, ließ sich
zudem ein großer Vorfertigungsgrad
erzielen. Bei hoher Ausführungsqualität
sorgte dieser nicht zuletzt auch für eine
erhebliche Verkürzung der Bauzeit.
Das Mercedes Forum, die DaimlerChryslerNiederlassung in Stuttgart, umfasst neben
Büro- und Technikräumen vor allem einen
verglasten Hallenbau für die Präsentation
von Fahrzeugen, der aber ebenso für
andere Zwecke wie Konzerte genutzt werden kann. Jenen ca. 50 m langen Bereich
überspannen Stahl-Fachwerkbinder. Als
Schweißverbindungen aus Walzprofilen
konzipiert, bildet der Stahlbau darüber
hinaus die Unterkonstruktion für die
18
Fassade. Der insgesamt ca. 135 m lange
und 40 m breite Komplex, dessen Höhe
zwischen 14 m und 18 m beträgt, weist
eine Nutzfläche von ca. 7.500 m2 auf und
bietet dabei ein überzeugendes Beispiel
für die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten in und mit Stahl.
Siegfried Löffler,
Fachjournalist
Stahlbauten in und um Stuttgart
Büro- und Geschäftshaus in Stuttgart-Weilimdorf
Bauherr:
Goldbeck Projekt GmbH,
Bielefeld
Architekt:
Architekturbüro Ulrich Jaschek,
Stuttgart
Tragwerksplanung und Stahlbau:
Goldbeck Bau GmbH,
Niederlassung Stuttgart
Prüfstatik:
Dr.-Ing. Peter Hildenbrand,
Ludwigsburg
Fertigstellung:
Dezember 1997
Standort:
Ingersheimer Straße 10,
Stuttgart-Weilimdorf
Fotos:
Goldbeck Bau GmbH
20
Gleich mehrere signifikante Gebäude in
der Nachbarschaft markierten eine
Herausforderung: Gefragt war ein unverwechselbares Stück Architektur.
Das Büro- und Geschäftsgebäude, genutzt
von Mannesmann Mobilfunk und Goldbeck Bau als Hauptmietern, hat nun sieben Ober- und zwei Tiefgeschosse. Das
auf systematisierten Elementen basierende Tragwerk besteht aus einer Stahlkonstruktion mit Stahlbetondecken in
Verbundbauweise. Die Stabilisierung
erfolgt im Wesentlichen über die Treppenhäuser aus Stahlbetonfertigteilen. Unter
Verwendung des Bausystems Gobaplan
wurde ein funktional vielseitiges Bauwerk
errichtet: Der Winkelbau gliedert sich in
zwei Gebäudeteile mit vorgehängter,
hinterlüfteter Metallfassade in silbergrau
und dunkelblauen Aluminiumfenstern. Die
einzelnen Körper korrespondieren über
eine großzügig gestaltete Eckverbindung
miteinander, die halbrunde Glasfassade
präsentiert sich mit einer fest installierten, vorgehängten Beschattungsanlage
mit horizontalen, silbergrauen Lamellen.
Hinter dem Halbrund liegt ein großzügiges Foyer mit lichter Galerie – das
Entree ermöglicht den Zugang zu beiden
Gebäudekomplexen. Das aufgesetzte
Staffelgeschoss mit Glasfassade, auskragender Beschattungsvorrichtung und
extensiv begrüntem Flachdach unterstreicht die Leichtigkeit der Formgebung.
Eine filigrane, als Werbeturm genutzte
Stahlkonstruktion dient darüber hinaus
als Blickfang.
Auch in der Innengestaltung zeigen sich
die Vorteile des modularen Aufbaus: Die
maximale Stützenfreiheit erlaubt eine
optimale Raumausnutzung mit einer
flexiblen -aufteilung durch nichttragende
Wandelemente. Dieses Konzept bietet
zudem weit reichende Freiheiten für
spätere Nutzungsänderungen. Leicht
geführte Treppen und Übergänge sowie
die filigrane, teilweise sichtbar gemachte
Tragkonstruktion sorgen im Gebäudeinneren für Transparenz und Leichtigkeit.
Martina Bauer,
Freie Journalistin
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Stahlbauten in und um Stuttgart
Brücke über das Nesenbachtal in Stuttgart-Vaihingen
Bauherr:
Landeshauptstadt Stuttgart,
Tiefbauamt
Entwurf und Tragwerksplanung:
Schlaich Bergermann und Partner GbR
Beratende Ingenieure im Bauwesen,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. W. Zellner,
Leinfelden-Echterdingen
Stahlbau:
Stahlbau Illingen GmbH,
Illingen
Fertigstellung:
September 1999
Standort:
Böblinger Straße bzw.
Kaltentaler Abfahrt,
Stuttgart-Vaihingen
Fotos:
Schlaich Bergermann und Partner
Die 151 m lange Brücke ist Kernstück der
Ostumfahrung Stuttgart-Vaihingen. Sie
überquert das noch weitgehend von
Obst- und Gütlelandschaft geprägte
Nesenbachtal in einer Höhe von etwa 15
m und stellt das Bindeglied zwischen den
zu beiden Seiten anschließenden
Tunnelbauwerken dar. Dieser
Streckenabschnitt ist zweistreifig und für
eine Verkehrsstärke von 25.000 Kfz pro
Tag ausgelegt.
Ziel des Entwurfs war eine behutsame,
die Durchsicht und Belüftung des Nesenbachtals möglichst wenig beeinträchtigende Einfügung der Brücke in die
Landschaft, eine vom Straßenverkehr
entkoppelte Überführung des Geh- und
Radwegs sowie ein der umgebenden
Bebauung optimal angepasster
Schallschutz.
Zur Ausführung kam eine hybride Konstruktion, die die Werkstoffe Beton und
Stahl in optimaler Weise zu nutzen vermag. So besteht die 25 cm dicke Fahrbahnplatte aus Beton. Diese ist dauerhaft
und hinsichtlich Ermüdung unempfindlich. Durch den monolithischen Anschluss
an die beiden angrenzenden Tunnelbauwerke konnte erstmals bei einer der-
22
artigen Brücke vollständig auf Lager und
Fugen verzichtet werden. Es entfallen
damit nicht nur unterhaltungsintensive
Verschleißteile, sondern auch der Lärm,
der sonst an konventionellen Fahrbahnübergängen vorherrscht.
Getragen wird die Fahrbahnplatte durch
ein Raumfachwerk und baumartige
Stützen aus Stahlrohrprofilen. Die filigranen, nur punktuell das Tal tangierenden
Stützen schonen die Landschaft und verleihen der Brücke ein hohes Maß an
Leichtigkeit. Die Durchmesser der Rohrprofile aus S 355 J2 G3 betragen für die
Untergurte und Stützen 323,9 mm, für
die Fachwerkdiagonalen 193,7 mm. Die
Wanddicke variiert beanspruchungsabhängig von 10–80 mm. Für die Stützenfüße und Knotenverbindungen wurde
Stahlguss GS 20 Mn (V) eingesetzt. Durch
ihre kraftflussorientierte Formgebung
können Spannungsspitzen im Bereich der
Schweißnähte vermieden und so eine
hohe Ermüdungsfestigkeit erreicht werden. Die als Vollstoß ausgeführten
BAUEN MIT STAHL
Schweißnähte sind oberflächeneben verschliffen und tragen damit zu einem insgesamt ruhigen Erscheinungsbild der feingliedrigen Stahlrohrkonstruktion bei. Die
konzentriert auftretenden Schubkräfte
aus den Fachwerkdiagonalen werden über
Zahnleisten aus Stahlguss in die Stege der
Betonplatte eingeleitet.
Oberhalb der Fahrbahn befinden sich
Stahlrohrbögen ( 244,5 x 25 mm) die
den 3,5 m breiten Geh- und Radweg
sowie die Schallschutzelemente aus Edelstahl tragen. Die Schallschutzelemente
bestehen aus einem durchgehenden
Deckel und einstellbaren, konkav geformten Lamellen mit jeweils innenseitig
liegender Absorptionsschicht. Durch die
gezielte Anordnung im Bereich der
angrenzenden Bebauung und die individuelle Einstellmöglichkeit jeder einzelnen
Lamelle konnten die strengen Grenzwerte
der 16. Bundesimmissionsschutz-Verordnung auch ohne vollständige Einhausung
eingehalten werden.
Dr.-Ing. Michael Pötzl,
Schlaich Bergermann und Partner
Querschnitt Hauptstütze
Grundriss und Ansicht
23
Stahlbauten in und um Stuttgart
Parkhaus am Flughafen Stuttgart
Bauherr:
Flughafen Stuttgart GmbH
Architekten:
Manz + Partner,
Stuttgart
Tragwerksplanung und Stahlbau:
DSD-Hilgers Bausystem GmbH,
Leinfelden-Echterdingen
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Georg Lochner,
Stuttgart
Fertigstellung:
Mai 2000
Standort:
Flughafen Stuttgart
Fotos:
DSD-Hilgers Bausystem GmbH
24
Das neue Parkhaus P 11 am Flughafen
Stuttgart dokumentiert einmal mehr die
Bedeutung des Autos in Wirtschaft und
Infrastruktur. So war es auch das Kernprodukt Auto, das DaimlerChrysler zu
einem der größten Wirtschaftsfaktoren
der Welt gemacht hat.
Wichtiges Bindeglied in der Infrastruktur
zwischen »Daimler und Chrysler«, Auto
und Flugzeug, Stuttgart und der Welt, ist
das Parkhaus P 11. In einem Teil des
Gebäudes haben die Mitarbeiter des Flughafens und verschiedener Fluggesellschaften ihre Stellplätze, der andere ist
den »Globalplayers« von DaimlerChrysler
vorbehalten, die hier parken.
Der Start zur Errichtung war im November 1999. Die sehr kurze Bauzeit von nur
sechs Monaten ist dabei der bewährten
Stahlverbundkonstruktion zu verdanken.
Mit seinen beiden jeweils 16 m breiten
und 110 m langen »Tragflächen« bietet
das Parkhaus bis zu 538 Fahrzeugen Platz
auf sieben versetzten Halbebenen. Die
Pkws werden über eine zentrale Einfahrt
zu ihren »Landeplätzen« geführt, während
den Fußgängern drei Treppenhäuser als
Gangways zur Verfügung stehen.
Trotz der Größe verleiht die verzinkte
Stahlkonstruktion durch ihre offene und
transparente Erscheinung dem Gebäude
eine angenehme Leichtigkeit.
W. Mohr,
Publizist
Stahlbauten in und um Stuttgart
»Prins« am Flughafen Stuttgart
Bauherr:
Inula Grundstück-Verwaltungs GmbH,
vertreten durch
Flughafen Stuttgart GmbH
Architekten:
Arat – Siegel und Partner,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Ludwig & Weiler,
Augsburg
Prüfstatik:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Peter,
Stuttgart
Stahlbau:
Seele s.r.o.,
Pilsen
Fertigstellung:
Dezember 1997
Beim Ausbau der Flughafenanlagen und
der Erweiterung des Terminals wurde in
Stuttgart auch das Problem des »Reiseantritts« angegangen und die Anfahrt der
zahlreichen Pkws sowie die Parkplatzorganisation neu konzipiert. Die Gestaltung von Gebäuden für den ruhenden
Verkehr und die Inszenierung der erforderlichen Wegeverbindungen gehören
sonst zu den eher vernachlässigten Aufgaben. Hier jedoch sorgen gläserne Überdachungen, effektvolle Brüstungsscheiben
und nicht zuletzt als Blickfang gedachte
Seilnetzkonstruktionen für spannende
Ein- und Aussichten.
Neben ihrer Funktion als Wind- und
Regenschutz an Fußwegüberdachungen
und Parkbauten erfüllen diese filigran
ausgeführten Stahlstrukturen mit Einfachverglasung hohe ästhetische Ansprüche:
Standort:
Flughafen Stuttgart
Fotos:
Seele GmbH & Co. KG,
Gersthofen
Als optische Aufwertung einmal mit und einmal ohne Verglasung
setzt das diagonal verlaufende, durch Baumstützen an jedem zweiten Geschoss angeordnete und seilverspannte Rohrtragwerk mit
Lichtpunkten markante Akzente. Assoziationen an die Positionsleuchten der Landebahnen sind durchaus erwünscht. Glasscheiben
dienen zudem als Brüstungssicherung der Auffahrtsspindeln, und
zwar ohne eine geschlossene Wand bilden zu müssen. Ihr lotrechter
Zuschnitt und die leicht diagonal zur Brüstung wie untereinander
verdrehte Stellung erzeugen einen genauso auffälligen wie aufregenden Kontrast zu den gleichmäßig ansteigenden Rampen.
Parkhäuser und Fußwegüberdachungen müssen nicht langweilig
sein, was die unter dem Projektnamen »Prins« in Stuttgart realisierten Bauten beweisen.
Stefan Teufel,
Journalist
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Stahlbauten in und um Stuttgart
Stabbogenbrücke in Ostfildern
Bauherr:
Stuttgarter Straßenbahnen AG
Entwurf:
Ingenieurbüro Boll & Partner,
Stuttgart
Planung:
Ingenieurbüro
Kuhlmann – Gerold – Krauss – Eisele,
Ostfildern
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Dr.-Ing. Meissnest,
Stuttgart
Im Zuge der Verlängerung der Stadtbahnstrecke Heumaden–Ostfildern wurde eine
Überführung des Straßeneinschnitts der
Breslauer Straße erforderlich.
Diese Brücke ist eine Einfeld-Bogenkonstruktion mit angehängter Fahrbahnplatte. Bogen und Hänger wurden in Stahl
hergestellt, der Überbau als längs vorgespannte Stahlbetonplatte ausgeführt.
Die Stahlbögen sind Hohlkastenquerschnitte mit gleich bleibender Breite und
variabler Höhe, die Hänger Rundstäbe.
Die gesamte Stahlkonstruktion ist verschweißt.
Prüfstatik:
Eutebach, Schreiber,
Stuttgart
Stahlbau:
Maschinen- und Stahlbau Dresden,
Niederlassung der Herrenknecht AG
Fertigstellung:
September 1999
Standort:
Breslauer Straße,
Ostfildern
Fotos:
Industrieservice Senftenberg GmbH
Die Stützweite in Brückenlängsrichtung
misst ca. 52 m, die Gesamtbreite des
Überbaus 12,45 m.
Die seitlich auf dem Überbau befindlichen
Fluchtwege haben eine Breite von 1,05 m.
Das Längsgefälle der Brücke beträgt 4,4%.
Die Brücke hat keine Querneigung. Die
Lasten aus dem Überbau werden von auskragenden Widerlagern abgetragen und
über Bohrpfähle in den Baugrund eingeleitet.
Dipl.-Ing. Adolf Rudolf,
Maschinen- und Stahlbau Dresden
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Stahlbauten in und um Stuttgart
Fachhochschule für Technik in Esslingen
Bauherr:
Land Baden-Württemberg,
vertreten durch das
Staatliche Vermögens- und
Hochbauamt Ludwigsburg
Architekten:
Herrmann + Bosch + Keck
Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Ingenieurgemeinschaft
Beratender Bauingenieure VBI
Pfefferkorn + Partner,
Stuttgart
Banzhaf + Partner,
Nürtingen
Prüfstatik:
Dr.-Ing. W. Dreher,
Ostfildern
Stahlbau:
Urfer GmbH, Remseck
Rainer Mailänder GmbH, Syrgenstein
Rupert App GmbH + Co., Leutkirch
Stahlbau Schenk, Karlsruhe
Roleff GmbH, Esslingen
Tobler Stahlbau AG, St. Gallen
Fertigstellung:
Oktober 1996
Standort:
Kanalstraße 33,
Esslingen
Fotos:
Herrmann + Bosch + Keck
Walter Jack, Ettlingen
Die neuen Labor- und Werkstattgebäude
für die Fachhochschule für Technik
Esslingen (FHTE) werden länger leben als
ihre heutigen Nutzer; sie müssen größtmögliche Freiheit für spätere Nutzungen
und künftige Entwicklungen bieten.
Jede planerische Festlegung und Entscheidung, sei es für die Gebäudestruktur, das
Tragwerk, die Führung der Installationstrassen oder die Materialien, schafft auch
Unfreiheiten. Solche Entscheidungskonsequenzen sollen aber den Nutzern ein
Höchstmaß an Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit gewähren und ein Minimum
an Einengung für ihre Arbeitsmöglichkeiten geben.
Vor diesem gedanklichen Hintergrund
konnten u. a. die Ideen für die transparente Lärmschutzfassade an den Labors
zur verkehrsreichen Kiesstraße, der Einsatz
einer technisch interessanten Photovoltaikanlage als beweglicher Sonnenschutz an der Eingangsfassade entwickelt
werden, wurden alterungsfähige Materialien für Trennwände, Boden- und Wandbeläge ausgewählt und offene Installationsführungen in Labors und Werkstätten
festgelegt. Die lichte und freundliche
Atmosphäre der Innenräume wird hier
wesentlich durch den hohen Tageslichtanteil über weitgehend verglaste Trennwände und Fassaden erreicht.
Aufgrund der uns heute zur Verfügung
stehenden Materialien und Konstruktionen skelettartiger, aufgelöster (Stahl-)
Tragwerke mit klarer Trennung der
Fassaden als thermische Hülle und Haut
geben die Neubauten Auskunft über Sinn
und Inhalt.
30
Schnitt Schrägfassade Foyer
BAUEN MIT STAHL
Trotz ihrer Größe vermitteln sie Offenheit,
Leichtigkeit und Transparenz und stellen
auf selbstverständliche Weise den Bezug
zu ihrer Umgebung und zu ihren Nutzern
her. Wir haben uns bemüht, die Vielfalt
und Vitalität der Nutzung dieser Gebäude
sichtbar und erlebbar zu machen, ohne sie
formalistisch einzufrieren, einer modischen gestalterischen Beliebigkeit preiszugeben oder durch bloße neutrale Funktionalität zu banalisieren. Den baulichen
Verbindungen und Fügungen der Einzelteile zum Ganzen kommt bei dieser
komplexen Bauaufgabe übergeordnete
architektonische Bedeutung zu.
Prof. Dieter Herrmann,
Herrmann + Bosch + Keck
31
Stahlbauten in und um Stuttgart
Produktionsgebäude in Esslingen-Mettingen
Bauherr:
DaimlerChrysler AG
Werk Untertürkheim,
Stuttgart
Planung:
DaimlerChrysler AG
Werk Untertürkheim
Fabrikplanung Aggregate FPA
Architekt Dipl.-Ing. (FH) Peter Kowallek,
Stuttgart
Im Werksteil Mettingen der DaimlerChrysler AG werden für die Neuordnung
der Achsenproduktion die entsprechenden
Produktionsstätten von Grund auf neu
konzipiert.
Der Neubau 4/14 erfolgt nun in zwei
Abschnitten, die sich an die angrenzenden
Produktionsbereiche anschließen.
Tragwerksplanung:
Strehle & Partner
Ingenieurbüro für Baustatik,
Stuttgart
Prüfstatik:
Prof. Dr.-Ing. Ulrike Kuhlmann,
Ostfildern
Stahlbau:
Friedrich Bühler GmbH & Co. KG,
Altensteig
Fertigstellung:
November 1999 (BA I)
Dezember 2000 (BA II)
Standort:
Emil-Kessler-Straße 4,
Esslingen-Mettingen
Fotos:
Joachim Kortus GbR,
Schwäbisch Gmünd
32
Erweiterungsplan
Die Grundfläche von insgesamt 9.500 m2
wird mit zwei Hauptgeschossen à 7,5 bzw.
8,0 m Bauhöhe in einer StahlskelettVerbundkonstruktion überbaut. Über dem
Dachbereich ist zwischen zwei Achsen auf
14,4 m Breite und über die gesamte
Gebäudelänge die Technikzentrale angeordnet.
BAUEN MIT STAHL
Für die Produktionsbereiche über dem
Erdgeschoss sind für Maschinen hohe
Flächennutzlasten bis 50 kN/m2 erforderlich, die über Nebenträger und Hauptträger bis auf 20 kN/m2 für die Stützen
abgemindert werden. Das großzügige
Stützenraster von 14,40 x 15,60 m bietet
erhebliche Vorteile bei der Ordnung der
Produktion und stellt andererseits hohe
Anforderungen an das Tragwerk.
Die gewählten Cellformträger (h=1,32 m)
und die Hauptfachwerkträger ermöglichen eine Installationsführung in der
Tragwerksebene mit einer niedrigen
Gesamtbauhöhe. Der Anschluss der
benachbarten Produktionsbereiche auf
gleicher Ebene über dem Erdgeschoss mit
einem wesentlich kleineren Stützenraster
von 7,20 x 7,80 m war so bei etwa gleicher Raumnutzhöhe realisierbar.
Isometrie
Die Cellformträger aus Walzprofilen
HE-B 900 wurden mit einer Höhe von
1.320 mm ermittelt, dabei entstanden
Stegaussparungen 800 mm im Achsabstand von 1.200 mm.
Die patentierte Trägerherstellung erzeugt
kaum Verschnitt, sodass sich neben der
größeren Nutzhöhe die erforderlichen
Durchbrüche für die Installationen praktisch zum Nulltarif ergeben.
Detail Konstruktion
Diese Einfeldträger über 14,40 m Länge
im Achsabstand von 2,6 m lagern
gelenkig in den Fachwerkträgern und
erlauben eine unterstützungsfreie
Montage der Verbunddecken.
Die Verbunddecken im Bereich der
Technikzentralen sind aus brandschutztechnischen Gründen erforderlich. In
Längsrichtung sind die Wände der
Technikzentrale als Fachwerke mit dem
gleichen Cellformträger als Untergurt
konzipiert wie in den angrenzenden
Dachbereichen. Damit können die
Installationen im Obergeschoss im gleichen Raster und der gleichen Höhenlage
geführt werden.
Die bis in das Obergeschoss durchlaufenden Stützen sind in das Erdgeschoss eingespannt und stabilisieren das Dach. Im
zweiten Bauabschnitt erfolgt die Gesamt-
stabilisierung wegen fehlender Treppenhäuser über aussteifende Rahmen, die
durch die Fachwerkträger mit 1:3 geneigten Diagonalstützen gebildet werden.
Aus der ermittelten Brandlast für den
gesamten Produktionsbereich resultiert
hier eine nicht weiter geschützte Stahlskelett-Verbundkonstruktion.
In den Randzonen sind optional Zwischendecken für Bürobereiche vorgesehen, die im Obergeschoss in die Deckenkonstruktion gehängt werden.
Die Hilfskonstruktion aus Stahl über den
Produktionsflächen bietet eine zusätzliche
Installationsebene für den Bedarf aus den
Maschinen.
Dipl.-Ing. (FH) Architekt Peter Kowallek,
DaimlerChrysler AG
33
Stahlbauten in und um Stuttgart
Bürogebäude in Fellbach
Bauherr:
imt Nagler GmbH,
Fellbach
Architekten:
Dollmann + Partner
Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Heinz Kipp,
Stuttgart
Prüfstatik:
Ing. Patzak,
Stuttgart
Stahlbau:
Stahlbau Alfred Müller GmbH,
Mauer bei Heidelberg
Fertigstellung:
Oktober 1998
Standort:
Blumenstraße 47,
Fellbach
Fotos:
Dietmar Strauß, Besigheim
Dollmann + Partner
Der Immobilienmarkt bietet Verwaltungsgebäude preisgünstig oder billig, aufreizend laut und zugleich uniform, mit
Identitätsanspruch, aber auch mit Oberflächlichkeit. Wenn nun der individuelle
Anspruch des Bauherrn sich nicht nur im
Firmenschild manifestieren soll, gleichzeitig das angebliche Kostenrisiko minimiert werden muss, drängt sich die Frage
auf, wie weit maßgefertigte Planung mit
konfektionierter Massenware vom
Architekturmarkt konkurrieren kann.
Vor dem Hintergrund, dass der Bauherr
ausschließlich maßgefertigte Produkte für
seine Kunden im Bereich der Automatisation, von der Bedarfsplanung über
die Problemlösung bis zur Installation vor
Ort, mit innovativem Anspruch plant und
herstellt, ist der Schritt zum Maßanzug
beim Bauen ein logischer Schritt.
Aus den Vorgaben wurde nun ein architektonisches Konzept entwickelt, in dem
die »imt-spezifische«, organisatorische
und funktionale Transparenz ohne Hierarchieansatz zum wesentlichen Bestandteil
wurde. Das Gebäude, als formales Sinnbild
eines riesigen Rechners, sollte aus industriell vorgefertigten Einzelkomponenten
zusammengesetzt werden.
Die Voraussetzung für einen hohen Vor-
34
fertigungsgrad wiederum war ein modulares Ordnungsprinzip, das den gesamten
Bau in einzelne, unabhängig voneinander
herzustellende »autarke Bauelemente«
gliedert. Fassaden, Decken, Außenwände,
Büro-Container, Stege, Treppen wurden in
ein statisch für sich stehendes Stahlgerüst
eingebaut. »Autarke Bauelemente« erfüllen statische, bauphysikalische, formale
Anforderungen ohne nachträgliche
Kosmetik. So galt die Suche auf dem
Markt nach Bauelementen, die nicht in
Teilaspekten, sondern gesamtheitlich das
Gebäude bildeten.
Das räumliche Konzept besteht im
Wesentlichen aus drei Elementen:
– Gruppenarbeitsflächen als Flächen, die
im räumlichen Verbund mit dem
Gesamtraum stehen,
– Einzelbüros oder Besprechungsräume
als Containerräume, die sich physikalisch aus dem Gesamtraum isolieren,
– Luftraum, der das Netzwerk des sinnbildlichen Rechners stellt, knüpft die
Raumelemente zum geschossübergreifenden Gesamtraum.
Die im Kreis wie eine Spirale versetzten
Geschossebenen sind über einläufige
BAUEN MIT STAHL
Treppen aus verzinktem Stahl verknüpft
und bilden für das ganze Gebäude das
Erschließungsprinzip der kurzen Wege. Die
einfach gegliederte Außenhülle mit zwei
geschlossenen und zwei verglasten
Fassadenfronten stellt unterbewusst eine
Orientierungshilfe.
Das Grundmaß des Gebäudes beträgt ca.
20,72 x 20,72 x 14,50 m. Das Bauwerk
umfasst ein Erd- und drei Obergeschosse
mit Flachdach und ist nicht unterkellert.
Eine horizontale Unterteilung in Brandabschnitte liegt nicht vor. Die Geschosse
stehen untereinander mit ca. 5 x 20 m
großen Lufträumen in Verbindung. Die
Obergeschosse sind weitgehend systemgleich organisiert und drehen sich in
jedem Geschoss ca. 90° um den Mittelpunkt des Gebäudes.
Es handelt sich hier um einen Stahlskelettbau (Grundraster 5 x 5 m), mit F90Kammerbetonstützen. 25 Stützen, HEA
220, werden horizontal mit Trägern, IPE
270, und Stahlrohren (d = 108 mm) verbunden. Zur Aussteifung dienen vertikale
Druckstäbe, deren Durchmesser, dem
Kraftverlauf folgend, nach oben geschossweise abnimmt. Weitere Diagonalen über
ein Rasterfeld sowie Verbunddecken aus
Stahlbeton über zwei Rasterfelder sorgen
für die horizontale Aussteifung. Die
Montage der Stahlbeton-Holoribdecken
(Gruppenarbeitsflächen) erfolgte mittels
Kopfbolzen auf die IPE 270-Träger. Die fix
und fertig im Werk hergestellten Bürocontainer (Einzelbüros), über vorgefertigte
Stahlstege und Treppen mit den Gruppen-
Schnitt
arbeitsflächen verbunden, wurden in das
statische Gerüst der Stützen und Träger
eingehängt. Alle diese Bauteile wurden
sukzessiv mit dem Erstellen des Stahlskelettes geschossweise eingebaut. Die
gesamte Stahlkonstruktion sowie alle
Stege und Treppen sind in verzinktem
Stahl ausgeführt.
Dipl.-Ing. (FH) Arno Freudenberger,
Dollmann + Partner
35
Stahlbauten in und um Stuttgart
Laserfabrik und Logistikzentrum in Ditzingen
Bauherr:
Trumpf Maschinenfabrik GmbH & Co.,
Ditzingen
Architekten:
Barkow Leibinger Architekten,
Berlin
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Hans Lück,
Stuttgart
Prüfstatik:
Prof. Dipl.-Ing. Frank-Ulrich Drexler,
Stuttgart
Stahlbau:
Haller Industriebau GmbH,
Villingen-Schwenningen
Die Aufgabe war, eine 15.000 m2 große
Einrichtung aus Laserproduktionshallen,
Lagerhallen, Büros, Empfangshalle und
Ausstellungsgeschoss zu konzipieren. Das
Werk ist durch einen Tunnel mit dem
bestehenden Hauptgebäude verbunden
und soll nach Westen ausbaufähig sein.
Die Notwendigkeit einer erweiterbaren
und flexiblen Grundflächengestaltung
führte nun zu einem Entwurf, der in ein
aus landwirtschaftlichen Flächen zusammengesetztes Umfeld an der Stuttgarter
Peripherie hineinpasst. In einer ersten
Phase sind zunächst zwei große, im
Westen, Norden und Süden von Bürofronten gesäumte Werkhallen entstanden.
Fertigstellung:
November 1998
Standort:
Dieselstraße 1,
Ditzingen
Fotos:
Margherita Spiluttini
Isometrische Darstellung
36
Die Topografie wird hier in zweifacher
Hinsicht aufgegriffen: bei der Gliederung
der Planungsflächen und der Gestaltung
des Daches, dessen Oberfläche die Bodenkonturen aufnimmt. Es bildet eine fünfte
Fassade, folgt der Wellenform des Bodens
und lässt so das Tageslicht in die Hallen
einströmen. Die Dachwellen verlaufen von
Süden nach Norden, wobei sie in jeder
zweiten Welle ihre Richtung wechseln
und so diamantförmige vertikale Öffnungen erzeugen, die als primäre Tageslichtquellen dienen.
Die West-Ost-Achse in der Werksmitte
trennt die Produktions- von den Lagerflächen und Lkw-Anlieferungszonen. Sie
verläuft auf der Ebene des Untergeschosses und unterquert die Gerlinger
Straße mithilfe eines Tunnels.
BAUEN MIT STAHL
Längsschnitt
Schnitt Mittelspange – Tunnel
Dieser führt zu einer Treppe von gleicher
Breite und die wiederum zu einer 7 m
breiten Ausstellungshalle hinauf. Die
Achse lässt sich bei zukünftigen Erweiterungen verlängern und markiert eine
Art kommunikatives und logistisches
Rückgrat, eine Klammer für die beiden
Werkteile.
Die vorwiegend verwendeten Verkleidungsmaterialien spiegeln typische Werkstoffe wider, die von im Trumpf-Werk
hergestellten Maschinen bearbeitet werden. Die Außenflächen sind daher im
Wesentlichen Aluminium-, Zink- und
Stahlverkleidungen.
Die Dachlandschaft besteht aus einer
leichten »Haut« aus Metall, die auf einer
Unterkonstruktion aus Stahl ruht.
Gewählt wurde eine Rahmenkonstruktion
mit aufliegenden unterspannten Bindern.
Die Details der Knotenpunkte und
Anschlüsse der Binder sind elegant und
leicht, konstruktiv jedoch einfach gestaltet. In den Hauptträgern der Dachkonstruktion wechseln sich Gelenke und
Rahmenecken ab. Die Schraubverbindungen bei den geschweißten Knoten
wiederholen sich, während die Knotenbleche der Rahmenecken auch bei den
Gelenken gezeigt werden.
Regina Leibinger,
Barkow Leibinger Architekten
37
Stahlbauten in und um Stuttgart
Parkregal in Sindelfingen
Bauherr:
Deutsche Gesellschaft für
Immobilienfonds GmbH,
Frankfurt/M.
Architekten:
Petry + Wittfoht
Freie Architekten,
Stuttgart und Frankfurt/M.
Tragwerksplanung:
A. Kannemacher, J. Rath, Dr. R. Sturm,
Frankfurt/M.
Prüfstatik:
Dr.-Ing. Tilman Schaarschmidt,
Böblingen
Stahlbau:
Varitec Engineering AG,
Niederscherli
Metallbau Möckmühl GmbH,
Möckmühl
Fertigstellung:
April 1999
Standort:
Posener Straße 1,
Sindelfingen
Fotos:
Werner Huthmacher, Berlin
Ansicht
38
Entscheidend für die Vision eines durchscheinenden, gläsernen Kubus war die
Leichtigkeit und Offenheit der gesamten
Anlage. Die Konzeption eines tragenden
inneren Stahlskelettes schuf die Voraussetzung für die Umsetzung dieser architektonischen Idee.
In der Planung des Gebäudes entstanden
zwei inhaltliche Schwerpunkte. Zum einen
galt es, die Anforderungen an das mechanische Parksystem funktional und wirtschaftlich zu realisieren. Zum anderen
legten wir Wert auf die Klarheit der
wesentlichen architektonischen Elemente.
Die tragende Konstruktion des Stahlbaues,
der innere Aufbau der Parkpaletten,
Förderanlagen und die technische Ausrüstung der Anlage sind in der Dimensionierung, der betrieblichen Anordnung und
der Wahl der konstruktiven Tragraster
weitgehend von den Gesetzen der
»Maschine« bestimmt.
BAUEN MIT STAHL
Das Stahlgerüst mit Aufzugssystemen
bildet als eigenständige »Maschine« den
Kern der Anlage. Die zum Betrieb notwendige Mechanik liegt offen. Nichts
wurde kaschiert. Die gläserne Haut
umschließt die unabhängig voneinander
arbeitenden Einheiten des Parksystems.
Der »Parksafe« baut auf einer Grundfläche
von ca. 310 m2 auf und bietet Stellplätze
für 124 Pkws. Basierend auf einer Breite
von 6,50 m, einer Länge von 47,50 m und
einer Höhe von 15 m umfasst er sieben
oberirdische und zwei unterirdische
»Geschosse«. Vier Fördersysteme sind in
Reihe geschaltet und bedienen unabhängig voneinander die zugeordneten,
übereinander gestapelten Parkpaletten.
Die umlaufenden Portale der Übergabestationen und die farbig leuchtenden
Schiebetore markieren die Orte des Ein-
Grundriss Posener Straße
Längs- und Querschnitt
und Ausfahrens. Sie durchdringen als
geschlossene Elemente den gläsernen
Baukörper und fixieren ihn am Boden.
Die transparente Fassade schafft räumliche Definition und erhält gleichzeitig
Durchblick und Weite. Sie umhüllt den
Baukörper, ohne ihn optisch zu schließen,
gewährt interessante Einblicke in die Welt
der Maschine und spiegelt ihre Umgebung. Es war dieses Wechselspiel zwischen
Entmaterialisierung und baukörperlicher
Präsenz, das wir erreichen wollten. Funktional dient die Glashülle dem Witterungs- und Schallschutz. Die Stahlstützen
des Regals bilden das Tragwerk, an denen
horizontal verlaufende Aluminiumprofile
zur linienförmigen Lagerung und punktförmige Befestigungen die 2,93 x 1,80 m
großen Glastafeln halten.
Das Parkregal ist nicht klimatisiert. Es wird
durch Zuluftöffnungen im Gitterrostgraben und Abluftöffnungen im Dachrandbereich natürlich belüftet.
Tragstruktur, Aufzüge, Fassadenkonstruktion, Silikonfugen und die teilweise in
Ätzton mattierten Glasflächen haben
einen jeweils eigenen, nicht synchronisierten Rhythmus. Linien und Schichten überlagern sich, verlaufen versetzt zueinander
und verbinden sich in spielerischer Form
zu einem grafischen Bild, das durch die
Platzierung kleiner und großer Autos
unterschiedlicher Farbe jeden Tag aufs
Neue sein Aussehen verändert.
Falk Petry,
Petry + Wittfoht
39
Stahlbauten in und um Stuttgart
Gewerbebau in Sindelfingen
Bauherren:
Herbert Hornikel, Sindelfingen
Werner und Ilse Leyh, Sindelfingen
Architekten:
Hinrichsmeyer + Bertsch
Freie Architekten BDA,
Böblingen
Tragwerksplanung:
Mayer-Vorfelder & Dinkelacker,
Sindelfingen
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Heinz Schneider,
Sindelfingen
Stahlbau:
Haller Industriebau GmbH,
Villingen-Schwenningen
Fertigstellung:
Dezember 1995
Standort:
Fronäckerstraße 34/36,
Sindelfingen
Fotos:
Ines Schöttle, Sindelfingen
40
Bedingt durch eine vorhandene Gewerbehalle und eine bereits großflächige
Grundstücksauslastung konnte eine
Nutzungserhöhung der Betriebe Hornikel
und Leyh nur in einer zweiten Ebene
liegen. Mit drei Riegelbauten, die schwebend über die vorhandene Gewerbehalle
gelagert wurden, sind die neuen Räumlichkeiten der Betriebe dargestellt. Zur
Straßenseite und zum Stadteingang
Sindelfingens wurde ein markanter
Wohnturm vorgelagert.
BAUEN MIT STAHL
Tragwerksisometrie
Übersicht
Die bestehenden Werkhallen sollten möglichst wenig in ihrem statischen Konzept
gestört werden; weiterhin war es eine
unabdingbare Forderung der Bauherren,
die laufenden Gewerbebetriebe während
der Bauzeit nicht zu beeinträchtigen.
Diese Forderung konnte nur durch eine
weit gespannte Stahlkonstruktion erfüllt
werden. Die Wirtschaftlichkeit des Tragsystems wurde mittels Normprofilen voll
erfüllt. Die konstruktive Ausbildung aller
Decken wurde mit Trapezblechprofilen mit
einer darauf liegenden 16 cm starken
armierten Betonschicht ausgeführt, die
Struktur der Trapezbleche bei den auskragenden Deckenuntersichten zudem als
gliederndes bzw. gestaltendes Element
hinzugezogen. Das Dach ist eine HolzLeim-Konstruktion, um in der Gesamtlast-
annahme Gewicht zu sparen. Die Holzleimbinder sind im Innenraum sichtbar,
die Innenfelder wurden mit Gipskartonplatten verkleidet.
Alle Flachdächer sind begrünt und tragen
somit zu einer besseren Energiebilanz wie
zu einem angenehmen Kleinklima bei.
Die Gesamtanlage wurde außerdem als
Niedrigenergiehaus ausgelegt. Eine neu
entwickelte transparente Wärmedämmung, die sich im Brüstungsbereich
der Gebäude befindet, speichert Sonnenenergie und gibt diese zeitverzögert an
die Innenräume ab.
Dipl.-Ing. Udo Bertsch,
Hinrichsmeyer + Bertsch
41
Stahlbauten in und um Stuttgart
Zentrum für Fahrzeugentwicklung in Sindelfingen
Bauherr:
DaimlerChrysler AG,
Werk Sindelfingen
Architekten:
Christoph und Matthias Kohlbecker
Freie Architekten BDA,
Gaggenau
Tragwerksplanung:
Dr. Braschel + Partner GmbH
Ingenieurbüro für Bauwesen,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dr.-Ing. H. J. Mayer-Vorfelder,
Sindelfingen
Dr.-Ing. Bernd-Friedrich Bornscheuer,
Stuttgart
Stahlbau:
Arbeitsgemeinschaft Stahlbau
EVZ Mercedes-Benz
Stahlbau Plauen GmbH,
Plauen
Donges Stahlbau GmbH,
Darmstadt
Stahlbau Wendeler GmbH + Co.,
Donzdorf
Fertigstellung:
Mai 1999
Standort:
Gelände DaimlerChrysler AG,
Sindelfingen
Fotos:
Donges Stahlbau GmbH
42
1996 begann die Mercedes-Benz AG,
heute DaimlerChrysler AG, mit dem Bau
eines neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums (EVZ, jetzt: MTC) im Werk
Sindelfingen. Die bisher auf mehrere
Standorte verteilte Fahrzeugentwicklung
sollte unter einem Dach zusammengefasst
werden.
Diese Gebäude sind nun in harmonischer
Beziehung dicht aneinander gruppiert
und folgen einem gleichen Konstruktionsprinzip, sodass der Eindruck einer
geschlossenen Baufläche entsteht. Allein
das flächengrößte Gebäude 50 hat
Grundrissabmessungen von 245 m x
178 m und eine Brutto-Geschossfläche
von 180.000 m2.
Der Entwurf des Architekturbüros verleiht
der Vision eines interaktiven Zusammenwirkens aller an der Forschung und Fahrzeugentwicklung Beteiligten hier also
Gestalt. Die Gebäude wurden in Büroriegel, Werkstattbereiche und Innenhöfe
gegliedert, die im Grundriss jeweils unmittelbar aneinander grenzen und sich
über die gesamten Gebäudeflächen stetig
wiederholen.
Die Büroriegel mit einer Achsbreite von
14,4 m verlaufen streifenförmig in der
jeweiligen Nord-Süd-Ausdehnung der
Gebäude. Sieben Obergeschosse à 3,6 m
ergeben eine Konstruktionshöhe von
25,20 m des Gebäudes 50. Entlang der
Gebäudeachsen der Büros tragen Fachwerkunterzüge die Lasten aus den
Deckenträgern in die Hauptstützen im
Abstand von ebenfalls 14,4 m ab. Die
Deckenträger mit der freien Spannweite
über die gesamte Achsbreite der Büros
von 14,4 m liegen im Konstruktionsraster
von 2 x 1,20 m = 2,40 m.
Zwischen zwei 25,2 m hohen Bürostreifen
liegen Werkstattbereiche mit 18,0 m
Gebäudehöhe. Die einzelnen Werkstattbereiche mit Grundrissabmessungen von
39,6 m x 43,2 m werden durch 39,6 m x
21,6 m große Innenhöfe voneinander
getrennt. In den Werkstätten werden die
Geschosshöhen und Stützenabstände der
Büros fortgeführt, wodurch sich die
Nutzungsflächen beliebig erweitern
lassen. Auch die Unterzüge verlaufen wie
in den Bürostreifen entlang den Gebäudeachsen in Nord-Süd-Richtung und die
Deckenträger dazu rechtwinklig im
Abstand von 2,4 m. Das Dachtragwerk
bilden Haupt- und Nebenbinder, Pfetten,
Dachverbände und Shed-OberlichtKonstruktionen.
BAUEN MIT STAHL
In statischer Hinsicht wurden ausschließlich ebene Systeme gewählt. Dachbinder
und Deckenträger sind Einfeldträger, die
Deckenunterzüge durchlaufende Fachwerkträger. Die Stützen wurden als über
die Geschosse durchlaufende Pendelstützen ausgeführt. Die Horizontalstabilisierung erfolgt über die OrtbetonDeckenscheiben in die Treppenkerne, die
jeweils in den Achsen der Büroriegel im
Abstand von 40 bis 70 m angeordnet sind.
Die Tragwerksplaner entschieden sich für
Deckensysteme in Verbundbauweise. Diese
erlauben auch bei großen Lasten weitgespannte stützenfreie Trägerlagen bei
niedrigen Bauhöhen. Gerade in den Werkstattbereichen mit hohen Nutzlasten von
10 kN/m2 aus Gabelstaplerbetrieb konnten so die Bauhöhen der 13,2 m gespannten Decken auf eine maximale Trägerhöhe
von 550 mm plus ¿16 cm Stahlbeton
begrenzt werden.
Die Hauptunterzüge der schweren Werkstattdecken wurden als geschosshohe
Fachwerke mit Vierendeelfeldern ausgebildet, d. h., unter den Geschossdecken
liegen Trägergurte bis max. 600 mm Höhe,
die nur durch einzelne Pfosten und
Diagonalstreben in den Randfeldern verbunden sind.
Spätere Erweiterungen des Gebäudes oder
Nutzungsänderungen mit eventuellen
Lasterhöhungen sind mit vertretbarem
Aufwand an Verstärkungen möglich.
Schon während der Bauausführung erwies
sich das als Vorteil. Denn aufgrund eines
inzwischen höheren Bedarfs an Büroflächen für das EVZ entschloss sich die
Mercedes-Benz AG, einen Teil der Büroriegel um je ein komplettes Geschoss aufzustocken. Die Anschlüsse für die Stützen
des neuen Geschosses wurden an der
bereits montierten Konstruktion auf der
Baustelle hergestellt und die darunter liegende statisch überprüft: Nur die maximal ausgelasteten Stützenschüsse und
einzelne Stäbe von Fachwerkunterzügen
mussten durch das Anschweißen von
Seitenblechen verstärkt werden.
Bei der Konstruktion der Bauteile kam
man dem Wunsch des Bauherrn nach,
durch das Optimieren von Trägerquerschnitten und Anschlüssen die Baukosten
zu reduzieren. So wurden die Stützen
ausschließlich mit offenen I-Querschnitten dimensioniert, möglichst aus
Walzprofilen und größere Querschnitte
aus zusammengesetzten Blechlamellen.
Die geschosshohen Hauptunterzüge sind
als geschraubte Fachwerke ausgeführt, da
sie aus wenigen Füllstäben bestehen und
in Einzelteilen bei meist großer Ausladung
der Krane in ihre Einbaulage gehoben
wurden. Für die leichten, im Werk komplett geschweißten Fachwerk-Dachbinder
wurden Obergurte, Untergurte und
Pfosten mit gleichen Profilhöhen ausgewählt, sodass die Diagonalstreben ohne
Knotenbleche unmittelbar beidseitig auf
die Gurte geschweißt werden konnten.
Sämtliche Anschlüsse der Deckenträger
wurden entsprechend den Anschlusskräften zu wenigen Typen vereinheitlicht
und die gesamte Stahlkonstruktion in den
Fertigungsbetrieben mit Alkydharz-Einschichtlack pastellviolett deckbeschichtet.
Dipl.-Ing. Jörg Schlegel,
Donges Stahlbau GmbH
43
Stahlbauten in und um Stuttgart
Neckarbrücke Kirchheim
Bauherr:
Gemeinschaftskernkraftwerk
Neckar GmbH, Neckarwestheim
Landkreis Ludwigsburg, vertreten durch
das Straßenbauamt Besigheim
und das Regierungspräsidium Stuttgart,
Referat Brückenbau
Entwurf:
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Rittich, Bornscheuer und Partner GmbH,
Stuttgart (Überbau)
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart (Umbau und Verstärkung
der Unterbauten)
Prüfingenieur:
Dipl.-Ing. Reiner Saul,
Stuttgart
Dipl.-Ing. Gerhard Seifried,
Stuttgart (Unterbauten)
Die im Jahre 1949 auf den Gründungen
einer im Krieg zerstörten Bogenbrücke
errichtete Neckarbrücke KirchheimGemmrigheim überquert den Fluss mit
Stützweiten von 42 – 41 – 41 – 42 m. Der
Überbau war ein Stahlfachwerk mit –
nicht im Verbund gerechneter – Betonfahrbahn und in BK 45 eingestuft.
Bei Berücksichtigung der Verbundwirkung
konnte gezeigt werden, dass die Brücke,
die während des Straßentransports von
Behältern mit abgebrannten Brennelementen vom Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar nach Walheim überquert
werden muss, auch für Schwertransporte
bis 145 t Gesamtgewicht tragfähig ist. Die
neue Generation von Castor V/19Behältern, die Schwerfahrzeuge bis zu
225 t mit Achslasten von 22 t bedingen,
erforderte die Erneuerung des Überbaus.
Im Zuge des Umbaus wurden auch die
beiden Flusspfeiler mit je zehn vertikalen
Spanngliedern für den Anprall eines
»dwt-Schiffes« ertüchtigt.
Stahlbau:
Heinrich Weller
Stahlbau GmbH & Co. KG,
Mönchengladbach
Fertigstellung:
August 1997
Standort:
K 1625 zwischen
Kirchheim und Gemmrigheim
Fotos:
Leonhardt, Andrä und Partner
Übersicht
44
BAUEN MIT STAHL
Die neue – für BK 60/30 und diese
Sonderlast bemessene – Brücke weist
gegenüber der alten folgende wesentlichen Änderungen auf:
Querschnitt Neckarbrücke
– Fahrbahn von 10,5 m auf 11,5 m verbreitert,
– Fahrbahnplatte planmäßig in Verbund,
– Fachwerk nur mit steigenden und
fallenden Diagonalen,
– alle Fachwerkstäbe luftdicht
verschweißte Hohlprofile.
Zur Aufrechterhaltung des Verkehrs wurde
der neue Überbau zunächst 13,5 m
Unterstrom seiner endgültigen Lagen
hergestellt, wobei die Stahlkonstruktion
eingeschoben und die Fahrbahnplatte im
Pilgerschrittverfahren hergestellt wurde.
Nach Abbruch der alten Brücke und
Umbau und Ertüchtigung der Widerlager
und Pfeiler wurde er in seine endgültige
Lage querverschoben.
Dipl.-Ing. Reiner Saul,
Leonhardt, Andrä und Partner
Schleuse Heilbronn
Bauherr und Entwurf:
Wasser- und Schiffahrtsamt Heidelberg
Planung und Stahlbau:
Krupp Stahlbau Hannover GmbH
Fertigstellung:
Oktober 1998
Standort:
Heilbronn
Foto:
Krupp Stahlbau Hannover GmbH
Ein Stahlwasserbauwerk von beeindruckender Charakteristik ist die Schiffsschleuse in Heilbronn, die zudem ein
Antriebssystem mit Elektrohubzylindern
aufweist. Ihre Untertore wurden als zweiflügelige, 12 m breite und 8 m hohe
Stemmtore in verwindungssteifer, schwingungsarmer und geschlossener Vollwandund Kastenkonstruktion ausgeführt; das
Gewicht pro Flügel beträgt ca. 28 t. Luftdicht verschweißt, verfügen die Kasten
zum Begehen und für Reinigungsarbeiten
oben und unten über Mannlöcher mit
luftdichtem Verschluss.
Darüber hinaus ist die Schleuse mit einer
lösbaren, mechanischen Antriebssicherung
ausgestattet. Tor- wie Schützenantrieb
erfolgen mittels Elektro-Hubzylindern.
Sämtliche Lagerteile sind selbstschmierend bzw. aus Sondermessing und mit
eingebauten Festschmierstoffen, kombiniert mit Niro-Achsen oder Wellen, ausgerüstet.
Rudolf Richter,
Fachpublizist
45
Stahlbauten in und um Stuttgart
Degussa-Gelände in Pforzheim
Bauherr:
Degussa Pensionskasse,
Frankfurt/M.
Architekten:
Auer + Weber + Partner
Freie Architekten Dipl.-Ing. BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Ingenieurgemeinschaft Guyer + Steinich,
Villingen-Schwenningen
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Kurt Harrer,
Karlsruhe
Stahlbau:
Höll + Bamolin Metallbau GmbH,
Ettlingen
Fertigstellung:
März 1997
Standort:
Zerrener Straße 25–29,
Pforzheim
Fotos:
Valentin Wormbs, Stuttgart
46
Die Volkshochschule und das Geschäftsgebäude sind die ersten Bausteine des neu
zu gestaltenden ehemaligen DegussaGeländes in Pforzheim.
Die Umnutzung des brachgelegenen
Industriestandorts, Ergebnis eines Architektenwettbewerbs Mitte 1994, ist als ein
Impuls für die Reaktivierung des innerstädtischen Quartiers zu verstehen.
Der geplante Neubau eines Wohn- und
Geschäftshauses mit einer in den Hof
integrierten begrünten Tiefgarage wird
den heute torsohaften Block zur Enz hin
wieder schließen.
Die uns zunächst gestellte Aufgabe war
die weitgehende Umgestaltung der
durchaus charaktervollen Degussa-Produktionsgebäude der 50er- und frühen
60er-Jahre für die Bedürfnisse einer
Hochschule bzw. eines Büro- und Möbelhauses.
Eine deutlichere Fassung des an dieser
Stelle abschwenkenden Straßenraumes
war mit dem Eckhaus an der Zerrenerstraße/Baumgäßchen geboten; die vormals relativ niedrige Trauflinie wurde
durch die Umwidmung des Technikaufbaus zu Büroräumen, beschirmt durch ein
weithin auskragendes Sonnenschutzdach,
wesentlich erhöht und in ihrer stadträumlichen Bedeutung im Kontext mit den
benachbarten, wesentlich höheren
Gebäuden gesteigert.
Dieser Dachschirm ist über eine leichte
Stahlkonstruktion auf die vorhandenen
Baukörper aufgeständert und mit selbsttragenden Gitterrosten belegt. So entsteht, je nach Betrachterstandpunkt und
Lichtsituation, ein lebendiges Spiel mal
reflektierend-heller, mal opak-dunkler
Flächentexturen.
BAUEN MIT STAHL
Die Öffnung der Straßenfassaden zu
Arkaden und Schaufenstern und die
Absenkung der Hochparterrenniveaus
ermöglichen nun einen lebendigen Austausch zwischen Innen und Außen. Großzügige Entrees führen in die neuen
Nutzungsbereiche ein.
Die strenge Gliederung der nach Süden
gerichteten Hoffassade, in gleicher Weise
ergänzt an den Kontaktflächen der abgebrochenen ehemaligen Produktionsgebäude, wird von einer gerüsthaften
Konstruktion überstellt. Diese integriert
die Fluchttreppen der Volkshochschule,
einen Aufzug sowie Sonnenschutzroste
auf beinahe spielerische Weise. Die frei
vor den Baubestand gestellte Konstruktion aus offenem Profilstahl ist komplett
feuerverzinkt, die eingelegten Gitterroste
partiell in changierenden Tönen eingefärbt. Ein abgehängtes Edelstahlgewebe
überspannt die Fluchttreppe und bindet
formal den vorhandenen Aufzugsturm
ein.
Gleichwohl sollte die Neugestaltung die
traditionsreiche Vorgeschichte des Ortes
nicht gänzlich verdecken – der industrielle
Charakter vielmehr sollte weiterhin hinter
neuen baulichen Schichten »durchscheinen«.
Folgerichtig orientieren sich Materialien
und Oberflächen im Inneren ebenso am
»Werkstatthaften«: verzinkter Stahl, sichtbar belassene Betonrippendecken usw.
Dieses Konzept findet letztlich auch seine
Entsprechung in den neuen Nutzungen –
den »Lernlabors« Volkshochschule und der
»Wohnfabrik«, Eigenname eines kooperativen, fachübergreifenden Möbelhauses.
Götz Guggenberger,
Auer + Weber + Partner
47
Stahlbauten in und um Stuttgart
Volksbank Pforzheim
Bauherr:
Volksbank Pforzheim eG
Architekten:
Kauffmann Theilig & Partner
Freie Architekten BDA,
Ostfildern
Die neue Volksbank steht im Zentrum der
Stadt Pforzheim. Neben der Kundenhalle
der Bank und einer Laden-Mall in den
Eingangsebenen bietet der Neubau vor
allem Arbeitsplätze für rund 400 Mitarbeiter. Das Gebäude füllt ein ganzes
Stadtquartier und ist dreiseitig von stark
befahrenen Straßen umgeben.
Tragwerksplanung:
Arbeitsgemeinschaft
Beratender Ingenieure
Schlaich Bergermann und Partner,
Stuttgart
Fischer & Friedrich,
Stuttgart
Prüfstatik:
Braun,
Pforzheim
Stahlbau:
Grill & Grossmann Stahlund Leichtmetallkonstruktionen,
Attnang-Puchheim
Fertigstellung:
Juni 1997
Standort:
Westliche Karl-Friedrich-Str. 53,
Pforzheim
Fotos:
Ines Schöttle, Sindelfingen
Kauffmann Theilig & Partner
Seine gläserne Hülle wölbt sich geometrisch unabhängig über die Bürozeilen.
Mit 157 festverglasten Lichtkuppeln
(d = 3 m) und weiteren 343 (d = 75 cm)
erreicht das Dach eine maximale Lochung
von nahezu 70 %. Die Lichtkuppeln sind
sprossenlos, planeben, isolierverglast. Die
Abstützung der Betonscheibe auf den
Bürozeilen mittels dünner, windschief
geneigter Stahlstützen ist chaotisch
organisiert, um die Unabhängigkeit der
gemeinsamen Hülle von der Zeilenstruktur
zu gewährleisten.
48
BAUEN MIT STAHL
Die vier senkrechten Seiten der Glashaut
sind als hängende Glasfassaden mit einer
maximalen Scheibengröße von 1,75 m
x 3 m als liegendes Format ausgeführt.
An der obersten Geschossdecke dient eine
auskragende, umlaufende Stahlrohrkonstruktion dazu, das Fassadengewicht in
das Stahlbetontragwerk einzuleiten. Von
dem Lastsammler werden EdelstahlHängeprofile (16 mm x 24 mm) abgehängt und unsichtbar in den Fugen der
Isolierglasscheiben geführt.
Die innerhalb der Glasebene vorhandene
Lastsammelebene aus Stahlrundrohren ist
zur Einleitung der Windlasten nötig; ihre
Querschnitte sind zugleich zur Aufnahme
der Heizung bemessen. Die Horizontalkräfte werden auf die Büroriegel abgegeben, im Bereich der Atrien werden die
Windlasten auf die Fassade durch lange,
Grundriss Ebene 05
mit Seilen zwischen den Büroriegeln verspannte Stahlrohre aufgenommen.
Es entsteht eine Hülle von maximaler
Transparenz. Die vertikalen Glasstöße mit
den integrierten Stahlhängern werden
lediglich mit Silikon geschlossen, die horizontalen Fugen erhalten eine Pressleiste
und unterstützen so die horizontale,
liegende und eher schwerelose Struktur.
Im Sockelbereich sowie im Anschlussbereich zum Dach wechselt die Konstruktionsart der Fassade in eine konventionelle Pfostenriegelbauweise, alle notwendigen Öffnungsflügel für Lüftung, Türen,
Rauch- und Wärmeabzug sind in diesen
Bereichen angeordnet.
Schnitt Süd-Nord
Die drei Atrien dienen innerhalb des
Gebäudes als helle, kommunikative Zone
sowie als Verbindung zwischen den vier
Büroriegeln. Brücken und Stege schaffen
hier kurze Wege. Die Brücken sind als
schlanke, bogenförmige und unterspannte
Stahlstege mit nur 10 cm dicken Hohlkästen ausgeführt. Weiterhin tragen die
Atrien wesentlich zur Temperierung und
Belüftung der Büroriegel bei.
Schnitt Fassade
Prof. Andreas Theilig,
Kauffmann Theilig & Partner
49
Stahlbauten in und um Stuttgart
Seniorenzentrum in Lichtenstein-Honau
Bauherr:
Sozialwerk der EMK Süd,
Freudenstadt
Architekten:
Prof. Tobias Wulf & Partner
Diplom-Ingenieure Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Pfefferkorn + Partner
Beratende Ingenieure VBI,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Walter Nies,
Reutlingen
Stahlbau:
Firma Veit,
Gomaringen
Fertigstellung:
September 1997
Standort:
Heerstraße 41,
Lichtenstein-Honau
Fotos:
Christian Kandzia
Alexander Vohl
Robert Spranger
50
Das Gebäude rückt weit von der viel
befahrenen Heerstraße ab und fügt sich
mit seiner Nebenraumspange eng an den
Steilhang des Albtraufs. Vor dem Haupteingang wurde ein weitläufiger Platz
angelegt, an dem auch öffentliche
Nutzungen liegen. Das Gebäude empfängt
den Besucher mit einladender Geste, die
Gebäudeflügel wirken hier wie ausgebreitete Arme. Von den Zimmern aus hat man
guten Sichtbezug zum Vorplatz, kann sich
aber mit den Schiebeläden vor unerwünschter Einsichtnahme von außen
schützen. Eine große Schrägverglasung
deutet auf die im Zentrum des Gebäudes
liegende Halle hin.
Betritt man das Gebäude, wird man
zunächst von einem lebhaften, dynamisch
in die Vertikale gerichteten Hallenraum in
Beschlag genommen. Diese Halle ist das
kommunikative Zentrum und architektonische Herz der Gesamtanlage. Hier laufen
alle Wege zusammen und finden alle
Gemeinschaftsfunktionen statt, sodass
immer reges Leben herrscht. Auch transparente filigrane Gebilde wie der gläserne
Aufzug und die abgehängten luftigen
Stege wurden nach anfänglicher Skepsis
sowohl von den Bewohnern als auch vom
Personal sehr gut angenommen. Es
scheint tatsächlich so, dass diese Art von
Architektur eine wenn auch nicht verjüngende, so doch wenigstens erfrischende Wirkung auf die Senioren ausüben kann.
BAUEN MIT STAHL
Grundriss und Querschnitt
Wesentliches Element des Entwurfs ist
zudem die Ausrichtung sämtlicher Pflegezimmer zur Sonne bzw. der Blick zur
Burgruine Lichtenstein. Aus diesem Grund
kommt der Fassadengestaltung eine
starke Bedeutung zu.
Die moderne Adaption des klassischen
Architekturelements »Fensterladen« wurde
hier mit fest stehenden Lochblechelementen angereichert. Sie sorgen für
eine maßstabsgebende Rhythmik in der
Gestaltung und dienen gleichzeitig als
Witterungsschutz. Der Absicht von wechselnden, von unterschiedlichen »Gesichtern« der Fassade bei Sonne oder Regen,
wurde eine materialmäßige Dualität von
Stahl und Holz entgegengestellt. So
kommt den feuerverzinkten Lochblechelementen eine große Wichtigkeit in der
architektonischen Erscheinung zu.
Aufgrund der gewählten Dicke von 3 mm
wurde die beim Verzinken in mehreren
Tauchvorgängen bei hohen Temperaturen
auftretende Eigenspannung gemindert,
und es konnte eine homogene, flächige
Zinkoberfläche entstehen, die der beabsichtigten Charakteristik voll entspricht.
Alexander Vohl,
Prof. Tobias Wulf & Partner
51
Stahlbauten in und um Stuttgart
Reihenhaussiedlung Gaildorf-Wörlebach
Bauherr:
Schwäbisch Hall
Projektentwicklungs GmbH,
Schwäbisch Hall
in Kooperation mit
Dyckerhoff & Widmann AG
Niederlassung Wohnsysteme,
Karlsruhe
Die Stahl-Skelett-Bauweise bietet die
herausragende Möglichkeit, die Vorzüge
der Massiv- mit den Vorteilen der
Element-Montage-Bauweise zu verbinden.
So können z. B. Grundrisse mit einer
Fläche von weit mehr als 75 m2 und über
8 m Spannweite mit nur einer einzigen
Stütze realisiert werden.
Entwurf:
Peter Kupferschmidt
Dipl.-Ing. Architekt,
München
Das konstruktive System ist auf ein Raster
von 1,375 m aufgebaut und funktioniert
als »Baukasten-Stecksystem«.
Tragwerksplanung:
Ing. Büro Dr. Gernot Pittioni,
München
Stahlbau:
Stahlhochbau Lübben GmbH,
Lübben
Dies bedeutet, dass ein räumliches Gebilde
erzeugt werden kann, das auf Basis einer
beliebig häufigen Anordnung von
Quadraten mit einer Mindestseitenlänge
von 1,375 m je Seite alle erdenklichen
Grundrisssituationen bewältigt.
Um das feuerverzinkte Stahlskelett selbst
wirtschaftlich herzustellen, werden standardisierte und wenig unterschiedliche
Elemente eingesetzt. Mit nur drei unterschiedlichen Stab-Modul-Elementen
lassen sich vielfältige Grundrisse realisieren, die prinzipiell alle Anforderungen des
Einfamilienwohnens bis hin zum
Geschosswohnungsbau bestens erfüllen.
»Baukasten-Stecksystem« umschreibt die
Einfachheit der Verbindungsteile. Ohne
weitere, eventuell schwierige Montagevorgänge, wie etwa Schweißen, werden
die Stahl-Stäbe durch eine patentierte
Knotenverbindung mit wenigen Handgriffen auf der Baustelle zusammengesetzt.
Fertigstellung:
Oktober 1999
Standort:
Quartier zwischen
Goldammerweg, Schwalbenweg
und Bossardstraße,
Gaildorf-Wörlebach
Fotos:
Peter Kupferschmidt
Petra Wallner, München
Regelquerschnitt Typ 1
Modulares Bausystem
52
Das Konstruktionssystem besteht aus
warmgewalzten Hohlprofilen: die Stützen
mit 120/120 mm, die Träger mit 120/220
mm, in den drei unterschiedlichen Längen
1,375 m, 2,75 m und 5,50 m. Die Wandstärken der Stützenprofile sind so ausgelegt, dass bei Berücksichtigung von
brandschutztechnischen Anforderungen
selbst viergeschossiger Wohnungsbau mit
einer äußerst minimierten Anzahl von
unterschiedlichen Bauteilen möglich ist.
Die Aussteifung des feuerverzinkten
Stahlskelettes übernehmen einerseits vorfabrizierte, massive Deckenelemente, die
gleichzeitig Schalldämmung und Wärmespeicherung bringen, sowie vorgefertigte
Fassadenelemente aus Holzrahmen oder
Leichtbetontafeln.
Da im Falle einer Skelettkonstruktion
Lastabtragung und Raumbegrenzung
unabhängig voneinander sind, können die
Innenwände aus demontablen Trennwand- oder Schranksystemen gebaut sein.
Die äußerste Fassadenhülle wird durch
Halbzeuge gebildet.
Das so genannte »wachsende Haus« ist
hiermit verwirklicht.
Peter Kupferschmidt,
Dipl.-Ing. Architekt
53
Stahlbauten in und um Stuttgart
Neckarbrücke Bad Wimpfen
Bauherr:
Regierungspräsidium Stuttgart,
Straßenbauamt Heilbronn
Entwurf und Tragwerksplanung:
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart
Prüfingenieur:
Dr. Hildenbrand, Ludwigsburg
Stahlbau:
Jesse GmbH, Brackenheim
Fertigstellung:
Juli 2000
Standort:
L 1100 bei Bad Wimpfen
Foto:
Leonhardt, Andrä und Partner
Die in den Jahren 1949–1953 gebaute
Brücke überquert den Neckar mit Stützweiten von 40,7 – 70,3 – 40,7 m; zur
Berücksichtigung von Langzeitsetzungen
aus den nahe gelegenen Salzbergwerken
hatte die Mittelöffnung einen 44,7 m
langen Einhängeträger. Die insgesamt
12 m breite Brücke besteht aus einer
7,0 m breiten Fahrbahn mit orthotroper
Platte und 2,25 m breiten Gehwegen aus
Stahlbetonplatten auf Stahlquerträgern.
Undichtigkeiten der Gehwege und der
Fingerübergänge hatten im Laufe der
Jahre zu erheblichen Korrosionsschäden
an der Stahlkonstruktion geführt, die eine
grundhafte Erneuerung des gesamten
Überbaus erforderten. Diese besteht im
Wesentlichen aus:
– Ersatz der Betongehwege durch eine
orthotrope Platte,
– Schließen der Gelenke im Mittelfeld,
– Ersatz der Fingerübergänge an den
Brückenenden und Dehnprofilübergänge,
Feldquerschnitt
54
– Ersatz der vorhandenen Rollen- und
Linienkipplager durch Neotopflager,
– Neuer Fahrbahnbelag,
– Kompletterneuerung bzw. Überarbeitung des Korrosionsschutzes auf der
Außen- und Innenseite,
– Erhöhung der Tragfähigkeit auf BK
30/30.
Die erforderlichen Arbeiten wurden unter
Aufrechterhaltung eines einspurigen Verkehrs zunächst auf der Oberstrom-, dann
auf der Unterstromseite durchgeführt.
Wegen der – bei Umbauten üblichen –
sehr komplexen Zusammenhänge
zwischen Bauablauf und vorgegebener
Tragfähigkeit erfolgte die Ausschreibung
auf der Grundlage einer geprüften statischen Berechnung.
Umbau und Verbreiterung dieser Brücke
sind ein Beispiel für die Langlebigkeit und
Anpassungsfähigkeit von Stahlbrücken.
Dipl.-Ing. Reiner Saul,
Leonhardt, Andrä und Partner
BAUEN MIT STAHL
Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe
Bauherr:
Stadt Karlsruhe, vertreten durch
Kommunalbau Karlsruhe GmbH
Architekten:
Architekten Schweger + Partner,
Hamburg
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Janssen + Stöcklin,
Rastatt
Werner Sobeck Ingenieure GmbH,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. D. Steiner,
Karlsruhe
Stahlbau:
Ziemann GmbH,
Wittlich
Stahlbauwerk Müller GmbH + Co. KG,
Offenburg
Erich Mächler GmbH,
Gaggenau
Josef Baumstark GmbH,
Karlsruhe
Zum Beginn des dritten Jahrtausends hat
die Stadt Karlsruhe ein riesiges, kompaktes Medienschiff bekommen, ausgestattet
mit Kunst und Computern, mit elektronischen Apparaten. Heinrich Klotz, der
unermüdliche Promoter, hat dieses weit
über die Landesgrenzen hinausweisende
Großprojekt mit Zähigkeit und Verhandlungsgeschick zur Produktionsreife getrieben. Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) ist mit seinen zehn
glasüberdachten Lichthöfen mit filigranen
Stahlkonstruktionen, die wie große
Schotten das 312 m lange und vier Stockwerke hohe Gebäude unterteilen, vollgepackt mit Kunstobjekten, aber wohl
ebenso reichlich befrachtet mit Medientechnologie: ein Labor für eine digitale
Welt.
Fertigstellung:
Oktober 1997
Standort:
Lorenzstraße 19,
Karlsruhe
Fotos:
Bernhard Kroll
Längsschnitt
Im Wettbewerb präsentierten Schweger +
Partner einen klar durchdachten, kommunikationsfreundlichen Entwurf, der durch
seine Zurückhaltung dem denkmalgeschützten Gebäude entgegenkam und
folgten damit dem Gedanken von Philipp
Jakob Manz, der diesen Industriebau 1918
entworfen hatte. Der strenge Rhythmus
der Pfeiler und Unterzüge, die aus der
Konstruktion abgeleitete strukturelle
Gliederung, der klare funktionale Aufbau:
ein Kapital, mit dem sich gut arbeiten
ließ.
55
Stahlbauten in und um Stuttgart
Der historische Industriebau wird im
Wesentlichen erhalten und wiederhergestellt. Seine Großform, Reihung und der
Wechsel von Hallen und Geschossbau,
bietet die Grundlage für die neu formulierte Werkstattatmosphäre. Im Bereich
der öffentlichen Durchwegung, eingebunden in den Stadt-Kontext, wird die vorgesehene Nutzung durch angemessene
Eingriffe in die Fassade sichtbar erklärt.
Die Fassaden erhalten durch neue Stahlfenster die ursprünglich kleinmaßstäbliche
Gliederung in den großen Öffnungen
zurück. Hinter der geschlossenen Außenfront gibt es im Inneren jene Weltläufigkeit, welche die gewünschte Kommunikation zwischen Medienmuseum, Städtischer Galerie, Hochschule für Gestaltung
und Museum für Neue Kunst schon durch
die Fluchten der Räume vorbereitet.
Bei der Konzeption der Treppen und
Brücken, die diese Lichthöfe in unterschiedlichen Höhen durchqueren, war es
deshalb Grundvoraussetzung, den architektonischen Raum zu erhalten und sogar
zu steigern.
Die Treppen und die Brücken spannen bis
zu 18 m weit. Sie lagern meist auf den
Randunterzügen der bestehenden
Geschossdecken auf. Deren beschränkte
Tragfähigkeit erzwang eine möglichst
leichte Bauweise. Zusammen mit der
Forderung nach einer lichtdurchlässigen
und das Raumvolumen der Innenhöfe
möglichst wenig beeinträchtigenden
Konstruktion führte dies zum Entwurf
unterspannter Treppen und Brücken. Sie
haben alle dasselbe Prinzip, alle bestehen
aus denselben Baustoffen und Profilen.
56
Schnitt Lichthof
Näher betrachtet setzt sich jede Brücke
aus zwei parallel zueinander verlaufenden
unterspannten Trägern zusammen, deren
Obergurt aus einem Stahlrohr und deren
Untergurt, da stets nur zugbeansprucht,
aus einem System von Zugstangen. Die
Obergurte der beiden Träger werden im
Abstand von ca. 1,40 m durch
Quertraversen miteinander verbunden.
Das gewählte Konstruktionsprinzip markiert das Maximum an erreichbarer
Leichtigkeit. Druckkräfte werden durch
Reduktion des Stabilitätsproblems durch
Hohlprofile, Zugkräfte durch Zugstangen
aus hochfestem Stahl abgetragen. Alle
Knotenpunkte sind aus Stahlguss, sodass
sich auch hier durch Verzicht auf Schrauben und Knotenbleche ein sehr eleganter
und sofort ablesbarer Kraftfluss ergab. Die
Modularität des Konstruktionsprinzips
erlaubt die Anwendung für die Brücken
wie für die schwebenden Treppen: eine
»Familie« tragender Konstruktionen.
BAUEN MIT STAHL
Die neue Kulturfabrik erhält nicht nur
einen faszinierenden Industriebau, sondern ist zudem Ausgangspunkt für die
städtebauliche Entwicklung eines ganzen
Stadtteils. Der blaue Medienkubus des
ZKM umhüllt den hermetisch geschlossenen Körper des großen Musikstudios mit
einem Licht, das spielerisch schimmernd
durch bewegliche Glaslamellen medial in
die Stadt leuchtet. Der Studiobau steht
frei auf einem Stahlrost und ist außen
verkleidet mit verschiedenen blau
beschichteten Metallpaneelen. Frei davor
trägt eine Stahlkonstruktion die Wetterschutzhaut aus unterschiedlichen Gläsern.
An der Ostseite wurde eine Lamellenfassade mit punktförmig gelagerten Verglasungen realisiert. Die Mehrschichtigkeit
des Kubus mit seinem Stahl-Glas-Mantel
über dem blauen Studiokörper erinnert an
einen Monitor im Moment des An- und
Abschaltens: ein blaues Flimmern jenseits
des Bildes am Übergang zwischen den
Wahrnehmungsebenen. Mit seiner schwer
erfassbaren Gegenständlichkeit symbolisiert er die fehlende Greifbarkeit von
Orten und Ereignissen in der medialen
Vermittlung.
Prof. Wilhelm Meyer,
Architekten Schweger + Partner
Lageplan
57
Stahlbauten in und um Stuttgart
Filmpalast in Karlsruhe
Bauherr:
Perseus Immobilien
Verwaltungs GmbH & Co. KG
LBB Fonds Dreizehn,
Berlin
Betreiber:
Fricker & Kieft,
Karlsruhe
Architekt:
Till Sattler,
Köln
Tragwerksplanung:
Anselment – Möller + Partner GmbH,
Karlsruhe
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Kurt Harrer,
Karlsruhe
Stahlbau:
Stahlbau Ziemann GmbH,
Wittlich
Fertigstellung:
März 2000
Standort:
Brauerstraße,
Karlsruhe
Fotos:
Roland Fränkle/Stadt Karlsruhe
58
Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) nennt sich eine Einrichtung in
Karlsruhe, die 1997 gegründet wurde.
In direkter Nachbarschaft zum ZKM entstand nun ein neuer Filmpalast. Er bietet
fast 3.000 Sitzplätze in zehn Kinosälen,
ein 3-D-Kino sowie einen PremierenKinosaal mit 564 Sitzplätzen. Hinzu
kommen vier Gastronomiebetriebe, die
sich um das 1.200 m2 große Foyer gruppieren. – Es präsentiert sich als multifunktionales Atrium. West- und Südseite
dieses 16,50 m hohen Raumes werden
durch die Kinoblöcke mit ihren zum Foyer
hin orientierten Zugangsgalerien
begrenzt. Nord- und Ostseite bilden die
großzügige Glasfassade.
Das Parkproblem wurde gelöst durch eine
Tiefgaragenebene mit 442 Stellplätzen
und der Unterbringung für 395 Fahrräder.
Das vom verantwortlichen Architekturbüro gemeinsam mit dem Betreiber entwickelte Programm dokumentiert die
Vision einer kulturell anspruchsvollen
Erweiterung des städtischen Lebensraumes. Ziel des gestalterischen Konzeptes
ist es, innerhalb eines kompakten monolithischen Baukörpers eine maximale
Spannung durch den ehrlichen Umgang
mit der plastischen Körperhaftigkeit der
Kinosäle und der luftigen Transparenz der
Glashalle zu erreichen.
Insgesamt wurden hier rund 600 t Stahlkonstruktion verbaut; 300 t sind feuerverzinkt, die anschließend auf der Baustelle nach dem Duplex-System beschichtet wurden. Dieser Anteil besteht in der
Hauptsache aus 17 m langen Stützrohren
und bis zu 23 m langen Längs- und
Diagonalriegeln.
BAUEN MIT STAHL
Die konstruktive Ausbildung der Konstruktion wurde im Vorfeld zwischen der
Verzinkerei Rhein-Main GmbH in GroßRohrheim und der Stahlbau Ziemann
GmbH in Wittlich besprochen und genau
festgelegt. Eine problemlose Verzinkung,
trotz komplizierter und schwieriger Konstruktionsteile, war somit möglich.
Gerd W. Boschbach,
Journalist
59
Stahlbauten in und um Stuttgart
Zentralinstitut für Bildgebende Diagnostik in Karlsruhe
Bauherr:
Städtisches Klinikum Karlsruhe GmbH,
Karlsruhe
Bauherrenvertretung und Projektleitung:
Karlsruher Planungsgesellschaft
für Einrichtungen des Sozialund Gesundheitswesens mbH
Der Neubau des Zentralinstitutes für Bildgebende Diagnostik (ZIBID) und andere
Funktionsstellen vereint die derzeit über
das gesamte Klinikum Karlsruhe verstreuten Abteilungen in einem Komplex. Dies
sind das Zentralröntgen, das Unfall- und
Notfallröntgen, die Angiographie und die
Computer- und Kernspintomographie.
Architekten:
Gaiser und Feigenbutz
Freie Architekten BDA,
Karlsruhe
Tragwerksplanung:
Ingenieurgruppe Bauen,
Karlsruhe
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Kurt Harrer,
Karlsruhe
Stahlbau:
Industriebau Bönningheim
GmbH + Co. KG,
Bönningheim
Fertigstellung:
Juni 1997
Standort:
Moltkestraße 80,
Karlsruhe
Fotos:
Roland Halbe, Stuttgart
Der Neubau entwickelt sich nördlich der
Urologischen Klinik (Bauteil E) und östlich
der II. Medizinischen Klinik (Bauteil D).
Seine Lage wird fixiert durch die Aufnahme der vorhandenen Wegeachsen.
Durch eine zweigeschossige Halle im
Ansicht Nordost
Schnitt
60
Süden wird der Neubau deutlich markiert
und mit dem vorhandenen Bau E verknüpft. Die Halle dient als Eingang und
als Warte- und Kommunikationsbereich
für die Patienten.
BAUEN MIT STAHL
Das ZIBID besteht aus einem annähernd
quadratischen Baukörper von ca. 70 m
Seitenlänge. Es sind insgesamt drei
Geschosse vorhanden, von denen das
unterste im Erdreich liegt. Die Anbindung
an das vorhandene Nachbargebäude
erfolgt über eine Brücke sowie eine
unterirdische Rampe. Das Gebäude ist in
Skelettbauweise mit einem Stützenraster
von 7,2 x 7,2 m erstellt und mit einer
vorgehängten Pfosten-Riegel-Fassade
versehen. Zur Aussteifung dient die
Aufzugs- und Treppenhausspange.
Grundriss Erdgeschoss
Die dominierende Halle ist aus Stahl konstruiert, schließt mit einem Metalldach ab
und hat ebenfalls eine Pfosten-RiegelFassade. In der Halle befindet sich neben
der Verbindungstreppe zwischen den
beiden Geschossen noch ein frei eingestellter verglaster Personenaufzug. Den
Innenhof überdeckt ein Glasdach. Er
gewährleistet die Belichtung der innen
liegenden Betriebsbereiche und dient als
Aufenthaltsbereich für das Personal.
Ebenso ist die Verbindungsbrücke zum
Bau D als Stahl-Glas-Konstruktion ausgeführt. Vor dem Liegendkrankeneingang
gibt es eine frei stehende Überdachung
aus runden Stahlstützen und Stahl-Fachwerkträgern mit einem bekiesten
Blechdach.
Olivia Gaiser-Delgmann,
Gaiser und Feigenbutz
61
Stahlbauten in und um Stuttgart
Obstverkaufshalle in Albstadt-Ebingen
Bauherr:
Alfred Wassmer,
Bodman-Ludwigshafen
Architekten:
Schaudt Architekten BDA,
Konstanz
Die Familie Wassmer besitzt im Bodenseeraum mehrere Anbauflächen für Obst und
Gemüse. Um diese Produkte direkt zu
vermarkten, sollte ein entsprechender
Verkaufsraum erstellt werden.
Tragwerksplanung:
Ing.-Büro Leisering,
Konstanz
Das Raumprogramm umfasste neben
Verkaufsflächen auch gekühlte Lagerräume, Technikzentrale, Büro, WC,
Anlieferung mit Rampe sowie Stellplätze
für die Kunden und Angestellten.
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Georg Lochner,
Reichenau
Das Grundstück befindet sich direkt an
einer der Ausfahrtstraßen der Gemeinde
Albstadt-Ebingen.
Stahlbau:
Fried KG,
Zaberfeld
Die Lage der geplanten Halle nimmt die
Gebäudefluchten und -höhen der angrenzenden Bebauung auf und markiert so die
Fortsetzung des Straßenraumes.
Fertigstellung:
September 1998
Standort:
Lautlinger Straße 49,
Albstadt-Ebingen
Fotos:
Schaudt Architekten
Unter einem langen gläsernen Satteldach
sind die verschiedenen Funktionsbereiche
untergebracht. Im vorderen Teil ist ein
überdachter und mit verschiebbaren Torelementen abtrennbarer Lager- und
Durchfahrtsbereich, daran schließen ein
beheizter vollverglaster Verkaufsbereich
sowie ein aus Containerelementen erstellter eingeschossiger Gebäudekörper an, in
welchem die Lagerräume, Anlieferung,
Haustechnik und der Büroraum untergebracht sind.
Das Gebäude besteht aus einer GlasStahl-Konstruktion, welche aus kostengünstigen Gewächshauselementen
hergestellt wurde. Die zur Hofseite angeordneten eingeschossigen Nebenräume
wurden mit industriellen MetallSandwichelementen errichtet. Das Glasdach ist mit verschiedenen Verschattungselementen ausgestattet, damit eine
differenzierte Steuerung des Sonnen- und
Tageslichteinfalls ermöglicht werden
kann.
Dipl.-Ing. (FH) Andreas Rogg,
Schaudt Architekten
Ansicht
62
BAUEN MIT STAHL
Wohnhaus in Dörzbach
Bauherren:
Peter und Martina Keilbach,
Dörzbach
Architekten:
Schaudt Architekten BDA
Martin Cleffmann,
Konstanz
Tragwerksplanung:
Dipl.-Ing. Lichti & Dipl.-Ing. Laig,
Mosbach
Stahlbau:
Stahlbau Illingen GmbH,
Illingen
Fertigstellung:
August 1999
Standort:
Friedhofstraße 16,
Dörzbach
Fotos:
Schaudt Architekten
Die Familie Keilbach, ein Ehepaar mit drei
Kindern, kam seinerzeit mit dem Wunsch
zu uns, auf einem ländlichen Grundstück
in Dörzbach ein Wohnhaus sowie ein
Atelier- und Werkstattgebäude für den
Bauherrn zu realisieren.
Nach längeren intensiven Diskussionen
haben wir uns dann zusammen mit dem
Bauherrn für einen Baukörper entschieden, der senkrecht zum Hang platziert
wurde, das heißt in Ostwestrichtung.
Durch die schlanke Stahlskelettkonstruktion konnte erreicht werden, dass das
Gebäude schwebend aus dem Hang
herausläuft und somit nur geringe
Eingriffe in die Landschaft notwendig
waren.
Es wurde ein einfacher, aber selbstbewusster Baukörper konzipiert von ca.
6 x 30 m Länge. Das Gebäude hat auf der
Hangseite eine kleine Unterkellerung, auf
der Westseite ist das Gebäude aufgeständert. Dieser Bereich dient als Zugang und
Carport.
Das Gebäude innerhalb ist so aufgegliedert, dass entlang der Nordseite in einem
2 m breiten Streifen die Erschließung
untergebracht ist, die Einzelräume addieren sich im Südbereich, im westlichen
Bereich ist ein zweigeschossiger Wohnraum angeordnet.
Durch großzügige Verglasungen, Terrassen
im Südbereich sowie eine Frühstücksterrasse im Norden wird das Gebäude mit
der Umgebung verzahnt, insbesondere im
westlichen Bereich, wo sich die Terrassen
einem Baumhaus gleich in die Bäume
schieben.
Ansicht Süd
Das gesamte Gebäude ist aus einer filigranen Stahlskelettkonstruktion erstellt mit
durchlaufenden Stützen und stumpf
anschließenden Trägern bzw. Unterzügen.
Kellerfundamentierung sowie Deckenplatten sind in Stahlbeton ausgeführt
(Fertigteile), die Sekundärkonstruktion aus
Holz Leichtbau hergestellt, ebenso das
Dach.
Das Grundraster beruht auf 4 x 4 m bzw.
4 x 2 m, das Ausbauraster auf 1 x 1 m.
Für die Stützen wurden HEB 100 verwendet, für die Unterzüge IPE 200. Die
gesamte Stahlkonstruktion ist feuerverzinkt, in Teilbereichen mit Eisenglimmerfarbe gestrichen.
Dipl.-Ing. Martin Cleffmann,
Schaudt Architekten
63
Stahlbauten in und um Stuttgart
Innovationswerkstatt in Heidelberg
Bauherr:
C. Josef Lamy GmbH,
Heidelberg
Architekten:
Bertsch – Friedrich – Kalcher
Dipl.-Ing. Freie Architekten BDA,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro
Rittich, Bornscheuer und Partner,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. J. Steiner,
Mannheim
Stahlbau:
Stahlbau Ziemann GmbH,
Wittlich
Fertigstellung:
Oktober 1996
Standort:
Grenzhöfer Weg 32,
Heidelberg
Fotos:
Bertsch – Friedrich – Kalcher
Erco Leuchten GmbH, Lüdenscheid
64
Im Jahre 1996 erschien ein Schreibgerät
auf dem Markt mit der Typenbezeichnung
Lamy 2000. Es war der Beginn der LamyDesign-Ära und der Einstieg von Dr.
Manfred Lamy in das Unternehmen. Seine
Vorstellung und Innovationskraft vom
modernen Schreibgerät hatten Form
angenommen. Die Gestaltungsauffassung
»form follows function«, in der modernen
Architektur schon seit 90 Jahren ein überzeugender Ansatz, hat sich nun ebenso
beim Schreibgerät einen berechtigten
Platz erobert.
Auch in der Architektur der Produktionsstätte in Heidelberg hat Dr. Lamy zusammen mit den Architekten und Designern
die konsequente Haltung zur »Moderne«
als Grundlage der Gestaltung gesehen.
In den letzten zehn Jahren entstanden auf
dieser Basis notwendig gewordene Erweiterungen in Produktion und Verwaltung.
Entscheidend war hier die Reduzierung
auf einfachste Formen, ein dunkler StahlGlaskörper für die Innovationswerkstatt,
ein offener lichter Glasbau für die Galeria,
als Kopplungsbau zwischen Produktionshallen und der Innovationswerkstatt. Die
Innovationswerkstatt beherbergt die
Bereiche Konstruktion, Prototypenbau
und Werkzeugbau.
Der Werkzeugbau kennzeichnet sich funktional durch die außen liegende Konstruktion als aufgehängter Glaskubus mit einer
einheitlich schwarz getönten »structuralglazing«-Fassade, deren Elemente mit
143 x 90 cm das gesamte Gebäude
umschließen. An der Südfassade wurde
eine Photovoltaikanlage mit einer
Leistung von 10 kW integriert. Die freitragende Konstruktion im Werkzeugbau
ermöglichte die Versorgung der gesamten
Fläche mit einer Kranbahn.
Die Konstruktion der Innovationswerkstatt
ist ebenfalls vom Reduktionsansatz
geprägt. Runde Stahlstützen, Stahlträger
und Trapezbleche mit Aufbeton bestimmen das sichtbar gebliebene Tragwerk.
Der geforderte Brandschutz für die Decke
(F 90) wird durch Aufbeton erreicht, die
geforderten F 60 für die Konstruktion
durch einen Brandschutzanstrich.
Bis auf wenige Teile wurden alle Deckenbereiche sichtbar belassen und haustechnische Elemente in das Gesamtgestaltungskonzept integriert.
BAUEN MIT STAHL
Ansicht Süd
Querschnitt
Isometrie Kranhalle
Das Bindeglied zwischen der Innovationswerkstatt und der Produktion wurde
genauso als Stahl-Glaskonstruktion konzipiert. Sie kann vor allem für Ausstellungen, Tagungen und Versammlungen
genutzt werden. Die Glasdachkonstruktion
wurde so weit als möglich flach konstruiert (2 %), damit der Zwischenbau angenehm eingebunden ist. Die Verschattung
ist durch eine Markisenanlage gewährleistet.
Der Innenausbau zielt mit einer Reduktion
auf wenige Materialien wie Glas, Stahl,
Putz und Granit auf eine ruhige Atmosphäre.
Auf der Nordseite erreicht eine Längserschließungsachse die Glashalle und
bindet an das 1. OG der Innovationswerkstatt an. Dieser Steg wurde in Stahl entworfen, hängt an der Dachkonstruktion,
die Gehfläche wurde mit begehbaren
Glasplatten ausgeführt, um die Transparenz der Halle zu verstärken.
Frei an den Längswänden schwebende,
weiß lackierte Aluminiumpaneele dienen
der Ausstellungsfunktion. Die an der
Nordseite angeordnete leicht geschwungene Stahl-Glas-Treppenanlage begrenzt
bühnenbildartig jene Hallenseite.
Zielsetzung war es in allen Bereichen,
einen hohen Anspruch an die Arbeitsatmosphäre und eine kommunikationsfördernde Innenraumstruktur zu verwirklichen.
H. G. Friedrich,
Bertsch – Friedrich – Kalcher
65
Stahlbauten in und um Stuttgart
Print-Media-Academy in Heidelberg
Bauherr:
Heidelberger Druckmaschinen AG,
Heidelberg
Architekten:
Planungsgruppe Heidelberg
Architekten Bechtloff–Partner/
Partner Bernhard Wondra, Hamburg
H. J. Schröder, Freier Architekt BDA /
Partner Hans-Peter Stichs, Heidelberg
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Hajo Kullmann,
Leonberg
Die Print-Media-Academy fungiert als
internationales Schulungszentrum der
Heidelberger Druckmaschinen AG. Städtebaulich bildet sie das Ende der Kurfürstenanlage und akzentuiert den Raum
um die Freiflächen des Bahnhofsvorplatzes zusammen mit dem geplanten
Kongresszentrum im Süden. Der vollständig verglaste Baukörper mit der zum
Bahnhof orientierten haushohen Halle
gestattet Einblicke und trägt den selbstbewussten Anspruch der Bauherrenschaft
wie den fortschrittlichen technologischen
Stand des Unternehmens auch nach
außen.
Brandschutzgutachten:
Halfkann + Kirchner,
Erkelenz
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Josef Steiner,
Mannheim
Stahlbau:
DSD Dillinger Stahlbau GmbH,
Saarlouis
Fertigstellung:
April 2000
Standort:
Kurfürstenanlage 52–60,
Heidelberg
Fotos:
Comma, Mannheim
Lossen, Heidelberg
Heidelberger Druckmaschinen AG
Schnitt Achse West-Ost
66
Der gläserne Baukörper hat eine Kantenlänge von 37 x 37 m und eine Höhe von
49 m. L-förmig, die Ost- und Nordfassade
einnehmend, sind in den unteren Etagen
Seminarräume untergebracht und darüber
flexible Büronutzungen vorgesehen. Im
Dachgeschoss, noch oberhalb des Hallenglasdaches, befindet sich das hauseigene
Restaurant. An den Stirnenden sind die
notwendigen Treppenhäuser angeordnet.
Dieses Hauptvolumen schwebt zum
Inneren hin stützenfrei über den elliptisch
geformten Hörsaal. Die rote Schale des
aus dem Wasserbecken im Untergeschoss
erwachsenden Auditoriums stört bewusst
als Freiform die Transparenz und Variabilität des Gebäudes. Einsichten und
Durchsichten sind sonst überall gegeben.
Frei in der 45–48 m hohen Halle stehen
die metallenen Zwillingstürme, an zwei
Druckwalzen erinnernd, auf zentralen
zweigeschossigen Rundstützen. Die runden Besprechungs- und Seminarräume
darin sind über Stege mit den jeweiligen
Geschossen verbunden. An diesen Stegen
sind auch 2 x 2 Panoramaaufzüge angedockt.
BAUEN MIT STAHL
Die Lasten werden über 12 Rundstützen
an der Außenfassade abgetragen. Im
Innenbereich werden alle 12 Geschosse
über sich kreuzende Vierendeelträger
abgefangen und die Kräfte in die Außenstützen abgeleitet. So bleibt das gesamte
Erdgeschoss stützenfrei. Die Hallenfassade
wird alle drei Etagen über einen horizontalen Dreigurtbinder ausgesteift. Jeweils
drei Geschosse Glas hängen an diesen
Trägern. Das Glas wird wiederum
geschossweise von horizontalen, fischbauchigen Seilbindern gehalten.
Die sich über jeweils zwei Hauptachsen
erstreckende Glashalle hat eine Abmessung von 23,5 x 23,5 m mit einer Höhe
von 45 m. Ein Glasdach bildet die obere
Hüllfläche. Dort tragen zwei Dreigurtbinder in den Hauptachsen die minimal
und zentral geneigten vier Glasflächen.
Die horizontalen Dreigurtbinder aus
Stahlrohr starten ab dem dritten Obergeschoss. Sie spannen zwischen den
Hauptstützen (d = 61 cm), und die Glasfassade hängt mit Abstand über schlanke
Vertikalstäbe an den Dreigurtbindern. In
den dazwischenliegenden Geschossen
sorgen die liegenden fischbauchigen
Stahlseilbinder für die Aussteifung der
Glasflächen gegen Windkräfte. Diese sind
als rahmenlose Sonnenschutzisolierverglasung ausgeführt. Punkthalter tragen
die Glaslasten in die Vertikalrohre. In der
Höhe der Dreigurtbinder sind gläserne
Lüftungsklappen zur Steuerung des
Hallenklimas eingebaut.
Grundriss Erdgeschoss
67
Stahlbauten in und um Stuttgart
Vertikalschnitt Hauptträger
Hallenecke in Seilbinderebene
Das Gebot, die Materialität bei gewährleisteter Stabilität der Fassade aufzulösen,
hat zu umfangreichen Untersuchungen
geführt. Das Ergebnis spiegelt das im
Erscheinungsbild auf ein Minimum reduzierte Tragsystem wider. Für den ersten
Schnittpunkt direkt an den Punkthaltern
wurden nach Musterstudien entwickelte
gusseiserne Halteklammern gefertigt. Das
vertikale Rohr hängt die Glasfassade an
die Dreigurtbinder, dünne, aber hochfeste
Stahlstäbe, die von den Stahlseilen des
Fischbauches durchlaufen werden, sind
gelenkig mit den Stahlstäben verbunden.
Die horizontalen Seilbinder geben ihre
Vorspannkraft von 14 t in die Hauptstützen ab. Die Anbindeknoten wurden,
der Geometrie und den Kräften folgend,
ausformuliert.
B. Wondra, J. Volkmann, C. Deda,
Planungsgruppe Heidelberg
68
BAUEN MIT STAHL
Rheinbrücke Ludwigshafen–Mannheim
Bauherr:
Deutsche Bahn AG
NL Südwest,
Karlsruhe
Entwurf:
Ingenieurgruppe Bauen,
Karlsruhe
Als dreifeldriger, durchlaufender Polygonbogenträger mit orthotroper Fahrbahn
entworfen, überspannt diese zweigleisige
Eisenbahnbrücke den Rhein unweit der so
genannten Konrad-Adenauer-Brücke und
verbindet derart die Städte Ludwigshafen
und Mannheim.
Ausführungsberechnung:
Weyer GmbH,
Dortmund
Prüfingenieure:
Dr.-Ing. Klaus Stiglat, Karlsruhe
Prof. Dr.-Ing. F. Mang, Karlsruhe
Ausführung:
Ed. Züblin AG, NL Mannheim
Krupp Stahlbau Hannover GmbH
DB AG, Stahlbau Dessau
Fertigstellung:
September 2000
Standort:
Rhein-km 424,406,
ABS Mainz–Mannheim
Foto:
Deutsche Bahn AG
Die beiden Widerlager wurden als Hohlkästen ausgebildet, die auf Großbohrpfählen (d = 1,20 m) in unmittelbarer
Nachbarschaft der bestehenden Eisenbahnbrücke gegründet sind. Zugleich dienen sie als Endauflager für die beiden
Vorlandbrücken. Die Strompfeiler sind
ebenfalls auf Großbohrpfählen gegründet
und massiv hochgeführt. Sie wurden für
die Brückenlasten und Schiffsanprall
bemessen, und zum Schutz vor Auskolkung in ihrer näheren Umgebung sind
Steinschüttungen vorgesehen.
Kabelkanal, sodass die Brückenbreite hier
13,08 m erreicht. Bei einer Länge von
293,90 m beträgt ihre Gesamthöhe
20,00 m, wobei der Hängerabstand
18,26 m misst. Das Gewicht der Stahlkonstruktion liegt bei 2.650 t.
Roger Skade,
Fachpublizist
Der Stahlüberbau ist als durchlaufender
Polygonbogenträger mit den Stützweiten
3 x 91,30 m konzipiert. Für alle Stäbe der
geschweißten Konstruktion mit Ausnahme
der Hänger, Fahrbahnquerträger und
Dienststegkonsolen wurden voll verschlossene Hohlkastenprofile gewählt; sämtliche
Montagestöße sind geschweißt. Als Fahrbahn kam eine orthotrope Platte mit
Längstrapezrippen und offenen Querträgern im Abstand von 3.034 m zur
Anwendung. Gemäß den DB-üblichen
Konstruktionsregeln wird die Brücke über
das Schotterbett geführt. Am Übergang
vom Widerlager Ludwigshafen zur Stahlbrücke sind Schienenauszüge angeordnet
und auf dem Überbau Schutzschienen
verlegt. An beiden Seiten des Tragwerks
befinden sich zudem Dienststege mit
69
Stahlbauten in und um Stuttgart
Zentraler Omnibusbahnhof Offenburg
Bauherr:
Fachbereich Stadtplanung und Umwelt
der Stadt Offenburg
Entwurf und Tragwerksplanung:
IPL Ingenieurplanung Leichtbau GmbH,
Radolfzell
Prüfstatik:
Dr. Beierlein,
Zwickau
Stahlbau:
Müller Offenburg GmbH & Co. KG,
Offenburg
Fertigstellung:
Mai 2000
Standort:
Hauptstraße,
Offenburg
Fotos:
IPL
70
Der Neubau des ZOB ist das Highlight der
Anfang der 90er-Jahre begonnenen
Innenstadtentwicklung: Über den 284 m
langen Busbahnhof bindet die Fußgängerzone nun an den Hauptbahnhof an. Die
zweispurige Anlage bietet Platz für 12
Busse an überdachten und für zwei Busse
an nicht überdachten Haltestellen. An
beiden Enden informieren 2 x 2 m große,
leuchtstarke Displays über die nächsten
zehn Busbewegungen. Wegen des sehr
engen Straßenprofils erhielten die Haltestellen entlang der Häuserzeile nur ein
Regendach.
Für den ZOB entwarf IPL ein Baukastensystem, aus dem vollausgestattete Bushaltestellen mit Regen- und Sonnenschutz oder einfache, auf Haltestellenschild und Wartebank reduzierte Haltestellen zusammengestellt werden können.
Zurückhaltende Farben (materialgerecht
mit grauer Glimmerfarbe DB 701 lackierter Stahl, weiße Segel und bootsbautypisch glänzende Edelstahl-RostfreiSegelbeschläge und -Spannseile) betonen
die Informationsbausteine: die gelbe
Displayschrift, die knallgrünen Kartenautomaten und Entwerter und die grüngelben Haltestellentafeln.
Abgesenkte Schwellen und Leitsteine für
Taststöcke machen den gesamten Busbahnhof behindertenfreundlich.
Direktes und indirektes Licht aus 36
Leuchten verwandeln in der Dämmerung
und nachts die Segelflächen in sanft
strahlende Lichtobjekte.
BAUEN MIT STAHL
Eine komplette Überdachung besteht aus
folgenden Bausteinen:
Zwei eingespannten Leitern als StahlSchweißkonstruktion (l = 8,7 m bzw. 4 m)
aus Rundrohren 76,1 x 2,9– 133 x 10
mit Flacheisensprossen 4 x 180–10 x 180
und einer seitlichen Abspannung aus 7 m
fixlangen galfanbeschichteten Spiralseilen
d = 38 mm mit vergossenen Gabelköpfen;
einer 12,5 m langen bogenförmigen
Stahlleiter mit einer VSG-Scheiben, als
Regenschutz für die Sitzplätze auf dem
Mittelsteg und dem Gehsteig, sowie einer
rückwärtigen stehenden Verglasung und
Glasfüllungen für die Seitenwände;
Ansicht
einem frei auskragenden Schattensegel:
Die Schmetterlingsform der 7-PunktSegel (zweiachsig gegensinnig gekrümmt
und mechanisch vorgespannt) entsteht
durch seitliches Festhalten von zwei
gegenüberliegenden Haut-, durch
Spreizen von vier Hautspitzen mit zwei
»seilgehaltenen Luftstützen« aus Edelstahl
Rostfrei und durch Herabziehen eines
Tiefpunktes. Über diesen trichterförmigen
Tiefpunkt entwässert das Segel in einen
flexiblen Metall-Wickelschlauch (alles aus
Edelstahl Rostfrei mit gebeizter und passivierter Oberfläche). Das für die Membransegel verwendete vorgebleichte PTFEGlasgewebe ist dauerhaft außenwitterungsbeständig. Seine Oberfläche hat
Selbstreinigungscharakter und hellt unter
UV-Einwirkung auf. Die Seile in den
Randtaschen der Segel und zum Verspannen der Segel sind aus Edelstahl
Rostfrei mit Dicken von 10–20 mm.
Alle verwendeten Materialien sind auf
Langzeiteinsatz bei minimalem Pflegeaufwand konzipiert. Der komplette
Primärstahl erhielt deshalb einen DuplexKorrosionsschutz. Auf die werkseitige
Feuerverzinkung wurden im montierten
Zustand 160 µ PU-Eisenglimmer im Nassverfahren aufgebracht. Die Verbindungsmittel sind feuerverzinkt oder Edelstahl
Rostfrei.
Dipl.-Ing. Architekt Gerd Schmid,
IPL Ingenieurplanung Leichtbau GmbH
71
Stahlbauten in und um Stuttgart
Fußgängerbrücke in Ravensburg
Bauherr:
Bundesrepublik Deutschland
Entwurf:
Regierungspräsidium Tübingen
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart
Tragwerksplanung:
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI GmbH,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dr.-Ing. Bernd-Friedrich Bornscheuer,
Stuttgart
Stahlbau:
Gebr. Wöhr GmbH,
Aalen
Fertigstellung:
Juli 1995
Standort:
B 30, Umgehung Ravensburg
Fotos:
Leonhardt, Andrä und Partner
Es handelt sich um eine dreifeldrige, 92 m
lange Fußgängerbrücke über die B 30 in
Ravensburg, die in Grund- und Aufriss mit
konstanten Radien gekrümmt ist. Die
maximale Spannweite beträgt 36 m.
Der Überbau ist eine geschweißte Dreigurtstahlfachwerkkonstruktion aus Rundrohren in Verbund mit einer oben liegenden Stahlbetonplatte, Verbundmittel
Perfobondleisten. Sie ist mittig auf zwei
Pendelstützen mit Kugelgelenken gelagert
und in die massiven Endwiderlager in
allen Richtungen voll eingespannt. Das
westliche Widerlager ist in eine ca. 7,5 m
hohe Lärmschutzwand entlang der B 30
integriert.
Längenänderungen infolge von Temperaturwechsel werden durch radiales seitliches Ausweichen des Überbaues aufgenommen. Die Auflagerknoten des
Untergurtes und die Stützenköpfe bzw.
-füße wurden als Stahlgussknoten ausgeführt und mit der Rohrkonstruktion
verschweißt.
Stützen und Widerlager sind wegen der
ungünstigen Bodenverhältnisse auf bis zu
25 m langen Pfählen gegründet. Das
Geländer ist ein pfostenloses Füllstabgeländer, eingespannt in eine torsionssteife Fußleiste aus Vierkantstahl.
Dipl.-Ing. Reiner Saul,
Leonhardt, Andrä und Partner
Querschnitt
72
BAUEN MIT STAHL
Haselbrunnsteg in Radolfzell
Bauherr:
Stadt Radolfzell
Entwurf und Tragwerksplanung:
IPL Ingenieurplanung Leichtbau GmbH,
Radolfzell
Prüfstatik:
Prof. Dr.-Ing. H. Bechert,
Stuttgart
Stahlbau:
Rettich Stahlbau GmbH,
Bodmann
Fertigstellung:
Oktober 1998
Standort:
Güttingerstraße/Waldstraße,
Radolfzell
Bisher verband ein schlichter und in die
Jahre gekommener provisorischer Holzsteg mit Asphaltbelag die Güttingerstraße
mit der Waldstraße. Der IPL-Entwurf in
Form einer leichten und geschwungenen
Rampenanlage mit Brücke setzte sich
gegen eine schwerfällige Betonbrücke
durch. In enger Abstimmung mit der
Mittel-Thurgau Bahn, dem Eisenbahnbundesamt und der Stadt Radolfzell entstand in ca. 6 m Höhe eine 121,2 m lange
und 2,5 m breite Stahlkonstruktion auf
Baumstützen mit zwei Treppenanlagen in
ca. 6 m Höhe über die Eisenbahnstrecke
Mengen–Radolfzell.
Wesentliches Merkmal dieses »organischen« Entwurfs ist die benutzeroptimierte Platzierung der Rampen- und
Treppenantritte, die auf die Fußgängerströme abgestimmt wurden.
Fotos:
IPL
Ansicht
Das Primärtragwerk der Rampe besteht
aus zehn Montageteilen auf 12 eingespannten Baumstützen: Die 8–16 m
langen Montageteile setzen sich zusammen aus je zwei IPE 300-Walzprofilen mit
Radien von 5–45 m sowie zwei Montageteilen mit parallelen Wangen. Bis auf
wenige Ausnahmen sind die Wangenprofile zweiachsig gebogen. HEA 140-Walzprofile im Abstand von 1,2 m koppeln die
beiden Wangen zu 2,5 m breiten und ca.
2–4 t schweren Montageteilen. Die
Baumstützen sind Schweißkonstruktionen
aus Rundrohren 323,9 x 8,8 bis 457
x 12,5 mit Längen von 2–5,5 m und je
vier Fingern aus Rundrohr 168,3 x 8,8.
Der Gehbelag aus 60 x 150 mm dicken
und zum Teil konisch geschnittenen
Kiefernbohlen ist sichtbar auf drei
Holzbalken verschraubt. Die feuerverzink-
ten Geländerpfosten aus 80 x 40 x 4
Rechteckprofil folgen dem 1,2 m
Rhythmus der HEA 140. Der feuerverzinkte und farbbeschichtete Handlauf mit 42,4 x 2,6 Rundrohr liegt griffgünstig in
900 mm Höhe. Die Absturzsicherung
selbst besteht aus mehrfach gekanteten
feuerverzinkten Maschendrahtpaneelen
und reicht bis 1200 mm über Belag.
Für den künftigen Ausbau der Bahnstrecke mit einer Oberleitung wird ein
Berührschutz aus 1/2 IPE 140 und Polycarbonatplatten-Platten im Bereich der
Bahnüberquerung vorgehalten.
73
Stahlbauten in und um Stuttgart
Isometrie
Östlich der Bahnstrecke erschließt eine
einläufige Treppe den Zugang zur Brücke,
westlich davon eine zweiläufige Treppe.
Zusammen mit 30 mm dicken eingespannten Beton-U-Scheiben mit 6,5–8 m
Höhe bilden sie eigenständige Bauteile,
die allerdings über Dämpfer zum Teil zur
Schwingungsregulierung der Brücke
herangezogen werden.
Alle verwendeten Materialien sind auf
Langzeiteinsatz bei minimalem Pflegeaufwand konzipiert. Der komplette Primärstahl erhielt deshalb einen Korrosionsschutzanstrich mit 240 µ Schichtdicke.
Die Verbindungsmittel sind feuerverzinkt
oder Edelstahl Rostfrei.
Isometrie Stützenarm
Isometrie Stützenkopf
74
Die Fundamente sind als Ortbetonköcherfundamente ausgeführt. Die Baumstützen
wurden extra eingemessen und nach dem
Ausrichten und Verschweißen der Montageteile in den 0,7 x 0,7 x 0,9 m großen
Aussparungen der Köcher vergossen.
Dipl.-Ing. Architekt Gerd Schmid,
IPL Ingenieurplanung Leichtbau GmbH
BAUEN MIT STAHL
Pflanzenschauhaus auf der Insel Mainau
Bauherr:
Mainau GmbH,
Insel Mainau
Architekten:
Gensle & Hartmann
Freie Architekten,
Konstanz
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro für Baustatik
Karl Fischer,
Konstanz
Prüfstatik:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Peter, Stuttgart
Dr.-Ing. Manfred Patzak, Stuttgart
Stahlbau:
Rettich Stahlbau GmbH,
Bodman
Fertigstellung:
Dezember 1998
Standort:
Insel Mainau
Foto:
Mainau GmbH
Eine Faszination der Insel Mainau besteht
für viele Besucher nicht zuletzt darin, dass
man ab Mitte Mai auf der Schlossterrasse
von riesigen, altehrwürdigen Palmen und
anderen »Exoten« umgeben ist, die hier
offenbar unter freiem Himmel prächtig
gedeihen. Die meisten Sommergäste glauben deshalb gerne, auf der Bodenseeinsel
herrsche während des ganzen Jahres ein
tropisches Klima. Dennoch sind im
Dezember oder Januar durchaus Temperaturen von ca. –15° C möglich, und dementsprechend brauchen die frostempfindlichen Pflanzen einen angemessenen
Schutz, ein Quartier zum Überwintern –
und zwar schon seit jeher. Die Errichtung
einer »demontablen Orangerie«, 1828
erstmals initiiert, 1869 von Großherzog
Friedrich I. dann perfektioniert und 1954
schließlich um zusätzliche Räumlichkeiten
erweitert, ist also keineswegs neu. Da aber
Palmen unaufhaltsam wachsen, wenn sie
nicht ausgegraben werden, reichte das
1968 erstellte Gebäude nach einiger Zeit
ebenfalls kaum mehr aus. Und insofern
drängte sich die Konzeption eines modernen, wiederum temporären Pflanzenschutzhauses fast zwangsläufig auf.
Um auch künftig eine schnelle Montage
wie Demontage innerhalb einer Frist von
jeweils ca. 14 Tagen gewährleisten zu
können, fiel die Wahl auf eine filigrane
und vor allem segmentierte Stahlstruktur,
die von einer beinahe durchsichtigen
Hülle umkleidet wird.
Zwischen Oktober und Mai mannigfaltige
Ein- und Ausblicke bietend, schmiegt sich
der leichte Baukörper nun über eine
Länge von ca. 19 m an die Südseite des
Barockschlosses an und »fließt« von dort,
Kaskaden nicht unähnlich, über zwei
Stufen bis zur Balustrade oberhalb des
Rosengartens hinab. Dank seiner wellenförmigen Gliederung, ein Resultat der
geforderten Höhenknoten, die von
17,40 m über 12,00 m auf 6,60 m nach
unten »springen«, scheint er sich organisch um die vorhandene Vegetation zu
legen.
Die Konstruktion aus verzinktem Stahl
bleibt indessen stets ablesbar, was ihren
gestaltbildenden Charakter zweifellos
betont. Unter der großflächigen und
doppelschaligen Außenhaut fügen sich
Rundstützen und Fachwerkträger folglich
zu einem Gerüst, das zur Lastableitung in
die Köcherfundamente dient. Gerade oder
gebogene Rahmen mit eben jener hochtransparenten Acrylglasfüllung, darin
eingehängt oder einfach aufgesteckt und
gesichert, addieren sich derart zu insgesamt 140 vorgefertigten Elementen:
67 für die Dach- und Giebelseiten, 73 für
die Fassade.
Mit einer Grundfläche von ca. 1.247 m2,
einer Länge von 39 m und einer Breite
von 32 m sowie 200 t qualitätsvoll verbauten Stahls dürfte dieses temporäre
»Erlebnishaus« in Europa schwerlich seinesgleichen finden.
Schnitt
Michael Wiederspahn
75
Stahlbauten in und um Stuttgart
Seebrücke Lindau
Bauherr:
Freistaat Bayern,
Straßenbauamt Kempten
Entwurf:
Architekten Bauer Kurz Stockburger,
München
Die Erneuerung der Seebrücke in Lindau
am Bodensee im Zuge der B 12 (Lindau–
Kempten) wurde aufgrund der eingeschränkten Tragfähigkeit der 72 Jahre
alten Stahlbetonkonstruktion notwendig.
Der Neubau, der aus einem Realisierungswettbewerb als Sieger hervorging, sieht
eine moderne Stahlverbundbrücke vor.
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Helmut Haringer,
München
Prüfstatik:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gert Albrecht,
München
Stahlbau:
Donges Stahlbau GmbH,
Darmstadt
Fertigstellung:
Oktober 2000
Standort:
Lindau am Bodensee
Fotos:
Donges Stahlbau GmbH
Ihre Länge beträgt rund 160 m. Sie teilt
sich in elf gleich große Felder mit 14,54 m
Stützweite auf. Die Brückenbreite zwischen den Geländern misst 17,70 m. Der
Straßenquerschnitt nimmt zwei Fahrbahnen sowie beidseits der Fahrbahn
jeweils einen Rad- und einen Gehweg auf.
Der Querschnitt besteht aus vier Stahlträgern und der mittels Kopfbolzendübeln
schubfest mit den Stahlträgern verbundenen 30 cm starken Betonplatte. Die
äußeren Stahlträger sind HEM 450-Profile
mit einer zusätzlichen Untergurtlamelle
500 x 40 mm. Bei den inneren Trägern ist
das Walzprofil ein HEM 600. Der Querschnitt wurde aus optischen Gründen in
Brückenlängsrichtung nicht abgestuft,
sodass sich eine gleichmäßige schmale
Ansicht der Brücke einstellt. Die Schlankheit beträgt bei den Außenträgern etwa
l/h = 18. Dieser Wert liegt im normalen
Anwendungsbereich, jedoch ergibt sich
aufgrund der geringen Stützweite, die zu
einer absolut gesehen sehr geringen
76
Bauhöhe von 818 mm führt, im Zusammenspiel mit den schlanken Rundstützen
(Durchmesser 35,5 cm) ein sehr elegant
wirkendes Brückentragwerk.
Das Bauwerk besitzt keine Querträger. In
Brückenquerrichtung wirkende Horizontalkräfte werden über ein vertikales
Blechschwert, das in den Beton einbindet,
und horizontal liegende Kopfbolzendübel
in die Fahrbahnplatte übertragen. Die
Brücke liegt auf 48 Kalottenlagern, der
Festpunkt auf der landseitigen Widerlagerachse 11. Die Pfeiler bestehen aus
Stahlrundprofilen mit einer Betonummantelung.
Querschnitt
Zur Montage: Die neue Brücke wird an
gleicher Stelle wie die alte gebaut und
von einer trockenen Baugrube aus erstellt.
Die Pfeiler sind flach gegründet. Die
Stahlträger wurden im Werk in Schüssen
bis zu 36 m vorgefertigt und zur Baustelle
transportiert. Die Montage der Stahlkonstruktion erfolgte mit Autokränen auf
eine temporäre Lagerung. Weitere
Montageabstützungen der Stahlträger
und ein komplettes Schalungsgerüst für
die Betonarbeiten der Fahrbahnplatte
sorgten für die Herstellung der Brücke
nach dem Konzept des so genannten
»Eigengewichtsverbunds«.
Nach dem Betonieren der Fahrbahnplatte
wurden abschließend die Kalottenlager
mit den nach Aufmaß erstellten Keilplatten zum Ausgleich der aus der Montage
resultierenden Verformungen eingebaut.
Dr.-Ing. Georg Merzenich,
Donges Stahlbau GmbH
77
Stahlbauten in und um Stuttgart
Neue Messe Freiburg
Bauherr:
Neue Messe Freiburg
Objektträger GmbH & Co. KG,
Freiburg
Planung:
Dipl.-Ing. Detlev Sacker
Freier Architekt und Stadtplaner BDA,
Freiburg
mit Michael Kaelble,
Freiburg
Tragwerksplanung:
Dipl.-Ing. Martin Mohnke
Ingenieurbüro für Tragwerksplanung,
Denzlingen
Brandschutz:
Halfkann + Kirchner,
Erkelenz
Die »Neue Messe Freiburg« liegt direkt
neben dem Flugplatz mit großem, unverbautem Grünraum. Sie besteht aus drei
Hallen mit einer Gesamtfläche von
12.000 m2 und einem vorgelagerten
Foyer.
Die drei Messehallen haben jeweils einen
eigenen Eingang und sind durch große
Tore miteinander verbunden, sodass sie
sowohl einzeln als auch gemeinsam
genutzt werden können.
Die mittlere der drei Hallen mit einer
Fläche von 6.000 m2 ist multifunktional
für Veranstaltungen bis zu 10.000 Personen konzipiert, in der auch Musikevents,
Sportereignisse, Fernsehshows oder
Großkongresse stattfinden werden.
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Claus Hofmann,
Bad Krozingen
Stahlbau:
Industriebau Bönnigheim GmbH + Co. KG,
Bönnigheim
Fertigstellung:
Januar 2000
Standort:
Hermann-Mitsch-Straße 3,
Freiburg
Fotos:
Roland Halbe, Stuttgart
Grundriss Erdgeschoss
Trägerrost Halle 2
78
Für die großen Spannweiten der
Messehallen wurden Stahlfachwerkbinder
aus Walzprofilen gewählt, da diese eine
leichte, feingliedrige Konstruktion ermöglichen mit einem besonders günstigen und
wirtschaftlichen Trag- und Verformungsverhalten. Die Konstruktion ist innenliegend und gradlinig strukturiert, sodass
sowohl die Entstehungs- als auch die
Unterhaltungskosten minimiert werden
konnten.
Das Haupttragsystem der Halle 1 (78 m x
31 m) und der Halle 3 (78 m x 47 m)
besteht aus Stahlfachwerkbindern im
Achsmaß von ca. 15,5 m bei einer Spannweite von 31 bzw. 47 m.
BAUEN MIT STAHL
Die Veranstaltungshalle mit einer Größe
von 78 x 78 m wird in ihrer Mitte durch
ein Trägerrost-Karree aus Stahlfachwerkbindern mit einem Spannweitenraster von
47 x 47 m architektonisch akzentuiert.
Dieser Trägerrost liegt auf vier Stahlverbundstützen. Der gesamte Randbereich
um das Karree mit einem Anteil von 64 %
der Hallenfläche konnte in einteiligen,
wirtschaftlichen Walzprofilen ausgeführt
werden.
Die Stahlstützen der Foyertragkonstruktion sind außenliegend und bilden damit
eine zweite Fassadenebene. Die Massivkerne zwischen Foyer und Halle bzw. der
Lager- und Technikbau auf der Andienungsseite werden statisch als Aussteifungskerne herangezogen.
Angesichts des äußerst knappen Kostenbudgets (2.080 DM/m2 BGF Bauwerkskosten) stellte sich die Aufgabe, die
Reduktion zur Tugend zu machen. Eine
Reduktion der Investitions- bzw.
Betriebskosten bedeutet gleichzeitig einen
ökologischen Gewinn durch Einsparung
von Primärenergie während des Baus bzw.
Energiekosten während des Betriebs.
Die Messehallen mit ihrer kompakten
Bauform sind also nach Niedrigenergiestandard gebaut.
Das vorgelagerte, großzügig verglaste
Foyer empfängt den Besucher und bietet
ihm einen weiten Blick über Stadt,
Schwarzwald, Kaiserstuhl und Vogesen.
Der 150 m lange Raum wird durch
Galerien, Brücken und eingestellte Baukörper spannungsvoll gegliedert.
Die Hallen werden zudem durch umlaufende Oberlichtbänder mit Tageslicht
natürlich belichtet.
Die Tragkonstruktion aus Stahlfachwerkbindern und die technische Infrastruktur
bleiben bewusst sichtbar. Die Schlichtheit
der Architektursprache vermittelt eine der
Funktionalität des Gebäudes angemessene
Eleganz.
Detlev Sacker,
Dipl.-Ing. Architekt
79
Stahlbauten in und um Stuttgart
Solar-Fabrik in Freiburg
Bauherr:
Bauherrengemeinschaft Solarfabrik,
Freiburg
Architekten:
Rolf + Hotz
Freie Architekten BDA,
Freiburg
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Reppel,
Gaggenau
Die Solar-Fabrik ist in zwei Gebäudekomplexen untergebracht: im Norden die
Produktionshalle, eine Stahlhalle mit
Kassettenfassade und hinterlüfteter
Blechfassade; im Süden das einhüftige
Verwaltungsgebäude mit Technikräumen,
Bistro und Büros im Erdgeschoss, zwei
reinen Bürogeschossen und einem Dachgeschoss mit Wohnnutzung.
Dem Bürotrakt vorgelagert ist eine großzügige, dreigeschossige Klimahalle, die
durch eine geneigte nach Süden ausgerichtete Ganzglasfassade abgeschlossen
ist. Ihre Giebel sind voll verglast, die
Erschließungsstege der Büros enden beidseitig auf Stahl-Außentreppen, die als
Fluchtwege dienen und gleichzeitig
bestimmendes Gestaltungselement sind.
Die Fassade ist eine feuerverzinkte Stahlkonstruktion, die aus einem Primär- und
einem Sekundärtragwerk besteht.
Brandschutz:
Dipl.-Ing. Drescher,
Herbolzheim
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Klein,
Freiburg
Stahlbau:
Freyler Industriebau,
Kenzingen
Fertigstellung:
Dezember 1999
Standort:
Munzinger Straße,
Freiburg
Fotos:
Guido Kirsch, Freiburg
Die Primärkonstruktion aus Massivstahlprofilen von 50 x 300 mm in den
Gebäudeachsen wird mit horizontal verlaufenden Rohren 90 mm gebildet,
gegen die sich die Stahl-Pfosten-RiegelKonstruktion (Sekundärkonstruktion)
über Stegverbindungen nur anlehnt.
Schnitt
80
Vor der Fassade markieren neben weiteren Anlagen die drei horizontalen Photovoltaikbänder einen Teil des Energiekonzeptes der »Nullemissions-Fabrik«. Die
Module sind auf Böcken aus Stahlprofilen
gelagert, die durch einen Längssteg aus
Gitterrosten miteinander verbunden sind.
Dieser kann gleichzeitig zur Reinigung
der Fassade genutzt werden.
BAUEN MIT STAHL
Lageplan
Die Klappflügel in der Fassade werden
temperaturabhängig gesteuert und sind
Teil der natürlichen Belüftung der Klimahalle.
Fred Rolf,
Rolf + Hotz
Solargarage in Freiburg
Bauherr:
Freiburger Kommunalbauten
GmbH + Co. KG, vertreten durch
Freiburger Stadtbau GmbH
Der neue Stadtteil Vauban ist vom städtebaulichen Konzept her autofrei. Die an
seinem Rande liegende Quartiersgarage
nimmt mit 224 Stellplätzen einen großen
Teil des geforderten Volumens auf.
Architekten:
Rolf + Hotz
Freie Architekten BDA,
Freiburg
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Deimel,
Badenweiler
Prüfstatik:
Dipl.-Ing. Hofmann,
Bad Krozingen
Stahlbau:
Freyler Industriebau,
Kenzingen
Fertigstellung:
Januar 2000
Standort:
Merzhauser Straße,
Freiburg
Fotos:
Guido Kirsch, Freiburg
Das Dach der Garage wird durch eine
750 m2 große Photovoltaikanlage
bestimmt, die pro Jahr ca. 80 MWh
Energie produziert.
81
Stahlbauten in und um Stuttgart
Der Baukörper der Solargarage stellt mit
seiner Klarheit und Einfachheit den
Begriff Parkdeck in den Vordergrund. Wie
bei einem Regal werden die Decks in einer
Stahlkonstruktion übereinander gestapelt.
Die Auf- und Abfahrtsrampen sind als
zweite Schicht vorgelagert. Davor bilden
vertikale Holzlamellen einen halbtransparenten Filter zum Straßenraum. Durch
deren Anordnung und Tiefe erleben die
Vorbeifahrenden die Fassade im Wechselspiel von Geschlossenheit und Offenheit.
Im Erdgeschoss schiebt sich ein Lebensmittelmarkt als eigenständiger Baukörper
zwischen die Stahlkonstruktion des
Gebäudes.
Die Grundkonstruktion umfasst fünfgeschossige Stahlrahmen mit einer Spannweite von 15,82 m. Das Rampenfeld ist
mit einem Achsmaß von 3,82 m aus
Stahlprofilen davor gestellt. Auf den um
12 cm überhöhten Deckenträgern aus
IPE 600-Profilen liegen die Geschossdecken in Verbundbauweise. Sie reichen
über insgesamt 16 Achsen mit jeweils
5,0 m Spannweite.
Grundriss
Querschnitt
Zur Längsaussteifung dient eine über alle
Geschosse führende Stahlbetonbauwand,
an die sich auf der Seite des VaubanWohnquartiers eine in ganzer Höhe verglaste Fluchttreppe anschließt. Ein verglaster Aufzug in einer offenen Stahlschachtkonstruktion an der Nordseite
stellt die Verbindungen zu den Geschossen dar. Windverbände im System Rodan
befinden sich in den äußeren Längsachsen. Die Ein- und Ausfahrtsrampen aus
Stahlbetonfertigteilen sind über Kopfbolzen auf Stahlträgern montiert; neben
ihrer Funktion sind sie ein Gestaltungselement der Garage.
Die Sheddachkonstruktion besteht aus
quergespannten Fachwerkträgern, auf
denen abgeknickte Pfetten als direkte
Auflager der Photovoltaikmodule liegen.
Die klare Bauform wird durch eine differenzierte, eindeutige Materialwahl unterstrichen: verzinkter Stahl für die Tragkonstruktion, farbbeschichtete Bleche für
die Parkdecks usw. Gestalt und Ausstrahlung des Gebäudes sind offen und klar,
der materielle Aufwand wurde auf das
konzeptionell Notwendige reduziert.
Fred Rolf,
Rolf + Hotz
82
BAUEN MIT STAHL
Fußgängerbrücke in Weil am Rhein
Bauherr:
Stadt Weil am Rhein,
Stadtbauamt
Entwurf und Tragwerksplanung:
Schlaich Bergermann und Partner GbR
Beratende Ingenieure im Bauwesen,
Stuttgart
Prüfstatik:
Dr.-Ing. Bernd-Friedrich Bornscheuer,
Stuttgart
Stahlbau:
Maurer Söhne GmbH & Co. KG,
München
Fertigstellung:
April 1999
Standort:
Hegelplatz,
Bahnhof Weil-Gartenstadt
Fotos:
Schlaich Bergermann und Partner
Die neue Fußgängerbrücke ersetzt den
alten Stahlsteg, der früher die Bahnstrecke Weil–Lörrach überquert hat. Durch
den Bau der B 317 wurde einerseits der
Geländesprung zwischen Stadt und Gartenschau bzw. Sportanlagen auf ca. 16 m
erhöht, andererseits trennen B 317 und
Bahn über eine relativ lange Strecke den
tiefer gelegenen Bereich von der Stadt.
Die Fußgängerbrücke besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: der Brücke selbst
und dem Treppenturm. Die Brücke, im
Grundriss gerade, steigt von einer leichten
Erhöhung des Bahnweges aus an, um das
Lichtraumprofil der Bahn zu überwinden.
Dieser Anstieg wird mit flachen Stufen,
wie sie auch im Treppenturm ausgeführt
wurden, bewältigt, da hier eine relativ
große Steigung erforderlich ist. Danach
fällt die Brücke mit geringerer Neigung
wieder ab und überquert ungefähr auf
Anfangsniveau horizontal die Bundesstraße. Die Brücke hat eine lichte Breite
von 2,50 m und wird in der maximalen
Feldweite über der B 317 durch eine
Unterspannung gestützt. Die Anbindung
der Haltestelle Gartenstadt erfolgt über
an beiden Seiten der Brücke angeordnete
Stahlwangentreppen.
Der zur Überwindung des Höhenunterschiedes von 16 m errichtete Treppenturm
besteht aus zwei um 180° versetzte,
parallel laufenden Wendeln, die an den
Außen- und Innenwangen über vertikale
Seilscharen an einem zentralen Mast aufgehängt sind. Die Treppenwendeln führen
vom tiefer gelegenen Gelände bis zur
unteren Plattform, wo Brücke und Turm
zusammentreffen. Zu dessen Aussteifung
wurden kreuzweise angeordnete Zugstangen gewählt, die an der Innenwange
anschließend eine Röhre bilden. Von der
unteren Plattform führen zwei außerhalb
situierte Treppen zur Aussichtsplattform,
die ca. 3,50 m über der unteren den Blick
auf die Alpen freigibt. Wie die beiden
Treppenläufe sind auch die Plattformen,
die auf Stahlträgern gelagert sind, an den
vertikalen Seilscharen aufgehängt.
Plattformen wie Brückenüberbau sind als
Verbundquerschnitte mit Stahlwinkeln als
Randeinfassung realisiert, wobei die
Trapezbleche sowohl als verlorene Schalung als auch als Bewehrung dienen. Die
Treppenläufe wurden als Stahlwangen
ausgebildet. Die Treppen im Überbau und
Isometrie Mastkopf
83
Stahlbauten in und um Stuttgart
Ansicht
zum Bahnsteig bestehen aus geschlossenen Stufen aus gekantetem Stahlblech,
die Wendeln aus offenen Stufen, um ein
möglichst großes Maß an Transparenz zu
erreichen. Für die Treppen zur Aussichtsplattform wurden Gitterroststufen
gewählt, um sie so leicht wie möglich zu
halten.
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Als Brückenstützen kamen Rundrohre zur
Anwendung, die mittels geschweißter TProfile zu Rahmen zusammengefügt sind.
Als Gehbelag und zur Abdichtung wurden
Überbau und Treppen mit einem Kunststoffdünnbelag beschichtet. Alle Seile sind
über aufgepresste bzw. vergossene Gabelköpfe an Laschen angeschlossen. Für die
Treppenauflager wurden zylindrische
Pressfittinge auf die Seile aufgepresst.
Dipl.-Ing. (FH) Andrea Kratz,
Schlaich Bergermann und Partner
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