DABregional 01 · 14 DAB regional 09 · 16 1. September 2016, 48. Jahrgang Offizielles Organ der Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen und der Architektenkammer Niedersachsen. | Körperschaft des öffentlichen Rechts Bremen Niedersachsen 10 Meinungen im Full-House - Architekten und Politik 2016 13 Wettbewerbsergebnis: Dringend benötigter Wohnraum kann schnell und mit hoher Qualität gebaut werden 15 kadawittfeldarchitektur bei „Architektur im Dialog“ 16 Urbane Utopien 17 Mut zur Nachverdichtung 18 Niedersächsischer Staatspreis kommt nach Berlin 18 Artenschutz bei Gebäudesanierungen 19 Denkmalgeschütztes Bauwerk muss erhalten werden 20 Neue Richtzahlen für Einstellplätze 21 Architektenwettbewerb: Körnerplatz in Hannover 22 Architektenwettbewerb: Grundschule Gehrde 23 Was ist los in Niedersachsen? Tipps und Termine Impressum Regionalredaktion Bremen: Verantwortlich: Tim Beerens Geeren 41/43, 28195 Bremen Telefon (04 21) 17 00 07 [email protected] www.akhb.de Regionalredaktion Niedersachsen: Herausgeber: Architektenkammer Niedersachsen Verantwortlich i.S.d.P: Lars Menz Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Laveshaus, Friedrichswall 5, 30159 Hannover Telefon (05 11) 2 80 96-0 [email protected] www.aknds.de Das Blatt wird allen Architektinnen und Architekten in Bremen und Niedersachsen zugestellt. Verlag, Vertrieb, Anzeigen: corps. Corporate Publishing Services GmbH, Kasernenstraße 69, 40213 Düsseldorf www.corps-verlag.de verantwortlich für den Anzeigenteil: Dagmar Schaafs, Telefon (02 11) 54 227 684 [email protected] Druckerei: Bechtle Druck&Service Zeppelinstraße 116, 73730 Esslingen 10 | Niedersachsen | Berufspolitik | Meinungen im Full-House Fotos: Scheffen Architekten und Politik 2016 mit Ministerpräsident Weil und den Ergebnissen des Wettbewerbs „Wohnraum schaffen” | Berufspolitik | Niedersachsen | 11 DABregional 09 · 16 Ministerpräsident Stephan Weil: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle, ohne dass die Qualität leidet, und wir brauchen ihn schnell! Darum freue ich mich sehr über die Initiative der Architektenkammern und des Verbands der Wohnungswirtschaft, dieses wichtige Anliegen mit einem Wettbewerb zu unterstützen. Die Landesregierung hat den Wettbewerb sehr gerne unterstützt.“ Text: Lars Menz W ann kommt er? Das war die Frage am Abend von Architekten und Politik. Gewartet wurde in der prall gefüllten Bauverwaltung von Hannover auf den Niedersächsischen Ministerpräsidenten, der nach dem Plenum noch einen dringenden Gesprächstermin in Sachen VW hatte. Kammerpräsident Wolfgang Schneider hatte also gleich mehrere Reden in der Hinterhand, konnte glücklicherweise aber auf die Langfassung zurückgreifen, denn Stephan Weil kam dann fast pünktlich und stellte sich offen und launig dem Dialog mit dem Berufsstand. Für Schneider die Chance die drängendsten Themen anzusprechen und den Ministerpräsidenten um Antworten zu bitten. Drei Themen und ein Wettbewerb standen im Vordergrund seines Aufschlags. Schneider kritisierte die steigenden Baukosten, die vor allem durch steigende gesetzliche Anforderungen entstünden. Allein die letzte Verschärfung der EnEV habe das Bauen um sieben Prozent verteuert. Die Amortisationszeiten energetischer Maßnahmen lägen mittlerweile bei über 20 Jahren und damit jenseits jeder Wirtschaftlichkeitsgrenze. „Wir brauchen eine Atempause was die Verschärfung der ordnungsrechtlichen Anforderungen betrifft“, forderte der Kammerpräsident. Weil erwiderte, der Klimawandel müsse bearbeitet werden und die Gesellschaft habe diesbezüglich hohe Erwartungen an den Berufsstand. Auch wenn die Baukosten stiegen, die Finanzierung von Projekten sei derzeit extrem günstig. Die Konsequenzen der EnEV würden auf Bundesebene ohnehin für überschaubar gehalten. Dass der Nutzen mancher Maßnahmen aber tatsächlich fraglich ist, leuchtete auch Weil ein. Der Berufsstand müsse aber auf konkrete, kritische Punkte hinweisen, dann stünde einer Diskussion nichts im Wege, so seine Aufforderung. Schneider lobte, dass in der gerade laufenden Novelle der Niedersächsischen Bauordnung zahlreiche Hinweise der Architektenkammer aufgenommen werden, beispielsweise wird die Bauvorlageberechtigung von Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten klarer geregelt. Nicht weiter kam die Forderung, Fristen für die Bearbeitung von Bauanträgen mit ins Gesetz zu nehmen. „Fakt ist aber, dass es einen erheblichen Bearbeitungsstau bei vielen niedersächsischen Genehmigungsbehörden gibt“, sagte Schneider. Weil zeigte sich entgegen früheren Äußerungen gesprächsbereit, will das Verfahren in anderen Bundesländern unter die Lupe nehmen und eine vernünftige Lösung schaffen. „Es gibt die Chance auf Einvernehmen“, stellte der Ministerpräsident in Aussicht und sagte so gleichzeitig auch, ein Einvernehmen ist nicht zwingend. Das Angebot nahm Schneider dennoch gern an. Ähnlich äußerte sich Weil zu der Forderung die Ausbildungszeiten für Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner von jetzt drei auf vier Jahre zu erhöhen. Eine alte Forderung der Kammer, in die langsam Bewegung kommt. Dem Ministerpräsidenten ist klar, dass die hohe Qualität, die die Politik regelmäßig vom Berufsstand einfordert, auf eine solide Grundlage gestellt werden muss. Klare Unterstützung auch in Sachen HOAI. Die EUKommission versucht aus grundsätzlichen ordnungspolitischen Gründen die HOAI mit ihren verbindlichen Mindestsätzen zu beseitigen. Sie argumentiert mit der Dienstleistungsrichtlinie und unterstellt, dass die HOAI Dienstleister aus anderen Ländern hindern würde in Deutschland tätig zu werden. Ohne die HOAI gäbe es nach dieser Lesart mehr grenzüberschreitende Dienstleistungserbringungen. Schneider hatte dazu eine klare Meinung: „Das ist absurd!“ Er hoffe, dass die EU-Kommission noch erkenne, dass sie überziehe und den Vorgang dahin befördere wo er hingehöre – nämlich in die unterste Schublade. Weil schloss sich dem an. Die HOAI sei ein klarer Rechtsrahmen, der nach wie vor aktuell und richtig sei. Seine Regierung werbe gern für den bewährten Grundsatz HOAI. Als besonders dringliche Aufgabe bezeichnete der Ministerpräsident den Wohnungsmarkt. 2015 seien rund Landtagspräsident Bernd Busemann: „Architektur ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Als guter Bauherr ist man am besten morgens und abends auf der (Landtags-)Baustelle.“ DABregional 09 · 16 Fotos: Scheffen 12 | Niedersachsen | Berufspolitik | Kammerpräsident Wolfgang Schneider: „Wachsende Städte brauchten einen qualitativen Impetus, um nachhaltig von den Menschen angenommen zu werden. Wer, wenn nicht die Architekten, sollten diesen leisten?“ Stadtbaurat Uwe Bodemann: „Die neue Wohnbauinitiative wird jährlich 1.000 Wohnungen auch für geringe Einkommen in Hannover bauen.“ Laveshaus: Kammerabend bei Kammerjazz und bestem Kammerwetter. 100.000 Menschen nach Niedersachsen gezogen – ungefähr so viele, wie in Hildesheim wohnen. Die benötigten Wohnungen sollten mehr als eine Erstunterbringung sein. Um zukunftsfähige Ideen ging es ihm also. Auch Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann, war in seiner Begrüßung bereits auf die Anstrengungen der Landeshauptstadt in diesem Bereich eingegangen. Und auch Schneider: Er betonte, dass neuer Wohnungsbau in Niedersachsen schnell, kostengünstig und vor allem qualitätsvoll realisiert werden müsse. Ein Lösungsansatz war der nun beendete Architektenwettbewerb „Wohnraum schaffen“, den die Architektenkammer Niedersachsen gemeinsam mit der Architektenkammer Bremen und dem Verband der Wohnungswirtschaft vdw ausgelobt hatte – unterstützt vom Land. 100.000 € hatten die Partner gemeinsam aufgebracht, um konkrete Lösungen für konkrete Grundstücke zu erarbeiten. Die vier Siegerprojekte (siehe S. ??) sollen nun von Architekten und Wohnungsbaugesellschaften in Bremen und Niedersachsen umgesetzt werden. Weil bedankte sich bei den Architekten für ihre Vorschläge und bei der Kammer für die gute Zusammenarbeit sowie für die zahlreichen Anregungen in Richtung Politik. Schneider lobte seinerseits die kurzen Wege, auf denen der Austausch zwischen Berufsstand und Landesregierung möglich sei. Ein kurzer Weg war es anschließend auch ins gegenüber der Bauverwaltung gelegene Laveshaus, wo der gesellige Teil des Abends stattfand. Gefeiert wurde diesmal im Hof, das Wetter war sommerlich. Wann kommt er? Das war nun nur noch eine Frage des Nachtischs. | Wettbewerb | Niedersachsen | 13 DABregional 09 · 16 Wettbewerbsergebnis: Dringend benötigter Wohnraum kann schnell und mit hoher Qualität gebaut werden Architektenkammern Niedersachsen und Bremen sowie der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen und Bremen (vdw) zeichnen, unterstützt vom Land Niedersachsen, im Architektenwettbewerb „Wohnraum schaffen“ vier Architekturbüros für ihre Ideen und Entwürfe aus W olfgang Schneider, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, gab im Rahmen der Veranstaltung „Architekten und Politik“ am 17. August 2016 in Hannover die Preisträger des Wettbewerbs „Wohnraum schaffen“ bekannt. Die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen sowie der vdw Niedersachsen Bremen hatten den Wettbewerb, der vom Land Niedersachsen unterstützt wurde, im Frühjahr ausgelobt, um aufzuzeigen, dass der dringend benötigte Wohnraum schnell und kostengünstig, gleichzeitig aber auch qualitätsvoll gebaut werden kann. oben: btp architekten brandenburg tebarth, Hannover - Aus der Jurybeurteilung: „Vorgefertigte Fassadenelemente in Holztafelbauweise ermöglichen eine effiziente Bauteilherstellung. Die äußere Gestaltung der Fassade bleibt dabei durch die Wahl des Bekleidungsmaterials flexibel.“ unten: Feldschnieders + Kister Architekten, Bremen - Aus der Jurybeurteilung: „Die Gebäudetypologie wurde geschickt in die vorgefundene städtebauliche Situation eingefügt. Die räumliche Kombination aus Erschließungsflächen und privaten Freiräumen sorgt für eine willkommene Belebung des Binnenraums.“ Ministerpräsident Stephan Weil lobte in seiner Rede den Wettbewerb als hervorragenden Beitrag im Rahmen der Initiative „Niedersachsen packt an“: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle, ohne dass die Qualität leidet, und wir brauchen ihn schnell! Darum freue ich mich sehr über die Initiative der Architektenkammern und des Verbands der Wohnungswirtschaft, dieses wichtige Anliegen mit einem Wettbewerb zu unterstützen. Die Landesregierung hat den Wettbewerb sehr gerne unterstützt.“ Kammerpräsident Schneider betonte, der Wettbewerb habe gezeigt, dass Archi- tekten Problemlöser seien und gleichzeitig Visionen entstehen ließen. Stadtentwicklung sei ohne sie nicht denkbar. „Der Architektenwettbewerb ist das richtige Verfahren, um Wohnungsbau schnell und qualitätsvoll umzusetzen. Es geht uns dabei um den Anspruch, die Qualität unserer gebauten Umwelt zu verbessern, und damit auch die Lebensqualität für die Menschen in den Orten“, so Schneider. Heiner Pott, Verbandsdirektor des vdw, hatte bereits im Vorfeld des Wettbewerbs die große Bedeutung des Themas für die Wohnungswirtschaft betont und freute sich 14 | Niedersachsen | Wettbewerb | DABregional 09 · 16 Anerkennungen Wirth Architekten, Bremen Schneider + Sendelbach Architekten, Braunschweig RTW Architekten, Hannover Hartmann Eberlei Architekten, Oldenburg martens_sternkopf architekten stadtplaner energieberater, Rosengarten Prof. C. Bonnen Architekt, Bremen / Berlin seyfarth stahlhut | architekten bda, Hannover Welp von Klitzing Architekten u. Stadtplaner, Braunschweig Film zum Wettbewerb oben: N2M Architektur & Stadtplanung + fehlig moshfeghi architekten, Hannover - Aus der Jurybeurteilung: „Die städtebauliche Einbindung der vier Baukörper fügt sich mit großer Selbstverständlichkeit in die umgebende Bebauung ein. Die zwei Winkelgebäude mit ihren vorgelagerten Laubengängen bilden einen kommunikativen Mittelpunkt der neuen Siedlung.“ unten: Höhlich & Schmotz Architekten, Burgdorf - Aus der Jurybeurteilung: „Die Wohnungen orientieren sich an der westlich orientierten Fassade mit Küchen-, Ess- und Wohnbereichen zum Laubengang, dadurch wird der Laubengang gewolltermaßen zum Ort der Kommunikation.“ nun über die anregenden Ideen und Diskussionsansätze, die der Wettbewerb aufgezeigt hat – beispielsweise rückte der Laubengang als kostensparende Mischfunktion von Erschließung und Aufenthaltsbereichen wieder in den Fokus. Der Wettbewerb wird vier Wohnungsbaugesellschaften aus Niedersachsen und Bremen veranlassen, die Entwürfe konkret auf ihren Grundstücken umzusetzen. „Die GEWOBA Bremen, die GBH Hannover, die KSG Hannover und die Kreiswohnbau Hildesheim werden aufzeigen, dass die Ergebnisse keine Theorie bleiben, sondern konkret helfen, die Probleme vor Ort zu lösen“, sagte Pott. Weitere Wohnungsunternehmen aus Braunschweig, Göttingen, Hameln und Melle hatten den Wettbewerb unterstützt. Der Präsident der Architektenkammer Bremen, Michael Frenz, sagte: „Die Ergebnisse des Wettbewerbs zeigen, dass der Schulterschluss aus Wohnungswirtschaft und Architektenschaft genau der richtige Schritt war. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ausreichend Wohnraum für alle zur Verfügung zu stellen, ist nur in Partnerschaft zu Mit Unterstützung des Landes hat die Architektenkammer Niedersachsen einen rd. 5-minütigen Dokumentarfilm über das Wettbewerbsverfahren gedreht, der erstemals auf der Integrationskonferenz Ende August in Hannover präsentiert wurde. Der Film wird zukünftig für die Werbung für Wettbewerbe eingesetzt und kann unter www.aknds.de/wohnraumschaffen.html angeschaut werden. bewältigen. Unser gemeinsamer Wettbewerb hat dies vorbildhaft gezeigt.“ In der ersten Wettbewerbsphase wurden zunächst innovative und vor allem übertragbare Konzeptideen gesucht, die dann in der zweiten Phase auf konkrete Grundstücke in Bremen und Niedersachsen angewandt wurden. 48 Architekturbüros hatten sich in der ersten Wettbewerbsphase beteiligt, 19 Büros wurden für die zweite Phase zugelassen und arbeiteten ihre Entwürfe weiter aus. Die Jury unter Vorsitz des österreichischen Architekten Much Untertrifaller (Dietrich | Untertrifaller Architekten, Wien) zeichnete nun vier dieser Arbeiten mit einem Preis aus und vergab acht Anerkennungen. Mehr zum Wettbewerb unter www. aknds.de/wohnraumschaffen.html Mz | Lavesstiftung | Niedersachsen | 15 adidas Laces, Foto: Werner Huthmacher DABregional 09 · 16 kadawittfeldarchitektur bei „Architektur im Dialog“ Gerhard Wittfeld am 22. September Gast der Lavesstiftung in Oldenburg k adawittfeldarchitektur wurde 1999 von Klaus Kada und Gerhard Wittfeld in Aachen gegründet und steht heute für weit mehr als architektonisches Gestalten allein. Der interdisziplinäre Ansatz zeigt sich zum einen in der Verknüpfung von Architektur, Innenarchitektur und Design und zum anderen an der Schnittstelle von städtebaulichen Planungen und urbanen Projekten. Die Entwurfshaltung von kadawittfeldarchitektur gründet auf der Überzeugung, dass Architektur die Fähigkeit und Aufgabe hat, über ihre funktionale Bestimmung hinaus Mehrwerte zu schaffen. Das können räumliche, kommunikative, wirtschaftliche oder soziale Qualitäten für Gebäude und Umfeld sein, die im Programm einer Planung nicht vorgegeben sind, aber durch die genaue Analyse aller entwurfsbestimmenden Parameter in der architektonischen Umsetzung gewonnen werden. Gerhard Wittfeld ist im Rahmen von „Architektur im Dialog“ am 22. September Gast der Lavesstiftung in Oldenburg. Nach einer Einführung von Wolfgang Schneider, Vorsitzender der Lavesstiftung, stellt sich Wittfeld nach seinem Vortrag den Fragen des Journalisten Günter Beyer aus Bremen. Do., 22. September 2016, um 19 Uhr, EWE Forum, Audimax, Alte Fleiwa 1 (Navigation: Escherweg 7), 26121 Oldenburg. Anmeldung erforderlich – gerne per Mail bis zum 15.09.16 an [email protected] 16 | Niedersachsen | Baukultur | DABregional 09 · 16 Urbane Utopien Experimentelle Musik und Gespräche über das Gestern und Heute als Beiprogramm zur Ausstellung „Echo-Räume“ im Laveshaus. D ie akustische Intervention „Architektur und Unendlichkeit“ der hannoverschen Experimentalmusiker vom Ensemble Tumult führte am ersten Samstag im August interessierte Zuhörer in neue klangliche Dimensionen von Raum, Zeit und Architektur. In einer eigens für die Ausstellung „Echo-Räume. Nicht realisierte Bauprojekte in Hannover“ entwickelten musikalischen Darbietung loteten Andreas Brüning (E-Bass und Treatments), Jürgen Morgenstern (Kontrabass, Stimme, Ukulele), Pit Noack (präparierte Kassetten, Kassettenrekorder und Lautsprecherfeld) und Sebastian Wendt (Bass- und Kontrabassklarinette) das Verhältnis von Möglichkeit und Wirklichkeit in Musik und Architektur aus. Das Treppenhaus der städtischen Galerie KUBUS und der Vorplatz wurden als Orte bespielt und klanglich mit einbezogen. Vor 50 Jahren wurden für diesen städtischen Raum hinter dem Laveshaus, zwischen Markthalle und Rathaus gelegen, eine Vielfalt von planerischen Ideen entwickelt. Kulturelle Bauten wie ein Schauspielhaus, eine Stadtbibliothek, dazu Galerien und breite öffentliche Räume sollten eine städtebauliche Anbindung zwischen Rathaus und City möglich machen. Realisiert wurde nur ein Teil der Planungen. Die nicht realisierten aber sind in der Ausstellung im Laveshaus zu sehen (noch bis 2. September). Dass dieser städtische Raum rund um den heutigen Köbelinger Markt wieder im Fokus der Stadtplanung steht und nach 50 Jahren wieder einen Wandel erfährt, ist ein Phänomen, welches auch andere zentrale Orte in Hannover betrifft. Wie sich Städtebau und Architektur in den 60er- und 70er- Jahren in Hannover entwickelten, berichteten Prof. Ekkehard Bollmann, Architekt und Stadtplaner aus Hannover, und der Verkehrsplaner und Leiter des U-BahnBauamtes, Prof. Klaus Scheelhaase, in einem Gesprächsabend, der ebenfalls zum Beiprogramm der Ausstellung zählte. Eröffnet wurde das Gespräch durch den Kammerpräsidenten Wolfgang Schneider. Er hob die Bedeutung des architektonischen Vermächtnisses der 60er- und 70er -Jahre hervor und zeichnete die Initiative der Lavesstiftung auf, die sich im nächsten Jahr mit einer Publikation dem baulichen Erbe dieser Zeit widmen werde. Die Vision einer schnelllebigen Welt, die Explosion der Städte, der Bauboom der 60erJahre hatten auch in Hannover Spuren hinterlassen. Die urbanen Utopien von einem humanen Städtebau führten in Hannover zu einer Reihe von Planungen, in denen der Bau von Großkomplexen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen miteinander verbinden sollte. Urbanität durch Dichte, das war das Schlagwort der Planergeneration. Prof. Bollmann und Prof. Scheelhaase beschrieben diese Zeit als eine, in der (fast) alles technisch machbar erschienen sei. Die Kraft visionärer Vorstellungen und die Entwicklung von Konzepten für die Zukunft wären dabei durch Kommunalpolitik, durch Rudolf Hillebrecht als Stadtbaurat und Oberstadtdirektor Martin Neuffer unterstützt worden. Alles schien möglich, so Prof. Bollmann. „Es hätte uns damals nicht gewundert, wenn man im Jahr 2000 in Wohnformen leben würde, die über die Städte gespannt wären oder selbst den Mond irgendwann zu besiedeln, auch das war durchaus vorstellbar.“ Was jedoch niemand für möglich gehalten, sondern für reine Utopie gehalten hätte“, so Bollmann, „dass im Jahr 2016 eine bundesdeutsche Kanzlerin, eine Pfarrerstochter aus der Uckermark, einen schwarzen USPräsidenten, in einem wiederaufgebauten Schloss in Herrenhausen begrüßt.“ Bollmann und Scheelhaase plädierten dafür, die städtebaulichen Ideen und Architekturen der 60erund 70er- Jahren, stärker aus ihrem sozialutopischen Kontext zu betrachten. Die Frage, warum die Qualität der Architektur dieser Zeit heute so eine geringe Akzeptanz finde , erläuterten beide mit dem Konflikt zwischen Eltern- und Kindgenerationen. Beide waren sich einig darin, dass die nachfolgende junge Generation den Wert der 60er- und 70er-Architekturen wieder schätzen werde. Maa | Öffentlichkeitsarbeit | Niedersachsen | 17 DABregional 09 · 16 Mut zur Nachverdichtung Wirkstoff für Kreative Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg lädt ein zum Festival der Kreativen Wanderausstellung „Auf den zweiten Blick“ soll Buchholzer Bauherren motivieren, auf schwierigen Grundstücken zu bauen © fotolia 01 – 23 09 16 Festival der Kulturund Kreativwirtschaft Wirkstoff ist eine Initiative der Metropolregion Hannover · Braunschweig · Göttingen · Wolfsburg Foto: Volksbank Lüneburger Heide eG Vom 1. bis 23. September findet erstmalig das Festival der Kultur- und Kreativwirtschaft mit dem Titel „WIRKSTOFF“ statt. So präsentieren sich elf Branchen, wie zum Beispiel Design, Werbung, Film oder darstellende Künste – und nicht zuletzt Architektur. Daher zählt auch die Architektenkammer zu den Unterstützern dieses Festivals. I n allen Kommunen steht das Thema „Nachverdichtung“ ganz oben auf der Stadtentwicklungsagenda, auch beim Einfamilienhausbau. Im Rahmen eines „integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ hat Doris Grondke, die Stadtbaurätin der Stadt Buchholz in der Nordheide, in den letzten Monaten alle Baulücken und brachliegenden Grundstücke der Stadt ausfindig machen lassen: „Wir haben 110 Flächen identifizie t, die für eine Nachverdichtung in Frage kommen,“ berichtet Grondke. Mit den Eigentümern werde jetzt in ausführlichen Einzelgesprächen geklärt, was mit den Grundstücken in Zukunft geschehen könne. „In Buchholz sind Neubaugebiete knapp, daher muss künftig vermehrt im Bestand geschaut werden“, betont auch der Regionaldirektor der Volksbank Lüneburger Heide eG, Frank Krause. Mit guten Ideen wollen die Stadtbaurätin und die Volksbank Lüneburger Heide eG den Buchholzer Bauherren jetzt Mut machen, sich nicht von zunächst schwierig erscheinenden Grundstücken oder Bausituationen abschrecken zu lassen. Daher nahmen sie gern das Angebot der Kammer an, die Wanderausstellung „Auf den zweiten Blick“ für einige Wochen im Zentrum von Buchholz zu zeigen. „Denn in dieser Ausstellung wird gezeigt, wie das Unmögliche aber dann eben Eröffneten die Wanderausstellung am 11. August 2016: Kammer-Vizepräsident und Obmann der Region Elbe/Weser Lothar Tabery (2.v.r.), die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke (2.v.l.), der Regionaldirektor der Volksbank Lüneburger Heide eG Frank Krause (1.v.r.) sowie Centermanager der BuchholzGalerie Stefan Sahr ( 1.v.l.) gemeinsam mit Katharina Göbel-Groß (Mitte), zuständige Referentin der Architektenkammer. doch möglich gemacht werden kann“, so Volksbankdirektor Krause. Mit der gut besuchten Einkaufspassage „BuchholzGalerie“ im Herzen der Heide-Stadt war der ideale Standort gefunden, und auch Centermanager Stefan Sahr ließ sich ohne zu zögern auf eine Kooperation ein. Damit die interessierten Bauherren diese guten Ideen auch tatsächlich in eigene Projekte umsetzen können, findet im Volksbankhaus in Buchholz ab 1. September – gleich im Anschluss an die Ausstellung – wieder eine neue Reihe der Bauherrenseminare „Vom Traum zum Haus“ statt. Sie läuft bis zum 6. Oktober 2016. Der nächste Standort der Wanderausstellung ist Nienburg/Weser. Dort wird die Ausstellung vom 5. bis 22. September im Foyer des Rathauses, Marktplatz 1, zu sehen sein. Gg Mit mehr als 45 Veranstaltungsformaten und Events zeigt die Branche, wie sie die Region durch ihr Wirken bereichert. Darunter etablierte Musikfestivals wie die Niedersächsischen Musiktage neben neuen Formaten wie der PechaKucha-Night in Göttingen. Das Festival widmet sich der Frage, welche Rolle die Kultur- und Kreativwirtschaft als Impulsgeber für Wirtschaft und Gesellschaft einnimmt und einnehmen wird. Fachleute, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bringen ihre Erfahrungen und Kenntnisse ein. Ein Workshop-Angebot rundet das Programm inhaltlich ab. Auf drei interessante Veranstaltungen soll an dieser Stelle besonders hingewiesen sein: Rundgang durch die Fagus-Werke jeweils am 4., 11. und 18. September. Stadtspaziergang durch Duderstadt mit dem Titel: „Stadtentwicklung zwischen Fachwerk und Moderne“ am 9. September, geführt von Architekt Michael Schmutzer. Rundfahrt durch Wolfsburg am 18. September, die zeigt, wie sich dort Wohnen und Architektur seit 1938 entwickelt hat. Alle Informationen zum WIRKSTOFF-Festival sowie den weiteren Veranstaltungen unter www.wirkstoff-metropolregion.de Gg 18 | Niedersachsen | Öffentlichkeitsarbeit | DABregional 09 · 16 Niedersächsischer Artenschutz bei Staatspreis kommt Gebäudenach Berlin sanierungen Preisträger des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur 2016: UNESCO Weltkulturerbe Mariendom Hildesheim mit Dommuseum und Annexbauten (Schilling Architekten, Köln / Hahn Hertling von Hantelmann, Landschaftsarchitekten Hamburg; Bauherr: Domkapitel Hildesheim). Kammerpräsident Schneider: „In einem langjährigen Planungs- und Bauprozess, der einen Wettbewerb für die Freiflächengestaltung des Domhofes umfasste, arbeiteten Architekten, Landschaftsarchitekten und Bauherren stetig weiter für die optimale Lösung, passten die Ziele im Laufe der Zeit immer wieder an und kamen so gemeinsam zu einem einzigartigen Gesamtensemble das Hildesheim überzeugend aufwertet.“ Wie Architekten Artenschutz und Klimaschutz vereinbaren können Kohlmeise in einer Fassade, Foto: Frank Hessing Ausstellung und Podiumsgespräch in der niedersächsischen Landesvertretung am 19. September Foto: Christian Richters A m 19. September wird in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin die Ausstellung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur 2016 eröffne . Der Preis war Anfang Juni zum Thema „Bauen für die Öffentlichkeit“ in Hannover von Bauministerin Cornelia Rundt und Kammerpräsident Wolfgang Schneider an das UNESCO Weltkulturerbe Mariendom Hildesheim mit Dommuseum und Annexbauten verliehen worden (Schilling Architekten, Köln / Hahn Hertling von Hantelmann, Landschaftsarchitekten Hamburg; Bauherr: Domkapitel Hildesheim). Die Ausstellung zeigt die 2016 ausgezeichneten Objekte: Preisträger, Nominierungen und Engere Wahl. Den Abend eröff et Staatssekretär Michael Rüter, Bevollmächtigter des Landes Niedersachsen beim Bund, bevor Kammerpräsident Schneider einen Einblick in die Juryarbeit gibt. Im anschließenden Podiumsgespräch diskutiert Prof. Stefan Rettich, KARO* architekten, Leipzig/Hamburg als Vorsitzender der Jury mit dem Architekten des Siegerobjekts Prof. Johannes Schilling, Schilling Architekten, Köln und dem baupolitischen Sprecher der SPD Landtagsfraktion Niedersachsen und Jurymitglied Marco Brunotte. Architekturkritiker Nils Ballhausen moderiert. Start ist um 19 Uhr. Montag, 19. September 2016, 19.00 Uhr, Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin; Anmeldungen zur Eröffnung in Berlin bitte an [email protected] Ausstellungsdauer: 20. bis 23.09.2016 Öffnungs eiten: jeweils 10 bis 18 Uhr. V iele Vogel- und Fledermausarten leben als sogenannte Kulturfolger in den Städten. Sie benutzen seit Jahrhunderten unsere Gebäude als „Ersatzfelsen“ zum Leben und Brüten. Werden im Zuge der energetischen Sanierung Fassaden und Dächer gedämmt und kleine Hohlräume verschlossen, verlieren diese Tiere ihre Lebensstätten. Denn viele Gebäude bewohnende Arten benutzen jedes Jahr dieselben Nester oder Quartiere. Oft sind bei einer Gebäudesanierung nicht nur einzelne Tiere betroffen, sondern ganze Kolonien. Seit dem Klimagipfel in Paris im November 2015 ist verbindlich vereinbart, den CO²-Ausstoß so zu begrenzen, dass die durchschnittliche globale Klimaerwärmung deutlich unter 2 K bleibt. Daraus folgt für Deutschland, dass der CO²-Ausstoß im Gebäudebereich um ca. 90 Prozent reduziert und der Gebäudebestand umfassend saniert werden muss. Im Widerspruch dazu steht die Verpflic tung, die Lebensstätten der Tiere – auch in deren Abwesenheit – zu erhalten. Denn wild lebende Vögel und Fledermäuse sind durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BNatSchG). Planer und Architekten sollten heute daher Artenschutz und Klimaschutz vereinbaren. Dabei sind neben bauphysikalischen und konstruktiven Belangen auch artspezifische (z. B. die Lage des Quartiers) zu beachten. Hier können die Informationsbroschüre und das neue Praxishandbuch des BUND „Artenschutz bei Gebäudesanierungen“ helfen. Die Applikation an der Fassade dürfte häufig den gestalterischen Ansprüchen nicht genügen. Will man Quartiere für Vögel und Fledermäuse bündig – | Aktuell | Niedersachsen | 19 DABregional 09 · 16 und damit unauffällig – in der Fassade einbauen (siehe Foto), ist meist eine Aussparung in der Dämmung und somit Hinterlegen des Einbauteiles mit hochwertiger Dämmung notwendig, um die entstehende Wärmebrücke zu minimieren. Im Dach kann man mit Lüfterziegeln Zugang zu vorhandenen Hohlräumen einplanen. Einzelne Nistplätze werden die Funktion des Dachaufbaus genauso wenig beeinträchtigen, wie kleine Bereiche geringerer Dämmstärke die Energiebilanz des Hauses nicht verändern. Für einen Einbau sind die Gesimse am Dachrand gut geeignet, die außerhalb der thermischen Hülle liegen und ohnehin bei Dach- bzw. Fassadensanierung erneuert werden. Viele Arten suchen hier bevorzugt nach geeigneten Quartieren. Denkmalgeschütztes Bauwerk muss erhalten bleiben Architektenkammer Niedersachsen plädiert für Erhalt der historischen Gleishalle in Oldenburg Aus Bauherrensicht ist neben dem Klimaschutz auch der Artenschutz ein Beitrag zum kollektiven Wohlbefi den. Ergebnisse der aktuellen Naturbewusstseinsstudie 2015 des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zeigen: Menschen in Deutschland wollen Natur in der Stadt! Grünflächen und eine hohe Artenvielfalt bieten vor allem Großstädtern den nötigen Erholungsraum. Naturerfahrungen und Wildtierbeobachtungen sind weitere wichtige Bestandteile von Wohn- und Lebensqualität. Dabei hat das Zusammenleben mit fli genden Untermietern unter einem Dach konkrete Vorteile: Vögel und Fledermäuse sind fleißige Insektenfresser, die den heimischen Garten vor Schädlingen und uns Menschen vor plagenden Mücken bewahren können. Vögel helfen bei der Verbreitung von Pflan ensamen, und Arten wie Haussperlinge und Dohlen können aufgrund aufkommender Nahrungskonkurrenz sogar die Anzahl verwilderter Haustauben eindämmen. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist von der Bundesregierung bis zu vielen Gemeinden erklärtes Ziel. Dabei wird das Engagement für den Artenschutz in der Öffentlichkeit vorwiegend positiv aufgenommen. Möglichkeiten, Vögeln und Fledermäusen weiterhin ein Zuhause zu geben, gibt es viele. Damit sie auch in Zukunft in den Städten leben können, sind sie auf die Handlungsbereitschaft und Akzeptanz aller Beteiligten angewiesen. - www.artenschutz-am-bau.de. Volker Auch-Schwelk & Kirsten Gulau, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Niedersachsen e.V. Foto: von Hagen „Artenschutz am Gebäude - Neubau und Bestand“ BUND Niedersachsen und Energieagentur Region Göttingen veranstalten eine Schulung für Planer und Handwerker zum Artenschutz am Gebäude im Neubau und Bestand. Mittwoch, 7.9.2016, 13 bis 18 Uhr in Göttingen. Anmeldung unter www.artenschutz-am-bau.de/termine-und-angebote/ D ie Deutsche Bahn plant derzeit, die denkmalgeschützte Oldenburger Gleishalle gegen den Willen der zuständigen Denkmalschutzbehörden der Stadt Oldenburg und der Oldenburgischen Landschaft abzureißen. Wolfgang Schneider, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, sprach sich nun gegen einen Abriss der denkmalgeschützten Gleishalle in Oldenburg aus – die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg nahm den Einspruch umgehend in ihre Berichterstattung auf. Schneider forderte alle Beteiligten auf, aufeinander zuzugehen und das konstruktive Gespräch zu suchen, um Lösungen zu entwickeln, die den Erhalt des Denkmals ermöglichen. Die Ertüchtigung und Weiterentwicklung der Gleishalle sei möglich und stände nicht im Widerspruch zum Denkmalschutz. „Zeitgemäße Konstruktionen, Materialien und Gestaltungsdetails können auch in einem Denkmal zum Einsatz kommen“, so der Kammerpräsident. Modernes Bauen in historischen Gebäuden müsse sich nicht ausschließen. Mit der denkmalrechtlichen Unterschutzstellung von Bauwerken, so der Kammerpräsident weiter, werde dem Verlust wesentlicher historischer Dokumente vorgebeugt, deren Erhalt im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen. Er forderte die Bahn auf, trotz anzuerkennender wirtschaftlicher Gesichtspunkte, einen Erhalt der Halle anzustreben. Schneider: „Ich erwarte von der Deutschen Bahn als Eigentümerin einer Vielzahl denkmalgeschützter Bauten ein verantwortungsbewusstes, der Baukultur verpflic tetes Handeln. Dies dient – wie die Pflege eines zeitgemäßen Corporate Design oder das Vorhalten moderner Züge – dem Image und damit der Kundenbindung des Unternehmens.“ Die Architektenkammer, so Schneider, biete in welcher Form auch Mz immer, ihre Hilfe an. 20 | Niedersachsen | Recht | DABregional 09 · 16 Neue Richtzahlen für Einstellplätze Kritik der Architektenkammer § 47 Abs. 1 NBauO regelt, dass für bauliche Anlagen, die einen Zu- und Abgangsverkehr mit Kraftfahrzeugen erwarten lassen, Einstellplätze in der erforderlichen Anzahl zur Verfügung stehen müssen. Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (MS) hat als oberste Bauaufsichtsbehörde mit Runderlass vom 06.07.2016 unter dem Titel „Ausführungsbestimmungen zu § 47 NBauO“ (Nds. MBl. Nr. 27/2016, S. 714 ff.) die bisher geltenden Richtzahlen für die notwendigen Einstellplätze teilweise geändert. Es sind insbesondere folgende Neuerungen zu beachten: - Es wird klargestellt, dass in den Richtzahlen die Einstellplätze für Menschen mit Behinderung gemäß § 49 Abs. 2 NBauO enthalten sind. - Die Richtzahl für Mehrfamilienhäuser und sonstige Gebäude mit Wohnungen wurde zunächst auf 2 Einstellplätze je Wohnung angehoben. Aufgrund massiver Kritik der Architektenkammer und weiterer Institutionen wurde diese Anhebung jedoch bereits mit Runderlass vom 28.07.2016 (Nds. MBl. Nr. 29/2016, S. 806) wieder korrigiert und auf das bisherige Maß von 1 – 1,5 Einstellplätzen je Wohnung zurückgesetzt. - Die bisherige Regelung zu Gebäuden mit Altenwohnungen (Ziff. 1.3) wurde gestrichen. Mit der Streichung entsteht die Un- klarheit, ob solche Wohnungen nunmehr den sonstigen Gebäuden mit Wohnungen oder den Altenwohnheimen zuzuordnen sind. - In einer neuen Ziff. 2.2 sind nunmehr Büro- und Verwaltungsräume mit hohen Nutzflächen (Bibliotheken, Registraturen, Archive und dergleichen) gesondert mit 1 Einstellplatz je 80 m² Nutzfläche oder je 3 Beschäftigten geregelt. - Der Einstellplatzbedarf für Räume mit erheblichem Besucherverkehr (Schalter-, Abfertigungs- oder Beratungsräume, Arztpraxen und dergleichen) wurde angehoben auf 1 Einstellplatz je 15 – 25 m² Nutzfläch . Die Mindestzahl wurde auf 5 (bislang 3) angehoben. - Neu eingeführt wurde eine Richtzahl für Fitness- und Sportstudios mit 1 Einstellplatz je 10 m² Nutzfläch , jedoch mindestens 10 Einstellplätzen (Ziff. 5.13). - Die bisherige einheitliche Bestimmung zu Sanatorien, Kuranstalten und Anstalten für langfristig Kranke wurde unterteilt in die Bereiche Vorsorge- und Reha-Einrichtungen, Tagespflegeein ichtungen und Tageskliniken mit jeweils einzelnen Regelungen. - Bei Hochschulen (Ziff. 8.4) wurde der Einstellplatzbedarf von 1 Einstellplatz je 4 flächenbe ogenen Studienplätzen auf 1 Einstellplatz je 6 flächenbe ogenen Studienplätzen abgesenkt. In dem Runderlass wird – wie bisher – darauf hingewiesen, dass die Richtzahlen lediglich eine Orientierungshilfe darstellen. Die Anzahl der notwendigen Einstellplätze ist zu erhöhen oder zu ermäßigen, wenn der tatsächliche Bedarf eine abweichende Bemessung ergibt. Diesen Punkt hat das Sozialministerium mit einer E-Mail vom 28.07.2016 an sämtliche Baubehörden nochmals ausdrücklich klargestellt und erläutert, dass die Richtzahlen nicht streng schematisch anzuwenden sind. Die Anzahl der Einstellplätze richte sich nach den Bedürfnissen des Einzelfalls. Der Runderlass vom 06.07.2016 sowie der Ergänzungserlass vom 28.07.2016 sind zum 20.07.2016 in Kraft getreten. Die Regelungen sind befristet bis zum 31.12.2021. Das Niedersächsische Ministerialblatt ist im Internet unter www.niedersachsen.de/politik_staat/gesetze_verordnungen/gesetze-verordnungen-20080.html zu finden. Weiterhin ist der Runderlass auf www.voris.de (Nr. 21072) abrufbar. Die Architektenkammer Niedersachsen hat sich direkt nach der Veröffentlichung bereits kritisch zu einzelnen Neuerungen – insbesondere zu den verschärfenden Regelungen – geäußert. Zudem wird die Kurzfristigkeit des Inkrafttretens moniert. Übergangsfristen enthält der Runderlass nicht. Pa Fortbildung September und Oktober 2016 Alle Seminare, Weiterbildungen und Lehrgänge, alle Termine und die Online-Anmeldung unter www.fortbilder.de Veranstaltung Datum Referent Ort Haustechnik für Architekten Seminar Kostenmanagement für Architekten und Landschaftsarchitekten Seminar VOB A - Leistungsverzeichnisse für Freianlagen Überblick und Praxishinweise Seminar Vergaberechtsreform 2016 - Alles auf „Null“? Gravierende Änderungen im Vergaberecht, die Architekten kennen müssen! Seminar 07.09.2016 10 -17 Uhr 15.09.2016 14 -19 Uhr 20.09. 2016 10-17 Uhr PD Dr.-Ing. Stefan Wirth Laveshaus / Hannover Laveshaus / Hannover Laveshaus / Hannover 28.09. 2016 10-17 Uhr Rechtsanwalt Prof. H. Henning Irmler Architekt Dipl.-Ing. Klaus Dieter Siemon Dipl.-Ing. Manfred Quebe, Landschaftsarchitekt Laveshaus / Hannover | Wettbewerb | Niedersachsen | 21 DABregional 09 · 16 84 Wohnungen und eine Kita Architektenwettbewerb: Starterwohnen am Körnerplatz in Hannover Aufgabe Die Gesellschaft für Bauen und Wohnen GBH beabsichtigt die Errichtung eines Wohngebäudes für Studierende und Auszubildende mit Kita am Körnerplatz in Hannover. Die Bauaufgabe erfordert neben der funktionalen Komposition ein hohes Maß an Sensibilität bei der Einfügung des Gebäudes in den städtebaulichen Kontext - insbesondere in Bezug auf die unmittelbare Nähe zur Christuskirche. Auslober Gesellschaft für Bauen und Wohnen mbH – GBH, Hannover Preisträger 1. Preis: ASP Architekten Schneider Meyer Partnerschaft mbB, Hannover 2. Preis: NL Architects, Amsterdam / BeL Sozietät für Architektur, Köln 3. Preis: Architekten BKSP Grabau Leiber Obermann und Partner mbB, Hannover Jurybewertung Prof. Andreas Quednau von der Leibniz Universität Hannover leitete das Preisgericht Anfang August. Die Jury bescheinigte dem Entwurf von ASP eine besondere Qualität in der städtebaulichen Form und auch in der Gestaltung, die ihren Duktus über Fassade, Ter- rasse, als auch den gesamten Außenbereich beschreibe. Der siebengeschossige Hauptbaukörper werde östlich auf drei Geschosse abgestuft, der Blick von einer großzügigen Terrasse Richtung Christuskirche freigegeben. Er endet in einer eingeschossigen, pergolaartig gestalteten Einfassung des Außengeländes der Kita. Mit 84 Wohneinheiten insgesamt besitze die Arbeit ein Drittel mehr Appartements als gefordert. Positiv hob die Jury auch hervor, dass die Öffnungen der Fassade großzügig bemessen seien und mit ihrem Gestaltungsduktus sowohl helle Appartements als auch gut belichtete Kita-Räume ermöglichten und die Einfassung des Außenraums sich mit gleicher Haltung präsentiere. Entwurf ASP Die Gliederung des neuen Baukörpers orientiert sich an den Höhen der Umgebung, um sowohl die Einfügung in den Bestand als auch eine Eigenständigkeit an diesem Standort zu bewirken. Die Höhenentwicklung geht in besonderer Weise auf die Umgebung ein und spiegelt zugleich die Statik einer Überbauung der U-Bahntrasse in wirtschaftlich verträglicher Form wider. Eine daraus resultierende Terrasse mit Blick auf die Christuskirche wird als großzügiger Freiraum für studentische Kommunikation angeboten. Wohnplätze in Einzelappartements bilden den Schwerpunkt des Gebäudes während die individuellen Wohnplätze in Wohngemeinschaften und in Wohngruppen sich an den Kopfenden des Hauses um den Gemeinschaftsbereich herum gruppieren. Entwurf NL Architects/BeL Das Haus ist ein Solitär im Garten mit umgebender Mauer. Die Mauer ist städtebaulich wirksam, programmatisch und formal, sie nimmt gemeinschaftliche Nutzungen auf und gibt sie der Stadt zurück. Das Gebäude ist ein schlichtes kompaktes Volumen aus Backstein. Das Gebäude reagiert mit seinen Fassaden und den dahinterliegenden Sonderräumen auf seine Lage in der Stadt. 22 | Niedersachsen | Wettbewerb | DABregional 09 · 16 Transparent Architektenwettbewerb: Erweiterung der Grundschule Gehrde Entwurf ReindersArchitekten Mit der geplanten Erweiterung der Grundschule ergibt sich die große Chance, die liebevoll und einladend gestaltete, vorhandene Platzzone städtebaulich zu komplettieren und weiter aufzuwerten. Das Entwurfskonzept sieht vor, dass die geplante Erweiterung den Bestand möglichst einfach und selbstverständlich ergänzt. Vorgesehen ist ein Baukörper mit überwiegend geneigten Dachflächen, der in seiner winkelförmigen Ausprägung nach Westen eine kleine Vorplatzzone umschließt, und nach Osten möglichst schlicht und transparent die neue westliche Raumkante des Platzes definiert. Die Frei- und Pausenflächen bleiben in der jetzigen Größe weitestgehend erhalten. Die zweigeschossige Aula mit angegliederter Bühne bildet den Kern des Gebäudes. Von hier sind alle Funktionsbereiche wie Unterrichtsräume im Bestand und in der Erweiterung sowie der Speisesaal direkt zu erreichen. Aufgabe Die Grundschule Gehrde benötigt im Zuge der Aufgabenerweiterung, wie Inklusion, Ganztagsbetreuung, Förder- und Fordermaßnahmen, zusätzliche Räume. Erste Untersuchungen ergaben, dass ein Erweiterungsbau notwendig ist, um das geforderte Raumprogramm unterzubringen. Auslober Samtgemeinde Bersenbrück Preisträger 1. Preis: ReindersArchitekten, Osnabrück 3. Preis: Planwerkstatt, Bersenbrück Jurybewertung Die Jury leitete Dombaumeister Ralf Schlüter. Der Entwurf von ReindersArchitekten passe sich sehr gut in die vorhandene Umgebung ein, die Angliederung an den bestehenden Altbau der Schule erfolge behutsam. Auch die Dachanordnung sei sehr gelungen und passe sich der Kleinteiligkeit des Bestandes und des gesamten Ortsbildes an. Der Neubau schaffe zusätzliche Qualität durch die Transparenz der Fassade, die den Blick zum Kirchplatz und zum Schulhof ermögliche. Positiv wurde auch bewertet, dass der Neubau die Fläche des Pausenhofes nicht verringere. Entwurf Planwerkstatt Der Entwurf des Anbaus an die Grundschule Gehrde orientiert sich an das bestehende denkmalgeschützte Altbauensemble. Durch einen L-förmigen Neubau, der zweigeschossig an den Bestand anschließt und eingeschossig weitergeführt wird, wird der Schulhof gerahmt. Dabei nimmt der Entwurf in seiner Grundform die derzeit mit der Turnhalle überbaute Fläche wieder auf. Im Norden rückt das Gebäude von der Grundstücksgrenze ab und ermöglicht so einen Durchgang zum Schulhof sowie eine Belieferung der Mensa. Der zweigeschossige Gebäudeteil soll dabei als Putzbau mit Walmdach, angelehnt an den Bestand sowohl in Form als auch Material, ausgeführt werden. Der eingeschossige Bauteil hingegen wird mit einer Holzfassade versehen. In den Fassaden werden die Fensterformate des Altbaus übernommen und durch Unterteilungen neu interpretiert. Hinzu kommen Erker und Vorbauten wiederum mit Holz, die somit in moderner Architektursprache unterschiedliche Akzente setzen. | Termine | Niedersachsen | 23 DABregional 09 · 16 Was ist los in Niedersachsen? Tipps und Termine Aktuelle Termine finden sie auch im Internet unter www.aknds.de/aktuell.html Ort Veranstaltung Datum Veranstalter/Veranstaltungsort Bundesweit Gemeinsam Denkmale erhalten Tag des offenen Denkmals „Gemeinsam Denkmale erhalten“, Tag des offenen Denkmals im Fagus-Werk „Artenschutz am Gebäude - Maßnahmen im Neubau und Bestand“, Schulung für Planer & Handwerker 11.09.2016 Deutsche Stiftung Denkmalschutz www.tag-des-offenen-denkmals.de Fagus-Werk, Hannoversche Straße 58, www.fagus-werk.com Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Niedersachsen e.V. / Energieagentur Region Göttingen e.V., / VGH-Seminarraum im Erdgeschoss, Berliner Straße 2; www.bund-niedersachsen.de; www.energieagentur-goettingen.de Architektenkammer Niedersachsen, Friedrichswall 5, www.aknds.de Alfeld/Leine Göttingen Hannover Loccum Oldenburg Oldenburg Oldenburg Oldenburg Oldenburg 11.09.2016 07.09.2016 13 Uhr bis 18 Uhr „Echoräume. Nicht realisierte Bauprojekte in Hannover.“, noch bis 02.09.2016 Ausstellung Mo-Do 10 - 16 Uhr Fr 10 - 12 Uhr Energiewende im Gebäudesektor, Klimaschutz und Wirt- 19. bis 20.09.2016 schaftlichkeit durch technikoffene Lösungen, Tagung 03.09.2016 „Architekten in Bewegung“ 14 Uhr bis 18 Uhr Sprechstunde 06.09.2916 bis „Wohnraum schaffen“, Ausstellungseröffnung und Vor30.09.2016 stellung der Wettbewerbsergebnisse am 06.09.2016, 19 Uhr „Bewahren, Umnutzen, oder Wiederverwenden?“, Vortrag 07.09.2016, 19 Uhr 22.09.2016 „Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig 19 Uhr werden - Für Integration ohne Neubau, Referent Daniel Fuhrhop 22.09.2016, „Architektur“ im Dialog mit Gerhard Wittfeld, 19 Uhr kadawittfeldarchitektur, Aachen Vortrag und Podiumsgespräch Evangelische Akademie Loccum, Münchehäger Straße 6, www.loccum.de bau_werk Halle am Pferdemarkt, Pferdemarkt 8a www.bauwerk-oldenburg.de bau_werk Halle am Pferdemarkt, Pferdemarkt 8a www.bauwerk-oldenburg.de bau_werk Halle am Pferdemarkt, Pferdemarkt 8a www.bauwerk-oldenburg.de KoBE e.V., / bau_werk Halle am Pferdemarkt, Pferdemarkt 8a, www.bauwerk-oldenburg.de Lavesstiftung / EWE Forum Alte Fleiwa, Alte Fleiwa 1 www.lavesstiftung.de