Hebammenkunst und evidenzbasierte Medizin Représentations du

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Hebamme.ch
Sage-femme.ch
Levatrice.ch
Spendrera.ch
6 2013
Hebammenkunst
und evidenzbasierte Medizin
Représentations du corps de la femme / de la mère
Vitamin D3
Unentbehrlich für den gesunden
Aufbau von Knochen und Zähnen
Für eine optimale Entwicklung der Knochen (Rachitisprophylaxe)
empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie eine tägliche Zufuhr von 300-500 IE Vitamin D3 für Säuglinge und Kleinkinder, egal ob sie gestillt werden oder nicht, und dies zumindest
während dem 1. Lebensjahr.1)
Vitamin D3 Wild Öl: 1 Tropfen = 500 I.E. Vitamin D3
Vitamin D3 Wild Öl: enthält Vitamin D3 in öliger Lösung
Vitamin D3 Wild Öl: enthält als Lösungsmittel mittelkettige
Triglyceride ohne Allergierisiko
Zus: 1 Tropfen enthält 500 I.E. (12.5 µg) Cholecalciferolum in öliger Basis (mittelkettige Triglyceride aus Kokosnuss- und Palmöl, nicht allergen). Ind: Prophylaxe und Therapie der Rachitis, Osteomalazie, Vitamin-D-Mangel. Dos: Rachitis-Prophylaxe: 1 Tropfen/Tag, Rachitis-Therapie: 2-10 Tropfen, Osteomalzie: 2-10 Tropfen täglich. KI: Hypercalcämie, Hypercalciurie, kalziumhaltige Nierensteine, Sarcoidose, Pseudohypoparathyeroidismus. IA: Phenytoin und
Barbiturate, Thyazid-Diuretika, Herzglykoside. UW: in Folge von Überdosierungen. VK: D.
Ausführliche Angaben entnehmen Sie bitte: www.swissmedicinfo.ch
1)
Empfehlungen für die Säuglingsernährung 2008, Paediatrica, 19, 19-21, 2008.
Dr. Wild & Co. AG, 4132 Muttenz www.wild-pharma.com
Inhalt • Sommaire
Ausgabe 6
Hebammenkunst und evidenzbasierte Medizin
Edition 6
Représentations du corps de la femme / de la mère
Aktuell
2
Actualité
28
Editorial Inge Loos, Bern
5 Editorial Inge Loos, Berne
31 Dossier
4 Dossier
30 Evidenzbasierte Medizin als neue Hebammenkunst?
Doppelte Falle Barbara Duden, Hannover (D)
Pratiques de la naissance, corps féminin et sentiment
d’incompétence – Notes sur une recherche en cours
Irene Maffi, Lausanne
Fokus
10
Elternschaft nach einer Frühgeburt: Verlust und
Wiedergewinn einer Selbstverständlichkeit Mosaïque
Natascha Schütz Hämmerli, Sakari Lemola, Eva Cignacco, Basel
David Scheiner, Daniele Perucchini, Daniel Fink, Cornelia Betschart, Zurich
Mosaik
34 Du Botox pendant la grossesse et l’allaitement
14 Botox in Schwangerschaft und Stillzeit
David Scheiner, Daniele Perucchini, Daniel Fink, Cornelia Betschart, Zürich
Parentalité face à une naissance prématurée: une perte de la compréhension de soi suivie
d’un retour de celle-ci 35
Natascha Schütz Hämmerli, Sakari Lemola, Eva Cignacco, Bâle
Neues aus Wissenschaft und Forschung
18
Fédération
20
Verband
20
Sections
22
Sektionen
22
Formation continue FSSF
37
Fort- und Weiterbildung SHV
37
En librairie
36
Buchtipp
19
Thema der Ausgabe 7/8 2013
SHV-Kongress 2013, Thun
Thème de l’édition 7/8 2013
Congrès de la FSSF, Thoune
Erscheint in Juli 2013
Parution en juillet 2013
111. Jahrgang | 111e année
Geschäftsstelle | Secrétariat Rosenweg 25 C, Postfach, CH-3000 Bern 23, T +41 (0)31 332 63 40, F +41 (0)31 332 76 19
[email protected], www.hebamme.ch, www.sage-femme.ch Öffnungszeiten von Montag bis Freitag | Heures d’ouverture du lundi au
vendredi 8:15–12:00 / 13:30–17:15 Offizielle Zeitschrift des Schweizerischen Hebammenverbandes | Journal officiel de la Fédération suisse
des sages-femmes | Giornale ufficiale della Federazione svizzera delle levatrici | Revista uffiziala da la Federaziun svizra da las spendreras Erscheinungsweise 10 Mal im Jahr, Doppelausgaben im Januar / Februar und Juli /August | Parution 10 éditions par année, numéros doubles
en janvier / février et en juillet /août
Foto Titelseite Der SHV dankt Stephanie Todaro und der Frauenklinik Stadtspital Triemli, Zürich Photo couverture La FSSF remercie
Stephanie Todaro et l’Hôpital Triemli de la Ville de Zurich
Aktuell
Recht in der
Geburtshilfe
Ein Leitfaden für den medizinischen
Berufsalltag mit Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen
Ursina Pally Hofmann
Schulthess Juristische Medien AG, 196 S., broschiert,
Regulärer Preis: CHF 65.–, Preis für SHV-Mitglieder:
CHF 55.25, ISBN 978-3-7255-6738-6
Für Geburtshelferinnen und Geburts­
helfer sind rechtliche Kenntnisse unabdingbar geworden. Sie arbeiten invasiv,
interdisziplinär und sind mit den Interessen der schwangeren Frau als auch des
Ungeborenen konfrontiert. Sie müssen
in der Lage sein zu entscheiden, wann sie
wessen Interesse vertreten müssen, und
haben die Rechte von Mutter und Kind
zu wahren. Nicht zuletzt geht es darum,
sich selbst vor haftpflichtrechtlichen Ansprüchen und/oder einer strafrechtlichen
Verfolgung zu schützen. Diese Themen
werden im vorliegenden Buch aufgrund
rechtlicher Grundlagen und anhand praktischer Beispiele dargelegt. Das Buch richtet sich an auszubildende und erfahrene
Geburtshelferinnen und -helfer (Hebammen und Ärzteschaft) sowie an interessierte werdende Eltern.
(
Hinweis für SHV-Mitglieder
Für die Bestellung des Buches verwenden Sie bitte den Bestelltalon
auf dem Flyer der der Ausgabe JuliAugust (7/8 2013) beigelegt wird.
Der SHV hat mit dem SchulthessVerlag den Sonderpreis von
CHF 55.25 vereinbart.
Weitere Informationen zum Buch unter:
www.schulthess.com
2
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Jugend und Gewalt:
Positive Zwischen­
bilanz des Nationalen
Programms
Bund, Kantone, Städte und Gemeinden
setzen seit 2011 gemeinsam das Präventionsprogramm Jugend und Gewalt um.
Das Programm ist auf fünf Jahre angelegt und zielt darauf ab, eine wirkungsvolle Gewaltprävention in der Schweiz zu
fördern. Nach Halbzeit des Programms
ziehen die Beteiligten im Rahmen des 4.
Netzwerktreffens in Zürich eine positive
Zwischenbilanz. Die Verantwortlichen in
den Kantonen, Städten und Gemeinden
schätzen den Austausch und die Zusammenarbeit im Rahmen des Programms.
Auch für kleine Kantone und Gemeinden
lohnt es sich, Zeit und Geld in eine Strategie zur Gewaltprävention zu investieren.
Wichtig ist, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Massnahmen zu sichern.
Mehr Informationen unter:
www.bsv.admin.ch › aktuell › medien
Babynahrung:
Untersuchung zeigt
erfreuliche Resultate
Im Jahr 2012 haben Bund und Kantone
in einer breit angelegten Untersuchung
Babynahrung auf Pestizid-Rückstände
und andere Verunreinigungen untersucht. Die aktuellen Ergebnisse – sämtliche 108 Proben waren rechtskonform –
zeigen ein deutlich positiveres Bild als
in früheren Analysen. Dies lässt darauf
schliessen, dass die Produzenten ihre
Pflicht zur Selbstkontrolle ernst nehmen
und ihre betriebsinternen Kontrollsysteme effizienter geworden sind. Diese
Kontrollkampagne steht im Zeichen einer
verstärkten Zusammenarbeit zwischen
Bund und Kantonen.
Im Rahmen der nationalen Lebensmittelkontrolle wurden Babynahrung (Altersgruppe 0 –12 Monate) und Lebensmittel
für Kleinkinder (Altersgruppe 1– 3 Jahre)
untersucht. 108 Proben wurden auf Pestizidrückstände untersucht. Ausgewählte
Stichproben wurden zusätzlich auf Spuren von Nitraten, auf Bromid und gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
getestet. Sämtliche Proben entsprachen
den rechtlichen Vorschriften. In 107 Proben lagen die Pestizidwerte unterhalb
der Nachweisgrenze. In einem Fall wurden tolerierbare Spuren von Pestiziden
gemessen. Die Resultate dieser Messungen fallen deutlich besser aus als bei früheren Untersuchungen.
Mehr Informationen unter: www.bag.admin.ch ›
Aktuell › Medieninformationen › Bericht
Erste nationale Fach­
tagung der Migrant
Friendly Hospitals
Ausgewählte Schweizer Spitäler entwickeln sich im Rahmen des BAG-Pilotprojekts Migrant Friendly Hospitals (MFH)
zu migrantenfreundlichen Kompetenzzentren. Am 19. September 2013 werden sie in Bern ihre Arbeit erstmals einer
breiteren Fachöffentlichkeit vorstellen.
Nebst Vertreterinnen und Vertretern
der Spitäler werden auch Referenten
aus dem Ausland teilnehmen, die das
Thema «Umgang mit Diversität in der
Gesundheitsversorgung» in internationalem Kontext beleuchten.
Informationen zur Fachtagung unter:
www.swiss-mfh.ch
Das Nationale Programm Migration
und Gesundheit
Gut ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung sind Ausländer und Ausländerinnen.
Sie machen einen Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung aus und finanzieren unser Gesundheits­wesen massgeblich mit.
Ihr Gesundheitszustand ist indes weniger gut als jener der Einheimischen. Das
Nationale Programm Migration und Gesundheit ist der Public-Health-Beitrag
des BAG zugunsten der Migranten und
Migrantinnen in der Schweiz und erfolgt
im Auftrag des Bundesrats.
Den aktuellen Newsletter des BAG-Projektes MFH
(April 2013) und weitere Informationen
finden Sie unter: www.bag.admin.ch › Themen ›
Gesundheitspolitik
Neue Dokumentationen
auf DVD zu Wochen­
bettdepressionen und
Teenyschwangerschaft
Trotz Baby depressiv – ein Film über
Wochenbettdepression
Lauflänge: 60 Min. / Preis: EUR 30,–
Das Baby ist da – alle wollen es sehen, die
Familie kann ihr Glück kaum fassen, doch
bei der Mutter will keine Freude aufkommen. Die Diagnose: Wochenbettdepression. Der Film porträtiert drei Frauen, die
sich zum Teil erst über Umwege in psychiatrische Behandlung begeben haben,
da sowohl in der Familie als auch in
Spital das Problem nicht erkannt wurde.
Die drei Frauen beschreiben ihre Situation nach der Geburt ihres Kindes: wie
sie sich gefühlt haben und wie andere
auf sie reagiert haben, durch welche
Phasen der Erkrankung sie gegangen
sind und wie lange sie gekämpft haben,
um aus der Depression herauszukommen und wieder ein normales Leben
führen zu können.
Jung und schwanger – Dokumenta­
tionen über junge Schwangere, junge
Mütter und Väter
Lauflänge: 145 Min. / Preis: EUR 30,–
In den sieben Dokumentarfilmen werden
acht junge Mütter (und auch einige Väter)
porträtiert. Sie werden zu ihrer Sexualität, ihren Beziehungen, der Schwangerschaft, der Geburt, dem Leben mit den
Kindern und ihren Perspektiven interviewt. In den Filmen erzählen die jungen
Frauen aus heutiger Sicht ihre Geschichte
als junge Mütter.
Das «Medienprojekt Wuppertal» konzipiert und realisiert seit 1992 erfolgreich
Modellprojekte aktiver Jugendvideoarbeit. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte
sich das «Medienprojekt» zur grössten
und ambitioniertesten Jugendvideoproduktion in Deutschland. Jugendliche und
junge Erwachsene im Alter von 14 bis 28
Jahren werden produktorientiert bei ihren eigenen Videoproduktionen unterstützt, ihre Videos im Kino, in Schulen,
Jugendeinrichtungen etc. in Wuppertal
präsentiert und als Bildungsmittel vertrieben.
Mehr Informationen unter:
www.medienprojekt-wuppertal.de
20 Jahre Geburtshaus
Zürcher Oberland
Am 8. Juni 2013 feierte das Geburtshaus
Zürcher Oberland sein 20-jähriges Bestehen bis jetzt mit rund 2700 Geburten.
Die Jubiläumsausgabe von «Herztöne»,
der Zeitung des Geburtshauses, gibt
einen vielfältigen Einblick in die Geburts­
hausgeschichte und aktuelle Themen.
Schauen Sie rein!
Themen der Jubiläumsausgabe sind unter anderem: Die politische Chronik der
20 vergangenen Jahre; Rückblick von
drei Hebammen der ersten Stunde; Was
aus den «Milestone Kids» geworden ist;
Die drei jüngsten Hebammen berichten,
weshalb sie im Geburtshaus sind; Geburtsvorbereitung heute; Betreuung im
Wochenbett; Vorstellung des Geburtshaus-Kochbuches.
Der SHV und die Redaktion gratulieren
dem Team des Geburtshauses Zürcher
Oberland herzlich zum Jubiläum!
Das Magazin und weitere Informationen sind
zu finden unter: www.geburtshaus-zho.ch
Gemeinsam gegen die
Armut in der Schweiz
Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) setzt in den Jahren 2014 bis
2018 in Zusammenarbeit mit Kantonen,
Städten, Gemeinden und privaten Organisationen das «Nationale Programm zur
Prävention und Bekämpfung von Armut»
um. Der Bundesrat hat das Programm
gutgeheissen. Der Bund zielt in erster Linie darauf ab, die Bildungschancen von
sozial benachteiligten Kindern, Jugend­
lichen und Erwachsenen zu erhöhen, damit sie nicht in die Armut abrutschen.
Für das Nationale Programm stehen insgesamt 9 Mio. Franken zur Verfügung.
Das Programm hat seinen Ursprung im
Bericht «Gesamtschweizerische Strategie zur Armutsbekämpfung», den der
Bundesrat im Auftrag des Parlaments im
März 2010 verabschiedet hat. Das nun
verabschiedete Konzept hat das EDI im
Dialog mit zahlreichen Akteurinnen und
Akteuren erarbeitet. Der Entwurf wurde
im Februar 2013 mit den Kantonen, Städten und Gemeinden diskutiert. Diese haben die Stossrichtung gutgeheissen und
haben ihre Unterstützung für die Umsetzung zugesichert. Für die Umsetzung
des Nationalen Programms sind das EDI
und das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) zuständig.
www.bsv.admin.ch › aktuell › medien
Europäischer
Bericht zur Perinatal­
gesundheit 2010
Schweiz liegt bis auf wenige Aus­
nahmen im Durchschnitt
Die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen sowie die medizinische Betreuung bei der Geburt unterscheiden sich je
nach Land stark. Erstmals berücksichtigt
ein europäischer Bericht zur Perinatal­
gesundheit Daten des Bundesamtes für
Statistik (BFS) und erlaubt somit den Vergleich der Situation in der Schweiz mit
jener in anderen Ländern. Bei den meisten Indikatoren liegt die Schweiz im euro­
päischen Durchschnitt. Sie verzeichnet
jedoch den tiefsten Anteil der Mütter
im Teenager-Alter (1,1 %) und einen der
höchsten Anteile der im Ausland geborenen Mütter (41,1 %).
Medizinische Betreuung
Geburten mittels Kaiserschnitt werden
in ganz Europa immer häufiger. Ausnahmen bilden Finnland und Schweden, wo
die Zahl zwischen 2004 und 2010 leicht
zurückgegangen ist. In der Schweiz wurde
im Jahr 2010 bei einem Drittel der Geburten ein Kaiserschnitt durchgeführt. Polen,
Portugal, Rumänien, Italien und Zypern
verzeichneten einen noch höheren Anteil.
Der Anteil der Geburten ohne geburtsmedizinischer Eingriff (natürliche Geburt
ohne Einleitung, Zangen-/Vakuumextraktion oder Dammschnitt) belief sich
2010 in der Schweiz auf 34,8 % . Insgesamt 0,7 % der Geburten waren Hausgeburten, 1,5 % fanden in einem Geburtshaus und 97,8 % in einem Spital statt.
Der Bericht ist in englischer Sprache zu finden unter:
www.europeristat.com
Quelle: BFS, 27. Mai 2013
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
3
Dossier
Evidenzbasierte Medizin als neue
Hebammenkunst?
D
oppelte Falle
Kann die Hebammenkunst die evidenzbasierte Medizin überleben?
Der Versuch, geburtshilfliches Handeln anhand wissenschaftlicher Statistik auszurichten,
geht am Kern der Hebammenpraxis vorbei.
Barbara Duden, Hannover (D)
Es ist bedenkenswert, dass die Nutzlosigkeit oder gar
Zweckwidrigkeit gehäufter medizinischer Interventionen
zuerst in der Geburtsmedizin formuliert wurde. Schon
1972 behauptete Archie Cochrane, ein schottischer Epidemiologe, aufgrund von statistischen Daten des gesamten britischen Gesundheitswesens, die Geburtsmedizin
sei das Schlusslicht beim Einsatz von Massnahmen, die
erwiesen wirksam sind, ärger noch als die Chirurgie. In
den 1950er und 1960er Jahren waren auch in Gross­
britannien Kaskaden von Interventionen in die ehemals
«normale» Geburt zur Regel geworden – der Dammschnitt, die Weheneinleitung, die Blasensprengung, die
chemische Steuerung der Wehen und so weiter – ohne
dass ein Nutzen nachgewiesen worden wäre (Oakley
1984, Arney 1982). Was manche diensttuende Hebamme
im Kreisssaal wohl schon immer gewusst hatte, aber
nicht so hatte vorbringen dürfen, dass sie gehört worden
wäre, wurde durch Cochrane erstmals wissenschaftlich,
anhand grosser Datenmengen nachgewiesen. Marjorie
Tew, eine englische Gesundheitswissenschaftlerin, widerlegte anhand genauer Prüfung die verbreitete, aber
irrige Ansicht, der Rückgang der Mütter- und Säuglingssterblichkeit sei durch die Hospitalisierung und Technisierung der Geburt verursacht worden; sie zeigt an einzelnen technischen Eingriffen in den Geburtsvorgang
seit den 1960er Jahren deren Zweckwidrigkeit. Ihr engagierter Nachweis, dass die häufigen präventiven Interventionen der «Natur» des Gebären-Könnens Schaden
zufügen, erwuchs dieser Tradition einer nüchternen Prüfung der klinischen Praxis mit dem Handwerkszeug der
Statistik.
Auf Augenhöhe mit der Geburtsmedizin?
Seit Cochranes erster Polemik sind mehr als 40 Jahre
vergangen. Aus der Kritik des Epidemiologen ist ein
Dogma für professionelles Handeln im gesamten Medizinsystem geworden, in der Krankenpflege genauso wie
der Altenversorgung und der Geburtshilfe. An den Platz
4
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
der Beobachtung, Beurteilung und Behandlung am einzelnen Kranken trat die randomisierte, kontrollierte Studie, mit der ein quantifizierender Vergleich der Wirksamkeit von Therapieverfahren an Patientengruppen möglich
wurde. Der Patient soll sich, mit verlässlichen Informa­
tionen ausgestattet, auf Augenhöhe mit dem Arzt an der
Entscheidung zwischen verschiedenen Interven­tionen
beteiligen. Der neue Standard, das Handeln in der Medizin müsse sich an statistisch nachweisbarer Wirksamkeit
messen, scheint Hebammen zu unterstützen. Denn er
eröffnete die Möglichkeit, die Ergebnisse frei­berufliche
Geburtshilfe mit derjenigen von Klinikgeburten zu vergleichen. Zudem war diese «evidenzbasierte Medizin»
(EBM) eine Voraussetzung dafür, die Hebammen in akademische Ausbildungsgänge zu integrieren. Ihr Status
im Medizinsystem konnte somit gestärkt, ihr Anspruch
auf eine von Medizinern unabhängige, eigenständige
Wissenschaft der Geburtsbegleitung unterstrichen werden. Unter Hebammen gilt die EBM als Fortschritt, da
nun auch sie auf Augenhöhe mit Medizinern Eingriffe,
Massnahmen, Prozeduren an Schwangeren und Gebärenden mit Verweis auf Statistiken bestreiten können.
Die Prinzipien einer solchen «evidenzbasierten Betreuung» bilden daher heute die Grundlage der Ausbildung
in den meisten Studiengängen für Hebammen.
Dieser Machtgewinn der Hebammen gegenüber den
Ärzten ist eine doppelte Falle; zum einen, weil er in
einer Situation zustande kommt, da die Mediziner durch
ökonomischen Druck und eine Verregelung ärztlichen
Handelns gegenüber der Verwaltung grundlegend entmachtet wurden; zum anderen, und dies ist mein Thema,
weil ich befürchte, dass die evidenzbasierte Medizin die
Praxis von Hebammen in ihrer Grundlage bedroht. In
der Vergangenheit haben schon öfter «Reformen» in der
Geburtsmedizin die Arbeit von Hebammen bedroht: In
der Nachkriegszeit schwand zunehmend der bis dahin
selbstverständliche Kontrast zwischen einer «normalen»
Geburt, deren Betreuung Hebammen vorbehalten war,
und einer «Pathologie», um die sich Mediziner kümmerten. In den 1970er Jahren kamen die Arbeit im hoch­
gerüsteten Kreisssaal, die invasiven Interventionen und
die technische Überwachung mehrerer Gebärender
gleichzeitig auf die Hebammen zu, welche keinen Raum
Editorial
für die Kunst des Abwartens und Beobachtens unter der
Geburt liessen. Dann wanderte das Risikokalkül in die
Geburtsmedizin ein und überschattete alle Geburten
mit der Vergegenwärtigung des schlimmsten möglichen
Falles. Die gekonnte Nichtintervention geriet grundsätzlich unter den Verdacht der Fahr- oder Nachlässigkeit.
Alle diese Fortschritte erschwerten die Bedingungen,
in denen Hebammen ihr Können praktizieren konnten
und verdichteten den Konflikt zwischen den medizinischen Modellen der Geburt und ihrem Verständnis der
Sache. Diese Konflikte bedrohten die Hebammenkunst
von aussen: Sie entwerteten Hebammen in ihrer Autorität, machten sie zu Handlangerinnen des Mediziners in
der Klinik. Heute jedoch, mit der «evidenzbasierten Medizin», wird die Praxis der Hebammen von innen heraus
bedroht, nämlich in ihrer Gewissheit über die Voraus­
setzungen ihres Tuns.
Weshalb hege ich diese Ahnung? Weil die evidenz­
basierte Betreuung sich auf ein systematisches Misstrauen gegenüber jeglicher Instanz gründet, die darauf
vertraut oder den Anspruch erhebt, etwas zu wissen
und ausgehend davon angemessen, gut und richtig
handeln zu können. Dieses Misstrauen gilt auch gegenüber der Praxis von Hebammen. Deshalb fürchte ich,
dass die Geburtsarbeit, die aus der evidenzbasierten
Geburtsmedizin sich ergeben soll, keine «neue Hebammenkunst» sein wird, sondern deren Ende wäre. In zwei
Schritten möchte ich verständlich machen, wie ich zu
diesem Schluss gekommen bin.
Zuerst werde ich begründen, wie ich dazu kam zu behaupten, dass die evidenzbasierte Betreuung auf einem
systematischen Misstrauen gründet. Danach werde ich
fragen, inwieweit das Verfahren der evidenzbasierten
Betreuung das überformt, was zwischen der Gebärenden und der Hebamme «unter der Geburt» vonstattenging. Ich will dies an drei Fragen tun:
1. « Wer» oder «was» wird bei der evidenzbasierten
Betreuung betreut? Wo zeitigt diese Betreuung
ihre Wirksamkeit? Wie zeigt sich, ob diese Betreuung
wirksam ist?
2. W
ie verhält sich die statistische Regelmässigkeit
von Ereignissen gegenüber der Zeitlichkeit von Dia­
gnose und Prognose in der Hebammenkunst?
3. W
ie verändert sich die Begegnung zwischen Gebärender und Hebamme im Rahmen der EBM?
Mit diesen Fragen möchte ich zu bedenken geben, dass
die evidenzbasierte Betreuung Unmögliches voraussetzt, nämlich einen Vergleich zwischen zwei Standpunkten – den der Hebammenkunst und den der Statistik – die nicht miteinander verglichen werden können.
Damit führt sie eine Form der Schizophrenie in das Tun
von Hebammen ein, die noch in einer ganz anderen
Weise die Möglichkeit untergräbt, an einer Hebammenkunst festzuhalten.
Inge Loos
Beirätin Hebamme.ch
Bern
Liebe Leserin, lieber Leser
Gesellschaftliche Bedingungen beeinflussten die Art, wie
Frauen rund um die Geburt betreut werden schon immer.
In den modernen Staaten hat sich die Wissenschaft im Laufe
der Jahrhunderte unter anderem auch als Disziplin etabliert,
um das Leben zu erleichtern und die Lebensbedingungen
zu verbessern. Gerade in der Geburtshilfe ist das nicht immer
gelungen, wie viele Geburtspraktiken zeigen, die für Mutter
und Kind nicht hilfreich sind. Auch werden wissenschaftliche
Ergebnisse dazu benutzt, Frauen zu verunsichern und ihnen
das Vertrauen in die eigene Stärke zu nehmen. Diese Ergeb­
nisse müssen kritisch hinterfragt werden. Dazu brauchen
Hebammen Forschungskompetenzen – wer stellt denn sonst
diese Aussagen in Frage?
Die Forschung von Hebammen, aber auch der Neurobiologie
oder Psychoendokrinologie, hat belegt, dass Gebären ein
natürlicher Vorgang ist, in den so wenig wie möglich und
nur so viel wie nötig eingegriffen werden sollte. Hebammen
wissen das aus Erfahrung, aber unsere Gesellschaft fordert
für unser Handeln Belege. Wir können auf die Betreuungs­
bedürfnisse der Frauen und Familien aufmerksam machen
und unsere Arbeit legitimieren. Der Forschungsbericht von
Natascha Schütz ist ein Beispiel dafür, wie wir die Betreuung
während und nach einer Frühgeburt verbessern können,
damit die Eltern diese Zeit gut erleben. Irene Maffi, Anthro­
pologin aus Lausanne, stellt in ihrem Artikel vor, wie sich
der Blick auf die Frau, die Schwangerschaft, die Geburt und
die Stillzeit im Laufe der Jahrhunderte verändert hat und
welche Konsequenzen diese Veränderung für die Frauen hat.
Aber können wir an dem gesellschaftlichen Bild von Frauen
etwas ändern? Können wir unter den gegebenen gesell­
schaftlichen Bedingungen, in denen es um kurzfristige wirt­
schaftliche Rentabilitätsprinzipien geht, unsere Arbeit wirk­
lich verbessern? Bedürfnisorientierte Arbeit setzt für jede
Frau eine Hebamme voraus. Barbara Duden geht in ihrem
Artikel auf diesen so grundlegenden Aspekt unserer Arbeit
ein. Wir müssen die Möglichkeit haben, Frauen zu beobach­
ten, genau zu untersuchen und mit ihnen zu reden, damit
wir sie adäquat betreuen können.
Herzlich, Inge Loos
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
5
Dossier
Vom Misstrauen zur Geburtslogistik
Als Historikerin bin ich gewohnt, Geschriebenes als Dokument seiner Zeit zu lesen und zu interpretieren. Deshalb
möchte ich zunächst an einem Dokument erläutern, wovor wir heute stehen. In ihrer Antrittsvorlesung hat die
erste Professorin für Hebammenwissenschaft in Deutschland, Dr. Claudia Hellmers, ausführlich die Prinzipien des
Denkens und Handelns evidenzbasierter Betreuung unter
der Geburt dargelegt. Sie schildert die Geschichte zweier
Hebammen, einer Schülerin und einer Lehrerin, um die
methodische Umsetzung der evidenzbasierten Betreuung zu erläutern (Hellmers 2010). «Die Hebammenschülerin Jutta K. ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr. Sie betreut im Dienst die Zweitgebährende Frau Müller, die sich
in der 40. Schwangerschaftswoche befindet.» Bei ihrer
ersten Geburt hatte Frau Müller einen Dammriss dritten
Grades. Sie befindet sich in der späten Austreibungsperiode und die Schülerin beschliesst, warme Kompressen
für den Damm anzuwenden. Die betreuende Hebamme
«verlangt eine Erklärung für diese Entscheidung.» Jutta K.
sagt, dass sie damit einen Dammschnitt vermeiden wolle
und dass sie dieses Vorgehen in der Praxis schon häufig
bei Kolleginnen hatte beobachten können. Die Hebamme
(
6
«Nouvel art obstétrical»: le double piège
Barbara Duden est historienne, professeure émérite à l’Institut de Sociologie de Hanovre et bien
connue des sages-femmes de langue allemande
pour «Geschichte des Frauenkörpers» et pour
«Die Gene im Kopf – der Fötus im Bauch».
Après avoir retracé l’historique de l’apparition de
l’EBM (Evidence Based Medicine), Barbara Duden
constate que la pratique des sages-femmes subit
des pressions internes menaçantes. Une méfiance
systématique vis-à-vis de leur savoir-faire s’est
en effet installé et une préoccupation trop centrée
sur la logistique empêche un «nouvel art obsté­
trical» d’advenir.
Si les sages-femmes d’aujourd’hui ne dépassent
pas certaines contradictions, elles seront très vite
emprisonnées dans une grave situation schizo­
phrénique. Elles le sont déjà en quelque sorte,
comme le montre le cas de Mme M. décrit dans
l’article. Ces contradictions se situent:
– entre la personne concrète (connue, entendue,
examinée, observée, palpée même, par la sagefemme) et une population;
– entre un pronostic individuel et des caractéristiques statistiques, quantifiées et standardisées;
– entre la Nature («phusis» en grec) et un corps
statique.
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
kritisiert, dass diese Frau ohnehin eine Episiotomie bekommen müsse, weil sie beim letzten Kind eben jenen
Dammriss dritten Grades erlitten hatte und die Kompressen «zur Vermeidung einer Verletzung nicht beitragen würden. Das sei reine Kosmetik. Die Hebamme fragt
sich (danach) im Stillen, ob das, was sie gerade gesagt
hat, wirklich stimmt, oder die Kompressen vielleicht doch
präventiv wirken könnten».
An dieser Stelle setzt Claudia Hellmers’ evidenzbasiertes
Vorgehen ein, das in fünf Schritten durchlaufen werden
muss. Der Ausgangspunkt ist die Unsicherheit über eine
bestimmte Handlung oder Entscheidung und diese Unsicherheit erfordert nun einen Lernprozess. Zunächst muss
die Frage formuliert werden: «Kann durch den Einsatz
von warmen Dammkompressen am Ende der Austreibungsperiode die Episiotomierate gesenkt beziehungsweise einer Dammverletzung vorgebeugt werden? Sind
die Dammkompressen sinnvoll oder vielleicht sogar
schädigend?» Der zweite Schritt ist die Suche nach Evidenz. Dabei müssen Erkenntnisse aus der Literatur oder
Studien zum Thema konsultiert werden. Claudia Hellmers
beschreibt, dass die beiden Hebammen dabei unter anderem eine randomisierte Studie finden, bei der die Wirkung
warmer Dammkompressen untersucht wurde. In einem
dritten Schritt überprüfen die Hebammen, ob die Literatur valide ist und ob sie bei der klinischen Arbeit wichtig
ist.
Die Evidenz sagt: Erstens, im Vergleich zum routinemässigen Einsatz des Dammschnitts, gibt es beim geringen Einsatz von Episiotomien keine Unterschiede «im Hinblick
auf schwerwiegende Verletzungen, allerdings ein erhöhtes Risiko zu anterioren Verletzungen». Das heisst, weniger Episiotomien bedeuten statistisch betrachtet nicht
mehr Verletzungen des Dammes. Zweitens: Bei einer
Patientin mit DR3 ist eine Episiotomie nicht zwingend,
weshalb Präventionsmassnahmen eingesetzt werden
sollten. Ausserdem muss in die Entscheidung einbezogen
werden, dass warme Kompressen in der späten Austreibungsperiode nicht dazu beitragen, dass weniger genäht
werden muss, es treten jedoch seltener Dammrisse auf
und die Frauen haben weniger Schmerzen nach der Geburt.
Der vierte Schritt evidenzbasierter Praxis verlangt, dass
die Hebamme entscheidet, ob die Auskünfte der Literatur (externe Evidenz) auf den individuellen Fall anwendbar sind oder nicht. An dieser Stelle fliesst die Expertise
der Hebamme (interne Evidenz) ebenso in den Prozess
ein wie die Wünsche und Bedürfnisse der Frau. Die Hebamme und die Studierende könnten aufgrund der Kenntnis der externen Evidenz in einer nächsten ähnlichen
Situation entscheiden, die Dammkompresse anzuwenden. Und sie könnten auch auf einen prophylaktischen
Dammschnitt nach DR3 verzichten. Sie könnten sich aber
auch gegen die Anwendung von Dammkompressen entscheiden, etwa weil die Frau nach der Information über
deren Wirkung diese dennoch ablehnt oder weil es in der
entsprechenden Situation nicht durchführbar oder sinnvoll erscheint. Die Umsetzung in die Praxis verlangt die
Kombination von individuellem Fallverstehen mit der
externen Evidenz.
Zuletzt kommt die Evaluation. Die Hebamme und die
Schülerin müssen ihren Alltag kritisch überprüfen. Falls
etwa trotz der Kompressen wiederholt schwere Dammverletzungen bei Geburten auftreten, würden ihre klinischen Erfahrungen der externen Evidenz widersprechen.
Dieser Widerspruch könnte dazu führen, sich in eine neue
Recherche zu begeben. Sie könnten aber auch darüber
nachdenken, ob nicht etwa die Temperatur bei den Kompressen verändert werden müsste oder der Zeitpunkt
ihrer Applikation. Somit würde neue Forschung ange­
stossen.
Was ist das für ein Dokument? Die Geschichte von Jutta
K. und ihrer Hebammenlehrerin beginnt mit einer Unsicherheit über die Wirksamkeit eines Tuns, das unter Kolleginnen üblich ist. Die evidenzbasierte Geburtsmedizin,
jene neue Hebammenkunst, von der Claudia Hellmers
spricht, setzt in dem Moment ein, da die Hebammen
über die Richtigkeit ihres Tuns im Zweifel stehen. Sie sollen also recherchieren und finden dabei Statistiken über
Korrelationen zwischen einem Handgriff (Dammkompressen) und seinen möglichen Folgen sowie seiner
Wirksamkeit. Doch auch die Bedeutsamkeit dieser Statistiken, ihre Validität stehen in Frage, und die Hebammen müssen folglich diese Literatur bewerten. Wird sie
positiv bewertet, sollen sie die Statistiken zusammen
mit ihrer Praxiserfahrung und den «Wünschen» der
Gebärenden gegeneinander abwägen, und so zu einer
Entscheidung über den Einsatz des Dammschutzes als
Prävention und Mittel zur Senkung der Epi-Rate kommen. Im Anschluss evaluieren die Hebammen die Wirksamkeit ihrer Entscheidung und korrigieren gegebenenfalls ihre Praxiserfahrung oder beziehen bisher nicht
konsultierte Statistiken ein. Oder sie stossen weitere statistische Erforschungen der Anwendung von Dammkompressen nach DR3 an. Grundsätzlich steht bei der «neuen
Hebammenkunst» die Orientierung des Tuns in Frage:
Weder die Hebamme noch die Schülerin noch die Schwangere noch auch die Statistik bieten allein verlässliche
Anhaltspunkte, sondern lediglich «Aussagen», die gleichwertig nebeneinander stehen und gegeneinander abgewogen werden müssen. Die «neue Hebammenkunst» ist
eine Praxis, die sich nicht auf Dinge von Verlass gründet,
nicht auf ein handlungsleitendes Wissen, sondern auf
einen bestimmten Umgang mit einer grundsätzlichen
Unwissenheit, auf einen Handlungszyklus und auf ununterbrochene Korrekturen. Bei der «neuen Hebammenkunst» handelt es sich um eine haltungslose, rein formale
Praxis.
Vereinbarung des Unvereinbaren
Die evidenzbasierte Betreuung verlangt, dass Statistiken
mit der Hebammenkunst verglichen werden. Die Unvergleichbarkeit dieser beiden Wissensformen möchte ich
an drei Dimensionen sichtbar machen:
– dem Kontrast zwischen einzelner, konkreter Person
und Bevölkerung
– dem Kontrast zwischen Prognose und einer Behandlung auf der Grundlage statistischer Daten
– dem Kontrast zwischen der Physis der Schwangeren
und ihrem «Körper» in quantifizierbaren Studien.
Konkrete Person oder Bevölkerung
In der Hebammenkunst unterstützen, helfen, leiten die
Hebammen eine Gebärende während der Geburt. Sie
wissen etwas von Frau Müller, weil sie mit ihr gesprochen
haben, weil sie sie untersucht haben, weil sie sie betastet
haben, weil sie sich Geschichten erzählen liessen, weil sie
einen Begriff ihrer Physis haben, weil sie wissen, wie das
Kind steht … In der Geschichte von Claudia Hellmers, an
der ich meine Überlegungen übe, wurde dieses Wissen
aus einer Begegnung zwischen zwei Frauen mit einem
ganz anderen «Gegenstand» verglichen. In der Statistik
kommt Frau M., die Gebärende, nicht vor. Die Statistik
berechnet Mittelwerte, Korrelationen, Standardabweichungen, die von Messwerten gebildet werden, welche
einer Kohorte von Menschen, einer statistischen Grundgesamtheit, entnommen wurden. Es handelt sich um
Daten, die typische Werte einer Population bilden: Charakteristika der durchschnittlichen Schwangeren mit
40 Jahren, der Frauen mit Dammriss, der Frauen, die das
zweite Mal schwanger sind. Der Gegenstand der Statistik ist genau genommen eine Population. Es geht um
Merkmale, welche diese klassifizieren und charakteristische Messwerte, etwa Wahrscheinlichkeiten über die
Wirksamkeit eines Medikamentes auf diese Population.
Wenn die Hebamme also in der evidenzbasierten Betreuung die Frage nach der Wirksamkeit einer Dammkompresse von zwei Seiten beantworten muss, der Seite der
Gebärenden und der Seite der Statistik, so bekommen ihr
Nachdenken und das Instrument, das in Frage steht, eine
Doppelgesichtigkeit. Die Dammkompresse scheint nun
zweierlei Gegenstände zu bearbeiten: Frau M. und die
Population, der Frau M. aufgrund einiger Merkmale zugerechnet wurde. Die Hebamme verwandelt sich durch die
evidenzbasierte Betreuung im Nachdenken und in der
Verwendung der Dammkompresse in eine Koordinatorin
zwischen der Wirksamkeit dieser Kompresse in Bezug auf
das Wohlergehen von Frau M. einerseits und das Wohlergehen einer Population andererseits. Mit ihren Handgriffen und ihrem Nachdenken verbinden sich eine Form
der Bevölkerungspolitik und eine Hebammenpraxis für
Frau M. Aber wie sollen sich diese beiden Seiten verbinden lassen? Es ist im Grunde unmöglich. Wahrscheinlichkeiten der Statistik werden dadurch gewonnen, dass
von den konkreten Personen abstrahiert wird. Sie lassen
sich nicht auf Frau M. übertragen.
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
7
Dossier
Prognose oder Statistik
In der Kunst der Hebamme geht es um die gute oder
richtige oder glückliche Entbindung der Frau durch alle
Stadien der Geburt. Selbst wenn der Schichtwechsel in
einer Klinik es schwierig macht oder verhindert, so will
ich doch vom Idealfall ausgehen, dass eine Hebamme
eine Frau bei der Geburt unterstützt. Das Tun zwischen
Hebamme und Frau findet in einer Form der Zwiesprache
statt, die nicht nur durch das Sprechen passiert, sondern
auch durch umsichtiges, genaues und gekonntes Beobachten in der Zeit, in der Frau M. auf den Zeitpunkt des
Gebärens wartet, und in der Zeit des Geburtsverlaufes.
Das Tun der Hebamme stützt sich auf die Geschichte von
Frau M. während ihrer Schwangerschaft und während
der Geburt und die Zeitlichkeit dieses Tuns zwischen
zwei Frauen entspricht dem Fortgang dieser Geschichte.
Die Hebamme handelt und stützt sich dabei auf Zeichen
und eine Vorgeschichte bis zu einem bestimmten Moment. Sie handelt vorsorglich nachgängig, ausgehend
von der konkreten, vorliegenden Situation und im Fluss
der Geburtsarbeit zwischen dem Kind und Frau M., im
Fluss der Wehen und der Phasen des Wartens, im Fluss
des Wollens zwischen Frau M., ihrer Natur und dem
Kind. Die Hebamme wirkt mit der Natur mit. Diese Kunst
der Prognose und einer gekonnten Diagnose, der kundigen Deutung und Beurteilung von Zeichen, ist heute
bedroht.
Autorin
Prof. Dr. Barbara Duden ist Historikerin und
emeritierte Professorin am Institut für Soziologie
an der Universität Hannover. Sie ist einer breiten
Öffentlichkeit unter anderem durch ihre Veröffent­
lichungen zur «Geschichte des Frauenkörpers»
bekannt sowie durch ihr Buch «Die Gene im Kopf –
der Fötus im Bauch», in dem sie auch Vorträge
zu Hebammenfragen abdruckte.
[email protected]
8
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Die Statistik, welche die Hebamme in der Frage ihrer
Handgriffe hinzuziehen und gegenüber ihrer Expertise
abwägen soll, führt eine grundlegend andere Form von
Zeitlichkeit in die Geburtsarbeit hinein, welche der Prognostik diametral entgegengesetzt ist. Die Statistik liefert
die Wahrscheinlichkeit für die Wirkung eines einzelnen,
isolierten Handgriffes auf eine Population. Die Statistik
setzt voraus, dass der Fluss der Geschichte zwischen
Frau M. und der Hebamme zergliedert wird, dass daraus
Einzelereignisse isoliert werden. Ereignisse, die in der
Statistik auch ohne jegliches Vorher von Bedeutung sind.
Zugleich Ereignisse, deren Wahrscheinlichkeiten nach­
träglich bestimmt wurden, nicht an Frau M., sondern an
Hunderten von Menschen, die bezüglich definierter Merkmale so sind wie Frau M. Die Antwort der Statistik auf
die Lage von Frau M. gründet nicht in der Vorgeschichte
und den Besonderheiten von Frau M., sondern auf Projektionen ihrer Lage auf die Zukunft. Sie antwortet nicht von
dem ausgehend, was war, sondern von dem ausgehend,
was mit einer kalkulierten Wahrscheinlichkeit zukünftig
sein könnte, unter der Annahme, dass nicht Frau M. behandelt wird, sondern ein Experiment an einer Population
vollzogen wird.
Damit unterteilt die Statistik die Hebammenpraxis in isolierbare Einzelhandlungen. Sie führt dazu, die Geburts­
arbeit stets ausgehend von einer ungewissen Zukunft zu
denken und nicht ausgehend von der konkreten Situation
von Frau M. und dem, was geschehen ist, bis sie dorthin
gelangt ist. Das Tun der Hebammen wird zu einem Satz
von Einzelhandlungen, zu einer Kette von evaluierbaren
Handgriffen. Es wird ausgehend von einer fiktiven Zukunft gedacht und nicht ausgehend von dem, was gerade
geschieht. Damit untergräbt die Statistik die Begründung
des Tuns der Hebamme in der Beobachtung, in der Bekanntschaft zwischen ihr und Frau M., in der Kenntnis
der Geschichte von Frau M., die durch Hände, Blicke und
durch das Ohr der Hebamme hindurchgegangen ist. In
der zerstückelten Zeitlichkeit der Statistik bedeutet die
Grundlage der Kunst der Hebamme nichts.
Physis oder statistischer Körper
Noch eine andere Seite dieser unvereinbaren Zeitlich­
keiten, dieser unvergleichbaren und einander ausschliessenden Zeitlichkeiten in der Hebammenkunst und der
Statistik ist, ob und wie die Physis der Gebärenden wahrgenommen wird. In der Kunst der Hebamme ist die Physis von Frau M. proportional zu dem, was besprochen
werden kann: die kalten Füsse, als dieses geschah, und
danach geschah jenes und die Hautfarbe veränderte sich
ein wenig und so weiter. Ihre Physis ist aber auch jene
Gabe des Blickens und des Tastens, welche sich die Hebamme in den Jahren ihrer Praxis und durch wiederholte
Übung angeeignet hat, eine Kartografie der Zeichen, die
zu bedenken bedeutsam sind. In der Statistik wird nur das
erfasst, was quantifizierbar oder zergliederbar ist, was aus
jedem Zusammenhang herausgenommen wurde. Frau
M’s erste Geburt, die mit ihrer Geschichte der zweiten
Geburt verbunden ist, taucht in der Statistik lediglich als
Merkmal auf. Ansonsten erscheint Frau M. als Damm beziehungsweise als möglicher Dammriss. Der Körper der
Statistik ist ein Kompositum aus Teilen, Frau M. selbst
wird hier zu einem Kompositum aus Teilen, die für einen
Geburtsprozess von Bedeutung sind. Die Statistik impliziert einen funktionalen Gesichtspunkt und die Handgriffe der Hebamme geraten dabei zu einer funktions­
sichernden Tätigkeit.
An zwei Ebenen der evidenzbasierten Betreuung lässt
sich darüber nachdenken, ob und wie diese droht, die
Voraussetzungen der Praxis von Hebammen zu zerstören. Sie stellt das Wissen der Hebammen unter einen
systematischen Verdacht. Das Wissen, das die Hebamme
in ihren Händen, in ihren Ohren und Augen, durch ihre
geübten und beständig verfeinerten Beobachtungen
und die Gespräche mit Frau M. hat, darf nicht die Grundlage sein, von der her die Frage nach der Richtigkeit und
Gutheit ihres Tuns gestellt werden kann. Mit der Kritik an
Autoritäten wird nun auch die Autorität der Hebammen
unterlaufen, ihr Anspruch darauf, ein handlungsleitendes
Wissen zu haben. Stattdessen soll sie ihre Kunst auf der
Grundlage von Statistiken in Zweifel ziehen und zugleich
auch die Statistiken auf der Grundlage ihrer Expertise in
Frage stellen. Den Verlauf der Geburt und eventuelle Eingriffe soll sie vorweg mit der Schwangeren in allen denkbaren Möglichkeiten durchsprechen, um sie auf der Basis
dieser Evidenz an einer Entscheidung über fiktionale
Zukünfte zu beteiligen. Der Vergleich zwischen Wissen
und Statistik bringt die Hebammen in eine schizophrene
Situa­tion, in der ihr Tun sich simultan auf zwei Ebenen
ausrichten soll, deren Gesichtspunkte einander ausschliessen: Frau M. und die Bevölkerung. Ich frage mich,
wie es gehen soll, dass sie diese beiden Standpunkte vergleicht oder gar in ihrer Praxis vereint.
messbaren Effektivitäts- und Effizienzkriterien zusammengesetzt wird. In ihrem Kern ist die Hebammengeburtshilfe eine empirische Wissenschaft – Beobachtungskunst, Handwerk, Urteilsvermögen – in der Handeln,
Blicken, Tasten, die sinnliche Auffassungsgabe streng
mit der verstandesmässigen Erkenntnis des Vorliegenden verbunden waren (Kosfeld 2006).
Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag zur Berner Hebammenfortbildung
vom 8. 11. 2011.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Hebammen­
zeitschrift. Erschienen in: Deutsche Hebammenzeitschrift, Fachmagazin für
Hebammen 9/2012, S. 34 – 38
www.staudeverlag.de
Literatur
Arney W. R.: Power and the Profession of Obstetrics.
Chicago (1982) Duden B.: Die Ungeborenen. Vom
Untergang der Geburt im Laufe der Nachkriegszeit.
In: Schlumbohm, J. et al. (Hrsg.): Rituale der Geburt.
München. 149–168 (1998) Hellmers C.: Wach sein
und zweifeln können. In: Deutsche Hebammenzeitschrift. 12: 6–9 (2010) Kosfeld B.: Wissend handeln.
In: Deutsche Hebammenzeitschrift. 12: 20–24 (2006)
Oakley A.: The Captured Womb. A History of Medical
Care of Pregnant Women. Oxford (1984) Tew M.:
Sichere Geburt? Eine kritische Auseinandersetzung
mit der Geschichte der Geburtshilfe. Frankfurt/Main
(2007, orig.1990).
Eine andere Wissenschaft
Es scheint mir nötig, dass Hebammen erneut und entschieden auf die Autorität ihres Könnens pochen: die
Kunst der Beobachtung, der begründeten Diagnose, des
umsichtigen und sicheren Urteilens – im Wissen um die
besondere Zeitlichkeit, den nichtlinearen Zeitfluss jeder
einzelnen Geburt, die Eigenarten der Physis jeder Gebärenden und das Können, eine vorliegende Pathologie,
also eine wirkliche Gefahr in der physiologischen Geburt
zu erkennen und ihr gekonnt zu begegnen. So kann die
Trivialisierung der Hebammenkunst auf den Platzhalter
einer «internen Evidenz» vermieden werden. Es ist verfehlt zu hoffen, die Hebammenkunst würde mit dieser
Professionalisierung nun endlich zu einer Wissenschaft.
Sie war schon immer eine Wissenschaft, jedoch in einer
anderen Tradition des Wissens als die der beiden technischen Wissenschaften – «technisch» im zeitgenössischen
Verständnis – in die sie nun gestellt wird: der Informatik,
unter deren Hauptaufgaben die Logistik von Opera­
tionen zur Erreichung eines eindeutigen Zieles fällt, also
die zweckmässige Verregelung von Handeln als eine zeitliche Abfolge von Verhaltensoptionen unter definier­baren
Bedingungen, und der Ingenieurswissenschaften, unter
deren Gesichtspunkt Handeln als instrumentelles Verhältnis standardisiert, zergliedert und unter statistisch
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
9
Fokus
Elternschaft nach einer
Frühgeburt: Verlust und
Wiedergewinn einer Selbstverständlichkeit
Die hier beschriebene Studie zeigt, dass eine Frühgeburt zu beträchtlicher physischer und
psychischer Belastung der Eltern führt. Diese Belastung tritt mit der Geburt ein und hält bis
zum Ende des ersten Lebensjahres an. Es besteht ein Bedarf an Angeboten, die zu verbesserten elterlichen Bewältigungsstrategien und Selbstvertrauen führen, die Zusammenarbeit
und die Beziehung zwischen Eltern und Gesundheitspersonal fördern und eine Optimierung
der Übergangsversorgung anstreben.
Natascha Schütz Hämmerli, MScN, RN, Institut für Pflegewissenschaft; Dr. Sakari Lemola, Fakultät für Psychologie;
PD Dr. Eva Cignacco, Institut für Pflegewissenschaft | Universität Basel
Stichprobe
Insgesamt konnten N = 190 Elternteile in die Studie aufgenommen werden, n = 85 in der Gruppe nach einer FG
und n = 105 in der Gruppe nach einer TG. Mit rund 60 %
(FG: 61,2 %; TG: 58,1 %) hatten mehr Mütter als Väter an
der Studie teilgenommen.
Aus der Gesamtstichprobe wurde eine Teilstichprobe von
n = 20 Elternteilen (10 Mütter, 10 Väter) nach einer FG und
n = 18 Elternteilen (9 Mütter, 9 Väter) nach einer TG zur
Teilnahme an den Interviews ausgewählt.
Elterliche Erfahrungen in den ersten 2– 3 Jahren nach
der Geburt
Eltern, die eine FG erlebten, beschrieben den Übergang
zur Elternschaft anders als Eltern, deren Kind termingerecht zur Welt gekommen ist. Die Eltern durchlebten mit
der abrupten Geburt, der Hospitalisation auf der Neugeborenenintensivstation mit Verlegungen auf andere Abteilungen, der meist unerwarteten Spitalentlassung und
den ersten Monaten zu Hause sehr belastende Phasen.
Um sich diesen herausfordernden Phasen zu stellen und
diese bewältigen zu können mussten die Eltern enorme
emotionale wie physische Arbeit leisten. Diese Arbeit ist
in Form der daraus entstandenen Themenbereiche in
Abbildung dargestellt. Dieser Prozess war hauptsächlich
10
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
durch den Verlust und Wiedergewinn einer Selbstverständlichkeit in der Elternschaft charakterisiert. Mit der
unerwarteten Geburt kam es zur Entfremdung von der
vertrauten Welt, vom eigenen Kind und von der zu erwartenden Rolle als Mutter oder Vater. Dies führte
primär zu einer Destabilisierung des persönlichen und
familiären Systems. Das Zitat eines Zwillings-Vaters
illustriert diese Erfahrung:
«Ich habe es immer mit einer Bobbahn verglichen, als
wäre ich in einem Bobkanal. Man ist einfach drinnen,
man kann nicht mehr zurück, man kann nicht links oder
rechts rausgehen, es geht einfach das «Loch» runter,
und man ist drinnen. Ändern kann man es nicht. Man
muss lernen, die Situation zu akzeptieren.»
Die Mütter schilderten das Gefühl mit der abrupten,
meist hektischen Geburt, die Kontrolle über sich und die
Situation verloren zu haben. Väter hingegen beschrieben
Gefühle des Allein-gelassen-werdens. Einige der Väter
konnten bei der Geburt nicht dabei sein, weil sie aufgrund der Notfallsituation entweder zu spät kamen oder
in der Hektik irgendwo zwischen Abteilung und Opera­
tionssaal vergessen wurden.
Obwohl auch einige Eltern gesunder TG unerwartete
Geburtssituationen erlebten, bestand der Unterschied
darin, dass sie jeweils in den Entscheidungsprozess eingebunden waren und somit den Geburtsprozess mitbestimmen konnten, ihr Neugeborenes gesund war und
die neue Familie nach der Geburt nicht getrennt wurde.
Somit konnte der Übergang zur Elternschaft basierend
auf einer Selbstverständlichkeit fortschreiten.
Vertrauen wiedergewinnen, ausgleichen und stärken
Mit der Hospitalisation des Kindes auf der Neonatologie begann für die Eltern eine Phase der Ungewissheit,
während der sie mit dem möglichen Verlust des Kindes
oder der Verschlechterung dessen Gesundheitszustandes rechnen mussten. Zudem waren sie mit einer ihnen
nicht vertrauten Umgebung konfrontiert. Dies führte
zu Beginn zu einem Vertrauensverlust, welcher wiederhergestellt werden musste. Der Vertrauensaufbau war
durch die Persönlichkeit der Eltern und deren Vertrauen
in andere geprägt. Vertrauen in die Situation entstand
insbesondere durch eine gute Beziehungsgestaltung mit
dem Betreuungsteam und dem Glauben der Eltern an die
Stärke und den Überlebenswillen des Kindes. Die gesundheitlichen Fortschritte des Kindes waren dabei unterstützend.
Dieses Vertrauen konnte durch die Verlegung auf eine
andere Station oder in ein anderes Spital und in der Phase
der Spitalentlassung leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Einige Eltern beschrieben nach der Verlegung Gefühle von Misstrauen. Sie konnten deshalb ihr Kind kaum
mehr alleine lassen. Die Spitalentlassung kam für die
meisten Eltern überraschend und schnell. Sie führte zu
ambivalenten Gefühlen: einerseits freuten sie sich endlich eine Familie zu sein, andererseits hatten sie Angst vor
der grossen Verantwortung. Die ersten Wochen zu Hause
waren von grosser Unsicherheit und einer nahezu konstanten Überwachung des Kindes geprägt. Die Eltern
fühlten sich in dieser Phase entsprechend physisch und
psychisch erschöpft.
(
Elternschaft nach Frühgeburt, Natascha Schütz Hämmerli, Hebamme.ch, Ausgabe 10/2012, Seiten 11 und 12
Eine Frühgeburt (FG) führt bei Eltern häufig zu
psychischen Beeinträchtigungen. Diese können
den Umgang mit dem Kind längerfristig behindern und die Familie als System nachhaltig
stören [ 1, 2 ]. Die Forschung bezüglich FG, elter­
licher Erfahrungen und Belastungserleben
beschränkte sich hauptsächlich auf Mütter und
vernachlässigte die Situation der Väter. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel die Erfahrungen
von Müttern und Vätern nach einer Früh- und
Termingeburt (TG) zu beschreiben und deren
Belastungserleben 2 – 3 Jahre nach der Geburt
zu erfassen und zu vergleichen.
Es wurde ein Mixed-Methods-Vorgehen gewählt. Ein quantitativer Anteil wurde im hauptsächlich qualitativen Teil integriert. Die Erfahrungen während dem Übergang zur Elternschaft
bis 2 – 3 Jahre nach der Geburt wurden mit
halbstrukturierten Interviews und basierend
auf dem Verfahren der «Picture elicitation» [ 3 ]
erfasst. Das elterliche Belastungserleben
(«Parenting Stress») 2–3 Jahre nach der Geburt
wurde mit dem «Parenting Stress Index» [ 4 ]
erhoben. Die Interviews wurden mittels thematischer Analyse [ 5 ] innerhalb eines Forschungs­
teams ausgewertet. Die quantitativen Daten
wurden deskriptiv und explorativ analysiert.
Die Unterschiede im elterlichen Belastungs­
erleben wurden mittels hierarchisch linearen
Modellen berechnet.
Themenkarte elterliches Erleben nach einer Frühgeburt
30 bis 110 Tage
Abrupte Geburt
NICU
Verlegung
Austritt
Nach Hause kommen
Eltern werden
Familie werden
Elterliches
Belastungs­
erleben nach 2–3 Jahren
Verlieren und Wiedergewinnen einer Selbstverständlichkeit in der Elternschaft
Vertrauen wieder­
gewinnen, ausgleichen
und stärken
Meistern von Hürden
in der Entwicklung
der Elternrolle
Vertrauen in Andere
Wahrnehmungs­
veränderung von einem
fremden Wesen
hin zum geliebten Kind
Befähigt werden
Lebenserschütterungen
zu meistern
Die Suche nach
dem Gefühl
eine Familie zu sein
Professionelle Unterstützung
Soziale Unterstützung
Partnerunterstützung
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
11
Fokus
Meistern von Hürden in der Entwicklung der Elternrolle
Die Entwicklung der Elternrolle beinhaltete zu lernen
kindliche Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen.
Es ging aber auch um die Förderung der Eltern-KindBindung. Dabei war es für die Eltern hilfreich, in die
Pflege ihrer Kinder einbezogen zu werden. Das Ausmass
des Einbezugs war jedoch abhängig von der Betreuungsperson.
Die Eltern-Kind-Bindung wurde durch die Trennung nach
der Geburt gestört. Eine Mutter beschrieb diese Entfremdung folgendermassen:
«Sie war dann so unter einer Folie, ich konnte sie auch
nicht so sehen mit dieser Kappe. Dort hatte ich wirklich
nicht das Gefühl, das sei mein Kind – es war einfach
ein Kind in einem Brutkasten.»
Eine entscheidende Veränderung in der Eltern-KindBindung fand statt, als die Eltern ihr Kind zum ersten Mal
an die Brust nehmen und Haut-zu-Haut-Kontakt herstellen konnten.
Befähigt werden Lebenserschütterungen zu meistern
Unterstützende und hinderliche Aspekte im Übergang
zur Elternschaft beinhalteten Verhaltensweisen von
Professionellen, von Verwandten, Freunden, anderen
Bekannten oder vom Partner.
Autorin
Die Art und Weise wie Professionelle mit den Eltern kommunizierten und wie Eltern Verantwortung übernehmen
durften war von zentraler Bedeutung. Beide Elternteile
beschrieben ihr Bedürfnis nach ehrlicher, einfühlsamer
Kommunikation. Sie bedauerten jedoch eine oft defizit­
orientierte Ausdrucksweise von Pflegenden und Ärzten.
Das heisst, dass im Gespräch jeweils auf Komplikationen
oder die zu erwartende negative Entwicklung des Kindes
und weniger auf die Fortschritte oder positiven Eigen­
heiten des eigenen Kindes fokussiert wurden.
Für alle Eltern war es wichtig jederzeit ihr Kind besuchen
zu dürfen um sich an der Pflege zu beteiligen. Mit der Zeit
lernten die Eltern ihr Kind kennen, einzuschätzen und
kompetent zu betreuen. Es war dabei wichtig, dass diese
Expertise von den Professionellen anerkannt wurde.
Verwandte und Freunde waren nach einer FG ebenso
geschockt und machten sich Sorgen um die kindliche
Entwicklung und die physische und mentale Gesundheit
der Eltern. Für die Eltern eines Frühgeborenen konnte
dies zu einer unerwarteten Zusatzbelastung werden, da
sie unter Umständen Trost spenden mussten, anstatt
Trost empfangen zu können.
Nach der Spitalentlassung wurden insbesondere Eltern,
die bereits ältere Kinder hatten, von den Grosseltern im
Alltag unterstützt.
Die meisten Elternteile beschrieben, dass die Beziehung
zum jeweiligen Partner schon vor der FG stabil und respektvoll war und durch dieses einschneidende Ereignis
vertrauensvoller und stärker wurde. Respekt und Ein­
fühlungsvermögen wurden als gute Basis in der gemeinsamen Bewältigung dieser Lebenskrise gesehen.
Die Suche nach dem Gefühl eine Familie zu sein
Der Verlust eines «Wir-Gefühls» wurde von beiden Elternteilen eindrücklich geschildert. Damit ist das unbeschreibliche Glücksgefühl gemeint, das Eltern nach einer TG erlebten, wenn sie zum ersten Mal ihr Neugeborenes
ansahen und es in den Armen hielten und sich als eine
Einheit fühlten. Ein Vater eines zu früh geborenen Jungen
beschrieb es so:
«Und dieser Moment hat uns gefehlt und fehlt uns
bis heute. Den werden wir auch nie mehr bekommen.»
Natascha Schütz Hämmerli MSc, RN, war bis Ende
2012 Forschungsassistentin am Institut für Pflege­
wissenschaft und hat mit ihrer Arbeit «Elternschaft
und elterliches Belastungserleben nach einer Frühgeburt» ihren Abschluss als Master in Pflegewissenschaft
im November 2012 erhalten. Die Arbeit wurde durch
die Stiftung Pflegewissenschaft Schweiz mit dem Preis
der besten Masterarbeit in Pflegewissenschaft 2012
ausgezeichnet.
[email protected]
Institut für Pflegewissenschaft
Das Institut für Pflegewissenschaft wurde im Jahr 2000
gegründet und war das erste seiner Art in der Schweiz.
Es bietet Pflegenden eine fundierte Ausbildung zur
Advanced Practice Nurse. http://nursing.unibas.ch
12
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Die meisten Eltern eines FG fühlten sich erst nach dem
Spitalaustritt des Kindes als Familie.
Elterliches Belastungserleben 2 – 3 Jahre nach der Geburt
Obwohl Eltern nach einer FG einen sehr schwierigen
Übergang zur Elternschaft erlebten, beschrieben sie die
Herausforderungen des Elternseins 2–3 Jahre nach der
Geburt ähnlich, wie die Eltern nach einer TG. Die Kinder
sind zu einem integralen Bestandteil der Familien geworden und werden als Bereicherung erlebt. Organisatorische
Aspekte, wie die beruflichen und familiären Bedürfnisse
unter einen Hut zu bringen, standen im Vordergrund. Die
meisten Mütter arbeiteten Teilzeit und verbrachten
mehr Zeit mit ihren Kindern als die Väter.
Das kindliche Verhalten im Alter von 2–3 Jahren, wie beispielsweise deren Entdeckerlust, der Bewegungsdrang
und vor allem das konstante Testen der elterlichen Gren-
zen, wurde als körperlich und emotional anstrengend beschrieben und wurde von den meisten Eltern in beiden
Gruppen als einer der schwierigsten Aspekte im Elternsein dargestellt. Es erstaunt daher nicht, dass 2–3 Jahre
nach der Geburt keine Unterschiede im Belastungser­
leben («Total Parenting Stress») zwischen Eltern nach
FG (Mütter: M [SD]=226.86 [38.43]; Väter: M [SD]=214.94
[27.43]) und Eltern nach TG (Mütter: M [SD]=220.65 [35.49);
Väter: M[SD]=219.30 [32.95]) (F[101.324)=.629; p=.430)
festgestellt werden konnten.
Fazit
Die Resultate dieser Studie geben Informationen zum individuellen Erleben von Müttern und Vätern nach einer
FG und die emotionale und physische Arbeit, die zur Stabilisierung des Familiensystems geleistet werden muss.
Professionelle, die mit Eltern nach FG konfrontiert sind,
können dadurch sensibilisiert werden und allenfalls individueller auf die Eltern eingehen.
Obwohl Langzeitfolgen im Belastungserleben in dieser
Studie nicht aufgezeigt werden konnten, war es evident,
dass sowohl die Hospitalisation, der Austritt und das
erste Lebensjahr des Kindes von grossen Herausforderungen geprägt waren. Angebote zur Stärkung der elterlichen
Bewältigungsstrategien und des Selbstvertrauens sollten
deshalb vorhanden sein. Dazu existieren bereits evidenzbasierte Interventionsprogramme [ 6, 7 ]. Die Beziehung und
die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Professionellen
als auch die Übergangsversorgung, bedürfen einer Optimierung. Hilfreich und zugleich innovativ könnte hier die
Entwicklung und Implementierung eines sogenannten
«Transitional care models» sein. Ein solches Model existiert bereits in der Pflege älterer Menschen [ 8 ]. Dieses
Model fokussiert insbesondere auf das Training Angehöriger, deren erhöhtes Bedürfnis nach Wissen und Unterstützung nach Spitalaustritt, als auch die Koordination
von Angeboten nach dem Austritt. Zudem fördert es die
Kommunikation zwischen Patienten, Angehörigen und
Professionellen. In diesem Modell arbeitet ein konstantes,
multidisziplinäres Team zusammen, dass durch eine «Advanced Practice Nurse» geleitet wird, das heisst durch
eine erfahrene, akademisch ausgebildete Pflegefach­
person, die auf dem entsprechenden Fachgebiet ein vertieftes Wissen hat. Ein solch innovatives Model würde die
komplexen Bedürfnisse der Eltern nach einer FG adressieren und könnte zugleich die Gesundheit und Entwicklung der Eltern und ihrer Kinder verbessern.
Referenzen
1 Holditch-Davis, D., et al., Posttraumatic stress
symptoms in mothers of premature infants. J Obstet
Gynecol Neonatal Nurs, 2003. 32(2): p. 161–71.
2 Singer, L.T., et al., Longitudinal predictors of
maternal stress and coping after very low-birthweight birth. Arch Pediatr Adolesc Med, 2010.
164(6): p. 518–24.
3 Harper, D., Talking about pictures: a case for photo
elicitation. Visual Studies, 2002. 17(1): p. 13–26.
4 Abidin, R.R., Parenting Stress Index. Professional
Manual. 3 ed. 1995, Odessa, FL: Psychological
Assessment Resources, Inc.
5 Braun, V. and V. Clarke, Using thematic analysis
in psychology. Qualitative Research in Psychology,
2006: p. 77–101.
6 Kaaresen, P.I., et al., A randomized, controlled
trial of the effectiveness of an early-intervention
program in reducing parenting stress after preterm
birth. Pediatrics, 2006. 118(1): p. e9–19.
7 Melnyk, B.M., et al., Reducing premature infants’
length of stay and improving parents’ mental health
outcomes with the Creating Opportunities for Parent Empowerment (COPE) neonatal intensive care
unit program: a randomized, controlled trial. Pediatrics, 2006. 118(5): p. e1414–27.
8 Naylor, M.D., et al., Translating research into
practice: transitional care for older adults. J Eval Clin
Pract, 2009. 15(6): p. 1164–70.
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
13
Mosaik
Botox in Schwangerschaft und Stillzeit
Für die Anwendung von Botulinumneurotoxinen (BoNT) wie Botox in der Schwangerschaft
oder Stillzeit fehlen kontrollierte Studien. Die spärliche Datenlage zu schwangeren Frauen,
die an Lebensmittel- oder Wundbotulismus erkrankten oder in therapeutischer Dosierung BoNT
erhielten, lässt keine Auswirkungen auf den Embryo oder den Fötus vermuten. Da BoNT medizinisch weit unterhalb der letalen Dosis und zudem gezielt lokal injiziert wird, wäre eine allfällige
systemische Verteilung nur in extremer – und somit klinisch irrelevanter – Verdünnung zu
erwarten. Zudem scheint BoNT weder die Plazenta zu passieren noch in die Muttermilch überzugehen.
David Scheiner, Daniele Perucchini, Daniel Fink, Cornelia Betschart
Historischer Überblick
Beim Wort Botox denkt der Laie unweigerlich an die ästhetische oder kosmetische Behandlung altersbedingter
Gesichtsfalten. Tatsächlich handelt es sich dabei lediglich um ein Zufallsprodukt aus der Behandlung des Strabismus (Schielen): Es fiel nämlich auf, dass nach Botoxinjektion die Fältchen im Augenbereich verschwanden [ 2 ].
«Gifte können sowohl zur Zerstörung von Leben als auch
zur Behandlung Kranker eingesetzt werden», schrieb der
französische Physiologe und Mediziner Claude Bernard
(1813–1878) [ 3 ]. Letzteres trifft auch auf das Botulinumneurotoxin (BoNT) zu, dem potentesten natürlichen
Nervengift. Bereits 1822 entdeckte und beschrieb der
deutsche Amtsarzt Justinus Kerner dieses Fettgift als Verursacher der später als Botulismus bezeichneten Lebensmittelvergiftung, meist hervorgerufen durch verdorbene
Fleisch- oder Wurstprodukte (daher Botulismus, vom
Lateinischen botulus, die Wurst), und erkannte dessen
medizinisches Potenzial [ 4 ]. Emile Pierre Van Ermengem
isolierte 1895 den verantwortlichen Erreger: Clostridium
botulinum ist ein ubiquitär vorkommendes grampositives, obligat anaerobes Bakterium. Je nach Stamm wird
eines der sieben Serotypen Botulinumneurotoxin A bis G
produziert, wovon Typ A am stärksten und längsten wirkt
und seit 1980 am meisten eingesetzt wird. Theoretisch
ist ein Gramm kristallines BoNT Typ A die letale Dosis für
eine Million Menschen! Die erste medizinische Indikation, wofür Botox (BoNT Typ A) 1978 die Zulassung von
der amerikanischen Federal Drug Administration (FDA)
erhielt, war der Strabismus.
Wirkungsmechanismus von BoNT: Reversible Chemodenervation
Da BoNT ein Naturprodukt ist, unterscheiden sich die verschiedenen Präparate in ihrer Aufarbeitung und Reinheit
und somit Dosierung. Nachdem BoNT in die Nervenzelle
aufgenommen worden ist, verhindert es an der motorischen Endplatte am quergestreiften Muskel die Freisetzung des Neurotransmittors Acetylcholin [ 5 ]. Innerhalb
14
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
weniger Tage nach Injektion ist die Informationsübertragung vom Nerven auf den Muskel unterbrochen; der
Muskel ist gelähmt. Nach einer Latenzphase spriessen
neue Nervenendigungen aus, und das Acetylcholin kann
wieder freigesetzt werden. Am quergestreiften Muskel
ist nach etwa drei Monaten die Chemodenervation wieder behoben (reversible Chemodenervation).
David Scheiner ist Facharzt FMH für Gynäkologie und
Geburtshilfe und arbeitet seit 2005 als Oberarzt am
UniversitätsSpital Zürich in der Klinik für Gynäkologie.
Gemeinsam mit den Ko-AutorInnen beschäftigt er sich
intensiv mit der Urogynäkologie, die die Diagnostik
und Therapie von Inkontinenz und Lageveränderungen
der Genitalorgane umfasst, und hat zu diesen Themen,
darunter auch zu Botulinumneurotoxin in der Therapie
der überaktiven Blase, verschiedene Artikel in Büchern
und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.
Kontakt
Dr. med. David A. Scheiner Oberarzt
[email protected]
Klinik für Gynäkologie
UniversitätsSpital Zürich
Frauenklinikstrasse 10, 8091 Zürich
T +41 (0)44 255 93 08
BoNT wirkt auch an der glatten Muskulatur (z. B. Blasenmuskel) oder glandulär (Schweissdrüsen) und blockiert
auch afferente Nervenendungen. Die Wirkung dauert
aber mit acht bis zehn Monaten deutlich länger als die
drei Monate beim Skelettmuskel. Die BoNT-Behandlung
kann wiederholt werden. Bei zu hoher Dosierung und zu
kurzem Intervall zwischen den Injektionen (unter drei
Monaten) ist die Bildung neutralisierender Antikörper
gegen das BoNT mit konsekutivem Wirkungsverlust
möglich.
Dosierung
Eine Einheit Botox entspricht 0.05 ng BoNT Typ A. Die
LD50 (mittlere tödliche Dosis, bei der 50 % der Lebewesen
sterben) beim Menschen wird auf 3000 Einheiten oder
150 ng Botox geschätzt. Üblicherweise werden in der
Urogynäkologie im klinischen Alltag maximal 300 Einheiten und diese gezielt lokal beschränkt injiziert, womit wir
weit unter der LD50 liegen.
Indikationen für BoNT
Gleich vorweg: In der Schwangerschaft scheint die Behandlung von Gesichtsfalten mit Botox wenig sinnvoll,
da es aufgrund der hormonellen Situation zu einer besseren Gewebsdurchblutung und -permeabilität mit Salzund Wasserretention und dadurch zur Ödembildung
auch im Gesicht kommt, womit ja kleine Falten gewissermassen aufgefüllt werden und verschwinden.
Dagegen bleibt mitunter die medizinische Indikation
auch in der Schwangerschaft und Stillzeit bestehen *. Mit
BoNT können neurologische Erkrankungen wie fokale
Dystonien – zum Beispiel Blepharospasmus (Lidkrampf)
oder Torticollis (Schiefhals) – oder fokale Spastizitäten
nach Schlaganfall, Spitzfuss-Stellung bei Zerebralparese
etc. erfolgreich für jeweils einige Monate behandelt werden. Weitere Einsatzgebiete sind u. a. Strabismus, Spannungskopfschmerzen, Hyperhidrose, erhöhte Speichelproduktion, Achalasie (Spasmus des Speiseröhrenmuskels),
Analfissuren oder die neurogene oder idiopathische überaktive Blase.
Theoretisch und experimentell wird der Einsatz zur
Vermeidung vorzeitiger Wehen nach fetaler Chirurgie
diskutiert [ 6 ].
Einsatz in der Schwangerschaft
Gemäss Fachinformation liegen derzeit für den Einsatz
von Botox bei schwangeren Frauen oder in der Stillzeit
keine ausreichenden Daten vor (Stand Juni 2012). Prä­
klinische Daten zur Reproduktionszytologie ergaben,
dass der NOAEL-Wert – der Wert, bei dem keine Nebenwirkungen beobachtet werden – für intramuskulär verabreichtes Botox in der Entwicklungsphase bei träch­
tigen Mäusen, Ratten und Kaninchen bei 4 bzw. 1 bzw.
0.125 Einheiten / kg Körpergewicht lag. Bei höheren Dosen wurde vermindertes fetales Körpergewicht und / oder
verzögerte Skelett-Ossifikation beobachtet, bei Kaninchen kamen Aborte vor. Somit soll beim Eintreten einer
Schwangerschaft während der Botoxbehandlung auf die
potenziellen Risiken hingewiesen werden. Ferner ist nicht
bekannt, ob Botox in die Milch übergeht, weshalb dessen
Anwendung während der Stillzeit nicht empfohlen werden kann.
Abgesehen von der Umgebungsreaktion auf die Einstichstellen und allgemeine, wie bei anderen Injektionen auch
zu erwartende Reaktionen, steht prinzipiell die lähmende
Wirkung von BoNT im Vordergrund. Diese kann je nach
Lokalisation entsprechende passagere Beschwerden oder
Komplikationen hervorrufen. Da BoNT lokal und nur in
geringer Dosierung weit unter der theoretischen LD50 injiziert wird, kann von einer lokal beschränkten Wirkung
ausgegangen werden, ohne dass die gefürchtete systemische Lähmung mit Apnoe zu erwarten ist. Zudem
würde die geringe Menge BoNT, die in den Kreislauf gelangt, extrem verdünnt.
Für Schwangerschaft und Stillzeit stellt sich konkret die
Frage nach der Plazenta- und Milchgängigkeit und somit
nach den Auswirkungen auf den Embryo respektiv Fötus
sowie das Neugeborene.
Hinweise aus der Literatur – Fallberichte
Systematische Studien fehlen, und so versuchen wir anhand der Literatur die drei folgenden Fragen zu beantworten:
1. Wirkt Botox systemisch?
2. Was geschieht beim Botulismus in Schwangerschaft
oder Stillzeit?
3. Gibt es Fallberichte zu BoNT-Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit?
Die systemische BoNT-Wirkung nach lokaler Injektion
wurde mithilfe der «Single Fiber Electromyography»
bei nicht-schwangeren Frauen untersucht, bei der einzelne Muskelfasern elektromyographisch abgeleitet werden [ 7 – 9 ]. Zwar wird eine systemische Verteilung nach lokaler Injektion von BoNT in eine Muskelgruppe oder in
den Blasenmuskel vermutet, doch liegen die nachweis­
baren Effekte in nicht behandelten Muskelgruppen im
subklinischen Bereich und ohne nachweisbare Nervenblockade. Somit sind sie klinisch nicht relevant. Zudem
kann BoNT aufgrund seiner Grösse (150 kDa) die BlutHirn-Schranke nicht passieren. Bisher konnte auch keine
eindeutige direkte Wirkung auf das zentrale Nervensystem beobachtet werden. Die Möglichkeit eines axonalen
Rücktransportes von BoNT aus dem Muskel ins Zentralnervensystem und dessen Bedeutung wird kontroversdiskutiert.
Ganz im Gegensatz zur Wirkung bei der schwangeren
Frau hat Botulismus keinen Einfluss auf das Wohlbefinden von Fötus oder Neugeborenem. In der Literatur wurden seit 1975 fünf Fälle von intensivstationspflichtigem
Botulismus bei schwangeren Frauen mit maschineller
Beatmung, Sauerstoff- oder Antitoxingabe beschrieben.
* Beim Wort Botox denkt der Laie unweigerlich an die
äs­thetische oder kosmetische Behandlung altersbedingter
Gesichtsfalten. Tatsächlich wird heute aber in der Medizin
Botox bei verschiedenen Indikationen ein­gesetzt, die auch
in der Schwangerschaft bestehen bleiben können. Indika­
tionen zur Injektion von Botox in der Schwangerschaft
sind u. a. Spastizitäten, Blepharospasmus, Torticollis und
Achalasie. Dabei ist zu erwähnen, dass sich die glatte
Muskulatur in der Schwangerschaft physiologischerweise
entspannt und manche spastischen Symptome während
dieser Zeit weniger ausgeprägt sind.
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
15
Mosaïk
Der Erkrankungsbeginn lag zwischen der 16. und 36.
Schwangerschaftswoche. Zwei Fälle waren bedingt durch
Wundbotulismus bei iv-Drogenabusus. Beide Kinder
mussten wegen Infekt oder Entzug behandelt werden,
aber es konnte wie bei den übrigen drei Kindern kein
BoNT oder klinischer Effekt davon nachgewiesen werden. Eindrücklich sind die fetalen Atembewegungen und
Darmmotilität sowie Kindsbewegungen als einzige sichtbare Regung im Abdomen resp. an der Bauchdecke der
komplett paralysierten Mutter. Wachstum und Entwicklung waren postnatal bei zwei der drei Kinder mit mütterlichem Nahrungsmittelbotulismus unauffällig.
Seit 2004 sind weltweit 30 Fälle (Schwangerschaften) von
BoNT-Injektionen bei 24 Frauen beschrieben. Therapie­
indikationen waren Ösophagusachalasie, kosmetische
Behandlung (Falten), Torticollis, Strabismus, Blepharospasmus, Dystonien und Stimmkrampf mit Injektion von
2.5 (Strabismus) bis 500 (Dystonie) Einheiten Botox in allen drei Trimestern. Bei zwei Schwangerschaften (300
und 500 Einheiten) kam es zum Frühabort und eine
Schwangerschaft wurde vorzeitig beendet. Eine schwangere Frau erhielt in jeder ihrer drei Schwangerschaften
je 300 Einheiten Botox und eine weitere bekam in jeder
ihrer vier Schwangerschaften zur Behandlung zervikaler
Dystonien je 600 bis 1200 Einheiten (in mehreren Sitzungen) sowie vor der Konzeption je 300 Einheiten Botox.
Letztgenannte hat stets abgestillt. Bei beiden Schwangeren verliefen alle Schwangerschaften komplikationslos.
Insgesamt lässt sich aus diesen Fallberichten vermuten,
dass Botox – ob akzidentell oder bewusst appliziert –
weder Schwangerschaft noch Embryo oder Fötus gefährdet.
(
16
Abstract
Ob medizinisch indiziert oder kosmetisch ein­
gesetzt, für den Einsatz von Botulinumneuro­
toxinen (BoNT) in der Schwangerschaft oder
Stillzeit fehlen kontrollierte Studien. Die spär­
lichen Fallberichte über Lebensmittel- oder
Wundbotulismus in der Schwangerschaft mit
unbehandelt letaler BoNT-Dosis lassen vermuten, dass dieser «Wildtyp» die Plazenta nicht
passiert und keine Auswirkungen auf Embryo
oder Fötus hat. Auch beim therapeutischen
Einsatz von BoNT fanden sich keine sicheren
Nebenwirkungen für Embryo und Fötus. Doch
auch hier ist die Datenlage dürftig. Auch ist
unbekannt, ob BoNT in die Muttermilch übergeht. Dies scheint jedoch sehr unwahrscheinlich
zu sein, weshalb nicht von einem Risiko für das
Neugeborene ausgegangen wird [ 1 ]. Ohnehin
wird BoNT therapeutisch weit unterhalb der
letalen Dosis und gezielt lokal injiziert, weshalb
keine relevante – und dann nur in extremer Verdünnung – systemische Zirkulation befürchtet
werden muss.
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Beim grossen BoNT-Molekül ist dessen passive Plazentagängigkeit unwahrscheinlich und ein aktiver Transportmechanismus ist nicht bekannt. Jedenfalls konnte keine
Plazentagängigkeit für den «Wildtyp» gezeigt werden.
Ob BoNT in die Muttermilch gelangen kann, ist unbekannt.
Fazit
Zwar fehlen kontrollierte Studien zu BoNT in Schwangerschaft und Stillzeit, doch fand sich bisher beim Menschen
weder in toxischer systemischer Dosis (Botulismus) noch
in therapeutischer Dosierung eine Auswirkung auf den
Embryo oder Fötus. Dennoch bedarf es für den Einsatz
von BoNT in Schwangerschaft und Stillzeit der korrekten
medizinischen Indikationsstellung und Wirkungen und
Risiken müssen gegeneinander abgewogen werden.
Interessante Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Botox
www.neurotoxininstitute.com
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien030-109_S1_Botulismus_10-2008_10-2013.pdf
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-077l_S1_
Ästhetische_Botulinumtoxin_Therapie_2012–11.pdf
Literatur
1 Briggs GG, Freeman RK, Yaffe SJ. Drugs in Pregnancy and
Lactation. Lippincott Williams & Wilkins; 2011.
2 Carruthers A, Kiene K, Carruthers J. Botulinum A exotoxin
use in clinical dermatology. J Am Acad Dermatol.
1996 May;34(5 Pt 1):788–97.
3 Scheiner D, Perucchini D, Fink D. (Overactive bladder:
prospects and limitations of botulinum toxin). Gynaekol
Geburtshilfliche Rundsch. 2006;46(3):88–95.
4 Kerner J. Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkungen auf den thierischen Organismus. 1822.
5 de Paiva A, Meunier FA, Molgó J, Aoki KR, Dolly JO. Func­
tional repair of motor endplates after botulinum neuro­
toxin type A poisoning: biphasic switch of synaptic activity
between nerve sprouts and their parent terminals. Proc
Natl Acad Sci USA. 1999 Mar 16;96(6):3200–5.
6 Garza JJ, Downard CD, Clayton N, Maher TJ, Fauza DO.
Clostridium botulinum toxin inhibits myometrial activity
in vitro: possible application on the prevention of preterm
labor after fetal surgery. J Pediatr Surg. 2003
Mar;38(3):511–3.
7 Lange DJ, Rubin M, Greene PE, Kang UJ, Moskowitz CB,
Brin MF, et al. Distant effects of locally injected botulinum
toxin: a double-blind study of single fiber EMG changes.
Muscle Nerve. 1991 Jul;14(7):672–5.
8 Garner CG, Straube A, Witt TN, Gasser T, Oertel WH. Time
course of distant effects of local injections of botulinum
toxin. Mov Disord. 1993;8(1):33–7.
9 Schnitzler A, Genet F, Durand M-C, Roche N, Bensmail D,
Chartier-Kastler E, et al. Pilot study evaluating the safety
of intradetrusor injections of botulinum toxin type A:
investigation of generalized spread using single-fiber
EMG. Neurourol Urodyn. 2011 Nov;30(8):1533–7.
Neues aus Wissenschaft und Forschung
Zusammenhang zwischen Einnahme von milden
Schmerzmitteln während der Schwangerschaft und
Kryptorchismus und Hypospadie
Intrauterine exposure to mild analgesics during pregnancy and the occurrence
of cryptorchidism and hypospadia in the offspring: the Generation R Study.
In: Human Reproduction, Vol.27, No.4 pp. 1191–1201
Snijder C. A., Kortenkamp A., Steegers E. A., Jaddoe W., Hofman A., Hass U., Burdorf A. (2012)
Hintergrund
Die Einnahme von rezeptfreien, milden Schmerzmitteln während
der Schwangerschaft wurden in jüngster Zeit mit Risiken von reproduktiven Erkrankungen beim Neugeborenen in Verbindung
gebracht.
allem beim Wirkstoff Acetaminophen (Paracetamol) (OR 1.89;
95 % CI 1.01–3.51). 33,8 % der Mütter (23 von 68) von Söhnen mit
Kryptorchismus gaben an, während der Schwangerschaft milde
Schmerzmittel eingenommen zu haben, gegenüber 31,8 % (7 von
22) der Mütter von Söhnen mit Hypospadie und 29,9 % (926 von
3094) der Mütter von gesunden Söhnen.
Methoden
Innerhalb einer grossen prospektiven Kohortenstudie in den Niederlanden in den Jahren 2002–2006, der Generation R Study, untersuchten wir bei 3184 Frauen den Zusammenhang zwischen
Exposition an milde Schmerzmittel während der Schwangerschaft und dem Auftreten von Kryptorchismus und Hypospadie
bei Neugeborenen. Kryptorchismus und Hypospadie wurden während Routineuntersuchungen in den Kindergesundheitszentren
durch spezialisierte Ärzte identifiziert. Der Konsum von milden
Schmerzmitteln war mittels drei Fragebogen vor der Geburt festgestellt worden. Dabei wurden vier Schwangerschaftsperioden
unterschieden: perikonzeptionelle Phase, die ersten 14 Schwangerschaftswochen, 14. – 22. Schwangerschaftswoche und 20.–32.
Schwangerschaftswoche. Die Beziehung zwischen mütterlicher
Exposition an milde Schmerzmittel und dem Vorkommen von
Kryptorchismus und Hypospadie wurde anhand von logistischen
Regressionsanalysen untersucht.
Resultate
Die allgemeine Prävalenz über die Untersuchungsperiode von
anschliessend 30 Monaten war 2,1 % für Kryptorchismus und
0,7 % für Hypospadie. Der Konsum von milden Schmerzmitteln
während der zweiten Schwangerschaftsperiode (14.–22. SSW)
erhöhte das Risiko auf kongenitalen Kryptorchismus (bereinigte
Odds Ratio (OR) 2.12; 95 % Koinzidenzintervall (CI) 1.17–3.83), vor
18
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Schlussfolgerungen
Die Resultate deuten darauf hin, dass intrauterine Exposition an
milde Schmerzmittel, insbesondere Paracetamol, während der
Schwangerschaftsphase, in der das männliche Geschlecht ausgebildet wird, das Risiko auf Kryptorchismus erhöht.
Übersetzung. Wolfgang Wettstein, Redaktor Hebamme.ch
(
Kommentar von Martina Gisin, Beirätin der Redaktion Hebamme.ch
Die grosse populationsbezogene Studie zeigt
einen Zusammenhang zwischen intrauteriner
Exposition an milden Schmerzmitteln, während
der zweiten Schwangerschaftsphase, und dem
erhöhten Risiko auf Kryptorchismus auf. Mögliche
Störvariablen wie zum Beispiel Rauchen, Alkohol,
bestehende Grundkrankheiten oder Infektionskrankheiten, die einen Einfluss auf das Outcome
haben könnten, wurden im ersten Studienfragebogen erfragt und miteinbezogen. Die Studie
weist jedoch Limita­tionen auf. Hauptsächlich
sollte die limitierte Fallzahl von Krypt­orchismus
und Hypospadie – nebst dem Mangel an ungenauen und überschneidenden Angaben zu den
Schwangerschaftswochen – genannt werden.
Eine Auswirkung von Paracetamol auf die Entwicklung von Lageanomalien des Hodens wäre
nur durch weitere Studien zu klären. Trotz der
geringen Fallzahl sollten Frauen und Hebammen
auf die möglichen Auswirkungen von Schmerz­
mitteln auf die Entwicklung des Kindes auf­
merksam gemacht werden.
Buchtipp
Betreuungsoutcomes in
Geburtszentren: Vorstellung
eines tragfähigen Modells.
Dr. pharm. Chantal Schlatter
«Stillen neu entdeckt»
Outcomes of Care in Birth Centers:
Demonstration of a Durable Model
Susan Rutledge Stapleton, CNM, DNP, Cara Osborne, SD, CNM,
Jessica Illuzzi, MD, MS; J Midwifery Womens Health 2013;58:3–14
©
2013 American College of Nurse-Midwives
Verlag tredition
ISBN 978-3-8491-1724-5
CHF 19.90
Einleitung
Die Sicherheit und Effektivität der Betreuung in Geburtszentren
wurde in früheren Studien, etwa der National Birth Center Study
und der San Diego Birth Center Study, aufgezeigt. Die jetzt vorliegende Studie untersucht die Outcomes der Betreuung im aktuellen Geburtshilfeumfeld.
Methoden
Diese prospektive Kohortenstudie berücksichtigte Frauen, die in
79 hebammengeleiteten Geburtszentren in 33 US-Bundesstaaten zwischen 2007 und 2010 betreut wurden. Die Daten dieser
Frauen wurden, nach deren Zustimmung, in das American Association of Birth Centers Uniform Data Set eingegeben. In einer
Intention-to-Treat-Analyse wurden mit deskriptiver Statistik die
maternalen und neonatalen Outcomes aller Frauen ausgewertet, die sich mit Wehen bei einem Geburtszentrum meldeten, inklusive derjenigen, die an eine Spital weiterverwiesen werden
mussten.
Resultate
Von den 15 574 Frauen, die eine Geburt in einem Geburtszentrum
geplant hatten und bei Einsetzen der Wehen dafür geeignet waren, gebaren 84 % im Geburtszentrum. 4 % wurden vor der Aufnahme im Geburtszentrum und 12 % wurden nach der Aufnahme
ins Geburtszentrum an ein Spital weiterverwiesen. Ungeachtet
vom Ort, an dem die Frauen gebaren, gab es 93 % Vaginalgeburten, 1 % unterstützte Vaginalgeburten und 6 % Kaiserschnitte.
Nach einer Geburt im Geburtszentrum mussten 2,4 % der Frauen
und 2,6 % der Neugeborenen in ein Spital transferiert werden,
davon 0,5 % der Mütter und 0,7 % der Neugeborenen notfallmässig. Todesfälle bei den Müttern waren keine zu verzeichnen. Die
fetale Mortalitätsrate intrapartum bei Frauen, die mit Wehen in
ein Geburtszentrum aufgenommen wurden, lag bei 0.47/1000.
Die neonatale Mortalität lag bei 0.40/1000, ausgenommen Anomalien.
Diskussionen
Diese Studie bestätigt die Sicherheit des Modells der hebammengeleiteten Geburtszentren, wie auch die Tatsache der niedrigen
geburtshilflichen Interventionsrate in diesem Umfeld, wie sie in
früheren Studien schon aufgezeigt wurden. Die Resultate sind besonders bedeutsam in einer Zeit, die durch eine starke Zunahme
von geburtshilflichen Eingriffen und von steigenden Kaiserschnittraten geprägt ist.
Übersetzung: Wolfgang Wettstein, Redaktor Hebamme.ch
Dieses von der Pharmazeutin Chantal Schlatter verfasste
Buch ist kürzlich in einer zweiten, inhaltlich korrigierten Auflage erschienen. Das 100-seitige Buch ist sehr attraktiv gestaltet. Es hat den Anspruch den Eltern aktuelles, wissenschaftlich abgestütztes Wissen zum Stillen zu vermitteln. Die
Webseite www.stillbuch.ch bietet zusätzlich die Möglichkeit
über ein Forum aktuelle Fragen einzubringen, welche von
einer Stillberaterin IBCLC bearbeitet werden.
Leider vermag das Buch auch in der nun vorliegenden zweiten
Auflage fachlich nicht zu überzeugen. Einige Tatsachen halten
einer genauen fachlichen Überprüfung nicht stand. So wird
im Text von «Milchseen» oder gar «Reservoiren» gesprochen,
die nachweislich nicht existieren. Ferner wird ausgeführt, dass
Casein aus der Muttermilch der Besiedelung des Darmes des
Neugeborenen mit Bifidobakterien förderlich sein soll. Erstens ist dieser positive Effekt auf die unverdaulichen Komplexzucker zurückzuführen (diese Zucker machen immerhin
bis zu einem Fünftel der Muttermilch aus), zweitens enthält
Muttermilch im Gegensatz zur Casein-reichen Kuhmilch vor
Allem Lactalbumin. Wir haben den Eindruck, dass das Buch
auch in der zweiten Auflage eine gewisse Sorgfalt vermissen
lässt. «Drüsenkanäle» in einer Abbildung werden im Text als
«Milchgänge» bezeichnet, Bild und Text korrespondieren
nicht. Die Autorin verwendet ferner den Begriff «Vormilch»
sowohl für das Kolostrum, als auch für den ersten Anteil der
reifen Frauenmilch, der während der Stillmahlzeit fliesst. Auch
im praktischen Teil wird wissenschaftliche Information nicht
korrekt interpretiert, so haften die Leukocyten der Muttermilch nur rund sechs Stunden an einer Glaswand, Glasbehältnisse sind also nicht a-priori abzulehnen. Die Angaben zum
Saugrhythmus und zum Abpumpen sind so nicht zitierbar. In
den Tabellen zu den Arzneimitteln in der Stillzeit ist nicht
wirklich aktuelles Wissen zusammengefasst, so ist Metformin mit Stillen kompatibel, auch zu Oxycodon sind entsprechende Daten vorhanden. Fazit: Wir würden der Autorin eine
gründliche Überarbeitung des Buches empfehlen.
Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens,
Verena Marchand, Stillberaterin IBCLC, Mitglied Fachkommission,
Dr. pharm. Christine Aeschlimann Guggisberg, Geschäftsleiterin
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
19
Verband • Fédération
An der Sitzung vom 27. März 2013
hat der SHV-Zentralvorstand …
… entschieden,
– die Stellungnahme des Netzwerks «Kinderrechte Schweiz»
zur Situation der Fallpauschalfinanzierung SwissDRG in
der stationären Kindermedizin zu unterstützen.
– sich nicht für das Epidemiengesetz einzusetzen und
dem Befürworter-Komitee nicht beizutreten.
– Nationalrätinnen und Nationalräte anzuschreiben mit
der Aufforderung, die Initiative «Abtreibungsfinanzierung
ist Privatsache» abzulehnen.
– Elisabeth Kurth mit dem Projekt FamilyStart für den
«Princess Srinagarindra Award», der von einer thailändischen Stiftung jedes Jahr an eine Hebamme oder Pflegende verliehen wird, die sich durch ihren vorbildlichen
beruflichen Einsatz besonders hervorgehoben hat, vor­
zuschlagen.
– dass der SHV dem Verein Stimme Q, der sich für die hochstehende Qualität in der Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern in den ersten Lebensjahren einsetzt,
beitritt.
… weiter,
– die Analyse der Situation von ausbildenden Hebammen
und Studierenden der Fachrichtung Hebamme in der
freien Praxis genehmigt.
– den Jahresabschluss 2012 mit einem Gewinn von
CHF 62 604.90 und den Finanzplan 2014 bis 2015, der kein
strukturelles Defizit aufweist, genehmigt.
– die Evaluation der «Politischen Vorstösse Wochenbett»
zur Kenntnis genommen.
– die Statuten der neu gegründeten Sektion Geburtshäuser
genehmigt.
– die Medienmitteilung zum 5. Mai 2013 verabschiedet.
– den Entwurf der Stellungnahme zur Terminologie des
Fachbereichs der Hebammen im Entwurf des Gesundheitsberufegesetzes genehmigt. Dieser geht nun zur
weiteren Dislussion in die Berufskonferenz Hebamme.
– die Projektbeschreibung und das Berechnungsmodell zur
Pikettentschädigung für frei praktizierende Hebammen
genehmigt.
– die Anknüpfungspunkte aus Sicht der Hebammen zum
Strategiepapier «Gesundheit2020» des Bundes genehmigt
und entschieden, eine Vertretung des BAG zu einer Präsidentinnenkonferenz einzuladen, um das Strategiepapier
vorzustellen.
Liliane Maury Pasquier, SHV-Präsidentin
Fallberichts- und Lernsystem­
für Hebammen «Fälle-für-Alle e.V.»
ist online 1
Weltweit kommen Menschen durch unerwünschte und potenziell vermeidbare Ereignisse (Fehler) im Rahmen der Gesundheitsversorgung zu Schaden. Besonders in den Phasen
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, die prinzipiell als
physiologisch anzusehen sind, können Fehler für Mutter und/
oder Kind schwerwiegende Konsequenzen haben.
Schweizerischer Hebammenverband SHV | Fédération suisse des sages-femmes FSSF | Federazione svizzera delle levatrici FSL | Federaziun svizra da las spendreras FSS
Präsidentin | Présidente
Liliane Maury Pasquier, SHV
Rosenweg 25 C, Postfach,
3000 Bern 23
Sektionen | Sections
Aargau-Solothurn
Anne Steiner
[email protected]
Waltersburgstr. 16, 5000 Aarau
T 062 822 81 21, M 079 455 69 29
Daniela Freiermuth-Hari
[email protected]
Solothurnerstr. 53, 4702 Oensingen
T 078 625 54 43
Bas-Valais
Daniela Sintado
[email protected]
Rue de Lausanne 24, 1950 Sion
T 079 471 41 60
Isabelle Mabeau
[email protected]
Chemin des Mûres 27, 1926 Fully
T 027 746 36 53
Beide Basel (BL/BS)
Doris Strub
[email protected]
Gartenweg 156, 4497 Rünenberg
T 061 983 08 44
20
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Regina Burkhardt
[email protected]
Ostenbergstr. 3, 4410 Liestal
T 061 322 33 64
Bern
Marianne Haueter
[email protected]
Bunschen 171 B, 3765 Oberwil i.S.
T 031 783 01 70
Fribourg
Valentine Jaquier-Roduner
[email protected]
Rte en Champ Didon 134, 1740 Neyruz
T 026 477 05 76
Genève
Béatrice Van der Schueren
[email protected] ou
[email protected]
13, chemin du Signal, 1233 Bernex
T 022 757 29 10, M 079 328 86 77
Oberwallis
Ruth Karlen
[email protected]
Mühlackerstr. 26a, 3930 Visp
T 027 945 15 56
Ostschweiz (SG/TG/AR/AI/GR)
Madeleine Grüninger
[email protected]
Weidenhofstr. 3, 9323 Steinach
T 071 440 18 88, M 079 238 40 78
Zentralschweiz (LU/NW/OW/UR/ZG)
Karien Näpflin-Defloor
[email protected]
Dorfhalde 40, 6033 Buchrain
T 041 442 08 00, M 079 743 88 14
Schwyz
Christine Fässler-Kamm
[email protected]
Chappelihof 26, 8863 Buttikon
T 055 445 21 54, M 079 733 18 48
Carmen Zimmermann-Steiger
[email protected]
Gärtnerweg 20, 6010 Kriens
T 041 320 63 06, M 079 565 05 82
Marie-Gabrielle von Weber
[email protected]
Urenmatt, 6432 Rickenbach
T 041 811 13 26, M 079 516 08 59
Ticino
Francesca Coppa-Dotti
[email protected]
Via Raslina 5, 6763 Mairengo
T 091 866 11 71
Simona Pagani Scarabel
[email protected]
I runch da vigana 21, 6528 Camorino
T 076 616 74 06
Vaud-Neuchâtel-Jura (VD/NE/JU)
Fabienne Rime
[email protected]
Route du Martoret 5, 1870 Monthey
T 079 654 64 71
Zürich und Umgebung (ZH/GL/SH)
Stephanie Hochuli
[email protected]
Köschenrütistrasse 95, 8052 Zürich
T 079 711 80 32
Sektion Geburtshäuser
Section maisons de naissance
Präsidentin | Présidente
Barblina Ley
[email protected]
Chemin de la Bergerie 41, 1806 St-Légier
T 021 944 42 49
Systematisches Qualitäts- und Bildungsmanagement in diesem Versorgungsbereich kann die «Fehlerkultur» positiv beeinflussen und damit zu einer Verbesserung der umfassenden
Betreuung der Klientinnen führen. Dadurch können positive
und negative Ereignisse systematisch identifiziert und analysiert werden. Die Reflexion der Ergebnisse kann und soll zu
einer erweiterten Lernkultur für ExpertInnen führen. Damit
wird eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung für Mütter, Kinder und ihren Familien
angestrebt (Millennium Development Goals 4 und 5 der Vereinigten Nationen 2008). Etliche medizinische Institutionen
haben bereits mit der Einführung eines CIRLS (Critical incident reporting and learning system) für die stationären Leistungen begonnen. In einigen Ländern ist ein solches System
auch gesetzlich verankert. Obwohl Spitäler in der Regel ihre
Mitarbeitenden zur Qualitätssicherung verpflichten, bestehen dennoch besonders im deutschsprachigen Raum noch
Defizite im Bereich der Geburtshilfe und des Hebammen­
wesens, insbesondere auch im ambulanten Sektor.
Das CIRLS soll dazu dienen, kritische Ereignisse und andere
potenziell gefährliche Situationen, die unter Umständen zu
Schädigungen von Frau und Kind, Mitarbeitenden oder Drittpersonen hätten führen können, zu melden, systematisch
auszuwerten und daraus Verbesserungsmassnahmen abzuleiten. Das können einfache organisatorische Abläufe sein,
welche die Hebamme in ihrer frei praktizierenden Tätigkeit
optimiert, oder fachliche Bereiche, die durch Fortbildungen
aktualisiert werden.
Dank Spendengeldern, unter anderem von den Hebammenverbänden, ist es für Fälle-für-Alle e. V. möglich geworden, ein
Fallberichtssystem für Hebammen einzurichten. Für Mitglieder der folgenden Hebammenverbände ist der Zugang kostenlos: Bund freiberuflicher Hebammen (BfHD), Deutscher
Hebammenverband (DHV), Hebammenkollegium Bozen,
Österreichisches Hebammengremium und Schweizerischer
Hebammenverband (SHV). Die Zugangsdaten (Benutzerinnenname und Passwort) finden Sie im Mitgliederbereich auf der
Website des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV)
www.hebamme.ch. Die Zugangsdaten werden in regelmässigen Abständen geändert. Wir bitten Sie, diese Zugangsdaten
vertraulich zu behandeln.
Wir freuen uns auf viele lehrreiche Fälle und
ein gutes Miteinander!
Lors de sa séance du 27 mars 2013,
le CC a ...
… décidé
– de soutenir la prise de position du «Réseau suisse
des droits de l’enfant» sur la situation du financement
par forfait SwissDRG en pédiatrie dans les hôpitaux.
– de ne pas s’engager en faveur de la loi sur les épidémies,
ni d’adhérer au comité qui la soutient.
– de contacter les membres du Conseil national et
de les inviter à rejeter l’initiative «Financer l’avortement
est une affaire privée».
– de proposer Elisabeth Kurth et le projet FamilyStart pour
le prix «Princess Srinagarindra Award», décerné chaque
année par une fondation thaïlandaise à une sage-femme
ou une infirmière qui s’est distinguée par l’exemplarité
de son engagement professionnel.
– que la FSSF adhérera à l’association «La voix pour
la qualité», qui s’engage en faveur de l’excellence de
la formation, de l’encadrement et de l’éducation de
la petite enfance.
… approuvé
– l’analyse de la situation des sages-femmes formatrices
et des élèves de la filière Sage-femme dans la pratique
indépendante.
– les comptes 2012, qui se soldent par un bénéfice
de CHF 62 604.90, ainsi que le plan financier 2014-2015,
qui ne présente pas de déficit structurel.
– les statuts de la nouvelle section Maisons de naissance.
– le projet de prise de position sur la terminologie concernant le champ d’activité des sages-femmes dans la loi
sur les professions de la santé. Le projet sera soumis
à la Conférence professionnelle des sages-femmes pour
discussion.
– le descriptif du projet et le modèle de calcul des indem­
nités de garde pour les sages-femmes indépendantes.
– les arguments des sages-femmes en rapport avec
la stratégie globale «Santé2020» de la Confédé­ration et
décidé d’inviter des représentant-e-s de l’OFSP à venir
présenter le document lors d’une prochaine conférence
des présidentes.
… pris connaissance de l’évaluation des interventions
politiques sur le post-partum.
Kontakt
FÄLLE FÜR ALLE e.V.
Kontaktperson für die Schweiz:
Isabelle Romano
Buchenweg 7, 3627 Heimberg
[email protected]
… adopté le communiqué de presse prévu pour la journée
du 5 mai 2013.
Liliane Maury Pasquier, Présidente de la FSSF
www.fälle-für-alle.org
https://hebammen.meldeportal.ch
1 Ziel des Vereins ist die Qualitätssicherung und -verbes­
serung der praktischen Hebammentätigkeiten von
deutschsprachigen Hebammen in Deutschland, Österreich,
der Schweiz und in Italien (Südtirol) durch die Gestaltung
eines interaktiven Fallberichts- und Lernsystems.
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
21
Sektionen • Sections
Sektion Bern
Nachruf
Margrit Neiger wurde am 10. Oktober
1921 geboren. Wie es damals üblich war
brachten die Frauen ihre Kinder mit Hebammen zuhause zur Welt und das war
auch bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
so, nur im Notfall verlegte die Hebamme
die Frauen ins Spital. Margrit erlebte mit
ihrem Bruder Hans eine frohe Kinderzeit.
Als die beiden Geschwister älter wurden,
mussten sie aber tapfer auf dem elterlichen Bauerhof mitarbeiten. Damals gab
es ja noch fast keine Maschinen und alles
musste von Hand erledigt werden.
Margrit besuchte die Schule in Geissholz.
Nach der Schulzeit war sie als Haushaltshilfe bei verschiedenen Familien tätig
und mit 26 Jahren trat sie in die Hebammenschule an der Schanzenstrasse in
Bern ein. Nach ihrem Diplom arbeitete
sie ein Jahr in Thun. Doch dann zog es
Margrit wieder ins «Froueli» nach Bern,
wo sie bis zu ihrer Pen­sionierung arbeitete. In der Zeit als Schwester Elisabeth
Oberhebamme war, vertrat Magrit sie
öfters. Margrit war ein mutige, froh­
gelaunte und treue Hebamme. Aber
Margrit hatte nicht nur immer sonnige
Neue Mitglieder | N ouveaux membres
Aargau-Solothurn
Neumitglieder
T 062 822 81 21
Frei Angela, Mülligen und Hamidi Farida, Zofingen;
Studentinnen an der BFH
Beide Basel BL/BS
Neumitglieder
T 061 983 08 44
T 061 322 33 64
Hasler Eveline, Gelterkinden; Naas Fabienne, Basel;
Tschopp Stefanie, Liebefeld; Studentinnen an der BFH
Bern
Neumitglieder
T 031 333 58 73
Gafner Fabienne, Spiegel b. Bern; Miesch Olga, Bern;
Müller Nadine, Oppligen; Pauli Stephanie, Burgdorf;
Pavlovic Nina, Wabern; Pulfer Fabienne, München­
buchsee; Rupp Erika, Hilterfingen; Suter Bernadette,
Bern; Zumstein Doina, Bern; Studentinnen an der BFH
Wyss Stefanie, Bern, 2006, Bern
Genève
Nouveaux membres
T 022 757 29 10
Pernet Solliet Sophie, Le Petit-Bornard (F),
2000, Lausanne
Schmuz Eva, Cointrin, 2008, Genève
Vaud-Neuchâtel-Jura
Nouveau membre
T 079 654 64 71
Schmied Marielle, Pully, étudiante à l’HESAV
Zentralschweiz
Neumitglied
T 041 442 08 00
T 041 320 63 06
Buergler Julia, Luzern; Cattaneo Ottavia, Hospental;
Gehrig Lea, Isenthal; Stefanie Flury Sarah, Luzern;
Studentinnen an der BFH
Moment in ihrem Leben. Ihr Bruder Hans
verlor seine geliebte Frau viel zu früh, die
Kinder waren noch klein, und so verbrachte Margrit ihre freie Zeit bei ihrem
Bruder und bei ihrer Mutter um nach
dem Rechten zu sehen und zu helfen.
Um einfach und schneller nachhause zu
kommen, lernte sie früh auch das Autofahren.
Margrit freute sich immer sehr, wenn sie
ihre Nichten, Neffen, Nachbarn und
Hebammenkolleginnen und Freunde besuchten. Neben dem Haus hatte Margrit
ihr geliebtes «Plätzli», von wo aus sie in
die Berge sehen konnte. Das vermisste
sie sehr als sie nach einem Sturz in den
Spital musste und anschliessend ins Altersheim Meiringen verlegt wurde. Am
17. Februar 2013 ist Margrit in die obere
Heimat gegangen.
Lydia Schenk, Thun
Impressum
Herausgeberin | Editeur Schweizerischer Hebammenverband (SHV) Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des SHV wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung
der Redaktion | Fédération suisse des sages-femmes (FSSF) Les articles signés ne reflètent pas forcément l’opinion de la FSSF. Toute reproduction est soumise à autorisation de la rédaction. Redaktion | Rédaction Verantwortlicher Redaktor: Wolfgang Wettstein, Geschäftsstelle SHV, Rosenweg 25 C, Postfach, CH-3000 Bern 23, T +41 (0)31 331 35 20, [email protected] Rédaction de langue française Josianne Bodart Senn, Chemin du Bochet 4a, CH-1196 Gland, T +41 (0)22 364 24 66, N +41 (0)79 755 45 38, [email protected] Redaktioneller Beirat | Conseil rédactionnel Edith de Bock-Antonier (ea), Martina Gisin (mg), Inge Loos (il), Ursula Lüscher (ul), Viviane Luisier (vl), Bénédicte Michoud Bertinotti (bm), Sébastien Riquet (sr) Foto Titelseite | Couverture Pia Zanetti, www.fotozanetti.com Layout | Graphisme www.atelierrichner.ch Jahresabonnement | Abonnement annuel Nichtmitglieder CHF 109.–, inkl. 2,5% MWST,
Ausland CHF 140.–, Einzelnummer CHF 13.20, inkl. 2,5% MWST + Porto. Das Abonnement verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn es nicht bis zum 31. Oktober des laufenden Jahres schriftlich
beim SHV gekündigt wird. | Non-membres CHF 109.–, 2,5% TVA inclue, étranger CHF 140.–, prix du numéro CHF 13.20, 2,5% TVA inclue + porto. L’abonnement est automatiquement renouvelé
pour un an s’il n’est pas résilié par écrit auprès de la FSSF au 31 octobre de l’année en cours. Inseratemarketing | Régie d’annonces kömedia AG, Geltenwilenstrasse 8a, CH-9001 St.Gallen,
T +41 (0)71 226 92 92, [email protected], www.kömedia.ch Druck | Impression Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1, CH-4552 Derendingen, www.vsdruck.ch Papier PlanoArt 100 gm2,
holzfrei, hochweiss matt, säurefrei, FSC-zertifiziert | PlanoArt 100 gm2, sans bois, extra-blanc mat, sans acide, certifié FSC | WEMF-beglaubigt | ISSN 1662-5862
22
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
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wenn sie aufrecht sitzt, kann die Milch direkt in den Behälter fließen. Diese verbesserte Haltung beim Abpumpen
sorgt für mehr Komfort und damit auch für mehr Milch auf natürliche Weise.
Klinisch erwiesene Wirksamkeit
Die Milchpumpen ahmen durch Kombination von Brustkompression und sanftem Vakuum das natürliche
peristaltische Saugverhalten des Säuglings nach. Ihre weichen, blütenförmigen Massagekissen mit klinisch
erwiesener Wirksamkeit übt zur Stimulation des Milchflusses leichten Druck auf die Brust aus. Dank der
speziellen, samtweichen Oberfläche fühlt sich dieses innovative Massagekissen auf der Brust besonders sanft
und jetzt noch angenehmer an und trägt damit zur Entspannung der Mütter beim Abpumpen bei. Seperates
Massagekissen für Mütter mit größeren Brustwarzen ebenfalls erhältlich.
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umschließen, wodurch das Abpumpen deutlich erleichtert wird.
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L'arrivée d'un bébé peut créer une impasse
au sein du couple parental.Il est parfois impossible,
pour les parents, d'y faire face.
La sage-femme formée au Conseil Psychologique
a les moyens d'accompagner ce blocage profond,
et elle peut contribuer à la restructuration du lien
car elle se trouve, par son travail,
au bon endroit et au bon moment.
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Pilates ist ein gezielt physisches und mentales Training,
das den Körper in seiner Ganzheit erfasst und optimiert.
Im Zentrum steht das Aufbauen einer starken Körpermitte,
durch das Kräftigen der Tiefenmuskulatur. Die Pilates­methode
wurde bereits anfangs 1900 von ihrem Begründer Joseph
Hubertus Pilates entwickelt. Sein Ziel war ein harmonischer,
wohl balancierter Körper. Dass diese Methode sich geradezu
ideal für die Unterstützung der Frau in der Rück­bildung
eignet, ist heute unumstritten. Dafür wurde die Weiter­
bildung von Karolina Schmid, Ausbilderin PILATESwiss®
in Zusammenarbeit mit Hebammen, Physiotherapeuten und
Ärzten, mit neusten Erkenntnissen aus dem Gesundheits­
wesen optimiert.
In der Weiterbildung werden bereits erste praktische Erfah­
rungen im unterrichten gesammelt, damit im Rückbildungs­
kurs ein effizientes und beckenbodengerechtes Rumpf­
training angeboten werden kann. Viel Spass bereitet den
TeilnehmerInnen das Arbeiten zu Zweit, wo gelernt wird,
verbal korrekt anzuleiten, Fehler zu erkennen und zu korrigie­
ren. Eine fundierte Mischung von Praxis und Theorie sorgen
für Abwechslung und Klarheit. Wertvolle Tipps und Tricks
aus einem langjährigen Erfahrungsschatz werden Eins zu Eins
weitergegeben. Pilates ist die beste Form von Rückbildungs­
arbeit und macht Ihnen und den Frauen Spass. Die Pilates­
kurse sind in vielen Hebammenpraxen bereits zum tragen­
den Element geworden und eine tolle Referenz nach Aussen
für das moderne Erscheinungsbild einer Praxis.
Informationen zur Weiterbildung Pilates-Rückbildung unter:
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Enseignement en 2 ans : les 4 secteurs
www.sf2m.org
Contact : Brigitte Douxchamps Tél : 032/841 52 26
SF2M - Centre de la Reproduction - Clinique Pasteur - F-07500 Guilherand Granges
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
27
Actualité
SwissPedNet:
une collaboration pour
la recherche au service
des enfants
La situation insatisfaisante persiste: il arrive toujours que des enfants soient soumis à des traitements qui n’ont été éprouvés que sur des adultes. Pour améliorer la
recherche clinique pédiatrique, huit hôpitaux d’enfants se sont regroupés pour
constituer un réseau de recherche. Le premier président du SwissPedNet est le Professeur David Nadal, directeur du Centre
de recherche pour l’enfant de l’hôpital
universitaire des enfants Zurich.
www.swisspednet.ch
Le Conseil fédéral
prolonge le programme
national «Migration
et santé»
Or un état de santé précaire rend plus
difficile le processus d’intégration. Le programme permet d’améliorer l’état de
santé des populations concernées et leur
comportement en la matière, et contribue de manière déterminante à la politique nationale d’intégration.
Ces dernières années, de nombreux projets ont été réalisés dans les quatre domaines d’action, à savoir «Promotion de
la santé et prévention», «Soins de santé
et formation», «Interprétariat communautaire» et «Recherche»:
– w ww.migesplus.ch:
la plate-forme d’informations sur
la santé permet d’accéder facilement
aux publications de 130 institutions
en 30 langues.
– I nterprétariat communautaire:
en cas de difficultés de compréhension avec des patients allophones,
770 interprètes certifiés, couvrant
60 langues différentes, se tiennent
à la disposition du personnel soignant. Le service national d’interprétariat communautaire par téléphone
répond 24h/24, 7 jours sur 7, à des appels provenant de toute la Suisse et
établit la communication avec l’interprète approprié.
– «Migrant-Friendly Hospitals»:
le réseau soutient déjà huit hôpitaux
(parmi lesquels quatre hôpitaux
universitaires) pour mieux orienter
leurs prestations sur les besoins
des migrants.
Par ailleurs, d’ici à 2017, le programme
«Migration et santé» devra être aligné
sur les plans cantonaux en matière d’intégration. A cette fin, le programme est
mis en œuvre en étroite collaboration
avec l’Office fédéral des migrations, les
cantons, la Croix-Rouge suisse et d’autres
organisations non gouvernementales.
Source: Communiqué de presse OFSP du 10. 4. 2013
Améliorer les chances de vivre en bonne
santé pour les populations vulnérables
est l’une des priorités sanitaires que s’est
fixé le Conseil fédéral en approuvant, en
janvier 2013, la stratégie «Santé2020».
Le programme «Migration et santé»
s’adresse principalement aux migrants
ayant un statut social modeste et une
faible culture sanitaire.
Les migrants ont davantage de problèmes de santé et de plus grandes difficultés de communication dans leurs
rapports avec les institutions sanitaires.
Première conférence nationale le 19 septembre 2013
Les «Migrant Friendly Hospitals» présenteront leur travail, pour la première
fois à un large public professionnel, lors
d’une conférence nationale le 19 septembre 2013 au Kursaal de et à Berne.
Outre les représentants des hôpitaux,
des orateurs venus de l’étranger prendront la parole pour donner au thème
«Gestion de la diversité dans le domaine
de la santé» un éclairage international.
Website de la conférence: www.swiss-mfh.ch/fr
Voir aussi: www.miges.admin.ch › Projets
28
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Traitement de
l’hémorragie
du post-partum
Fin 2012, la commission «assurance qualité» de gynécologie
suisse (SSGO) a mis à jour les
options actuelles sur le traitement de l’hémorragie du postpartum. Dans un avis d’experts
no 26, elle en détaille les moda­
lités.
Vous trouverez ce document sur notre site
www.sage-femme.ch › Actualités
Carnet de vaccination
électronique facile­
ment accessible
Le carnet de vaccination électronique
suisse permet d’accéder rapidement à
des données médicales importantes. En
s’inscrivant sur le site www.mesvaccins.
ch, l’utilisateur peut créer gratuitement
son propre carnet de vaccination électronique, dans un espace protégé. Il s’agit
d’y inscrire la date de chaque vaccin reçu
ou d’une maladie contractée qu’il aurait
été possible d’éviter en se faisant vacciner. Le carnet peut également contenir
des informations importantes sur l’état
de santé du patient. Ainsi, l’utilisateur
obtiendra des recommandations de vaccination personnalisées.
Le carnet de vaccination électronique
présente de nombreux avantages. Le
patient peut en autoriser l’accès à son
médecin traitant. En cas d’urgence, cela
permet d’éviter d’administrer inutilement un vaccin. L’utilisateur peut demander à recevoir un rappel par SMS ou
par courriel lorsqu’un vaccin recommandé dans le Plan suisse de vaccination est nécessaire. En outre, le carnet
ne risque plus d’être égaré, puisque les
données peuvent être consultées en
tout temps via la page Internet sécurisée ou l’application «myViavac».
Source: Office fédéral de la santé publique,
Communiqué de presse du 18. 4. 2013
Voir aussi: www.mesvaccins.ch
Carie précoce
de l’enfance: Informer,
c’est prévenir
Analyses et recommandations concernant
le «Human Enhancement»
La carie précoce de l’enfance (CPE)
affecte la dentition primaire avant
l’éruption des dents permanentes. Elle
est attribuée à l’utilisation prolongée
d’un biberon contenant des hydrates
de carbone fermentables (lait, lait sucré, sodas, jus de fruits, thé sucré, etc.).
La fréquence d’exposition au biberon
ou à la lolette sucrés est un facteur
aggravant.
La CPE n’est pas seulement une maladie
dentaire: c’est une affection sociale, cul­
turelle et comportementale qui reflète
les pratiques et les croyances autour de
l’enfant. Une information accessible sur
la carie du biberon donnée aux futures
mères pendant leur grossesse diminue
très significativement la prévalence de
la carie du biberon chez leurs enfants à
naître.
Les données suisses font penser qu’un
enfant de deux ans sur quatre est atteint
de cette maladie dévastatrice, principalement dans les populations vulnérables.
Dans une étude portant sur 771 enfants
du canton de Zurich, âgés de 2,4 ans en
moyenne, 94 % des enfants étaient nés
en Suisse mais 61 % avaient leur mère
née hors de Suisse. 25,3 % des enfants
présentaient des caries y compris des lésions initiales (IC 95 %, 22,4-28,5 %). 4,4 %
des enfants (34 sujets) présentaient des
caries sévères: toutes les incisives supérieures présentant des cavités.
Les connaissances des parents et des travailleurs sociaux sur la CPE sont déter­
minantes. Lorsque les parents reçoivent
une information accessible sur la CPE, le
nombre d’enfants indemnes augmente
de 12 % par rapport aux enfants d’un
entourage sans information. 87,5 % des
parents ou assistantes maternelles qui
rapportent l’utilisation habituelle du biberon la nuit, affirment n’avoir jamais
reçu d’information en santé buccale
pendant la période pré- ou postnatale.
Les parents et assistantes maternelles
socialement les plus défavorisés étaient
aussi les plus mal informés et leurs enfants étaient les plus susceptibles d’être
atteints de CPE.
Source: C. Madrid et al.: Carie du biberon: un caillou
dans la chaussure de la santé. Revue médicale suisse
2012; 8: 764-8
L’expression «Human Enhancement»
regroupe les interventions médicales
dont le but n’est pas de traiter des
maladies, mais d’améliorer des caractéristiques non pathologiques. Ces interventions soulèvent de nombreuses
questions éthiques et sociétales.
Entre 2008 et 2012, un groupe de travail
(GT) des Académies suisses des sciences
s’est consacré à ce thème, en collaboration avec le Centre d’évaluation des
choix technologiques (TASWISS) et la
Commission nationale d’éthique dans le
domaine de la médecine humaine (NEKCNE). Le domaine du neuroenhancement
a été choisi comme thème prioritaire en
raison de son actualité et de sa pertinence pour la santé publique. Le GT s’est
principalement penché sur le rôle de la
médecine. Il a sollicité l’étude «La signification du neuroenhancement pour les
praticiennes et praticiens des domaines
de la psychiatrie/psychothérapie et de la
médecine de premier recours» (NEpA)
qui, pour la première fois, permet de disposer de données empiriques pour le
contexte suisse.
Le rapport «Une médecine pour les personnes en bonne santé? Analyses et recommandations concernant le Human
Enhancement» résume les résultats d’a­
na­lyses empiriques et relate des aspects
essentiels tels que la délimitation entre la
thérapie et l’enhancement ou le rôle du
corps médical. Le dernier chapitre contient
les recommandations du groupe de travail après quatre années d’activités.
Le rapport (format PDF, 70 pages) est téléchargeable
depuis le site www.samw.ch/fr › Ethique ›
Human Enhancement
En 2010, près de 6 % de Aliments pour bébés
familles recomposées conformes aux
Le relevé structurel 2010 réalisé par l’Ofprescriptions légales
fice fédéral de la statistique (OFS) permet pour la première fois de déterminer
le nombre de familles recomposées en
Suisse.
Une famille recomposée est formée
d’un couple élevant des enfants, dont
un au moins est issu d’une relation antérieure.
Sur l’ensemble des ménages familiaux
comptant des enfants de moins de
25 ans, 5,7 % sont des familles recom­
posées, près de 80 % des familles non
recomposées et 15 % des familles monoparentales. La majeure partie des parents élevant seuls des enfants sont
des mères (85 %).
Source: Communiqué de presse OFS du 11. 4. 2013
La Confédération et les cantons ont
mené en 2012 une étude à grande
échelle afin de détecter la présence de
résidus de pesticides et d’autres contaminants dans les aliments pour bébés.
Selon les résultats actuels, les 108 échantillons s’avèrent conformes aux pres­
criptions légales. La situation est donc
meilleure par rapport aux années précédentes. On peut donc en déduire que les
producteurs prennent au sérieux leur devoir d’autocontrôle et que les systèmes
de contrôle internes aux entreprises sont
devenus plus efficaces. En outre, cette
campagne a vu la Confédération et les
cantons renforcer leur collaboration.
Source: Office fédéral de la santé publique,
Communiqué de presse du 25. 4. 2013
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
29
Dossier
Pratiques de la naissance, corps féminin
et sentiment d’incompétence –
Notes sur une recherche en cours
L’anthropologie permet de prendre un recul suffisant pour susciter un autre regard sur
le quotidien. Dans un bref rappel historique, l’auteure montre comment la biomédecine
a transformé le corps féminin en un corps pathologique et défectueux, mais également
en un corps réceptacle. De sa recherche en cours, elle dégage une constante: le souci
de la sécurité prime sur les autres souhaits des futures mères comme celui de l’intimité,
de la continuité des soins ou de l’environnement familial.
Irene Maffi, Lausanne
Jalons d’une histoire des représentations médicales du corps féminin
Dans l’histoire de la pensée médicale européenne, qui
relève de la tradition grecque et romaine, le corps des
femmes a été représenté comme fondamentalement similaire à celui des hommes dans son anatomie et dans
son fonctionnement. Depuis l’Antiquité, le corps féminin
a néanmoins été aussi représenté comme moins parfait
par rapport au modèle idéal que le corps masculin incarne. Il était par exemple conçu comme plus froid, plus
passif, plus mou que le corps des hommes qui était au
contraire chaud, actif, tonique, toutes ces caractéristiques étant imaginées comme positives (Martin 1987).
A partir du XIXe siècle, un modèle différentiel de la bio­
logie masculine et féminine s’impose, selon lequel les
corps masculins et féminins obéissent à des mécanismes
différents. Cette évolution amène à développer une
vision pathologisante du corps féminin (Davis-Floyd
1992), le fonctionnement de celui-ci étant progressivement assimilé à une déviation par rapport au modèle
anatomique et métabolique propre au corps masculin
(Kolip 2000).
Si le corps féminin est défectueux et tend à la pathologie
dans son fonctionnement ordinaire, il doit en conséquence être soumis à un contrôle médical plus important, projet qui est pleinement réalisé dans la seconde
moitié du XXe siècle (Arney 1982). A l’époque moderne
comme dans l’Antiquité, c’est en particulier la phase reproductive de la vie des femmes qui est soumise à stricte
surveillance.
En Europe, à la fin du XIXe siècle, se diffusent des préoccupations pronatalistes (Koven et Michel 1993) qui amènent
les Etats, soucieux du nombre et de la «qualité» de leur
population, à investir des ressources importantes dans
le domaine de la procréation et de l’éducation des mères
(Davin 1989). Les mères sont en effet appréhendées
comme les principales responsables de la santé physique et morale des futurs citoyens et de leur capacité à
jouer un rôle actif dans la société. Ces préoccupations
étatiques amènent à mettre en place un système de surveillance des grossesses et de la santé des mères et
des enfants qui, tout en ayant eu plusieurs effets positifs, entraîne également des formes inédites de contrôle
sur la vie des femmes (Foucault 1979).
De nouvelles attitudes sociales vis-à-vis de la procréation
et plus particulièrement du corps fertile et du corps plein
des femmes enceintes se diffusent et sont intériorisées
par les membres de la société. Le processus reproductif
est pensé dès lors comme un moment de grande vulnérabilité qui, pouvant à tout moment donner lieu à des
pathologies, doit être surveillé de près. Si d’abord, les (futures) mères sont les principales patientes de l’obstétrique biomédicale, dans la mesure où c’est sur elles que
les médecins et les autorités publiques concentrent leur
attention, à partir de la seconde moitié du XXe siècle un
nouveau patient voit le jour: le fœtus (Newman 1996).
Rendu possible par les progrès technologiques, l’accès
inédit au fœtus a détourné le regard du corps médical
Irene Maffi Professeure d’anthropologie culturelle
et sociale. Laboratoire d’anthropologie culturelle et
sociale. Institut des sciences sociales. Faculté
des sciences sociales et politiques. Université de
Lausanne. [email protected]
30
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Editorial
des mères vers l’enfant, transformant celui-ci en patient
principal de l’obstétrique (Duden 1993). Si aborder cette
évolution n’est pas le but de cet article, il est important
de noter que la biomédecine a ainsi transformé le corps
féminin non seulement en un corps pathologique et défectueux, mais également en un corps réceptacle. Les
femmes sont devenues «l’environnement» du patient
principal, le fœtus, qui est la cible de la plupart des tests,
contrôles, dépistages effectués avant et pendant la
grossesse. De même, lors de l’accouchement, l’usage
massif du monitoring fœtal en continu et le rôle crucial
qui lui est attribué par les professionnels ne font que
confirmer la centralité de l’enfant. Bref, les transformations des représentations et des techniques obstétricales ont eu un impact important sur les pratiques et les
imaginaires sociaux de la naissance, comme plusieurs
études socio-anthropologiques menées durant les dernières décennies le montrent.
Par exemple, durant les années 1990, une étude canadienne a mis en lumières que les femmes enceintes ressentaient un fort sentiment d’incompétence pendant la
grossesse et l’accouchement (De Koninck 1990). Non
seulement, elles considéraient leur corps comme incapable de mener à bien la grossesse sans la surveillance
et l’intervention des professionnels de la santé, mais
elles pensaient à leur corps comme étant dangereux
pour l’enfant. Ces femmes montraient ainsi avoir intériorisé la représentation médicale qui crée une séparation entre la mère et le fœtus considérés désormais
comme des êtres dotés d’autonomie et de droits parfois
en conflit les uns avec les autres (Petchesky 1987).
Quelques notes sur une recherche en cours
Bien que cette courte digression sur l’histoire des représentations du corps féminin en Europe et en Amérique du
Nord ne rende pas justice à la complexité de cette évolution, elle permet néanmoins de situer les observations
que je vais développer dans la suite de ce travail concernant les attitudes des femmes enceintes et des mères
que j’ai côtoyées pendant une recherche de terrain en
cours dans un hôpital suisse 1. Les espaces principaux
dans lesquels j’ai pu rencontrer et observer les femmes
sont les cours de préparation à la naissance, la salle d’accouchement et le service du post-partum. J’ai également
effectué des entretiens approfondis avec des couples
avant et après la naissance pour mieux comprendre
l’évolution de leur vécu de la grossesse, de l’accouchement et du début de vie avec l’enfant.
Puisque j’ai côtoyé des femmes venant de plusieurs pays
qui ont parfois une appréhension du processus de la naissance très différente, pour des questions de cohérence, je
vais ici limiter mes considérations aux femmes suisses et
d’origine européenne. Le fait que la majorité de ces dernières ait montré des attitudes similaires vis-à-vis de leur
corps et de la naissance indique que, malgré les spécificités des «systèmes de naissance» (Jordan 1993) de chaque
pays, il existe des éléments communs.
1
P our des raisons de confidentialité, je préfère ne pas
mentionner le nom de l’hôpital et éviterai d’en décrire
les caractéristiques. Je l’appellerai l’hôpital H.
Inge Loos
Conseillère Sage-femme.ch
Berne
Chère lectrice, cher lecteur,
Les conditions sociologiques influencent la manière de
s’oc­cuper des femmes aux abords de la naissance. Au courant du siècle, dans les états modernes, la Science s’est
enracinée entre autres comme discipline pour faciliter
la vie et en améliorer les conditions. Mais, cela n’a pas tou­
jours conduit au succès. Ainsi, en obstétrique, les avancées
ne rendent pas toujours service à la mère et à l’enfant.
Les résultats scientifiques déstabilisent parfois les femmes
et leur confisquent la confiance en leurs propres forces.
C’est pourquoi ils doivent être critiqués. Les sages-femmes
ont besoin de compétences en recherche – qui remet
en question de telles déclarations?
La recherche menée par les sages-femmes, tout comme
la neurobiologie ou la psycho-endocrinologie, ont prouvé
que l’accouchement est un processus naturel au cours du­
quel il faut intervenir aussi peu que possible et seulement
quand c’est nécessaire. Les sages-femmes le savent d’expé­
rience, mais notre société exige des preuves de notre action.
Nous pouvons mettre en évidence les besoins des femmes
ainsi que ceux de leurs familles et légitimer notre travail.
Le rapport de recherche de Natascha Schütz en est un bel
exemple, montrant comment améliorer nos prestations
pendant et après une naissance prématurée, afin que
les parents la vivent bien. Irene Maffi, anthropologue
à Lausanne, montre quant à elle comment le regard sur
la femme, la grossesse et la naissance a changé au cours
des siècles et quelles en sont les conséquences pour
les femmes.
Néanmoins, pouvons-nous modifier quelque chose au
re­gard porté sur les femmes? Sous des conditions socio­
logiques données, qui privilégient le principe de rentabilité
économique à court terme, pouvons-nous améliorer réel­
lement notre travail? Nous devrions avoir la possibilité
d’observer les femmes, de les examiner attentivement et
de parler avec elles, pour que nous puissions nous en
occuper de manière adéquate.
Cordialement, Inge Loos
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
31
Dossier
Ces éléments relèvent d’un noyau de représentations
qui ont été élaborées au sein de l’obstétrique biomédicale à partir du XVIIIe siècle (Murphy-Lawless 1998). Ils
relèvent également des changements sociaux qui ont eu
lieu en Europe au cours du XXe siècle et plus spécifiquement la diminution de la natalité, l’introduction de la
contraception biomédicale, l’entrée massive des femmes
dans le marché du travail rémunéré, l’hospitalisation de
masse des accouchements et la progressive médicalisation et technicisation de la procréation (Thébaud 1986).
Ces transformations ont fortement contribué à modeler
les attitudes des femmes qui aujourd’hui mettent au
monde des enfants, déterminant des comportements
culturellement légitimes et ordinaires.
Pour illustrer mes propos, je vais choisir trois moments de
la trajectoire reproductive ordinaire afin de mettre en lumière quelques-unes des attitudes des femmes côtoyées
dans l’hôpital H. De manière générale, les comportements des femmes rencontrées révèlent des craintes diffuses vis-à-vis de tout le processus de naissance, s’exprimant tant dans leurs pratiques que dans leurs discours.
Concentrées sur la «production» d’un enfant en bonne
santé et «normal», c’est-à-dire dépourvu de tout désordre
génétique et morphologique, la majorité d’entre elles se
soumet à une surveillance médicale stricte. Aucune des
femmes rencontrées n’a choisi de faire le suivi de grossesse avec une sage-femme et, malgré le désir répandu
d’avoir un accouchement «le plus naturel que possible»
(Francine 2, mars 2013), elles ne se sont pas renseignées
sur les différentes possibilités existantes – accouchement
ambulatoire, maison de naissance, accouchent à domicile. Le souci de la sécurité, conçue premièrement en tant
que plate-forme technique, prime sur les autres souhaits
des futures mères comme celui de l’intimité, de la continuité des soins ou de l’environnement familial.
(
32
Geburtspraktiken, weiblicher Körper und Gefühle der Inkompetenz
Seit dem Altertum wird der weibliche Körper als weniger
perfekt als der männliche Körper dargestellt. In Laufe
der Zeit wurden Frauen zur «Umgebung» des primären
Patienten, des Fötus. In einem noch laufenden Forschungsprojekt stellt Irene Maffi, fest, dass die Frauen von heute
sich immer mehr auf die «Produktion» eines gesunden
und «normalen» Kindes konzentrieren. Die Mehrheit
unter ihnen unterzieht sich einer strengen medizinischen
Kontrolle und keine der befragten Frauen liess sich während der Schwangerschaft durch eine Hebamme begleiten.
Zu Beginn der Schwangerschaft zeigen sie einen grossen
Mangel an Vertrauen in ihren Körper und Gefühle der
Inkompetenz. Während den Geburtsvorbereitungskursen
sind sie sehr unsicher und unfähig, sich den Moment der
Geburt vorzustellen. Während der Geburt übergeben sie
alle Verantwortung den sie behandelnden Pflegenden und
Maschinen. Zum Stillen sehen sie sich ausserstande und
es fehlt ihnen oft der Mut auch nur damit zu beginnen.
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
La grossesse
Un nombre important des femmes rencontrées a vécu
les premiers mois de grossesse avec angoisse et appréhension n’osant pas révéler la nouvelle à l’entourage
avant que leur gynécologue ne leur confirme la «viabilité» de l’enfant. Prises dans l’engrenage des tests de dépistage (Manaï et al 2010), elles n’ont pas mis en question la nécessité de se soumettre à tous les examens
proposés aujourd’hui pendant le suivi médical ordinaire.
Les femmes ont montré un manque de confiance en leur
corps, confirmant le sentiment d’incompétence déjà relevé par De Koninck au début des années 1990 chez ses
interlocutrices canadiennes.
Quelques femmes interviewées ont douté de leur capacité à tomber enceintes avant même d’avoir essayé de
concevoir un enfant, influencées par des histoires familiales ou des proches, et se sont adressées à leur médecin
de manière préventive. Tout en n’ayant pas cherché d’avis
médical, plusieurs autres femmes ont exprimé leurs inquiétudes avant de tomber enceintes et avoué leur grand
étonnement en apprenant qu’elles attendaient un enfant. Elles ont exprimé une sorte d’incrédulité, de stupeur
devant un événement considéré comme peu probable à
cause du sentiment de méfiance envers leur propre corps
et ses potentialités. Si pour certaines femmes, le suivi médical de la grossesse a été rassurant, en particulier pour
celles qui ont eu des résultats tout de suite réconfortants, pour d’autres, il a représenté «un calvaire» (Laura,
avril 2011), ayant généré des doutes et des angoisses
qu’il a fallu éclaircir par des interventions invasives telles
une amniocentèse.
L’accouchement
Pendant les cours de préparation à la naissance, l’accouchement constitue un des sujets principaux abordés par
la sage-femme et les couples qui se préparent à cet événement. Souvent les soignantes responsables des cours
demandent aux futurs parents quels sont leurs attentes
et leurs désirs pour l’accouchement afin que les couples
puissent y réfléchir à l’avance et se préparer à cet événement. Dans la majorité des cas, les réponses des femmes
révèlent une grande incertitude et une incapacité à penser ce moment ainsi qu’une forte appréhension de ce qui
peut leur arriver pendant l’accouchement 3. Les mots
qu’elles associent le plus souvent à l’accouchement sont
«peur, douleur, sang, perte de contrôle, crise», etc. Leur
imaginaire semble habité non seulement par les phantasmes de l’inconnu, mais aussi et peut-être surtout par
les récits négatifs des proches et les représentations des
médias qui tendent à mettre en scène l’accouchement en
tant qu’événement catastrophique et dangereux 4.
Il n’est pas étonnant que, en salle d’accouchement, les
parturientes que j’ai eu l’occasion d’observer se confient
entièrement aux soignants et aux machines auxquelles
tant elles que ces derniers ont tendance à conférer un
rôle central. En effet, les parturientes observées n’ont
que rarement exprimé leur autonomie, préférant abandonner leur corps à la prise en charge du personnel qui,
malgré les spécificités individuelles, agit généralement
en conformité avec les routines hospitalières. Prises
entre le sentiment d’incompétence, la peur de l’accouchement, les règles hospitalières qu’elles imaginent de-
voir suivre – mais qu’elles ne connaissent que très peu –,
à quelques exceptions près, les femmes que j’ai eu l’occasion de rencontrer semblent reproduire des schèmes
qui montrent l’impact du modelage culturel auquel nos
sociétés du risque nous soumettent (Beck 1992).
L’allaitement
L’allaitement constitue un autre sujet central abordé par
les femmes enceintes pendant les cours de préparation
à la naissance. Des rencontres spécifiques y sont consacrées au sein de l’hôpital H, dont le personnel encourage
l’allaitement maternel suivant les recommandations
de l’Organisation mondiale de la santé. Tant les sagesfemmes en salle d’accouchement que les soignantes qui
travaillent dans le service du post-partum discutent avec
les mères de la possibilité d’allaiter leur enfant et les aident en leur apprenant les techniques d’allaitement.
Dans le service du post-partum, des dossiers contenant
des brochures expliquant les bénéfices de l’allaitement
maternel et la manière de faire face aux difficultés qui
pourraient surgir pendant les mois d’allaitement sont
mis à disposition des accouchées.
En accord avec leur vécu pendant la grossesse et l’accouchement, les femmes que j’ai observées se sentent incompétentes et sont souvent découragées avant même
de commencer à allaiter 5. Des réponses très courantes
des femmes enceintes auxquelles on demande si elles
ont l’intention d’allaiter sont: «si j’y arrive», «si j’ai assez
de lait». Ces doutes ne disparaissent pas après l’accouchement et le début de l’allaitement. A l’exception des
femmes et des enfants pour lesquels tout se passe très
bien et parfois même au sein de ce groupe, les mères
sont angoissées par l’impossibilité de mesurer la quantité de lait que boivent les nourrissons. J’ai entendu plu2
T ous les noms utilisés sont fictifs.
c f. par exemple le documentaire «Labouring Under
An Illusion».
4
Les cours de préparation à la naissance sont géné­
ralement fréquentés par des primipares qui n’ont pas
d’expérience de l’accouchement.
5
Dans le contexte de mon terrain, les femmes qui déclarent ne pas désirer allaiter constituent une exception.
3
sieurs mères dire qu’elles ne comprenaient pas comment
leurs enfants avaient pu uriner les premiers jours de vie,
compte tenu du fait «qu’il n’y avait rien qui sortait de
leurs seins» (Julie, mars 2013).
Le sentiment d’incompétence est souvent augmenté par
les pratiques hospitalières qui tendent à imposer un régime rigide de mensuration du poids de l’enfant, focalisant l’attention exclusivement sur l’évolution pondérale
et délaissant d’autres éléments relevant du comportement et de l’aspect somatique du bébé. Mesurées déjà au
cours de la grossesse lors des contrôles échographiques,
les courbes de croissance de l’enfant sont aujourd’hui les
principaux éléments mobilisés par le savoir médical afin
d’évaluer le bien-être de l’enfant. Ceci a souvent pour effet secondaire d’augmenter l’insécurité des femmes et
de les rendre dépendantes d’un imaginaire quantitatif
qui tend à réifier le bien-être des enfants, au nom d’une
vision objectivante délégitimant les compétences et les
perceptions individuelles des mères (Van Esterik 1988).
«Enfanter à l’hôpital H. Le parcours expérientiel des couples de la préparation à la naissance au retour à domicile».
Le projet vise à suivre l’itinéraire des couples qui accouchent à l’hôpital H du moment où ils commencent
à suivre les cours de préparation à la naissance
donnés dans le cadre hospitalier jusqu’au moment
où ils sortent de l’hôpital après l’accouchement.
Les phases principales de la recherche comprennent:
– Faire de l’observation participante dans les cours de
préparation à la naissance et réaliser des entretiens
avec les couples de futurs parents et les sagesfemmes responsables
– Faire de l’observation participante en salle d’accouchement et réaliser des entretiens avec les soignant-e-s
et les médecins
– Faire de l’observation participante dans le service
post-natal et réaliser des entretiens avec les couples
avant leur sortie de l’hôpital ainsi qu’avec les soignant-e-s et les médecins. Réaliser des entretiens
avec les couples environ deux mois après leur retour
à la maison.
Biographie
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l’entre-deux-guerres, Lyon: Presses universitaires de Lyon Van Esterik P. (1988) “The insufficient milk syndrom: biological epidemic or cultural construction?”,
in Whelehan, P. (ed.), Women and Health Cross-Cultural Perspectives, Boston : Bergin and Garvey, 97–108.
DVD
Elson Vicky Labouring Under An Illusion: Mass Media Childbirth vs. The Real Thing, film documentaire, Conway, Massachusetts, 2009,
disponible sur le site: www.birthmedia.com
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
33
Mosaïque
Du Botox pendant
la grossesse et l’allaitement
David Scheiner, Daniele Perucchini, Daniel Fink et Cornelia Betschart, Zurich
D r med. David A. Scheiner Médecin-chef
[email protected]
Hôpital universitaire de Zurich
Département de gynécologie
Frauenklinikstrasse 10, 8091 Zurich
T +41 (0)44 255 93 08
Le Botox est connu pour son utilisation dans les traitements esthétiques des rides du visage. C’est en traitant
le strabisme que l’on a constaté par hasard la disparition
de ridules autour des yeux. Depuis 1980, chacun des
sept types de toxine botulique (BoNT) classés de A à G
peut être produit, le type A étant le plus fort et le plus
persistant. Théoriquement, un gramme de BoNT de type
A pourrait induire une dose létale suffisante pour un
million de personnes!
La toxine botulique provoque une dénervation chimique réversible
Lorsque le BoNT est absorbé par la cellule nerveuse, il
empêche la libération de l’acétylcholine, le neurotransmetteur au niveau des muscles striés. Dès les jours suivants, le transfert de l’information du nerf au muscle est
interrompu, ce qui induit une paralysie du muscle strié.
Après une phase de latence, de nouvelles terminaisons
nerveuses repoussent et l’acétylcholine est à nouveau
libérée. Environ trois mois après l’injection, le muscle
strié est à nouveau fonctionnel.
Le BoNT agit aussi au niveau de la musculature lisse (par
exemple, le muscle de la vessie) ou glandulaire (par exem­
ple, les glandes sudoripares) et il bloque également les
terminaisons nerveuses afférentes. Son action perdure
alors de 8 à 10 mois.
Dosage
Une unité de Botox correspond à 0,05 ng BoNT de type A.
Pour l’être humain, la dose létale moyenne pour 50 % de
décès (LD50) est estimée à 3000 unités, soit 150 ng
de Botox. Habituellement, dans la clinique quotidienne
de l’urogynécologie, on se limite à un maximum de 300
unités.
Indications durant la grossesse et l’allaitement
En début de la grossesse, un traitement des rides faciales
avec du Botox a peu de sens, puisque la situation hormonale est telle que les ridules disparaissent dans une cer-
34
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
taine mesure. En revanche, des indications médicales subsistent, entre autres: spasticités, blépharospasme (spasme
des paupières), torticolis et achalasie (spasme de l’œsophage).
Il convient en outre de mentionner que les muscles lisses
se détendent durant la grossesse et que certains symptômes spastiques sont donc moins prononcés durant
cette période.
Effets décelables
Pour le moment, il n’existe pas d’études contrôlées
concernant le traitement au Botox durant la grossesse et
l’allaitement. Des questions concrètes subsistent: La barrière du placenta peut-elle être franchie? Retrouve-t-on
des traces de Botox dans le lait? L’embryon, le fœtus ou le
nouveau-né sont-ils protégés de manière physiologique?
Quel est le fonctionnement systématique du BoNT?
Il a été étudié chez des femmes qui n’étaient pas enceintes. Du fait de leur taille, les molécules de BoNT ne
peuvent passer la barrière cérébrale et aucun effet direct
n’a été observé sur le système nerveux central.
Que se passe-t-il en cas de botulisme durant la grossesse ou l’allaitement?
Il n’y a aucun effet sur le bien-être du fœtus ou du nouveau-né, alors que leur mère est complètement paralysée.
Cinq cas de femmes enceintes placées en soins intensifs
ont été décrits dans la littérature depuis 1975, le début de
leur affection se situant entre 16 et 26 semaines de grossesse. Deux cas avaient été causés par des blessures dans
le cadre d’un abus de drogues. Chez aucun enfant, on n’a
détecté ni BoNT ni effet clinique.
Existe-t-il des études de cas à propos des injections de BoNT durant la grossesse et l’allaitement?
Depuis 2004, 30 cas d’injections auprès de 24 femmes
enceintes ont été décrits dans le monde entier. Une
femme enceinte a fait une fausse couche, une autre un
accouchement prématuré. Une femme enceinte a reçu,
durant chacune de ses trois grossesses, 300 unités de
BoNT tandis qu’une autre a été traitée, durant chacune
de ses quatre grossesses, pour dystonies cervicales par
600 à 1200 unités (en plusieurs séances). Aucune complication n’est apparue malgré ces traitements «lourds».
Synthèse et traduction libre: Josianne Bodart Senn
Source: «Botox in Schwangerschaft und Stillzeit»,
voir pages 14 à 16.
Parentalité face à une naissance
prématurée: une perte de
la compréhension de soi suivie
d’un retour de celle-ci
Natascha Schütz Hämmerli, Sakari Lemola et Eva Cignacco, Bâle
Un accouchement prématuré entraîne pour les parents
un stress physique et psychique considérable: il surgit subitement et perdure jusqu’à la fin de la première année.
Pour mener à bien cette étude Mixed-Medias, Natascha
Schütz Hämmerli a rencontré aussi bien des mères et des
pères ayant vécu une naissance prématurée que les mères
et des pères ayant connu une naissance à terme. Deux à
trois ans après la naissance, les parents ont décrit leur
expérience respective.
Un événement déstabilisant
Face à une naissance prématurée, les parents vivent un
accouchement «abrupt», une hospitalisation en soins intensifs dans un autre service, une sortie souvent inattendue et des premiers mois à domicile très stressants. Ils
doivent maîtriser toutes ces phases exigeantes et fournir
un énorme travail émotionnel et psychique, parce qu’ils
doivent faire face à une perte de la compréhension de soi.
L’imprévu de la naissance amène en effet une désorientation complète par rapport au monde connu, à son
propre enfant et aux rôles attendus de mère ou de père.
Il en résulte une déstabilisation du système personnel et
familial ainsi qu’un «gel» indéterminé du «sentiment du
nous», de l’impression de constituer une famille.
Avec l’hospitalisation de l’enfant en néonatologie débute
une phase d’insécurité durant laquelle il faut compter sur
une perte possible de l’enfant ou une aggravation de son
état de santé. Pour la plupart des parents, il faut savoir
faire confiance à d’autres personnes. Puis, subitement,
cette hospitalisation prend fin et les parents éprouvent
alors des sentiments ambivalents: d’un côté, ils se réjouissent de former enfin une vraie famille mais, d’un
autre côté, ils sont anxieux face à une responsabilité imposante et s’épuisent par une surveillance presque
constante de l’enfant.
A domicile, il est nécessaire de reconnaître et de satisfaire
les multiples besoins de l’enfant, mais aussi de développer l’attachement parents-enfants. La famille et les amis,
qui ont également dû affronter le choc de la naissance
prématurée, se font du souci pour le développement de
l’enfant et pour la santé physique et mentale de leurs parents. Le respect et l’empathie sont indispensables pour
maîtriser tous ensemble cette crise existentielle.
Natascha Schütz Hämmerli MSc, RN
[email protected]
Université de Bâle
Institut für Pflegewissenschaft
Bernoullistrasse 28, 4056 Bâle
T +41 (0)61 267 30 40
Deux à trois ans après une naissance prématurée, les parents ne montrent plus de différences avec les parents
ayant vécu une naissance à terme. Les enfants font partie intégrante de la famille. Même précipitée, leur venue
est considérée après coup comme un enrichissement.
Les aspects organisationnels pour concilier vie familiale
et vie professionnelle sont rejetés à l’arrière-plan.
Un modèle de «Transitional care»
De tels résultats sont pertinents pour la pratique. Ils
montrent le besoin de prestations qui visent à améliorer
chez les parents les stratégies d’adaptation comme de
confiance en soi et qui favorisent la collaboration entre
les parents et le personnel de santé. Une optimalisation
du transfert entre l’hôpital et le domicile s’avère également nécessaire. Pour cela, un modèle de «Transitional
care» pourrait constituer une aide précieuse et en même
temps innovatrice.
Ce modèle existe déjà pour les soins aux personnes âgées.
Il se centre plus particulièrement sur la formation des
membres de la famille qui ont besoin d’information et de
soutien après la sortie de l’hôpital, mais aussi d’une coordination des prestations. Une équipe multidisciplinaire
collabore en permanence à un ensemble de «Advanced
Practice Nurse» géré par des spécialistes expérimentés et
formés au niveau académique. Un tel modèle pourrait
également s’adresser aux parents après une naissance
prématurée, car il pourrait améliorer la santé et l’évolution des parents comme de leurs enfants.
Synthèse et traduction libre: Josianne Bodart Senn
Source: «Elternschaft nach einer Frühgeburt: Verlust und Wieder­
gewinn einer Selbstverständlichkeit», voir pages 10 à 13.
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
35
En librairie
Claude-Alexandre
Fournier
Odette Fournier, sage-femme
Attitudes religieuses face à la naissance en Valais
entre 1930 et 1970
Contrairement à ce que le titre laisse supposer, il ne s’agit
pas d’un récit de vie. L’auteur est le petit-fils d’Odette, mais
il est aussi maître assistant en psychologie de la religion à
l’université de Lausanne et il a déjà publié un ouvrage sur la
vocation religieuse. Cette fois, il part des deux «carnets de
naissance» hérités de sa grand-mère pour explorer de manière scientifique et rigoureuse tout un pan de la vie sociale
et communautaire dans une région de montagne ainsi que
la fonction – concrète et symbolique – de la sage-femme.
Ce n’est donc pas d’un récit anecdotique qu’il s’agit mais d’une
véritable analyse, bien documentée, méticuleuse et nuancée,
qui nous est proposée. Le regard de Claude-Alexandre Fournier est autant historique qu’ethnologique. Il remonte jus­
qu’au début du XIXe siècle et décortique toute une série de
témoignages et de documents. Il détaille ainsi les mythes et
légendes expliquant «comment on fait les bébés» et suggérant que ce n’est pas la mère qui «porte» l’enfant dans son
ventre, mais que c’est la sage-femme qui «apporte» l’enfant
dans sa valise «après que l’ermite le lui ait confié». Il rappelle
aussi le long périple de la formation des «marraines» (matrones valaisannes), puis celles des sages-femmes.
Editeur Labor et Fides
2013, 235 p.
ISBN 2-8309-1490-0
EUR 20
Grâce au personnage de sa grand-mère, qui apparaît comme
un fil rouge tout au long de son argumentation, ClaudeAlexandre Fournier montre comment se fait le passage d’un
monde «perdu à tout jamais» à une ère «moderne» qui s’installe subitement avec la construction des grands barrages
hydro-électriques après la Seconde Guerre mondiale. Par
exemple, Odette Fournier pratiquait le rite des baptêmes
d’urgence; elle enterrait des fœtus avortés spontanément et
dont personne ne voulait; elle était parfois la marraine de
l’enfant qu’elle avait fait naître; elle faisait même des toilettes mortuaires. En somme, elle se trouvait aussi bien au
début qu’à la fin du cycle de la Vie et elle s’occupait autant
des corps que les âmes.
36
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
D’une lecture facile et passionnante, ce livre plaira à toute
personne intéressée par les pratiques «anciennes» des
sages-femmes, par les croyances autour de la naissance
(et de la mort) ou par des rapports sociaux subtils entre
le clergé, le corps médical et le «clan des femmes».
Josianne Bodart Senn, sociologue
Christina Voorman, Dr. Govin Dandekar
Massages pour bébé
Procurer bien-être et apaisement à son enfant
Editeur Vigot
2010, 96 p.
ISBN 2-7114-2063-6
EUR 10,74
Le titre de ce livre n’est, à mon avis, pas un bon choix car il est
assez réducteur. Ce livre résume en fait les soins ayurvédiques proposés pour les nouveau-nés et les mamans.
Vous y trouverez des explications sur les bienfaits des massages pour les tout-petits, des explications sur les soins aux
nouveau-nés dans la tradition ayurvédique avec également
le choix des personnalités doshas. Un chapitre est également
consacré aux choix des huiles, pâtes végétales et hydrolats
pour les massages. Puis, quelques massages pour les nouveau-nés y sont décrits assez rapidement.
Les explications ne sont pas toujours très claires mais les photos qui les accompagnent aident un peu. La fin du livre est
consacrée aux soins de la jeune maman: massage, alimentation, yoga, renforcement du plancher pelvien, enveloppement
et soins de beauté.
Dans les lexiques, un tableau résume les utilisations possibles
des diverses huiles végétales, hydrolats et huiles essentielles.
Je serais néanmoins méfiante sur les suggestions concernant
le choix des huiles essentielles. Plusieurs des celles proposées
ne sont, d’après mes faibles connaissances, pas indiquées
pour les femmes qui allaitent et les nouveau-nés. A revérifier
avant utilisation!
Carole Burdet, sage-femme
Formation continue FSSF
Organisation des cours de la FSSF
Chargée de la formation de la Suisse romande et du Tessin
Valentine Jaquier-Roduner
Rte En Champ Didon 134, 1740 Neyruz, T 026 477 05 76
[email protected]
Inscriptions par écrit aux cours de la FSSF au secrétariat
central de la FSSF à Berne. Vous trouverez le programme
complet des cours sur www.sage-femme.ch
Introduction au portage
«Devant» et «Dos»
Les cours de portage sont toujours très demandés.
L’entreprise Lana ayant fait faillite, j’ai dû chercher
une nouvelle intervenante. Je l’ai trouvée en
la personne de Diane Masmejan qui se présente
comme suit:
«Intéressée par les relations humaines et le transfert
de connaissances depuis toujours, j’ai travaillé de nombreuses années dans les ressources humaines et la formation d’adultes. En 2003, à la naissance de ma fille aînée,
j’ai eu la grande chance de découvrir le monde magique
du portage et peu de temps après de faire la connaissance de Susi Milz, personne bien connue dans le monde
du portage pour avoir été la première à former des monitrices en Suisse. Je suis certifiée auprès de Lana depuis
mai 2004 et, en 2011, afin de parfaire encore mes
connaissances dans ce domaine, j’ai suivi la formation
complète et ai été certifiée par l’ASPB (Association suisse
de portage des bébés). Au bénéfice d’une formation de
formatrice d’adultes, je donne différents cours dans le
domaine de la périnatalité depuis plus de 9 ans et ai accueilli plus de 1000 bébés dans mes différents cours.»
Diane n’est liée à aucune entreprise et est active depuis
de nombreuses années dans le monde de la petite enfance. Je vous conseille une visite sur son site internet
www.bebe-gruyere.ch pour vous faire une idée de son
engagement.
Avec Diane, que je connais depuis de nombreuses années
et avec laquelle j’ai travaillé quand j’étais responsable des
monitrices de portage en écharpe pour la Suisse romande,
nous avons revu tout le concept de la formation. Comme
vous pouvez constater, elle est désormais proposée sur
deux jours bien distincts. Je vous en fais un petit descriptif avec les objectifs et le contenu proposés.
Cours 1
Objectifs
Avoir les connaissances pratiques et théoriques de base
afin de pouvoir transmettre les meilleurs conseils aux parents de nouveau-nés. Au terme de cette journée, vous
aurez reçu suffisamment d’information pour répondre
aux questions / préoccupations des parents et serez à
l’aise pour leur montrer comment installer leur bébé de
manière physiologique et en toute sécurité.
Contenu
– Le portage dans le monde
– L’être humain est fait pour être porté
– Portage et orthopédie
– Portage et sommeil
– Portage et alimentation
– Présentation de différents types d’écharpes
– Techniques de portage durant les premières semaines de vie
– Ateliers pratiques
– Questions / réponses
Renseignements et inscription
Date, lieu
lundi 2 septembre 2013, Bulle
Durée
de 8 h 30 à 17 h30
Inscription
jusqu’au 2 août 2013
www.sage-femme.ch
Cours 3
Objectifs
Découvrir différentes manières d’installer et de porter un
enfant dans le dos en toute sécurité. Au terme de cette
journée, vous serez capable de faire découvrir le portage
dans le dos aux parents et de leur présenter différents
systèmes de portage.
Contenu
– Partage d’expériences suite au premier cours
– Révision si nécessaire, questions / réponses
– Portage dans le dos en écharpe (différentes techniques)
– Installation sécuritaire sur dos d’une tierce personne
– Portage sur la hanche en écharpe
– Présentation de différents systèmes de portage
– Démonstration de leur utilisation
La deuxième journée de formation est ouverte aux participantes du premier cours ainsi qu’aux collègues qui
possèdent déjà une bonne maîtrise des techniques de
portage devant.
Je tiens à préciser encore une chose. Ce cours vous donnera des connaissances théorique et pratiques en matière
de portage, mais ne remplace en aucun cas une formation
de monitrice. Ces formations sont beaucoup plus longues
et approfondies. Après ces jours avec Diane vous aurez
des bases très solides pour transmettre des techniques de
nouage et de portage aux parents intéressés. Si vous voulez plus de renseignements concernant les différentes
formations de monitrice en portage, je vous conseille de
vous adresser directement à Diane. Elle saura très bien
vous aiguiller. [email protected]
Renseignements et inscription
Date, lieu
jeudi 26 septembre 2013, Bulle
Durée
de 9 h à 17 h
Inscription
jusqu’au 26 août 2013
www.sage-femme.ch
6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
37
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Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
Stellenangebote • Offres d’emploi
Anzeigenschluss für Stellenanzeigen
Dienstag, 18. Juni 2013
Dernier délai pour les offres d’emploi
Mardi 18 juin 2013
Friedaustrasse 12
8003 Zürich
Telefon 044 491 91 20
Fax 044 491 91 56
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betreffenden Modulen unterrichten
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6 2013 Hebamme.ch • Sage-femme.ch
39
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der Mitarbeitenden
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Fachverantwortlichen und den Belegärzten
• Individuelle und ganzheitliche Betreuung der Frauen und
deren Bezugspersonen vor, während und nach der Geburt
• Selbständige Organisation und Koordination der Kursangebote
• Engagement und Mitverantwortung bei der Umsetzung
des Bildungsauftrages
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gute Zusammenarbeit im Team sowie bereichsübergreifend
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Stadtzentrum. Sie finden bei uns eine verantwortungsvolle
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Personaldienst, Oberdorfstrasse 41, 8853 Lachen oder per
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40
Hebamme.ch • Sage-femme.ch 6 2013
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beitenden erbringt die medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung
dieser Regionen. Sie betreibt dazu die Spitäler Altstätten, Grabs und Walen­
stadt, die als ein Unternehmen geführt werden.
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Auf unserer Geburtenabteilung mit ca. 350 Geburten pro Jahr betreuen Sie
Schwangere und führen selbständig Geburten durch. Auf der Familien­
abteilung betreuen Sie Neugeborene und Wöchnerinnen und wirken bei
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Ausbildungen in Zürich
• Atemtherapie nach Professor Ilse Middendorf
• Psychologie Basisausbildung
für KomplementärtherapeutInnen
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• Einzel-Atembehandlung im Liegen
Diese fundierten, umfassenden teilzeitlichen Ausbildungen
finden in Zürich beim Hauptbahnhof statt.
Infos und Unterlagen:
Institut für Atem, Bewegung und Therapie
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Sekretariat Ingrid Zanettin
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My love nest.
In 11 Ländern
die Nr. 1 gegen
Dehnungsstreifen.
„Zugegeben, ich war wirklich
gerne schwanger. Dennoch
machte ich mir grosse Sorgen
wegen der Dehnungsstreifen.
Meine Brüste wurden riesig!
Ich nahm 18 kg zu und das
alles im Bereich von Bauch und
Brust. Ich machte mir Sorgen,
weil ich schon als Fünfzehnjährige
kleine Streifen bekam. Deshalb
dachte ich, für Dehnungsstreifen
anfällig zu sein - die ich aber unter
keinen Umständen wollte.
Wer will das schon!
Daher rieb ich mich kräftig mit
Bi-Oil ein und es funktionierte
tatsächlich - ich bekam keine
sichtbaren Dehnungsstreifen!
Zudem haben sich die vorhandenen Streifen verändert,
obwohl ich sie schon seit
15 Jahren habe!“
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