Mario Gomez : "Deutschland wird Welt- und Europameister" - fair

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Mario Gomez : "Deutschland wird Welt- und Europameister" - Nachrichten Sport - Fußball - Internationale Ligen - DIE WELT
26.08.13 09:51
26. Aug. 2013, 9:50
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25.08.13
Mario Gomez
"Deutschland wird Welt- und Europameister"
Mario Gomez sucht in Florenz eine neue Herausforderung. Der
Nationalstürmer sagt im Interview, dass er mit Pfiffen gut umgehen kann
und sicher ist, dass die Nationalelf bald Titel gewinnen wird. Von Lars
Gartenschläger
Foto: Lars Gartenschläger
Der deutsche Nationalstürmer gibt sich ganz gelassen...
In kurzer Hose, Shirt und Flip-Flops läuft er über die Piazza Ognissanti in Florenz. Wie sehr
Mario Gomez sein neues Leben in Italien genießt, ist nicht zu übersehen. Der deutsche
Nationalstürmer wirkt entspannt, als wir ihn treffen. Gomez, der im Juli für 15 Millionen Euro
vom FC Bayern zum AC Florenz gewechselt war, hat Hunger und führt uns in das
Restaurants eines Hotels. Gomez bestellt Pasta mit Tomaten, Basilikum und Rindfleisch. "Ich
bin froh, dass ich den Schritt gegangen bin", sagt der 28-Jährige, der am Montag mit Florenz
zum Saisonstart in Italien auf Catania Calcio trifft.
Welt am Sonntag: Herr Gomez, die Euphorie in Florenz rund um Ihre Person ist groß. Wie
erleben Sie das?
Mario Gomez: Es ist unbeschreiblich. Wie herzlich die Menschen sind, habe ich ja schon bei
meiner Präsentation erlebt, zu der rund 30.000 Fans gekommen sind. Das war ein
besonderer Moment in meiner bisherigen Karriere. Die Liebhaber und Fans des Fußballs –
und davon gibt es in Italien viele – lechzen danach, dass der Fußball wieder der wird, der er
mal war. Sie sind dankbar für jeden guten Spieler, der hierherkommt. In Turin freuen sie sich
über Tevez, in Neapel über Higuain und in Florenz über Rossi und mich. Mit uns verbinden
die Fans wieder die Hoffnung auf große Momente. Die Fiorentina-Fans stehen hinter den
Visionen des Vereins, der Juventus als Nummer eins in Italien auf lange Sicht hin angreifen
will. Ich finde das gut und möchte diese Euphorie auch nicht bremsen, aber das geht nicht
von heute auf morgen.
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Welt am Sonntag: Aber die Zuneigung, die Sie in Florenz erfahren, ist schon speziell.
Gomez: Ja, aber ich konnte mich auch in Deutschland über fehlende Zuneigung nie
beklagen. Ich zählte in Stuttgart und München zu den Spielern, von denen ganz viele Trikots
verkauft wurden.
Welt am Sonntag: Doch es hat für Unverständnis gesorgt, als Sie kürzlich beim Länderspiel
gegen Paraguay (Link: http://www.welt.de/119052865) im eigenen Land ausgepfiffen wurden. Das
würde in England, Spanien oder Italien wohl keinem Spieler passieren.
Gomez: Das kann sein. Und ich finde es grundsätzlich ja auch nicht schön. Nach dem Tod
von Robert Enke haben sich viele Menschen in den Armen gelegen und gesagt, dass sich
etwas ändern muss. Knapp vier Jahre später ist offenbar sehr viel vergessen von all dem,
was damals Kluges gesagt wurde. Aber das ist der Fußball. Er versucht ja auch ein Stück
weit den harten Männersport zu verkörpern, in dem wir alle taff sein müssen und in dem kein
Platz für Gefühle ist. Wie gesagt, ich fand die Pfiffe nicht schön, aber die Menschen in
Kaiserslautern hatten gehofft, dass Miro (Klose, d. Red.) in seinem Wohnzimmer den
Torrekord von Gerd Müller einstellt.
Welt am Sonntag: Wie lange beschäftigen Sie solche Erlebnisse nach einem Spiel?
Gomez: Nach der EM 2008 (beim 1:0 gegen Österreich versprang ihm kurz vor dem Tor der
Ball, d. Red.) hatte ich etwas länger zu kämpfen. Aber da war ich auch noch jünger, und ich
wusste, dass ich Schuld hatte. Kaiserslautern war schnell abgehakt. Das war nicht wichtig.
Welt am Sonntag: Ist es für Sie wichtig, von der Masse anerkannt, respektiert oder geliebt zu
werden?
Gomez: Respektiert ja, geliebt nein. Aber das zählt primär nicht. Am besten ist es für uns
alle, dass wir das abrufen, was wir können, und das tun, wofür wir geholt worden sind. Und
selbst wenn ich meinen Job ordentlich mache, wird es immer welche geben, die das gut
finden oder eben nicht.
Welt am Sonntag: Machen Sie sich eigentlich Gedanken darüber, wie Sie persönlich auf und
auch neben dem Platz auf die Menschen wirken?
Gomez: Nein. Die Menschen, die seit 2008 vom Chancentod Mario Gomez sprechen,
werden ihre Meinung sicher nicht mehr ändern. Sie haben es so abgespeichert. Ich habe
seither über 100 Tore in der Bundesliga und mehr als 20 in der Champions League
(Link: http://www.welt.de/themen/champions-league/) erzielt. Ich weiß nicht, ob man da von einem
Chancentod reden kann. Aber uns Spielern geht es doch nicht anders als den Vereinen an
sich. Eigentlich gibt es doch keinen Grund, die Bayern nicht zu mögen. Sie spielen den
besten Fußball in Europa. Trotzdem gibt es Millionen Menschen, die sagen: "Diese blöden
Bayern."
Welt am Sonntag: Warum haben Sie den Verein verlassen, der derzeit den besten Fußball in
Europa spielt?
Gomez: Weil ich mehr spielen wollte. Ich hatte zwar noch einen Drei-Jahres-Vertrag und ein
schönes Leben in München. Aber ich habe Lust zu kicken und auch noch Träume. Ich will mit
dem AC Florenz in den nächsten vier Jahren Meister werden. Außerdem freue ich mich auf
eine andere Sprache und Kultur. Es wäre einfach gewesen, in München zu bleiben und
meine Vita mit vielleicht zwei, drei Titeln zu verbessern. Aber was hätte es mir gebracht? Ich
bin kein Mensch, der sich über Titel definiert und erwartet, dass man ihm später aufgrund
seiner Erfolge einen Kaffee spendiert. Ich wollte es in München nicht bequem haben und nur
50 Prozent der Saisonspiele machen. Mich hat was Neues gereizt. Und beim AC Florenz
passt das Gesamtpaket.
Welt am Sonntag: Die Saison steht im Zeichen der WM. Für wie realistisch halten Sie einen
Titelgewinn mit der deutschen Nationalmannschaft?
Gomez: Es ist mein großer Wunsch und mein Ziel. Aber da ist das ganze Land auch etwas
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ungeduldig. Deutschland wird in den nächsten 20 Jahren Europa- und Weltmeister werden.
Wann das sein wird, weiß ich nicht. Aber es wird so kommen. Da bin ich mir sicher. Das war
so wie mit den Bayern. Es war überfällig, dass wir diesen Champions-League-Titel gewinnen
(Link: http://www.welt.de/116512281) . Mit Spanien war das auch so. Sie sind mit großen Spielern wie
Raúl oder Guardiola immer im Viertel- oder Halbfinale ausgeschieden, bis ihnen 2008 der
große Wurf bei der EM gelungen ist. Seitdem spielen sie wie befreit. Und so wird das mit
Deutschland auch passieren. Wenn wir einen Titel holen, kann die Nationalmannschaft eine
Ära prägen. Wir Deutschen sind fleißig und besitzen inzwischen so viele gute Spieler mit
großartigem Talent.
Welt am Sonntag: Eine Ära ab 2014?
Gomez: Ich spiele ja nicht mehr 20 Jahre. (lacht). Deshalb träume ich davon, dass wir in
Brasilien den Titel holen werden. Es gibt jetzt mit Miro, Per, Philipp, Bastian oder mir viele
Typen in unserem Team, die nach mehreren Anläufen unbedingt einen Titel wollen. Wir
haben diese Mentalität. Und das schon seit Jahren. Da lasse ich auch nichts gelten. Als wir
2010 oder 2012 mit den Bayern das Champions-League-Finale verloren haben, hieß es: Im
Team seien keine Winner-Typen, wir wären zu lieb und würden nie etwas Großes gewinnen.
Welt am Sonntag: Dann fühlen Sie sich unterschätzt, was die Mentalität betrifft?
Gomez: Ich habe das Gefühl, in Deutschland wirst du im Hinblick auf die Mentalität nur
akzeptiert, wenn du alle zwei Wochen auf dem Platz jemanden anschreist oder etwas
Populistisches sagst. Aber was bringt das? Die Fußballer, die heute nicht mehr spielen, aber
für viele Menschen Super-Helden sind, waren nie in der Situation, in der sich unsere
Generation befindet. Wenn du heute etwas sagst, steht es kurz danach im Internet, in der
Zeitung und am Tag darauf in 25 weiteren Zeitungen. Das kostet viel Kraft und deshalb
überlegt sich jeder zweimal, was er öffentlich sagt. Heute gibt es viel mehr Kameras in den
Stadien und dazu noch all die Handykameras. Wenn ich da irgendetwas mache, wird das
festgehalten. Das war früher anders. Da stand der Stürmer mal abseits des Geschehens und
konnte dem Verteidiger ein paar Takte erzählen. Das ist vorbei. Wir sind gläsern und Teil
eines Geschäfts, das sich extrem verändert.
Welt am Sonntag: Inwiefern?
Gomez: Fußball ist Show. Manchmal hat es den Eindruck, als würden in der Gesellschaft nur
Katastrophen und Fußball interessieren. Das finde ich bedenklich.
Welt am Sonntag: Sie sind Teil des Fußball-Geschäfts, einer Branche, der es sehr gut geht.
Gomez: Keine Frage. Ich will mich auch nicht beschweren. Mir geht es wunderbar. Aber
worum es mir geht, ist, dass wir bei aller Einschätzung und Kritik den Wandel des Fußballs
berücksichtigen. Ich bin auch in Stuttgart als junger Profi ins erste Team gerückt zu Spielern,
die zwei, dreimal die Woche unterwegs waren. Aber sind das deshalb jetzt echte Typen?
Heute geht das nicht mehr, denn wenn ein Spieler mal abends weggeht, ist davon
spätestens am nächsten Tag ein Foto bei Twitter oder Facebook. Sind wir deshalb jetzt keine
Typen? Ich finde diese Debatte immer wieder unglaublich und lächerlich.
Welt am Sonntag: Wenn Sie von den "Super-Helden" reden, meinen Sie wohl den einen oder
anderen Ehemaligen, der nun als Experte fungiert.
Gomez: Ich will das gar nicht personalisieren. Ich finde es nur wichtig, dass wir über das
Jetzt reden. Es bringt nichts, immer das Vergangene zu glorifizieren. Wie gesagt, ich denke,
dass wir Qualität haben und die WM gewinnen können. Ich sage können und nicht müssen.
Denn es gibt die Spanier, die Brasilianer, die Franzosen und die Italiener, die den Titel holen
wollen. Oder die Argentinier, die so heiß darauf sein werden, in Brasilien zu gewinnen. Wir
werden jedenfalls alles daran setzen, den Titel zu holen. Denn wir wollen ihn.
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