Alvaro Siza - E

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Alvaro Siza : acht Arbeiten
Autor(en):
[s.n.]
Objekttyp:
Article
Zeitschrift:
Du : die Zeitschrift der Kultur
Band (Jahr): 57 (1997)
Heft 4:
Santiago de Compostela, Galicia & der Architekt Alvaro Siza
PDF erstellt am:
20.08.2017
Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-299658
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MEERESSCHWIMMBAD
LEÇA DA PALM El RA, PORTUGAL.
1961-1966
BANKFILIALE
«PINTO & SOTTO MAYOR»
OLIVEIRA DE AZEMEIS,
PORTUGAL 1971-1974
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Das Meeresschwimmbad in Lega
da Palmeira ist einer der ersten
freien Aufträge des jungen Siza.
Die Anlage war Teil eines
Gesamtplans für die Atlantikküste
bei Matosinhos, nicht weit von
einem ebenfalls frühen Siza-Bau,
dem Restaurant Boa Nova (das
wie das Schwimmbad einfühlsam
auf die Topografie reagiert, aller¬
dings mit den Materialien Ziegel
und Holz einerseits, mit kleingliedrigen Körpern und Kaminen
als Strukturelementen andrerseits
noch stark regional ge¬
prägt ist). Wer dem Ufer
entlangfährt, wird das
Schwimmbad kaum be¬
merken, denn es liegt
tiefer als die Strasse.
Eine Rampe führt zum
Eingang hinunter, zu
den Umkleidekabinen,
in ein Labyrinth von
längs zur Küste verlau¬
fenden unbehandelten
Betonwänden, durch das der
Besucher gehen muss: Hier, hin¬
ter diesen Mauern, ist das Meer
nur zu hören, im letzten Moment
erst gibt Siza den Blick auf den
59
Atlantik frei. Die Qualität des Ent¬
wurfes liegt in der radikalen
Wenigkeit: Alle Elemente, die bei¬
den Schwimmbecken, Terrassen,
Treppen, Mauern, Wege, Um¬
kleidekabinen, eine Bar, werden
als minimale bauliche Ergänzun¬
gen in das natürliche Felsmassiv
gebettet. Siza spielt
mit der Spannung zwi¬
schen Architektur
und Natur, Geometrie
und Topografie: Die
Felsen laufen in
die streng angelegten
Becken, die Beton¬
mauern werfen ihre
präzisen Schatten auf
die Felsen, der glatte
Wasserspiegel
kontrastiert zu den Wellen des
Meeres. «Die Architektur agiert
als Transitbereich... Die
natürliche Situation wird von Siza
durch die von Menschen
hergestellten Mittel, durch die
abstrakten geometri¬
schen Linien der
Architektur intensi¬
viert.» (Peter Testa)
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Ähnlich wie bei Projekten in
der Landschaft geht Siza auch im
städtischen Kontext vor; ein
neues Element wird in die vor¬
gegebene Textur eingefügt und
behauptet sich selbstbewusst,
ohne das Umfeld zu ersticken.
Das Bankgebäude Pinto & Sotto
Mayor liegt an der Hauptstrasse
des Ortes, an einem Platz, der
zwei Ebenen der Stadt miteinan¬
der verbindet. Siza inszeniert ein
raffiniertes Spiel mit Geometrien
wie bei anderen kleineren Bauten,
die Ende der sechziger bis Mitte
der siebziger Jahre entstehen:
dem Haus des Bruders in Santo
Tirso und der Bankfiliale von
Borges & Irmäo in Vila do Conde.
Die komplexen Raumstrukturen
sind jedoch nie willkürlich,
sondern immer in bezug auf die
Umgebung konstruiert. In Oliveira
de Azemeis definieren drei über-
-
Oben: Gesamt¬
ansicht der
Badeanlage; im
Hintergrund
die Hafenanlagen
von Matosinhos.
Foto Luis Ferreira Alves
Mitte und unten:
Bar und Restaurant. Detail des
Kabinenbereichs.
Fotos Roberto Collovà
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einander liegende Kurven drei
Geschossebenen, die sich nach
oben zurückstaffeln, um das
benachbarte Gebäude aus dem
18. Jahrhundert nicht in den
Hintergrund zu drängen, und von
der Nachbarfassade aus gehen
die Höhenlinien auf die kurvige
Bankfassade über. Sizas Bau ist
transparent: durch die gläserne
Fassade, die einen deutlichen
Kontrast zu den geschlossenen
Bauformen der Umgebung bildet;
durch die ineinander greifenden
Räume, die den Eindruck eines
weiten Innenraumes ohne
Begrenzungen entstehen lassen.
Die Sichtverbindungen von innen
nach aussen und umgekehrt, von
einer Ebene zur andern sind
genau abgezirkelte Antworten auf
Bewegungsabläufe im Gebäude
und um das Gebäude herum, auf
Höhen und Volumen in der
Umgebung. Siza reagiert so auf
die Stadt und baut die Vielfalt
und die daraus entstehende
Spannung programmatisch weiter.
Oben: Die gekurvte Glas¬
fassade öffnet das
Bankgebäude zu einem
Platz hin.
Foto Luis Ferreira Alves
Unten: Die Grundrisse
der Bankfiliale (oben) und
des Hauses von Carlos
Antonio Siza in Santo Tirso
weisen eine ähnlich
komplexe Geometrie auf.
WOHNSIEDLUNG
«QUINTA DA MALAGUEIRA»
ÉVORA, PORTUGAL. SEIT 1977
STADTERNEUERUNG
SCHLESISCHES TOR
BERLIN-KREUZBERG,
DEUTSCHLAND. 1980-1988
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Nach der Nelkenrevolution 1973
hatte Siza in Porto Gelegenheit,
nicht nur mit einzelnen Bauten in
die Stadtstruktur einzugreifen,
sondern ganze Siedlungen zu
planen: mit den subventionierten
SAAL-Siedlungen Säo Victor
und Bouga. Siza wehrt sich gegen
die anonymen Grossprojekte und
zeigt vor allem mit Säo Victor, wie
subtil er mit dem bestehenden
Ort spielt: Die vorhandenen Rui¬
nen werden integriert, Geschichte
und Gegenwart miteinander
verbunden. Heute sind die Sied¬
lungen, die in ihrer formalen
Strenge einen Kontrast zu den
spielerischen Entwürfen der Ein¬
zelprojekte bilden, teilweise
zerstört, teilweise in einem deso¬
laten Zustand.
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Die Erfahrungen mit dem sozialen
Wohnungsbau kamen Siza in
Évora zugute. 1977 erhielt er den
Auftrag für eine grossflächige
Siedlung. 1200 Wohneinheiten
sind inzwischen realisiert worden,
öffentliche Gebäude
sind noch in Planung
oder zur Zeit im Bau.
Da die finanziellen Mit¬
tel äusserst begrenzt
waren, entwickelte
Siza einen Patio-Haustyp, dessen Grundriss
für Zwei- bis Fünf¬
zimmerwohnungen bei
immer gleichem Land¬
verbrauch geeignet
ist; je nach Ausnutzung
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wechseln sich Höfe, also Leer¬
räume, und Quader ab. Jeweils
zwei Häuser stehen Rücken an
Rücken in das leicht geneigte
Gelände eingepasst. So vermeidet
Siza trotz der häufigen Wieder¬
holung einzelner Elemente ein
monotones Stadtbild. Die Anbindung an die historische Stadt¬
struktur erfolgt durch einen hoch¬
liegenden Installationskanal: Er
zitiert das bestehende Aquädukt
der Altstadt. Der billige Betonstein
kontrastiert das blendende Weiss
des Zeilenbaus. Die oberirdische
Leitungsführung gibt der neuen,
kleinteiligen Siedlung darüber hin¬
aus eine übergeordnete Struktur.
Oben: Sicht auf die Zeilen¬
bauten von Malagueira;
im Vordergrund der Installa¬
tionskanal. Oben rechts:
Das römische Aquädukt im
Zentrum von Évora.
Fotos Roberto Collovà. Patio-Haustyp. Fotos Studio Siza. Links und
Mitte: In Quartier
Säo Victor wurden die
bestehenden Ruinen
zu organischen
Bestandteilen der
neuen Architektur.
Fotos Luis Ferreira
Alves und Roberto
Collovà.
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Bereits an zwei Wettbewerben für
Berlin hatte Siza teilgenommen seine Vorschläge für die Bebau¬
ung des Fränkelufers (inzwischen
war Siza vor allem für seine
Wohnungsbauten bekannt) und
das Görlitzer Bad waren heftig
diskutiert worden. Das
dritte Projekt, die
Bebauung am Schle¬
sischen Tor: ein ge¬
schwungener Eckbau,
ein Kindergarten und
ein Altenklub, konnte
nun, allerdings gegen
heftigen Widerstand
von Berlins Bürokratie
und mit gravierenden
Einschränkungen,
durchgesetzt werden.
Siza weigerte sich, zur
reinen Verschönerung der Strassenfluchten die Lücken zu schlies¬
sen, Kleingewerbe und Ateliers
aus den Innenhöfen zu vertreiben.
Statt dessen unterstützt er, wie
bereits bei seinem Vorschlag
für das Fränkelufer, die Öffnung
der Höfe zur Strasse und die Viel¬
schichtigkeit des Quartiers: Die
gemischte Nutzung betont er mit
den beiden kleinen Gebäuden für
Kinder und Senioren; Brand¬
mauern und Relikte aus der Nach
kriegszeit werden integriert.
Der geschwungene und trotzdem
massive Wohnblock sollte
ursprünglich als Backsteinbau auf
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der vorhandenen eingeschossigen
Ladenzeile errichtet werden, mit
unterschiedlichen Fenstergrössen
und Glasbändern, die den Bau
optisch mit den Nachbargebäu¬
den verbunden hätten. Realisier¬
bar war jedoch nur eine (grau) ver¬
putzte Fassade mit
monotonen Fenster¬
reihen. Ausserdem
wurde das Raummass des Berliner
Mietshauses auf das
heutige «Normal'in "*ij
mass» reduziert - ein
Geschoss mehr bei
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gleicher Gebäude¬
höhe -, und aus
vier Wohnungen pro
Stock wurden
sieben. Bonjour
tristesse tauften die Berliner
Sprayer, ein wenig zweideutig,
das Gebäude. Denn die Bewe¬
gung der Fassade wirkt gegen die
erzwungene Eintönigkeit; der
Schwung löst die kasernenartige
Tristesse in einer plastischen
Lebendigkeit auf und durchbricht
die rigide Perspektive der Berliner
Strassenflucht.
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Oben: Vorder- und Rückansicht
des Wohnblocks «Schlesisches
Tor». Fotos Uwe Rau (ganz oben)
und Studio Siza. Mitte: Ansicht
von der Falkensteinstrasse; die
Öffnung zum Innenhof ist als Spalt
in der Häuserzeile sichtbar.
60
ZWEI HÄUSER UND GESCHÄFTE
IM «VAN DER VENNE»-PARK
DEN HAAG, HOLLAND. 1986-1988
ARCHITEKTURFAKULTÄT DER
UNIVERSITÄT PORTO
PORTO, PORTUGAL. SEIT 1985
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An einem Hang mit Blick auf das
Douro-Tal liegen die Gebäude der
der Park; der Eingang jedoch
befindet sich auf einem erhöhten
Treppenabsatz. Siza nimmt
in diesem Entwurf Bezug auf die
holländische Moderne: Der da¬
malige Konflikt zwischen der
Amsterdamer Schule und den
Die beiden Häuser an der Van
der Venne straat im Sanierungs¬
gebiet Schilderswijk liegen in
einem offenen Dreieck über dem
Eingang zu einer Tiefgarage, am
Rande eines Parks. Während Siza
bei den 106 Sozialwohnungen
von Schilderswijk eine schmale
Wohneinheit neben die andere
setzt, die Fensterreihen gleichför¬
mig konzipiert und eine Haustür
der andern gegenübersetzt, sieht
dieses kleine Gebäude aus wie
eine Verschachtelung zweier voll¬
kommen unterschiedlicher Körper.
Ein Teil der Räume liegt tiefer als
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Funktionalisten wird in einem
Dialog spielerisch thematisiert ein Haus ist rot, mit Ziegeln ge¬
baut, das andere weiss verputzt;
der eine Bau ist plastisch-orga¬
nisch, der andere rational kubisch;
der eine macht einen geschlos¬
senen Eindruck, der andere ist
offen, mit viel Glas und Terrassen.
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Oben: Die beiden Häuser
setzen den Schlusspunkt des
Parks zur Strasse hin.
Foto José Rodrigues
Mitte: Durchgang und Eingang
zu einem der Geschäfte.
Foto Roberto Collovä
Unten: Treppe zum höher
gelegenen Eingangsbereich.
Foto Roberto Collovä
Architekturtakultät Porto. Bereits
1985 hatte Siza am äusseren
Rand des Gartens der alten Villa
Quinta da Póvoa den trapezförmi¬
gen Pavillon Carlos Pamos ge¬
baut. Drei miteinander verbun¬
dene Atelierräume auf
jedem Geschoss öff¬
nen sich zum Innenhof
und zum Garten mit
dem alten Baumbe¬
stand. Weisse, beinahe
fensterlose Mauern
schirmen das Gebäude
gegen die Strasse ab.
Der Eingang, früher nur
durch den Park er¬
reichbar, bildet nun
eine Verbindung zu
den tiefer gelegenen
neuen Fakultätsgebäuden. Zwei
unterschiedliche Raumsequenzen
umschliessen einen zentralen Hof.
Der nördliche Flügel riegelt das
Areal mit Verwaltungsräumen,
Hörsälen, Archiven, einer Biblio¬
thek und einem halbkreisförmigen
Ausstellungsraum (der vage an
das Guggenheim-Museum in New
York erinnert) gegen die Schnell¬
strasse ab. Im Süden sind vier ku¬
bische weisse Türme, typengleich,
aber mit verschiedenen Gesich¬
tern (von, wie manche sagen,
Sizas Kollegen), frech auf der
Hangkante plaziert; sie nehmen
die Fluchtlinie der Villa wieder auf.
Hier sind die Büros der Lehrenden
und die Zeichensäle unterge¬
bracht. Die einzelnen Gebäude¬
trakte sind durch einen langen,
nach Süden vergla¬
sten Korridor mitein¬
ander verbunden, der
drei Meter unter dem
Niveau des zentralen
Campus liegt. Diese
Öffnungen und die
unregelmässig ange¬
ordneten Fenster
geben immer andere
Ausblicke auf den
Fluss und das ge¬
genüberliegende Ufer
frei. Der Hauptein¬
gang der Fakultät liegt im Westen.
Ein kubisches Wächterhäuschen
schliesst das Projekt ab - als
Kontrapunkt zur Villa wie diese
(innen) rot gestrichen. «Die Archi¬
tekturfakultät ist als städtische
Konfiguration exemplarisch für die
Art und Weise, in der Siza auf
neue Programme und Randlagen
reagiert. Den Menschen bleibt
es überlassen, diese Systeme, die
weder bestimmt noch bestim¬
mend sind, zu werten und nutzbar
zu machen.» (Peter Testa)
Oben: Sicht auf die Architektur¬
fakultät vom gegenüberliegenden
Flussufer aus. Foto Studio Siza
Oben links: Eingang zum
Pavillon «Carlos Ramos».
Foto Roberto Collovä
Rechts: Eingangsbereich des
Nordflügels. Foto Studio Siza
Mitte: Blick auf einen der
Atelier-Türme von der Terrasse
des Restaurants im Nordflügel.
Foto Studio Siza
Unten: Treppenaufgang im Nord¬
flügel. Foto Roberto Collovä
61
WASSERSPEICHER UND
UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK
AVEIRO, PORTUGAL.
1988-1995
WIEDERAUFBAU DES CHIADO
LISSABON, PORTUGAL. SEIT 1988
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In Aveiro hat Siza mit seiner ab¬
strakten Interpretation eines
Wasserspeichers das Universi¬
tätsgelände geprägt. Zwei unter¬
schiedliche Elemente tragen den
grauen kubischen Wassertank:
eine gerippte, 15 Zentimeter
dünne Mauer und ein Zylinder.
Die Stützen sind mit zwei rost¬
freien Stahlbändern verklammert.
Die beinahe filigrane Konstruktion
aus Stahlbeton steht über einem
flachen Wasserbecken.
Die Bibliothek spielt eine zentrale
Rolle auf dem Universitätscampus
von Aveiro, an dessen Planung
die wichtigsten portugiesischen
Architekten beteiligt waren. Sie ist
konzipiert als introvertierte
Bücher- und Lesemaschine: Die
Lesetische sind die Grundeinheit
des Gebäudes, von Regal-Ele¬
menten umgeben, die halbauto¬
nome Räume schaffen. Das Licht
in den Lesesälen ist natürlich: Ko¬
nische Oberlichter, durch die das
Licht aufgrund der offenen Innen¬
struktur in alle Stockwerke fällt,
sorgen ebenso für gleichmässige
indirekte Ausleuchtung wie die
freistehende, geschwungene
Wand an der Westseite. Ein lan¬
ger, horizontaler Schnitt in der
Wand lenkt im dritten Stock den
Blick auf die Salzsümpfe; der
Ausblick auf ein hässliches
Gebäude in der näheren Um¬
gebung dagegen wird durch eine
kühn im rechten Winkel ausbre¬
chende Betonmauer verhindert,
die das Gebäude stark prägt und
einen scharfen Gegensatz zur
weichen Welle der Westwand
bildet.
Oben: Sicht auf die geschwungene
Westfassade der Bibliothek.
Foto Roberto Collovä
Unten: Der Wasserturm auf dem
Bibliotheksgelände.
Foto Roberto Collovä
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Schon wenige Tage nach dem
Brand im August 1988 fällte der
Lissaboner Bürgermeister eine
überraschende Entscheidung, die
allen Spekulationen zuvorkam:
Er beauftragte Alvaro Siza
mit dem Wiederaufbau des histo¬
rischen Quartiers - für Sizas
Anerkennung in Portugal der bis¬
her entscheidendste Auftrag. 18
Gebäude waren durch den Brand
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zerstört worden, darunter das
Kaufhaus Grandella und
der Armazems do Chiado, ein
Klostergebäude aus dem
18. Jahrhundert, genutzt als Verwaltungs- und Handelszentrum.
Der vorherrschende pombalinische Haustypus im Chiado zeich¬
nete sich durch architektonische
Strenge und Klarheit aus. Siza
respektiert die alten Strukturen
und schlägt ein Raster aus Stahl¬
beton vor, das die Lebendigkeit
des Viertels und den noch vor¬
handenen historischen Bestand
so weit wie möglich erhält:
«Es gibt nichts, was die Arbeit
der Zeit ersetzt. Das, was die Zeit
allein hervorbringt, können
wir nicht entwerfen.» Gleichzeitig
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lässt diese Struktur genügend
Freiraum, um auch Probleme zu
lösen, die sich in einer Stadt
heute stellen. Die Lage der Trep¬
pen und Aufzüge, die Gebäude¬
höhen und -tiefen werden durch
das Raster bestimmt. Die Sanie¬
rung der Innenhöfe und die
Reduktion der Gebäudetiefen im
Vergleich zu früher schaffen eben¬
falls gute Voraussetzungen für
eine gemischte Nutzung. Die
beiden untersten Geschosse sind
für Geschäfte vorgesehen; die
mittleren Stockwerke sollen als
Büros genutzt werden. Die ober¬
sten zwei Etagen sind als Wohn¬
raum geplant. Den definitiven
Ausbau überlässt Siza den Eigen¬
tümern. Ein Fussweg, der auf Plä¬
nen aus der Zeit vor dem Brand
von 1755 verzeichnet ist, führt
nun wieder durch den Chiado zur
zweihundert Jahre alten Kirchen¬
ruine do Carmo; Plattformen,
Wege, Treppen, Rampen und
Durchblicke betonen die Höhen¬
unterschiede. Durch eine
U-Bahn-Station im Chiado ist das
Viertel an die Metro angeschlos¬
sen. Sizas Masterplan ist zurück¬
haltend und behauptet in extre¬
mer Form das Archäologische
seiner Architektur: «Es gibt nichts
Neues zu erfinden, alles ist erneut
zu erfinden.» (Luigi Snozzi)
Oben: Ansicht einer Fassade und
eines Innenhofs nach dem Wieder¬
aufbau. Mitte: Strassenzug vor dem
Brand. Fotos Studio Siza
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