Alvaro Siza : acht Arbeiten Autor(en): [s.n.] Objekttyp: Article Zeitschrift: Du : die Zeitschrift der Kultur Band (Jahr): 57 (1997) Heft 4: Santiago de Compostela, Galicia & der Architekt Alvaro Siza PDF erstellt am: 20.08.2017 Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-299658 Nutzungsbedingungen Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die auf der Plattform e-periodica veröffentlichten Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungsbedingungen und den korrekten Herkunftsbezeichnungen weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print- und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. 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Die Anlage war Teil eines Gesamtplans für die Atlantikküste bei Matosinhos, nicht weit von einem ebenfalls frühen Siza-Bau, dem Restaurant Boa Nova (das wie das Schwimmbad einfühlsam auf die Topografie reagiert, aller¬ dings mit den Materialien Ziegel und Holz einerseits, mit kleingliedrigen Körpern und Kaminen als Strukturelementen andrerseits noch stark regional ge¬ prägt ist). Wer dem Ufer entlangfährt, wird das Schwimmbad kaum be¬ merken, denn es liegt tiefer als die Strasse. Eine Rampe führt zum Eingang hinunter, zu den Umkleidekabinen, in ein Labyrinth von längs zur Küste verlau¬ fenden unbehandelten Betonwänden, durch das der Besucher gehen muss: Hier, hin¬ ter diesen Mauern, ist das Meer nur zu hören, im letzten Moment erst gibt Siza den Blick auf den 59 Atlantik frei. Die Qualität des Ent¬ wurfes liegt in der radikalen Wenigkeit: Alle Elemente, die bei¬ den Schwimmbecken, Terrassen, Treppen, Mauern, Wege, Um¬ kleidekabinen, eine Bar, werden als minimale bauliche Ergänzun¬ gen in das natürliche Felsmassiv gebettet. Siza spielt mit der Spannung zwi¬ schen Architektur und Natur, Geometrie und Topografie: Die Felsen laufen in die streng angelegten Becken, die Beton¬ mauern werfen ihre präzisen Schatten auf die Felsen, der glatte Wasserspiegel kontrastiert zu den Wellen des Meeres. «Die Architektur agiert als Transitbereich... Die natürliche Situation wird von Siza durch die von Menschen hergestellten Mittel, durch die abstrakten geometri¬ schen Linien der Architektur intensi¬ viert.» (Peter Testa) ¦ Ähnlich wie bei Projekten in der Landschaft geht Siza auch im städtischen Kontext vor; ein neues Element wird in die vor¬ gegebene Textur eingefügt und behauptet sich selbstbewusst, ohne das Umfeld zu ersticken. Das Bankgebäude Pinto & Sotto Mayor liegt an der Hauptstrasse des Ortes, an einem Platz, der zwei Ebenen der Stadt miteinan¬ der verbindet. Siza inszeniert ein raffiniertes Spiel mit Geometrien wie bei anderen kleineren Bauten, die Ende der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre entstehen: dem Haus des Bruders in Santo Tirso und der Bankfiliale von Borges & Irmäo in Vila do Conde. Die komplexen Raumstrukturen sind jedoch nie willkürlich, sondern immer in bezug auf die Umgebung konstruiert. In Oliveira de Azemeis definieren drei über- - Oben: Gesamt¬ ansicht der Badeanlage; im Hintergrund die Hafenanlagen von Matosinhos. Foto Luis Ferreira Alves Mitte und unten: Bar und Restaurant. Detail des Kabinenbereichs. Fotos Roberto Collovà o* — ^y W ZJ XAM%.fät s einander liegende Kurven drei Geschossebenen, die sich nach oben zurückstaffeln, um das benachbarte Gebäude aus dem 18. Jahrhundert nicht in den Hintergrund zu drängen, und von der Nachbarfassade aus gehen die Höhenlinien auf die kurvige Bankfassade über. Sizas Bau ist transparent: durch die gläserne Fassade, die einen deutlichen Kontrast zu den geschlossenen Bauformen der Umgebung bildet; durch die ineinander greifenden Räume, die den Eindruck eines weiten Innenraumes ohne Begrenzungen entstehen lassen. Die Sichtverbindungen von innen nach aussen und umgekehrt, von einer Ebene zur andern sind genau abgezirkelte Antworten auf Bewegungsabläufe im Gebäude und um das Gebäude herum, auf Höhen und Volumen in der Umgebung. Siza reagiert so auf die Stadt und baut die Vielfalt und die daraus entstehende Spannung programmatisch weiter. Oben: Die gekurvte Glas¬ fassade öffnet das Bankgebäude zu einem Platz hin. Foto Luis Ferreira Alves Unten: Die Grundrisse der Bankfiliale (oben) und des Hauses von Carlos Antonio Siza in Santo Tirso weisen eine ähnlich komplexe Geometrie auf. WOHNSIEDLUNG «QUINTA DA MALAGUEIRA» ÉVORA, PORTUGAL. SEIT 1977 STADTERNEUERUNG SCHLESISCHES TOR BERLIN-KREUZBERG, DEUTSCHLAND. 1980-1988 .r (J ri l!.Ur »Hit. s«uiïî "-Min" III li linn....:1! m III! -'uituiïuïïï ill I!I ULI I Ml I is il 1)1 sir 1 .¦.*;,;. Nach der Nelkenrevolution 1973 hatte Siza in Porto Gelegenheit, nicht nur mit einzelnen Bauten in die Stadtstruktur einzugreifen, sondern ganze Siedlungen zu planen: mit den subventionierten SAAL-Siedlungen Säo Victor und Bouga. Siza wehrt sich gegen die anonymen Grossprojekte und zeigt vor allem mit Säo Victor, wie subtil er mit dem bestehenden Ort spielt: Die vorhandenen Rui¬ nen werden integriert, Geschichte und Gegenwart miteinander verbunden. Heute sind die Sied¬ lungen, die in ihrer formalen Strenge einen Kontrast zu den spielerischen Entwürfen der Ein¬ zelprojekte bilden, teilweise zerstört, teilweise in einem deso¬ laten Zustand. Tf Die Erfahrungen mit dem sozialen Wohnungsbau kamen Siza in Évora zugute. 1977 erhielt er den Auftrag für eine grossflächige Siedlung. 1200 Wohneinheiten sind inzwischen realisiert worden, öffentliche Gebäude sind noch in Planung oder zur Zeit im Bau. Da die finanziellen Mit¬ tel äusserst begrenzt waren, entwickelte Siza einen Patio-Haustyp, dessen Grundriss für Zwei- bis Fünf¬ zimmerwohnungen bei immer gleichem Land¬ verbrauch geeignet ist; je nach Ausnutzung •—I—*"• ~j «. '.¦_j_ ir ti il wechseln sich Höfe, also Leer¬ räume, und Quader ab. Jeweils zwei Häuser stehen Rücken an Rücken in das leicht geneigte Gelände eingepasst. So vermeidet Siza trotz der häufigen Wieder¬ holung einzelner Elemente ein monotones Stadtbild. Die Anbindung an die historische Stadt¬ struktur erfolgt durch einen hoch¬ liegenden Installationskanal: Er zitiert das bestehende Aquädukt der Altstadt. Der billige Betonstein kontrastiert das blendende Weiss des Zeilenbaus. Die oberirdische Leitungsführung gibt der neuen, kleinteiligen Siedlung darüber hin¬ aus eine übergeordnete Struktur. Oben: Sicht auf die Zeilen¬ bauten von Malagueira; im Vordergrund der Installa¬ tionskanal. Oben rechts: Das römische Aquädukt im Zentrum von Évora. Fotos Roberto Collovà. Patio-Haustyp. Fotos Studio Siza. Links und Mitte: In Quartier Säo Victor wurden die bestehenden Ruinen zu organischen Bestandteilen der neuen Architektur. Fotos Luis Ferreira Alves und Roberto Collovà. è t ÈÈ r ^ f •%. r Ir ?* r r. r rr f r Bereits an zwei Wettbewerben für Berlin hatte Siza teilgenommen seine Vorschläge für die Bebau¬ ung des Fränkelufers (inzwischen war Siza vor allem für seine Wohnungsbauten bekannt) und das Görlitzer Bad waren heftig diskutiert worden. Das dritte Projekt, die Bebauung am Schle¬ sischen Tor: ein ge¬ schwungener Eckbau, ein Kindergarten und ein Altenklub, konnte nun, allerdings gegen heftigen Widerstand von Berlins Bürokratie und mit gravierenden Einschränkungen, durchgesetzt werden. Siza weigerte sich, zur reinen Verschönerung der Strassenfluchten die Lücken zu schlies¬ sen, Kleingewerbe und Ateliers aus den Innenhöfen zu vertreiben. Statt dessen unterstützt er, wie bereits bei seinem Vorschlag für das Fränkelufer, die Öffnung der Höfe zur Strasse und die Viel¬ schichtigkeit des Quartiers: Die gemischte Nutzung betont er mit den beiden kleinen Gebäuden für Kinder und Senioren; Brand¬ mauern und Relikte aus der Nach kriegszeit werden integriert. Der geschwungene und trotzdem massive Wohnblock sollte ursprünglich als Backsteinbau auf m mm f» m ¦¦ der vorhandenen eingeschossigen Ladenzeile errichtet werden, mit unterschiedlichen Fenstergrössen und Glasbändern, die den Bau optisch mit den Nachbargebäu¬ den verbunden hätten. Realisier¬ bar war jedoch nur eine (grau) ver¬ putzte Fassade mit monotonen Fenster¬ reihen. Ausserdem wurde das Raummass des Berliner Mietshauses auf das heutige «Normal'in "*ij mass» reduziert - ein Geschoss mehr bei 'Mil,,, gleicher Gebäude¬ höhe -, und aus vier Wohnungen pro Stock wurden sieben. Bonjour tristesse tauften die Berliner Sprayer, ein wenig zweideutig, das Gebäude. Denn die Bewe¬ gung der Fassade wirkt gegen die erzwungene Eintönigkeit; der Schwung löst die kasernenartige Tristesse in einer plastischen Lebendigkeit auf und durchbricht die rigide Perspektive der Berliner Strassenflucht. iS Oben: Vorder- und Rückansicht des Wohnblocks «Schlesisches Tor». Fotos Uwe Rau (ganz oben) und Studio Siza. Mitte: Ansicht von der Falkensteinstrasse; die Öffnung zum Innenhof ist als Spalt in der Häuserzeile sichtbar. 60 ZWEI HÄUSER UND GESCHÄFTE IM «VAN DER VENNE»-PARK DEN HAAG, HOLLAND. 1986-1988 ARCHITEKTURFAKULTÄT DER UNIVERSITÄT PORTO PORTO, PORTUGAL. SEIT 1985 .¦**.- ¦ itllttint; ^ »* V An einem Hang mit Blick auf das Douro-Tal liegen die Gebäude der der Park; der Eingang jedoch befindet sich auf einem erhöhten Treppenabsatz. Siza nimmt in diesem Entwurf Bezug auf die holländische Moderne: Der da¬ malige Konflikt zwischen der Amsterdamer Schule und den Die beiden Häuser an der Van der Venne straat im Sanierungs¬ gebiet Schilderswijk liegen in einem offenen Dreieck über dem Eingang zu einer Tiefgarage, am Rande eines Parks. Während Siza bei den 106 Sozialwohnungen von Schilderswijk eine schmale Wohneinheit neben die andere setzt, die Fensterreihen gleichför¬ mig konzipiert und eine Haustür der andern gegenübersetzt, sieht dieses kleine Gebäude aus wie eine Verschachtelung zweier voll¬ kommen unterschiedlicher Körper. Ein Teil der Räume liegt tiefer als ..-ssa :"".: Funktionalisten wird in einem Dialog spielerisch thematisiert ein Haus ist rot, mit Ziegeln ge¬ baut, das andere weiss verputzt; der eine Bau ist plastisch-orga¬ nisch, der andere rational kubisch; der eine macht einen geschlos¬ senen Eindruck, der andere ist offen, mit viel Glas und Terrassen. HÌS: '.""'¦.' Oben: Die beiden Häuser setzen den Schlusspunkt des Parks zur Strasse hin. Foto José Rodrigues Mitte: Durchgang und Eingang zu einem der Geschäfte. Foto Roberto Collovä Unten: Treppe zum höher gelegenen Eingangsbereich. Foto Roberto Collovä Architekturtakultät Porto. Bereits 1985 hatte Siza am äusseren Rand des Gartens der alten Villa Quinta da Póvoa den trapezförmi¬ gen Pavillon Carlos Pamos ge¬ baut. Drei miteinander verbun¬ dene Atelierräume auf jedem Geschoss öff¬ nen sich zum Innenhof und zum Garten mit dem alten Baumbe¬ stand. Weisse, beinahe fensterlose Mauern schirmen das Gebäude gegen die Strasse ab. Der Eingang, früher nur durch den Park er¬ reichbar, bildet nun eine Verbindung zu den tiefer gelegenen neuen Fakultätsgebäuden. Zwei unterschiedliche Raumsequenzen umschliessen einen zentralen Hof. Der nördliche Flügel riegelt das Areal mit Verwaltungsräumen, Hörsälen, Archiven, einer Biblio¬ thek und einem halbkreisförmigen Ausstellungsraum (der vage an das Guggenheim-Museum in New York erinnert) gegen die Schnell¬ strasse ab. Im Süden sind vier ku¬ bische weisse Türme, typengleich, aber mit verschiedenen Gesich¬ tern (von, wie manche sagen, Sizas Kollegen), frech auf der Hangkante plaziert; sie nehmen die Fluchtlinie der Villa wieder auf. Hier sind die Büros der Lehrenden und die Zeichensäle unterge¬ bracht. Die einzelnen Gebäude¬ trakte sind durch einen langen, nach Süden vergla¬ sten Korridor mitein¬ ander verbunden, der drei Meter unter dem Niveau des zentralen Campus liegt. Diese Öffnungen und die unregelmässig ange¬ ordneten Fenster geben immer andere Ausblicke auf den Fluss und das ge¬ genüberliegende Ufer frei. Der Hauptein¬ gang der Fakultät liegt im Westen. Ein kubisches Wächterhäuschen schliesst das Projekt ab - als Kontrapunkt zur Villa wie diese (innen) rot gestrichen. «Die Archi¬ tekturfakultät ist als städtische Konfiguration exemplarisch für die Art und Weise, in der Siza auf neue Programme und Randlagen reagiert. Den Menschen bleibt es überlassen, diese Systeme, die weder bestimmt noch bestim¬ mend sind, zu werten und nutzbar zu machen.» (Peter Testa) Oben: Sicht auf die Architektur¬ fakultät vom gegenüberliegenden Flussufer aus. Foto Studio Siza Oben links: Eingang zum Pavillon «Carlos Ramos». Foto Roberto Collovä Rechts: Eingangsbereich des Nordflügels. Foto Studio Siza Mitte: Blick auf einen der Atelier-Türme von der Terrasse des Restaurants im Nordflügel. Foto Studio Siza Unten: Treppenaufgang im Nord¬ flügel. Foto Roberto Collovä 61 WASSERSPEICHER UND UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK AVEIRO, PORTUGAL. 1988-1995 WIEDERAUFBAU DES CHIADO LISSABON, PORTUGAL. SEIT 1988 :: 1 ¦ - ¦- I I I 1 In Aveiro hat Siza mit seiner ab¬ strakten Interpretation eines Wasserspeichers das Universi¬ tätsgelände geprägt. Zwei unter¬ schiedliche Elemente tragen den grauen kubischen Wassertank: eine gerippte, 15 Zentimeter dünne Mauer und ein Zylinder. Die Stützen sind mit zwei rost¬ freien Stahlbändern verklammert. Die beinahe filigrane Konstruktion aus Stahlbeton steht über einem flachen Wasserbecken. Die Bibliothek spielt eine zentrale Rolle auf dem Universitätscampus von Aveiro, an dessen Planung die wichtigsten portugiesischen Architekten beteiligt waren. Sie ist konzipiert als introvertierte Bücher- und Lesemaschine: Die Lesetische sind die Grundeinheit des Gebäudes, von Regal-Ele¬ menten umgeben, die halbauto¬ nome Räume schaffen. Das Licht in den Lesesälen ist natürlich: Ko¬ nische Oberlichter, durch die das Licht aufgrund der offenen Innen¬ struktur in alle Stockwerke fällt, sorgen ebenso für gleichmässige indirekte Ausleuchtung wie die freistehende, geschwungene Wand an der Westseite. Ein lan¬ ger, horizontaler Schnitt in der Wand lenkt im dritten Stock den Blick auf die Salzsümpfe; der Ausblick auf ein hässliches Gebäude in der näheren Um¬ gebung dagegen wird durch eine kühn im rechten Winkel ausbre¬ chende Betonmauer verhindert, die das Gebäude stark prägt und einen scharfen Gegensatz zur weichen Welle der Westwand bildet. Oben: Sicht auf die geschwungene Westfassade der Bibliothek. Foto Roberto Collovä Unten: Der Wasserturm auf dem Bibliotheksgelände. Foto Roberto Collovä .—— ¦ IB w w*ui ¦"— ¦fiiti rïïm I L:_ A BI À M - j j ta K ¦BB¦ - $ BB Schon wenige Tage nach dem Brand im August 1988 fällte der Lissaboner Bürgermeister eine überraschende Entscheidung, die allen Spekulationen zuvorkam: Er beauftragte Alvaro Siza mit dem Wiederaufbau des histo¬ rischen Quartiers - für Sizas Anerkennung in Portugal der bis¬ her entscheidendste Auftrag. 18 Gebäude waren durch den Brand iW>M V, Ea zerstört worden, darunter das Kaufhaus Grandella und der Armazems do Chiado, ein Klostergebäude aus dem 18. Jahrhundert, genutzt als Verwaltungs- und Handelszentrum. Der vorherrschende pombalinische Haustypus im Chiado zeich¬ nete sich durch architektonische Strenge und Klarheit aus. Siza respektiert die alten Strukturen und schlägt ein Raster aus Stahl¬ beton vor, das die Lebendigkeit des Viertels und den noch vor¬ handenen historischen Bestand so weit wie möglich erhält: «Es gibt nichts, was die Arbeit der Zeit ersetzt. Das, was die Zeit allein hervorbringt, können wir nicht entwerfen.» Gleichzeitig 62 r*</& kl 1 i' ¦¦ I ictn IS BL I LIM lässt diese Struktur genügend Freiraum, um auch Probleme zu lösen, die sich in einer Stadt heute stellen. Die Lage der Trep¬ pen und Aufzüge, die Gebäude¬ höhen und -tiefen werden durch das Raster bestimmt. Die Sanie¬ rung der Innenhöfe und die Reduktion der Gebäudetiefen im Vergleich zu früher schaffen eben¬ falls gute Voraussetzungen für eine gemischte Nutzung. Die beiden untersten Geschosse sind für Geschäfte vorgesehen; die mittleren Stockwerke sollen als Büros genutzt werden. Die ober¬ sten zwei Etagen sind als Wohn¬ raum geplant. Den definitiven Ausbau überlässt Siza den Eigen¬ tümern. Ein Fussweg, der auf Plä¬ nen aus der Zeit vor dem Brand von 1755 verzeichnet ist, führt nun wieder durch den Chiado zur zweihundert Jahre alten Kirchen¬ ruine do Carmo; Plattformen, Wege, Treppen, Rampen und Durchblicke betonen die Höhen¬ unterschiede. Durch eine U-Bahn-Station im Chiado ist das Viertel an die Metro angeschlos¬ sen. Sizas Masterplan ist zurück¬ haltend und behauptet in extre¬ mer Form das Archäologische seiner Architektur: «Es gibt nichts Neues zu erfinden, alles ist erneut zu erfinden.» (Luigi Snozzi) Oben: Ansicht einer Fassade und eines Innenhofs nach dem Wieder¬ aufbau. Mitte: Strassenzug vor dem Brand. Fotos Studio Siza