Wie ein Rathausplatz mit den Bürgern neu gestaltet

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Die Bürger in Seckenheim debattieren darüber, wie der Rathausplatz künftig aussehen soll, wieviel Parkplätze notwendig sind und
welcher Raum für Veranstaltungen benötigt wird. FOTO: STADT MANNHEIM
Projekt 25: Seckenheim
Kategorie 3
Wie ein Rathausplatz
mit den Bürgern neu
gestaltet wird
Der Rathausplatz des Mannheimer Stadtteils Seckenheim wurde in einem langen Planungsprozess neu konzipiert. Die konsequente Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger führte zu einem von allen Seiten anerkannten Ergebnis.
Von Harald Raab
MANNHEIM. Das unverwechselbare Gesicht einer Stadt wird nicht allein von seinem Zentrum geprägt. Es
kommt auch auf die Stadtteile an,
die weniger von auswärtigen Besuchern gesehen werden. Das gilt besonders für die Stadt Mannheim. Zu
ihr kam im Laufe der Geschichte
eine Reihe einst selbständiger Gemeinden mit eigenem Ortskern und
spezifischem Charakter. Ein Beispiel dafür ist Seckenheim. Der Seckenheimer Rathausplatz aus dem
18. Jahrhundert mit dem denkmalgeschützten Rathaus gibt Zeugnis
von der gewachsenen Struktur dieses Stadtteils.
Bürger haben ihre Wünsche
in Workshops eingebracht
Deshalb war es der Stadtverwaltung
wichtig, dass die Neugestaltung des
Rathausplatzes nur im Einvernehmen mit den Bürgern erfolgen konnte. Baubürgermeister Lothar Quast
war dies ein besonderes Anliegen:
„Mit einer intensiven Bürgerbeteiligung dauert so eine komplizierte
Baumaßnahme zwar etwas länger.
Der Entscheidungsprozess unter
Einbeziehung des Bürgervotums
hat aber zu einem allseits anerkannten Ergebnis geführt.“
Die Bürger beteiligen sich rege an
den Planungsworkshops. Dabei
kristallisierte sich in lebhaften Diskussionen heraus, welche Ansprüche die Menschen vor Ort an einen
neugestalteten Platz haben. Die
Bürgerwünsche und -einwände befassten sich damit, wie das Ortszentrum belebt werden kann, wie – trotz
Wegfalls einiger Parkplätze – auch
während der Bauzeit ausreichen
Parkraum zur Verfügung gestellt
werden kann und wie die Zufahrt für
Anlieger gestaltet wird. Weitere Themen waren die Verschiebung der
Straßenbahnhaltestelle,
Belange
von Fahrradfahrern. Außerdem
wollten die Bürger den Platz vor dem
Rathaus für Veranstaltungen offen
halten. Zugleich sollte er barrierefrei
gestaltet werden.
Von Seiten der Planungsverantwortlichen wurde bedauert, dass
durch verkehrstechnische Anlagen
den gestalterischen Wünschen
Grenzen gesetzt seien. Drei Gestaltungsentwürfe waren den Bürgern
in einem ersten Workshop zur Entscheidung vorgelegt worden. Favorisiert wurde der Planungsvorschlag
eines Büros aus Karlsruhe. Den Beteiligten des Workshops imponierte
die gestalterische Qualität des Gesamteindrucks des Platzes und die
Funktionalität der Verkehrsanlagen
mit einem deutlichen Akzent auf einer spürbaren Verkehrsberuhigung.
Die Anregungen der Bürger flossen in Ausarbeitung eines Entwurfs
für die Platzgestaltung ein. Es wurden auch in Zusammenarbeit mit
den Technikern des öffentlichen
Personennahverkehrs einige Varianten erstellt. Die Ergebnisse
wurden den Bürgern vorgestellt.
Permanente Rückkoppelung in die
Gremien und die Öffentlichkeit
Bei der Präsentation im November
2012 wurde von dem Planungsbüro ein neues Konzept vorgestellt:
Danach gibt es künftig zwei Platzsituationen mit einladender Aufenthaltsqualität. Ein einheitliches
Straßenpflaster sorgt dafür, dass
der Platz als zusammenhängender
Stadtraum wahrgenommen wird.
Vor dem Rathaus entsteht ein
etwa 450 Quadratmeter großer
Platz, auf dem auch Märkte stattfinden können. Der Platz wird barrierefrei angelegt, die Haltestellen
werden mit taktilen Streifen für
sehbehinderte Menschen ausgestattet. Es gibt Sitzbänke, überdachte Fahrradabstellplätze und
einige wenige Kurzzeitparkplätze.
Einbezogen in die Umgestaltung
ist auch die Hauptstraße auf einer
Länge von einem Kilometer.
In Dialogrunden wurde die optische Gestaltung des Platzes als
sehr gelungen bezeichnet. Alle
Veranstaltungen und Präsentationen wurden dokumentiert. Die
permanente Rückkoppelung in
die Gremien, in den Bezirksbeirat
und in die Öffentlichkeit gab allen
das Gefühl: Hier haben die Bürger
mit allen Planungsverantwortlichen gut zusammengearbeitet.
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