«stadt-00-frauenklinik_zweittext» (Ressort: bern / Ausgabe: st) Gedruckt von sandra.rutschi am 18.04.2013 10:08:39 Eine Beleghebamme muss kaum Werbung machen ANGEBOT Beleghebammenund Hebammengeburten sind auch in der Frauenklinik möglich. Eine werdende und eine frischgebackene Mutter erzählen von ihren Erfahrungen. Zwei Beleghebammen gehen in die Frauenklinik des Inselspitals mit ihren Kundinnen, die dort gebären. Beide haben sie zuvor als Hebammen in der Frauenklinik gearbeitet, sie kennen das Team und die Abläufe. Marielle Camara, die ihre Praxis im emmentalischen Gohl hat, arbeitet seit Februar 2012 als Beleghebamme der Frauenklinik. «Zu Beginn hatte ich ein wenig Bedenken, ob ich genügend ausgelastet sein würde», erzählt die 28-Jährige. Doch sie merkte bald, dass der Bedarf gross ist. Letztes Jahr hat sie 43 Geburten durch- geführt, und nächsten September zum Beispiel ist sie bereits voll ausgelastet. «Ich muss gar keine Werbung machen, die Frauen finden mich einfach», sagt sie. Vorurteile spüre sie manchmal schon. Gerade im Emmental fänden die Frauen häufig, in die Frauenklinik gehe man nur im Notfall. Marielle Camara arbeitet daran, dieses Image zu ändern. Auf Knopfdruck ist der Arzt da An der Frauenklinik schätzt sie die grossen Freiheiten, die sie als Beleghebamme hat. «Es gibt hier keine Belegärzte, sondern einzig Dienstärztinnen. So ist es möglich, die reine Hebammenarbeit eigenverantwortlich durchzuführen. Und wenn einmal etwas ist, brauche ich nur einen Knopf zu drücken, und ein Facharzt für Geburtshilfe steht neben mir, falls nötig auch ein spezialisierter Kinderarzt», sagt sie. Schon vor der Geburt begleitet Eine werdende Mutter, die Marielle Camara gefunden hat, ist Susan Gerber. Am 22. April hat die 33-Jährige, die selber Ärztin ist, den Geburtstermin für ihr erstes Kind. Eine ihrer Freundinnen ist Hebamme und hat ihr Marielle Camara empfohlen, nachdem Susan Gerber in einem Buch von dieser Möglichkeit des Gebärens erfahren hatte. Die Idee, dass die werdende Mutter ihre Hebamme schon vor der Geburt kennen lernt, überzeugte Susan Gerber. «Es ist im Raum Bern gar nicht so einfach, eine Beleghebamme zu finden», sagt sie. Von Vorurteilen über die Frauenklinik habe sie schon gehört, aber sie erlebe das ganz anders. KAPAZITÄT «Toll ist, dass eine natürliche Geburt möglich ist, man aber trotzdem das Back-up von Ärzten hat», sagt die Stadtbernerin. «Alles verlief sehr persönlich» Stefanie Lawrenz hat den grossen Moment bereits hinter sich. Ihre Tochter Leonie ist am 7. April geboren. Anders als Susan Gerber entschied sich Stefanie Lawrenz für eine Hebammengeburt – auch, weil sie kurz vor dem Termin von Zürich nach Münchenbuchsee zog. Sie versprach sich von dieser Art der Geburt möglichst viel Ruhe und möglichst wenig Leute im Raum. «Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, bloss eine Nummer zu sein. Alles verlief sehr persönlich», sagt die frischgebackene Mutter. So habe sie zum Beispiel jene Hebamme in Empfang ge- «Ich hatte in der Frauenklinik überhaupt nicht das Gefühl, bloss eine Nummer zu sein.» Stefanie Lawrenz mit Leonie «Das Tolle an der Frauenklinik ist, dass eine natürliche Geburt möglich ist, man aber trotzdem das Back-up von Ärzten hat.» Die werdende Mutter Susan Gerber (rechts sitzend) mit ihrer Beleghebamme Marielle Camara nommen, die sie bereits am Telefon hatte, als es losging. Dazwischen habe es zwar mal einen Schichtwechsel gegeben, aber das sei ja normal. Alles an einem Ort zentriert Praktisch an der Frauenklinik sei, dass alles an einem Ort zen- In der Frauenklinik des Inselspitals sind letztes Jahr 1454 Kinder zur Welt gekommen – so viele wie seit 32 Jahren nicht mehr. Chefarzt Daniel Surbek erwartet einen weiteren Anstieg der Geburtenzahl, auch in Anbetracht der Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Riggisberg. 18 Gynäkologinnen und Gynäkologen, 35 Hebammen und zwei Beleghebammen arbeiten in der Geburtenstation der Frauenklinik. Laut Surbek hat die Klinik heute räumliche Kapazität, um 300 Geburten mehr im Jahr durchzuführen. Bei einem weiteren Anstieg aber wäre ein Ausbau nötig. Beispielsweise im zurzeit anderweitig genutzten Stockwerk D der Frauenklinik. sar triert sei, sagt die 32-jährige Personalfachfrau. So habe sie nicht zuerst noch lange eine Frauenärztin suchen müssen, als sie hochschwanger umgezogen sei. Sandra Rutschi