Schnieper Architekten: ArchitekturCumulus

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ArchitekturCumulus
Landschaft | Treppe | Dach…
20. August 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Eine Architekturikone, die mit unseren Sehgewohnheiten spielt, ist die Villa Malaparte aus dem Jahre
1942 südlich von Neapel auf Capri. Das Haus hat sich in meinem Kopf als Bild fest eingebrannt.
Ich besuchte 1993-1994 als Gast neben meinem eigentlichen Architekturstudium in Horw die
legendären Vorlesungen von René Furer im Fach Architekturtheorie an der ETH Zürich auf
dem Hönggerberg. Die «Furer-Show» mit den zwei grossen Dia-Projektoren und seinen witzigen &
bissigen Kommentaren zu den gezeigten Fotos – die unzähligen gezeigten Fotos hat er alle selber
gemacht – war für mich als junger Architekturstudent eindrücklich.
Casa Malaparte: Filmscene aus «Le Mépris»
von Jean-Luc Godard 1962
Irgendwann tauchte auch die Casa Malaparte in der Diashow-Vorlesung auf. Ich kannte die Villa bis zu
diesem Zeitpunkt nicht, und Furer dozierte in seiner ruhigen und trockenen Art über diese
Architekturikone. Ich wurde wie vom Biltz getroffen, Landschaft und Architektur in einer so
spannungsvollen Weise zu sehen. Das blaue Meer, die grauen Felsen, die grünen Sträucher und die
rote Villa.
Die Villa zeichnet sich architektonisch durch ihre fünfte Fassade aus, die durch zwei Elemente geprägt
ist: eine trapezförmige Treppe, die aussieht wie eine Felsrippe, sowie eine rechteckige Dachterrasse,
welche sich geradezu als UFO-Landeplatz anbietet. Die Dachterrasse wie auch die Treppe sind ohne
Brüstung oder Geländer ausgeführt: Einzig ein backsteinbreites Sockelrelief, das den Übergang
zwischen Horizontale und Vertikale subtil definiert, macht auf den drohenden Abgrund aufmerksam.
Fehltritte können lebensgefährlich sein, Spannung pur! Die Horizontale der Terrasse wird nur durch eine
organisch geformte, weisse Mauer, welche sich Richtung Meer öffnet, räumlich gegliedert.
Bei der Casa Malaparte wurde mir innerhalb eines Bruchteil einer Sekunde klar, was die fünfte Fassade
für eine Bedeutung haben kann… landschaftlich wie auch architektonisch!
Tipps

Casa Malaparte (Video 2:32 Min.)

Trailer «Le Mépris»: Jean-Luc Godard 1962

NZZ 12. Mai 2012: Bildersammler und Architekturjäger – Zum 80. Geburtstag des
Architekturtheoretikers R. Furer

Edition Hochparterre: Landschaften – Eine Architekturtheorie in Bildern von René Furer
Architektur-Selfie :)
14. Juli 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Housing, The Mountain, 8 Tallet, The Tietgen Students‘ Residence und Royal Danish Playhouse.
Unser diesjähriger Büroausflug führte uns – Ursi Bünter, Stanislava Janjic sowie mich – nach
Kopenhagen. Siehe auch letzter Post vom 23. Juni 2017: «Die Erleuchteten».
Im Zeitalter von Internet ist es schon lange nicht mehr nötig, die besuchten Gebäude selber zu
fotografieren. Auf dem Web sind meist viele, sehr gute Fotos von den besichtigten Architektur-Perlen zu
finden.
Zwei Ausnahme gibt es jedoch immer noch: Wenn ich nicht nur die Schokoladenseite einer Baute
dokumentiert haben will, muss ich oft selber zur Kamera greifen – wie zum Beispiel beim
Olympiastadion in Beijing, das ich nach den Spielen besucht habe (vgl. Post «Ikonenarchitektur» vom
18. Mai 2010), oder wenn alle guten Architektur-Fotografien eines Gebäudes urheberechtlich geschützt
sind und ich Bilder brauche für meinen Architektur-Blog «ArchitekturCumulus».
Seit unserem letzten Büroausflug hat sich für mich eine weitere, sehr interessante Form der ArchitekurFotografie herausgebildet: das «Architektur-Selfie» – eine lustige und persönliche Dokumentarform
von Architektur. Das «Architektur-Selfie» steht diametral zur seriösen Architektur-Fotografie. Wir
Architekten nehmen uns oft zu ernst, wollen überlegt und nachdenklich sein und vergessen dabei das
Leben und die Menschen in der Architektur-Fotografie.
Die Schweizer Architekturzeitschrift «Werk, Bauen + Wohnen» nahm sich in der Ausgabe Nr. 5 – 2017
unter dem Titel «Starke Bilder» dem Thema Architektur und Fotografie an. Die häufig zu sterile und
menschenleere Architektur-Fotografie wird zu recht kritisiert. Menschen sollten doch dann und wann
mal, auch auf einer »seriösen« Architektur-Fotografie, möglichst ungestellt vorkommen – eventuell
sogar mit einem Lachen…
Das «Architektur-Selfie» hat uns immer wieder spontan zum Lachen gebracht, neue Perspektiven auf
die Sicht der besuchten Bauten eröffnet und so sofort einen festen Platz in unserem vollen ArchitekturReiseprogramm eingenommen :).
Tipps:

SRF 21. Juli 2017: Warum ungefilterte Bilder Instagram erobern

I took a selfie a day during the last month of my Architecture degree
Die Erleuchteten…
23. Juni 2017 von Stanislava Janjic | 4 Kommentare
Mit den besten Wettervoraussetzungen und einem ambitionierten Programm im Handgepäck, startete
unser Büroausflug letzte Woche in der Hauptstadt Dänemarks. Kaum aus dem Hauptbahnhof von
Kopenhagen hinaus, fuhren uns schon die ersten Radfahrer vor die Nase. In der nachhaltigen
Millionenstadt wimmelt es nur so von Fahrrädern, vereinzelt sah man auch Elektroautos auf den
Strassen. Trotz des vielen Verkehrs gehören die Dänen mit ihrer wohlorganisierten Gemütlichkeit zu
den glücklichsten Menschen der Welt.
Leuchten im Café Granola – Stadtteil Vesterbro
Vier Tage lang machten wir es uns zur Aufgabe, die schönsten Orte, Denkmäler und sehenswerteste
zeitgenössische Architektur der skandinavischen Metropole zu entdecken. 70 Kilometer zu Fuss und 40
Kilometer auf dem Fahrrad legten wir schlussendlich zurück. Wir stärkten uns morgens in kleinen, aber
feinen Lokalitäten wie das Granola, Parterre und Mad & Kaffe. Abends belohnten wir uns in
designbewussten Feinschmecker-Restaurants wie im Pony und Radio. Wir liessen uns auch von
Einheimischen Restaurants empfehlen, und so landeten wir im ehemaligen Metzgerviertel, welches über
70 Jahre lang das Zentrum der Lebensmittelindustrie in Kopenhagen war. Der «Meatpacking District» ist
seit 2007 im städtebaulichen Wandel und ist in der Zwischenzeit zu einem der angesagtesten
Kopenhagener Ausgehviertel geworden.
Haus des Gründers des Louisiana Museums Knud W. Jansen, heute Teil des Museums. Skulpturen von
Jean Arp: Stacked Bowls (vorne), Vénus de Meudon (hinten).
Das Louisiana Museum für Moderne Kunst liegt 35 Kilometer nördlich
ausserhalb des Stadtzentrums und ist von internationalem Rang. Neben der beeindruckenden
Sammlung des Museums hatten wir das Glück, die Künstlerin Marina Abramovic bei der Eröffnung ihrer
Ausstellung «The Cleaner» zu sehen. Eine Ausstellung, in der sie ihre für sie bedeutendste Werke
präsentiert und ihr bisheriges Lebenswerk reflektiert. Faszinierend am Museum ist vor allem das
Zusammenspiel zwischen Architektur und der Umgebung. Der Ort bietet auch einen wunderschönen
Ausblick auf das Meer und die gegenüber liegende schwedische Küste. Im Museumsgarten kann man
zwischen Kunst und Natur köstlichen Kaffee und Kuchen geniessen.
Beim Gebäude «8 Tallet» von BIG im Gebiet
Ørestad, sind die Wohnungen teilweise mit Rampen erschlossen und so mit dem Fahrad erreichbar.
Den letzten Tag unseres Architekturausfluges beendeten wir mit einer Velotour durch das Gebiet
Ørestad. Das ehemalige militärische Übungsgelände, welches seit Beginn der Neunzigerjahre nach
einem Masterplan umgebaut wird, soll zu einem neuen Stadtteil werden. Es besteht bereits heute aus
Tausenden von Wohnungen, Arbeitsplätzen, einer Universität und diversen Kultureinrichtungen. Die
bereits feriggestellten Gebäude, welche von bekannten dänischen Architekturbüros wie BIG, C. F.
Møller, Lundgaard & Tranberg geplant wurden, zeichnen sich durch expressive und experimentelle
Baukunst aus, die ökologisch und zugleich ausdrucksstark ist. Auch scheint dort das Einbeziehen der
Umgebung in das architektonische Konzept Pflicht.
Was mich in Kopehagen am meisten beeindruckt hat, ist das skandinavische Designbewusstsein, das
sich für mich vor allem bei den Leuchten gezeigt hat. Für mich stellte sich die Fragen, wie dieses Flair
für schöne Leuchtkörper entstanden ist. Ob die Inspiration von den langen Winternächten herkommt
oder es einfach daran liegt, dass die Dänen ein erleuchtetes Volk sind?
Tipp:

Reiseprogramm Büroausflug Schnieper Architekten 15.-18. Juni 2017 (PDF 9 MB)
Webseite 2.1 – ein kleines grosses Update!
18. Mai 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Seit dem letzten Webseiten-Update im Juni 2015 ist es nun auch schon fast zwei Jahre her. Dieses Jahr
habe ich mich entschieden, das Adaptive Layout der Webseite mit einem zusätzlichen Breakpoint
(Darstellungsgrösse) zu ergänzen. Bis heute hatte die Webseite drei Breakpoints:
Smartphone: 0 bis 767 Pixel seit 2015
Tablet: 768 – 990 Pixel seit 2015
Desktop 1: 991 – 1195 Pixel seit 2015
Desktop 2: 1196 – 1399 Pixel ab 2018
Desktop 3: 1400 Pixel ab 2017
Neu hat die Webseite einen vierten Breakpoint, welcher ab einer Browserfensterbreite von 1400 Pixel
sichtbar wird. Die zusätzliche Desktop-Ansicht ist um 45 Prozent grösser, was speziell für die
Darstellung von Plänen von Vorteil ist. Auch die Schrift ist um 45 Prozent grösser, was den grossen
High Rise-Bildschirmen entgegenkommt. Die neue Desktopdarstellung wird ab einer Bildschirmgrösse
von 13 Zoll unterstützt. Richtig gut zur Geltung kommt die neue grosse Darstellung auf einem 27 Zoll
iMac.
Desktopansichten im Grössenvergleich: rechts die neue Version welche um 45 % grösser ist
In Zukunft möchte ich noch einen fünften Breakpoint hinzufügen. Die dritte Desktopbreite sollte dann die
mittlere Darstellungsgrösse im Desktopbereich ab einer Breite von 1196 Pixel abdecken. Das ist jedoch,
ohne grösseren Aufwand, erst möglich mit der neuen Version 4 von Bootstrap, welche aktuell erst als
Alpha-Version zur Verfügung steht.
«Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.» Dieses Zitat von Heraklit brauchte ich für
den Blogbeitrag: Webseite 2.0 vom 24. Juni 2015, aktueller den je!
Tipps:

Skouhus & Bombell, Luzern: Was Sie bei Web-Templates beachten sollten

Skouhus & Bombell, Luzern: Schnieper Architekten
BIM, aber sofort!
19. April 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Durch die BIM-Marketingoffensive – mit
einer Flut von Inseraten in Fachzeit-Schriften, Sonderbeilagen (Content-Marketing) in Zeitungen oder
Magazinen, durch Smart Media aufbereitet und bezahlt von den CAD-Distributoren, Hochschulen und
anderen – ist das Wort BIM nun jedem Architekten ein Begriff. Jedoch für die meisten immer noch ein
Buch mit sieben Siegeln. Ich habe mich letztes Jahr relativ intensiv mit der BIM-Methode
auseinandergesetzt und bin zum Schluss gekommen, dass BIM momentan für die meisten Architekten
noch keinen Sinn macht. Siehe auch Post vom 22. Oktober 2016, BIM: Ein Fazit – Teil III.
Dass so viel Werbung für etwas gemacht werden muss, was angeblich so viele Vorteile für Bauherren,
Planer, Unternehmer und auch das Facility Management hat, ist schon bemerkenswert… Das grosse
Interesse bei den CAD-Distributoren ist darauf zurückzuführen, dass durch die BIM-Methode das
Geschäftsfeld für CAD-Programme vergrössert werden kann. Neu brauchen auch das Facility
Management oder andere am Bau beteiligten Unternehmer ein CAD-Programm, um die Möglichkeiten
von BIM voll zu nutzen. Zudem sind die Schulungen, welche für BIM notwendig sind, kein unattraktives
Geschäft.
Die Erwartungen, die durch die Anwendung der BIM-Methode geweckt werden, sind teilweise schon
erstaunlich:
«Der Bauherr soll den zu Beginn versprochenen, architektonischen Ausdruck oder die
Raumstimmung zu seinen Preisvorstellung erhalten – ohne Kompromisse.»
Interview in Focus BIM mit Arc-Award BIM-Preisträger Philipp Wieting, Werknetz Architekten
Bei den Wörtern «Preisvorstellung» / «ohne Kompromisse» muss ich schon etwas schmunzeln. Der
Preis wird nach wie vor am Markt gemacht, auch mit der BIM-Methode.
Der folgende Brief meines CAD-Distributoren (IDC Sarnen) wirkt dann doch etwas aufgeregt und
überstürzt:
«ACHTUNG – DRINGENDE INFORMATION ZU BIM» Bei diesem Titel, alles gross geschrieben,
bekommt man fast schon etwas Angst! Auch der Schluss des Informations-Briefes zur optimalen
Vorbereitung auf BIM lässt aufhorchen: «Ein digitales Gebäudemodell ist heute bereits Realität und
für jeden Bauspezialisten eine unumgängliche Pflicht!»
Dass die BIM-Metode für uns Architekten in Zukunft viele Vorteile hat, steht ausser Frage. Nur finde ich
es etwas stossend, wenn nun alle BIM auf Befehl anwenden müssen, obwohl das Ganze noch in den
Kinderschuhen steckt! Sachliche Information ist wichtig, auch Leuchturm-Projekete, welche heute in der
Schweiz mit BIM geplant werden, sind für die Entwicklung der BIM Methode zusammen mit den
Hochschulen von grosser Bedeutung. Der Einstieg und das Arbeiten mit BIM wird mit jedem CADUpdate einfacher, so wie das mit jeder Technologie ist. Mein Motto zum aktuellen BIM-Aktionismus:
«Keep calm and carry on»
Tipp:

Detail Leserumfrage zu BIM: Online-Umfrage

«ACHTUNG – DRINGENDE INFORMATION ZU BIM» (IDC-Brief als PDF)
Die Königin der modernen Treppen!
26. März 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Für mich die Treppe der modernen Treppen: Die Spiral-Treppen-Skulptur aus dem Jahr 1970 im Haus
für das Aussenministerium «The Itamaraty Palace» in Brasília, die vom Architekten Oscar
Niemeyer entworfen wurde – eine architektonische Offenbarung. Die halbgewendelte, freitragende
Betonholm-Träger-Treppe mit ihren 2.70 Meter breiten Natursteinstufen, welche die 220 Quadratmeter
grosse, stützenfreie Eingangshalle mit dem Obergeschoss verbindet, ist «State of the Art» bezüglich
Form und Funktion in der zeitgenössischen Treppenbau-Architektur. Pure Eleganz, losgelöst von allen
üblichen Konventionen!
Treppe im Itamaraty Palace in Brasília – Photo © Leonardo Finotti
Die Königin der modernen Treppen zelebriert die Gestaltung und Funktion bis an die Grenze des
Möglichen, mit dem Verzicht auf ein Geländer. Über diese Treppe zu gehen muss ein eindrückliches,
räumliches Erlebnis sein. Der blaue Teppich, der mittig über den Stufen liegt, erinnert an die Eleganz
eines Schleier, was der Königin eine zusätzlichen Noblesse verleiht…
Tipp:

SWR: Brasilia – Pilotplan zur Moderne 2015 (13:57 min)
Wohnflächen-Berechnung in der Schweiz
24. Februar 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
Wie eine Wohnfläche berechnet wird, ist in der Schweiz nicht definiert. Wie gross eine Wohnung ist,
lässt sich nur an der «effektiven» Quadratmeter-Zahl bestimmen. Nur – wie wird diese Zahl berechnet?
Heute gibt es in der Schweiz keine Norm, wie sich diese Fläche zusammensetzt. Es gibt viele Nuancen,
die je nach Perspektive zugunsten oder zulasten einer Partei berechnet werden können. Das «Makeup» der Wohnflächen-Berechnung…
Um eine Wohnungsgrösse präzise zu definieren, muss man – aus meiner Sicht – zwischen zwei
Flächenarten unterscheiden: Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) und Netto-Nebennutz-Fläche (NNF).
Netto bedeutet immer ohne Aussen- und Innenwände. Flächen im Dachschrägen-Bereich werden bis
zu einer Kniestockhöhe von 1.5 Meter voll zur Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) gerechnet. Alles unter 1.5
Meter Höhe zählt zur Netto-Nebennutz-Fläche (NNF).
Grundrissbeispiel für die NHF & NNF Berechnung : Wettbewerb Ersatzneubauten Graphis-Siedlung
Aarau 2014
Die Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) setzt sich folgendermassen zusammen: Entrée, Wohnräume,
Esszimmer, Zimmer, WC, Bad, Küche, Einbauküchenmöbel, Vorratsräume, Einbauschränke, Korridore,
interne Treppen, Büroräume, Wellnesszonen, beheizte Wintergärten, Öfen, Cheminées und andere.
Nicht zur Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) zählen: Balkone, Terrassen, externe Treppenhäuser,
Installationsschächte, Haustechnikräume, Kellerräume, Estrichräume, Veloräume und Garagen.
Bei den Netto-Nebennutz-Flächen (NNF) handelt es sich um Flächen, die nicht unmittelbar mit der
Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) in Verbindung gebracht werden, jedoch auch zu einer Wohnung
gehören: Balkone, Terrassen, Estrichräume, Kellerräume, Veloräume und Garagen, die nur von einer
Partei genutzt werden, und weitere andere. Einstellhallenplätze für Autos in Mehrfamilien-Häuser sollten
separat ausgewiesen werden.
Es wäre gut, wenn es ein Gütesiegel bezüglich der Nettoflächen-Berechnung gäbe. Der SIA könnte die
bestehende SIA Norm 416 (Berechnungsgrundlage für die Flächen von Gebäuden) mit den beiden
Begriffen «NHF» und «NNF» ergänzen und so eine klar definierte Methode für die Berechnungen von
Wohnflächen etablieren. Seriöse Immobilienfirmen und Verwaltungen würden ihre Wohnungen nach
diesem SIA-Modell berechnen und prüfen lassen. Der Mieter oder Käufer hätte die Gewähr, dass seine
Wohnfläche aus einem standartisierten Verfahren berechnet wurde, und nicht nach einem oftmals
optimierten, individuellen Berechnungsmodell wie es heute alle anwenden.
Die Netto-Hauptnutz-Fläche (NHF) und Netto-Nebennutz-Fläche (NNF) genau zu kennen, ist gerade für
Mieter sehr wichtig. Fast immer wird die »Nettofläche« für die Heizabrechnung herangezogen, was sich
bei einer zu grosszügigen Berechnungsart negativ auf die Heizkosten auswirkt!
Im Moment gilt leider immer noch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Denn zu viel «Make-up» führt
oft zu unliebsamen Überraschungen…
Tipps:

NZZ am Sonntag 5. Februar 2017: Wenn Quadratmeter verschwinden

ArchitekturCumulus 1. Mai 2011: Klein ist besser?
«Architekturrappen»
29. Januar 2017 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
In der Schweiz wurden zwischen 2006 und 2009 ungefähr 200 Millionen Franken in Form von
Subventionen, die aus der Kasse der Stiftung «Klimarappen» kamen, in die Sanierung von Altbauten
gesteckt. Es waren total 8’219 Projekte – öffentliche wie private – die nach einem genau definierten
Kriterien-Katalog einen Zustupf bekamen und so animiert wurden, ihre Immobilien wärmetechnisch zu
sanieren. Das Ziel dieser Subventionen war, das 2005 unterzeichnete Kyoto-Protokoll zu erfüllen. Eine
löbliche Aktion: die angestrebte Reduktion von 2 Millionen CO2-Emissionen wurde laut Bericht erreicht.
Gleich dem Klimarappen müsste es für
öffentliche Bauten auch einen «Architekturrappen» geben!
Dieser «Architekturrappen» könnte für Gebäude der öffentlichen Hand zum Einsatz kommen. Die
Direkt-Zahlungen würden zum Beispiel für eine nachhaltige Fassaden-Konstruktion verwendet werden.
Viele Gemeinden müssen heute ihre Neubauten oft unter grossem Kostendruck realisieren, was leider
zu Lasten einer nachhaltigen Architektur geht. Gebäude der öffentlichen Hand sollten in jeder Gemeinde
Ausdruck eines bewussten Umgangs mit Baukultur sein. Durch den «Architekturrappen» würde das
wieder möglich. Ein qualitativ hochstehender Putz, ein Einstein-Mauerwerk oder eine SichtbetonFassade, um nur drei Beispiele zu nennen, machen bezüglich Nachhaltigkeit viel mehr Sinn, als eine
«billige» Aussen-Dämmung mit Kunststoffputz. Hochwertige Fassaden-Konstruktionen bekommen eine
schöne Patina, was sich positiv auf die Langlebigkeit eines Gebäudes auswirkt, und so bezogen auf die
Zeit «günstiger» sind, als «billige» Aussen-Dämmungs Fassaden.
Das ganze könnte über eine gesamtschweizerische Grundstück-Gewinnsteuer finanziert werden. Gute
und nachhaltige Architektur – gehört doch zum Service Public!
Tipp:

Luzerner Zeitung 20.01.2017: Hausbesitzer erhalten doppelt so hohe Fördergelder (PDF)

Arte TV: Nachhaltige Architektur (Verfügbar bis 14. Februar 2017)
Die neue Bahnhofshalle «Oculus» in Down Town Manhattan
24. Dezember 2016 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
«Oculus» steht in der Architektur für Ochsenauge. Und neu auch für die Bahnhofshalle «World Trade
Center Transportation Hub», die von Santiago Calatrava geplant wurde.
Vordergrund: 9/11 Memorial Nord-Tower
Ich besuchte die neue Bahnhofshalle, welche die PAHT (Port Authority Trans-Hudson) mit der Subway
verbindet, diesen Herbst ein paar Mal während meines dreiwöchigen New York-Aufenthalts.
Die weisse Halle – eine Stahl-Glas-Konstruktion – erinnert mich von innen wie auch von aussen an ein
Dinosaurier-Vogel-Skelett; grossartig! Genau die richtige Antwort auf die langweilige High-Rise-TowerArchitektur der neuen World Trade Center 3, 4 und 7. Die unangepasste Architektursprache von
Santiago Calatrava, einem spanisch-schweizerischen Architekten und Bauingenieur, passt bestens zu
New York. Die weisse Glas-Stahl-Konstruktion, die durch seine exzentrische Formen-Sprache auffällt,
gibt diesem Ort eine Identität. Die fussballplatzgrosse Halle mit einer Länge von 106 Metern und einer
Höhe von 50 Metern liegt ca. 15 Meter unter Terrain und ist wahrlich ein räumliches Erlebnis!
Südseitig steht das Dinosaurier-Skelett relativ nahe zum World Trade Center 3, optisch kann die
Bahnhofshalle neben diesem High-Riser mit 80 Geschossen nur durch seine expressive Form bestehen
– erst recht, wenn nördlich das World Trade Center 2 mit ebenfalls ca. 80 Geschossen realisiert wird,
das in etwa in gleichem Abstand zur Bahnhofshalle zu stehen kommen soll wie das World Trade Center
3.
Der «Oculus», wie ihn Calatrava nennt, gibt diesem Ort, die Umgeben ist von mittelmässiger
Glasfassaden-Hochhaus-Architektur, eine erfrischende Leichtigkeit und bildet zusammen mit dem 9/11
Memorial-Park eine gelungene städtebauliche Intervention. Ich war gegenüber dem Projekt von
Calatrava bezüglich seiner städtebaulicher Eingliederung (siehe auch Post vom 3. Oktober 2007:
Vepasste Chance…) lange skeptisch – nun wurde ich eines besseren belehrt.
Ausschnitt der Bahnhofshalle, welche ca. 15 Meter unter Terrain liegt, umgeben von
einer zweigeschossiger Shopping Mail mit ca. 50 Läden.
Die Bahnhofshalle hat von innen etwas Sakrales. Mit dem weissen Marmorboden und der weissen
Metall-Glas-Konstruktion wirkt der Innenraum jedoch etwas unterkühlt. Die grosse Halle erinnert mich
an die Grand Central Station in Midtown Manhattan, die ebenfalls etwas unter Terrain liegt und ebenso
allseitig durch Tageslicht belichtet wird, wenn auch in einer ganz anderen Atmosphäre.
Leider wirken die beiden ost- und westseitigen
Eingänge im Parterre bezüglich ihrer Erscheinung kleinlich. Die sechs relativ schweren Flügel-Türen auf
jeder Seite müssen von Hand geöffnet werden, was dem Gebäude sofort etwas von seiner leichten
Erscheinung nimmt… Ebenso ist das Vordach vor den beiden Eingängen mit ca. 2 Meter Auskragung,
verglichen mit den beiden grossen eleganten asymmetrischen Flügeln nord- und südseitig, viel zu
knapp geraten. Auch die innere vertikale Erschliessung, östlich und westlich ab dem Erdgeschoss, in
die tiefergelegte Bahnhofshalle passt architektonisch nicht zur leichten Stahlglas-Architektur von
Calatrava. Die symmetrisch angelegten Erschliessungen in Form von Treppen und Lifte wirken schwer
und architektonisch aufdringlich. Die elegante Bahnhofshalle verliert durch die überinszenierte
«Raumschiff Enterprise»-Erschliessung deutlich an Eleganz.
Städtebaulich überzeugt der neue Downtown Manhattan-Bahnhof. Leider wurden die Erschliessungen
an den beiden Schmalseiten der Halle nicht zu Ende gedacht. Schade für ein 4 Milliarden-Projekt!
Tipps:

SRF1 G&G 13. Jan. 2017: Star-Architekt Santiago Calatrava zeigt New Yorker Bahnhof

SRF2 Kultur – Kultur kompakt 21. Dez. 2016: Der spanische Architekt Santiago Calatrava ist ein
Star – und umstritten. Ein Architekturkritiker rechnet nun mit ihm ab
http://www.schnieperarchitekten.ch/wp-content/uploads/2017/01/srf-2-kultur-s.-calatrava21.12.16.mp3

NZZ am Sonntag 24. April 2016: Der teuerste Bahnhof der Welt – geplant in Zürich (PDF)

ArchitekturCumulus 22. September 2015: One World Trade Center: Two in One…

ArchitekturCumulus 23. September 2011: 9/11 Memorial – New York
Häuser Sonderausgabe 2016: Die 100 besten Architekten für Ihr neues Zuhause
7. November 2016 von Patrick J. Schnieper | Kommentar hinzufügen
«Architektur ist die Kunst des Ankommens»
Unter diesem Titel werden die beiden Häuser Meyer-Berni in Vals, Kanton Graubünden und das Haus
Stigler in Rieden, Kanton St. Gallen, in der aktuellen Sonder-Ausgabe von Häuser mit der
Überschrift «Die 100 besten Architekten für Ihr neues Zuhause» vorgestellt.
Es ehrt uns natürlich, in diesem Extra-Heft, das ab heute Montag erhältlich ist, gleich mit zwei Projekten
vertreten zu sein. Den entsprechenden Beitrag können Sie hier als PDF herunterladen.
Die Idee der Titelseite, alle Porträts der Architekten und Architektinnen als Collage
zusammenzufügen, finde ich sehr gelungen. Denn gute Architektur entsteht ja im Kopf.
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