Zu aller Anfang ist der Index - Börsen

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Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Börsen-Zeitung Nr. 114
B1
Exchange Traded Funds
Zu aller Anfang ist der Index
Welche Indexkonstruktion langfristig die richtige ist, lässt sich weder analytisch noch empirisch eindeutig beurteilen
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Indizes gibt es seit dem vorvergangenen Jahrhundert. Als erster Index
gilt der Dow Jones Railroad Average, der im Jahre 1884 geschaffen
wurde und dessen Nachfolger der
seit 1896 errechnete Dow Jones Industrial Average ist. Beide Indizes
waren einfache, preisgewichtete
Konstrukte.
soll beim aktiven Vermögensmanagement möglichst mehr Ertrag als die
Benchmark erzielt werden, beim passiven Vermögensmanagement genau so viel.
Heutige Anforderungen
In der einfachsten Beschreibung
ist ein Index eine Zusammenfassung
der Entwicklung einer Gruppe von
Wertpapieren, die in einer Zahl ausDeutlich weiterentwickelt
gedrückt wird. Welche AnforderunSeitdem haben sich Indizes deut- gen sind an eine geeignete Benchlich weiterentwickelt: Waren sie zu- mark zu stellen? Allgemein haben
nächst als ein bloßes Abbild von sich folgende Kriterien herausgebilWertpapiermärkten erdacht, so sind det:
sie heute die Grundlage für viele 䡲 Repräsentativität – Ein Index
sollte den abzubildenden Markt
Kapitalmarktinstrumente und Richtmöglichst breit abdecken. Sowohl
schnur für Investmentstrategien. Es
der deutsche Aktienindex Dax als auch der
lange Jahre vielbeachtete F.A.Z.-Index deVon
cken den deutschen
Thomas Meyer
Aktienmarkt zu 80 %
zu Drewer
bis 85 % ab, wenn
auch in unterschiedlicher Zusammensetzung. Ein bedeutendes UnterscheidungsGeschäftsführer von
merkmal zwischen InComstage, der
dizes kann dabei die
ETF-Marke der
Branchengewichtung
Commerzbank
im Index selbst sein.
So hat der F.A.Z.-Index eine geringere Affinität zum
wird geschätzt, dass in den USA
Banken- beziehungsweise Finanz30 % aller Anlagegelder strikt indexdienstleistungssektor.
orientiert verwaltet werden. In
Europa liegt der Anteil länderspe- 䡲 Replizierbarkeit – Ganz wesentlich ist die Eigenschaft, dass Inveszifisch zwischen 5 % und 15 %.
toren die Wertpapiere in einem
Einen besonderen Anteil an der
Vergleichsindex tatsächlich erwerEntwicklung hatte die Verbreitung
ben können. Gerade zu Anfang
von Exchange Traded Funds (ETF)
der Indexfonds stellte dies in vieoder börsengehandelten Indexfonds
len Märkten eine große Herausforseit 1993 in den USA (der erste ETF
derung dar. Heutzutage ergeben
wurde 1989 in Kanada aufgelegt).
Ab April 2000 wurden ETF auch in
Europa eingeführt. Heute beträgt
das in ETF verwaltete Volumen weltweit über 1150 Mrd. Euro und in
„In der einfachsten
Europa rund 219 Mrd. Euro.
Was ist ein Index?
Doch was ist überhaupt ein Index? Diese trivial anmutende Frage
hat in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen. Der Hintergrund: In schwierigen und volatilen Marktphasen
wird die Orientierung an einem Vergleichsmaßstab, einer Benchmark,
kontrovers diskutiert. Die Rede ist
vielfach von Absolute-Return-Strategien oder Konzepten, die in jeder Kapitalmarktphase ein positives Resultat erwirtschaften sollen. Der langfristige Beweis steht aber noch aus.
Es lässt sich empirisch nicht zweifelsfrei nachweisen, dass Absolute-Return-Strategien kontinuierlich und
konsistent funktionieren.
Genauso verhält es sich, wenn Anlagestrategien ohne Benchmarkbezug propagiert werden. Investoren
haben in der Regel das Minimumziel, langfristig die Substanz eines
Vermögens zu erhalten. Damit stellt
sich zumindest die Inflationsrate als
Benchmark ein.
Indizes dienen als Vergleichsmaßstäbe. Zentral in der Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Vermögensmanagement ist die
Abweichung gegenüber einem Vergleichsmaßstab (Benchmark). Dabei
Beschreibung ist ein
Index eine Zusammenfassung der
Entwicklung einer
Gruppe von Wertpapieren, die in einer
Zahl ausgedrückt
wird.“
sich bei manchen Schwellenländern immer noch Probleme.
䡲 Regelbasierung und Transparenz – Diese beiden Eigenschaften
haben deutlich an Bedeutung gewonnen mit dem Aufkommen börsengehandelter Indexfonds, den
Exchange Traded Funds. Für viele
Marktteilnehmer sind diese beiden Merkmale der Unterschied
zwischen „richtiger“ Indexverfolgung und aktiven Strategien, die
vermeintlich als passive Lösungen
daherkommen.
䡲 Regelwerk – Gerade global anlegende Investoren achten immer
mehr darauf, dass die von ihnen
gewählten Benchmarks international nach gleichem Regelwerk vorgehen und somit Klumpenrisiken
AUS DEM INHALT
Zu aller Anfang ist
der Index
Von Thomas Meyer zu Drewer
Hohes Maß an Transparenz
bleibt Trumpf
Von Rainer Riess
Gerne mehr Risiko –
aber bitte gut bezahlt
Von Andreas Fehrenbach
Investoren erwarten
klare Finanzprodukte
Von Simon Klein
B1
Zusatzrenditen mit Renten-ETF
trotz schwieriger Zeiten
Von Michael Grüner
B2
Aktives Währungsmanagement
zahlt sich aus
Von Bernhard Wenger
B4
B2
Dividendenstrategien mit
Indizes effizient umsetzen
Von Konrad Sippel
B2
Unkompliziert und direkt in
verschiedene Märkte investieren
Von Michael Görgens
B5
B3
Marktexposure mit
Währungsabsicherung kombinieren
Von Ivan Durdevic und
Bettina May
B6
Breiteres Angebot
ermöglicht neue Strategien
Von Thorsten Michalik
B4
B5
vermeiden helfen.
䡲 Free Float – Eng mit der Replizierbarkeit von Indizes ist der Free
Float verbunden. Gemeint sind damit Regelwerke, die in der Gewichtung tatsächlich nur frei handelbare beziehungsweise am
Markt erwerbbare Aktien einbeziehen.
䡲 Indexanpassungen – Je geringer
die Anzahl der Indexanpassungen, desto besser kann ein Fondsmanager einen Index nachbilden,
da jede Anpassung Transaktionskosten in nicht unerheblicher
Größe verursachen kann. Zudem
müssen Indexanpassungen nachvollziehbar sein, was mitunter bei
Bezugsrechten schwierig ist, da es
einen zeitlichen Unterschied zwischen rechtlichem Besitz und wirtschaftlicher Verwertungsmöglichkeit geben kann.
Indizes als Benchmarks
In Bezug auf die Gewichtung von
Indexbestandteilen haben sich folgende Methoden durchgesetzt:
䡲 Gewichtung nach Marktkapitalisierung: Dabei handelt es sich um
die einfachste und gängigste Methode der Indexzusammensetzung. Die Anzahl der von einem
Unternehmen ausgegebenen Aktien wird mit dem Kurs der Aktie
multipliziert. Addiert man die
sich ergebende Marktkapitalisierung über alle Aktien, so ergibt
sich die Größe eines Marktes. Die
Marktkapitalisierung des Dax betrug Anfang 2012 rund 1,15 Mrd.
Euro.
Ein mögliches Problem dieser Konstruktionsmethode: Je teurer ein
Unternehmen wird, desto höher
kann das Gewicht in einem Index
werden. Dabei kann es vorkommen, dass der Preis einer Aktie unabhängig von jeglichen ökonomischen Bezugsgrößen steigt. Das
bekannteste Beispiel in jüngster
Vergangenheit waren die Aktien
von Volkswagen, die nur aufgrund von Übernahmefantasien
im Oktober 2008 die Marke von
1 000 Euro durchbrachen. Allerdings ist anzumerken, dass bei
der Kritik an dieser Methode immer davon ausgegangen wird,
dass es tatsächlich einen fairen
Wert für jedes Wertpapier gibt.
䡲 Gleichgewichtung von Wertpapieren: Diese Methode erfreut sich
immer wieder großer Aufmerksamkeit, insbesondere in Zeiten
starker Unsicherheiten und damit
Schwankungen an den Kapitalmärkten. Alle Aktien in einem Index bekommen das gleiche Gewicht. Die Nachfrage nach einem
einzelnen Wertpapier beeinflusst
die Gewichtung dieses Titels langfristig nicht.
Das Problem: Von marktkapitalisierungsschwachen Aktien muss
mehr gekauft werden als von
Schwergewichten. Da aber traditionell geringer gewichtete Aktien
in aller Regel auch weniger liquide sind, kann sich starker
Marktdruck ergeben. Außerdem
verursachen häufig erforderliche
Umschichtungen relativ hohe
Transaktionskosten
(Rückführung auf Gleichgewichtung). Ob
gleichgewichtete Indizes langfristig bessere risikoadjustierte Ergebnisse erbringen, ist sehr umstritten.
䡲 Fundamental gewichtete Indizes:
Hier wird versucht, einen Zusammenhang zwischen ökonomischen Größen und der Gewichtung einer Aktie herzustellen. Ein
Beispiel sind die von dem Amerikaner Rob Arnott und seiner
Firma Research Affiliates konstruierten RAFI-Indizes. Die Indizes
setzen sich aus Aktien zusammen,
die nach Buchwert, Cash-flow, Di-
videndenrendite und Erlösen ausgewählt werden. Auch wenn die
langfristigen Ergebnisse in der
Rückrechnung sehr gut aussehen,
haben sich in der jüngsten Vergangenheit unbefriedigende Resultate eingestellt. So nach der Lehman-Pleite, da wegen der angelegten Auswahlkriterien Banken
stark übergewichtet waren.
䡲 Nach Bruttoinlandsprodukt gewichtete Indizes: Seit dem erneuten Ausbruch der europäischen Finanzkrise wird dieses Konzept
stark bei von Staaten ausgegebenen festverzinslichen Wertpapieren diskutiert. Hintergrund: Oft
begeben hoch verschuldete und
damit weniger gut bewertete Staaten besonders hohe Emissionen
von Bonds. Dies führt damit automatisch zu einer Verzerrung von
Indizes. Daher treten Konzepte
stärker in den Vordergrund, die
sich am wirtschaftlichen Erfolg
von Volkswirtschaften ausrichten.
䡲 Alternative Konstruktionen: Eine
der bekanntesten alternativen
Auswahlmethoden ist das Minimum-Varianz-Kriterium.
Minimum-Varianz beschreibt eine Strategie, bei der das Portfolio ausgewählt wird, das die geringsten
Schwankungen aufweist und auf
der Effizienzlinie liegt. Mit anderen Worten: Es gibt kein anderes
Portfolio, das bei geringerer Volatilität eine höhere Rendite erwirtschaftet. Insbesondere in Zeiten
hoher Marktunsicherheit sehen
sich derartige Indizes starker
Nachfrage gegenüber.
Erkenntnisse für den Investor
Welche Indexkonstruktion langfristig die bessere ist, lässt sich – leider – weder analytisch noch empirisch eindeutig beurteilen. Die Wahl
der richtigen Benchmark unterliegt
„Die Ausrichtung an
Indizes über passive
Anlagen erlaubt es,
Kosten niedrig zu halten und bereits in
sich diversifizierte
Portfolien erwerben
zu können.“
vielen Kriterien und ist von Anleger
zu Anleger verschieden.
Wesentlich scheint dabei zu sein,
Kernmärkte möglichst breit abzudecken, Klumpenrisiken zu vermeiden
und bei länderübergreifenden Anlagen das Währungsrisiko im Auge zu
behalten. Die Ausrichtung an Indizes über passive Anlagen erlaubt es,
Kosten niedrig zu halten und bereits
in sich diversifizierte Portfolien erwerben zu können.
B 2 Börsen-Zeitung Nr. 114
Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Hohes Maß an Transparenz bleibt Trumpf
Die Entwicklung des ETF-Marktes hängt wesentlich vom Erhalt der Produktvorteile ab
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Die seit ihrer Einführung im XTF-Segment der Deutschen Börse vor zwölf
Jahren beispiellose Erfolgsgeschichte
der Exchange Traded Funds (ETF)
wurde auch 2011 fortgeschrieben.
Die Steigerung des Handelsvolumens
auf Xetra um 25 % gegenüber dem
Vorjahr auf 192 Mrd. Euro belegt
zweifelsfrei, dass sich das Anlegerinteresse an ETF weiter verstärkt hat.
Auch 2012 setzt sich das Wachstum
dieser Anlageklasse ungebremst fort:
Lag das in ETF verwaltete Vermögen
Ende 2011 noch bei 156,3 Mrd. Euro,
ist es bis Ende März auf 172,4 Mrd.
Euro gestiegen. Diese hervorragende
Entwicklung im vergangenen Jahr ist
zum Teil sicher auf die ständig wachsende Vielfalt des Produktspektrums
zurückzuführen, wodurch Investoren
ein immer breiterer Anlagefokus geboten wird. Im XTF-Segment auf Xetra waren Ende 2011 899 ETF gelistet, 140 mehr als ein Jahr zuvor. Bis
Anfang Mai 2012 hat sich die Anzahl
noch einmal auf 970 erhöht. Der
Großteil der Produkte vollzieht die
Entwicklung von deutschen, europäischen und internationalen Aktienindizes nach, gefolgt von 204 ETF auf
Renten sowie 71 Strategie- und 30
Rohstoff-ETF.
Wünsche erfüllt
Unter den 2011 neu gelisteten Instrumenten sind unter anderem ETF
auf polnische Aktienindizes und weitere Indizes aus dem EMEA-Raum sowie Renten-ETF auf britische und
französische Staatsanleihen. Darüber
hinaus wurden 2011 verstärkt ETF
mit auf Nachhaltigkeit basierenden
Anlagezielen emittiert. Dem Wunsch
vieler Investoren nach einer erweiterten Produktpalette, die kostengünstigen Zugang zu neuen Märkten und
Anlagestrategien bietet, konnte somit
auch im vergangenen Jahr erneut
Rechnung getragen werden.
Mit schierer Produktvielfalt lässt
sich das explosive Wachstum des
XTF-Segments allerdings nicht erklären; schließlich weisen naheliegende
Anlagealternativen wie Zertifikate
oder Publikumsfonds ebenfalls eine
breite Produktpalette auf. Die außergewöhnliche Entwicklung des ETFMarktes gegenüber alternativen Investmentprodukten hat sich auch im
Rahmen der Finanzkrise 2008 gezeigt. So waren Zertifikate und klassische Investmentfonds von der Finanzkrise besonders betroffen. Ein Beispiel: Das verwaltete Vermögen in
deutschen sowie in Deutschland vertriebenen ausländischen Fonds lag
Ende 2007 bei mehr als 731 Mrd.
Euro und sank bis Ende 2008 um
21 %.
Dagegen verlief die Entwicklung
im XTF-Segment der Deutschen
Börse äußerst positiv: Das verwaltete
Vermögen im Dezember 2007 betrug
64,3 Mrd. Euro, lag Ende 2008 – inmitten der Finanzkrise – bei 82,1
Mrd. Euro und stieg bis Ende 2009
auf 120,5 Mrd. Euro. Damit hatten
die ETF die Finanzkrise nicht nur unbeschadet überstanden, sondern
konnten darüber hinaus auch von
lässt, jedoch zweifelsohne wesentlich
zum Erfolg dieser Assetklasse beigetragen hat: das hohe Maß an Produkttransparenz. Das Anlageziel eines
ETF ist nicht mehr oder weniger als
die möglichst exakte Nachbildung eines bestehenden Index. Damit erfüllen ETF die Bedürfnisse vieler Investoren, die einfache, transparente und
flexible Finanzprodukte suchen. Die
Deutsche Börse hat diesen Wunsch nach Transparenz im XTF-Segment
konsequent auf den HanVon
del dieser Assetklasse
Rainer Riess
übertragen: Die Preisbildung und die entstehenden Kosten beim Kauf
oder Verkauf eines ETFAnteils sind für den Investor in jedem Moment
Managing Director
des Handelstags klar erXetra Market
sichtlich.
Development bei der
Um allen MarktteilDeutschen Börse AG
nehmern auf Xetra eine
optimale
Vorhandelszu Publikumsfonds ein aktives Ma- transparenz garantieren zu können,
nagement erfolgt, gestaltet sich die bedient sich die Deutsche Börse verKostenstruktur bei ETF im Vergleich schiedener Instrumente. So führt sie
deutlich renditefreundlicher. Außer- im Auftrag der Emittenten der auf Xedem lassen sich ETF auf Xetra fortlau- tra gehandelten ETF die Berechnung
fend handeln, genau wie Aktien. Ge- des indikativen Nettoinventarwerts –
genüber Zertifikaten haben ETF zu- kurz iNAV® – durch, und dies mindem den Vorteil, dass sie als Sonder- destens alle 60 Sekunden. Der iNAV
vermögen begeben werden; ein Total- gibt Auskunft über den „fairen“ Wert
verlust bei Zahlungsunfähigkeit des eines ETF, indem er den momentanen Wert aller Fondsbestandteile beEmittenten ist damit ausgeschlossen.
Neben den kosten- und risikospezi- rechnet. Diesen Wert können Anleger
fischen Vorteilen weisen ETF noch der aktuellen Geld-Brief-Spanne eiein anderes Charakteristikum auf, nes ETF gegenüberstellen. Die Deutdas sich zwar nicht quantifizieren sche Börse bietet Xetra-Teilnehmern
Umschichtungen aus anderen Anlageprodukten in das XTF-Segment profitieren. Der Grund hierfür liegt sowohl in den Produktcharakteristika
als auch im Handel der Finanzinstrumente selbst.
ETF teilen mit Zertifikaten und Publikumsfonds den Vorteil der Risikostreuung und eignen sich zur Portfoliodiversifikation. Da im Gegensatz
außerdem die Möglichkeit, Transaktionskosten beim Handel mit ETF sehr
genau abschätzen zu können. Mit
dem Xetra Liquiditätsmaß (XLM) werden die impliziten Handelskosten,
die bis zu 80 % der gesamten Transaktionskosten betragen, berechnet.
Möglich wird dies durch die fortlaufende Messung der Liquidität eines
ETF unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Orderbuchlage.
Das Xetra Liquiditätsmaß gibt außerdem darüber Aufschluss, weshalb
das XTF-Segment bei Investoren so
beliebt ist: Die Liquidität in den meisten ETF ist sehr hoch, in Blue Chips
wie beispielsweise Dax- oder
Euro Stoxx 50-ETF sogar höher als bei
den meisten Dax-Werten. Marktanteile von 96 % im deutschen sowie
37% im europäischen ETF-Handel belegen den hieraus resultierenden Erfolg des Segments eindrucksvoll.
Bei Privaten immer beliebter
ETF sind einfach, transparent und
flexibel – diese wichtigen Merkmale
machen sie auch bei Privatanlegern
immer beliebter. Zwar sorgen Privatanleger nur für einen eher geringen
Anteil am Handelsvolumen. Aber es
ist zu erwarten, dass dieser Anteil in
den kommenden Jahren stetig steigen wird. Im US-Markt, wo Investoren und Emittenten etwa ein Jahrzehnt länger Erfahrungen mit ETF
sammeln konnten, halten Privatanleger heute rund 50 % des in ETF verwalteten Vermögens. Entsprechend
positiv sind die Prognosen: Analysten
erwarten in den nächsten Jahren für
den ETF-Markt Wachstumsraten zwischen 20 und 30 %. Voraussetzung
dafür ist allerdings, dass die wesentlichen Eigenschaften der Assetklasse
erhalten bleiben – ebenso wie der
transparente Handel. Hier gibt es außerdem noch Optimierungspotenzial, denn mehr als 50 % des gesamten ETF-Handels werden außerbörslich abgewickelt – ein deutlicher Gegensatz zum eigentlichen Grundkonzept des Produkts. Eine Bündelung
der Liquidität auf regulierten und sicheren Marktplätzen würde zu noch
mehr Transparenz und tendenziell
sinkenden Transaktionskosten führen, wovon alle Marktteilnehmer profitieren könnten.
Ob dazu regulatorische Maßnahmen sinnvoll sein können, hängt
ganz von deren Ausgestaltung ab:
Während Maßnahmen, die die Entwicklung der Produkte bzw. des ETFMarktes einschränken, abzulehnen
sind, wäre beispielsweise die Definition einheitlicher Mindeststandards
hinsichtlich
Produktausgestaltung
und Offenlegungspflichten durchaus
sinnvoll, um die Transparenz weiter
zu erhöhen und das Vertrauen der Anleger in diese Assetklasse weiter zu
stärken. Die Deutsche Börse sieht in
Transparenz und Aufklärung den besten Anlegerschutz und bietet neben
frei verfügbaren ETF-Fachpublikationen auch Seminare und Konferenzen
für interessierte Investoren an. Umfassende Informationen zu ETF stehen
auch auf unserer Website xetra.com/
etf zur Verfügung.
Gerne mehr Risiko – aber bitte gut bezahlt
Werkzeugkasten der Exchange Traded Funds bietet Zugang zu allen wichtigen Anlageklassen – Konstruktion erleichtert zudem ein aktives Risikomanagement
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Früher war bekanntlich alles besser.
So sagt man gerne. Und im Fall der
Geldanlage stimmt das sogar. Denn
früher – und das ist nur ein paar
Jahre her – gab es den risikolosen
Zins. Das waren ein paar Prozent auf
Tagesgeld, und die reichten, um die
Substanz eines Vermögens zu erhalten – vor Steuern. Wer mehr
brauchte, um auch nach Steuern der
Inflationsrate zu trotzen, kaufte erstklassige Staatsanleihen, zum Beispiel
Bundesanleihen. Es gab zwar das
Zinsänderungsrisiko, aber wer die Anleihen auf Endfälligkeit hielt, konnte
sich sicher sein: Er erhielt sein Geld
zurück und dazu noch ordentliche
Zinsen.
Vorbei. Willkommen in der neuen
Welt des Risikos. Wegen der andauernden Finanz- und Staatsschuldenkrise haben die Notenbanken künstlich die Zinsen nach unten gedrückt,
deutlich unter die bestehenden Inflationsraten. Gleichzeitig nimmt die Gefahr zu, dass die Inflationsraten wegen der Geldschwemme steigen, im
besten Fall nur moderat. Aber das
würde ja schon reichen, so darf man
vermuten, um eine schleichende Enteignung der Sparer und eine schmerzlose Entschuldung der Staaten zu fördern. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Financial Repression.
Jeder Anleger muss nun genau prüfen, wie er mit dieser Entwicklung
umgeht, wie er die Substanz seines
Vermögens bewahren und besser
noch steigern kann. Aus dem einst risikolosen Zins ist ein zinsloses Risiko
geworden. Kauft der Investor relativ
sichere Staatsanleihen, hat er schon
verloren. Deren Rendite reicht nicht
mehr, um die noch niedrigen Inflationsraten zu kompensieren, und es besteht die Gefahr, dass die Geldentwertung noch zunimmt. Zudem sollte er
sich nicht darauf verlassen, dass die
Notenbanken die Zinsen auf Dauer
wirklich niedrig halten können. Dann
drohten massive Kursverluste.
Es mag paradox klingen: Der sicherheitsbewusste Investor muss
heute mehr Risiken als früher eingehen, um Risiken zu vermeiden. Umso
wichtiger ist es, dass er diese Risiken
auch managen kann, damit sie angemessen bleiben. Und er muss darauf
achten, dass diese Risiken auch gut
bezahlt sind. Das alles unter einen
Hut zu bringen, erfordert erhebliches
handwerkliches Geschick.
Flexibel handeln
Dabei hilft ein gut gefüllter Werkzeugkasten der Exchange Traded
Funds (ETF). Sie bieten inzwischen
Zugang zu allen wichtigen Anlageklassen. Zudem erleichtert ihre
Konstruktion ein aktives Risikomanagement. ETF sind wie Aktien
Das Umfeld für Dividenden ist zur- nem Portfolio zu optimieren. Auch da- zu erwartende Dividendenrendite
wird durch diese Entwicklung meist nivel- zeit günstig. Nehmen wir nur das Bei- für bietet der ETF-Markt inzwischen aufweisen. Zweimal im Jahr werden
liert. Allerdings sollte spiel der Dax-Unternehmen. 19 Fir- ein reiches Angebot unterschiedli- so die 20 renditestärksten Titel aus
Von
man im Hinterkopf ha- men haben in diesem Jahr die Divi- cher Konzepte. Diese mechanischen dem Universum des HDax (Dax,
Andreas Fehrenbach
ben, dass Unternehmens- dende erhöht, zehn haben sie unver- Strategien verfeinern die bekannte MDax, TECDax) ausgewählt. Aus dieanleihen im Zuge rezessi- ändert gelassen. Nur ein Unterneh- Methode „Dogs of the Dow“, die der ser Vorgehensweise entstehen zwei
ver Erscheinungen auch men, die Commerzbank, zahlt keine US-Fondsmanager Michael O’Higgins wichtige Vorteile: Es kommen nur Geganz schön leiden kön- Dividende. Im Durchschnitt wird die Mitte der neunziger Jahre populär ge- sellschaften in den Index, die auch
Dividendensumme der deutschen Fir- macht hat. Dazu werden die zehn ren- wirklich Dividende zahlen und die Genen.
ditestärksten Aktien des Dow ausge- wichtung erfolgt aufgrund der DiviWarum dann nicht men 2012 um rund 10 % steigen.
Damit nimmt auch tendenziell die wählt und ein Jahr lang gehalten. dendenrendite. So liegt die reine Divigleich Aktien? Das RiCEO – Sprecher der
siko ist klar höher, aber Bedeutung der Dividende als Teil der Ähnlich einfach ist das Konzept des dendenrendite dieses Index aktuell
Geschäftsführung
höher sind auch die Ren- Gesamtperformance einer Aktienan- DivDax aufgebaut. Die modernen bei 7 %. Diese ordentlichen Erträge
ETFlab Investment
diten, wenn man die Di- lage zu. Im Durchschnitt der letzten ETF-Strategien beinhalten allerdings schüttet der ETF dann an die Investovidende als Maßstab he- Jahre sind rund 40 % der Perfor- deutlich erweiterte Kriterien wie zum ren aus.
„Aber wo ist das Risiko?“, mag der
hochliquide und können jederzeit ranzieht. 7 % pro Jahr sind keine Sel- mance einer Aktie durch die Divi- Beispiel Nachhaltigkeit der Dividenüber die Börse ge- und verkauft wer- tenheit. Auch dafür eignen sich ETF dende zu erklären. In manchen Bör- denzahlung und maximale Gewinn- verunsicherte Anleger zu Recht fragen. Natürlich unterliegen solche
den. Der Investor kann so flexibel sehr gut, denn der Käufer eines Index- senphasen, wie zum Beispiel in den Ausschüttungsquoten.
Strategien dem allgemeinen Aktienstrategische und taktische Überlegun- fonds kommt auf jeden Fall in den Ge- siebziger Jahren, stieg der Anteil auf
nuss der Dividende, wird sie nun aus- mehr als 70 %. Dabei lockt nicht nur
marktrisiko. Untersuchungen zeigen
gen umsetzen.
Vollkommen neuer Ansatz
jedoch, dass sich dividendenstarke TiAußerdem sind ETF gut mit Over- geschüttet oder thesauriert. Die die Dividendenrendite, sondern auch
lay-Absicherungen zu kombinieren. Frage, ob man einen ETF mit einem die Chance auf DividendenwachsEinen vollkommen neuen Ansatz tel in der Regel weniger volatil verhalJetzt braucht es nur noch die richti- Kurs- oder Performanceindex wählen tum. Nach einer Untersuchung der bietet der ETFlab DAXplus Maximum ten als der Gesamtmarkt.
Risiken sind aber natürlich vorhangen Instrumente, um eine auskömmli- sollte, reduziert sich dann auf die Vor- Société Générale lässt sich der Ge- Dividend. Der abgebildete Index
che Rendite zu gewährleisten. Das ist lieben für regelmäßige Ausschüttun- samtertrag von Aktien in den vergan- stellt nicht auf historische Kriterien den – wie immer an den Finanzmärkangesichts der robusten Weltkonjunk- gen sowie steuerliche Überlegungen. genen 30 Jahren zu 95 % durch Divi- ab, sondern blickt sozusagen in die ten. Sie lassen sich durch breite Divertur und der stabilen Entwicklung in Institutionelle Anleger, die das Kör- dendenrendite und Dividenden- Zukunft. Er setzt auf Aktiengesell- sifikation von Anlageklassen und
Deutschland nicht so schwierig. Zu- perschaftsteuerprivileg nutzen kön- wachstum erklären. Angesichts der schaften, die für die kommende In- Märkten sowie ein aktives Risikomanächst fällt der Blick auf Unterneh- nen, sind mit einem ETF, der phy- überragenden Bedeutung von Divi- dexperiode bereits eine Dividende an- nagement deutlich mindern. Dazu ist
mensanleihen. Es hat sich ja inzwi- sisch repliziert und ausschüttet, in denden für die Performance liegt es gekündigt haben und die aufgrund aber eben auch hilfreich, wenn ein Rinahe, die Dividendenerträge in ei- von Analystenschätzungen eine hohe siko angemessen bezahlt wird.
schen herumgesprochen, dass viele der Regel besser dran.
Unternehmen ein stabiles und nachhaltiges Geschäftsmodell haben. Sie
wirtschaften solider als viele Staaten.
Dennoch ist das Ausfallrisiko statistisch höher als das von Staaten. Ein
klarer Fall für Diversifikation, wie es
ein ETF auf Corporate Bonds bietet.
Kritik der Verbraucherschützer nimmt unvermindert zu – Qualitätsstandards sichern einfaches Investieren
Beschränkt man sich auf Europa, ist
ein direktes Währungsrisiko ausgeschlossen. Wer Banken und FinanzDazu passt, dass die doch einen wichtigen Unterschied in
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
dienstleistern nach der Finanzkrise Früher war vermeintlich alles besser,
Kritik an der fehlenden der Anbieterauswahl aus. Sie liegen
nicht mehr so recht traut, kann auch zumindest war es einfacher – auch in
Transparenz gerade von je nach Anbieter bei bis zu 4 % der
Von
eine Variante ohne diese Branche Sachen Geldanlage. Privatkunden
Seiten der Verbraucher- Beitragssumme. Diese AbschlussverSimon Klein
wählen.
schützer unvermindert gütung wird zum Vertragsbeginn
gingen zu ihren Bankberatern, die
zunimmt – und zwar dem Konto belastet – mit spürbaren
vertrauensvoll von tollen Renditeüber die gesamte Band- Folgen für die Rendite. Denn erst
chancen schwärmten. Genau diese
Nicht jedermanns Sache
breite der Finanzpro- nach rund zwei Jahren legt der Versiwollten Anleger sich nicht entgehen
dukte hinweg. Zu bemän- cherer tatsächlich Gelder für den KunDen Inflationstest vor Steuern be- lassen – dabei war die Transparenz in
geln gibt es vieles, bei- den an. Kündigt der Anleger innerHead of ETFs Europe
stehen diese Corporate Bonds gerade Bezug auf Risiken und Kosten nebenspielsweise bei den kapi- halb dieser Zeitspanne seinen Verbei Société Générale
noch, denn Anleger haben sich seit sächlich. Auch institutionelle Investotalbildenden Lebensver- trag, hat er oftmals einen negativen
Corporate &
Monaten darauf gestürzt, so dass ren waren entzückt von den Renditesicherungen – dem Lieb- Rückkaufswert. Seine Sparbeträge
Investment Banking
steigende Kurse die Renditen sinken chancen und der Produkt- und Anlalingsprodukt der Deut- sind vollständig für die Abschlussproließen. Aber im Durchschnitt werden gevielfalt, ohne die dahinter liegenschen. Im Zentrum der vision verbraucht – außer Spesen
immer noch 3 % erreicht. Wer mehr den Strukturen genauestens zu hinwill, muss sich bei Anleihen unter- terfragen. Dann kam die Lehman- mäßig Informationen über die Verän- Kritik stehen der unzureichende Aus- nichts gewesen.
weis von Kosten sowie die fehlende
halb von Investmentgrade umsehen. und mit ihr die Finanzkrise. Seitdem derungen von Risiken erhielten.
Zudem verschärft die aktuelle, Darstellung ihrer Auswirkungen auf
Da gibt es 6 % und mehr, allerdings ist nichts mehr wie vorher.
Ein seltenes Gut
schwierige Finanzmarktsituation die die Gesamtrendite eines Lebensverist auch das Ausfallrisiko deutlich
Herausforderungen, vor denen Anle- sicherungsvertrages – und zwar vor
höher – und das ist nicht jedermanns
Tatsächlich gibt es nur wenige FiVertrauen auf Tiefpunkt
ger stehen. Die Sparquote der Privat- Vertragsabschluss. Mögliche Interes- nanzprodukte, die wirklich transpaSache.
Unternehmensanleihen
weisen
Die Finanzkrise hat Privatanleger haushalte liegt mit 12 % derzeit senkonflikte sind für Anleger selten rent sind. Börsengehandelte Indexnoch ein weiteres Merkmal auf, das und Investoren gleichermaßen stark durchaus hoch, und auch institutio- erkennbar. Nicht ohne Grund arbei- fonds (ETF) gehören zu dieser seltein der jetzigen Situation vorteilhaft verunsichert. Das Vertrauen in die Fi- nelle Investoren sitzen teilweise auf tet die EU-Kommission derzeit da- nen Gruppe – wenn sie nicht sogar zu
sein sollte. Ihre Kurse sind sehr stark nanzwelt und ihre Produkte ist auf ei- massiven Liquiditätsreserven. Sie alle ran, dass Makler ihre Provisionen den transparentesten Anlageprodukvon der Konjunkturentwicklung ab- nem Tiefpunkt angelangt. Kunden suchen nach attraktiven Anlagen am und deren Herkunft im Vorfeld of- ten überhaupt zählen.
hängig. Mit guter Konjunktur sinkt sind kritischer geworden und hinter- Finanzmarkt. Dabei hat sich das Ideal fenlegen müssen. Zudem seien die
Während traditionelle Investmentdas Bonitätsrisiko, die Kurse steigen fragen aktiv Produkt- und Kosten- der Geldanlage gewandelt: Die Ren- Abschlussvergütungen und laufen- fonds ihren Anlegern in der Regel nur
tendenziell. Gute Konjunktur kor- strukturen. Laut einer Investorenum- dite ist zwar noch wichtig, aber ge- den Kosten im Produktinformations- auf monatlicher, vierteljährlicher
respondiert in der Regel mit steigen- frage des Informationsdienstes VWD rade bei Privatanlegern deutlich in blatt nur sehr schwer zu finden und oder gar halbjährlicher Basis Informaden Zinsen und einer zunehmenden würden viele Menschen mehr Geld den Hintergrund getreten. Heute zwischen unterschiedlichen Anbie- tionen über die Zusammensetzung
Inflationsgefahr. Das Zinsänderungs- anlegen, wenn sie die Anlagerisiken sind sichere und vor allem transpa- tern nicht vergleichbar, so die Kriti- des Portfolios zur Verfügung stelker. Gerade die Kosten machen jerisiko von Unternehmensanleihen besser verstehen könnten und regel- rente Anlagen gefragt.
Fortsetzung Seite B3
Investoren erwarten klare Finanzprodukte
Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Börsen-Zeitung Nr. 114
B3
Breiteres Angebot ermöglicht neue Strategien
Erfolgsrezept für db X-trackers waren Innovationen, die den börsengehandelten Indexfonds noch vielseitiger gemacht haben
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Börsennotierte Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF) haben
sich heute weltweit etabliert. Anleger
haben 1 450 Mrd. US-Dollar in ETF investiert, davon knapp 300 Mrd. USDollar in Europa. Kaum ein Teil des
Investmentmarktes hat sich dabei so
dynamisch entwickelt wie die ETFBranche. db X-trackers, das ETF-Geschäft der Deutschen Bank, ist erst
fünf Jahre am Markt und bereits die
Nummer 2 in Europa und Nummer 5
weltweit unter allen ETF-Anbietern.
Interessant ist dabei zu analysieren, welche Faktoren dazu geführt haben, dass ein ETF-Anbieter sich erfolgreich durchsetzt. Da ETF keine Provisionen beinhalten und nicht „in den
Markt gedrückt“ werden können,
werden sie aktiv von Investoren gekauft. Das bedeutet: Kriterien, die bisher gut bei Investoren angekommen
sind, geben einen Hinweis darauf,
was auch in Zukunft für einen Erfolg
im ETF-Markt nötig ist.
Etwas Neues bieten
Wenn man es auf die Grundlagen
herunterbricht, dann gelten im ETFMarkt im Prinzip dieselben Mechanismen wie bei Autos oder Mobiltelefonen. Neue Marktteilnehmer haben
nur dann eine Chance, wenn sie etwas Neues bieten. Einen Index genau
und zuverlässig zu günstigen Konditionen abzubilden, wird von Investoren als Basis vorausgesetzt, das alleine reicht noch nicht. Viele werden
sich heute nicht mehr erinnern:
Selbst Apple schlug damals große
Skepsis entgegen, als der US-Konzern
ein eigenes Handy in einem bereits
fortgeschrittenen Markt vorstellte.
Aber das iPhone hat mit seiner einfachen, intuitiven Handhabung und intelligenten Software den Markt für
Mobiltelefone grundlegend verändert.
Im ETF-Markt gelten ähnliche Regeln. Die ETF der Deutschen Bank kamen 2007 auf den Markt, im selben
Jahr übrigens, als der Apple-Konzern
sein erstes iPhone vorgestellt hat.
Auch damals gab es Stimmen, die bezweifelten, ob sich ein weiterer ETFAnbieter durchsetzen kann. Wir waren aber überzeugt, es ist möglich,
sich zu positionieren, wenn man
Neuerungen bietet, mit denen Anleger ihre Anlageziele genauer als vorher umsetzen können.
In drei Bereichen haben ETF in den
vergangenen Jahren gewaltige Fort-
tung. Erst damit können Investoren
zielgenau ihre Investmentziele umsetzen.
Ein Beispiel im Bereich der Schwellenländeranlagen soll dies verdeutlichen. Ein beliebtes Anlageziel für
ETF-Investoren ist der MSCI Emerging Markets. Jedoch könnten Investoren eine Allokation bevorzugen, bei
der chinesische Aktien nicht enthalten sind. China-Werte sind schließlich mit 18 % im MSCI Emerging MarUmfangreiche Palette
kets hoch gewichtet. In diesem Fall
Das Produktangebot hat in der würde eine Kombination der ETF auf
ETF-Branche sehr stark zugenom- MSCI LatAm, MSCI EAMA (Osteumen, von 415 im Jahr 2005 bis auf ropa/Afrika) und wichtige asiatische
Länder wie MSCI Korea,
MSCI India und MSCI Indonesia gewählt werden. Oder der Investor
Von
möchte in SchwellenlänThorsten Michalik
der investieren, aber einen bestimmten Sektor
außen vor lassen. In diesem Fall könnte er ein
Portfolio aus MSCI-EMSektor-ETF zusammenHead of db X-trackers,
stellen.
Deutsche Bank
Der MSCI Emerging
Exchange Traded
Markets setzt sich moduFunds
lar aus Ländern, Regionen und Sektoren zusamheute weltweit 2907 einzelne ETF. men, die alle einzeln für ETF invesBei db X-trackers ist die Palette von tierbar sind. Dieses Beispiel zeigt,
acht ETF beim Start 2007 auf mittler- dass eine große, möglichst vollstänweile mehr als 250 gewachsen. Die dige Palette unerlässlich ist, um die
Entwicklung lässt sich in zwei Stu- Möglichkeiten von ETF auszuschöpfen einteilen. Zuerst wurden neue fen. Durch die Kombination sich erAnlageklassen via ETF erstmals für gänzender ETF kann der Investor eiAnleger zugänglich. Das trifft bei- nen Mehrwert gegenüber seiner Verspielsweise auf den Eonia-ETF zu, gleichsbenchmark erreichen, ohne eider bereits seit 2007 den von der Eu- nen aktiven Fondsmanager zu währopäischen Zentralbank (EZB) veröf- len, der einen Unsicherheitsfaktor
fentlichten Geldmarktsatz widerspie- mit sich bringen würde.
Die Börsennotierung eines ETF ist
gelt. Im Bereich Rohstoffe war einer
der Pioniere der ETF auf den Deut- die gängigste Variante, eine Order zu
sche Bank Liquid Commodity Index
(DBLCI) der – ebenfalls seit 2007–
die Notierungen eines breiten Korbes
von Rohstoffpreisen abbildet. Der
Rohstoff-ETF ist bis heute der größte
seiner Kategorie, der Eonia-ETF war
zeitweise der größte ETF Europas.
Im zweiten Schritt, und der ist fast
noch wichtiger als der erste, wurden
innerhalb der Anlageklassen neue
ETF aufgelegt, die immer eine genauere Unterteilung beispielsweise
in Sektoren und Länder enthalten.
Dieser Schritt erfolgt nicht, wie manche kritische Stimmen vermuten, um
die Palette auf eine möglichst imposante Zahl zu vergrößern. Vielmehr
bringen diese Segmentierungen erst
die Vorteile von ETF richtig zur Gel-
schritte erzielt, auf die gerade die
Deutsche Bank bei der Weiterentwicklung des ETF-Geschäfts großen Wert
legt:
䡲 Breiteres Produktangebot ermöglicht neue Strategien.
䡲 Mehrere Orderwege bieten mehr
Flexibilität.
䡲 Neue Zielgruppen durch einfachen Marktzugang erreicht.
Klare Finanzprodukte
Fortsetzung von Seite B 2
len, kann die Zusammensetzung eines Exchange Traded Fund und des
Referenzindex zu den börsenüblichen Handelszeiten fortlaufend abgefragt werden. Zudem wird der sogenannte indikative Nettoinventarwert
(iNAV) für ETF während der Börsenzeiten permanent neu berechnet.
Auch die Preisbildung von ETF ist
transparent: Ihr Kurs orientiert sich
immer an der Entwicklung des zugrunde liegenden Index.
Ein genauer Blick lohnt sich
Auch wenn ETF beispielsweise von
Verbraucherzentralen oder Stiftung
Warentest als Anlagebausteine grundsätzlich empfohlen werden, konnten
sie sich nicht gänzlich der Kritik
entziehen. Der Einsatz von Derivaten
bei synthetischen ETF und die gängige Wertpapierleihe bei voll replizierenden ETF waren immer wieder
Gegenstand von Diskussionen, die
viel Vertrauen bei den Anlegern zerstört haben.
In der Tat sollten Anleger auch bei
ETF genau hinschauen. Denn nicht jeder ETF ist so transparent, wie er es
zu sein angibt. Betrachtet man beispielsweise einen klassischen ETF auf
den Dax, fällt auf, dass der komplette
Wertpapierkorb und Angaben zu den
Kontrahentenrisiken veröffentlicht
werden. Kommt es zur Wertpapierleihe, halten sich manche Anbieter jedoch bedeckt, auch, weil es derzeit
keine gesetzlichen Vorgaben gibt, solche Informationen auf täglicher Basis
zu veröffentlichen. Dennoch stellt es
für Anleger einen entscheidenden Risikoaspekt dar, wenn Wertpapiere
aus dem Sondervermögen ihres
Fonds zeitweise an Dritte verliehen
werden.
Lyxor kommt den klaren Anforderungen der Investoren nach mehr
Transparenz durch die Einführung
von Qualitätsstandards für seine Produkte nach. Die Idee von verbindlichen Qualitätsstandards ist nicht
neu. Konsumgüterhersteller sind seit
Jahrzehnten gewohnt, das Vertrauen
von Verbrauchern zu gewinnen, indem sie ein Produktversprechen abgeben. Im ETF-Bereich ist der Vorstoß,
einen Qualitätsstandard einzuführen, noch immer einzigartig. Dabei
sollte der Anspruch, bestimmte Arbeitsabläufe nach klar definierten
Merkmalen abzubilden oder ein Produktversprechen auf eine hohe Transparenz abzugeben, im Selbstverständnis der Anbieter fest verankert sein.
Lyxor hat mit seiner ETF-Charta
ein Gütesiegel für Qualität eingeführt. Es garantiert den Kunden zu jeder Zeit eine hohe Kosten- und Produkttransparenz sowie die Einhaltung effizienter Prozesse. So geben
die tägliche Veröffentlichung der Anlagewerte der Fonds, die Höhe des
Kontrahentenrisikos, Details zum jeweiligen Kontrahenten bei den betreffenden Swap-Geschäften oder die
Darstellung des Tracking-Error für jeden ETF Antworten auf die dringlichen Fragen der Kunden.
Notwendiges Gütesiegel
Der gesamte Finanzmarkt in
Deutschland steht am Beginn einer
Transparenz- und Informationswelle
für Anleger – auch ausgelöst durch
die Forderung der Investoren, Verbraucherschützer und Regulatoren,
sowohl Risiken, Kosten als auch mögliche Interessenkonflikte offenzulegen. Andernfalls werden Investmentchancen nicht oder falsch genutzt –
zum Schaden der Anleger. In diesem
Umfeld werden Qualitätsstandards
zu einem notwendigen Gütesiegel.
Lyxor ETF gehören zu den wenigen
Finanzprodukten, die diesen Nachweis für Verlässlichkeit erbringen.
platzieren. Sie wird immer der Kern
des Exchange Traded Fund bleiben.
Aber auch hier gibt es Raum für Verbesserungen. Das Ziel ist, die Liquidität im ETF-Handel zu steigern und
auf diesem Wege die Transaktionskosten zu senken. Der Handel mit db
X-trackers wird seit seinem Start
2007 von der Deutschen Bank als
wichtigstem Market Maker unterstützt. Market Maker besitzen eine
zentrale Rolle im ETF-Handel, sie kreieren neue ETF-Anteile und gleichen
Angebot und Nachfrage von Investoren aus.
Mittlerweile treten zahlreiche renommierte Häuser als Market Maker
für unsere ETF auf. Aber es gibt Situationen, in denen andere Orderwege
sinnvoll sind. Auch in diesem Punkt
hat sich die Branche stark weiterentwickelt. Institutionelle Adressen können ETF-Anteile OTC, also direkt mit
einer Bank handeln. Das macht Sinn,
wenn große Summen investiert werden sollen. Die Kurse der Market Maker im Börsenhandel gelten schließlich nur bis zu einer bestimmten Ordergröße. Als dritter Weg hat sich der
NAV-Handel etabliert. Dieser Weg
bietet sich an, wenn beispielsweise
eine strategische Position aufgebaut
werden soll. Dann ist nicht unbedingt
eine sofortige Orderausführung nötig. Jeder db-X-trackers-ETF kann
zum Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) gekauft werden, der am
Ende des Handelstages auf Basis der
Kurse der Wertpapiere im Fondsvermögen berechnet wird. Bei dieser Variante fallen keine Transaktionskosten wie beim Kauf über die Börse an.
Eine modulare ETF-Palette und optimierte Ordermöglichkeiten haben
wesentlich zum Wachstum des ETFMarktes beigetragen. Als dritte Trieb-
feder sind neue Investorengruppen
zu nennen. Seit 2010 kooperiert db
X-trackers mit Discount-Brokern
beim Angebot von kostenlosen ETFSparplänen. Mittlerweile können Anleger bei allen großen Wettbewerbern schon mit geringen monatlichen
Beträgen ohne weitere Kosten in ETF
investieren. Seit dem Start dieser
Kooperationen hat sich die Zahl der
ETF-Sparpläne vervielfacht. Ein weiteres Beispiel ist der verstärkte Einsatz von ETF in Fondspolicen, Dachfonds oder bei unabhängigen Vermögensverwaltern. Vor allem für die
Honorarberatung eignen sich ETF
ideal, da bei dieser Konstruktion die
Vergütung nicht über Provisionen
und Ausgabeaufschläge erfolgt, sondern über eine gesonderte Honorierung. Da ETF ohnehin keine Kickbacks und Agios und nur niedrige laufende Kosten enthalten, werden sie
verstärkt von Vermögensverwaltungen eingesetzt.
Die Zukunft des ETF-Marktes
Die Entwicklung der Produktpalette ist bereits weit vorangeschritten.
Neuerungen sind noch bei der Berechnung der Indizes denkbar. Es setzt
sich immer mehr die Auffassung
durch, dass ein Index nicht unbedingt nach der Marktkapitalisierung
seiner Mitglieder gewichtet sein
muss. Eine andere Möglichkeit ist,
bei einem Index die Teilnehmer
gleich hoch zu gewichten, um einen
zu hohen Anteil von Aktien oder Branchen zu vermeiden, die sich in der
Vergangenheit stark entwickelt haben.
Dagegen sehe ich beim Thema Effizienz des Börsenhandels und Verbreitung bei neuen Investorengruppen
noch große Potenziale. Der Handel
mit ETF steckt nach meiner Überzeugung in einer „positiven“ Spirale. Damit ist Folgendes gemeint: Verglichen mit den USA steht der ETF-Handel in Europa noch am Anfang. Während dort bereits ein Viertel des Börsenhandels insgesamt auf ETF zurückgeht, ist es in Europa erst ein Zehntel.
Steigt der ETF-Handel in Europa auf
das gleiche Niveau wie in den USA,
wofür einiges spricht, sinken die
Transaktionskosten wie Geld/BriefSpannen weiter. Diese Entwicklung
könnte weitere Investoren davon
überzeugen, über ETF zu investieren.
Auch bei der Nutzung von ETF
durch neue Zielgruppen ist die Entwicklung noch ganz am Anfang. ETF
werden zunehmend als Ersatz für Direktinvestments akzeptiert, da sie
gleichzeitig eine breite Streuung und
eine besondere Stellung als Sondervermögen bieten. Damit kommen sie
für nahezu jeden Investor in Frage,
vom Vermögensverwalter über den
Fondsmanager bis zum Pensionskassen- und Stiftungsmanager.
Ganz vorn dabei
Fazit: Das Erfolgsrezept für db
X-trackers, in fünf Jahren zur Nummer 2 der ETF-Anbieter in Europa
und Nummer 5 der Welt aufzusteigen, waren Innovationen, die den börsennotierten Indexfonds noch vielseitiger gemacht haben. Für die Zukunft
liegt der Fokus nach meiner Überzeugung vor allem darauf, die vielfältigen Möglichkeiten des Einsatzes von
ETF transparent zu vermitteln und
weiteren Anlegern den Zugang zu erleichtern. Daher bin ich davon überzeugt, dass sich der ETF-Markt auch
künftig dynamisch entwickeln wird.
B 4 Börsen-Zeitung Nr. 114
Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Zusatzrenditen mit Renten-ETF trotz schwieriger Zeiten
Breites Spektrum der Indexpapiere verbessert Risikoprofil – Produkte auf Unternehmensanleihen sind besonders gefragt
real einen Geldwertverlust. Allerdings gibt es auch in diesem Marktumfeld Renditechancen bei festverzinslichen Wertpapieren. Dies erklärt, warum Investoren ihre Positionen zuletzt gerade bei ETF auf
festverzinsliche Wertpapiere ausgebaut haben. Im ersten Quartal
2012 verzeichneten Exchange Traded Products (ETP), also ETF und
andere börsengehandelte Indexprodukte, den höchsten Nettomittelzufluss ihrer Geschichte. Weltweit
wurden 67,3 Mrd. US-Dollar zusätzlich in börsengehandelten Indexprodukten
angelegt.
Besonders
stark fiel der Zugewinn
Von
bei den Fonds auf festMichael Grüner
verzinsliche Wertpapiere aus, die allein 29 %
der zusätzlich investierten Mittel in ETP ausmachten und damit einen Rekordzufluss verVertriebsleiter für
zeichneten.
Deutschland,
Weltweit steckten InÖsterreich und
vestoren ihre Gelder vor
Osteuropa bei iShares
allem in ETF auf Unternehmensanleihen. Mehr
ded Funds (ETF), also börsenge- als 16,5 Mrd. US-Dollar flossen in
handelte Indexfonds, erleichtern die Produkte. Offenbar bewerten die
Investoren ein Investment in viele Investoren das Risiko-Rendite-VerAnleihesegmente, in denen sich hältnis dieser Wertpapiere besontrotz der aktuellen Marktsituation at- ders positiv. Hierfür spricht auch,
traktive Renditen erzielen lassen. dass viele Unternehmen die FinanzDurch ihre breite Diversifikation und Wirtschaftskrise gut überwunund gute Handelseigenschaften eig- den haben.
nen sich die Produkte sowohl für
taktische als auch für langfristige InMehr als 1 000 Einzeltitel
vestments.
Beispielsweise verfügen amerikanische Unternehmen weiterhin über
Beachtliche Mittelzuflüsse
sehr hohe Barreserven von mehr als
Nach dem allgemeinen Aufwärts- 1 Bill. US-Dollar. Zudem hat sich die
trend um die Jahreswende zeigten wirtschaftliche Lage in den USA zusich die Aktienmärkte zuletzt nicht letzt erholt, wodurch die Unternehmehr so gefestigt. Aufgrund der an- mensgewinne stetig zulegen konndauernden Niedrigzinspolitik in der ten. Trotz ihrer starken Bilanzen
Eurozone und den USA bieten zu- und zuletzt positiven wirtschaftlidem viele festverzinsliche Wertpa- chen Entwicklung rentieren die Unpiere weiterhin nur eine geringe Ver- ternehmensanleihen vielfach mit
zinsung. So rentieren deutsche deutlichen Aufschlägen gegenüber
Staatsanleihen mit einer Restlauf- vergleichbaren Staatsanleihen. Mitzeit von zehn Jahren derzeit bei- hilfe von Renten-ETF ist es möglich,
spielsweise mit weniger als 2 %. kosteneffizient und unkompliziert in
Gleichzeitig hält sich die Inflations- dieses Segment zu investieren. Hierrate auf einem konstant hohen Ni- bei profitieren Investoren von der
veau. Investoren erleiden so häufig breiten Diversifizierung der RentenBörsen-Zeitung, 16.6.2012
Das Marktumfeld erschwert Investoren weiterhin ihre Anlageentscheidungen. Ein attraktives Verhältnis
von Risiko und Rendite lässt sich
angesichts anhaltend niedriger Zinsen, einer unveränderten Inflationsgefahr sowie der hohen Volatilität
vieler Aktienmärkte derzeit nur
schwer erzielen. Vielmehr sind Investoren gefordert, Anlagemöglichkeiten jenseits der etablierten Aktienmärkte und bekanntesten Staatsanleihen zu suchen. Exchange Tra-
ETF. Sie bieten vielfach Zugang zur
Wertentwicklung von Anleihe-Portfolien aus mehreren hundert Wertpapieren. Beispielsweise setzt sich der
iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond aus mehr als 1 000 Einzeltiteln zusammen. Durch diese breite
Streuung über verschiedene Wertpapiere und Emittenten vermindert
sich das Ausfall- und Kursrisiko aus
der Entwicklung einzelner Unternehmen erheblich.
Vielfältige Anlageziele
Das breite Produktangebot unterstützt vielfältige Anlageziele der
Investoren. So können sie mit den
ETF einerseits gezielt langfristige
Positionen in einem breiten Portfolio
von Unternehmensanleihen aufbauen. Gleichzeitig können Investoren mit den ETF ihre Positionen
taktisch an ihre Bewertung verschiedener Marktsegmente anpassen.
Beispielsweise können sie Produkte
wählen, die Anleihen von Finanzinstituten explizit ausschließen. Risi-
„Die Entwicklung der
Renten-ETF ist noch
lange nicht zu Ende.
Vielmehr zeigen die
aktuell hohen Zuwachsraten der Anlageklasse, wie sehr Investoren ETF bereits
als Instrument für ihr
festverzinsliches Portfolio nutzen.“
ken für die Banken aus einer sich verschärfenden Schuldenkrise lassen
sich damit für das Anleiheportfolio
ausklammern.
Umgekehrt kann sich ein Portfolio, das Papiere der Finanzinstitute
einschließt, bei einem besseren Verlauf des Abbaus der Staatsverschuldung als erwartet als renditeträchtiger erweisen. Mit Produkten auf
Pfandbriefe können Investoren die
Risiken aus einer Anlage in Anleihen
aus dem Bankensektor zusätzlich reduzieren, da Pfandbriefe mit Sicherheiten, in der Regel Immobilien, hinterlegt sind. Aufgrund der hohen Liquidität der ETF und ihrer einfachen
Handelbarkeit lässt sich das Portfolio mit ihnen jederzeit effizient neu
aufstellen.
Emerging-Markets-Anleihen
Neben den Unternehmensanleihen bieten sich vor allem Anleihen
aus den Emerging Markets an, um
höhere Renditen zu erzielen. Ähnlich wie bei den Aktienmärkten profitieren die Papiere von der positiven
wirtschaftlichen Entwicklung der
aufstrebenden
Volkswirtschaften.
Vielfach sind die Emerging Markets
besser aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen als die Industrienationen.
Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite sind im
Vergleich zu ihrer Wirtschaftsleistung häufig geringer und die demografische Entwicklung ist günstiger. Trotz dieser positiven Faktoren
rentieren die Anleihen aus den Emerging Markets unverändert über den
Papieren gerade der Industrienationen mit einer hohen Kreditwürdigkeit wie Deutschland oder den
USA.
Beispielsweise weist der iShares
J.P. Morgan $ Emerging Markets
Bond Fund einen durchschnittlichen
Kupon von 6,8 % auf. Auch bei der
Anlage in Schuldverschreibungen
aus den Emerging Markets profitieren Investoren von der hohen
Liquidität und breiten Diversifikation der ETF. So verteilt der ETF
mit 74 Einzeltiteln Risiken breit über
die verschiedenen Emerging Markets. Gleichzeitig weisen die ETF
durch den Handel über die Börse
oder direkt mit den Market Makern
vielfach eine höhere Liquidität als
die einzelnen abgebildeten Wertpapiere auf. Positionen lassen sich
hierdurch einfach und kostengünstig anpassen. Da sowohl Indexfonds, die allein Staatsanleihen
in US-Dollar abbilden, als auch
Produkte auf Anleihen in den jeweiligen lokalen Währungen angebo-
ten werden, können Investoren mit
den Papieren Bewertungsunterschiede zwischen den einzelnen
Währungen gezielt nutzen. So lassen sich etwa Zusatzrenditen erzielen, falls die Devisenkurse der Emerging Markets aufgrund ihrer positiven wirtschaftlichen Entwicklung
aufwerten.
Erleichterung für Investoren
Ein Vorteil von ETF auf festverzinsliche Wertpapiere ist zudem, dass sie
Investoren das Portfoliomanagement
erleichtern. Beispielsweise vereinfachen die Fonds das Management der
Kreditrisiken im Anleiheportfolio. So
wählen die Fonds jeweils nur Anleihen mit bestimmten Krediteigenschaften aus und passen das Portfolio beständig an. Beispielsweise haben ETF auf europäische Staatsanleihen ihre Positionen in griechischen
Staatsanleihen abgebaut, nachdem
Ratingagenturen die Bonität unter Investment Grade herabgestuft hatten.
Umgekehrt können Investoren beispielsweise über ETF auch gezielt in
hochverzinsliche Anleihen investieren und so ihre Renditen steigern. Gerade bei diesen risikoreicheren
Schuldverschreibungen hilft die
breite Diversifikation der ETF, Kreditrisiken abzufedern und gleichzeitig
von überdurchschnittlich hohen Kupons zu profitieren. Zudem halten
die meisten ETF die Laufzeit der gehaltenen Anleihen konstant und nehmen Investoren damit die beständige
Anpassung des Portfolios an abnehmende Restlaufzeiten ab.
Hohe jährliche Verzinsung
Das weiterhin schwierige Marktumfeld lässt Investoren nach renditeträchtigen Alternativen suchen. Insbesondere ETF auf Staatsanleihen
aus den Emerging Markets, Unternehmens- sowie Hochzinsanleihen
weisen hierbei ein attraktives Risiko-Rendite-Profil auf. Der breiten Diversifikation und positiven Wirtschaftsfaktoren der einzelnen Segmente steht so vielfach eine hohe
jährliche Verzinsung gegenüber. Die
Entwicklung der Renten-ETF ist daher noch lange nicht zu Ende. Vielmehr zeigen die aktuell hohen Zuwachsraten der Anlageklasse, wie
sehr Investoren ETF bereits als Instrument für ihr festverzinsliches Portfolio nutzen.
Aktives Währungsmanagement zahlt sich aus
Diversifikation erhöht Fremdwährungsrisiken – Mit ETP lässt sich der Wechselkursgefahr komfortabel und effektiv begegnen
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Mithilfe börsengehandelter Indexprodukte, sogenannter Exchange
Traded Products (ETP), können Investoren ihr Portfolio effizient breit
diversifizieren. Denn mit den Produkten lassen sich auch sonst
schwer zugängliche Märkte einfach
beimischen. Beispielsweise können
Investoren über Exchange Traded
Funds (ETF) in Emerging Markets
oder alternative Anlagen wie Rohstoffunternehmen und den weltweiten Schiffsfrachtverkehr investieren.
Zudem ergänzen Investoren mit Exchange Traded Commodities (ETC)
ihr Portfolio zunehmend um Rohstoffe.
Investoren denken um
Durch die Internationalisierung
des Aktienportfolios und die überwiegend in US-Dollar gehandelten
„Allein in börsengehandelten Rohstoffen
(ETC) hat sich das
weltweit verwaltete
Vermögen in den vergangenen fünf Jahren mehr als verfünffacht und lag zum
Ende des ersten Quartals 2012 bei rund
190 Mrd. US-Dollar.“
Edel- und Industriemetalle sowie
Agrarrohstoffe nimmt das Währungsrisiko in den Portfolien zu. Um sich
gegen diese Währungsrisiken abzusichern, aber auch um die hohe Volatilität der Devisenmärkte für zusätzliche Renditen zu nutzen, können Investoren mit ETP das Wechselkursri-
siko mittlerweile komfortabel und effizient managen.
Eine breite Diversifikation ist eine
Grundregel des modernen Portfoliomanagements. So hat schon
Harry Markowitz mit seiner Portfoliotheorie in den fünfziger Jahren
den Wert einer breiten Diversifikation für das Portfoliomanagement
hervorgehoben. Allerdings hat sich
in der Finanzkrise gezeigt, dass die
verschiedenen etablierten Aktienund Anleihemärkte zunehmend voneinander abhängen und sich daher
ähnlich entwickeln. Eine Diversifikation unter ihnen hat somit nur einen begrenzten Wert. Investoren
weichen daher verstärkt auf alternative Märkte und Anlageklassen wie
beispielsweise die Emerging Markets und Rohstoffe aus, die schwächer mit den entwickelten Aktienund Anleihemärkten korrelieren. Allein in börsengehandelten Rohstoffen (ETC) hat sich das weltweit verwaltete Vermögen in den vergangenen fünf Jahren mehr als verfünffacht und lag zum Ende des ersten
Quartals 2012 bei rund 190 Mrd.
US-Dollar.
Inhaberschuldverschreibung
Anders als die bekannten ETF handelt es sich bei den ETC um Inhaberschuldverschreibungen. Denn die Abbildung einzelner Rohstoffe lässt
sich aufgrund der Diversifikationsvorschriften der europäischen Fondsrichtlinie Ucits III nicht über Investmentfonds darstellen. Indem die
ETC physisch mit Edel- oder Industriemetallen hinterlegt werden, lassen sich jedoch jegliche Kreditrisiken
ausschließen. Bei Rohstoffen, die
sich nicht wie Edel- oder Industriemetalle effizient lagern lassen, erfolgt deren Abbildung über SwapVereinbarungen.
Ähnlich wie bei den Swap-basierten ETF werden für diese liquide Kreditsicherheiten mit hoher Bonität
hinterlegt, sodass sich Ausfallrisiken
effektiv eingrenzen lassen. Um das
Ausfallrisiko so niedrig wie möglich
zu halten, werden die Swaps täglich
bewertet. Die hinterlegten Kreditsicherheiten und die Überbesicherung
werden tagesaktuell im Internet ausgewiesen und sind damit für Investoren jederzeit transparent. Der Handel der ETC wird wie bei ETF durch
unabhängige Market Maker unterstützt, sodass die börsengehandel-
nem privaten Kontraktpartner statt.
Bei Swap-Geschäften, die ebenfalls
außerbörslich vereinbart werden, erfolgt ein Tausch von Währungen, wobei die Vertragspartner bereits bei
Geschäftsabschluss einen festen
Rücktauschtermin vereinbaren. All
diese Instrumente zur Absicherung
gegen Wechselkursrisiken haben jedoch den Nachteil, dass eine ständige Anpassung anhand
der aktuellen Fremdwährungspositionen nötig ist. Unter anderem
Von
ist zu bestimmen, in welBernhard Wenger
chem Umfang und wie
häufig die Absicherung
ins Gleichgewicht gebracht und verlängert
werden muss. Wenn
Director bei
Kontrakte auslaufen, ist
ETF Securities für
außerdem jedes Mal zu
Deutschland,
prüfen, ob ein neues GeÖsterreich sowie
abgeschlossen
Mittel- und Osteuropa schäft
werden muss. Nicht zuletzt bergen diese Proten Rohstoffe ebenfalls sehr liquide dukte ein Kontrahentenrisiko, wessind und sich zu engen Spreads han- halb das Gegenparteirisiko jeweils
deln lassen.
exakt zu bestimmen und zu bewerMit dem Trend zu einer breiteren ten ist.
Aufstellung des Portfolios über börEine Alternative für das Managesengehandelte Produkte gehen wach- ment von Wechselkursrisiken sind
sende Währungsrisiken einher. Bei- ETC. Rohstoffinvestments und Wähspielsweise ist bei Rohstoffinvest- rungsmanagement lassen sich mit
ments neben der Spot- und der Roll- ihnen einfach über ein Produkt
rendite die Entwicklung des Wechsel- umsetzen. So bietet ETF Securities
kurses zwischen der Handelswäh- seit März Rohstoff-ETC mit einer
rung US-Dollar und der Eigenwäh- täglichen Währungsabsicherung an.
rung eine wichtige Renditequelle. In- Die Produkte unterstützen ein Investoren können verschiedene Ins- vestment mit Währungsabsicherung
trumente wählen, um sich gegen un- in die wichtigsten Rohstoffe wie
liebsame Währungsschwankungen Agrargüter, Edelmetalle und breite
abzusichern. Eine Option sind Deri- Rohstoffkörbe, indem sie den Dow
vategeschäfte, wodurch allerdings Jones UBS Commodity Index Euro
erheblicher
Aufwand
entsteht. Hedged Daily Total ReturnSM sowie
Hierzu können Investoren beispiels- seine Subindizes mit Hilfe von
weise auf Terminkontrakte wie For- Swap-Vereinbarungen abbilden. Die
wards und Futures zurückgreifen.
regelmäßige Anpassung der Währungspositionen, aber auch das
Management der Kreditsicherheiten
Unliebsame Schwankungen
wird von den Produkten überWährend Futures an der Börse ge- nommen. Die Gebühren für die
handelt werden, findet ein Forward- Währungsabsicherung der Produkte
Geschäft außerhalb der Börse mit ei- betragen für Investoren aus dem
Euroraum lediglich 22 Basispunkte
pro Jahr zuzüglich der Managementgebühren für die Abbildung der
Rohstoffmärkte.
Einfach und günstig handeln
Zudem lassen sich die Positionen
mit den ETC einfach und günstig
über die Börse handeln. Die ETC mit
einer täglichen Währungsabsicherung bilden ein währungsneutrales
Investment in Rohstoffe anders als
die bislang erhältlichen Produkte,
die nur einmal im Monat eine Anpassung an die Währungsentwicklung
vornehmen, genauer ab. Ihr Tracking Error im Vergleich zu einem
währungsneutralen Rohstoffinvestment ist geringer. Damit werden unerwünschte Währungseffekte nahezu vollständig ausgeschlossen. Besonders in volatilen Märkten schwanken die Wechselkurse teilweise erheblich, weshalb bei kurzfristigen
taktischen Investments mit einer hohen Fremdwährungsposition eine zusätzliche Währungsabsicherung ratsam erscheint.
Erheblicher Renditevorteil
Vergleicht man die Entwicklung
des in US-Dollar notierten Dow Jones UBS Commodity Index mit der
aus Sicht europäischer Investoren
wertneutralen Indexvariante, zeigt
sich ein erheblicher Renditevorteil
über die vergangenen zehn Jahre. In
diesem Zeitraum übertraf der Index
mit Währungsabsicherung die Indexvariante in US-Dollar um 55 Prozentpunkte. Während sich in diesem Zeitraum ein Investment mit Währungsabsicherung ausgezahlt hat, gab es
aber auch immer wieder Phasen, in
denen die US-amerikanische die europäische Währung überflügelt hat.
Dies ist vor allem während schwacher Marktperioden der Fall. Beispielsweise wertete der US-Dollar in
der Finanzkrise gegenüber dem
Euro auf, da Investoren in ihm einen
„sicheren Hafen“ sahen und ihre Po-
sitionen in der US-Währung ausbauten.
Aufgrund der unterschiedlichen
Marktzyklen müssen Investoren daher sorgsam abwägen, wann und
über welchen Zeitraum ein Investment mit Währungsabsicherung vorteilhaft ist oder ob sie bewusst Positionen in einer Fremdwährung aufnehmen wollen. Durch eine taktische Auswahl von Währungsindizes je nach Wirtschaftszyklus lassen
sich Renditen zusätzlich erhöhen.
„Eine Alternative
für das Management
von Wechselkursrisiken sind ETC.
Rohstoffinvestments
und Währungsmanagement lassen
sich mit ihnen
einfach über ein
Produkt umsetzen.“
Exchange Traded Currencies, also
ETC auf einzelne Währungspaare,
ermöglichen Investoren zudem, direkt Positionen an den Devisenmärkten aufzubauen. Die Auswahl
der Währungen geht dabei über den
für Rohstoff-Investments maßgeblichen US-Dollar hinaus. So lassen
sich mit den ETC Short- und LongPositionen auf die Wechselkursentwicklung der wichtigsten weltweiten Währungen zum Euro sowie
des chinesischen Yuan und der indischen Rupie zum US-Dollar einnehmen. Insgesamt finden Investoren damit in ETC ein breites und gut
besichertes Instrumentarium, um
die Währungspositionen in ihrem
Portfolio aktiv zu managen.
Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Börsen-Zeitung Nr. 114
B5
Dividendenstrategien mit Indizes effizient umsetzen
Indexkonzepte unterstützen Value Investments und kurzfristige Dividendenstrategien – Dividendenrenditen von bis zu 10 Prozent
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Die aktuelle Dividendensaison hat
verheißungsvoll begonnen. Denn die
Unternehmen haben die Finanz- und
Wirtschaftskrise vielfach gut überwunden. So haben beispielsweise die
30 Titel im Dax 2011 erstmals operative Gewinne von mehr als 100 Mrd.
Euro erzielt, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young errechnet. Die Voraussetzungen für attraktive Ausschüttungen sind damit
gelegt. Trotz der positiven Gewinnentwicklung haben sich viele Aktienmärkte zuletzt seitwärts entwickelt.
Ein niedriges Zinsniveau verleidet Investoren zudem die Anlage in Rentenpapiere. In diesem Marktumfeld richten Investoren ihren Blick auf Dividendenstrategien. Beispielsweise be-
trug die Dividendenrendite des europäischen Euro Stoxx 50 Index zum
Ende des ersten Quartals rund 3,7 %
und übertrifft damit die Rendite vieler Staatsanleihen deutlich. Verschiedene Indexkonzepte ermöglichen es
Investoren jedoch, ihre Dividendenrenditen erheblich zu steigern. Dabei
lassen sich sowohl langfristige Value
Investments als auch kurzfristige taktische Anlagen, die beständig in die
Titel mit bevorstehenden Dividendenzahlungen umschichten, einfach umsetzen.
Lange Tradition
Die Auswahl besonders dividendenstarker Titel hat eine lange Tradition
unter Investoren. Schon Benjamin
sen. Denn die Ausschüttungen tragen gerade in
seitwärts
gerichteten
Von
Märkten erheblich zur
Konrad Sippel
Gesamtrendite bei. Zudem weisen hohe Dividendenausschüttungen
auf eine solide Entwicklung des jeweiligen Unternehmens hin, sofern
Executive Director,
Global Head of Product sie kontinuierlich erfolgen und nicht zulasten
Development bei
der Substanz gehen.
Stoxx Limited
Die Stoxx Select Dividend Indizes sind auf die
Graham, einer der Vordenker des Va- Auswahl von Unternehmen mit einer
lue Investing, hat in der Mitte des vo- langfristig positiven Wertentwickrigen Jahrhunderts auf die Bedeu- lung ausgerichtet. Beispielsweise betung hoher Dividendenzahlungen für rücksichtigen sie allein Unternehdie Auswahl werthaltiger Titel verwie- men, die ihre Dividendenrendite in
den vergangenen fünf Jahren beibehalten oder gesteigert haben. Zudem
dürfen die Unternehmen nicht ihre
gesamten Erträge ausschütten, sondern müssen einen Teil der Gewinne
einbehalten. Die Folge: Die ausgewählten Unternehmen können aus ihren Erträgen Investitionen und damit
ein weiteres wirtschaftliches Wachstum finanzieren. Die Ausschüttungen
belasten damit nicht die langfristige
Unternehmensentwicklung.
Für den Aktienmarkt der Eurozone
sehen die Select Dividend Indizes beispielsweise eine maximale Ausschüttungsquote von 60 % vor, während
etwa Indextitel in der Anlageregion
Asien-Pazifik höchstens 80 % ihrer
Gewinne ausschütten dürfen. Zudem
werden lediglich Unternehmen ausge-
Unkompliziert und direkt in verschiedene Märkte investieren
Ein Basisportfolio lässt sich mit ETF langfristig konzipieren – Vielgestaltigkeit sorgt für Stabilität und Risikostreuung
diversifizierte Indizes an den Aktienmärkten partizipieren. In Deutschland sind vor allem Produkte auf
den Dax beliebt – an der Börse Stuttgart zählen sie zu den am häufigsten
gehandelten ETF.
Neben dem naheliegenden Heimatmarkt stehen den Anlegern auch
die Aktienmärkte anderer Industrienationen mit ihren breit diversifizierten Indizes zur Verfügung, etwa
dem Euro Stoxx 50 für Europa oder
dem S & P 500 für die USA. Daneben
sollten heute auch Aktien-ETF mit
Bezug zu Schwellenländern ein Baustein im Basisportfolio sein. Diese
Märkte in Lateinamerika oder Asien
haben sich auch in den zurückliegenden Krisen vergleichsweise robust gezeigt. Das intakte Wachstum, der
steigende Konsum sowie die niedrige Verschuldungsrate
sprechen ebenfalls für eine
Von
Berücksichtigung dieser
Michael Görgens
Länder. Für die Emerging Markets als breit gefasste Gruppe gibt es
eine Vielzahl von Indizes und ETF unterschiedlicher Anbieter.
Die Zinskomponente
Leiter des Fonds- und
im Basisportfolio könAnleihenhandels der
nen Anleger durch ETF
Börse Stuttgart
auf Anleihen-Indizes abdecken, die in letzter
und verschiedene Anlageklassen um- Zeit viel Aufmerksamkeit erhalten
fasst. Denn eines haben die vergan- und immer häufiger gehandelt wergenen Krisen gezeigt – die Portfo- den. Anleihen zeichnen sich durch
lien, die mehrere Assetklassen in eine geringere Volatilität aus und gelsich vereinten, erwiesen sich als ten deshalb grundsätzlich als ein rudeutlich robuster und brachten eine higerer Baustein. ETF auf Staatsanhöhere Rendite als jene ohne breite leihen-Indizes bieten vielfältige MögDiversifizierung. Um den langfristi- lichkeiten zur Gestaltung des Basisgen Kern herum lassen sich dann – je portfolios. Sie können sich beispielsnach Risikoneigung – natürlich auch weise nur auf relativ sichere deutnoch Investments arrangieren, die sche Bundesanleihen, auf Anleihen
kurz- oder mittelfristige Trends ab- aus der gesamten Eurozone mit höheren Renditen und Risiken oder auf
bilden.
Schwellenländer-Staatsanleihen beziehen. Hinzu kommen Produkte auf
Einfach nachvollziehbar
Indizes für Unternehmensanleihen:
Um einen solchen Core-Satellite- Mit Blick auf die noch schwelende
Ansatz in die Tat umzusetzen, eig- Staatsschuldenkrise sind Corporate
nen sich Exchange Traded Funds Bonds zuletzt als vermeintlich siche(ETF). Zum einen sind sie, wie In- rere Alternative in der Anlegergunst
vestmentfonds auch, Sondervermö- gestiegen.
Um über Aktien und Anleihen higen und daher nicht mit einem Ausfallrisiko des Emittenten behaftet. naus noch mehr Diversifizierung zu
Zum anderen sorgen diese passiven, erreichen, können auch Rohstoffbörsengehandelten Fonds von vorn- ETF als kleiner Baustein in das Baherein für Diversifizierung, da ihnen sisportfolio aufgenommen werden.
jeweils ein Index zugrunde liegt. Das Über eine Vielzahl entsprechender
breit gefächerte Angebot an ETF er- Indizes sind dabei breit gestreute Inmöglicht es Anlegern, auf unkompli- vestments möglich, etwa in Energiezierte Weise direkt in verschiedenen rohstoffe sowie Edel- und IndustrieMärkten zu investieren und unter- metalle. Die weltweiten Rohstoffvorschiedliche Assetklassen abzubilden. kommen sind begrenzt – das sorgt
Dabei fallen deutlich niedrigere Ma- für langfristige Perspektiven.
nagementgebühren an als bei aktiv
gemanagten Fonds. Ebenfalls für
Risikobereitschaft im Fokus
ETF spricht die hohe Transparenz.
Sie sind für den Anleger einfach
Wie die vier Bausteine des Basisnachzuvollziehen, da sie ihren jewei- portfolios im Einzelnen gewichtet
ligen Index eins zu eins abbilden.
sind, hängt von der Risikobereitschaft und der persönlichen Markteinschätzung des Anlegers ab. Um
Vier wichtige Bausteine
ein Portfolio aus ETF zu bauen, empDie Vorteile von ETF kommen fiehlt es sich, zunächst die zu
zum einen im Basisportfolio zum Tra- Grunde liegenden Indizes intensiv
gen. Über die Indexfonds lassen sich zu betrachten. Bei Rohstoffindizes
leicht vier besonders wichtige Bau- sollte zum Beispiel berücksichtigt
steine zusammenstellen: Aktien aus werden, dass der S & P GSCI sehr
den entwickelten Industrienationen energielastig ist. Rentenindizes für
sowie den Schwellenländern, Anlei- den Euroraum gibt es mit und ohne
hen und Rohstoffe. Die Volatilität Werte aus den südeuropäischen Krider weltweiten Aktienmärkte hat senstaaten. Beim MSCI World ist wiemittlerweile zwar deutlich zugenom- derum zu beachten, dass dieser sehr
men, dennoch gehören ETF auf Ak- stark die USA und Großbritannien
tienindizes in ein Basisportfolio hi- widerspiegelt.
Grundsätzlich gilt: Ein Basisportfonein. Schließlich gelten Aktien als
langfristig zuverlässige Renditebrin- lio sollte auf lange Sicht konzipiert
ger und auch als Inflationsschutz. und nicht ständig umgeschichtet
Mit ETF können Anleger über breit werden – es besteht folglich nur aus
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Wenn die Märkte nur eine Richtung
– und zwar die nach oben – kennen,
geht auch für die Anleger in der Regel alles gut. Sind die Zeiten hingegen stürmisch und schlagen die Finanzmärkte hohe Wellen, ist eine Minimierung der Verluste gefragt. Und
in Seitwärtsmärkten oder dem aktuellen Niedrigzinsumfeld stellt sich
die Frage, wie überhaupt eine akzeptable Rendite zu erwirtschaften ist.
In solchen Phasen zeigt sich, welcher Anleger sich solide aufgestellt
hat.
Dabei ist die Ausgestaltung des Basisportfolios von enormer Bedeutung: Als langfristiger Kern der Geldanlage hat es nur dann die nötige
Stabilität, wenn es diversifiziert ist
Long-only-Produkten und folgt im
Grunde einer Buy-and-Hold-Strategie. Dabei sorgt die breite Diversifizierung zwischen und innerhalb der
verschiedenen Assetklassen für Stabilität und Risikostreuung.
Kurzfristige
Marktphänomene
können ebenfalls durch ETF berücksichtigt werden – mit zusätzlichen Investments, die sich wie Satelliten
um den festen Kern anordnen. Wenn
ein Anleger etwa glaubt, dass der
Dax in den nächsten zwei bis drei
Wochen einer starken Abwärtsbewegung ausgesetzt ist, kann er diese
Meinung durch einen Short-ETF auf
den deutschen Leitindex abbilden.
Eine besonders positive Einschätzung zu Brasilien wiederum lässt
sich mit einem ETF auf den dortigen
Aktienmarkt umsetzen. Noch weiter
gehen gehebelte ETF: Sie erlauben
es, aktuelle Trends überproportional
zu betonen, und werden als kurzfristig ausgerichtete Produkte immer beliebter.
Satelliten-Investments
Auch bei Satelliten-Investments
können Anleger die grundsätzlichen
Vorteile von ETF nutzen: Die Papiere lassen sich täglich fortlaufend
handeln und erlauben so schnelle Re-
aktionen. Das professionelle Steuern
des ETF-Portfolios erleichtert intelligente Ordertypen, etwa die TrailingStop-Order: Hier kann der Anleger
bei einem Verkauf ein Stop-Loss-Limit in einem bestimmten Abstand
zum aktuellen Kurs des ETF festlegen. Bei steigenden Kursen wird das
Limit im vordefinierten Abstand automatisch nachgezogen. Wird es bei
fallenden Kursen erreicht, erfolgt
der Verkauf. Der Anleger kann also
bei der Trailing-Stop-Order die Gewinne laufen lassen, ohne den Markt
permanent beobachten zu müssen –
eine gute Ergänzung zur grundsätzlichen Aufstellung.
wählt, die liquide sind und sich damit
effizient handeln lassen. Da die Indizes die einzelnen Titel nach ihrer Dividendenrendite und nicht wie viele
marktbreite Indizes nach der Börsenkapitalisierung gewichten, schlägt
sich auch die Wertentwicklung kleinerer aber dividendenstarker Unternehmen merk-lich in der Rendite des Gesamtportfolios nieder.
Überzeugende Kennzahlen
Durch diese Auswahlkriterien verbessert sich die Dividendenrendite
des Portfolios erheblich. So weist der
Euro Stoxx Select Dividend 30 Index
zum Ende des ersten Quartals eine Dividendenrendite von 5,25 % auf und
übertrifft damit die Ausschüttungsquote des nach der Free-Float-Marktkapitalisierung zusammengestellten
Euro Stoxx 50 Index um mehr als 1,5
Prozentpunkte. Durch die Auswahl
und Gewichtung der einzelnen Unternehmen nach Kriterien zur Dividendenrendite verbessern sich zudem
wichtige Kennzahlen für die Unternehmensbewertung.
So weist der Euro Stoxx Select Dividend 30 Index, der Dividendentitel
aus der Eurozone auswählt, beispielsweise ein günstigeres Verhältnis von
Gewinn, Umsatz oder Cash-flow zum
Kurs auf als der Euro Stoxx 50 Index.
Neben hohen Ausschüttungen erhalten Investoren über die Dividendenindizes so ein Portfolio aus Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten.
Durch die unterschiedlichen Kriterien für Auswahl und Gewichtung
unterscheidet sich auch die Branchenzusammensetzung zwischen den Dividenden- und Blue-Chip-Indizes erheblich. Unter den DividendentiFortsetzung Seite B 6
B 6 Börsen-Zeitung Nr. 114
Sonderbeilage
Sonnabend, 16. Juni 2012
Marktexposure mit Währungsabsicherung kombinieren
ETF-Innovationen bieten umfangreiche Möglichkeiten, durch die immer schwieriger werdenden Bedingungen zu navigieren
gen. In welchem Umfang Schwankungen die Devisenmärkte prägen, zeigt
beispielsweise ein Blick auf die Euro/
US-Dollar-Kursentwicklung. Diese bewegte sich seit 2008 nicht nur erheblich zwischen 1,1923 und 1,5991,
sondern ging gleichzeitig mit einer
hohen Volatilität einher. Aus diesem
Grund sorgen einige Anleger zum Beispiel durch
den Einsatz von FutureKontrakten bereits selbst
Von
für das Management des
Ivan Durdevic . . .
Währungsrisikos. Diese
Strategie kann allerdings einerseits kostenträchtige Margin Calls
nach sich ziehen. Da andererseits auch
die
Senior ETF Institutional Marge abgesichert werden müsste, ist diese
Sales bei Cheuvreux,
Form der Absicherung
Frankfurt am Main
zudem weniger effizient.
Außerdem dürfen sich eizeigt hat – die Performance von Anla- nige Anleger, die sich für den USgen in Fremdwährung erheblich Markt interessieren, aus aufsichtsschmälern. Entsprechend liegt das rechtlichen Gründen oder wegen inThema Währungssicherung professio- terner Anlagerichtlinien gar nicht im
nellen Anlegern mit Blick auf ihre di- US-Dollar oder im Future-Markt engaversifizierten internationalen Portfo- gieren.
lien inmitten volatiler internationaler
Devisenmärkte ganz besonders am
Paketlösung denkbar
Herzen. Dank der hohen Taktzahl bei
Exchange Traded Funds (ETF)-InETF können eine Paketlösung bienova-tionen bieten börsengehandelte ten, um dieses Risiko in einer einziIndexfonds inzwischen umfangreiche gen Transaktion durch die Nutzung
Möglichkeiten, durch die immer währungsgesicherter Indizes einzuschwieriger werdenden Marktbedin- dämmen. Derartige Produkte profitiegungen zu navigieren – auch im Be- ren vom rechtlichen Rahmen von
reich des Managements von Wäh- ETF, indem sie Ucits-IV-kompatibel
rungsrisiken.
sind, und ermöglichen es dem InvesAnleger, die das Wachstumspoten- tor, durch ein einziges Geschäft, ein
zial der globalen Aktienmärkte nut- Exposure in den zugrundeliegenden
zen, haben die Auswirkungen von Index plus Währungsabsicherung einWährungsschwankungen auf die Ren- zugehen. Die ersten währungsgesidite ihrer Investments zu berücksichti- cherten ETF wurden Anfang 2011
Börsen-Zeitung, 16.6.2012
Eine der größten Herausforderungen
für Euro-Anleger, die Rendite- und Diversifikationschancen außerhalb der
Eurozone nutzen wollen, liegt im Management des Währungsrisikos. Devisenschwankungen können – wie gerade die jüngste Vergangenheit ge-
monatlich rollieren und gleichzeitig
täglich an das aktuelle Währungsniveau angepasst werden. Das Risiko einer Über- oder Unterabsicherung ist
daher eng limitiert, so dass der Einfluss der Wechselkursschwankungen
auf die Performance vermindert
wird. Wenn der Index beispielsweise
am zweiten Tag nach
der Bestimmung des Absicherungsniveaus um
10 % steigt, wird das zu. . . und
sätzliche US-Dollar-EnBettina May
gagement durch weitere
Forward-Kontrakte erfasst, so dass das gesamte Fremdwährungsengagement der Anlage
abgesichert ist. Bei einer
Senior Client
Anlage von 100 Mill. USRelationship Manager
Dollar würde das bedeubei Amundi,
ten, dass die KurssteigeFrankfurt am Main
rung von 10 Mill. US-Dollar durch den Kauf weitesis abgesichert wird. Diese Variante rer Forward-Kontrakte berücksichtigt
minimiert das Währungsrisiko auf na- wird, so dass der Gesamtwert von
110 Mill. US-Dollar abgesichert ist.
hezu null.
Selbstverständlich funktioniert das
auch in umgekehrter Richtung. In dieMonatliche Methode
sem Fall würden Forward-Kontrakte
Bei der monatlichen Methode wird verkauft werden.
das Absicherungsniveau in der Regel
jeweils zu Beginn eines Monats im
Auf täglicher Basis absichern
Einklang mit dem Indexstand bestimmt und bis zum Monatsende auf
Interessant ist für Anleger, dass die
diesem Niveau gehalten. Im Laufe Absicherung eines Index auf täglicher
des Monats auftretende Fluktuatio- Basis nicht teurer als die auf monatlinen werden somit nicht berücksich- cher Basis sein muss. Tatsächlich sind
tigt, wodurch das Risiko einer Über- die täglichen Transaktionskosten, die
oder Unterabsicherung besteht. Bei im Index enthalten sind, überaus
der täglichen Methode wird der niedrig. Hintergrund ist, dass der
Hedge täglich angepasst, um Verän- Euro/US-Dollar-Devisenmarkt sehr liderungen am betreffenden Index in quide ist und die Summen zur AbUS-Dollar engmaschiger widerzuspie- deckung der Kursdifferenz des Index
geln. Dies geschieht mit Hilfe von For- von einem Tag zum nächsten sehr geward-Kontrakten in US-Dollar, die ring sind. Währungsabgesicherte Proaufgelegt. Bei diesen Produkten erfolgt die Absicherung auf monatlicher Basis, wodurch es bei Kursschwankungen durch die relativ langen zeitlichen Abstände zu Abweichungen kommen kann. Vor Kurzem
wurden nun auch ETF emittiert, deren Währungsrisiko auf täglicher Ba-
dukte bieten eine geeignete Lösung,
um auf turbulenten Märkten mit hoher Volatilität Risiken zu reduzieren.
Ihren Nutzen haben sie gerade in den
letzten Monaten, die von hohen Kapitalzuflüssen in US-Aktien geprägt waren, unter Beweis gestellt. Bei der Entscheidung zwischen einem auf täglicher oder monatlicher Basis ge-
hedgten ETF sollten Anleger daher
die enormen Unterschiede zwischen
den beiden Varianten im Auge behalten.
Ende April waren in europäischen
ETF, die gegen den Euro/US-DollarWechselkurs abgesichert sind, 590
Mill. Euro an Vermögen investiert
(Quelle: Amundi ETF).
Dividendenstrategien
Fortsetzung von Seite B 5
teln sind so insbesondere weniger zyklische Branchen wie Telekommunikationsunternehmen, Versorger oder
Einzelhändler stärker vertreten.
Trotz der starken Fundamentaldaten der Dividendenindizes sind sie zuletzt teilweise hinter der Wertentwicklung der nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes zurückgeblieben. Denn insbesondere in der Finanzkrise haben sie darunter gelitten, dass Finanzdienstleister aufgrund ihrer hohen Dividendenzahlungen im Vorfeld der Krise einen großen Anteil am Portfolio ausgemacht
haben. Neben einem eher langfristig
ausgerichteten Value Investment
über die Select Dividend Indizes lassen sich auch taktische Investments
in dividendenstarke Titel einfach
über Indizes umsetzen. Ein Beispiel
hierfür ist der Ende vergangenen Jahres erstmals berechnete Stoxx Europe
Maximum Dividend 40 Index. Der Index richtet sich vor allem an kurzfristig orientierte Investoren. Sie wollen
die Dividendenrendite weniger als Basis für eine langfristige Anlageentscheidung nutzen, sondern vielmehr
von den kurzfristigen Ertragsvorteilen aus hohen Ausschüttungen profitieren und die tatsächlichen Ausschüttungen maximieren.
Ständige Anpassung
Dies erfordert eine ständige Anpassung des Portfolios. Der Index wählt
daher quartalsweise die 40 Titel mit
der höchsten erwarteten Dividendenrendite im kommenden Quartal aus
den Unternehmen im Stoxx Europe
600 Index aus. Die einzelnen Titel
werden dabei nach ihrer erwarteten
Dividendenrendite gewichtet, wodurch die Unternehmen mit der
höchsten Auszahlung die Wertentwicklung des Index am stärksten beeinflussen. Die Indexzusammensetzung ändert sich mit jedem Quartal
vollständig. Mindestanforderungen
an die Marktkapitalisierung und Liquidität der einzelnen Komponenten
stellen hierbei eine gute Handelbarkeit der Indexwerte sicher und begrenzen damit die Transaktionskos-
ten für die beständige Anpassung des
Indexportfolios. Zudem stellen Kappungsgrenzen von 10 % je Unternehmen eine breite Diversifikation sicher. Da sich der Index an den erwarteten Dividendenzahlungen orientiert, reagiert er schnell auf sich verändernde Marktbedingungen für die
einzelnen Branchen. Beispielsweise
ist der Anteil der Finanzdienstleister
in der Finanzkrise mit den sich verschlechternden
Gewinnaussichten
schnell gesunken. Zudem variiert die
Ländergewichtung im Jahresverlauf.
Beispielsweise nehmen viele britische
Unternehmen später im Jahr als ihre
kontinentaleuropäische Konkurrenz
Dividendenausschüttungen vor. Die
Folge: Während in den ersten Monaten eines Jahres insbesondere
Deutschland und die Schweiz einen
hohen Anteil am Indexportfolio haben, dominieren britische Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte.
Durch die beständige Anpassung
an die jeweils dividendenstärksten
Unternehmen spiegelt der Index die
Dynamik innerhalb des europäischen
Aktienmarktes wider, die von den unterschiedlichen erwarteten Dividendenrenditen ausgeht. Zudem lässt
sich die Dividendenrendite des Portfolios erheblich steigern. Sie erreicht so
kontinuierlich Werte von mehr als
10 % auf jährlicher Basis. Zum Vergleich: Der Stoxx Europe 600 Index
weist aktuell eine Dividendenrendite
von rund 3,3 % auf.
Auch in der Wertentwicklung übertrifft der Dividendenindex den breiten Marktindex. So weist der Stoxx
Europe Maximum Dividend 40 Index
seit der Jahrtausendwende eine jährliche Wertentwicklung von knapp
10% auf, während der marktbreite Index in diesem Zeitraum leicht verloren hat.
Attraktive Dividenden bleiben gerade angesichts aktuell niedriger Zinsen und sich seitwärts entwickelnder
Märkte wichtig, um ansprechende
Renditen zu erzielen. Dabei ermöglichen die Indizes den Investoren nicht
nur klassische, an den Grundsätzen
des Value Investing orientierte Strategien, sondern auch ein taktisches Investment in die jeweils stärksten Dividendentitel.
Impressum
Börsen-Zeitung
Sonderbeilage
Exchange Traded Funds
Am 16. Juni 2012
Redaktion: Claudia Weippert-Stemmer
Anzeigen: Dr. Jens Zinke (verantwortlich)
Technik: Tom Maier
Typografische Umsetzung: Bernd Handreke
Verlag der Börsen-Zeitung in der Herausgebergemeinschaft WERTPAPIERMITTEILUNGEN Keppler, Lehmann GmbH & Co. KG, Düsseldorfer Straße 16,
60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069/2732-0, (Anzeigen) Tel.: 069/2732-115,
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