Aktuelles aus der Geburtshilfe ı Dez. 2009

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frieda & henry
Aktuelles aus der Geburtshilfe ı Dez. 2009
FRIEDERIKENSTIFT und HENRIETTENSTIFTUNG
in der Frauenklinik der Diakonischen Dienste Hannover
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AUF EINEN BLICK
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Henriettenstiftung
Friederikenstift
■ Chefarzt
Prof. Dr. Ralf Schild, MA FRCOG
DEGUM III
■ Chefarzt
Prof. Dr. Ralf Schild, MA FRCOG
DEGUM III
SEKRETARIAT:
Karin Prüser/Sabrina Schneeberg
TEL: 0511 / 289 - 3281
SEKRETARIAT:
Karin Hollemann
TEL: 0511 / 129 - 2310
■ Ultraschalluntersuchungen
Schwangerenambulanz
Vorstellungen zur Geburtsplanung
und bei Indikationen
■ Ultraschalluntersuchungen
Schwangerenambulanz
Vorstellungen zur Geburtsplanung
und bei Indikationen
OA Dr. Klaus Altmann DEGUM II
TEL: 0511 / 289 - 3802
OÄ Dr. Gabriele Kuhlmann (über die Zentrale)
TEL: 0511 / 129 - 0
TERMINVERGABE:
Yvonne Graf und Janina Felchner
TEL: 0511 / 289 - 3444
TERMINVERGABE:
Karin Hollemann
TEL: 0511 / 129 - 2310 (- 2313)
■ Kreißsaal
TEL: 0511 / 289 - 3286
■ Kreißsaal
TEL: 0511 / 129 - 2350
OÄ Dr. Christine Morfeld
TEL: 0511 / 289 - 3814
OÄ Dr. Gabriele Kuhlmann (über die Zentrale)
TEL: 0511 / 129 - 0
LEITENDE HEBAMMEN:
Heidi Blohmann (TEL: 0511 / 289 - 3897)
Wiebke Schrader (TEL: 0511 / 289 - 3896)
LEITENDE HEBAMME: Reinhild Mikolajewski
TEL: 0511 / 129 - 2505
TEAMLEITUNG: Birgit Gödecke
■ Elternschule
ANMELDUNGEN wochentags 12 bis 14 Uhr
TEL: 0511 / 289 - 3242
(zusätzlich Anrufbeantworter)
■ Elternschule
ANMELDUNGEN über
TEL: 0511 / 129 - 2505
(zusätzlich Anrufbeantworter)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Hebammen,
ich freue mich sehr, Ihnen die zweite Ausgabe von „frieda & henry“ vorlegen zu können. Wieder sollen Ihnen ausgewählte thematische Schwerpunkte einen tieferen Einblick in unsere Arbeit ermöglichen. Dazu stellen wir Ihnen aus beiden Geburtskliniken
besondere Neuerungen vor, berichten aber auch von bewährten Erfahrungen. Darüber
hinaus finden Sie wie gewohnt die Kontaktdaten zu verschiedenen Ansprechpartnern in
beiden Häusern, was Ihre Kommunikation mit uns wesentlich erleichtern soll.
Während der vergangenen 12 Monate haben wir aktiv daran gearbeitet, beide Kliniken
näher zusammenwachsen zu lassen. Die intern erstellten geburtshilflichen Leitlinien sind
Ausdruck dafür, dass dieser Prozess bereits Früchte trägt. Auch im personellen Bereich hat
es auf ärztlicher Seite einen Austausch zwischen beiden Kliniken gegeben. Damit erhalten
unsere Mitarbeitenden sowohl die Möglichkeit, im Friederikenstift die mehr familienorientierte Geburtshilfe mit einer sehr niedrigen Sectio-Rate zu erleben, als auch in der Henriettenstiftung Teil der Hochrisikogeburtshilfe eines Perinatalzentrums zu sein.
Impressum
Herausgeber: Prof. Dr. Ralf Schild,
Frauenklinik der Diakonischen Dienste
Hannover gGmbH
Idee und Koordination:
Heidi Blohmann (Henriettenstiftung),
Reinhild Mikolajewski (Friederikenstift)
Konzept und Realisierung:
Swaantje Düsenberg, Hannover
Fotos: Heidi Blohmann,
Robert Geipel, Oldenburg
Druck: BWH Hannover
Ich selbst habe mein erstes Jahr in Hannover als arbeitsreich und im Umgang mit Ihnen
als besonders angenehm empfunden. Für diese gute und konstruktive Zusammenarbeit
danke ich Ihnen sehr. Ich würde mich freuen, wenn wir diese gelingende Wechselbeziehung zum Nutzen unserer gemeinsamen Patientinnen zusammen weiter voranbringen
können.
Mit kollegialen Grüßen,
Ihr Prof. Dr. med. Ralf L. Schild
Chefarzt
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Geburtseinleitung im
FRIEDERIKENSTIFT
EFFEKTIV,
sicher, bedeutsam
In jeder Geburtsklinik stellt sich
auch die Frage nach der Methode
zur Geburtseinleitung. Hier ist für
uns das Wohl von Mutter und Kind
handlungsleitend, ökonomische
Aspekte spielen dabei eine nachrangige Rolle. Im Friederikenstift leiten wir bei Indikation Geburten deshalb seit Jahren mit dem Medikament Cytotec® = Misoprostol ein.
Bei Misoprostol handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges E1-Prostaglandin,
mit dem ursprünglich Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre behandelt wurden.
Berühmt wurde das von Pfizer vertriebene
Medikament jedoch in der Geburtshilfe.
Zur Historie
Nachdem die kontrahierende Wirkung von
Misoprostol auf die Gebärmutter bekannt
geworden war, durfte das Mittel zunächst
nur außerhalb der Schwangerschaft ange-
wendet werden. Besonders in Lateinamerika
wurde es aufgrund seiner guten und komplikationsarmen Wirksamkeit aber auch für
illegale Schwangerschaftsabbrüche genutzt.
Neben Übelkeit, Bauch- und Kopfschmerzen
sowie Schwindel traten kaum andere Nebenwirkung auf. Kardiovaskuläre Komplikationen konnten praktisch nicht nachgewiesen
werden.
Misoprostol erwies sich auch ökonomisch
als attraktiv. Veranschlagt man für einen
Schwangerschaftsabbruch zwischen 300
und 1.500 US-Dollar, so betragen die vergleichbaren Kosten für Misoprostol zwei
US-Dollar. Es ist daher nicht verwunderlich,
dass auf dem Schwarzmarkt bis zu 100
Dollar für eine Einzeldosis bezahlt werden.
Dank dieser Methode ist zwar die Zahl der
Frauen, die an den Folgen lebensgefährlicher
Eingriffe gestorben sind, gesunken – aber
dennoch müssen in vielen Ländern der Kauf
des Medikamentes wie auch die Durchführung eines chirurgischen Vorgehens
nach wie vor heimlich erfolgen.
Die Zulassungsfrage
Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA
hat das Kombinationsschema Mifepriston
(RU 486)-Misoprostol zum frühen Abbruch
bis 49 Tage nach der letzten Regel in seine
Leitlinien aufgenommen.
Auch in Deutschland findet das Mittel immer
mehr Nutzer. Neben der Anwendung für
einen Abbruch wird das Medikament in der
Geburtshilfe eingesetzt, beispielsweise zur
Einleitung einer Geburt sowie zur Behandlung einer Wehenschwäche oder einer gefährlichen postpartalen Nachblutung. Hier
konnte die Wirksamkeit auch in einer in Indien durchgeführten Studie nachgewiesen
werden. Danach halbierte Misoprostol die
Rate der postpartalen Blutungen von 12 %
auf 6,4 %, schwere Blutungen wurden sogar
um den Faktor 6 von 1,2 % auf 0,2 % gesenkt. In der Geburtseinleitung kann das in
jeder Beziehung vorteilhafte Präparat gut
dosiert und den individuellen Bedürfnissen
angepasst werden. Vor allem die geringen
Nebenwirkungen sprechen dafür. Positiv
hinzu treten seine unkomplizierte Anwendung und die Lagerung ohne Kühlung.
Nach einer Testdosis wird die Verabreichungsgabe je nach Wehenentwicklung in
einem vorgegebenen Zeitabstand wiederholt. Lediglich bei vorangegangenen Kaiserschnitten oder anderen Gebärmutteroperationen wird die Applikation wegen der
Rupturgefahr des Organs während der
Entbindung mit folgender Gefährdung
des Kindes vermieden.
Allerdings ist auf die mangelnde Zulassung
des Medikamentes für die Geburtshilfe hinzuweisen. Denn trotz weltweiten und mittlerweile jahrelangen Einsatzes von Misoprostol
sind die Herstellerfirmen nicht zu einer Zulassung zu bewegen. Vermutlich wollen sie
nicht mit einem Präparat in Verbindung gebracht werden, das in Ländern ohne jede
Möglichkeit zur legalen Beendigung einer
Schwangerschaft in Einzelfällen zu unzulänglichen Abbrüchen mit Missbildungen
geführt hat.
Tatsächlich hat das Mittel als Magenschutzmittel ausgedient. In der Geburtshilfe
kommt ihm jedoch weiterhin wesentliche
Bedeutung zu. Sollte es europaweit vom
Markt genommen werden, würde daher eine
nicht zu schließende Lücke entstehen. 쐍
Gesicherte Anwendung
In der sorgfältigen Anwendung unserer Geburtshilfe ist Cytotec® (Misoprostol) jedoch
so sicher wie effektiv und wird aus den genannten Gründen im Off-Label-Use verwendet. Über diese Sachlage klären wir die Patientinnen vorschriftsmäßig und ausführlich
auf. Trotzdem wurde das Medikament in
Deutschland vom Markt genommen, weil es
angeblich schon älter und mittlerweile unwichtig sei. Eine Gewährleistung der Therapie kann also nur noch über Re-Importe
garantiert werden.
왎 Ibrahim Peksen
Oberarzt
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Umgang mit ungewollter Schwangerschaft im FRIEDERIKENSTIFT
EIN NETZWERK
für das Leben
Manchmal geraten Frauen durch eine ungewollte Schwangerschaft in eine verzweifelte Lage. Sie sehen keinen
anderen Ausweg als die Abtreibung des Kindes oder seine Aussetzung bzw. sogar Tötung nach der Geburt. Um
diesen oft sehr jungen Frauen in Not zu helfen, haben die hannoversche Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann
und das Diakonische Werk der Landeskirche zusammen mit anderen im März 2001 „Mirjam - ein Netzwerk für
das Leben“ gegründet. Die Bischöfin ist auch Schirmherrin des Babykörbchens am Friederikenstift.
Doch das Netzwerk „Mirjam“ – der Name
geht auf eine biblische Geschichte zurück –
ist weit mehr als das Babykörbchen. Denn
die Angebote bilden eine ganze Palette vielfältiger Hilfen.
Wege aus der Verzweiflung
Das Herzstück ist dabei der 24-StundenNotruf, der vom Diakonischen Werk koordiniert wird. Unter der kostenfreien Hotline
0800/60 500 40 sind insgesamt 22 kompetente ehrenamtliche Beraterinnen rund um
die Uhr für Schwangere erreichbar. Die Beraterin am Telefon ist der erste und häufig
auch einzige Kontakt für eine werdende
Mutter in Not. Denn die meisten Frauen
können sich niemand anderem anvertrauen, müssen ihre Schwangerschaft oft verheimlichen und alle Sorgen und Ängste
ganz allein bewältigen. Einen Weg aus dieser Verzweiflung und Einsamkeit weisen
die Beraterinnen der Schwangeren am Notruftelefon. Sie informieren die Frau u.a.
auch darüber, dass sie die Geburt ihres
Kindes in Sicherheit und mit unserer
Unterstützung durchstehen kann.
Teilweise kommen die werdenden Mütter
dann auch schon zur Vorsorge in der
Schwangerschaft zu uns. Gerade Frauen aus
streng traditionellen muslimischen Familien
fürchten nämlich, dass ein Arztbesuch „auf
Krankenkassenkarte“ die Geheimhaltung gegenüber der Familie gefährden könnte – mit
dann teils schlimmen Konsequenzen. Auch
wenn die Frauen bei uns gebären, wissen
wir nicht immer, ob ihre angegebenen Personaldaten stimmen. In Deutschland sind
zwar keine anonymen Geburten erlaubt,
aber wer lässt sich von einer Frau in den
Wehen schon zuerst den Ausweis zeigen?!
Das Babykörbchen
Zu diesem Netzwerk gehört unter anderem
auch das auf dem Gelände des Friederikenstifts angesiedelte Babykörbchen, in das ein
Neugeborenes anonym in ein Wärmebettchen gelegt werden kann (lesen Sie dazu
auch „Nachgefragt“ auf Seite 9). Geschieht
dies, wird im Kreißsaal ein Alarm ausgelöst;
zusätzlich erhalten wir zur Sicherheit einen
Anruf von der zentralen Überprüfungsstelle
aller Babyklappen aus Hamburg. Das Kind
wird dann sofort in den Kreißsaal geholt und
untersucht. Formal melden wir es anschließend beim Standesamt an und informieren
das Jugendamt und das Vormundschaftsgericht, das meist einen Amtsvormund bestellt. Die leiblichen Eltern können sich bei
uns bis zu acht Wochen nach der Geburt
und Abgabe melden und auch Unterstützung in ihren weiteren Entscheidungen erhalten. Bleibt das Kind anonym, so wird es
danach in eine Adoptivfamilie vermittelt.
Träger und Angebote im Netzwerk
쮿 Das Evangelische Beratungszentrum
Oskar-Winter-Straße berät u. a. Schwangere auch bei Konflikten und bietet psychologische Langzeit- und Krisenberatung an.
쮿 Die Evangelische Jugendhilfeeinrichtung
Birkenhof kann Schwangere, Mütter, Väter
und deren Kinder unterbringen, unterstützen, beraten und begleiten.
쮿 Das Diakonisches Werk der Evangelischlutherischen Landeskirche Hannover e.V.
stellt den Kontakt zur staatlich anerkannten
Adoptions- und Pflegekindervermittlung in
Trägerschaft des Ev. Verein für Adoptionsund Pflegekindervermittlung Rheinland e.V.
her. Darüber hinaus schult, betreut und begleitet das Diakonische Werk Adoptiv- oder
Pflegeeltern, die ein Kind aufnehmen wollen oder aufgenommen haben, über dessen
Herkunft nichts oder nur wenig bekannt ist.
Zu verschiedenen Aspekten dieser besonderen Familienkonstellation finden auch
regelmäßig Veranstaltungen statt.
쮿 Das Diakoniekrankenhaus Annastift mit
einem Rehabilitationszentrum hält eine
Betreuungsmöglichkeit für ein unter Umständen nicht oder nicht sofort vermittelbares behindertes Kind vor.
쮿 Unser Diakoniekrankenhaus Friederikenstift leistet medizinische Hilfe, Vorsorge,
Geburtsvorbereitung und Geburtshilfe.
Auf unserem Klinikgelände ist das Babykörbchen angesiedelt.
쮿 Die ReGenesa (Vorsorge und Reha Therapiezentren des Frauenwerks der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers) bieten Kur- und Reha-Maßnahmen
für minderjährige und erwachsene Mütter,
deren Kinder sowie für Adoptivfamilien.
Die Öffentlichkeitsarbeit obliegt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und dem Diakonischen Werk der Landeskirche. Sie sollen das Netzwerk „Mirjam“ bei schwangeren Mädchen/Frauen bekannter machen, damit frühzeitig gute Perspektiven für eine Zukunft mit oder ohne
Kind erarbeitet werden können. Zugleich
werden präventiv Informationsveranstaltungen für Gruppen zu Themen wie Verhü-
tung und ungewollte Schwangerschaft
sowie sozialethische Fragen angeboten.
Finanziert wird das Netzwerk „Mirjam“
durch Mittel der Landeskirche, des Diakonischen Werkes und durch Spenden bzw.
Sponsoren. 쐍
왎 Reinhild Mikolajewski
Leitende Hebamme
Hotline 0800/60 500 40
An sieben Tagen in der Woche
können Schwangere rund um die
Uhr den Notruf des Netzwerkes
erreichen.
Informationen im Internet unter:
http://mirjam.trilos.de
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IHRE FRAGEN,
UNSERE ANTWORTEN
Handlungsoptionen
erweitern
UNSER BERATUNGSANGEBOT
Eine gelingende Kooperation zwischen
niedergelassenen medizinischen Fachkräften und den Geburtshelfern im Friederikenstift und in der Henriettenstiftung verlangt nach höchster Transparenz. Deshalb
stellen wir Ihnen hier wieder einige unserer Angebote vor und geben Ihnen auch
einen Einblick in unsere Wertehaltung.
Das Geburtsplanungsgespräch
Für wen? Diese Möglichkeit sollten Schwangere mit besonderen Risiken in Anspruch
nehmen (z.B. mit Hypertonie, Gerinnungsstörungen, Mehrlingen, BEL, Diabetes).
Zu welchem Zeitpunkt? Selbstverständlich
kommt es hier auf die jeweilige Fragestellung an. Bei fraglichen Sectioindikationen ist
z.B. die 34. SSW sinnvoll. Bei BEL bieten wir
die äußere Wendung an, die unter stationären Bedingungen erfolgt. Dazu sollte
sich die Frau mit 35+ SSW vorstellen.
Wie erhalten Frauen einen Termin?
Die Terminvergabe erfolgt wochentags von
8 bis 16 Uhr in der Henriettenstiftung über
die Ultraschallspechstunde (Tel.: 0511 - 289
3444) und im Friederikenstift über das
Sekretariat (Tel: 0511 - 129 2313).
Was soll die Frau mitbringen?
Eine Überweisung und ihren Mutterpass.
Die Hebammenberatung
Zu welchen Themen? Unsere Hebammenberatung erfolgt zu allen Themen, die einer
Schwangeren wichtig sind. Im Schwerpunkt
werden hier besondere Ängste und Wünsche rund um die Entbindung erörtert. Auch
das Aufarbeiten bzw. die Reflexion vorangegangener Geburten gehört zum Beratungsangebot.
Wie werden Termine vergeben? In der
Henriettenstiftung über die Elternschule
(Tel.: 0511 - 289 3242), eine Überweisung
ist anschließend mitzubringen. Das Friederikenstift vergibt Termine über die Hebammen-Sprechstunde (Tel: 0511 - 129-2505).
Der Anrufbeantworter wird in beiden Häusern regelmäßig abgehört, teilweise sind die
Hebammen auch persönlich am Apparat
(z.B. in der Henriettenstiftung werktags
von 12 bis 14 Uhr).
Die Schwangerenambulanz
Seit Sommer 2009 bieten die Hebammen
der Henriettenstiftung auch eine eigene
Schwangerenambulanz an. Diese kann gern
kontaktiert werden, wenn der betreuende
Facharzt seine Praxis etwa während des Urlaubs geschlossen hat. Ebenso richtet sich
dieses Angebot an Schwangere, die über
dem errechneten ET sind. Hier werden Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt, bei
Auffälligkeiten wird die Frau einem Klinikarzt
vorgestellt. Anmeldung erfolgen über den
Kreißsaal (Tel: 0511 - 289 3286). 쐍
Babyklappen, in die Neugeborene anonym
gelegt werden können, sind oft Gegenstand ethisch-moralischer Diskussionen.
Auch auf dem Gelände des Friederikenstifts befindet sich ein Babykörbchen.
Zu Sinn und Erfolg solcher Einrichtungen
nimmt hier die Leitende Hebamme
Reinhild Mikolajewski Stellung (Foto).
Aber die anonyme Abgabe lässt die Kinder
doch ohne jedes Wissen über ihre Wurzeln
zurück.
« In manchen Fällen ist das leider so – aber
wir ermutigen die betroffenen Mütter sehr,
sich in unsere Obhut zu begeben und auch
ihre Identität preiszugeben. Wir bitten die
Frauen z.B., einen Brief an ihr Kind zu richten. Darüber hinaus beschreiben wir im Geburtsprotokoll die Mutter so detailliert wie
möglich, auch ihr Aussehen, ihren Charakter, ihre Eigenarten. Zumindest dieses Wenige können wir tun. Aber natürlich ist es
für das Kind und sein späteres Leben immer besser, die eigene Herkunft zu kennen.
Frau Mikolajewski, ist das Babykörbchen
nicht eine Einladung an Frauen, ihr Neugeborenes auf einfache Weise loszuwerden?
« Glauben Sie mir, diese Entscheidung ist
für eine Mutter unendlich schwer. Denn
keine Frau trennt sich von ihrem Kind, ohne wirklich verzweifelt zu sein. Nein, wer
sein Kind aus zwingenden Gründen in die
Babyklappe legt und damit in Sicherheit
bringt, handelt sogar sehr verantwortlich.
Das Babykörbchen am Friederikenstift
gehört zum Netzwerk „Mirjam“. Warum
diese Anbindung?
« Wenn eine Frau uns ihr Kind über die Babyklappe anvertraut, hat sie eine Hilfsmöglichkeit von vielen gewählt. Ihre Notlage beginnt aber meist schon mit Einsetzen der
ungewollten Schwangerschaft. Würde sie
also schon frühzeitig Hilfe aus dem Netzwerk bekommen, müsste sie das Babykörb-
NACHGEFRAGT
Was halten Sie
vom Babykörbchen,
Frau Mikolajewski?
chen vielleicht gar nicht erst in Anspruch
nehmen. Und auch nach der Geburt kann
das Netzwerk auf vielerlei Art helfen. Es
macht also Sinn, das Babykörbchen in den
Verbund verschiedener Hilfen einzubetten.
Ist es nicht ungewöhnlich, dass ein solches
Netzwerk für sich Werbung macht?
« Wir ‚werben‘ nicht für das Netzwerk, sondern machen seine vielfältigen Hilfsangebote und vor allem den Notruf durch viele
Maßnahmen bekannt. Denn je früher eine
verzweifelte Schwangere davon erfährt –
das kann durch ein Plakat in der Straßenbahn oder durch einen Flyer beim Sozialamt sein –, umso eher kann ihr nachhaltig
geholfen werden. Dafür muss sie diese
Möglichkeit aber kennen. 쐍
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FRIEDERIKENSTIFT und
HENRIETTENSTIFTUNG
Kernaufgaben
im Fokus
„Enthusiasmus ist
der Garant unserer
Geburtshilfe“
Prof. Dr. Ralf L. Schild ist seit dem 1. August 2008 „oberster Geburtshelfer“ im
Friederikenstift und in der Henrienttenstiftung, die sich zur Klinik für Geburtshilfe und
Perinatalmedizin der Diakonischen Dienste Hannover gGmbH zusammengeschlossen
haben. Vor einem Jahr sagte der neue Klinikleiter, er wolle „Gutes erhalten, Überflüssiges abschaffen und Sinnvolles einführen“. Was ist aus seinen Plänen geworden?
GESPRÄCH MIT DEM KLINIKLEITER
Herr Prof. Schild, Sie sind jetzt gut eineinhalb Jahre Chef der Geburtshilfe. Was haben Sie in dieser Zeit Gutes entdeckt und
erhalten?
« Prof. Schild: Schon nach kürzester Zeit
konnte ich den tatkräftigen Geist aller
Teams in beiden Häusern spüren. Unsere
Hebammen, Ärzte und Schwestern kooperieren äußerst effektiv und beweisen kontinuierlich, wie hervorragend und flexibel sie
sich ergänzen. Dieser Enthusiasmus war
und ist unser Garant in der Geburtshilfe.
Aber müssen bestes Können und Engagement nicht ständig gepflegt und optimiert
werden?
« Prof. Schild: Ja, und das gilt ebenso für
die Zusammenarbeit. Voraussetzung dafür
ist gleicher Wissensstand auf der Höhe der
Zeit. Er benötigt kontinuierliche Fortbildung
und systematische Kommunikation, auch
hier stehe ich in der Verantwortung.
Das heißt, Sie pendeln nach wie vor
zwischen beiden Häusern und unterschiedlichen Hebammenleitungen.
« Prof. Schild: So ist es. Im Friederikenstift
leitet eine Hebamme die Elternschule und
den Kreißsaal, ein anderer Kollege die
Wöchnerinstation, was die jeweiligen Kernaufgaben stärker ins Zentrum rückt. In der
Henriettenstiftung ist das auch so, wir wollen die derzeitig alleinige Verantwortung
der Leitenden Hebamme aber bald auf zwei
gleichberechtigte Kolleginnen verteilen. Die
eine konzentriert sich dann auf die Elternschule, unsere vielen Veranstaltungen, die
Öffentlichkeitsarbeit und die Leere Wiege,
die andere auf das Tagesgeschäft.
Haben Sie außerdem Pläne für`s
nächste Jahr?
« Prof. Schild: Jede Menge, beispielsweise
wollen wir im Henry die integrierte Wochenbettpflege einführen, die Schwestern werden
den kindlichen wie mütterlichen Belangen
zukünftig also als „Gesamtpaket“ begegnen.
Zusätzlich möchten wir sie wie auch unsere
Ärzte von berufsfremden Aufgaben entlasten. Zur Flexibilisierung der Essenszeiten
planen wir ein Frühstücksbuffet und zu noch
systematischerem Kontakt mit den jungen
Müttern wird es täglich auch eine Hebammenvisite geben. Die ärztliche Visite werden
wir dafür als Sprechstunde gestalten.
Das alles scheint auf die Bündelung von
Kräften und Kompetenzen zu zielen. Werden Mutter und Kind davon profitieren?
« Prof. Schild: Unbedingt. Und von weiteren Vorhaben ebenso. Beispielsweise sollen
ab 2010 auch ausgewählte Beleghebammen
die von ihnen betreuten Frauen bei uns entbinden können. Denn das schon gewachsene Vertrauen ist eine gute Basis für die Geburt. Eingeführt haben wir bereits ein besonderes Väterfrühstück in beiden Häusern
mit unseren Leitenden Hebammen bzw.
Ärzten, die selbst Vater sind. Außerdem gibt
es im Henry nun schön gestaltete Familienzimmer, was ebenfalls die Bindung zum
Kind fördert. Dafür gehören unsere VierBett-Zimmer endlich der Vergangenheit an.
bis zum Abschluss der Lungenreife – vor
allem, wenn keine weiteren Indizien für eine Frühgeburt vorliegen. Wir entlassen die
Frau dann meist mit einem neu eingeführten Calcium-Antagonisten als orale Vergabe in die Obhut ihres Arztes, den wir über
die Sachlage zuvor telefonisch informieren.
Das bringt uns zu Ihrer Aussage
„Sinnvolles einführen, Überflüssiges
abschaffen“ zurück ...
« Prof. Schild: ...was nicht voneinander zu
trennen ist. Nehmen Sie nur die ursprünglich praktizierte Wehenhemmung per intravenöser Dauertokolyse bis zur 34. SSW.
Wenn eine Frau heute in der 31. SSW mit
vorzeitigen Wehen zu uns kommt, begrenzen wir dieses Verfahren auf 48 Stunden
Sie bieten auch Fortbildungen an?
« Prof. Schild: Das machen wir regelmäßig, außerdem veranstalten wir z.B. Perinatal-Symposien oder Kongresse zu spezifischen Themen und meist in Zusammenarbeit mit Kollegen unseres Kooperationspartners, dem Kinderkrankenhaus auf der
Bult. Und ich selbst leite 3D- und 4D-Ultraschall- und Dopplerkurse für Ärzte. Zu diesem Thema ist noch zu sagen, dass wir
Wie beurteilen Sie denn,
ob eine Frühgeburt droht?
« Prof. Schild: Etwa mit einem Test zum
Nachweis fetalen Fibronectins oder auch
mit dem Actim Partus-Test zum Aufschluss
über die Zervixreife. Beide Verfahren interessierten die niedergelassenen Gynäkologen vor kurzem in einer unserer Fortbildungen zur Frühgeburtlichkeit übrigens sehr.
nun über entsprechende Ultraschallgeräte
verfügen und mit unserem aktuellen Dokumentationssystem jetzt erstmals geburtshilfliche Befunde bildlich darstellen und digital archivieren können.
Wie haben Ihre niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen auf die erweiterten Möglichkeiten in Ihrer Geburtsklinik reagiert?
« Prof. Schild: Sie haben den Kontakt zu
uns in jeder Beziehung intensiviert, was
mich sehr freut. Auch unsere Ultraschallleistungen, die wir jetzt mit den Kassen abrechnen können, werden zunehmend in Anspruch genommen.
Über Arbeitsmangel können Sie sich
also nicht beklagen.
« Prof. Schild: Zum Glück nicht! Aber ich
habe Ihnen ja schon letztes Jahr verraten,
dass ich beim Radeln zwischen beiden
Häusern gut auftanken kann. Außerdem hat
Hannover so herrliche Ecken, etwa den
Maschsee oder die Eilenriede.
Schön, dass Sie unsere Stadt mögen.
« Prof. Schild: Ja, sehr! Und auch kulturell.
Man muss Hannover eben nur entdecken. 쐍
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Perinataldiagnostik im Perinatalzentrum der HENRIETTENSTIFTUNG
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SICHERHEIT
auf höchstem Niveau
FOTO: Karen Roach
Der pränatale Ultraschall hat in
den letzten 20 Jahren eine enorme
Entwicklung genommen. Damit
befinden sich die Möglichkeiten der
Diagnostik mittlerweile auf einem
Niveau, das noch vor einer Generation unerreichbar erschien.
Mit dem gewachsenen Potential des vorgeburtlichen Ultraschalls sind parallel die
Chancen für Mutter und Kind deutlich gestiegen. Dem gegenüber stehen jedoch
auch ein gesteigerter Anspruch und hohe
Erwartungen an die Qualität der Untersuchungen. Um den damit insgesamt verbundenen Anforderungen gerecht zu werden,
müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Die
Geräte sollten stets dem aktuellen Stand
der Technik entsprechen, und wir Pränatal-
diagnostiker müssen über eine hohe
Expertise verfügen.
Der differenzierte Ultraschall
in der Geburtshilfe
Beides ist in den Frauenkliniken der Diakonischen Dienste Hannover sichergestellt,
wo der geburtshilfliche Ultraschall seit langem als festes Standbein zum Leistungsspektrum gehört. Nachdem vor einem Jahr
Prof. Ralf L. Schild als Chefarzt der Geburtshilfe gewonnen werden konnte, hat
die Pränataldiagnostik durch ihn als DEGUM-Stufe III-Inhaber zusätzliche fachliche
Kompetenz und Tiefe erhalten. Darüber
hinaus verfügt unser Perinatalzentrum
Kirchrode derzeit über zwei weitere ärztliche Kollegen der DEGUM-Stufe II.
Mit dieser personellen und technischen
Ausstattung können alle gängigen invasiven
und nicht-invasiven Untersuchungen der
Pränataldiagnostik, seit kurzem auch über
das Med. Versorgungszentrum (MVZ) in
der Calenberger Neustadt, angeboten werden: vom Ersttrimester-Screening über Amniocentese, Chorionzottenbiopsie, Chordocentese (Nabelschnurpunktion) bis hin zu
differenzierter Organdiagnostik, Biometrieund Dopplerkontrollen.
Bei besonderen Fragestellungen in der ärztlichen Schwangerenbetreuung oder um eine Zweitmeinung einzuholen, steht den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten der
Region die tägliche Ambulanzsprechstunde
in beiden Kliniken der DDH zur Verfügung.
Zusätzlich kooperieren wir (auch schon
„intrauterin”) mit den Neonatologen der
Kinderklinik auf der Bult, die nicht selten
Neugeborene als kleine Patienten übernehmen. Diese Expertinnen und Experten sind
als ständige Begleiter und kompetente Partner an unserer Seite. Dabei profitieren Mütter und Kinder von der Wand-an-Wand-Anbindung der Neugeborenen-Intensivstation
in der Henriettenstifung Kirchrode.
Mehrlinge als besondere Herausforderung für Perinatalmediziner
Mehrlingsschwangerschaften nehmen in
der Betreuung von werdenden Müttern in
den Frauenkliniken der Diakonie einen erheblichen Anteil ein. Dabei ist eine stationäre Aufnahme von Zwillingsschwangeren vor der Entbindung nicht zwingend erforderlich. Eine dichoriale Geminigravidität
ohne Pathologie kann durchaus bis zum eigentlichen Entbindungstermin geführt werden. Da eine Zwillingsschwangerschaft je-
doch zahlreiche potentielle Risiken birgt,
ist eine kompetente ärztliche Begleitung
unablässlich.
Typische Fragestellungen an die Pränataldiagnostiker im ersten Trimenon sind dabei
die Chorionverhältnisse, die fetale Nackentransparenz oder frühe morphologische
Auffälligkeiten. Im zweiten Trimenon steht
der Fokus auf einem Organfeinultraschall
und dem Ausschluss eines feto-fetalen
Transfusionssyndroms bei Monochorionizität. Im dritten Trimenon müssen häufig
Frühgeburtstendenzen evaluiert und eine
Plazentainsuffizienz durch Biometrie- und
Dopplerkontrollen ausgeschlossen werden.
Letztendlich steht immer die in der individuellen Abwägung zu treffende Entscheidung über den Geburtsmodus an.
Dabei sehen sich die Pränataldiagnostiker
der Diakonischen Dienste als Dienstleister
gegenüber den niedergelassenen Kollegin-
nen und Kollegen und möchten alle relevanten Entscheidungen über die Begleitung
der Schwangerschaft partnerschaftlich mit
den Eltern und Arzten/Ärztinnen treffen.
Ziel ist, der „Zwillingsmutter“ alle – auch
komplexe – Informationen adäquat zu vermitteln, ohne sie zu verunsichern bzw. zu
ängstigen. Dies kann in der medizinischen
Beratung nur mit Empathie und ohne erhobenen Zeigfinger gelingen. 쐍
왎 Dr. Klaus Altmann
Oberarzt (DEGUM II)
Umgang mit Sectiowunsch
in der HENRIETTENSTIFTUNG
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Im Ergebnis
offen
Ernst nehmen,
Ursachen ergründen,
Alternativen aufzeigen
Werdende Eltern möchten möglichst frühzeitig wissen, wie die Geburt ihres Kindes verlaufen wird. Manchmal taucht dann der Wunsch nach einem
Kaiserschnitt auf, von dem wir Geburtshelfer bei der Anmeldung erfahren.
Darauf reagieren wir mit einem mittlerweile bewährten Beratungsangebot,
mit dem wir auf die zugrunde liegenden Motive gut eingehen können.
Was beeinflusst den Wunsch?
Ein Sectiowunsch kann viele Ursachen haben, die sowohl von Lifestyle-Vorstellungen
als auch von Persönlichkeitsmerkmalen,
Ängsten oder problematischen Erlebnissen
geprägt sein können.
Mit unserer Beratung möchten wir gemeinsam mit den Frauen/Paaren ergebnisoffen
mögliche Ursachen für den geäußerten
Wunsch ergründen, damit sie tatsächlich
frei entscheiden und einen guten Weg der
Entbindung finden können.
Lifestyle-Vorstellungen: Sie werden auch
von Äußerungen Prominenter beeinflusst
(z.B. Claudia Schiffer: „Save your love-channel“). Zudem scheint heute (fast) alles
machbar, die Formung des Körpers durch
medizinische Eingriffe ebenso wie seine Dekoration durch Tatoos oder Piercings. Hier
wie bei der Wunschsectio ist das Risikobewusstsein niedriger als je zuvor.
Traumatisierung: Vorangegangene Geburten können eine Mutter (oder den Vater)
traumatisiert haben. Wir arbeiten dann gemeinsam den Auslöser heraus und zeigen
Alternativen für die nächste Entbindung
auf. Manche Schwangere sind auch von
Fernsehsendungen heftig irritiert, die eine
Sectio positiv bzw. eine Spontangeburt
problematisch darstellen. Auch die
Geräuschkulisse spielt hier eine Rolle.
Angst um das Kind: Sie belastet „späte
Erstgebärende“ besonders, was die Bezeichnung „Risikoschwangere“ zusätzlich
schürt. Auch nach Sterilitätsbehandlung
oder Fehlgeburten wünschen manche Frauen für einen vermeintlich sichereren Lebensstart des Kindes einen Kaiserschnitt.
Angst vor Schmerzen, Schmerzerwartung:
Hier entlasten die Frau meist Informationen
zur effektiven Analgesie sowie über ähnliche Betäubungsarten bei einer Spontangeburt wie bei einer Sectio. Das ist für Frauen
besonders wichtig, die ein „großes“ Kind
erwarten und „entsprechende“ Schmerzen
befürchten. Das ist schon bei einem
Schätzgewicht von 3400 g vorgekommen.
Selbstbestimmungswunsch: Seit Jahrzehnten haben intellektuelle, selbst bestimmte Frauen die Geburtshilfe nachhaltig
und positiv verändert (Rooming-In, Ambulante Geburt, Umgang mit dem Stillen etc).
Hegen sie heute einen Sectiowunsch, so
sind sie fachlichen Informationen gegenüber sehr aufgeschlossen.
Warum beraten auch Hebammen?
Das ärztliche Gespräch unterrichtet meist
über die medizinischen Risiken einer Sectio.
Hebammen ergänzen diese Perspektive, indem sie die Biografie, Ängste, Erwartungen,
Fantasien und Autonomie der Frau empathisch in den Mittelpunkt stellen und damit
FOTO: gaiamoments
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einen anderen Zugang zur Frau finden können. In der Regel dauert ein solches geplante Gespräch 60 bis 90 Minuten, meist
schließen sich Telefonate bzw. ein weiterer
Termin an. Unser gesamtes geburtshilfliche
Team trägt diese Form der Beratung bei
Sectiowunsch ausdrücklich mit.
Ablauf der Beratung
Sie sollte so früh wie möglich erfolgen und
läuft je nach Wunsch mit oder ohne werdenden Vater ab. Hier einige Qualitätsstandards unserer Beratung:
Gesprächseröffnung: ausdrücklicher Verweis auf Ziel der Beratung, Ergebnisoffenheit und Verschwiegenheitspflicht d. Hebamme; Vereinbarung darüber, was im Geburtsprotokoll dokumentiert wird.
Gesprächsverlauf: Erfassung der Motive,
Wahrnehmung der Konflikte; Thematisierung, Ergänzung der genannten Punkte,
sachliches Aufzeigen möglicher Alternativen; gemeinsame Suche nach Lösungen.
Gesprächsende: Treffen von Vereinbarungen, ggf. Verabredung eines Folgetermins.
Wie entscheiden sich die Frauen?
Die meisten wählen noch im Gespräch die
Spontangeburt u.a. unter der Voraussetzung einer frühzeitigen PDA und engmaschiger Informationen zu Geburtsverlauf/
Zustand des Kindes, manchmal auch Abwesenheit eines männlichen Geburtshelfers.
Rund 20 % derjenigen, die sich nicht sofort
entscheiden, wählen später die Sectio.
Das respektieren wir.
Insgesamt nehmen etwa vier Frauen pro
Woche unsere Hebammen-Beratung in Anspruch. Damit repräsentieren sie jährlich
200 Geburten in unserem Haus, von denen
nur 10 Frauen die primäre Wunschsectio
wählen. Nach Möglichkeit besuchen wir alle von uns beratenen Frauen im Wochenbett. Ihre Rückmeldung hilft uns, unser
Angebot zu optimieren. 쐍
왎 Heidi Blohmann
Leitende Hebamme
Anmeldung
Termine zur Beratung bei
Sectiowunsch werden über
unsere Elternschule unter der
Rufnummer 0511-289-3242
wochentags zwischen 12 und
14 Uhr vergeben. Zusätzlich
läuft der Anrufbeantworter.
Wo kommt mein Baby auf die Welt?
Erster „Tag der offenen Geburtskliniken”
In Hannover und Umgebung hatten am 12. September 2009 viele
Geburtskliniken ihre Türen für
Interessierte geöffnet. Dieser
erste „Tag der offenen Geburtskliniken“, an dem sich natürlich
auch das Friederikenstift und
die Henriettenstiftung der DDH
beteiligten, war mit insgesamt
über 4.000 Besichtigungen eine
erfolgreiche Premiere!
Ziel der Veranstaltung war es, werdenden Eltern die Kliniken und Angebote direkt vor Ort
zu präsentieren, statt sie ihnen in Vorträgen z.B. auf der Babymesse vorzustellen. Das
Konzept wurde unter der Federführung des Kinderkrankenhauses auf der Bult entwickelt,
und Bundesministerin Dr. von der Leyen übernahm für den ersten „Tag der offenen
Geburtskliniken“ die Schirmherrschaft gern.
Allein in den beiden Geburtskliniken der Diakonischen Dienste Hannover besichtigten
1.100 zukünftige Mütter und Väter die Räumlichkeiten rund um die Geburt und konnten
Ärzte, Hebammen und Schwestern zu allen Themen nach Herzenslust befragen. Im Friederikenstift erwarteten sie außerdem u.a. ein „Aromagarten“ und die Besichtigung eines
Feuerwehrautos, die Henriettenstiftung hatte z.B. „Schwangerenbauchpässe“ samt herrlichen Fotos sowie ein Preisausschreiben organisiert. Prof. Ralf Schild, Chefarzt beider
Standorte, führte hüben wie drüben 3 D-Ultraschallaufnahmen durch, die die werdenden
Eltern anschließend als Geschenk-CD erhielten. Ebenfalls überzeugten beide Kliniken mit
zusätzlichen Fachvorträgen, außerdem hießen sie auch Kinder mit lustigen Angeboten
willkommen und verwöhnten alle Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten. Gleich am Ende
dieses informativen wie fröhlichen Tages war beschlossene Sache: Das machen wir im
nächsten Jahr wieder!
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