Red flags in der Psychiatrie

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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Red flags - Triage in der Apotheke
Red flags
in der Psychiatrie
Ph. Eich, Chefarzt, Zentren für Krisenintervention
und Abhängigkeitserkrankungen, Psychiatrie Baselland
Bern, den 15.11.2015
Nachdenken über Red flags
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Red flag No 1!
Was Patienten befürchten:
Kuckucks Nest 1962 / 75
Botschaften des Films:
Psychiatrie …
• fördert das Schubladendenken
• ist eine Anpassungsanstalt
• macht unfrei
• fabriziert den Wahnsinn
• ist unmenschlich
• bringt „originellen“ Menschen
den Tod
Lieber tot als psychisch krank ?
Agenda
Red flags in der Psychiatrie
• Kommunikation mit Patienten bzw. Kunden
• Notfälle in der Psychiatrie
• Suizidalität
• Aggression und Gewalt
• Delirante Zustände
• Polypharmazie
• Diskussion
Ph. Eich, 2015
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Herausgegeben von der SAMW, 2013
Patientenzentrierte Kommunikation
WWSZ
• Warten
Wait
• Wiederholen
Echoing
• Spiegeln
Mirroring
• auf Emotionen
• auf den Inhalt
• Zusammenfassen Summarize / Condense
Kommunikation im medizinischen Alltag, SAMW 2013
W. Langewitz in Uexküll, Psychosomatische Medizin, Urban und Fischer 2013
W. Langewitz et al, Psychosomatic Medicine 1998
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Patientenzentrierte Kommunikation: NURSE
Kommunikation im medizinischen Alltag, SAMW 2013
W. Langewitz et al, Psychosomatic Medicine 1998
ICE: Die 8. Dimension der Anamnese
=
Illness-bezogene Dimension
• Ideas
Vorstellungen
• Concerns
Befürchtungen
• Expectations Erwartungen
B. Kissling, Schweiz Med Forum, 2013
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Psychiatrische Notfälle: Beurteilung
• Anamnese
– auslösende Situation
– psychiatrische Vorgeschichte
– Medikamenten- und Drogen-anamnese
• Psychopathologischer Befund
– Bewusstsein und Orientierung
– Psychomotorik
– Affektivität
• Körperlicher Befund
– Vitalparameter
– somatische Hinweise für dekompensierte internistische
und akute zerebrale Erkrankungen
– Intoxikationszeichen
Ph. Eich, 2014
Notfälle in der Psychiatrie
• Der selbst deklarierte „Notfall“
• Ambulante (psychiatrische) Notfälle
• Stationäre Notfälle in der Psychiatrie
• Die sich am Rahmen reiben
• Die uns bzw. das Pflegepersonal Nerven kosten
• Die man besser vorzieht, da sie sonst noch viel mehr
Ärger bereiten
• Privatpatienten, Bekannte, ehemalige Schulkollegen usw.
(welche für sich eine „Sonderbehandlung“ in Anspruch
nehmen)
Definition aus der Versorgungsforschung:
► Notfalleintritt = Eintritt innerhalb von 12 Stunden
Ph. Eich, 2014
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Psychiatrische Notfälle
•
•
•
•
•
Der suizidale Patient (RF)
Der delirante Patient (RF)
Der erregte / aggressive Patient (RF)
Die „polymorphe“ (psychotische) Krise
Der intoxikierte Patient (mit multipler
Abhängigkeit)
• Der Angst-geplagte Patient
• Der peri-iktale Patient
• Der „soziale“ Notfall / Trauerreaktionen
Ph. Eich, 2014
Leitsymptome psychiatrischer Notfälle
• Depressivität, Verzweiflung, Suizidalität (RF)
• Hemmung, Antriebslosigkeit und Stupor
• Verwirrtheit, Desorientierung (RF)
• Verworrenheit, Bewusstseinstrübung (RF)
• Realitätsverlust, Psychose
• Erregung, psychomotorische Unruhe und Agitiertheit
• Aggressivität, Gewaltbereitschaft (RF)
• Angst, vegetative Symptome
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Psychiatrische Notfälle: Wichtige DD
• Organische psychische Störungen
– dementielle Syndrome
– akute org. Psychosyndrome: z.B. Epilepsie,
Exsikkose, Hypoglykämie)
• Psychotrope Substanzen / Intoxikationen
• Psychosen
• Belastungsreaktionen
• Persönlichkeitsstörungen
• Minderintelligenz
Ph. Eich, 2014
Psychiatrische Notfälle
Unterscheidung funktioneller psychiatrischer Störungen von
medizinischen Krankheiten oder Substanz-induzierten
Symptomen.
Für die letzteren 2 Ursachen sind wegleitend:
• Desorientierung
• Bewusstseinstrübung
• auffällige Vitalzeichen
• Alter über 40 Jahren, ohne psychiatrische Vorgeschichte
• optische Halluzinationen
• illusionäre Verkennungen
Kaplan und Sadock, CTP, 2007
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Die 5 wichtigsten Medikamente in der
psychiatrischen Notfallsituation
Psychiatrie i.e.S.
Alkohol-/ Drogen-Notfälle
- Temesta® p.o./ i.m.
- Zyprexa® p.o./ i.m.
- Haldol® p.o./ i.m.
- Akineton® p.o./ i.m.
- Orfiril® p.o./ i.m.
[- Valium® p.o./ i.m.]
- Temesta®
- Naloxon OrPha® [Narcan]
- Anexate®
- Haldol®, Seroquel®
- Methadon®
Ph. Eich 11/2015
Sperrliste
Liste zur reglementierten Abgabe von
Medikamenten
Ziele:
• Strukturierung der Medikation
• Verhinderung von Mehrfach/Vielfach-Bezügen
Behandelnder Arzt macht entsprechende Meldung
Ph. Eich, 2015
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Red flags in der Psychiatrie
Agenda
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Red flags in der Psychiatrie
• Kommunikation mit Patienten bzw. Kunden
• Notfälle in der Psychiatrie
• Suizidalität
• Aggression und Gewalt
• Delirante Zustände
• Polypharmazie
• Diskussion
Ph. Eich, 2015
Suizidalität: Formen und Begriffe
 indirekte selbstdestruktive Handlungen (z.B. high-risk Verhalten,
Non-Compliance)
 sich selbst aufgeben, ohne direkten Todeswunsch
(wollte abschalten und einmal richtig lang schlafen)
 suizidale Geste (ev. appellativ oder intentional-manipulativ)
 Suizidideen, Suizidversuchsideen
 Suizidversuch = Selbst herbeigeführte, selbstschädigende
Handlung; häufig mit dem Ziel, unter Einsatz des eigenen Lebens
(Todeswunsch / Sterberisiko) etwas verändern zu wollen
(intentionale und kommunikative Bedeutung); ohne Todesfolge
 Suizid = Selbst herbeigeführte, selbstschädigende Handlung mit
Todesfolge (im Wissen / Erwartung / Glauben, damit das Ziel zu
erreichen)
adaptiert nach M. Wolfersdorf et al., 2011
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Suicide Prevention Day: 10. September
Tagesanzeiger online, 10.09.15
Suizide in der CH: Obsan-Daten
• Suizide sind in der CH rückläufig seit 1990
(1500 auf 1300 pro Jahr) 1
• v.a. Männer verüben weniger Suizide pro Jahr:
Rückgang von 1140 (1991) auf 863 (2006)
• Frauen bleiben relativ stabil um 450 pro Jahr
• 90% der Suizidanten litten an einer psychischen
Störung 2:
–
–
–
Depression
Schizophrenie
Alkohol- oder Drogenkrankheit
1) aus Obsan-Todesstatistik 2010
2) sda, 28.05.09
10
Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Unipolar depression: Untreated vs Treated
Standard mortality rate, SMR (observed deaths/expected deaths)
SMR (1959–1997)
40
Zurich cohort, N=147 deaths
35
Untreated
30
Treated
25
* p <0.01 versus untreated group
20
15
*
10
5
0
*
*
Neoplasm
Cardiovascular
*
*
Cerebrovascular
Accidents
Suicide
Other
All causes
Angst et al. J Affect Disord, 2002
Beurteilung von Suizidalität: Sad Persons
• Sex
• Age
• Depression
Geschlecht (M)
Alter
hoffnungslose, depr. Stimmung
•
•
•
•
•
•
•
SV in der Anamnese
Alkoholmissbrauch
Urteilsunfähigkeit
fehlendes soziales Netz
Suizidplan
kein Lebenspartner
somatische Erkrankung
Previous attempt
Ethanol abuse
Rational thinking loss
Social support lacking
Organized plan
No spouse
Sickness
W.M. Patterson, H.H. Dohn et al., 1983
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Abklärung: Was muss diagnostisch geklärt werden:
Hat der Patient …
-
Suizidideen / Todeswünsche oder Suizidabsichten?
hohen Handlungsdruck, Suizidideen in eine suizidale Handlung
umzusetzen?
Hoffnung auf Hilfe / Veränderung jetzt? Entlastung durch das
Gespräch?
Planungen für die nächste Zukunft? Realistisch?
Suizidabsichten / Entscheidung „aufgeschoben“: Neu wieder
ambivalent und Hilfe akzeptierend?
Verleugnung von Suizidalität trotz anders lautender
Informationen?
Offenheit (Ist er „glaubwürdig“)?
Urteilsfähigkeit (Ist er geschäftsfähig)?
Suizidfördernde Symptome: Wahn, Halluzinationen, altruistische
Ideen uam.)?
adaptiert nach M. Wolfersdorf et al., 2011
Gefühlswelt der suizidalen Menschen
Unabhängig vom Grundproblem besteht meist die Trias:
•
Hilflosigkeit
•
Hoffnungslosigkeit
•
Verzweiflung
Häufigste Zustandsbilder:
1. Ambivalenz (Wunsch zu leben vs. Wunsch zu sterben)
2. Impulsivität (Suizid ist ein impulsives Phänomen)
3. Rigidität
(Einengung im Denken, Fühlen, Handeln;
Dichotomisierung: Entweder – Oder)
WHO: Preventing Suicide, 2000
WHO/MNH/MBD/00.1
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Co-Faktoren bei Suizidalität (u.a. AMSP):
• Reduktion bzw. Absetzen von Benzodiazepinen
1
• Abrupte Medikationswechsel 1
• Medikamentenveränderungen nach Möglichkeit
nicht vor dem Wochenende! 2
• Wochenenden können für gefährdete Patienten
risikoreich sein 2
• Deshalb:
– Nicht allein unterbringen (2er Zimmer)
– Für Begleitung und Struktur sorgen
1 AMSP / 2 Ph. Eich
Therapie der akuten depressiven Suizidalität
 Psychotherapeutische Krisenintervention /
Gespräche unter Einbeziehung des Umfeldes
 Sicherung durch Fürsorge und Kommunikation
(regelmässig, zeitlich eng, nachgehend)
 Psychopharmakotherapie





Antidepressiva (nicht-toxische / sedierende)
Antipsychotika (sedierende / anxiolytisch wirkende)
Tranquilizer / Anxiolytika
Hypnotika
ev. Kombination
 Entlastung des Umfeldes
adaptiert nach M. Wolfersdorf et al., 2011
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Reaktive Erregung im medizinischen Setting
Allgemeine Motive






Wut und Ärger über das eigene Kranksein
Wut über vermeintl. Ungenügen v. Zuwendung, Mitleid od. Liebe
Wut / Kränkung aus Ohnmachtserleben
Wut über die eigene Niederlage mit Scham, Trotz, Rachegedanken
Wut /aggressive Eskalation durch therapeutisches Unverständnis
Reaktion auf Aggression anderer





Wut über die Einweisung gegen den eigenen Willen
Wut über die Medikation (besonders Injektionen)
Wut über das Eingesperrtsein
Wut über die Überwältigung
Wut über die Isolierung
Phasen einer aggressiven Krise
1. Auslösephase: Auslösendes Ereignis
2. Eskalationsphase
3. Krisenphase
4. Erschöpfungs- / Entspannungsphase
5. Postkritische depressive Phase
Der Gewaltakt ist letztes Glied einer Abfolge von
„Angriffsphasen“ !
Breakwell 1995 / Caplan + Wheeler 1983
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Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
De-eskalationsstrategien
Situationseinschätzung
Frühwarnzeichen für eskalierende Situation
– feindselige Grundstimmung
– drohende Körperhaltung und Gestik
– Herumtigern, Fixieren
– geringe Körperdistanz zwischen Patient und MA
– verbale Bedrohung und Beschimpfungen
– psychomotorische Erregung oder Anspannung
Sachbeschädigungen
– gesteigerte Tonhöhe und Lautstärke
– „Knistern in der Luft“ (... gleich kracht‘s)
Ph. Eich, 2012
Psychiatrische Notfallsituationen
Verhalten und Interventionen
ruhiges Auftreten
 freundlich-beruhigender Umgangston

 dem Patienten Respekt entgegenbringen
 keine Provokation, keine Werturteile
 neutrale konkrete Sprache wählen
 räumliche Distanz zum Patienten vergrössern
 Alarmdispositiv (vereinbarte Signale)
 direkten Augenkontakt vermeiden (nicht Fixieren)
 trotz passiver Haltung: Eindruck vermitteln, Situation sei unter Kontrolle
 den Patienten zum Sprechen bringen
 gut Zuhören, nicht Unterbrechen (vor allem am Anfang)
 keine frühen Interpretationen
 keine Versprechungen, die nicht eingehalten werden können
nach K. Tardiff, 1989
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Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Medizinisch-ethische Richtlinien der SAMW
De-eskalationsmöglichkeiten (gemäss Stufenplan)
1. Verbale Deeskalation („talking down“)
2. Verbale Grenzsetzungen
3. Time-out im eigenen Zimmer
4. Anbieten von Bewegung
5. Aufzeigen von anderen Lösungsmöglichkeiten
6. Einzelbetreuung über längere Zeit mit ständiger Begleitung
prüfen (sofern Sicherheit des Pat. gewährleistet werden kann)
Zwangsmassnahmen in der Medizin, SAMW: genehmigt 24.05.2005
WWW.SAMW.CH
Bedrohung und Aggression im ambulanten
Setting oder im Spital
Zum Thema verbale Gewalt:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Respekt vor uns und vor den anderen zeigen
Grenzen definieren
Räumliche Distanz schaffen:  Schritt zurück
Nicht bagatellisieren
Kühl bleiben: „Ich merke, Sie sind angriffslustig!“
Beleidigungen muss man sich nicht gefallen lassen:
 Ansprechen: „Wie muss ich das verstehen?“
7. Krankheit ist kein Freipass für verbale Gewalt.
8. Anweisungen von Patienten ernst nehmen!
„Gehen sie raus!“ - „Gut, aber ich komme wieder“!
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Agenda
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Red flags in der Psychiatrie
• Kommunikation mit Patienten bzw. Kunden
• Notfälle in der Psychiatrie
• Suizidalität
• Aggression und Gewalt
• Delirante Zustände
• Polypharmazie
• Diskussion
Ph. Eich, 2015
Zur Ätiologie des Delirs I /
des akuten organischen Psychosyndroms
• anticholinerges Delir
• Serotonin – Syndrom mit Delir
• Reizdeprivation: Dunkelzimmerdelir; Black-patch
delirium (nach Katarakt-Operation)
• Beschäftigungsdelir (AU: geschäftiges „Herumnuschen“)
• Delirium tremens (ICD-10: F10.4)
• postoperatives Delir / Intensivpatienten-Delir
• Vielzahl somatischer Auslöser
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Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Zur Ätiologie des Delirs II: „I watch death“
• Infection
Harnwegsinfekte, Pneumonie, Sepsis
• Withdrawal
Benzodiazepine, Barbiturate, Alkohol
• Acute metabolic Hypo -glykämie / -natriämie; Hyperkalziämie
• Trauma
Schmerz, Frakturen, hämorrhagischer Schock
• CNS-Pathology SDH, Apoplex, Meningoenzephalitis, Abszess
• Hypoxie
• Deficiencies
Mangelernährung, Vitaminmangel
• Endocrine
Hyper -cortisolismus / -thyreose
• Acute vascular
pAVK, Vaskulitis, Schock, hypertensive Krise
• Toxin /Drugs
Benzo, Anticholinergika, L-Dopa-Präparate,
H2-Blocker, Analgetika, NSAIDS
• Heavy metals
Blei, Quecksilber, Mangan
Schmidt + Pajonk,
Anästhesist, 2008
Differenzialdiagnose des Delirs /
des akuten organischen Psychosyndroms
• anticholinerges Syndrom
• Serotonin - Syndrom
• EPS - Syndrome (z.B. schwere Akathisie)
• malignes neuroleptisches Syndrom
• Ganser-Syndrom / Pseudo-Demenz
• pseudo-neurasthenisches Syndrom
• postkontusionelles Syndrom
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Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Hinweise zur Unterscheidung zwischen
Delir und Demenz
Merkmal
Delir
Demenz
Bewusstseinstrübung
ja
nein
Beginn
plötzlich, Zeitpunkt
bekannt
allmählich, Zeitpunkt
meist nicht bekannt
Verlauf
akut, Tage bis Wochen
selten länger als einen
Monat
chronisch, länger als 6
Monate, typischerweise
über Jahre fortschreitend
Orientierungsstörungen
früh im Verlauf
spät im Verlauf
Befundschwankungen
ausgeprägt
gering
Psychomotorische
Veränderungen
ausgeprägte Hyperoder Hypoaktivität
spät im Verlauf, falls
keine Depression
Körperliche Befunde
ausgeprägt
gering
H.-J. Möller, Psychiatrie + Psychotherapie, Thieme, 2014
Polypharmazie in der Psychiatrie
◄ Potion magique
Ziel:
• Keine „Pharma-Hexen / Hexeriche
• Klare, rationale Entscheidungen
• Wichtige Rolle der Leitlinien
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Bern, 15.11.2015
Non-Adherence:
Nach 12 Monaten nehmen
40% aller Patienten ihre
Medikamente nicht mehr !
Blaschke et al, Annual Review, 2012
NZZaS, 16.06.13
Bipolare Störungen: Wirkschwerpunkte
S
LI
CLOZ
M
LI
VPA
OLZ
RISP
QUET
ARI
ASP
LTG
QUET
OLZ+FLUOX
LUR
D
OLZ
RISP
QUET
ARI
PALI
P
•
•
•
•
M = manischer Pol
D = depressiver Pol
S = Suizidalität
P = psychotischer Pol
Eich 2015: modifiziert nach W. Greil, 2005
20
Red flags in der Psychiatrie
Philipp Eich, Psychiatrie BL
Bern, 15.11.2015
Kombinationstherapie
Durchschnittliche Anzahl Medikamente bei 258 ambulanten bipolaren Patienten,
welche während eines Jahres nachuntersucht wurden
60
20.9%
50
• ist die Regel, nicht die
Ausnahme
• KombinationstherapieStudien sind notwendig, da
sie den therapeutischen
Alltag reflektieren
18.2%
Anzahl Patienten
17.1%
40
12.0% 12.0%
30
20
6.6%
6.6%
10
3.1%
1.9%
0.8%
0.8%
0
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Totale Anzahl Medikamente
Post RM, et al. J Clin Psychiatry. 2003;64:680-690.
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Bern, 15.11.2015
Problematische Kombinationen
• MS + AP
CBZ + CLOZ
CBZ + RISP
• aAP + aAP
CLOZ + OLZ
AMI + RISP / PALI
OLZ + RISP / PALI
• MS + MS
VPA + LTG
VPA + CBZ
CBZ + LTG
• MS + aAP + AD
VPA + CLOZ / + MIRT /
OLZ
PAROX
Agranulozytose-Risiko 
RISP-Serumkonzentration 
Gewicht, anticholinerge W.
Prolaktinbombe
EPS, Gewicht
LTG-Serumkonzentration 
Gewicht, Interaktion
Hautveränderungen
Gewicht 
CBZ = Carbamazepin / VPA = Valproat / LTG = Lamotrigin
AP = Antipsychotika / aAP = atyp. AP
Ph. Eich, 2015
Take home:
• Die Kommunikation mit unseren Klienten ist entscheidend.
• Vor jeder Therapie erfolgt zuerst eine umfassende Abklärung
sowie eine mit dem Patienten besprochene Diagnosestellung.
• Der Patient muss ausführlich über die therapeutischen
Massnahmen aufgeklärt werden.
• Delirien sind ernst zu nehmen, sie werden häufig übersehen.
• Aggression / Gewalt führen zu Leid und sozialen Kosten.
• Medikamente / Tabletten, auch wenn lebenswichtig, sind oft
eine „Kränkung“ für Betroffene; sie werden oft nicht wie
verschrieben eingenommen (cave: Polypharmazie).
• Psychopharmaka sind dann hilfreich, wenn eine klare
Indikation (Leidensdruck) besteht.
• Eine gute Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten
ist sehr wichtig!
Ph. Eich, 2015
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