Therapeutische Apherese - Marktreview Germany

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Therapeutische Apherese - Marktreview Germany
Apherese
Natalie Salih
Dipl.-Chem.
Kaneka Pharma Europe N.V.
German Branch
Otto-von-Guericke-Ring 13
65205 Wiesbaden
[email protected]
www.kanekapharma.com
Apherese kommt aus dem Griechischen und bedeutet Abtrennung. Die Plasmapherese ist eine Separationsmöglichkeit, bei der Plasma von zellulären
Blutbestandteilen teilweise getrennt wird.
Bei der Lipidapherese haben wir in einem extrakorporalen Blutreinigungsverfahren die Abtrennung
von Lipiden aus dem Plasma oder aus dem Vollblut.
Sie wird bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen eingesetzt.
Anfang der 80er Jahre kamen die ersten selektiven
Lipid-Apherese-Systeme zur therapeutischen Plasma-Apherese auf den Markt (Hersteller Kaneka und
B. Braun). Im Laufe der Zeit sind weitere Verfahren
entwickelt worden: Antikörper-Säulen zur Abtrennung von LDL-Cholesterin (erstmals berichtet von
Borberg et al. 1983), Verfahren zur Vollblut-Therapie
(Otto et al. 2003) sowie zur Immunadsorption.
Die Immunadsorption hat den Fokus auf die Entfernung von Autoantikörpern und Immunkomplexen
bei Autoimmunerkrankungen sowie auch bei antikörpervermittelten Transplantatabstoßungen. Erste
Publikationen über die Immunadsorption erschienen bereits 1979 zur Behandlung von Lupusnephritis (Terman et al.). 1981 kam die Protein-A-Säule
erstmals zum Einsatz (Nilson et al.).
Immunadsorption bei bestimmten Erkrankungen
(wie Systemischer Lupus erythematodes (SLE),
Rheumatoide Arthritis) etablieren können. Heute
werden aus aktuellen Gründen bei bestimmten Erkrankungen neben den etablierten Behandlungen
auch Möglichkeiten der Apheresebehandlungen
geprüft bzw. durchgeführt.
Übersicht der Indikationen1
• Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
• Endokrine Orbitopathie
• Diabetische Retinopathie
• Uveales Effusionssyndrom
• Akutes Guillain-Barré-Syndrom
• Chronisch inflammatorische demyelinisierende
Polyradikuloneuritis
• Myasthenia gravis
• Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
• Antiphospholipid-Syndrom (APS)
• Rheumatoide Arthritis
• Hemmkörperhämophilie
• Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) und
thrombotisch-thrombopenische Purpura (TTP)
• Hyperviskositäts-Syndrom (HVS)
• Goodpasture-Syndrom
• Kryoglobulinämie
• Exogene Intoxikation
• Immunthrombozytopenische Purpura (ITP)
• Glomerulonephritiden
• HLA-Sensibilisierung bei Nierentransplantation
• Idiopathische dilatative Kardiomyopathie
• Tinnitus und Hörsturz
• Diabetischer Fuß
• Bullöses Pemphigoid/Pemphigus vulgaris
• LDL-Apherese bei schwerer familiärer Hypercholesterinämie homozygoter und heterozygoter Ausprägung und anderen schweren
therapierefraktären Hypercholesterinämien
• LDL-Apherese bei schwerer isolierter
Lipoprotein(a)-Erhöhung
• LDL-Apherese zur Sekundärprävention der
koronaren Herzerkrankung ohne primäre
Fettstoffwechselstörung
• LDL-Apherese zur Prävention und Therapie
der Transplantatvaskulopathie
Die Plasmapherese wird in diagnostische und therapeutische Plasmapherese unterteilt. Während
das Spenderplasma bei der diagnostischen Plasmapherese zur Herstellung von Plasmakonserven,
Plasmafraktionen und Blutzellen dient, wird bei der
therapeutischen Plasmapherese Patientenplasma
in der Therapie verworfen oder im Sekundärschritt
weiterbehandelt.
Das Marktreview soll einen ersten Eindruck in die
„Welt der Apherese“ geben und weitere informative
und spannende Beiträge werden an dieser Stelle
folgen.
Indikationen für die therapeutische Apherese
Eine Vielzahl an Erkrankungen (siehe folgende Auflistung) können mit der Apherese behandelt werden. Hier haben sich die Lipid-Apherese und die
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Spektrum der Dialyse
& Apherese I 05/2011
Quelle: aus Anhang des HTA-Berichtes - Pkt. 32.7, Zusammenfassender Bericht des Arbeitsausschusses „Ärztliche Behandlung“
des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die
Beratungen gemäß §135 Abs.1 SGB V
1
Für alle Aphereseverfahren gilt, dass vor Beginn
der Behandlung ein Antragsverfahren im Sinne eines Einzelfallantrages zu durchlaufen ist. Bei positivem Bescheid kann bei dem beantragten Patienten
eine Behandlung durchgeführt und abgerechnet
werden. Bei den meisten der oben aufgelisteten
Erkrankungen ergibt sich ein positives Votum zwischen 1:10 bis 1:50, abhängig von der vorliegenden
Erkrankung, dem Schweregrad und der entsprechend vorher durchgeführten leitliniengerechten
Standardtherapie. Neben der Beantragung einer
sogenannten Einzelfallbehandlung, die auch in der
niedergelassenen Praxis (Dialyse) beantragt und
durchgeführt werden kann, haben Krankenhäuser
oder Institutionen im Rahmen der integrierten Versorgungskonzepte oder als MVZ (medizinisches
Versorgungszentrum) die Möglichkeit, diese Apheresebehandlung im Rahmen von Sondervereinbarungen als Zusatzentgelt abzurechnen.
An dieser Stelle werden in den nächsten Ausgaben
weitere Beiträge dazu folgen.
Die LDL-Apherese-Therapie hat unter den zu Lasten der GKV erbringbaren ärztlichen Leistungen als
Apheresebehandlung eine Sonderstellung inne.
Nach dem Beschluss des „Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen“ (GBA) können LDL-Apheresen zu Lasten der GKV durchgeführt werden bei
Patienten mit:
1.Familiärer Hypercholesterinämie in homozygoter Ausprägung
2.Schwerer Hypercholesterinämie, bei denen
grundsätzlich mit einer über 12 Monate dokumentierten maximalen diätetischen und
medikamentösen Therapie das LDL-Cholesterin nicht ausreichend gesenkt werden kann.
weiterhin: evtl. Infarkte, Bypässe etc. in die Antragsstellung einbeziehen.
Es muss eine progrediente kardiovaskuläre Erkrankung nachzuweisen sein, deren Progression
mit Einsatz der etablierten Behandlungsmethoden
nicht zu stoppen ist.
Die Ursache der familiären Hypercholesterinämie
sind Defekte des LDL-Rezeptor-Gens oder des
Apolipoprotein-B-Gens (ApoB-Gen), was zur Folge
hat, dass der Rezeptor oder das ApoB nicht bzw.
nur unvollständig ausgebildet ist.
Bei der heterozygoten Form ist der Gendefekt von
nur einem Elternteil vererbt. Man geht in diesem Fall
in Deutschland von einer Häufigkeit von 1:500 aus.
Bei der homozygoten Form ist der Gendefekt von
beiden Elternteilen vererbt, die Häufigkeit liegt hier
bei 1:1.000.000.
Durchführung und Abrechnung
von Apheresen
Im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung
können Apheresen durchgeführt und abgerechnet
werden, wenn die Erteilung der Genehmigung für
Apherese durch die Kassenärztliche Vereinigung
(KV) gegeben ist.
Die „Qualifikationsvoraussetzungen gemäß §135
Abs. 2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung
von Blutreinigungsverfahren“ müssen erfüllt sein.
Die in Abschnitt I (Dialyse) §4 (fachliche Befähigung)
genannten notwendigen Qualifikationen gelten in
der Regel bei einem Nephrologen als erfüllt.
Für die Durchführung der Apherese-Therapie bedarf es eines förmlichen Antrags für den jeweiligen
Patienten, der durch die KV bzw. durch die Krankenversicherung zu genehmigen ist. Die Genehmigung ist in der Regel auf ein Jahr befristet und muss
vor Ablauf neu beantragt werden.
Der Antrag muss beinhalten:
• Begründung der Indikation zur Apherese mit
bisherigem Behandlungsverlauf
• relevante Laborparameter und deren Verlauf
• Therapiemaßnahmen unter Angabe der eingesetzten Arzneimittel, ihrer Dosierungen und der
Behandlungsdauer
• unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die zu
Änderung oder Absetzen der medikamentösen
Therapie geführt haben (belegt durch UAWMeldung)
• ggf. Kontraindikationen gegen bestimmte Arzneimittel
Der Indikationsstellung zur LDL-Apherese hat eine
ergänzende kardiologische bzw. angiologische und
lipidologische Beurteilung voranzugehen.
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Therapeutische Apherese - Marktreview Germany
Die Apherese ist nur als „Ultima Ratio“ bei therapierefraktären Verläufen in Erwägung zu ziehen. Dafür
soll das Gesamtrisikoprofil des Patienten immer im
Vordergrund der Abwägung stehen!
Der behandelnde Arzt entscheidet über Auswahl
des Aphereseverfahrens sowie die Festsetzung
des Behandlungsintervalls (Therapiehoheit). Behandlungsintervalle liegen in der Lipid-AphereseTherapie meist auf wöchentlicher Behandlung, in
manchen Fällen alle zwei Wochen, in anderen Fällen
sogar zweimal wöchentlich.
Es dürfen nur Verfahren angewendet werden, die
eine Absenkung des jeweiligen LDL-Ausgangswertes um mindestens 60% je Therapiesitzung bei
höchstens 6 Stunden Dauer erreichen.
Definierte Zielwerte für LDL-Cholesterin bei sehr hohem Risikoprofil sind:
risikoprofil
in mg/dL
ohne KHK mit einem Risikofaktor
< 160
mit KHK u. mit einem Risikofaktor
< 130
mit KHK/Atherosklerose
< 100
mit KHK/Atherosklerose u. Diabetes mellitus
< 70
Lipoprotein(a) als unabhängiger
Risikofaktor
Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist im Aufbau dem LDL
sehr ähnlich und gilt als unabhängiger Risikofaktor
für die KHK. Die Konzentration im Blut ist genetisch
festgelegt und kann über die Ernährung nicht beeinflusst werden. Auch medikamentös kann ein erhöhter Lp(a) Spiegel nur bedingt mit Nikotinsäure
beeinflusst werden (Absenkung um 20%).
Seit Mitte 2008 ist eine isolierte Lp(a)-Erhöhung als
Indikation für Lipid-Apherese laut der Richtlinie „Methoden vertragsärztliche Versorgung“ anerkannt,
wenn 60 mg/dL trotz maximaler medikamentöser
Therapie überschritten werden, der LDL-Cholesterin-Wert im Normbereich liegt und eine progrediente
kardiovaskuläre Erkrankung vorliegt, die durch Einsatz etablierter Behandlungsmethoden nicht beeinflusst werden kann. Durch Apherese kann das Lp(a)
um 60-80% gesenkt werden, je nach eingesetztem
System.
Auch hier muss vor der Behandlung die KV bzw.
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Spektrum der Dialyse
& Apherese I 05/2011
die Kommission einem entsprechenden Antrag zugestimmt haben.
Es ist festzustellen, dass seit dem Beschluss 2008
von den neu an die Apherese kommenden Patienten sich vermehrt Fälle mit isoliertem oder kombiniertem Lp(a) zeigen.
Der Gefäßzugang
Gängig bei der Lipidapherese ist der venovenöse
Gefäßzugang. Ein AV-Shunt (arteriovenöse Fistel)
ist in der Regel nicht notwendig, aber auch nicht
hinderlich. Jedoch sollte man bedenken, dass ein
Shunt die Belastung der Herzkranzgefäße erhöhen
kann, was bei der bestehenden KHK nicht unbedenklich ist. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass im
Normalfall die Gefäße durch die regelmäßige Punktierung „antrainiert“ werden können und sich der
Gefäßzugang mit der Zeit verbessert.
Die Antikoagulation
Zur Antikoagulation werden in der Lipidapherese
Heparin und Zitrat eingesetzt.
Heparin wird bei der Plasmapherese in größeren
Mengen verwendet als in der Hämodialyse, da es
teilweise mit dem Plasma separiert wird. Heparin wird vor der Behandlung in der Spülflüssigkeit
verwendet, um die Oberfläche des Systems zu benetzen. Außerdem wird es als Initialbolus vor der
Behandlung und kontinuierlich während der Behandlung gegeben. Die Menge der Heparingabe
wird entsprechend der Gerinnungsfaktoren, des
klinischen Zustands und der Medikation des Patienten individuell angepasst. Eine regelmäßige Messung und Kontrolle der Gerinnungsparameter (PTT
und ACT) sind ratsam.
Zitrat wird hingegen als kontinuierliches Antikoagulans während der Vollblut-Apherese und bei der
Plasmatrennung durch Zentrifuge eingesetzt. Die
Menge variiert hier je nach System von 1:15 bis
1:40 (Zitrat:Blutfluss). Zitrat wird in Form von ACD-A
(Acidum-Citricum-Dextrose) verwendet. Bei der
Gabe von Zitrat kann es zu einer Hypokalzämie
kommen, die jedoch in den meisten Fällen leicht
durch orale oder intravenöse Gabe von Calcium
behoben werden kann. Ein Heparin-Initialbolus ist
auch hier im Allgemeinen zu geben.
Die verschiedenen LipidApherese-Systeme
Therapeutische Plasma-Apherese
Bei der therapeutischen Plasmapherese wird im
ersten Schritt das Plasma aus dem vom Patienten kommenden Blut separiert. Für diesen ersten
Schritt gibt es zwei mögliche Primärsysteme: Die
Zentrifugation oder Filtration über eine Membran.
Das Plasma, das die pathologischen Substanzen
enthält, wird entweder verworfen und durch einen
Plasmaersatz, wie zum Beispiel Plasmaeiweißkonserven, Frischplasma, Humanalbumin-ElektrolytLösung, substituiert (Plasmaaustausch) oder in
einem zweiten Schritt, mit dem sogenannten Sekundärsystem, weiter behandelt und dann dem Patienten wieder zugeführt.
Bei dem Sekundärsystem kann es sich um einen
weiteren Filtrationsschritt handeln (Kaskadenfiltration, erstmals beschrieben von Agishi et al. 1980)
oder die Lipide werden über Heparin-induzierte
Präzipitation (erstmals berichtet von Wieland et al.
1983) oder durch Adsorption an Adsorbermaterial
aus dem Plasma abgetrennt.
Bei den verschiedenen Verfahren unterscheidet
man unter selektiven und unselektiven Verfahren.
Der Plasmaaustausch gehört hierbei zu den unselektiven Verfahren. Obwohl die Kaskadenfiltration heutzutage wesentlich selektiver geworden ist,
zählt sie dennoch meist zu den unselektiven Verfahren, im Vergleich sind die anderen Verfahren die
Selektiven.
Der Vorteil des Plasmaaustauschs ist die Einfachheit
des Systems sowie die Bandbreite an Indikationen,
für die es eingesetzt werden kann. Der Nachteil ist
die Unselektivität, wodurch es bei regelmäßiger Anwendung zu Mangelerscheinungen und nicht selten
auch zu Nebenwirkungen (Infektionen, allergische
Reaktionen...) kommen kann.
Membran-Differenzial-Filtration
Die Membran-Differenzial-Filtration (MDF) entspricht
der oben erwähnten Kaskadenfiltration. Es beruht
auf dem Prinzip der Doppelmembran, bei der in der
Primärabtrennung das Plasma separiert wird und in
einem Sekundärschritt die Pathogene (hier die Lipide) abhängig vom Membrantyp des Sekundärfilters
abgetrennt werden.
Das System ist verhältnismäßig einfach im Aufbau,
jedoch kommt es bei dem häufigen Einsatz der
Lipid-Apherese-Therapie durch die mangelnde Selektivität auch zu Albumin- und Immunglobulinverlusten.
Monet-Verfahren
Das Filtrationsverfahren „Monet“ (Membrane Filtration
Optimised Novel Extracorporeal Treatment) ist eine
Doppelfiltrations-Plasmapherese (DFPP). Das zuvor abgetrennte Plasma wird über eine PolysulfonMembran geleitet, wobei LDL-Cholesterin, Lp(a)
und Fibrinogen abgetrennt werden.
Immunadsorption
Bei der Immunadsorption zur Lipid-Apherese wird
Plasma über Adsorber gereinigt, die mit polyklonalen Apoprotein-B-Antikörpern vom Schaf auf Sepharose aufgebaut sind. Zwei Adsorptions-Säulen
werden während einer Behandlung wechselweise
mit Plasma beladen, während die andere Säule mit
saurer Glycinlösung gespült und regeneriert wird.
Somit hat dieses selektive Apherese-Verfahren unbegrenzte Kapazität. Dieses System wird für den jeweiligen Patienten wieder verwendet. Die Regenerierung nach einer Behandlung, die Lagerung und
die Pyrogentests vor dem nächsten Einsatz sind mit
zusätzlichem Aufwand verbunden. Außerdem sind
die Kosten für dieses System einmalig sehr hoch
und rentieren sich erst, wenn Säulen für den jeweiligen Patienten auch entsprechend oft eingesetzt
werden können. Die Säulen können für ca. 40-50
Behandlungen eingesetzt werden, danach nimmt
ihre Kapazität ab.
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Therapeutische Apherese - Marktreview Germany
Dextran-Sulfat-Apherese
A. Plasma-Apherese – LA-15
Nach Trennung des Plasmas über einen Plasmafilter, wird das Plasma abwechselnd über zwei Adsorber-Säulen geleitet, die aus negativ geladenem
Dextran-Sulfat gebunden an Zellulose bestehen.
Die selektive Bindung der ApoB-haltigen Lipide
findet über die negativ geladene Oberfläche des
Adsorbers statt. Im Laufe einer Behandlung wird
Hemmer-Kontraindikation gilt. Sartane
können jedoch gegeben werden. Da
die Primärtrennung entfällt, ist dieses
System erheblich schneller im Aufbau
wie auch in der Behandlungszeit (1,5 h
anstatt 2-3 h). Die Bindungskapazität
ist zwar limitiert, jedoch für den Großteil der Patienten ausreichend, um die
Zielwerte zu erreichen. Es stehen zwei
Adsorbergrößen zur Verfügung: DL-75
und DL-100. In der Praxis haben sich
gerade für die Vollblutsysteme hervorragende Absenkraten ergeben.
Dextran-Sulfat-Apherese-Systeme
sind weltweit die am meisten eingesetzten.
Apheresemaschine
Vollblutapherese
Liposorber
Bild rechts:
LA-15-Doppelsäule
zur Plasma-Apherese
Bild rechts oben:
Liposorber D zur Vollblutapherese
wechselseitig, während das Plasma über die eine
Säule gereinigt wird, die andere Säule gespült und
regeneriert, so dass die Bindungskapazität während einer Behandlung mit diesem Verfahren praktisch unendlich ist.
Das im Vergleich sehr kleine extrakorporale Volumen ist ein weiterer Vorteil. Deshalb ist dieses Verfahren auch für Kinder geeignet.
Durch die negativ geladene Oberfläche und der
damit verbundenen Bradykinin-Ausschüttung sind
hier ACE-Hemmer kontraindiziert. Jedoch kann
ohne Bedenken auf die Gabe von Sartanen (AT1Rezeptorblocker) gewechselt werden.
B. Vollblut-Apherese – Liposorber D
Adsorptionsmechanismus
Schematische Darstellung
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Spektrum der Dialyse
& Apherese I 05/2011
Bei der Vollblut-Apherese entfällt die Primärtrennung. Das vom Patienten kommende Blut wird direkt über das Adsorbermaterial geleitet, indem die
Lipide selektiv abgetrennt werden. Auch hier ist das
Adsorbermaterial an Zellulose gebundenes DextranSulfat, so dass auch für dieses System die ACE-
Polyacrylatadsorption
Heparin-induzierte extrakorporale
LDL-Präzipitation
Ein weiteres Verfahren zur Vollblut-Behandlung ist
das DALI-System (Direkte Adsorption von Lipoproteinen). Das Adsorptionsmaterial ist hier das
negativ geladene Polyacrylat gebunden an Polymetacrylamid. Die Bindung der Lipide beruht auch
hier auf elektrostatischem Wege. Es stehen unterschiedliche Konfigurationen (500/750/1000/1250)
zur Verfügung. Da dieses System auch nur aus
einem Trennungsschritt besteht, ist es im Aufbau
vereinfacht und die Behandlungszeit verkürzt. Die
Kontraindikation ACE-Hemmer besteht auch hier
wegen der negativ geladenen Adsorberoberfläche
vom Polyacrylat.
Das HELP-Verfahren gehört zu den selektiven Verfahren und eliminiert LDL-Cholesterin, Lipoprotein(a)
und Fibrinogen aus Plasma durch Präzipitation mit
Heparin in saurem pH-Milieu (pH-Wert 5,1). Durch
die im Vergleich zu den anderen Systemen verstärkte Fibrinogenabsenkung wird auch die Blutviskosität verringert und somit die Durchblutung insbesondere der Kapillargefäße verbessert. Dies macht man
sich auch bei der Behandlung des akuten Hörsturzes zunutze. Die starke Fibrinogenabsenkung limitiert das Behandlungsvolumen, unabhängig von der
erreichten Cholesterin-Absenkung.
Betrachtung der Systeme in der Literatur
Im Folgenden werden die verschiedenen Systeme und ihre Effektivität durch die Literatur beschrieben.
Parameter
Therasorb
Fresenius
B. Braun
Diamed
Kaneka DhP
Kaneka LA15
Life 182
DALI3,5
HELP4,6
Kaskade/MDF6
Vollblut/DHP9,10
Plasmabeh. LA15 7,8,11
Einwegsystem
nein
ja
ja
ja
ja
ja
Albumin-Absenkung
20%
13%
14%
5-10%
2%
2%
LDL-Absenkung
60%
60-75%
55-61%
60-70%
60-75%
60% - unbegrenzt
Lp(a)-Absenkung
60%
60-75%
46%
60-70%
60-75%
60% - unbegrenzt
Cholesterin gesamt
k.A.
60%
48%
53%
55 % +
60 % +
HDL- Absenkung
20%
16-29%
2,8-16%
bis 20%
5-13%
5-6%
Fibrinogen-Absenkung
20%
16%
50-60%
42%
20-40%
20-25%
Triclyceride-Absenkung
55%
ca. 40,1% +
ca. 24,6-55%
bis 57,5%
ca. 66%
ca. 66%
IgG / IgM
20% / 15%
20% / 21%
16% / 20%
10% / 15%
1 - 7% / 14%
7% / 14%
Heparin/Citrat
1500 Heparin-
Heparinbedarf für
1500 Heparin-
kein Heparinbolus
Heparinbolus,
Misch-
Bolus, Citrat nach
Therapie:
Bolus; Heparin bis
notwendig;Citrat
Heparin 1500 IE/h
antikoagulation
Arztvorschrift
100 IE/100ml
zu 1500 IE/h
nach Arztvorschrift
theoretisch unbe-
1,6fache des
ca. 3 Liter
4-4,5 Liter
Blutvolumen Kapazität grenzt, Säulenpaar
Blutvolumens
Antikoagulation
Plasmavolumen/
Extrakorporales
Volumen
Max. Plasmafluss
während der The-
während der Therapie regenerierbar
Blut: 65 ml
Dali 1000
Blut: 250 ml
Blut: 210 ml
DL-75
Blut: 175 ml
Plasma: 380 ml
Blut: 700 ml
Plasma: 700 ml
Plasma: 340 ml
450 ml
Plasma: 200 ml
30 ml/min
///
max. 25% vom
(1:3 Plasma-Blut)
///
max. 40% vom
Blutfluss
Filter 2 max. Druck
Zeitbedarf Therapie
spezifisch
Sterilisation
theoretisch unbegrenzt, Säulenpaar
rapie regenerierbar
(1:3 Plasma-Blut)
Zeitbedarf Vorbereitung
1,5fache des
Blutvolumens
Blutfluss
500 mmHg
ca. 45 min
ca. 20 min
ca. 1 h
ca. 30 min
ca. 20 min
ca. 30 min
3h
je nach Volumen
2-3 h
ca. 2 h
je nach Volumen
1,5-3 h
ja
ja
ja
nein
ja
ja
autoklaviert
Dampf
?
Gamma
Dampf
Gamma/Dampf
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Progress in LDL Apheresis
Table 1. Mean percentage reduction of plasma proteins with different methods of LDL apheresis (pre and post treatment values) according to
published data
MDF(7,19,21,23,59)
Lipid filtration(9)
HELP(60-63)
DALI(8,64)
DSA(10,62,65)
IA (59,62,63,66)
LDL cholesterol
56-62%
61%
55-61%
53-76%
49-75%
62-69%
HDL cholesterol
25-42%
6%
5-17%
5-29%
4-17%
9-27%
Lp (a)
53-59%
61%
55-68%
28-74%
19-70%
51-71%
Triglycerides
37-49%
56%
20-53%
29-40%
26-60%
34-49%
Fibrinogen
52-59%
42%
51-58%
13-16%
17-40%
15-21%
IgG
13-32%
14%
16%
15-20%
11%
25%
High variation of value are partially due to differences in treated plasma and blood volumes.
MDF, membran differential filtration; HELP, heparin-induced extracorporeal LDL precipitation; DALI, direct adsorption of lipoproteins; DSA, dextrum
sulfate adsorption; IA, immunoadsorption; LDL, low-density lipoprotein; HDL, high-density lipoprotein.
Tab. Progress in LDL Apheresis
From Membrane Differential Filtration to Lipidfiltration: Technological Progress in Low-density Lipoprotein Apheresis; R. Klingel, T. Fassbender, C. Fassbender, and B. Göhlen; Apheresis Research Institute, Cologne, Germany; Therapeutic Apheresis and Dialysis 7(3):350358, 2003
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„Fachpflege Nephrologie und Dialyse“; Hrsg. G. Breuch; 4. Auflage; elsevier, urban & fischer Verlag
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Spektrum der Dialyse
& Apherese I 05/2011
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