„Sozialstandards als Beispiel für soziale Verantwortung von

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„Sozialstandards als Beispiel für soziale Verantwortung
von Unternehmen“
Konferenz Zukunftsverantwortung – Wirtschaft und politische Bildung im Dialog
6. Mai 2004, Rathaus Schöneberg, Berlin
auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung
Forum 1: „Ethik – Verantwortliches Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft“
Dr. Michael S. Aßländer
Unternehmerisches Handeln steht zunehmend im Rampenlicht des öffentlichen Interesses. Dabei geht es schon lange nicht mehr ausschließlich um Fragen wie ökonomische Leistungsfähigkeit oder Arbeitnehmermitbestimmung. Zunehmend häufiger steht die Beurteilung der moralischen Integrität von Unternehmen und Unternehmen auf dem Prüfstand der öffentlichen Meinung. Die Aufmerksamkeit der kritischen Öffentlichkeit gilt dabei ökologischen und sozialen Problemen der Unternehmen ebenso, wie Fragen fairer Produktions- und Geschäftsbedingungen. Gefordert werden in diesem Zusammenhang die Übernahme bürgerlicher Verantwortung durch die Unternehmen, der Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unter Berücksichtigung ökonomischer, sozialer und
ökologischer Ressourcen oder die Anerkennung sozialer Verpflichtungen bei der Gestaltung der Globalisierung. Angesichts der weltweiten
Verflechtungen gelten diese Forderungen der kritischen Öffentlichkeit
dabei keineswegs ausschließlich innerhalb der nationalen Grenzen sondern beziehen sich auf Produktions- und Lieferstandards weltweit. Im
Zentrum der Aufmerksamkeit stehen Kinderarbeit, Mindestlöhne oder
Sicherheitsstandards.
Längst haben multinational agierende Unternehmen erkannt, dass alleine
die Einhaltung nationaler Rechtsbestimmungen dem hier geforderten
moralischen Anspruch der Öffentlichkeit nicht mehr genügt. Gefordert
sind vielmehr Branchen- und Sozialstandards, mit denen sich die Unternehmen selbst auf die Einhaltung bestimmter sozialer und moralischer
Normen verpflichten.
Das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) – als Mittler zwischen Theorie und Praxis – hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, die
Diskussion um eine ethische Orientierung der Wirtschaft zu fördern und
Unternehmen bei der Implementierung derartiger Standards zu unterstüt1
zen. Das DNWE ist dabei vor allem an praxistauglichen Lösungen für
wirtschaftsethische Fragestelllungen interessiert. Es bietet seinen Mitgliedern aus Wissenschaft und Praxis eine Dialogplattform, um die unterschiedlichen Ansprüche, denen sich Unternehmen gegenübersehen, zu
diskutieren, und Erfahrungen und Erkenntnisse miteinander auszutauschen. Neben nationalen und internationalen Kongressen und der Arbeit
in eigenen Arbeitskreisen geschieht dies auch durch die Vernetzung eines breiten Mitgliederspektrums. – Neben Institutionellen Mitgliedern
und Unternehmen sowie Theoretikern und Praktikern aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz engagieren sich im DNWE auch Studierende, die sich zu einem eigenen Arbeitskreis zusammengeschlossen haben.
Zudem befindet sich gerade ein eigenständiges Österreichisches Netzwerk Wirtschaftsethik in der Gründungsphase.
Jenseits dieser Dialogplattformen setzt das DNWE durch die Vergabe
des Preises für Wirtschaftsethik Impulse für unternehmensethisches Verhalten. Ausgezeichnet werden Firmen, die sich durch die langfristige
Veränderung ihrer Managementprozesse und Führungsstrukturen um die
Einbeziehung unternehmensethischer Fragestellungen in ihre Unternehmenspolitik bemühen. Hier geht es also nicht um ein einmaliges soziales
Engagement, sondern um ein dauerhaftes Umdenken innerhalb von Unternehmen.
So etwa führte die im Jahr 2002 ausgezeichnete Firma Puma weltweite
Sozial- und Sicherheitsstandards in ihren Zulieferbetrieben ein. Diese
legen verbindlich beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit, die Rechte der Arbeitnehmer, maximale Arbeitszeiten und die Koalitionsrechte
der Mitarbeiter fest. Mit seinen Social Accountability & Fundamental
Environmental Standards (S.A.F.E.) orientiert sich Puma an den Empfehlungen der International Labour Organisation und allgemein anerkannten Umweltstandards. Ein Team von Auditoren überprüft weltweit
die Einhaltung der Richtlinien. Ziel ist es, partnerschaftlich zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen. Neben der Überwachung der Standards stehen somit Beratung und Knowhow-Transfer im Vordergrund,
die es den Partnerbetrieben erleichtern sollen, Umwelt- und Sozialmanagementsysteme in ihren Fertigungsstätten einzuführen. Puma übernimmt
damit eine Vorreiterrolle innerhalb der Sportartikelindustrie. Derzeit tritt
Puma in den offenen Dialog mit unterschiedlichen NGOs, um die Rele-
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vanz ihrer S.A.F.E.-Standards zu kommunizieren und dem Vorwurf
mangelnder Transparenz entgegenzuwirken. Auch hier übernimmt das
DNWE eine wichtige Moderatorenfunktion.
Derartige Bemühungen um menschengerechte Produktions- und Arbeitsbedingungen sind jedoch nicht kostenneutral. Sie setzen neben dem
personellen Engagement auch den Einsatz finanzieller Ressourcen voraus. Zudem akzeptieren sozial- und umweltverträglich wirtschaftende
Unternehmen ein erhöhtes Risiko, im Preiswettbewerb gegen Billiganbieter zu unterliegen. Da in Branchen mit starkem Preiswettbewerb sich
gerade jene Anbieter einen Preisvorteil verschaffen können, die die herrschenden Produktions- und Lieferstandards marginal unterschreiten,
zwingt dies alle übrigen Marktteilnehmer, sich diesen niedrigeren Standards anzupassen, wollen sie im Preiskampf nicht unterliegen. Langfristig führt dies zu einem fortschreitenden Abbau sozialer Mindeststandards. Im Bereich der Wirtschaftsethik bezeichnet man dieses Phänomen
als das so genannte Absinken der Grenzmoral.
Wie lässt sich dies verhindern? – Hier bedarf es erheblicher Aufklärungsarbeit. Langfristig kann ein solches Absinken moralischer und sozialer Mindeststandards nur verhindert werden, wenn ein derartiges Engagement einzelner Unternehmen durch den Verbraucher honoriert wird.
Nur dann ist es möglich, soziales und ökologisches Engagement trotz
höherer Kosten langfristig sicherzustellen. Hier ist es Aufgabe der politischen Bildung an der Aufklärung über die Mechanismen und Zusammenhänge von Preisgestaltung und Produktions- und Lieferbedingungen
mitzuwirken. Politische Bildung muss klarlegen, dass innerhalb globaler
Wirtschaftsräume nicht nur Unternehmen für die Einhaltung moralischer
Standards Verantwortung tragen, sondern auch Verbraucher dazu aufgerufen sind, Konsumentscheidungen bewusst und aufgeklärt zu treffen.
Das Dilemma der Unternehmen, einerseits im Preis-LeistungsWettbewerb bestehen zu müssen, andererseits mit ihren Produktionsbedingungen an moralischen Standards gemessen zu werden, lässt sich nur
überwinden, wenn es gelingt, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass
Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen die Produktions- und Lieferbedingungen weltweit mitbestimmen.
Vielen Dank!
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