Die Kirche im Dorf lassen

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Brandenburger
.
Zeitung der LINKEN Brandenburg über sich und andere
8
WWW.LAUSITZER-BRAUNKOHLE.DE / H. SKUPIN / GRÜNE LIGA
Die Kirche
im Dorf lassen
DIE LINKE. Brandenburg tritt der Volksinitiative „Keine neuen
Tagesbaue – für eine zukunftsfähige Energiepolitik“ bei
A
Bestandteil des Beschlusses ist die Aufgabe, im Rahmen der
Leitbilddiskussion die Energiestrategie der Partei weiter zu
entwickeln. DIE LINKE sieht den mittelfristigen Ausstieg aus
der Braunkohleförderung und -verstromung als zeitliche
Brücke für eine soziale, wirtschaftliche und ökologische Umgestaltung der Lausitz. Die Energiewende muss jetzt aktiv auch
in der Lausitz gestaltet werden. Das ist nicht nur im Interesse
der vom Braunkohleabbau negativ Betroffenen, sondern auch
im Interesse der Kohlekumpel und ihrer Familien.
Dem parteiinternen Verständigungsprozess während der Landesvorstandssitzung ging eine öffentliche energiepolitische
Konferenz voraus, in der Vertreter von Vattenfall, der IG BCE,
der Umweltverbände und der Partei DIE LINKE ihre Positionen
vertreten haben. Die öffentliche Konferenz war wesentlicher
Bestandteil des Meinungsbildungsprozesses und explizit auch
als eine Alternative zur „Hinterzimmerverständigung“ gedacht,
die letzte Woche zwischen Vattenfall und Ministerpräsident
Platzeck stattgefunden hat. Der Landesparteitag der LINKEN
Brandenburg im Januar 2008 wird sich mit dem Verlauf der
Volksinitiative und den energiepolitischen Konzepten der Partei auch für die Lausitz erneut beschäftigen.
Bilanz nach 1000 Tagen Hartz IV
N
ach 1000 Tagen der Hartz-IV-Reformgesetze hat die Linke eine kritische Bilanz gezogen. Das Fazit sei verheerend, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der
Linksfraktion im Landtag Brandenburg, Christian Görke.70
000 Brandenburger Kinder und Jugendliche müssen von HartzIV-Leistungen leben. Von rund 17 600 geförderten Menschen
seien 14 000 in Ein-Euro-Jobs tätig. Wer ein Jahr Arbeitslosengeld II beziehe, erwerbe nur einen Rentenanspruch von gut
4 Themen-Seiten
Öffentliche
Daseinsfürsorge
K o m m e n t a r
An der Förderbrücke im Tagebau Welzow-Süd
rechts: Proteste am 12. Juli 2007
m 30. September 2007 hat der Landesvorstand der LINKEN. Brandenburg auf seiner Tagung in Cottbus entschieden, sich an der Volksinitiative „Keine neuen Tagebaue – Für eine zukunftsfähige Energiepolitik“ zu beteiligen.
Der Beschluss wurde mit 12 zu 1 Stimmen mehrheitlich gefasst. Der Entscheidung ist ein mehrmonatiger Diskussionsprozess
vorausgegangen, den DIE LINKE im Rahmen ihrer Leitbilddebatte „Für ein Brandenburg der Regionen“ landesweit und ergebnisoffen geführt hat. Dabei ist einmal mehr deutlich geworden, dass DIE LINKE in Brandenburg eine Volkspartei ist,
in der unterschiedliche Meinungen und Positionen vertreten
sind.
Die Debatte verlief in der Sache zum Teil hart, aber fair. Insbesondere in den unmittelbar betroffenen Teilen der Lausitz
wird deutlich, dass die Stimmung in der Partei in dieser Frage
geteilt ist. Das Votum des Landesvorstandes entspricht dem
Diskussionsergebnis dieser Debatte, in der sich auch Abgeordnete des Europaparlaments, des Bundestages und Landtages,
Kreisvorsitzende, Mitglieder des Jugendverbandes, anderer
Kreisverbände und Basisorganisationen für die Beteiligung an
der Volksinitiative ausgesprochen hatten.
Oktober 2007
zwei Euro pro Monat. Zudem sei die Zahl der Widersprüche gegen Bescheide der zuständigen Behörden (ARGEN und Grundsicherungsämter in den Optionskommunen) explodiert. Allein
im ersten Quartal dieses Jahres wurden in Brandenburg 14 061
Widersprüche im Bereich des SGB II registriert. Die Linke fordert deshalb im Einklang mit Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften eine sofortige Anhebung der Regelleistung zum
Lebensunterhalt auf monatlich 420 Euro.
Im September hat das Berlin-Instituts
für Bevölkerung und Entwicklung ein
Gutachten für die Entwicklung
Brandenburgs vorgelegt. Die hitzige
Debatte, die dieses Papier auslöste und
die Kritik daran hat unerträgliche
Formen angenommen, die so nicht
mehr unkommentiert bleiben dürfen.
Die Ablehnung des Vorschlages
„Wegzugsprämien“ zu zahlen ist völlig
berechtigt und wird auch von mir
geteilt. Dies jedoch mit dem Attribut
„stalinistisch“ zu belegen ist
ahistorisch, geschmacklos und
beschädigt die Würde der Autoren. Die
Politik kann nicht einerseits die
Wissenschaft auffordern, sich mit den
Realitäten auseinanderzusetzen und
dann andererseits mit verbalen
Totschlägern auf Bestandsaufnahmen
reagieren, die nicht ins eigene Weltbild
passen. Wenn etwas an vergangene
Zeiten erinnert, dann das.
Viele Vorschläge der genannten Studie
mögen inakzeptabel für die Politik sein,
andere sind durchaus diskutabel. Nicht
leugnen lässt sich, dass die
Bestandsaufnahme sehr kritisch ist.
Gleichzeitig ist sie aber in Vielem sehr
viel näher an der Wirklichkeit, als die
Propaganda von den „blühenden
brandenburgischen Landschaften“ der
Landesregierung. Wir werden den
kritischen Dialog mit den Autoren
suchen und ihre Erkenntnisse und
Auffassungen im Rahmen unserer
Leitbilddebatte für ein Brandenburg
der Regionen mit debattieren.
Thomas Nord,
Landesvorsitzender
der LINKEN
Brandenburg
2
Die www.dialog-fuer-brandenburg.de-Seite
Brandenburger Seiten
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OKTOBER 2007
Herzlichen Glückwunsch, Verfassung!
Die PDS (heute DIE
LINKE) wird auch
nach 15 Jahren –
anders als andere
Parteien – ihrer
verfassungsgebenden
Funktion in
Brandenburg gerecht
ist nicht nur das „Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle“, in diesem Jahr sollte Brandenburg eigentlich auch seine vor 15 Jahren beschlossene und nach einem
Volksentscheid in Kraft gesetzte Verfassung feiern.
Die Betonung liegt auf dem Wort „sollte“. Denn
in Regierung und Landtag sah man das weitgehend anders. Landtagspräsident Fritsch veröffentlichte Ende August zwar eine lange Presseerklärung, sonst aber fand im Landtag nichts
2007
statt. Die Landeszentrale für politische Bildung
sponsorte einen Film, in dem ehemalige Regierungsmitglieder – von Manfred Stolpe bis hin
zum FDP-Minister Enderlein – zu Geburtshelfern
der Verfassung erklärt wurden. Bei der Verleihung des Landesordens, die jedes Jahr aus Anlass des Tages des Volksentscheides stattfindet,
fand Matthias Platzeck kein einziges Wort für
das Brandenburger Grundgesetz. ... So kann man
Brandenburger Verfassungswirklichkeit am Beginn des 16. Jahres der „modernsten deutschen
Verfassung“ (O-Ton SPD 1992) dokumentieren!
Im Unterschied dazu begangen die Brandenburger LINKEN den Verfassungsgeburtstag – nunmehr schon zum dritten Mal – mit einem Kolloquium. Rund 40 Gäste, unter ihnen der ehemalige Landtagspräsident Dr. Herbert Knoblich und
der Verfassungsrichter Florian Havemann, diskutierten im Landtag unter dem Motto „Ungleich
und dennoch gleich – der Gleichstellungsauftrag
der Brandenburger Verfassung“:
Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages,
Petra Pau sprach über die für die Programmdebatte unserer neuen Partei wichtige Frage des
Verhältnisses von bürgerlichen und sozialen
Rechten. Kerstin Kaiser nahm sich die Gleich-
stellung von Frauen und Männern vor. Dr. Peter
Widmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin erörterte die Frage, ob der
Begriff „Rasse“ in deutschen Verfassungen noch
zeitgemäß ist. Dr. Ilja Seifert (MdB) sprach über
die Gleichstellung von Menschen mit und ohne
Behinderung. Die Schriftstellerin Daniela Dahn
belegte, dass die Forderung nach Gleichstellung
von Ostdeutschen auch im Jahr 2007 immer
noch eine aktuelle Frage ist. Das Ganze wurde
abgerundet durch Ulrich Vieluf vom Landesinstitut für Lehrbildung Hamburg, der in seinen
Beitrag verdeutlichte, dass Bildungschancen in
Brandenburg stark von der sozialen Situation beeinflusst werden.
Die Fraktion hatte das Kolloquium bewusst in
den Kontext der laufenden Debatte über ihr Leitbild für Brandenburg gestellt. Gleichstellung und
Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen sind
Kernforderungen der LINKEN – nicht nur in unserem Bundesland. Das Kolloquium brachte eine
ganze Reihe von Anregungen für ein zukunftsfähiges und solidarisches Brandenburg. Schon
deshalb hat es sich gelohnt.
Renate Harcke
Mehr Infos unter www.dialog-fuer-brandenburg.de
Kerstin Kaiser als
Fraktionsvorsitzende bis
2009 wiedergewählt
Mit einer stabilen Zwei-Drittel-Mehrheit
hat die Fraktion DIE LINKE im Brandenburger Landtag am 25. September ihren
neuen Vorstand gewählt.
Kerstin Kaiser wurde zur Fraktionsvorsitzenden wiedergewählt. Stellvertretende
Fraktionsvorsitzende sind Gerrit Große
und Ralf Christoffers. Neuer Parlamentarischer Geschäftsführer ist Christian Görke.
Er löst Heinz Vietze nach 17 Jahren in diesem Amt ab. Zum neuen Vorstand gehören
außerdem Kornelia Wehlan, Anita Tack,
Hans-Jürgen Scharfenberg und Torsten
Krause.
■ Bitte vormerken
Frauen wollen mehr als nur
Schuhe kaufen
In einer Fachkonferenz der Feministische Frauenarbeitsgemeinschaft
in der Partei DIE LINKE. Brandenburg, im Rahmen der Diskussion
zum Leitbildentwurf, soll gemeinsam nach konkreten politischen Lösungen gesucht werden, um die Lebenswirklichkeit von Frauen und
Mädchen in Brandenburg zukunftsfähig, demokratisch, gewaltfrei
und sozial gerecht zu gestalten.
Die Konferenz findet am
Samstag, 3. November 2007 von 9 bis 18 Uhr
in Birkenwerder statt.
Zu Beginn wird um 9 Uhr die Clara-Zetkin-Gedenkstätte (Summter
Str. 4) besichtigt. Die Konferenz beginnt um 11 Uhr in der RegineHildebrandt-Schule.
Die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau, die Schriftstellerin Daniela Dahn und die
Vizepräsidentin des Landtages, Gerlinde Stobrawa, waren Gäste des Verfassungskolloquiums
Arbeitsschwerpunkte für die
nächsten zwei Jahre
K
ontinuierlich wird die Fraktion an ihrem
Leitbild weiterarbeiten und entsprechende Projekte initiieren, betonte Kerstin Kaiser. Dabei stehen Beschäftigung, Bildung sowie
Verläßlichkeit in der Energiepolitik und Regionalentwicklung im Mittelpunkt.
Für die laufenden Haushaltsberatungen wurde
bereits ein Konzept zur Schaffung von bis zu
4.600 Existenz sichernde, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnissen in Brandenburg auf den Tisch gelegt, durchgerechnet
und ausfinanziert, so dass die öffentlichen Haushalte nicht zusätzlich belastet werden.
Im Bildungsbereich wird die Fraktion mit parlamentarischen Initiativen auf ein längeres gemeinsames Lernen drängen. Dabei geht es um
gleiche Chancen für alle Kinder. Außerdem muss
unverzüglich der uneingeschränkte Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für jedes Kind wiederhergestellt werden.
DIE LINKE sieht sich angesichts der aktuellen
Diskussionen in ihrer Einschätzung bestärkt,
dass es mehr Regionen als Berlin und das Umland gibt, dass ein Interessenausgleich gewährleistet und herbeigeführt werden muss.
In Diskussionen vor Ort wurde unser Vorwurf an
die Landesregierung bestätigt, dass die Randregionen ihrem Schicksal überlassen werden.
Nötig ist gestalterisches Eingreifen, d.h. eine vorsorgende Regionalpolitik. Dazu hat die Linksfraktion in der Leitbilddiskussion bereits mehrere Vorschläge unterbreitet, u. a. die Einrichtung
eines Regionalfonds.
Brandenburger Seiten
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Thema: Öffentliche Daseinsfürsorge
OKTOBER 2007
Themen-Seiten
DIE LINKE diskutiert Daseinsvorsorge
W
as ist öffentliche Daseinsvorsorge heute
in Brandenburg? Was heißt Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse? Eine
Schule in jedem Dorf, medizinische Grundversorgung rund um die Uhr, eine Bushaltestelle um
die Ecke oder flächendeckend Breitband im ländlichen Raum? Wie gewährleisten wir Daseinsvorsorge angesichts der Abwanderungen und
Überalterung? Darüber diskutierte die Brandenburger LINKE im Rahmen der Leitbild-Debatte
mit Experten und Bürgern am 21. September
2007 auf der Fachkonferenz „Öffentliche Daseinsvorsorge“.
Lutz Brangsch von der Rosa-Luxemburg-Stiftung
definierte Aufgaben der Daseinsvorsorge als Leistungen, „die vernünftig nur öffentlich zu erbringen seien“. Dabei steht der Zugang zu Bedingungen eines menschenwürdigen Lebens aller Bürger im Mittelpunkt, sei es in Bork in der
Ostprignitz oder in der Landeshauptstadt Potsdam, in Glambeck in der Schorfheide oder in
Cottbus. Private Leistungserbringung würde
breite Teile der Gesellschaft ausschließen. Da Effizienz und Renditevorgabe des Unternehmens
im Vordergrund stehen. Das ist so richtig wie
normal. Und deswegen dürfen Entscheidungen
der Daseinsvorsorge nicht von privatwirtschaftlichen Interessen abhängig gemacht werden.
Brangsch brachte zugleich die globale Dimension dieser Frage in die ansonsten eher regional
ausgerichtete Debatte.
Unser Kriterium ist der gleichberechtigte und kostengünstige Zugang zu den lebenswichtigen
Dienstleistungen, die flächendeckend, verläss-
lich und dauerhaft allen Bürgern zugänglich sein
müssen, so Kerstin Kaiser. Hier müssen wir die
Rahmenbedingungen dem demografischen
Wandel anpassen. „Einstellen auf neue Herausforderungen, statt Reduzierung von Leistungen“.
Das bedeutet für uns Aufgaben regionalisieren
und lokale und regionale Akteure stärken, so
Kaiser. Dafür benötigen die Kommunen aber entsprechende Handlungsfreiheit und finanzielle
Ressourcen um die Aufgaben zu erfüllen. Sie
fragte auch, welchen Begriff wir benutzen sollten, den vorbelasteten Begriff der öffentlichen
Daseinsfürsorge oder nicht lieber den eines solidarischen Gemeinwesens.
Während der Diskussion wurde aus dem Publikum gefragt: „Welche Rahmenbedingungen DIE
LINKE setzen will, um Aufgaben auf die Kommune runter zu brechen?“ An diesem Tag wurde
keine Antwort gefunden. Aber wir bleiben dran.
Es wurde angemerkt, dass man sich nicht vor der
Privatisierung von Leistungen verschließen solle.
Schon jetzt nimmt die öffentliche Hand immer
weniger Aufgaben wahr. Ein offensiver Umgang,
mit verstärkter Kontrolle der privaten Unternehmen sei angebracht. Dabei dürfen Kommunen
nicht allein gelassen werden. Gleichzeitig sollte
sich DIE LINKE in Brandenburg überlegen, wie
Rekommunalisierungen von Unternehmen erfolgen können. Ein Gespräch mit den Gewerkschaften sei dazu dringend notwendig.
In der Diskussion wurde angemerkt, dass öffentliche Daseinsvorsorge, schaut man auf die Anfänge in den 1930er Jahren, ein Konzept der Unterordnung des Einzelnen unter den Staat sei.
Linke Politik müsse aber zugleich eine emanzipatorische sein. Es sollte also vorsichtig mit diesem Begriff umgegangen werden. Es kann nicht
um vormundschaftliches Absichern des Einzelnen gehen. Die Debatte machte deutlich, dass
trotz regionaler Unterschiede, unterschiedlicher
Problemlagen und begrenzter finanzieller Ressourcen im Land die Bürger des Landes ein Recht
auf einen Grundkanon öffentlicher Leistungen
haben, womit die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse im Land herstellt wird. Dies genauer zu bestimmen, ist nun unsere Aufgabe – im
Dialog mit allen Bürgerinnen und Bürgern.
Weitere Informationen zur Fachkonferenz unter
www.dialog-fuer-brandenburg.de.
Von
Sascha Krämer
BABELconsult
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Thema: Öffentliche Daseinsfürsorge
Brandenburger Seiten
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OKTOBER 2007
Öffentliche Daseinsvorsorge ist eine
Herausforderung
F
Von
Stefan Ludwig
ür uns sind die 3 folgenden Rahmenbedingungen die Eckpunkte des Handelns:
Bürgermeister
der Stadt Königs
Wusterhausen
1. Wir gestalten die Stadt in der Zeit des demografischen Wandels mit Bevölkerungswachstum. Dies ist laut Raumordnungs- und Wohnungsprognose
der
Bundesregierung
2020/2050 nur in wenigen Regionen des
Ostens der Fall. Während fast die gesamte
Fläche der ostdeutschen Bundesländer von
starkem Bevölkerungsrückgang geprägt ist,
gibt es wenige Gebiete mit Stagnation der
Entwicklung (dazu gehören neben der Bundeshauptstadt auch das Umland von Dresden
sowie das östliche Umland von Leipzig) und
nur wenige Gebiete mit Bevölkerungswachstum: mit leichtem Wachstum das Umland von
Erfurt sowie um Halle und Leipzig, mit starkem Wachstum das Umland der Stadt Rostock und das Berliner Umland.
2. Wir müssen die definieren, was heute und
was zukünftig Daseinsvorsorge ist und das
eine tun, während wir das andere entwickeln.
3. Der rechtliche Rahmen der Gemeindeordnung Brandenburg ist beschränkend.
Während zu beginn des gültigen Gesetzes ein
weiter Rahmen gesteckt wird (§3 Abs.2), was
alles Daseinsvorsorge sein kann, wir hinten
mit dem weichen Privatisierungsgebot das
Handeln wesentlich eingeschränkt (§100
Abs.3).
Die Stadt Königs
Wusterhausen liegt
südlich der Bundeshauptstadt Berlin, hat
ca. 33.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Nordwestlich grenzt die
Gemeinde Schönefeld
an, wo gegenwärtig der
neue Flughafen gebaut
wird. Seit März 2002
bin ich dort
Bürgermeister.
Auch bei uns wird die
Verantwortung für die
Daseinsvorsorge
getrennt wahrgenommen, also
sowohl staatlich als
auch im kommunalen
Bereich durch den
Landkreis und die
Städte und Gemeinden.
Ich kann aus eigener
Erfahrung natürlich nur
für eine Stadt sprechen,
versuche aber, die
anderen Handlungsträger mit darzustellen.
Wie sieht das nun in ausgewählten
Handlungsfeldern aus?
Bei der Regelung der Stadt-Umland-Beziehungen ist die interkommunale Zusammenarbeit schwer. Bei Fragen des Zusammenwirkens
mit der Stadt Berlin lassen sich Regelungen nur
über Staatsverträge der Länder Berlin und Brandenburg vereinbaren, und dafür muss man mehrere Jahre Zeit investieren. Daneben lesen sich
dann Regelungen der Länder manchmal anders
als die ursprünglich angestrebten Lösungen der
Städte. Die Stadt Berlin ihrerseits ist eine große
Quelle von Erwerbseinkommen für die Bevölkerung des Umlandes und leistet damit einen
großen Anteil für die soziale Stabilität des Umlandes. Andererseits trägt das Umland eine
große last für die Ausgleichsfunktionen für die
Großstadt Berlin.
Der starke Zuzug von Senioren ins Umland von
Berlin löst Planungsnotwendigkeiten besonderer Art aus. Für die steigende Zahl der schon vorhandenen Einwohner, welche älter werden, mag
die vorhandene Infrastruktur tauglich sein, die
Zuzüglerzahl bringt uns an die Grenze des Machbaren.
Die schwierigen Stadt-Umland-Beziehungen bestehen auch bei den größeren und mittleren
Städten und deren Umland im engeren Verflechtungsraum. Letztlich muss aus ökologischer
Sicht auch bei der Baulandausweisung im Berliner Umland beachtet werden, was ein Architekt
in einer Fachzeitschrift so zum Ausdruck brachte: Was nützt mir die Bilanz eines Passivhauses,
wenn ich zum Arbeitsplatz 70km mit dem Auto
fahren muss?
Die Energieversorgung wird unterschiedlich
wahrgenommen. Sie finden Stadtwerke in einigen Städten, in anderen nicht. Hier steht immer
die Frage, welche Rendite ein Stadtwerk haben
muss? Bei den vielen Orten, die von eon/edis
oder der EWE oder anderen versorgt werden, ist
die Versorgung komplett undemokratisch organisiert, denn kein Einwohner, aber auch keine
Gemeindevertretung hat Einfluss auf die Abläufe. Daneben werden die Einnahmen der Gemeinden aus ihren Anteilen der eon/edis in den
nächsten Jahren sinken, da eon den Direktvertreib begonnen hat. Damit werden weniger Abnehmer Kunden bei der edis weien und deren
Gewinne sinken zukünftig, somit die Einnahmen
der Gemeinden.
Beim Verkehr stellt sich die Versorgung mit
dem ÖPNV stabil dar. Trotz zurückgehender Zuweisungen an die Landkreise als Trägerinnen des
ÖPNV bleibt das Netz bisher fast vollständig erhalten. Das ist für mich ein her zufälliger Erfolg.
Denn nur zufällig kommen im engeren Verflechtungsraum stabile Nutzerzahlen, Berufs- und
Schülerverkehre und stabile Bevölkerungszahlen zusammen. Sollte die Absenkung der Zuschüsse zum ÖPNV, weitergehen, wird auch eine Netz- oder Taktausdünnung im Berliner Umland erfolgen.
Eine zusätzliche Mittelzuweisung für die Ausgleichsfunktionen im Metropolenumland ist
ebenso wenig zu erwarten. Aber am Wochenenden haben wir eben nicht weniger Fahrgäste,
sondern mit den Kurzzeittouristen sowie den Erholungsnutzern nur andere. Weder die Nutzung
von EU-Mitteln noch Sonderzuweisungen über
das FAG o. ä. ist bisher angedacht, sodass wir
diese Funktionen aus den eigenen Mitteln mit erbringen.
Die ÖPNV-Anbindung des neuen Flughafens ist
ein Sonderfall bei uns. Sie ist ein deutliche s Beispiel für unsere Probleme: eine Ostanbindung ist
bisher fraglich. Über die Erarbeitung eines gemeinsamen Strukturkonzepts der Umlandgemeinden für ein Flughafenumfeld des BBI haben
wir immer wieder bemerkt, dass die Anbindung
nur nach Berlin geordnet wird, die östlichen Anrainer sind abgebunden. Wenn es denn aber so
sein soll, dass für das Umland Arbeitsplatzeffekte und Ansiedlungen gedacht sind, so steht gegenwärtig der Berufsverkehr, aber auch andere
Verkehre in Frage: Die Leute kommen früh
schlicht nicht zu ihrem Arbeitsplatz!
Die Gesundheitsversorgung ist ein Beispiel
für das Zusammenwirken verschiedener verantwortungsträger, ob nun erfolgreich oder eben
nicht.
Beim Netz der Krankenhäuser haben wir es dem
politischen Konsens Mitte der 90er imLand zu
verdanken, dass Zentralisierungsbestreben hin
auf die ehemaligen Bezirkskrankenhäuser Potsdam, Frankfurt und Cottbus nicht umgesetzt
wurden, sondern die wohnortnahe Versorgung
auch im Berliner Umland gestärkt wurde. Für
diesen Konsens standen vor allem die damalige
Landesgesundheitsministerin, aber auch die damalige Gesundheitsausschussvorsitzende im
Land. Für mich ist das ein Beispiel für die Gestaltungskraft von Landespolitik. Die Landkreise
sehen die Krankenhauslandschaft m. E. eingeengt betriebswirtschaftlich, zu wenig als Instrument der Daseinsvorsorge. Anders kann ich mir
einige Entscheidungen bei Privatisierungen und
Übertragungen an Freie Träger nicht erklären.
Beim Netz der niedergelassenen Ärzte ist den
trägern der Daseinsvorsorge die Mitwirkung
komplett entzogen, das erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung. Wir haben die Situation, dass bei Zuzug keine weiteren Praxen eröffnet werden, sodass die Ärzte vor allem die ehemaligen Berlinerinnen und Berliner zu deren
Berliner Ärzten verweisen muss, da die Behandlungszimmer schon voll sind.
Weitere Gesundheitsdienstleistungen fördern
die Städte und Gemeinden vielfältig, hier haben
sie großen Gestaltungsspielraum, da sich das
teilweise nur über den Markt regelt, aber auch
über Infrastruktur beeinflusst werden kann.
Bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung hat die kommunale Wahrnahme einen
großen Beitrag zu sozialem Frieden und Chancengleichheit geleistet. Wasser hat Lebensmittelqualität, die Versorgung erfolgt verlässlich für
alle überall. Ausreichendes Wasser und Hygiene
hängen nirgendwo vom Geldbeutel ab – das war
bei Entstehung der Arbeiterbewegung ganz anders.
Hier steht der Raum um Berlin vor einem Umbruch. Nicht das Thema Grundwasserabsenkung
wegen Braunkohlförderung beschäftigt uns,
sondern die Auswirkungen des klimatischen
Wandels auf die Wasserzufuhr in die Berliner Region. Bisher sammeln wir Abwasser in möglichst
großen Reinigungsanlagen aus wirtschaftlichen
Gründen, leite es dann möglichst schnell und
weit über Vorfluter in die Flüsse ab und damit
weg aus der Region. Schon in 20 Jahren werden
wir damit nicht mehr die stabile Wasserversorgung für Wirtschaft und Bevölkerung im Berliner
Gebiet sichern können.
Bildung und Betreuung zeigen Chance und
Risiko der Landespolitik deutlich auf.
Die Kindertagesbetreuung ist deutlicher beleg
für die Gestaltungskraft der Politik. Das flächendeckende Netz der KiTas wurde in den 90ern erhalten, eine gesetzliche Pflicht dafür bestand so
nicht. Das Risiko sehe ich in der Erosion der
Standards der pädagogischen Versorgung dort.
Schule wird nicht als Daseinsvorsorge im Land
behandelt, sondern eher als Landeskultur. Dafür
reichen dann zentralisierte Leuchttürme, die
Fläche muss nicht bedacht sein. Sonst gingen
Schulschließungen so nicht in Brandenburg.
Bei der Seniorenbetreuung gibt es kein vorhandenes Netz wie für Kinder. Meist werden sie erst
betreut, wenn sie nicht mehr selbst bestimmt im
Leben stehen. Hier bringt der demografische
Wandel den Zwang zum Umsteuern deutlich
zum Ausdruck, denn nirgendwo ist unter emanzipatorischen Blickwinkel die Betreuung günstiger als in der bisherigen Wohnung. Das stabilisiert auch kommunale Wohnungsunternehmen
und die Wohngebiete.
Schließlich kann ich sagen:
■ Wir gestalten den demografischen Wandel
und den Zuzug.
■ Wir erfüllen neben eigenen Aufgaben auch
Ausgleichsfunktionen für die Großstadt.
■ Wir müssen zukünftige Bedarfe der Daseinsvorsorge definieren.
■ Generationengerechtigkeit wird nur von uns
so gesichert.
Brandenburger Seiten
8
5
Thema: Öffentliche Daseinsfürsorge
OKTOBER 2007
Die Bahn darf nicht der Börse geopfert
werden
D
ie Zukunft des Schienenverkehrs in
Deutschland steht auf dem Spiel – nicht
mehr und nicht weniger.
Die Bundesregierung hat beschlossen, die Deutsche Bahn, ihre 100%ige Tochter, auf dem Wege einer teilweisen Kapitalprivatisierung zu verkaufen und an die Börse zu bringen. Es ist höchste Eisenbahn, dass dieser Entwicklung Einhalt
geboten wird.
Die Proteste gegen eine Kapitalprivatisierung der
DB sind sehr groß. Laut einer Forsa-Umfrage
vom Juli 2007 sprechen sich zwei Drittel aller
Bundesbürger gegen den Börsengang der DB
aus. Bei Anhängern der Linken: 77 Prozent, SPDAnhänger 69 %, bei CDU/CSU 57 %. Ebenfalls
eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent der Bundesbürger ist der Meinung, dass sich eine Klima
schützende Bahnpolitik eher mit einer Bahn im
öffentlichen Besitz und mit öffentlichen Investitionen durchsetzen lässt.
Die im Grundgesetz festgeschriebene Gemeinwohlverantwortung des Staates für den Bahnverkehr wird mit den Plänen der Bundesregierung gefährdet.
Es liegt im Interesse der Länder, dass die DB AG
gemäß dem in Artikel 87e Abs.4 des Grundgesetzes festgeschriebenen Mobilitätsauftrag als
moderner Anbieter von Dienstleistungen im Personen- und Güterverkehr auf einem gut ausgebauten Schienennetz langfristig und vollständig
in öffentlichem Eigentum verbleibt.
Die Fraktion DIE LINKE lehnt eine Kapitalprivatisierung der DB AG aus folgenden Gründen ab:
– Verstoß gegen das Grundgesetz und den Gewährleistungsauftrag für die Bahn.
– Volksvermögen wird verhökert und das weit
unter dem realen Wert von ca. 180 Mrd. Euro.
– Die Interessen der Fahrgäste werden ignoriert. Stattdessen werden weitere Bahnstrecken stillgelegt, noch mehr Arbeitsplätze
abgebaut und die Fahrpreise drastisch erhöht.
– Die Länder haben kaum Mitspracherechte.
Der Fern- und Regionalverkehr unterliegt den
Kapitalverwertungsinteressen.
– Eine kapitalprivatisierte Bahn wird zum Haushaltsrisiko: Zur Gewinnmaximierung wird die
DB die Trassen- und Stationspreise erhöhen.
Das Land mehr muss mehr Geld für die Trassennutzung zahlen und kann dafür weniger
Schienenverkehr bestellen.
Eine Entlastung des Bundeshaushaltes tritt
nicht ein: Der Bund erhält für den Verkauf
schätzungsweise zwischen 5 und 10 Mrd. Euro und geht gleichzeitig Verbindlichkeiten in
Höhe von ca. 120 Mrd. Euro für 15 Jahre ein:
2,5 Mio. Euro/Jahr für die Instandhaltung des
Schienennetzes (= 37,5 Mio. Euro), 20 Mrd.
Euro für Streckenneubau und ca. 60 Mrd. Euro für den Regionalverkehr der Länder.
– Die steuerfinanzierte Schieneninfrastruktur
bleibt nur formal-juristisch Bundeseigentum.
Die DB erhält die Möglichkeit, Schienenverkehr und Infrastruktur in einer wirtschaftlichen Einheit zu betreiben und zu bilanzieren.
Der Bund kann sein Eigentum nach 15 Jahren
für einen Milliardenbetrag (7,5 Mrd. Euro
laut. Bundesregierung) zurückkaufen.
Großbritannien und Estland haben es vorgemacht: Eine Privatisierung ruiniert den Schienen-
verkehr. Herausragendes positives Beispiel für
funktionierenden Schienenverkehr in staatlicher
Hand ist die Schweiz. Deshalb wäre es nur logisch,
wenn sich der Bund und die Länder für eine Weiterentwicklung der DB nicht an den Negativ –,
sondern den Positivbeispielen orientieren.
Mobilität ist elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge. Artikel 87e Absatz 4 des Grundgesetzes verlangt, dass der Bund im Sinne des
Allgemeinwohls die Verantwortung für das
Schienennetz und die Verkehrsangebote trägt.
Wird ein Teil der Deutschen Bahn an private Investoren verkauft, bleibt die Daseinsvorsorge auf
der Strecke. Das wäre eine eindeutige Verletzung des Grundgesetzes und der Ausverkauf öffentlichen Eigentums. Eine optimierte Bahn in
öffentlicher Hand kostet den Steuerzahler wesentlich weniger als die aktuelle Bahn oder das
kapitalprivatisierte Unternehmen Bahn.
Daseinsvorsorge und Fahrgastinteressen stehen
im Mittelpunkt bei einer Bahn in öffentlichem Eigentum. Deshalb regen wir folgendes an:
– Die DB muss vollständig im öffentlichen Eigentum zur Sicherung der Daseinsvorsorge
bleiben.
– Eine Reorganisation der DB-Töchter ist vorzunehmen.
– Die Bahn könnte künftig zweigleisig in die
Zukunft fahren, mit einem Unternehmen für
die Infrastruktur (dazu gehören Schienen,
Brücken, Tunnel, Bahnhöfe, Güteranlagen,
Stellwerke, Signalanlagen, Energieversorgung, Bauprojektierung, Trassenvergabe,
Kursbuchwesen und Job-Center) und einem
für den rollenden Betrieb.
– Durch den Verkauf des Nebengeschäfts (internationale Logistikunternehmen und Beteiligungen, die nicht zum Kernbereich der Daseinsvorsorge gehören) sind Erlöse von ca.10
Mrd. Euro zu erzielen.
– Die DB-Güterbahn Railion und das Schienennetz sind für den wachsenden Güterverkehr
leistungsfähiger zu machen.
– Gewinne der DB sind für die Netzinstandhaltung und -erweiterung sowie zur Qualitätssicherung einzusetzen.
– Der Verzicht auf Großprojekte wie Transrapid oder Stuttgart 21 bringt Einsparungen in
Milliardenhöhe zu Gunsten des öffentlichen
Verkehrs.
– Erschließung der Fläche statt Abbau des
Schienennetzes, damit Bahn fahren wieder
attraktiv und zu einer echten Klima schützenden Alternative gegenüber dem Auto
wird.
Wir fordern den Erhalt der DB im vollständigen
Eigentum des Bundes als Voraussetzung für eine
moderne, kundenorientierte, sichere und bezahlbare Bahn für alle. DIE LINKE will Mobilität
mit einer Bahn in öffentlichem Eigentum. Der
Daseinsvorsorgeauftrag der Bahn darf nicht an
der Börse geopfert werden.
Von Anita Tack
verkehrspolitische
Sprecherin der
Fraktion
DIE LINKE. im
Landtag
Brandenburg
Wohin geht die
Reise?
6
Thema: Öffentliche Daseinsfürsorge
Brandenburger Seiten
8
OKTOBER 2007
Umweltdatenbericht 2007 spricht gegen
Aufschluss neuer Tagebaue
Von
Wolfgang Thiel
energiepolitische
Sprecher der
Links-Fraktion im
Landtag
Brandenburg
D
er vorliegende Umweltdatenbericht 2007
des Landes Brandenburg ist die fachliche
Grundlage und Hilfestellung für politische
Entscheidungen. Die integrierte Potenzialstudie
„Erneuerbare Energien“ enthält Berechnungen,
wonach Brandenburg bereits im Jahr 2020 in der
Lage ist, weit mehr als zwei Drittel seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien wie Windund Solarenergie beziehungsweise Biomasse zu
gewinnen.
Die Linksfraktion im Landtag bekräftigt deshalb
ihre Auffassung, dass es für den Aufschluss neuer Braunkohletagebaue zur Stromerzeugung keinen Bedarf gibt. Stattdessen müssen die regenerativen Energien ausgebaut sowie der Energieeffizienzsteigerung und dem sparsamen Umgang
mit Energie höchste Priorität eingeräumt werden.
Die Linksfraktion geht davon aus, dass der Bedarf an Braunkohlestrom im Lande und bundes-
weit in den kommenden Jahren weiter sinkt. Die
vorgelegten Daten sprechen dafür, dass spätestens 2050 der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung im Land Brandenburg möglich ist. Politisch begleitet werden muss dieser Prozess mit
einem sozialverträglichen Strukturwandel im
Lausitzer Bergbaugebiet hin zu einer innovativen
Energieregion, die zukunftsfähige Arbeitsplätze
schafft und den Menschen neue Perspektiven erschließt.
Entscheidung verfrüht
Von
Ingo Paeschke
Mitglied des
Landesvorstandes
DIE LINKE.
Brandenburg
D
er Landesvorstand hat am 30. Setember
2007 mit großer Mehrheit den Beitritt des
Landesverbandes zur Volksinitiative „Keine neuen Tagebaue“ beschlossen.
Als Mitglied des Landesvorstandes und Fraktionsvorsitzender in der SVV der Stadt Forst (Lausitz) halte ich diesen Beschluss für verfrüht und
habe ihn deshalb nicht mitgetragen.
Als politischer Vertreter in der Lausitz bin ich der
Überzeugung, dass wir Gesprächspartner aller
Seiten in diesem Abwägungs- und Entwicklungsprozess sein müssen. Die Energieversorgung der
kommenden Jahrezehnte wird unsere Region
wesentlich beeinflussen. Es geht deshalb heute
darum, diesen Prozess aktiv mitzugestalten. Die
einseitige Abgrenzung gegenüber Vattenfall und
ein Bekenntnis ausschließlich zu erneuerbaren
Energien schafft nach meiner Auffassung keine
Versorgungssicherheit in den nächsten Jahrzehnten. Die Energiepolitik der Linken muss eine
Verbindung aus sozialen, wirtschaftlichen und
ökologischen Gesichtspunkten beinhalten. Strom
und Wärme muss für alle Bevölkerungsgruppen
bezahlbar bleiben, stabile Arbeitsplätze sichern
die Zukunft der Lausitz. Sollte es Vattenfall gelingen in einer neuen Kraftwerksgeneration CO2
zu verflüssigen und sicher zu entsorgen, kann
dies für eine Übergangszeit eine vertretbare Technologie zur Stromerzeugung aus Braunkohle
sein. Nur unter diesen Rahmenbedingungen wäre dann auch der Aufschluss neuer Tagebaue vertretbar. Da wir erst in einigen Jahren Klarheit
über die Machbarkeit dieser Technologie haben
werden, ist eine Entscheidung gegen den Aufschluss neuer Tagebaue in der Lausitz zum jetzigen Zeitpunkt, für mich nicht akzeptabel.
Volksinitiative für ein Sozialticket in Brandenburg
Der erste Schritt ist getan
D
ie Initiatoren der Volksinitiative für ein
Sozialticket in Brandenburg (Arbeitslosenverband Brandenburg e.V., DGB Bezirk Berlin-Brandenburg, Diakonie Brandenburg, ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg,
Grüne Liga Brandenburg e.V., WASG Brandenburg und Linkspartei.PDS Brandenburg: jetzt
DIE LINKE, Paritätischer Wohlfahrtsverband
Brandenburg, Volkssolidarität) beendeten am
30. September 2007 ihre Unterschriftensammlung im Land Brandenburg. Die erforderliche
Anzahl an Unterschriften (20 000) wurde erreicht und deutlich überschritten. Das gelang
in nur 5 Monaten, die seit dem Beginn der
Volksinitiative vergangen sind. Wir danken allen Brandenburgerinnen und Brandenburgern,
die ihre Unterschrift für einen bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr für alle gegeben haben
und den vielen fleißigen Unterschriftensammlerinnen und -sammlern.
Am Dienstag, dem 2. Oktober haben die Vertreterinnen und Vertreter der Initiatoren der Volksinitiative eine Pressekonferenz im Landtag
durchgeführt. Im Anschluss daran wurden die
Unterschriftslisten an den Präsidenten des Landtages öffentlich übergeben. Wenn, wie wir er-
warten, diese rechtliche Hürde genommen sein
wird, muss sich der Landtag mit dem Anliegen
Sozialticket erneut befassen. Er wird dann hoffentlich zu einer vernünftigen Entscheidung
kommen und im Interesse derer handeln, die
unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht in
der Lage sind, sich den vollen Fahrpreis leisten
zu können. Das Sozial- und Verkehrsministerium stehen dafür in der Pflicht. Wir erwarten,
dass sich auch die Fraktionen der Regierungskoalition positiv für das Anliegen entscheiden
werden.
Anita Tack, MdL
Bundes-Sozialforum für eine gerechtere Welt
tagt in Cottbus
Ü
ber den Umgang mit den bedrohlichen politischen und ökonomischen Realitäten
wird während des 2. Sozialforums in
Deutschland diskutiert, das vom 18. bis zum 21.
Oktober in Cottbus stattfindet. In enger Zusammenarbeit mit verschiedensten zivilgesellschaftlichen Gruppen, mit Attac und der Friedensbewegung, mit großen DGB-Gewerkschaften und
den regionalen Gewerkschaftsorganisationen
hat die Initiative Sozialforum alle organisatorischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Forum geschaffen. „Auch wenn wir uns als Partei
nicht offiziell an diesem Forum beteiligen können, so sind wir doch aktive Unterstützerin dieser Veranstaltungen und hoffen, dass viele von
uns an ihnen teilnehmen“, so der Landesvorsitzende der LINKEN Brandenburg, Thomas Nord.
Außerhalb von parteipolitischer Vereinnahmung
soll das Treffen ein „offener Raum der Begegnung“ für alle die sein, die sich für eine gerechtere, friedliche und ökologisch orientierte Gesellschaft engagieren wollen, „eine Plattform für
soziale Bewegungen und demokratische Ideen“,
so Ralf Franke, Cottbuser verdi-Sekretär und
Mitglied im Vorbereitungsteam. Rund 2000 Teilnehmer werden zum Bundes-Sozialforum in
Cottbus erwartet. Schwerpunkt des Forums sind
sieben Themenkonferenzen, die in der Cottbuser
Stadthalle stattfinden und die sich unter anderem mit den Themen „Arbeitswelt und Menschenwürde“, „Die Lausitz in Europa“, und „Anders leben – für eine lebenswerte Welt“ beschäftigen. Dazu gibt es verschiedene Seminare und
Workshops, in denen es vom Protest gegen die
Zerstörung der Lausitz durch den BraunkohleAbbau über „Drohende Privatisierung des Gemeinguts Wasser“ bis hin zu verschiedenen
Hilfsprojekten für Afrika, Asien und Lateinamerika gehen wird. Als prominente Gäste und Redner bei den Themenkonferenzen werden unter
anderem Linke-Parteichef Oskar Lafontaine,
Günter Nooke, Menschenrechtsbeauftragter der
Bundesregierung und Frank Bsirske, Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft verdi, erwartet.
Brandenburger Seiten
8
Unsere Seite
OKTOBER 2007
7
In ehrendem Gedenken
WASG und LINKE.PDS ehrten Opfer des Faschismus
V
or dem Gründungsparteitag hielten WASG
und LINKE.PDS gemeinsam zwei Gedenkveranstaltungen ab, um an eine der wichtigsten historischen Gemeinsamkeiten von beiden Parteien zu erinnern, die sich zu einer neuen bundesweiten politischen Kraft verbunden
haben. Die Botschaft ist eindeutig: Auch die neue
Partei wird dem Antifaschismus zentral verpflichtet sein.
Die erste Gedenkveranstaltung wurde im ehemaligen Zuchthaus Görden abgehalten, in dem
die Nazis unmittelbar nach der Machtübertragung durch Hindenburg im Jahr 1933 ihren blutigen Terror begonnen hatten. Nach einer Kranzniederlegung, der eine Schweigeminute folgte,
informierte ein Mitarbeiter der Gedenkstätte
über die Gräueltaten der Faschisten und stellte
anhand einer Einzelbiographie beispielhaft das
Geschehen dar, was sich hinter diesen Mauern
zugetragen hat. Teilweise wurden die Hinrichtungen mit einem Fallbeil in so großer Zahl
durchgeführt, dass die Inhaftierten in Schlange
standen und jeweils nach einer Enthauptung einen Schritt vortreten mussten, bis sie selbst an
der Reihe waren.
Auf dem Nicolaiplatz wurde ein Kranz im Gedenken an die Euthanasie-Opfer niedergelegt.
Musiker der Brandenburger Philharmoniker haben dem Gedenken einen würdigen Rahmen gegeben. Ein Wortbeitrag von den Gestaltern der
Gedenkstätte sorgte auch hier für eine wahrheitsgetreue Darstellung der historischen Geschehnisse, die von den Nationalsozialisten zu
verantworten sind.
Nach beiden Gedenkveranstaltungen gingen die
sichtlich bewegten zweihundert Teilnehmer und
Teilnehmerinnen, unter ihnen Landtagspräsident Gunter Fritsch und Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg vor das Tagungsgebäude des
Gründungsparteitages. Hintergrund des gemeinsamen Handelns war eine Mahnwache der NPD
vor dem Theater. Nicht nur, dass die Neonazis
damit wieder einmal eine der wesentlichen Protestformen der Linken instrumentalisieren, allein das Thema, „Sozial – Das geht nur national!“
war schon Grund genug, parteiübergreifend zu
zeigen, dass Menschen, die sich heute noch positiv auf den Faschismus und das Dritte Reich berufen, keinen Platz im öffentlichen Leben haben.
Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein
Verbrechen.
Die NPD tritt in den letzten Monaten in Brandenburg verstärkt öffentlich auf. Grund dafür
dürfte sein, dass die NPD das Kooperationsabkommen mit der DVU faktisch aufgekündigt hat.
Brandenburg ist das einzige Bundesland, in dem
die DVU noch Sitze im Landtag hat.
Auch wenn die Neonazis nach kurzer Zeit ihren
Stand vor dem Theater wieder abgebrochen haben, bleibt die Einschätzung bestehen, dass die
NPD versuchen wird, bereits nächstes Jahr bei
den Kommunalwahlen in Brandenburg anzutreten. Bei der Landtagswahl 2009 wird sie versuchen, der DVU das eh schon dünne Wasser abzugraben und statt derer in den Brandenburger
Landtag einzuziehen. Aus dieser Perspektive ist
es richtig und wichtig, schon frühzeitig und auf
allen Ebenen gegen eine weitere Ausbreitung
neofaschistischer Gesinnung aufzutreten.
Die beiden Gedenkveranstaltungen von DIE LINKE.PDS und WASG vor ihrem Gründungsparteitag haben nicht nur auf die jeweiligen Wurzeln
und politischen Selbstverständnisse der beiden
Parteien hingewiesen und der Opfer des Nationalsozialismus in ehrendem Gedenken ihren Respekt erwiesen. Die Veranstaltungen haben allen
Teilnehmern und Teilnehmerinnen wieder einmal mehr als deutlich gezeigt, welchen Ideen
diese Leute für eine nationale Lösung der sozialen Frage anhängen. DIE LINKE. Brandenburg
wird mit allen antifaschistisch gesinnten Einzelmenschen, Gruppen, Zusammenschlüssen und
Parteien zusammenarbeiten und den Nazis entschieden entgegentreten.
DIE LINKE. Brandenburg gegründet –
Thomas Nord als Vorsitzender
bestätigt
M
it einem Parteitag gründeten die Brandenburger LINKEN am 8.
September 2007 ihren Landesverband und besiegelten damit
auch die Fusion von Linkspartei und WASG in der Mark.
Mit wenigen Enthaltungen verabschiedeten die rund 200 Delegierten
beider Parteien die neue Landessatzung und Finanzordnung. Sie erkannten den Jugendverband solid als Jugendverband der neuen LINKEN an. Zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei wurde der bisherige Vorsitzende der Linkspartei.PDS Thomas Nord gewählt. Er erhielt
89,4% der Stimmen (zum Vgl. im Februar 2007 waren es 82,5%).
Zu den Stellvertretern Nords bestimmten die Delegierten die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann mit 94,4%, (Februar mit
90,0%) und den ehemaligen WASG-Vertreter Christian Eicke 76,1%.
Der Landesvorstand wurde in einer Liste mit 80, 4% gewählt. Dazu
gehören Maria Strauss als Landesgeschäftsführerin, Matthias Osterburg als Schatzmeister, Dr. Andreas Bernig, Elke Böckmann, Katharina Dahme, Thomas Domres, Sylvia Hauffe, Dr. Steffen Hultsch, Diana Golze, Matthias Loehr, Dagmar Lorenz, Stefan Ludwig, Dr. Jutta
Nitsche, Ingo Paeschke, Harald Petzold, Dagmar Püschel, Petra Wirth,
Margitta Mächtig.
Die Gründung der Partei wird in den kommenden Monaten auf der
Ebene der Kreisverbände abgeschlossen. Im Januar 2008 wird es
dann den ersten regulären Parteitag der LINKEN in Brandenburg geben.
Mehr Infos unter www.dielinke-brandenburg.de
Niemöllers Worte sollten Leitmotiv sein
Der Landesvorsitzende Thomas Nord erinnerte
daran, dass der Kampf gegen die Überzeugungen
und Weltanschauungen der Faschisten leider immer noch aktuell ist. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Worte des evangelischen Pfarrers
Martin Niemöller:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich
geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie
die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als
sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als
sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ für alle Demokraten und Demokratinnen im Land, und für alle, die sich aktiv gegen Nazis im Land einsetzen wollen, das Leitmotiv für die kommenden Jahre wird und
wünschte, dass dieser Kampf erfolgreich zu Ende geführt wird. Dies vor allem auch im Namen
der Menschen, denen nicht nur in Brandenburg
an der Havel gedacht wird, den Menschen, die
von den Nazis ermordet wurden, und die es verdient haben, dass die Nachkommen, die heute
Lebenden, sich dafür einsetzen, dass das Andenken der Opfer des Nationalsozialismus von solchen Menschen nicht weiter in den Schmutz getreten wird.
Es gibt noch viel zu tun
Christian Eicke wurde als stellvertretender Landesvorsitzender der LINEN gewählt. Mit ihm
sprach die Redaktion.
Was hat sich seit Ihrer Wahl verändert?
Viel hat sich eigentlich nicht verändert, auf der
Straße werde ich deshalb nicht erkannt... Aber es
gibt natürlich noch ein paar mehr Termine
abends und am Wochenende; ich muss mich jetzt
öfter mal hier und dort sehen lassen, bin aber
zum Glück immer noch kein hauptberuflicher Politiker, sondern gehe meinem „bürgerlichen“ Beruf so nach wie auch vor der Wahl.
Wie bekommen Sie Ihre Arbeit als Richter am
Landgericht Cottbus und die politische Arbeit in
einer solchen Funktion unter einen Hut?
Ich denke, in Parteien sollten nicht nur Berufspolitiker führende Positionen einnehmen, sondern auch Menschen, die täglich im normalen Arbeitsleben stehen; auf der anderen Seite muss ich
Beruf und Politik natürlich streng trennen und
meinen Beruf völlig unabhängig von politischen
Wunschvorstellungen nur an Gesetz und Verfassung orientiert ausüben; aber mein starkes Stre-
ben nach Gerechtigkeit kommt mir natürlich in
beiden Betätigungsfeldern entgegen.
Was haben Sie sich politisch vorgenommen?
Zunächst möchte ich die mir übertragene Funktion
als stellvertretender Parteivorsitzender in Brandenburg möglichst gut ausfüllen; jetzt gilt es, die
formal vollzogene Fusion der Linkspartei.PDS und
der WASG auch in der täglichen Praxis in der
ganzen Weite des Landes in den Basisorganisationen umzusetzen; das wird viel schwieriger werden,
als die Einigung zwischen den Führungsebenen.
Wohin soll sich die LINKE Ihrer Meinung nach
entwickeln?
Die Partei muss eine starke und einige, moderne politische Kraft zur Entwicklung des demokratischen
Sozialismus werden. Für die Menschen in Brandenburg muss sie eine auf die Zukunft ausgerichtete,
realistische politische Alternative sein. Jeder muss
wissen, dass Die Linke. für mehr Demokratie, Bürgerbeteiligung, mehr soziale Gerechtigkeit und
Chancengleichheit für alle und für umfassende Bereitschaft zum Frieden steht; wenn wir diese Ziele
ernsthaft anstreben und dies wirklich glaubhaft vermitteln können, werden wir viel bewirken können,
und zwar mit den Menschen und nicht gegen sie.
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Brandenburger Seiten
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OKTOBER 2007
Trotz Rückgang der Arbeitslosigkeit sind
strukturelle Probleme noch nicht gelöst
Von
Christan Görke
Parlamentarischer
Geschäftsführer
und arbeitsmarktpolitischer
Sprecher der
Fraktion DIE LINE
im Landtag
Brandenburg
D
er weitere Rückgang der Arbeitslosigkeit
im September in Brandenburg ist erfreulich. Allerdings weisen die aktuellen Arbeitsmarktdaten darauf hin, dass die strukturellen Probleme des brandenburgischen Arbeitsmarktes nach wie vor nicht gelöst sind. So resultiert der Beschäftigungszuwachs im zurückliegenden Monat in erster Linie durch den Anstieg
der Zeitarbeitsverhältnisse. Dabei handelt es sich
oftmals um befristete Beschäftigungsverhältnisse, die nicht zwangsläufig Existenz sichernd sind.
Auch der Anstieg der so genannten Aufstocker in
Brandenburg auf mehr als 60 000 zeigt, dass immer mehr Brandenburgerinnen und Brandenburger allein von ihrer Arbeit nicht leben können.
Der konjunkturelle Aufschwung in Brandenburg geht an den über 55-jährigen Arbeitslosengeld-II-Empfängern vollkommen vorbei.
Seit April dieses Jahres stieg ihre Zahl auf derzeit 30300 Personen. Während bei anderen Indikatoren des Arbeitsmarktes erfreuliche Rückgänge zu verzeichnen sind, ist der Trend bei älteren Arbeitslosengeld-II-Empfängern weiterhin steigend.
Gerade für diesen Personenkreis wäre der von
der LINKEN seit langem geforderte öffentlich geförderte Beschäftigungssektor eine echte Alternative. Grundlage hierfür könnte das Modell des
Kommunalkombis sein, allerdings unter stärkerer finanzieller Beteiligung des Bundes. Ebenfalls ist ein Landeszuschuss unerlässlich.
Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist
die Anzahl von lediglich 4090 Personen in beruflichen Bildungsmaßnahmen nicht ausreichend, zumal im Vergleich zum Vorjahresmonat
ein Rückgang von 842 Personen registriert werden muss.
Demgegenüber steht die massenhafte Anwendung der so genannten Ein-Euro-Jobs. Ende September waren in Brandenburg insgesamt 18 193
Menschen in öffentlich geförderter Beschäftigung
tätig; davon allerdings 14 421 in Arbeitsgelegenheiten nach dem SGB II. Das widerspricht dem
ursprünglichen Grundsatz, Ein-Euro-Jobs als ultima ratio der Arbeitsförderung einzusetzen. EinEuro-Jobs bieten den Langzeitarbeitslosen keine
wirkliche berufliche Perspektive.
Enkelmann wirbt für Teilnahme an
Deutschem Studienpreis
E
ine Chance für junge Wissenschaftler bietet
der Deutsche Studienpreis, den die Bundestagsabgeordnete Dr. Dagmar Enkelmann
(DIE LINKE) unterstützt und bei dem sie um Beteiligung wirbt. Mit dem Studienpreis zeichnet die
Körber-Stiftung junge Forscherinnen und Forscher aus, die mit ihrer Dissertation einen Beitrag
für eine lebenswerte und zukunftsfähige Welt leisten. Wert wird dabei weniger auf die ökonomische Verwertbarkeit der Erkenntnisse, sondern
mehr auf den gesellschaftlichen Nutzen gelegt.
Die Ausschreibung des Studienpreises richtet
sich ausdrücklich an Promovierte. Sie werden
aufgefordert, in einem etwa 15 Seiten langen
Wettbewerbsbeitrag die zentralen Ergebnisse ihrer Forschungen zu erläutern und deutlich zu
machen, worin deren besondere gesellschaftliche Relevanz besteht. Die besten drei Arbeiten
werden mit Preisen in Höhe von je 30 000 Euro
prämiert.
Anmeldeformulare sowie weitere Informationen
zum Studienpreis sind im Bernauer Wahlkreisbüro von Dagmar Enkelmann, Berliner Str. 17,
unter der Rufnummer 03338 459543 oder per EMail unter [email protected] erhältlich.
Havelregion bei BUGA-Bewerbung
2015 unterstützen
BUGA 2001
Herausgeber
Landesvorstand der
LINKEN Brandenburg
Alleestraße 3
14469 Potsdam
fon 0331 20009-0
V.i.S.d.P.
Thomas Nord
Verantwortliche Redakteurin
Gerlinde Krahnert
[email protected]
fon 0170 7320779
Illustrationen
Amelie Glienke (S. 3)
Satz & Layout
Michael Pickardt
Druck
Druckhaus Schöneweide
Redaktionsschluss
1. Oktober 2007
den Bewerberkommunen endlich durch ein
klares Bekenntnis den Rücken stärken. „Die
verbalen Bekundungen aus den Koalitionsfraktionen, die BUGA-Bewerbung der Havelregion
wohlwollend zu begleiten, sind das eine. Dem
muss jetzt aber eine verbindliche Zusage der
Landesregierung folgen, will sie die Chancen
der Havelregion im Bewerbungsverfahren
nicht verringern. Dies ist insbesondere vor dem
Hintergrund bedeutsam, dass der Mitbewerber, die Stadt Karlsruhe, auf die Unterstützung
des Landes Baden-Württemberg bauen kann“,
so Kerstin Kaiser.
■ Bitte vormerken:
D
ie Linksfraktion im Landtag unterstützt
die brandenburgischen Kommunen, die
sich um die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2015 bewerben, und spricht sich für eine Ressort übergreifende, finanzielle Unterstützung dieses Großereignisses aus.
Die Fraktionsvorsitzende, Kerstin Kaiser, forderte nach der Präsentation der BUGA-Bewerbung die Landesregierung noch einmal auf,
Am Samstag, den 27. Oktober 2007,
15.00 Uhr liest Annekathrin Bürger
aus ihrer Autobiografie
„Der Rest, der bleibt“, Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben.
Ort: Leseecke beim Landesvorstand der
LINKEN Brandenburg, Alleestraße 3,
14469 Potsdam.
Pressefest in Paris
Nun ist es schon wieder vorbei, das Pressefest „La Fête de l’Humanité“. Beim Abschied von Freunden und Genossen hieß
es: „A la prochaine“ – Bis zum nächsten
Mal!
Man muss einfach dabei gewesen sein, um
sich die Atmosphäre dieses gigantischen
politischen und kulturellen Festes der linken Parteien und Organisationen aus aller
Welt vorstellen zu können. Jedes Jahr im
September findet es statt und wir sind seit
Anfang der 90er dabei mit unserem Stand.
Die Resonanz war in diesem Jahr besonders groß, denn wir haben mit der Gründung der LINKEN ein Zeichen gesetzt. Immer wieder wurden wir angesprochen, es
wurde gratuliert, die Frage gestellt: Wie
habt ihr das bloß gemacht? Was können
wir tun, um dieses Ziel auch zu erreichen?
Wir werden im kommenden Jahr wieder
dabei sein, am zweiten Wochenende im
September, haben auch schon Pläne und
Ideen, wie er besser, politischer zu gestalten wäre, unser Stand der LINKEN, und
wir wünschen uns dazu schon einmal,
dass Lothar Bisky (oder auch andere Genossen des Parteivorstandes) vielleicht
nicht nur zum Frühstück zu uns an den
Stand kämen.
Ines Sarnighausen
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